Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung

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Rudolf Steiner

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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE 



Vortrage fur die Arbeiter am Goetheanumbau 



Band 1 Die Erkenntnis des Menschenwesens nach Leib, Seele und 
Geist. Uber friihe Erdzustande 

Zehn Vortrage, 2. August bis 30. September 1922 (Bibl.-Nr. 347) 

Band 2 Uber Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geistes- 
wissenschaftlichen Sinneslehre 

Achtzehn Vortrage, 19. Oktober 1922 bis 10. Februar 1923 (Bibl.-Nr. 348) 

Band 3 Vom Leben des Menschen und der Erde. Uber das Wesen 
des Christentums 

Vierzehn Vortrage, 17. Februar bis 9. Mai 1923 (Bibl.-Nr. 349) 

Band 4 Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt 
man zum Schauen der geistigen Welt? 

Sechzehn Vortrage, 30. Mai bis 22. September 1923 (Bibl.-Nr. 350) 



Band 5 Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur - 
Uber das Wesen der Bienen 

Fiinfzehn Vortrage, 8. Oktober bis 22. Dezember 1923 (Bibl.-Nr. 351) 

Band 6 Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung 
Zehn Votrage, 7. Januar bis 27. Februar 1924 (Bibl.-Nr. 352) 

Band 7 Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen 
der Kulturvolker 

Siebzehn Vortrage, 1. Marz bis 25. Juni 1924 (Bibl.-Nr. 353) 

Band 8 Die Schopfung der Welt und des Menschen. Erdenleben und 
Sternenwirken 

Vierzehn Vortrage, 30. Juni bis 24. September 1924 (Bibl.-Nr. 354) 



RUDOLF STEINER 



Natur und Mensch 
in geisteswissenschaftlicher 
Betrachtung 

Zehn Vortrage 
gehalten fur die Arbeiter am Goetheanumbau 
in Dornach 
vom 7. Januar bis 27. Februar 1924 



1981 

RUDOLF STEINER VERLAG 
DORNACH/SCHWEIZ 



Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften 
herausgegeben von der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung 

Die Herausgabe besorgte Paul Gerhard Bellmann 



1. Auflage Dornach 1950 unter dem Titel 
«Geisteswissenschaftliche Erkenntnisse 

iiber Natur und Mensch» 

2. Auflage Gesamtausgabe Dornach 1967 

3., neu durchgesehene und mit den 
Stenogrammen verglichene Auflage 
Gesamtausgabe Dornach 1981 



Bibliographie-Nr. 352 

Zeichnungen im Text nach Wandtafelskizzen Rudolf Steiners, 
ausgefiihrt von Leonore Uhlig 

Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
© 1981 by Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
Printed in Switzerland by Schiiler AG, Biel 

ISBN 3-7274-3520-8 (Ln) ISBN 3-7274-3521-6 (Kt) 



Zu den Verqffentlichungen 
aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner 



Die Grundlage der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft 
bilden die von Rudolf Steiner (1861-1925) geschriebenen und veroffent- 
lichten Werke. Daneben hielt er in den Jahren 1900 bis 1924 zahlreiche 
Vortrage und Kurse, sowohl offentlich wie auch fur die Mitglieder der 
Theosophischen, spater Anthroposophischen Gesellschaft. Er selbst 
wollte ursprunglich, daB seine durchwegs frei gehaltenen Vortrage nicht 
schriftlich festgehalten wurden, da sie als «miindliche, nicht zum Druck 
bestimmte Mitteilungen» gedacht waren. Nachdem aber zunehmend 
unvollstandige und fehlerhafte Horernachschriften angefertigt und ver- 
breitet wurden, sah er sich veranlaflt, das Nachschreiben zu regeln. Mit 
dieser Aufgabe betraute er Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Be- 
stimmung der Stenographierenden, die Verwaltung der Nachschriften 
und die fur die Herausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf 
Steiner aus Zeitmangel nur in ganz wenigen Fallen die Nachschriften 
selbst korrigieren konnte, muB gegeniiber alien Vortragsveroffentlichun- 
gen sein Vorbehalt beriicksichtigt werden: «Es wird eben nur hingenom- 
men werden miissen, daB in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen 
sich Fehlerhaftes findet.» 

Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaB ihren 
Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamtausgabe be- 
gonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil dieser Gesamt- 
ausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere Angaben zu den Text- 
unterlagen am Beginn der Hinweise. 

Die besondere Stellung, welche die Vortrage fur die Arbeiter am 
Goetheanumbau innerhalb des Vortragswerkes einnehmen, schildert 
Marie Steiner in ihrem Geleitwort, welches diesem Band vorangestellt ist. 



INHALT 



Geleitwort von Marie Steiner 



ERSTER VORTRAG, Domach, 7. Januar 1924 

Ober die DickMuter - Das Wesen der Schalen- und Skelett- 
bildung 

Uber das Harz im Ameisenhaufen und iiber Schaden durch Holz- 
bienen. Wo die toten Elefanten bleiben. Todesahnungen der Tiere. 
Der Mensch hat seine Freiheit damit erkauft, daB er wenig Ahnungs- 
vermogen hat; die Tiere haben keine Freiheit, alles ist bei ihnen unfrei, 
aber sie haben dafiir ein starkes Ahnungsvermogen. Vom Gemiit des 
Elefanten, der alles merkt, besonders das, was in seinem Innern vor- 
geht. Schalen- und Skelettbildung bei niederen und bei hoheren Tieren. 
Hineinnahme des AuBenskeletts durch das Blut. SelbstbewuBtsein und 
festes Knochengerust. Skelett und Beinhaut. Im Skelett sitzt der Geist. 



zweiter VORTRAG, 19. Januar 1924 

Uber Giftstoffe und ihre Wirkungen im Menschen 
Arsenik in seiner Giftwirkung. Alle Stoffe, die der Mensch in sich hat, 
werden in ihm selber erzeugt; er erzeugt sie aus dem Weltenall herein. 
Der Astralleib erzeugt das Arsenik. In groBen Mengen totet das Gift 
den Menschen, schwacher genommen, macht es ihn krank, in kleinen 
Mengen, fein verteilt, ist es ein Heilmittel. Bei schwachen Vergiftungen 
kann man Giftwirkungen am besten studieren. Mineralische Gifte, 
Selbsthilfe des Korpers gegen diese und Gegengifte. Rachitische Kinder 
erzeugen zu wenig Blei. Das EiweiB, das immer vorhanden ist im 
Menschen, lost fortwahrend das Blei auf. Die Pflanzengifte treiben 
das Leben in die Empfmdung hinein. Gerbsaure wirkt gegen Pflanzen- 
gifte. Tierische Gifte wirken eigentlich erst im Blut; man kann sie nur 
durch das eigene Gegengift, das im Blut entsteht, herausschaffen. 
Tierische Gifte erzeugt der Mensch auch fortwahrend selber, zum 
Beispiel bei der Diphtheric Ameisensaure und Erneuerung der Erde 
im Weltenall. Der ubersinnliche Mensch braucht das Leichengift zu 
seinem Leben. Gicht und Rheumatismus. Mineralische Gifte bewirken, 
daB der physische Leib in den Atherleib sich hineinzieht. Pflanzengifte 
bewirken, daB der Atherleib in den Astralleib sich hineinzieht. Tie- 
rische Gifte bewirken, daB der Astralleib in das Ich sich hineinzieht. 



dritter VORTRAG, 23. Januar 1924 

Von der Ernahrung 

EiweiBUberfutterung fiihrt im spateren Alter zur sogenannten Arterien- 
verkalkung und macht den Menschen auBerordentlich leicht anfallig 
fiir alle moglichen Infektionskrankheiten. Das EiweiB muB vom Ather- 
leib ganz verarbeitet werden. Fiir die ordentliche Ernahrung von Herz, 
Brust und so weiter muB der Mensch unbedingt fettige Stoffe auf- 
nehmen. Der Atherleib verhindert das Faulen von EiweiB, der Astral- 
leib bekampft das Ranzigwerden der Fette. Bekampfung der Krankhei- 
ten, die von faulem EiweiB im Darm oder von ranzig gewordenen Fet- 
ten kommen, durch Kupfer und Arsen. Das Ich bekampft das Garen 
von Zucker und Starke. UbermaBiger KartoffelgenuB schadet dem 
Kopfe. Kartoffelnahrung und Materialismus. Weitere schadliche Wir- 
kungen des Kartoffelgenusses. Das Ich wirkt vorzugsweise im Kopfe, 
der astralische Leib in der Brust, der Atherleib vorzugsweise im Unter- 
leib. In den Badeorten, die nach faulen Eiern riechen, wird der innerliche 
Faule-Eier-Geruch bekampft. Der Faule-Eier-Geruch als Heilmittel. 
Ein groBer Teil der Krankheiten sind Ernahrungskrankheiten. 

vierter VORTRAG, 2. Februar 1924 

Das menschliche Auge - Albinismus 

Der feinere Bau der Iris oder Regenbogenhaut ist bei den einzelnen 
Menschen individuell verschieden. Uber den Bau des Auges. Uber 
Hornhaut, Aderhaut, Netzhaut, Sehnerv und blinden Fleck. Mit dem 
ubersinnlichen Ich sieht man. Schwarze oder blaue Augen. Braunliche 
Augen. Augenfarbung und BlaBfarbung des Korpers bei Albinos. 
Uber das Wesen des Albinismus. Irisdiagnose. Uber die landlaufige 
Augendiagnostik. Der Albinismus kommt von einer unregelmaBigen 
Schwefel- und Eisenverarbeitung durch das Ich. Die Bleichsucht kommt 
von einer unregelmaBigen Eisenverarbeitung durch den astralischen 
Leib. 



funfter VORTRAG, 9. Februar 1924 

Der Fliissigkeitskreislauf der Erde im Verhaltnis zum Weltall 
Das Wasser bildet eigentlich die Blutzirkulation der Erde. Das Wasser 
beginnt zu zirkulieren in sixBem, salzfreiem Zustand und endet im 
Meere mit dem Salzzustand. Uber die von der Miindung der Flusse 
bis zu deren Ursprung unter der Erde zuriickgehende Salzstromung. 
Das salzhaltige Wasser steht wenig mit dem Weltenraum in Beziehung. 
Die Quellen, die siiBes Wasser haben, sind die Augen der Erde. In der 
Fortpflanzung wirkt das Himmlische auf die Erde. Versuche uber die 
Bedeutung der Milz. Hinweis auf das Biichelchen von Frau Kolisko 



«Milzfunktion und Plattchenfrage». Fortpflanzung und Sinnesorgan- 
bildung bei den Meeresfischen. Lachswanderungen. Vogelziige. In 
der linken Korperhalfte enthalt der Mensch mehr die Erdenkrafte und 
rechts mehr die atherischen Himmelskrafte. Emanzipation des Men- 
schen von der Erde. Heilbutte und Schollen. Die Pflanzenbliite als 
Lichttrager und die Wurzel als Salztrager. Wie die Erde sich ernahrt 
und wie der Mensch sich ernahrt. 



SECHSTER VORTRAG, 13. Februar 1924 

Uber die Kleidung des Menschen 

Vom Bediirfnis des Menschen, sich gegen die Einfliisse der Umgebung 
zu schiitzen. Das Tier hat im weitgehendsten MaBe Schutz gegen 
auBere Einfliisse. Die Art und Weise, wie ein Tier behaart, befiedert 
ist und so weiter, hangt vorzugsweise mit der Sonnenwirkung zusam- 
men. Der Mensch hat seine Selbstandigkeit dadurch, daB er nicht wie 
die Tiere diesen auBeren Schutz hat, sondern daB er mehr oder weniger 
den Einfliissen der irdischen Umgebung ausgesetzt ist. Emanzipation 
des Menschen von den auBeren Natureinflussen. Die zwei Aufgaben 
der Kleidung: Schutz zu bieten gegen die AuBenwelt und zu schmiik- 
ken. Die Kleidung, die schmucken soli, hat alle mogliche groBe Aus- 
bildung erfahren. Urspriingliche Volkerschaften haben den Astralleib 
als farbig empfunden und in ihren Kleidern sichtbar gemacht. Farbige 
Kultuskleidung. Die Hosenrohre und die sogenannte Angstrohre. 
Uber den Frack und die Mode. Die Frauenkleidung ist mehr urspriing- 
lich. Die alte Kleidung ist zumeist aus geistigen Bedurfhissen heraus 
entstanden. Fliegende und anliegende Kleidung. Aus dem Sich- 
Schutzen entstand die philisterhafte Kleidung. Uber den Ursprung der 
Orden. Die Toga ist dem iibersinnlichen Leib nachgebildet. Der 
moderne Mannerrock ist die verschnittene alte Toga. Wie der Giirtel 
entstanden ist. Die moderne Kleidung hat weitgehend alle Farben 
verloren: graue Kleidung. Uber den Ursprung der Militarkleidung. 
Fahne und Gruppenseele. Altarbilder, Ahnenbilder und Landschafts- 
bilder. Raffaels Sixtinische Madonna eine Prozessionsfahne. Tatowie- 
rungen. Nationaltrachten. Die Kleidung ist zum groBen Teil aus 
Schutzbediirfnis entstanden, zum groBeren Teil aber aus dem Bediirf- 
nis, sich zu schmucken. 



SiEBENTER vortrag, 16. Februar 1924 

Uber die Wirkung von Arsen und Alkohol im Korper 
Uber die Vergiftung von Kindern, die mit Arsenik gefiittert wurden. 
Das Arsenik wirkt ganz besonders auf den astralischen Leib und auf 
die Atmung besonders stark. Ansetzen von Fettmassen als Folge der 



Arsenikwirkung. Etwas Arsenik ist in alien Nahrungsmitteln. Kastra- 
tenstimme. Die Lunge ist nicht bloB ein Atmungsorgan, sondern 
auch ein wichtiges Ernahrungsorgan. Die meisten Lungenkrankheiten 
beruhen darauf, daB die Lunge nicht ordentlich ernahrt wird. Auf- 
klarung statt Schrei nach dem Gesetz. Alkoholeinfuhrverbote. Der 
Mensch erzeugt in seinem Leibe selber Alkohol, den er zu seiner 
Konservierung braucht. Der Wein wird erzeugt vom AuBerirdischen, 
vom Sonnenhaften. In den Steinkohlenlagern liegt iiberall ganz alte 
Sonnenkraft. Beim Erwachsenen wirkt der Alkohol auf den astralischen 
Leib ein und namentlich auf das Ich selber. Besondere Schadlichkeit 
des Alkohols fur das Kind. Uber Goldfische und ihr Gedeihen im 
durchsonnten und durchwarmten Wasser. Im Schurzfell bringt der 
Mensch das GliedmaBensystem zum Ausdruck, im Hemd das Brust- 
system und im Mantel das Kopfsystem. Urspriinglich war Frack und 
Zylinderhut zusammen ein Mantel. 



achter VORTRAG, 20. Februar 1924 140 

Uber die Verbindung der hoheren Wesensglieder mit dem 
physischen Leib - Uber die Wirkung von Opium und Alkohol 
Die grime Farbe der Pflanze. Die Farben der Fische. Bedeutung der 
Streifen an den Seiten der Fische. Lockerung des Atherleibes und des 
Astralleibes vor dem Tode und der entgegengesetzte Zustand, wenn 
sich der astralische Leib zu tief in den physischen Leib hineinsetzt. 
Ablegung eines Gestandnisses durch eine mit dem Atherleib geschehene 
Lockerung des Gewissens. Versundigung gegen die menschliche 
Freiheit. MiBbrauch von Wort und Schrift. Durch den Alkohol wird 
vor allem das Ich beeinfluBt. Das Opium wirkt besonders stark auf 
den astralischen Leib. 



neunter VORTRAG, 23. Februar 1924 155 

Aufbau und Abbau im menschlichen Organismus - Die Bedeu- 
tung der Absonderungen 

Urinuntersuchung. Unterschied zwischen alter und neuer Medizin. In 
der sogenannten Nachgeburt wirkt das Geistig-Seelische des Menschen. 
Das Auge ist eine Absonderung. Das ganze Gehirn ist eine Absonde- 
rung. Die Denktatigkeit besteht darin, daB das Gehirn vom Denken 
ausgesondert, abgesondert wird. Der physische Leib und der Atherleib 
bauen auf, der astralische Leib und das Ich bauen wieder ab. Das 
Geistige beruht auf dem Abbauen, nicht auf dem Aufbauen. Das 
ganze Leben hindurch wird abgestoBen, abgebaut. Der SchweiB wird 
durch den Atherleib, der Urin durch den Astralleib abgesondert, und 
die Absonderung des Darmes steht ganz besonders unter dem Ich. 



Alles in Gesundheit und Krankheit hangt im Grunde genommen davon 
ab, wie der Astralleib tatig ist. Untersuchungen des Urins auf EiweiB 
und Zucker. Farbnuancen und Wolkigkeit oder Reinheit des Urins. 
Die alte «Dreckapotheke». Das Astralgespenst beim Urin, beim 
SchweiB und beim Darminhalt: die Mumie. Pferdefakalien und Rinder- 
fakalien. Das iibersinnliche Tier und der iibersinnliche Mensch lebt in 
den Absonderungen. Geschwulstbildungen und Entziindungen. 



zehnter vortrag, 27. Februar 1924 175 

liber Einsteins Relativitatstheorie - Wirklichkeitsfremdes 
Denken 

Populare Darstellung der Einsteinschen Relativitatstheorie. Uber die 
Frage: Was ist eine absolute Ruhe oder eine absolute Bewegung und 
was ist eine relative Ruhe oder relative Bewegung? Einsteins Ansicht: 
Man kann nur davon sprechen, daB die Dinge in relativer Ruhe oder 
Bewegung sind. Merkwiirdige Konsequenzen der Einsteinschen Theo- 
rie. Verbreitung der Relativitatstheorie. Debatte mit Universitats- 
professoren uber die Einsteinsche Theorie. Die GroBe des Menschen 
ist nicht relativ, sondern im ganzen Weltenraum bedingt. Debatten 
uber die Schwerkraft in Rudolf Steiners Jugendzeit. Der frtihere 
Einstein und der spatere Einstein. Plateauscher Versuch. Logik, aber 
kein Wirklichkeitssinn in der Relativitatstheorie. 



Hinweise 



Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 



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GELEITWORT 



zum Erscheinen von Veroffentlichungen 
aus den Vortragen Rudolf Steiners fur die Arbeiter am Goetheanumbau 
vom August 1922 bis September 1924 

Marie Steiner 

Man kann diese Vortrage auch Zwiegesprache nennen, denn ihr Inhalt 
wurde immer, auf Rudolf Steiners Aufforderung hin, von den Arbeitern 
selbst bestimmt. Sie durften ihre Themen selber wahlen; er regte sie zu 
Fragen und Mitteilungen an, munterte sie auf, sich zu auBern, ihre Ein- 
wendungen zu machen. Fern- und Naheliegendes wurde beriihrt. Ein 
besonderes Interesse zeigte sich fur die therapeutische und hygienische 
Seite des Lebens; man sah daraus, wie stark diese Dinge zu den taglichen 
Sorgen des Arbeiters gehoren. Aber auch alle Erscheinungen der Natur, 
des mineralischen, pflanzlichen und tierischen Daseins wurden beriihrt, 
und dieses fuhrte wieder in den Kosmos hinaus, zum Ursprung der Dinge 
und Wesen. Zuletzt erbaten sich die Arbeiter eine Einfuhrung in die 
Geisteswissenschaft und Erkenntnisgrundlagen fur das Verstandnis der 
Mysterien des Christentums. 

Diese gemeinsame geistige Arbeit hatte sich herausgebildet aus eini- 
gen Kursen, die zunachst Dr. Roman Boos fur die an solchen Fragen 
Interessierten, nach absolvierter Arbeit auf dem Bauplatz, gehalten hat; 
sie wurden spater auch von andern Mitgliedern der Anthroposophischen 
Gesellschaft weitergefuhrt. Doch erging nun die Bitte von Seiten der 
Arbeiter an Rudolf Steiner, ob er nicht selbst sich ihrer annehmen und 
ihren Wissensdurst stillen wiirde - und ob es moglich ware, eine Stunde 
der iiblichen Arbeitszeit dazu zu verwenden, in der sie noch frischer 
und aufnahmefahiger waren. Das geschah dann in der Morgenstunde 
nach der Vesperpause. Auch einige Angestellte des Baubiiros hatten Zu- 
tritt und zwei bis drei aus dem engeren Mitarbeiterkreise Dr. Steiners. 
Es wurden auch praktische Dinge besprochen, so zum Beispiel die Bie- 
nenzucht, fur die sich Imker interessierten. Die Nachschrift jener Vor- 



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trage iiber Bienen wurde spater, als Dr. Steiner nicht mehr unter uns 
weilte, vom Landwirtschaftlichen Versuchsring am Goetheanum als 
Broschiire fur seine Mitglieder herausgebracht. 

Nun regte sich bei manchen andern immer mehr der Wunsch, diese 
Vortrage kennenzulernen. Sie waren aber fur ein besonderes Publikum 
gedacht gewesen und in einer besonderen Situation ganz aus dem Steg- 
reif gesprochen, wie es die Umstande und die Stimmung der zuhorenden 
Arbeiter eingaben - durchaus nicht im Hinblick auf Veroffentlichung 
und Druck. Aber gerade die Art, wie sie gesprochen wurden, hat einen 
Ton der Frische und Unmittelbarkeit, den man nicht vermissen mochte. 
Man wiirde ihnen die besondere Atmosphare nehmen, die auf dem Zu- 
sammenwirken dessen beruht, was in den Seelen der Fragenden und 
des Antwortenden lebte. Die Farbe, das Kolorit mochte man nicht 
durch pedantische Umstellung der Satzbildung wegwischen. Es wird 
deshalb der Versuch gewagt, sie moglichst wenig anzutasten. Wenn 
auch nicht alles darin den Gepflogenheiten literarischer Stilbildung 
entspricht, so hat es dafur das unmittelbare Leben. 



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ERSTER VORTRAG 



Dornach, 7. Januar 1924 

Guten Morgen, meine Herren! Wir waren ja jetzt langere Zeit nicht 
beieinander; vielleicht ist inzwischen jemandem etwas Besonderes ein- 
gefallen, das wir heute besprechen sollen? 

Fragesteller: Bei den groBen Ameisen, die in den Waldern umher sind, hat es zuunterst 
in dem Stock eine Art Honig oder Harz; das nimmt man zu kultischen Zwecken, die 
katholischen Pfarrer haben es gern zu Weihrauch. Ich mochte fragen, aus was das stammt 
und aus was das zusammengesetzt ist. 

Dr. Steiner: In den Harzen, die sich da bilden, ist ja derselbe Stoff 
drinnen, der im Weihrauch enthalten ist, und es hat also eigentlich 
keinen anderen Wert, als daB man auf diese Weise billig das Raucher- 
werk bekommt. Der Ameisenhaufen entsteht ja dadurch, daB die Amei- 
sen mit der Ameisensaure eben auch allerlei, was sie mitbringen aus den 
harzigen Bestandteilen der Baume, an denen sie ihre Safte sammeln, 
mit absondern. Es ist also nicht eine Art Honig, sondern es ist ein mit 
Ameisensaure durchmischtes Harz. 

Herr Miiller: Ich mochte noch einmal auf die Bienen zuriickkommen, auf die Holz- 
bienen, die sich in die Baume einnisten. Ich habe in jungen Jahren einen Fall erlebt in 
einer Waldung, einem Distrikt, wo das ganze Holz verfault ist, nicht verwertet wurde. 
Dann ist ein Zimmermeister hergekommen und hat dieses Holz, welches man friiher 
immer nur als Kistenholz verwendet hat, in groBen Massen aufgekauft. Er hat dieses Holz 
fur Zimmerarbeiten firr Neubauten verwendet, verbaut. Nach einem Jahr hat man inner- 
halb der Wohnungen eben iiberall Bienen gefunden. Diese Bienen waren so gefahrlich 
fur den Bau, daB nach zwei Jahren der Zimmermeister ihn wieder an sich nehmen muBte. 
Samtliches Gebalk bis auf das Dach muBte herunter. Er muBte es vollstandig wieder 
ubernehmen, muBte es kaufen. 

Dr. Steiner: Das kann ja natiirlich einmal passieren, selbstverstand- 
lich. Ist das Holz erst auf dem Lagerplatz von den Holzbienen durch- 
setzt worden oder noch im Wald? 

Herr Miiller: Es wurde im Herbst versteigert, dann im Friihjahr verbraucht, und im 
Sommer kamen die Bienen heraus. 



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Dr. Steiner: Alles das, was auf der einen Seite sehr niitzlich werden 
kann, kann auf der andern Seite auch wieder furchtbar schadlich wer- 
den. Das widerspricht aber nicht dem, was ich gesagt habe, daB diese 
Bienen am Holz durchaus notwendig sind. Wie gesagt, alles, was auf 
der einen Seite auBerordentlich niitzlich werden kann, kann auf der 
andern Seite auBerordentlich schadlich werden. Ich will Ihnen ein 
Beispiel sagen: Denken Sie, wenn ein kleiner Junge kurzsichtig ist und 
man gibt ihm eine Brille, so ist das notwendig und unter Umstanden 
sehr niitzlich. Wenn nun aber die anderen Jungen das als etwas besonders 
Vornehmes ansehen und sich auch Brillen aufsetzen wollten, so ware 
das nicht niitzlich, sondern schadlich. Und so ist es auch: das, was in 
einem Falle auBerordentlich niitzlich ist, kann auf der andern Seite 
auBerordentlich schadlich werden. Das ist schon so. 

Herr Muller: Mochte noch einmal zuriickkommen auf die Bienen und was mit 
unserem Leben und Treiben zusammenhangt als Bienenziichter: Es ist mir in letzter Zeit 
verschiedene Male von meinen Kollegen vorgehalten worden, es ware schoner gewesen, 
wenn ich nicht ablesen wiirde, sondern aus dem Stegreif sprechen wiirde. Ich muB aber 
da meinen Kollegen erwidern: Ich habe auch nur die Volksschule besucht und habe nicht 
ein besonderes Rednertalent. Ich bin also nicht in der Lage, aus dem Stegreif zu reden. 
So will ich auch heute ablesen und nicht aus dem Stegreif reden: Uber die Bienen, die 
Konigin. (Er kommt vom Bienenstock zu Reklamationen iiber die Arbeiter und Arbeit- 
geber; greift zuriick bis 1914, auflert sich etwas unzufrieden. Vergleicht: da sind wir auch 
ein Bienenstock, und so weiter.) 

Dr. Steiner: Nun, meine Herren, iiber solche Sachen ist es schwer, 
aus dem Stegreif gleich zu verhandeln, und da haben wir ja wahrschein- 
lich alle die Erfahrung: wenn dergleichen Dinge auf die Tagesordnung 
gebracht werden und man unmittelbar darnach verhandelt, dann geht 
die Verhandlung in einem anderen Ton, als wenn die Sache griindlich 
iiberlegt ist. Daher wollen wir, wenn iiberhaupt iiber die Sache weiter 
verhandelt werden soil, uns die Sache griindlich iiberlegen. Wir haben 
ja am Mittwoch wieder eine Stunde zur Verfiigung, und ich werde die 
Herren, die etwas zu sagen haben iiber diese Sache, dann bitten, daB 
wir dazu die Mittwochstunde ausersehen. 

Es ist ja mit Recht von den Temperamenten geredet worden. Die 
Temperamente wirken anders, wenn man zwischenhinein einmal ge- 
schlafen hat! Ich mochte natiirlich die Sache damit durchaus nicht von 



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der Tagesordnung absetzen, denn damit will ich nicht sagen, daB ich 
nicht selber auch schon etwas zu der Sache am Mittwoch sagen werde. 
Aber ich denke, wir werden es so machen, daB wir die Sache nicht jetzt 
gleich, wo sie briihwarm bei manchem aufkochen konnte, verhandeln, 
sondern daB wir uns bis Mittwoch dazu Zeit lassen. Da werde ich dann 
bitten, daB die Herren, wenn sie wollen, am Mittwoch dazu das Wort 
ergreifen. 

Wollen wir also heute einmal mehr bei dem bleiben, was uns sonst 
beschaftigte, bei den Erkenntnisfragen. Und wie gesagt, es soli durchaus 
die Anregung des Herrn Miiller beriicksichtigt werden, daB wir am 
Mittwoch dann uns iiber die Sache auBern. Und was ich selber zu sagen 
habe, werde ich dann auch sagen. 

Sehen Sie, iiber Wissenschaftliches ist es fur jemanden, der ganz 
drinnensteht, verhaltnismaBig gut, ganz gut moglich, auch ohne Vor- 
bereitung manches zu sagen; aber die ganze Sache, die hier vorgebracht 
worden ist, mochte ich auch noch einmal durchdenken. Es ist Ihnen 
doch so recht? (Zustimmung.) Hat jemand noch eine Frage? 

Herr Dollinger: Es ist in letzter Zeit viel die Frage aufgeworfen worden, in samtlichen 
Zeitungen hat man davon geredet, daB man nie weiB, wo die toten Elefanten bleiben, 
weil man nie die Uberreste von ihnen findet. Ich mochte Herrn Doktor fragen, ob es 
vielleicht interessant ware, dariiber zu reden? 

Dr. Steiner: Beim Elefanten ist das eine interessante Sache! Es ist ja 
so, daB man Uberreste von Elefanten der Vorwelt, der alten Zeiten, in 
manchmal ganz ausgezeichnetem Zustande findet. Und die Art und 
Weise, wie man diese Elefanten der Vorzeit findet, bezeugt, daB gerade 
diese Tiere, die man ja in der Naturgeschichte Dickhauter nennt, immer 
da, wo man sie als vorweltliche Tiere findet, so umgekommen sein 
miissen - das heiBt, sie miissen so erhalten geblieben sein -, daB sie auf 
einmal eingehiillt worden sind von dem umliegenden Erdreich. Also ich 
meine damit: so gut erhalten konnten diese Dickhauter nur dadurch 
bleiben, daB sie nicht etwa nach und nach, sagen wir von Wasser und 
Erdreich und Schlamm durchsickert worden sind, sondern es muBte so 
sein, daB sie in einer Hohle gelegen haben und durch einen Erdrutsch 
ganz plotzlich vom Erdreich eingehiillt worden sind. Dadurch ist es 



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gekommen, daB, wenn das fremde Erdreich um das Knochengeriiste 
herum das Fleisch aufgelost hat, die an sich feste Hiille das Knochen- 
geriiste auBerordentlich gut erhalten hat. Uberall in den Museen fmden 
Sie gerade von diesen machtigen Tieren der Vorwelt die schonsterhalte- 
nen Exemplare. 

Das aber beweist Ihnen, daB diese Tiere die Eigentumlichkeit haben, 
wenn es ans Sterben geht, sich in Hohlen zuriickzuziehen. Nicht wahr, 
so ganz strikte, wie Sie es vorhin gesagt haben, ist ja die Sache nicht zu 
nehmen, sondern man kann nur sagen: in sehr haufigen Fallen - man 
fmdet naturlich schon auch tote Elefanten - fehlt vom Elefanten, der 
vorher noch ganz gut gesehen werden konnte, jede Spur. Diese Tiere 
haben namlich die Eigentumlichkeit, wenn sie den Tod heranriicken 
sehen, sich in Hohlen zuriickzuziehen und in Hohlen zu enden. Sehen 
Sie, meine Herren, das hangt aber damit zusammen, daB diese Tiere - 
und das, was Sie gesagt haben, bezieht sich im wesentlichen nur gerade 
auf Dickhauter - eben diese auBerordentlich dicke Haut haben. Und 
was bedeutet denn diese dicke Haut? Sehen Sie, die harten Teile eines 
Tieres sind ja dasjenige, was am meisten mit der Erde verwandt ist. 
Auch Ihre Nagel an Ihnen selber sind am meisten mit der Erde ver- 
wandt. Und die Elefantenhaut, die ist so, daB sie tatsachlich auBer- 
ordentlich erdverwandt ist. Dadurch fuhlt sich der Elefant sein ganzes 
Leben eigentlich von der Erde umgeben, namlich von der Erde in seiner 
Haut, fuhlt sich nur wohl, wenn er umgeben ist von seiner Haut. Nun, 
in der Haut stirbt der Elefant eigentlich fortwahrend. Wenn nun der 
Tod heranriickt - das ist das Eigentumliche bei diesen Dickhautern -, 
so fuhlen das diese Tiere gerade bei ihrer dicken Haut ganz auBerordent- 
lich stark. Dann wollen sie mehr von der Erde in ihrer Haut drinnen 
haben; das ist ihr Instinkt, daB sie sich dann in Erdhohlen aufhalten. In 
diesen Erdhohlen sucht man sie eben nicht. Wiirde man sie in Erdhohlen 
suchen, wiirde man schon mehr dort, wo Elefanten sind, tote Elefanten 
finden. Man fmdet sie nicht auf freiem Feld. 

Aber diese Tatsache beweist eben, wie die Tiere iiberhaupt viel mehr 
als der Mensch eine Ahnung haben von ihrem Tode, und zwar gerade 
diejenigen Tiere am meisten, welche von dicken Hauten umgeben sind; 
aber auch wiederum am meisten jene Tiere, welche niedere Tiere sind, 



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klein sind, also zum Beispiel Insekten, die ja auch von hornartigen 
Hauten umgeben sind. Und sehen Sie, bei diesen kleinen Tieren muB 
man schon sagen: Es ist so, daB sie nicht nur ihren Tod fiihlen, sondern 
daB sie ja auch, wenn sie an den Tod kommen, alle moglichen Vor- 
kehrungen treffen, daB der Tod da erfolgt, wo er am besten erfolgen 
kann. Gewisse Insekten ziehen sich zuriick in die Erde, um dort ihren 
Tod zu erleben. 

Nicht wahr, beim Menschen ist es eben so, daB er seine Freiheit damit 
erkauft, daB er eigentlich moglichst wenig Ahnungsvermogen hat. Die 
Tiere haben keine Freiheit, alles ist bei ihnen unfrei. Aber sie haben 
dafur ein starkes Ahnungsvermogen, und Sie wissen ja, daB wenn zum 
Beispiel Gefahren, erdbebenartige Gefahren drohen, die Tiere auswan- 
dern, wahrend der Mensch richtig iiberrascht wird von solchen Dingen. 

Wir konnen sagen: Es ist fur den Menschen auBerordentlich schwer, 
sich in die Seele der Tiere hineinzuversetzen. Aber wer wirklich Tiere 
beobachten kann, wer einen Sinn dafur hat, Tiere zu beobachten, der 
wird durchaus finden, daB die Tiere fur ihr Leben iiberall auBerordent- 
lich prophetisch handeln. Und die besprochene Eigentumlichkeit hangt 
eben schon mit dem prophetischen Leben in diesen Tieren zusammen. 
Man muB aber auch nicht wiederum die Tiere, wenn sie so etwas tun, 
ganz mit dem Menschen vergleichen! 

Da wollen wir etwas anderes noch besprechen, was sich auf Elefanten 
bezieht, und gerade aus dem wird uns das, was Sie gefragt haben, noch 
weiter verstandlich sein. Sehen Sie, es ist wiederholt beobachtet worden, 
daB, sagen wir irgendeine kleine Elefantenherde zur Schwemme gefuhrt 
wird, wie wir hier sagen wiirden: zum Saufen. Nun, da konnte irgend- 
ein nichtsnutziger Bube dastehen, wenn die Elefanten hingehen, und er 
bewirft einen Elefanten. Der Elefant scheint zunachst ein geduldiges 
Tier zu sein und tut nichts dergleichen, verhalt sich ziemlich gleichgiiltig 
dagegen. Der nichtsnutzige Junge wartet und will den Elefanten wieder 
beschmeiBen, wenn er zuruckkommt. Aber siehe da, wie der Elefant 
zuriickgeht, hat er sich in seinem Riissel eine richtige Ladung Wasser 
zuriickbehalten. Und wie er zuruckkommt und den Buben wieder sieht, 
spritzt er, bevor der Bube ihn beschmeiBen kann, den Buben mit dieser 
Ladung Wasser ganz von oben bis unten voll. Diese Dinge sind wieder- 



19 



holt beobachtet worden. Da konnte man nun sagen: Donnerwetter, der 
Elefant ist ja viel gescheiter als ein Mensch, denn der Elefant muB eine 
ungeheure Weisheit haben, wenn er so etwas wie diese Beleidigung, die 
ihm der Junge zugefiigt hat, im Gedachtnis behalt und jetzt diese 
Ladung Wasser in seinem Riissel zuriickbehalt und nachher sich racht! 

Ja, meine Herren, der Gedanke, den man dabei hat fur den Elefanten, 
der ist nicht ganz richtig. Sie miissen das nicht mit der Gescheitheit des 
Menschen vergleichen, sondern Sie miissen das mit etwas anderem beim 
Menschen vergleichen. Wenn sich Ihnen eine Fliege hier auf das Auge 
setzt, so machen Sie so: Sie wischen die Fliege ab, ohne daB Sie viel 
dabei nachdenken. Man nennt das in der Wissenschaft, wo man viele 
Ausdriicke fur die Dinge hat, die man manchmal viel weniger versteht, 
Reflexbewegung. Also man wischt einfach aus einer Art Instinkt heraus, 
aus einer Art Abwehrbewegung heraus dasjenige fort, was einem unter 
Umstanden schadlich werden konnte. Solche Dinge kommen ja am 
Menschen immer wieder vor. Bei einer solchen Handlung, wo der 
Mensch einfach eine Fliege wegwischt, da ist es so, daB sein Gehirn gar 
nicht tatig ist; da sind nur diejenigen Nerven tatig, die zum Riickgrat 
gehen. Nicht wahr, wenn der Mensch sich etwas iiberlegt, dann ist das 
so: Hier oben hat er sein Gehirn, dann geht zum Beispiel, wenn er das 
oder jenes gesehen hat, sein Augennerv zum Gehirn, vom Gehirn aus 
geht dann durch den iibrigen Organismus der Wille, der irgend etwas 
tut. Aber wischt der Mensch einfach ab, wenn eine Fliege dasitzt, dann 
geht der Nerv gar nicht ins Gehirn - selbst wenn es am Kopfe ist -, 
sondern er geht direkt ins Riickgrat, und ohne daB man mit dem Gehirn 
sich das iiberlegt, wird die Fliege weggewischt. Also da ist es das 
Riickenmark, das eigentlich in uns diese Tatsache bewirkt, daB wir als 
Menschen instinktiv uns wehren, wenn irgend etwas in dieser Weise an 
uns herantritt. 

Wir Menschen, wir haben ja wenigstens im Physischen keine dicke 
Haut, sondern eine sehr diinne Haut. Unsere Haut ist ja so diinn, daB 
sie sogar durchsichtig ist, denn die Haut des Menschen besteht aus 
drei Lagen: die innere ist die sogenannte Lederhaut, dann kommt eine 
Schichte, das ist die sogenannte Malpighische Schichte, und dann ist 
die auBere Haut da, die ist schon ganz durchsichtig. Wir haben auch 



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eine Haut, wie der Elefant, nur ist sie ganz winzig diinn. Die auBere 
Haut ist ganz durchsichtig. Dadurch, daB wir eine Haut haben, die 
durchsichtig ist, stehen wir mit unseren ganzen Gefuhlssinnen auch mit 
der Umgebung in einem Kontakt, und dadurch, daB wir mit der Um- 
gebung in Kontakt sind, sind wir innerlich denkende Menschen und 
iiberlegen uns die Dinge. Der Elefant ist eben ein Dickhauter auch im 
physischen Sinne, Menschen sind es oftmals im moralischen Sinne. Was 
bewirkt das aber? Sie konnen sich jetzt leicht vorstellen nach dem, was 
ich Ihnen gesagt habe, daB der Elefant auBerordentlich unempfindlich 
ist fur seine Umgebung. So ein Elefant, der fiihlt eigentlich im Grande 
genommen gar nichts, und alles, was er von seiner Umgebung wahr- 
nimmt, das muB er sehen; er ist wie eine in sich abgeschlossene Welt. 
Das Gemiit eines Elefanten eingehend zu studieren, ist ja fur manche 
Menschen etwas auBerordentlich Interessantes. Manchmal muBte sich 
der Mensch geradezu auBerordentlich wiinschen, um in der Erkenntnis 
weiterzukommen, ein Elefant zu sein. Denn sehen Sie, wenn der Mensch 
seine Uberlegung noch dazu hatte - dazu, daB er Elefantengemiit 
hatte -, dann wiirde er allerdings so gescheit werden, daB man es gar 
nicht aussprechen konnte, wie gescheit! Aber der Elefant hat nicht das 
Gehirn dazu, so gescheit zu werden. Dadurch, daB er in sich ganz 
abgeschlossen ist, verlangern sich seine Reflexbewegungen, seine Ab- 
wehrbewegungen. Das dauert lange. Wenn Sie eine Fliege auf sich 
sitzen hatten und nicht den Instinkt so schnell hatten, daB Sie sie gleich 
wegstreichen wiirden, so wurde ja die Fliege von selber zuerst weg- 
fliegen. Beim Elefanten ist es nun so: Eine Fliege wiirde er sitzen lassen, 
weil die Geschichte, daB er sie wegstreifen wiirde, bei ihm vielleicht 
erst nach einer Stunde kommen wiirde, so langsam wirkt die Reflex- 
bewegung, die Abwehrbewegung. Und das, was der Elefant tut mit 
dem Riissel, das ist nichts anderes als eine solche Reflexbewegung, die 
nur langere Zeit dauert. Und es ist nicht so, daB er sich iiberlegt: Der 
Bube, der hat mich beleidigt, ich muB ihm eine Ladung voll Wasser 
iiber den Kopf spritzen -, das iiberlegt sich der Elefant nicht. Aber er 
will, indem der Bube dasteht, ihm eigentlich mit seinem Riissel eine 
herunterhauen; doch das dauert lange beim Elefanten. Wenn Sie ein 
Bube mit Dreck beschmeiBt, so hauen Sie ihm gleich eine herunter, 



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ohne daB Sie viel nachdenken. Der Elefant aber, der ist ein langsames 
Tier, gerade weil er ein DickMuter ist, und deshalb dauert es lange, das 
Hingehen und Hergehen, bis er seinen Riissel ausgestreckt hat und dem 
Buben eine herunterhauen will. Aber indem er nun in der Zwischenzeit 
sauft, merkt er: Wenn das Wasser in seinem Riissel ist, dann ist sein 
Riissel starker, das verstarkt seinen Riissel; er will seinen Riissel starker 
machen dadurch, daB er Wasser da drinnen zuriickbehalt. Und er fiihlt, 
der Riissel wird langer. Es ist einfach der verlangerte Riissel, mit dem 
er ihm eine herunterhauen will, wenn er die Wasserladung herausspritzt. 
Das ist dasjenige, was man sich iiberlegen muB. Man darf nicht einfach 
dem Elefanten menschliche Weisheit zuschreiben, sondern man muB 
auf das ganze Gemiit des Elefanten eingehen, und dann findet man so 
etwas. Und so ist es ja beim Elefanten, daB er innerlich eine abgeschlos- 
sene Wesenheit ist und alles merkt, und gerade das am meisten merkt, 
was in seinem Innern vorgeht. Dadurch merkt er auch das Herankom- 
men des Todes und kann sich zuriickziehen. 

Es ist so, daB es ja eine tierische Seelenkunde eigentlich heute iiber- 
haupt sehr wenig gibt. Nicht wahr, man beobachtet ja schon die Tiere 
und findet, wie ich Ihnen ja auch schon erzahlt habe, allerlei interessante 
Tatsachen. Doch das eigentliche Hineinschauen in die tierische Seele, 
das ist etwas, was heute eben auBerordentlich selten ist. Aber man muB, 
wenn man auf diese Dinge kommen will, seine Sinne starken, um das 
Leben iiberhaupt zu betrachten. 



Gehen Sie zu ganz kleinen Tieren, wie es solche auch gibt. Es gibt 
ganz kleine Tiere, die bestehen iiberhaupt nur aus einer weichen, 
schleimigen Masse (siehe Zeichnung). Diese weiche, schleimige Masse, 




22 



die kann, wenn in der Nahe irgendein Kornchen ist, aus der Masse so 
etwas wie einen Fiihlfaden herausstrecken. Da wird ein Arm erst aus der 
Masse herausgebildet. Der kann wiederum zuruckgenommen werden. 
Aber sehen Sie, solche Tiere sondern von sich Kalk- oder Kieselschalen 
ab, so daB sie mit Kalk- oder Kieselschalen umgeben sind. Nun, an so 
einem kleinen Tiere, das eine Kalk- oder Kieselschale absondert, kann 
man noch nicht viel bemerken. Aber es gibt dann etwas vollkommenere 
Tiere, und da kann man schon mehr bemerken. Es gibt Tiere, die 
bestehen auch aus einer solchen schleimigen Masse, aber da drinnen ist 
etwas, was, wenn man genau hinschaut, sich wie kleine Strahlen aus- 
nimmt; und dann haben sie ringsherum wiederum eine Schale, und an 
der Schale sind Stacheln. Alles dasjenige, was sich dann zu den Korallen 
auswachst, schaut ja so aus. 

Nehmen Sie solch ein Tier, das eine Schale hat mit Stacheln und 
innerlich in seiner weichen Masse solche strahligen Gebilde. Was ist 
das? Wenn man nun wirklich nachforscht, so findet man, daB diese 
Strahlen im Innern nicht von der Erde bewirkt sind, sondern von der 
Umgebung der Erde, von den Sternen bewirkt sind. Diese weiche 
Masse, die ist aus dem Himmel herein bewirkt, und die harte Masse, 
oder die Masse mit den Stacheln, die ist vom Innern der Erde bewirkt. 
Wie kommt so etwas zustande? Nun, meine Herren, wenn Sie wissen 
wollen, wie so etwas zustandekommt, so denken Sie sich: Da hier ist 
ein Stiickchen - ich zeichne es recht vergroBert - von einem solchen 




schleimigen Tierchen. Jetzt bildet sich hier durch eine von weit her 
kommende Sterneneinwirkung innerlich ein Stiickchen von einem sol- 



23 



chen Strahl. Dadurch, daB sich das bildet, driickt die Sterneneinwirkung 
die iibrige Masse hier ziemlich stark. Die aber driickt noch starker hier 
an die Wand. Dadurch bildet sich an der Schale da drinnen, weil das 
starker driickt, eine starkere Ausbuchtung, ein Stachel von der umge- 
benden Kalk- oder Kieselmasse. So daB von auBen, von der Erde dieser 
Stachel bewirkt wird, von innen dieser Strahl aber durch die Einwirkung 
des Sternes. Kann man das verstehen? 

Das da drinnen, was sich hier bildet, ist der Anfang einer Nerven- 
masse; das, was sich da drauBen bildet, ist der Anfang einer Knochen- 
masse. So daB man bei diesen niederen Tieren sieht: Nerven bilden sich 
unter dem EinfluB der auBeren Weltumgebung, des AuBerirdischen. 
Alles das, was knochig, schalig ist - nur einen AuBenknochen haben ja 
die niederen Tiere -, bildet sich unter der Einwirkung der Erde. 

Je mehr man nun vollkommenere Tiere betrachtet, desto mehr ist es 
so, daB die Schalenbildung aufhort und die Skelettbildung eintritt, die 
dann am vollkommensten beim Menschen vorhanden ist. Aber sehen 
Sie doch das menschliche Skelett an. Wenn Sie das menschliche Skelett 
ansehen, dann kommen Sie dazu, eigentlich den Kopf vergleichen zu 
konnen mit einem niederen Tier, denn der hat eine Art Schale. Innerlich 
ist er weich. Das ist ein groBer Unterschied gegeniiber dem iibrigen 
Knochenbau des Menschen. Ihre Beinknochen, die tragen Sie innerlich, 
und das Fleisch bedeckt sie. Da ist die weiche Masse auBerlich. Da hat 
der Mensch das Knochenskelett in sich hineingenommen. Nun, dieses, 
daB das auBerliche Knochenskelett nicht wie beim Kopf, sondern wie 
beim iibrigen Menschen in sich hineingenommen wird, das hangt damit 
zusammen, daB sich das Blut bei diesen hoheren Tieren und auch beim 
Menschen in einer gewissen Weise ausbildet. Wenn Sie solche niederen 
Tiere betrachten, so ist alles eine weiBe Masse. Auch dasjenige, was in 
ihnen als Blut rinnt, ist weiB. Diese niederen Tiere haben also eigentlich 
weiBes und gar nicht warmes Blut. Je hoher die Tiere werden und je 
mehr wir uns von der tierischen Organisation herauf dem Menschen 
nahern, desto mehr wird der Mensch, der ja hell bleibt, durchsetzt von 
der Blutmasse. Und je mehr der Nerv von der Blutmasse durchsetzt 
wird, desto mehr zieht sich das Skelett, das vorher nur eine auBere 
Schale ist, auch in das Innere des Organismus hinein zuriick. 



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So daB man sagen kann: Warum hat der Mensch innerlich gestaltete 
Knochen wie an seinen Armen und an seinen Beinen? Weil er seine 
Nervenmasse durchsetzt hat von der Blutmasse. So daB man sagen 
kann: Innerlich brauchen die hoheren Tiere und der Mensch das Blut, 
damit sie auBerlich die Schale in sich hereinnehmen konnen. Kann man 
das verstehen? 

Damit kann man aber ja auch sagen: Solch ein niederes Tier, das 
weiB ja nichts von sich. Der Mensch aber und die hoheren Tiere, die 
wissen von sich. Wodurch weiB man von sich? Dadurch, daB man in 
sich das Knochengeriist hat, dadurch weiB man von sich. Wenn man 




also fragt: Ja, wodurch hat denn der Mensch eigentlich sein Selbst- 
bewuBtsein, wodurch weiB er von sich? - dann muB man nicht auf die 
Muskeln, dann muB man nicht auf Weichteile hinweisen, sondern da 
muB man gerade auf sein festes Knochengeriist hinweisen. Durch das 



25 



feste Knochengeriiste weiB der Mensch von sich. Und die Sache ist 
diese, daB es auBerordentlich interessant ist, gerade das Knochengeriist 
des Menschen zu betrachten. 

Nehmen Sie einmal an, Sie haben hier den Menschen und ich zeichne 
ganz roh wiederum sein Knochensystem ein (siehe Zeichnung S. 25). 
Nun ist es auBerordentlich interessant: Wenn Sie ein Skelett anschauen, 
so miissen Sie sich denken, dieses Skelett war im Menschen drinnen; 
aber dieses Skelett des Menschen, das ist ganz iiberzogen von einer Haut. 
Wenn ich diese Haut hier zeichnen soli, so miiBte ich sie so zeichnen. 
Wenn der Mensch namlich lebt, so ist sein gesamtes Knochensystem 
wie in einem Sack, der ihm nur sehr angepaBt ist, in einer Haut drin- 
nen, der sogenannten Beinhaut. Also denken Sie sich hier ein Gelenk, 
hier hat ein Knochen einen Schenkelkopf, und der greift, sagen wir, 




in eine Gelenkpfanne ein. Mit der Knochenhaut ist das so: Da ist die 
Knochenhaut; der ganze auBere Knochen ist von der Knochenhaut 
umgeben, und da geht die Knochenhaut so weiter, da kommt sie wieder 
an, geht iiber das Skelett driiber. Also wenn Sie sich einfach das Skelett 



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im Menschen drinnen vorstellen, so ist ja das Skelett ganz abgesondert 
im Menschen. Zwischen alien ubrigen Teilen des Menschen und dem 
Skelett ist eine sackartige Haut. Es ist wirklich so, wie wenn Sie am 
lebenden Menschen das Skelett nehmen und Sie sich denken wurden, 
Sie breiteten iiber das ganze Skelett einen Sack und faBten das iiberall 
an, so daB auBen der Sack iiberall das Skelett bedecken wiirde. Sie 
brauchen das aber gar nicht zu machen, denn das ist schon von der 
Natur gemacht; das ganze steckt in einem Sack drinnen, in der Beinhaut. 
Und das Interessante ist: Die BlutgefaBe, die gehen nur bis zu der Bein- 
haut - die Beinhaut ist davon durchzogen -, dieses Blut ernahrt, soweit 
ernahrt werden soil, den Knochen, aber innerhalb des Sackes ist der 
Knochen ganz Erde: kohlensaurer Kalk, phosphorsaurer Kalk, Asche, 
Salze und so weiter. So daB Sie die merkwurdige Tatsache haben: Sie 
sind also Muskeln, Leber und so weiter und haben Ihre BlutgefaBe in 
sich, und das Blut bildet nun zunachst einen Sack. Der Sack schlieBt 
Sie nach innen ab. Innerhalb dieses Sackes ist ein Hohlraum, aber in 
diesem Hohlraum ist erst das Knochengeriiste drinnen. Es ist also wirk- 
lich so, wie wenn Ihre Knochen in Ihnen stecken wurden, und Sie Ihre 
Knochen durch einen Sack, die Beinhaut, abgeschlossen hatten. Und 
diese Knochen sind ganz erdig, sie sind innerlich Erde. Sie konnen sie 
nicht spiiren innerlich. Sie spiiren Ihre Knochen durch das, was die 
Knochen sind, ebensowenig, wie wenn Sie ein Stuck Kreide nehmen. 
Wenn Sie ein Stuck Kreide nehmen, spiiren Sie es auch nicht, das ist 
auBer Ihnen. So ist der Knochen auBer Ihnen, und Sie sind durch einen 
Sack von ihm getrennt. Sie haben alle in Ihrem Skelett etwas in sich, 
was Sie selber gar nicht sind, was in Knochenform gebildete Erde ist, 
phosphorsaurer Kalk, Salze, kohlensaurer Kalk; das tragen Sie in sich, 
nur daB Sie es umgeben haben von einem Sack, der Beinhaut. 

Sehen Sie, meine Herren, da ist nicht der Platz fur irgend etwas 
Ungeistiges; denn wenn Sie in sich irgendeinen Splitter Erde bringen, so 
muB der herausschwaren. Der Knochen schwart nicht heraus. Warum? 
Weil an der Stelle, wo Sie tot sind in sich, wo der Knochen innerhalb 
der Beinhaut tot wirkt, durch und durch Geist sitzt. Sehen Sie, das ist 
der wunderbare Instinkt, warum die einfachen Leute, die oftmals mehr 
gewuBt haben als die Gelehrten, sich unter dem Skelett den Tod vor- 



27 



gestellt haben, weil sie gewuBt haben, im Skelett sitzt der Geist. Und 
daher haben sie sich vorgestellt, wenn ein Geist herumwandelt, so miiBte 
der auch in Skelettform erscheinen. Das ist eine richtige bildliche Vor- 
stellung. Denn solange der Mensch lebt, macht er sich Platz fur den 
Geist durch seine Knochen. 

Das ist etwas, was wir dann in der allernachsten Zeit weiter bespre- 
chen wollen. Aber Sie sehen daraus auch, der Mensch verwendet viel 
darauf, in seine Knochen hinein den Geist zu bringen. Der Elefant laBt 
fur den Geist noch Platz in seiner dicken Haut. Und dadurch, daB der 
Elefant fur den Geist noch Platz laBt in seiner dicken Haut, kann der 
Geist, den der Elefant dann fiihlt, wahrnehmen, wenn ihn die AuBen- 
welt zerstort. Der Mensch weiB von seinem Tode deshalb nichts, weil 
seine Haut zu diinn ist. Ware er auch physisch ein Dickhauter, so wiirde 
er sich auch in eine Hohle zuriickziehen und in einer Hohle sterben. 
Und man wiirde durchaus auch sagen: Wo kommen die Menschen hin? 
Sie fahren zum Himmel, wenn sie sterben! - Ja, meine Herren, von 
denjenigen Menschen, die in gewissen Volkskreisen sehr stark verehrt 
worden sind, hat man namlich dasselbe gesagt wie vom Elefanten. So 
zum Beispiel von Moses, von dem man gesagt hat, man habe seinen 
Leichnam nicht gefunden. Er ist verschwunden, weil man sich vorge- 
stellt hat, daB das bei ihm wirklich eingetreten ist. Er ist so weise gewor- 
den, haben sich die Leute vorgestellt, wie ich es Ihnen vorhin gesagt 
habe. Wenn der Mensch physisch ein Dickhauter ware und sein Gehirn 
hatte, dann ware er so gescheit, daB man gar nicht aussprechen kann, 
wie gescheit er ist! Und solche Zusammenhange haben die Leute ge- 
wuBt. Denken Sie, man erstaunt ja, was die Leute gewuBt haben! Von 
Moses sagen die Leute, er war schon so gescheit, wie er geworden ware, 
wenn er eine dicke Haut gehabt hatte; daher hat er sich auch zuriick- 
gezogen, und sein Leichnam ward nicht gefunden. Es ist ein sehr inter- 
essanter Zusammenhang. Erscheint Ihnen das nicht so? Alte Sagen 
stehen vielfach im Zusammenhange mit der reinen schonen Tierver- 
ehrung. 

Nun, davon wollen wir das nachste Mai weiter reden, wenn uns die 
Verhandlung, die man uns heute aufgeladen hat, Zeit dazu laBt. 
Also am nachsten Mittwoch, meine Herren. 



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ZWEITER VORTRAG 



Dornach, 19. Januar 1924 

Ich will nun, meine Herren, einiges Erganzende zu den Vortragen, die 
wir bisher gehabt haben, beifugen. Das nachste Mai will ich Sie dann 
wieder bitten, die eine oder andere wissenschaftliche Frage zu stellen. 

Nun, ich habe Ihnen ja gesagt, man muB den Menschen ansehen als 
bestehend aus seinem physischen Leib, den man mit Augen sieht, aber 
auch aus hoheren Organisationsgliedern, aus unsichtbaren Leibern. Und 
ich habe Ihnen angefuhrt, da!3 der erste unsichtbare Leib der Atherleib 
ist. Das ist also ein feiner Leib, den man mit gewohnlichen Sinnen 
nicht wahrnehmen kann, der aber eigentlich der Grund ist, warum der 
Mensch lebt, der aber auch der Grund ist, warum alles Pflanzliche und 
Tierische lebt. Dann ist ein weiterer hoherer Leib der sogenannte Astral- 
leib. Dieser Astralleib macht, daB wir empfinden, daB wir fiihlen k6n- 
nen. Wir haben das mit den Tieren gemeinsam, denn die Tiere haben 
auch einen Astralleib. Dann ist aber im Menschen etwas vorhanden, 
was im Tiere nicht vorhanden ist: das ist das SelbstbewuBtsein. Dazu 
haben wir ein Ich. So daB der Mensch besteht aus dem physischen Leib, 
den man sieht, und aus den drei hoheren Leibern: dem Atherleib, dem 
astralischen Leib und dem Ich. 

Man kann am besten einsehen, daB es wohl begriindet ist, wenn aus 
einem gewissen ubersinnlichen Wahrnehmen heraus behauptet wird, 
der Mensch hat diese ubersinnlichen Wesensglieder - man kann es aus 
anderem auch einsehen, aber gut einsehen kann man es, wenn man 
einmal die Giftwirkung auf den menschlichen Korper betrachtet. 

Wir haben ja bei der Besprechung der Insekten gesehen, daB die 
Giftwirkung auf den Menschen unter Umstanden eine auBerordentlich 
gunstige sein kann. Wir haben gesehen, wie das Insektengift gewisse 
Krankheiten wegnimmt. Und deshalb sind ja auch Heilmittel meist aus 
dem zusammengesetzt, was im gewohnlichen Leben Gifte sind. Man 
muB sie nur in entsprechender Dosierung nehmen, das heiBt, man muB 
sie so nehmen, daB sie richtig auf den menschlichen Organismus wirken 
konnen. 



29 



Bei der Giftwirkung hat es so seine Eigenheit mit dem menschlichen 
Organismus. Sie miissen nur einmal in bezug auf die Giftwirkung das 
Folgende betrachten. Sehen Sie, Arsenik, das man ja auch als Rattengift 
zuweilen verwendet, ist ein sehr starkes Gift. Wenn der Mensch Arsenik 
nimmt, oder auch wenn man dem Tiere Arsenik beibringt, so tritt 
entweder sofort der Tod ein, oder aber wenn es einem gelingt, durch 
die entsprechenden Gegengifte den Tod fernzuhalten von dem Menschen, 
also das Arsenik sozusagen wiederum herauszutreiben, dann kann eine 
Art von langsamer Arsenikkrankheit beginnen, und es setzt sich dann 
die Arsenikkrankheit langsam fort. Oder es kommt auch so, daB der 
Mensch, sagen wir, im Beruf mit irgend etwas zu tun hat, wo Arsenik 
drinnen sein muB, dann kann eine Arsenikvergiftung durch kleine 
Mengen von Arsenik zur Berufskrankheit werden. Wenn das eintritt, 
daB der Mensch nicht so viel Arsenik nimmt, daB er sofort getotet wird, 
sondern wenn er wenig Arsenik nimmt, aber doch so viel, daB es ent- 
sprechend schadet, dann wird er blaB, bekommt eine Art ganz kreidigen 
Aussehens, wird mager und geht allmahlich an dem Hinschwund des 
Korpers zugrunde. Er verliert das frische farbige Aussehen und verliert 
auBerdem die Fettigkeit fur den Korper, die notwendig ist. Also der 
Korper geht nach und nach, auch wenn die Arsenikwirkung langsam 
ist, zugrunde. 

Aber dem steht etwas anderes gegeniiber. Es gibt zum Beispiel in 
Osterreich Alpentaler, wo man im Gestein Arsenik findet. Da fangen 
die Leute an, ganz kleine, winzige Mengen Arsenik zu nehmen. Das 
konnen sie vertragen. Sie fangen mit kleinen Mengen an; dann gehen sie 
immer weiter und weiter, nehmen immer mehr und mehr, und zuletzt 
ist das Merkwiirdige, daB sie furchtbar viel Arsenik vertragen konnen. 

Warum tun sie das? Ja, sehen Sie, meine Herren, die meisten Leute, 
die das tun, die tun es aus Eitelkeit. Sie bekommen namlich eine nach 
ihrer Ansicht sogar schone Hautfarbe davon und sie werden, wenn sie 
vorher mager waren, sogar dicklich. Also sie nehmen das aus Eitelkeit, 
gewohnen sich das Arsenikessen aus Eitelkeit an und werden dadurch 
gut aussehend. 

Da haben Sie diesen merkwiirdigen Widerspruch. Solche Wider- 
spriiche sind nicht nur im menschlichen Denken vorhanden - da wider- 



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streitet ja alles einander fur gewohnlich -, sondern solche Widerspriiche 
sind durchaus auch in der Natur vorhanden. Da haben Sie diesen 
Widerspruch: Das eine Mai wirkt das Arsenik so, daB der Mensch 
abmagert und fahl, grau wird - nicht an den Haaren grau wird, sondern 
die Haut wird grau. Das eine Mai schwindet der Mensch dahin, das 
andere Mai nimmt der Mensch Arsenik, um gerade gut auszuschauen! 
Da haben Sie einen vollstandigen Widerspruch. 

Was liegt denn dem zugrunde? Fur solch eine Sache finden Sie iiber- 
all, wo dariiber heute in der Wissenschaft gesprochen wird, nur das 
einzige, daB man Ihnen sagt: Das kann man nicht erklaren, das ist 
eben so. - Man kann es nicht erklaren, wenn man eben nichts weiB von 
den ubersinnlichen Leibern des Menschen! Sehen Sie, die Sache ist so, 
daB der Mensch geradeso, wie ich Ihnen gesagt habe, daB er immer 
Ameisensaure in sich haben muB, auch fortwahrend Arsenik in sich 
haben muB. Er erzeugt es namlich selber. In vieler Beziehung ist ja das, 
was in Betracht kommt, fur den Menschen hochst merkwiirdig, denn, 
nicht wahr, ich habe Ihnen schon einmal gesagt: Wenn behauptet wird, 
daB der Mensch ganz ohne Alkohol leben kann, so stimmt das nicht. 
Der eine Mensch kann leben, ohne daB er Alkohol trinkt; das ist wahr. 
Aber er kann nicht ohne Alkohol leben. Denn wenn er eben keinen 
Alkohol trinkt, dann erzeugt sein eigener Korper in ihm die notigen 
Mengen von Alkohol. Alle Stoffe, die der Mensch hat, werden namlich 
in ihm selber erzeugt. Das, was der Mensch von auBen aufnimmt, ist 
namlich bloB zum Unterstiitzen, zur Anfeuerung da. In Wahrheit 
erzeugt der Mensch die Stoffe, die er braucht, aus dem Weltenall herein. 
Im Weltenraum sind alle Stoffe in ganz feiner Verteilung. Im Welten- 
raum ist alles; im Weltenraum ist zum Beispiel Eisen. Er atmet es nicht 
nur ein, sondern er kriegt es auch durch seine Augen und Ohren in den 
Korper hinein. Und das Eisen, das der Mensch iBt, das ist nur zur 
Unterstiitzung da. Das scheidet er zum groBen Teil wiederum aus. 
Wenn der Mensch namlich nicht darauf angewiesen ware, zwischen 
Geburt und Tod auf der Erde zu leben und dadurch auch Erden- 
verrichtungen zu machen, so brauchte er iiberhaupt nicht zu essen, 
denn er konnte alles aus dem Weltenraum anziehen. Aber wenn wir mit 
unseren Handen arbeiten, oder wenn wir gehen mussen, da brauchen 



31 



wir die Unterstiitzung durch das Essen, da erzeugt der Korper nicht 
geniigend. 

Also, Arsenik erzeugt der Mensch fortwahrend; das Tier auch, die 
Pflanze nicht. Warum? Weil die Pflanze bloB einen Atherleib hat! Das- 
jenige, was Arsenik erzeugt, ist der Astralleib. Daher erzeugen der 
Mensch und das Tier Arsenik. Und wozu dient das Arsenik? Ja, sehen 
Sie, meine Herren, wenn der Mensch nicht in sich selber Arsenik 
erzeugen kcmnte, so wiirde er nicht empfinden konnen. Dann wiirde 
er nach und nach ein Pflanzendasein fuhren. Er wiirde anfangen, zuerst 
zu traumen und nachher wie ein schlafriger Kerl herumzugehen. Das 
Arsenik gibt dem Menschen die Moglichkeit wach zu sein und zu 
empfinden. Wenn ich mit meiner Hand irgendwo aufdriicke, so wird 
ja nicht nur die Haut da vorne eingedriickt, sondern ich habe eine 
Empfindung. Und die Empfindung kommt davon, da!3 mein Astralleib 
fortwahrend Arsenik erzeugt. 

Derjenige nun, der Arsenik iBt, zu sich nimmt, der verstarkt also 
die Tatigkeit seines Astralleibes. Und was ist die Folge davon? Die 
Folge davon ist, daB der Astralleib iiberall im Korper sich einrichtet. 
Er wird zu stark. Er greift alle Organe an, zermiirbt sie. Und das ist 
die Folge einer schnellen Arsenikvergiftung. Wenn einer viel Arsenik 
nimmt, schnell, so fangt sein Astralleib an, furchtbar tatig zu werden, 
wirbelt, wirbelt, wirbelt und zerstort endlich die Tatigkeit der ganzen 
Organisation. Er treibt das Leben aus den Organen heraus, weil im 
Menschen ein fortwahrender Kampf stattfinden muB zwischen dem 
Astralleib und dem Atherleib. Der Atherleib bringt das Leben, der 
Astralleib bringt die Empfindung. Aber die Empfindung kann nicht 
da sein, wenn nicht das Leben unterdriickt wird. Es ist also beim Men- 
schen so, wenn ich es Ihnen schematisch aufzeichne: Da ist der Astral- 
leib, da ist der Atherleib; die bekampfen sich fortwahrend. Siegt der 
Atherleib, dann werden wir ein biBchen schlafrig; siegt der astralische 
Leib, dann werden wir stark wach. Das wechselt aber fortwahrend im 
Tagesleben, und es ist nur so kurz, so schnell, daB man es nicht bemerkt, 
daB man glaubt, man sei fortwahrend wach. Aber in Wirklichkeit 
schwingt fortwahrend Wachsein, Schlaf, Wachsein, Schlaf und so weiter. 
Und dasjenige nun, was der Astralleib braucht, um richtig hinunterzu- 



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wirken, das hat er gerade durch die Menge von Arsenik, die der Mensch 
selber erzeugt. 

Gibt man nun extra Arsenik in den Astralleib hinein, flugs wird der 
Astralleib stark, viel zu stark, und totet das ganze Leben im Atherleib. 




Jetzt kann der Mensch gar nicht mehr leben; der Mensch stirbt. Aber 
wenn ich nun einem Menschen so viel Arsenik gebe, daB der Astralleib 
viel zu stark wird, dann werden die Glieder, die inneren Organe, all- 
mahlich unbeleibt und der Mensch wird mager, bekommt ein graues 
Aussehen, weil die inneren Organe nicht ordentlich arbeiten. Fange ich 
aber an, dem Menschen zunachst ein biBchen Arsenik zu geben, ganz 
wenig, oder nimmt er es - man wird es ihm dann nicht geben, sondern 
er nimmt es -, dann fangt der Astralleib an, so ein wenig lebhaft zu 
werden, recht wenig; da regt er gerade die Organe an und die Wirkung 
ist eine entgegengesetzte. Wenn ich ihm von Anfang an zuviel gebe, 
flugs totet er die Organe. Gebe ich ihm nur ein biBchen, da regt er die 
Organe an. Es regt an, geradeso, wie wenn man ein Gewiirz nimmt. 
Geht man dann langsamer hinauf, gibt eine starkere Dosis, dann ver- 
tragen die Organe das. Der Mensch fangt an, ein etwas schoneres Aus- 
sehen zu bekommen, etwas dicker zu werden, weil sein Astralleib 
tatiger ist als fruher, wo er kein Arsenik genommen hat. 

Aber nun denken Sie sich einmal, ein solcher Mensch, der nun ein- 
mal Arsenik «gefressen» hat, muB damit aufhoren. Ja, dann hort auch 
sein Astralleib auf, tatig zu sein, denn der hat dann nicht mehr die 



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Peitsche von Arsen hinter sich, und dann verfallt der Mensch ganz 
rasch. Also ist ein Mensch, der anfangt einmal Arsen zu essen und es 
zu einer gewissen Dosis gebracht hat, darauf angewiesen, es immer zu 
essen, bis zu seinem Tode. Und das ist das Schlimme: Die Menschen 
konnen sich das nicht abgewohnen. Das ist das Schlimme, daB der 
Mensch es sein ganzes Leben hindurch essen muB. Sonst miiBte man - 
aber das gelingt auch sehr schwer - anfangen, langsam es wieder her- 
unterzusetzen, immer weniger und weniger zu geben. Aber gewohnlich 
geht es dann so, wie es dem Bauern gegangen ist, der einem Ochsen 
das Fressen abgewohnen wollte durch eine solche Theorie. Er hat dem 
Ochsen immer weniger und weniger gegeben. Der Ochse ist zwar sehr 
mager geworden, aber er hat immer noch gelebt. SchlieBlich hat er ihm 
nur noch einen Halm gegeben; da ist der Ochs gestorben. Aber er hat 
gemeint, der Bauer: Ja, just wenn er sich den letzten Halm auch noch 
abgewohnt hatte, dann lebte er heute noch. — Ja, just so ist es bei den- 
jenigen, die das Arsenik sich abgewohnen sollen! Sie bringen es nicht 
dahin, das letzte Quantum sich noch abzugewohnen; vorher gehen sie 
zugrunde. 

Sehen Sie, meine Herren, der Astralleib des Menschen braucht das 
Arsenik, und es ist sehr merkwiirdig, wie heute die Wissenschaft furcht- 
bar herumtapst. Sie tapst wirklich furchtbar herum! Sie horen namlich 
heute alle Augenblicke, daB irgendwo zum Beispiel ein Mittel gegen die 
Syphilis erfunden worden ist. Vor ein paar Tagen haben Sie es wieder 
in der Zeitung lesen konnen, daB in Paris ein Mittel gegen die Syphilis 
erfunden worden ist. Nun, eigentlich wissen die Leute alle nicht, die so 
herumexperimentieren, worauf die Syphilis beruht. Sie beruht namlich 
darauf, daB der physische Leib zu stark tatig wird und der Astralleib 
nicht eingreifen kann. Aber das wissen die Leute nicht, und deshalb 
probieren sie herum. Und das Komische ist, in alien diesen Mitteln ist 
Arsenik drinnen! Sie konnen es immer bemerken, schauen Sie nur ein- 
mal nach. Aber man kann nur durch Geisteswissenschaft in die Dinge 
wirklich eindringen. In alien diesen Dingen ist immer etwas Arsenik 
drinnen; aber die Leute wissen nicht, um was es sich handelt, sie tappen 
ganz im Finstern herum. Das ist die Eigentiimlichkeit der heutigen 
Wissenschaft. Natiirlich merken die Leute: es entsteht etwas im Men- 



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sehen, wenn man so ein Praparat verwendet, wo Arsen drinnen ist. 
Aber sie wissen nicht, daB der Astralleib in groBere Tatigkeit kommt 
und daB dadurch, daB der physische Leib das empfangen hat an Auf- 
losung, er sich auflosen wird. Das ist eben dasjenige, was eine neue 
Medizin bewirken muB, daB man wieder richtig hineinsieht in den 
Menschen; dann erst kann man wirklich Heilwirkungen einleiten. 

Nun, wenn wir auf die Gifte weiter zu sprechen kommen: es gibt 
mineralische Gifte. Mineralisches Gift ist ja zum Beispiel das Arsen, 
mineralische Gifte sind Kupfer, Blei, Phosphor, Brechweinstein; solche 
Dinge sind mineralische Gifte, sind Steine, mit denen man es da zu tun 
hat, oder Pulver, die pulverisiertes Gestein sind. Also mineralische Gifte 
gibt es. Dann gibt es Pflanzengifte, zum Beispiel das Gift, das in der 
Belladonna, in der Tollkirsche drinnen ist, oder das Gift, das im 
Schwarzen Bilsenkraut, Hyoscyamus niger, drinnen ist, oder im Roten 
Fingerhut, Digitalis purpurea. Das sind Pflanzengifte. Und eine dritte 
Art sind die tierischen Gifte - von denen haben wir ja vor kurzer Zeit 
einiges besprochen, ich brauche es deshalb heute nur noch zu erganzen -: 
das sind die Insektengifte, die Schlangengifte. Und von den tierischen 
Giften ist ja ein besonders furchtbares, schreckliches Gift das Wutgift 
der Hunde, das Wutgift vom wiitenden Hund. 

Man unterscheidet also mineralische Gifte, pflanzliche und tierische 
Gifte. Jedes dieser Gifte wirkt auf den Menschen in ganz verschiedener 
Weise. Nehmen wir zum Beispiel mineralische Gifte, also sagen wir 
Blei, Kupfer - die Dinge wirken ja alle giftig - oder Schwefelsaure, 
Salpetersaure, Phosphor und so weiter. Solche Gifte kann man eigent- 
lich nur studieren, wenn sie nicht in solchen Mengen in den Menschen 
hineingebracht werden, daB sie ihn gleich toten. Denn es ist merkwiirdig, 
stark genommen, totet das Gift den Menschen, das mineralische Gift 
totet den Menschen. Schwacher genommen, macht es ihn krank. Und 
das ist die Hauptsache, daB man richtig studieren kann, unter welcher 
Gifteinwirkung der Mensch krank wird. Gerade bei den schwachen 
Einwirkungen kann man am besten die Wirkungen des Giftes studieren. 
Und von der entsprechenden Dosis, wenn eine Krankheit vorhanden 
ist, kann der Mensch gesund werden. 

Mit diesen Giften ist es nun so: Wenn der Mensch mineralische Gifte, 



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also Arsenik, Kupfer oder Blei in sich bekommt, dann treten die ersten 
Erscheinungen auf: Ubelkeit, Reiz zum Brechen, zum Ubergeben, dann 
Ubelkeit im Bauch, Darmiibelkeit, Darmgrimmen, kolikartige Erschei- 
nungen. Das tritt ein, wenn der Mensch mineralische Gifte nimmt. Nun, 
der Korper hat ja das Bestreben, nur dasjenige in sich aufzunehmen, 
was er auch wirklich in sich verarbeiten kann. Daher tritt sofort, wenn 
mineralische Gifte aufgenommen sind, Brechreiz ein. Der Mensch 
bekommt das Speien. Das ist die Selbsthilfe des Korpers, aber in der 
Regel reicht das nicht aus. Wenn also eine gewisse Menge von Gift vor- 
handen ist, reicht das nicht aus, da muB man dann mit Gegengiften 
wirken. Man muB dafiir besorgt sein, daB man ein Gegengift in den 
Magen und in das Gedarm hineinbringt, mit dem sich das Gift ver- 
bindet. Wenn das Gift nun in den Magen kommt und in die Gedarme, 
da greift es den Korper an. Wenn ich aber ein Gegengift gebe, da ver- 
bindet sich Gift und Gegengift, und das wird ein Korper. Dadurch 
greift das Gift nicht mehr den Korper an, da es sich sozusagen verehe- 
licht hat mit dem Gegengift. Und dann muB ich eben ein starkes Brech- 
mittel oder Abfuhrmittel geben, daB das herauskommt. 

Bei schwachen Vergiftungen - von starkeren Vergiftungen kann man 
ja nur in der Medizin reden -, aber bei schwachen Vergiftungen mit 
mineralischen Giften, was sind da die Gegengifte? Sehen Sie, da ist ein 
gutes Gegenmittel, wenn man rasch lauwarmes Wasser nimmt und ein 
Ei hineinschlagt, also flussiges EiweiB hat, und das in den Magen und 
in die Gedarme kommen laBt. Mit diesem fliissigen EiweiB verbindet 
sich nun das Gift und kann ausgespieen werden oder im Durchfall ent- 
leert werden; oder aber, besonders wenn schwache Vergiftung da ist, 
kann man das mit lauer Milch erreichen, auch mit allerlei olen, die man 
aus Pflanzen gewinnt. Die sind Gegengifte gegen mineralische Gifte, 
nur nicht gegen Phosphor. Wenn einer Phosphorvergiftung hat, darf 
man nicht Pflanzenole geben, die verstarken sogar noch die Giftwirkung 
des Phosphors. Aber alle anderen mineralischen Substanzen kann man 
mit oligen Substanzen auch wiederum binden, vertreiben. 

Was geschieht denn da, wenn ich das Gift nun da drinnen im Magen 
habe? Nun, nicht wahr, das Gift ist da. Nehmen wir jetzt das, was ich 
gesagt habe, also ein Ei in lauwarmes Wasser geschlagen, so umgibt im 



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Magen dieser Stoff das Gift. Alle diese Gifte, die ich Ihnen aufgezahlt 
habe, erzeugt wieder der menschliche Organismus selber. Der mensch- 
liche Organismus erzeugt in sich etwas Blei, er erzeugt etwas Kupfer, 
er erzeugt Phosphor. Der Mensch ist eben ein Produzent von allem 
moglichen. Es miissen aber diese Stoffe eben nur in derjenigen Menge 
erzeugt werden, in der sie der Korper braucht. Bringe ich nun Blei in 
den menschlichen Korper, so ist zuviel Blei drinnen. Da muB man also 
jetzt sich fragen: Was tut das Blei im Menschen? Ja, sehen Sie, meine 
Herren, wenn wir nie Blei erzeugen wiirden im menschlichen Korper, 
dann wiirden wir alle rachitisch herumgehen! Unsere Glieder wiirden 
weich. Und ein rachitisches Kind ist eben gerade ein solches, das zu 
wenig Blei erzeugt. Der menschliche Korper darf nicht zuviel und nicht 
zuwenig Blei haben. Im allgemeinen ist ja der Mensch so geartet, da!3 
er die Stoffe eben in geniigender Menge erzeugt. Erzeugt er sie nicht, 
wird er eben krank. Bringe ich nun also Blei in den menschlichen Orga- 
nismus, was geschieht da? Was geschieht mit dem Blei, das der Mensch 
fortwahrend erzeugt? Denken Sie sich nur, Sie fangen doch als Kind 
an, in Ihrem Korper Blei zu erzeugen. Aber Blei ist eigentlich niemals 
in wahrnehmbarer Menge im Korper zu finden, weil es eben gleich 
wieder ausgeschwitzt wird. Wenn es aber nicht ausgeschwitzt wiirde, 
da hatten Sie, wenn Sie als Kind ein paar Jahre alt geworden waren, 
schon so viel Blei in sich, daB man das Blei nachweisen konnte. Und 
jetzt, wo Sie bejahrte Manner sind, da wiirden Sie alle statt mit den 
weichen Knochen mit ganz harten Knochen herumgehen. Sie brauchten 
sich nur irgendwie aufzuschlagen, der Knochen wiirde gleich, weil er 
sprode ist, auseinanderfallen. Also das Blei, das der Mensch in sich hat, 
diese kleine Menge, wird immer erzeugt und wieder ausgeschwitzt. 
Wenn ich aber einmal zuviel hineinbringe, kann das nicht gleich wieder 
ausgeschwitzt werden; es zerstort den Menschen. Nun bringe ich Ei- 
weiBwasser hinein. Das verhindert, daB das Blei eine schadliche Wir- 
kung hat. Woher kommt das? Ja, meine Herren, daB ich mein eigenes 
Blei fortwahrend ausschwitze, das geschieht dadurch, daB ich ja fort- 
wahrend auch EiweiB in mir habe. Und wenn das Kind die Muttermilch 
trinkt, die lauwarme Muttermilch, so ist unter andern Wirkungen, die 
diese Milch hat, auch diese, daB das Kind sich gewohnt durch den 



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MilchgenuB, das Blei immer wieder auszuschwitzen. Ich kann also 
auch lauwarme Milch verwenden; da wird gerade das Blei veranlaBt, 
seinen Weg aus dem Korper heraus zu nehmen entweder durch Speien 
oder durch Ausschwitzen. Die letzten Reste mussen immer durch 
Ausschwitzen heraus. 

Also Sie sehen, man bildet ja dasjenige nach, was die Natur fort- 
wahrend tut. Das EiweiB, das immer vorhanden ist im Menschen, lost 
fortwahrend das Blei auf. Bringe ich nun zuviel Blei in den Magen hin- 
ein und bringe dann EiweiBwasser wieder hinein, so tue ich ja dasselbe 
auf kiinstliche Weise, was der Korper fortwahrend tut. Also es ist so, 
daB diese mineralischen Gifte in ihrer Wirkung dadurch zerstort werden 
mussen, daB man etwas vom Leben hineinbringt. Es muB immer etwas 
vom Leben sein, entweder EiweiBwasser - das Ei kommt vom Huhn, 
ist vom Leben — , oder lauwarme Milch, die vom Tier gekommen ist, 
vom Leben, oder die, die kommen von der Pflanze, sind vom Leben. 
Also ich muB etwas heranbringen, was vom Leben ist, was noch etwas 
vom Atherleben hat. Und so kuriere ich, wenn eine mineralische Ver- 
giftung da ist, den physischen Leib durch den Atherleib. Der physische 
Leib schickt seine Stoffe zu stark in den Atherleib hinein, wenn eine 
mineralische Vergiftung da ist. So daB wir sagen konnen: Mineralische 
Gifte bewirken, daB der physische Leib in den Atherleib dringt, irgendwo 
in den Organen in den Atherleib sich hineinzieht. Also sehen Sie, wenn 
ich Blei zuviel habe und es im Magen nicht durch das Gegengift fort- 
geschafft wird, wenn es in den Korper iibergeht, dann wird sofort im 
ganzen menschlichen Korper der physische Leib in den Atherleib 
hineingetrieben. Der physische Leib ist tot, der Atherleib lebt. Der 
Atherleib wird aber getotet durch den physischen Leib, der zu stark 
eindringt. 

Wenn ich Kupfergift habe und ich bringe es nicht gleich dahin im 
Magen, daB es durch Gegengift unschadlich gemacht wird, geht es in 
den Leib iiber, und im Unterleibe durchdringt dann der physische Leib 
zu stark den Atherleib. Es entsteht wiederum Schadigung des Leibes. 
Und so kann man sagen, alle mineralischen Gifte bewirken, daB der 
physische Leib in den Atherleib eindringt. Gebe ich jetzt mein Gegen- 
gift, etwas, was vom Atherleib herkommt, EiweiBwasser, lauwarme 



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Milch und so weiter, so wird das Physische wiederum ausgetrieben 
vom Atherleib. Sehen Sie, da sieht man ganz genau hinein, wie es im 
menschlichen Korper zugeht. 

Nun, und wie ist es bei Pflanzengiften? Wenn man das Gift von der 
Tollkirsche hat, oder vom Bilsenkraut, oder von Digitalis, Fingerhut, 
oder von Datura stramonium, Stechapfel, wenn man also irgend solch 
ein Pflanzengift hat, dann geschieht folgendes. Bei mineralischen Giften 
ist es so, daB einem iibel wird, daB es im Magen anfangt zu kollern, in 
den Darmen anfangt zu kollern. Aber wenn man Pflanzengifte zu sich 
nimmt - in starken Mengen genommen, wirkt auch der Alkohol als 
Pflanzengift, das Opium als Pflanzengift -, da bleibt es nicht bei der 
Ubelkeit, dem Brechreiz und so weiter stehen, sondern da wird der 
ganze Korper ergriffen. Und zuerst tritt im Magen eigentlich kaum 
etwas ein bei Pflanzengiften. Dagegen in den weiteren Gedarmen tritt 
etwas ein, da tritt Durchfall ein. Wahrend bei den mineralischen Giften 
mehr Brechreiz eintritt, tritt bei den Pflanzengiften mehr Durchfall ein. 
Aber es geht weiter. Der Korper wird aufgedunsen, wird blaulich, er 
bekommt Krampfe. Das Schwarze in den Augen, der Augenstern, geht 
auseinander, wird groB, oder wird auch klein; bei Opium wird er ganz 
klein, bei anderen Pflanzengiften wird er ganz groB. Ja, sehen Sie, solche 
Pflanzengifte greifen viel mehr in den Korper ein. Die mineralischen 
Gifte greifen nur in den physischen Korper des Menschen ein. Die 
Pflanzengifte, weil sie vom Atherischen herkommen, von dem Leben, 
greifen gleich in den Atherleib ein. So daB man sagen kann: Pflanzen- 
gifte bewirken, daB der Atherleib sich in den Astralleib hineinzieht. Da 
geht es tiefer in den Korper hinein. Wahrend mineralische Gifte den 
physischen Korper irgendwo in den Atherleib, in das Leben hinein- 
treiben, treiben die Pflanzengifte das Leben in die Empfmdung hinein, 
in den astralischen Leib. Und die Folge davon ist, daB der Mensch 
betaubt wird, daB iiberhaupt die Empfmdung schwindet, daB er betaubt 
wird, daB gerade diejenigen Organe, durch die man die feineren Emp- 
findungen hat, die Augen, angegriffen werden - die Pupillen werden 
groB oder klein -, daB die Haut angegriffen wird, womit man tastet. 
Also bei Pflanzengiften geht es dann tiefer in den Korper hinein. Und 
es ist so, daB man jetzt daran denken muB, daB man geradeso, wie man 



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das mineralische Gift aus dem Atherleib herausgeschmissen hat mit 
etwas, was vom Leben kommt, man jetzt das Pflanzengift aus dem 
astralischen Leib herausschmeiBen muB. Und da handelt es sich darum, 
daB man suchen muB nach solchen Pflanzen, die mehr sind als die 
gewohnlichen Pflanzen, bei denen der Astralleib aus dem Kosmos, aus 
der Welt bereits eingegriffen hat. 

Sehen Sie, meine Herren, die gewohnlichen Pflanzen, die wachsen 
im Friihling, sie dauern den Sommer hindurch, im Herbste dorren sie 
wiederum ab. Das sind die gewohnlichen Pflanzen. Es gibt aber auch 
Baume; die dorren nicht ab, sondern die dauern lange fort. Das ist 
deshalb, weil da das Astralische von auBen herankommt und eingreift. 
Das ist bei besonderen Baumen besonders stark; die werden zwar nicht 
Tiere, das Pflanzenwesen hat die Oberhand, aber es greift das Astralische 
ein, und zwar vorzugsweise in der Rinde. Baume haben ja das Eigen- 
tumliche, daB sie sich mit der Rinde umgeben, und am wirksamsten, 
weil am starksten da das Astrale eingreift, ist die Rinde von Eichen- 
baumen und von Weidenbaumen. Aber alle diejenigen Baume, die 
dasjenige in sich enthalten, was man Gerbsaure nennt, alle diese sind 
Baume, wo das Astrale stark eingegriffen hat. Und die Folge davon ist, 
daB der Saft, den man von der Rinde von Weidenbaumen oder Eichen- 
baumen auspressen oder auskochen kann, als Gegengift hilft, weil man 
damit aus dem astralischen Leib wiederum herausschmeiBen kann, was 
durch das Pflanzengift hineingekommen ist. Aber in einem gewissen 
Sinne hat eine solche Saure, welche das Schadliche aus dem astralischen 
Leib herausschmeiBt, auch der Kaffee und auch der Tee. Und starker 
Kaffee und guter Tee haben auch diese Wirkung gegen Pflanzengifte. 
Und jetzt sehen wir, warum wir, wenn wir Mahlzeiten einnehmen, 
unter Umstanden gar nicht schlecht tun, wenn wir schwarzen Kaffee 
trinken. Wenn wir schwarzen Kaffee trinken, dann ist das so - weil ja 
immer in den Pflanzen ein biBchen Gift drinnen ist -, daB wir dasjenige, 
was den Korper verzehrt dadurch, daB der Atherleib in den Astralleib 
eindringt, mit dem schwarzen Kaffee aus dem astralischen Leib wieder 
hinausschmeiBen. Und dieses Trinken von schwarzem Kaffee bedeutet 
eigentlich, daB wir jedesmal, wenn wir durch eine Mahlzeit dem Korper 
etwas zufiihren, was ihn etwas ungesund macht, dasjenige wieder 



40 



herausbringen, was etwa im Essen drinnen sein konnte und zu stark in 
den Astralleib hineinkommen konnte. 

Beim Tee miiBte man die Vorsicht haben, inn wahrend des Essens zu 
trinken, weil er sogar etwas starker wirkt und den astralischen Leib 
angreift. Wenn der Tee wahrend des Essens getrunken wird, so ver- 
mischt er sich mit der Verdauung und befordert die Verdauung, indem 
er den astralischen Leib wiederum freikriegt, der mit der Verdauung 
beschaftigt ist. Wenn man aber nachher den Tee trinkt, so geht man 
direkt an den astralischen Leib heran und macht ihn zu wirbelnd, zu 
stark tatig. 

Aber sehen Sie, meine Herren, die Menschheit hat eigentlich einen 
ganz guten Instinkt gehabt. Es ist schon so, daB die Menschen nicht 
umsonst sich gewohnt haben, ein biBchen Kaffee zu trinken, denn das 
macht ihren Astralleib von dem, was als Schadigung eintreten will, frei. 
Immer hat der Korper ein biBchen die Tendenz, Gifte zu entwickeln. 
Daher muB der Mensch schon auch diese schwachen Gegengifte, die da 
sind im Kaffee, haben. Und Sie wissen ja auch, daB es Menschen gibt, 
welche die Verdauung befordern wollen nicht durch schwarzen Kaffee 
nur, sondern indem sie zum schwarzen Kaffee auch noch ein Glaschen 
Kognak dazumischen. Ja, mit dem Kognak ist es so, daB in dem Kognak 
selber etwas als ein Pflanzengift wirkt, und das schaltet den astralischen 
Leib ganz aus. Und dann wirkt der Atherleib besonders stark, wenn 
der Mensch Kognak trinkt. Bei alien Schnapsen wirkt der Atherleib 
besonders stark. Der Mensch fiihlt sich wohlig, weil er das BewuBtsein 
ausschaltet und ganz Pflanze wird. Er senkt sich ganz ins Pflanzenhafte 
ein, wenn er Schnapse trinkt, und dabei fiihlt er sich wohl, geradeso 
wie sich der Mensch sonst im Schlaf wohlfiihlt. Im Schlaf aber hat er 
nicht das BewuBtsein vom Wohlsein. Wenn der Mensch namlich im 
Schlaf sich wohlfiihlen kann, dann fiihlt er sich wohl, weil er die Tatig- 
keit des Fleisches dabei wahrnehmen kann. Aber im gewohnlichen, 
wenn die Menschen schlafen, so wissen sie ja nichts von ihrem Wohlsein. 
Wenn sie aber Kognak trinken, dann wissen sie von ihrem Wohlsein, 
und dann sind sie doch ein biBchen wach, aber auf der andern Seite 
schlaft ihr Unterleib, und da fiihlen sie sich bei diesem schlafenden 
Unterleib, wahrend der Kopf wach ist, unendlich wohl. Es ist also 



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tatsachlich das Schnapsetrinken eine Beforderung des tierisch-pflanz- 
lichen Wohlseins beim Menschen. 

Nun, die dritte Art von Giften, das sind die tierischen Gifte. Da ist 
also zum Beispiel das Schlangengift, dann sind die verschiedenen Insek- 
tengifte; dann sind solche Gifte da, wie das bei der Wutkrankheit der 
Hunde auftretende Gift. Diese Gifte wirken im Blut. Man kann das am 
besten am Schlangengift sehen. Wenn die Schlange Sie beiBt, so geht 
das Gift ins Blut hinein, da wirkt es ungeheuer schadlich. Wenn Sie sich 
aber eine Mahlzeit bereiten und entziehen den Schlangen Gift und ver- 
wenden es mit Pfeffer oder Salz, mischen es zu einer Mahlzeit — es hat 
nur keinen Sinn, weil es nicht schmeckt, aber ich meine, wenn Sie es 
zum Vergniigen machen -, dann konnte Ihr Magen das Schlangengift 
famos vertragen! 1m Magen ist es gar nicht giftig. Und in ahnlicher 
Weise wirken andere tierische Gifte, zum Beispiel Insektengifte. Nur 
beim Wutgift ist es so, daB es vor alien Dingen in den Speichel dringt 
und vom Speichel dann wiederum ins Blut kommt und daher unter 
Umstanden wenigstens auch etwas schadliche Wirkungen hervorrufen 
konnte, wenn man es in den Magen bekame, aber gar nicht so schad- 
liche, als wenn man vom Hund gebissen wird. Das Wutgift kommt 
auch aus dem Speichel ins Blut. Also im allgemeinen kann man sagen: 
Tierische Gifte wirken eigentlich erst im Blut, wirken gar nicht in der 
Verdauung. 

Ja, sehen Sie, wenn der Mensch die Verdauung anfangt, dann kommen 
die Sachen, die er in sich hineinnimmt, zunachst in den Magen. Da sind 
sie noch so, wie sie auBen sind, physische Dinge, also noch physisch. 
Wenn die Sache weitergeht bei den Pflanzengiften, die nicht bloB phy- 
sisch sind, die von einem Atherleib kommen, da geht es schon tiefer 
hinein. Aber alle Nahrungsmittel kommen ja auch ins Blut. Schlangen- 
gift, das kann richtig verdaut werden; wenn es von der Seite der Ver- 
dauung ins Blut kommt, dann macht es nichts. Warum? Nun ja, wenn 
die Dinge im Magen sind, da wirkt noch der physische Leib. Wenn die 
Dinge weiter in den Gedarmen sind, bis sie ins Blut ubergehen, da 
wirkt der Atherleib, beim Ubergang ins Blut der Astralleib. Aber im 
Blut drinnen wirkt das Ich. Wenn Sie also Schlangengift ins Blut brin- 
gen, dann bewirkt das, daB der Astralleib ins Ich sich hineinzieht. 



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Mineralische Gifte bewirken, daB der physische Leib in den Atherleib 
sich hineinzieht. Pflanzengifte bewirken, daB der Atherleib in den 
Astralleib sich hineinzieht. Tierische Gifte bewirken, daB der Astralleib 
in das Ich sich hineinzieht. Und daher hilft beim tierischen Gift nichts 
anderes, als daB Sie es aus dem Blut wiederum herausbringen, weil das 
Ich das Hochste ist. Da kann man nicht mehr etwas geben, wodurch 
es herausgeworfen wird, da muB man es direkt herausbringen. Und 
daher kann man es nur durch dasjenige, was im Blute selber ist, heraus- 
bringen. Wenn man also Wutgift der Hunde in sein Blut hineinbekom- 
men hat, oder wenn man Schlangengift in sein Blut hineinbekommen 
hat, dann muB man irgendein Tier nehmen und muB das Tier mit dem 
betreffenden Gift impfen. Stirbt das Tier, nun ja, so ist es eben durch 
das Gift zugrunde gegangen; stirbt es aber nicht, dann kann sein Blut 
dieses Gift bekampfen. Wenn man dann den Blutsaft aus diesem Blut 
nimmt und ihn einem wutkranken Menschen einimpft, so bekommt er 
Blut in sich, das das Gift bekampfen kann, und auf diese Weise kann 
man ihn eventuell heilen. So daB man da nur das Gift direkt durch das 
eigene Gegengift, das im Blut entsteht, herausschaffen kann. 

Das ist aber uberhaupt lehrreich, wie es mit den tierischen Giften ist. 
Denn sehen Sie, meine Herren, tierische Gifte erzeugt der Mensch auch 
fortwahrend selber. Alles eigentlich, was vorhanden ist, erzeugt der 
Mensch selber. Und daB die Tiere solche Gifte erzeugen, das bewirkt 
ja vor allem, daB sie eigentlich ihre Krafte haben; sie waren dumm, 
wenn sie nicht Gifte erzeugen wiirden. Und der Mensch erzeugt Gifte, 
die den tierischen Giften sehr ahnlich sind, namentlich in denjenigen 
Organen, die mehr gegen den Kopf zu liegen, aber wiederum in schwa- 
chem MaBe, so daB sein Korper sie brauchen kann. Erzeugt er sie zu 
stark, so kann er solche tierischen Gifte selber zuviel in seinem eigenen 
Organismus in sich haben. 

Das ist zum Beispiel bei Diphtherie der Fall. Die Diphtherie entsteht 
eben dadurch, daB der Mensch selber tierische Gifte in sich erzeugt. 
Daher kann die Diphtherie in ahnlicher Weise geheilt werden, indem 
man Diphtherie einimpft einem Tier, das sie vertragt, und dann den 
Blutsaft dem Menschen wiederum zuriick einimpft. Der bekommt dann 
in das Blut etwas hinein, was das Diphtheriegift bekampft. 



43 



Sie sehen daraus, daB es in der Natur nicht nur dasjenige geben muB, 
was in gewissem Sinne niitzlich ist, sondern dasjenige, was schadlich 
ist, hat schon auch seine Aufgabe. Mineralische Gifte, die sind nur in 
einem starkeren MaB dasselbe, mit dem es der Atherleib im Menschen 
drinnen zu tun hat. Pflanzliche Gifte sind dasselbe, mit dem es der 
astralische Leib fortwahrend im Menschen zu tun hat. Tierische Gifte 
sind dasselbe, mit dem es das Ich fortwahrend zu tun hat. So daB man 
sagen kann: Etwas von Vergiftung ist fortwahrend beim wachen Men- 
schen vorhanden - beim schlafenden auch -, aber dieses Gift hat in sich 
wiederum die Gegengifte. Und die Sache ist eben wirklich diese, daB 
man sich klar sein muB, daB Gift und Nichtgift in der Natur eben vor- 
handen sein miissen, damit der ganze Haushalt der Natur in der rich- 
tigen Weise vor sich gehen kann. 

Und jetzt werden Sie auch begreifen, warum ich gesagt habe: Amei- 
sensaure muB vorhanden sein. Ameisensaure wird ja fortwahrend von 
den Ameisenhaufen in die groBe Natur hinaus verdunstet. Dadurch ist 
eigentlich iiberall immer Ameisensaure vorhanden. Der Mensch erzeugt 
sich seine Ameisensaure selber. Aber die Natur braucht die Ameisen, 
die die Ameisensaure nach auBen entwickeln. Und wiirde die Ameisen- 
saure nicht erzeugt werden, dann wiirde unsere Erde eben niemals 
wiederum im Weltenall erneuert werden konnen, sondern sie wiirde 
absterben. 

Sehen Sie, wenn man einen menschlichen Leichnam hat, dann ent- 
steht in diesem menschlichen Leichnam das sogenannte Leichengift, 
wiederum ein Gift. Aber diesen Leichnam tragt ja der Mensch fort- 
wahrend an sich herum. Das Gift entsteht fortwahrend. Haben Sie 
einen Leichnam, so liefert Ihnen der Leichnam das Leichengift. Haben 
Sie einen lebenden Menschen, liefert der physische Korper auch das 
Leichengift, aber es sind noch der atherische Leib, der Astralleib und 
das Ich da. Die beschaftigen sich fortwahrend mit diesem entstehenden 
Gift, zehren es auf, leben davon, daB die Gifte da sind. Waren wir als 
Leichen nicht giftig, so wiirden wir als lebender Mensch eben nicht ein 
Mensch sein konnen. Aber daraus geht Ihnen ja hervor, daB etwas weg- 
gegangen sein muB vom Menschen, wenn der Mensch stirbt. Das ist 
eben sein Ubersinnliches. Jetzt, weil das Ubersinnliche weggegangen 



44 



ist, wird das Gift nicht mehr kaputt gemacht, es bleibt das Gift im 
Menschen vorhanden. Wenn die Menschen also richtig nachdenken 
konnten, warum im physischen Korper Leichengift entsteht, so wiirden 
sie sagen: Nun ja, der physische Korper hat fortwahrend Leichengift 
erzeugt; es ist gar kein Grand, warum er das nicht erzeugen soil, er ist 
ja als physischer Korper noch dasselbe, wenn der Mensch gestorben ist 
oder gelebt hat. Aber der Mensch, der ubersinnliche Mensch, der das 
Leichengift braucht zu seinem Leben, der ist fort; daher bleibt das 
Leichengift zuriick. Also bezeugt doch dieses, wie der ubersinnliche 
Mensch im sinnlichen, im physischen drinnensteckt. Nur kann die 
heutige Wissenschaft nicht darauf kommen, weil die heutige Wissen- 
schaft nicht denkt. 

Das ist also dasjenige, was, ich mochte sagen, die allgemeine Lehre 
ist, die aus den Giftwirkungen hervorgeht. Sie sehen aber zu gleicher 
Zeit daraus: Wenn man medizinisch iiber den Menschen sprechen will, 
von einem Heilmittel wissen will, dann muB man sich fragen konnen: 
Ja, wie wirkt denn dieses Heilmittel? Man muB unter Umstanden, wenn 
man bemerkt, daB der astralische Leib nicht ordentlich wirken kann, 
iiber den physischen Leib und Atherleib nicht Herr wird, dem Men- 
schen gerade etwas Arsenik eingeben, weil das, dem astralischen Leib 
zugefugt, diesen astralischen Leib verstarkt. Und so ist es, wenn man 
bemerkt, daB das Ich nicht ordentlich wirkt. Man merkt das daraus, daB 
der Mensch Gicht oder Rheumatismus bekommt, weil das Ich zu 
schwach wird und die Nahrungsmittel nicht auflosen kann. Dann drin- 
gen sie ins Blut und werden da Fremdkdrper. Merkt man das an Gicht 
oder Rheumatismus, daB die Korper Fremdkdrper werden, dann muB 
man das Ich verstarken. Das kann man eben durch Insektengift tun. 
Und wenn einen eine Biene sticht, dann wird dies auf naturgemaBe 
Weise erreicht und der Mensch kann dann zu seinem Gliick geheilt 
werden. Kenntnis von den Heilmitteln heiBt: Wie wirkt die Natur auf 
das Ich? Wie wirkt die Natur auf den astralischen Leib? Wie wirkt die 
Natur auf den Atherleib? Gerade die ubersinnliche Natur muB man 
kennen, wenn man die Kenntnis von Heilmitteln haben will. 

So sehen Sie, wirkliche Wissenschaft entsteht auf irgendeinem Ge- 
biete erst, wenn man den iibersinnlichen Menschen betrachten kann. 



45 



Nun werden Ihnen dabei allerlei Fragen aufgehen oder schon aufge- 
gangen sein. Damit wollen wir am nachsten Mittwoch um neun Uhr 
fortsetzen. 

-1. Mnerqlgiff<?t>ewirkcn ( dqp dcr p^ysisthje Lcib in 
den #tf)erleib irjlnainzie^t 

1. Vflanzanqifre bewirken, dqpderflfFjer-leib in 
<3en Astrallzib sicfj fyineinzjeht. 

3. T\eriscfr)Q Qiff-e bewirkcn, daM cr cutralijcJie Lei b i n 
das Jcf) sicf] f]ineinzicf)t. 



46 



DRITTER VORTRAG 



Dornach, 23. Januar 1924 

Ich mochte noch gern zu dem, was ich Ihnen am letzten Samstag gesagt 
habe, einiges hinzufiigen, und die beiden Fragen, die mir fur heute 
gegeben wurden, kann ich das nachste Mai noch beantworten. Wir 
haben von den Giften und ihren Wirkungen an dem Menschen gespro- 
chen, und wir haben gerade an den Giften gesehen, daB man, wenn 
man wirkliche Wissenschaft versteht, zu dem Ubersinnlichen, zu den 
geistigen Wesensgliedern des Menschen aufsteigen muB. 

Nun mochte ich heute zu der Besprechung dessen, was ja so starke 
Giftwirkungen hervorbringt, damit Sie ein vollstandiges Bild haben, 
noch dasjenige hinzufiigen, was der mehr oder weniger gesunde Korper 
bei der Ernahrung aufbringt. Ich habe zwar ofter iiber die Ernahrung 
gesprochen, aber wir wollen wiederum mit Bezug auf die Ernahrung 
einiges sprechen und dabei auf das Riicksicht nehmen, was wir das 
letzte Mai vorgebracht haben. 

Bei der Ernahrung nimmt der Mensch hauptsachlich drei bis vier 
Arten von Nahrungsmitteln auf. Das erste Nahrungsmittel ist das 
EiweiB, das Sie am besten dadurch kennenlernen, daB Sie ein Hiihnerei 
betrachten. Das EiweiB erzeugt sowohl die Pflanze wie auch der tie- 
rische und der menschliche Korper. Der menschliche sowie auch der 
tierische Korper brauchen nicht nur die Krafte, die sie in sich haben, 
um EiweiB zu erzeugen, denn jeder lebende Korper erzeugt eben EiweiB, 
sondern sie brauchen auch das EiweiB, das durch die Pflanze ganz 
selbstandig bereitet wird. Der menschliche Korper nimmt ja auch das 
tierische EiweiB auf. In bezug auf dieses EiweiB hat ja gerade die Wis- 
senschaft in der allerneuesten Zeit im Grunde eine groBe Blamage 
durchgemacht; denn es ist noch vor zwanzig Jahren iiberall gelehrt 
worden, daB der Mensch im Tage mindestens 120 Gramm EiweiB in 
sich aufnehmen miisse, damit er gesund bleibe. Und so hat man die 
ganze Ernahrung so eingerichtet, daB man diejenigen Speisen vorge- 
schrieben hat, die man essen soil, um die notige Menge EiweiB in den 
Korper zu bekommen. Man hat also geglaubt, 120 Gramm seien notig. 



47 



Heute ist ja die Wissenschaft von dieser Ansicht ganzlich zuriick- 
gekommen. Sie weiB heute, daB wenn der Mensch so viel EiweiB iBt, 
er da nicht nur seinem Gesundsein nicht dient, sondern direkt seinem 
Kranksein dient, weil der groBte Teil EiweiB im menschlichen Darm- 
organismus fault. So daB also der menschliche Organismus dadurch, 
daB er im Tag 120 Gramm EiweiB verzehrt, fortwahrend etwas wie 
faulende Eier im Darm hat, die den Darminhalt furchtbar verunreinigen 
und die Gifte ausschwitzen, die dann in den Organismus, in den Korper 
iibergehen und nicht nur das im Korper leicht erzeugen, was dann im 
spateren Alter zur sogenannten Arterienverkalkung fuhrt - die meiste 
Arterienverkalkung kommt namlich von zuviel genossenem EiweiB -, 
sondern was auch den Menschen auBerordentlich leicht ansteckbar 
macht fur alle moglichen ansteckenden Krankheiten. Der Mensch ist 
um so weniger der Ansteckungsgefahr fur Krankheiten ausgesetzt - 
natiirlich, die notige Menge muB er haben -, je weniger er UberfluB 
an EiweiB zu sich nimmt. Wer viel EiweiB zu sich nimmt, bekommt 
leichter die ansteckenden Krankheiten, Diphtherie, Blattern, Pocken, 
als ein Mensch, der nicht so viel EiweiB zu sich nimmt. 

Es ist ja sehr eigentiimlich, daB man heute von Seiten der Wissen- 
schaft lehrt, nicht 120 Gramm EiweiB seien notig, sondern nur 20 bis 
50 Gramm. Das ist diejenige Ration, sagt man, die der Mensch eigent- 
lich taglich notig habe. So schnell hat sich die Wissenschaft in bezug 
auf ihre Ansichten in zwei Jahrzehnten geandert. Sie sehen also, wieviel 
eigentlich darauf zu geben ist, wenn irgend etwas sozusagen wissen- 
schaftlich festgestellt ist. Denn passiert es Ihnen zufallig, daB Sie sich 
iiber diesen Gegenstand unterrichten sollen, und Sie nehmen ein Kon- 
versationslexikon in die Hand, das zwanzig Jahre alt ist, dann lesen Sie 
in dem betreffenden Kapitel, Sie miiBten 120 Gramm EiweiB haben; 
bekommen Sie eine spatere Auflage in die Hand, dann lesen Sie: 20 bis 
50 Gramm, und wenn Sie mehr hatten, wiirden Sie iiberhaupt krank 
davon. Sie sehen also, wie es im Grande genommen mit den wissen- 
schaftlichen Wahrheiten eigentlich steht. Man wird unterrichtet dariiber, 
was man fur wahr oder falsch anzusehen hat, je nachdem, welche Auf- 
lage des Konversationslexikons man in die Hand bekommt. All das 
weist eben darauf hin, daB man sich iiber solche Dinge, die ins Geistige 



48 



hineingehen, iiberhaupt nicht auf diese Weise klarwerden kann. Und 
das ist naturlich ein AnlaB dazu, wenn man sich die Sache wirklich 
uberlegt, daB man gerade ins Geistige hineingehen muB, wenn man ver- 
stehen will, was geschieht, wenn der Mensch EiweiB zu sich nimmt. 
Aber es ist dasjenige Nahrungsmittel, welches unbedingt noch in den 
Darmen, im Unterleibe verarbeitet werden muB, und der Unterleib 
selbst muB die Kraft haben, dieses EiweiB zu verarbeiten. Sie wissen ja, 
das EiweiB ist, namentlich was das frische EiweiB anbelangt, halbfliissig. 
Alles EiweiB ist halbfliissig. Zu allem Halbfliissigen hat der menschliche 
Atherleib seinen Zugang. Der menschliche Atherleib kann nichts 
machen mit demjenigen, was fest ist, sondern nur mit dem, was fliissig 
ist. So daB also der Mensch alle Nahrung, die er zu sich nimmt, im 
flussigen Zustand nehmen muB. 

Nun werden Sie sagen: Wenn der Mensch Salz nimmt, Zucker oder 
so etwas, ist es ja fest. - Aber es wird ja gleich aufgelost! Dazu haben 
wir ja gerade den Mundsaft. Das Feste, was den eigentlichen physischen 
Korper ausmacht, das darf iiberhaupt gar nicht von der AuBenwelt in 
den menschlichen Korper hineinkommen. Daher konnen Sie daraus 
entnehmen: Sie haben Festes in sich, Sie wissen das; die Knochen sind 
fest. Aber die Sache ist so: Die festen Knochen werden erst aus dem 
Flussigen heraus im menschlichen Korper selber gebildet. Nichts Festes 
von auBen kann jemals in den menschlichen Korper hinein. Der mensch- 
liche Korper muB alles Feste selber aus dem Flussigen entstehen lassen. 
Daher konnen Sie sagen: Wir haben das Feste in uns und das bildet den 
physischen Korper. Aber der physische Korper ist ganz und gar aus 
dem Flussigen heraus gebildet, und fur das Fliissige ist der Atherleib 
da, der feine Korper, den man nicht sehen kann, der aber den ganzen 
Menschen durchzieht. Und das EiweiB muB auch, und zwar im Unter- 
leib, ganz vom Atherleib verarbeitet werden. Naturlich wirken da 
drinnen, wie ich Ihnen schon einmal gesagt habe, auch die anderen 
geistigen Wesensglieder des Menschen; aber es muB das EiweiB im 
Atherleib verarbeitet werden. Also das Fliissige ist fur den Atherleib 
des Menschen da. Nun, daraus schon, daB Sie wissen konnen: das 
EiweiB muB im Unterleib des Menschen verarbeitet werden, konnen 
Sie ersehen, daB das EiweiB eigentlich nicht die allerstarkste Arbeit im 



49 



Menschen haben kann, denn es braucht ja gar nicht heraufzuarbeiten in 
den Brustkorper, und vor alien Dingen, es braucht nicht heraufzuarbei- 
ten in den Kopf des Menschen. Sie sehen daraus, daB das EiweiB nicht 
als ein Nahrmittel dienen kann, das in allererster Linie in Betracht 
kommt. Man kann sagen: Der Mensch kann eigentlich unmoglich 
zuwenig EiweiB essen, denn im Unterleib ist ja das, was man iBt, gleich 
drinnen; es braucht da nicht viel zu arbeiten. Das EiweiB wird im 
Unterleib verarbeitet. Selbst wenn der Mensch nur ganz eiweiBarme 
Nahrung zu sich nimmt, so wird alles EiweiB sogleich verarbeitet. 

Man sieht also daraus, daB der Mensch durchaus die Moglichkeit hat, 
mit wenig EiweiB auszureichen. Heute gibt es ja die Wissenschaft schon 
zu, aber vor Jahren hat man insbesondere die Kinder mit EiweiB iiber- 
futtert. Heute, nicht wahr, sehen wir diejenigen Kinder, die man in 
den siebziger oder achtziger Jahren mit EiweiB uberfiittert hat; die 
gehen heute mit Arterienverkalkung herum oder sind schon gestorben 
an Arterienverkalkung. Es zeigt sich also die Schadlichkeit einer Sache 
nicht gleich in derselben Zeit, sondern sie zeigt sich eben erst viel 
spater. 

Die zweite Art von Nahrungsmitteln sind die Fette. Fette gehen 
selbstverstandlich, wenn man sie iBt, auch in den Unterleib hinein. Aber 
die Fette gehen durch die Gedarme hindurch und wirken auf den Mittel- 
leib des Menschen, auf die Brust sehr stark. So daB also der Mensch 
fur den Mittelleib, die Brustgegend, fur die ordentliche Ernahrung von 
Herz, Brust und so weiter unbedingt fettige Stoffe aufnehmen muB. 

Daraus ergibt sich, daB der Mensch in seinem Brustgebiet vorzugs- 
weise das Fettige braucht, weil im Brustgebiet die Atmung stattfindet. 
Was heiBt das? Das heiBt, der Kohlenstoff, den der Mensch in sich 
tragt, verbindet sich mit dem Sauerstoff. Wenn sich der Kohlenstoff 
mit dem Sauerstoff verbindet, braucht man Warme. Dasjenige, was die 
Fette machen, indem sie sich selber mit Sauerstoff verbinden, das ist 
Warmeerzeugung. So daB also gerade zu dem, was der Mensch in seinem 
Brustorganismus braucht, die Fette auBerordentlich viel beitragen. 

Nun kann man sagen: Die EiweiBstoffe haben, wenn sie nicht vom 
Korper verarbeitet werden, und zwar wenn sie nicht im Unterleib ver- 
arbeitet werden, die Neigung zu faulen. Wir haben wirklich, wenn wir 



50 



EiweiBstoffe in uns haben, die nicht ordentlich verarbeitet werden kon- 
nen, etwas wie faule Eier in unsern Gedarmen. Nicht wahr, meine 
Herren, Sie kennen ja wohl den Gestank von faulen Eiern, und die 
Sache ist schon die, daB der Mensch innerlich in seinen Korper hinein, 
wenn er zu viel EiweiB nimmt, diesen Faule-Eier-Gestank ausschwitzt. 
Er durchdringt sich ganz mit diesem Faule-Eier-Gestank. Ja, wenn Sie 
Eier stehen lassen, dann werden sie eben faule Eier, dann stinken sie 
eben wie faule Eier. Und der Teil, den der Korper nicht verarbeitet hat, 
der wird natiirlich auch im Korper stinken; aber der andere Teil, der 
verarbeitet wird, der wird nicht stinken, sondern der geht in den Korper 
reinlich iiber. Das ist aber die Arbeit des Atherleibes. Der Atherleib ist 
dazu da, um dasjenige, was entsteht als fauliger Gestank, zu iiberwinden 
und zu beseitigen. Das ist im menschlichen Korper so, daB der Ather- 
leib der Kampfer und der Sieger iiber das Fauligwerden ist. Das Ver- 
faulen wird im Menschen besiegt durch den Atherleib. Wenn der Mensch 
nach dem Tode nicht mehr seinen Atherleib hat, dann fangt er ja an zu 
faulen. Sie konnen also da, ich mochte sagen, ganz handgreiflich finden: 
Der Mensch fault nicht, solange er lebt; sobald er nicht mehr lebt, fault 
er. Woher kommt das? Weil der Atherleib fort ist, wenn der Mensch 
tot ist! Der Atherleib ist also derjenige Teil im Menschen, der das 
Faulen verhindert. Wir haben also fortwahrend in uns den Kampf 
gegen das Faulen, und derjenige, der da kampft gegen das Faulen, ist 
unser Atherleib. 

Also ich denke, meine Herren, wer das alles durchdenkt, der muB 
mit hochster Klarheit bloB durch die auBerliche Betrachtung finden, 
daB ein Atherleib da sein muB, daB iiberhaupt ein Atherleib iiberall da 
sein muB. Denn denken Sie sich nur, iiberall werden auf der Erde 
EiweiBstoffe erzeugt, die verfaulen. Es muBte ja die Erde bis zum 
Himmel hinauf stinken, wenn nicht der Ather da ware und dieses 
Faulende immer wieder vertriebe. Also innerhalb und auBerhalb des 
menschlichen Organismus ist es der Ather, der fortwahrend kampft 
gegen das Faulwerden der EiweiBstoffe. Das muB durchaus beriick- 
sichtigt werden. 

Wenn wir zu den Fetten iibergehen, dann miissen wir sagen: Die 
Fette werden nicht faul, aber sie werden ranzig - das wissen Sie alle, 



51 



wenn Sie Fette drauBen irgendwie einmal haben stehen lassen -, selbst 
die Butter wird ranzig. Also Fette haben die Eigentumlichkeit, ranzig 
zu werden. Nun, wenn Sie Butter haben stehen lassen, da werden Sie 
nicht sagen konnen: Das ist eine ranzige Butter, oder eine gute, frische 
Butter -, wenn Sie nicht darauf geschult sind, es ihr anzusehen. Aber 
wenn Sie die Butter auf die Zunge bringen und sie schmecken, dann 
wissen Sie sofort, die Butter ist ranzig. Das hat also etwas zu tun mit 
dem BewuBtsein, mit der Empfindung. Das Faulsein, das hat etwas zu 
tun mit dem Riechen, mit dem AuBerlichen, das konnen Sie riechen. 
Es ist natiirlich bei faulen Eiern anders als beim Rosenduft, aber jeden- 
falls riechen Sie es. Nicht aber eben das Ranzigwerden. Das Ranzig- 
werden ist etwas, wo man die Bezeichnung von etwas mehr Innerlichem 
nimmt, vom Schmecken. 

Das weist schon darauf hin, daB das mit der inneren Empfindung 
viel mehr zu tun hat als dasjenige, was das Faulige bei den Eiern ist. 
Mit alledem, was im BewuBtsein Empfindung ist, hat physisch der 
menschliche Mittelleib, der Brustleib zu tun, aber geistig der Astralleib. 
Und Sie wissen ja, im Brustkorb ist eben dasjenige, was luftartig wirkt. 
Wir atmen die Luft ein. Wir verarbeiten die Luft. Im Brustkorb ist die 
Luft am richtigen Platze. In dem andern Teil des menschlichen Korpers 
diirfen nur sparsam Gase und Luftarten erzeugt werden. Wenn in den 
Darmen zu viel Gase erzeugt werden, so entstehen die krankhaften 
Blahungen, und das ist nicht gesund. Fur die eigentliche Gaserzeugung 
ist der Mittelkorper des Menschen da. Und dasjenige hohere iiber- 
sinnlich-geistige Glied, das da eingreift - das greift also ein in das Gas- 
formige -, das ist der menschliche Astralleib. Dieser menschliche 
Astralleib bekampft nun in sich das Ranzigwerden der Fette; geradeso 
wie der Atherleib das Faulwerden der EiweiBstoffe bekampft, so be- 
kampft der Astralleib das Ranzigwerden der Fette. Der Mensch wiirde 
fortwahrend von seinen eigenen Fetten ein ranziges AufstoBen haben, 
wiirde innerlich sich selber ranzig schmecken, wenn nicht sein Astral- 
leib dieses Ranzigwerden fortwahrend bekampfte. So daB wir in uns 
diesen Astralleib haben zur Bekampfung des Ranzigwerdens der Fette. 

Sehen Sie, meine Herren, das ist ganz wunderbar, denn Sie konnen 
daraus sehen, daB das, was drauBen in der gewohnlichen physischen, 



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materiellen Welt ist, einen ganz anderen Gang nimmt, als was bei uns 
drinnen ist. DrauBen in der physischen Welt werden die Fette unbe- 
dingt ranzig. Der Mensch wird zu seinem Heile nicht immer ranzig, 
nur wenn er innerlich krank wird. Es ist also die Sache die, daB der 
Mensch im gesunden Zustande seinen Astralleib so hat, daB er nicht 
ranzig werden kann. Er wird nur ranzig, wenn er zuviel Fett iBt, so daB 
der Astralleib es nicht bewaltigen kann, oder wenn durch irgend etwas 
zuviel Fett erzeugt wird; das wissen die Menschenfresser besser als wir. 
Aber innerlich nimmt der Mensch schon sein Ranzigwerden wahr. Und 
man kann sagen: Wenn bei einem Menschen ein starkes Ranzigwerden, 
das heiBt ein viel zu geringes Wirken des astralischen Leibes eintritt, 
dann hat er fortwahrend einen unangenehmen Geschmack im Mund. 
Dieser unangenehme Geschmack wirkt dann wieder zuriick auf den 
Magen. Und auf diesem Umwege bekommt der Mensch erst Magen- 
und Darmkrankheiten vom ranzigen Fett in sich selber. 

Wenn man an einem Menschen bemerkt, daB er innerlich ranzig 
wird, so ist es so, daB fur das, was er in sich hat an Fetten, die er nicht 
verarbeitet, ein gutes Heilmittel das Arsen ist. Das Arsen kampft gegen 
das Fettwerden, starkt den Astralleib. Und die Folge ist dann, daB der 
Mensch dieses Ranzigwerden bekampfen kann. Das sind Dinge, die 
auBerordentlich wichtig sind. Wenn der Mensch in sich selber die Nei- 
gung zeigt, sein faules EiweiB durch den Atherleib nicht besiegen zu 
konnen, dann wirkt gewohnlich auf den Menschen auBerordentlich 
stark als ein Heilmittel irgendwelche Verbindung mit Kupfer. Kupfer 
wirkt also, wenn die Unterleibskrankheiten, Darmkrankheiten direkt 
bewirkt sind durch das EiweiB. Wenn Sie aber bemerken, daB durch 
den Mund, durch den Geschmack etwas sich bemerkbar macht, da hilft 
es nichts, wenn Sie ihm Kupfer beibringen, sondern da muB es Arsen 
sein, weil Sie zunachst seinen Astralleib stark machen miissen. Also 
daB man eben einfach konstatiert, in diesem oder jenem Teil des Men- 
schen liegen diese oder jene Krankheiten, das tut es nicht, sondern man 
muB wissen, woher sie kommen. Ob sie von faulem EiweiB im Darm 
oder von ranzig gewordenen Fetten kommen, die auf dem Umweg 
durch den Mundgeschmack wiederum in die Darme und in den Magen 
hineinwirken. 



53 



So sehen Sie also, meine Herren, wir haben in uns das Gegenteil von 
dem, was diese Stoffe drauBen zeigen. Wir haben einen Astralleib, der 
das Ranzigwerden der Fette bekampft, wahrend durch die gewohnliche 
physisch-materielle Welt die Fette eben einfach ranzig werden. 

Ein drittes Nahrungsmittel, das der Mensch zu sich nimmt, das sind 
diejenigen Stoffe, die Kohlehydrate sind. Kohlehydrate sind ja nament- 
lich in der Kartoffel zum Beispiel, in den Linsen und Bohnen und 
selbstverstandlich in alien Getreidearten. Da sind die Kohlehydrate 
drinnen. In sehr vielen von diesen Stoffen ist auch entweder direkt 
Zucker drinnen, den wir ja immer zu unserer Nahrung nehmen, oder 
aber es wird der Zucker direkt aus diesen Kohlehydraten erzeugt, indem 
wir das, was wir zum Beispiel mit der Kartoffel in uns hineinnehmen, 
umbilden. In der Kartoffel ist zum groBen Teil Starke drinnen. Dieser 
Starkekleister wird in uns zuerst in Dextrin und dann in Zucker umge- 
wandelt. So daB Sie, wenn Sie Kartoffeln essen, sich eigentlich vom 
Zucker nahren, denn der Kartoffelkleister, der Starkekleister, wird im 
menschlichen Korper in Zucker umgewandelt. Nicht wahr, besonders 
viel von diesem Zucker enthalt zum Beispiel die Weintraube, dadurch 
auch der Alkohol. Das ganze, was der Alkohol fur den Menschen ist, 
beruht ja eigentlich neben dem Alkohol auf seinem Zuckergehalt. 
Zucker wird ja namentlich wieder aus dem Alkohol im menschlichen 
Organismus erzeugt. 

Die erste Art von Nahrungsmitteln war also EiweiB, die zweite Art 
Fette und die dritte Art Starke, Zucker. Wir haben gesehen, das EiweiB 
wird bearbeitet, indem es nicht faulig wird, in gewissen Quantitaten 
vom Atherleib. Die Fette werden bearbeitet, indem sie nicht ranzig 
werden, vom Astralleib. Nun Starke und Zucker! Wenn man den 
Atherleib anschaut, so muB man sagen: Der ist vorzugsweise im Unter- 
leib tatig. Der Astralleib ist vorzugsweise in der Brustgegend tatig. Nun 
kommen wir zu etwas anderem. Sie alle kennen ja, ich will nicht sagen 
durch sich selber, aber dadurch, daB Sie Leute gesehen haben, die nicht 
so sind wie Sie, die Wirkung des Alkohols, und Sie wissen ja, daB der 
Alkohol im Menschen eine besondere Eigentiimlichkeit hervorbringt, 
zuerst in dem Rausch, aber davon wollen wir zunachst nicht reden. 
Aber Sie wissen ja, am nachsten Tag - wir haben auch schon davon 



54 



gesprochen - kommt der sogenannte Brummschadel, man nennt ihn ja 
auch Kater. Was bedeutet denn der Brummschadel oder der Kater? 

Ja, meine Herren, Sie werden schon aus dem Namen entnehmen 
konnen, daB der Brummschadel etwas mit dem menschlichen Kopf zu 
tun hat. Und wenn Sie am nachsten Tage schildern gehort haben von 
den Menschen, die eben anders sind als Sie, wie sie ein Rauschchen 
gehabt haben am Tage zuvor, da werden Sie vorzugsweise klagen gehort 
haben iiber den Schadel. Da tut der Schadel weh, und wenn er nicht 
weh tut, ist er so, als wenn er herunterfallen wiirde von den Schultern 
und dergleichen. Was geschieht denn da eigentlich? 

Die Aufgabe des Kopfes ist namlich, vorzugsweise das zu bekampfen, 
was Starke und Zucker wollen. Was wollen denn Starke und Zucker? 
Da brauchen Sie ja nur auf den Wein hinzuschauen. Nicht wahr, wenn 
der Herbst kommt, erntet man den Wein, die Weintrauben ein. Sie 
werden ausgepreBt und nachher gart die Sache. Das, was dann ausge- 
goren ist, das wird als Wein genossen. Dadurch nun, daB der Wein 
eben durch die Garung Wein geworden ist, hat er die Garung iiber- 
wunden. Wenn Sie aber den Wein in den Magen hineinbringen, dann 
entsteht aus ihm etwas, was wiederum in die Nahrung hineingeht. Der 
Alkohol wird geradezu zuriickverwandelt. Und nun sind die Stoffe, die 
direkt garen wollen, eben Starke und Zucker. Starke und Zucker im 
menschlichen Organismus wollen vorzugsweise garen. Wenn Sie Alko- 
hol trinken, dann vertreibt der Alkohol im Kopf die Krafte, welche 
die Garung von Zucker und Starke im Menschen verhindern. Nehmen 
wir einmal die Geschichte ganz deutlich. Sagen wir, Sie haben am 
22. Januar Kartoffeln gegessen, Bohnen gegessen und Alkohol dazu 
getrunken. Nun schon. Hatten Sie keinen Alkohol getrunken, so ware 
der Kopf nuchtern geblieben. Kartoffeln und Bohnen enthalten Starke 
und Zucker, der aus der Starke entsteht; der Kopf hatte die Kraft, die 
Garung von Starke und Zucker richtig zu verhindern. Bringen Sie 
Alkohol hinein, so verliert der Kopf die Fahigkeit, die Garung von 
Starke und Zucker, die Sie mit den Kartoffeln hineingekriegt haben, 
zu verhindern, und die Kartoffeln und Bohnen, und auch die anderen 
Dinge, Getreidearten zum Beispiel, fangen an in Ihnen zu garen. 

Statt daB also die Garung verhindert wird im Menschen, tritt sie 



55 



jetzt auf. Und sie tritt auf durch eine Unfahigkeit des Kopfes, die 
infolge des Alkohols eingetreten ist, so daB also der Mensch jetzt voller 
Garungskrafte wird. Da gibt es in Mitteldeutschland, in Thuringen, 
einen merkwiirdigen Volksausdruck. Wenn einer Unsinn redet, da sagt 
man in Thuringen: Er gart. In diesen Gegenden hier ist es ja nicht 
gebrauchlich, wenn einer Unsinn redet, zu sagen, er gart; aber die- 
jenigen, die schon in Deutschland waren, werden das ja wohl in Mittel- 
deutschland gehort haben. Und wenn einer immer Unsinn redet, dann 
nennt man ihn in Mitteldeutschland, in Thuringen, ein altes Garluder. 
Die Sache ist also diese, daB das Garen in Mitteldeutschland zusammen- 
gebracht wird mit Verwirrtsein im Kopfe, mit Unsinnmachen. Das ist 
ein sehr guter Volksinstinkt. Man weiB, daB im Menschen zuviel gart, 
wenn er zuviel Unsinn redet. Nun, wenn einer Alkohol getrunken hat 
und einen Brummschadel gekriegt hat, dann redet er nicht den Unsinn, 
denn er wird still, aber der Unsinn ist in ihm, der brummt in ihm. Es 
ist also das, was da auftritt, um Starke und Zucker am Garen zu ver- 
hindern, etwas, was der handgreiflichen Wirkung des Alkohols ent- 
gegengesetzt ist. So daB man sagen kann: Im menschlichen Kopfe sitzt 
etwas, was fortwahrend dahin arbeitet, daB alles das, was an Starke und 
Zucker in ihm ist, am Garen verhindert werden kann. 

Nun, im menschlichen Kopf, das leugnet ja kein Mensch, sitzt am 
starksten, geradeso wie im Unterleib der Atherleib, im Mittelleib der 
Astralleib sitzt, das Ich, das eigentliche Ich. Das ist nun so, daB dieses 
eigentliche Ich es zu tun hat mit dem Warmeartigen, geradeso wie mit 
dem Festen der physische Korper, mit dem Flussigen der Atherleib, 
mit dem Gasformigen der Astralleib es zu tun hat. Es ist ja so, daB der 
Mensch bei alledem, was von seinem eigentlichen Ich abhangt, die 
Warme in Bewegung bringt. Das ist im menschlichen Korper bis in alle 
Einzelheiten zu verfolgen. Das eigentliche Ich hangt auch zusammen 
mit dem Blut, daher ist das Blut warmeerzeugend. Aber das eigentliche 
Ich, das, was der Mensch im BewuBtsein erlebt, hangt zum Beispiel 
auch mit der Driisenabsonderung zusammen. Daher ist die Driisen- 
absonderung nun mit Warme verkniipft. Das eigentliche Ich ist es auch, 
das nun vom Ubersinnlichen her durch die Krafte des Kopfes die Garung 
verhindert. So daB man sagen kann: Der Atherleib bekampft das Faulen 



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der EiweiBstoffe, der Astralleib bekampft das Ranzigwerden der Fette, 
das Ich bekampft das Garen von Zucker und Starke. 

Das ist auch der Grund, aus dem heraus ich Ihnen einmal sagen 
muBte, daB der iibermaBige KartoffelgenuB dem Kopfe schadet. Der 
iibermaBige KartoffelgenuB hat auf den Menschen den folgenden Ein- 
fluB. Sehen Sie, die Kartoffel enthalt wenig EiweiB. Dadurch, daB sie 
wenig EiweiB enthalt, ist sie eigentlich ein gutes Nahrungsmittel fur 
den Menschen. Und wenn der Mensch Kartoffeln maBig zu dem anderen 
hinzu iBt, so ist sie eben ein gutes Nahrungsmittel durch ihren geringen 
EiweiBgehalt. Aber die Kartoffel enthalt auBerordentlich viel Starke, 
die in Zucker verwandelt werden muB im Menschen, zunachst in Dex- 
trin, dann in Zucker. Ich habe Ihnen damals schon gesagt: Wenn der 
Mensch zuviel Kartoffeln iBt, so muB sein Kopf furchtbar viel arbeiten; 
natiirlich, weil der Kopf die Garung verhindern muB. Daher werden 
die Menschen, die iibermaBig Kartoffeln essen und daher ihren Kopf 
zur Verarbeitung der Kartoffelgarung furchtbar anstrengen miissen, 
kopfschwach. Namentlich die mittleren Partien des Hirns werden 
schwach; es bleiben nur die vorderen Partien des Hirns, die sich wenig 
anstrengen beim Verhindern der Kartoffelgarung. Und so ist gerade 
dadurch, daB die Kartoffelnahrung in der neueren Zeit vielfach ver- 
breitet worden ist, der Materialismus gekommen, weil der im Vorder- 
hirn erzeugt wird. 

Es ist ja so eigentiimlich: man glaubt, der Materialismus sei eine 
logische Sache. In gewisser Beziehung ist der Materialismus in der 
neueren Zeit nichts anderes als die Folge vom Kartoffelessen! Nun, 
nicht wahr, an sich haben es die Leute nicht gern, wenn sie bloB von 
Kartoffeln leben sollen; aber den Materialismus haben sie dann gern. 
So daB sie eigentlich in einem Widerspruch sind. Wenn man richtig 
Materialist sein wollte, miiBte man eigentlich anraten, iiberall die 
Kartoffelnahrung zu verbreiten, denn es ware das allerbeste Uberzeugt- 
werden vom Materialismus, nicht wahr? Das ist ja etwas, was bei den 
meisten Menschen doch nicht gelingt. Wenn aber die materialistischen 
Monisten, der Monistenbund so recht wirksam kampfen wollte, so 
miiBte er eigentlich dafiir sorgen, daB die anderen Nahrungsmittel 
moglichst durch Kartoffelnahrung ersetzt werden. Dann wiirde der 



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Monistenbund ganz furchtbare Erfolge verzeichnen. Wenn auch nicht 
ganz schnell, so doch im Laufe von einigen Jahrzehnten, konnte der 
Monistenbund am besten wirken, wenn er auf die Kartoffelnahrung 
einwirken wollte. Nur wiirden ihm schon die Leute, auf die er wirken 
wollte durch die Kartoffelnahrung, einiges auswischen; da konnte er 
also nicht die besten Erfolge haben! 

Aber daraus konnen Sie eines entnehmen: Die Geisteswissenschaft, 
die hier getrieben wird, erkennt gerade die richtige Art des Materialis- 
mus. Der Materialismus weiB ja gar nichts vom Materiellen; die Geistes- 
wissenschaft erkennt gerade, daB ganz besonders die Kartoffel die 
richtige Erzeugerin des Materialismus ist. Sie ist ja furchtbar heim- 
tiickisch, die Kartoffel, listig, schlau bis zum ExzeB. Denn sehen Sie 
einmal, der Mensch kann von der Kartoffel nur die Knollen essen, nicht 
einmal die Augen an der Kartoffel - die wirken schon schadlich -, und 
die Bliite kann er erst recht nicht essen, denn die Kartoffel ist ein Nacht- 
schattengewachs und die Bluten sind giftig. Aber was ist das Gift? Ich 
habe Ihnen das letzte Mai schon gesagt: In groBen Mengen totet das 
Gift, in kleinen Mengen, fein verteilt, ist es Heilmittel. Die Kartoffel 
an sich hat sehr viel Starkekleister in sich, besteht fast nur aus Starke- 
kleister. Sie konnte gar nicht leben, weil der Starkekleister furchtbar 
schadlich wirken wiirde; da zieht sie zu gleicher Zeit aus der Welt das 
Gift an und vernichtet die schadliche Wirkung bei sich selber. Deshalb 
nenne ich sie schlau und listig. Sie selber hat ihr Gift, durch das sie fur 
sich die Schadlichkeit wegnimmt. Aber dem Menschen ist das Gift der 
Kartoffel besonders schadlich; das gibt sie ihm nicht mit, sie gibt ihm 
nur dasjenige, was sie selber bei sich durch ihr Gift bekampft. Es ist 
das wirklich etwas, was man schon so nennen kann: Die Kartoffel ist 
ein schlaues, listiges Wesen! Und der Mensch muB sich klar sein dar- 
iiber, daB wenn er zuviel Kartoffeln iBt, sein Mittelhirn verkummert 
und daB sogar, gerade durch den ubermaBigen KartoffelgenuB, die 
Sinne leiden konnen. 

Wenn einer als Kind oder als ganz junger Mensch zuviel Kartoffeln 
iBt, dann wird sein Mittelhirn auBerordentlich schwach. Aber im Mittel- 
hirn sind die Quellen der wichtigsten Sinnesorgane. Im Mittelhirn ist 
der Vierhiigelkorper, sind die Sehhugel und so weiter, und es wird 



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sogar das Sehen geschwacht durch den iibermaBigen KartoffelgenuB, 
weil das gerade im Mittelhirn seine Quellen hat. Und manche Krank- 
heiten der Augen im Alter gehen davon aus, daB der Mensch gerade als 
Kind zuviel mit Kartoffeln aufgezogen worden ist. Der Mensch wird 
dann sehschwach, augenschwach. Es ist ja wirklich so, daB die Men- 
schen in Europa friiher viel weniger im Alter augenschwach geworden 
sind als jetzt. Und das riihrt wiederum davon her, daB auBer dem, was 
sonst auf die Augen wirkt - aber das wirkt nicht einmal so stark, weil 
es nicht innerlich wirkt, elektrisches Licht und so weiter -, eben der 
iibertriebene KartoffelgenuB sehr schadlich auf die Augen, auf das 
Sehvermogen und sogar auf das Geschmacksvermogen wirkt - sogar 
auf das Geschmacksvermogen! Sehen Sie, da kommt namlich das Fol- 
gende heraus. Nehmen Sie an, der Mensch iBt schon in der Kindheit 
zuviel Kartoffeln. Bei einem solchen Menschen werden Sie im spateren 
Lebensalter sehr haufig das auftreten sehen, daB er nie weiB, wann er 
genug hat, weil sein Geschmack verdorben ist durch den Kartoffel- 
genuB, wahrenddem ein Mensch, der nicht zuviel Kartoffeln gegessen 
hat, richtig durch seinen Instinkt weiB, wann er genug hat. Also der 
Instinkt, der mehr ans Mittelhirn gebunden ist, wird eben verdorben 
durch den iibermaBigen KartoffelgenuB. Das ist dasjenige, was besonders 
stark in der neueren Zeit hervorgetreten ist. 

Aber aus alledem, was ich Ihnen gesagt habe, sehen Sie nun, daB der 
Mensch ganz besonders darauf bedacht sein muB, daB er stark genug 
ist, erstens das Faulwerden der EiweiBstoffe zu iiberwinden, zweitens 
das Ranzigwerden der Fette, drittens das Garen von Starke und Zucker. 

Nun habe ich Ihnen ja schon das letzte Mai gesagt, ganz Antialko- 
holiker kann der Mensch nicht sein, denn wenn er gar keinen Alkohol 
trinkt, so wird Alkohol in ihm selber erzeugt. Aber dieser Alkohol 
bleibt im Unterleib; der geht nicht bis zum Kopf hinauf, weil der Kopf 
frei sein muB von Alkohol, sonst wird er sogleich als Trager des Ich 
unfahig, die Garung, die im Korper ist, in der richtigen Weise zu be- 
kampfen. Sehen Sie, jetzt konnen Sie sich eine Idee bilden von der Art 
und Weise, wie der Mensch zu seiner Naturumgebung steht. Wenn Sie 
zum Beispiel auf das iiberall faulende EiweiB hinsehen - es verfaulen ja 
die Tiere, es verfaulen die Pflanzen -, so miissen Sie sagen: Uberall ist 



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auch Ather, der das nach und nach wiederum ausgleicht. Wenn Sie hin- 
sehen auf die Fette, die ja auch in den Pflanzen sind, die iiberall sind, 
so miissen Sie sagen: Diese Fette wiirden nach und nach alles Lebendige 
unfahig machen zu leben, das Tierische und das Menschliche, wenn 
nicht im Astralleib ein Bekampfer des Ranzigwerdens da ware. Der 
Mensch bekampft also eigentlich dasjenige, was drauBen in der Natur 
ist. Und wenn der Mensch stirbt, da gehen von ihm der Atherleib, der 
Astralleib und das Ich fort. Vom physischen Leib gehen sie fort. Der 
Mensch geht dann in die geistige Welt hinuber. Was geschieht dann? 
Nun, meine Herren, Sie wissen ja, was da geschieht. Der Leichnam 
geht dann sofort iiber in Faulwerden, zugleich in Ranzigwerden und 
zugleich in Garung, nur daB eben das Faulwerden natiirlich mehr gese- 
hen wird, eigentlich mehr gerochen wird, weil man ja mit zugestopften 
Nasen sehr selten herumgeht. Also das Fauligwerden wird leicht gero- 
chen. Aber sich irgendwie iiber ein Grab legen und kosten, ob das Fett 
des betreffenden Leichnams ranzig geworden ist, das tut man gewohnlich 
nicht, und deshalb weiB man gewohnlich nichts davon. Und die Garung, 
die aber stattfindet, studiert man erst recht nicht. Also tatsachlich ist 
das der Fall, daB dadurch, daB das Ich fortgeht, der menschliche Leib 
in Garung ubergeht, dadurch, daB der Astralleib fortgeht, der mensch- 
liche Leib in das Ranzigwerden ubergeht, und dadurch, daB der Ather- 
leib fortgeht, der menschliche Leib in Faulnis ubergeht. Das tragt der 
Mensch fortwahrend in sich, aber wahrend er auf der Erde lebt, bekampft 
er es fortwahrend. Derjenige, der da leugnet, daB im Menschen geistig 
der Atherleib, der Astralleib und das Ich sind als wirkliche geistige 
Wesenheiten, der muB eben gefragt werden: Was stellst du dir denn 
eigentlich vor, warum fault denn der Mensch nicht? Warum gart er 
denn nicht? Warum wird er denn nicht ranzig? Das muBte er namlich 
werden, wenn er so ware, wie der bloBe physische Leib ist! 

Was tut aber unsere Wissenschaft? Unsere Wissenschaft wartet mit 
ihrem Studium, bis der Mensch gestorben ist. Denn das, was sie vom 
lebendigen Menschen weiB, das ist namlich herzlich wenig gegen das, 
was sie eigentlich von der Anatomie weiB, wenn der Mensch Leiche ist, 
gestorben ist. Alles das, was Sie eigentlich lernen konnen, das bezieht 
sich nur auf den Leichnam. Es wartet unsere Wissenschaft immer auf 



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den Leichnam. So daB also diese Wissenschaft iiberhaupt vom wirk- 
lichen Menschen, der da lebt, gar nichts wissen kann, weil sie diesen 
gar nicht beriicksichtigt. Und gerade das ist der Schaden unserer Wissen- 
schaft - seit dem 17. Jahrhundert ist es ja eigentlich erst so -, daB sie 
ihre ganze Erkenntnis im Grande genommen nur vom Leichnam her 
hat. Aber der Leichnam ist nicht mehr der Mensch, denn man muB 
fragen: Was macht, daB, wahrend der Mensch lebt, der Leichnam, den 
er ja auch im Leben an sich tragt, sich als Leichnam nicht so benimmt, 
daB er fault, gart und ranzig wird? Gerade wenn man den lebenden 
Menschen wirklich betrachtet, so kommt man schon auf diese geistigen, 
auf diese iibersinnlichen Glieder der Menschennatur. Und dann merkt 
man auch, daB das Ich vorzugsweise im Kopfe wirkt, daB der astralische 
Leib vorzugsweise in der Brust wirkt, und daB der Atherleib vorzugs- 
weise im Unterleib wirkt. Und die Wissenschaft weiB nicht einmal 
etwas vom Unterleib, weil sie glaubt, im Unterleib seien ganz dieselben 
Vorgange, die drauBen in der Natur sind. Das ist eben nicht so. 

Nun, meine Herren, es ist interessant, die Dinge, ich mochte sagen, 
jetzt nicht abgeschlossen in der Studierkammer zu studieren, sondern 
im Volksleben drauBen zu studieren. Es gibt, wie Sie wissen, Bader, in 
denen es nach faulen Eiern riecht, zum Beispiel Marienbad. Auch 
deutsche Bader gibt es, die eben Schwefelwasserstoff enthalten, wo 
eben die Sache riecht wie faule Eier. Ja, wirklich: Leute, die sonst Fein- 
schmecker und auch Feinriecher sind, die miissen solche Badeorte auf- 
suchen. Und warum tun sie das? Warum leben sie da manchmal mehrere 
Monate im Sommer an Orten, wo es riecht, wie wenn alles durchstreut 
ware mit faulen Eiern? Sehen Sie, das ist so: diese Leute haben namlich 
tatsachlich zuviel EiweiBstoff gegessen, und jetzt kommen sie an den 
Badeort; weil sie mit Haut bedeckt sind und die Sache innerlich ist, so 
riechen sie selber nicht so, aber wenn man es riechen konnte, so wiirden 
sie innerlich furchtbar nach faulen Eiern riechen! Nun kommen also 
alle diese Leute, die innerlich nach faulen Eiern riechen, nach den 
Badeorten, wo es nach faulen Eiern riecht, und was geschieht da? Ja, 
sehen Sie, das eine Mai ist der Faule-Eier-Geruch drinnen, das andere 
Mai drauBen. Das eine Mai, wenn er drinnen ist, merkt es die Nase 
nicht; das andere Mai, wenn er drauBen ist, merkt es die Nase. Kopf 



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und Bauch sind Gegensatze. Was der Bauch an Faule-Eier-Geruch 
erzeugt, wenn es von der Kopfseite her kommt durch das Riechen, so 
wird es bekampft. Und so wird in den Badeorten, die nach faulen Eiern 
riechen, der innerliche Faule-Eier-Geruch bekampft. 

Das ist besonders fur den sehr stark bemerkbar, der einen Sinn hat, 
solche Beobachtungen zu machen. Ich hatte zufallig an einen solchen 
Badeort als Junge zu gehen. Ich muBte jeden zweiten Tag nach Bad 
Marienquelle gehen. Da stinkt es also nach faulen Eiern. Wahrend es 
auBerlich so unangenehm ist, da es so schrecklich riecht, fangt man 
plotzlich an, sich sehr wohl im Bauch zu fiihlen. Wenn man also nicht 
krank ist, im Bauch keinen Faule-Eier-Geruch hat, so tritt das Gefiihl 
der hoheren Lebenslust auf. Der, der sich nicht abstoBen laBt vom 
Faule-Eier-Geruch, der kann das erleben. Naturlich derjenige, der sich 
die Nase zuhalt, der hat nicht den Gegensatz, der hat nicht diese Friih- 
lingswirkung im Bauch, die man hat, wenn man sich richtig hingibt dem 
Faule-Eier-Geruch. Und Faule-Eier-Geruch ist zum Beispiel, auch wenn 
er kiinstlich erzeugt wird, ein auBerordentlich gutes Heilmittel. Er gibt 
zum Beispiel dem Korper die Kraft, schwindende Muskeln wiederum 
fest zu machen, stark zu machen. Nun, die Leute lieben dann solche 
Kuren nicht, aber sie sind in einer gewissen Beziehung auBerordentlich 
niitzlich. Denn sehen Sie, wenn auBerlich an den Menschen der Faule- 
Eier-Geruch herantritt, dann wird es innerlich im Bauch Friihling. Und 
im Friihling sprieBt und sproBt alles, und der Mensch kann wiederum 
stark werden dadurch, daB er innerlich im Bauch Friihling kriegt. 

Das ist dasjenige, was also bei den Leuten eintritt, die sich auf gefra- 
Bige Weise wahrend des Winters ihren Bauch verderben. Sehen Sie, 
wenn einer sich nicht durch GefraBigkeit im Winter seinen Bauch ver- 
dirbt, dann macht er den Friihling mit, der drauBen ist. Gerade der 
Unterleib macht ja den Friihling in einer auBerordentlich starken Weise 
mit. Aber wenn man den Friihling richtig miterleben will drauBen in 
der Natur, dann muB man moglichst wenig solche Sachen essen wie 
Ganseleberpasteten und so weiter. Hat man viel Ganseleberpasteten 
gegessen, dann wird es im Bauche des Menschen nicht Friihling, son- 
dern dann bleibt es im Bauche des Menschen eigentlich so, wie es unter 
der Erde im Winter ist - nicht wie es auf der Erde ist, sondern wie es 



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unter der Erde ist. Da ist es warm, da tut man ja die Kartoffeln in die 
Gruben hinein. Aber es wird alles faul im Menschen dadurch, daB die 
Warme aufgespeichert wird im Bauche; da wird es im Menschen nicht 
Friihling. Und dann muB man sich einen kiinstlichen Friihling suchen 
im Faule-Eier-Geruch. 

So ist der Gegensatz zwischen dem Ich und dem Atherleib. Das Ich 
und der Atherleib mussen sich im Menschen gegenseitig ausgleichen. Sie 
sehen daraus, daB, wenn man nur wirklich in der Natur studiert, wenn 
man also mit offenen Sinnen in einen Badeort geht, der da Faule-Eier- 
Geruch hat, Schwefelwasserstoff, so lehrt einen die Empfmdung des 
Friihlings im Bauche, wie eigentlich innerlich das Gegenteil davon wirkt 
im Fauligwerden des EiweiBstoffes. 

pest : pl]y5i5clier Korper 

flCissig: rt'tfierleib &wei|}.- Atherleib Unt-erlcib 
gasformig dstralleib Fetfe /^s^olleib.BfUst 
warmeortig : Jcf) 5tq>Ke Zucker : 3c^j 

fittyerteib beki'ropfr das Faulen 
Astraffeib b«kbmpfr das Hanzigwerden 
7cf] bckampft- 3as Qoren 

Ich habe Ihnen da eine Erganzung liefern wollen zu dem, was ich 
das letzte Mai sagte. Sie wissen, ich habe Ihnen gesagt: Wenn einer 
gewisse Gifte zu sich genommen hat, muB er fliissiges EiweiB als Gegen- 
mittel nehmen. Es werden eben diejenigen Dinge, die gesund sind, Gifte, 
wenn sie im Korper nicht richtig behandelt werden, wenn sie zuviel 
hineinkommen. Es kann also sogar das EiweiB einen Giftstoff im Men- 
schen vertreiben, aber das EiweiB ist selber giftig, wenn es fault im 
Korper, wenn zuviel in den Korper hineinkommt. So nahe aneinander 
ist also Ernahrung und Vergiftung. Und Sie werden ja selber schon 
gehort haben, wie UbermaB in der Ernahrung zur Vergiftung werden 
kann. Ein groBer Teil von Krankheiten sind ja Ernahrungskrankheiten, 
das heiBt, es ist bei der Ernahrung keine Riicksicht darauf genommen, 



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daB die betreffenden Stoffe nur in einer bestimmten Menge hineinkom- 
men diirfen, wenn sie verarbeitet werden sollen. 

Die nachste Stunde werde ich ansagen lassen, weil ich am Samstag 
nicht da sein kann. Ich werde ja in Bern sein. 



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VIERTER VORTRAG 



Dornach, 2. Februar 1924 
Meine Herren, die Frage, die gestellt worden ist, lautet: 

1st die Iris im Auge der Spiegel des Seelischen im gesunden und kranken Zustande? 

Ich glaube, die zweite Frage kann gleich dazugenommen werden, sie 
sind wohl miteinander gemeint: 

Was bewirkt, daB bei schwarzen Menschen der Albinismus oder Leukopathie hervor- 
gerufen wird? 

Wir mussen, wenn wir diese Frage beantworten wollen, vor alien 
Dingen noch ein wenig auf die Wesenheit des menschlichen Auges ein- 
gehen. Die Frage bezieht sich ja darauf, daB von gewissen Leuten aus 
der Beschaffenheit der Iris, also des gefarbten ringformigen Korpers 
in dem Auge, der das Schwarze der sogenannten Pupille umgibt, dieser 
Iris, die wirklich bei verschiedenen Menschen die denkbar groBte Ver- 
schiedenheit aufweist, auf die gesunde oder kranke Beschaffenheit des 
ganzen Korpers geschlossen wird. Die Iris ist ja nicht nur, wie Sie wissen, 
bei einem Menschen blau oder schwarz oder braun oder grau oder auch 
griinlichbraun gefarbt, sondern die Iris hat auch so oder so gezeichnete 
Linien, die durch feine GefaBe entstehen. So daB wirklich, geradeso 
wie der allgemeine Gesichtsausdruck bei dem einen Menschen verschie- 
den ist von dem des anderen, der feinere Bau dieser Iris oder Regen- 
bogenhaut bei den verschiedenen Menschen ganz verschieden vonein- 
ander ist, und zwar viel mehr voneinander verschieden, als eigentlich 
die Physiognomie der Menschen voneinander verschieden ist. 

Nun mussen wir schon ein wenig auf den Bau des Auges eingehen, 
wenn wir iiber eine solche Sache sprechen wollen. Das hangt ja zu- 
sammen eben mit der anderen Frage, die von Ihnen gestellt worden ist. 
Das ist namlich diese, daB insbesondere bei Negern, aber auch sonst, 
bei nicht schwarzen Menschen, eine abnorme, eine nicht ganz gewohn- 
liche Hautfarbung auftritt, die verbunden ist mit der besonderen Far- 
bung der Regenbogenhaut oder Iris. Das hangt in einer gewissen Weise 



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zusammen. Nun ist diese Hautfarbung bei natiirlich schwarzen Men- 
schen besonders auffallend, weil die eben sonst schwarz sind, und 
dann haben sie allerlei weiBe Flecken, sind dann gesprenkelt wie ein 
Tiger. Sie sind sehr selten ganz blaB und ganz weiB; das kommt sehr 
selten unter Negern vor, auBerordentlich selten. Aber auch bei anderen 
nicht ganz schwarz gefarbten Rassen kommen solche sogenannten 
Albinos vor. Aber dieser Albinismus kommt auch bei weiBen Menschen 
vor, bei den sogenannten Kakerlaken - so nennt man sie -; die haben 
eine sehr blasse Hautfarbe, fast milchweiBe Hautfarbe. Dann haben 
sie die Iris gewohnlich hellrotlich gefarbt, und die Pupille, die sonst 
beim Menschen schwarz ist, ist dann dunkelrot. Ein solcher weiblicher 
Kakerlak, den ich einmal gesehen habe, stellte sich sogar in allerlei 
Schaubuden aus und lieB sich sehen. Er hatte ganz milchweiBe Haut, 
rote Iris oder Regenbogenhaut, dunkelrote Pupillen statt schwarzen 
Augensternen, und sagte dann mit einer ungemein schwachen Stimme: 
«Ich bin ganz weiB, habe rote Augen und sehe sehr schwach.» Das 
stimmte auch, er sah sehr schwach. 

Wenn man auf diese Sache eingehen will, muB man vor alien Dingen 
den Bau des Auges selber studieren. Nun habe ich Ihnen ja iiber das 
Auge im Laufe der Zeit so mancherlei gesagt. Sie werden daher heute 
das, was ich zu sagen habe, vielleicht einsehen. Sehen Sie, das Auge 
sitzt ja in dem ganz festen Knochenkdrper des Kopfes drinnen. Der 
Knochenbau des Kopfes wolbt sich ja da drinnen, und in dieser Kno- 
chenhohlung, die nach riickwarts hier gegen das Gehirn zu offen ist 
(siehe Zeichnung), sitzt das Auge drinnen. Das Auge ist nun zunachst 
von auBen von einer harten Haut, die hier undurchsichtig ist, begrenzt. 
Der sogenannte Augapfel ist von der Hornhaut begrenzt. Diese Haut 
wird nach vorn, hier, wo sie sich etwas auswolbt, durchsichtig. Sonst 
konnte man ja mit dem Innern des Auges nicht ans Licht heran, wenn 
nicht diese auBere Hornhaut durchsichtig ware. Sie heiBt Hornhaut, 
weil sie eben hornig ist. Da drinnen sitzt dann nach innen gehend eine 
Haut, welche aus feinen Adern besteht. Das Blutnetz des Korpers dehnt 
sich ins Auge hinein aus und schickt auch ganz kleine, feine Adern ins 
Auge hinein. Man hat also hier die harte Hornhaut, die nach vorn 
durchsichtig wird, und dann die anliegende sogenannte Aderhaut. Die 



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dritte Haut, die da drinnen ist, ist aus Nerven gebildet; das ist die soge- 
nannte Netzhaut. Ich muB also noch eine dritte Haut zeichnen, die 
Netzhaut. Und die Netzhaut geht nach riickwarts ins Gehirn hinein, 
die Aderhaut natiirlich auch. Und das hier nennt man, weil es Nerven- 
substanz ist, zum Sehen hingeht, den Sehnerv. Sie wissen ja, daB die 
Leute sagen: Durch die Nerven empfmdet man. - Also mit dem Sehnerv 
sieht man. 




Nun, das Eigentumliche ist nur, daB jeder zugeben muB, daB man, 
wie die Leute sagen, mit dem Sehnerv hier iiberall sieht, nur just da 
nicht, wo er hereinkommt; da ist er blind, da sieht man nichts! Wenn 
also einer gerade so schaut, daB er irgendwie da herausschaute, oder 
daB die Nerven ringsherum erkrankt sind und nur noch die Stelle ge- 
sund ist, wo der Sehnerv hereinkommt, dann sieht man trotzdem da, 
wo der Sehnerv hereinkommt, nichts. Jetzt sagen die Leute: Mit dem 
Sehnerv sieht man, der ist dazu da, daB man sieht. - Haben Sie nun 
schon das Folgende gehort? Denken Sie sich einmal: Da ist eine Partie 
von Arbeitern, sagen wir dreiBig Arbeiter. Funfundzwanzig von diesen 
miissen recht fleiBig arbeiten; die stehen iiberall da. Und da steht eine 
Gruppe von fiinf - man wird das nicht machen, aber ich will einmal 
voraussetzen, daB man das macht -, diese fiinf, die diirfen faulenzen, 
wahrend die anderen fleiBig arbeiten. So daB wir also sagen konnen: 
da sind die funfundzwanzig fleiBigen Arbeiter, und da sind fiinf, die 
faulenzen die ganze Zeit, sitzen auf gepolsterten Sesseln und faulenzen. 



67 



Wenn Ihnen nun einer sagt, die Arbeit wird von den fiinf Faulenzern 
ebensogut gemacht - oder vielleicht kann er das nicht sagen, weil er 
das nicht sieht, aber die Arbeit kommt dadurch zustande, daB gefau- 
lenzt wird — , so werden Sie das nicht glauben, nicht wahr? Das ist doch 
Unsinn. Nun aber lehrt einen die Wissenschaft: Der Sehnerv sieht. - 
Aber just an der Stelle, wo er am meisten ist, da sieht er nichts! Das ist 
geradeso, wie wenn Sie sagen wiirden: Die Arbeit wird von dem ge- 
leistet, was die fiinf faulenzenden Menschen machen. - Sehen Sie, solche 
Dinge weiB man - das ist eben gerade das Kuriose -, solche Dinge weiB 
man, aber man behauptet dennoch immerfort einen ganz gewohnlichen 
Unsinn. Nicht wahr, daraus, daB hier der sogenannte blinde Fleck 
ist - so heiBt er namlich -, und daB man an der Stelle, wo der Sehnerv 
am meisten angreift, gar nichts sieht, daraus geht ja ganz klar hervor, 
daB der Sehnerv nicht das sein kann, womit man sieht. 

Die Sache ist namlich so: Es gibt etwas im menschlichen Korper, das 
sehr ahnlich ist dieser Sache beim Sehnerv; das sind namlich Ihre beiden 
Arme und Hande. Denken Sie sich, Sie heben einen Stuhl auf. Sie stren- 
gen die Arme an bis hinunter zu den Handen. Aber das, was sie da 
verbindet, das bleibt dabei oben, nicht wahr. Geradeso ist es beim Seh- 
nerv. Sie streben da etwas an, was das Licht angreift, und in der Mitte 
ist es da so, wie es ist zwischen den beiden Armansatzen hier. Aber es 
ist nicht der Sehnerv, der da angreift - denn wenn der Sehnerv es ware, 
so muBte er da am allermeisten sehen -, sondern dasjenige, was da an- 
greift, ist etwas von dem ganz Unsichtbaren, das ich Ihnen beschrieben 
habe. Das ist gerade das Ich, die Ich-Organisation. Es ist nicht der phy- 
sische Korper, nicht der Atherkorper, es ist sogar noch nicht einmal der 
Astralkorper; es ist das Ich. Und so muB ich Ihnen hier noch etwas 
auBer dem, was schon da drinnen ist, einzeichnen: Da ist das unsicht- 
bare Ich, das sich da ausbreitet. Nur daB es nicht so ist, wie wenn da 
zwei solche Arme waren, sondern so, daB da die Arme sich schlieBen 
wiirden und eine Kugel wiirden. Mit den Handen fangen wir schon an 
eine Kugel zu machen, wenn wir etwas anfassen. So ist da drinnen das 
ubersinnliche Ich; das greift da an. Und wozu ist denn der Nerv da? 
Ja, meine Herren, der Nerv ist dazu da - weil das eine Arbeit ist, die 
ja der unsichtbare Mensch verrichtet -, daB abgesondert wird. Da wird 



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iiberall Substanz abgesondert, die bleibt da iiberall liegen. Mit dem 
iibersinnlichen Ich sieht man. Aber der Nerv ist dazu da, daB etwas 
abgesondert wird. 

Denken Sie, was da die Wissenschaft fur einen Unsinn sagt, geradeso 
wie wenn man den Dickdarm und das, was im Dickdarm drinnen ist, 
untersucht und man unmittelbar von dem, was aus dem Dickdarm jetzt 
ausgeschieden wird, sagen wiirde, daB sich der Mensch damit nahrt! 
Geradeso wie im Dickdarm drinnen ist, was dann ausgeschieden wird, 
so wird hier die Nervensubstanz ausgeschieden. Und das hier (der blinde 
Fleck) ist dann die Stelle, wo sie am meisten ausgeschieden wird. Da 
wird ins Gehirn hinein dasjenige, was man nicht braucht im Auge, aus- 
geschieden, geht dann weiter und wird iiberhaupt ausgeschieden. Sehen 
Sie, das ist etwas, was Sie ganz leicht einsehen konnen, woriiber Ihnen 
aber heute die tollsten Geschichten erzahlt werden. Nur kommen die 
Leute nicht darauf, was es heiBt, wenn man behauptet, es wird mit der 
Nervensubstanz gesehen oder empfunden oder irgend etwas wahrge- 
nommen. Das ware geradeso, als wenn man sich mit dem Inhalte des 
Mastdarmes nahren wiirde. Also sehen Sie, daB diese Geschichte mit 
dem blinden Fleck gar keine Bedeutung hat fur das Sehen, denn der 
Sehnerv sieht auch daherum nicht, nur wird hier, wo der blinde Fleck 
ist, eben am meisten ausgeschieden. Und geradeso, wie im Mastdarm 
die Ernahrung aufhort, wie das nur zum Ausscheiden da ist, so hort 
auch hier eben das Sehen auf, weil da am meisten ausgeschieden wird, 
und weil es auch gar keinen Sinn hat, daB da in der Mitte gesehen wird. 

Denken Sie, Sie hatten da einen Stock liegen und wollten ihn mit 
dem Kopf aufheben! Das konnen Sie nicht. Sie miissen ihn mit dem 
Arm, mit der Hand aufheben, mit dem, was sich seitlich ansetzt. Eben- 
sowenig konnen Sie mit dem Nerv sehen. Man muB mit dem sehen, was 
da angreift. 

Nun, meine Herren, alles was da ist (auf die Zeichnung deutend), 
endet hier in eine Art Muskel. Dieser Muskel tragt die Linse. Das ist 
ein ganz durchsichtiger Korper. Warum durchsichtig? Damit man ans 
Licht herankommen kann. Und hinter diesem Korper hier ist eine dick- 
liche Flussigkeit. Vorne ist eine noch dicklichere Flussigkeit, und in 
dieser dicklichen Flussigkeit da vorne schwimmt die Iris oder Regen- 



69 



bogenhaut darin, die sich hier ansetzt in der Nahe der Adern. Sie 
schwimmt wirklich darinnen in der Fliissigkeit und laBt ein Loch fur 
das Licht offen. Dieses Loch erscheint schwarz, wenn man hinein- 
schaut, weil man durch das ganze Auge durch bis an den Hintergrund 
schaut, der eben schwarz ist. 

Diese Regenbogenhaut oder Iris ist vorn ziemlich durchsichtig, an 
der hinteren Seite ist sie schwarz. Diese schwarze Haut, die da hinten 
ist, ist bei manchen Menschen recht diinn. Weil, wenn sie diinn ist, man 
da durch das Durchsichtige in Schwarz hineinschaut, haben gewisse 
Menschen blaue Augen. Und bei denjenigen, bei denen die Haut hier 
dicker ist, bei denen man auf die dicke hintere Haut aufschaut bei der 
Regenbogenhaut, bei denen sind es schwarze Augen oder dunkle Augen. 
Wir wollen von den braunen Augen gleich nachher sprechen. 

Nun, meine Herren, miissen wir uns einmal dariiber unterrichten, 
worauf es denn beruht, daB bei manchen Menschen diese Haut hier, 
die eigentlich das Blau oder Braun oder Schwarz ausmacht, dicker oder 
diinner ist. Ich habe Ihnen ja gesagt: Da ins Auge hinein geht das, was 
man das Ich nennt, dieser edelste, ubersinnliche Teil des Menschen. 
Da geht das Ich hinein. Das Ich ist bei den Menschen verschieden stark 
oder schwach. Nehmen Sie nun an, das Ich sei sehr stark bei einem 
Menschen, ein Mensch hatte ein sehr starkes Ich. Sehen Sie, ein solcher 
Mensch ist imstande, das Eisen, das er im Blute hat und das er auch 
durch diese Aderhaut ins Auge hineinkriegt, ganz aufzulosen. Wer also 
ein sehr starkes Ich hat, lost das Eisen ganz auf, und die Folge davon 
ist, daB eben in diese Haut, die ja am allerauBersten Rand des Korpers 
liegt, wenig Eisen hineinkommt, weil es ganz aufgelost ist. Es kommt 
also wenig Eisen hinein, und die Folge davon ist, daB diese Haut diinn- 
lich wird. Dadurch, daB sie diinnlich wird, bekommt man blaue Augen. 
Denken Sie sich nun, ein Mensch hat ein schwaches Ich; dann lost er 
das Eisen nicht so stark auf, und die Folge davon wird sein, daB noch 
viel unaufgelostes Eisen in diese Haut hineinkommt. Von diesem un- 
aufgelosten Eisen wird die Haut dicker und der Mensch bekommt 
dunkle, schwarze Augen. Es hangt also von dem Ich ab, ob der Mensch 
schwarze oder blaue Augen hat. 

Nun, meine Herren, im Blut drinnen ist aber auch noch ein Stoff: 



70 



das ist der Schwefel. Und wenn auch das Ich das Eisen verarbeiten kann, 
ist es halt trotzdem manchmal unfahig, den Schwefel zu verarbeiten. 
Wenn das Ich den Schwefel unverarbeitet in diese Haut hereinlaBt, 
dann entsteht ein Gelblichbraunes in der Iris, da kommen die braun- 
lichen Augen zustande. Und wenn besonders viel Schwefel in die Augen 
hineinkommt, dann entsteht eine rotliche Iris. Von dem Schwefel, der 
da dahinter schimmert, wird sogar die Pupille nicht schwarz. Man sieht 
nicht das Schwarze, sondern der ausgestrahlte, ausgespritzte Schwefel 
macht selbst die Pupille dunkelrot. So ist es bei dem Kakerlaken, so ist 
es bei den Menschen, die sonst eben auch ihre Haut nicht richtig mit 
der Hautfarbe versorgen konnen. So daB man sagen kann: Es gibt eben 
Menschen, die konnen den Schwefel in ihre Augen wie hineinspritzen. 
Das Ich kann das hineinspritzen, und es kommt dadurch diese beson- 
dere Farbung der Iris zustande. 

Aber dasjenige nun, was da ins Auge hineinkommt an Schwefel oder 
Eisen, das kommt ja in den ganzen Korper hinein, denn es kommt 
aus dem Blut. Das sind ja nur kleine Blutadern hier im Auge. Wenn 
also einer hier im Auge Schwefel hineinspritzt, so spritzt er in seine 
ganze Haut iiberall Schwefel aus. Und die Folge davon, daB er in seine 
ganze Haut iiberall Schwefel ausspritzt, ist, daB er an den Stellen, wo 
der Schwefel hingespritzt ist, nicht seine naturliche Hautfarbung hat; 
denn die naturliche Hautfarbung kommt von der Eisenverarbeitung. 
Wenn also der Mensch sein Eisen nur gering verarbeitet, dafiir aber 
Schwefel ausspritzt, dann bekommt er solche scheckigen Flecken in 
der Haut, und zugleich kann man das an der Augenfarbung sehen. 

Sie sehen also: Gerade wenn man diesen unsichtbaren Menschen, 
der in jedem Menschen steckt, betrachtet, so kann man auch bis in die 
Materie hinein, bis in den Stoff hinein den Menschen verstehen. An- 
throposophie ist ja nicht so blodsinnig, daB sie nicht den Stoff versteht. 
Der Materialismus gerade versteht den Stoff nicht. Lesen Sie irgendwo 
nach iiber den Albinismus, was konnen Sie da lesen? Derjenige von 
Ihnen, der mich gefragt hat, wird ja wahrscheinlich irgendwo etwa 
gelesen haben: Die Ursache des Albinismus ist unbekannt! - Der 
Materialismus kommt eben iiberall zu diesem merkwurdigen Satz: Die 
Ursache ist unbekannt! - weil er sich iiberhaupt nicht bekiimmert um 



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diejenigen Falle, wo die Ursachen zu fmden sind. Es ist natiirlich leicht, 
zu sagen: Da ist eine rote Pupille. — Ja, aber man muB kennen, was da 
drinnen eigentlich arbeitet, und was die Geschichte hineinspritzt, denn 
die Rotfarbung und die BlaBfarbung des Korpers kommt vom Schwefel. 

Jetzt aber konnen Sie verstehen, was wirkliche Wissenschaft ist. 
Denken Sie sich, Sie kommen irgendwo an eine Stelle auf der Erde hin, 
da ist etwas gearbeitet; es schaut sich einer das an und sagt: Die Arbeit 
ist schon da, die Ursache ist unbekannt. - Er kiimmert sich nicht darum, 
was vorher geschehen ist; deshalb konstatiert er: Ursache ist unbe- 
kannt. - DaB da also zum Beispiel dreiBig Leute gearbeitet haben viele 
Tage lang, darum kiimmert er sich nicht. So macht es die Wissenschaft, 
wenn sie sagt: Fur die Rotfarbung der Pupille und die Bleichfarbung 
der Haut ist die Ursache unbekannt. - Aber die Ursache liegt eben in 
dem Ich, das da in der Materie, in dem Stoff arbeitet. 

Daraus sehen Sie aber auch wiederum: In der Iris ist ja wirklich 
etwas von einem getreuen Spiegelbild enthalten von dem, wie der ganze 
Korper mit Eisen und Schwefel arbeitet. Aber nehmen Sie einmal solch 
einen Albino, solch einen Kakerlaken; das ist eigentlich eine Art von 
Krankheit. Es wird zu viel mit Schwefel in dem Korper gearbeitet, aber 
der Korper gewohnt sich daran, und es ist das organisiert. Nun aber 
kann das eintreten, daB das in viel schwacherem MaBe in die Augen 
hineinkommt. Sehen Sie, auBer diesem Kakerlaken, von dem ich Ihnen 
erzahlt habe, auBer dieser Dame, die sich in der Schaubude ausgestellt 
hat, habe ich manchen Kakerlaken gesehen. Immer kann man nach- 
weisen, daB bei solchen Kakerlaken etwas ganz Besonderes vorliegt. 
Man kann sagen: Da ist ein Kakerlak, ein solcher Albino, und er hat 
diese eigentiimliche rotliche Farbung der Iris, blaBrot, hat die dunkel- 
rote Farbung der Pupille, hat den bleichen Korper. Wenn man ihn jetzt 
weiter priift, bekommt man aus der Beschaffenheit seines Korpers die 
Ansicht, daB bei ihm besonders die Verbindung zwischen Herz und 
Niere eine sehr schwachliche ist. Er ist nicht nur schwach in den Augen, 
er ist in der Verbindung zwischen Herz und Niere schwach. Die Nieren 
werden bei einem solchen Menschen sehr muhsam mit Blut versorgt, 
arbeiten also sehr schwer. Wenn er den Schwefel, den er durch seine 
ganze Leibesbeschaffenheit in sich tragt, auf die Nieren ablagern wiirde, 



72 



dann wiirde er als Kind schon sterben. Deshalb schiebt er den Schwefel 
nach der Korperoberflache ab - die Haut wird weiB, die Augen werden 
rot -, so daB die Nieren zart arbeiten konnen. Solche Albinos haben 
die zartest arbeitenden Nieren zum Beispiel. Es kann das auch bei 
anderen Menschen auftreten. Wenn aber bei Menschen, die nicht 
Kakerlaken sind - die meisten sind ja nicht Kakerlaken -, irgendein 
Fehler bei den Nieren auftritt, ja, muB er sich denn dann nicht auch in 
der Iris zeigen? Dasjenige, was dort Schwefel und Eisen miteinander 
machen, driickt sich ja auch hier aus. Man kann also schon aus der 
Beschaffenheit der menschlichen Iris darauf schlieBen, ob im mensch- 
lichen Korper da oder dort etwas geschadigt ist. Daher kann man an 
diesem feinen Aussehen der Iris, wenn da oder dort ein Flecken ist, was 
nicht eigentlich normal ist, sehen: Da ist ein Schaden im Korper. Aber, 
meine Herren, das miissen Sie bedenken: Der ganze Korper des Men- 
schen ist eine Einheit, und dasjenige, was man in der Iris sieht, wiirde 
man auch, wenn man nur gescheit genug ware, dann sehen, wenn man 
ein kleines Stuckchen der Haut herausschneiden und herausnehmen 
wiirde - da wiirde auch in der Haut etwas auftreten, was nicht normal 
ware -, oder selbst wenn man den Nagel der groBen Zehe abschneiden 
wiirde. Da ist auch eine sehr feine Gliederung, an der man sehen konnte, 
wenn Leber oder Niere oder Lunge nicht in Ordnung waren, wenn 
auch wieder ein wenig anders. Also wenn einer besonders gescheit ware 
und statt der Irisuntersuchung eine Untersuchung der abgeschnittenen 
Fingernagel zum Beispiel machen wiirde - es wiirde ja viel schwerer 
sein, weil es nicht so ausgesprochen ist -, so wiirde er auch da die 
gesunde oder kranke Beschaffenheit erkennen konnen. Beim Auge ist 
es nur auffallig, weil das Auge ein besonders zartes Gebilde ist, und da 
ist nun wieder das Zarte leicht zu ergreifen. Beim Auge kommt es am 
starksten heraus. Aber Sie konnen ja auch sonst sehen, daB an der 
Oberflache des Korpers die Dinge am starksten herauskommen. Ich 
habe zum Beispiel selten gesehen, daB einer, wenn er einen besonders 
feinen Stoff befuhlen will oder so irgend etwas, daB er das auf die 
Schultern legt. Wenn das der Fall ware, daB das vorteilhafter ware, 
wiirden wir daher schon etwas machen, daB, wenn wir etwas Feines 
befuhlen sollten, wir uns da oben auf der Schulter frei machen konnten 



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und es befiihlen konnten. Aber das hilft uns nichts. Wir befiihlen es 
mit den Fingerspitzen. Und an den Fingerspitzen sind wir fur das 
Gefiihl von Sachen besonders empfindlich. Da haben Sie ja wieder 
dieselbe Sache. Wenn das Nervensystem dasjenige ware, was eigentlich 
das Gefiihl ausmacht, miiBte man dort, wo man in der Nahe vom 
Gehirn ist, am meisten fiihlen. Aber wir fiihlen ja gar nicht in der Nahe 
vom Gehirn am meisten, sondern da, wo es vom Gehirn am weitesten 
weg ist, fiihlen wir, gerade in den auBersten Fingerspitzen, weil das Ich 
am meisten an der Oberflache des Korpers sitzt. Dasjenige, was der 
Mensch in seinem Innern als Ich ist, das kann man an der auBersten 
Oberflache am besten erkennen. Daher kann man, weil die Augen am 
allermeisten an der Oberflache sind, auch da am allermeisten erkennen, 
weil die Augen zart sind und vom Hirn weg sind. 

Sie konnen sagen: Die Augen sind ja im Schadel und nahe vom Ge- 
hirn. - Aber damit sie recht weit weg sind, sind da recht viele Knochen, 
und da, wo das Auge mit dem Hirn in Verbindung ist, wo der Knochen 
nicht ist, da wird eben nichts gesehen. Also bei den Fingerspitzen, da 
ist es durch die Weite des Raumes bedingt, daB sie besonders empfind- 
lich sind; bei den Augen ist es, weil sie am meisten geschiitzt sind vor 
dem Gehirn. 

Dazu kommt noch etwas anderes, das merkwurdig ist. Wenn Sie 
irgendein niederes Tier haben, das sein Hirn ausbildet, so bildet es das 
Hirn so aus, daB das Hirn fur das Auge die Hohle frei laBt, und das 
Auge wachst nicht so heraus aus dem Hirn, sondern es setzt sich da von 
der Seite an und wachst hinein (es wird gezeichnet). Von auBen, nicht 
vom Hirn heraus wachst das Auge; ins Hirn herein wachst das Auge. 
Es ist also von auBen hineingebildet. 

Aus alldem konnen Sie sehen, daB das, was da an der Oberflache, 
sei es in der Haut, sei es im Auge, gebildet wird, mit dem zusammen- 
hangt, wodurch der Mensch eigentlich mit der AuBenwelt am meisten 
in Verbindung steht. Bei einem Menschen, der immer im Bett liegt, der 
seinen Willen nicht gebrauchen kann fur seinen Korper, bei dem kann 
man nicht gut sagen, daB er sein Ich stark ausbildet. Bei einem Men- 
schen, der viel beweglich ist, wird man schon sagen, daB er sein Ich 
stark ausdriickt. Und dasjenige, was uns sonst mit der AuBenwelt in 



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Beriihrung bringt, das ist eben in dem Riechen, Sehen und so weiter, 
das sind die Sinne. Und das Auge ist eben der zarteste Sinn, der uns mit 
der AuBenwelt in Beriihrung bringt. So daB man schon sagen kann: 
Weil da das Ich besonders stark wirkt in diesem feinen Geader - es ist ja 
ein furchtbar feines Geader in dieser Regenbogenhaut oder Iris -, kann 
man an dieser viel sehen, wie das ganze Ich nach innen arbeitet, ob also 
der Mensch gesund oder krank ist. 

Das ist die urspriingliche Wahrheit und Erkenntnis, die man iiber 
diese Sache haben kann. Aber diese Tatsache, die ich Ihnen jetzt be- 
schrieben habe, gehort auch zu gleicher Zeit zu den allerschwierigsten, 
denn man muB schon sehr griindlich unterrichtet sein dariiber, was so 
eine kleine UnregelmaBigkeit in der Iris zu bedeuten hat, wenn man 
daraus auf den gesunden oder kranken Menschen schlieBen will. Ich 
will Ihnen ein Beispiel sagen. Sehen Sie, es kann zum Beispiel sein, daB 
bei irgendeiner Iris da oder dort Piinktchen auftreten, dunkle Piinktchen 
auftreten. Diese dunklen Piinktchen bedeuten naturlich, daB der Mensch 
etwas hat, was sonst nicht da ist, wenn diese dunklen Piinktchen in der 
Iris nicht sind. Aber nehmen Sie an, der Mensch, bei dem diese dunklen 
Piinktchen auftreten, ware ein furchtbar dummer Kerl. Dann wird 
er irgendeine Krankheit haben, auf die diese dunklen Piinktchen hin- 
weisen. Aber bei dem Menschen, bei dem diese dunklen Piinktchen auf- 
treten, kann das auch so sein, daB er in seiner Jugend iiberanstrengt 
worden ist mit irgendeinem Lernen, iiber seine physischen Krafte hin- 
aus hat lernen miissen. Dann kann er dadurch, daB er gewisse Organe 
in seiner Jugend zu stark gebraucht hat, eine gewisse schwachere Tatig- 
keit nach den Augen getrieben haben, und dann konnen diese kleinen 
Eisenablagerungen, diese ganz feinen Eisenablagerungen durch eine 
Uberanstrengung in der Kindheit auftreten. Sie konnen also auftreten 
durch eine Krankheit im spateren Leben, sie konnen aber auch auftreten 
durch eine Uberanstrengung in der Kindheit. Die meisten Menschen 
denken: wenn ich da schwarze Piinktchen sehe in der Iris, dann muB 
das oder jenes im Krjrper sein. - Es kommt aber darauf an, daB man 
nicht nur das gegenwartige Leben des betreffenden Menschen weiB, 
sondern gerade dann, wenn man so etwas auf die Krankheitsursachen 
hin erkennen will, so muB man das ganze Leben des Menschen mit ihm 



75 



durchgehen; man muB ihn erinnern lassen, was er da oder dort in der 
Kindheit schon getan hat. Es kann also dasjenige, was man in der Iris 
sieht, auf mancherlei deuten. Und gerade von so etwas auf etwas zu 
schlieBen, das gehort zu dem allerkompliziertesten Wissen. 

Daher ist es so emporend, daB heute allerlei Biichelchen geschrieben 
werden; die Dinge, die da geschrieben werden, sind meist sehr kurz 
und heiBen: Uber Augendiagnose. Da kriegt man eine Anleitung auf 
funfzig Seiten, wie man die Iris untersuchen soil. So, nicht wahr: Da ist 
die Iriseinteilung, da ist die Pupille, ganz schematisch gezeichnet, dann 
ist da die Krankheit angegeben; Milzkrankheit steht dann da; Lungen- 
krankheit, Syphilis und so weiter. Nun braucht ja der betreffende 
Augendiagnostiker, der das kennt, was so aufgezeichnet wird, wenn er 
mit einem maBigen VergroBerungsglas die Iris ansieht, dann nur an 
sein Biichelchen zu gehen; und wenn er das bemerkt, was gerade dort 
eingezeichnet ist wo Lungenkrankheit steht, so konstatiert er: Lungen- 
krankheit! Und so machen es heute zahlreiche Augendiagnostiker nach 
einem Studium von einer Stunde. Das iibrige iiberlassen sie dann dem 
Biichelchen, das sie haben; sie machen eben die Diagnose. Ja, meine 
Herren, das ist aber emporend. Denn dasjenige, was am allerschwersten 
ist, will da auf die allerleichteste Weise erlernt werden. Dadurch kommt 
nicht etwas zustande, was etwas Wertvolles ist, sondern im Gegenteil, 
dadurch kommt zustande eine Schadigung des ganzen medizinischen 
Wesens. Und man muB schon unterscheiden, ob irgend jemand etwas 
Ernsthaftiges will im medizinischen Wesen, oder ob einer bloB Geld 
verdienen will. 

Natiirlich, die Leute sind heute aufgebracht iiber die Wissenschaft; 
mit Recht, weil die Wissenschaft nach dem Beispiel mit dem Sehnerv, 
von dem ich Ihnen erzahlt habe, eigentlich nicht auf das achtet, was 
der Mensch wirklich ist, sondern den Unrat des Menschen am meisten 
schatzt, den Unrat im Auge zum Beispiel, der der Sehnerv ist. Das wissen 
ja natiirlich die Leute nicht, aber sie fiihlen es und werden emport iiber 
die Wissenschaft. Diese Emporung kann man begreifen. Aber was da 
von dem Augendiagnostiker meistens gemacht wird, das ist nicht bes- 
ser als die Wissenschaft, sondern meistens viel schlechter. Die Wissen- 
schaft halt ahnungslos, weil sie heute durch den Materialismus nicht 



76 



anders kann, Dreck fur die edelsten Bestandteile des Menschen. Natiir- 
lich ist der Dreck audi sehr notwendig, denn wenn er im Korper bleiben 
wiirde, wiirde er den Korper sehr bald toten; also ist er notwendig. Aber 
die Wissenschaft halt den Dreck fur das Wertvollste des Menschen! 
Aber damit ist sie doch auf dem Wege des Guten und will nicht bloB 
Geld verdienen. Sie ist nur mit Blindheit geschlagen. Sie hat eben einen 
sehr groBen blinden Fleck in ihrer Erkenntnis; aber bei alledem muB 
man den guten Willen anerkennen. Aber da, bei solchen Augendia- 
gnostikbuchelchen, kann man nicht mehr vom guten Willen sprechen, 
sondern nur noch von der Sucht, Geld zu verdienen. Deshalb miissen 
Sie schon bei all diesen Sachen sich immer sagen: Es kann irgendeiner 
Bestrebung eine gute Wahrheit zugrunde liegen, aber gerade die besten 
Wahrheiten, meine Herren, werden von der Welt am meisten miB- 
braucht. Sehen Sie, es ist wirklich wunderbar, daB in dieser kleinen 
Iris sich tatsachlich der gesunde und kranke Mensch ganz spiegelt. Aber 
auf der andern Seite ist deshalb, weil sich der gesunde und kranke 
Mensch ganz spiegelt, auch die Iris in ihrem Bestand am schwersten zu 
erkennen, und man muB schon sagen: Wer, ohne den ganzen Menschen 
zu erkennen, ohne wirklich etwas zu wissen vom ganzen Menschen, 
Augendiagnose treibt, der treibt Unfug. 

Und den ganzen Menschen erkennen, was heiBt denn das? Sehen Sie, 
wir haben gelernt, wie der Mensch besteht aus seinem physischen Leib, 
dem Atherleib, dem Astralleib und dem Ich. Man muB also nicht nur 
etwas wissen vom physischen Menschen, sondern man muB, gerade 
wenn man Augendiagnose treibt, etwas vom geistigen Menschen wissen. 
Nicht wahr, die gewohnliche Anatomie, die nur an den Leichnam geht, 
kann unter Umstanden ausreichen mit dem, was sie bietet, kann eigent- 
lich verhaltnismaBig noch ganz Gutes bieten; wenn sie auch nicht weiB, 
daB der Augennerv der Dreck des Auges ist, so findet sie wenigstens 
den Augennerv. Aber der Augendiagnostiker, der hat ja meistens keine 
Ahnung davon, wie der Nerv verlauft, sondern er hat sein Biichelchen 
von fiinfzig Seiten und die Einteilung der Iris und diagnostiziert darauf- 
los, untersucht nicht den Menschen. Jetzt braucht er natiirlich dann 
noch irgendein Biichelchen, wiederum von fiinfzig Seiten. Da steht die 
Rubrik «Lungenkrankheit» und das Heilmittel dazu. Aber die Lungen- 



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krankheit ist etwas, was von vielerlei Ursachen kommen kann. Damit, 
da!3 man weiB, die Lunge ist affiziert, damit hat man noch nicht viel 
erreicht. Die Lunge kann affiziert sein von der Verdauung aus. Man 
muB wissen, woher es kommt. Lungenkrank sind viele Menschen. Bei 
vielen hat die Lungenkrankheit die verschiedensten Ursachen. Das ist 
gerade dasjenige, wo man ungeheuer vorsichtig sein muB, weil da, wo 
die schonsten Sachen vorliegen, am meisten Unfug vorliegt. Wieviel 
habe ich Ihnen in diesen Stunden davon erzahlt, daB der Mensch nicht 
bloB von der Erde abhangt, sondern von dem ganzen Sternenhimmel. 
Aber das ist es auch gerade, was die allerkomplizierteste Einsicht erfor- 
dert. Damit darf man keinen Unfug treiben. Der Schwindel und Unfug 
wird ja heute von den verschiedenen Astrologen, die in der Welt sind, 
im GroBen getrieben. Es ist etwas Ahnliches mit der Augendiagnostik 
wie mit der Astrologie. Da hat man auch in der Astrologie etwas sehr 
Edles, GroBartiges zugrunde liegen; aber bei denen, die heute Astrologie 
treiben, liegt nichts sehr Edles zugrunde. Bei denen liegt meistens die 
Spekulation auf die Geldborse ihrer Mitmenschen zugrunde. 

Und so konnen Sie den Zusammenhang begreifen, meine Herren: 
Auf der einen Seite sind die Erscheinungen, die die ganze Oberflache 
des Menschen schon auBerlich verandern. Der Mensch bekommt bleiche 
Stellen, wahrend er sonst dunkler ist auf der Haut; er bekommt anders 
gefarbte Augen, er ist ein Albino. Da wird eine gewisse Tatigkeit an die 
Oberflache getrieben, abgelenkt von den inneren Organen. Wenn aber 
der Mensch kein Kakerlak ist, kein Albino, dann sind dieselben Dinge, 
das auBere Aussehen des Auges, in der Regenbogenhaut vorhanden; 
aber die feinere Struktur, die feinere Gliederung weist dann auf das 
Innere hin. Der Albino ist nicht dadurch ein ganz kranker Mensch, daB 
er Albino ist, sondern er ist nur mit einer Krankheitsanlage behaftet 
dadurch, daB er eben schon von Jugend auf das hat und sich nachher 
die korperliche Einrichtung daran gewohnt. 

Sehen Sie, es ist gar nicht gut, den Albino auch Leukopath zu nennen. 
Dadurch wird schon hingewiesen darauf, weil Leukozyten zum Beispiel 
gewisse Korper im Blute sind, daB das Blut solcher Menschen anders 
beschaffen ist. Man kennt die Ursache nicht. Wenn aber das Blut an 
der Oberflache bleicher wird, so tritt nicht die allgemeine Bleichsucht 



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ein, sondern es tritt an der Oberflache das Bleicherwerden der Haut 
ein. Das ist der Unterschied zwischen der Krankheit der Bleichsucht, 
wo einfach das Blut im Innern bleicher wird, und der Leukopathie oder 
dem Albinismus, bei dem das Blut mehr an die Oberflache gedrangt 
wird. Das ist also so, daB bei Bleichsiichtigen eine Tatigkeit im Innern 
nicht in Ordnung ist. Das Ich ist mehr an der Oberflache tatig, der 
Astralleib mehr im Innern. Daher sind alle Korper, mit denen man 
sieht und hort, mehr an die Oberflache gedrangt. Die braucht man zum 
Ich. Die Leber brauchen Sie im Innern. Und wenn Sie alles so stark 
fiihlen wiirden, wie das Ihre Leber tut, dann wiirden Sie fortwahrend 
nur Ihr Inneres beobachten und sagen: Aha, jetzt habe ich eben in 
meinen Magen hinein ein biBchen Kohlsuppe gekriegt, die Magenwande 
fangen an, das aufzusaugen. Das ist so wie ein Ausstrahlen, sehr inter- 
essant. Jetzt geht das durch den Magenpfortner in den Diinndarm 
hinein; jetzt geht es da in die Zotten, die an den Darmwanden sind. - 
Sie wiirden das alles beobachten, und das alles, das ware sehr interessant; 
aber Sie hatten gar keine Zeit, die AuBenwelt zu beobachten! Es ist 
sehr interessant und reichlich zu beobachten und in manchen Dingen 
viel schoner als die AuBenwelt, aber der Mensch ist eben recht davon 
abgelenkt. Also im allgemeinen kommt das da drinnen nicht zum Be- 
wuBtsein; das, was an der Oberflache liegt, kommt zum BewuBtsein. 
Wenn also jemand das Eisen nicht recht verarbeitet in seinem Innern, 
wo gerade der astralische Mensch mehr tatig ist, wird er bleichsuchtig. 
Wenn er das Eisen auBen nicht richtig verarbeitet, sondern auflost, wie 
ich es Ihnen beschrieben habe, dann wird er ein Albino - das ist sehr 
selten -, bekommt er Leukopathie. 

Sie sehen also, dasjenige, was ich da von Ihnen gefragt worden bin, 
hangt damit zusammen: Der Albinismus kommt von einer unregel- 
maBigen Schwefel- oder Eisenverarbeitung durch das Ich. Die Bleich- 
sucht kommt von einer unregelmaBigen Eisenverarbeitung durch Ihren 
astralischen Leib und schlagt sich mehr nach dem Innern des Blutes. 
So kann man, wenn man den Menschen nur richtig versteht in dem, 
was da vorgeht in seinem Innern, auch hinschauen darauf, welcher 
iibersinnliche Teil des Menschen eigentlich dabei beschaftigt ist. Wer 
den physischen Menschen ordentlich versteht, versteht auch den iiber- 



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physischen, den ubersinnlichen Menschen. Aber beim Materialismus 
ist gerade das der Fall: Er versteht den ubersinnlichen Menschen gar 
nicht, und er versteht daher auch nicht den physischen Menschen. 

Ob ich am nachsten Mittwoch schon zuriick sein werde, werde ich 
Ihnen dann sagen lassen. Vielleicht hat dann bis zur nachsten Stunde 
wieder jemand eine Frage, so daB durch diese Frage wieder eine ahnliche 
Besprechung zustande kommen kann. 



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FUNFTER VORTRAG 
Dornach, 9. Februar 1924 



Meine Herren, ich mochte heute noch einiges sagen, was Ihnen zur Auf- 
klarung iiber verschiedenes dienen kann, was wir schon durchgenom- 
men haben, und dann bereiten Sie sich fiir das nachste Mai wiederum 
Fragen vor, die Ihnen aufgestoBen sind. Heute mochte ich gern einiges 
zu Ihnen sprechen, das Sie noch einmal darauf aufmerksam machen 
kann, wie die Erde, die ja, wie Sie wissen, ein kugeliger Korper im 
Weltenall ist, mit der ganzen Welt zusammenhangt. Wollen wir das 
heute einmal an den Fliissen und an den Meeren betrachten. 

Sie wissen ja, daB die Erde nur zum Teil festes Land zeigt nach auBen; 
zum groBten Teil ist sie eine Wasserkugel, die im Weltenall sich bewegt, 
eine Wasserkugel, ein Meer. Und von den Fliissen kann man im allge- 
meinen sagen, dafi sie irgendwo auf der Erde ihren Ursprung haben, 
entspringen, wie man sagt, und daB sie dann zum Meere hin verlaufen. 
Nehmen wir zum Beispiel die Donau. Sie wissen, die Donau entspringt 
im Schwarzwald. Oder nehmen Sie den Rhein. Sie wissen, der ent- 
springt in den sudlichen Alpen. Die Donau flieBt dann durch verschie- 
dene Taler in das Schwarze Meer. Der Rhein flieBt durch verschiedene 
Taler in die Nordsee. Nun, gewohnlich betrachtet man, wenn man 
Fliisse und Meere betrachtet, eben nur diesen Lauf und die Miindung 
ins Meer. Man erfreut sich an den Fliissen. Man denkt dabei nicht, 
welche groBe Bedeutung die Fliisse zusammen mit dem Meere eigent- 
lich fur das ganze Leben der Erde haben. 

Beim Menschen weiB man gewohnlich schon mehr iiber das zu sagen, 
was in ihm flussig ist. Ich habe Ihnen ja gesagt, der Mensch ist zum 
groBten Teil auch eine Fliissigkeitsmasse. Und Sie wissen ja, daB in 
einer gewissen Art von Flussigkeit eben in den Adern das Blut flieBt. 
Man weiB auch, daB diese Tatsache, daB das Blut flieBt, die denkbar 
groBte Bedeutung fur das Leben hat. Das Blut bildet das Leben, erhalt 
das Leben. Wir sind als physische Menschen ja ganz und gar darauf 
angewiesen, daB dieses Blut in der richtigen Weise durch den Korper 
flieBt, und zwar, daB es ganz bestimmte Wege macht. Wiirde es sich aus 



81 



diesen Wegen verirren, so wiirden wir ja auch nicht leben konnen. DaB 
das Wasser, so wie es in Fliissen und im Meere angeordnet ist, eine 
ebenso groBe Bedeutung fur die Erde hat, das beachtet man gewohnlich 
nicht. Man beachtet gewohnlich nicht, daB das Wasser eigentlich die 
Blutzirkulation der Erde bildet. Warum beachtet man das gewohnlich 
nicht? 

Ja, sehen Sie, beim Blute fallt es einem auf; es ist rot, es enthalt aller- 
lei Stoffe, und dadurch sagt man sich: Das Blut ist eben etwas Beson- 
deres. Beim Wasser glaubt man eben einfach: Nun ja, das ist eben 
Wasser! Es fallt weniger auf; und die Stoffe, die es auBer dem Wasser- 
stoff und Sauerstoff, die ja im Wasser sind, noch enthalt, sind nicht in 
so groBer Menge, wie zum Beispiel das Eisen im Blute, vorhanden. 
Daher beachtet man die Sache wieder nicht. Aber dennoch ist es wahr, 
daB der ganze Wasserkreislauf eine ungeheure Bedeutung fur das ganze 
Leben der Erde hat. Und ebensowenig, wie der menschliche Organis- 
mus leben konnte, wenn er nicht die Blutzirkulation, den Blutkreislauf 
hatte, ebensowenig konnte die Erde leben, wenn sie nicht den Wasser- 
kreislauf hatte. 

Dieser Wasserkreislauf zeichnet sich dadurch aus, daB er da, wo er 
beginnt, von etwas ganz anderem ausgeht als dasjenige ist, in das er 
dann kommt, wenn er ins Meer miindet. Sehen Sie, wenn Sie die Fliisse 
verfolgen, so finden Sie: Diese Fliisse sind nicht salzhaltig, es ist siiBes 
Wasser. SiiBwasser ist in den Fliissen. Das Meer ist salzhaltig. Und alles 
dasjenige, was das Meer zeitigt, griindet sich auf diese Salzhaltigkeit 
des Meeres. Das ist von auBerordentlicher Wichtigkeit: Das Wasser 
beginnt auf der Erde zu zirkulieren, zu kreisen in suBem, salzfreiem 
Zustande und endet im Meere mit dem Salzzustand. 

Gewohnlich verfolgt man die Sache in der Weise, daB man sagt: Nun 
ja, solch ein FluB wie der Rhein, der entspringt irgendwo, flieBt dann 
so weiter (siehe Zeichnung) und flieBt dann ins Meer. - Das ist eben 
dasjenige, was man auBerlich sieht. Aber was man nicht beachtet, das 
ist, daB der FluB, der Rhein zum Beispiel, ja allerdings auBerlich so 
flieBt, aber wahrend dieser FluB auBerlich in seinem Wasser von den 
Siidalpen zu der Nordsee hinflieBt, geht wiederum unter der Erde eine 
Art Kraftstromung zuriick von der Miindung bis zum Ursprung. Die 



82 



geht zuriick. Und dasjenige, was da geschieht (oberirdisch), das ist 
das, daB der FluB suB ist, salzfrei ist. Dasjenige, was da (unter der 
Erde) zuriickgeht, tragt in die Erde immer in der Richtung des Flusses 
das Salz hinein, so daB die Erde Salze in sich kriegt, die eigentlich aus 
dem Meere kommen. Wir haben also gewissermaBen unter der Erde, 
von der Miindung eines Flusses bis zum Ursprung zuriickgehend, eine 
Salzstromung. Und die Erde hatte kein Salz, wenn nicht von der Miin- 
dung der Fliisse bis zum Ursprung unter der Erde die Salzstromung 
wieder zuriickgehen wiirde. Daher wird die sogenannte Geologie, die 
ja die Erde im Innern untersucht, immer darauf aufmerksam sein miis- 
sen, wie da, wo FluBbette sind, etwas defer in der Erde drinnen Salz- 
ablagerungen sind. 



Aber, meine Herren, wenn keine Salzablagerungen in der Erde waren, 
konnten in der Erde drinnen keine Pflanzenwurzeln wachsen, denn die 
Pflanzenwurzeln wachsen in der Erde eben nur dadurch, daB sie das 
Salz der Erde gewissermaBen zur Nahrung kriegen. Die Pflanze ist 
unten in der Wurzel am meisten salzhaltig, oben wird sie immer weniger 
salzhaltig, und die Bliite hat wenig Salz. So daB man also fragen kann: 
Woher kommt es, daB unser Erdboden Pflanzen hervorbringen kann? 




83 



Das kommt ja davon her, daB er einen Wasserkreislauf hat, daB geradeso 
wie bei uns Menschen vom Herzen aus die Blutadern und wiederum 
zuriick die Venen gehen, die das blaue Blut zum Herzen zuriickfiihren, 
so auf der Erde die Adern der Gewasser nach der einen Seite hingehen, 
und unter der Erde die Salzadern zuriickgehen. So daB da auch eine 
richtige Zirkulation, ein richtiger Kreislauf ist. 

Warum ist es denn iiberhaupt so, daB die Erde gewissermaBen auf 
der einen Seite aus einem wasserigen Salzkorper besteht, aus dem festen 
Land auf der anderen Seite, und dann aus den siiBen Gewassern, aus den 
Fliissen, die die Lander durchziehen, und daB fortwahrend auf diese 
Weise Salz vom Meere hineingeschoben wird? Ja, sehen Sie, wenn man 
nun das eigentliche Salzwasser, das sehr salzhaltige Meerwasser unter- 
sucht, da kommt man darauf, daB dieses salzhaltige Meerwasser wenig 
mit dem Weltenraum in Beziehung steht. Geradeso wie bei uns zum 
Beispiel der Magen wenig mit der AuBenwelt in Beziehung steht, nur 
durch das, was er hereinbekommt, ebenso steht das Innere des Meeres 
wenig in Beziehung mit dem Himmelsraume. Dagegen steht fur die 
Erde in ganz groBer Beziehung mit dem Himmelsraume alles das, was 
Land ist, wo die Gewasser durchflieBen, wo durch die Ablagerungen 
von Salz Pflanzen hervorgebracht werden, aber namentlich, wo die 
Gewasser durchflieBen. 

Wenn wir die Sache so anschauen, meine Herren, dann gehen wir 
noch ganz anders zu den Quellen im Gebirge! Wir erfreuen uns daran, 
daB die Quellen rieseln, schon flieBen, daB sie so wunderbar reinliches 
Wasser haben und so weiter. Aber das ist nicht das einzige! Die Quellen 
sind namlich die Augen der Erde. Mit dem Meere sieht die Erde nicht 
hinaus in den Weltenraum, weil das Meer salzig ist, und das macht, daB 
das innerlich nur so ist, wie unser Magen innerlich ist. Die Quellen, die 
siiBes Wasser haben, sind frei fur den Weltenraum und sind wie unsere 
Augen, die sich auch hinaus ins Freie offnen. So daB wir sagen konnen: 
Da auf den Landern, wo Quellen sind, da schaut die Erde weit in den 
Weltenraum hinaus, da sind die Sinnesorgane der Erde, wahrend der 
Korper der Erde, mehr die Eingeweide der Erde, im salzigen Meer sind. 
Es ist natiirlich anders als beim menschlichen Korper; es sind nicht 
solche abgeschlossenen Organe, nicht solche Organe, die man ganz 



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aufzeichnen kann. Man konnte sie auch aufzeichnen, aber sie sind nicht 
so sichtbar. Aber die Erde hat ihre Eingeweide im Meere und hat ihre 
Sinnesorgane in den Landern. Und alles das, wodurch die Erde in Ver- 
bindung steht mit dem Weltenraum, alles das kommt vom siiBen Wasser. 
Alles dasjenige, wodurch die Erde ihre Eingeweide hat, kommt vom 
salzigen Wasser. 

Nun will ich Ihnen einen Beweis liefern davon, daB das so ist. Sehen 
Sie, ich habe Ihnen einmal gesagt: Mit dem Himmelsraum steht auch 
die Fortpflanzung des Menschen und der Tiere in Verbindung. Ich 
sagte Ihnen: Das hangt nicht allein davon ab, daB das Ei, der Keim im 
mutterlichen Leibe, sich nur in diesem mutterlichen Leibe ausbildet, 
sondern da wirken die Krafte vom Weltenall herein, und dadurch, daB 
die Krafte vom Weltenall hereinwirken, entsteht eben gerade erst das 
Ei in seiner Rundung. Wie wir auBen rund sehen die Bewegung des 
Weltenalls, so ist dieses kleine Eichen ein Abbild des Weltenalls, weil 
die Krafte von alien Seiten wirken. Also da, wo die Fortpflanzung 
wirkt, da wirkt eigentlich das Himmlische auf die Erde. Ebenso sehen 
Sie beim Auge: das ist eine Kugel. Das habe ich beschrieben neulich. 
Es ist auch vom Weltenall hereingebildet. Sinnesorgane und Auge sind 
vom Weltenall hereingebildet. Wenn Sie die Milz ansehen, so ist die 
nicht kugelig, sondern sie ist mehr von der Erde, von den irdischen 
Kraften gebildet, von den Eingeweidekraften der Erde. Das ist eben 
der Unterschied. 

Von solchen Dingen kriegt man, wenn man nur aufmerksam ist auf 
die Sachen, ich mochte sagen, Beweise. Ich sagte, ich werde Ihnen nach- 
her von dem, was Meer und Land ist, einen Beweis liefern. Jetzt will 
ich etwas einschieben. Ich habe Ihnen schon erzahlt: Wir haben vor 
einiger Zeit in unserem biologischen Laboratorium Versuche gemacht 
iiber die Bedeutung der Milz. Die Milz hat ja die Bedeutung, wenn wir 
nicht regelmaBig essen konnen - wir essen alle mehr oder weniger un- 
regelmaBig -, das alles wieder auszugleichen; sie ist der Regulator. Da- 
fur haben wir den Beweis erbracht in unserem biologischen Laborato- 
rium. Es gibt ja ein kleines Biichelchen von Frau Kolisko, das alles das 
beschreibt. Wahrend dieser Versuche waren wir auch genotigt — weil 
das ja die heutige Wissenschaft verlangt -, nachzuweisen, einen hand- 



85 



greiflichen Beweis, einen sichtbaren Beweis zu liefern. Das wird nicht 
mehr notig sein, wenn die Wissenschaft einmal an iibersinnliche Be- 
weise glauben wird, aber heute ist es noch notig. Da haben wir ein Ka- 
ninchen genommen, dem Kaninchen natiirlich sonst nicht wehgetan - 
man kann das schon mit aller Vorsicht machen -, die Milz herausge- 
nommen und es weiterleben lassen. Es ging ganz gut. Das Kaninchen 
wurde an der Milzoperation nicht gestorben sein, sondern es hat sich 
durch eine Ungeschicklichkeit einmal erkaltet und ist so zugrunde ge- 
gangen. Dann haben wir es seziert und waren natiirlich sehr gespannt 
darauf, wie die Geschichte nun ist mit der Milz, die man herausgenom- 
men hatte. Was muB man von der Geisteswissenschaft aus sagen? Was 
bleibt denn noch iibrig, wenn man die physische Milz herausschnei- 
det? Nun, nicht wahr, wenn die Milz da ist (siehe Zeichnung), und 




man schneidet sie heraus, tut sie weg, so bleibt an der Stelle noch der 
Atherleib der Milz iibrig und der Astralleib und so weiter. Die Milz ist 
von der Erde aus gebildet, und daher hat sie ihre Form. Nimmt man 
jetzt die physische Milz heraus, und es ist nur die atherische Milz dar- 
innen, wie es bei dem Kaninchen der Fall war, was muB denn da ge- 
schehen? Ja, meine Herren, da muB das geschehen: Wahrend die phy- 
sische Milz von der Erde abhangig ist, zu der Erde neigt, muB die 
atherische Milz, die ganz freigeworden ist, nicht mehr von der physi- 
schen Milz beschwert ist, jetzt wieder unter den HimmelseinfluB kom- 
men. Und man muB voraussetzen, daB da etwas entsteht wie ein Abbild 
des Himmels. Und siehe da, als wir das Kaninchen sezierten, war da 
drinnen ein kleiner runder Korper, aus feinem weiBen Gewebe gebildet! 
Also die Sache hat vollstandig gestimmt. Es ist das eingetreten, was 



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eintreten muB nach den Voraussetzungen der Geisteswissenschaft. Es 
ist da em kleiner, nuBgroBer Gewebekorper entstanden in verhaltnis- 
maBig kurzer Zeit. Sie sehen also, man braucht nur an die Sache rich- 
tig heranzutreten, dann findet man iiberall die Beweise fur dasjenige, 
was die Geisteswissenschaft sagen muB. Aus dem konnen Sie entneh- 
men, daB eben wirklich im Physischen dasjenige eintritt, was man gei- 
stig erkunden kann, herausbekommen kann dadurch, daB man die Ge- 
schichte in der richtigen Weise verfolgt. 

Nun, ebenso, wie hier der weiBe Korper sich gebildet hat durch den 
umgebenden EinfluB, so bildet sich im Eikeim eben zunachst kugelig 
die Menschen-, die tierische Anlage und so weiter durch den Himmels- 
einfluB herein. 

Wenn wir dieses nun wissen, so mussen wir sagen, die Fische sind in 
einer besonderen Lage, denn die kommen eigentlich niemals ans Land. 
Sie konnen ja am Land hochstens ein biBchen schnappen, aber sie kon- 
nen nicht auf dem Land leben, sie mussen im Meere leben. Dadurch 
sind auch die Fische ganz besonders eingerichtet; sie kommen nicht 
dahin, wo die Erde sich dem Weltenlauf offnet. Daher kommen die 
Fische sehr schwer dazu, ihre Sinne auszubilden und namentlich ihre 
Fortpflanzungsorgane auszubilden. Denn das hangt vom Weltenraum 
ab, daB sie drinnen sein konnen. Die Fische mussen daher das wenige, 
was vom Licht und von der Warme aus dem Weltenall ins Meer hin- 
einfallt, sorgfaltig beniitzen, damit sie sich fortpflanzen und Sinnesor- 
gane haben konnen. Aber die Natur sorgt ja fur vieles; Sie konnen es 
sehen bei den sogenannten Goldfischchen. Die beniitzen ihre ganze 
Haut, um unter den EinfluB des Lichtes zu kommen; daher werden sie 
so golden. Die Fische beniitzen jede Gelegenheit, um das aufzuschnap- 
pen, was vom Weltenall ins Wasser fallt. Und sie mussen ihre eigenen 
Eier iiberall da ablegen, wo Licht noch etwas hineinkann, damit von 
auBen diese Eier bebriitet werden. Also die Fische sind sozusagen dar- 
auf eingerichtet, unter dem Wasser zu leben; sie kommen nicht aus dem 
Wasser heraus. Aber das, was ich sage, das bezieht sich j a nicht so sehr 
auf die SiiBwasserfische - das siiBe Wasser ist schon wiederum fur das 
Weltenall durchgangig -, das bezieht sich mehr auf die Meeresfische. 
Die Meeresfische aber zeigen iiberall, daB sie darauf eingerichtet sind, 



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ja alles, was noch ins Salzwasser kommt vom Weltenall, zu beniitzen, 
um die Fortpflanzung zu haben. 

Eine ganz merkwiirdige Ausnahme aber macht der Lachs. Der Lachs 
hat namlich eine sonderbare Organisation. Der Lachs muB im Meere 
leben, damit er ordentliche Muskeln kriegt. Damit er sich fur seine 
Muskeln ordentlich ernahren kann, dazu braucht er Erdenkrafte. Die 
sind vorzugsweise im Salz des Meeres. Er muB im Meeressalz leben, 
damit er seine starken Muskeln bekommt. Aber wenn der Lachs nun 
im Meere lebt, dann kann er sich nicht fortpflanzen, weil er so einge- 
richtet ist, daB er durch das Meerwasser ganz abgeschlossen wird vom 
Weltenall; und die Lachse waren langst ausgestorben, wenn sie sich im 
Meere fortpflanzen sollten. Die Lachse sind Ausnahmen. Wahrend sie 
sich stark machen im Meere - sie bekommen da ihre Muskeln -, sind 
die Lachse erstens ziemlich blind, und zweitens konnen sie sich nicht 
fortpflanzen. Ihre Fortpflanzungsorgane und ihre Sinnesorgane werden 
schwach, sie sind stumpf. Die Lachse im Meer aber werden dick. Nun, 
damit der Lachs nicht ausstirbt - wir konnen das sehen an den Lachsen 
hier in der Nordsee und gegen das Atlantische Meer zu -, wandert der 
Lachs jedes Jahr in den Rhein herein. Daher heiBt er auch Rhein-Lachs. 
Aber der Rhein macht den Lachs mager; er verliert wieder seine Mus- 
keln. Das, was er im salzigen Meer an Dicke gewonnen hat, das ver- 
liert er im Rhein. Der Lachs wird ganz schlank; und seine Sinnesor- 
gane und namentlich seine Fortpflanzungsorgane, beim Mannchen und 
Weibchen, bilden sich kolossal aus, und der Lachs kann sich im Rhein 
fortpflanzen. So muB der Lachs also jedes Jahr vom salzigen Meer nach 
dem siiBen Rhein wandern, damit er sich fortpflanzen kann. Er muB 
da sogar mager werden, weil das siiBe Wasser nicht beitragen kann zu 
seiner Muskelbildung. Dann wandert, wenn die Alten noch leben und 
die Jungen da sind, wiederum alles zum Meere, um aus der Schlank- 
heit in die Dicke zu kommen. 

Sie sehen, meine Herren, die Sache stimmt vollkommen. Man kann 
sagen, da wo die Erde salzig ist, da wirkt sie mit den Erdenkraften. Sie 
wirkt auf diejenigen Organe, die von der Erde aus gebildet sind. Unsere 
eigenen Muskeln werden von der Erde aus gebildet, wenn wir uns mit 
der Schwerkraft bewegen. Schwerkraft ist die Erdenkraft. Auf alles 



Muskulose wirkt die Erde, auf alles Knochige wirkt die Erde. Die Erde 
teilt uns ihr Salz mit, und wir kriegen starke Knochen, starke Muskeln. 
Mit diesem Salzabgang der Erde konnten wir aber gar nichts machen 
fur die Sinnes- und Fortpflanzungsorgane; die wurden dabei verkiim- 
mern. Die miissen immer unter den EinfluB der auBerirdischen Krafte, 
der Himmelskrafte kommen. Und der Lachs zeigt das, welchen Unter- 
schied er macht zwischen Salz- und SiiBwasser. Er geht ins Salzwasser, 
um dick zu werden, nimmt die Erdenkrafte auf, und um fortpflanzungs- 
fahig zu werden, geht er ins SiiBwasser, nimmt die Himmelskrafte auf. 

So kann man sagen: Die Erde hat auch in bezug auf die Tiere eine 
Art Kreislauf, wie zum Beispiel in bezug auf den Lachs. Es treibt den 
Lachs abwechselnd ins Meer und in den FluB. Da geht er also hin und 
geht zuriick, hin und zuriick. Die ganze Lachsgesellschaft geht hin und 
zuriick. An dem Lachs sieht man so recht, wie alles im Leben in Bewe- 
gung ist auf der Erde. 

Wenn man in dieser Weise das am Lachs kennenlernt, dann hat man 
ja auch ein Bild von noch etwas anderem, was uns immer vor Augen ist, 
und was ein so wunderbares Schauspiel ist: die Zugvogel. Die ziehen 
nur in der Luft herum, hin und her; der Lachs zieht im Wasser hin und 
her. Die Lachsziige sind im Wasser geradeso wie die Vogelziige in der 
Luft, nur daB der Lachs hin und her geht zwischen Salzwasser und 
SiiBwasser, und die Vogel in der Luft hin und her gehen zwischen kal- 
teren Partien und warmeren Partien, die sie brauchen. Wer die Lachs- 
ziige versteht, hat auch ein Bild von den Vogelziigen. Und man kann 
sagen: All das hangt damit zusammen, daB auch die Vogel, um in die 
rechten Warme-Erdenkrafte zu kommen, nach Siiden ziehen miissen; 
da bilden sie mehr ihre Muskulatur aus. Um Himmelskrafte zu haben, 
da miissen sie mehr in die reinere Luft des Nordens kommen; da bil- 
den sie ihre Fortpflanzungsorgane aus. Diese Tiere brauchen die ganze 
Erde. Nur die hoheren Tiere, die Saugetiere, und der Mensch, die sind 
mehr von der Erde unabhangig geworden, haben sich mehr emanzi- 
piert von der Erde, sind in ihrer ganzen Organisation mehr unabhangig 
geworden. 

Aber das scheint uns auch nur so. Sehen Sie, wir Menschen sind ei- 
gentlich immer zwei Menschen. Wir sind ja noch mehr Menschen; ich 



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habe Ihnen gesagt: physischer Mensch, atherischer Mensch und so 
weiter. Aber schon im physischen Menschen sind wir namlich zwei 
Menschen: ein rechter und ein linker Mensch. Die rechte Korperhalfte 
ist ja von der linken kolossal verschieden. Ich glaube, die wenigsten 
von Ihnen, die hier sitzen, werden mit der linken Hand schreiben kon- 
nen; wir schreiben mit der rechten Hand. Aber der Teil, der zum Bei- 
spiel mit der Sprache zusammenhangt beim Nervensystem, der sitzt in 
der linken Gehirnhalfte. Da sind starke Windungen; an derselben Stelle 
rechts nicht. Nur beim Linkshander ist es umgekehrt. Diejenigen, die 
Linkshander sind, die haben rechts ihre Sprachorganisation - aber nicht 
das AuBere, sondern nur das Innere, das die Sprache anregt. Sehen Sie, 
meine Herren, da kann man sagen: Der Mensch ist links und rechts 
kolossal verschieden. Aber auch sonst ist dies der Fall. Das Herz ist 
mehr nach links geschoben, links ist der Magen, rechts ist die Leber. 
Aber auch diejenigen Organe, die sonst symmetrisch sind, sind es in 
Wirklichkeit nicht ganz. Unsere Lunge hat links zwei Lappen, rechts 
drei. Also der rechte Mensch ist vom linken Menschen sehr verschie- 
den. Woher kommt denn das? Nun, gehen wir von etwas sehr Einfa- 
chem aus. Links lernen wir also fur gewohnlich nicht schreiben; rechts 
lernen wir schreiben. Das ist eine Tatigkeit, die mehr vom Atherleib 
abhangt. Der physische Leib ist mehr schwer, ist links mehr ausgebil- 
det, rechts ist der Atherleib mehr ausgebildet. Der linke Mensch bildet 
zwei Lappen; der rechte, mehr tatig, der bringt mehr Leben in die 
Lunge hinein, bildet drei Lappen in der Lunge aus. Es ist so beim Men- 
schen, daB er links mehr physischer Mensch ist, rechts mehr atherischer 
Mensch ist. Und so ist es auch mit der Sprache. Die Ernahrung im Ge- 
hirn ist bei Rechtshandern links mehr notwendig als rechts. Und so ist 
alles mogliche eingerichtet beim Menschen, daB der Mensch links mehr 
die Erdenkrafte enthalt und rechts mehr die atherischen Himmelskrafte. 
Sehen Sie, meine Herren, unsere jetzige Wissenschaft, die nur auf die 
Materie sehen will und dadurch gerade vom Materiellen nicht viel weiB, 
kultiviert in der Erziehung der Kinder ja den Unfug, daB die Kinder 
links und rechts in gleicher Weise alles lernen. Ja, darauf ist der Mensch 
gar nicht eingerichtet! Wenn man das iibertreibt, so werden die Men- 
schen namlich halb verriickt erzogen, weil der menschliche Korper 



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darauf eingerichtet ist, daB er links mehr physisch und rechts mehr 
atherisch ist. Aber was kiimmert sich die heutige Wissenschaft viel um 
physisch und atherisch! Fur sie ist ja alles beides gleich, linker Mensch, 
rechter Mensch. Diese Dinge muB man schon mit der Geisteswissen- 
schaft durchdringen konnen, wenn man sie iiberhaupt irgendwie verste- 
hen will. Also links ist der Mensch mehr irdisch, rechts, man kann sagen, 
wenn das Wort nicht miBverstanden wird, mehr himmlisch, kosmisch. 
Nun, der Mensch hat sich schon stark von der Erde emanzipiert. Er 
bildet, wie ich es Ihnen gesagt habe, dieses linke Irdische, dieses rechte 
Himmlische so aus, daB er das herumtragen kann als physischer Mensch, 
und man auch nicht mehr recht merkt, daB er links der Erde zuneigt 
und rechts dem Himmel zuneigt. Aber es gibt Menschen, die mehr die 
Neigung haben, nach der Erde sich hinzuneigen; die schlafen eigentlich 
meist auf der linken Seite, legen sich auf die linke Seite. Auf die rechte 
Seite legen sich die Menschen entweder, wenn sie auf der linken ermii- 
det sind, oder wenn sie sich mehr beschaftigen mit Kraften, die sich 
mehr dem Himmlischen zuneigen. Solche Sachen sind natiirlich schwer 
zu beobachten, weil da noch allerlei anderes in Betracht kommt. Es 
braucht ja nur, wenn sich der Mensch auf die rechte Seite legt, das die 
finstere Seite des Zimmers zu sein; so hat er auch einen Grund. Durch 
Gedanken, durch andere Dinge ist es schwer zu beobachten, aber im 
allgemeinen wird es schon so sein, daB der Mensch gern eine Neigung 
hatte, sich auf die linke Seite zu legen beim Schlafen, weil das die Erden- 
seite ist. Aber man braucht das gar nicht anzuschauen, weil der Mensch 
sich eben emanzipiert von der Erde und in seinen Handlungen sich 
unabhangig macht von der Erde. Aber man kann das einmal bei Tieren 
beobachten. Uberall sieht man die Geheimnisse der Welt in einer sehr 
merkwiirdigen Art sich enthiillen. 

Denken Sie sich, hier ware die Meeresoberflache (siehe Zeichnung 
S. 92), unten das salzige Meerwasser mit allerlei anderen Stoffen in sich. 
Nun gibt es gewisse Fische, die sind ganz merkwurdig organisiert. Diese 
Fische sind namlich so organisiert, daB sie sehr stark zu den Erden- 
kraften sich hinneigen, wahrend die iibrigen Fische eigentlich furcht- 
bar stark schnappen nach allem, was von Licht und Luft ins Wasser 
hineinkommt. Sie konnen, weil sie keine Lungen haben, nicht in der 



91 



Luft atmen; sie sterben ab in der Luft, gehen zugrunde, aber mit ihren 
Kiemen schnappen sie nach allem, was von Luft und Licht ins Wasser 
hineinkommt. Aber es gibt einen Fisch - in seinen groBen Arten heiBt 
er Heilbutt, in seinen kleinen Arten Scholle -, dieser Fisch ist ein sehr 
guter Nahrfisch, hat sehr viel Nahrstoffe, die meisten Nahrstoffe fast 
von alien Fischen. Das zeigt schon, daB er sich zu der Erde neigt, weil 
von der Erde die Nahrstoffe kommen. Er halt es sozusagen mit der 
Erde, der Heilbutt. Was konnen wir denn erwarten von diesen Fischen? 



Wir konnen von ihnen erwarten, daB sie das auch auBerlich in ihrem 
Leben zum Ausdruck bringen, daB sie es mit der Erde halten. Das brin- 
gen sie auch zum Ausdruck. Sie legen sich auf die eine Seite; die wird 
blaB, weiB. Und so stark legen sie sich auf die eine Seite, daB sich der 
Kopf umdreht und die Augen auf die andere Seite zu liegen kommen. 
So daB eine solche Scholle von unten so aussieht (siehe Zeichnung links). 



Da ist sie ganz flach und weiB; und von der anderen Seite, von oben, 
sind die beiden Augen auf der einen Seite; der Kopf ist umgedreht, weil 
sie sich sozusagen immer auf die linke Seite hinlegt. Die linke Seite wird 
ganz die Nahrseite, ist blaB und weiB. Die andere Seite nimmt die Farbe 
vom Himmel und so weiter an, wird blaulich, braunlich, und die Au- 





92 



gen wenden sich sogar von der Nahrseite ab, der Kopf dreht sich um. 
Solch eine Scholle ist ganz einseitig, hat die Augen, alle Organe auf der 
einen Seite; die andere Seite ist flach und blaB. Die Heilbutte entwickeln 
wirklich in sich viele Nahrstoffe, weil sie zur Erde hinneigen. Mancher 
wird ja iiber dreihundert Kilogramm schwer. Es sind also groBe Fische. 
Sie werden als Nahrungsmittel sehr viel gefischt. Nun, diese Heilbutte, 
die zeigen also ganz klar: ihr Korper, der halt es mit der Erde, der legt 
sich immer auf die eine Seite. Und er legt sich so stark auf diese eine 
Seite, daB, wenn der Mensch sich jede Nacht auf die linke Seite legen 
konnte, sich sein Kopf umdrehen und er immer auch nach der einen 
Seite gucken wiirde. Aber beim Menschen kommt es nicht soweit. Der 
Mensch ist eben emanzipiert von der Erde, der Mensch halt sich un- 
abhangig von der Erde. 

Aber etwas kann schon beim Menschen eintreten; es kann zum Bei- 
spiel schon sein, daB man an einen Menschen mit einer merkwurdigen 
Krankheit herankommt; er sieht namlich mit dem rechten Auge oder 
iiberhaupt mit einem Auge etwas besser als mit dem andern. Wenn das 
nicht angeboren ist, so bekommt man meistens durch Fragen heraus, 
daB der Mensch sich auf die andere Seite legt beim Schlafen. Auf die 
Seite, auf die man sich sehr haufig legt, wirken die Erdenkrafte; das 
Auge wird etwas schwacher, schwachsichtiger. Es wird nicht so stark 
gewirkt wie beim Heilbutt, aber schon ein biBchen. Das Auge, das sich 
hinaus zum Himmel neigt, das abgewendet ist von der Erde, das wird 
etwas starker. Sehen Sie, so merkwurdig sind die Zusammenhange. Ich 
habe gesagt: Irgendwo zeigt uns schon die Natur, mit welchen Kraften 
sie arbeitet. Wenn man diese Scholle sieht - diese kleine Scholle konnen 
Sie iiberall auf den Fischmarkten sehen; die groBen Schollen sind im 
Meer, im Salzwasser -, so sagt man sich: Da kann sich ja nur alles das- 
jenige bilden, was eben mit Nahrstoffen angefullt wird, das muB gelost 
werden. Wollen diese Tiere etwas vom Himmel haben, dann mussen 
sie die andere Seite immer dem Himmel zuwenden, dann neigen sich 
die Augen hin, und die Tiere werden dadurch auch fortpflanzungsfahig. 
Die machen es also anders als der Lachs. Der Lachs wandert, der geht 
von der Nordsee in den Rhein, vom Rhein in die Nebenfliisse, um sich 
fortpflanzen zu konnen. Die Schollen legen sich auf die eine Seite, damit 



93 



von der anderen Seite der Himmel wirkt, um Sinne zu haben und um 
fortpflanzungsfahig zu sein. 

Und die Erde selber, was tut die? Ja, meine Herren, wenn es bloB 
salziges Meer gabe, ware die Erde langst zugrunde gegangen, denn in 
sich selber kann sie nicht bestehen. Sie hat nicht nur das salzige Meer- 
wasser, sondern auch das sulk Gewasser, und das sulk Gewasser nimmt 
vom Himmelsraum die Fortpflanzungskrafte fur die Erde auf. Das sal- 
zige Meer kann aus den Weltenweiten nicht dasjenige hereinbringen, 
was die Erde immer wieder erfrischt. Wenn Sie an eine Quelle gehen 
und da das wunderbar reine Wasser herausrieselt: Sie werden merken, 
in der Nahe der Quelle, da grunelts, da riecht es so wunderbar, und 
alles ist so frisch. Ja, das, was da frisch ist in der Nahe der Quelle, das 
erfrischt auch die ganze lebende Erde. Da offnet sich die Erde wie durch 
ihre Augen und Sinnesorgane dem Weltenraume. Und an solchen Tie- 
ren wie dem Lachs und der Scholle merkt man noch: die gehen da hin, 
wo das ist; die haben eine Art Instinkt dafiir, sich an das zu halten, was 
die Erde ist. Der Lachs sucht direkt das suBe Gewasser auf. Die Scholle 
wendet sich, indem sie ihren Korper so einrichtet, dem Lichte zu. An 
Quellen kann sie nicht kommen. Aber die Quellen sind so wie die 
Schollen; sie sind an der Erde das, wo sich die Erde dem Lichte zuwen- 
det. Die Scholle, der Fisch, muB sich direkt dem Lichte zuwenden mit 
ihrem eigenen Korper. 

Diese Dinge sind ungeheuer lehrreich, weil man an ihnen sieht, was 
im Menschen auch noch ist, aber im Menschen nicht mehr so ordent- 
lich beobachtet werden kann, weil er eben, wie ich Ihnen gesagt habe, 
sich emanzipiert hat von der Erde. Aber wenn man auf solche Dinge 
gar nicht aufmerksam ist, dann versteht man ja eigentlich das ganze 
Erdenleben gar nicht. Es ist wirklich so, daB man sagen kann: Schauen 
wir auf das Meer hin und erblicken wir da diese Schollen, wir konnen 
iiberall sehen, das Meer, das offnet sich durch die Schollen iiberall dem 
Himmel! Diese Schollen sind ein Beweis, daB das Meer durstig ist nach 
dem Himmel, weil sein Salzgehalt es vom Himmel abwendet! Man 
kann sagen, die Schollen driicken aus den Durst des Meeres nach Licht 
und Luft. Und wenn wir unseren eigenen Kreislauf anschauen, dann 
haben wir an den Stellen, wo wir salziger werden, wo die Muskeln 



94 



sitzen, auch feine Sinnesorgane, die Tastorgane. Da offnet sich der 
Mensch - nicht wie mit den Augen, wo er sich direkt dem Licht offnet - 
auch nach auBen. Das sind gewissermaBen die Stellen, wo im Meere die 
Schollen sitzen. Diese Schollen, die offnen sich dem Himmel. Und der 
gibt ihnen namlich auch eine auBerordentliche Klugheit. Geradeso wie 
wir, wenn wir unsere auBeren Tastorgane gut beniitzen konnen, ge- 
schickt werden, so werden die Schollen geschickt, weil sie sich dem 
Himmel offnen. Was unten im Meere ist — beobachten Sie es nur ein- 
mal -, das ist plump, ungeschickt. Die Schollen, oh, die werden furcht- 
bar geschickt; sie werden schlaue Tiere dadurch, daB sie sich vom Meere 
auf der einen Seite abwenden. Wenn sie sich auch den Erdenkraften zu- 
wenden, so sagen sie: die Erdenkrafte bleiben fur sich, haufen Nahr- 
stoffe an, bis zu dreihundert Kilogramm, wie gesagt; aber sie haben 
diese feinen Organe, durch die sie sich dem Himmel offnen. Die Schol- 
len fressen die anderen Fische, die kleineren namlich. Aber sehen Sie, 
die Fische wiirden, wenn eine solche Scholle kommt, besonders da sie 
ja wie ein Gespenst fur die andern Fische ist, nach beiden Seiten weg- 
gehen, denn die andern Fische betrachten es als notwendig, die Augen 
auf beiden Seiten zu haben und auf beiden Seiten gleich ausgebildet zu 
haben. Die Schollen sind fur die andern Fische geradeso, wie wenn ein 
Mensch auf sie zukommt; die Fische wiirden rasch weggehen und die 
Schollen wiirden nichts zu essen bekommen, wenn sie nicht gescheiter 
waren als die andern. Aber die andern Fische, die die Augen auf beiden 
Seiten haben, die sind eben nicht so gescheit, weil sie sich nicht so stark 
dem Himmel zuwenden. Die Schollen suchen sich an denjenigen Stel- 
len, wo das Meer so ein wenig Ufer hat, in den seichteren Meeresstellen 
die Orte auf, wo sie sich niederlassen. Mit ihrem flachen Korper bohrt 
sich die Scholle ins Erdreich ein, benutzt ihr Maul dazu, um sich ein 
biBchen mit Sand zu bedecken, wirbelt dann Sand auf, aber so fein, daB 
ein Fisch durchschwimmen kann. Da kommen die Fische und Krebse, 
bemerken die Scholle nicht, und flugs, wenn dann die Fische voriiber- 
ziehen, schnappt und schnappt die Scholle die Fische! AuBerordentlich 
gescheit macht das die Scholle! Aber das kann natiirlich nur ein Tier, 
das sich sozusagen in feiner Weise mit den Himmelskraften, den Kraf- 
ten des Weltenalls in Verbindung setzt. 



95 



Auf der einen Seite hat also solch ein Tier seinen physischen Leib 
ausgebildet, auf der andern Seite bildet es besonders stark den unsicht- 
baren Atherleib aus. An solchen Dingen kann man eben sehen, wie 
alles das, was in uns auch geistige Krafte sind, nicht von den Erden- 
kraften herstammt. Die Erdenkrafte machen uns muskulos, geben uns 
die Salze, und die Himmelskrafte geben uns eigentlich diejenigen Krafte, 
die dann sowohl Fortpflanzungskrafte wie auch spirituelle Krafte, Ge- 
scheitheitskrafte sind. 

Sehen Sie, beim Menschen ist es nun so, daB er im Grunde genommen 
eine kleine Erdkugel ist. Der Mensch besteht ja auch - ich habe es 
Ihnen immer wieder gesagt - zu neunzig Prozent aus Wasser. Eigent- 
lich ist ja der Mensch auch ein Fisch, denn was der feste Mensch ist - 
der schwimmt da in dem Wasser drinnen -, das sind ja nur zehn Pro- 
zent. Im Grunde genommen sind wir ja alle Fische, die in dem eigenen 
Wasser schwimmen. Das gibt ja auch die auBere Wissenschaft zu, daB 
wir durchaus der Hauptsache nach ein kleines Meer sind. Und wie das 
Meer Fliisse aussendet, so sendet unser Meer, unser Flussigkeitskorper, 
salzfreie Safte aus. Wir haben auch unsere SuBwasserstromungen. Die 
liegen auBerhalb der Muskeln und Knochen. Dagegen in den Muskeln 
und Knochen haben wir dieselben Salzablagerungen, die das Meer hat. 
Da ist eigentlich unsere Ernahrung, in den Muskeln und Knochen. Wir 
sind also schon in dieser Beziehung eine kleine Erdkugel, wir haben 
unser salziges Meer in uns. 

Wird der Mensch so, daB seine Flussigkeit, seine SiiBwasserstrome 
zu stark werden - was bei Kindern leicht sein kann, wenn die Milch zu 
wenig salzreich ist -, dann wird er rachitisch, kriegt die sogenannte 
Englische Krankheit. Wenn er zuviel Salz kriegt, dann wird er zuviel 
Meer; dann werden seine Knochen briichig und die Muskeln werden 
plump und ungeschickt. Beim Menschen muB immer ein Gleichgewicht 
sein zwischen dem SalzgenuB und demjenigen, was eben in anderen 
Nahrungsmitteln liegt. 

Nun, was liegt in anderen Nahrungsmitteln? Meine Herren, sehen 
Sie sich eine Pflanze an. Sie wissen jetzt, die Pflanzen wachsen dadurch, 
daB von den Flussen, die ins Meer gehen, innerlich diese salzigen Stro- 
mungen zuriickgehen, sich dann ausbreiten und die Pflanzen wachsen 



96 



machen. Also in der Erde, da haben die Pflanzen ihr Salz drinnen, die 
Wurzeln. Aber wenn die Pflanze nun aus der Erde herauswachst, da 
wachst sie immer mehr der Bliite zu. Die Bliite wird schon farbig, weil 



sie das Licht aufnimmt. Da drauBen in der Bliite, da nimmt die Pflanze 
das Licht auf; in der Wurzel nimmt sie das Salz auf. Da drauBen wird 
die Pflanze ein Lichttrager, da unten wird sie ein Salztrager. Da unten 
wird sie dem Meeresteil der Erde ahnlich, oben wird sie dem Himmel 
ahnlich. Die Wurzel ist salzreich, die Bliite lichtreich. In friiheren Zei- 
ten hat man das viel besser gewuBt. Daher hat man dasjenige, was in der 
Bliite ist, Phosphor genannt. Heute, wo alles materialistisch ist, ist ja 
der Phosphor auch nur ein fester Korper. Phosphor: Phos heiBt Licht, 
phor heiBt der Trager; Phosphor heiBt Lichttrager; Phosphor war 
eigentlich dasjenige, was in der Bliite das Licht tragt. Man hat nur das 
Mineral Phosphor auch Phosphor genannt, denn man braucht es ja nur 
anzuziinden, so sieht man, wie Licht herauskommt. Aber der eigent- 
liche Lichttrager ist die Pflanzenbliite. Die Pflanzenbliite ist Phosphor. 
So daB wir sagen konnen: Fur diejenigen Organe in unserem Menschen- 
leibe, welche gewissermaBen die SuBwasserstromungen enthalten, 
brauchen wir Licht, brauchen wir dasjenige, was uns die Pflanzen 
geben, wenn sie dem Lichte zustreben. Fiir die Muskeln, fur die Kno- 
chen, fur dasjenige, was in uns salzig werden soil, brauchen wir eben 




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Salz und die festen Zusatze in unseren Nahrungsmitteln. Und zwi- 
schen denen muB das richtige Gleichgewicht sein. Im richtigen MaBe 
muB das eine oder andere in uns hineinkommen. 

So ist es aber auch mit der Erde, meine Herren. Aber Sie werden 
noch nicht gesehen haben, wenn Sie noch so weit herumgekommen 
sind, und weder die Weltenbummler, noch die richtigen Weltreisenden 
haben irgendwo gesehen, daB die Erde sich etwas gekocht hat, ein Mit- 
tagsmahl gekocht hat! Aber dennoch, sie ernahrt sich, die Stoffe werden 
fortwahrend ausgetauscht, denn es geht immerfort dasjenige, was Erde 
ist, durch Dunst und Nebel hinauf. Und Sie wissen ja: Das Regenwas- 
ser, das herunterfallt, ist destilliert, das heiBt, ist reines Wasser, hat 
nichts
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