Document text
RUDOLF STEINER GE SAMTAUSGABE
SCHRIFTEN
RUDOLF STEINER
AUS DER AKASHA-CHRONIK
Herausgegeben von Marie Steiner
1986
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH / SCHWEIZ
Herausgegebcn von der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
ErstmaJs erschiencn in der Zeitschrift «Lucifer - Gnosis* Nrn. 14-35
Berlin 1904 bis 1908
1. Auflage in Buchform, Dornach o. J. (1939)
2. Auflage (3.-6. Tsd.), Basel 1955
Rudolf Steiner Gesamtausgabe
3. Auflage (7.-8. Tsd.), Dornach 1964
4. Auflage (9.-10. Tsd.), Dornach 1969
5. Auflage (11.-14. Tsd.), Dornach 1973
6. Auflage (15.-17. Tsd.), Dornach 1986
Einzelausgabe siehe Seite 251
Bibliographie-Nr. 11
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
© 1973 by Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
Printed in Switzerland by Zbinden Druck und Verlag AG, Basel
ISBN 3-7274-0110-9
INHALT
Vorwort Marie Steiners zur ersten Buchausgabc 1939 .... 7
Die Kuitur der Gegenwart im Spiegel der Geisteswissenschaft 9
Aus der Akasha-Chronik
Vorwort 21
Unsere atlantischen Vorfahren 26
Ubergang der vierten in die fiinfte Wurzelrasse .... 44
Die lemurische Rasse 57
Die Trennung in Geschlechter 74
Die letzten Zeiten vor der Geschlechtertrennung .... 87
Die hyper boraische und die polarische Epoche .... 98
Anfang der gegenwartigen Erde . Austritt der Sonne . . Ill
Austritt des Mondes 120
Einige notwendige Zwischenbemerkungen 129
Von der Herkunft der Erde 141
Die Erde und ihre Zukunft 151
Das Leben des Saturn 161
Das Leben der Sonne 171
Das Leben auf dem Monde 183
Das Leben der Erde 196
Der viergliedrige Erdenmensch 213
Fragenbeantwortung 233
Vorurteile aus vermeintlicher Wissenschaft 238
Hinweise 251
Ubersicht uber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe . . . . 253
VORWORT MARIE STEINERS
zur ersten Buchausgabe 1939
Auf vielfachen Wunsch werden diese im Jahre 1904 zu-
erst erschienenen Aufsatze Dr. Rudolf Steiners nun nach
fiinfunddreifiig Jahren in Buchform herausgebracht.
Geschrieben waren sie fiir die zuerst monatlich, dann in
grofieren Zwischenraumen erscheinende Zeitschrift «Luci-
fer-Gnosis». Dadurch erklart sich das oftere Zuriick-
greifen und Hinweisen auf vorher Gesagtes. Doch sind
ja Wiederholungen dem Studium der Geisteswissenschaft
besonders forderlich. Verwirrend konnte es neute man-
cher empfinden, dafi neben der neuen fiir das Abend-
land gepragten Terminologie auch diejenige miterwahnt
wird, die orientalischer Esoterik entnommen ist. Sie war
durch dieLiteratur der Theosophischen Gesellschaft in der
Zeit der Jahrhundertwende in Europa popular geworden.
Die exotischen Namen waren im Gedachtnis haftenge-
blieben; die feineren Nuancen, die der Orientale damit
verbindet, blieben ja trotzdem dem Europaer verschlossen.
Die Durchgestaltung unserer der Sinneswahrnehmung an-
gepafken Sprache zu feinerer geistiger Begrifflichkeit
und zur konkreten Bildhaftigkeit auch des ObersinnHchen
war etwas, woran Dr. Steiner unablassig gearbeitet hat.
Bei der Schilderung der Wirksamkeit der Hierarchien
benutzt er die dafiir iibliche christliche Terminologie.
Was hier in der «Aka$ha-Chronik» in knapper Uber-
sichtlichkeit vor Augen gefiihrt wird, findet seine Fort-
setzung in den Buchern «Theosophie» und «Geheim-
wissenschaft im Umrifi».
Die Zeitschrift «Lucifer-Gnosis» konnte wegen iiber-
maftiger Inanspruchnahme durch Vortragstatigkeit und
anderer Betatigungen nicht weitergefiihrt werden. Neben
den Ergebnissen der Geheimforschung enthalt sie viele
Aufsatze, in denen Dr. Steiner mit dem naturwissen-
schaftlichen Denken der Gegenwart sich auseinandersetzt.
Da es nicht ausbleiben kann, dafi Niederschriften wie die-
jenige iiber die «Aka$ha~Chronik» den meisten unvor-
bereiteten Lesern heute noch als wilde Phantastik er-
scheinen, so sollen zwei die Erkenntnisprobleme der Gegen-
wart beriihrende Aufsatze aus jener Zeitschrift voran-
gehen und folgen. Sie durften in ihrer niichternen Logik
den Beweis erbringen, dafi der Erforscher iibersinnlicher
Welten auch Probleme der Gegenwart ruhig und sach-
lich iiberschauen kann.
Die Zeitschrift widmete sich auch der Beantwortung
von Fragen, die aus dem Leserkreise gestellt wurden. Dem
entnehmen wir einiges auf die atlantische Menschheit und
die Geheimwissenschaft Beziigliche. Wer sich klarwerden
mochte iiber die Art, wie das Lesen in der «Akasha-
Cbronik» zustande kommt, mufi sich freilich dem Stu-
dium der Anthroposophie eingehend widmen.
Neben den oben erwahnten Buchern sei fur Fortge-
schrittene im Studium der Geisteswissenschaft hinge-
wiesen auf die Esoterischen Betrachtungen iiber «Okkultes
Lesen und okkultes Horen» und auf den eben erschei-
nenden dritten Band der Schriftenreihe: Geistige Wesen
und ihre Wirkungen, der heute besonders interessieren
diirfte: «Geschichtliche Notwendigkeit und Freiheit.
Schicksalseinwirkungen aus der Welt der Toten».
DIE KULTUR DER G E G E N WART IM SPIEGEL
DER GEISTESWISSENSCHAFT
Fur denjenigen, welcher den Gang der wissenschaftlichen
Entwickelung in den letzten Jahrzehnten verfolgt, kann
kein Zweifel dariiber bestehen, daft sich innerhalb des-
selben ein machtiger Umschwung vorbereitet. Ganz anders
als vor kurzer Zeit klingt es heute, wenn ein Natur-
forscher sich iiber die sogenannten Ratsel des Daseins
ausspricht. — Es war um die Mitte des neunzehnten
Jahrhunderts, als einige der kuhnsten Geister in dem
wissenschaftlichen Materialismus das einzig mogliche
Glaubensbekenntnis sahen, das jernand haben kann, der
mit den neueren Ergebnissen der Forschung bekannt ist.
Beriihmt geworden ist ja der derbe Ausspruch, der da-
mals gefallen ist, daft «die Gedanken etwa in demselben
Verhaltnisse zum Gehirne stehen wie die Galle zu der
Leber ». Karl Vogt hat ihn getan, der in seinem «K6hler-
glauben und Wissenschaft» und in anderen Schriften
alles fiir iiberwunden erklarte, was nicht die geistige
Tatigkeit, das seelische Leben aus dem Mechanismus des
Nervensystems und des Gehirnes so hervorgehen Heft,
wie der Physiker erklart, daft aus dem Mechanismus der
Uhr das Vorwartsriicken der Zeiger hervorgeht. Es war
die Zeit, in welcher Ludwig Buchners «Kraft und Stoff»
fiir weite Kreise von Gebildeten zu einer Art Evangelium
geworden ist. Man darf wohl sagen, daft vortreffliche,
unabhangig denkende Kopfe zu solchen Oberzeugungen
durch den gewaltigen Eindruck gekommen sind, welchen
die Erfolge der Naturwissenschaft in neuerer Zeit ge-
macht haben. Das Mikroskop hatte kurz vorher die Zu-
sammensetzung der Lebewesen aus ihren kleinsten Tei-
len, den Zellen, gelehrt. Die Geologie, die Lehre von der
Erdbildung, war dahin gekommen, das Werden unseres
Planeten nach denselben Gesetzen zu erklaren, die heute
noch tatig sind. Der Darwinismus versprach auf eine rein
natiirliche Weise den Ursprung des Menschen zu erklaren
und trat seinen Siegeslauf durch die gebildete Welt so
verheiftungsvoll an, dafi fiir viele durch ihn aller «alte
Glaube» abgetan zu sein schien. Das ist seit kurzem ganz
anders geworden. Zwar finden sich noch immer Nach-
ziigler dieser Ansichten, die wie Ladenburg auf der Na-
turforscher-Versammlung von 1903 das materialistische
Evangelium verkiindigen; aber ihnen gegenuber stehen
andere, welche durch ein reiferes Nachdenken iiber wis-
senschaftliche Fragen zu einer ganz anderen Sprache ge-
kommen sind. Eben ist eine Schrift erschienen, welche den
Titel tragt «Naturwissenschaft und Weltanschauung*.
Sie hat Max Verworn zumVerfasser, einen Physiologen,
der aus Haeckels Schule hervorgegangen ist. In dieser
Schrift ist zu lesen: «In der Tat, selbst wenn wir die voll-
kommenste Kenntnis besa£en von den physiologischen
Ereignissen in den Zellen und Fasern der Grofihirnrinde5
mit denen das psychische Geschehen verkmipft ist, selbst
wenn wir in die Mechanik des Hirngetriebes hineinschauen
konnten wie in das Getriebe der Rader eines Uhrwerkes,
wir wiirden doch niemals etwas anderes finden als be-
wegte Atome. Kein Mensch konnte sehen oder sonst ir-
gendwie sinnlich wahrnehmen, wie dabei Empfindungen
und Vorstellungen entstehen. Die Resultate, welche die
materialistische Auffassung bei ihrem Versuch der Zu-
ruckfiihrung geistiger Vorgange auf Atombewegungen ge-
habt hat, illustrieren denn auch sehr anschaulich ihre Lei-
stungsfahigkeit: Solange die materialistische Anschauung
besteht, hat sie nicht die einfachste Empfindung durch
Atombewegungen erklart. So war es und so wird es sein
in Zukunf t. Wie ware es auch denkbar, dass jemals Dinge,
die nicht sinnlich wahrnehmbar sind wie die psychi-
schen Vorgange, ihre Erklarung finden konnten durch
eine blofie Zerlegung grofier Korper in ihre kleinsten
Teile! Es bleibt ja das Atom doch immer noch ein Korper
und keine Bewegung von Atomen ist jemals imstande, die
Kluft zu iiberbriicken zwischen Korperwelt und Psyche.
Die materialistische Auffassung, so fruchtbar sie als natur-
wissenschaftliche Arbeitshypothese gewesen ist, so frucht-
bar sie in diesem Sinne auch zweifellos noch in Zukunf t
bleiben wird — ich verweise nur auf die Erfolge derStruk-
tur-Chemie — , so unbrauchbar ist sie doch als Grundlage
fur eine Weltanschauung. Hier erweist sie sich als zu eng.
Der philosophiscbe Materialismus hat seine historische
Rolle ausgespielt. Dieser Versuch einer naturwissenschaft-
lichen Weltanschauung ist fur immer miftlungen.» So
spricht ein Naturforscher am Anfang des zwanzigsten
Jahrhunderts iiber die Anschauung, die um die Mitte des
neunzehnten wie ein neues, durch die wissenschaftlichen
Fortschritte gef ordertes Evangelium verktindet worden ist.
Insbesondere sind es die fiinfziger, sechziger und sieb-
ziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, welche als die-
jenigen der materialistischen Hochflut bezeichnet werden
diirfen. Einen wahrhaft faszinierenden Einflufi iibte da-
mals die Erklarung der geistigen und seelischen Erchei-
nungen aus rein mechanischen Vorgangen aus. Und die
Materialisten durften sich damals sagen, dafi sie einen
Sieg iiber die Anhanger der geistigen Weltanschauung
davongetragen haben. Auch solche, die nicht von
naturwissenschaftlichen Studien ausgegangen waren,
traten in ihr Gefolge. Hatten noch Buchner, Vogt, Mole-
schott und andere auf rein naturwissenschaftliche Vor-
aussetzungen gebaut, so versuchte David Friedrich Straufi
1872 in seinem «Alten und neuen Glauben» aus seinen
theologischen und philosophischen Erkenntnissen heraus
die Stutzpunkte fiir das neue Bekenntnis zu gewinnen. Er
hatte schon vor Jahrzehnten in aufsehenerregender Weise
in das Geistesleben durch sein «Leben Jesu» eingegriffen.
Er schien ausgeriistet zu sein mit der vollen theologischen
und philosophischen Bildung seiner Zeit. Er sprach es
jetzt kiihn aus, dass die im materialistischen Sinne ge-
haltene Erklarung der Welterscheinungen einschliefilich
des Menschen die Grundlage bilden miisse fiir ein neues
Evangelium, fiir eine neue sittliche Erfassung und Gestal-
tung des Daseins. Die Abkunft des Menschen von rein
tierischen Vorfahren schien ein neues Dogma werden zu
wollen, und alles Festhalten an einem geistig-seelischen
Ursprung unseres Geschlechtes gait in den Augen der
naturforschenden Philosophen als stehengebliebener Aber-
glaube aus dem Kindheitsalter der Menschheit, mit dem
man sich nicht weiter zu beschaftigen habe.
Und denen, welche auf der neueren Naturwissenschaft
bauten, kamen die Kulturhistoriker zu Hilfe. Die Sitten
und Anschauungen wilder Volksstamme wurden zum Stu-
dium gemacht. Die Ueberreste primitiver Kulturen, die
man aus der Erde grabt, wie die Knochen vorweltlicher
Tiere und die Abdriicke untergegangener Pflanzenwelten:
sie sollten ein Zeugnis abgeben fiir die Tatsache, dafi der
Mensch bei seinem ersten Auftreten auf dem Erdball sich
nur dem Grade nach von den hoheren Tieren unterschie-
den habe, dafi er aber geistig-seelisch sich durchaus von
der bloften Tierheit zu seiner jetzigen Hohe heraufent-
wickelt habe. Es war ein Zeitpunkt eingetreten, wo alles
in diesem matenalistischen Baue zu stimmen schien. Und
unter einem gewissen Zwange, den die Vorstellungen der
Zeit auf sie ausiibten, dachten die Menschen so, wie ein
glaubiger Materialist schreibt: *Das eifrige Studium der
Wissenschaft hat mich dazu gebracht, alles ruhig aufzu-
nehmen, das Unabanderliche geduldig zu tragen und iibri-
gens dafiir sorgen zu helfen, dafi der Menschheit Jammer
allmahlich gemindert werde. Auf die phantastischen Tro-
stungen, die ein glaubiges Gemiit in wunderbaren Formeln
sucht, kann ich um so leichter verzichten, als meine Phan-
tasie durch Literatur und Kunst die schonste Anregung
findet. Wenn ich dem Gang eines grofien Dramas folge
oder an der Hand von Gelehrten eine Reise zu anderen
Sternen, eine Wanderung durch vorweltliche Landschaf-
ten unternehme, wenn ich die Erhabenheit der Natur
auf Bergesgipfeln bewundere oder die Kunst des Men-
schen in Tonen und Farben verehre, habe ich da nicht
des Erhebenden genug? Brauche ich dann noch etwas, das
meiner Vernunft widerspricht? — Die Furcht vor dem
Tode, die so viele Fromme qualt, ist mir vollstandig
fremd. Ich weifi, daft ich, wenn mein Leib zerfallt, so
wenig fortlebe, wie ich vor meiner Geburt gelebt habe.
Die Qualen des Fegefeuers und einer Holle sind fur mich
nicht vorhanden. Ich kehre in das grenzenlose Reich der
Natur zuriick, die alle Kinder liebend umfaftt. Mein Le-
ben war nicht vergeblich. Ich habe die Kraft, die ich be-
safi, wohl angewendet. Ich scheide von der Erde in dem
festen Glauben, daft sich alles besser und schoner ge-
stalten wird!» (Vom Glauben zum Wissen. Ein lehrrei-
cher Entwickelungsgang getreu nach dem Leben geschil-
dert von Kuno Freidank.) So denken heute viele, auf
welche die Zwangsvorstellungen noch Gewalt haben, die
in der genannten Zeit auf die Vertreter der materialisti-
schen Weltanschauung wirkten.
Diejenigen aber, die versuchten, sich auf der Hohe des
wissenschaftlichen Denkens zu halten, sind zu anderen
Vorstellungen gekommen. Beriihmt geworden ist ja die
erste Entgegnung, die von Seite eines hervorragenden Na-
tur for setters auf der Naturforscher-Versammlung in Leip-
zig (1876) auf den naturwissenschaftlichen Materialismus
ausgegangen ist. Du Bois-Reymond hat damals seine «Ig-
norabimus-Rede» gehalten. Er versuchte zu zeigen, daft
dieser naturwissenschaftliche Materialismus in der Tat
nichts vermag als die Bewegungen kleinster Stoffteilchen
festzustellen, und er forderte, daft er sich damit begniigen
musse, solches zu tun. Aber er betonte zugleich, daft da-
mit auch nicht das Geringste geleistet ist zur Erklarung
der geistigen und seelischen Vorgange. Man mag sich zu
diesen Ausfiihrungen Du Bois-Reymonds stellen wie man
wolle: soviel ist klar, sie bedeutete eine Absage an die
materialistische Welterklarung. Sie zeigte, wie man als
Naturforscher an dieser irre werden konne.
Die materialistische Welterklarung war damit in das
Stadium eingetreten, auf dem sie sich bescheiden er-
klarte gegeniiber dem Leben der Seele. Sie stellte ihr
«Nichtwissen» (Agnostizismus) fest. Zwar erklarte sie,
daft sie «wissenschaftlich» bleiben und nicht ihre Zuflucht
zu anderen Wissensquellen nehmen wolle; aber sie wollte
auch nicht mit ihren Mitteln aufsteigen zu einer hoheren
Weltanschauung. (In umfassender Art hat in neuerer Zeit
Raoul France, ein Naturforscher, die Unzulanglichkeit
der naturwissenschaftlichen Ergebnisse fur eine hohere
Weltanschauung gezeigt. Dies ist ein Unternehmen, auf
das wir noch ein anderes Mai zuruckkommen mochten.)
Und nun mehrten sich auch stetig die Tatsachen, welche
das Unmogliche des Unterfangens zeigten, auf die Er-
forschung der materiellen Erscheinungen eine Seelenkunde
aufzubauen. Die Wissenschaft wurde gezwungen, gewisse
«abnorrne» Erscheinungen des Seelenlebens, den Hypno-
tismus, die Suggestion, den Somnambulismus zu studie-
ren. Es zeigte sich, dafi diesen Erscheinungen gegeniiber
fiir den wirklich Denkenden eine materialistische An-
schauung ganz unzulanglich ist. Es waren keine neuen
Tatsachen, die man kennenlernte. Es waren vielmehr Er-
scheinungen, die man in alten Zeiten schon und bis in
den Anfang des neunzehnten Jahrhunderts herein studiert
hatte, die aber in der Zeit der materialistischen Hochflut
als unbequem einfach beiseite gesetzt worden waren.
Dazu kam noch etwas anderes. Immer mehr zeigte sich,
auf welch schwachem Untergrunde die Naturforscher
selbst mit ihren Erklarungen von der Entstehung der
Tierformen und folglich auch des Menschen gebaut hat-
ten. Welche Anziehungskraft iibten doch die Vorstellun-
gen von der «Anpassung» und dem «Kampf urns Dasein*
bei der Erklarung der Artentstehung eine Zeitlang aus.
Man lernte einsehen, dafi man mit ihnen Blendwerken
nachgegangen war. Es bildete sich eine Schule — unter
Weismanns Fiihrung — ,die nichts davon wissenwollte, dafi
sich Eigenschaften, welche ein Lebewesen durch Anpas-
sung an die Umgebung erworben hat, vererben konnten,
und daft so durch sie eine Umbildung der Lebewesen ein-
trete. Man schrieb daher alles dem «Kampf urns Dasein»
zu und sprach von einer «Allmacht der Naturziichtung».
In schroffen Gegensatz dazu traten, gestutzt auf unbe-
zweifelbare Tatsachen, solche, die erklarten, man habe
in Fallen von einem «Kampf urns Dasein* gesprochen,
wo er gar nicht existiere. Sie wollten dartun, daft nichts
durch ihn erklart werden konne. Sie sprachen von einer
«Ohnmacht der Naturzuchtung». Weiter konnte de Vries
in den letzten Jahren durch Versuche zeigen, daft es ganz
sprungweise Veranderungen einer Lebensform in die an-
dere gebe (Mutation). Damit ist auch erschuttert, was
man von seiten der Darwinianer als einen festen Glau-
bensartikel angesehen hat, daft sich Tier- und Pflanzen-
formen nur allmahlich umwandelten. Immer mehr
schwand einfach der Boden unter den Fiiften, auf dem
man jahrzehntelang gebaut hatte. Denkende Forscher hat-
ten ohnedies schon friiher diesen Boden verlassen zu mus-
sen geglaubt, wie der jung verstorbene W. H. Rolph, der
in seinem Buche: «Biologische Probleme, zugleich als Ver-
such zur Entwicklung einer rationellen Ethik» schon
1884 erklart: «Erst durch die Einfuhrung der Unersatt-
lichkeit wird das darwinistische Prinzip im Lebenskampfe
annehmbar. Denn nun erst haben wir eine Erklarung fur
die Tatsache, daft das Geschopf , wo immer es kann, mehr
erwirbt, als es zur Erhaltung des status quo bedarf , daft
es im Obermaft wachst, wo die Gelegenheit dazu gegeben
ist . . . Wahrend es fur den Darwinisten iiberall da kei-
nen Daseinskampf gibt, wo die Existenz des Geschopf es
nicht bedroht ist, ist fur mich der Kampf ein allgegen-
wartiger. Er ist eben primar ein Lebenskampf , ein Kampf
urn Lebensmehrung, aber kein Kampf urns Dasein.*
Nur natiirlich ist es, daft sich bei solcher Lage der Tat-
sachen die Einsichtigen gestehen: Die materialistische Ge-
dankenwelt taugt nicht zum Aufbau einer Weltanschau-
ung. Wir diirfen, von ihr ausgehend, nichts iiber die see-
lischen und geistigen Erscheinungen aussagen. Und es gibt
heute schon zahlreiche Naturforscher, welche auf ganz
anderen Vorstellungen sich ein Weltgebaude zu errichten
suchen. Es braucht nur an das Werk des Botanikers
Reinke erinnert zu werden «Die Welt als Tat». Dabei
zeigt es sich allerdings, dafi solche Naturforscher nicht
ungestraft in den rein materialistischen Vorstellungen er-
zogen worden sind. Was sie von ihrem neuen idealisti-
schen Standpunkte aus vorbringen, das ist armlich, das
kann sie einstweilen befriedigen, nicht aber diejenigen,
welche tiefer in die Weltratsel hineinblicken. Solche Na-
turforscher konnen sich nicht entschliefien, an diejenigen
Methoden heranzutreten, die von der wirklichen Betrach-
tung des Geistes und der Seele ausgehen. Sie haben die
grofite Furcht vor der «Mystik», vor«Gnosis» oder«Theo-
sophie». Das leuchtet zum Beispiel klar aus der angefuhr-
ten Schrift Verworns heraus. Er sagt: «Es gart in der
Naturwissenschaft. Dinge, die alien klar und durchsich-
tig erschienen, haben sich heute getriibt. Langerprobte
Symbole und Vorstellungen, mit denen noch vor kurzem
ohne Bedenken jeder auf Schritt und Tritt umging und
arbeitete, sind ins Wanken geraten und werden mit Mifi-
trauen betrachtet. Grundbegriffe, wie die der Materie,
erscheinen erschuttert, und der festeste Boden beginnt un-
ter den Schritten des Naturforschers zu schwanken. Fel-
senfest allein stehen gewisse Probleme, an denen bisher
alle Versuche, alle Anstrengungen der Naturwissenschaft
zerschellt sind. Der Verzagte wirft sich bei dieser Er-
kenntnis resigniert der Mystik in die Arme, die von je-
her die letzte Zuflucht war, wo der gequalte Verstand
keinen Ausweg mehr sah. Der Besonnene sieht sich nach
neuen Symbolen um und versucht neue Grundlagen zu
schaffen, auf denen er weiter bauen kann.» Man sieht,
der naturforschende Denker von heme ist durch seine
Vorstellungsgewohnheiten nicht in der Lage, sich einen
andern Begriff von « Mystik* zu machen als einen sol-
chen, der Verworrenheit, Unklarheit des Verstandes ein-
schliefit. — Und zu welchen Vorstellungen von dem See-
lenleben kommt ein solcher Denker! Wir lesen am Schlufi
der angefuhrten Schrift: «Der prahistorische Mensch hatte
die Idee einer Trennung von Leib und Seele gebildet beim
Anblick des Todes. Die Seele trennte sich vom Leibe und
fuhrte ein selbstandiges Dasein. Sie fand keine Ruhe und
kam wieder als Geist, wenn sie nicht durch sepulkrale
Zeremonien gebannt wurde. Furcht und Aberglauben
angstigten den Menschen. Die Reste dieser Anschauungen
haben sich bis in unsere Zeit gerettet. Die Furcht vor dem
Tode, das heifk vor dem, was nachher kommen wird,
ist noch heute weit verbreitet. — Wie anders gestaltet sich
das alles vom Standpunkte des Psychomonismus! Da die
psychischen Erlebnisse des Individuums nur zutande kom-
men, wenn bestimmte, gesetzmaftige Verkniipfungen exi-
stieren, so fallen sie weg, sobald diese Verkniipfungen ir-
gendwie gestort werden, wie das ja schon wahrend des
Tages unaufhorlich geschieht. Mit den korperlichen Ver-
anderungen beim Tode horen diese Verkniipfungen ganz
auf. So kann also keine Empfindung und Vorstellung,
kein Gedanke und kein Gefiihl des Individuums mehr be-
stehen. Die individuelle Seele ist tot. Dennoch leben die
Empfindungen und Gedanken und Gefiihle weiter. Sie
leben weiter iiber das vergangliche Individuum hinaus
in anderen Individuen, uberall da, wo die gleichen Kom-
plexe von Bedingungen existieren. Sie pflanzen sich fort
von Individuum zu Individuum, von Generation zu Ge-
neration, von Volk zu Volk. Sie wirken und weben am
ewigen Webstuhl der Seele. Sie arbeiten an der Ge-
schichte des menschlichen Geistes. — So leben wir alle
nach dem Tode weiter als Glieder in der grofien, zusam-
menhangenden Kette geistiger Entwicklung.» Aber ist
denn das etwas anderes als das Fortleben der Wasser-
welle in anderen, die sie aufgeworfen hat, wahrend sie
selbst vergeht? Lebt man wahrhaft weiter, wenn man nur
in seinen Wirkungen weiterbesteht? Hat man solches Wei-
terleben nicht mit alien Erscheinungen auch der physi-
schen Natur gemein? Man sieht, die materialistische Welt-
auffassung mufite ihre eigenen Grundlagen untergraben.
Neue vermag sie noch nicht zu bauen. Erst das wahre
Verstandnis von Mystik, Theosophie, Gnosis wird ihr
solches moglich machen. Der Chemiker Ostwald hat vor
mehreren Jahren auf der Naturforscher-Versammlung zu
Liibeck von der «Oberwindung des Materialismus* ge-
sprochen und fur das damit angedeutete Ziel eine neue
naturphilosophische Zeitschrift begrundet. Die Natur-
wissenschaft ist reif, die Friichte einer hoheren Welt-
anschauung in Empfang zu nehmen. Und alles Strauben
wird ihr nichts niitzen; sie wird den Bediirfnissen der
sehnenden Menschenseele Rechnung tragen miissen.
AUS DER AKASHA-CHRONIK
Vorwort
Durch die gewohnliche Geschichte kann sich der Mensch
nur iiber einen geringen Teil dessen belehren, was die
Menschheit in der Vorzeit erlebt hat. Nur auf wenige
Jahrtausende werfen die geschichtlichen Zeugnisse Licht.
Und auch was uns die Altertumskunde, die Palaontolo-
gie, die Geologie lehren konnen, ist nur etwas sehr Be-
grenztes. Und zu dieser Begrenztheit kommt noch die
Unzuverlassigkeit alles dessen, was auf aufiere Zeugnisse
aufgebaut ist. Man bedenke nur, wie sich das Bild dieser
oder jener gar nicht so lange hinter uns liegenden Be-
gebenheit oder eines Volkes geandert hat, wenn neue
geschichtliche Zeugnisse aufgefunden worden sind. Man
vergleiche nur einmal die Schilderungen, die von verschie-
denen Geschichtsschreibern iiber eine und dieselbe Sache
gegeben werden; und man wird sich bald uberzeugen, auf
welch unsicherem Boden man da steht. Alles, was der
aufieren Sinnenwelt angehort, unterliegt der Zeit. Und
die Zeit zerstort auch, was in der Zeit entstanden ist. Die
aufterliche Geschichte ist aber auf das angewiesen, was
in der Zeit erhalten geblieben ist. Niemand kann sagen,
ob das, was erhalten geblieben ist, auch das Wesentliche
ist, wenn er bei den aufieren Zeugnissen stehenbleibt. —
Aber alles, was in der Zeit entsteht, hat seinen Ursprung
im Ewigen. Nur ist das Ewige der sinnlichen Wahrneh-
mung nicht zuganglich. Aber dem Menschen sind die
Wege offen zur Wahrnehmung des Ewigen. Er kann die
in ihm schlummernden Krafte so ausbilden, daft er die-
ses Ewige zu erkennen vermag. In den Aufsatzen iiber
die Frage: «Wie erlangt man Erkenntnisse der hoheren
Welten?*, die in dieser Zeitschrift erscheinen*, wird auf
diese Ausbildung hingewiesen. In ihrem Verlaufe werden
diese Aufsatze auch zeigen, dafi der Mensch auf einer
gewissen hohen Stufe seiner Erkenntnisfahigkeit auch zu
den ewigen Urspriingen der zeitlich verganglichen Dinge
dringen kann. Erweitert der Mensch auf diese Art sein
Erkenntnisvermogen, dann ist er behufs Erkenntnis der
Vergangenheit nicht mehr auf die aufieren Zeugnisse an-
gewiesen. Dann vermag er zu schauen, was an den Ereig-
nissen nicht sinnlich wahrnehmbar ist, was keine Zeit von
ihnen zerstoren kann. Von der verganglichen Geschichte
dringt er zu einer unverganglichen vor. Diese Geschichte
ist allerdings mit andern Buchstaben geschrieben als die
gewohnliche. Sie wird in der Gnosis, in der Theosophie die
«Akasha-Chronik» genannt. Nur eine schwache Vorstel-
lung kann man in unserer Sprache von dieser Chronik
geben. Denn unsere Sprache ist auf die Sinnenwelt berech-
net. Und was man mit ihr bezeichnet, erhalt sogleich den
Charakter dieser Sinnenwelt. Man macht daher leicht
auf den Uneingeweihten, der sich von der Tatsachlich-
keit einer besonderen Geisteswelt noch nicht durch eigene
Erfahrung iiberzeugen kann, den Eindruck eines Phan-
tasten, wenn nicht einen noch schlimmeren. — Wer sich
die Fahigkeit errungen hat, in der geistigen Welt wahrzu-
nehmen, der erkennt da die verflossenen Vorgange in
ihrem ewigen Charakter. Sie stehen vor ihm nicht wie
die toten Zeugnisse der Geschichte, sondern in vollem
Leben. Es spielt sich vor ihm in einer gewissen Weise ab,
* In Buchform Berlin 1909 (Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Bibl.-
Nr. 10).
was geschehen ist. — Die in das Lesen solcher lebenden
Schrift eingeweiht sind, konnen in eine weit fernere Ver-
gangenlieit zuriickblicken als in diejenige, welche die
aufiere Geschichte darstellt; und sie konnen auch — aus
unmitteJbarer geistiger Wahrnehmung — die Dinge, von
denen die Geschichte berichtet, in einer weit zuverlassi-
geren Weise schildern, als es dieser moglich ist. Um einem
moglichen Irrtum vorzubeugen, sei hier gleich gesagt,
dafi auch der geistigen Anschauung keine Unfehlbarkeit
innewohnt. Auch diese Anschauung kann sich tauschen,
kann ungenau, schief, verkehrt sehen. Von Irrtum frei ist
auch auf diesem Felde kein Mensch; und stiinde er noch
so hoch. Deshalb soil man sich nicht daran stofien, wenn
Mitteilungen, die aus solchen geistigen Quellen stammen,
nicht immer vollig ubereinstimmen. Allein die Zuverlas-
sigkeit der Beobachtung ist hier eine doch weit groftere als
in der aufierlichen Sinnenwelt. Und was verschiedene Ein-
geweihte iiber Geschichte und Vorgeschichte mitteilen
konnen, wird im wesentlichen in Uebereinstimmung sein.
Tatsachlich gibt es solche Geschichte und Vorgeschichte
in alien Geheimschulen. Und hier herrscht seit Jahrtau-
senden so voile Uebereinstimmung, dafi sich damit die
Obereinstimmung, die zwischen den aufieren Geschichts-
schreibern auch nur eines Jahrhunderts besteht, gar nicht
vergleichen lafit. Die Eingeweihten schildern zu alien Zei-
ten und alien Orten im wesentlichen das Gleiche.
Nach diesen Vorbemerkungen sollen hier mehrere Ka-
pitel aus der Akasha-Chronik wiedergegeben werden. Der
Anfang soil gemacht werden mit Schilderungen derjeni-
gen Tatsachen, die sich abspielten, als zwischen Amerika
und Europa noch das sogenannte atlantische Festland vor-
handen war. Auf diesem Teil unserer Erdoberflache war
einstmals Land. Der Boden dieses Landes bildet heme
den Grund des Atlantischen Ozeans. Plato erzahlt noch
von dem letzten Rest des Landes, der Insel Poseidonis, die
westwarts von Europa und Afrika lag. Dafi der Meeres-
boden des Atlantischen Ozeans einstmals Festland war,
dafi er durch etwa eine Million von Jahren der Schauplatz
einer Kultur war, die allerdings von unserer heutigen sehr
verschieden gewesen ist: dies, sowie die Tatsache, dafi
die letzten Reste dieses Festlandes im zehnten Jahrtausend
v. Chr. untergegangen sind, kann der Leser in dem Biich-
lein « Atlantis, nach okkulten Quellen, von W. Scott-
Elliot » nachlesen. Hier sollen Mitteilungen gegeben wer-
den iiber diese uralte Kultur, welche Erganzungen bilden
zu dem in jenem Buche Gesagten. Wahrend dort mehr
die Auftenseite, die aufteren Vorgange bei diesen unseren
atlantischen Vorfahren geschildert werden, soil hier eini-
ges verzeichnet werden iiber ihren seelischen Charakter
und iiber die innere Natur der Verhaltnisse, unter denen
sie lebten. Der Leser mufi sich also in Gedanken zurtick-
versetzen in ein Zeitalter, das fast zehntausend Jahre hin-
ter uns liegt und das viele Jahrtausende hindurch gedauert
hat. Was hier geschildert wird, hat sich aber nicht allein
auf dem von den Wassern des Atlantischen Ozeans iiber-
fluteten Festland abgespielt, sondern auch auf den be-
nachbarten Gebieten des heutigen Asien, Afrika, Europa
und Amerika. Und was sich in diesen Gebieten spater ab-
spielte, hat sich aus jener friiheren Kultur heraus ent-
wickelt. — Ueber die Quellen der hier zu machenden
Mitteilungen bin ich heute noch verpflichtet, Schweigen
zu beobachten. Wer iiber solche Quellen iiberhaupt etwas
weifi, wird verstehen, warum das so sein mufi. Aber es
konnen Ereignisse eintreten, die auch em Sprechen nach
dieser Richtung hin sehr bald moglich machen. Wieviel
von den Erkenntnissen, die im Schofie der theosophischen
Stromung verborgen liegen, nach und nach mitgeteilt
werden darf , das hangt ganz von dem Verhalten unserer
Zeitgenossen ab. — Und nun soli das erste der Schrift-
sriicke f olgen, die hier verzeichnet werden konnen.
UNSERE ATLANTI SCHEN VORFAHREN
Unsere atlantischen Vorfahren waren mehr verschieden
von den gegenwartigen Menschen als sich derjenige vor-
stellt, der mit seinen Erkenntnissen sich ganz auf die
Sinnenwelt beschrankt. Nicht nur auf das aufiere Aus-
sehen erstreckt sich diese Verschiedenheit, sondern auch
auf die geistigen Fahigkeiten. Ihre Erkenntnisse und auch
ihre technischen Kiinste, ihre ganze Kultur war anders, als
das ist, was heme beobachtet werden kann. Gehen wir
in die ersten Zeiten der atlantischen Menschheit zuriick,
so finden wir eine von der unsrigen ganz verschiedene
Geistesfahigkeit. Der logische Verstand, die rechnerische
Kombination, auf denen alles beruht, was heme hervor-
gebracht wird, fehlten den ersten Atlantiern ganz. Dafur
hatten sie ein hochentwickeltes Gedachtnis. Dieses Ge-
dachtnis war eine ihrer hervorstechendsten Geistesfahig-
keiten. Sie rechneten zum Beispiel nicht, wie wir, da-
durch, dafi sie sich gewisse Regeln aneigneten, die sie
dann anwendeten. Ein «Einmaleins» war etwas in den
atlantischen Zeiten ganz Unbekanntes. Niemand hatte
seinem Verstande eingepragt, dafi dreimal vier zwolf ist.
Dafi er sich in dem Falle, wo er eine solche Rechnung
auszufiihren hatte, zurechtfand, beruhte darauf, dafi er
sich auf gleiche oder ahnliche Falle besann. Er erinnerte
sich, wie das bei fruheren Gelegenheiten war. Man mufi
sich nur klarmachen, dafi jedesmal, wenn sich in einem
Wesen eine neue Fahigkeit ausbildet, eine alte an Kraft
und Scharfe verliert. Der heutige Mensch hat gegeniiber
dem Atlantier den logischen Verstand, das Kombinations-
vermogen voraus. Das Gedachtnis ist dafur zuriickgegan-
gen. Jetzt denken die Menschen in Begriffen; der Atlan-
tier dachte in Bildern. Und wenn ein Bild vor seiner
Seele auftauchte, dann erinnerte er sich an so und so
viele ahnliche Bilder, die er bereits erlebt hatte. Danach
richtete er sein Urteil ein. Deshalb war damals auch aller
Unterricht anders als in spateren Zeiten. Er war nicht
darauf berechnet, das Kind mit Regeln auszur listen, sei-
nen Verstand zu scharfen. Es wurde ihm vielmehr in an-
schaulichen Bildern das Leben vorgefuhrt, so dafi es spater
sich an moglichst viel erinnern konnte, wenn es in diesen
oder jenen Verhaltnissen handeln sollte. War das Kind
erwachsen und kam es ins Leben hinaus, so konnte es
sich bei allem, was es tun sollte, erinnern, daft ihm etwas
Ahnliches in seiner Lehrzeit vorgefuhrt worden war. Es
fand sich am besten zurecht, wenn der neue Fall irgend-
einem schon gesehenen ahnlich war. Unter ganz neuen
Verhaltnissen war der Atlantier immer wieder aufs Pro-
bieren angewiesen, wahrend dem heutigen Menschen in
dieser Beziehung vieles erspart ist, weil er mit Regeln aus-
geriistet wird. Diese kann er auch in den Fallen leicht
anwenden, welche ihm noch nicht begegnet sind. Ein sol-
ches Erziehungssystem gab dem ganzen Leben etwas
Gleichformiges. Durch sehr lange Zeitraume hindurch
wurden immer wieder und wieder die Dinge in der gleichen
Weise besorgt. Das treue Gedachtnis lieft nichts aufkom-
men, was der Raschheit unseres heutigen Fortschrittes
auch nur im entferntesten ahnlich ware. Man tat, was man
friiher immer «gesehen» hatte. Man er dachte nicht; man
erinnerte sich. Eine Autoritat war nicht der, welcher viel
gelernt hatte, sondern wer viel erlebt hatte und sich da-
her an viel erinnern konnte. Es ware unmoglich gewesen,
dafi in der atlantischen Zeit jemand vor Erreichung eines
gewissen Alters iiber irgendeine wichtige Angelegenheit
zu entscheiden gehabt hatte. Man hatte nur zu dem Ver-
trauen, der auf lange Erfahrung zuriickblicken konnte.
Das hier Gesagte gilt nicht von den Eingeweihten und
ihren Schulen. Denn sie sind ja dem Entwickelungsgrade
ihres Zeitalters voraus. Und fur die Aufnahme in solche
Schulen entscheidet nicht das Alter, sondern der Um-
stand, ob der Aufzunehmende in seinen friiheren Verkor-
perungen sich die Fahigkeiten erworben hat, hohere Weis-
heit aufzunehmen. Das Vertrauen, das den Eingeweihten
und ihren Agenten wahrend der atlantischen Zeit entge-
gengebracht worden ist, beruhte nicht auf der Fulle ihrer
personlichen Erfahrung, sondern auf dem Alter ihrer
Weisheit. Beim Eingeweihten hort die Personlichkeit auf,
eine Bedeutung zu haben. Er steht ganz im Dienste der
ewigen Weisheit. Daher gilt ja fur ihn auch nicht die
Charakteristik irgendeines Zeitabschnittes.
Wahrend also die logische Denkkraft den (namentlich
friiheren) Atlantiern noch fehlte, hatten sie an der hoch-
entwickelten Gedachtniskraft etwas, was ihrem ganzen
Wirken einen besonderen Charakter gab. Aber mit dem
Wesen der einen menschlichen Kraft hangen immer an-
dere zusammen. Das Gedachtnis steht der tieferen Natur-
grundlage des Menschen naher als die Verstandeskraft,
und mit ihm im Zusammenhange waren andere Krafte
entwickelt, die auch noch denjenigen untergeordneter Na-
turwesen ahnlicher waren als die gegenwartigen mensch-
lichen Betriebskrafte. So konnten die Atlantier das be-
herrschen, was man Lebenskraft nennt. Wie man heute
aus den Steinkohlen die Kraft der Warme herausholt, die
man in fortbewegende Kraft bei unseren Verkehrsmitteln
verwandelt, so verstanden es die Atlantier, die Samen-
kraft der Lebewesen in ihren technischen Dienst zu stel-
len. Von dem, was hier vorlag, kann man sich durch fol-
gendes eine Vorstelhmg machen. Man denke an ein Ge-
treidesamenkorn. In diesem schlummert eine Kraft. Diese
Kraft bewirkt ja, dafi aus dem Samenkorn der Halm her-
vorspriefk. Die Natur kann diese im Korn ruhende Kraft
wecken. Der gegenwartige Mensch kann es nicht will-
kiirlich. Er mu£ das Korn in die Erde senken und das
Aufwecken den Naturkraften iiberlassen. Der Atlantier
konnte noch etwas anderes. Er wufite, wie man es macht,
urn die Kraft eines Kornhaufens in technische Kraft um-
zuwandeln, wie der gegenwartige Mensch die Warmekraft
eines Steinkohlenhaufens in eine solche Kraft umzuwan-
deln vermag. Pflanzen wurden in der atlantischen Zeit
nicht blofi gebaut, urn sie als Nahrungsmittel zu benut-
zen, sondern um die in ihnen schlummernden Krafte dem
Verkehr und der Industrie dienstbar zu machen. Wie wir
Vorrichtungen haben, um die in den Steinkohlen schlum-
mernde Kraft in unseren Lokomotiven in Bewegungskraft
umzubilden, so hatten die Atlantier Vorrichtungen, die
sie — sozusagen — mit Pflanzensamen heizten, und in
denen sich die Lebenskraft in technisch verwertbare Kraft
umwandelte. So wurden die in geringer Hohe uber dem
Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier fortbewegt.
Diese Fahrzeuge fuhren in einer Hohe, die geringer war
als die Hohe der Gebirge der atlantischen Zeit, und sie
hatten Steuervorrichtungen, durch die sie sich liber diese
Gebirge erheben konnten.
Man mufi sich vorstellen, dafi mit der fortschreitenden
Zeit sich alle Verhaltnisse auf unserer Erde sehr veran-
dert haben. Die genannten Fahrzeuge der Atlantier waren
in unserer Zeit ganz unbrauchbar. Ihre Verwendbarkeit
beruhte darauf, dafi in dieser Zeit die LufthiiJle, welche
die Erde umschliefit, viel dichter war als gegenwartig.
Ob man sich nach heutigen wissenschaftlichen Begriffen
eine solch grofiere Dichte der Luft leicht vorstellen kann,
darf uns hier nicht beschaftigen. Die Wissenschaft und
das logische Denken konnen, ihrem ganzen Wesen nach,
niemals etwas dariiber entscheiden, was moglich oder un-
moglich ist. Sie haben nur das zu erklaren, was durch
Erfahrung und Beobachtung festgestellt ist. Und die be-
sprochene Dichtigkeit der Luft steht fur die okkulte Er-
fahrung so fest, wie nur irgendeine sinnlich gegebene Tat-
sache von heute feststehen kann. — Ebenso steht fest aber
auch die vielleicht der heutigen Physik und Chemie noch
unerklarlichere Tatsache, daft damals das Wasser auf der
ganzen Erde viel diinner war als heute. Und durch diese
Diinnheit war das Wasser durch die von den Atlantiern
verwendete Samenkraft in technische Dienste zu lenken,
die heute unmoglich sind. Durch die Verdichtung des
Wassers ist es unmoglich geworden, dasselbe in solch
kunstvoller Art zu bewegen, zu lenken, wie das ehedem
moglich war. Daraus geht wohl zur Genuge hervor, dafi
die Zivilisation der atlantischen Zeit von der unsrigen
grundlich verschieden gewesen ist. Und es wird daraus
weiter begreiflich sein, dafi auch die physische Natur eines
Atlantiers eine ganz andere war als die eines gegenwarti-
gen Menschen. Der Atlantier genofi ein Wasser, das von
der in seinem eigenen Korper innewohnenden Lebenskraf t
ganz anders verarbeitet werden konnte, als dies im heu-
tigen physischen Korper moglich ist. Und daher kam es,
dafl der Atlantier willkurlich seine physischen Krafte
auch ganz anders gebrauchen konnte als der heutige
Mensch. Er hatte sozusagen die Mittel, in sich selbst die
physischen Krafte zu vermehren, wenn er sie zu seinen
Verrichtungen brauchte. Man macht sich nur richtige Vor-
srellungen von den Atlantiern, wenn man weifi, daft sie
auch ganz andere Begriffe von Ermiidung und Krafte-
verbrauch hatten als der Mensch der Gegenwart.
Eine atlantische Ansiedlung — das geht wohl schon
aus allem Beschriebenen hervor — trug einen Charakter,
der in nichts dem einer modernen Stadt glich. In einer
solchen Ansiedlung war vielmehr noch alles mit der Na-
tur im Bunde. Nur ein schwach ahnliches Bild gibt es,
wenn man erwa sagt: In den ersten atlantischen Zeiten —
etwa bis zur Mitte der dritten Unterrasse — glich eine
Ansiedlung einem Garten, in dem die Hauser sich auf-
bauen aus Baumen, die in kiinstlicher Art mit ihren Zwei-
gen ineinandergeschlungen sind. Was Menschenhand da-
mals erarbeitete, wuchs gleichsam aus der Natur heraus.
Und der Mensch selbst fiihlte sich ganz und gar mit der
Natur verwandt. Daher kam es, daft auch sein gesell-
schaftlicher Sinn noch ein ganz anderer war als heute.
Die Natur ist ja alien Menschen gemeinsam. Und was der
Atlantier auf der Naturgrundlage aufbaute, das betrach-
tete er ebenso als Gemeingut, wie der heutige Mensch
nur natiirlich denkt, wenn er das, was sein Scharfsinn,
sein Verstand erarbeitet, als sein Privatgut betrachtet.
"Wer sich mit dem Gedanken vertraut macht, dafi die
Atlantier mit solchen geistigen und physischen Kraften
ausgestattet waren, wie sie geschildert worden sind, der
wird audi begreifen lernen, dafi in noch friiheren Zeiten
die Menschheit ein Bild aufweist, das nur noch in weni-
gem erinnert an das, was man heute zu sehen gewohnt
ist. Und nicht nur die Menschen, sondern audi die sie
umgebende Natur hat sich im Laufe der Zeiten gewaltig
verandert. Die Pflanzen- und Tierformen sind andere ge-
worden. Die ganze irdische Natur hat Wandlungen durch-
gemacht. Vorher bewohnte Gebiete der Erde sind zer-
stort worden; andere sind entstanden. — Die Vorfahren
der Atlantier wohnten auf einem verschwundenen Lan-
desteil, dessen Hauptgebiet siidlich vom heutigen Asien
lag. Man nennt sie in theosophischen Schriften die Lemu-
rier. Nachdem diese durch verschiedene Entwickelungs-
stufen durchgegangen waren, kam der groftte Teil in Ver-
f all. Er wurde zu verkiimmerten Menschen, deren Nach-
kommen heute noch als sogenannte wilde Volker gewisse
Teile der Erde bewohnen. Nur ein kleiner Teil der lemu-
rischen Menschheit war zur Fortentwickelung fahig. Aus
diesen bildeten sich die Atlantier. — Auch spater fand
wieder etwas ahnliches statt. Die grofite Masse der atlan-
tischen Bevolkerung kam in Verfall, und von einem klei-
nen Teil stammen die sogenannten Arier ab, zu denen
unsere gegenwartige Kulturmenschheit gehort. Lemurier,
Atlantier und Arier sind, nach der Benennung der Ge-
heimwissenschaft, Wurzelrassen der Menschheit. Man
denke sich zwei solcher Wurzelrassen den Lemuriern vor-
angehend und zwei den Ariern in der Zukunft folgend,
so gibt das im ganzen sieben. Es geht immer eine aus der
andern in der Art hervor, wie dies eben in bezug auf Le-
murier, Atlantier und Arier angedeutet worden ist. Und
jede Wurzelrasse hat physische und geistige Eigenschaf-
ten, die von denen der vorhergehenden durchaus verschie-
den sind. Wahrend zum Beispiel die Atlantier das Ge-
dachtnis und alles, was damit zusammenhangt, zur be-
sonderen Entfaltung brachten, obliegt es in der Gegen-
wart den Ariern, die Denkkraft und das, was zu ihr
gehort, zu entwickeln.
Aber auch in jeder Wurzelrasse selbst mtissen verschie-
dene Stufen durchgemacht werden. Und zwar sind es
irnmer wieder sieben. Im Anfange des Zeitraumes, der
einer Wurzelrasse zugehort, finden sich die Haupteigen-
schaften derselben gleichsam in einem jugendiichen Zu-
stande; und allmahlich gelangen sie zur Reife und zuletzt
auch zum Verfall. Dadurch zerfallt die Bevolkerung
einer Wurzelrasse in sieben Unterrassen. Nur hat man
sich das nicht so vorzustellen, als ob eine Unterrasse gleich
verschwinden wiirde, wenn eine neue sich entwickelt. Es
erhalt sich vielleicht eine jede noch lange, wenn neben
ihr andere sich entwickeln. So leben immer Bevolkerun-
gen auf der Erde nebeneinander, die verschiedene Stufen
der Entwickelung zeigen.
Die erste Unterrasse der Atlantier entwickelte sich aus
einem sehr fortgeschrittenen und entwickelungsfahigen
Teile der Lemurier. Bei diesen zeigte sich namlich die
Gabe des Gedachtnisses nur in den allerersten Anfangen
und nur in der letzten Zeit ihrer Entwickelung. Man mufi
sich vorstellen, dafi ein Lemurier sich zwar Vorstellungen
bilden konnte von dem, was er erlebte; aber er konnte
diese Vorstellungen nicht bewahren. Er vergafi sofort
wieder, was er sich vorgestellt hatte. Dafi er dennoch
in einer gewissen Kultur lebte, zum Beispiel Werkzeuge
hatte, Bauten ausfiihrte und so weiter, das verdankte er
nicht seinem eigenen Vorstellungsvermogen, sondern einer
geistigen Kraft in sich, die, um das Wort zu brauchen,
instinktiv war. Nur hat man sich darunter nicht den heu-
tigen Instinkt der Tiere, sondern einen solchen anderer
Art vorzustellen.
In theosophischen Schriften wird die erste Unterrasse
der Atlantier Rmoahals genannt. Das Gedachtnis dieser
Rasse war vorziiglich auf lebhafte Sinneseindriicke ge-
richtet. Farben, die das Auge gesehen hatte, Tone, die
das Ohr gehort hatte, wirkten lange in der Seele nach.
Das driickte sich darin aus, daft die Rmoahals Gefuhle ent-
wickelten, die ihre lemurischen Vorfahrennoch nicht kann-
ten. Die Anhanglichkeit zum Beispiel an das, was in der
Vergangenheit erlebt worden ist, gehort zu diesen Gefiihlen.
An der Entwickelung des Gedachtnisses hing nun auch
diejenige der Sprache. Solange der Mensch das Vergan-
gene nicht bewahrte, konnte auch eine Mitteilung des Er-
lebten durch die Sprache nicht stattfinden. Und weil in
der letzten lemurischen Zeit die ersten Ansatze zu einem
Gedachtnisse stattfanden, so konnte damals auch die Fa-
higkeit ihren Anfang nehmen, das Gesehene und Gehorte
zu benennen. Nur Menschen, die ein Erinnerungsvermo-
gen haben, konnen mit einem Namen, der einem Dinge
beigelegt ist, etwas anfangen. Die atlantische Zeit ist da-
her auch diejenige, in welcher die Sprache ihre Entwicke-
lung far^d. Und mit der Sprache war ein Band hervor-
gebracht zwischen der menschlichen Seele und den Din-
gen aufter dem Menschen. Dieser erzeugte das Lautwort
in seinem Innern; und dieses Lautwort gehorte zu den
Gegenstanden der Auftenwelt. Und auch ein neues Band
entsteht zwischen Mensch und Mensch durch die Mittei-
lung auf dem Wege der Sprache. Das alles war zwar bei
den Rmoahals noch in einer jugendlichen Form; aber es
unterschied sie doch in tiefgehender Art von ihren lemu-
rischen Vorvatern.
Nun hatten die Krafte in den Seelen dieser ersten At-
lantier noch etwas Naturkraftiges. Diese Menschen wa-
ren gewissermafien noch verwandter den sie umgebenden
Naturwesen als ihre Nachfolger. Ihre Seelenkrafte waren
noch mehr Naturkrafte als die der gegenwartigen Men-
schen. So war auch das Lautwort, das sie hervorbrachten,
etwas Naturgewaltiges. Sie benannten nicht blofi die
Dinge, sondern in ihren Worten lag eine Macht iiber die
Dinge und auch iiber ihre Mitmenschen. Das Wort der
Rmoahals hatte nicht bloft Bedeutung, sondern auch
Kraft. Wenn man von einer Zaubermacht der Worte
spricht, so deutet man etwas an, was fur diese Menschen
weit wirklicher war als fur die Gegenwart. Wenn der
Rmoahalsmensch ein Wort aussprach, so entwickelte dieses
Wort eine ahnliche Macht wie der Gegenstand selbst, den
es bezeichnete. Darauf beruht es, dafi Worte in dieser
Zeit heilkraftig waren, daft sie das Wachstum der Pflan-
zen fordern, die Wut der Tiere zahmen konnten, und
was ahnliche Wirkungen mehr sind. All das nahm an
Kraft bei den spateren Unterrassen der Atlantier immer
mehr und mehr ab. Man konnte sagen, die naturwuch-
sige Kraftfiille verlor sich allmahlich. Die Rmoahals-
menschen empfanden diese Kraftfiille durchaus als eine
Gabe der machtigen Natur; und dieses ihr Verhaltnis
zur Natur trug einen religiosen Charakter. Insbesondere
die Sprache hatte fiir sie etwas Heiliges. Und der Mifi-
brauch gewisser Laute, denen eine bedeutende Kraft inne-
wohnte, ist etwas Unmogliches gewesen. Jeder Mensch
fiihlte, daft solcher Miftbrauch ihm einen gewaltigen
Schaden bringen mufite. Der Zauber derartiger Worte
hatte in sein Gegenteil umgeschlagen; was, in richtiger
Art gebraucht, Segen gestiftet hatte, ware, frevelhaft an-
gewendet, dem Urheber zura Verderben geworden. In
einer gewissen Unschuld des Gefiihles schrieben die
Rmoahals weniger sich selbst, als vielmehr der in ihnen
wirkenden gottlichen Natur ihre Macht zu.
Das wurde schon anders bei der zweiten Unterrasse
(den sogenannten Tlavatli-Volkern). Die Menschen dieser
Rasse fingen an, ihren personlichen Wert zu fiihlen. Der
Ehrgeiz, der eine den Rmoahals unbekannte Eigenschaft
war, machte sich bei ihnen geltend. Die Erinnerung iiber-
trug sich in gewissem Sinne auf die Auffassung des Zu-
sammenlebens. Wer auf gewisse Taten zuriickblicken
konnte, der forderte von seinen Mitmenschen dafur An-
erkennung. Er verlangte, daft seine Werke im Geddcbt-
rtisse behalten werden. Und auf dieses Gedachtnis von
den Taten war es auch begriindet, dafi eine zusammen-
gehorige Gruppe von Menschen Einen als Fiihrer erkor.
Eine Art Konigswiirde entwickelte sich. Ja diese Aner-
kennung wurde bis iiber den Tod hinaus bewahrt. Das
Gedachtnis, das Andenken an die Vorfahren oder an die-
jenigen, die sich im Leben Verdienste erworben hatten,
bildeten sich heraus. Und daraus ging dann bei einzelnen
Stammen eine Art religioser Verehrung Verstorbener her-
vor, ein Ahnenkultm. Dieser hat sich in viel spatere
Zeiten fortgepflanzt und die verschiedensten Formen an-
genommen. Noch bei den Rmoahals gait der Mensch
eigentlich nur in dem Mafie, als er sich im Augenblicke
durch seine Machtfulle Geltung verschaffen konnte.
Wollte da jemand Anerkennung fiir das, was er in frii-
heren Tagen getan hatte, so mufite er zeigen — durch
neue Taten — , dafi ihm die alte Kraft noch eigen ist.
Er mufke gewissermafien durch neue Werke die alten ins
Gedachtnis rufen. Das Getane als solches gait noch nichts.
Erst die zweite Unterrasse rechnete so weit mit dem per-
sonlichen Charakter eines Menschen, dafi sie dessen ver-
gangenes Leben bei der Schatzung dieses Charakters mit
in Anschlag brachte.
Eine weitere Folge der Gedachtniskraft fiir das Zu-
sammenleben der Menschen war die Tatsache, daft sich
Gruppen von Menschen bildeten, die durch die Erinne-
rung an gemeinsame Taten zusammengehalten wurden.
Vorher war solche Gruppenbildung ganz von den Natur-
machten, von der gemeinsamen Abstammung bedingt.
Der Mensch tat durch seinen eigenen Geist noch nichts
hinzu zu dem, was die Natur aus ihm gemacht hatte.
Jetzt warb eine machtige Personlichkeit eine Anzahl von
Leuten zu einer gemeinsamen Unternehmung, und die Er-
innerung an dieses gemeinsame Werk bildete eine gesell-
schaf tliche Gruppe.
Diese Art gesellschaftlichen Zusammenlebens pragte
sich erst so recht bei der dritten Unterrasse (den Tol-
teken) aus. Die Menschen dieser Rasse begriindeten daher
auch erst das, was man Gemeinwesen, was man die erste
Art der Staatenbildung nennen kann. Und die Fuhrung,
die Regierung dieser Gemeinwesen ging von den Vor-
fahren auf die Nachkommen iiber. Was vorher nur im
Gedachtnisse der Mitmenschen weiterlebte, das iibertrug
jetzt der Vater auf den Sohn. Dem ganzen Geschlechte
soil ten die Werke der Vorfahren nicht verge ssen werden.
In den Nachkommen noch wurde das geschatzt, was der
Ahne getan hatte. Man mufi sich nur klar daruber sein,
dafi in jenen Zeiten die Menschen wirklich auch die Kraft
hatten, ihre Gaben auf die Nachkommen zu ubertragen.
Die Erziehung war ja darauf berechnet, in anschaulichen
Bildern das Leben vorzubilden. Und die Wirkung dieser
Erziehung beruhte auf der personlichen Macht, die von
dem Erzieher ausging. Er scharfte nicht die Verstandes-
kraft, sondern Gaben, die mehr instinktiver Art war en.
Durch ein solches Erziehungssystem ging wirklich die
Fahigkeit des Vaters in den meisten Fallen auf den Sohn
iiber.
Unter solchen Verhaltnissen gewann bei der dritten
Unterrasse die persdnliche Erfahrung immer mehr an Be-
deutung. Wenn sich eine Menschengruppe von einer an-
deren abgliederte, so brachte sie zur Begriindung ihres
neuen Gemeinwesens die lebendige Erinnerung mit an
das, was sie am alten Schauplatz erlebt hatte. Aber zu-
gleich lag in dieser Erinnerung etwas, was sie fur sich
nicht entsprechend fand, worinnen sie sich nicht wohl
fiihlte. In bezug darauf versuchte sie dann etwas Neues.
Und so verbesserten sich mit jeder neuen solchen Griin-
dung die Verhaltnisse. Und es war nur natiirlich, dafi
das Bessere auch Nachahmung fand. Das waren die Tat-
sachen, auf Grund derer es in der Zek der dritten Unter-
rasse zu jenen bliihenden Gemeinwesen kam, die in der
theosophischen Literatur beschrieben werden. Und die
personlichen Erfahrungen, die gemacht wurden, fanden
Unterstutzung von seiten derer, die in die ewigen Gesetze
der geistigen Entwickelung eingeweiht waren. Machtige
Herrscher empfingen selbst die Einweihung, auf dafi die
personliche Tiichtigkeit den vollen Riickhalt habe. Durch
seine personliche Tiichtigkeit macht sich der Mensch all-
mahlich zur Einweihung fahig. Er mu£ erst seine Krafte
von unten herauf entwickeln, damit dann die Erleuch-
tung von oben ihm erteilt werden konne. So entstanden
die eingeweihten Konige und Volkerfiihrer der Atlantier.
Gewaltige Machtfiille war in ihrer Hand; und groft war
auch die Verehrung, die ihnen entgegengebracht wurde.
Aber in dieser Tatsache lag auch der Grund zum Nie-
dergang und zum Verfall. Die Ausbildung der Gedacht-
niskraft hat zur Machtfiille der Persdnlichkeit gefiihrt.
Der Mensch wollte etwas durch diese seine Machtfiille
gelten. Und je grower die Macht wurde, desto mehr wollte
er sie fur sich ausniitzen. Der Ehrgeiz, der sich entwickelt
hatte, wurde zur ausgesprochenen Selbstsucht. Und da-
mit war der Mifibrauch der Krafte gegeben. Wenn man
bedenkt, was die Atlantier durch die Beherrschung der
Lebenskraft vermochten, so wird man begreifen, da£ die-
ser Mifibrauch gewaltige Folgen haben mufke. Es konnte
eine weite Macht iiber die Natur in den Dienst der per-
sonlichen Eigenliebe gestellt werden.
Das geschah in vollem Mafie durch die vierte Unter-
rasse (die Ur-Turanier). Die Angehorigen dieser Rasse,
die in der Beherrschung der genannten Krafte unter-
richtet wurden, gebrauchten diese vielfach, um ihre eigen-
sinnigen Wiinsche und Begierden zu befriedigen. In sol-
dier Art gebraucht, zerstoren sich aber diese Krafte in
ihrer Wirkung aufeinander. Es ist so, wie wenn die Fiifie
einen Menschen eigensinnig vorwarts bewegten, wahrend
sein Oberkorper nach riickwarts wollte.
Solche zerstorende Wirkung konnte nur dadurch auf-
gehalten werden, dafi im Menschen sich eine hdhere Kraft
ausbildete. Und das war die Denkkraft. Das logische
Denken wirkt zuriickhaltend auf die eigensiichtigen per-
sonlichen "Wunsche. Den Ursprung dieses logischen Den-
kens haben wir bei der fiinften Unterrasse (den Ur-
semiten) zu suchen. Die Menschen fingen an, iiber die
blofie Erinnerung an Vergangenes hinauszugehen und die
verschiedenen Erlebnisse zu vergleichen. Die Urteilskraft
entwickelte sich. Und nach dieser Urteilskraft wurden
die Wunsche, die Begierden geregelt. Man f ing an, zu rech-
nen, zu kombinieren. Man lernte, in Gedanken zu arbeiten.
Hat man friiher sich jedem Wunsche hingegeben, so fragt
man jetzt erst, ob der Gedanke den Wunsch auch billigen
konne. Sturmten die Menschen der vierten Unterrasse
wild los auf die Befriedigung ihrer Begierden, so began-
nen diejenigen der fiinften auf eine innere Stimme zu
horen. Und diese innere Stimme wirkt eindammend auf
die Begierden, wenn sie auch die Anspriiche der eigen-
siichtigen Personlichkeit nicht vernichten kann.
So hat die fiinfte Unterrasse die Antriebe zum Han-
deln in das menschliche Innere verlegt. Der Mensch will
in diesem seinem Innern mit sich ausmachen, was er zu
tun oder zu lassen hat. Aber das, was so im Innern an
Kraft des Denkens gewonnen wurde, ging an Beherr-
schung aufkrer Naturgewalten verloren. Mit diesem kom-
binierenden Denken kann man nur die Krafte der mine-
ralischen Welt bezwingen, nicht die Lebenskraft. Die
fiinfte Unterrasse entwickelte also das Denken auf Kosten
der Herrschaft iiber die Lebenskraft. Aber gerade da-
durch erzeugte sie den Keim zur Weiterentwickelung der
Menschheit. Jetzt mochte die Personlichkeit, die Selbst-
liebe, ja die Selbstsucht noch so grofi werden: das blofie
Denken, das ganz im Innern arbeitet und nicht mehr
unmittelbar der Natur Befehle erteilen kann, vermag
solche verheerende Wirkungen nicht anzurichten wie
die mifibrauchten friiheren Krafte. Aus dieser funften
Unterrasse wurde der begabteste Teil ausgewahlt, und
dieser lebte hinuber iiber den Niedergang der vierten
Wurzelrasse und bildete den Keim zur funften, der
arischen Rasse, welche die vollstandige Auspragung der
denkenden Kraft mit allem, was dazu gehort, zur Auf-
gabe hat.
Die Menschen der sechsten Unterrasse (der Akkadier)
bildeten die Denkkraft noch weiter aus als die fiinfte. Sie
unterschieden sich von den sogenannten Ursemiten da-
durch, dafi sie die angefiihrte Fahigkeit in einem um-
fassenderen Sinne zur Anwendung brachten als jene. —
Es ist gesagt worden, daft die Ausbildung der Denkkraft
zwar die Anspriiche der eigensiichtigen Personlichkeit
nicht zu den verheerenden Wirkungen kommen lieU, die
bei den friiheren Rassen moglich waren, dafi aber diese An-
spriiche durch sie nicht vernichtet wurden. Die Ursemiten
regelten zunachst ihre personlichen Verhaltnisse so, wie
es ihnen ihre Denkkraft eingab. An die Stelle der blofien
Begierden und Geluste trat die Klugheit. Andere Lebens-
verhaltnisse traten auf . Waren vorhergehende Rassen ge-
neigt, den als Fiihrer anzuerkennen, dessen Taten tief in
das Gedachtnis sich eingepragt hatten oder der auf ein
Leben reicher Erinnerung zuruckblicken konnte, so wurde
jetzt solche Rolle dem Klugen zuerkannt. Und war vor-
dem das mafigebend, was in guter Erinnerung lebte, so
betrachtete man jetzt das als das Beste, was dem Gedan-
ken am besten einleuchtete. Unter dem Einflusse des Ge-
dachtnisses hielt man ehedem so lange an einer Sache
fest, bis man sie als unzureichend erfand, und dann er-
gab sich im letzteren Falle von selbst, dafi derjenige mit
einer Neuerung durchdrang, welcher einem Mangel ab-
zuhelfen in der Lage war. Unter der "Wirkung der Denk-
kraft aber entwickelte sich eine Neuerungssucht und
Veranderungslust. Jeder wollte durchsetzen, was seine
Klugheit ihm eingab. Unruhige Zustande beginnen daher
unter der funften Unterrasse, und sie fuhren in der sech-
sten dazu, dafi man das Bedurfnis empfand, das eigen-
sinnige Denken des Einzelnen unter allgemeine Gesetze
zu bringen. Der Glanz in den Staaten der dritten Unter-
rasse beruhte darauf, dass gemeinsame Erinnerungen Ord-
nung und Harmonie bewirkten. In der sechsten mufite
durch atisgedachte Gesetze diese Ordnung bewirkt wer-
den. So hat man in dieser sechsten Unterrasse den Ur-
sprung von Rechts- und Gesetzesordnungen zu suchen.
— Und wahrend der dritten Unterrasse geschah die Ab-
sonderung einer Menschengruppe nur, wenn sie gewisser-
maften dadurch aus ihrem Gemeinwesen hinausgedrdngt
wurde, weil sie sich innerhalb der durch Erinnerung vor-
handenen Zustande nicht mehr wohl fuhlte. In der sech-
sten war das wesentlich anders. Die berechnende Denk-
kraft suchte das Neue als solches, sie spornte zu Unter-
nehmungen und Neugriindungen. Daher waren die Ak-
kadier ein unternehmungslustiges Volk, zur Kolonisation
geneigt. Insbesondere mufite der Handel der jung auf-
keimenden Denk- und Urteilskraft Nahrung geben.
Bei der siebenten Unterrasse (den Mongolen) bildete
sich ebenfalls die Denkkraft aus. Aber es blieben bei ihnen
Eigenschaften der friiheren Unterrassen, namentlich der
vierten, in viel starkerem Mafie vorhanden als bei der
fiinften und sechsten. Dem Sinn fur die Erinnerung blie-
ben sie treu. Und so gelangten sie zu der Oberzeugung,
dafi das Alteste auch das Kliigste sei, das, was sich am
besten vor der Denkkraft verteidigen kann. Die Beherr-
schung der Lebenskrafte ging zwar auch ihnen verloren;
aber was sich in ihnen an Gedankenkraft entwickelte,
das hatte selbst etwas von dem Naturgewaltigen dieser
Lebenskraft. Zwar hatten sie die Macht iiber das Leben
verloren, niemals aber den unmittelbaren naiven Glauben
an dasselbe. Ihnen war diese Kraft zu ihrem Gotte ge-
worden, in dessen Auftrage sie alles taten, was sie fur
richtig hielten. So erschienen sie ihren Nachbarvolkern
wie von dieser geheimen Kraft besessen und ergaben sich
ihr selbst auch in blindem Vertrauen. Ihre Nachkommen
in Asien und einigen europaischen Gegenden zeigten und
zeigen noch viel von dieser Eigenart.
Die in den Menschen gepflanzte Denkkraft konnte
ihren vollen Wert in der Entwickelung erst erlangen, als
sie einen neuen Antrieb erhielt in der fiinften Wurzelrasse.
Die vierte konnte doch nur diese Kraft in den Dienst des-
sen stellen, was ihr durch die Gabe des Gedachtnisses an-
erzogen war. Die fiinfte gelangte erst zu solchen Lebens-
formen, fur welche die Fahigkeit des Gedankens das
rechte Werkzeug ist.
OBERGANG DER VIERTEN
IN DIE FUNFTE WURZELRASSE
Die folgenden Mitteilungen beziehen sich auf den Ober-
gang der vierten (atlantischen) Wurzelrasse in die fiinfte
(arische), welcher die gegenwartige zivilisierte Mensch-
heit angehort. Nur derjenige wird sie richtig auffassen,
der sich von dem Gedanken der Entwickelung in seinem
ganzen Umfange und in seiner ganzen Bedeutung durch-
dringen kann. Alles, was der Mensch um sich herum ge-
wahr wird, ist in Entwickelung. Und auch die Eigenschaft
der Menschen unserer fiinften Wurzelrasse, die im Ge-
brauche des Gedankens liegt, hat sich erst entwickelt. Ja,
gerade diese Wurzelrasse ist es, welche die Kraft des Den-
kens langsam und allmahlich zur Reife bringt. Der ge-
genwartige Mensch entschlieftt sich (im Gedanken) zu
etwas, und dann fuhrt er es aus als die Folge des eigenen
Gedankens. Bei den Atlantiern bereitete sich diese Fahig-
keit erst vor. Nicht die eigenen Gedanken, sondern die
ihnen von hohergearteten Wesenheiten zustromenden
beeinflufrten ihren Willen. Dieser wurde also gewisser-
maften von aulkn gelenkt. — Wer sich mit diesem Ent-
wickelungsgedanken beim Menschen vertraut macht und
zugeben lernt, daft dieser in der Vorzeit ein ganz anders
geartetes Wesen — als irdischer Mensch — war, der
wird auch zu der Vorstellung von den vollig anderen
Wesenheiten aufsteigen konnen, von denen in den Mit-
teilungen gesprochen wird. Ungeheuer grofie Zeitraume
nahm die Entwickelung in Anspruch, von der berichtet
wird.
Was in dem Vorhergehenden von der vierten Wurzel-
rasse, den Atlantiern, gesagt worden ist, das bezieht sich
auf die grofte Masse der Menschheit. Aber diese stand
unter Fiihrern, die in ihren Fahigkeiten hoch emporrag-
ten iiber sie. Die Weisheit, welche diese Fuhrer besafien,
und die Krafte, welche sie beherrschten, waren durch
keinerlei irdische Erziehung zu erlangen. Sie waren ihnen
von hoheren, nicht unmittelbar zur Erde gehorenden ¥e-
senheiten erteilt worden. Es war daher nur natiirlich, dafi
die grofie Masse der Menschen diese ihre Fuhrer als We-
sen hoherer Art empfanden, als «Boten» der Gotten Denn
mit den menschlichen Sinnesorganen, mit dem mensch-
lichen Verstande ware nicht zu erreichen gewesen, was
diese Fuhrer wufiten und ausfiihren konnten. Man ver-
ehrte sie als «Gottesboten» und empfing ihre Befehle, Ge-
bote und auch ihren Unterricht. Durch Wesen solcher
Art wurde die Menschheit unterwiesen in den Wissen-
schaften, Kiinsten, in der Verfertigung von Werkzeugen.
Und solche «G6tterboten» leiteten entweder selbst die Ge-
meinschaften oder unterrichteten Menschen, die weit ge-
nug vorgeschritten waren, in den Regierungskiinsten. Man
sagte von diesen Fiihrern, dafi sie «mit den Gottern ver-
kehren» und von diesen selbst in die Gesetze eingeweiht
werden, nach denen sich die Menschheit entwickeln musse.
Und das entsprach der Wirklichkeit. An Orten, von
denen die Menge nichts wufite, geschah diese Einweihung,
dieser Verkehr mit den Gottern. Mysterientempel wur-
den diese Einweihungsorte genannt. Von ihnen aus also
geschah die Verwaltung des Menschengeschlechts.
Das, was in den Mysterientempeln geschah, war dem-
gemafi auch dem Volke unverstandlich. Und ebensowenig
verstand dieses die Absichten seiner grofien Fiihrer. Das
Volk konnte mit seinen Sinnen ja nur verstehen, was sich
auf der Erde unmittelbar zutrug, nicht was zum Heile
dieser aus hoheren Welten geoffenbart wurde. Daher
mufken auch die Lehren der Fiihrer in einer Form abge-
fafit sein, die nicht den Mitteilungen uber irdische Ereig-
nisse ahnlich war. Die Sprache, welche die Gotter mit
ihren Boten in den Mysterien sprachen, war ja auch keine
irdische, und die Gestalten, in denen sich diese Gotter
of fenbar ten, waren ebensowenig irdisch. «In feurigen
Wolken* erschienen die hoheren Geister ihren Boten, urn
ihnen mitzuteilen, wie sie die Menschen zu fuhren haben.
In menschlicher Gestalt kann nur ein Mensch erscheinen;
Wesenheiten, deren Fahigkeiten uber das Menschliche
hinausragen, miissen in Gestalten sich offenbaren, die
nicht unter den irdischen zu finden sind.
Da$ die «Gottesboten» diese Offenbarungen empfan-
gen konnten, riihrt davon her, dalS sie selbst die vollkom-
mensten unter ihren Menschenbriidern waren. Sie hatten
auf friiheren Entwickelungsstufen bereits durchgemacht,
was die Mehrzahl der Menschen noch durchzumachen
hat. Nur in einer gewissen Beziehung gehorten sie dieser
Mitmenschheit an. Sie konnten die menschliche Gestalt
annehmen. Aber ihre seelisch-geistigen Eigenschaften
waren ubermenschlicher Art. Sie waren also gottlich-
menschliche Doppelwesen. Man konnte sie daher auch
als hohere Geister bezeichnen, die menschliche Leiber an-
genommen hatten, um der Menschheit auf ihrem irdischen
Wege weiter zu helfen. Ihre eigentliche Heimat war nicht
auf der Erde. — Diese Wesen fiihrten die Menschen, ohne
ihnen die Grundsatze mitteilen zu konnen, nach denen
sie sie fiihrten. Denn bis zur funften Unterrasse der At-
lantier, den Ursemiten, hatten die Menschen eben gar
keine Fahigkeit, um diese Grundsatze zu begreifen. Erst
die Denkkraft, die sich in dieser Unterrasse entwickelte,
war eine solche Fahigkeit. Aber diese Fahigkeit entwik-
kelte sich langsam und allmahlich. Und auch die letzten
Unterrassen der Atlantier konnten noch sehr wenig be-
greifen von den Grundsatzen ihrer gottlichen Fiihrer. Sie
fingen an, erst ganz unvollkommen, etwas von solchen
Grundsatzen zu ahnen. Daher waren ihre Gedanken und
auch die Gesetze, von denen bei ihren Staatseinrichtungen
gesprochen worden ist, mehr geahnt als klar gedacht.
Der Hauptfuhrer der funften atlantischen Unterrasse
bereitete diese nach und nach vor, damit sie in spaterer
Zeit, nach dem Untergange der atlantischen Lebensart,
eine neue beginnen konne, eine solche, welche ganz durch
die Denkkraft geregelt wird.
Nun mufi man sich vergegenwartigen, dafi man es am
Ende der atlantischen Zeit mit drei Gruppen menschen-
artiger Wesenheiten zu tun hat. 1. Mit den genannten
«G6tterboten», die der grofien Volksmasse weit voraus in
der Entwickelung waren, die gottliche Weisheit lehrten
und gottliche Taten verrichteten. 2. Die grofie Masse
selbst, bei welcher die Denkkraft in einem dumpfen Zu-
stande war, trotzdem sie Fahigkeiten naturwiichsiger Art
besaft, welche der heutigen Menschheit verlorengegangen
sind. 3. Eine kleinere Schar von solchen, welche die Denk-
kraft entwickelten. Diese verlor dadurch zwar allmahlich
die urwuchsigen Fahigkeiten der Atlantier; aber sie bil-
dete sich dafiir heran, die Grundsatze der «Gotterboten»
denkend zu erf assen. — Die zweite Gruppe der Menschen-
wesen war dem allmahlichen Aussterben geweiht. Die
dritte aber konnte von dem Wesen der ersten Art dazu
herangezogen werden, ihre Fiihrung selbst in die Hand
zu nehmen.
Aus dieser dritten Gruppe nahm der genannte Haupt-
fiihrer, welchen die okkultistische Literatur als Mann
bezeichnet, die Befahigtesten heraus, urn aus ihnen eine
neue Menschheit hervorgehen zu lassen. Diese Befahig-
testen waren in der fiinften Unterrasse vorhanden. Die
Denkkraft der sechsten und siebenten Unterrasse war
schon in einer gewissen Weise auf Abwege geraten und
nicht mehr zur Weiterentwickelung geeignet. — Die be-
sten Eigenschaften der Besten mufiten entwickelt wer-
den. Das geschah, indem der Fiihrer die Auserlesenen an
einem besonderen Orte der Erde — in Innerasien — ab-
sonderte und sie vor jedem Einflusse der Zuruckgeblie-
benen oder der auf Abwege Geratenen befreite. — Die
Aufgabe, die sich der Fiihrer stellte, war, seine Schar
so weit zu bringen, dafi ihre Zugehorigen in der eigenen
Seele, mit eigener Denkkraft die Grundsatze erfassen
konnten, nach denen sie bisher auf eine von ihnen geahnte,
aber nicht klar erkannte Art gelenkt worden waren. Die
Menschen sollten erkennen die gottlichen Krafte, denen
sie unbewufit gefolgt waren. Bisher hatten die Gotter
durch ihre Boten die Menschen gefiihrt; jetzt sollten die
Menschen von diesen gottlichen Wesenheiten wissen. Sie
sollten sich selbst als die ausfuhrenden Organe der gott-
lichen Vorsehung ansehen lernen.
Vor einer wichtigen Entscheidung stand die also ab-
gesonderte Schar. Der gottliche Fiihrer war in ihrer Mitte,
in Menschengestalt. Von solchen Gotterboten hatte die
Menschheit vorher Anweisungen, Befehle erhalten, was
sie zu tun oder zu lassen hatte. Sie war in den Wissen-
schaften unterrichtet worden, die sich auf dasjenige be-
zogen, was sie mit den Sinnen hatte wahrnehmen kon-
nen. Eine gottliche Weltregierung hatten die Menschen
geahnt, hatten sie in ihren eigenen Handlungen empfun-
den; aber klar gewuftt hatten sie nichts von ihr. — Nun
sprach ihr Fuhrer in einer ganz neuen Art zu ihnen. Er
lehrte sie, dafi unsichtbare Machte das lenken, was sie
sichtbar vor sich hatten; und dafi sie selbst Diener dieser
unsichtbaren Machte seien, daft sie mit ihren Gedanken
die Gesetze dieser unsichtbaren Machte zu vollziehen
hatten. Von einem Oberirdisch-Gottlichen horten die
Menschen. Und daft das unsichtbare Geistige der Schop-
fer und Erhalter des sichtbaren Korperlkhen sei. Zu ihren
sichtbaren Gotterboten, zu den iibermenschlichen Ein-
geweihten, von denen der selbst einer war, der so zu ihnen
sprach, hatten sie bisher aufgesehen, und von ihnen wurde
mitgeteilt, was zu tun und was zu lassen sei. Jetzt aber
wurden sie dessen gewurdigt, daft der Gotterbote ihnen
von den Gottern selbst sprach. Gewaltig war die Rede,
die er seiner Schar immer wieder einscharfte. «Ihr habt
bis jetzt gesehen diejenigen, die euch fuhrten; aber es gibt
hohere Fuhrer, die ihr nicht sehet. Und diesen Fiihrern
seid ihr untertan. Ihr sollt vollziehen die Befehle des Got-
tes, den ihr nicht sehet; und ihr sollt gehorchen einem
solchen, von dem ihr euch kein Bild machen konnet.* So
klang aus dem Munde des grofien Fiihrers das neue
hochste Gebot, das da die Verehrung vorschrieb eines
Gottes, dem kein sinnlich-sichtbares Bild ahnlich sein
konnte, von dem daher auch keines gemacht werden sollte.
Von diesem grofien Urgebote der fiinften Menschenrasse
ist ein Nachklang das bekannte: «Du sollst dir kein
Gotzenbild machen, noch irgendein Abbild von etwas,
was droben im Himmel oder unten auf der Erde, oder
was im Wasser unter der Erde ist ...».*
Dem Hauptfuhrer (Manu) standen andere Gotterboten
zur Seite, welche fur die einzelnen Lebenszweige seine
Absichten ausfuhrten und an der Entwickelung der neuen
Rasse arbeiteten. Denn es handelte sich darum, das ganze
Leben im Sinne der neuen Auffassung von einer gott-
lichen Weltregierung einzurichten* Die Gedanken der
Menschen sollten uberall von dem Sichtbaren auf das
Unsichtbare hingelenkt werden. Das Leben wird durch
die Naturmachte bestimmt. Von Tag und Nacht, von
Winter und Sommer, von Sonnenschein und Regen hangt
der Verlauf dieses menschlichen Lebens ab. Wie diese
einfluftreichen sichtbaren Tatsachen mit den unsichtbaren
(gottlichen) Kraften im Zusammenhang stehen und wie
der Mensch sich verhalten solle, damit er diesen unsicht-
baren Machten gemafi sein Leben einrichte: das wurde
ihm gezeigt. Alles Wissen und alle Arbeit sollte in diesem
Sinne getrieben werden. Im Gang der Sterne und der
Witterungsverhaltnisse sollte der Mensch die gottlichen
Ratschliisse sehen, den Ausflufi der gottlichen Weisheit.
Astronomie und Witterungskunde wurden in diesem Sinne
gelehrt. Und seine Arbeit, sein sittliches Leben solle der
Mensch so einrichten, dafi sie den weisheitsvollen Geset-
zen des Gottlichen entsprechen. Nach gottlichen Gebo-
ten wurde das Leben geordnet, wie im Gang der Sterne,
in den Witterungsverhaltnissen und so weiter die gbtt-
* 2. Buch Moses, 20. Kap.
lichen Gedanken erforscht wurden. Durch Opferhandlun-
gen sollte der Mensch seine Werke mit den Fugungen
der Gotter in Einklang bringen. — Es war die Absicht
des Manu, alles im menschlichen Leben auf die hoheren
Welten hinzulenken. Alles menschliche Tun, alle Ein-
richtungen sollten einen religiosen Charakter tragen. Da-
durch wollte der Manu das einleiten, was der funften
Wurzelrasse als ihre eigentliche Aufgabe obliegt. Diese
sollte lernen, sich selbst durch ihre Gedanken zu leiten.
Aber zum Heile kann solche Selbstbestimmung nur ftth-
ren, wenn sich der Mensch auch selbst in den Dienst der
hoheren Kraf te stellt. Der Mensch soil sich seiner Gedan-
kenkraft bedienen; aber diese Gedankenkraft soli gehei-
ligt sein durch den Hinblick auf das Gottliche.
Man begreift nur vollstandig, was damals geschah,
wenn man auch weifi, daft die Entwickelung der Denk-
kraft, von der funften Unterrasse der Atlantier angefan-
gen, noch etwas anderes im Gefolge gehabt hat. Die Men-
schen waren namlich von einer gewissen Seite her in den
Besitz von Kenntnissen und Kunsten gekommen, die nicht
unmittelbar mit dem zusammenhingen, was der obenge-
nannte Manu als seine eigentliche Aufgabe ansehen mufite.
Diesen Kenntnissen und Kunsten fehlte zunachst der re-
ligiose Charakter. Sie kamen so an den Menschen her-
an, daft dieser an nichts anderes denken konnte, als sie
in den Dienst des Eigennutzes, seiner personlichen Be-
diirfnisse zu stellen* . . . Zu solchen Kenntnissen gehort
zum Beispiel die des Feuers in seiner Anwendung zu
* Ober den Ursprung dieser Kenntnisse und Kiinste Sffentliche
Mitteilungen zu machen, ist vorlaufig nicht erlaubt. Daher mufi hier
eine Stelle der Akasha-Cbronik wegbleiben.
menschlichen Verrichtungen. In den ersten atlantischen
Zeiten brauchte der Mensch das Feuer nicht, denn es
stand ja die Lebenskraft zu seinen Diensten. Je weniger
er aber mit fortschreitender Zeit in der Lage war, sich
dieser Kraft zu bedienen, desto mehr mufke er lernen,
sich Werkzeuge, Gerate aus sogenannten leblosen Dingen
zu machen. Dazu diente ihm der Gebrauch des Feuers.
Und ahnlich war es mit anderen Naturkraften. Der
Mensch hatte also gelernt, sich solcher Naturkrafte zu
bedienen, ohne sich ihres gottlichen Ursprungs bewuftt
zu sein. Und so sollte es auch sein. Der Mensch sollte
durch nichts gezwungen sein, diese im Dienste seiner
Denkkraft stehenden Dinge auf die gottliche Weltordnung
zu beziehen. Er sollte das vielmehr freiwillig in seinen
Gedanken tun. So ging denn die Absicht des Manu da-
hin, die Menschen dazu zu bringen, dafi sie selbstandig,
aus einem inneren Bediirfnis heraus, solche Dinge in Zu-
sammenhang brachten mit der hoheren Weltordnung.
Gleichsam wahlen konnten die Menschen, ob sie die er-
langten Erkenntnisse rein im personlichen Eigennutz oder
im religiosen Dienste einer hoheren Welt anwenden woll-
ten. — War also der Mensch vorher gezwungen, sich als
Glied der gottlichen Weltlenkung zu betrachten, von der
ihm zum Beispiel die Beherrschung der Lebenskraft zu-
flofi, ohne dafi er die Denkkraft anzuwenden brauchte, so
konnte er jetzt die Naturkrafte auch anwenden, ohne den
Gedanken auf das Gottliche zu lenken. — Dieser Ent-
scheidung waren nicht alle Menschen gewachsen, welche
der Manu um sich gesammelt hatte, sondern vielmehr
nur eine geringe Zahl derselben. Und nur aus dieser letz-
teren Zahl konnte der Manu den Keim zur neuen Rasse
wirklich bilden. Mit ihr zog er sich dann zuriick, urn sie
weiterzuentwickeln, wahrend die anderen sich mit der
iibrigen Menschheit vermischten. — Von der genannten
geringen Zahl von Menschen, die sich zuletzt urn den
Manu geschart hatte, stammt dann alles ab, was die wah-
ren Fortschrittskeime der fiinften Wurzelrasse bis heute
noch bildet. Daher ist es aber auch erklarlich, dafi zwei
Charakterziige durch die ganze Entwickelung dieser fiinf-
ten Wurzelrasse durchgehen. Der eine Zug ist den Men-
schen eigen, die beseelt sind von hoheren Ideen, die sich
als Kinder einer gottlichen Weltmacht betrachten; der
andere kommt denen zu, die alles nur in den Dienst der
personlichen Interessen, des Eigennutzes stellen.
So lange blieb die kleine Schar um den Manu, bis sie
hinlanglich gekraftigt war, um in dem neuen Geiste zu
wirken, und bis ihre GHeder hinausziehen konnten, die-
sen neuen Geist der iibrigen Menschheit zu bringen, die
von den vorhergehenden Rassen ubriggeblieben war. Es
ist naturlich, dafi dieser neue Geist bei den verschiedenen
Volkern einen verschiedenen Charakter annahm, je nach-
dem sich diese selbst in den verschiedenen Gebieten ent-
wickelt hatten. Die alten zuriickgebliebenen Charakter-
ziige vermischten sich mit dem, was die Sendboten des
Manu in die verschiedenen Teile der Welt trugen. Da-
durch entstanden mannigfaltige neue Kulturen und Zi-
vilisationen.
Die befahigtesten Personlichkeiten aus der Umgebung
des Manu wurden dazu ausersehen, nach und nach un-
mittelbar in seine gottliche Weisheit eingeweiht zu wer-
den, auf daft sie Lehrer der iibrigen werden konnten. So
kam es, dafi zu den alten Gotterboten jetzt auch eine
neue Art von Eingeweihten kam. Es sind diejenigen,
welche ihre Denkkraft geradeso wie ihre ubrigen Mit-
menschen in irdischer Art ausgebildet haben. Die vorher-
gehenden Gotterboten — auch der Manu — hatten das
nicht. Ihre Entwkkelung gehort hoheren Welten an. Sie
brachten ihre hohere Weisheit in die irdischen Verhalt-
nisse herein. Was sie der Menschheit schenkten, war eine
«Gabe von oben». Die Menschen waren noch vor der
Mitte der atlantischen Zeit nicht so wek, mit eigenen
Kraften begreifen zu konnen, was die gottlichen Rat-
schlusse sind. Jetzt — in der angedeuteten Zeit — sollten
sie dazu kommen. Das irdische Denken sollte sich erheben
bis zu dem Begriffe vom Gottlichen. Menschliche Einge-
weihte traten zu den ubermenschlichen. Das bedeutet
einen wichtigen Umschwung in der Entwickelung des
Menschengeschlechtes. Noch die ersten Atlantier hatten
nicht die Wahl, ihre Fuhrer als gottliche Sendboten an-
zusehen oder auch nicht. Denn was diese vollbrachten,
drangte sich auf als Tat hoherer Welten. Es trug den
Stempel des gottlichen Ursprungs. So waren die Boten
der atlantischen Zeit durch ihre Macht geheiligte Wesen-
heiten, umgeben von dem Glanze, den ihnen diese Macht
verlieh. Die menschlichen Eingeweihten der Folgezeit
sind, auiSerlich genommen, Menschen unter Menschen.
Allerdings aber verblieben sie im Zusammenhang mit den
hoheren Welten, und die Offenbarungen und Erscheinun-
gen der Gotterboten dringen zu ihnen. Nur ausnahms-
weise, wenn sich eine hohere Notwendigkeit ergibt,
machen sie Gebrauch von gewissen Kraften, die ihnen
von dorther verliehen sind. Dann vollbringen sie Taten,
welche die Menschen nach den ihnen bekannten Gesetzen
nicht verstehen und daher mit Recht als Wunder ansehen.
— Die hohere Absicht aber bei alledem ist, die Mensch-
heit auf eigene Fufie zu stellen, deren Denkkraft voll-
kommen zu entwickeln. — Die menschlichen Eingeweih-
ten sind heute die Vermittler zwischen dem Volke und
den hoheren Machten; und nur die Einweihung befahigt
zum Umgange mit den Gotterboten.
Die menschlichen Eingeweihten, die heiligen Lehrer,
wurden nun im Beginne der fiinften Wurzelrasse Fiihrer
der iibrigen Menschheit. Die grofien Priesterkonige der
Vorzeit, von denen nicht die Geschichte, wohl aber die
Sagenwelt Zeugnis ablegt, gehoren der Schar dieser Einge-
weihten an. Immer mehr zogen sich die hoheren Gotter-
boten von der Erde zuriick und iiberliefien die Fiihrung
diesen menschlichen Eingeweihten, denen sie aber mit Rat
und Tat zur Seite stehen. Ware das nicht so, so kame
der Mensch niemals zum freien Gebrauch seiner Denk-
kraft. Die Welt steht unter gottlicher Fiihrung; aber der
Mensch soil nicht gezwungen werden, das zuzugeben, son-
dern er soli in freier Ueberlegung es einsehen und begrei-
fen. Ist er erst so weit, dann enthiillen ihm die Eingeweih-
ten stufenweise ihre Geheimnisse. Aber dies kann nicht
plotzlich geschehen. Sondern die ganze Entwickelung der
fiinften Wurzelrasse ist der langsame Weg zu diesem
Ziele. Wie Kinder fiihrte der Manu erst selbst noch seine
Schar. Dann ging die Fiihrung ganz allmahlich auf
menschliche Eingeweihte iiber. Und heute besteht der
Fortschritt noch immer in einer Mischung von bewufitem
und unbewufitem Handeln und Denken der Menschen.
Erst am Ende der fiinften Wurzelrasse, wenn durch die
sechste und siebente Unterrasse hindurch eine geniigend
grofie Anzahl von Menschen des Wissens fahig ist, wird
sich der grofite Eingeweihte ihnen offentlich enthullen
konnen. Und dieser menschliche Eingeweihte wird dann
die weitere Hauptfiihrung ebenso iibernehmen konnen,
wie das der Manu am Ende der vierten Wurzelrasse ge-
tan hat. So ist die Erziehung der fiinften Wurzelrasse
die, dafi ein grofierer Teii der Menschheit dazu kommen
wird, einem menschlichen Manu frei zu folgen, wie das
die Keimrasse dieser fiinften mit dem gottlichen getan hat.
DIE LEMURISCHE RASSE
Hier wird ein Stiick aus der Akasha-Chronik mitgeteilt,
das sich auf eine sehr feme Urzeit in der Menschheitsent-
wickelung bezieht. Diese Zeit geht derjenigen voraus,
welche in den vorhergehenden Darstellungen geschildert
worden ist. Es handelt sich um die dritte menschliche
Wurzelrasse, von welcher in theosophischen Biichern ge-
sagt wird, dafi sie den lemurischen Kontinent bewohnt
hat. Dieser Kontinent lag — im Sinne dieser Bucher —
im Siiden von Asien, dehnte sich aber ungefahr von Cey-
lon bis Madagaskar aus. Auch das heutige siidliche Asien
und Teile von Afrika gehorten zu ihm. — Wenn auch
beim Entziffern der „ Akasha-Chronik" alle mogliche
Sorgfalt angewendet worden ist, so mufi doch betont wer-
den, dafi nirgends fur diese Mitteilungen irgendwelcher
dogmatischer Charakter in Anspruch genommen werden
soil. Ist schon das Lesen von Dingen und Ereignissen,
welche dem gegenwartigen Zeitalter so fernliegen, nicht
leicht, so bietet die Obersetzung des Geschauten und Ent-
zifferten in die gegenwartige Sprache fast uniibersteig-
liche Hindernisse. — Zeitangaben werden s pater gemacht
werden. Sie werden besser verstanden werden, wenn die
ganze lemurische Zeit und auch noch diejenige unserer
(funf ten) Wurzelrasse bis zur Gegenwart durchgenommen
sein werden. — Die Dinge, die hier mitgeteilt werden,
sind auch fiir den Okkultisten, der sie zum ersten Male
liest, iiberraschend — obgleich das Wort nicht ganz zu-
treffend ist. Deshalb darf er sie nur nach der sorgfaltig-
sten Priifung mitteilen.
Der vierten (atlantischen) Wurzelrasse ging die soge-
nannte lemurische voran. Innerhalb ihrer Entwickelung
vollzogen sich mit Erde und Mensch Tatsachen von der
aUergrdfken Bedeutung. Doch soli hier zuerst etwas iiber
den Charakter dieser Wurzelrasse nach diesen Tatsachen
gesagt und dann erst auf die letzteren eingegangen wer-
den. Im grofien und ganzen war bei dieser Rasse das Ge-
ddchtnis noch nicht ausgebildet. Die Menschen konnten
sich zwar Vorstellungen machen von den Dingen und
Ereignissen; aber diese Vorstellungen blieben nicht in der
Erinnerung haften. Daher hatten sie auch noch keine
Sprache im eigentlichen Sinne. Was sie in dieser Bezie-
hung hervorbringen konnten, waren mehr Naturlaute, die
ihre Empfindungen, Lust, Freude, Schmerz und so wei-
ter ausdriickten, die aber nicht aufterliche Dinge bezeich-
neten. — Aber ihre Vorstellungen hatten eine ganz an-
dere Kraft als die der spateren Menschen. Sie wirkten
durch diese Kraft auf ihre Umgebung. Andere Menschen,
Tiere, Pflanzen und selbst leblose Gegenstande konnten
diese Wirkung empf inden und durch blofie Vorstellungen
beeinfluftt werden. So konnte der Lemurier seinen Neben-
menschen Mitteilungen machen, ohne daft er eine Sprache
notig gehabt hatte. Diese Mitteilung bestand in einer Art
«Gedankenlesen». Die Kraft seiner Vorstellungen schopfte
der Lemurier unmittelbar aus den Dingen, die ihn um-
gaben. Sie flofi ihm zu aus der Wachstumskraft der Pflan-
zen, aus der Lebenskraft der Tiere. So verstand er Pflan-
zen und Tiere in ihrem inneren Weben und Leben. Ja,
er verstand so auch die physischen und chemischen Krafte
der leblosen Dinge. Wenn er etwas baute, brauchte er
nicht erst die Tragkraft eines Holzstammes, die Schwere
eines Bausteines zu berechnen, er sab dem Holzstamme an,
wieviel er tragen kann, dem Baustein, wo er durch seine
Schwere angebracht ist, wo nicht. So baute der Lemu-
rier ohne Ingenieurkunst aus seiner mit der Sicherheit
einer Art Instinktes wirkenden Vorstellungskraft heraus.
Und er hatte dabei seinen Korper in hohem Mafie in sei-
ner Gewalt. Er konnte seinen Arm stahlen, wenn es notig
war, durch blofie Anstrengung des Willens. Ungeheure
Lasten konnte er zum Beispiel heben durch blofie Wil-
lensentwickelung. Diente spater dem Atlantier die Herr-
schaft iiber die Lebenskraft, so diente dem Lemurier die
Bemeisterung des Willens. Er war — der Ausdruck soli
nicht mifiverstanden werden — auf alien Gebieten nie-
derer menschlicher Verrichtungen der geborene Magier.
Auf die Ausbildung des Willens, der vorstellenden
Kraft war es bei den Lemuriern abgesehen. Die Kinder-
erziehung war ganz darauf angelegt. Die Knaben wur-
den in der kraftigsten Art abgehartet. Sie mufiten lernen,
Gefahren bestehen, Schmerzen iiberwinden, kiihne Hand-
lungen vollziehen. Diejenigen, welche Martern nicht er-
tragen, Gefahren nicht bestehen konnten, wurden als
keine nutzlichen Mitglieder der Menschheit angesehen.
Man liefi sie unter den Strapazen zugrunde gehen. Was
die Akasha-Chronik in bezug auf diese Kinderzucht zeigt,
ubersteigt alles, was sich der gegenwartige Mensch in der
kuhnsten Phantasie auszumalen vermag. Das Ertragen
von Hitze bis zur versengenden Glut, das Durchstechen
des Korpers mit spitzen Gegenstanden waren ganz ge-
wohnliche Prozeduren. — Anders war die Madchenzucht.
2 war wurde auch das weibliche Kind abgehartet; aber
es war alles iibrige darauf angelegt, dafi es eine kraftige
Phantasie entwickele. Es wurde zum Beispiel dem Sturm
ausgesetzt, um seine grausige Schonheit ruhig zu empfin-
den; es mufite den Kampfen der Manner zusehen, angst-
los, nur durchdrungen von dem Gefuhle fiir die Starke
und Kraft, die es vor sich sah. Die Anlagen zur Traume-
rei, zum Phantasieren entwickelten sich dadurch bei dem
Madchen; aber diese schatzte man besonders hoch. Und
da ein Gedachtnis nicht vorhanden war, so konnten diese
Anlagen auch nicht ausarten. Die betreffenden Traum-
oder Phantasievorstellungen hielten nur solange an, als
die entsprechende auftere Veranlassung vorlag. Sie hatten
also insofern ihren guten Grund in den aufieren Dingen.
Sie verloren sich nicht ins Bodenlose. Es war sozusagen
die Phantastik und Traumerei der Natur selbst, die in
das weibliche Gemiit gesenkt wurde.
Wohnungen in unserem Sinne hatten die Lemurier, aus-
genommen in ihrer letzten Zeit, nicht. Sie hielten sich da
auf, wo die Natur selbst dazu Gelegenheit gab. Erdhoh-
len zum Beispiel, die sie benutzten, gestalteten sie nur so
um, statteten sie mit solchen Zutaten aus, wie sie dies
brauchten. Spater bauten sie sich auch aus Erdreich solche
Hohlen; und dann entwickelten sie bei solchen Bauten
eine grofte Geschicklichkeit. Man darf sich aber nicht
vorstellen, dafi sie nicht auch kunstliche Bauten auffuhr-
ten. Nur dienten diese nicht zur Wohnung. Sie entspran-
gen in der ersten Zeit dem Bediirfnis, den Naturdingen
eine durch den Menschen herbeigefuhrte Form zu geben.
Hugel wurden so umgeformt, dafi der Mensch seine
Freude, sein Behagen an der Form hatte. Steine wurden
aus demselben Grunde zusammengefiigt, oder auch darum,
bei gewissen Verrichtungen zu dienen. Die Orte, an de-
nen man die Kinder abhartete, wurden mit Mauern die-
ser Art umgeben. — Immer gewaltiger und kunstvoller
wurden aber gegen das Ende dieses Zeitalters die Bauten,
welche der Pflege der «gottlichen Weisheit und gottlichen
Kunst» dienten. Diese Anstalten waren in jeder Art ver-
schieden von dem, was der spateren Menschheit die Tem-
pel waren, denn sie waren zugleich Unterrichtsanstalten
und Wissenschaftsstatten. Wer dazu geeignet befunden
wurde, durfte hier eingeweiht werden in die Wissenschaft
von den Weltgesetzen und in der Handhabung dieser Ge-
setze. War der Lemurier ein geborener Magier, so wurde
hier diese Anlage zur Kunst und zur Einsicht ausgebildet.
Nur diejenigen, welche im hochsten Mafie durch jegliche
Abhartung die Fahigkeit erworben hatten, zu iiberwin-
den, konnten zugelassen werden. Fiir alle anderen war
das, was in diesen Anstalten vorging, das tiefste Geheim-
nis. Man lernte hier die Naturkrafte in unmittelbarer An-
schauung kennen und auch beherrschen. Aber das Lernen
war so, dafi die Naturkrafte beim Menschen sich in Wil-
lenskrafte umsetzten. Er konnte dadurch selbst ausfuh-
ren, was die Natur vollbringt. Was die spatere Mensch-
heit durch Oberlegung, durch Kombination vollbrachte,
das hatte damals den Charakter einer instinktiven Tatig-
keit. Doch darf man das Wort «Instinkt» hier nicht in
demselben Sinne gebrauchen, wie man gewohnt ist, es
auf die Tierwelt anzuwenden. Denn die Verrichtungen
der lemurischen Menschheit standen turmhoch iiber allem,
was die Tierwelt durch den Instinkt hervorzubringen ver-
mag. Sie standen sogar weit iiber dem, was sich seither
die Menschheit durch Gedachtnis, Verstand und Phanta-
sie an Kiinsten und Wissenschaften angeeignet hat. Wollte
man einen Ausdruck fur diese Anstalten gebrauchen, der
das Verstandnis erleichtert, so konnte man sie «Hoch-
schulen der Willenskrafte und der hellsehenden Vorstel-
lungsgewalt» nennen. — Aus ihnen gingen die Menschen
hervor, welche zu Herrschern der andern in jeder Be-
ziehung wurden. Eine richtige Vorstellung von all diesen
Verhaltnissen ist heute in Worten schwer zu geben. Denn
alles hat sich seither auf der Erde geandert. Die Natur
selbst und alles menschliche Leben waren anders; daher
waren ganz verschieden von dem heute iiblichen die
menschliche Arbeit und das Verhaltnis von Mensch zu
Mensch.
Noch viel dichter als spater in atlantischen Zeiten war
die Luft, noch viel dunner das Wasser. Und auch das, was
heute unsere feste Erdkruste bildet, war noch nicht so
verhartet wie spater. Die Pf lanzen- und die Tierwelt waren
erst vorgeschritten bis zur Amphibien-, Vogelwelt und
den niederen Saugetieren, ferner bis zu Gewachsen, die
Ahnlichkeit haben mit unseren Palmen und ahnlichen
Baumen. Doch waren alle Formen anders als heute. Was
jetzt nur in kleinen Gestalten vorkommt, war damals rie-
sig entwickelt. Unsere kleinen Fame waren damals Baume
und bildeten machtige Walder. Die gegenwartigen hohe-
ren Saugetiere gab es nicht. Dagegen war ein grofier Teil
der Menschheit auf so niedriger Entwickelung, dafi man
ihn durchaus als tierisch bezeichnen muf$. Uberhaupt gilt
nur von einem kleinen Teil der Menschen das, was hier
von ihnen beschrieben ist. Der andere Teil lebte ein Leben
in Tierheit. Ja, diese Tiermenschen waren in dem aufieren
Bau und in der Lebensweise durchaus verschieden von
jenem kleinen Teil. Sie unterschieden sich gar nicht be-
sonders von den niederen Saugetieren, die ihnen in ge-
wisser Beziehung auch in der Gestalt ahnlich waren.
Es miissen noch einige Worte gesagt werden iiber die
Bedeutung der erwahnten Tempelstatten. Es war nicht
eigentlich Religion, was da gepflegt wurde. Es war «gott-
liche Weisheit und Kunst». Der Mensch empfand, was
ihm da gegeben wurde, unmittelbar als ein Geschenk der
geistigen Weltkrafte. Und wenn er dieses Geschenkes teil-
haftig wurde, so sah er sich selbst als einen «Diener» die-
ser Weltkrafte an. Er fuhlte sich «geheiligt» vor allem
Ungeistigen. Will man von Religion auf dieser Stufe der
Menschheitsentwickelung sprechen, so konnte man sie
«Willensreligion» nennen. Die religiose Stimmung und
Weihe lag darinnen, dafi der Mensch die ihm verKehenen
Krafte als strenges, gottliches „Geheimnisa hiitete, dafi er
ein Leben fiihrte, durch das er seine Macht heiligte. Die
Scheu und Verehrung, mit der man Personen von seiten
der andern begegnete, die solche Krafte hatten, waren
groft. Und sie waren nicht irgendwie durch Gesetze oder
dergleichen bewirkt, sondern durch die unmittelbare
Macht, die von ihnen ausgeiibt wurde. Wer uneingeweiht
war, stand ganz selbstverstandlich unter dem magischen
Einfluft der Eingeweihten. Und selbstverstandlich war es
ja auch, da£ diese sich als geheiligte Personen betrach-
teten. Denn sie wurden ja in ihren Tempelstatten in vol-
ler Anschauung teilhaftig der wirkenden Naturkrafte. Sie
blickten hinein in die schaffende Werkstatt der Natur.
Was sie erlebten, war ein Verkehr mit den Wesenheiten,
die an der Welt selbst bauen. Man darf diesen Verkehr
einen Umgang mit den Gottern nennen. Und was sich
spater als «Einweihung», als «Mysterium» entwickelt hat,
ist aus dieser urspriinglichen Art des Verkehrs der Men-
schen mit den Gottern hervorgegangen. In folgenden Zei-
ten mufite dieser Verkehr sich anders gestalten, weil das
menschliche Vorstellen, der menschliche Geist andere For-
men annahmen.
Von besonderer Wichtigkeit ist etwas, was mit dem
Fortschritte der lemurischen Entwickelung dadurch ge-
schah, daft die Frauen in der geschilderten Art lebten. Sie
bildeten dadurch besondere menschliche Krafte aus. Ihre
mit der Natur im Bunde befindliche Einbildungskraft
wurde die Grundlage fur eine hohere Entwickelung des
Vorstellungslebens. Sie nahmen sinnig die Krafte der Na-
tur in sich auf und liefien sie in der Seele nachwirken.
Damit bildeten sich die Keime des Gedachtnisses. Und
mit dem Gedachtnis trat auch die Fahigkeit in die Welt,
die ersten allereinfachsten moralischen Begriffe zu bil-
den. — Die Willensausbildung des mannlichen Elemen-
tes kannte derartiges zunachst nicht. Der Mann folgte in-
stinktiv entweder den Antrieben der Natur oder den Ein-
flussen, die von den Eingeweihten ausgingen. — Aus der
Frauenart heraus entstanden die ersten Vorstellungen von
«gut und bose». Da fing man an, das eine, das auf das
Vorstellungsleben einen besonderen Eindruck gemacht
hat, zu Heben, anderes zu verabscheuen. War die Herr-
schaft, welche das mannliche Element ausubte, mehr
auf die aufSere Wirkung der Willenskrafte, auf die
Handhabung der Naturmachte gerichtet, so entstand da-
neben in dem weiblichen Element eine Wirkung durch das
Gemiit, durch die inneren, personlichen Krafte des Men-
schen. Nur derjenige kann die Entwickelung der Mensch-
heit rich tig verstehen, der berucksichtigt, dafi die ersten
Fortschritte im Vorstellungsleben von den Frauen ge-
macht worden sind. Die mit dem sinnigen Vorstellungs-
leben, mit der Ausbildung des Gedachtnisses zusammen-
hangende Entwickelung von Gewohnheiten, welche die
Keime zu einem Rechtsleben, zu einer Art von Sitte bil-
deten, kam von dieser Seite. Hatte der Mann die Natur-
krafte geschaut und ausgeiibt: die Frau wurde die erste
Deuterin derselben. Es war eine besondere neue Art, durch
das Nachdenken zu leben, die hier entstand. Diese Art
hatte etwas viel Persdnlicheres als diejenige der Manner.
Nun mull man sich vorstellen, dafi diese Art der Frauen
doch auch eine Art von Hellsehen war, wenn sie sich
auch von der Willensmagie der Manner unterschied. Die
Frau war in ihrer Seele einer anderen Art von geistigen
Machten zuganglich. Solchen, die mehr zu dem Gefuhls-
element der Seele sprachen, weniger zu dem geistigen,
dem der Mann unterworfen war. So ging von den
Mannera eine Wirkung aus, die mehr natiirlich-gottlich,
von den Frauen eine solche, die mehr seelisch-gottlich war.
Die Entwickelung, welche die Frau wahrend der lemu-
rischen Zeit durchgemacht hatte, brachte es mit sich,
dafi ihr beim Auftreten der nachsten — der atlantischen
— Wurzelrasse auf der Erde eine wichtige Rolle zufiel.
Dieses Auftreten fand statt unter dem Einflusse hoch-
entwickelter Wesenheiten, die bekannt waren mit den
Gesetzen der Rassenbildung und die imstande waren, die
vorhandenen Krafte der Menschennatur in solche Bahnen
zu leiten, dafi eine neue Rasse entstehen konnte. Uber
diese Wesen soli noch besonders gesprochen werden.
Vorlaufig mag es geniigen, zu sagen, dafi ihnen iiber-
menschliche Weisheit und Macht innewohnte. Sie son-
derten nun eine kleine Schar aus der lemurischen Mensch-
heit ab und bestimmten diese zu Stammeltern der kom-
menden atlantischen Rasse. Der Ort, an dem sie das taten,
lag in der heifien Zone. Die Manner dieses Haufleins
hatten unter ihrer Anleitung sich in der Beherrschung
der Naturkrafte ausgebildet. Sie waren kraf tvoll und ver-
standen es, der Erde die mannigfaltigsten Schatze abzu-
gewinnen. Sie konnten den Acker bebauen und seine
Friichte ihrem Leben nutzbar machen. Sie waren starke
Willensnaturen geworden durch die Zucht, die man ihnen
hatte angedeihen lassen. In geringem Mafte war bei
ihnen Seele und Gemiit ausgebildet. Diese waren dafiir
bei den Frauen zur Entfaltung gelangt. Gedachtnis und
Phantasie und alles, was mit diesem verbunden ist, fan-
den sich bei ihnen.
Die genannten Fuhrer bewirkten, daft sich das Hauf-
lein in kleine Gruppen ordnete. Und sie iibertrugen den
Frauen die Ordnung und Einrichtung dieser Gruppen.
Durch ihr Gedachtnis hatte die Frau die Fahigkeit erwor-
ben, die Erfahrungen und Erlebnisse, die einmal gemacht
worden waren, fur die Zukunft nutzbar zu machen. Was
gestern sich als zweckmaflig erwies, das verwertete sie
heute und war sich klar dariiber, daft es auch morgen
nutzbringend sein werde. Die Einrichtungen fur das Zu-
sammenleben gingen dadurch von ihr aus. Unter ihrem
Einflusse bildeten sich die Begriffe von «gut und bose»
aus. Durch ihr sinnendes Leben hatte sie sich Verstand-
nis fin* die Natur erworben. Aus der Beobachtung der
Natur erwuchsen ihr die Vorstellungen, nach denen sie
das Treiben der Menschen leitete. Die Fuhrer hatten es
so eingerichtet, dafi durch die Seele der Frau die Willens-
natur, das Kraftstrotzende der Manner veredelt und ge-
lautert wurde. Natiirlich mufi man sich das alles in kind-
lichen Anfangen denken. Die Worte unserer Sprache
ruf en nur zu leicht sogleich Vorstellungen hervor, die dem
Leben der Gegenwart entnommen sind.
Auf dem Umwege durch das erwachte Seelenleben der
Frauen entwickelten die Fiihrer erst dasjenige der Manner.
In der gekennzeichneten Kolonie war der Einfluft der
Frauen daher ein sehr grofier. Bei ihnen mufite man Rat
holen, wenn man die Zeichen der Natur deuten wollte.
Die ganze Art ihres Seelenlebens war aber noch eine
solche, die beherrscht war von den «geheimen» Seelen-
kraften des Menschen. Man trifft die Sache nicht ganz,
aber annahernd, wenn man von einem somnambulen An-
schauen dieser Frauen spricht. In einem gewissen hoheren
Traumen enthullten sich ihnen die Geheimnisse der Natur
und erflossen ihnen die Antriebe zu ihrem Handeln. Alles
war fur sie beseelt und zeigte sich ihnen in seelischen
Kraften und Erscheinungen. Sie iiberliefien sich dem ge-
heimnisvollen Weben ihrer seelischen Krafte. Das, was
sie zu ihren Handlungen trieb, waren «innere Stimmen»
oder das, was Pflanzen, Tiere, Steine, Wind und Wolken,
das Sauseln der Baume und so weiter ihnen sagten.
Aus solcher Seelenverfassung erstand das, was man
menschliche Religion nennen kann. Das Seelenhafte in
der Natur und im Menschenleben wurde allmahlich ver-
ehrt und angebetet. Einzelne Frauen gelangten zu beson-
derer Vorherrschaft, weil sie aus besonderen geheimnis-
vollen Tiefen heraus zu deuten wufiten, was in der Welt
enthalten ist.
So konnte es kommen, dafi bei solchen Frauen das,
was in ihrem Innern lebte, sich in eine Art Natursprache
umsetzte. Denn der Anfang der Sprache liegt in etwas,
was dem Gesange ahnlich ist. Die Kraft des Gedankens
setzte sich in die horbare des Lautes um. Der innere
Rhythmus der Natur erklang von den Lippen «weiser»
Frauen. Man versammelte sich um solche Frauen und
empfand in ihren gesangartigen Satzen die Aufierungen
hoherer Machte. Der menschliche Gottesdienst hat mit
solchen Dingen seinen Anfang genommen. — Von einem
«Sinn» in dem Gesprochenen kann fur die damalige Zeit
nicht die Rede sein. Man empfand Klang, Ton und
Rhythmus. Man stellte sich dabei nichts weiter vor, son-
dern sog die Kraft des Gehorten in die Seele. Der ganze
Vorgang stand unter der Leitung der hoheren Fiihrer.
Sie hatten in einer Art, iiber welche jetzt nicht weiter
gesprochen werden kann, Tone und Rhythmen den
«weisen» Priesterinnen eingeflofk. So konnten sie ver-
edelnd auf die Seelen der Menschen wirken. Man kann
sagen, dass in dieser Art iiberhaupt erst das eigentliche
Seelenleben erwachte.
Die Akasha-Chronik zeigt auf diesem Gebiete schone
Szenen. Es soil eine solche beschrieben werden. Wir sind
in einem Walde, bei einem machtigen Baum. Die Sonne
ist eben im Osten aufgegangen. Machtige Schatten wirft
der palmenartige Baum, um den ringsherum die anderen
Baume entfernt worden sind. Das Antlitz nach Osten
gewendet, verzuckt, sitzt auf einem aus seltenen Natur-
gegenstanden und Pflanzen zurechtgemachten Sitz die
Priesterin. Langsam, in rhythmischer Folge stromen von
ihren Lippen wundersame, wenige Laute, die sich immer
wiederholen. In Kreisen herum sitzt eine Anzahl Manner
und Frauen mit traumverlorenen Gesichtern, inneres Le-
ben aus dem Gehorten saugend. — Noch andere Szenen
konnen gesehen werden. An einem ahnlich eingerichteten
Platze «singt» eine Priesterin ahnlich, aber ihre Tone
haben etwas Machtigeres, Kraftigeres. Und die Menschen
um sie herum bewegen sich in rhythmischen Tanzen.
Denn dies war die andere Art, wie «Seele» in die Mensch-
heit kam. Die geheimnisvollen Rhythmen, die man der
Natur abgelauscht hatte, wurden in den Bewegungen der
eigenen Glieder nachgeahmt. Man fiihlte sich dadurch
eins mit der Natur und den in ihr waltenden Machten.
Der Platz der Erde, an dem dieser Stamm einer kom-
menden Menschenrasse herangebildet wurde, war dazu
besonders geeignet. Er war ein solcher, in dem die damals
noch sturmbewegte Erde einigermafien zur Ruhe gekom-
men war. Denn Lemurien war sturmbewegt. Die Erde
hatte ja damals noch nicht ihre spatere Dichte* Oberall
war der diinne Boden von vulkanischen Kraften unter-
wiihlt, die in kleineren oder grofiereii Stromen hervor-
brachen. Machtige Vulkane waren fast allerorten vor-
handen und entwickelten fortdauernd eine zerstorende
Tatigkeit. Die Menschen waren gewohnt, bei alien ihren
Verrichtungen mit dieser Feuertatigkeit zu rechnen. Sie
benutzten auch dieses Feuer bei ihren Arbeiten und Ein-
richtungen. Die Verrichtungen waren vielfach so, dafi
das Feuer der Natur so als Grundlage diente wie heute
das kunstliche Feuer bei der menschlichen Arbeit.
Durch die Tatigkeit dieses vulkanischen Feuers ist
auch der Untergang des lemurischen Landes herbeigefuhrt
worden. Der Teil von Lemurien, aus dem sich die Stamm-
rasse der Atlantier entwickeln sollte, hatte zwar heiftes
Klima, doch war er im grofien und ganzen von der vul-
kanischen Tatigkeit ausgenommen. — Stiller und fried-
licher als in den iibrigen Erdgebieten konnte sich Her
die Menschennatur entfalten. Das mehr herumschweifende
Leben der friiheren Zeiten wurde aufgegeben, und die
festen Ansiedlungen wurden immer zahlreicher.
Man mull sich vorstellen, daft der Menschenleib zu
dieser Zeit noch etwas sehr Bildsames und Geschmeidiges
hatte. Er bildete sich noch fortwahrend um, wenn das
innere Leben sich veranderte. Nicht lange vorher waren
namlich die Menschen in bezug auf den aufteren Bau
noch recht verschieden. Der aufiere Einfluft der Gegend,
des Klimas waren da noch fur den Bau entscheidend.
Erst in der bezeichneten Kolonie wurde der Leib des
Menschen immer mehr ein Ausdruck seines inneren see-
lischen Lebens. Diese Kolonie hatte zugleich eine vor-
geschrittene aufterlich edler gebildete Menschenart. Man
muE sagen, durch das, was die Fiihrer getan hatten, haben
sie eigentlich erst das geschaffen, was die richtige mensch-
liche Gestalt ist. Das ging allerdings ganz langsam und
allmahlich. Aber es ist so vor sich gegangen, daft zuerst
das Seelenleben in dem Menschen entfaltet wurde, und
diesem paftte sich der noch weiche und schmiegsame Leib
an. Es ist ein Gesetz in der Menschheitsentwickelung,
daft der Mench mit dem Fortschritte immer weniger und
weniger umgestaltenden Einf luft auf seinen physischenLeib
hat. Eine ziemlich feste Form hat dieser physische Men-
schenleib eigentlich erst mit der Entwickelung der Ver-
standeskraft erhalten und mit der damit zusammen-
hangenden Verfestigung der Gesteins-, Mineral- und
Metallbildungen der Erde. Denn in der lemurischen und
noch in der atlantischen Zeit waren Steine und Metalle
viel weicher als spater. — (Dem widerspricht nicht, dafi
noch Nachkommen der letzten Lemurier und Atlantier
vorhanden sind, die heute ebenso feste Formen aufwei-
sen wie die spater gebildeten Menschenrassen. Diese t)ber-
bleibsel mulken sich den geanderten Umgebungsverhalt-
nissen der Erde anpassen und wurden so auch starrer.
Gerade darin liegt der Grund, warum sie im Niedergang
begriffen sind. Sie bildeten sich nicht von innen heraus
um, sondern es wurde ihr weniger entwickeltes Innere von
aufien in die Starrheit gezwangt und dadurch zum Still-
stande gezwungen. Und dieser Stillstand ist wirklich
Ruckgang, denn auch das Innenleben ist verkommen, weil
es sich in der verfestigten aufieren Leiblichkeit nicht aus-
leben konnte.)
Einer noch grofieren Verwandlungsfahigkeit war das
Tierleben unterworfen. Ober die zur Zeit der Menschen-
entstehung vorhandenen Tierarten und ihr Herkommen,
sowie iiber die Entstehung neuer Tierformen, nachdem
der Mensch schon da war, wird noch zu sprechen sein.
Hier soil nur gesagt werden, dafi die vorhandenen Tier-
arten sich fortwahrend umbildeten und neue entstanden.
Diese Umwandlung war natiirlich eine allmahliche. Die
Griinde zur Umwandlung lagen zum Teil in der Ver-
anderung des Aufenthaltes, der Lebensweise. Die Tiere
hatten eine aufterordentlich schnelle Anpassungsfahigkeit
an neue Verhaltnisse. Der bildsame Korper anderte ver-
haltnismafiig schnell die Organe, so dafi nach mehr oder
weniger kurzer Zeit die Nachkommen einer gewissen
Tierart ihren Vorfahren nur mehr wenig ahnlich sahen.
Dasselbe, ja in einem noch grofieren Mafie, war fur die
Pflanzen der Fall. Den grofiten Einflufi auf die Um-
gestaltung von Menschen und Tieren hatte der Mensch
selbst. Sei es, dafi er instinktiv die Lebewesen in eine
solche Umgebung brachte, dafi sie bestimmte Formen an-
nahmen, sei es, dass er durch Ziichtungsversuche solches
bewirkte. Der umgestaltende Einfluft des Menschen auf die
Natur war, verglichen mit heutigen Verhaltnissen, damals
unermefilich grofi. Insbesondere war das in der beschrie-
benen Kolonie der Fall. Denn da leiteten die Fiihrer in
einer den Menschen unbewufiten Art diese Umgestaltung.
Es war das in einem Mafie der Fall, daft die Menschen
dann, als sie auszogen, die verschiedenen atlantischen
Rassen zu begriinden, sich hoch entwickelte Kenntnisse
iiber Zuchtung von Tieren und Pflanzen mitnehmen
konnten. Die Kulturarbeit in Atlantis war dann im
wesentlichen eine Folge dieser mitgebrachten Kenntnisse.
Doch mufi auch hier betont werden, da£ diese Kennt-
nisse einen instinktiven Charakter hatten. So blieb es
auch im wesentlichen bei den ersten atlantischen Rassen.
Die gekennzeichnete Vorherrschaft der Frauenseele ist
besonders stark in der letzten lemurischen Zeit und dauert
bis in die atlantischen Zeiten, in denen sich die vierte
Unterrasse vorbereitete. Aber man darf sich nicht vor-
stellen, dafi dies etwa bei der ganzen Menschheit der Fall
war. Wohl aber gilt es fur denjenigen Teil der Erden-
bevolkerung, aus welchem spater die eigentlichen fort-
geschrittenen Rassen hervorgegangen sind. Und dieser
Einflufi war auf alles das im Menschen am starksten,
was «unbewufk» in und an ihm ist. Die Bildung gewisser
standiger Gebarden, die Feinheiten der sinnlichen An-
schauung, die Schonheitsempfindungen, ein guter Teil
des den Menschen gemeinsamen Empfindungs- und Ge-
fiihlslebens iiberhaupt ging urspriinglich aus von dem
seelischen Einflufi der Frau. Es ist nicht zu viel gesagt,
wenn man die Berichte der Akasha-Chronik so auslegt,
dafi man behauptet: «Die Kulturnationen haben eine
Leibesbildung und einen Leibesausdruck, sowie gewisse
Grundlagen des leiblich-seelischen Lebens, die ihnen von
der Frau aufgepragt worden sind.»
Im weiteren Verlaufe wird auf altere Zeiten der
Menschheitsbildung zuriickgegrif fen werden, in denen die
Erdbevolkerung noch eingeschlechtlich war. Es wird
dann das Hervortreten des doppelten Geschlechtes dar-
gestellt werden.
DIE TRENNUNG IN GESCHLECHTER
So verschieden auch die Gestalt des Menschen von seiner
gegenwartigen in den alten Zeiten war, die in den vor-
hergehenden Auszugen «Aus der Akasha-Chronik» be-
schrieben worden sind: wenn man noch weiter zuriick-
geht in der Menschheitsgeschkhte, kommt man zu noch
viel verschiedeneren Zustanden. Denn auch die Formen
des Mannes und der Frau sind erst im Laufe der Zeiten
aus einer alteren Grundform entstanden, in welcher der
Mensch weder das eine noch das andere, sondern beides
zugleich war. Wer sich einen Begriff machen will von
diesen urfernen Zeiten der Vergangenheit, der mufi sich
aller dings vollstandig befreien von gewohnten Vorstel-
lungen, die dem entnommen sind, was der Mensch urn
sich herum sieht. — Die Zeiten, in die wir nunmehr
zuriickblicken, liegen etwas vor der Mitte der Epoche,
die in den vorhergehenden Abschnitten als die lemurische
bezeichnet worden ist. Der Menschenleib bestand da
noch aus weichen bildsamen Stoffen. Es waren auch die
iibrigen Bildungen der Erde noch weich und bildsam.
Gegenuber ihrem spateren verfestigten war die Erde noch
in einem quellenden, flussigeren Zustande. Indem die
Menschenseele damals sich im Stoffe verkorperte, konnte
sie sich diesen Stoff in einem viel hoheren Grade an-
passen als spater. Denn dafi die Seele einen mannlichen
oder weiblichen Leib annimmt, riihrt davon her, dafi ihr
die Entwickelung der aufieren Erdennatur den einen oder
den andern aufdrangt. Solange die Stoffe noch nicht
verfestigt waren, konnte die Seele diese Stoffe unter ihre
eigenen Gesetze zwingen. Sie machte den Leib zu einem
Abdruck ihres eigenen Wesens. Als aber der Stoff dicht
geworden war, mufite sich die Seele den Gesetzen fiigen,
welche diesem Stoff e von der aulSeren Erdennatur auf-
gepragt wurden. Solange die Seele noch iiber den Stoff
herrschen konnte, gestaltete sie ihren Leib weder mann-
lich noch weiblich, sondern gab ihm Eigenschaften, die
beides zugleich waren. Denn die Seele ist mannlich und
weiblich zugleich. Sie tragt in sich diese beiden Naturen.
Ihr mannliches Element ist dem verwandt, was man
Willen nennt, ihr weiblkhes dem, was als Vorstellung
bezeichnet wird. — Die aufkre Erdenbildung hat dazu
gefiihrt, dafi der Leib eine einseitige Bildung angenommen
hat. Der mannliche Leib hat eine Gestalt angenommen,
die aus dem Element des Willens bestimmt ist, der weib-
liche hingegen tragt mehr das Geprage der Vorstellung.
So kommt es denn, daft die zweigeschiechtliche, mann-
lich-weibliche Seele in einem eingeschlechtlichen, mann-
lichen oder weiblichen Leib wohnt. Der Leib hatte also
im Lauf e der Entwickelung eine durch die aufieren Erden-
krafte bestimmte Form angenommen, dafi es fortan der
Seele nicht mehr moglich war, ihre ganze innere Kraft
in diesen Leib auszugiefien. Sie muftte etwas von dieser
ihrer Kraft in ihrem Innern behalten und konnte nur
einen Teil derselben in den Leib einflieften lassen.
Verfolgt man die Akasha-Chronik, so zeigt sich fol-
gendes. In einer alten Zeit erscheinen menschliche Formen
vor uns, weich, bildsam, ganz verschieden von den spa-
teren. Sie tragen noch die Mannes- und die Frauennatur
gleichmafiig in sich. Im Verfolg der Zeit verdichten sich
die Stoff e; der Menschenleib tritt in zwei Formen auf,
von denen die eine der spateren Mannes-, die andere der
spateren Frauenbildung ahnlich wird. Als dieser Unter-
schied noch nicht aufgetreten war, konnte jeder Mensch
einen anderen aus sich hervorgehen lassen. Die Befruch-
tung war kein aufierer Vorgang, sondern etwas, was sich
im Innern des Menschenleibes selbst abspielte. Dadurch,
dafi der Leib mannlich oder weiblich wurde, verlor er
diese Moglichkeit der Selbstbefruchtung. Er mufke mit
einem anderen Leibe zusammenwirken, um einen neuen
Menschen hervorzubringen.
Die Trennung in Geschlechter tritt auf, als die Erde
in einen bestimmten Zustand ihrer Verdichtung kommt.
Die Dichtigkeit des Stoffes unterbindet einen Teil der
Fortpflanzungskraft. Und derjenige Teil dieser Kraft,
der noch wirksam ist, bedarf der Erganzung von auften,
durch die entgegengesetzte Kraft eines anderen Menschen.
Die Seele aber muft sowohl im Manne, wie in der Frau
einen Teil ihrer friiheren Kraft in sich selbst behalten.
Sie kann diesen Teil nicht in der leiblichen Auftenwelt
verwenden. — Dieser Kraftteil richtet sich nun nach dem
Innern des Menschen. Er kann nicht nach aufien treten;
deshalb wird er fiir innere Organe frei. — Und hier tritt
ein wichtiger Punkt in der Menschheitsentwickelung ein.
Vorher hat das, was man Geist nennt, die Fahigkeit des
Denkens, nicht im Menschen Platz finden konnen. Denn
diese Fahigkeit hatte kein Organ gefunden, um sich zu
betatigen. Die Seele hatte all ihre Kraft nach auften ver-
wendet, um den Leib aufzubauen. Jetzt aber kann die
Seelenkraft, die nach aufien hin keine Verwendung fin-
det, mit der Geisteskraft in Verbindung treten; und durch
diese Verbindung entwickeln sich die Organe im Leibe,
die spater den Menschen zum denkenden Wesen machen.
So konnte der Mensch einen Teil der Kraft, die er frii-
her zur Hervorbringung von seinesgleichen verwendet,
zu einer Vervollkommnung seines eigenen Wesens ver-
wenden. Die Kraft, durch die sich die Menschheit ein
denkendes Gehirn formt, ist dieselbe, durch welche sich
in alten Zeiten der Mensch befruchtet hat. Das Denken
ist erkauft durch die Eingeschlechtlichkeit. Indem die
Menschen nicht mehr sich selbst, sondern sich gegenseitig
bef ruchten, konnen sie einen Teil ihrer produktiven Kraft
nach innen wenden und zu denkenden Geschopfen wer-
den. So stellt der mannliche und der weibliche Leib je
eine unvollkommene Gestaltung der Seele nach aufien
dar; aber sie werden dadurch in ihrem Inneren voll-
kommenere Geschopfe.
Ganz langsam und allmahlich vollzieht sich diese Um-
wandlung mit dem Menschen. Nach und nach treten
neben den alten zweigeschlechtlichen Menschenformen
die jiingeren eingeschlechtlichen auf .
Es ist wieder eine Art Befruchtung, die da im Men-
schen sich einstellt, als er ein Geistwesen wird. Die inne-
ren Organe, welche durch die uberschussige Seelenkraft
aufgebaut werden konnen, werden von dem Geiste be-
fruchtet. Die Seele ist in sich selbst zweigliedrig: mann-
lich-weiblich. So gestaltete sie in alten Zeiten auch ihren
Leib. Spater kann sie ihren Leib nur so gestalten, dafi er
fur das Aufiere mit einem anderen Leibe zusammenwirkt;
sie selbst erhalt dadurch die Fahigkeit, mit dem Geiste
zusammenzuwirken. Fur das Aufiere wird fortan der
Mensch von au£en befruchtet, fur das Innere von innen,
durch den Geist. Man kann nun sagen, dafi der mann-
liche Leib eine weibliche Seele, der weibliche Leib eine
mannliche Seeie hat. Diese innere Einseitigkeit im Men-
schen wird nun durch die Befruchtung mit dem Geiste
ausgeglkhen. Die Einseitigkeit wird aufgehoben. Die
mannliche Seele im weiblichen Leibe und die weibliche
Seele im mannlichen Leibe werden beide wieder zwei-
geschlechtlich durch die Befruchtung mit dem Geist. So
sind Mann und Weib in der aufteren Gestalt verschieden;
im Innern schliesst sich bei beiden die seelische Einseitig-
keit zu einer harmonischen Ganzheit zusammen. Im In-
nern verschmelzen Geist und Seele zu einer Einheit. Auf
die mannliche Seele im Weibe wirkt der Geist weiblich
und macht sie so mannlich- weiblich; auf die weibliche
Seele im Manne wirkt der Geist mannlich und bildet sie
so gleichfalls mannlich-weiblich. Die Zweigeschlechtlich-
keit des Menschen hat sich aus der Auftenwelt, wo sie in
der vorlemurischen Zeit vorhanden war, in das Innere
des Menschen zuriickgezogen.
Man sieht, das hohere Innere des Menschen hat nichts
zu tun mit Mann und Weib. Doch kommt die innere
Gleichheit aus einer mannlichen Seele bei der Frau, und
entsprechend aus einer weiblichen beim Mann. Die Ver-
einigung mit dem Geiste be wirkt zuletzt die Gleichheit;
aber dafi vor dem Zustandekommen dieser Gleichheit eine
Verschiedenheit vorhanden ist: dies schlieftt ein Gekeim-
nis der Menschennatur ein. Die Erkenntnis dieses Geheim-
nisses ist fiir alle Geheimwissenschaft von grower Be-
deutung. Denn es ist der Schlussel zu wichtigen Lebens-
ratseln. Vorlaufig ist es nicht erlaubt, den Schleier, der
iiber dieses Geheimnis gebreitet ist, hinwegzuheben . . .
So hat sich der physische Mensch von der Zwei-
geschlechtlichkeit zur Eingeschlechtlichkeit, zur Tren-
nung in Mann und Frau hin entwickelt. Und dadurch ist
der Mensch ein solches geistiges Wesen geworden, wie er
es jetzt ist. Aber man darf nichr glauben, dafi nicht auch
vorher mit der Erde erkennende Wesen in Verbindung
gestanden hatten. Wenn man die Akasha-Chronik ver-
folgt, so zeigt sich aller dings, dafi in der ersten lemuri-
schen Zeit der spatere physische Mensch durch sein dop-
peltes Geschlecht ein ganz anderes Wesen war, als das
ist, was man heute als Mensch bezeichnet. Er konnte keine
sinnlichen Wahrnehmungen mit Gedanken verbinden: er
dachte nicht. Sein Leben war ein triebartiges. Seine Seele
aufierte sich lediglich in Instinkten, Begierden, anima-
lischen Wunschen und so weiter. Sein Bewufitsein war
ein traumartiges; er lebte in Dumpfheit. — Aber es gab
andere Wesen inmitten dieser Menschheit. Diese waren
natiirlich auch zweigeschlechtlich. Denn beim damaligen
Zustande der Erdentwickelung konnte kein mannlicher,
oder weiblicher Menschenleib hervorgebracht werden.
Dazu fehlten noch die aufteren Bedingungen. Aber es gab
andere Wesen, die trotz der Zweigeschlechtlichkeit Er-
kenntnis und Weisheit erwerben konnten. Das war da-
durch moglich, dafi diese eine ganz andere Entwickelung
in einer noch weiter zuriickliegenden Vergangenheit
durchgemacht hatten. Ihrer Seele ist es moglich gewor-
den, ohne erst die innere Organentwickelung des phy-
sischen Leibes der Menschheit abzuwarten, mit dem
Geiste sich zu befruchten. Des jetzigen Menschen Seele
kann nur mit Hilfe des physischen Gehirns denken, was
sie durch die physischen Sinne von auften empf angt. So
hat es die Seelenentwickelung des Menschen mit sich
gebracht. Die Menschenseele mufite warten, bis ein Ge-
hirn da war, das zum Vermittler mit dem Geiste wurde.
Ohne diesen Umweg ware diese Seele geistlos geblieben.
Sie ware auf der Stufe des traumartigen Bewufitseins
stehengeblieben. Anders war es bei den gekennzeichneten
ubermenschlichen Wesen. Ihre Seele hatte auf friiheren
Stufen seelische Organe entwickelt, die nichts Physisches
brauchten, um mit dem Geiste in Verbindung zu kom-
men. Ihre Erkenntnis und Weisheit war eine iibersinnlich
erworbene. Man nennt eine solche Erkenntnis intuitiv.
Der gegenwartige Mensch kommt erst auf einer spateren
Stufe seiner Entwickelung zu solcher Intuition, die es
ihm moglich macht, ohne sinnliche Vermittelung mit dem
Geiste in Beriihrung zu kommen. Er muft den Umweg
durch die sinnliche Stofflichkeit machen. Man nennt
diesen Umweg das Herabsteigen der Menschenseele in die
Materie oder popular den «Siindenfall». — Durch eine
anders geartete friihere Entwickelung brauchten die uber-
menschlichen Naturen dieses Herabsteigen nicht mitzu-
machen. Weil ihre Seele schon eine hohere Stufe erlangt
hatte, war ihr Bewufitsein nicht traumartig, sondern in-
nerlich hell. Und die Auffassung der Erkenntnis und
Weisheit durch sie war ein Hellsehen, das keiner Sinne
und keines Denkorgans bedurfte. Unmittelbar strahlte die
Weisheit, nach welcher die Welt gebaut ist, in ihre Seele
ein. Dadurch konnten sie die Fiihrer der noch in Dumpf-
heit befangenen jungen Menschheit sein. Sie waren die
Trager einer «uralten Weisheit», zu deren Verstandnis sich
die Menschheit auf dem angedeuteten Umwege erst hin-
aufringt. Sie unterschieden sich nun dadurch von dem,
was man «Mensch» nennt, dafi ihnen die Weisheit zu-
strahlte wie uns das Sonnenlicht, als eine freie Gabe «von
oben». Der «Mensch» war in einer anderen Lage. Er mufite
sich die Weisheit durch die Arbeit der Sinne und des
Denkorgans erwerben. Sie kam ihm zunachst nicht als eine
freie Gabe zu. Er mufke sie begehren. Nur wenn im Men-
schen die Begierde nach Weisheit lebte, dann erarbeitete
er sich dieselbe durch Sinne und Denkorgan. So mufke
in der Seele ein neuer Trieb erwachen: die Begierde, das
Verlangen nach Wissen. Dieses Verlangen konnte die
Menschenseele auf ihren fruheren Stufen nicht haben.
Ihre Triebe gingen nur nach Gestaltung in dem, was
aufterlich Gestalt annahm, was als ein traumartiges Leben
sich in ihr abspielte; aber nicht nach Erkenntnis einer
Auftenwelt, nicht nach Wissen. Mit der Geschlechter-
trennung tritt zuerst der Trieb nach Wissen auf.
Den iibermenschlichen Wesen wurde die Weisheit
gerade dadurch auf dem Wege des Hellsehens kund, weil
sie nicht dieses Verlangen darnach trugen. Sie warteten,
bis die Weisheit in sie einstrahlte, wie wir das Sonnen-
licht abwarten, das wir nicht in der Nacht erzeugen
konnen, sondern das uns am Morgen von selbst kommen
rauE. — Das Verlangen nach dem Wissen wird eben da-
durch hervorgebracht, dafi die Seele innere Organe (Ge-
hirn und so weiter) ausarbeitet, durch die sie sich in den
Besitz des Wissens setzt. Das ist eine Folge davon, da£
ein Teil der Seelenkraft nicht mehr nach aufien arbeitet,
sondern nach innen. Die iibermenschlichen Wesen aber,
welche diese Trennung ihrer Seelenkrafte nicht vollzogen
haben, richten ihre ganze Seelenenergie nach aufien. Ihnen
stent daher nach auften hin zur Befruchtung durch den
Geist auch diejenige Kraft zur Verfiigung, welche der
«Mensch» nach innen kehrt zum Bau der Erkenntnis-
organe. — Nun ist diejenige Kraft, durch welche der
Mensch sich nach auften kehrt, um mit einem andern zu-
sammenzuwirken, die Liebe. Die ubermenschlichen Wesen
richteten ihre ganze Liebe nach aufien, um die Welten-
weisheit in ihre Seele einstromen zu lassen. Der «Mensch»
aber kann nur einen Teil nach aufien richten. Der
« Mensch » wurde sinnlich; und damit wurde seine Liebe
sinnlich. Er entzieht den Teil seines Wesens der Aufien-
welt, den er auf seinen inneren Ausbau wendet. Und
damit ist das gegeben, was man Selbstsucht nennt. Der
« Mensch* konnte, als er im physischen Leibe Mann oder
Weib wurde, nur mit einem Teile seines Wesens sich hin-
geben; mit dem andern sonderte er sich ab von der Um-
welt. Er wurde selbstsiichtig. Und selbstsiichtig wurde
seine Wirkung nach aufien, selbstsiichtig sein Streben nach
innerer Entwickelung. Er liebte, weil er verlangte, und
er dachte, weil er ebenfalls verlangte, namlich nach Wis-
sen. — Als selbstlose, alliebende Naturen standen die
Fiihrer, die ubermenschlichen Wesen, dem noch kindlkh
selbstsiichtigen Menschen gegeniiber. — Die Seele, die bei
ihnen nicht in einem mannlichen oder weiblichen Leib
wohnt, ist selbst mannlich-weiblich. Sie liebt ohne Ver-
langen. So liebte die unschuldige Seele des Menschen vor
der Geschlechtertrennung; doch konnte sie damals, weil
sie eben noch auf einer untergeordneten Stufe war —
im Traumbewufitsein — nicht erkennen. So liebt aber
auch die Seele der ubermenschlichen Wesen, die aber
trotzdem, wegen ihrer vorgeriickten Entwickelung erken-
nen kann. Der «Mensch» mufi durch die Selbstsucht durch-
gehen,um auf einer hoheren Stufe wieder zur Selbstlosigkeit
zu kommen, dann aber bei vollig hellem Bewufitsein.
Das war nun die Aufgabe der iibermenschlichen Na-
turen, der grofien Ftthrer, dafi sie den jungen Menschen
ihren eigenen Charakter, den der Liebe aufpragten. Sie
konnten das nur bei dem Teile der Seelenkraft, der sich
nach aufien richtete. Es entstand dadurch die sinnliche
Liebe. Diese ist daher die Begleiterscheinung des Wirkens
der Seele in einem mannlichen oder weiblichen Leibe.
Die sinnliche Liebe wurde die Kraft der physischen Men-
schenentwickelung. Diese Liebe fuhrt Mann und Weib
zusammen, sofern sie physische Wesen sind. Auf dieser
Liebe beruht das Fortschreiten der physischen Mensch-
heit. — Nur iiber diese Liebe hatten die genannten iiber-
menschlichen Naturen Gewalt. Der Teil der menschlichen
Seelenkraft, welcher nach innen geht und auf dem Um-
wege durch die Sinnlichkeit Erkenntnis bringen soli, ent-
zieht sich der Macht jener iibermenschlichen Wesen. Sie
waren ja selbst nie bis zur Entwickelung entsprechender
Innenorgane herabgestiegen. Sie konnten den Trieb nach
aufien in Liebe einkleiden, weil sie die nach aufien wir-
kende Liebe als ihre eigene Wesenheit hatten. Dadurch
war eine Kluft zwischen ihnen und der jungen Mensch-
heit gegeben. Die Liebe, zunachst in sinnlicher Form,
konnten sie dem Menschen einpflanzen; Erkenntnis
konnten sie nicht geben, denn ihre eigene Erkenntnis
hatte nie den Umweg durch die Innenorgane genommen,
welche der Mensch nun bei sich herausbildete. Sie konn-
ten keine Sprache sprechen, die ein Gehirnwesen hatte
verstehen konnen.
Nun wurden die genannten Innenorgane des Menschen
zwar erst auf der Stufe des Erdendaseins, die in der
Mitte der lemurischen Zeit liegt, reif zur Beriihrung mit
dem Geiste; in einer unvollkommenen Anlage wurden
sie aber schon einmal auf einer viel fruheren Entwicke-
lungsstufe ausgebildet. Denn schon in vorhergehenden
Zeiten ist die Seele durch physische Verleiblichungen hin-
durchgeschritten. Sie hatte zwar nicht auf der Erde, aber
auf anderen Himmelskorpern in verdichtetem Stoffe ge-
lebt. Das Genauere dariiber kann erst spater ausgefiihrt
werden. Jetzt soli nur so viel gesagt werden, dafi die
Erdenwesen vorher auf einem andern Planeten lebten
und sich gemafi den Verhaltnissen auf diesem so weit ent-
wickelten, wie sie waren, als sie auf der Erde anlangten.
Sie haben die Stoffe dieses vorhergehenden Planeten wie
ein Kleid abgelegt und wurden auf der dadurch erlangten
Entwickelungsstufe zu reinen Seelenkeimen, mit der Fa-
higkeit zu empfinden, zu fiihlen und so weiter, kurz jenes
traumartige Leben zu fuhren, das ihnen auch noch auf
den ersten Stufen ihres Erdendaseins eigen blieb. — Die
genannten iibermenschlichen Wesenheiten, die Fuhrer auf
dem Felde der Liebe, waren aber auch schon auf dem
vorhergehenden Planeten so vollkommen, dafi sie nicht
mehr herunterzusteigen brauchten bis zur Ausbildung der
Anlagen jener inneren Organe. — Aber es gab andere
Wesen, die nicht so weit waren wie diese Fuhrer der Liebe,
die vielmehr auf dem vorhergehenden Planeten noch zu
den «Menschen» zahlten, die aber damals den Menschen
voraneilten. So waren sie beim Beginn der Erdbildung
zwar weiter als die Menschen, aber doch noch auf der
Stufe, wo durch innere Organe die Erkenntnis erworben
werden muE. Diese Wesen waren in einer besonderen
Lage. Sie waren zu weit, um durch den physischen Men-
schenleib, den mannlichen oder weiblichen, hindurchzu-
gehen, aber doch noch nicht so weit, um durch voiles
Hellsehen gleich den FUhrern der Liebe wirken zu kon-
nen. Liebewesen konnten sie noch nicht, «Menschen»
konnten sie nicht mehr sein. So war es ihnen nur mog-
lich, als halbe Uebermenschen, aber mit Hilfe der Men-
schen ihre eigene Entwickelung fortzusetzen. Sie konnten
zu Gehirnwesen in einer diesen verstandlichen Sprache
reden. Dadurch wurde die nach innen gekehrte mensch-
liche Seelenkraft angeregt, und sie konnte sich mit der
Erkenntnis und Weisheit verbinden. Es kam dadurch
iiberhaupt erst eine Weisheit menschlicher Art auf die
Erde. Von dieser Menschenweisheit konnten die genann-
ten „halben Dbermenschen" zehren, um selbst das zu er-
reichen, was ihnen noch an Vollkommenheit fehlte. So
wurden sie die Erreger von Menschenweisheit. Man nennt
sie deshalb Bringer des Licbtes (Luzifer). Zweierlei Fiih-
rer hatte also die kindliche Menschheit: Liebewesen und
Weisheitswesen. Zwischen Liebe und Weisheit war die
menschliche Natur eingespannt, als sie auf dieser Erde
ihre gegenwartige Form annahm. Durch die Liebewesen
wurde sie zur physischen Entwickelung angeregt, durch
die Weisheitswesen zur Vervollkommnung des inneren
Wesens. Infolge der physischen Entwickelung schreitet die
Menschheit von Generation zu Generation vor, bildet
neue Stamme und Rassen; durch die Innenentwickelung
wachseri die einzelnen zur inneren Vollkommenheit, wer-
den Wissende, Weise, Kunstler, Techniker usw. Von Rasse
zu Rasse schreitet die physische Menschheit; jede Rasse
vererbt auf folgende durch die physische Entwicke-
lung hindurch ihre sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaf-
ten. Hier herrscht das Gesetz der Vererbung. Die Kinder
tragen in sich die physischen Charaktere der Vater. Dar-
tiber hinaus liegt eine geistig-seelische Vervollkommnung,
die nur durch die Entwickelung der Seele selbst vor sich
gehen kann. — Und damit stehen wir vor dem Gesetze
der Seelenentwickelung innerhalb des Erdendaseins. Sie
hangt zusammen mit dem Gesetze und Geheimnis von
Geburt und Tod.
DIE LETZTEN ZEITEN
VOR DER GESCHLECHTER-TRENNUNG
Es soil nunmehr die Beschaffenheit des Menschen vor
seiner Spaltung in Mannliches und Weibliches geschildert
werden. Der Leib bestand damals aus einer weichen bild-
samen Masse. Ober diese hatte der Wille eine viel hohere
Gewalt, als dies beim spateren Menschen der Fall war.
Der Mensch erschien, wenn er sich von seinem Eltern-
wesen losloste, zwar schon als gegliederter Organismus,
aber unvollkommen. Die Fortentwickelung der Organe
fand aufierhalb des Elternwesens statt. Vieles von dem,
was spater innerhalb des Mutterwesens zur Reife ge-
bracht wurde, war damals aulkrhalb desselben durch eine
Kraft vervollkommnet, die mit unserer Willenskraft ver-
wandt ist. Um solche auEere Reifung zu bewirken, war
die Pflege von seiten des Vorfahrenwesens notig. Der
Mensch brachte gewisse Organe mit zur Welt, die er dann
spater abwarf. Andere, die noch ganz unvollkommen
waren bei seinem ersten Erscheinen, bildeten sich aus. Der
ganze Vorgang hatte etwas, das man vergleichen kann
mit dem Herausarbeiten aus einer Eiform und dem Ab-
legen einer Eihiille; doch darf man nicht an eine feste
Eischale denken.
Der Korper des Menschen war warmblutig. Das mu£
ausdriicklich gesagt werden, denn es war in noch friihe-
ren Zeiten anders, wie spater gezeigt werden wird. Die
aufler dem Mutterwesen stattfindende Reifung geschah
unter dem Einflufi von erhohter Warme, die ebenfalls
von auften zugefiihrt wurde. Doch darf man durchaus
nicht an ein Bebriiten des Eimenschen — so soli er der
Kiirze halber genannt werden — denken. Die Warme-
und Feuerverhaltnisse auf der damaligen Erde waren an-
ders als spater. Der Mensch verraochte durch seine Krafte
das Feuer, beziehungsweise die Warme in einen gewissen
Raum zu bannen. Er konnte — sozusagen — Warme
zusammenziehen (konzentrieren). Dadurch war er in der
Lage, dem jungen Wesen die War me zuzufuhren, die es
zu seiner Reifung brauchte.
Die ausgebildetsten Organe des Menschen waren damals
die Bewegungsorgane. Die heutigen Sinnesorgane waren
noch ganz unentwickelt. Am weitesten vorgeschritten waren
das Gehororgan, die Wahrnehmungsorgane fiir kalt und
warm (Gefuhlssinn), weit zuriick war noch die Lichtwahr-
nehmung. Mit Gehor und Gefuhl kam der Mensch zur
Welt; die Lichtwahrnehmung entwickelte sich dann etwas
spater.
Alles, was hier gesagt wird, entspricht den letzten Zei-
ten vor der Geschlechtertrennung. Diese ging langsam und
allmahlich vonstatten. Lange Zeit vor ihrem eigentHchen
Auftreten entwickelten sich die Menschen schon so, dafi
das eine Individuum mehr mit mannlichen, das andere
mehr mit weiblichen Charakteren geboren wurde. Doch
waren bei jedem Menschen auch die entgegengesetzten Ge-
schlechtscharaktere vorhanden, so dafi Selbstbefruchtung
moglich war. Diese war aber nicht immer moglich, son-
dern hing von den Einflussen der aufteren Verhaltnisse
in gewissen Jahreszeiten ab. Der Mensch hing iiberhaupt
in vielen Dingen von solchen aufieren Verhaltnissen in
hohem Grade ab. Daher mufite er auch alle seine Einrich-
tungen nach solchen aufieren Verhaltnissen regeln, zum
Beispiel nach dem Laufe von Sonne und Mond. Diese Re-
gelung geschah aber nicht etwa im heutigen Sinne be-
wufit, sondern sie wurde in einer Art vollzogen, die man
mehr instinktiv nennen mufi. Und damit ist schon auf
das Seelenleben des damaligen Menschen gewiesen.
Dieses Seelenleben kann man nicht als ein eigentliches
Innenleben bezeichnen. Leibliche und seelische Tatigkei-
ten und Eigenschaften waren noch nicht streng voneinan-
der geschieden. Das aufiere Naturleben wurde von der
Seele noch mitgelebt. Vor allem war es der Gehorsinn,
auf den jede einzelne Erschiitterung in der Umgebung
machtig wirkte. Jede Lufterschiitterung, jede Bewegung
in der Umgebung wurde «gehort». "Wind und Wasser in
ihren Bewegungen fuhrten fiir den Menschen eine «beredte
Sprache». Es war ein Wahrnehmen des geheimnisvollen
Webens und Treibens in der Natur, die auf diese Art auf
den Menschen eindrangen. Und dieses Weben und Treiben
klang auch in seiner Seele nach. Seine Tatigkeit war ein
Widerhall dieser Einwirkungen. Er setzte die Tonwahr-
nehmungen in seine Tatigkeit um. Er lebte in solchen
Klangbewegungen und brachte sie durch seinen Willen
zum Ausdruck. Er wurde auf solche Art zu all seinem
Tagewerk gebracht. — Schon in etwas geringerem Grade
war er beeinflufit von den Wirkungen, die sich dem Ge-
fiihle mitteilten. Doch spielten auch diese eine bedeutungs-
volle Rolle. Er «spiirte» in seinem Leibe die Umgebung
und verhielt sich darnach. Er wufite aus solchen Gefuhls-
wirkungen, wann und wie er zu arbeiten hatte. Er wufke
daraus, wo er sich niederzulassen hatte. Er erkannte dar~
aus Gefahren, die sich fiir sein Leben ergaben, und ver-
mied sie. Er regelte darnach seine Nahrungsaufnahme.
Ganz anders als spater verlief das iibrige Seelenleben.
In der Seele lebten Bilder, nicht Vorstellungen von aufle-
ren Dingen. Wenn der Mensch zum Beispiel von einem
kalteren in einen warmeren Raum trat, so stieg in der
Seele ein bestimmtes Farbenbild auf. Aber dieses Farben-
bild hatte nichts zu tun mit irgendeinem auiSeren Gegen-
stande. Es entsprang aus einer inneren mit dem Willen
verwandten Kraft. Solche Bilder erfiillten fortwahrend
die Seele. Man kann das Ganze nur vergleichen mit den
auf- und abwogenden Traumvorstellungen des Menschen.
Nur waren damals die Bilder nicht regellos, sondern ge-
setzmafiig. Man soli deshalb nicht von einem Traumbe-
wufttsein, sondern von einem Bilderbewulksein auf die-
ser Stufe der Menschheit sprechen. In der Hauptsache
waren es Farbenbilder, welche dieses Bewulksein erfiill-
ten. Doch waren diese nicht die einzige Art. So wandelte
der Mensch durch die Welt dahin und lebte durch sein
Gehor und Gefiihi die Vorgange dieser Welt mit, durch
sein Seelenleben spiegelte sich aber diese Welt in ihm in
Bildern, die sehr unahnlich dem waren, was sich in der
aufteren Welt befand. In viel geringerem Grade verban-
den sich mit diesen Seelenbildern Lust und Leid, als dies
heute bei den Vorstellungen des Menschen der Fall ist,
welche die Wahrnehmungen der au£eren Welt wieder-
geben. Allerdings bereitete das eine Bild Freude, das an-
dere Unlust, das eine Hafi, das andere Liebe; aber diese
Gefiihle trugen einen viel blasseren Charakter. — Dage-
gen wurden starke Gefiihle durch etwas anderes bewirkt.
Der Mensch war damals viel regsamer, tatiger als spater.
Alles in seiner Umgebung und auch die Bilder in seiner
Seele regten ihn zu Tatigkeit, zu Bewegung an. Nun emp-
fand er dann, wenn sich seine Tatigkeit ungehindert aus-
leben konnte, Wohlgefuhl; wenn aber diese Tatigkeit
nach irgendeiner Seite gehemmt wurde, befiel ihn Unlust
und Mifibehagen. Die Abwesenheit oder das Vorhanden-
sein von Hemmungen seines Willens bestimmte den In-
halt seines Gefuhlslebens, seine Lust und seinen Schmerz.
Und diese Lust, beziehungsweise dieser Schmerz entluden
sich in seiner Seele selbst wieder in einer lebendigen Bil-
der welt. Lichte, helle, schone Bilder lebten in ihm, wenn
er sich ganz frei entfalten konnte; finstere, mifigestaltete
stiegen in seiner Seele auf, wenn er in seiner Beweglich-
keit gehemmt wurde.
Es ist bisher die Durchschnittsmenschheit beschrieben
worden. Anders war das Seelenleben bei denjenigen, wel-
che sich zu einer Art ubermenschlicher Wesen entwickelt
hatten (siehe Seite 84). Bei ihnen hatte dieses Seelenleben
nicht den instinktiven Charakter. Was sie durch ihren
Gehor- und Gefuhlssinn wahrnahmen, waren tiefere Ge-
heimnisse der Natur, die sie bewufit deuten konnten. Im
Brausen des Windes, im Rauschen der Baume enthiillten
sich ihnen die Gesetze, die Weisheit der Natur. Und in
den Bildern ihrer Seele waren nicht blofi Spiegelungen
der Aufienwelt gegeben, sondern Abbilder der geistigen
Machte in der Welt. Nicht sinnliche Dinge nahmen sie
wahr, sondern geistige Wesenheiten. Der Durchschnitts-
mensch empfand zum Beispiel Furcht, und ein hafiliches,
finsteres Bild stieg in seiner Seele auf. Das ubermensch-
Hche Wesen erhielt durch solche Bilder Mitteilung, Offen-
barung von den geistigen Wesenheiten der Welt. Ihm er-
schienen die Naturvorgange nicht von toten Naturgeset-
zen abhangig wie dem heutigen Wissenschafter, sondern
sie erschienen ihm als die Taten geistiger Wesen. Die
aufiere Wirklichkeit war noch nicht vorhanden, denn es
gab keine aufieren Sinne. Aber die geistige Wirklichkeit
erschlofi sich den hoheren Wesen. Es strahlte der Geist in
sie ein, wie in das leibliche Auge des Menschen von heute
die Sonne einstrahlt. Es war in diesen Wesen die Erkennt-
nis in vollstem Sinne das, was man intuitives Wissen
nennt. Kein Kombinieren und Spekulieren gab es bei
ihnen, sondern ein unmittelbares Anschauen des Schaffens
geistiger Wesenheiten. Diese ubermenschlichen Individua-
litaten konnten daher die Mitteilungen aus der geistigen
Welt unmittelbar in ihren Willen aufnehmen. Sie leiteten
bewufit die anderen Menschen. Sie empfingen ihre Mission
aus der Geisterwelt und handelten darnach.
Als nun die Zeit kam, in der sich die Geschlechter
trennten, da mufken es diese Wesen als ihre Aufgabe be-
trachten, auf das neue Leben im Sinne ihrer Mission ein-
zuwirken. Von ihnen ging die Regelung des Geschlechts-
lebens aus. Alle Einrichtungen, die sich auf die Fortpflan-
zung der Menschheit bezogen, haben von ihnen den Ur-
sprung genommen. Sie handelten dabei durchaus bewufk;
aber die anderen Menschen konnten diese Einwirkung nur
als einen ihnen eingepflanzten Instinkt empfinden. Die
Geschlechtsliebe wurde durch unmittelbare Gedanken-
iibertragung in den Menschen gepflanzt. Und alle ihre
Aufterungen waren zunachst von der edelsten Art. Alles,
was auf diesem Gebiete einen hafilichen Charakter ange-
nommen hat, rtihrt aus spateren Zeiten her, in denen der
Mensch selbstandiger geworden ist und in denen er einen
urspriinglichen reinen Trieb verdorben hat. Es gab in die-
sen alteren Zeiten keine Befriedigung des Geschlechts-
triebes um seiner selbst willen. Alles war hier Opferdienst
zur Fortfiihrung des menschlichen Daseins. Die Fort-
pflanzung wurde als eine heilige Sache betrachtet, als ein
Dienst, den der Mensch der Welt zu leisten hat. Und
Opferpriester waren die Lenker und Regler auf diesem
Gebiete.
Anders geartet waren die Einf lusse der halbiibermensch-
lichen Wesen (siehe Seite 84/85). Diese waren nicht bis
zu der Stufe entwickelt, daiS sie vollig rein die Offen-
barungen der geistigen Welt hatten empfangen konnen.
In ihren Seelenbildern stiegen neben diesen Eindrucken
der geistigen Welt auch die Wirkungen der sinnlichen
Erde auf. Die im volien Sinne ubermenschltchen Wesen
fiihlten nichts von Lust und Schmerz durch die aufiere
Welt. Sie waren ganz hingegeben den Offenbarungen der
geistigen Machte. Die Weisheit flofi ihnen zu wie Sinnen-
wesen das Licht; ihr Wille war auf nichts anderes gelenkt,
als im Sinne dieser Weisheit zu handeln. Und in diesem
Handeln lag ihre hochste Lust. Weisheit, Wille und Tatig-
keit machten ihr Wesen aus. Anders war es bei den halb-
iiber menschlichen Wesenheiten. Sie empfanden den Trieb,
von aufSen Eindriicke zu empfangen, und verbanden mit
der Befriedigung dieses Triebes Lust, mit der Nichtbefrie-
digung Unlust. Dadurch unterschieden sie sich von den
iibermenschlichen Wesenheiten. Diesen waren die Ein-
driicke von aufien nichts weiter als Bestatigungen der
geistigen Offenbarungen. Sie konnten in die Welt hin-
ausschauen und empfingen nichts weiter als ein Spiegel-
bild dessen, was sie aus dem Geiste schon erhalten hatten.
Die halbubermenschlichen Wesen erfuhren etwas ihnen
Neues, und deswegen konnten sie die Fiihrer der Men-
schen werden, als diesen sich ihre blofien Bilder in der
Seele verwandelten in Abbilder, Vorstellungen aufkrer
Gegenstande. Das geschah, als ein Teil der friiheren Fort-
pflanzungskraft der Menschen sich nach innen wandte,
als sich Gehirnwesen entwickelten. Mit dem Gehirn ent-
wickelte dann auch der Mensch die Fahigkeit, die aufie-
ren Sinneseindriicke zu Vorstellungen umzuwandeln.
Man mufi also sagen, daft der Mensch durch halbiiber-
menschliche Wesen dazu gebracht worden ist, sein Inne-
res auf die sinnliche Auftenwelt zu lenken. Ihm war es
ja versagt, seine Seelenbilder unmittelbar den reinen gei-
stigen Einf liissen auszusetzen. Er hat von den iibermensch-
lichen Wesen die Fahigkeit, sein Dasein fortzupflanzen,
als einen instinktiven Trieb eingepflanzt erhalten. Geistig
hatte er zunachst nun eine Art Traumdasein weiterzu-
fuhren gehabt, wenn nicht die halbiibermenschlichen We-
sen eingegrif fen hatten. Durch ihren Einflufi wurden seine
Seelenbilder auf die sinnliche Auftenwelt gelenkt. Er
wurde ein Wesen, das sich in der Sinnenwelt seiner selbst
bewufit ist. Und damit war das erreicht, dafi sich der
Mensch in seinen Handlungen bewufit richten konnte nach
den Wahrnehmungen der Sinnenwelt. Friiher hat er aus
einer Art Instinkt gehandelt, er hat im Banne seiner aulte-
ren Umgebung und der auf ihn einwirkenden Krafte
hoherer Individualitaten gestanden. Jetzt fing er an, den
Antrieben, Anlockungen seiner Vorstellungen zu folgen.
Und damit war die Willkur des Menschen in die Welt ge-
kommen. Das war der Anfang von «Gut und B6se».
Bevor in dieser Richtung weitergeschritten wird, soli
nun erst einiges gesagt werden iiber die Umgebung des
Menschen auf der Erde. Neben dem Menschen waren
Tiere vorhanden, die in ihrer Art auf derselben Entwicke-
lungsstufe standen wie er. Man wurde sie nach heutigen
Begriffen zu den Reptilien rechnen. Aufter ihnen gab es
niedrigere Formen der Tierwelt. Nun war zwischen den
Menschen und den Tieren ein wesentlicher Unterschied.
Der Mensch konnte wegen seines noch bildsamen Leibes
nur auf den Gebieten der Erde leben, die selbst noch nicht
in die derbste stoffliche Form ubergegangen waren. Und
in diesen Gegenden wohnten mit ihm tierische "Wesen,
die von einem ahnlich plastischen Leib waren. In anderen
Gegenden lebten jedoch Tiere, welche bereits dichte Lei-
ber hatten und welche auch schon die Eingeschlechtlich-
keit und die Sinne ausgebildet hatten. "Woher sie gekom-
men waren, werden spatere Mitteilungen zeigen. Sie konn-
ten sich nicht mehr weiterentwickeln, weil ihre Leiber
zu friih die dichtere Stofflichkeit angenommen hatten.
Einige Arten von ihnen sind dann untergegangen; einige
haben sich in ihrer Art bis zu den heutigen Formen ge-
bildet. Der Mensch konnte dadurch zu hoheren Formen
gelangen, daft er in den Gebieten geblieben ist, die seiner
damaligen Beschaffenheit entsprochen haben. Dadurch
blieb sein Leib so biegsam und weich, daft er die Organe
aus sich auszusondern vermochte, welche vom Geiste be-
f ruchtet werden konnten. Dann war sein aufterer Leib so
weit, daft er in die dichtere Stofflichkeit ubergehen und
den feineren Geistorganen eine schutzende Hiille werden
konnte. — Aber es waren nicht alle menschlichen Leiber
so weit. Es gab wenig vorgeschrittene. Diese wurden zu-
nachst vom Geiste belebt. Andere wurden nicht belebt.
Ware auch in sie der Geist eingedrungen, so hatte er sich
wegen der noch unvollkommenen inneren Organe nur
mangelhaft entfalten konnen. So mufiten sich denn diese
Menschenwesen zunachst in einer geistlosen Art weiter-
bilden. Eine dritte Art war so weit, dafi sich schwache gei-
stige Einflusse in ihnen geltend machen konnten. Sie Stan-
den zwischen den beiden anderen Arten. Ihre Geistes-
tatigkeit blieb eine dumpfe. Sie mufken von hoheren gei-
stigen Machten gefiihrt werden. Zwischen diesen drei Ar-
ten gab es alle moglichen Obergange. Eine Weiterent-
wickelung war jetzt nur dadurch moglich, daft sich ein
Teil der Menschenwesen auf Kosten der anderen hoher
hinauf bildete. Zunachst muftten die ganz geistlosen preis-
gegeben werden. Eine Vermischung mit ihnen zum Zwecke
der Fortpflanzung hatte auch die besser entwickelten auf
ihre Stufe hinabgedrangt. Alles, was Geist empfangen
hatte, wurde daher von ihr abgesondert. Dadurch fielen
sie immer mehr auf die Stufe der Tierheit hinunter. Es
bildeten sich also neben den Menschen menschenahnliche
Tiere. Der Mensch liefi sozusagen auf seiner Bahn einen
Teil seiner Briider zuriick, um selbst hoher zu steigen.
Dieser Vorgang war nun keineswegs abgeschlossen. Auch
von den Menschen mit dumpfem Geistesleben konnten
diejenigen, die etwas hoher standen, nur dadurch weiter-
kommen, daft sie in die Gemeinschaft mit hoheren ge-
zogen wurden und sich von den minder geisterfiillten
absonderten. Nur dadurch konnten sie Leiber entwickeln,
die dann zur Aufnahme des ganzen menschlichen Geistes
geeignet waren. Erst nach einer gewissen Zeit war die
physische Entwickelung so weit, dafi nach dieser Richtung
hin eine Art Stillstand eintrat, indem alles, was uber einer
gewissen Grenze lag, sich innerhalb des menschlichen Ge-
bietes hielt. Die Lebensverhaltnisse der Erde hatten sich
mittlerweile so verandert, dafi weiteres Hinabstofien
nicht tierahnliche, sondern iiberhaupt nicht mehr lebens-
fahige Geschopfe ergeben hatte. Was aber in die Tierheit
hinabgestofien worden ist, das ist entweder ausgestorben,
oder es lebt in den verschiedenen hoheren Tieren fort. In
diesen Tieren bat man also Wesen zu seben, welche auf
einer friiheren Stufe der Menschenentwickelung stehen-
bleiben muftten. Nur haben sie nicht dieselbe Form behal-
ten, die sie bei ihrer Abgliederung hatten, sondern sind
zuriickgegangen von hoherer zu tieferer Stufe. So sind die
Affen riickgebildete Menschen einer vergangenen Epoche.
So wie der Mensch einstmals unvollkommener war als
heute, so waren sie einmal vollkommener, als sie heute
sind, — Was aber im Gebiet des Menschlichen geblieben
ist, hat einen ahnlichen Prozefl, nur innerhalb dieses
Menschlichen, durchgemacht. Auch in mancher wilden
Volkerschaft haben wir die heruntergekommenen Nach-
fahren einstmals hoher stehender Menschenformen zu
sehen. Sie sanken nicht bis zur Stufe der Tierheit, son-
dern nur bis zur Wildheit.
Das Unsterbliche im Menschen ist der Geist. Es wurde
gezeigt, wann der Geist in den Leib eingezogen ist. Vor-
her gehorte der Geist anderen Regionen an. Er konnte sich
mit dem Leibe erst verbinden, als dieser eine gewisse
Stufe der Entwickelung erlangt hatte. Erst wenn man
ganz versteht, wie diese Verbindung zustande gekommen
ist, kann man sich uber die Bedeutung von Geburt und
Tod aufklaren, so wie auch das Wesen des ewigen Geistes
erkennen.
DIE HYPERBORAISCHE
UND DIE POLARISCHE EPOCHE
Die folgenden Ausfiihrungen aus der «Akasha-Chronik»
fiihren in die Zeiten zuriick, die dem vorausgehen, was
in den letzten Kapiteln geschildert worden ist. Das Wag-
nis, das mit diesen Mitteilungen unternommen wird, ist
vielleicht gegeniiber der materialistischen Denkweise un-
serer Zeit ein noch grofteres als das, welches mit dem be-
reits in den vorhergehenden Ausfiihrungen Geschilderten
verknupft war. Der Vorwurf der Phantastik und grund-
losen Spekulation liegt gegeniiber solchen Dingen in der
Gegenwart so nahe. Wenn man weifi, wie fern es dem
naturwissenschaftlich im Sinne der heutigen Zeit Gebil-
deten liegen kann, diese Dinge auch nur ernst zu nehmen,
so kann nur das Bewufksein zu ihrer Mitteilung fiihren,
dafi man treu im Sinne der geistigen Erfahrung berich-
tet. Nichts ist hier gesagt, was nicht sorgfaltig mit den
Mitteln der geistigen Wissenschaft gepriift ist. Der Natur-
f orscher moge nur so tolerant gegeniiber der Geisteswis-
senschaft sein, wie diese es gegeniiber der naturwissen-
schaftlichen Denkungsart ist. (Vergleiche meine «Welt-
und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert»,
wo ich glaube gezeigt zu haben, da£ ich die materiali-
stisch-naturwissenschaftliche Anschauung zu wiirdigen
weifi.*) Fur diejenigen aber, welche diesen geisteswissen-
schaf tlichen Dingen geneigt sind, mochte ich in bezug auf
* 1914 erfolgte eine neue Ausgabe des Werkes, erganzt durch
eine «Vorgeschichte iiber abendlandische Philosophic und bis zur
Gegenwart fortgesetzt», unter dem Titel «Die Ratsel der Philosophic
in ihrer Geschichte als Umrifi dargestellt»> Gesamtausgabe 1968.
die diesmaligen Ausfiihrungen noch etwas Besonderes be-
merken. Es kommen im folgenden besonders wichtige
Dinge zur Sprache. Und alles gehort langstverflossenen
Zeiten an. Die Entzifferung der Akasha-Chronik auf die-
sem Gebiete ist nicht gerade leicht. Der das geschrieben
hat, macht auch keineswegs den Anspruch auf irgend-
einen Autoritatsglauben. Er will lediglich mitteilen, was
nach besten Kraften erforscht worden ist. Jede Korrek-
tur, die auf Sachkenntnis beruht, ware ihm lieb. Er fiihlt
sich verpflichtet, diese Vorgange in der Menschheitsent-
wickelung mitzuteilen, weil die Zeichen der Zeit dazu
drangen. Zudem mufite diesmal ein grower Zeitraum in
Umrissen geschildert werden, damit einmal eine Uber-
sicht geschaffen werde. Genaueres iiber vieles jetzt blofi
Angedeutete wird ja noch spater folgen. — Die Einzeich-
nungen in der « Akasha-Chronik* sind nur schwer in un-
sere Umgangssprache zu iibersetzen. Leichter ist die Mit-
teilung in der in Geheimschulen ublichen symbolischen
Zeichensprache, deren Mitteilung aber gegenwartig noch
nicht erlaubt ist. Deshalb moge der Leser manches Dunkle
und Schwerverstandliche hinnehmen und sich zu einem
Verstandnisse durchwinden, wie sich der Schreiber zu
einer allgemeinverstandlichen Darstellungsart durchzu-
winden suchte. Man wird manche Schwierigkeit des Le-
sens belohnt finden, wenn man auf die tiefen Geheim-
nisse, auf die bedeutungsvollen Menschenratsel blickt,
welche angedeutet sind. Eine wirkliche Selbsterkenntnis
des Menschen ersprielk ja doch aus diesen «Akasha-Auf-
zeichnungen*, die fiir den Geheimforscher so sichere
Wirklichkeiten sind wie Gebirge und Flusse fiir das
sinnliche Auge. Ein Wahrnehmungsirrtum ist natiirlich
dort wie da moglich. — Hingewiesen soil nur darauf wer-
den, daft in dem vorliegenden Abschnitt nur die Ent-
wickelung des Menschen zunachst besprochen worden ist.
Neben dieser lauft naturgemafi diejenige der anderen
Naturreiche, des mineralischen, pflanzlichen, tierischen.
Davon sollen die nachsten Abschnitte handeln. Es wird
dann auch noch manches zur Sprache kommen, was die
Auseinandersetzungen iiber den Menschen in einem ver-
standlicheren Lichte erscheinen lassen wird. Umgekehrt
aber kann im geisteswissenschaftlichen Sinne von der Ent-
wickelung der anderen irdischen Reiche nicht gesprochen
werden, bevor das allmahliche Fortschreiten des Menschen
dargestellt worden ist.
Wenn man in der Erdentwickelung noch weiter
zuriickgeht, als dies in den vorhergehenden Aufsatzen
geschehen ist, so kommt man auf immer feinere stoffliche
Zustande unseres Himmelskorpers. Die Stoffe, die spater
fest geworden sind, waren vorher in fliissigen, noch friiher
in dunst- und dampfformigen, und in weiterer Vergangen-
heit in feinsten (atherischen) Zustanden. Erst die ab-
nehmende Warme hat die Verfestigung der Stoffe be-
wirkt. Hier soli nun zuriickgegangen werden bis zu dem
feinsten atherischen Zustande der Stoffe unseres irdischen
Wohnplatzes. Als sich die Erde in einer solchen Ent-
wickelungsepoche befand, betrat sie der Mensch. Friiher
gehorte er anderen Welten an, von denen spater gespro-
chen werden soli. — Nur auf die unmittelbar vorher-
gehende soil noch gedeutet werden. Sie war eine soge-
nannte astrale oder seelische Welt. Die Wesen dieser Welt
fiihrten kein aufieres (physisches), leibliches Dasein. Auch
der Mensch nicht. Er hatte bereits das im vorhergehenden
Aufsatz erwahnte Bilderbewufksein ausgebildet. Er hatte
Gefiihle, Begierden. Doch alles das war in einem Seelen-
leib beschlossen. Nur dem hellseherischen Blick ware ein
solcher Mensch wahrnehmbar gewesen. — Und allerdings
hatten alle hoher entwickelten damaligen Menschenwesen
ein solches Hellsehen, obgleich es ganz dumpf und traum-
artig war. Es war nicht selbstbewulkes Hellsehen. —
Diese Astralwesen sind die Vorfahren des Menschen in
einem gewissen Sinne. Was man heute « Mensch* nennt,
tragt ja bereits den selbstbewufiten Geist in sich. Dieser
vereinigte sich mit dem Wesen, das aus jenem Vorfahren
in der Mitte der lemurischen Zeit entstanden war. (Auf
diese Vereinigung ist in den friiheren Aufsatzen bereits
hingedeutet. Wenn hier der Entwickelungsgang der Men-
schenvorfahren bis in diese Zeit dargelegt sein wird, soli
die Sache noch einmal genauer zur Sprache kommen.)
— Die Seelen- oder Astralvorfahren des Menschen wur-
den in die feine oder Aethererde hereinversetzt. Sie sogen
den feinen Stoff gleichsam — wie ein Schwamm, urn
grob zu sprechen — in sich auf. Indem sie sich so mit
Stoff durchdrangen, bildeten sie sich atherische Leiber.
Dieselben hatten eine langlich elliptische Form, doch
waren durch zarte Schattierungen des Stof fes GliedmaJ&en
und andere spater zu bildende Organe bereits ver-
anlagt. Der ganze Vorgang in dieser Masse war aber ein
rein physisch-chemischer; nur war er geregelt und be-
herrscht von der Seele. — Hatte eine solche Stoffmasse
eine bestimmte Grofie erreicht, so spaltete sie sich in zwei,
von denen eine jede dem Gebilde ahnlich war, aus dem
sie entstanden war, und in der auch dieselben Wirkungen
sich vollzogen wie in jenem. — Es war ein jegliches sol-
ches neue Gebilde wieder so seelenbegabt wie das Mutter-
wesen. Das riihrte davon her, dafi nicht etwa nur eine
bestimmte Anzahl von Menschenseelen den irdischen
Schauplatz betrat, sondern gleichsam ein Seelenbaum, der
ungezahlte Einzeiseelen aus seiner gemeinsamen Wurzel
hervorgehen lassen konnte. Wie eine Pflanze aus unzah-
ligen Samenkornern immer aufs neue ersprieftt, so das
seelische Leben in den zahllosen Sprossen, die sich aus
den fortdauernden Spaltungen ergaben. (Allerdings war
vom Anfang an eine engbegrenzte Zahl von Sedenarten
vorhanden, wovon spater gesprochen werden soil. Doch
innerhalb dieser Arten ging die Entwickelung in der
beschriebenen Weise vor sich. Jede Seelenart trieb un-
gezahlte Sprossen.)
Mit dem Eintritt in die irdische Stofflichkeit war aber
in den Seelen selbst eine bedeutungsvolle Veranderung
vor sich gegangen. Solange die Seelen selbst nicht Stoff-
liches an sich hatten, konnte auch kein aufierer stoffHcher
Vorgang auf sie wirken. Alle Wirkung auf sie war eine
reine seelische, hellseherische. Sie lebten so das Seelische
in ihrer Umgebung mit. Alles, was damals vorhanden
war, wurde in dieser Art miterlebt. Die Wirkungen der
Steine, Pflanzen, Tiere, die ja in dieser Zeit auch nur
als astrale (seelische) Gebilde existierten, wurden als innere
Seelenerlebnisse empfunden. — Dazu kam nun beim Be-
treten der Erde etwas ganz Neues. Aufiere stoffliche Vor-
gange ubten eine Wirkung auf die selbst in stofflichem
Kleide auftretende Seele aus. Zunachst waren es nur die
Bewegungsvorgange dieser stofflichen Aufienwelt, die im
Innern des Aetherleibes selbst Bewegungen hervorriefen.
Wie wir heute das Erzittern der Luft als Schall wahr-
nehmen, so diese Atherwesen die Erschiitterungen des sie
umgebenden atherischen Stoffes. Ein solches Wesen war
im Grunde ein einziges Gehororgan. Dieser Sinn ent-
wickelte sich zuerst. Aber man sieht hieraus, dafi das ab-
gesonderte Gehororgan sich erst spater bildete.
Mit der fortschreitenden Verdichtung des irdischen
Stoffes verlor das Seelenwesen allmahlich die Fahigkeit,
diesen zu gestalten. Nur die schon gebildeten Leiber konn-
ten noch ihresgleichen aus sich hervorbringen. Eine neue
Art der Fortpflanzung tritt auf. Das Tochterwesen er-
scheint als ein betrachtlich kleineres Gebilde als das
Mutterwesen und wachst erst allmahlich zu dessen Grofie
heran. Wahrend friiher keine Fortpflanzungsorgane vor-
handen waren, treten jetzt solche auf. — Aber nunmehr
spielt sich auch nicht mehr blofi ein physisch-chemischer
Vorgang in dem Gebilde ab. Ein solcher chemisch-phy-
sischer Vorgang konnte jetzt die Fortpflanzung nicht
bewirken. Der aufiere Stoff ist eben wegen seiner Ver-
dichtung nicht mehr so, dafi die Seele ihm unmittelbar
Leben geben kann. Es wird daher im Innern des Gebildes
eine besondere Partie abgesondert. Diese entzieht sich den
unmittelbaren Einwirkungen des aufteren Stoffes. Nur
der aufier dieser abgesonderten Partie befindliche Leib
bleibt diesen Einwirkungen ausgesetzt. Er ist noch in der-
selben Verfassung wie friiher der ganze Leib. In der ab-
gesonderten Partie wirkt nun das Seelische weiter. Hier
wird die Seele der Trager des Lebensprinzipes (in der
theosophischen Liter atur Prana genannt). So erscheint
jetzt der leibliche Menschenvorfahr mit zwei Gliedern
ausgestattet. Das eine ist der physische Leib (die phy-
sische Hulle). Sie ist den chemischen und physischen
Gesetzen der umgebenden Welt unterworfen. Das zweite
ist die Summe von Organen, die dem besonderen Lebens-
prinzip unterworfen sind. — Nun ist aber dadurch ein
Teil der Seelentatigkeit freigeworden. Diese hat keine
Macht mehr iiber den physischen Teil des Leibes. Dieser
Teil der Seelentatigkeit wendet sich nun nach innen und
gestaltet einen Teil des Leibes zu besonderen Organen
aus. Und dadurch beginnt ein Innenleben des Leibes.
Dieser lebt nicht mehr blofi die Erschiitterungen der
Auftenwelt mit, sondern er fangt an, sie im Innern als
besondere Erlebnisse zu empfinden. Hier liegt der Aus-
gangspunkt der Empfindung. Zuerst tritt diese Empfin-
dung als eine Art Tastsinn auf. Das Wesen fiihlt die
Bewegungen der Aufienwelt, den Druck, den die Stoffe
ausiiben und so weiter. Auch die Anfange einer Warme-
und Kalteempfindung treten auf.
Damit ist eine wichtige Entwickelungsstuf e der Mensch-
heit erreicht. Dem physischen Korper ist die unmittel-
bare Einwirkung der Seele entzogen. Er ist ganz der
physischen und chemischen Stoffwelt uberantwortet. Er
zerfallt in dem Augenblicke, in dem die Seele in ihrer
Wirksamkeit, von den anderen Teilen aus, seiner nicht
mehr Herr werden kann. Und damit tritt eigentlich erst
das auf, was man «Tod» nennt. In bezug auf die Zu-
stande vorher kann von einem Tode nicht die Rede sein.
Bei der Teilung lebt das Muttergebilde restlos in den
Tochtergebilden fort. Derm in diesen wirkt die ganze
umgebildete Seelenkraft wie vorher in dem Muttergebilde.
Es bleibt bei der Teilung nichts iibrig, in dem nicht Seele
ware. Jetzt wird das anders. Sobald die Seele keine Macht
mehr iiber den physischen Leib hat, unterliegt dieser den
chemischen und physischen Gesetzen der Auftenwelt, das
heifk er stirbt ab. Als Seelenwirksamkeit bleibt nur, was
in der Fortpflanzung und in dem entwickelten Innenleben
tatig ist. Das heifk: es entstehen Nachkommen durch die
Fortpflanzungskraft, und zugleich sind diese Nachkom-
men mit einem Oberschufi an organbildender Kraft be-
gabt. In diesem Oberschufi lebt immer von neuem das
Seelenwesen auf. Wie friiher der ganze Leib von Seelen-
tatigkeit erfullt wurde bei der Teilung, so jetzt die Fort-
pflanzungs- und Empfindungsorgane. Man hat es also
mit einer Wiederverkorperung des Seelenlebens in dem
neu entstehenden Tochterorganismus zu tun.
In der theosophischen Literatur werden diese beiden
Entwickelungsstufen des Menschen als die beiden ersten
Wurzelrassen unserer Erde beschrieben. Die erste heifk
die polarische, die zweite die hyperboraische Rasse.
Man mufi sich vorstellen, daft die Empfindungswelt
dieser Menschen vorfahren noch eine ganz allgemeine, un-
bestimmte war. Nur zweierlei von unseren heutigen Emp-
findungsarten waren doch schon geschieden: die Gehor-
und die Tastempfindung. Durch die Veranderung sowohl
des Leibes wie auch der physischen Umgebung war aber
nicht mehr das ganze Menschengebilde geeignet, sozu-
sagen «Ohr» zu sein. Ein besonderer Teil des Leibes blieb
geeignet, die feinen Erschutterungen fortan mitzuerleben.
Er lieferte das Material, aus dem sich dann allmahlich
unser Gehdrorgan entwickelte. Doch Tastorgan blieb so
ziemlich der ganze iibrige Leib.
Es ist ersichtlich, dafi der ganze bisherige Entwicke-
lungsvorgang des Menschen mit einer Veranderung des
Warmezustandes der Erde zusammenhangt. Die in seiner
Umgebung befindliche Warme war es in der Tat, welche
den Menschen bis zu der geschilderten Stufe gebracht
hat. Nun war aber die aufiere "Warme auf einem Punkte
angelangt, bei dem ein weiteres Fortschreiten des Men-
schengebildes nicht mehr moglich gewesen ware. Es tritt
nunmehr im Innengebilde eine Gegenwirkung gegen die
weitere Abkiihlung der Erde ein. Der Mensch wird zum
Erzeuger einer eigenen Warmequelle. Bisher hatte er den
Warmegrad seiner Umgebung. Jetzt treten Organe in ihm
auf, die ihn f ahig machen, sich den Warmegrad selbst zu
entwickeln, den er fur sein Leben notig hat. Bisher war
sein Inneres von zirkulierenden Stoffen durchzogen, die
in dieser Richtung von der Umgebung abhangig waren.
Jetzt konnte er fur diese Stoffe Eigenwarme entwickeln.
Die Leibessafte wurden zum war men Blute. Damit war
er als physisches Wesen zu einem weit hoheren Grade von
Selbstandigkeit gelangt, als er ihn friiher hatte. Das
ganze Innenleben wurde gesteigert. Die Empfindung hing
noch ganz von den Wirkungen der Aufienwelt ab. Die
Erfiillung mit Eigenwarme gab dem Korper ein selb-
standiges physisches Innenleben. Nun hatte die Seele
einen Schauplatz im Innern des Leibes, auf dem sie ein
Leben entwickeln konnte, das nicht mehr blofi ein Mit-
leben der Aufienwelt war.
Durch diesen Vorgang ist das Seelenleben in den Be-
reich des Irdisch-Stofflichen hineingezogen worden. Vor-
her konnten Begierden, Wunsche, Leidenschaften, konnten
Lust und Leid der Seele nur wieder durch Seelisches ent-
stehen. Was von einem anderen seelischen Wesen ausging,
erweckte in einer bestimmten Seele Neigung, Abneigung,
erregte die Leidenschaften und so weiter. Kein aufierer
physischer Gegenstand hatte eine solche Wirkung tun
konnen. Jetzt erst trat die Moglichkeit ein, daft solche
aufSere Gegenstande fur die Seele etwas zu bedeuten hat-
ten. Denn sie empfand die Forderung des mit der Eigen-
warme erwachten Innenlebens als Wohlgefiihl, die
Stoning dieses Innenlebens als Mifibehagen. Ein aufierer
Gegenstand, der geeignet ist, zur Unterhaltung des
leiblichen Wohlbehagens beizutragen, konnte begehrt, ge-
wiinscbt werden. Das, was man in der theosophischen
Literatur «Kama» — den Wunschleib — nennt, war mit
dem irdischen Menschen verbunden. Die Gegenstande der
Sinne wurden Gegenstande des Begehrungsvermogens.
Der Mensch wurde durch seinen Wunschleib an das
irdische Dasein gebunden.
Nun fallt diese Tatsache mit einem grofien "Weltereig-
nisse zusammen, mit dem es ursachlich verkniipft ist. Bis-
her war zwischen Sonne, Erde und Mond keine materielle
Trennung. Diese drei waren in ihrer Wirkung auf den
Menschen ein Korper. Jetzt trat die Trennung ein; die
feinere Stofflichkeit, die alles in sich schliefit, was vor-
her der Seele die Moglichkeit gegeben hatte, unmittelbar
belebend zu wirken, sonderte sich als Sonne ab; der
derbste Teil trat als Mond heraus; und die Erde hielt mit
ihrer Stofflichkeit die Mitte zwischen beiden. Natiir-
lich war diese Trennung keine plotzliche, sondern der
ganzeProzeft vollzog sich allmahlich, wahrend der Mensch
von dem Zustande der Fortpflanzung durch Teilung bis
zu dem zuletzt geschilderten vorriickte. Ja, gerade durch
die genannten Weltprozesse wurde diese Fortentwicke-
lung des Menschen bewirkt. Zuerst zog die Sonne ihre
Stofflichkeit aus dem gemeinsamen Weltkorper heraus.
Dadurch wurde dem Seelischen die Moglichkeit entzogen,
die zuriickbleibende Erdmaterie unmittelbar zu beleben.
Dann fing der Mond an, sich herauszubilden. Dadurch
kam die Erde in den Zustand, der das charakterisierte
Empfindungsvermogen gestattete. — Und im Verein mit
diesem Fortgang entwickelte sich auch ein neuer Sinn. Die
Warmeverhaltnisse der Erde wurden solche, daft die Kor-
per allmahlich die feste Begrenzung annahmen, die Durch-
sichtiges von Undurchsichtigem trennte. Die aus der Erd-
masse herausgetretene Sonne erhielt ihre Aufgabe als Licht-
spenderin. Im Menschenleibe entstand der Sinn des Se-
hens. Zunachst war dieses Sehen nicht ein solches, wie
wir es heute kennen. Licht und Dunkelheit wirkten als
unbestimmte Gefiihle au£ den Menschen. Er empfand zum
Beispiel das Licht unter gewissen Verhaltnissen als behag-
lich, sein Leibesleben fordernd, und suchte es auf, strebte
ihm zu. Dabei verlief das eigentliche Seelenleben noch
immer in traumhaften Bildern. In diesem Leben stiegen
Farbenbilder auf und ab, die sich nicht unmittelbar auf
auftere Dinge bezogen. Diese Farbenbilder bezog der
Mensch noch auf seelische Wirkungen. Helle Farbenbil-
der erschienen ihm, wenn ihn angenehme seelische Wir-
kungen trafen, finstere Bilder, wenn er von unangeneh-
men seelischen Einfliissen beruhrt wurde. — Es ist in dem
bisherigen das, was durch das Auftreten der Eigenwarme
bewirkt worden ist, als «Innenleben» bezeichnet worden.
Man sieht aber, daft es ein Innenleben im Sinne der spa-
teren Menschheitsentwickelung noch nicht ist. Alles geht
stufenweise vor sich, auch die Entwickelung des Innen-
lebens. In dem Sinne, wie das im vorigen Auf satz gemeint
ist, tritt dieses wahre Innenleben erst auf, wenn die Be-
fruchtung mit dem Geiste kommt, wenn der Mensch be-
ginnt zu denken iiber das, was von aufien auf ihn wirkt.
— Aber alles, was hier geschildert wurde, zeigt, wie der
Mensch hineinwachst in den Zustand, der im vorigen Ab-
schnitt dargestellt worden ist. — Und man bewegt sich
eigentlich schon in der Zeit, die dort charakterisiert wor-
den ist, wenn man das folgende beschreibt: Immer mehr
lernt die Seele das, was sie vorher in sich erlebt und nur
auf Seelisches bezogen hat, auf das aufiere korperliche
Dasein anwenden. Das geschieht nun mit den Farbenbil-
dern. Wie friiher ein sympathischer Eindruck eines See-
lischen mit einem Farbenbilde von heller Art in der eige-
nen Seele verknupft wurde, so jetzt ein heller Lichtein-
druck von auften. Die Seele fing an, die Gegenstande um
sich her f arbig zu sehen. Das war verknupft mit der Aus-
bildung neuer Sehwerkzeuge. Zu dem unbestimmten Fiihlen
des Lichtes und der Dunkelheit in friiheren Zustanden
hatte der Leib ein heme nicht mehr vorhandenes Auge.
(Die Sage von den Zyklopen mit dem einen Auge ist
eine Er inner ung an diese Zustande.) Die beiden Augen
entwickelten sich, als die Seele anfing, die aufieren Licht-
eindriicke intimer mit ihrem Eigenleben zu verbinden. Es
verlor sich damit das Wahrnehmungsvermogen fur das
Seelische in der Umgebung. Die Seele wurde immer mehr
und mehr zum Spiegel der Aufienwelt. Diese Aufienwelt
wird als Vorstellung im Innern der Seele wiederholt. —
Hand in Hand damit ging die Trennung der Geschlechter.
Auf der einen Seite wurde der Menschenleib nur empf ang-
lich fur die Befruchtung durch ein anderes Menschen-
wesen, auf der anderen entwickelten sich die korperlichen
«Seelenorgane» (Nervensystem), durch welche die sinn-
Hchen Eindriicke der Aufienwelt in der Seele abgespiegelt
wurden. — Und damit war der Einzug des denkenden
Geistes in den Menschenleib vorbereitet.
ANFANG DER GEGENWARTIGEN ERDE
AUSTRITT DER SONNE
Es soli nunmehr die Akasha-Chronik zuriickverfolgt
werden bis in die urferne Vergangenheit, in welcher die
gegenwartige Erde ihren Anfang genommen hat. Unter
Erde soli dabei verstanden werden derjenige Zustand un-
seres Planeten, durch welchen dieser der Trager von Mi-
neralien, Pflanzen, Tieren und Menschen in ihrer jetzigen
Gestalt ist. Denn diesem Zustande gingen andere voran,
in welchen die genannten Naturreiche in wesentlich an-
deren Gestalten vorhanden waren. Das, was man jetzt
Erde nennt, hat viele Wandlungen durchlaufen, ehe es
Trager unserer gegenwartigen Mineral-, Pflanzen- Tier-
und Menschenwelt hat werden konnen. Auch wahrend
solch friiherer Zustande waren zum Beispiel Mineralien
vorhanden: aber sie haben ganz anders ausgesehen als
unsere heutigen. Uber diese vergangenen Zustande wird
hier noch gesprochen werden. Diesmal soil nur darauf
aufmerksam gemacht werden, wie der nachstvorhergegan-
gene Zustand sich in den gegenwartigen umgewandelt hat.
— Man kann solche Umwandlung dadurch ein wenig
zur Vorstellung bringen, dafi man sie vergleicht mit dem
Durchgang eines Pflanzen wesens durch den Keimzustand.
Man stelle sich eine Pflanze vor mit Wurzel, Stengel,
Blattern, Blute und Frucht. Sie nimmt Stoffe aus ihrer
Umgebung auf und scheidet solche wieder aus. Doch alles,
was an ihr Stoff, Gestalt und Vorgang ist, entschwindet,
bis auf den kleinen Keim. Durch diesen entwickelt sich
das Leben hindurch, um im neuen Jahre in gleicher Form
wieder zu erstehen. So ist alles, was im vorhergehenden
Zustande auf unserer Erde vorhanden war, geschwunden,
um im gegenwartigen wieder zu erstehen. Was man fur
den vorhergehenden Zustand Mineral, Pflanze, Tier nen-
nen konnte, ist vergangen, wie bei der Pflanze Wurzel,
Stengel und so weiter vergangen sind. Und dort wie hier
ist ein Keimzustand geblieben, aus dem sich die alte Form
wieder neu bildet. In dem Keim liegen die Krafte verbor-
gen, welche die neue Form aus sich hervorgehen lassen.
Man hat es also in dem Zeitpunkt, von dem hier ge-
sprochen werden soli, mit einer Art von Erdenkeim zu
tun, Dieser hat in sich die Krafte enthalten, welche zu der
heutigen Erde fiihrten. Diese Krafte sind durch die friihe-
ren Zustande erworben worden. Diesen Erdenkeim hat
man sich aber nicht als einen dichtstoff lichen wie denjeni-
gen einer Pflanze vorzustellen. Er war vielmehr seelischer
Natur. Er bestand aus jenem feinen, bildsamen, beweg-
lichen Stoff, den man in der okkultistischen Literatur den
«astralen» nennt. — In diesem Astralkeim der Erde sind
zunachst nur menschliche Anlagen. Es sind die Anlagen
zu den spateren Menschenseelen. Alles, was sonst schon
in friiheren Zustanden in minerahscher, pflanzlicher, tieri-
scher Natur vorhanden war, ist in diese menschlichen An-
lagen aufgesogen, mit ihnen verschmolzen worden. Bevor
also der Mensch die physische Erde betritt, ist er Seele,
astralische Wesenheit. Als solche findet er sich auf der
physischen Erde ein. Diese ist in einer aufierst feinen
Stofflichkeit vorhanden, die man in der okkultistischen
Literatur den feinsten Ather nennt. — Woher diese
Athererde stammt, kommt in den nachsten Aufsatzen zur
Darstellung. Mit diesem Ather verbinden sich die astra-
lischen Menschenwesen. Sie pragen ihre Wesenheit diesem
Ather gleichsam ein, so daft er ein Abbild der astralischen
Menschenwesenheit wird. Man hat es also in diesem An-
fangszustande mit einer Athererde zu tun, die eigentlich
nur aus diesen Athermenschen besteht, die nur ein Kon-
glomerat aus ihnen ist. Der Astralleib oder die Seele des
Menschen ist eigentlich noch zum grofiten Teile aufier dem
Atherleib und organisiert ihn von auften. Fur den Ge-
heimforscher nimmt sich diese Erde etwa folgendermaften
aus. Sie ist eine Kugel, die sich wieder aus unzahligen
kleinen Atherkugeln — den Athermenschen — zusam-
mensetzt, und ist von einer astralen Hiille umgeben, wie
die gegenwartige Erde von einer Lufthiille umgeben ist.
In dieser astralen Hiille (Atmosphare) leben die Astral-
menschen und wirken von da aus auf ihre atherischen
Abbilder. Die astralen Menschenseelen schaffen in den
Atherabbildern Organe und bewirken in diesen ein
menschliches Atherleben. Es ist innerhalb der ganzen
Erde nur ein Stoffzustand, eben der feine lebendige Ather,
vorhanden. In theosophischen Biichern wird diese erste
Menschheit die erste (polarische) Wurzelrasse genannt.
Die Weiterentwickelung der Erde geschieht nun so,
daft sich aus dem einen Stoffzustand zwei bilden. Es
scheidet sich gleichsam eine dichtere aus und lafit eine
diinnere Stofflichkeit zuriick. Die dichtere Stofflichkeit
ist ahnlich unserer heutigen Luft; die diinnere ist gleich
derjenigen, welche bewirkt, dafi sich chemische Elemente
aus der friiheren ungeteilten Stofflichkeit herausbilden.
Daneben bleibt ein Rest der friiheren Stofflichkeit, des
belebten Athers, bestehen. Nur ein Teil desselben gliedert
sich in die beiden genannten Stoffzustande. Man hat es
also jetzt mit drei Stoffen innerhalb der physischen Erde
zu tun. Wahrend vorher die astralischen Menschenwesen
in der Erdenhiille nur auf eine Stofflichkeit wirkten,
haben sie jetzt auf drei zu wirken. Und sie wirken darauf
in folgender Weise. Was luftartig geworden ist, leistet der
Arbeit der Astralmenschen zunachst Widerstand. Es
nimmt nicht alles an, was an Anlagen in den vollkomme-
nen Astralmenschen enthalten ist. Die Folge davon ist,
da& sich die astralische Menschheit in zwei Gruppen tei-
len mufi. Die eine Gruppe ist eine solche, welche die luft-
formige Stofflichkeit bearbeitet und darinnen ein Ab-
bild von sich selbst schafft. Die andere Gruppe vermag
mehr. Sie kann die beiden anderen Stofflichkeiten bear-
beiten, sie kann von sich ein solches Abbild schaffen, dafi
dieses aus dem lebendigen Ather und der anderen die
chemischen Elementarstoffe bewirkenden Atherart be-
steht. Es soil diese Atherart hier der chemische Ather
genannt werden. Diese zweite Gruppe der Astralmenschen
hat diese ihre hohere Fahigkeit aber nur dadurch erwor-
ben, dafi sie einen Teil — die erste Gruppe — der astra-
lischen Wesenheit von sich ausgeschieden und zu niedriger
Arbeit verurteilt hat. Hatte sie die Krafte in sich be-
halten, welche diese niedere Arbeit bewirkten, so hatte
sie selbst nicht hoher steigen
…[truncated]