Taktische und operative Betrachtungen über die Offensiv-Operation des FM. Grafen Radetzky von Ende Mai bis Anfang Juni 1848

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Lütgendorf, Casimir, Freiherrn Von

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TAKTISCHE UND 
OPERATIVE 

BETRACHTUNGEN 
ÜBER DIE... 

Casimir Lütgendorf (Freiherrn 

von.) 



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FROM THR FUND OF 

CHARLES MINOT 

Olass Ol 1888 



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Aber die 



OFFENSIV-OPERATION 



des 



FM. Grafen ßadetzky 



von Ende Mai bis Anfang Juni 1848. 



Von 



Casimir FreiheiTn Yon Ltitgendorf, 

Hi^or dM k. o. k. OenerkUtabi-Coipt. 



WIEN. 

Verlftg von L. W. Seidel & Sohn, k. und k. Hof-Bnehh&ndler. 

1898. 



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eil. R«lia«r fr M. Wortlmer. 



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VORWORT. 



AVir feiern das 50jährige Regierungs -Jubiläum unseres 
allergnädigsteu Kaisers und Königs. 50 Jahre sind verstrichen, 
seit nnser oberster Kriegsherr als schmncker, kaiserlicher Prinz 
bei der Armee Radetzkys geweilt nnd Zeuge eines Theiles jener 
genialen Operationen war, die der greise Feldherr mit seinem 
weitblickenden Generalstabs-Chef FML. von Hess entworfen und 
mit Consequenz (iurchgt'führl iiat. 

Möge die Besprechung der Mincio-Operatiouen des Feld- 
marschalls uns wieder an die Ruhmestage der Armee erinnern, 
und uns wieder vor Augen füliron, dass es gar nicht uothwendig 
ist, immer und immer den Feldzug 1870/71 zu bewundem, in 
welchem eine an Zahl überlegene Armee mit großartigem Glücke 
einem inferioren Gegner gegenüber gekämpft bat, während im 
Jahre 1848 die schwache Armee Radetzkys mitten in einem 
von der Bevolution durchwflhlten Lande der tapfern, an Zahl 
überlegenen piemontcsischen Anuoe eutgegentreten musste und 
dennoch als glanzvoller Sieger hervorgieng. £s ist dies umso 
bewunderungswürdiger, als die Armee höchst mangelhaft organi- 



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siert war, ein Drittel derselben ans Soldaten italienischer Nation 
bestand, die Festungen nicht erhalten, die Trains sehwerf&Uig 

waren. Alles dank der damali^^^eii Hegieiuiig, die weder Ver- 
ständnis für die italienischen Verhältnisse hatte, noch das nöthige 
Geld bewilligen wollte, trotzdem der Feldmarschall wiederholt 

auf diese T beistände in eiDdringlichster Weise aufmerksam machte 
und Abhilfe erbat. 

BKC^^N, September IHM. 

Casimir Freilierr Ton Lfltgendorf, 

Mi^or des k. n. k. 6«iiera]tta1>s*Coiiw« 



Benützte Quellen: 

Hiileprandt Anton v., IIaui»tiri;inn im k. k. litueialstabe, Der Fi-ld/.ug in 
Oberitalien 1848. (Separut- Abdruck der österreicbisclien militärischen 
Zeitschrift, 1862—1867.) 

Willisen, Der italienische Feldzug 1-S48. 

Bava, Birielit über ä\f Oiicratinnon im loinbardiselien Feldzage. — Der Feld- 
zug der österreichischen Armee im Jahre 1848. 

Sohunhals, Krinnerungen eines österreiobisehen Veteranen ans dem italieni- 
scheu Kriege 1848 und 1849. 



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Sinleitimg. 



Verlauf des Feldznges rom Kflckziige Radetzkys 
aus Mailand nack Verona bis Mitte Mai. 

Am 22. März marschiert ßadetzky mit dem 1. Corps — 
circa 18XIÜ0 Mann — aus dem in vollem Aufstaude befindlichen 
Mailand vorerst an die Adda nach Lodi ab. 

In dem diesbezüglichen Armee-Befehl Badetzkys vom 
22. Mai heißt es: 

„Mangel an LebcnsmiUeüi und die Gefahr, Ton einem 
treulosen Nachbar im Bücken genommen zu werden, nöthigen 
mich, eine kurze rOckgangige Bewegung zu machen, um mich 
den Streitkrfiften zu nfthern, die zu meitter Feretftrkung im An- 
züge sind.** 

Dort angelangt, entschließt er sieh auf die Nachricht von 
der Erhebung Venetiens zum weiteren Rückmarsch vorerst hinter 

den Llüese, dann weiter nach Verona, wo er antaugs April ein- 
trifft, um sich mit dem 2. Corps zu vereinigen, das, circa 15.000 
Mann stark, sich daselbst ('(jueentriert hat. 

Der Armee-Befehl aus Verona vom 3. April sagt unter 
anderem : 

.Der Mangel aller Bedürfnisse, die der Krieg erheischt — 
in unserem Bücken durch einen wortbrüchigen Bundesgenossen 
bedroht, sind wir bis hieher zurückgegangen. Aus höheren Bttck- 
siehten der Kriegskunst bin ich als General gewichen, nicht Ihr ! — 
Ihr wäret nicht besiegt, Ihr selbst wisset es, dass Ihr auf allen 
Punkten — wo Ihr erschienen, Sieger geblieben. Soldaten I Ver- 

Ldtgendorf, OffenaU'-Operation. 1 



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2 



trauet mirt wie ieh Euch vertraue ! Bald werde ieh £uch wieder 
TorwSrts fahren, um den Venrath und Treubruch zu räeheD, den 
man an Euch begieng." 

Hier fasst er, wie aus seinem Armee-Befehle ersiefatlieh, 
den Operations-Plan, das vom Isonzo heranrückende Beserre-Corps 
abzuwarten und dauu erst zur Oflfensive überzugehen, bis dahin 
aber sicli im Festungs -Viereck oder doch bei Verona behaupten. 

Karl Albert überschreittt am 2i^. Miirz mit der piemontesi- 
sehen Armee den Ticino, fulgt alter nur laugsam nach, so dass 
er erst am il April am Mincio anlangt. 

Erwusste, dass Kadetzky bei S. Lucia, westlich Ton Verona, 
im Lager stehe, dass eirea 5000 Mann bei Pastrengo sur Ver- 
bindung mit Tirol und zur Sicherung der rechten Flanke standen, 
und dass in Peschiera und Mantua dsterreichische Garnisonen waren. 

Karl Albert entschließt sieh daher, am 30. April die isolierten 
Truppen bei Pastrengo anzugreifen, drängt sie zurück und wird 
Herr des Plateaus von Kivoli sowie des Hügellandes von Gustoza. 
Er will sich nun dort festsetzen, die kaiserliche Armee nach 
Verona iiineinwerfen und dann weiter über die Ktsch vordringen. 
Er greift infolgedessen am 6. Mai die österreichische Aufstellung 
bei S. Lucia an, wird aber in diesem Gefechte vollkommen 
geworfen. Es kämpfen 19.000, später 25.000 Österreicher gegen 
41.000 Piemontesen. 

Karl Albert fällt darauf in die Defensive und begnügt sich 
mit der Belagerung von Peschiera und der Beobachtung von 
Mantua. 



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Sie Zeit vom 7. Ms 27. Mai. 



Sti*ategisclie und operative Situation der 

Armee Sadetzkys. 

Die geringe Streiterzalil, wnlcbe dem Feldmarscliall in 
Venetien zur Verfügung stand, Latte keine Verfolgung des Sieges 
von S. Lucia gestattet und beschränkte die österreichische Armee 
auf die Defensive, in welcher sie nur unwesenthche Störungen 
erfuhr, da die Piemontesen der Befestigung ihrer Stellung und 
der Belagerung tod Pesehiera ihre volle Thätigkeit zuwendeten. 

Durch Streifcommanden wurden seitens der kaiserlichen 
Armee Lebensmittel ftlr Mantua, Verona und Legnago requiriert, 
die feindliche Aufstellung erforscht und Insurgenten-Abtheilungen, 
welche die Zufuhr abschneiden wollten, vertrieben. 

Mantiia war bis Mitte Mai in \ orllieidigungsstand gesetzt; 
desgleichen die kleine Festung Legnago. 

Peseiiiera. welche .seit 27. April ganz eingesclilosseii war. 
als Besatzung H Compaguien Grenzer, "4 Escadron, TU Artille- 
risten, 150 Geschütze — zusammen 1500 Mann — nnd genügend 
Munition, aber wenig Vorräthe an Lebensmitteln hatte, bildete 
das Tortheilhaf teste Angriffs-Object der Piemontesen. 

In Verona war unter der unmittelbaren Einwirkung des 
Feldmarschalls die Armierung am 15. Mai soweit gediehen, dass 
302 Geschfltse auf dem Walle und 17 in Reserve aufgestellt 
waren; die Vertheidi^unirs-InstandsetÄung wurde eifrigst fort- 
gesetzt. Die Stellun,2r am Rideau war durrli iStialien-Absprenguni», 
Verhaue und durch Einrichtung von Gehöften zur Veitheidigung 
thunlichst verstärkt worden. Überdies wurden 5 Kedouten und 
2 kieiae Zwischenwerke aufgeworfen. 

1* 



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4 



Auf die Ausrüstung der Armee, ßeschaffiing der 
Batterie -Bespannungen, Zusammenstellung kleiner MunitioDs- 
Beserven, Verminderung der Bagagen, Entfernung der eigenen 
Fuhrwerke, endlieh besonders auf die Verpflegung der Armee 
verwendete Badetzky eine besondere Sorgfalt. 

Im Hauptquartier Badetzkys traf am 13. Mai als General- 
8tabs>0hef der Armee FML. t. Hess ein, den sieh der Feld- 
inarschall erbeten und der das vulle Vertrauen der Armee besaß. 

Südtirol, wo FML. Grat" Ijielino wsky coramandierte, war 
das AngrilTs-Objei't der lornl)ardisclien Fri'iscliaren und der vene- 
tiauisehen Insurgenten, welche über das Stiltser .loch, ül)or den 
Tonale -Pass, im Chiesethaie, dann durch die Val Arsa, Astico, 
Assa und Sugana vorzudringen versuchten. 

Ben Gardasee beherrsehten zwei armierte italienische 
Dampfschiffe und veiiiinderten den Proviant-Zuschub nach Pes- 
chiera auch zn Wasser. 

Die fortdauernde revolntionftie Stimmung in SQddeutschland 
und die politischen Flüchtlinge in der Schweiz venirsacbten eine 
solche Uedtohnng von Nordtirol, dass Radetzky nur auf die 
wenigen Truppen, die im Kt^chttiale und in Rivoli unter Com- 
mando des Obersten Zobel zur -kung der Hauptverbindungs- 
Linie standen, zu seiner Yerfüguug rechnen konnte. 

Über die Armee Karl Aiberts dürfte Radetzkv 
im allgemeinen etwa (wie in Beilage 1 dargestellt ist) 
orientiert gewesen sein: 

Darnach konnte die Hauptkraft des Gegners, die Division 
mit circa 11.000 Mann gerechnet, 55.000 Mann statt sein. 

Die toseanisch-modenesisehe Division, mit 7000 
Mann am Oscae, stand in der Linie Ourtatone-Montanara. In 
dieser Linie waren die beiden Orte befestigt und überdies an 
günstigen Punkten Versehanzungen aulgeworfen. Hei Governolo 
speeiell stunden niüdencsisehe, bei (ioito neapolitanische Truppen. 

Lom bardische Frei sc hären, circa 5 — 6()00 Mann, 
befanden sich theils im Val Teiina, Camoniea und im Chiesethaie. 



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6 



Ordre de bataille und Disloeation 

der für eine Offensive Ende Mal verfügbaren Kräfte. 



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Brigaden 


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FML. Graf 
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FML. Graf 
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GM. Graf Gyolay 


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Geschätzreserve und Pionniere 




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Smnnie des n. ( rp- 


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FML. Graf 
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2.400 


FML. Prinz 
M. TuiB 

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GM. E. H. Ernst 




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1.400 
1.700 


GM. Graf Scliaaffgotseho 






12 


6 


GM. Fürst E. Schwar- 
zenberg 




4 


12 


700 


Gescliützresorve nnd Pionniere 




2 


• 


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900 


Sninme des I. Beserre-Oorps ... 11 | 2 


25 


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14.400 




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Rivoli 


2.3001 



(xesammt-iSuiume . . . 



45%| 4 1 42 jl59j . |4^.UO0 



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6 



Eine päpstliche Division von mindestens 1 1 .000 ^lann 
stand in Vincenza, das in Vertheidigungsstand gesetzt war. 
Diese Division dürfte durch die am ^4. Mai erfolgte ßeschiellung 
durch das vom Isonzo gekommene Corps Badetzkys dermalen 
ziemlieh eiogeschaehtert sein. 

überdies war dem Feldmarsehall bekannt, dass im Laufe 

des Mai bei den Piemontesen Ergänzungen auf den Kriegsstand 

eingetroffen waren und dass die Aufstellung^ im Hügellande 
westlich von Verona seitens der Piemontesen technisch verstärkt 
wurde. 

Die Festungen hatten ihre eigenen Besatzungen. 
Pesehiera Warans Maugel an Verpflegung dem Falle nahe. 

In Verona traten Verpflegsschwiorigkeiten auf, in- 
dem nur mehr die Vorräthe für die Armee auf wenige Tage 
reichten. Das insurgierte Gebiet östlich von Verona war reich an 
Bessourcen. 

Im Yenetianisehen befand sieh noeh das 2. Beserve- 
Corps, welches alle zur Sieherung der Nachsehubslinie in diesem 
Gebiet zuraekgelassenen Truppen in sich fasste und die zur Ter- 
stftrknn)^ noeh heranmarsehierenden Heerestheile an der Piare 

zu sammciu hatte. 

Beui'tlieilung der Situation gegen Ende Mai 
im Armee-Hauptquartier. 

Tom 27. Mai an stehen circa 48.000 Mann für die weiteren 
Operationen im freien Felde zur YerfOgung. Von diesen sind circa 
40.000 um Verona ooncentriert, 2300 bei Bivoli und 6000 in 
Mantua. Geguerischerseits befinden sieh im Hfigellande von Verona 
circa 53 — 56.000 Mann, woron ein Theil die Festung Pesehiera 
eingeschlossen hat. Am Osone stehen circa 7000 Mann zur 
Beoljachtung von Mantua. Im ganzen 03.000 Mann gegnerischer 
Kräfte, mit denen gerechnet werden musste. 



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Auf den östlichen Verbindungen der Armee in Vicenza 
stehen etwa 11.000 Mann päpstlicher Truppen unter Duraudo. 

Die Verpflegsschwierigkeiten in Verona, die kritische Lage 
von Peschiera, das defensive Verhalten der Armee Karl Alberts, 
die sieh seit dem Gefeehte von S. Lucia auf die EiDschließung 
von Pesehiera und Beobaehtnng ?oii Mantua, dann auf die tech- 
nische Verstfirkung des Ostrandes toiu flQgellande beschränkte, 
endlich das gehobene moralische Element im kaiserlichen Heere 
waren bestimmend för eine Offensiv-Operation. 

Diese kann gegen die westliche oder östliche Kraftgruppe 
des Gegners gerichtet werden. 

Der westliche Gegner ist näher, datu bedeatend stärker, 
daher auch gefährlicher. Der thunlichst baldige Entsatz der hart^ 
bedrängten Festung Pesehiera ist sowohl der strategischen Wichtig- 
keit wegen, welche dieser Platz als doppelter Brflckenkopf am 
Mincio besitzt, als auch deshalb geboten, weil der bei dem Mangel 
an Lebensmitteln sonst voraussichtlich baldige Fall der Festung 
für die Piemontesen großen moralischen Wert gewinnen könnte. 

Der Gegner in Vicenza scheint durch die Beschießung am 
24. Mai noch so eingeschüchtert zu sein, dass eine Offensiy- 
Unternehmung desselben dermalen noch nicht zu erwarten ist. 

Eine Offensive der kaiserlichen Armee gegen die Kräfte bei 
Vicenza eröffnet ihr die dringend benötbigten reichen Hilfsquellen 

des Landes, nähert die Armee den anrückenden Verstärkungen, 

gestattet mit l 'berh"?geniieit aufzutreten, überläset aber die Festung 
Peschiera für die nächste Zeit vollkommen ihrem Schicksale und 
bietet der seit (>. Mai passiven geguerischen Hanptkraft Gelegen- 
heit zu einer für die eigenen Armeen gefährlichen Oilensive über 
die Etscb. 

Aus diesen Erwägungen resultiert der 

EntschluBi, 

„vorerst eine ITnternehmuDg gegen die westliche feindliche Gruppe 
mit dem Hauptzweck ,Entsatz von Peschiera', da ein entscheidender 



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6 



Erfolg bei dem noch Torhandenen MissTerhftltDis der beideneitigea 
Kräfte (45.000 gegen 63.000) nieht gehofft werden konnte". 



Erwägungeu über Art der Dui'cMtllu'img 
dieses EntscMusses. 

Diese Operation kmu auf drei Arten durchgefQhrt werden. 

a) Verbrechen der eigenen Armee zwischen dem 

Gardasoe und der Etscb. Sie greift damit direct den pit iijoutesi- 
sclieii linken Flügel an; die, üpiTationsricIitung fiilirt uline be- 
deuteuden Umweg ini Anschlüsse an die (iruppe Zoljel gegen 
Peschiera. Diese Operation ist aber vom Feinde leicht zu hindern, 
da Pastrengo und Piovezzan sich in dessen Händen befinden. 
Die eigene Armee mtisste auf der einzigen snr Verfügung stehenden 
Straße auf dem linken Etsehufer, welche« von den Piemontesen 
in der Strecke zwischen Arce und Ponton vollkommen beherrscht 
ist, bewegt werden, der Etsehttbergang mfisste bei oder nördlich 
von Gajun erfolgen. Die Entwickluug der Armee mfisste voraus- 
sichtlieh angesichts der mittlerweile leicht vereinigten Armee Karl 
Alberts erfolgen, die Armee müsste mithin unter sehr schwierigen 
verlustreichen Kämplen ihre Aufgabe zu lu-sen versuchen. 

b) Directer Vorstoß der A rmee in kürzester Richtung 
von Verona gegen Peschiera. Es ist dies ein Durchbrueh mit 
der Direction auf die Höhen von S. Giustina-Sona, die stark be- 



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9 



setzt und technisch verstärkt sind. Diese üüternehmuiii' wird nur 
mit bedeutenden Oy^aru, aber wahrselieinlieli in kurzer Zeit aus- 
zuführen sein. 

c) Eine UmgehuDg des rechten Fifigeis der feind- 
lichen Hauptkraft. Dieses Unternehmen verlangt ein Zurflck- 
lassen starker Krftfte hei Verona, mithin eine Schwächung der 
eigenen Uaupikraft. Ein directes Zusammenwirken mit der Gruppe 
Oberst Baron Zobel ist aasgeschlossen. Deren Abgang bei den 
Operations-Trnppen kann aber dadurch beglichen werden, dass 
ein gleich starker Theil der IJesatzung von Muntua an diese 
lierangezogen werden kann. Hei diesem ünternebmen könnten 
auch alle durch die Festungsgruppen gebotenen V ortheile sorg- 
fältigst ausgenützt werdeo. 

Durch diese Umgehung der feindlichen Hauptkraft können 
die am Osone befindliehen Streitkräfte mit bedeutender Überlegen- 
heit angegriffen und geschlagen werden, dann das feindliche 
Heer zu einer Schlacht unter ungünstigen strategischen Ver- 
hältnissen gezwungen, vielleicht auch geschlagen oder doch zur 
Aufgalje der Belagerung von Pesch iera verleitet oder, wenigstens 
Kräfte derart von diesem Platze abgezogen werden, dass es den 
bei lüvoli stehenden Truppen Zobels möglich wird, Lebensmittel 
in die Festung zu schaffen und dadurch die Besatzung vor baldiger 
Übergabe zu bewahren. 

Diese Art der Unternehmung ist der entschiedenste stra- 
tegische Angriff auf die einzige Rückzugs- und Verbindungs- 
Linie des Gegners, wobei die eigenen Verbinduagen auf Mantua 
führen und daher gedeckt sind, 

Auf'h wahrt sich das Armee-Commando dadurch noch immer 
die Möglichkeit für den Fall, dass die Pieraontesen ihre Überzahl 
richtig verwenden, und dadurch Peschieras Entsatz hindern würden, 
den bereits früher (24. Mai) gefassten Entschloss durchzuführen, 
nämlich unter dem Schutze von Mantua und der Festung Verona 
als Drehpunkt rasch sieh auf den östlichen Qegner zu werfen, 
die dortigen Streitkräfte zu vernichten, dadurch die Verbindung 



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10 



mit dem 2. Reserve-Corps zu eröffnen und erst später, nach 
Erlangung des übergewiclites über die feindliclie Haupturinee, 
eine entscheidende Offensive gegen diese zu führen. 

Hieraus resultiert der 

„Durchführung der Offensive über Mantua''. 



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Die Offensive über lantua. 



27. M&L 

Erwägungen für die Durchführung dieser 
geplanten Offensive. 

Das geplante Untemebmen ist eine einfache strategische 
Umgehung des feindlichen rechten Flügels, der näher den Ver- 
büidungen liegt 

Sie umfasst im allgemeiaen 1. die rasche und geheim durch* 
geführte Umgehung aulJerhalb des taktischen Schlagbereiches, 
2. gleich nach der Umgehung den taktischen Schlag, damit der 
Feind keine GegenmaOregeln treffen kann. 

Der 1. Theil besteht daher in einem Flankenmarsche nach 
Mantiia. 

Die Durchführbarkeit und das Gelingen desselben sind im 
allgemeinen an folgende Bedingungen geknüpft: 

a) au das Vorhandensein eines entsprechenden Communi- 
cafions-Netzes, und zwar eines solchen, wie es zur Bildung eines 
kampfbereiten Echiquiers erforderlich ist; 

h) an das Gelingen der Täuschung des Feindes durch 
Demonstrationen an entfernten Punkten und durch eine fiber- 
rasehende, möglichst verdeckte Ausführung des Marsches, um 
die Vortheile, welche mit dem FUnkenmarsche angestrebt werden, 
zu realisieren, bevor noch der Gegner Gegenmaßregeln treffen kann. 

Von Verona führen in südwestlicber Richtung genügend 
viel Gommuüicatiouea mit Bezug auf die aus 6 sckwacben Corps 



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1^ 



bestehende Ariiioe. Sie fiiliroi! in der kürzesten Ixiohlniiir auf 
Mautua, dabei aber verbilltnisniäßig nahe an der gegnerischen 
Aufstellung vorüber. Abgesehen von dieser kürzesten Richtung 
Jieße sich die Armee auch noch Etsch abwärts über Legnago 
und Yon dort aaf mehreren in westlicher Biehtung führenden 
Conmmnieationen nach Mantua versehieben. Das Verschieben 
könnte in diesem Falle thimlichst gedeckt mit mehr Sicherheit 
erfolgen, dauert aber Iftnger, kann daher leicht verrathen werden, 
während die Verschiebung in der ersteren Biehtung kOrzer, aber 
gefährlicher, daiier kühner ist. 

Diese Erwägungen, dann das passive Verhalten der Armee 
Karl Alberts führen zur L)urehfnhrui!g des kühneren Entschhisses. 

Demonstrationen zur Täuschung des tiegaers können am 
besten auf dem eigenen rechten Flügel durch ein energisches 
Vorgehen der Brigade Zobel stattfinden. Diesen hafttt alier der 
Nachtheil an, dass diese Kräfte verhältnismäßig sehr sehwach sind. 

Wahl der Marschlinien: 

a) Strafie über Tomba, Vigasio, Gastel Belforte znr LOnett« 
S. Giorgio, dann nördlich durch die Gitadelle nach Mantoa; 

h) Chanssee ttber Tombetta, Isola della Scata, dann Straße 

tiberErbe, Castel d'Atiu. Stradella, südlich vom früher erwähnten 
Werke vorbei nach Mantua; 

c) die Chaussee über Tombetta nach Bovolone, dann Stralle 
nach Nogara, Gaste! d'Ario in die sub h) genannte Straße oder 
über Garzedole nach S. Giorgio, oder eventuell dermalen, wenn 
hergerichtet, über den Eisenbahndamm nach Mantua. 

Flankendeckung. Diese besorgt bei einem solchen Marsche 
im allgemeinen die äußerste Truppen-Crolonne, die ttbrigenColonnen 
müssen in einer entsprechenden Kampfbereitschaft marschieren 
und dOrfen nur mit den nothwendigsten Trains und Anstalten 
dotiert sein (Detail siehe Oolonnenbildung). 

Antritt des Marsches. Dieser Marsch soll, wie erwähnt, 
geheim durchgeführt werden. Hiezu eignet es sieh am besten, 
den ersten Theii des Marsches als Nachtmarsch durchzuführen. 



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13 



Dazu kommt noch, dass das Bereitstellen der Trappen am Abende 
gar nicht auffallend ist, da ja um diese Zeit gewdhnlteh die Ab- 
lösung der Vorpofiten stattfindet. 

Oolonnenbildttiig. Mit Boeksiebt «if einen Abmarsch bei 
einbreehender Dankelheit, dann aaf die Iftngste Boote wird die 
GaTallerie-Truppen-DiTision des 1. Beserre-Corps am besten anf 
die östlichste Marschlinie verlegt, wahrend die öbrigen Truppen 
und Anstalten auf die beiden andern Marschlinien uufziitheik ii sind. 

Die Colonnen müssen in einer entsprechenden Kampf- 
bereitschaft imiLschieren, weil es nicht ausireschlosseii ist, dass 
der Gegner den Abmarsch erkennt oder erfahrt und ihn zu stören 
yersucht. Diese Kampn)ereitschaft wird erreicht, indem die dem 
Feinde zunächst befindliehe Colonne — etwa das 1, Corps — 
echellonartig von einem westlieh einmfkndenden Wege zum andern 
vorgeht» oder aber, indem namentlich während des ersten Theiles 
des Marsches eine Flankensicherung vom Bideau von Verona 
Qber Isolalto nach Yigasio dirigiert wird, was nur bei einem 
äußerst lässig betriebenen Stehenings> und Anfklänings-Dienste 
seitens des Gegners — wie es thatsächlicli (iurch die lange Un- 
thätigkeit im Hügellande der Fall war — raihsam erscheint. 

Die 3. Colonne mnss von Nogara aus eine Flankensicherung 
links gegen die bei tiovernolo befindlichen gegnerischen Krätte 
ausscheiden. 

Die Hauptkraft, also das 2. Corps, dann die Infonterie- 
Truppen-Division des 1. Beserve-Corps und der BrfickeDtram 
könnten auf der 2. Marsehlinie vorgehen. 

Kampfbereitschaft Um f&r den BVill eines Kampfes 
während des Flankenmarsohes günstige Verhältnisse für den 
Aufmarsch nach rechts «u schaffen, also ein thunlichst einfaches 
Froiitieren nach rechts zu ermöi^lichen, ist es am zweckmäßigsten, 
den Marsch stat^elförmig anzuordnen. Maßgebend hiefür sind die 
gegnerische Situation, die ColoanenKlngen, die Aufbruchstnnden. 
Die gegnerische Situation erfordert bei einem ZusammenstoÜe 
rasche Entwicklung mit thnn liehst starkem rechten Flügel; daher 
Abmarsch in Staffeln links rückwärts. 



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14 



Für die Lüiige der Coloiinen ist luaßgebuiid, welche Trains 
bei den einzelnen Colonnen eiugetlieilt sind. Sie nehmen die un- 
bedingt nöthigcu Sanitäts- und Muuiüons-Trains, dann den Gefechts- 
train mit. Überdies muss das KriegsbrQeken-Material mitgefuhrt 
werden, das zur 2. Colonne einzutheilen ist. Der Verpflegs-Tmin 
ist nicht mitzunehmen, denn fQr den Marsch naeh Mantoa hat 
der Mann die Yerpflegong bei sieh, in der Festung selbst be- 
finden sich entsprechende Vorr&the, wenigstens ftlr die aller- 
nftchste Zeit. Hat die Armee von Mantna aus den Vormarsch 
gegen die Verbindungen des (iegners angetreten und eilt dieser 
auf das roelito Mincio-Ufer, iiiii sie zu sehützi.'n, dann ist der 
Weg Mantuii-Veronii otTen. und es können die nütliigen VerpÜegs- 
vorräthe der Armee anstandslos nachgeschoben werden. 

Die Länge der Colonne beträgt daher: 

Rechte Colonne (1. Corps) circa 7 km ; Mittelcolonne (2. Corps, 
Brttckentrain, Artillerie-Reserve und 2 Infanterie-Brigaden des 
1. Beserve-Gorps) circa 18 hn; linke Colonne (GaTallerie-Truppen- 
Diviston) circa 4 hm. Durch das gleichzeitige Aufbrechen der rechten 
und mittleren Colonne und das um 4 Stunden spfitere Aufbrechen 
der linken Colonne, überdies durch das Zurücklassen einer Nach- 
hut, die etwa 7 Stunden später den Marsch antritt, ergibt sich 
das für den Kampf günstige Staffelveriiahnis. 

Rechnet man die Aufbruehsstunde der beiden ersteren 
Colonnen mit 8" 30^ abends, so hat die 3. Colonne um 12^ 30^ 
nachts und die als Ivachhut zurückgelassene Kraft — etwa 
1 schwache Brigade — um 3'' 30^ früh aufzubrechen. 

Anordnungen für eine lange Rast. Die Marschlängen 
betragen fQr die rechte Colonne circa 35, für die mittlere 46, fOr 
die linke 58A«i. Von den einzelnen Colonnen sind daher ganz 
bedeutende Gewaltmärsche, eingeleitet durch einen Naohtmarsch, 
durchzufahren. £$ mfissen daher einheitliche YerfQgungen Uber 
eine wenigstens vierstündige lange Rast zuin Abkochen und Aus- 
ruhen der Truppen getroffen 'werden. Demnach könnten als Orte 
für diese Rast in Aussicht genommen werden: Castcl Belforte lur 
das 1. Corps, Gaste! d'Ario für das 2. Corps, Sorga für die lufan- 



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15 



terie des 1. Reserve-Corps und Nogara für die Oavallerie-Truppen- 
Division. 

Eintreffen in Mantua. Mit BQcksieht auf den Gewalt- 
marsch, die 8ehwierigkeit beim Abmärsche in der Dunkelheit, 
die große Vorsicht, mit der der Marsch ins Werk gesetzt werden 

müss, kann das 1. Corps in 16—18, die Mittelcolonne in 22, die 
rechte Colonne in 22— 2 i Stunden in Mantua eintreffen. 

Aus allen diesen Erwägungen resultieren naehlblgende 
thatsächlich im Jahre 1848 gegebene 

Befelile, 

von denen der wichtigste im Wortlaute angofiilirt ist. Dieser passt 
mit Ausnahme von durch die Organisation bedingten Details, auch 
für die heutigen Verhältnisse vollkommen. 

I. Anordnungen f)lr die Bereitstellung der zum Abmärsche 
von Verona bestimmten Truppen am 27. abends unter dem Ver- 
wände einer Vorposten-Ablösung am Bidean westlich von Verona. 

II. Disposition fOr den Abmarsch nach Mantua, nachdem 
die oben erwähnten Truppen versammelt waren. 

l)iesi^ lautete: 

,, Las 1. Corps vntrscJücrt um 8'' HO^ ahetnh aus der Stellung 
am Jfideau linls ah, geht über Tomha nach Vir/asio, (lann über 
Trevcnzuolo und lioncolcra naeh Castel Belforte, ferner auf dem 
Wefjc ron C. Boccabusa gegen das Glacis der Lünette S. Giorgio, 
sehne fikt hier westlich ab und rückt durch die Citaddle in die 
Festung ein. 

Die Dcel'ung der rechten Flanke besorgt eine angemessene 
Truppe, welche auf dem Wege Über Cä de Tinaldi und IsolaUa 
nach Vigasio vorrückt. 

Das 2. Corps, zur selben Zeit aus seiner Stellung am Ixidean 
abmarschierend, geht Uber TombettOf Buttapietra, IsoJa dcUa Scala, 
Sorge naeh Castcl r7 1 r/o, weiter auf der Straße durch die Lün^U 
S, Giorgio nach Mantua. 

Vom Beserve-Corps haben dem 2. Corps die Brigade Maurer, 
dann der Brückentrain, die Artillerie-Beserve und die Brigade Bath 
um 10^ 30' nachts von Porta Nuova aus eu folgen. 



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16 



Die gesamwit Caväüerie des Jteaerve'Carps rüeM dahinter über 
Tmbetta nach JP^ggo, Bovelone nadi Noffara, dann über CasU^ d'Ario 
Muir LüneUe 8. Giorgh^ 

Die Brigade SekuLtig rüclU um MiUemadii eine Äufiidiung 
ewisehe» Porta 8, Zeno und Porta Nuova vor Verona, um die 
Vorpoeten der dortigen BetaUung nach Umständen zu umUretüteen 
und dann der mittleren Oolonne als NaMiä eu folgen. 

Lange Bast von 4 8tunden 1, Corps CaM BetfortSf 2, Castd 
d^Ärio^ die Infanterie-Brigaden des Beserw-Corps Sorgä, die Ca- 
vaUerie desselben Nogara; während derseUten ist eibjmkochen und gu 
füttern. 

Jedes Corps erhißt eine Sanidits-AhflirUuufj. 

Tfj'iii. Mit Ausnahme der Kessel- und 2^icamenten'Wagen 
Ao&e» sämmtliche was immer für Namen hab&nden Bagagewagen 
gurUchzubleiben. 

JEs ist mit größter mHitärisdter VorsuM voreurOdsen, da die 
Bewegung der Armee dem Feinde sovid eis möglieh verborgen bleiben 
müsse, wenn sie von großem Erfolge sein scU. 

Die Car/i/leric des licserLui-Corjx'i hat sich soufohl durch eine 
Vorhut, als von Nogara an, mit einer Seitenhut links gu sidtem. 

Jedes Corps ist von den Anordnungen für die anderen Corps 
verständigt. 

Das Armee-Commnndo fo^ dem 2. Corps.^ 

III. IJeCehle an die Brig-ade Zobel für die Vorrückung im 
fiiuklaQgc mit den Operationen der Hauptarmee. 



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28. MaL 



Situation bei der Hauptamee am 2 8. Mai abends. 

Im Laufe des 28. trafen inMantua ein: 1. Corps zwisehen 

2^' und nachmittags, 2. Corps um 7** abends, Infanterie des 

1. Reserve-Corps, dann Bniekentrain und Artillerie-Reserve 
um 10*^ nachts, Cavallerie-DivisioQ des 1. Reserve-Corps nach 
10 nachts. 

Die Xachhut deriMitteleolonae — Brigade Schulzig — rückte 
erst am 29. früh in die Festung ein. 

Die Truppen wurden theiis im Innern der Festung unter- 
gebracht, theils bezogen sie Freilager am Glaeis der Lflnotte 
S. Giorgio. 

Der ganze Fiankenmarscli wurde verborgen dnrehgefQhri, 
keine feindliche Bewegung wurde bis dahin eonstatieri 

89. MaL 

Erwägimgen für die Fortsetzung der Offensive 

am 29. Mai. 

Um die Offensive gegen die Flanke der feindliehen Armee 
fortsetzen zu kOnnen, müssen zuerst die am Osone befindliehen 
Kräfte vernichtet werden, daher theilen sich diese Erwägungen 

in solche für den AngrilT unt' dio to.s<-;inisclie Division am Osone 
und in solelie ülier das weitere \'<'rhalten der Armee am 29. nach 
der Vernicditung dieser sehwaeheu geguerischeii Krätte, 

J-iUtgeadorf, Oä'eMiv-Opemion. 3 



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18 



a) Erwägungen für den AngrifT auf die toscanische Division. 

Der Gegner ist in befestigter 8tellungi eein linker Flügel 
lehnt sieh an den Lage Superiore und hat überdies daselbst den 
befestigten Ort Ourtatone als Stützpunkt. Der rechte Flügel ist 

etwas vorgeschoben und findet seinen Abschluss in dem be- 
festigten Moiitanara. Die ganze Linie ist circa 4000* laug und 
von GOOU— 7000 Mann besetzt. 

Die Aufstellung ist in der Front und auf dem linken Flügel 
stark. Der rechte Flügel ist verhältnismäßig schwach, da er durch 
ein Vorgehen über Silvestro umgangen werden kann. 

Daraus resultiert, dass der Hauptangriff am zweckmäßigsten 
umfassend gegen den rechten Flügel gef&hrt wird. 

Dieser Angriff muss rasch und mit bedeutender Kraft geführt 
werden, damit die Entscheidung möglichst schnell falle und 
mit einer vollständigen Zertrümmerung der gegnerischen Krailt- 
gruppe endige. 

Er muss daher am 29. thunliclist früh Leiiinnen und von 
etwa der dreifaclien Übermacht durchgeführt werden. 

Das 1. Co) ps und eine Brigade des 2. Corps repräsentieren 
etwa diese Kraft. 

Die Lösung der Aufgabe wird dann dem 1. Corps-Oommando 
übertragen. 

b) Erwägungen für das Verhalten der übrigen Theile der Armee 

am 29. Mai. 

Rechnet man die Aufbruchsstunde der Augrifl's-Trappen, 
mit Bücksicht auf den vorangegangenen Gewaltmarsch für die 
weiteste Golonne mit ii^ früh, so kann um 8^ bereits das Gefecht 
begonnen haben, und aller Voraussicht nach bei entsprechendem 
Drucke auf die südliche Flanke der Toscaner in 3—4 Stunden 
beendet sein, mithin dieser Gegner bis Mittag gewiss aus dem 
Felde geschlagen sein. 

Die Aufgabe der Armee ist, mögliclist bald iii der rechten 
Flanke der piemontesischen Armee zu erscheinen, um diese an- 



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19 



zugreifen, ehe sie ihre Gegenmaßregeln durchgeführt hat. 
Daraus ergibt sich, dass es am zweckmäßigsten ist, nocti am 
selben Tage th unliebst weit nach Norden vorzurficken. 

Es müssen daher die übrigen Truppen (2. Corps und 
1. Besenre-Oorps) derart am Vormittage des 29. bereitgestellt werden, 
dass sie sich zur Zeit, als die Yerhältnisse am Osone der Ent- 
scheidung nahe sind, vom Fort Belfiore in Bewegung setzen können. 

Diese Krftfte IcOnnen an diesem Tage ohne besondere An- 
strengung der Truppen mit dem Gros der Infanterie den wichtigen 
Raum um (ioito erreichen (!'.♦ 1cm von Mautua), während die 
Oavallerie-Truppen-Di Vision des 1. Ke.serve-Corps nach Ceresare 
vorzuschielien wäre, ura noch am selben Tage diie Aufklärung 
von der Flanke und vom Bücken des Gegners aus einzuleiten. 

Das 1. Corps Itann bis zum Abend im Baum von Bivalta 
eintreffen. 

Die am 29. frflh in Mantua eintreffiende Brigade Sehulzig 
kann am späten Nachmittage bis Gastellncchio nachgezogen werden. 

Durch diese mögliche Gruppierung können am 29. abends 
6 Infanterie- und 3 Oavallerie-Brigaden — circa 20.000 Mann — 

auf 6 hm Prontbreite bei Goito, 7 hm dahinter 19 000, weitere 

3 1cm südlich 4r>U() .Mann sich lieliiiden, wodurch die Armee in 
der Lage ist, am .'50. iiuiorlialb von nicht ganz 3 Stunden alle 
Kräfte auf einem eventuellen Gefechtsfelde bei üoisto vereint 
zu haben. 

Inhalt des BefeUs, den das Amee-Coiimiaiido 

an das 1. Corps für den Angriff auf die 
toscanisclie Division geben könnte. 

Der Corps -Oommandant und die Divisionftre werden mit 

ihren Generalstabs-Cbefs noch am Abend des 28. zum Armee- 
Commandanten berufen und ihnen etwa folc'ender Befehl eitheilt: 

„Die Armee set~t nionicn die OffrHs/rr j\J//ir/o auffohis fort. 

Vom Gegner haltvu f <rca 7000 Matui die befestigte Sfrlluug 
am Osone von Curtatone OiS mischließich Montanara hesttzt. 

2* 



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20 



Das 1. Corps, dem die Brigade J.iccJttvnstcin (vom 2. Corps) 
unterstellt wird, hat unter Festhaltung der gegnerischen Front den 
rechten Flügel unifassmd anzugreifen und in der liiciUutig über 
(ktpUahlto und < 'astr/lucchio aufzuJdnrvn. 

Aufbruch derart, dass um <s'' früh der Angriff' beginnt, 

Ge/echtstrain bleibt in Mantna. 

Dir stündlichen Situations-Melduttgen treffen mich von 7'' früh 
an beim Fort Belfiore.*^ 

Mögliche Kräftegrui)pierung des 1. Corps zum 
Angriff aul (xiimd des supponierten Befelües. 

Division FML. FQrst E. Schwarzenberg, yerstilrkt dnreh 

die Brigade Liechtenstein (exclusive der 2 Hutaillone des In- 
fanterie-Regimentes Nr. 52) festhaltende Frontgriippe (9 Bataillone, 
3 Batterien, 1 Escadron); Hiiii[itiiiiiirifls-(inippe Division FML. Fürst 
F. Schwarzenberg und Rest der Brigade Liechtenstein (1 1 Ba- 
taillone, 3'/, Batterien, 1 Escadron) nimmt die Direetion über 
S. Silvestro gegen die rechte Flanke des Gegners; Corps-Cavallerie 
— 10 £scadronen stark — gebildet aus den bei den Brigaden ent- 
behrlichen Escadronen, begleitet den Hanptangriff in der linken 
Flanke und hat in den anbefohlenen Bichtungen au&uklftren. 

Antritt der VorrftckuDg derart, dass die Hauptangrifis-Gruppe 
circa Standen frQher als die festhaltende Tom Fort Belfiore 
aufbricht. 

Suppouierte Krältegruppierung zum Angriff 
auf die toscanische Dmsion. 

(Siehe Beilage 2.) 



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21 



Thatsftchliehe Yerfflpngen fttr den 29. Mai 

und Ereignisse an diesem Tage. 

a) AngrlfT auf die Osoiw-Linie. (Hiezn Beilage 3.) 

Feldmarschall ßadetzky hatte in der Nacht vom 28. auf 
den 29. den Angriff auf die Osoue-Linie für den 29. in 3 Colonnen 
angeordnet, und zwar: 

f,l, Cohnne: JHoision F. Schwargeuberg (S\ Bataülomt 
1 Eteaänmf 24 Gesehütge) rückt um 6^ früh vom Fori Sdfhre auf 
der Chaussee nach CwrtaUme vor. 

$. Colonne: Division K. SchwarMenberg und Kriefft'Brildlien- 
Egmipagen (4% BaUiüUme, 1 Escadron, 22 Gesi^iUMe) marschiert 
vm 8* früh von der Forta Fraddla auf der Straße nach Montanara vor, 

3. Colonne: Brigade Liechtenstein (6 BakuUone, V« JEscadron, 
6 Gesi^mM) rückt um 9^ firüh von der Foria FradeOa auf der Straße 
gegen Buscoldo vott um die feindliehe Stdlung links eu umgehen. 

Jede Brigade nimmt nur '/» Escadron mit. 

Kesseilwagen bleiben eurHek.'^ 

• 

fr) Bereitetellen der Armee. 

Rest der Armee (23^ 3 Bataillone, 38 '4 Esc-adronen, 101 Ge- 
öciiüize) hat um 11'' vormittags in Marschijereit.scliaft zu treten. 

Brigade Si ml» sehen nimmt bei ( ereso Aufstellung, um die 
etwa vom unteru jWLincio zur L'uterstützung der Toscauer herbei- 
eilenden Modenesen und Freisebaren fernezuhalten. 

c) Verlauf dee Gefechtee ven Curtatene-Moniinara. 

üs war ein Frontal-Angriff mit atarkem, rechtem FlOgel auf 
eine befeettgte Stellnng, verbunden mit einer weit auagreifenden 

Umgehung durch schwache Kräfte. 

Die gegen Curtatone vorgehende Division greift gegen 11*" 
mit 1 Brigade zuerst Curtatone frontal an und umfasst dann nach 
und nach den linken Flügel der dortigen Versehanzungeu durch 
Verlängern und Einschwenken der Gefechts -Front (Brigade 
Benedels), während die andere Brigade, links von der erwähnten. 



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22 



zum frontalen An^rrilY ansetzt. Durch den unifassonden Augrifi' 
um die Bückzugslinie besorgt, räumen die feindlichea Truppen 
endlich um 3** nachmittags ihre Stellung bei Curtatooe und eilen 
in wilder Flacht Aber Le Grazie zorQck, rerfolgt durch 1 Bataillon 
und 1 Escadron. 

Die TStebrigade der 2. Coloone stößt gegen 1 1*^ Tormittags 
auf die feindlieben Vorposten, die schnell hinter die Yerschanzungen 
von Montanara znrfickweichen. Sie greift den Ort in 3 Colonnen 
vergebens an, ualirt iul dir andere iirifrade daliintt r nachfolgt. 

Die linke Colonne rückt mit der llauptkraft über S. Silvestro 
vor und war Iiis Buscoldo trelaii^t. als ihr der Befehl zukommt, 
den Angriff auf Montanara zu uutt rstfitzen, was sie dadurch be- 
wirkt, dass sie die V^orrückung über La Santa gegen den Bücken 
der feindlichen Aufstellung fortsetzt. 

Duroh das Zusammenwirken dieser Colonne mit der Mittel- 
colonne, dann durch den Entschluss Benedeks, der nach dem sieg- 
reichen Gefechte bei Cartatone den Kanonendonner von Montanara 
hdrend, entlang des Osono gegen letzteren Ort vorrflekt, wird der 
Gegner auch hier geworfen, ein Theil wird gefangen genommen, 
der Rest vt-rsprenü-t. 

Die toscanisclit! Division war gegen 4'' naclimiltags so gut 
wie vcrnirhtt't. Ihre \'orluste betniireii liber 3'SOO Mann. 

Die Modonesen und Freischaren vom untern Mincio blieben 
während des Gefechtes unthätig und zogen sich abends über den 
Po zurück. 

<0 Vormarsch und Nächtigung der Armee am 29. Mal. 

Der Ifeldmarschall ließ am 29. mittags die noch in Mantua 
gebliebenen Brigaden, Gavallerie- und Artillerie -Abtheilungen 
gegen Cartatone und Montanara nachmarschieren. Von den im 
Gefecht gestandenen Truppen warde die Division P. Schwarzen- 
berg (rechte* Colonne) nach Kivalta — Castelliicchio. die Division 
K. Scliw arzenberg (Mittelcolonne) nach Le Croselti', dio Brigade 
Liee Ii lenstein (Unke Colonuej über (iabbiaiio nach Ospitaletto 
dirig,ieft. 



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23 



Vom üaeiifolgoiiden Gros der Armee wurde 1 Brigade des 
2. Corps zur Unterstützung des 1. Corps in den Raum halbwegs 
zwischen Bivalta und Castellucchio Torgeschoben, der Best des 
2. Corps nach Gabbiano dirigiert. 

Dem 1. Beserre-Gorps wurde der Baum Le Graeie — GurtatoDe 
sngewieseD. 

Das Detail der Naehtrahestellung der Corps ist der Beilage 4 
zu eotnehmen. 

Während Kadetzky durch den siegreichen Tag von Curtatone 
den ersten Theil seines Operations-Planes glänzend erfüllte, setzte 
auch die Brigade Zobel ihre Vorrttckung auf Cisaiio und Calmasino 
fort, mnsste aber überlegenen Kräften gegenüber zurückweichen, 
und befaud sich am Abende des wieder auf den Höhen von 
Cavi^one. 



Betrachtungen. 

Die aus den Erwägungen flir die Offensive am 29. hervor- 
gegangenen Entschlüsse stimmen mit den thatsäehlichen nicht 
ttberein. 

Wir finden, dass der Angriff auf die toscanische Division 
vom Feldmarsehall detailliert angeordnet wurde. Dies, dann die 
Verfügung, dass die Hauptkraft des 1. Corps gegen die Front 
dirigiert wurde, dann der Befehl, dass das Gros der Armee um 

1 P' vormittags in Marschberoitsehaft zu treten hatte, mag seinen 
Grund vielleicht darin gehabt haben, dass man beim Armee- 
Commando der Ansicht war, der schwache Gegner werde an- 



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24 



gesichts der ganzen kaiserliehen Annoe keinen nennenswerten 
Widerstand leisten. Sollte aljer dennoch ein Widerstand geleistet 
werden, so könnte durch das Vorgehen mit starkem rechten Flügel 
die toseanische Division in westh'cher Bichtung abgedrängt und 
ihr im Vereine mit der Umgehongs-Golonne eine Katastrophe 
bereitet werden. 

Dass die Einwirkung der Ümgehongs-Colonne nicht ab- 
gewartet wurde, hat seinen Grund in dem Thatendurst der FQhrer 
der einzelnen Oolonnen des 1. Corps und in der Kampfeslust der 
Truppen, die beim Zusammentreffen mit dem Gegner sofort zum 
Angritf schritten. 

Das Gefecht selbst zeigt in deutlicher Weise den großen 
Vortheü der Umfassung beim Angriff auf befestigte Punkte und 
gibt ein schönes Beispiel von dem richtigen Erfassen der Situation 
durch den Brigadier Oberst Beuedek, indem er, dem Kanonen- 
donner nachmarschierend, auch an der £nt8cheidung bei Montanara 
mitwirkt. 

Die VorrfickuDg der Armee ist nur bis in die Linie Biralta— 
Ospitaletto erfolgt, was seinen Grund darin haben dQrfte, dass 

das Gefecht erst um 4^ beendet war, dass die durch den Kampf 
ermüdeten Brigadr-n an der Spitze der Arniee-Colonuen belassen 
wurden, und dass auch das Arraee-Commando wahrscheinlich an 
diesem Tage von den Truppen keine grösseren Marschleistungen 
verlangen wollte. 

Wenn auch dadurch das Gefecht nicht vollständig aus- 
gebeutet wurde, so war dennoch der 1. Theil der Operation 
Badetzkjs glanzToll erftkllt; die Österreichische Armee war in 
einer Frontbreite Ton nur 8 km in die rechte Flanke der 
piemontesischen rersetst, hatte deren Überzahl um mehr als 
3000 Mann yerraindert und durch den Sieg tou Gurtatone moralisch 
auch grofien Gewinn erzielt. 



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30. MaL 

]? ortsetzuDg der Offensive. 

Die Situation der Armee in der Nacht vom 2U. auf den 30. 
zeigt die Beilage 4. 

Die am Abend des 29. im Hauptquartier eingelangten 
Nachrichten über die Bewegungen der feindlichen Haaptkräfte 
waren höchst yersohieden und widersprechend; am wahrsehein- 
Hehsten schien, dass Karl Albert seine Haaptmaeht bei Volta 
vereinigt und nur einen Theil der Armee vorgeschoben habe. 

Erwägimgeii im Amee-Hanptqnartier. 

Die üngcwisslieit über die Bewegungen des Gegners erfordern 
vor allem Aufklärung der Verbältnisse hei diesem und einen 
geschlossenen Vormarsch, um bei einem Zusammenstoße mit ganzer 
Kraft auftreten zu können, endlich möglichst frühen Aufbruch, 
um die Piemontesen noch vor Beendigung ihrer Vereinigung mit 
Überlegenheit angreifen ku können, dabei thunlichste Versobleiemng 
der eigenen Maßnahmen. 

Zur Aufklärung des Gegners und zur Verschleierung der 
eigenen Maßuahmeü kann am besten die Cavalierie-Truppen- 
Division verwendet werden. Hiebei kann ihr Gros über ßivalta — 
Bodigo auf Ceresara dirigiert und die Aufklärung des liaumes von 
Goito, Volta bis Oasliglione delle Stiviere übertragen werden. 



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26 



Für die Vorrückimg der 3 Corps stehen 3 durchlaufende 
Marschliaien zur Verfügung: 

a) von Rivaita über Saeea — Goito, 

h) von Castellucehio übtT ScUgineseo— ßodif^o — S. Maria. 
c) von O.spitaletto über Gazzoldo und Solarolo Dach Ceresara. 

Als vorläiiligcs Marschziel für die Armee muss die Linie 
Ceresara — Goito bezeichnet werden. 

Der Aufbruch muss, wie bereits oben erwähnt, möglichst 

früh erfolgen. Berücksichtigt man. dass die Truppen am 29. erst 

spät nachts auf ihre Lagerplätze eiiigetroften waren, so kaua er 
vor ö'^ früh wohl nicht angenommen werden. 

Bei der Wahl der Aufbruchstunde muss ferner berOcksichtigt 
werden, dass es mit Backsieht auf die beiderseitige Situation am 
entsprechendsten ist, wenn die Ooionnen mehr im Staffelverbältnis 
mit Torgeschobenem linken FlOgel Torracken. Beehnet man die 

Aufbruchstunde des Reserve-Corps, dem die östliche Marschlinie 

zugewiesen werden kaiiii, von Le Grazie mit früh, so muss 
das 1. Cor[»s vmi Castellucehio um 5^' oO^ das 2. Corps von 
Ospitali'tto Spatestens um 5'' früh aufbrechen. Um die.>e Zeit 
muss auch die Cavailerie im Vorgehen vor der Armeefront be- 
griffen sein, daher um früh Bivalta passieren. 

Belastung der Marschlinien: Je ein Corps auf jeder Linie 
überdies beim 1. Reserve- und 1. Corps die Artillerie-Beserve 
und bei jedem Corps ein Brfiekentrain. 

Da au der iMarschlinie des Reserve-Corps aber je eine 
Brigade des 1. und 2. Corps sich befinden, so könnte die Brigade 
des 1. Corps in der Richtung auf Sarginesco zum Corps heran- 
gezogen werden, während die Brigade des 2. Corps dem Reserve- 
Corps-Commando unterstellt werden könnte. 

Hiedarch würden vorrücken als rechte Oolonne. 13.400, als 

mittlere ir).000, als linke 12.50U Maua Infanterie und die 3500 
Reiter starke Cavallerie-Truppeu-Division, als dieser Oolonne vor- 
geschoben. 



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27 



Mögliclie Änordnimgen fbr die YorrfLckimg 

am 3U. Mai. 

An die 3 Corps uud die Gavallerie-Truppea-DiTision konnte 
am 29. abends etwa folgender Befehl ergehen: 

,,'N'ach dem Siege von Curtatonc sHzt die Armee die Oß'ensire 
gegen die picmontesische Armee fort, die wahrscheinlich mit dem 
Gros bei Volta, mit einer vorgeschobenen Gru^>pe bei Goito sich be- 
finden dürfte. 

Hiegu ordne ich an: 

CavcMerie-Truppm'Bivi^tm räckt um 5* früh von BivaUa 
über Modiffo auf Ceresara vor, JäM im Saume GoOo — YoUa — 
CasUglhne deUe S^ievere auf Es ist in Erfahrung gu hringen, wo 
^ch die gegnerische Hauptkraß befindei, hegiehungmeeise ob und in 
ißddier Biehtung sie in Bewegung ist. 

1. JxPserve-Corps (3 Infanterie-Ii rinatitn) — dem die Brigade 
Gyuluy unterstellt tvird — rückt um 0'' früh von Lc Grazie über 
Sacca auf Goito vor. 

J> Corps r&ekt um 30^ früh von CasteUuechio ilber Sar- 
gineseo — Bodigo — 8, Maria in die Gegend westiU^ von Qoito. 

Die Brigade Ben^Uk iait in der Biehtung auf Sargineaio her- 
aneujüiehen. 

2. Corps — e.rchc^irr der Brigade Gyuhvj — ■ rückt um '>'' früh 
von OspitaJetto über Gazzoldo und Solarohf nach Ccresara vor und 
klärt in der linken Flanke bis an den Chiese auf. 

Das Armee-Commando ist bis 7^ frOh in BivaHtaj dann in 
Bodigo." 

Mögliclie Sitaation um 8^ Mh. 

Cavallerie-Tnippea-Division seit 7'* früh bei Ceresara mit 
Nachi'iehteü - Detachements und -Patrouiilea hart ain Feinde, 
Besenre-Corps bei Sacca, in mehreren Golonnen gegliedert. 



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28 



1. Corps orreicht den Scoio Caldone bei S. Maria. 

2. Corps bei Solarolo. 
Armee-Commando iu Bodigo. 



Tliatsäcliliclie Verfügungen für den 30. Mai. 
Ereipisse an diesem Tage. 

Für die \'orriU*kung am 30. wurde seitens des Armee- 
Commandos verfügt: 

„ 1. und Meaerve-Corps rfidten nach Goiio vor, 

2. Corps maraehiert «ac% CeresarOt von wo durch die CavaMerie 
Machric^ten Über die feindlichen Bewegungen eu gewinnen sind. 

Formterung jntm Vormare^ um 8* 1, Corps hat steft 
vorerst in jRmdta eu vereinigen, die Brigade Benedek sodann^ durch 
4 Eseadronen JBusaren und die Corps-ChschütM-Beserve verstärkt, 
die Vorrüekung Über Sacca jm beginnen. 

2. Corps halt sich in CasteUucchio jtu samnidn und dann Über 
Bodigo vorgumarachieren. 

1. Beserve-Corps hai sich in Bivatta m$ vereinigen. 

Bas Ämtee'Conmando gdangt nach Bivalta. 

Zwischen den Corps ist strenge Verbindung jbu halten und mit 
äußerster Vorsicht xu marsx^ieren.'* 

Demgemäß setzten sich die Brigaden am 30. um 8** frtth 
von ihren Lagerplätzen in Bewegung, um in BivaHa und Oastel- 

luecliio die Marschcolonnen zu formieren. Diese Colounenbildung: 
iialiiii mehrere Stunden in Anspnich, so dass die Brigade Benedek 
erst um 12'' mittags den bcolo Caldone bei Seite Frati überschritt. 



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29 



Bas R< >;erve-Corps bewirkte seine Vereinigung erst nach- 
mittags bei Kiv^alta. 

Vom 2. Corps, das in 2 Divisions-CJolonnen vorrückte, traf 
die Spitze der rechten Colonne um 1** nachmittags in Bodigo ein, 
während die uukre Division im Staffelverhältoisse Ober Gazzoldo 
nachfolgte. 

Als der Commandant des 1. Corps aach l*" nachmittags er- 
fahr, dass das 8. Corps Bodigo erreicht habe, ordnete er die Vor- 
rflckimg auf Goito an. 

Um 2'' nachmittiigs stießen die Husaren Bunedeks auf 
gegnerische Cavallerie. Bald nachher erfillirt der Coinmandant des 
1. Corps die beiläufige Aufstellung der gegnerischen circa 10 bis 
12 Bataillone starken Kräfte in der Linie Tezze—Segrada— Goito, 
worauf das Corps zum Angriff übergieng. 

•Der Kampf währte ron 3*^ nachmittags bis 7^ abends. Der 
Corps-Commandant hatte bisher gehofft, das Gefecht bis zam 
Eingreifen des 2. Corps halten zn können, umsomehr, als auch 
das Beserve-Corps als unmittelbare TerstäriniDg heranrückte. Als 
aber beim Einbrechen der Dunkelheit das Erseheinen des 2. Corps 
nicht mehr in Aussicht stand, ordnete der Corps-Commandant das 
Abbrechen des Gefeclites an, das unbelästigt vom Gegner erfolgte. 

Das Reserve-Corps war um naehniiltags auf die Meldung 
des 1. Corps über die Anwesenheit sriirkerer feindlicher Kräfte 
bei Güito vom Armee-Commaudo zur Vorsendung je einer Brigade 
über Sacca und La Motta— Caigole beauftragt worden. Diese 
beiden Brigaden kamen aber infolge von Missrerständnissen erst 
gegen abends beim 1. Corps an. 

Der Best des Beserre-Corps Terbh'eb in Bivalta. 

Das 2. Corps langte mit der rechten Colonne, bei der sich 
- der Corps-Cbmmandant befand, ohne sich durch den Kanonen- 
donner beirren zu lassen, um 4^ 30' nachmittags in Ceresara an. 

Die linke Colonne, die beim Passieren von (lazzoldo den 
b^innenden Geschützkampf bei Goito vernahm, riu ktc bis Ca dell 
Gallo weiter, blieb dort gegen 5^ stehen, stellte Vorposten auf 
und meldete dies dem Corps-Gommando. Dieses befahl, sich in 



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30 



engste Vtrhindiing mit den kämpfenden Truppen zu setzen. 
Doch der Abend war angebrochen und das üelecht beendet; die 
Division blieb daher stehen. 

Situation der Armee um 4*' 30^ naebmittags siebe Beilage 5. 

Der Commandant des 2. Corps, in der Meinung, das gegne- 
rische Gros stehe bei Volta, hielt sieh nicht berechtigt, von 
Oeresara gegen Goito vorzubrechen, machte dem Armee-Gomman- 
danten die Meldung, dass seine sehr ermüdeten Truppen der 
Bnhe bedfirfen. Sein an diesem Tage besonders heftig auftretendes 
Podagra ließ seinen üntcrnehmungsgoist nicht aufkommen. 

Alle im Laufe des Tages an das Armee-Commando gericlitete 
.Meldungen trai» n zu spät ein, um danach auf den Gang des 
Gefeebte.s einen Einlluss üben zu k<»niieii. 

1 m b'' abends war die Situation der Armee folgende: 

2 Brigaden des ßeserve-Corps im Vorposten-Dienste hart 
am Feind bei 8. Maria, beziehungsweise Cagliaria, dahinter das 
1. Corps im Baume Sacca, 8ette Frati. Vom 2. Corps eine Divi- 
sion bei Ca dell Gallo, Best bei Ceresara. 

Gros des Beserve-Corps (1 Infanterie-Brigade und die Ca- 
vallerie-DiTision bei Biralta; daselbst auch das Armee-Commando). 
Details enthält die Beilage 4. 



Betraclitimgen. 

Die Verfügungen des Feldmarschalls zeigen den festen Ent- 

sehluss des Feldherrn, im gesehlossenen Echiquier den Vormarsch 
um 8'' früh in 2 Cülüuneu anzuLreten. Dass er nur in ganz mangei- 



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31 



hafter Weise zur Durchführung kam, zeiort, wie schwerfällig der 
ganze Apparat des Befehlgebeiis und die ('ulonnenbilduug- war, 
wodurcli die Truppen den Abraarscli so s]Ȋt Ix'wirkten. Vielleicht 
hätte ein Befehl im Sinne der angenomni* m n J)isposition den 
Colonnen-Comraandanten ihre Aufgabe erleichtert und dailurch er- 
möglicht, dass die Armee geschiossen in den ersten Nachmittags- 
stunden an den Feind gekommen wäre. 

Die £reigQis8e am 30. bieten noch eine Menge lehrreicher 
Momente, die zu erwähnen gewiss von grofiem Interesse ist. 

War man aber die 8itaation beim Gegner nieht im klaren, 
dann musste der Feind aufgeklärt werden, hiezu hätte, nach den 
heutigen Ansichten, die Oavallerie-Division, die am 29. ohnedies 
keine Leistung liinter sich Latte, verwendet werden kömi( n, was 
aber nicht geschah, da sie zu jener Zeit vor allein Schlachten- 
waffe war. 

Auch das Nichtverwenden der Colonnen-Cavallerie zeigt uns, 
welchen Nachtheil dies fftr die Ereignisse an diesem Tn^e hatte. 
Wäre die Cavallerie, namentlich vom 2. Corps, zum Verbinilungs- 
Meldedienst, zur Aufklärung vor der Front und in den Flanken 
verwendet worden, so hätte sie gewiss nicht nur den einzelnen 
Golonnen, sondern auch der Armee ganz bedeutenden Nutzen 
geleistet, ja, man kann mit Bestimmtheit sagen, der Armee einen 
glänzenden Sieg verschafft. Dnrch entsprechende Verwendung 
im Sieh('ruii«i-s-r)ieiiste hätte der ^larsch der Infanterie lliel^end 
erfolgen könm-n. uljiie die Triipjien zu ermüden. Als Vrrhindung 
hätte die Cavallerie des 2. Corps iiiren ( ounnandanten rcclit/'.eitig 
über die Situation beim 1. Corps verständigen können, durch 
Aufklärung der Verhältnisse beim Gegner — wie dies die Armee- 
Disposition ausdrücklich verlangte — hätte das 2. .Corps über die 
Kräfte bei Goito, beziehungsweise bei Volta, rechtzeitig orientiert 
sein können und dementsprechend dann gewiss den Angriff ttber 
Gerlungo durchgeführt Hätte die Division Wimpffen, als sie 
beim Passleren von Gazzaldo den Kanonendonner bei Goito ver- 
nahm, durch Cavallerie sich über die Verhältnisse sofort orientiert, 
so wäre sie kaum bei Ca deil Gallo unthätig stehen geblieben. 



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32 



Aus dem Verhalten der einzelnen Colonnen — Gros des 
2. Corps, dann Division VVimpffen — ersehen wir weiter, wie 
nothwendig es ist, nicht nur Verbindung zwischen den einzelnen 
Colonnen zu halten, sondern auch, wie wichtig es ist, stets iu 
Kenntnis über die Verhältnisse bei den Nachbar-CTolonnen zu sein. 
Es hätte sich daher als vortheilhaft erwiesen, einen Offieier des 
Stabes mit Meldereitern bei diesen Colonnen marschieren au lassen. 

Aiieh die Verbindung der Corps mit dem Armee-Com- 
mandanten hat an diesem Tagß versagt, da die wenige Meldoogen 
derart spftt beim Feldmarschall eintrafen, dass dieser keinen 
Einfluss mehr auf das Gefecht ausüben konnte (Ordonnanz-Carse, 
Feld-Telfgraphenleilung"). 

Das Verhalten einzelner Colonnen während des Gelecliles 
des I.Corps war — im Gegensatze zu jenem des Obersten Henedek 
bei Ciiilatone — nicht entsprechend. VVederdie Division Wimpffen. 
noch das Gros des 2. Corps, die Keaatais tlber ein Gefecht des 
1. Corps besaßen, haben die Ursache, beziehungsweise die Gefeehts- 
lage schleunigst erforscht und ihren Standpunkt sowie ihre Ter- 
feigbare Kraft dem 1. Corps mittheilen lassen. Sie versftnmten e», 
durch ihr Hineilen auf das Gefechtsfeld am 30. fOr die Armee 
einen glänzenden Sieg zu erringen. 

Wenn schon d'Aspre starr an seiner Ansicht festhielt, dass 
die Ilaiiptkraft des Gegners bei Volta sich befinde, und es daher 
für zwt'ckeiit.spreclii'iKl fand, bei Ceresara zu verbleilten, so kann 
der Cülonnt; Wimpffen doch nicht der Vorwurf erspart bleiben, 
dass sie den gröbsten Fehler begieng, indem sie unthätig blieb. 

Trotz des ungünstigen Ausganges dieses Gefechtes ist die 
Situation der Armee am 30. abends günstig, denn 28.000 Öster- 
reicher befinden sich auf 74 Quadiatmeile zunächst Goito, 
8000 Mann unter d'Aspre stehen in der rechten Flanke der 
Plemoutesen und 9000 Mann als Armee-Beserve bei Biralta, nur 
7 km hinter dem Gefeehtsfelde. 



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31. Mai. 

Erwägimgeu und Anordnungeji fttr deu 31. Mai. 

Das Gefecht von Goito Ii; t ^lezeigi, dass sicli dem 1. Corps 
geo'enüber starke Krül'te lieliiult ii, die zwar gegen die eigene 
Arnit'e no'-li kfiiic erl'olgreiclie UÜ'eiisive unlfriielimen konnten, 
die aber immerhin das 1. Corps zurückgedrängt haben und in 
der nächsten Zeit gewiss weiteren Kräftezuwaehs erhalten können. 

Diese Situation heim Gegner, dann der Zweck der begonnenen 
Offensive von Mincio aufwärts drfingen za dem Entschlüsse, am 
1. Jnni den Gegner bei Goito anzugreifen. 

Die beiden im Yorpostendienste stehenden Brigaden sind 
hart am Gegner, der seinen rechten Fillgel bis nach 8. Groce 
an der Strafie Goito — Gazzoldo vorgeschoben hat. Das 1. Corps 
ist hinter der Vorpostenbrigade bei C. Pranchin eng beisammen, 
nahe am Gegner: das 2. Corps hingegen nächtigt in zwei etwa 
(J km voneinander getrennten J)ivisions-Gruppen, von denen jene 
in Ceresara 6 Jon von S. Maria ( Gegend der 2. ^'orp(Jsten-lirig•ade ) 
entfernt ist; vom Eeserve-Corps ist das Gros noch 7 km hinter 
dem rechten Flügel. 

Die Armee ist daher noch nieht in einem Echiquier voll- 
kommen vereinigt ftir die am 31. anzustrebende Schlacht bei Goito. 
üm diese enge Vereinigung zu erreichen, erseheint es am zweck- 
entsprechendsten, das 2. Corps mit dem Gros an die rechte Corps- 
Gruppe — etwa naeh S. Maria — heranzuziehen, wodurch auch 
dieses Corps in sich enge vereinigt wird und in eine günstige 
Situation für den boabsichtigteu Augriff gelangt. 

LUtgeudorf, Otfeuatv-Operatiuo. 3 



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34 



Diese Verciiiig^ung in einem Eehiqiiier i^t aber hier nicht 
unbedingt nöthig. Das Gros des 2. Corps befindet sich dermalen 
in einer ätißerst günstigen Lage gegenüber den gegnerischen 
Kräften bei Goito. Wird das 2. Corps bei Ceresara concentriert 
und rOekt es zum Angriff gegen Goito ror, so erfolgt der An- 
marsch in getrennten Gruppen, die Vereinigung wird erst 
im Kampfe gesucht, eine zu dichte Massierung der Truppen wird 
vermieden; das 2. Corps gelangt direct gegen die Flanke des 
Geyers. 

Als Nachthoil aber zeigt sich, dass es nicht pinz zu- 
verlässig ist, dass das '2. Corps rechtzeitig auf dem SchlachUelde 
eintrifft, und dass es den gegnerischen Kräi'teu bei Goito die 
Flanke bietet. 

Hat der Armee-Gommandant auch das Geitihl, dass es hesser 
wäre, den am 30. unthstig gebliebenen Corps- Commandanteu näher, 

im engen Anschlüsse zu haben, so wird es entsprechender sein, 
die Armee vorerst in ein Echit^uier zu vereinigen. 

Das Armee- Coramando muss sich auch eine Schlachten- 
Beserve ausscheiden. Uiezu steht nur das Gros des £eser?e-Corps 
in Bivalta zur TerfQgung. Unter diesen verftigbaren Kräften be- 
findet sich 1 CaTallerie-Truppen-Divtsion. Es fragt sich nun, ob 
es nicht zweckdienlicher wäre, diese Gavallerie-Masse in einer 
anderen Weise zu verwenden. 

Da das Heranrücken gefrnerischer Verstärkungen von Vulta 
her möglich, die Verhältnisse iiber den Gegner am oO. noch nicht 
geklärt sind, ülierdies bei einem Angriffe auf Goito die linke 
Flanke des 2. Corps nicht gedeckt ist, so dürfte es von ungleich 
größerem Vortheile sein, die CaTallerie-Truppen-Diyision auf dem 
linken Flttgel zu verwenden, um die Flanke zu decken und die 
Aufklärung in nördlicher und nordöstlicher Richtong zu besorgen, 
als sie im Beserve- Verhältnis zurOckzulassen. Man erreicht biedureh 
auch, dass die Oavallerie-Division bei einem giflckliehen Ausgange 
des (Tefechtes sofort unter den günstigen Verhältnissen verwendet 
werden kann. 



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35 



Da aber bei dieser Verwendungsart als Armee -Reserve 
nur 1 Infanterie^Brigade erübrigen würde, ein ZurüeknehmeQ der 
im VorpoBtendienato steheoden Brigadeo unthunlieh ersdieint, so 
dttrile es am zweekmiBigsten sein, eine der bei Ck dell Gallo 
stehenden Brigaden des 2. Corps zur Armee*Be8enre za. verwenden, 
dagegen die Yorposten-Brigade bei S. Maria dem 2. Gorps-Gommando 
zu unterstellen. 

Als ßaum für diese Reserve scheint die Genend von la Motta- 
Fossato am besten geeijrnet, denn sie ist (i;inn aul" dem inneren 
Flügel des 2. Corps Ijereit, rasch in einer oder der anderen 
Richtung in Verwendung zu treten, namentlieli günstig auf- 
gestellt, wenn der üegner bei dem umfassenden Angriff der 
Armee einen Gegenstoß gegen die Frontgruppe (1 Corps) ausftihrt. 

Aus diesen Erwägungen ergibt sich far den Fall, dass der 
Armeo-Gommandant die engeConeentrierung vor derSehlaeht 
beabsichtigt, folgende nur im wesentlichsten angeführte 

Arai0e-Bifpaiitiaii: 

„Starke feindlicJie Kräfte stehen im Baume S. Croce, C. Fran- 

dnn — Goito. 

Die Armee hat die Vorposten hart am Gegner, und ewar je 
eine Brinndo des Moser ve-Corj^ bei C. Franchin und S. Maria und 
steht mit dem 1. Corps bei und südlich von Sacca, mit je einer 
Division des 2. Corps bei Ceresara und Ca dell GnUlOt der Best 
nächtigt um BiwUta. 

Morgen Angriff auf dm Gegner hei Goitol 

Eiesu haben um 9^ früh bereiUuskihe»: 

1. Corps, dem die Brigade hei C. FranM^ «niertItdU vtird, 
ff» Bmme swis^en Seeio CaXdone und dem Mmeio nut dem Gros 
in der Höhe wn Sacca. 

2. Corps niit den 3 Brigaden hinter der V<n podcn-Brigade 
bei S. Maria, die dem Corps-Commo/tdo u/itemtcllt u ird. 

Armee-lteserve unter Commando FML. WoeJ/er, 1 Brigade der 
bei Ca dell Gallo hcßndlichen Division und die Infanterie'Brigade 
aus Bivalta bei La Motta. 

3* 



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CavnlrrU-Truppen-Dirision hat über liodigo, Ca ddl Gallo 
um 9'* bei Ceresara mit dem Gros ei)'T^rf)effenf in der liichtung 
über Ctrlun^o und ins Ililffcllnnd von Volta nufTuhh'iren. überdies 
während des Än<jriffe8 der Armee die linke Flanke zu decken. 

Das Ärmee-Commando ist von Ö* frikh in FossatoJ' 



fiadetzkys Yerfagungen für deu 31. Mai 

Tormittags. 

Der Ausgaug des (iefechtes von Goito veranlasste dea Feld- 
inarsrliall Torerst, in der Nacht zum 131. den Befelil zur engeren 
Vereinigaog der 3 Corps zu ertheiien, infolgedessen dieselben am 
31. mittags nachstehende Aufstellungen zu erreichen hatten. 

ftl. Corps. Hauptgumiier Hivälta. Division K. Schwarjtenberg 
Sacea, Division Wohlgemuth (statt F. Schtpargehberg) Seite Frati. 

1. Beserve-Corps, Hauptquartier BivaUa, Brigade Maurer: 
bei C. Franehin mit Vorposten vom Mincio bis mm Scolo Caldone 
Brigade Bath: La Motta, Brigade Schulgig: Bivalta, CavaUerie- 
Division: Fossato, 

Corps. Hauptquartier Caigolo, Division Sdiaaffgotsc^e be 
8. Maria am Scolo CaUonCf Division Wimpffen am Scolo GorgcHina 
vor Cä deU GaUo. 

Ärmee-Commando bleibt in BivaUa. 

Der Feldmarschall beabsichtigte, mit diesen Kraltcii am VA. 
den PieiiHM;tesen eine Schlacht itei Goito zu bieten. Ein am 31. 
vorm in ans eingetretenes heftiges Kegenwetter hinderte jedoch die 
Ausführung, da bald alle Wege so aufgeweicht wareu, dass weder 



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37 



Greschütze fortkommen, noch überhaupt grössere Truppenmassen 
bewegt werden konnten. Um aber Nachrichten über die Truppen- 
bewegungen und Absichten des Gegners m erlangen, und um 
letztere für ihre Verbindungslinien besorgt zu machen, entsendete 
der Feldmarsehall am 31. noch IStreifcommanden, und zwar 
eines in der Stärke von 4 Escadrouen nnd 2 Jäger-Compagnien 
in westlieher Richtung nach Ceresara, von wo in die Gegend von 
Guidizzolo, Medole und Castelgoflfredo zu patrouillieren war, ein 
2. Streifcommando nach Ospitaletto, das ttber Gazzoldo, Marearia, 
Bozzolo zu streifen hatte. 



Betrachtungen. 

ßadetzkv coneentriert 43.000 Mann auf engem Baum. 9 In- 
fanterie-Brigaden werden in einer Front Ton etwa 2 hm zum 
Angriffe massiert, während 3 GaTallerie- und 1 Infanterie-Brigade 
im Reserve -Verhältnis zorQckgehalten werden. 

Die Lage der Armee ist dadurch sehr günstig. Sie bedroht 
die piemontesische Hauptverbindungs-Linie und hat bei einem 
ungünstigen Ausgiuiii-e der Schlacht auf einen Tagmarsch die 
Osone-Linie und die Festung Mantua hinter sich. 

Ein charakteristischer rnterschii *! /wischen der suiniuiiicrten 
und der thatsächlichen Bereitstellung Ijesteht in der Verwendung 
der Cavallerie-Division. Dass sie bei der Armee-Reserve eingetheilt 
wurde, ist ganz erklärlich. Sie war damals noch eine Schlaehtenwalfe 
par exeellenee. Eine Verwendung im Aufklärungsdienste, wie mau 
ihn heute von der Oavallerie verlangt, gab es zu jener Zeit noch 



nicht. Wie in»thwpn(lig Radetiky es erachtete, sich Klarheit über 
die gegnerisehen Verhältnisae zu Tersehafifen, zeigt die fiotaendung 
ron Streitcommaodeii am 31. nachmittags. 

Dass die Armee-Reserve getheilt war, dttrfte darin seine 
Erklärung finden, dass der Feldmarseball 1 Brigade zur unmittel- 
baren UnterstQtznng des am 30. im harten Kampfe gestandenen 
1. Corps, auf der kürzesten Linie Ooito — ^liintua haben wolhe und 
anderseits die 4 Brigaden als ßeserve bei La Motla— Fossato stark 
genn^^ erachtete. 

AuUaliend erseheint nur, dass erst bis mittags die Gruppierung 
angenommen sein musste, was aber darin seinen Grund gehabt 
haben durfte, dass es Gebrauch war, erst nach dem Abkochen 
aufzubrechen und die Coneentrierung f&r das 2. Corps ohnedies 
einen frQhen Aufbruch erheischte. 



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1. und 2. JunL 



Situation der Armee am 1. Juni. 

Da am 1. Juni der Begen fortdauerte, blieben beide Armeen 
im allgemeinen in ihren Aufstellungen. 

Die von deu Streifcuimiiandon im österreicliischen Haupt- 
quartier einlaugeudoii Nachrichten giengen dahin, dass die 
Piemontesen Glitte Mai eine längs des Po und über Asola 
marschierte Verstärkung von 10.000 Mann und 22 Geschützen 
an sich gezogen h&tten, dass am 1. über Guidizzolo einige 
piemontesisebe Bataillone, ebenso wie die Beste der toseanlschen 
Division gegen den Gbiese zurOekgegaogen seien, dass endlich 
in Medole Abtheilungen von piemontesischer Cavallerie stünden, 
OastigHone delle Stiviere aber noch unbesetzt sei. 

Ferner wurde in Erfaliiiing geliraclit, dass pic-niontesisehe 
Cavallerienias.seii nach Ceriungo vorgeschoben, einige Fußtruppen 
aber auf den üöhen westlich von Volta in Bewegung gesetzt 
worden waren. 

Am untern Chiese und bei Ganetto wurden st&rkere piemon- 
tesisehe Abtheilungen gesehen. Diese Meldungen stimmten mit 
den Knndsehaftsnachriehten im allgemeinen Oberein, so dass die 

piemontesische Armee auf 60.000 Mann geschätzt werden konnte, 

wovon etwa 10 — 15.000 ^lann bei Goito aufgestellt gedacht wurden. 

Aus Pesehiera fehlte jedwede Nachricht. Wohl aber waren 
Mittheilungen über die in Wien und in den meisten Theilen des 
Kaiserstaates drohende Bevolution eingelangt. 



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40 



Beurtlieilung der Situatiou und Erwägungen 
im Armee-Hauptquartier für den 2. Juni. 

Die 43.000 Mann starke Armee steht im engen Baume bei 
Getto Tereinigt, während etwa 60.000 Plemontesen mit der Hanpt- 
kraft wahiseheinlich um Volta, mit circa 10—15.000 Mann um 
Goito sich befinden darften. Mit BOcksieht auf die politische Lage 
im Innern des Kaiserstaates kann auf keine, oder doch nur auf sehr 
gerinjüre weitere Verstärkungen gerechnet werden, was zu großer 
Vorsiciit bei den eigenen Unternehmungen mahnt. 

Da die Nachrichten über den Gegner nicht so verlässiich 
waren, um einen klaren Einblick in die gegnerische Gruppierung 
erlangt zu haben, anderseits aber dies bei dem ungleichen Stärke- 
verhältnis sehr erwünscht ist, so muss angestrebt werden, dies 
durch eine scharfe Erkundung seitens stärkerer Kr&fte zu er- 
reichen. Als zweckentsprechendste Biehtung erscheint jene auf 
Ceriuuiio, da dieser liuuiji halbwegs zwischen Volta und Goito liegt. 

Zu diesem Erkunden können bei der Anwesenheit starker 
feindlicher Kräfte und dem sehr durchschnittenen, bedeckten 
Terrain auch nur wieder starke Kräfte rerwendet werden. Hiezu 
eignet sich am besten das 2. Corps, als das diesem Baume zu> 
nächst befindliche, und das überdies von einem energischen, bei 
selbständigen Aufgaben sehr unternehmungslustigen, kriegserfahre- 
nen Gorps-Oommandanten befehligt wird. 

Wird min dieses Corps hiezu verwendet, so ist es n(>thig, 
auch die anderen Truppen der Armee theiiweise zu verschieben, 
um eine gesicherte Verbindung mit diesem Corps herzustellen. 

Diese Verschiebung könnte am 2. etwa zu folgender Grup- 
pierung fähren: 

„1. Coiji^ im Jiaionc Sacca — S. Maria. 

Ileserre-CoriJS mit 2 Infantcric-Briffadcn uml (Irr Carallrrie- 
Truppen-Bi Vision im Itnume Caigole—Cä ddl Gailo, mit 1 Infm- 
ierie-Brigade bei Seite Frati. 



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41 

2. Corps je nach dm Wegverhältnissen (lang andauernder 
Regen) der fciwllkhcn Gegemrirlung, beetehungstveise Erlangung 
der entsprechenden Daten bei Cerlungo oder westlich davon bis in 
die Gegend von Ceresara,*^ 



Thatsächliche Ereignisse am 1. und 2. Juni. 

Kadetzky besehloss, einem erneuerten Aogrifife gegen Goito 
am 2., sobald der Regen anfhört nnd dadurch überhaupt größere 
Bewegungen ermöglicht sein wftrden, eine scharfe Becognoscierung 
nach Gerlungo vorhergehen zu lassen, um sich der feindlichen 
EraflveTtheilung noch mehr zu vergewissem. Er Obertrug diese 
Aufgabe dem 2. Corps, verständigte davon die Streif-Commanden, 
welche ihre Aufgabe fortzusetzen hiiik'u und entsendete noch ein 
solches Coramandü von 2 Eseadronen nach Puibaga. 

Vom 2. (\)V\)s wurde 1 Division, verstärkt durch 2 Eseadronen. 
zur Yorrückung nach Cerlungo bestimmt; die übrigen Truppen 
des Corps hatten als Reserve zu folgen. 

Dieses Corps rückte am 2, mittags von Caigolo längs des 
Scolo Birbes vor; die Wege waren aber noch so durchweicht, 
dass trütz der größten Anstrengungen erst um Mittemacht Yasto 
erreicht wurde und der weitere Yormarsch erst für den folgenden 
Tag in Aussicht genommen werden musste. 

In der Nacht zum 3. hatte die Armee folgende Aufstelluug: 

A n n e c - H a u p t q u a r t i e r : K i v a It a . 

1. Corps: t'orps-Hauptquartier und 1 Division bei Sacca» 
die andere bei C'aigoie und S. Maria. 



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43 



2. Corps: Gros in Po^seuta, östlich von Ceiesara, 1 Division 
in Vasto di sotto und Palazzotto. 

R e s 0 r ve-Co r p s : Corps-Hauptquartier and Ca?allerie-Division 
Ck dell Gallo, 2 Infanterie- Brigaden bei Gaigole, 1 In&nterie- 
Brigade bei Seite Frati. 

Streif-Gomroanden in Ceresara, Piubaga nnd Ospitaletto. 



Betraclitungen. 

Da das Regenwetter die Bewegungen gnißerer Ueeresmassen 
unthunlieh iiiaciite, so versäumte Ihuletzky iiielit, eiin; größere 
Anzahl Streif-Coranianden gegen Westen zu entsenden, welche 
manche Aufklärung verschafften, anderseits ernstlieh die piemontesi- 
schen Verbindungslinien bedrohten, die Lombarden schreckten, 
die piemontesische HeerführuDg ängstigten und theilweise zu 
fiilsehen Maßregeln verleiteten. 

Die übrigen Betrachtungen decken sich mit den froheren. 



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3. JnnL 



Situaüou am 3. Jani. 

Im Laufe dieses Tages trafen Nachrichten aus Wien ein 
über den am 25. Mai daselbst erfolgten gewaltsamen Sturz der 
Begieriing und über die drohende, gänzliche Züf^ellosigkeit, welclie 
voraussichtlich die Armee beinahe alhr Hilfsquellen aus dem 
Innern der Monarchie beraubte und die größte Vorsicht gebot, 
da die Armee ihrem Kaiser viellpicht für einen höhern Biaats- 
zweek als für die BQgenbliekiiche Wiedererobenmg der Lombardei 
erhalten werden rnnsste. 

Ein Parlamentär fiberbraehte die Meldung Baths Aber die 
am 30. Mai erfolgte Übergabe von Pesehiera. 

Beartheilang der Situation nnd EiwäguDgen 
im Annee-Uauptqnartier am 3. Juni. 

Der Hauptgrund für die bisherige OfTensive, Entsatz TOn 
Pesehiera, ist entfaiieu, eine Fortsetzuog der Ofifensixe gegen den 
zahlreicheren Gegner unter dem Eindrueke der schwierigsten 
politischen Verhftltnisse erseheint zn gefthrlieh, daher ist es am 
zweekmftfiigsten, in die Defensive überzugehen und hiezn an den 
Abschniti* am Osone znrQcIczngehen, daselbst die Stellang zu be- 
festigen und erst bei einer gflnstigeren Gestaltung der Verhältnisse 
wieder in dii' OffHiisive überzugehen. 

Als Vorlit'rpitiHig dieses Rückzuges wird es am bebten sein, 
die dem Gegner bei Goito unmittelbar gegeuüberbeüüdiiche Gruppe, 



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— 1. Corps und die Brigade des Keserve-Corps bei Sötte Frati — 
vorerst stehen zu lassen, während die übrigen Theile noeh im 
Laufe des Nachmittags zurOck zu beordern wären, und zwar Ghros 
des Beserve-Gorps nach Sargineseo, 2. Corps nach Bodigo; über- 
dies müssen die Streif-Gommanden (mit Ausnahme jenes hei 
Ospitaletto) eingezogen werden. 

Kacliricliten über den Gegner am 3. Juui 

nachmittags. 

Von den Sti-eif-( 'oninianden liefen die (fulsi-hen) Nueliiicliten 
ein, dass dio Piemontesen in den letzten Tagten betrUehtliehe 
Verstärkungen erhalten hätten. Alarmierende Berichte aus Verona 
und Siidtirul langten ein, denen znfnig.' der Brigade Zobel bei 
Bivoii ein übermäehtiger Angriff drohte, daher die Aufrecht- 
erhaltung der Verbindung Veronas mit Tirol von der Brigade 
nicht mehr bewirkt werden konnte, sondern der Garnison Veronas 
überlassen werden mflsste, welch letztere aber selbst kaum genügend 
Truppen besaß, um ihren Aufgaben als Defensivbesatzung oach- 
zukoramen. Die Lebensmittel für die Armee waren in Verona 
am i). so vermindert, dass ohne Zusehub aus Tirol oder ohne 
Erweiterung des Ketiuisitions-Bereiches trotz aller Thätigkeit der 
Intendanz der Bedarf füi* die Armee nur mehr auf fünf Tage ge- 
deckt war. 

Eütscliluss im Armee-IIaupttiuartier. 

Am 3. abends wurde in Erwägung aller erwähnten Gründe 
und weil die Operationen auf dem rechten Mineio-Üfer keine 
entscheidenden Erfolge versprachen, der Entsehluss gefasst, gegen 
die feindlichen Kräfte im Venetianischen umzukehren, diese mög- 
lichst zu zerstäuben, die reiche Provinz Viceiiza zu unterwerfeu, 
dann die Verbindungen einerseits mit Tirol dureh die Val Arsa, 
anderseits mit dem 2. Beserve-Corps in der venetianischen Ebene 



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zu cröflnen und hierauf schnell wieder in die Festungsgruppe 
zurückzultelireu, um erst nach gröI3erem Kräftezuwachse den ent- 
scheidenden Stoß gegen die feindliche Hauptarmee zu führen. 



Badetzky flihrt diesen Eatschluss, gesttttzt aaf die weise 
BenützoDg der Vortheile der drei festen Plätze Mantua, Legnago, 
Verona, mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit dnreh, 
greift den Gegner mit solcher Entschiedenheit am 10. Juni bei 

Vicenza an, dass dieser innerhalb 24 Stunden eine Übereinkunft 
mit dem Fcldiiiarschall abschließt, wodurch die Kevolutions- 
Streitkräfte um 18.0ÜÜ Manu vermindert, der reiche Landstrich 
der rechtmäßigen Regieruug unterwürfen und die gesicherte Ver- 
bindung mit den rückwärtigen Provinzen dem kaiserlichen Ueere 
eröffnet wird. 

Diese schönen Erfolge zu erzielen, verwendet der geniale Feld- 
marsehall bloß die Zeit von sieben Tagen. £aum war der Kanonen- 
donner von Vieenza verklungen, so eilt der Feldmarschall mit 
dem Gros nach Verona zurück, um eben dem am 13. Juni be- 
gonnenen Angriff Karl Alberts auf Verona mit 35.000 Mann 
auf dem blutgetränkten Schiachtfelde von S. Lucia abermals ent- 
gegenzutreten. Durch diese kühnen und überraschenden Operationen 
des greisen Feldherrn war der Unternehmungsgeist der „Spada 
d'Ttalia" derart herabgestimmt, dass jeder Offensiv-Gedauke auf- 
gegeben wurde. 



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INHALT. 



Einleitung. 

Seite 

Verlauf des FelJzugos vom Kück/ugo Radetzkj's aus Mailand nach Verona 1 

Die Zeit vom 7. bis 27. Mai. 

Strategische lind operative Situation dor Armee 3 

Beurtlieilung der Situation gegen Endo Mai . . 6 

Kntselilnas 7 

Erwägungen über die Art der Durchführung dieses Entschlusses .... 8 



Die Offensive über Mantua. 

27. Kai. 

p]r\vägungen für die Durchführung dieser ge|)lantcn Offensive . . . . . 11 

Heffthle ^_La 

28. Mai. 

Situation bei der Hauptarmee am 28. Mai abends 17 

Erwägungen für die Fortsetzung der Qfifensive am 29. Mai 17 

Mögliehe Befehle an das 1. Corps zum Angriff auf die toscanische Division 19 

Mögliche Kriiftegruppierung des 1. Corps zum Angriff '20 

Thatsüchliche Verfügungen für den 29. Mai und Ereigniase an diesem Tage 21 

Betrachtungen 23 



30i Mftl. , Seite 

Fortsetzung clor OftV-iisive .... 25 

Erwitgungen iin Haii}itt|uartier 2;"> 

Mögliche AnordnungMii für die Vorrückun^ . 27 

Mögliche Situation um früh 27 

Thatsäclili< ho WrfiiLTiingen für den 30. Mai und Ereignisse an diesem Tage 28 

Betrachtungen 30 



Erwägungen und Anordnungen für den 81. Mal 33 

Kadet/.kys Verfügungen für dt^n 31. .Mal voruiittags 3(> 

He iraohtiingen 37 



1. und 2. Juni. 

Situation der Aruit'e au> 1. Jtini 39 

Beurtlieiliing der Situation und Erwägungen im Armee-Hauiit(|uartier für 

d>-n 2. .luni 40 

Thatsäehliehe En-ignissc am 1. und 2. Juni . . ... 41 

Betrachtungen 42 



3. Jani. 

Situation der Armee am 3. Juni 43 

Beurtheilung d>-'r Situation un<i Hrwägiingt-n iui Arniee-Hauptnuartier am 

3. Juni 43 

Nachrichten über die Gegner am 3. Jtini nachmittags 44 

Entsehluss 44 



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ete/s und Nachricliteii ftber den 
Eiy Mai. 

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