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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE
vortrage
vortrAge uber medizin
Die Wiedergaben der Original- Wandtafelzeichnungen
Rudolf Steiners zu den Vortragen in diesem Band
(vgl. die Randvermerke und den Text am Beginn der Hinweise)
sind innerhalb der Gesamtausgabe erschienen in der Reihe:
«Rudolf Steiner - Wandtafelzeichnungen zum Vortragswerk»
Band XXII
RUDOLF STEINER
Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte
zur Therapie
Neun Vortrage,
gehalten in Dornach vom 11. bis 18. April 1921
vor Arzten und Medizinstudierenden
Mit einer Beilage:
Notizbucheintragungen Rudolf Steiners
zu den Vortragen
2001
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH / SCHWEIZ
Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften,
herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlaflverwaltung
Die Herausgabe der 3. Auflage besorgte Dr. med. Hans W. Zbinden,
Neudurchsicht der 5. Auflage durch
Dr. med. Eva Gabriele Streit und Dorte Mehrling
1. Auflage (ohne Vortrag 18. April 1921 [9. Vortrag]) mit dem Titel
«Vortragszyklus fur Arzte und Medizinstudierende»,
Stuttgart o. J. (1921)
2. Auflage, Basel 1941
3. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1963
4. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1984
5., neu durchgesehene und um eine Beilage erganzte Auflage,
Gesamtausgabe Dornach 2001
Bibliographie-Nr. 313
Zeichen auf dem Einband nach einem Entwurf Rudolf Steiners,
Schrift von Benedikt Marzahn
Zeichnungen im Text nach Tafelzeichnungen Rudolf Steiners,
ausgefuhrt von A. Turgenjew, H. Frey und D. Mehrling
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
© 2001 by Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
Satz: Rudolf Steiner Verlag / Bindung: Spinner GmbH, Ottersweier
Printed in Germany by Konkordia Druck, Buhl
ISBN 3-7274-3132-6
Zu den Veroffentlicbungen
am dem Vortragswerk von Rudolf Steiner
Die Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners (1861-1925) gliedert
sich in die drei groften Abteilungen: Schriften - Vortrage - Kiinst-
lerisches Werk (siehe die Ubersicht am Schlufi des Bandes).
Urspriinglich wollte Rudolf Steiner nicht, daft seine frei gehal-
tenen Vortrage - sowohl die offentlichen als auch die fiir die Mit-
glieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Gesell-
schaft - schriftlich festgehalten wiirden, da sie von ihm als «mund-
liche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht waren.
Nachdem aber zunehmend unvollstandige und fehlerhafte Horer-
nachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich veran-
lalk, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute er
Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Steno-
grafierenden, die Verwaltung der Nachschriften und die fiir die
Herausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner
nur in ganz wenigen Fallen die Nachschriften selbst korrigiert hat,
mufi gegemiber alien Vortragsveroffentlichungen sein Vorbehalt
beriicksichtigt werden: «Es wird eben nur hingenommen werden
miissen, daft in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich
Fehlerhaftes findet.»
Uber das Verhaltnis der Mitgliedervortrage, welche zunachst
nur als interne Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu seinen
offentlichen Schriften aufiert sich Rudolf Steiner in seiner Selbst-
biographie «Mein Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende
Wortlaut ist am SchluE dieses Bandes wiedergegeben. Das dort
Gesagte gilt gleichermaften auch fiir die Kurse zu einzelnen Fach-
gebieten, welche sich an einen begrenzten, mit den Grundlagen der
Geisteswissenschaft vertrauten Teilnehmerkreis richteten.
Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaft
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamt-
ausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil
dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere
Angaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise.
INHALT
Erster Vortrag, Dornach, 11. April 1921 . 9
Hohere Wesensglieder des Menschen und die Stoffwirkungen auf
den physischen Leib bei Erkranken und Heilen. Stoffe als Resultat
von Prozessen. Blickrichtung auf die Wechselwirkung zwischen
innermenschlichen und aufiermenschlichen Prozessen. Die vier
Wesensglieder im Hauptesorganismus, im rhythmischen Organis-
mus und im Gliedmafienmenschen. Kieselerdewirkung. Kieselbil-
dungs- und Kalkbildungsprozesse und deren Uberwindung in der
Entstehung des menschlichen Organismus.
Zweiter Vortrag, 12. April 1921 . . . 26
Wirkung des Ich im Haupte (Warmedifferenzierung) und im Glied-
mafienstoffwechselsystem (Statik). Die vier Atherarten und ihr
Verhaltnis zum menschlichen Organismus und unter sich. Wesen
der Krankheit. Gesund- und krankmachende Prozesse. Der physi-
sche Prozeft im Haupte und seine Bedeutung fur den Organismus.
Das Sterben wahrend des ganzen Lebens und das Ich-Bewulksein.
Ich und physischer Prozefi. Wesen des Todes. Astralischer Leib
und sein Verhaltnis zur Krankheit, des Atherleibes zur Gesundheit,
des physischen Leibes zur Ernahrung, Ich und Tod. Hohere We-
sensglieder und Krankheit. Phosphor und Schwefel, Arsen, Anti-
mon. Verhaltnis chemischer Korper zu den organischen Prozessen
des Menschen.
Dritter Vortrag, 13. April 1921 47
Astralischer Leib und Brustorganismus. Physischer Leib und
Atherleib. Pflanzenwerdung. Rhythmischer Ausgleichsprozefi zwi-
schen Wirkung der gesundmachenden und der krankmachenden
Krafte. Atmung. Kohlenstoff und Sauerstoff. Einschlafen und Auf-
wachen. Bedeutung des Seelenlebens fur die rhythmischen Prozes-
se. Vorgange im Brustorganismus als Ergebnisse der Prozesse im
oberen, im unteren Menschen und in der Aufienwelt. Wesen der
Licht- und Hohenkuren. Zur Ernahrung. Elektrizitat und Magne-
tismus und ihre Verwendbarkeit in der Therapie.
VlERTER VORTRAG, 14. April 1921
Einschlafen und Aufwachen. Rohkost. Die Stufen in der mensch-
lichen Individualentwicklung. Das Ich und die Nahrungsaufnahme.
Die Entwicklung der Ich-Tatigkeit in ihrer Polaritat im Kindesal-
ter. Die Behandlung der durch Entwicklungsstorungen in dieser
Hinsicht hervorgerufenen Verdauungsschwierigkeiten; Unterschie-
de bei Madchen und Knaben. Das Ich im Stoffwechsel, Verhalten
zum Schmeckprozefi. Behandlung der Unregelmafiigkeiten der Ich-
Entwicklung. Das Ich in den Warmeverhaltnissen. Sein bipolares
In-Erscheinung-Treten. Ich-Wirksamkeit in der Nahrungsaufnah-
me, im Stoffwechsel, in der Kindesentwicklung. Ich und Warme.
Funfter Vortrag, 15. April 1921
Der Prozefi des Arsenisierens. Wesen der Diphtherie, des Anstek-
kungsphanomens, Therapie. Der Ich-Prozef5 und die Phosphorpro-
zesse. Wirkung des Ich in den dynamischen Prozessen. Pathologie
von Ich-Wirkungen und Erscheinungsweise derselben im Epithel-
zerfall und anderem. Wesen der Phosphorvergiftung. Die zu starke
Ich- Wirkung.
Sechster Vortrag, 16. April 1921
Zur Methode arztlicher Einsichtnahme. Wesen des Eiweifies. Ver-
haltnis von Ernahrung und Atmung. Atherleib in seiner Erschei-
nungsweise im Fliissigen, Astralitat im Atmen, Ich in der Warme.
Nahrungseiweifi und organisches Eiweifi. Uterus und Herz. Bezie-
hung der Herztatigkeit zu Fett und Kohlehydratstoffwechsel. Lun-
genschwindsucht. MerkurprozefS. Gesichtspunkte fxir die Bereitung
von Heilmitteln.
SlEBENTER VORTRAG, 17. April 1921
Umfassende anthroposophische Erkenntnis der Welt als Grundlage
des therapeutischen Urteils. Beziehung der Pflanze zum mensch-
lichen Organismus: Wurzelkraft in therapeutischer Beziehung,
Enzian, Nelkenwurz, Schwertlilie. Das Kraut; Majoran. Die Bliite:
Holunder. Der Samen: Kiimmel. Metamorphose des Sinnespro-
zesses im Stoffwechsel und die darauf folgenden therapeutischen
Anschauungen. Grundsatzliches zur Metalltherapie. Polaritat von
Silber und Blei.
Achter Vortrag, 18. April 1921 134
Zur Metalltherapie. Begriff des Giftes. Umformung der homoopa-
thischen Regel. Salzprozefi. Metallprozefi. Strahlenwirkung der
Metalle. Blei, Magnesium, Zinn, Eisen, Kupfer, Gold, Quecksilber,
Silber. Fragebeantwortung: Zur Asthmabehandlung. Zur parente-
ralen Eiweifkherapie. Erkaltung. Zusammenhang von Muskeln und
Knochen. Zur Untersuchung des Geschmackssinnes. Stoff und
Prozefi im Organismus. Morbus Basedow.
Neunter Vortrag, 18. April 1921 155
Die Eurythmie in ihrem Zusammenhange mit dem aus dem
Kosmos gestalteten Menschenwesen als therapeutisches Element:
Die Heileurythmie.
Hinweise
Zu dieser Ausgabe 171
Hinweise zum Tex 173
Nachweis der Textanderungen 177
Personenregister 179
Liste der Kursteilnehmer 181
Rudolf Steiner iiber die Vortragsnachschriften 187
Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 189
Notizbucheintragungen Rudolf Steiners zu den Vortragen: Hand-
schriftenfaksimiles (verkleinert) und Ubertragungen (Notizbuch
Archiv-Nr. NB 610)
ERSTER VORTRAG
Dornach, 11. April 1921
Es ist zu hoffen, daft dieser Erganzungskursus zu dem vorjahrigen
doch wiederum einiges wird bringen konnen, was in wirklichem Sinne
als eine Erganzung wird auf gef alk werden konnen und was namentlich
dann, wenn wir gegen das Ende des Kursus hin kommen werden, sich
zu einer Anzahl therapeutischer Ausblicke kristallisieren wird. Ich
werde mich in diesem Kursus bestreben, von einer anderen Seite die
Dinge ins Auge zu fassen, die auch den Gegenstand unserer vorigen
Kursbetrachtung bildeten, die Dinge des kranken und des zu heilenden
Menschen. Aber wir werden dadurch, daft wir die Sache von einer
anderen Seite betrachten, wesentlich nicht nur etwa zu anderen Ge-
sichtspunkten kommen, sondern auch zu einer Erweiterung des Stof-
fes, den wir betrachtet haben. Ich mochte namlich diesmal zeigen, wie
dasjenige, was Sie alle als Anthroposophen kennen, die Gliederung des
Menschen in physischen Leib, Atherleib und so weiter, gewissermafien
beim Krankwerden und beim Geheiltwerden wirkt. Wahrend ich mich
das vorige Mai mehr darauf beschranken mufke, zunachst die auftere
Offenbarung des inneren Menschen darzustellen, werde ich diesmal
versuchen zu zeigen, wie diese verschiedenen Glieder des Menschen
beeinflulk werden von demjenigen, was Stoffe aufier dem Menschen
sind, was namentlich diejenigen Stoffe sind, die dann als Heilmittel
verwendet werden konnen, und was als Heilmittel wirken kann, indem
es den menschlichen Organismus anders als blofi stofflich beeinflulk.
Hier mufi ich allerdings einleitend sogleich eine Voraussetzung
machen.
Wir konnten auch das letztemal, als wir hier uber denselben Gegen-
stand sprachen, in vieler Beziehung von Stofflichem und iiberhaupt
von Physischem als Heilmittel sprechen. Wir werden in dem Augen-
blicke, wo wir zu den hoheren Gliedern der menschlichen Natur, zu
den iibersinnlichen Gliedern der menschlichen Natur nunmehr iiber-
gehen miissen, nicht mehr in derselben Art von Stoffen sprechen kon-
nen. Wir werden es zwar, ich mochte sagen tun, um Abbreviaturen zu
haben, um in abgekiirzter Weise sprechen zu konnen, aber wir werden
uns einer prinzipiellen Tatsache wahrend dieser ganzen Auseinander-
setzung bewufit werden miissen. Wir werden uns namlich bewufk
werden miissen, dafi man dann nicht in der Art vom Stofflichen aus-
gehen kann, wie man das gewohnt ist heute in der landlaufigen Wissen-
schaft, wenn man des Menschen Beziehung zur Umwelt, des Men-
schen Verhalten im gesunden und kranken Zustande wirklich verste-
hen will. Dasjenige, wovon man ausgehen mufi, sind eigentlich nicht
Stoffe, sondern Vorgange, ist nichts Fertiges, sondern ist ein Gesche-
hen. Und wenn wir vom Stoff reden, so miissen wir eigentlich uns vor-
stellen, dafi wir im Stoffe, in dem, was uns im aufieren Sinnenschein als
Stoff erscheint, nichts anderes vorliegend haben als einen Prozefi, einen
zur Ruhe gekommenen Vorgang.
Wenn wir, sagen wir Kieselerde vor uns haben, so sprechen wir die
Kieselerde zunachst als einen Stoff an. Aber das Wesentliche haben wir
dann gar nicht getroffen, wenn wir den sogenannten Korper, der eine
gewisse Grenze hat, in die Vorstellung aufnehmen. Das Wesentliche
haben wir nur getroffen, wenn wir den sehr umfassenden Vorgang ins
Seelenauge fassen, der als ein einzelner Vorgang im ganzen Universum
vorhanden ist, und der gewissermafien als Vorgang sich kristallisieren
kann, der zur Ruhe kommen kann, der in eine Art von Gleichge-
wichtslage kommen kann, und der sich dann, wenn er zur Ruhe ge-
kommen ist, aufiert in dem, was wir als Kieselerde anschauen. Ein
Wesentliches ist es, die Wechselwirkung ins Auge zu fassen zwischen
den Vorgangen im Innern des Menschen und den Vorgangen, welche
sich draufien im Universum abspielen, mit dem sowohl der gesunde
wie der kranke Mensch in einer fortwahrenden Wechselwirkung steht.
Damit wir morgen dann mit unserem eigentlichen Stoff beginnen
konnen, mochte ich heute einleitend dasjenige vor Ihnen vorbringen,
was uns zu Vorstellungen iiber diese Wechselwirkung wirklich fiihren
kann. Dazu miissen wir aus anthroposophischer Geisteswissenschaft
heraus die Wesenheit des Menschen wirklich zu erfassen suchen. Ich
werde mich, ich mochte sagen zunachst schematisch ausdrucken,
indem ich dasjenige, was ich oftmals vorgetragen habe als die Drei-
gliederung des Menschen, wirklich in seiner Konzentrierung im raum-
lichen Menschen heute hier ins Auge fassen will. Wir wissen ja, wenn
wir unterscheiden den Nerven-Sinnesmenschen, dafi er hauptsachlich
im Kopfe konzentriert ist, dafi aber dasjenige, was da im Kopfe kon-
zentriert ist, sich doch iiber den ganzen Menschen ausdehnt, im ganzen
Menschen vorhanden ist, dafi der Mensch sozusagen im Kopf nur am
meisten ein Nerven-Sinneswesen ist, dafi auf der andern Seite der gan-
ze Mensch Kopf ist, aber eben weniger Kopf in den iibrigen zwei
Gliedern als im Kopfe. Und so konnen wir tins dasjenige, was wir
Nerven-Sinnesmensch nennen, im Haupte lokalisiert denken. Dann
aber miissen wir uns, damit wir fur unsere jetzigen Zwecke diese Glie-
derung des Menschen fruchtbar machen konnen, den rhythmischen
Menschen, der alles dasjenige umfassen wiirde, was Atmungs- und
Zirkulationsorganismus ist, eigentlich als wieder zweigliedrig denken:
das eine Glied, welches mehr nach dem Atmungssystem hintendiert,
das andere, das mehr nach dem Zirkulationssystem hintendiert. Und in
dieses Zirkulationssystem fiigt sich dann alles dasjenige ein, was den
Zusammenhang darstellt des Gliedmaflenmenschen mit dem Stoff-
wechselmenschen.
Wenn man das menschliche Haupt studiert, dann studiert man also
gewissermafien dasjenige Glied des menschlichen Organismus, das am
meisten Nerven-Sinnesmensch ist. Die Organisation des menschlichen
Hauptes, sie unterscheidet sich ganz wesentlich von der Organisation
der anderen Glieder des Menschen, auch mit Bezug auf die hohere
Gliedform dieser menschlichen Wesenheit. Wenn wir namlich das
Haupt des Menschen vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher
Betrachtung ins Auge fassen, so ist dieses Haupt eine Art Abdruck,
man konnte sogar sagen eine Art Abscheidung des Ich, des astralischen
Leibes und des atherischen Leibes. Und dann kommt noch der phy-
sische Leib fur das Haupt in Betracht. Aber dieser physische Leib ist
gewissermaften in einer anderen Weise im Haupte vorhanden als das-
jenige Physische, das Abdruck ist des Ich, des astralischen Leibes, des
atherischen Leibes. Ich darf wohl auch hier, ich mochte sagen das
Hohere dieser Sache hervorheben, indem ich darauf aufmerksam
mache, dafi das menschliche Haupt, so wie es zunachst veranlagt ist im
menschlichen Embryo, nicht etwa blofi aus den Kraften des elterlichen
Organismus heraus sich gestaltet, sondern daft im menschlichen Haup-
te kosmische Krafte wirken, daft einfach in den Menschen kosmische
Krafte hineinwirken. In demjenigen, was wir die atherischen Krafte
nennen, wirkt noch viel von dem elterlichen Organismus, aber schon
im Atherischen wirken kosmische Krafte aus dem vorgeburtlichen,
oder sagen wir vor der Konzeption liegenden geistig-seelischen Leben.
Und gar im Astralischen und im Ich wirkt dasjenige nach, was eben vor
der Konzeption in der geistigen Welt gelebt hat. Das wirkt so nach,
daft es am menschlichen Haupte formt. Das Ich schafft sich seinen
Abdruck am menschlichen Haupte, der astralische Leib schafft sich
seinen physischen Abdruck, der atherische Leib schafft sich den phy-
sischen Abdruck. Nur der physische Leib, der ja eben erst hier auf der
physischen Erde erhalten wird, ist sozusagen ein Primar-Wirksames,
der ist nicht Abdruck, sondern der ist ein Primar-Wirksames, so dafi
ich sagen kann, wenn ich schematisch zeichne, die menschliche Haup-
tesbildung ist so, daft sie ein Abdruck des Ich ist. Das organisiert sich
da drinnen - wir werden von dieser Organisation noch ofter zu spre-
chen haben -, das organisiert sich in einer gewissen Weise. Es organi-
siert sich hauptsachlich zunachst dadurch, daft es die Warmeverhalt-
nisse des Hauptes in sich differenziert. Ferner differenziert da drinnen
der astralische Leib, der vorzugsweise in demjenigen organisierend
enthalten ist, was das Haupt als gasige, luftartige Prozesse durchdringt
(siehe Zeichnung). Dann driickt sich ab der atherische Leib, und dann
ist dasjenige, was fur das Haupt physischer Leib ist, ein physischer
Prozeft, ein wirklich physischer Prozeft (siehe Zeichnung, schraffiert).
Ich werde ihn dadurch andeuten, dafi ich gewissermaften schematisch
in der Zeichnung hinweise auf denjenigen Teil des Hauptes, der das
knocherige Hinterhaupt ist, wenn da etwa die Augen liegen wurden.
>U|lt
12 * Zu den Tafeln siehe S. 173.
Aber es erstreckt sich dasjenige, was hier an physischen Kraften kon-
zentriert ist, wiederum iiber das ganze Haupt. Da, in diesem phy-
sischen Teil der menschlichen Hauptesbildung ist ein wirklicher pri-
marer physischer Prozefi. Das ist nicht der Ausdruck von irgend etwas
anderem, sondern da ist dasjenige vorhanden, was seinen eigenen Pro-
zeft vollfiihrt. Aber in diesem physischen Hauptesprozeft, da haben
wir eigentlich doch eine Dualitat darinnen, ein Zusammenwirken von
zwei Prozessen. Dasjenige, was da geschieht, ist ein Zusammenwirken
von zwei Prozessen, die eigentlich nur zu verstehen sind, wenn man
sie nun geistesforscherisch zusammenschaut mit gewissen anderen
Prozessen, welche drauften im Universum stattfinden.
Wenn Sie drauften im Universum, im Urgebirge denjenigen Prozeft
sehen, der sich in der Schieferbildung ausdriickt, namentlich in alle-
dem, was von der Kieselerde aus in die Schieferbildung fiihrt, dann
haben Sie in den Kraften, die da drinnen, in diesem Prozesse, dem von
der Kieselerde ausgehenden Schieferbildungsprozesse, wirken, den
polarisch entgegengesetzten Prozeft von dem, der sich hier einerseits in
der physischen Hauptesbildung abspielt. Es ist dieses ein wichtiger
Zusammenhang zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Es ist
einmal im menschlichen Haupte dieser Prozefi wiederum drinnen, der
sich draufien im Mineralisieren abspielt. Es ist ja heute, ich mochte
sagen schon fast fur die Geologie klar, wenn auch noch nicht ganz, dafi
alles, was der Prozefi der Schieferbildung ist, der Prozefi aller derjeni-
gen Mineralisierung, an der die Kieselerde, Silizium, beteiligt ist, mit
dem zusammenhangt, was man Entvegetabilisierung nennen konnte.
Wir miissen gewissermaften mineralisch gewordene Pflanzenwelt in
der Schieferbildung suchen, und indem wir dieses Entvegetabilisieren
zu erfassen suchen, was gleichbedeutend ist mit der Schieferbildung
der Erde, ergreifen wir denjenigen Prozefi, der in einer anderen Weise
in seinem polarischen Gegenteil hier im menschlichen Haupte spielt.
Mit dem spielt aber ein anderer Prozefi zusammen. Und diesen ande-
ren Prozefi, der mit diesem zusammenspielt, miissen wir wiederum
drau£en in der Welt suchen. Wir miissen ihn da suchen, wo sich zum
Beispiel Kalkgebirge bilden. Und wir haben es wiederum heute schon
fast als eine geologische Wahrheit fur die aufiere Wissenschaft da-
liegen, da$ Kalkgebirge im wesentlichen auf einem Prozefi der Erdbil-
dung, den wir Entanimalisierungsprozefi nennen konnen, beruhen. Es
ist das der entgegengesetzte Prozefi des Tierwerdens. Und wiederum
der polarisch entgegengesetzte Prozeft spielt hier drinnen. Wenn wir
also dem Silizium und dem Kalzium, die zur Ruhe gekommene Pro-
zesse sind, einen Anteil an der menschlichen physischen Hauptesbil-
dung zuschreiben, so miissen wir uns klar sein, dafi dadurch in diese
menschliche physische Hauptesbildung etwas hineinspielt, was drau-
fien, in der ganzen Natur unserer Erde wenigstens, eine sehr bedeut-
same Rolle spielt. Wir konnen uns zu gleicher Zeit jetzt schon vor-
bereitend dariiber orientieren, dafi, wenn wir hinschauen auf der einen
Seite auf die Kieselerde, auf das Silizium, dafi das eine wesentliche
Verwandtschaft hat mit demjenigen, was gerade im physischen Haupte
vor sich geht; wenn ich von Silizium spreche, so ist es eben der zur
Ruhe gekommene Prozefi. Dasjenige wiederum, was Kalkbildungs-
prozefi ist, was im Kalzium zur Ruhe kommt, das hat etwas zu tun mit
alledem, was der entgegengesetzte Pol ist, was polarisch mit der ande-
ren Kraft zusammenwirkt im menschlichen physischen Haupte. Diese
Prozesse, die wir geradezu heute noch rund um uns herum aufsuchen
konnen, stehen im menschlichen Haupte im Zusammenhange mit an-
deren Prozessen, die wir auf der Erde nicht finden, die nur im Abdruck
vorhanden sind, indem das Haupt eben Abdruck ist von atherischem
Leib, astralischem Leib und Ich.
In bezug auf diese Glieder der menschlichen Natur haben wir eben
Prozesse zur Ruhe gebracht, die nicht unmittelbare Erdprozesse sind.
Nur dasjenige, was ich Ihnen fur das eigentliche physische Haupt
gesagt habe, ist im Menschen ein eigentlicher Erdenprozeft. Die andern
Prozesse sind nicht eigentliche Erdenprozesse, obwohl wir, wie wir
sehen werden, sie mit Erdenprozessen in Zusammenhang finden.
Damit wir zu einer Ubersicht kommen, mochte ich gleich sagen,
wenn ich nun zu dem zweiten Gliede des menschlichen Organismus
iibergehe - nennen wir es grob, indem wir lokalisieren, das Brustglied.
Es ist dasjenige Glied im menschlichen Organismus, das im wesent-
lichen den rhythmischen Menschen umfafk, und wir wollen es gleich
schematisch teilen in alles dasjenige, was Atmungsrhythmus umfafit
und in alles dasjenige, was Zirkulationsrhythmus umfafit. Wenn wir
dieses zweite Glied der menschlichen Wesenheit nun als Ganzes ins
Auge fassen wollen, miissen wir folgendes sagen. Alles dasjenige, was
ich hier (siehe Zeichnung) als Organisation des Atmungsrhythmus im
weitesten Sinne bezeichnet habe, das ist so, dafi es zunachst ein Ab-
druck von Ich und astralischem Leib ist. Also wie das Haupt ist ein
Abdruck von Ich, astralischem Leib und Atherleib, so ist dasjenige,
Tafcl 1
was hier Atmungsrhythmus ist, Abdruck von Ich und astralischem
Leib, und es hat ein nun primar fur sich Wirksames (siehe Zeichnung,
schraffiert), in dem aber zusammenwirken physischer Leib und Ather-
leib. Im menschlichen Haupte ist primar fur sich wirksam nur der
physische Leib. Der Atherleib ist ja auch Abdruck. In dem Atmungs-
rhythmussystem ist aber primar ein Ineinanderwirken von physischem
und atherischem Leib wirksam, und Abdruck ist nur Ich und astra-
lischer Leib. Das ist ja im Wesentlichen auch noch vorhanden in der
Organisation fur den Zirkulationsrhythmus, aber schwacher, weil sich
der ganze Stoffwechselorganismus in das Zirkulationssystem hinein-
schiebt. Aber da beginnt schon dasjenige, was dann auch giiltig ist fur
den Gliedmaften-Stoffwechselmenschen. Da haben wir es dann zu tun
mit dem, daft die Gliedmafien mit alledem, was als Stoffwechsel herein-
ragt - mit Ausnahme der eigentlichen Zirkulation, also der Bewegung,
die da ist - im wesentlichen ein Abdruck des Ich und ein Zusammen-
wirken von physischem Leib, Atherleib und Astralleib sind (siehe
Zeichnung), so daft wir sagen konnen: Wenn wir den Brustmenschen
ins Auge fassen, dann haben wir in ihm von Abdrucksorganisation
eigentlich nur dasjenige, was sich auf Ich und astralischen Leib bezieht,
und wir haben in ihm wirksam eine primare Organisation, die nun
nicht bloft physisch ist, sondern die das Physische vom Atherischen
durchgliedert erscheinen laftt. Das ist starker der Fall beim Atmungs-
rhythmus, und beim Zirkulationsorganismus ist es so, daft nun schon
das andere vom Stoffwechselsystem hineinspielt.
Das sehen Sie in verschiedener Art fur die verschiedenen Glieder
des Menschen zusammenspielen. Fur diese verschiedenen physischen
Glieder, die wir als Hauptessystem, Brustsystem, Gliedmaftensystem
bezeichnen, spielen in verschiedener Weise ineinander diejenigen Glie-
der, die wir sonst in der Geisteswissenschaft physischen Leib, Ather-
leib, astralischen Leib und Ich nennen. Das Haupt des Menschen, so
wie es als Prozefi dasteht, ist eigentlich im wesentlichen physischer
Leib, denn das, was nicht physischer Leib ist, ist Abdruck von Ich,
astralischem Leib und Atherleib. Dasjenige, was der mittlere Mensch
ist, ist im wesentlichen ein Zusammenwirken von physischem Leib
und Atherleib. Dasjenige, was nicht physischer Leib und Atherleib ist,
ist ein Abdruck von Ich und astralischem Leib. Der Gliedmaften-
Stoffwechselmensch vollends - nur geht das ineinander bei den letzten
zwei -, ist eigentlich ein Ineinanderwirken von physischem Leib,
Atherleib und astralischem Leib - es geht das nur in die anderen Glie-
der, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, iiber - und ein Abdruck
des Ich (siehe Zeichnung S. 16).
Nun handelt es sich darum, dafi wir zunachst ins Auge fassen, was
wir fur das, was wir zum Beispiel hier fur den Anteil jenes Prozesses
am Physischen, an der physischen Kopforganisation, den wir in der
Kieselerde zur Ruhe gekommen auffassen miissen, im mittleren Men-
schen finden konnen. Da liegt das Eigentiimliche vor, dafi im mittleren
Menschen der Prozefi der Kieselerdebildung starker, verbreiteter
wirkt. Er wirkt im Kopfe feiner. Er wirkt hier im mittleren Menschen
starker, verbreiteter, gewissermafien differenzierter. Und er wirkt am
starksten im Gliedmafien-Stoffwechselmenschen. Wenn wir also den-
jenigen ProzefS ins Auge fassen, den wir als gebunden an die Kieselerde
aufgefafk haben, so miissen wir sagen: Dieser Prozefi wirkt am stark-
sten da, wo er dem Ich zu Hilfe kommen soil - wir werden die Wech-
selwirkung dann zu anderen Prozessen sehen - in bezug auf die Wir-
kung des selbstandigen Ich, das nur seinen Abdruck hat im physischen
Stoffwechselmenschen. Es wirkt dieser Kieselerde erzeugende Prozefi
am starksten da, wo er dem Ich zu Hilfe kommen soil, fur die Wirkung
dieses Ich auf den Stoffwechsel-Gliedmafienmenschen. Es wirkt dieser
Prozefi, der also durch die Kieselerde charakterisiert werden kann,
etwas schwacher da, wo er bloft dem astralischen Leib zu helfen
braucht, und er wirkt am schwachsten da, wo er dem atherischen Leib
blofi zu helfen braucht, im Kopfe.
Das konnte auch im umgekehrten Sinne so gesagt werden: Mit Be-
zug auf dasjenige, was wir als den Prozefi anzusehen haben, der in der
Kieselerde zur Ruhe kommt, haben wir zu sagen, in der menschlichen
Hauptesorganisation wirkt dieser Prozefi am meisten stofflich. Er
wirkt in bezug auf das Dynamische als Kraft am schwachsten. Aber da,
wo er am schwachsten als Kraft wirkt, da wirkt er am starksten, wenn
er sich dem nahert, wo er dann im Stoff zur Ruhe kommt. Fassen wir
also die Kieselerde auf als den Stoff, der uns vorliegt, so miissen wir
sagen: ihre Wirksamkeit ist am starksten im Kopfe. Fassen wir sie auf
als das aufiere Anzeichen eines Prozesses, dann miissen wir sagen: ihre
schwachste Wirkung ist im Kopfe. Da wo die starkste Stoffwirkung ist,
ist die schwache dynamische Wirkung. Im mittleren Menschen halten
sich gerade mit Bezug auf die Kieselerde die Stoff- und Kraftwirkung
ungefahr das Gleichgewicht. Und in bezug auf den Gliedmafien-Stoff-
wechselmenschen ist die Kraftwirkung im wesentlichen so, dafi sie die
Oberhand hat. Da ist die schwachste Stoffwirkung und die starkste
Kraftwirkung, so daft dasjenige, was Kieselerde erzeugender Prozefi
ist, eigentlich den ganzen Menschen durchorganisiert. Wenn wir uns
nun gefragt haben, wie sich das Wechselverhaltnis darstellt zwischen
demjenigen, was physische Kopf organisation ist, und der aufteren Um-
gebung, mit der der Mensch in Wechselwirkung steht, dann konnen
wir uns auch fragen, wie die Wechselwirkung des mittleren Menschen,
insofern er die Organisation des Atmungsrhythmus hat, zu der Um-
gebung draufien beschaffen ist.
Wenn man geisteswissenschaftlich den menschlichen Kopf studie-
ren und verstehen will, dann mufi man hinschauen auf die beiden Pro-
zesse in der Erdbildung, auf den kalkbildenden Prozefi und auf den
kieselerde- oder meinetwillen auch kieselsaurebildenden Prozefi. Wir
werden auf das noch naher eingehen konnen. Dasjenige nun, was
weniger nach aufien, weniger peripherisch liegt, was mehr nach dem
Inneren hinein liegt beim Menschen, die Organisation fur das rhyth-
mische Atmungssystem, die bietet uns, indem sie nun ein Zusammen-
spielen ist, primar ein Zusammenspielen von Physischem und Atheri-
schem, in das sich die Abdriicke von Ich und Astralischem hineinver-
weben, zunachst nirgends etwas in der Umwelt, was direkt als Prozefl
schon dasteht, was unmittelbar in der Natur, die wir antreffen, als
Prozeft schon dasteht. Wenigstens gewohnlich ist es so nicht der Fall.
Wollen wir da einen charakteristischen Prozefi finden fur dasjenige,
was da geschieht durch dieses eigentiimliche Zusammenwirken von
Ich, astralischem Leib - die mehr oder weniger frei sind, weil sie sich
Abdriicke geschafft haben - und demjenigen, was primar ein Zusam-
menwirken von Physischem und Atherischem ist, wollen wir uns fur
dieses ganze Ineinanderwirken, wollen wir uns fur das irgendeinen
Prozefi in der Aufienwelt suchen, so miissen wir ihn, damit wir ihn
ordentlich haben, eigentlich erst selber erzeugen. Wenn wir Pflanzen-
stoffe verbrennen und Pflanzenasche bekommen, so ist dasjenige, was
sich da als Prozeft abbildet, darstellt in dem Verbrennen und in dem
Erzeugen der Asche und in dem dann Zur-Ruhe-Kommen der Asche
- wir werden von den einzelnen Aschen reden - was sich da abbildet
im Feuerprozefi und im Aschebildungsprozeft, das ist in einer ahn-
lichen Weise verwandt mit dem Atmungsprozefi, wie der Kieselerde-
prozeft mit dem Prozesse verwandt ist, der sich physisch im Haupte
abspielt. Und wenn wir dasjenige wirksam machen wollen, was von
diesem Aschebildungsprozefi sein Korrelat hat im Atmungsrhythmus-
prozefi, dann konnen wir es natiirlich nicht in den Atem einfiihren -
wir konnen das niemals im menschlichen Organismus -, sondern wir
miissen es in dasjenige einfiihren, das gewissermaften der andere Pol
des betreffenden ist. Wenn ich dieses hier herauszeichne (siehe Zeich- Xafel 1
nung S. 20), so haben wir hier Atmungsrhythmusprozefi, Zirkulations- rechts
rhythmusprozefi: Im Atmungsrhythmusprozefi sind Pflanzenaschen
dasjenige, was uns die wirksamen Prozesse charakterisiert. Aber wir
miissen diese Pflanzenascheprozesse zur Wirksamkeit bringen auf dem
Umwege durch den Stoffwechsel in dem anderen Pol, im Zirkulations-
rhythmusorganismus (siehe Zeichnung S. 20). Wir miissen diese
Pflanzenasche, das heilk die Krafte, dem Zirkulationsrhythmus einver-
leiben, damit sie dann ihre polarische Gegenwirkung im Atmungs-
rhythmusprozefi hervorrufen.
Diese Zusammenhange stellen sich ja wohl gleich fur die Anschau-
ung so dar, dafi man sieht, fur das Verstandnis des menschlichen Or-
ganismus sind sie im eminentesten Sinne wichtig. Denn wir bekommen
jetzt, so wie wir uns sagen mufken, dasjenige, was uns vorliegt im
kieselerdebildenden ProzeE, hat mit dem ganzen Menschen etwas zu
tun, so bekommen wir, indem wir das anwenden hier jetzt auf den
* til HI**
Pflanzenveraschungsprozeft, eine Vorstellung von diesem mittleren
Menschen, der sich auch wiederum, weil er eine Atmung und einen
Zirkulationsrhythmus hat, gewissermaften zweigliedert. Wir bekom-
men eine Vorstellung, indem wir uns sagen: Wenn wir zunachst das
Obere, den Atmungsrhythmus ins Auge fassen, so ist der Bau dieser
Organe im wesentlichen bedingt durch einen Prozeft, der polarisch
entgegengesetzt ist dem Prozeft, der uns erscheint, wenn wir Pflanz-
liches verbrennen und Asche bekommen. Es ist gewissermaften ein
Kampf im Atmungsrhythmusprozeft, ein fortwahrender Kampf gegen
das Pflanzenaschebilden, aber ein Kampf, der sich nicht abspielt, ohne
daft dasjenige, was das Gegenteil davon ist, wirklich herausfordernd
fur diesen Prozeft in den Organismus eindringt. Wir sind als Menschen
auf die Erde gestellt, in der es Kieselerdeprozesse gibt, Kalkerdepro-
zesse gibt. Wir wtirden nicht Menschen sein, wenn diese Prozesse uns
erfullen wiirden. Wir sind dadurch Menschen, daft wir die polarisch
entgegengesetzten Prozesse in uns tragen, daft wir also dem Kieselbil-
dungsprozeft entgegenwirken konnen und den entgegengesetzten Pol
in uns tragen, daft wir dem Kalkbildungsprozeft entgegenwirken, in-
dem wir den entgegengesetzten Pol in uns tragen. Diese Pole tragen
wir in uns durch unsere Hauptesbildung, durch den ganzen Menschen
dann in jener Abstufung, wie ich es dargestellt habe. Durch unseren
Atmungsrhythmus tragen wir den Kampf in uns gegen den Pflanzen-
veraschungsprozeft. Wir tragen in uns den entgegengesetzten Pol die-
ses Pflanzenveraschungsprozesses. Es wird, wenn man diese Dinge ins
Auge faftt, nicht wunderbar erscheinen, daft gewissermaften, wenn ich
mich grob ausdriicke, Stoft Gegenstoft hervorruft. Es ist ganz klar,
wenn ich den kieselerdebildenden Prozefi im Organismus entspre-
chend intensiver mache, dafi die Gegenwirkung modifiziert wird; und
ebensogut ist es klar, dafi, wenn ich das Produkt des Verbrennungs-
prozesses einfiihre in den Organismus, die Gegenwirkung erzeugt
wird, und die grofie Frage entsteht: Wie bekommen wir dieses Wirken
und Gegenwirken in unsere Gewalt? - Das ist dasjenige, was ich, wenn
ich es abstrakt bezeichne, immer dadurch ausdriicke, dafi ich sage, es
kommt darauf an, erstens zu erkennen, welches die Prozesse - aber bis
ins Ich herauf - im menschlichen Organismus sind, und welches die
Prozesse draufien, aufierhalb des menschlichen Organismus sind. Die-
se Prozesse sind differenziert drinnen und draufien. Aber drinnen und
draufien sind sie polarisch einander entgegengesetzt. Und in dem
Augenblicke, wo irgend etwas, was eigentlich seiner Natur nach aufier-
halb meiner Haut liegen soli, wo das innerhalb meiner Haut liegt, oder
in dem Augenblicke, wo etwas, und sei es nur durch einen leisen Kor-
perdruck, von aufien nach dem Innern wirkt, was eigentlich nicht eine
Wirkung von aufien nach dem Innern sein sollte, entsteht die innere
Gegenwirkung, und in dem Augenblicke habe ich die Aufgabe, eine
solche innere Gegenwirkung zu irgend etwas zu erzeugen. Wenn ich
zum Beispiel konstatiere, dafi im Menschen statt des normalen kiesel-
erdeentgegenwirkenden Prozesses eine zu grofie, eine zu intensive
Neigung zu diesem Prozesse besteht, so habe ich das von aufien
dadurch zu regulieren, dafi ich den betreffenden Stoff zufiihre und
die Gegenwirkung hervorrufe; die kommt schon von selber.
Das ist dasjenige, was einen dazu fuhrt, allmahlich diese Wechsel-
wirkung des Menschen und seiner Aufienwelt durchschauen zu kon-
nen. Wenn Sie wirklich dazu kommen zu verstehen, wie dem Ich als
Kraftwirkung dasjenige am meisten entgegenkommt, was in dem kie-
selerdebildenden Prozefi liegt, wenn das Ich wirken will durch Glied-
mafien und Stoffwechsel, wenn Sie ferner wissen, dafi dasjenige, was
Stoffwirkung ist im kieselerdebildenden Prozefi, am starksten wirkt im
menschlichen Haupte, und sich dann sagen konnen, dafi dasjenige, was
Kraftwirkung ist, in einer verminderten Intensitat im menschlichen
Haupte dem Ich da zu Hilfe kommen mufi, dann haben Sie eine Mog-
lichkeit hineinzuschauen, wie dieses Ich abgestuft im Menschen wirkt.
Nun, wenn man das Verhaltnis des Ich des Menschen zura Glied-
mafien-Stoffwechselsystem ins Auge fafk, so liegt eigentlich in diesem
Verhaltnisse der Ursprung des menschlichen Egoismus. Es gehort die-
sem System des menschlichen Egoismus ja auch das Sexualsystem an.
Und das Ich wirkt gerade auch auf dem Umwege durch das Sexual-
system am meisten das menschliche Wesen mit Egoismus durch-
dringend.
Wenn Sie das erfassen, werden Sie sagen: Dann ist ja ein gewisser
Gegensatz vorhanden zwischen der Art, wie sich das Ich der Kieseler-
de bedient, um auf den Menschen vom Gliedmafiensystem aus zu
wirken, und der [Art], wie dieses Ich vom menschlichen Haupte aus
durch die Kieselerde wirkt. Da wirkt es gewissermafien egoismusfrei.
Und wenn man das geisteswissenschaftlich durchforscht, sieht man, es
wirkt differenzierend.
Wenn ich schematisch diese merkwiirdige Wirkung darstellen
sollte, so miifite ich so sagen: Dasjenige, was das Ich - also jetzt als
wirkliches Organisationselement - im Menschen durch die Kieselerde
(siehe Zeichnung, rot) vom GliedmalSensystem aus tut, das ist im we-
sentlichen den Menschen zusammenfassend, gewissermafien alles, was
im Menschen vorhanden ist an Saften in eine undifferenzierte Einheit
bindend, so dafi es ein undifferenziertes einheitliches Ganzes ist.
/rot )
^ . m * ■ *
Alles dasjenige, was derselbe Prozefi ist, aber mit der in bezug auf
das Kraftliche so wenig wie moglich intensiven Kieselerdebildung, das
wirkt im entgegengesetzten Sinne (siehe Zeichnung S. 22, gelb), das
wirkt differenzierend, ausstrahlend. Von unten herauf wird der
Mensch zusammengefalk, undifferenziert gemacht durch die Kiesel-
erde, von oben herunter wird er differenziert, auseinanderdifferen-
ziert. Das heifit aber in bezug auf den Menschen, die im Haupte orga-
nisch vorhandenen Krafte werden differenziert fur ihre Wirkung auf
die einzelnen Organe. Sie werden gewissermafien angeregt durch den
eigentumlichen Kieselerdeprozefi im Hauptesorganismus, ordentlich
in ihren Organen zu wirken, sich ordentlich zu verteilen auf Herz,
Leber und so weiter.
Wir stehen da vor demjenigen Prozefi, der, wenn er von unten nach
oben wirkt, alles durcheinanderwirft im Menschen, wenn er von oben
nach unten wirkt, alles plastisch auseinandergliedert, gewissermafien
die Organisation beherrscht und durch die einzelnen Organe hindurch
ordentlich macht. Wenn wir uns auf der andern Seite eine Anschauung
aneignen dariiber, was beim Menschen auf der einen Seite durch dieses
Ineinanderwerfen auftritt, auf der andern Seite durch dieses Auseinan-
dertreiben in die verschiedenen Organe - also das differenzierende
Organisieren im Gegensatze zu dem synthetisierenden Organisie-
ren - , und wie das beim einzelnen Menschen unregelmafiig sein kann,
dann lernen wir allmahlich den Menschen behandeln nach dieser Rich-
tung hin, wenn irgend etwas nicht in Ordnung ist mit ihm. Wir werden
das in den folgenden Vortragen sehen. Nur miissen wir in bezug auf
Untersuchungen nach dieser Richtung aufierordentlich vorsichtig sein.
Denn sehen Sie, was tut, sagen wir die aufiere Wissenschaft, wenn sie
den menschlichen Organismus untersucht? Diese aufiere Wissenschaft
sagt zum Beispiel: Im menschlichen Organismus ist Kieselerde, im
menschlichen Organismus ist Fluor, im menschlichen Organismus ist
Magnesium, im menschlichen Organismus ist Kalzium. Die aufiere
Wissenschaft sagt also von der Kieselerde, sie ist in den Haaren, sie ist
im Blut und sie ist im Harn. Nun, nehmen wir einmal diese zwei: Die
Kieselerde ist in den Haaren und ist im Harn.
Fur die materialistische Wissenschaft liegt eben nichts anderes vor
als dieses, daft, wenn man die Haare untersucht, sich darinnen Kiesel-
erde findet, und wenn man den Harn untersucht, sich darinnen Kiesel-
erde findet. Aber das ist gar nicht das Wesentliche, daft sich irgendein
Stoff irgendwo drinnen findet. Das ist namlich gar nicht das Wesent-
liche, denn die Kieselerde in den Haaren ist darinnen, damit sie von
dort aus tatig ist. Wir haben die Haare namlich nicht umsonst, sondern
von den Haaren gehen auch Krafte wiederum nach dem Organismus,
und zwar wiederum feinste Krafte, feinste Krafte gehen aus den
Haaren wiederum zuriick in den Organismus hinein. Im Harn haben
wir die Kieselerde aus dem Grunde, weil sie da ist als etwas, was sonst
uberschussig ist. Da wird dasjenige, was nicht gebraucht wird, aus-
gesondert. Das ist ganz gleichgtiltig, daft sie drinnen ist, da ist sie nicht
tatig, da wird diejenige herausbefordert, die nicht tatig sein soli, die zu
viel ist. Da ist gerade diejenige Kieselerde drinnen, die im Organismus
nicht drinnen sein darf, die also fur ihn nicht die allergeringste Bedeu-
tung hat. So ist es, wenn wir irgendwelche einzelne Stoffe untersuchen,
nehmen wir an, Magnesium. Wenn in den Zahnen kein Magnesium
ware, so konnten es keine Zahne sein, denn fur die Zahne leben im
Magnesiumprozeft diejenigen Krafte, die am Aufbau der Zahne gerade
im eminentesten Sinne beteiligt sind. Sie haben das gehort aus dem
Vortrag von Professor Romer. Aber Magnesium, sagt nun die materia-
listische Wissenschaft, ist auch in der Milch. Aber in der Milch hat das
Magnesium keine Bedeutung. Da verdankt die Milch dem Milchdasein,
daft sie machtig genug ist, das Magnesium auszuscheiden, das da drin-
nen ist; in der Milch hat das Magnesium als solches nichts zu suchen.
Wir konnen es dann analysieren natiirlich, aber im milchbildenden
Prozeft liegt die Sache so, daft der milchbildende Prozeft entstehen
kann dadurch, daft er die Magnesiumkrafte abstoften kann. Wir erfah-
ren nur dadurch etwas iiber diesen eigentiimlichen Gegensatz, der im
zahnebildenden Prozeft und im milchbildenden Prozeft ist, daft wir
wissen, das Magnesium, das ist im Zahnbildungsprozeft etwas Wesent-
liches, etwas, was dynamisch dahinein gehort. Im Milchbildungspro-
zeft ist es dasjenige, was als das fiinfte Rad am Wagen ausgeschieden
wird. Und in ahnlicher Weise ist es zum Beispiel mit dem Fluor, das
im Schmelz der Zahne ein Wesentliches ist, ohne das wir den ganzen
Zahnevolutionsprozefi nicht verstehen. Im Harn ist es auch vorhan-
den, aber eben als Ausscheidungsprozeft, ohne dafi es darinnen eine
Bedeutung hat. Das Fluor, das im Harn vorhanden ist, das ist eben
dasjenige, das auszuscheiden der Organismus machtig genug ist, weil
er es nicht brauchen kann.
Die blofte physische Untersuchung, ob irgend etwas irgendwo ist,
die entscheidet eigentlich liber das Wesentliche gar nicht, sondern man
mufi uberall wissen, ob irgend etwas als Aktives mit Recht an der
betreffenden Stelle ist, oder ob es dort ist, weil es herausgeschmissen
worden ist. Das entscheidet. Und das ist das Wesentliche, dafi wir uns
solche Begriffe aneignen, urn den Menschen und iibrigens auch die
anderen organischen Wesen zu verstehen in ihren gesunden und kran-
ken Zustanden. Man ist ja allerdings immer genotigt, wenn man mehr
popular spricht, alle diese Hilfen nicht in Anspruch nehmen zu kon-
nen, weil heute viel zu wenig allgemeine Bildung vorhanden ist in
unserem Zeitalter iiber feinere Begriffe, und man mulS dann mehr in
Abstraktionen reden und wird dann nicht eigentlich verstandlich. Im
Bekampfen des Materialismus wird man sehr haufig nicht verstandlich.
Steigt man aber herunter - man konnte noch in ganz andere Regionen
heruntersteigen - in das Charakteristische derjenigen Gebiete, die
eigentlich der Wissenschafter nun kennen soil und fur die ihm Fakten
vorliegen, die er untersuchen kann, dann kommt man gerade durch
Geisteswissenschaft an diejenigen Stellen, wo man zeigen kann, daft
eine Vorstellung von irgend etwas, was man als Stoff analysiert, mit
physisch-chemischer Wissenschaft untersucht hat, woriiber man sagen
kann, da ist dies darinnen und da ist dies darinnen, wie einen eine
solche Vorstellung zu gar nichts fiihrt als eigentlich zu Irrtumern.
Das ist dasjenige, was ich als Einleitung geben wollte heute. Morgen
wollen wir dann davon weiterreden.
ZWEITER VORTRAG
Dornach, 12. April 1921
Wie ich gestern sagte, werden wir den Menschen in bezug auf seinen
Zusammenhang mit seiner iibersinnlichen Wesenheit betrachten, um
von diesem Gesichtspunkte diesmal die pathologischen und thera-
peutischen Erscheinungen ins Auge zu fassen. Den physischen Leib
mufken wir gestern so charakterisieren, dafi wir sagten, ein eigentliches
physisches Wirken im Menschen ist im Grunde nur im Kopfe vorhan-
den. Wenn wir diesen physischen Leib richtig betrachten wollen, dann
miissen wir nattirlich auch dazu aufsteigen, den atherischen Leib
richtig konkret zu betrachten. Denn wenn man den Menschen durch-
schaut, so findet man, daf5 ein abgesondertes Wirken des physischen
Leibes nur im Haupte vorhanden ist. In den iibrigen Gliedern des
menschlichen Organismus ist ein mehr undifferenziertes Zusammen-
wirken des physischen Leibes mit den hoheren, mit den -iibersinnlichen
Wesensgliedern vorhanden. Im Haupte konnen deshalb die iibersinn-
lichen Wesensglieder als solche funktionieren in oder durch Denken,
Fiihlen, Wollen, weil sie im Haupte zuerst ihre Abdriicke haben, also
ihren atherischen Abdruck, ihren astralischen Abdruck und auch Ich-
Abdruck. Diese sind da. Die sind als Abdriicke da, gewissermafien als
Bilder der iibersinnlichen Glieder. Nur der physische Leib hat im
Haupte noch keinen Abdruck; den schafft er sich erst wahrend des
Lebens. Daher hat der physische Leib, ich mochte sagen ein reines
physisches Wirken in dem Haupte. In den anderen Gliedern gibt es
innerhalb der menschlichen Natur kein reines physisches Wirken.
Nun ist gestern von einigen nicht verstanden worden, dafi ich gesagt
habe, es schafft sich das Ich einen Abdruck. Es schafft sich das Ich
einen Abdruck - das ist ein Satz, den man richtig verstehen wird, wenn
man ihn nicht im gewohnlichen Sinne zu physisch auslegt. Gewift, das,
was sich das Ich als Abdruck schafft, wenn es wie im Gliedmafien-
Stoffwechselmenschen allein noch frei ist, das kann man nicht in der
Weise etwa untersuchen, dafi man den Vergleich heranzieht mit einem
Gipsabdruck, sondern der Abdruck, den das Ich schafft, ist ein sehr
beweglicher. Sie bekommen ihn sogar besser heraus, wenn Sie gehen,
als wenn Sie stehen. Der Abdruck, den das Ich schafft, ist ein Abdruck
in einem Kraftesystem, das sich herausstellt, wenn man geht in einem
ganzen Zusammenhang von Kraften, auch in dem Sichaufrechthalten.
Darinnen liegt der physische Abdruck des Ich. Also Sie diirfen den
Abdruck des Ich nicht in etwas suchen, was man mit einem Gips-
abdruck vergleichen kann, sondern es handelt sich dabei um einen
Abdruck in einem Kraftesystem. Und das ist es schliefilich auch im
menschlichen Haupte, nur in einem anderen Kraftesystem. Ich habe
gestern sogar darauf hingewiesen, dafi sich das Ich abdriickt in den
Warmeverhaltnissen des Hauptes, in der Art und Weise also, wie das
Haupt differenziert in seinen verschiedenen Organen durchwarmt
wird. Das ist Ich-Abdruck. Dieser Ich- Abdruck ist auch der Abdruck
in einem Kraftesystem, nur eben in einem Warmekraftesystem. Also
das Ich schafft sich schon auf die verschiedenste Art die Abdriicke. Wo
es noch frei bleibt von anderen Mitwirkungen am menschlichen Orga-
nismus, da schafft es sich eben einen reinen, ich mochte sagen mecha-
nischen Krafteabdruck. Es ist ein Gleichgewichts- und dynamischer
Krafteabdruck, den sich das Ich in bezug auf den Gliedmafien-Stoff-
wechselmenschen schafft. Aber das mufi man ins Auge fassen, denn
der Mensch ist tatsachlich auch ein anderer, je nachdem er steht, je
nachdem er geht oder je nachdem er etwa gar schwimmt. Man fafk
dieses leider immer viel zu wenig ins Auge. Und von manchem, von
dem man sieht, dafi es zu wenig, vom geisteswissenschaftlichen Stand-
punkte aus, ins Auge gefafit wird, von dem mufi man eben sagen: Man
merkt da an den Schranken, die die gegenwartige Wissenschaft zieht,
sehr deutlich, wo sie nicht mehr hinkann, wo aber doch noch Tatsa-
chen vorliegen. - Es hat mich zum Beispiel in dieser Beziehung eines
interessiert, das ich jetzt nur andeuten will, gewissermafien wie eine
Frage vor Sie hinstellen will, das sich uns aber im Laufe der Vortrage
beantworten wird. Ich habe so ein bifichen die gebrauchliche Literatur
auf einen Punkt hin verfolgt, und es ist sehr niedlich, wie man fast
uberall findet, die Menge des eingeatmeten und ausgeatmeten Stick-
stoffes unterscheide sich nicht besonders voneinander. Diesen Satz
konnen Sie fast uberall finden. Nun ist es aber nicht wahr. Die Zahlen-
angabe bezeugt sogleich, dafi es nicht wahr ist, dafi mehr Stickstoff
ausgeatmet als eingeatmet wird. Und weil mit dieser Differenz der
Materialismus nichts anzufangen weift, deshalb loscht er sie aus. Er
gleitet mit einer Handbewegung dariiber hinweg. Und solche Dinge,
die kann man viel finden im gegenwartigen wissenschaftlichen Betrie-
be. Wie gesagt, ich will jetzt das zunachst als eine Frage hinstellen, ich
werde auf die Sache noch zuriickkommen.
Jetzt will ich aber eingehen eben auf dasjenige, was sich als Ather-
leib im Menschen befindet. Nun, es ist ja sehr natiirlich, dafi dieser
Atherleib nicht in seiner Differenzierung betrachtet wird von einer
bloft physischen Wissenschaft. Allein, wenn Sie sich die Uberzeugung
verschaffen konnen, dafi dieser Atherleib vorhanden ist, dann werden
Sie sich auch sagen miissen: Ja, was ware es denn, wenn man den
physischen Leib so betrachten wiirde, dafi man sagt: ach was, Magen,
Herz, Leber, das ist doch alles eins, das ist alles ein in sich Verschwim-
mendes. - Was ware das? Aber so verhalt man sich ja auch zum Ather-
leib, wenn man ihn blofi als eine allgemeine, so ein biftchen differen-
zierte Nebelwolke hinstellt. Man mufS ihn wirklich studieren, und wir
werden heute nun sehen, wie sein Studium mit einer ganz wesentlichen
Vorstellung zusammenhangt, die wir auch beim letzten Kurse schon
von einem andern Gesichtspunkte aus betrachtet haben, auf die wir
aber heute von diesem mehr geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
aus hindeuten wollen.
Wenn wir den Ather iiberhaupt betrachten, von dem ja auch der
menschliche Atherleib ein Glied ist, eine besondere Aussonderung ist,
wenn wir den Ather im allgemeinen betrachten, so stellt er sich, wie Sie
schon wissen aus der allgemeinen geisteswissenschaftlichen Literatur,
nicht undifferenziert dar, sondern er stellt sich zunachst dar als aus vier
Atherarten bestehend: aus dem Warmeather, dem Lichtather, dem
chemischen Ather und dem Lebensather. Lichtather ist ein Wort,
welches natiirlich vom Standpunkte der Sehenden aus gebildet ist.
Dasjenige, was mit dem Lichte zusammenhangt, ist eben die fur die
Sehenden vorziiglichste Wirkung dieses Athers, aber es sind noch an-
dere Wirkungen drinnen, die wir nur unberiicksichtigt lassen, weil wir
in der Mehrzahl sehende Menschen sind. Wenn die Menschheit in der
Mehrzahl blind ware, so wiirde sie natiirlich diesem Ather einen ande-
ren Namen geben miissen, weil die anderen Entitaten starker hervor-
treten wiirden; bei Blinden tun sie das auch.
Die dritte Atherart ist dann der chemische Ather. Der chemische
Ather, das ist derjenige, der vorzugsweise wirkt im sogenannten che-
mischen Teil des Spektrums, und wenn wir vom chemischen Ather
sprechen, so miissen wir uns nicht etwa die Krafte denken, die in den
chemischen Synthesen wirken, sondern diejenigen Krafte, die ihnen
innerlich polarisch entgegengesetzt sind. Die Atherkrafte sind immer
den in den physischen Stoffen wirkenden Kraften polarisch entgegen-
gesetzt. Also, wenn eine chemische Synthese zustande kommt, so wir-
ken die Atherkrafte analysierend. Also, es sind liberall in den synthe-
tisierenden Kraften analysierende Krafte drinnen. Und wenn wir eine
chemische Analyse ausfiihren, dann ist fur den Geistesbeobachter die
Sache immer so: Wir fiihren eine chemische Analyse aus - ich will es
jetzt schematisch zeichnen -, das heifit, wir zerfallen chemisch eine
Substanz, da bleibt
Tafcl 2
uns dann um so dichter, indem sich die Atherkrafte synthetisieren, da
bleibt uns der Atherkorper zuriick, geradeso wie, wenn der Mensch
stirbt, das Seelisch-Geistige zuriickbleibt. Demjenigen, der, wenn ich
so sagen darf, mit dem Geistesauge eine chemische Analyse ausfiihrt,
dem erscheint dann, nachdem er die Stoffe getrennt hat, in umso ver-
dickterer, verdichteterer Gestalt ein Gespenst des chemischen Stoffes,
das zuriickbleibt. Also, das ist nur gesagt, um Sie darauf zu fiihren, daft
Sie unter den chemischen Atherkraften nicht etwa blofi die chemischen
Krafte, die synthetisierenden und analysierenden Krafte sich zu den-
ken haben, sondern immer ihre polarische Gegenseite. Und dann ist als
besondere Atherart anzusehen der Lebensather, der das eigentlich
belebende Element in den ganzen organischen Wesenheiten ist.
'■ Lebensather
Chemischer Ather
Lichtather
Wdrmedtber
Nun ist dieser Ather eine allgemein im Universum vorhandene
Entitat und ist als solche natiirlich nicht in unmittelbar physischer
Anschauung zu erreichen. Es ist in dieser Beziehung die Wissenschaft
ja heute etwas ehrlicher geworden, als sie vorher war, weil sie gesehen
hat, dafi man Ather-Theorien doch nicht aus dem blofien physischen
Betrachten heraus bilden kann. Nachdem sie unzahlige gebildet hat,
ist sie im Relativismus dazu gekommen zu sagen: Es gibt iiberhaupt
keinen Ather, man mufi die Welt ohne Ather erklaren. Das heifit, sie
ist ehrlich geworden und hat in Einstein gestanden, dafi man von phy-
sischen Beobachtungen aus zu keinem Ather komme, aber auch nicht
zu einer anderen Betrachtungsmethode. Weil der Ather der Anschau-
ung verloren ging, schaltete man ihn einfach aus.
Nun handelt es sich darum, dafi, wenn etwas Ubersinnliches sich
einen Abdruck geschaffen hat im Physisch-Sinnlichen, dann dasjenige,
was da als Abdruck aufgetreten ist, dafi das fur das betreffende Uber-
sinnliche durchlassig wird. Also sehen Sie, der Ather, der allgemeine
Ather schafft sich einen Abdruck in dem wasserigen Gliede des
menschlichen Hauptes. Das, was wir als wasserigen Inhalt des Gehir-
nes zu betrachten haben, das haben wir ja nicht als undifferenziertes
Wasser anzusehen, sondern das ist ebenso innerlich durchorganisiert,
wie die festen Glieder organisiert sind. Es ist ja nur eine ganz sonder-
bare Betrachtungsweise des Menschen, dafi man eigentlich ihn so an-
schaut, wie man ihn aufzeichnet. Wenn man ihn da mit der Leber und
mit dem Magen aufzeichnet, so ist diese Zeichnung eigentlich nur eine
Silhouette von dem, was fest hineingewoben ist in die Fliissigkeitsteile
und in die luftformigen Teile, und wir zeichnen eigentlich immer nur
dasjenige, was da als kleine Kornchen drinnen ist. Das ist nicht einmal
zehn Prozent des gesamten Menschen. In Wirklichkeit ist der Mensch
natiirlich ebensogut eine Wasser-, Luft- und Warmeorganisation,
wenn wir ihn physisch betrachten. Das Wasser ist natiirlich durchaus
- ich meine das Fliissige - ebenso in ihm organisiert wie das Feste. Das
zeichnen wir niemals, wenn wir anatomische oder physiologische
Zeichnungen machen. Nur ist natiirlich substantiell dasjenige, was der
wasserige Inhalt des Menschen ist, so, daf$ es fortwahrend in Auflo-
sung und Erneuerung ist. Es ist sozusagen in der Gestalt nur einen
Augenblick festgehalten, aber gestaltet ist es eben. In diesem wasseri-
gen Teil des menschlichen Hauptes finden wir eben den Abdruck des
Atherischen, so dafi, wenn ich schematisch zeichne, ich also etwa das
physische Wirken, das ganz besonders am Hinterhaupte
Tafel 2
ausgebildet ist, so wiirde zeichnen miissen (siehe Zeichnung, hell). Es
durchstrahlt natiirlich den ganzen Organismus. Dann wiirde ich fur
das Wasserige das Ubrige zu zeichnen haben (siehe Zeichnung, gelb).
Das ist organisiert, durchorganisiert, so dafi dieses Wasserige ein Ab-
druck desjenigen ist, was atherischer Natur ist. Immer wird nun das-
jenige, was ein Abdruck ist, auf diese Weise durchlassig. Weil das Auge
im wirklich Goetheschen Sinne ganz wesenhaft betrachtet ein Ge-
schopf des Lichtes ist, deshalb ist es fur das Licht durchlassig. Das ist
nicht nur ein Bild, sondern das ist eine tiefe Weisheit, dafi das Auge aus
dem Licht heraus entstanden ist. Es ist ja auch embryologisch zu ver-
folgen, dafi das Auge eigentlich von aufien hinein organisiert wird, und
es ist deshalb, weil es vom Lichte organisiert ist, fur das Licht durch-
lassig. Aber im ganzen ist durch seine wasserige Organisation der Kopf
des Menschen fur das Atherische durchlassig, weil er ein Abdruck aus
dem Ather heraus ist, so dafi also gesagt werden kann: Hier kann das
Atherische durch das Haupt durchgehen (siehe Zeichnung S. 31, roter
Pfeil), ganz ohne dafi es irgendwie aufgehalten wird, ohne dafi es
irgendwie in seinem Durchgang gestort wird, und kann eindringen
in den iibrigen menschlichen Organismus.
Das ist dasjenige, was auch geisteswissenschaftlich durchaus zu
beobachten ist. Aber eine Modifikation mufi da noch eingefuhrt wer-
den. Namlich durchlassig ist dieser Teil des menschlichen Hauptes
richtig nur fur den Warmeather und den Lichtather. Also von aufien
wirken kann auf das menschliche Haupt nur der Warmeather und der
Lichtather. Der Warmeather wirkt nicht durch die unmittelbare Be-
strahlung mit Warme, sondern der Warmeather wirkt auf das mensch-
liche Haupt dadurch, daft wir in einem bestimmten klimatischen
Territorium drinnen sind. Also die Wirkung des Warmeathers auf das
menschliche Haupt haben Sie nicht zu suchen in dem, ob Sie schwitzen
oder nicht, sondern zu suchen in bezug darauf, ob Sie in der aquato-
rialen Zone, in der gemafiigten Zone oder in der kalten Zone wohnen.
Also, es ist ein viel tiefer gehender Zusammenhang des Warmeathers
mit dem menschlichen Haupt als eben der aufiere des blofi von aufien
Bestrahltwerdens. In ahnhcher Weise ist auch zu denken, insofern wir
bei der Physiologie bleiben - bei der Psychologie wiirde es anders sein,
aber das geht uns jetzt nichts an -, der Einflufi des Lichtathers auf den
menschlichen Organismus, aber viel perennierender, als es bei der blo-
ften Lichtwirkung der Fall ist, so dafi die Wirkung dieses Lichtathers
durch den atherischen Abdruck im menschlichen Haupte durchgeht
und den ganzen Menschen durchorganisiert. Nun, wie gesagt, fur
Warmeather und Lichtather ist die menschliche Hauptesorganisation
durchlassig. Es ist nicht ganz richtig, aber approximativ richtig, etwas
durchlassig ist das menschliche Haupt fiir den chemischen Ather und
Lebensather. Aber wir konnen das hier vernachlassigen, weil trotzdem
das Ergebnis dasjenige ist, welches ich jetzt gleich andeuten werde.
Nun ist dasjenige, was als chemischer Ather und Lebensather gegeben
ist, so, daft es, wie Sie aus dem eben Angegebenen ersehen konnen,
durch die Hauptesorganisation abgewiesen wird. Es wird abgewiesen.
Dafiir aber geht es durch den menschlichen Organismus durch. Da-
durch, dafi der Mensch als Mensch einfach auf der Erde lebt, wird er
innerlich erfullt mit dem, was Lebensather und chemischer Ather ist.
Also, wenn ich so sagen darf: Die Wirkung des Warme- und Licht-
athers strahlt von alien Seiten ein (siehe Zeichnung, Pfeile von oben).
Die Wirkung des chemischen und Lebensathers strahlt durch das
Tafel 2
Stoffwechsel-Gliedmafiensystem herauf dem einstrahlenden Warme-
und Lichtather entgegen (siehe Zeichnung, Pfeile von unten). Ebenso
wie der Kopf des Menschen, ich mochte sagen angstlich daraufhin
organisiert ist, moglichst nur Spuren von Lebensather und chemi-
schem Ather hereinzulassen, ebenso saugt geradezu aus dem Elemente
der Erde heraus der Stoffwechsel-Gliedmafienorganismus Lebensather
und chemischen Ather auf. Diese beiden Atherarten begegnen sich im
Menschen, und der Mensch ist so organisiert, dafi seine Organisation
in einem geordneten Auseinanderhalten von diesen beiden Atherarten
gipfelt, Lebensather, chemischer Ather auf der einen Seite, von unten
nach oben stromend, Warmeather, Lichtather auf der anderen Seite,
von oben nach unten stromend.
Es gehort zum menschlichen Organismus, dafi gewissermafien in
die untere Organisation nicht organisch aufgenommen werde dasje-
nige, was von oben einstrahlt, Lichtather und Warmeather, anders, als
daft es eben auf diesem Wege einstromt. Und ebensowenig darf irgend-
wie von unten auf etwas anderes einstromen. Also, von auften mufi
Lichtather und Warmeather einstromen, von unten Lebensather und
chemischer Ather, und diese beiden werden zu einem Zusammenwir-
ken im Menschen veranlafit durch die Organisation, die durchaus auf-
recht erhalten werden muE, wenn der Mensch in seiner normalen
Organisation drinnenstehen soil. Wir kommen zu einem Verstandnis-
se, wie dieses Zusammenwirken ist, wenn wir auf der einen Seite uns
einmal betrachtend in der Anschauung von deutlich unterernahrten
Menschen ergehen. Wenn wir uns betrachtend in der Anschauung von
deutlich unterernahrten Menschen ergehen, dann stellt sich die Sache
so, daft wir den Eindruck, den ganz imaginativen Eindruck bekom-
men, zu dem sich aber der Mensch leicht aufschwingen kann, wenn er
nur iiberhaupt einmal ganz leise darauf aufmerksam gemacht worden
ist, daft es so etwas wie Imagination gibt. Denn nichts ruft so leicht
Imaginationen hervor, wie die krankhaften Zustande des Menschen,
wenn sie angesehen werden. Nun, wenn man einen unterernahrten
Menschen vor sich hat, dann sieht man, seine Stoffwechselorganisa-
tion, also dasjenige, was da im Stoffwechsel drinnen vor sich geht, das
bindet den Ather, das lafk den Ather nicht los. Sie schauen, sagen wir
Magen, Leber an bei einem unterernahrten Menschen und Sie finden,
die halten zuriick den Lebensather und den chemischen Ather; die
binden ihn an sich, die lassen ihn nicht los, so dafi also ein Mangel an
hinaufstromendem Lebensather und chemischem Ather beim unterer-
nahrten Menschen vorhanden ist. Dadurch driickt auf ihn der Licht-
ather und der Warmeather von oben, und die Folge davon ist, daft sein
Organismus eine ahnliche Art annimmt, wie vorher Licht- und War-
meather im Haupte bewirkt haben. Sie schaffen den ganzen Organis-
mus so um, dafi er gewissermaften zu stark der Hauptesorganisation
ahnlich wird. Der Mensch wird fast ganz Kopf dadurch, dafi er unter-
ernahrt wird. Er verwandelt sich sozusagen nur in einen Kopfmen-
schen dadurch, daft er unterernahrt wird, und das ist dasjenige, was
beim Studium der Unterernahrung ganz besonders bedeutsam ist. Man
kann einen Menschen beobachten, der an dem Gegenteil von Unter-
ernahrung leidet. Es kommen nur diese Dinge durch ganz besondere
Zustande zum Vorschein, man muE sie immer richtig anschauen kon-
nen. Sie werden natiirlich fragen: Was ist das Gegenteil von Unter-
ernahrung? Ja, fiir den Geistesforscher ist das Gegenteil von Unter-
ernahrung in einem Fall zum Beispiel das, was man Gehirnerweichung
nennt. Geradeso wie das Unterernahrtwerden darauf beruht, dafi der
Mensch eigentlich sich durchdringt mit dem, was er nur im Kopfe
haben soil, was nur hineinlangt in den oberen Organismus, so durch-
dringt er sich bei der Gehirnerweichung im Kopfe mit dem, was er
blofi im Bauch haben soil, was nicht ins Gehirn hineingehort, was nur
in den Bauch hineingehort, was nur dort organisierend wirkt. Der Or-
ganismus also verarbeitet daher zu rege dasjenige, was er im Verdau-
ungsprozefi aufnimmt. Er verarbeitet es zu weit, er halt es nicht genii-
gend zuriick, bevor es durch das Tor geht, durch das es in das Haupt
eindringt. Die Folge davon ist natiirlich auch, dafi fiir die betreffende
menschliche Organisation dadurch, dafi gewissermafien zu viel in das
Haupt hineingegossen wird, dann auch zu viel gegessen wird. Diese
Dinge sind auch eben durchaus klar zu beobachten in ihrer Fortset-
zung. Denn das ist gerade das Bedeutsame, daft man sich, um auf dem
Gebiete, liber das wir jetzt reden, iiberhaupt zu etwas zu kommen, von
der Fortsetzung solcher Prozesse eine Vorstellung machen mufi. Was
entsteht dann, wenn diese Prozesse, die eigentlich an ihren Ausgangs-
punkten ganz normale Prozesse sind, wie das Essen, das Verdauen, das
Verarbeiten im Unterleib, das Abgeben nach dem Kopfe hin und so
weiter, nun fortgesetzt werden, wenn sie liber das ihnen durch die
Organisation normal angewiesene Ziel hinausschnappen? Dann ent-
steht eben beim unterernahrten Menschen durch die Unregelmafiig-
keit, die da unten entsteht, ein unnormales Zusammenarbeiten dieser
zwei Atherarten, oder auch beim uberernahrten Menschen durch die
Unregelmafiigkeiten oben; die Atherarten wirken nicht so zusammen,
wie sie im menschlichen Organismus zusammenwirken miissen. Und
in dem, dafi der von aufien wirkende Ather mit dem aus dem Innern
heraufstrebenden Ather falsch zusammenwirkt, entsteht das folgende:
Jeder Ather, der von aufien wirksam ist und nicht an der richtigen
Stelle haltmacht, sondern den Menschen starker durchdringt, als er ihn
durchdringen sollte, ist fur den menschlichen Organismus Gift, hat
eine vergiftende Wirkung, so dafi man sagen kann, der Ather ist, wenn
er nicht an der richtigen Stelle aufgehalten wird, fiir die menschliche
Organisation Gift. Er mufi in seiner richtigen Weise mit dem von
innen aufstrebenden Ather zusammenkommen.
Und wiederum, wenn man hinblickt auf den inneren Ather, auf die
andere Atherart, die von innen wirkt, so ist das iiber das Mafi hinaus-
gehende Wirken dieses Athers fiir den Menschen im ganzen auf-
weichend; wahrend im Gegensatze die vergiftende Wirkung darinnen
besteht, dafi der Mensch gewissermafien atherisch erstarrt, zerflielk er
durch die andere Wirkung. Es wird zuviel Leben iiber ihn ausgegossen,
und zuviel Chemisch-Polarisches iiber ihn ausgegossen. Er kann dann
nicht bestehen. Er zerweicht sich. Das sind auch zwei polarische Wir-
kungen: die vergiftende Wirkung und die zerweichende Wirkung.
Wenn man den Menschen so anschaut, sagt man sich: Was ist denn
dieser Mensch eigentlich? - Er ist, insofern er physischer Mensch ist,
ein organisches Wesen, das in der richtigen Weise die beiden Ather-
arten auseinanderhalt und sie wiederum in der richtigen Weise zusam-
menwirken lafk. Die ganze menschliche Organisation ist eigentlich
daraufhin veranlagt, die beiden Atherarten in sich in der richtigen
Weise zusammenwirken zu lassen.
Jetzt kommen wir dem schon naher, was ich sagte: der Mensch ist
ganz durchorganisiert. Das ist ja handgreiflich, daft er auch mit Bezug
auf Wasser, mit Bezug auf die Luft und die Warme innerlich differen-
ziert, das heifit organisiert ist. Aber er ist auch in bezug auf den Ather
differenziert. Nur ist diese Differenziation eine fluktuierende. Es ist
ein fortwahrendes Geschehen, ein fortwahrendes Zusammenwirken in
ihm von Licht- und Warmeather auf der einen Seite, das von oben nach
unten und peripherisch stofk, und von Lebens- und chemischem
Ather, das von unten nach oben gewissermaften zentrifugal nach aus-
warts stolk. Und dadurch entsteht dann dieses Athergebilde Mensch,
was eigentlich eine Umgestaltung des Wirbels ist, der ja durch das
Zusammenstofien der zwei Atherarten sich bildet. Die Gestalt, die da
Ihnen entgegentritt, sie mufi eben verstanden werden durch das Zu-
sammenwirken der beiden Atherarten. Es ist von einer gewissen Wich-
tigkeit, sich gerade aus den noch weniger bemerkbaren Prozessen, wie
eben der der Unterernahrung und der Uberernahrung, [Vorstellungen
von dem kranken und gesunden Menschen zu machen]. Aber organi-
sche Uberernahrung - man ist noch nicht iiberernahrt, wenn man sich
blofi den Magen vollstopft; wenn man eine auch iibermafiig gute Ver-
dauung sich dann angeeignet hat, so braucht man viel weniger iiber-
ernahrt zu werden als dann, wenn man eben den Verdauungsprozeft
gestort hat und die Dinge nicht verarbeitet werden. Also, man mufi
versuchen auszugehen von demjenigen, was sich einem bietet, wenn
man diese anfanglichen Prozesse, die noch durchaus zu den normalen
des Menschen gehoren, beobachtet. Es mufi eben auch gesagt werden:
Wenn wir nicht krank werden konnten, so konnten wir iiberhaupt
nicht Mensch sein, denn das Kranksein ist nur die Fortsetzung von
Prozessen, die wir brauchen, die wir unbedingt haben miissen, iiber ihr
Mafi hinaus. Das Gesundsein ist eigentlich derjenige Zustand des
Menschen, in dem die krankmachenden Prozesse und die heilenden
Prozesse in einem entsprechenden Gleichgewicht stehen. Der Mensch
ist namlich nicht blofi dann gefahrdet, wenn die krankmachenden Pro-
zesse sich aufiern, sondern auch wenn die heilenden Prozesse iiber ihre
Ziele hinausschiefien. Es ist der Mensch dann auch gefahrdet. Daher
handelt es sich darum, daft man bei der Einleitung des Heilprozesses
nicht zu intensiv vorgeht, sonst schiefit man iiber das andere Ziel hin-
aus, man vertreibt die Krankheit, und da, wo sie an ihrem Nullpunkte
angekommen ist, springt sie nach der andern Richtung hiniiber.
Das tritt einem ja besonders stark entgegen, wenn man sieht, daft
man in alteren menschlichen Anschauungen noch instinktive thera-
peutische Anschauungen hatte. Ich glaube, jeder, der sich mit dem
Thema befafit hat, wird zugeben, dafi in alten Kulturen aus den
menschlichen Instinkten heraus wunderbare therapeutische Anschau-
ungen da waren, die nur nicht mit dem Bewufksein durchschaut wer-
den konnten, die aber durchaus vorhanden waren, und die selbst da,
wo sie einem in der Dekadenz entgegentreten, wie bei den jetzigen
wilden Volkern im Grunde genommen noch imponieren konnen. Ein-
mal hat vor einer nicht so langen Zeit das etwas dilettantische Herum-
stobern in dieser Sache bei Herren, die auf anderen Gebieten, in ihrem
Spezialfache aufterordentlich gelehrt waren, einiges Aufsehen machen
konnen. Sehen Sie, als der Streit ausgebrochen war zwischen den Je-
nenser Gelehrten und den Berliner Gelehrten iiber den Pithecanthro-
pus erectus, da hat ja bekanntlich Virchow dem Haeckel eingewendet,
daft der Pithecanthropus, der durch Dubois aufgefunden worden ist,
deutliche Verheilungen, Knochenverheilungen gezeigt hat, die der mo-
derne Arzt so deuten kann, daft da ein Heilprozeft kunstlich eingeleitet
worden ist. Es war einer der Haupteinwande von Virchow, und daher
schloft er, daft dieser Pithecanthropus erectus durch einen Arzt geheilt
worden ist, also daft es dazumal schon Arzte gegeben haben mufi, wie
Virchow an der Universitat, nicht wahr, welche die auftere Heilung
eingeleitet haben, und daft der Pithecanthropus nicht ein Zwischen-
glied gewesen sein mufi, weil der Mensch da noch nicht dagewesen ist;
es mufi eben ein Mensch sein. Es konnte ja auch sein, daft ein richtiger
Arzt einen Affen hatte heilen konnen, aber das wurde nicht angenom-
men. Die andere Seite, die im Grunde ebenso dilettantisch in der Sache
herumgewuhlt hat, weil sie nur ein allgemeines Gefiihl ausdriickte,
sagte: Nun, bei den Tieren treten eben auch Naturheilungen ein, ohne
daft ein Mensch eingreift, die ebenso aussehen wie die Heilung, die
eingetreten ist bei dem Pithecanthropus.
Nun, ich will nur darauf hindeuten, wie unklare Begriffe heute
herrschen. Es ist viel dariiber geschrieben und gedruckt worden iiber
diese Sache im Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts,
so daft man also an einem solchen Gelehrtenstreit sieht, wie solche
Dinge heute auftreten konnen.
Also wir finden schon in den instinktiven Vorstellungen einer pri-
mitiveren Menschheit durchaus dasjenige, was man auch eine instink-
tive Therapie nennen konnte. Und diese instinktive Therapie hat den
ganz bedeutenden Satz hervorgebracht: Man darf nicht jedem unzu-
verlassigen Menschen die Kunst des Heilens mitteilen, weil man ihm
dadurch zu gleicher Zeit die Kunst des Krankmachens verraten muft.
Das ist ein Satz der Urmedizin, der auch moralisch sehr streng ein-
gehalten worden ist, und einer derjenigen Satze, welche die Grunde
angeben, warum in den Lehrstatten die Dinge in einem gewissen
Geheimnis gehalten worden sind.
Also es handelt sich darum, daft wir in den krankmachenden Pro-
zessen nur Fortsetzungen desjenigen haben, was wir im gesunden
Menschen unbedingt haben miissen. Konnten wir nicht krank werden,
so konnten wir nicht denken und fuhlen. Alles dasjenige, was sich
zuletzt seelisch in Denken und Fuhlen darlebt, ist organisch ein Kraft-
system, welches, wenn es iiber sein Mafi hinausschielk, krankmachend
ist. Und das andere ist das, dafi ein eigentlich physischer Prozefi nur in
einem Teil des menschlichen Hauptes vor sich geht. Dieser physische
Prozeft, der im menschlichen Haupte vor sich geht, der ist eine
notwendige Begleiterscheinung des menschlichen Ich-Erlebnisses. Ist
dieser Prozefi gestort, das heifit, iiberwuchert ein Vitalprozeft diesen
reinen physischen Prozeft im Menschen, dann wird das Ich in einer
gewissen Weise auch im Bewufitsein herabgelahmt. Und alles Aufier-
sichkommen des Menschen, alles, wo die Menschen schwachsinnig
und dergleichen werden, beruht mit auf demjenigen und mufi erkannt
werden aus demjenigen, was als rein physische Prozesse im Menschen
vorgegangen ist. Natiirlich konnen dann aufterdem auch andere orga-
nische Veranlassungen da sein.
Also dasjenige, was da vom Menschenhaupte eingeleitet wird und
von da aus durch den ganzen Organismus strahlt, das ist der rein phy-
sische Prozefi, der im Moment, wo der Tod eintritt, sich in den ganzen
Organismus ergiefit. Dieser Moment, der ist im menschlichen Haupte,
wenigstens von ihm zentralisierend ausgehend, immer vorhanden. Er
wird nur paralysiert durch den Vitalisierungsproze£ vom anderen
Organismus aus. Der Mensch tragt tatsachlich die Krafte, die ihn auch
zum Sterben bringen, fortwahrend in sich, und er ware kein Ich, wenn
er nicht die Krafte des Sterbens in sich tragen wiirde. Der Mensch
konnte sich nur wunschen, als physisch auf der Erde herumgehender
Mensch, als physischer Mensch unsterblich zu sein, wenn er verzichten
wiirde darauf, ein Ich-Bewulksein zu haben. Ich mache darauf auf-
merksam, dafi es notwendig ist, sich schon gewisse intime Beobach-
tungsfahigkeiten fur die aufiere Verifizierung dieser Sache anzueignen,
dafi es aber doch sehr fruchtbar sein wird, wenn recht viele Disserta-
tionen auch dariiber geschrieben werden, was Verjungungskuren, die
also dem entgegenarbeiten, auf die geistig-seelische Verfassung eines
Menschen fiir einen Einnufi haben; wobei natiirlich nichts gesagt wer-
den soil gegen solche Verjungungskuren, denn der Mensch mag es ja
noch immer als seiner Sehnsucht geniigend entgegenkommend be-
trachten, wenn er sein spateres Alter um ein paar Jahre hinaus verlan-
gern kann, wenn das auch auf Kosten desjenigen geschieht, daft er sich
ein biftchen Schwachsinn dafur eintauscht. Aber diese Dinge, die nun
eben tatsachlich vorhanden sind, iiber die nur ebenso hinweggesehen
wird wie zum Beispiel iiber die groftere Stickstoffmenge, die ausge-
atmet wird, im Gegensatz zu der eingeatmeten, diese Dinge miissen fiir
den durchaus ins Auge gefaftt werden, der auf Krankheits- und Hei-
lungsprozesse sachgemaft eingehen will. Denn in dem Mafte, in dem
man auf diese Feinheiten der menschlichen Organisation eingeht, na-
hert man sich erst der Erkenntnis derjenigen Prozesse, die als Krank-
heitsprozesse auftreten, die nichts anderes sind, als eine Umsetzung
dieser feineren Prozesse ins Grobere. Dasjenige, was ich gesagt habe,
ist nur eine Umsetzung ins Grobere dieser feineren Prozesse. Aber
sagen mufi man, daft demjenigen, was im Menschen als physischer
Prozeft wirkt, was ihn als physischer Prozeft durchsetzt, daft dem ent-
gegengearbeitet wird so lange wie moglich von dem Ich, das aber an
diese Gegenarbeit, an diese reaktive Wirkung gebunden ist. Es wird
dem so lange entgegengearbeitet, als dieser physische Prozeft nicht zu
stark wird. Dieser physische Prozeft ist dasjenige, was das Sterben
immer im menschlichen Organismus hat, was im Sterben zuletzt auch
liegt. Wenn namlich der physische Prozeft gewissermaften hypertro-
phiert, so daft er von dem Ich nicht mehr beherrscht werden kann,
dann muft sich das Ich von dem physischen Leib trennen, was natiir-
lich auch dadurch eintreten kann, daft eine iibermaftige physische
Wirkung an irgendeiner Stelle des Korpers auftaucht und die anderen
im friiheren Lebensalter mit sich reiftt, so daft man sagen kann: Dasje-
nige, was menschhches Ich ist, hangt innig zusammen mit demjenigen,
was der Tod ist:
Tafel 2 / c £ - Tod
Und zura treffendsten Studium iiber das Ich kommen Sie am besten
dadurch, dafi Sie den Tod studieren, aber nicht in jener allgemein ne-
bulosen Art, wie man sich den Tod vorstellt, was einem ja verschiedene
Dinge gestattet. Nicht wahr, so wie sich die Menschen heute den Tod
vorstellen, so konnen sie sich auch das Zerstortwerden einer Maschine
vorstellen, denn sie stellen sich unter dem Tod nur vor, dafi etwas auf-
hort. Sie stellen sich nicht den realen Prozeft vor. Deshalb stellen sich
dann die Menschen unter dem Tod auch das Zerstoren einer Maschine
vor. Aber das heilk nichts, sich die Dinge so vorzustellen, sondern man
mufi zu dem konkreten Tatbestande kommen. Das Aufhoren des Le-
bens ist nicht Tod, sondern fur den Menschen ist Tod das, was ich eben
hier auseinandergesetzt habe, und fur das Tier ist der Tod etwas ganz
anderes. Diejenigen Menschen, die Tod bei Mensch und Tier als etwas
ganz Gleichwertiges betrachten, das sind dieselben Leute, die, weil sie
ein Rasiermesser finden und Messer Messer ist, nun anfangen, sich das
Fleisch mit dem Rasiermesser zu schneiden, weil Messer Messer ist. Bei
den anderen ist Tod Tod. Tod ist eben eine ganz andere Sache beim
Menschen als beim Tiere, wie ich eben gezeigt habe. Beim Tiere, wo
man es mit einem Ich gar nicht zu tun hat, sondern nur mit einem astra-
lischen Leib, da ist der Tod etwas ganz anderes, da beruht der Tod auf
einer Wirkung des ganz anders gearteten astralischen Leibes.
Dasjenige, in dem die todbringenden Krafte heruntergeschwacht,
gewissermafien im normalen Organismus heruntergelahmt sind, das ist
die Krankheit. So wie der Tod mit dem Ich, so ist die Krankheit zu-
sammengegliedert mit dem Astralleib des Menschen:
Astralleib — Krankheit
Im Astralleib sitzt eigentlich das, was mit den Krankheitsprozessen
zu tun hat. Und dasjenige, was der astralische Leib veriibt, das driickt
sich ja wiederum hinein in den Atherleib. Daher erscheint die Krank-
heit dann in ihrem eigentlichen Abdruck im Atherleib. Aber der
Atherleib, der ist nicht dasjenige, was mit Krankheit unmittelbar zu
tun hat.
Ich habe Ihnen vorhin den Abdruck geschildert dieses unregelma-
fSigen Ineinanderstromens, Ineinanderwirkens der beiden Atherarten.
Aber das, was da unregelmafiig geschieht, ist nur selbst wiederum Wir-
kung des astralischen Leibes, pragt sich aus im Atherleib. Wenn man
das naher anschaut, dann kommt man eben in den astralischen Leib
herein. Das wollen wir noch weiter ausfuhren. Dann aber haben wir
dasjenige, was der Krankheit polarisch entgegenwirkt, und das ist die
Gesundheit:
Tafel 2 Atherleib — Gesundheit
Die Gesundheit, die wollen wir zuerst lieber nicht definieren, aber
schon der Analogie nach konnen Sie hier sehen dasjenige, was auch fur
die Geistesforschung immer klarer und klarer wird, daft die Gesund-
heit ebenso zugeordnet ist dem Atherleib wie die Krankheit dem
Astralleib, und wie der Tod dem Ich, so dafi Heilen, Gesundmachen
heifit: die Moglichkeit haben, im Atherleib die Gegenwirkungen zu
bilden fur die krankmachenden Wirkungen, die vom Astralleib aus-
gehen. Man mufi schon vom Atherleib aus wirken, um die Krafte des
astralischen Leibes zu paralysieren, die eben Krankmachungsprozesse
sind.
Dann gibt es noch ein Viertes. Das ist dasjenige, welches in einer
gewissen Weise polarisch zum Tod ist. Nun, da mufi ich allerdings
zunachst sagen, ganz konkret angesehen tritt der Tod des Menschen
dann ein, wenn seine ganze innere Organisation so ins Physische iiber-
gegangen ist, dafi kein Ernahrungsprozefi, kein durchgreifender Er-
nahrungsprozefi mehr eingeleitet werden kann. Das ist der Alterstod.
Der Alterstod ist eigentlich das unfahigwerden, die Stoffe im Organis-
mus aufzunehmen. Im Grunde genommen ist diese Erscheinung, die
deshalb so wenig beobachtet werden kann, weil gewohnlich durch
andere Ursachen der Mensch friiher stirbt, als der eigentliche Maras-
mus in seiner Vollblute oder eigentlich Unbliite eintritt, noch nicht
ganz beobachtet. Aber es ist tatsachlich ein Versagen der Ernahrung.
Der Korper kann nicht mehr die Ernahrung voll durchfiihren; er ist
dazu zu physisch geworden, so dafi der polarische Gegensatz des
Todes die Ernahrung ist, und zugeordnet ist die Ernahrung im Men-
schen eben dem physischen Leib:
Tafel 2
Physischer Leib — Ernahrung
Die Dinge wirken wiederum zuriick. Die Ernahrung, die im physi-
schen Leib sich vollzieht, wirkt zuriick auf den Atherleib, hat daher
auch wiederum etwas mit der gesundenden Wirkung zu tun. Und das
ist wieder etwas, was als Reaktion zuriickwirkt auf dasjenige, was vom
Astralleib ausgeht.
Wenn man gewissermafien das im unmittelbaren Leben beobachtet,
was ich jetzt hingestellt habe, so kann man es auch von der anderen
Seite wiederum verifizieren. Indem Sie dasjenige nehmen, was aus
unserer Geisteswissenschaft von friiher her bekannt ist, so werden Sie
hier einen Strich machen miissen:
Ich - Tod Tafel2
Astralleib — Krankheit
Atherleib — Gesundbeit
Physischer Leib — Ern'dhrung
Denn teilweise, wenigstens fur die Kopf- und Atmungsorganisation
trennt sich Ich und Astralleib im Schlafe vollstandig von physischem
Leib und Atherleib - nicht fur den Stoffwechselmenschen und Zirku-
lationsmenschen, da bleibt das drinnen. Es ist das nicht genau gespro-
chen, wenn man sagt: Ich und Astralleib gehen heraus. Es ist eigentlich
richtig so gesprochen - und ich habe es ja auch friiher oftmals, schon
vor vielen Jahren angedeutet -, dafi man sagt: Im Schlafe gehen fur die
Hauptesorganisation Ich und astralischer Leib heraus aus physischem
Leib und Atherleib, aber in der Stoffwechsel- und Zirkulationsorgani-
sation durchdringen sie ihn dadurch viel mehr. Es ist tatsachlich eine
Umlagerung. Es ist die Parallelerscheinung zu dem, wenn auf der Erde
Tag und Nacht wechseln. Da ist es namlich auch nicht so, daft auf der
ganzen Erde Tag und auf der ganzen Erde Nacht wird, sondern es
lagern sich Tag und Nacht durch die Verhaltnisse um. Genau ebenso
ist es bei dem wirklich genauen Abdruck von Tag und Nacht beim
menschlichen Schlafen und Wachen. Beim Wachen ist innig physischer
Leib und Atherleib des Hauptes- und Atmungsorganismus mit Ich
und astralischem Leib verbunden, und im Schlafe ist viel inniger als
beim Wachen physischer Leib und Atherleib des Stoffwechsel- und
Zirkulationsorganismus mit Ich und astralischem Leib verbunden. Das
ist eine Umlagerung, ein tatsachlich rhythmischer Prozeft, der sich da
vollzieht mit Schlafen und Wachen.
Nun kann man aber doch sagen: Es liegt einem im Schlafen das vor,
wenigstens fiir die obere Organisation des Menschen, daft der astra-
lische Leib mit dem Ich hinausgeht. Es kann nun aber die Beobachtung
einmal ergeben, daft bei einem Menschen fiir die Hauptes- oder viel-
leicht auch fur die Atmungsorganisation der astralische Leib und das
Ich zu stark das Haupt und die Atmungsorganisation packen. Sie pak-
ken sie zu stark, sie greifen sie zu stark an, dann tut eben der astralische
Leib das von seinen krankmachenden Kraften aus. Und dann kann
man in die Lage versetzt werden, daft man so arbeiten mufi am Men-
schen, daft dieser astralische Leib wiederum herausgetrieben wird aus
Hauptesorganisation und Atmungsorganisation, daft er herausgetrie-
ben wird, daft sie sich in einer gewissen Weise voneinander trennen, so
daft das normale Verhaltnis eintritt. Und daft dies geschehen kann,
kann man beobachten bei der Zufuhr von sehr kleinen Phosphor- und
auch Schwefelmengen. Kleine Phosphor- und Schwefelmengen haben
in ihrer Realitat die Wirkung, daft sie den zu stark im physischen und
Atherleib sich einnistenden astralischen Leib herauswerfen, der
Schwefel mehr den astralischen Leib, der Phosphor mehr das Ich, das
aber dann naturlich, weil es ja den astralischen Leib durchorganisiert,
eigentlich mit ihm in einer Einheit wirkt. Da kann man direkt durch-
schauen, wie der Mensch ist, wenn er mit einem krankhaften Zustand
auftritt, der sich also aufterdem durch das Symptom charakterisieren
laftt, daft der Mensch zu stark zum Schlaf hingetrieben wird. Wenn
man also einfach einen Krankheitskomplex hat, der unter den anderen
Symptomen auch dieses hat, daft der Mensch auch hingetrieben wird
zu Dammerzustanden, dann hat man die Notwendigkeit gegeben, in
der "Weise zu arbeiten, wie ich sagte, mit Phosphor und Schwefel.
Tritt der andere Zustand ein, der dann im Stoffwechsel- und Zir-
kulationsorganismus seinen Sitz hat und der darinnen besteht, daft der
astralische Leib mit dem Ich zu wenig in den physischen Leib eingreift,
daft man also zu ihnen sagen mufi: Bitte weiter hereinspaziert, meine
Herren, ihr miiftt tatiger werden, aktiver werden im Menschen - dann
handelt es sich darum, daft man nicht zu stark verdiinnte Arsenik-
wirkungen braucht. Da wirkt man eben auf das Hereinziehen des
astralischen Leibes in den physischen Organismus.
Und nun weise ich Sie da hin in einer Weise, die eben aus der ganzen
konkreten Anschauung des Menschen herausgeholt ist. Wenn also der
astralische Leib innerlich zu regsam wird, so daft er zu stark auf den
physischen Leib wirkt, so kommt man mit Schwefel und Phosphor bei,
wenn er zu wenig wirkt, also wenn er zu faul in sich wird, so dafi der
Atherleib iiberwiegt, iiberwiegt dadurch, daft er nicht geniigend Wi-
derstandskraft hat gegen dasjenige, was von unten wirkt, da kann man
durch Arsen beikommen.
Nun hat man sozusagen zwei polarische Gegensatze in der Phos-
phor-Schwefelwirkung und in der Arsenwirkung. Man kann nun auch
in die Lage kommen, daft man sich sagen muE: Ja, mit dem bloften
Regeln von dem einen und von dem anderen Pol her ist es nicht getan,
denn eine Unregelmaftigkeit in dem einen Teil des Menschen hat ja
gleich eine Gegenwirkung und setzt sich fort in einer entgegengesetz-
ten Unregelmaftigkeit im anderen Teil; die Unregelmaftigkeit im obe-
ren Menschen kommt auch sehr bald zum Ausdruck in einer Unregel-
maftigkeit im unteren Menschen. Und dieses Zusammenklingen zweier
Unregelmaftigkeiten, das ist etwas, was - verzeihen Sie, es ist jetzt nicht
ein Ausdruck fur das Leben, sondern ein Ausdruck fur das, ich mochte
sagen, klinische Anschauen - zu dem Reizvollsten gehort, dieses unre-
gelmaftige Ineinanderklingen, wo die beiden Tatigkeiten eben nicht
zusammenkommen und eine zu schwache Kraftwirkung oben eine zu
starke unten, oder eine zu starke unten eine zu schwache oben hervor-
ruft. Die Dinge sind nicht nur polarisch entgegengesetzt in bezug auf
Lage und Richtung, sondern auch in bezug auf Intensitat natiirlich.
Das ist das Komplizierteste in der menschlichen Wesenheit, dieses
Ineinanderwirken. Das erzeugt eben auch, wenn man es durchschaut,
die Erkenntnis der Notwendigkeit, daft man nun auch auszugleichen
hat, daft man gewissermaften diejenigen Krafte, die der Mensch hat, in
Anspruch nehmen mulS, um einen Ausgleich zu schaffen zwischen den
beiden. Und denen kommt man zu Hilfe durch die Antimonwirkung.
Die Antimonwirkungen, die eigentlich heute mehr oder weniger, wie
ich glaube, ganz aufter acht gelassen werden von der gewohnlichen
aufieren Medizin, die aber - friihere Zeiten wufken das - auf eine Art
wirken, die heute den Menschen nicht mehr ganz verstandlich ist, sie
beruhen im wesentlichen darauf, da£ sie sehr stark ihre Wirkungen ins
Innere des Menschen gerade verlegen, und eine Art Ausgleichspunkt
schaffen. Es ist in der Tat aufterordentlich interessant, das entgegenge-
setzte Verhalten von Phosphor, Arsen, Antimon in bezug auf dasjeni-
ge, was durch sie im Menschen vorgeht, zu beobachten. Auch dasjeni-
ge, was in der aufieren Welt im Stoff zu einer gewissen Ruhe kommt,
das aufiert seine wahre Natur dann, wenn es im Menschen zur Wirk-
samkeit kommt. Denn da sieht man eigentlich erst, was da noch lebt,
wahrend man von aufien nur sieht dasjenige, was sich, ich mochte sa-
gen aus dem Werdeprozefi zusammengeschoppt hat. Sieht man aufier-
lich Arsen, so sieht man eigentlich das Ende von einem Prozefi in der
Aufienwelt, von dem man im Innern des Menschen den Anfang sieht,
so dafi man eigentlich niemals etwas, was man in der Auftenwelt beob-
achtet, als Stoff erkennt, wenn man nicht zu gleicher Zeit weifi, was das
macht im Innern des menschlichen Organismus. - Es gibt namlich eine
Chemie, aber es gibt auch eine Antichemie. Und eine Chemie bedeutet
nur dasjenige, was das Anschauen eines Wesens, das Vorn und Hinten
hat, eben bloE von der einen Seite, von hinten bedeutet. Man mufi ein
Wesen, das ein Hinten hat, auch von vorne anschauen, dann bekommt
man durch das Zusammenhalten dieser zwei Aspekte erst einen Ein-
druck von dem ganzen Wesen. Wenn man erst dasjenige, was in einem
Stoffe lebt, dadurch, dafi man den Stoff gesehen hat, von hinten ange-
schaut hat, dann muE man das auch von vorne anschauen, wie es im
menschlichen Organismus wirkt. Man mufi nicht nur eine Chemie
treiben, sondern auch eine Antichemie. Und erst aus dem Zusammen-
wirken von Chemie und Antichemie entsteht die Erkenntnis desjeni-
gen, was wirklich zugrunde liegt. Nun, wir wollen morgen davon
weitersprechen.
DRITTER VORTRAG
Dornach, 13. April 1921
Die eigentliche Domane des Krankheitsstudiums miifiten diejenigen
Erkrankungen sein, in denen sich am allerdeutlichsten das unrichtige
Einwirken des sogenannten astralischen Leibes offenbart. Diese
Krankheiten, ich meine, bei denen sich diese Einwirkungen des astra-
lischen Leibes am meisten offenbaren, sind diejenigen, die man zu
beobachten hat innerhalb desjenigen Raumes, der vom Brustkorb
umschlossen wird. Diese Domane ist gleichzeitig diejenige, die fur das
Krankheitsstudium die wichtigste, aber fur das Heilen, beziehungs-
weise fiir die Erkenntnis des Heilens, die schwierigste ist. Sie ist dieje-
nige Partie des menschlichen Wesens, die am meisten in der letzten
Zeit Veranlassung dazu gegeben hat, dafi jene Mangel in der medizini-
schen Kunst eingetreten sind, die von Dr. Scheidegger in dem Vortrag,
den er im Verlauf des ersten Vortragskurses so freundlich war, vor den
zuhorenden Medizinern zu halten, besonders hervorgehoben worden
sind. Es wurde dazumal hervorgehoben, wie sehr die neuere medizini-
sche Entwickelung dazu gefuhrt hat, im Pathologischen vorzudringen
und zu einem gewissen Nihilismus im Therapeutischen zu fiihren.
Und gerade die bedeutungsvollen Ausfiihrungen, die dazumal gemacht
worden sind, die konnten darauf hinweisen, dasjenige, was wir heute
zu betonen haben werden, ganz besonders stark ins Auge zu fassen.
Die Krankheiten der menschlichen Brust- und Zirkulationsregion
sind in einer gewissen Beziehung stark verschieden, sowohl von den
Erkrankungen der Kopforgane, des Nerven-Sinneswesens des Men-
schen, wie auch von den eigentlichen Stoffwechselerkrankungen, ob-
wohl sie wiederum mit beiden innig zusammenhangen. Und es liegt die
Sache eigentlich so, dafi die Kopforganisation aus dem Grunde beson-
ders zu behandeln ist, weil sie ja durchlassig ist, wie wir es gesehen
haben, fiir das Atherische, Astralische und das Ich-Wesen. Die Brust-
organe sind nicht mehr fiir das Atherische durchlassig, sondern nur
noch fiir das Astralische und das Ich-Wesen. Da arbeiten in den Brust-
organen innig physischer Leib und Atherleib zusammen. Und dieses
Zusammenarbeiten ist eine Einheit. Es ist nicht mehr eine Summe von
eigentlich physischen Vorgangen im menschlichen Brustorganismus,
sondern ein Zusammenwirken von Atherischem und Physischem. Was
da vorgeht und fur die Brust besonders in Betracht kommt, ist eigent-
lich im Grunde genommen ein Pflanzenwerden. Nur ist dieses Pflan-
zenwerden sehr kaschiert, sehr modifiziert durch alles andere, was im
menschlichen Organismus damit zusammenhangt. Aber dasjenige, was
fur die Brustorgane in Betracht kommt, ist ein Pflanzenprozefi, der
dann sich trifft und der in Wechselwirkung tritt mit alledem, was vom
Astralischen und was vom Ich des Menschen kommt; das mufi beson-
ders ins Auge gefafit werden.
Nun habe ich gestern ja gesagt, das Astralische ist der eigentliche
Ursprungstrager des Krankmachenden im Menschen, so dafi also in
der menschlichen Brustregion die fortwahrende Veranlassung dazu
vorhanden ist, daft das eigentliche Krankmachende einwirkt, denn es
mufi das Krankmachende mit dem Gesundmachenden in dem mensch-
lichen Brustorgan fortwahrend in Wechselwirkung stehen. Der nor-
male menschliche Zustand kann ja in dieser Region nur dadurch
zustande kommen, dafi man gewissermafien immer so hin und herpen-
delt, dafi man durch die starken Krafte des gesunden Menschen die
fortwahrend vorhandenen krankmachenden Krafte paralysiert und
umgekehrt der uberflutenden Gesundheit, die dann zur Wucherung
fiihren wiirde, im Atherischen fortwahrend das Beschrankende des
Astralischen entgegenstellt, das, wenn es iiber sein Mafi hinausgeht,
wenn es den Korper zu stark ergreift, eben zum Krankmachenden
fuhrt. Dieser Tatbestand in bezug auf die menschlichen Brustorgane,
der ist deshalb ganz besonders wichtig, weil er eigentlich das Ergebnis
eines Rhythmus ist. Und dieses Ergebnis des Rhythmus wird auf der
einen Seite von alledem beeinfluftt, was im Kopfe vor sich geht, und auf
der anderen Seite von alledem, was im Stoffwechsel vor sich geht.
Daher haben wir die Ursache fur das Gleichgewicht dieses notwendi-
gen Rhythmus eigentlich aufierhalb der Brust gelegen, und wir konnen
eigentlich sagen: In den menschlichen Brustorganen sind im Grunde
genommen hauptsachlich nur Wirkungen da; die Ursachen, die dann
behoben werden sollten, die sind eigentlich gar nicht in den Brust-
organen selbst vorhanden. Daher hat in der Zeit, in der das mensch-
liche Erkenntnisvermogen sich ganz von dem anschaulichen Auffassen
der Dinge entfernt hat, was am meisten und auch am genialsten bei der
Wiener medizinischen Schule vorhanden war, die man als die nihilisti-
sche bezeichnet hat, die eigentlich sagen wollte, man musse blo£ bei
der Pathologie stehen bleiben, konne zu einer Therapie nicht kommen,
diese Richtung der modernen Medizin ganz besonders dahin gefuhrt,
eigentlich die Therapie nach und nach zu beseitigen, mit der Therapie
nichts anfangen zu konnen. Wir sehen, dafi sie ihre besonderen genia-
len Taten wiederum auf der anderen Seite in der Diagnose der Brust
zutage gefordert hat. Es kamen gerade damals die bedeutenden Fort-
schritte auf dem Gebiete der Diagnose der Brustorgane, wo man vor-
zugsweise in der Erkenntnis vorgehen kann, wo man aber von dieser
Art von Erkenntnis am allerwenigsten hat, denn man mufi die anderen
Teile des Menschen mit ins Auge fassen. Daher ist so wenig eigentlich
getan, wenn nicht anderes dazukommt, mit der blofien Erkenntnis
dessen, was im menschlichen Atmungs- und Zirkulationsorganismus
vor sich geht. Natiirlich behaupte ich nicht, dafi damit absolut wenig
getan ist, aber es ist durch die Erkenntnis, die man also meinetwillen
durch das Stetoskop erreicht und so weiter, nur dann sehr viel getan,
wenn man die Erkenntnis des ganzen Menschen dabei hat und von
einer ganz anderen Seite her dann dem zu Leibe gehen kann, eigentlich
wortlich aufgefalk: dem zu Leibe gehen kann, was man durch eine
solche Diagnose gewinnt. Es sind ja sonst die Ergebnisse einer solchen
Diagnose im Grunde genommen nur interessante wissenschaftliche
Tatbestande. Natiirlich mufi man, wenn man solche Dinge auch aus
der Zeit heraus besprechen will, etwas radikal sprechen, aber hinter
diesen Radikalismen verbirgt sich ja gerade dasjenige, was an den
Sachen wahr ist.
Solche Erkrankungen, die gerade die menschliche Brust betreffen,
sind auch dadurch in der neueren Zeit besonders charakteristisch ge-
worden, daft man versuchte, die Aufmerksamkeit gewissermafien von
dem eigentlichen Ding abzulenken und sie auf einen mystischen Be-
griff hinzudrangen, einen Begriff, der ja nicht mystisch zu bleiben
braucht, aber der fur den neueren Materialismus durchaus ein mysti-
seller Begriff ist. Man spricht gerade mit Bezug auf solche Krankheiten
viel von «Volkskrankheiten». Ja, diese «Volkskrankheiten», das ist
natiirlich ein Begriff, der ein Sack ist, in den man dasjenige dann hin-
eintut, was man nicht erkennen will und was sich auch in einer gewis-
sen Beziehung der arztlichen Kunst, so wie sie heute ist, tatsachlich
entzieht. Ich mache da nur auf die immerhin interessante Tatsache
aufmerksam, dafi der Wiener Arzt und Professor Moriz Benedikt ein-
mal die ja bei ihm etwas sonderbar auftretende Idee bekommen hat, fiir
den Reichsrat zu kandidieren, [und] das dann damit motivierte, daft er
sagte, gerade seine arztliche Anschauung zwange ihn zu einem solchen
Schritt, denn zu ihm kamen so viele Patienten, denen er eigentlich
dasjenige niemals verschreiben konne, was er ihnen verschreiben soll-
te, namlich bessere Kleidung, bessere Wohnung, bessere Atmungs-
verhaltnisse und so weiter. Die konnten aber nur auf dem Wege des
sozialen Wirkens zustande kommen. Deshalb miisse er sich als Arzt in
das soziale Wirken hineinstellen. Sie sehen also ein tatsachliches Ab-
schieben desjenigen, um was es sich da eigentlich handelt. Nun ist
hinter alien diesen Dingen eben dasjenige, was fiir dieses Glied der
menschlichen Wesenheit ganz besonders zu beriicksichtigen ist. Denn
es mufi doch dasjenige, was sich als Krankheitsprozefi im mensch-
lichen Brustorganismus ergibt und was von einem unregelmafiigen In-
einanderwirken des Astralischen und des Atherischen letzten Endes
herriihrt, auch in einem solchen Zusammenhange betrachtet werden.
Da kommt man dann nicht mehr aus ohne eine Erkenntnis, die sich
bequemt, etwas in das Ubersinnliche hinaufzugehen. Und da mufi
denn das Folgende gesagt werden.
Es ist der Prozefi des Atmens, der sich abspielt zwischen der
Aufienwelt und der Innenwelt, eigentlich ein Prozefi, der gar nicht ver-
standen werden kann, wenn man nicht auf das Verstehen des Astrali-
schen rekurriert. Die besondere Wechselwirkung von Sauerstoff und
Kohlenstoff, die da eintritt, ist durchaus ein fortwahrendes Ineinan-
derspielen des Astralischen und des Atherischen. Nun bitte ich Sie
doch zu beriicksichtigen, dafi der Mensch normalerweise ein Drittel
seines Lebens so verbringt, daft er mit einem groften Teil seines astra-
lischen Leibes aufterhalb des atherischen Leibes ist, namlich wahrend
des Schlafens. Und da sehen Sie nun das bedeutsame Hereinspielen des
Astralischen in die menschlichen Gesundheitsverhaltnisse; denn es ist
ja selbstverstandlich, dafi auch wahrend des Schlafens das Astralische
im Menschen spielt. Aber es spielt dann nicht vom Haupte aus, son-
dern es spielt vom iibrigen Organismus ausgehend im Menschen. Das
Astralische entfaltet also wahrend des Schlafens ein Spiel, welches in
richtiger Weise zuriickbleiben mufi, auch wenn das durch den Kopf
durchgelassene Astralische aufierhalb des Menschen ist wahrend des
Schlafes.
Sie sehen also, daft man einfach durch die Erkenntnis des Zusam-
menspielens von Atherischem und Astralischem in den Gesundheit-
sund Krankheitsverhaltnissen der menschlichen Brust hingewiesen
wird noch auf einen anderen Rhythmus, der sich abspielt im Men-
schen. Und das ist der Wachens- und Schlafensrhythmus. Nun hat das
eigentliche Schlafen, das wiederum, wie wir sehen werden, mit dem
Stoffwechselprozefi stark zusammenspielt, weniger Bedeutung fur die
Brustorgane als fiir etwas anderes. Und dieses andere, das ist dasjenige,
was auch wiederum der Beobachtung aufierordentlich schwierig wird.
Sie werden sich vielleicht erinnern, insofern Sie schon dazumal da-
gewesen sind, welche interessante Symptomkomplexe sich ergeben
haben durch die Verwendung der Stoffe, mit denen das letztemal hier
Experimente ausgefiihrt worden sind. Denn Herr Dr. Scheidegger hat
ja das an der Tafel demonstriert. Sie werden sich aber auch erinnern,
daft diese Symptomkomplexe aus vielen, vielen Einzelheiten bestehen,
und daft es schon eine gewisse Kunst erfordert, die einzelnen Sympto-
me entsprechend zusammenzunehmen, zusammenzuhalten. Es stellt
sich zum Beispiel sofort eine Schwierigkeit ein, wenn man mit einem
Symptomkomplex das folgende vornehmen mufi. Man hat zum Bei-
spiel notig, um ein Krankheitsverhaltnis richtig zu beurteilen, diejeni-
gen Symptome zusammenzuhalten, welche sich im oberen Menschen
abspielen. Mischt man da nun ein Symptom hinein, das sich zwar
raumlich im oberen Menschen abspielt, das aber im wesentlichen nur
ein hinaufgedrangtes Symptom aus dem Stoffwechsel ist, so macht man
gleich in der Beurteilung des Symptomkomplexes einen Fehler, und
man wird dadurch in der Beurteilung der ganzen Krankheitsverhalt-
nisse dann beirrt. Also man darf nicht aus dem Auge verlieren, wie
schwierig es eigentlich ist, die Einzelheiten eines Symptomkomplexes
gerade in richtiger Weise zusammenzuhalten.
Nun ist es auf der einen Seite ganz gewifi richtig, dafi man sich nach
und nach ein Gefuhl dafiir aneignen kann, die Einzelheiten eines Sym-
ptomkomplexes in der richtigen Weise zusammenzuschauen. Aber auf
der andern Seite ist es so, dafi die Natur uns allerdings hilft und zu
gleicher Zeit wiederum die Hilfe, die sie uns gewahrt auf diesem
Gebiete, zum Gebrauche ganz aufterordentlich schwierig macht. Die
Natur namlich fafit selbst all diejenigen Symptomkomplexe zusam-
men, ich mochte sagen, sie tut dasselbe, was wir in einer Formel
machen, wenn wir die Einzelheiten eines Symptomkomplexes zusam-
menfassen, sie tut dasselbe, aber sie macht uns die Beobachtung des-
sen, was sie da tut, aufierordentlich schwierig. Namlich sie zieht die
einzelnen Akte eines Symptomkomplexes in Einschlafen und Aufwa-
chen zusammen, in der Art des Einschlafens und Aufwachens. Es ist
in der Tat dasjenige, was beim Einschlafen und Aufwachen des Men-
schen vor sich geht, ein - wenn ich mich des paradoxen Ausdruckes
bedienen darf -aufierordentlich geniales Zusammenfassen von eben
dem, was nach irgendeiner Richtung in Betracht kommt. Aber es ist
natiirlich der Arzt in den allerwenigsten Fallen in der Lage, anders
sich zu orientieren als hochstens durch Mitteilungen, die wiederum in
den meisten Fallen und gerade in den schwierigsten Fallen ungenau
sein werden; er ist am wenigsten in der Lage, den Patienten beim Ein-
schlafen und Aufwachen richtig zu beobachten, und was ihm der Pa-
tient mitteilt, selbst wenn es nach dem Bewulksein des Patienten dem
Tatbestand richtig entsprechen soli, das ist eben dann am allerwenig-
sten maftgebend. Wenn Einschlafen und Aufwachen gestort sind,
dann erzahlt natiirlich der Patient Dinge iiber dieses Einschlafen und
Aufwachen, die zwar in seinem Bewufksein gut leben, aber die nun
wiederum fur das Beurteilen der Sache auf einer gesunden Basis ge-
triibt sind. Da mufi man schon wiederum durch dasjenige durchschau-
en, was eigentlich der Patient erzahlt. Und dafi das so ist, das werden
Sie am besten einsehen, wenn Sie versuchen, sich dieser Tatsache nach
und nach mit Ihrer Uberlegung zu nahern. Vor alien Dingen wird
Ihnen die Erfahrung den merkwiirdigen Zusammenhang des atheri-
schen Leibes mit dem Astralleib dann ergeben, wenn Sie beobachten,
wie im Menschen Sorge, Kummernisse und so weiter fortwirken. Sie
diirfen da nicht etwa blofi beobachten die Sorge und die Kummernis-
se, die sich am letzten Tage oder in der letzten Woche abgespielt ha-
ben, die sind schliefSlich das allerwenigst Bedeutsame, sondern diejeni-
gen, die weiter zuruckliegen. Denn es muE immer eine gewisse Peri-
ode verfliefien von der Zeit, wo Sorgen und Bekummernisse auf einen
Menschen wirken, bis zu der Zeit, wo sie gewissermafien organisch
geworden sind, wo sie in das Wirken des Organismus iibergegangen
sind. Sorgen und Kummernisse, wenn sie einen gewissen Grad er-
reichen, sind immer so, daft sie in einer spateren Zeit erscheinen als
Anomalien im organischen Wirken, und zwar gerade im rhythmischen
organischen Wirken. Sie gehen bis zur Verunregelmaftigung des
Rhythmusorganismus, und erst dann konnen sie weiter wirken auf
den Stoffwechselorganismus und so weiter. Das miissen wir als eine
Grundtatsache ins Auge fassen. Vor alien Dingen aber auch, so un-
wahrscheinlich es dem materialistischen Vorstellen erscheint, ist es so,
daft hastiges Denken, ein Denken, das sich nicht Rechenschaft gibt
iiber die Griinde, warum es denkt, ein hastiges Denken, wo so ein
Gedanke den anderen iiberspringt - ein Grundiibel des menschlichen
Denkens in unserer Zeit -, dieses Denken, wo so ein Gedanke dem
anderen auf die Fiifie tritt, etwas ist, was durchaus, nachdem eine Zeit-
lang vergangen ist, nachwirkt im menschlichen Organismus, und zwar
im rhythmischen Organismus. Dieses ist nun von einer ganz besonde-
ren Bedeutung von der einen Seite her. Die seelischen Vorgange darf
man nicht iibersehen, wenn man Abnormitaten des menschlichen
Rhythmusorganismus verstehen will, namentlich desjenigen, was eben
in seinen Brustorganen vor sich gent. Wir konnen allerdings auch
dasjenige in diesen Organismus einbeziehen, was gewissermafien der
Peripherie dieses rhythmischen Organismus angehort: den Rhythmus
der Ernahrung und den Rhythmus der Entleerung. Denn dadurch,
dafi der Rhythmus der Ernahrung und der Rhythmus der Entleerung
einbezogen werden, dadurch wird ja erst das vollige rhythmische
System zusammengefafk.
Nun aber ist auf der anderen Seite wiederum etwas ganz besonders
wichtig. Auch der andere Pol der menschlichen Wesenheit, das Stoff-
wechselsystem, wirkt zuriick auf das rhythmische System, und zwar
wiederum so, daft wir die Art, wie es zuriickwirkt, vielleicht am besten
verstehen, wenn wir folgendeswissen: Hunger und Durst sind zu-
nachst Dinge, die sich mit grower Deutlichkeit im menschlichen
Astralleib offenbaren. Denn so wie der gewohnliche Mensch Hunger
und Durst kennt, kennt er sie ja natiirlich als astralische Erscheinung.
Was man so mit dem Bewulksein erlebt wie Hunger und Durst, das ist
zunachst astralisch erlebt. Dariiber mufi man sich vollstandig klar sein.
Denn dasjenige, was nicht astralisch erlebt ist, von dem weift der ge-
wohnliche Mensch gar nichts; was nur atherisch erlebt ist, das liegt so
tief im Unterbewulksein drunten, daft er nichts davon weifi. Also, fur
das gewohnliche Leben sind Hunger und Durst, wenn wir uns des
Ausdrucks bedienen diirfen, astralische Erlebnisse. Aber sie horen auf,
astralische Erlebnisse zu sein, wenn sie zuriickbleiben fur dasjenige Er-
leben, das unter dem Schlaf sich abspielt, dann horen sie auf, gewohn-
liche astralische Erlebnisse zu sein; aber sie hangen deshalb nicht we-
niger mit dem Astralleib zusammen, der im Schlafe auch wirkt, von
unten nach oben. Und dasjenige, was von dieser Seite ausgeht, das
heilk ein Hunger und ein Durst, die im Menschen wirken, die wirken,
wenn sie bleibend sind, zuriick auf das rhythmische System, indem sie
es unregelmaftig machen, indem sie es krank machen. Das bezieht sich
selbstverstandlich nicht auf den Hunger und den Durst, den wir am
betreffenden Tage dann erlitten haben und mit dem wir schlafen gehen.
Das ware falsch, wenn man die Sache so ansehen wiirde, daft man hie
und da hungrig sich schlafen legt oder daft man meinetwillen auch
sogar langere Zeit sich hungrig schlafen legt, das ist nicht das Schlim-
me. Sondern das Schlimme ist dasjenige, wenn der Zustand des Hun-
gers und des Durstes habituell wird, und namentlich wenn er dadurch
erzeugt wird, daft der Stoffwechselorganismus nicht in Ordnung ist
und dadurch der iibrige Organismus nicht in entsprechender Weise
ernahrt wird. Also, Nachwirkungen von Hunger und Durst in dieser
Beziehung sind durchaus dasjenige, was nun den Storungen des
Atmungs-Zirkulationsorganismus zugrunde liegt.
Aber nun, wenn wir von diesen Wirkungen auf die menschlichen
Brustorgane absehen, dann haben wir als Drittes eigentlich lediglich
dasjenige, was noch die Aufienwelt bewirkt, denn durch das Atmen
hangt der Mensch eben mit der Aufienwelt zusammen, und es spielen
sich in ihm die Einwirkungen der Auftenwelt ab. So haben Sie hier den
merkwiirdigen Tatbestand, daft fiir das, was im menschlichen Brust-
korb eingeschlossen ist, zum Teil auch in der Bauchhohle eingeschlos-
sen ist, indem sich der Rhythmus dahin fortsetzt, den aufierordentlich
bedeutungsvollen Tatbestand, dafi sich innerhalb dieses Raumes ei-
gentlich lauter Wirkungen abspielen: Wirkungen des oberen Men-
schen, Wirkungen des unteren Menschen, Wirkungen der Aufienwelt,
so dafi wir tatsachlich auch aus einer genaueren Erkenntnis dieses
Traktes der menschlichen Wesenheit dazu gefuhrt werden, uns zu
sagen, da drinnen spielen sich eigentlich die Wirkungen ab, und wir
konnen nicht da drinnen selber die Ursachen beheben, wir miissen die
Ursachen woanders suchen, damit wir sie in entsprechender Weise be-
heben konnen. Nun, deshalb ist es auch so klar, daft zwar dieses Gebiet
des menschlichen Wesens die Domane ist, urn das Krankheitswesen
iiberhaupt zu studieren, dafi aber dann, wenn man sich angeregt hat
zum Studium von dieser Domane aus, die Forschungen weitergehen
miissen gerade nach den andern Gebieten. Man mufi von dieser Doma-
ne ausgehen, um dann von da aus weiter zu den anderen Gebieten zu
dringen.
Nun ist ja das Auffalligste und das Bedeutsamste dasjenige Ur-
sachengebiet, welches eigentlich aufierhalb des Menschen liegt; indem
sich die Wechselwirkung zwischen Sauerstoff und Kohlenstoff ab-
spielt, liegt das wesentlich astralisch Beeinflussende im Grunde ge-
nommen fiir diesen Trakt des menschlichen Wesens aufierhalb. Und da
handelt es sich darum, dafi wir nun die entsprechenden Zusammenhan-
ge dieses Traktes mit der Auftenwelt suchen. Und da stellt sich fiir
geisteswissenschaftliche Forschung das Folgende heraus, die Erde hat
auch ein Wechselverhaltnis zwischen dem, was unterhalb ihrer Ober-
flache vorgeht — wobei man die Wasserwirkungen durchaus rechnen
mufi zum Irdischen - und [dem], was liber ihrer Oberflache vorgeht.
Im Grunde genommen spielt sich ein fiir die gewohnliche Wissen-
schaft heute noch nicht durchdringlicher Prozefi zwischen der Erde
und ihrer Umgebung ab. Und dieser Prozefi bietet aufterordentlich
interessante Seiten. Man kann ihn ganz besonders dadurch studieren,
daft man diejenigen Gebiete des Erdenseins vergleicht, wo dieser Pro-
zefi zwischen dem Aufterirdischen und dem Irdischen ein recht inniger
ist, wo viel Aufierirdisches ins Innerirdische hineingeht.
Das ist in der Tropenwelt der Fall Die ganz besonderen Verhaltnis-
se der Tropenwelt, die beruhen eigentlich auf einem innigen Zusam-
menwirken von dem Aufierirdischen, von Luft und Licht und aufier-
irdischer Warme mit demjenigen, was innerhalb der Erde selber ist.
Und aufterdem ist es kein Zufall, dafi man einen gewissen Pol, mochte
ich sagen, magnetisch-elektrischer Erdwirkungen in der Tropenzone
zu suchen hat.
Wenn ich mich vergleichsweise ausdriicken darf, so mochte ich sa-
gen: In der Tropenzone saugt die Erde am allermeisten das Aufierirdi-
sche ein und entwickelt aus diesem eingesogenen Aufterirdischen das-
jenige, was sie dann als Vegetation hervorspriefien lafk. Da, wo die
Erde polarisch ist, da saugt sie wenig von dem Au£erirdischen ein, da
widerstrebt sie dem Aufterirdischen, da wirft sie sozusagen das Aufier-
irdische in ausgedehntem Mafte zuriick. Also, wenn ich mich so aus-
driicken diirfte, in den Tropen glanzt die Erde am wenigsten von
aufien angesehen, sie strahlt am wenigsten zuriick; da wird am meisten
eingesogen. An den Polen glanzt die Erde am meisten, da wird am
meisten zuriickgeworfen vom Aufierirdischen, da glanzt sie am mei-
sten, da entwickelt sie am meisten Glanz.
Das ist eine aufierordentlich bedeutsame Tatsache. Denn wir be-
kommen dadurch, daft wir so etwas beriicksichtigen, eine Ansicht
dariiber, daft erstens im Tropischen aufierordentlich stark eine gewisse
Innigkeit zwischen dem atherischen Irdischen und dem aufSerirdischen
Astralischen wirkt, wahrend das Astralische in einer gewissen Weise
an den Polen zuriickgeschleudert wird. Aber diese Ansicht kann
aufterordentlich fruchtbar werden, denn nun stellt sich ja folgendes
heraus, wenn man diesen Zusammenhang weiter verfolgt. Nehmen wir
einmal den Fall, daft wir einen Kranken in Verhaltnisse bringen, wo das
Licht iibermaftig wirkt, wo die Luft stark durchleuchtet wird, wo er
also von Licht umgeben ist. Dann konnen wir in einer gewissen Weise
sagen: Wir versetzen ihn in eine Region, wo wir das Irdische, das also
auf ihn wirkt, im Grunde genommen abweisen, wo wir ihn dem Ein-
fluft des Aufierirdischen aussetzen. Denn in dem starken Sonnigsein
liegt eigentlich dasjenige, was von der Erde nicht mehr verbraucht
wird, was aber von der Erde zuriickgeworfen wird. Und in die Region
dieses aufierirdischen Wirkens tritt dann der Kranke ein. Setzen wir
also einfach einen Kranken in sonnendurchhellte Luft, so wirken wir
auf seinen rhythmischen Organismus. In hervorragendem Mafie wir-
ken wir auf seinen rhythmischen Organismus. Und zwar wirken wir
so, dafi ein unregelmaftiger Stoffwechsel dadurch, dafi sich der Rhyth-
mus durch dieses dem Lichte Aussetzen von selber reguliert, vom
Rhythmus aus direkt bekampft wird.
Das ist der Zusammenhang, der uns dazu fuhrt zu erkennen, worauf
eigentlich Sonnen- und Lichtkuren beruhen. Und wenn wir find en,
daft irgend jemand sich besonders unwiderstandsfahig gegen Parasita-
res verhalt, dann wird eine solche Kur ganz besonders zu empfehlen
sein. Man braucht deshalb nicht ein Anhanger der Bazillentheorie zu
sein, sondern man mufi sich nur klar sein dariiber, daft in dem Vorhan-
densein der Parasiten sich zeigt, daft der Betreffende tieferliegende
Ursachen hat, damit sich die Bazillen ansammeln konnen, damit sie
sich aufhalten konnen. Sie sind ja niemals eigentlich die wirklichen
Krankheitserreger, sondern sie sind immer nur die Anzeiger, daft der
Patient die Krankheits-«Erreger» in sich hat. Deshalb ist die Bazillen-
forschung schon wichtig, aber nur als eine Erkenntnisgrundlage. Die
eigentlichen organischen Ursachen liegen im Menschen selber. Und
diesen organischen Ursachen, die im Menschen selber liegen, wird ent-
gegengewirkt durch dasjenige, was von dem aufterirdischen Kosmos
der Erde zustromt und die Erde umgibt, aber nicht mehr ganz von der
Erde aufgenommen wird. Ein Ubermaftiges ist es, eine Ubersonne, ein
Uberlicht und so weiter. Also da, wo die Erde nicht nur sproftt und
sprieftt, sondern wo sie anfangt zu glanzen, wo sie also auch Licht
enthalt, das mehr ist als dasjenige, was notig ist zum Sprieften und
Sprossen, da haben wir solches, was in dieser Richtung besonders
giinstig wirkt.
Ein Weiteres, was in dieser Richtung besonders giinstig wirkt, ist
das Folgende. Finden wir einen Patienten durch einen unregelmafiigen
Zirkulationsorganismus parasitaren Einwirkungen besonders ausge-
setzt, so ist es unter alien Umstanden gut, wenn wir ihn - naturlich mit
Beriicksichtigung aller anderen Umstande; solche werden uns ja in den
folgenden Betrachtungen noch mannigfaltig entgegentreten - in eine
Lebenslage bringen, die gegeniiber derjenigen, in der er eingewohnt ist,
hoher liegt, einfach hoher iiber dem Meeresspiegel liegt, wenn wir also
sozusagen eine Hohenkur veranlassen. Und das Wohltatige der H6-
henkuren - die naturlich im anderen Falle auch wieder schadlich sind,
alles was nutzlich ist, kann auch schadlich sein, davon haben wir
gestern gesprochen - ist auch in dieser Richtung zu suchen. Nun aber
kommt noch etwas anderes dabei in Betracht. Wir durfen nicht verges-
sen, was wir vor uns haben in gewissen Erscheinungen, die eigentlich
- ich habe schon darauf hingewiesen - von uns kunstlich hervorgeru-
fen werden, oder die, wenn sie auf den Menschen losgelassen werden,
erst von uns zu beurteilen sind. Wenn ich sage kunstlich hervorgeru-
fene Erscheinungen, so sind es fur dieses Gebiet solche, wo wir nicht
einfach die Friichte der Natur so geniefien, wie sie drauEen sind, son-
dern wo wir sie kochen, oder aber, wo wir sie gar so zubereiten fur das
Einfuhren in den menschlichen Organismus, daft wir sie zunachst ver-
brennen, dann die Asche beniitzen oder dergleichen. Da unterwerfen
wir selbst das Irdische einem Prozeft, der eigentlich aufierirdische
Wirkungen in sich bekommt. Das Kochen, das Verbrennen, das hebt
schon aus dem Irdischen dasjenige heraus, was gekocht oder verbrannt
wird. Also, indem wir Gekochtes oder Verbranntes dem Menschen
zufuhren, lassen wir innerlich in einer ahnlichen Weise eine Wirkung
auf ihn ausiiben, wie wir durch das erhohte Sonnenlicht oder durch
Hohenklima auf ihn wirken lassen. Wir miissen auch dahin unseren
Blick wenden, wo wir nun in der Lage sind, auf der einen Seite uns zu
sagen, das ist ein Mensch, der mul? erstens nach einer gewissen Bezie-
hung seine Diat andern, und zweitens miissen wir ihm irgendwelche
Heilmittel verabreichen. Es zeigt sich ein unregelmafiiges rhythmi-
sches System. Unter alien Umstanden werden wir unsere Aufmerk-
samkeit darauf zu lenken haben, ob wir ihm irgend etwas zu geben
haben, was durch Verbrennen namentlich von Vegetabilischem ent-
standen ist; denn in allem Verbrennen des Vegetabilischen iiberbieten
wir den gewohnlichen vegetabilischen Prozeft. Wir setzen ihn fort
durch ein Aufierirdisches, namlich durch das Verbrennen.
Dann aber ist von besonderer Bedeutung noch das Folgende: Ein
Vorgang auf der Erde oder eine Summe von Vorgangen auf der Erde,
die innig mit demjenigen, was irdisch und aufterirdisch genannt wer-
den mu£, zusammenhangen, das ist dasjenige, was sich unter den In-
gredienzien von Elektrizitat und Magnetismus abspielt. Elektrizitat
und Magnetismus ist ein Gebiet, welches mit Bezug auf den gesunden
und kranken Menschen wirklich tiefer studiert werden sollte, bei dem
man aber auch am allermeisten tapsen kann, weil die Sache so ist: Wenn
Sie sich schematisch die Erdoberflache vorstellen (siehe Zeichnung),
hier das Innere, hier das Auftere, dann hat dasjenige, was in Elektrizitat
Tafel 3
und Magnetismus besteht, einen innigen Bezug zu dem Irdischen als
solchem. Sie wissen ja, dafi die Elektrizitat sich selber fortleitet von
einer Erdleitung zu der anderen, von einem Morsetelegraphen zu dem
anderen, es ist nur immer eine Drahtverbindung, der Kreis schliefk
sich unter der Erde, wir haben es da zu tun mit demjenigen elektri-
schen Felde, welches sich die Erde schon angeeignet hat. Wir konnen
sagen: Im Grunde genommen ist dasjenige, was sich unter Elektrizitat
und Magnetismus verbirgt, aufterirdisch und innerirdisch (gelb); aber
die Sache ist so, daft sich die Erde nun das Elektrische aneignet und
elektrische Wirkungen, die eigentlich aufterirdisch sind, in sich hat
(blau), daft aber zuriickgehalten werden konnen die elektrischen und
auch die magnetischen Wirkungen, ohne daft sie von der Erde angeeig-
net sind, im Umkreis der Erde (rot). Das sind alle diejenigen elektri-
schen und magnetischen Wirkungen, die wir eben in unseren elektri-
schen und magnetischen Feldern haben.
Wenn wir Eisen magnetisieren, so bedeutet das eigentlich der Erde
gegeniiber das, daft wir den Magneten zu einem kleinen Dieb machen.
Wir iibertragen ihm die Fahigkeit, dasjenige, was die Erde eigentlich
aufnehmen will aus dem Weltenall, ihr, bevor sie es aufnehmen kann,
abzustehlen und fur sich zu behalten. Wir machen den Magneten zu
einem kleinen Dieb. Er eignet sich das an, was die Erde gern mochte,
aber er hat innerlich die Kraft, es fur sich zu behalten. Alle elektrische
und magnetische Felderumgebung, die wir auf der Erde haben, ist
eigentlich etwas, was wir der Erde fur den Menschengebrauch gestoh-
len haben, womit wir die Natur selber zum Stehlen verleiten, wo wir
das Aufterirdische oben behalten. Und wir haben also da ein eminent
Aufterirdisches, das wir sogar in einer schlauen Weise iiber der Erde
behalten, trotzdem die Erde mit aller Kraft, die ihr zur Verfiigung
steht, es in sich bekommen mochte, so daft es von innen heraus wirkt.
Aber wir lassen es nicht dazu kommen, daft es von innen heraus wirkt,
wir behalten es zuriick. Und deshalb miissen wir in elektrischen und
magnetischen Feldern ganz besondere Bekampfer unrhythmischer
menschlicher Vorgange suchen, und es miiftte sich eigentlich eine
Therapie entwickeln, die ganz besonders darauf abzielt, zum Beispiel
wenn eine starke Arrhythmie oder ein starkes sonstiges Storen oder ein
schwaches - beim schwachen sogar noch besser - im menschlichen
rhythmischen System auftritt, einfach in einer grofteren oder kleineren
Entfernung, die man dann ausprobieren muft, einen starken Magneten
nun nicht anzusetzen, aber in der Nahe des menschlichen Organismus
zu halten. Wie gesagt, die Entfernung muft sich durch Ausprobieren
ergeben. Ich mochte Ihnen auch sagen, wie man am besten die bishe-
rigen Wissenschaftsergebnisse hier verwerten konnte, nicht so sehr um
Ihnen eine - ich mochte sagen interessante Tatsache mitzuteilen, denn
die ist noch nicht ganz spruchreif fur die aufiere Wissenschaft, aber um
Sie aufmerksam zu machen auf etwas, wobei wiederum ein ganzer
anderer Gedankenkomplex beherrscht werden kann.
Eben der vorhin genannte Professor Benedikt hat sehr interessante
Untersuchungen in der Dunkelkammer iiber die menschlichen unter-
sten aurischen Ausstrahlungen gemacht, die noch nichts, direkt wenig-
stens, mit dem zu tun haben - indirekt schon -, was ich in der «Theo-
sophie» zum Beispiel beschrieben habe. Das sind hohere Ausstrahlun-
gen, die erst in dem Ubersinnlichen geschaut werden. Aber zwischen
diesen hoheren Ausstrahlungen und denjenigen groberen Andeutun-
gen, die das Auge am Menschen sieht, liegt ein Gebiet, das in der
Dunkelkammer wahrgenommen werden kann, und der Professor Be-
nedikt hat interessant beschrieben, was er in der Dunkelkammer bear-
beitet hat. Er hat insbesondere Personen verwendet, welche empfang-
lich waren fur die Erscheinungen der Wiinschelrute. Also Personen,
bei denen die Wiinschelrute besondere Ausschlage gab, die verwendete
Moriz Benedikt dazu, sie nun in der Dunkelkammer auf ihre aurischen
Ausstrahlungen zu untersuchen. Folgendes ergab sich nun fur diese
aurischen Ausstrahlungen. Moriz Benedikt beschreibt ganz besonders
interessante Resultate, indem diese aurischen Ausstrahlungen bei
ruten-reaktiven Personen ganz anders sind als bei anderen Personen,
namentlich die Asymmetrie sehr stark wachst: die Ausstrahlung des
linken Menschen ist anders als die Ausstrahlung des rechten Men-
schen. Es wird auch die Kopfausstrahlung eine ganz andere. Es ist also
so, daft in der Tat dadurch heute schon der Anfang gemacht word en
ist, wenn er auch noch sehr skeptisch aufgenommen wird, die Aus-
strahlung des Menschen auch in physischen Demonstrationen zu se-
hen. Aber man mufi immer sich klar sein: es sind nur die untersten mit
der physischen Organisation zusammenhangenden Ausstrahlungen.
Man hat damit noch nicht das Gebiet des Ubersinnlichen betreten, was
manche, die es sich bequem machen wollten mit dem Ubersinnlichen,
behaupten mochten. Aber auf der anderen Seite liegt da ein Anfang,
um zu einem therapeutischen Resultat zu kommen. Es ist namlich zu
untersuchen, was sich fiir ein Tatbestand ergibt, wenn man bei einem
Menschen, sagen wir mit beginnender sogenannter Tuberkulose, einen
starken Magneten am Riicken ansetzt, also den Menschen durchstrah-
len laftt von einem magnetischen Felde, das man noch dadurch wirk-
samer machen kann, daft man den Magneten, indem man ihn quer halt,
von oben nach unten und von unten nach oben bewegt, so daft sozu-
sagen der ganze Brustorganismus nach und nach von dem magneti-
schen Felde durchstrahlt wird. Dabei braucht man eben, wenn man
dieses magnetische Feld anwendet, nicht zugleich ein Lichtfeld; das
konnte nur storen. Man kann also einen solchen Patienten ganz gut in
die Dunkelkammer setzen, und man kann in der Tat da bald die Aus-
strahlungen der Finger beobachten, die sich da ganz deutlich ergeben
werden. Hat man das gemacht, hat man den-Patienten in die Dunkel-
kammer gesetzt, hat man einen starken Magneten an seinen Riicken
appliziert, hat man gesehen, es sind feine Ausstrahlungen von den Fin-
gerspitzen vorhanden, die sich so kegelformig nach auften die Spitze
wendend zeigen, dann hat man eine Uberzeugung davon gewonnen,
daft man wirklich den Patienten von dem magnetischen Feld durch-
strahlt hat. Auf diese Weise wird man sehen, daft man gerade durch das
magnetische Feld mancherlei und aufterordentlich Giinstiges erreichen
konnen wird in der Bekampfung zum Beispiel auch der Lungentuber-
kuloseerscheinungen.
Das sind Dinge, die uns aber gleichzeitig zeigen, wie ernst die Dinge
hier genommen werden mussen beziiglich des Satzes, dafi wir eigent-
lich in der Brust des Menschen nur Wirkungen haben, daft wir also
auch, wenn wir heilen wollen, uns an die Umgebung wenden mussen,
daft wir irgend etwas anwenden mussen, was der Auftenwelt des Men-
schen angehort: Licht, dasjenige, was sich an klimatischen Einflussen
ergibt, wenn wir den Menschen an einen hoheren Ort bringen, und all
dasjenige, was wir als das magnetische Feld ins Auge fassen konnen. Es
ist ebenso mit dem elektrischen Felde; nur handelt es sich darum, daft
die Behandlungs weise des elektrischen Feldes beriicksichtigt werden
muft. Es ist durchaus so, daft, wenn man unmittelbar durch Anlegen
der Pole an den Organismus Elektrizitat durch den Menschen durch-
gehen laftt, die Sache eine ganz andere ist, als wenn man etwa ein elek-
trisches Feld als solches hervorruft und den Menschen in dieses elek-
trische Feld hineinsetzt, ohne dafi direkt die Schluftlinie von einem Pol
zum anderen durch ihn geht. Man wird da auch Versuche zu machen
haben, die aufterordentlich bedeutungsvoll sind. Man kann schon un-
ter Umstanden auch giinstige Wirkungen erzielen, wenn man die
Schlufilinie der Pole durch den Menschen durchgehen lafit. Aber dann
ist ausschlieftlich wirksam dasjenige, was vom Stoffwechselsystem auf
das rhythmische System hiniiberwirkt. Nichts anderes als das Stoff-
wechselsystem wird beeinflulk, wenn ich durch den Menschen selber
die Elektrizitatsstrome leite, welche von einem Pol zum anderen ge-
hen, wenn ich den Menschen gleichsam in die Schlufilinie der elektri-
schen Wirkung einschliefte. Setze ich ihn hingegen ins elektrische Feld,
dann werde ich bemerken konnen, daft gewissermafien jene Dunkel-
kammerausstrahlungen iiberall da bei ihm vorhanden sind, wo spitze
Stellen sind, an den Zehen, an den Fingern und so weiter, und ich
werde bemerken, dafi ich dann heilend eingreifen kann auch bei jenen
Patienten, die eine durchaus geregelte Verdauung haben und so weiter
und dennoch sogenannte Tuberkuloseerscheinungen zeigen; also bei
denen wird es in den allerhaufigsten Fallen so sein, bei Erkrankungen,
die besonders auf diesem Felde auftreten.
Wir haben uns heute also zunachst mit dem Hinweis auf die Um-
gebung beschaftigt. Es ist von mir auch [darauf] aufmerksam gemacht
worden, dafi nun die Natur in Einschlafen und Aufwachen dasjenige
zusammenfaftt, was als Symptomenkomplex auseinandergelegt ist, und
an diesem Punkte werde ich morgen einsetzen, um dann erstens zu
sehen, was der Moment des Einschlafens und Aufwachens fiir eine
wichtige diagnostische Bedeutung hat, aber auch um zugleich zu stu-
dieren, wie wir dasjenige, was uns die Natur da andeuten will durch
Aufwachen und Einschlafen, zwar beobachten konnen, wie wir das
dann trotzdem, wenn wir nur das Prinzip kennen, zur Regelung der
Beobachtung unserer Symptomenkomplexe werden anwenden kon-
nen, und daft da namentlich dann etwas liegt, was auch einen wichtigen
Hinweis gibt auf die andersartige Behandlung, die man den chroni-
scheji und den akuten Krankheiten wird angedeihen lassen miissen.
VIERTER VORTRAG
Dornach, 14. April 1921
Gestern sagte ich, daft sich gewisse Symptomenkomplexe zusammen-
fassen in den Erscheinungen des Einschlafens und Aufwachens. Es ist
zunachst vor alien Dingen wichtig, die Symptome zu betrachten, die
sich zusammenfassen in dem Vorgang des Einschlafens, und da mull
man das Folgende sagen: Mangelhaftes Einschlafen weist immer darauf
hin, daft der astralische Leib - ich will mich jetzt eben diesmal dieser
Formel bedienen, die Sie ja alle sehr gut kennen - an den physischen
und den atherischen Organen, namentlich an den letzteren, haftet, daft
er zu stark mit ihnen verbunden ist. Dieses Haften am astralischen
Leib ist ja fiir den Geistesforscher ohne weiteres dadurch ersichtlich,
dalS die Organe, die physischen und die anderen Organe eben weiter
funktionieren, so wie sie im Wachen funktionieren, wenn das Ein-
schlafen eintreten soil, wahrend sie beim normalen Menschen eine
entschiedene Ablahmung erfahren.
Nun ist das natiirlich der Fall, wovon ich schon gestern sprach, daft
man sich gewohnlich iiber alles dasjenige, was dieses mangelhafte Ein-
schlafen bedeutet, nicht ordentlich unterrichten kann. Daher ist es
notwendig, daft man sich gewissermafien einen zusammenfassenden
Blick aneignet iiber diejenigen Erscheinungen, welche im wachen Zu-
stande Begleiterscheinungen des mangelhaften Einschlafens sind. Und
da mufS man sagen, alles dasjenige, was in einer gewissen Weise auf ein
unwillkiirliches Funktionieren des Organismus hinzeigt, das ist Be-
gleitung eines mangelhaften Einschlafens. Also jedes unwillkxirliche
Zucken mit den Lippen, jedes unwillkurliche Zwinkern mit den
Augenlidern, jedes zu starke Bewegen der Finger und dergleichen, na-
mentlich ein solches, das nicht ein Ausdruck eines inneren Vorganges
ist, also alles Zappelhafte am Menschen, ist eine Wachbegleiterschei-
nung des mangelhaften Einschlafens. Selbstverstandlich ist dieser Vor-
gang zumeist nur zu verfolgen bei starkem Hervortreten nach aufien.
Wenn ein solches Zappeln stattfindet in bezug auf die inneren Organe,
dann handelt es sich darum, daft man sich schon einen gewissen Blick
fur so etwas aneignet, und dafi man versteht, gewisse Erscheinungen
wirklich in Zusammenhang zu bringen. Ich mochte da bemerken, daft
man zum Beispiel gewisse Gerausche bei kranken Menschen, die an
Chlorose leiden, in denjenigen Adern, welche links und rechts im
Halse sind und dann hinuntergehen, horen kann. Diese Gerausche, die
man fruher Nonnengerausch genannt hat - ich weift nicht, ob man sie
jetzt noch so nennt -, sind auch bei jedem Menschen bemerkbar, wenn
er den Kopf stark links und rechts wendet, wenn er also eine sehr star-
ke Entfaltung der Astralitat bewirkt, die immer dann entsteht, wenn
eine sonst nur willkurlich auszufuhrende Bewegung unwillkurlich
ausgefiihrt wird. Also jedes Mai wird die Astralitat zu stark ange-
strengt, zu stark gebraucht, zu stark an das Organ hergedrangt, wenn
eine sonst willkurlich ausgefuhrte Bewegung, also eine vom Ich abhan-
gige Bewegung, unwillkurlich ausgefiihrt wird, also wenn man das
Zappelnde darin hat. Und so kann iiberhaupt durch solche indirekten
Beobachtungen die Aufmerksamkeit auf das Zappelnde der inneren
Organe gewendet werden.
Nun ist zu sagen, dafi bei diesem mangelharten Einschlafen immer
eine so den unmittelbaren aufteren Eingriffen entlegene Unregel-
mafiigkeit vorhanden ist, eine Unregelmafiigkeit, die fern liegt alledem,
was ich gestern zum Beispiel iiber Licht und iiber das magnetische und
elektrische Feld gesagt habe. Diesen Dingen liegt alles dasjenige etwas
ferner, was dem mangelhaften Einschlafen entspricht. Da handelt es
sich darum, dafi es notwendig ist, dann zu Heilmitteln zu greifen. Also
wenn ein Symptomenkomplex vorliegt, der sich zusammenfassen lafit
unter der Formel des mangelhaften Einschlafens, dann ist es notwen-
dig, zu Heilmitteln zu greifen, und zwar zu denjenigen, wo eben Vor-
gange, namentlich in Vegetabilischem, erst hervorgerufen werden
miissen, also Kochen, Verbrennen und so weiter. Es wird hier, wo
mangelhaftes Einschlafen vorliegt und man es mit Krankheiten inner-
halb des menschlichen Brustkorbes zu tun hat, eine grofte Rolle spielen
alles dasjenige, was an Heilmitteln gewonnen werden kann durch Aus-
kochung von Wurzeln und durch Veraschung, durch Verbrennung,
weil eben immer ein unregelmafiiges Haften des astralischen Leibes an
den menschlichen Organen auch da ist. Alles dasjenige, was in der
Wurzelabkochung und in der Pflanzenasche sich noch als Kraft findet,
das ist dasjenige, was da eine besonders starke Rolle spielen muE. Da-
gegen wird alles dasjenige, was ich gestern gesagt habe, beim mangel-
haften Aufwachen die bedeutsamste Rolle spielen.
Mangelhaftes Aufwachen weist immer darauf hin, dafi der astra-
lische Leib eben zu wenig in die Organe eingreift. Wenn es sich um
Krankheiten der Brust handelt, so bedeutet dieses mangelhafte Ein-
greifen des astralischen Leibes etwas anderes, als wenn es sich um
Allgemeinerkrankungen des menschlichen Organismus handelt. Wenn
es sich um letzteres handelt, dann muE man versuchen, den ganzen
astralischen Leib hereinzubringen. Dann tritt dasjenige in Kraft, was
ich vor einigen Tagen sagte in bezug auf die Arsenwirkungen. Diese
aber sind dann wirksam, wenn es darum geht, den schon mit dem Ich
durchsetzten astralischen Leib zu behandeln, wahrend, wenn man den
astralischen Leib allein behandeln will, es von besonderer Wichtigkeit
ist, dafi man diese Dinge eben anwendet, von denen ich gestern gespro-
chen habe. Bei mangelhaftem Aufwachen wird sich als Wachbegleit-
erscheinung immer dasjenige einstellen, was man nennen kann Benom-
mensein, Neigung, das Bewufksein iiberhaupt getriibt zu erhalten.
Also es sind im wesentlichen psychische Erscheinungen, welche man
als Wachbegleitsymptome fiir das mangelhafte Aufwachen ansehen
mu£. Und deshalb ist es auch fiir Personen, welche an ihrem Brust-
organismus irgendwelchen Mangel zeigen, und die zu gleicher Zeit
eben solche psychische Begleiterscheinungen aufweisen, von ganz be-
sonderer Wichtigkeit, diese Heilungen mit dem magnetischen oder
elektrischen Felde eintreten zu lassen, wobei ich auf eine Frage, die mir
gestern gestellt worden ist - ich werde im Verlauf der Vortrage auf alle
Fragen eingehen, soweit naturlich die Zeit reicht -, auf die Frage, die
mir gestern gestellt worden ist beziiglich des Unterschiedes von
Gleichstrom- und Wechselstrombehandlung - darauf bezog sich ja
wohl die Frage -, folgendes bemerken mochte: Hat man es mit
schwachlichen Personen zu tun, mit Personen, bei welchen deutlich
ist, dafi von Ernahrungsschwache und dergleichen, also mehr die Sto-
rungen, ich mochte sagen, von dem unteren Teil des mittleren Men-
schen ausgehen, dann ist es besser, sich des Wechselstromes zu bedie-
nen. Liegt aber deutlich vor, dafi die Storungen vom oberen Menschen
ausgehen, dann ist es besser, sich des Gleichstromes zu bedienen. Aber
zu bemerken ist, dafi der Unterschied ein sehr grofier nicht ist, und
dafi, wenn man in dem entsprechenden Falle das eine und in dem
anderen Falle das andere tut, auch keine allzu groften Fehlgriffe gerade
in dieser Beziehung geschehen konnen.
Nun, Sie werden aus diesem gesehen haben, dafi gerade in diesem
Gebiete des menschlichen Gesund- und Krankseins auch wichtige
Anhaltspunkte fur die Diat im allgemeinen enthalten sind, weil so ein,
ich mochte sagen subtiler Ubergang von Wirkungen besteht, die mehr
dynamischer Art sind und von aufien herangebracht werden an den
Menschen, und Wirkungen, die nun durch die vom Menschen selbst
verarbeiteten, erst veranderten Pflanzenstoffe entstehen. Aber Sie wer-
den begreifen, dafi, weil wir in der Region sind, wo alles eigentlich auf
Rhythmus, auf dem rhythmischen Funktionieren im menschlichen
Organismus beruht, sich da auch etwas zeigt, worauf man im Grunde
genommen bei der Beurteilung des gesunden und kranken Menschen
nicht genug hinweisen kann, und das ist, dafi in dieser Behandlung
jeder Fanatismus fehlen sollte. Es sollte tatsachlich in der arztlichen
Kunst jeder Fanatismus fehlen. Und bei jenem Fanatismus, der sich
zum Beispiel ausdruckt, nehmen wir an in einem fanatischen Anwen-
den der Rohkostlerei, also Rohkost, fanatisch als diatetische Vorschrift
betrieben, da beachten Sie dasjenige, was wir sagen mufiten: Rohkost,
also niemals Verkochtes von Pflanzen zu haben von dem, was mehr in
der Pflanze nach unten geht gegen die Wurzel zu, hat eine ganz be-
stimmte Folge fiir den gesamten menschlichen Organismus; sie hat die
Folge, daft langsam in der Organisation entgegengearbeitet wird der
Gesundheit des Atmungssystems. Man kann ja lange Zeit, weil der
menschliche Organismus doch nicht so leicht zerstorbar ist, durch
einen solchen Fanatismus der Rohkostlerei naturlich unvermerkt an
den Menschen ruinos wirken, aber mit der Zeit wird sich tatsachlich
die fanatische Rohkostlerei in einer ausgesprochenen Kurzatmigkeit
oder dergleichen einfach schon aufiern.
Nun kann aber einer kommen und kann sagen: Ja, aber ich habe
ausgezeichnete Erfolge erzielt mit einer Friichtediat. Sehen Sie, da mull
wiederum das Folgende gesagt werden. Friichte sind nicht Wurzeln,
Friichte sind stark von der aufteren Sonne bearbeitet. Da wird schon
ein aufierirdischer Prozeft sehr stark vollzogen, da kommt man dem
Kochen schon sehr nahe, wenn man dasjenige ausniitzt, was dyna-
misch in den Fruchten ist, so daft man also, wenn man zum Beispiel
gewisse Kranke just nicht Wurzeln, sondern frische Friichte essen laftt,
dadurch weniger schadet, weit weniger, als wenn man sie rohe Wur-
zeln essen lafk. So daft man also nach beiden Seiten hin nicht fanatisch
werden darf, sondern tatsachlich nach beiden Seiten hin individualisie-
ren mufi. Es kann ganz gut Falle geben, wo man sich sagen mufi: Das
ist ein Mensch, bei dem ist ganz deutlich ersichtlich, daft er seine
Unregelmaftigkeit im Brustsystem von der Zirkulation aus hat und
nicht vom Atmungsrhythmus; ich kann nachweisen, daft es von der
Zirkulation ausgeht, nicht vom Atmungsrhythmus. Da werde ich ge-
notigt sein, mich an dasjenige zu wenden, was eben von den Verdau-
ungsfunktionen in die Zirkulationsfunktionen heriiberspielt, und da
werde ich dem, was fehlt, richtig nachhelfen konnen durch eine Diat
von rohen Fruchten. Das ist ganz richtig; daft ich das kann, so daft also
dieser individuelle Fall durchaus zu der Rohfruchtkost hinweisen
konnte. Habe ich aber einen Menschen, der dazu neigt, die Urspninge
des mangelhaften Funktionierens der Brust im Atem zu zeigen, dann
werde ich mit einer solchen Behandlung nichts erreichen konnen, son-
dern vielleicht nur schaden konnen, denn dann werde ich notig haben,
eine Diat, die verkochtes Wurzelwerk dem Menschen zufuhrt, an-
zuwenden. Es zeigt sich so recht an diesem durchaus labilen System,
wie schlimm der Fanatismus nach der einen oder nach der anderen
Richtung wirkt.
Nun, wir werden dieses System aber nicht zu Ende verstehen kon-
nen und deshalb noch einmal auf dasselbe zuruckkommen miissen,
wenn wir nicht zunachst, ich mochte sagen in diesem ersten Teil
unserer Betrachtungen - die mehr pathologisch-therapeutisch sind,
wahrend die nachsten therapeutisch-pathologisch sein sollen -, wenn
wir nicht in diesem ersten Teil beriicksichtigen dasjenige, was als ein
Prozeft im menschlichen Organismus vorhanden ist, der sich sehr hau-
fig der aufteren Beobachtung vollstandig entzieht, der so zum Schaden
der menschlichen Gesundheit unbeobachtet bleibt. Ich habe in den all-
gemeinen Vortragen, da wo ich iiber Sprachwissenschaft sprach - ich
konnte es in dem naturwissenschaftlichen Kapitel nicht unterbringen,
es hatte ebensogut dort in Betracht kommen konnen davon gespro-
chen, daft die eigentiimlichen Vorgange, die sich mehr nach auften vom
Organismus aus entladen bei der Geschlechtsreife und die sich nach
innen entladen in der Zeit zwischen der Geburt und dem Zahnwechsel
- also wenn der Mensch sprechen lernt -, daft die Vorgange, die da
stattfinden zwischen dem astralischen Leib und dem menschlichen
Atherleib und auch dem physischen Leib, dem Sprechenlernen und all
den Veranderungen im menschlichen Organismus, die mit dem Spre-
chenlernen zusammenhangen, zugrunde liegen. Es sind das die Vor-
gange, die also beim Kinde sorgfaltig beobachtet werden sollen. Dem
Sprechenlernen des Kindes geht immer auch eine Veranderung des
iibrigen Organismus parallel. Und wie gesagt, man soil auch die Ver-
anderung nach vorne, nach der Geburt zu beobachten, also auch zu-
riickgehen von der radikalen Veranderung im Zahnwechsel zuriick
zum Sprechen. Aber nun liegt eine ebenso bedeutsame Veranderung
vor, die nurmehr nach innen gewendet ist, die sich nicht so aufterlich
ankiindigt wie die zum Beispiel eben, daft man die zweiten Zahne
bekommt - das kann jeder beobachten -, oder das Sprechenlernen: es
kann es auch jeder beobachten, denn es auftert sich eben nach auften.
Aber ebenso liegt eine Anderung vor, eine fur die menschliche Ge-
sundheit und Krankheit fast wichtigere Veranderung als beim anderen,
wo eben, ich mochte sagen in der Erziehung schon instinktiv viel
gemacht wird, weil die Dinge offen zutage treten. Es liegt eine viel
groftere Bedeutung eigentlich zugrunde diesem anderen Prozeft, der
sich nun abspielt in der Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Ge-
schlechtsreife, dem Prozeft, der unmittelbar in der Mitte drinnen liegt
und der darinnen besteht, daft das eigentliche Ich, das ja in dem Sinne
erst geboren wird, wie ich das sonst ausfiihre, ich mochte sagen im
Exoterischen, im vollstandig Exoterischen erst um das zwanzigste Jahr
herum, daft dieses Ich nun auch nach innen hinein geboren wird,
geradeso wie der Astralleib im Sprechen. Das ist so zwischen dem
neunten und zehnten Jahr in seiner Kulmination.
Und nun miissen Sie bitte folgendes bedenken. Dasjenige, was im
Menschen eigentlich veranlagt ist in bezug auf sein Ich, das wird fast
gar nicht beriicksichtigt. Das Ich als dem menschlichen Organismus
innewohnend, das tut etwas ganz Besonderes. Alles andere im Men-
schen, das Physische im Menschen - das erst recht, wir werden auch
darauf noch zuriickkommen -, das Atherische und auch das Astrali-
sche im Menschen, das also eigentlich nach aufien nur durch den Sau-
erstoff mit dem direkt Aufteren des Menschen in Verbindung steht,
sind Teile der menschlichen Wesenheit, die eigentlich sehr stark an das
menschliche Innere gebunden sind. Von dem menschlichen Organis-
mus wird im Schlafe fast nur der astralische Leib von dem Ich mit-
genommen. Er hat eine sehr starke Affinitat zum physischen und na-
mentlich zum atherischen Leib. Aber beim Ich ist es nicht so. Und hier
in der Beziehung des Ich, namentlich in seinem Verhaltnis zur Auften-
welt, zeigt sich so recht der tiefgehende Unterschied des Menschen
vom Tiere. In der Nahrungsaufnahme fiihren wir uns Stoffe zu, die in
der Aufienwelt eben auch Stoffe sind. Die miissen im Innern des Men-
schen verandert werden. Wer bewirkt diese Veranderung, diese griind-
liche Veranderung der aufieren Substanzen innerhalb des Menschen?
Wer bewirkt diese? Die bewirkt in Wahrheit das Ich. Das Ich allein ist
machtig, ich mochte sagen, seine Fuhlhorner bis hinunter zu erstrek-
ken in die Krafte der aufteren Substanzen. Ich mochte sagen, wenn Sie
Tafel 4 eme aufiere Substanz haben - schematisch gezeichnet -, so hat diese
gewisse Krafte, die dekombiniert werden miissen, wenn sie im
menschlichen Organismus umkombiniert werden sollen. Atherleib,
astralischer Leib, die gehen gewissermafien um die Substanzen so her-
um, die haben keine Kraft, in das Innere der Substanzen hineinzudrin-
gen, die gehen blofi um die Substanzen herum. Das Ich ist es allein, das
nun wirklich etwas zu tun hat mit dem Hinunterdringen, mit dem
Hineingehen in die Substanzen selber. Wenn Sie also eine Nahrungs-
substanz dem menschlichen Organismus iibergeben, so ist zunachst
diese Nahrungssubstanz im Menschen drinnen. Das Ich aber iiber-
greift den ganzen menschlichen Organismus und geht direkt in die
Nahrungssubstanz hinein. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen
den inneren Kraften der Nahrungssubstanz und dem Ich des Men-
schen. Da ubergreifen einander Auftenwelt in bezug auf Chemie und
Physik und Innenwelt des Menschen in bezug auf Antichemie und
Antiphysik. Das ist das Wesentliche.
Nun ist es so, daft beim Kind eigentlich bis in die Zeit hinein, in der
die zweiten Zahne sich anzusetzen beginnen, bis in die Zeit also hinein,
wo der Zahnwechsel eintritt, von dem Haupte aus dieses Eingreifen in
die Substantiality der Stoffe geregelt wird. Das Kind wird so geboren,
dafi ihm auf dem Umwege seines Hauptes in der Embryonalentwick-
lung die Krafte gegeben werden, die da beim Menschen tatig sind, um
die Stoffe von innen heraus zu verarbeiten. Aber in der Zeit nach dem
Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife hin und mit der Kulmination
zwischen dem neunten und zehnten Jahre, da mufi nun dasjenige Ich,
das vom unteren Menschen aus wirkt, das untere Ich, das mufi sich mit
dem oberen begegnen. Beim Kinde ist es immer das Ich, das vom obe-
ren Menschen aus wirkt, das noch die Stoffe verarbeitet bis in diese
Zeit herein, die ich charakterisiert habe. Natiirlich meine ich die Werk-
zeuge des Ich. Das Ich ist ja schlieftlich ein Einheitliches. Aber die
Werkzeuge des Ich, die Polaritat des Ich, also das Untere des Ich, das
sich mit dem Oberen begegnet, das setzt sich erst in ein richtiges Ver-
haltnis in der angedeuteten Zeit. Also es raufi da beim Menschen das
Ich in die Organisation so eintreten, wie beim Sprechenlernen der
astralische Leib in die menschliche Organisation eingreifen mulS.
Nun beobachten Sie mit diesen Voraussetzungen all die Erschei-
nungen, die sich bei Kindern zeigen so vom achten, neunten Jahre an
gegen das zwolfte, dreizehnte Jahr hin, gerade diejenigen Erscheinun-
gen, die so notwendig sind im Volksschul-Lernalter zu beobachten.
Betrachten Sie von diesem Gesichtspunkte aus diese Erscheinungen.
Sie finden ihren aufieren Ausdruck in einem Suchen des menschlichen
Organismus. Und dieses Suchen besteht darinnen, daft eben gesucht
wird ein Einklang, eine erst wahrend des Lebens herzustellende Har-
monie zwischen den Stoffen, die aufgenommen werden, und der inne-
ren menschlichen Organisation. Beobachten Sie sorgfaltig, wenn der
Kopf nicht recht will die inneren Krafte der Stoffe aufnehmen in dieser
Zeit, wenn er sich weigert, wie sich das aufiert in den kindlichen Kopf-
schmerzen um das neunte, zehnte, elfte Jahr herum. Beobachten Sie,
wie dann die Begleiterscheinungen auftreten in den Storungen des
Stoffwechsels, verhaltnismafiig sehr weit nach aufien liegende Storun-
gen des Stoffwechsels, in der Absonderung der Magensaure und so
weiter, beobachten Sie das alles, und Sie werden sehen, wie es Kinder
Tafel 4 gibt, die sozusagen fortwahrend krankeln an diesem mangelhaften
Einstellen des Ich von unten her und von oben her. Wenn solche Dinge
sorgfaltig ins Auge gefaftt werden, dann kommt man ihnen bei, und sie
verschwinden in der Regel, sie klingen ab nach der Geschlechtsreife,
wo eben der astralische Leib dann nachkommt und dasjenige aus-
gleicht, was da das Ich nicht kann. Das klingt nach und nach ab zwi-
schen dem vierzehnten bis funfzehnten und zwanzigsten bis einund-
zwanzigsten Jahre. Es konnen gerade in dieser Zeit zwischen dem
Zahnwechsel und der Geschlechtsreife krankelnde Kinder nachher
aufierordentlich gesund werden. Das ist etwas, was sehr lehrreich ist zu
beobachten. Sie werden oftmals schon gefunden haben, wie krankeln-
de Kinder, namentlich solche, bei denen nach auften sehr stark hervor-
tritt das Krankelnde in den Verdauungserscheinungen, in der unregel-
mafiigen Verdauung, wie diese dann, wenn sie sorgfaltig behandelt
werden, spater ganz gesunde Menschen werden. Und von einer ganz
besonderen Bedeutung ist bei dieser Behandlung dieses, daft man nun
hier mit Bezug auf die Diatvorschriften aufierordentlich sorgfaltig zu
Werke geht. Nach dieser Richtung hin kann GrofSartiges geleistet
werden, wenn die Eltern oder Erzieher solcher Kinder, die nach dieser
Richtung krankeln, nicht fortwahrend mit aller moglichen reichlichen
Nahrungszufuhr dienen und mit dem fortwahrenden Uberreden. Da
macht man es fortwahrend schlechter. Man mufi vielmehr versuchen
zu ergriinden, was das Kind ganz besonders gut verdaut, was beson-
ders gut iibergeht, und das dann in kleineren Portionen bei ofterer
Zufuhr, also beim Verteilen des Essens auf eine grofiere Anzahl von
Mahlzeiten, geben. Darauf mufi man sehen, damit kann man solchen
Kindern eine grofie Wohltat erweisen. Dagegen glauben, dafi man
durch Uberfiitterung und dergleichen etwas erreicht, ist eine ganz fal-
sche Anschauung. Wenn man dann auch noch dafur sorgt, dafi solche
Kinder keine ubermafiigen Schulaufgaben machen und dadurch fort-
wahrend ihren Zustand verschlechtern, wenn man ihnen also richtig
die notige Ruhe gonnt, tut man noch dasjenige dazu, was nun wieder-
um diese innerlich notwendige Verdauungstatigkeit nur in kleineren
Portionen beigebrachter Nahrung ihrerseits fordert. Es wird kaum
gegen etwas so stark gesiindigt als gerade gegen dasjenige, was in die-
sen Andeutungen enthalten ist. Denn man kann durchaus sagen, wird
nun dagegen gesiindigt, sorgt man nicht in dieser Richtung fur eine
gesunde menschliche Entwickelung, dann allerdings bleiben von den
krankenden Dingen in diesem Lebensalter alle moglichen Krankheits-
dispositionen fur das ganze menschliche Leben zuriick.
Nun, die Leute beklagen sich sehr leicht dariiber, dafl wir in der
Waldorfschule mit den Hausaufgaben aufierordentlich sparsam sind.
Wir haben gute Griinde dazu. Eine wirklichkeitsgemafie Padagogik
sieht eben nicht nur auf die abstrakten Grundsatze und auf die Ab-
straktionen iiberhaupt, die heute vielfach im Leben geltend gemacht
werden, sondern sie beriicksichtigt alles, was in der wirklichen Entwik-
kelung des Menschen eben zu beriicksichtigen ist, und dazu gehort vor
alien Dingen, daft man die Kinder nicht mit Hausaufgaben traktiert;
denn die Hausaufgaben sind im wesentlichen manchmal die sehr, sehr
verborgenen Ursachen einer schlechten Verdauung. Diese Dinge
aufiern sich immer erst spater, aber sie sind eben durchaus sehr wirk-
sam. Es ist das Eigentiimliche, daft fur die menschliche Entwickelung
iibersinnliches Beurteilen des Menschen zu gleicher Zeit ein Hinweis
darauf ist, dafi man dasjenige, was sich in einem friiheren Lebensalter
fur das spatere vorbereitet, eben in seinen Andeutungserscheinungen
in einem friiheren Lebensalter sehen kann.
Nun, die Gefahr, die in diesem - wenn ich so sagen darf - Einkop-
peln des Ich in den menschlichen Organismus von unten her besteht,
diese Gefahr, sie ist ja wirklich fast fur alle Menschen und insbesondere
fiir die Kulturmenschen in unserer Zeit, wenn sie Kinder sind, eine
aufierordentlich grofte, und daher mufi man eigentlich schon bei jedem
Menschen, wenn er nicht gerade aus robustem Bauernblut ist, auf diese
Sachen Riicksicht nehmen. Ein gewisser starker Unterschied ist gerade
in bezug auf solche Dinge noch vorhanden zwischen dem Bauernblut
und, man kann schon sagen der iibrigen Erdenbevolkerung. Denn in
dieser Beziehung mull man da den Schnitt machen. Die iibrige Erden-
bevolkerung neigt sehr stark zu Gefahren hin, die herkommen von
diesem mangelhaften Einkoppeln des Ich in den Organismus, der
griindlich verdorben wird, bevor dieses Ich sich einkoppeln soil, zu
den Gefahren, die bei diesem Einkoppeln des Ich eben auftreten. Vom
Atmungssystem aus und auch vom Kopfsystem aus ist gerade das
weibliche Geschlecht noch empfanglicher fiir dieses eigentumliche
labile Gleichgewicht, das da ist. Das mannliche Geschlecht ist in bezug
auf seine Brustorganisation etwas - nicht stabiler - aber robuster noch,
also weniger empfindlich. Es konnen sogar da dieselben Schaden auf-
treten, aber sie aufiern sich weniger. Das weibliche Geschlecht ist
gegen alles dasjenige, was da auftritt, empfindlicher, und dasjenige, was
ich geschildert habe, was das Suchen nach der richtigen Einkoppelung
des Ich ist, das lauft entweder in den gesunden Menschen aus oder in
die Bleichsucht. Die Bleichsucht ist die direkte Fortsetzung alles des-
jenigen, was in anormalerweise auf diese Art in dem Zei taker vom
siebten Jahre an geschieht. Die Bleichsucht macht sich erst spater gel-
tend, aber sie ist eben die Verstarkung all desjenigen, was in dieser
Richtung noch unbemerkbar ist in der vorigen Lebenszeit.
Dabei miissen wir verweisen auf etwas, was aufierordentlich wichtig
eben ist zu unterscheiden. Wenn wir das Zirkulationssystem betrach-
ten, so miissen wir die eigentliche Zirkulation, die eine Summe von
Bewegungen ist, unterscheiden von demjenigen, was mit dieser Zirku-
lation sich wiederum innig zusammensetzt, was gewissermafien sich
hineinschiebt in diese Zirkulation: das ist der Stoffwechsel. Es ist im
Zirkulationssystem eben durchaus die Ausgleichung zwischen dem
Stoffwechselsystem und dem rhythmischen System gegeben, wahrend
in dem Atmungsorganismus die Ausgleichung zwischen dem rhythmi-
schen Organismus und dem Nerven-Sinnesorganismus gegeben ist.
Wenn Sie also diesen mittleren Menschen, diesen Brustmenschen ins
Auge fassen, so miissen Sie durchaus beachten, daft dieser Brustmensch
nach zwei Seiten hin polarisch organisiert ist. Er ist durch die Atmung
nach dem Kopf hin organisiert; er ist durch die Zirkulation nach dem
Stoffwechsel-GliedmaEensystem hin organisiert. Alles dasjenige, was
im Stoffwechsel selber ist oder in dem, was mit dem Stoffwechsel innig
zusammengeht, in der Beweglichkeit des Menschen - was eine grofte
Wichtigkeit besonders in der ersten oder aufsteigenden Lebensha lfte
hat -, alles das schiebt sich als Stoffwechselkrafte in die Zirkulations-
krafte hinein. Und das, also dieses Hinaufschieben, muE dann wieder-
um vorriicken, so dafi wir eigentlich in dem Prozefi, den ich geschildert
habe, es zu tun haben mit einem Vorriicken desjenigen, was das Ich im
Stoffwechsel und schon in der Aufnahme der Stoffe, dann in seinem
Anfassen der inneren Krafte der Stoffe bewirkt. Mit einem Hinauf-
wandern durch Zirkulation und Atmung bis in das Kopfsystem haben
wir es zu tun, und das mufi sich ordentlich organisieren in der angege-
benen Zeit zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife. Es
mufi das Anfassen des Ich an den Kraften der aufteren Stoffe hinauf-
wandern durch Zirkulation und Atmung bis in das richtige Eingreifen
in das Kopfsystem. Das ist eben dieser sehr komplizierte Vorgang, mit
dem man sich da zu befassen hat, und diesen komplizierten Vorgang,
man kann ihn eigentlich wirklich so studieren, daft man versucht, seine
Beeinflussung schon zu erfassen, ich mochte sagen im aufieren Verdau-
ungstrakt, da wo die Stoffe so sind, daft sie noch dem Aufteren sehr
ahnlich sind, wo die Stoffe durch das Innere erst schwach erfaftt sind.
Denn was ist die erste Erfassung der aufteren Stoffe? Was macht da das
Ich, indem es die aufteren Stoffe zuerst erfafk?
Die erste Erfassung der aufteren Stoffkrafte durch das Ich geschieht
unter Begleiterscheinungen der Schmecksensation, des Schmeckens,
des Verarbeitens der aufteren Stoffe, so daft es sich subjektiv im Schmek-
ken auftert. Das ist das erste Erfassen der inneren Krafte. Dann geht es
weiter nach innen. Aber es setzt sich auch das Schmecken nach innen
fort. Der innere Verdauungsorganismus, der also jenseits des Darmes
liegt, der dann ins Blut hiniiberfuhrt, ist noch immer ein sich abschwa-
chendes Schmecken. Und so geht es eigentlich hinauf, bis in dem Kopf-
organismus das Schmecken bekampft wird. Da wird das Schmecken
abgelahmt. Und darinnen besteht die Tatigkeit des Kopfes gegeniiber
dem Schmecken. Der Kopf lahmt das Schmecken ab. Er wendet sich ge-
gen das Schmecken. Dieser Prozefi mufi eben ordentlich sein. Dann na-
tiirlich ergreift, in die Stoffe weiter hineingehend, das Ich diese Stoffe
starker, als es blofi aufierlich subjektiv im Schmecken der Fall ist.
Dieses, was da gewissermafien im aufteren Verdauungstrakt vor sich
geht, das wird stark beeinflufit nun von demjenigen, was mineralisch-
salzig ist. Sie konnen dasjenige, was ich jetzt sage, in jeder einzelnen
Partie harmonisieren mit dem, was ich im vorigen Kurs gesagt habe, Sie
werden sehen, es ist im wesentlichen das, was ich jetzt vorbringe, eine
Erganzung des dort Gesagten. Die Sache ist namlich so. Wenn wir uns
fragen: Was ist eigentlich ein Heilmittel aus den aufieren Reichen der
Natur, was ist ein Heilmittel? - Es ist schon diese prinzipielle Frage
eigentlich eine Grundfrage der Medizin, mochte man sagen. Was ist ein
Heilmittel?
Alles das ist kein Heilmittel, was der Organismus in seinem gesun-
den Zustande verdauen kann. Das ist kein Heilmittel. Das Heilmittel
beginnt erst dann, wenn man dem Organismus etwas zufiihrt, was er
im gesunden Zustand nicht verdauen kann, was also erst verdaut wer-
den mufi im anormalen menschlichen Organismus. Wir fordern den
anormalen menschlichen Organismus heraus, etwas zu verdauen, was
im gesunden menschlichen Organismus nicht verdaut wird. Die
Heilung ist eigentlich eine fortgesetzte Verdauung, aber eben eine Ver-
dauung, die stufenweise in das Innere des menschlichen Organismus
verlegt wird.
Unter den Begleiterscheinungen desjenigen, was dann, sagen wir in
der Bleichsucht in den glanzvollsten Symptomen zum Vorschein
kommt, wie vorher angedeutet, sind all diese Symptome: Miidigkeit,
Schlaffheit, mangelhaftes Einschlafen, Aufwachen. Wenn alle diese
Symptome auftreten, die bei den meisten Kindern in dem heute ange-
deuteten Lebensalter auftreten konnen, dann ist es notwendig, daft
man es schon zunachst probiert mit dem aufteren Verdauungstrakt. Da
mu(S man Mineralisches, noch vollstandig Mineralisches anwenden.
Und da wird man sehen, daft man Wirkungen erzielt. Zunachst konn-
ten diese Dinge beobachtet werden durch Symptome, die sich da ein-
stellen. Da wird man zum Beispiel sehen, daft da starke Symptome
auftreten, die alle darauf hinweisen, wie das Ich aufterlich die Krafte
der aufteren Stoffe erfangt, und wie es unterstiitzt wird in dieser Bezie-
hung durch, sagen wir, kohlensaures Eisen. Kohlensaures Eisen, das ist
etwas, was wie das Stiitzende gegeniiber dem Lahmen wirkt, wenn das
Ich aufterlich angreifen soli.
Gehen wir urn eine Stufe weiter und wir haben ein mangelhaftes
Eingreifen des Ich in den Zirkulationsorganismus, dann wird es be-
merkbar sein, wie dieses mangelhafte Eingreifen des Ich in den Zirku-
lationsorganismus unterstiitzt werden kann zum Beispiel durch
Ferrum muriaticum, also durch ein schon im reinen Mineralischen
gesteigertes Heilmittel.
Gehen wir zu dem, was dann im Atmungsorganismus vorliegt, also
steigen wir wiederum um eine Stufe hoher, so werden wir eine ganz
besondere Unterstutzung des Ich gewinnen durch Pflanzensaure und,
gehen wir weiter zum Kopf system hinauf, durch die reinen Metalle,
die natiirlich dann da angewendet werden miissen, wo sie nicht aufier-
lich reine Metalle sind, denn da haben sie uberhaupt zunachst keinen
rechten Bezug zum menschlichen Organismus, sondern in ihren fein-
sten Kraften. Deshalb habe ich im vorigen Jahre gesagt, im Grunde
genommen lalk der menschliche Organismus gar nicht allopathisch
mit sich herummachen in bezug auf die Metalle, sondern der homoo-
pathisiert selber, er zersplittert selber die Metalle, indem er kommt
vom Verdauungssystem zum Kopforganismus. Man unterstiitzt
natiirlich diesen Organismus, wenn man eben schon die Potenzierung
entwickelt.
Sie werden aber sehen - und wir werden darauf zuriickkommen von
einer anderen Seite her -, daft schon daraus etwas zu entnehmen ist mit
Bezug auf das Potenzieren. Denn man mufi sich eine Vorstellung ver-
schaffen von dem eigentlichen Zentrum des Mangels. Je tiefer das
Zentrum des Mangels liegt, je weniger nahe es der Kopforganisation
liegt, desto niedrigere Potenzierungen. Je mehr man konstatieren kann,
dafi es der Kopforganisation nahe liegt, handelt es sich darum, daft man
das hohere Potenzieren anwendet. Natiirlich handelt es sich darum,
daft nun dasjenige, was der Kopforganisation zu nahe kommt, sich in
allem moglichen auftern, ausdriicken kann.
Wenn Sie da von dem Gesichtspunkte der Ich-Erfassung des Aufie-
ren richtig ausgehen, dann werden Sie, ich mochte sagen diejenigen
Erscheinungen durchschauen konnen, die Ihnen symptomatisch ent-
gegentreten. Sehen Sie, wenn Sie auf das rekurrieren, was ich in diesen
Tagen gesagt habe, was ich auch sonst schon betont habe - der mensch-
liche Organismus ist einfach nicht das, was wir mit Linien aufzeichnen;
das ist ja nur das Feste. Der menschliche Organismus ist im wesentli-
chen auch organisierte Fliissigkek, organisierte Luft, organisierte War-
me. Und in diese verschiedenen Glieder der Organisation mufi nun
auch das Ich eingreifen. Und besonders wichtig und subtil ist auch das
Eingreifen des Ich in die Warmeverhaltnisse des Korpers. Das Ich mufi
in der folgenden Art in die Warmeverhaltnisse des Korpers eingreifen.
Wir haben zunachst, wenn der Mensch geboren wird, das Abbild
des Ich. Ich habe ja gesagt, das Abbild des Ich ist im Kopfe vorhanden.
Wir haben das Abbild des Ich. Das wirkt nun im kindlichen Alter.
Dazu mufi nun das Ich von unten herauf, ich mochte sagen, das Sein
geben; das mufi da eingreifen. Und das aufiert sich darinnen, daft dieses
Abbild des Ich, das wir im Kopfe haben, im kindlichen Alter durchaus
den Organismus durchwarmend wirkt. Das hat etwas zu tun mit der
Durchwarmung des menschlichen Organismus. Aber diese Durchwar-
mung ist in absteigender Kurve. Diese Durchwarmung ist am starksten
eben bei der Geburt, insofern die Erwarmung vom Kopfe ausgeht, und
Tafel 4 ist dann in absteigender Kurve. Und wir sind als Menschen genotigt,
im spateren Lebensalter dasjenige, was da an der Warmekurve sich
entwickelt, auf seiner Hohe zu erhalten von unten auf durch dieses
Eingreifen des Ich in diese Warmeverhaltnisse. Wir miissen spater die-
ser Kurve die andere entgegensetzen, die aufsteigend ist, und die im
wesentlichen von dem Erfassen der aufsteigenden substantiellen Krafte
liber die Nahrung, der Hiniiberleitung in die Zirkulation, in das
Atmen und dann in das Kopfsystem abhangt.
Nun nehmen Sie an, das geschieht eben nicht ordentlich. Es ist zu
schwach, dieses Hiniiberleiten der inneren Substanzenkrafte der Au-
fienwelt in den menschlichen Organismus. Nehmen Sie an, das ist zu
schwach, das wird nicht in der notigen Intensitat entwickelt, dann
fiihren Sie auf dem Ich-Wege, was ja sein mufi, dem Organismus nicht
geniigend Warme zu. Der Kopf, der dann die absteigende Kurve nur
entwickelt, der lafit den Korper erkalten. Das tritt zuerst an den Peri-
pherien auf. Und bitte, beobachten Sie deshalb, wie diejenigen Per-
sonen, die die Fortsetzung haben dieses Erschlaffungszustandes, der
eben herriihrt von alledem, was ich heute beschrieben habe, das Fro-
stein an den Handen, das Frosteln an den Zehen haben. Da ist es hand-
greiflich, denn Sie konnen es spiiren, wie dem Prozefi, der von oben
herunter durch das Abbild des Ich sich vollzogen hat in der Kindheit,
eben nicht das Notwendige entgegengefiihrt wird durch das tatige Ich,
durch das Ich, das entwickelt werden mufi, und das die Warme bis in
die aufterste Peripherie der Glieder bringt. Das ist etwas, was Ihnen
zeigen wird, wie man, sobald man sich auf bildhaftes Anschauen ver-
legt, sobald man darauf Riicksicht nimmt, wie im Menschen ineinan-
derwirken bis zur Bildhaftigkeit fein die verschiedenen Krafte oben
und untere Krafte, wie man dann tatsachlich auch in dem, was sich
auftert, ich mochte sagen Bilder hat. In dem Frosteln der Hande, in
dem Frosteln der Fiifie haben Sie Bilder fur etwas, was im ganzen
menschlichen Organismus vorgeht. Und da tritt es dann auf, daft man
lernt, die Symptome so zu verwerten, dafi einem herausspringt aus den
Symptomen die Erkenntnis des ganzen Menschen. Es ist im tiefsten
Sinne darauf hinweisend, daft dieses Ich nicht ordentlich im spateren
Lebensalter eingreift, wenn der Mensch frostelnde Hande und Fiifie
hat. Wenn man namlich solche Dinge beachtet, wenn man iiberhaupt
nur eingeht auf dasjenige, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat aus
ihren Voraussetzungen heraus, bekommt man einen Zusammenhang
mit dem menschlichen Organismus. Wenn man nicht [darauf] eingeht,
dann wird man sehen, wie man durch dieses Nichtbeachten allmahlich
den Zusammenhang verliert mit einem wirklichen Durchschauen des
menschlichen Organismus. Wenn man aber eingeht auf dasjenige, was
die Geisteswissenschaft bieten kann, bekommt man einen Zusammen-
hang mit dem menschlichen Organismus. Man wachst in ihn hinein.
Nehmen Sie zum Beispiel das Folgende. Diese Geisteswissenschaft
scharft fortwahrend ein: In der Auf richtekraft des Menschen liegt
etwas, aber diese Aufrichtekraft hangt wiederum zusammen mit der
Entwickelung des Ich von unten nach oben. Dasjenige, was zuerst
geschieht, friiher, das ist eine Aufrichtekraft, die in einem gewissen
Sinne nur aufierlich sich auftert. Sie wird unterstiitzt von dem, was von
oben nach unten stromt. Ist der Zahnwechsel voriiber, hat diese Richt-
kraft in entsprechender Weise sich verwertet, dann ist Schlufipunkt
gemacht mit dieser elementaren Aufrichtekraft, dann geht die Aufrich-
tekraft gerade an das Innere iiber, dann mufi im Innern der Ausgleich
geschaffen werden von unten nach oben und von oben nach unten.
Und dann treten in Gegensatz die Krafte von oben nach unten und von
unten nach oben. Und die begegnen sich. In diesem, ich mochte sagen
eindimensionalen Begegnen der Krafte von oben und der Krafte von
unten kann man besonders sehen, was in diesem Lebensalter vor sich
geht. Und nun beobachten Sie, bei was - sagen wir zur Chlorose nei-
gende Menschen besonders miide werden. Sie werden immer am mei-
sten miide nicht dann, wenn sie in der Horizontalen gehen, sondern
dann, wenn sie Treppen steigen. Das weist einen direkt auf diese Er-
scheinungen hin. Gerade durch das Treppensteigen werden zur Bleich-
sucht neigende Menschen besonders beschwert, so dafi man da wieder-
um sieht an den Symptomen, in dem, was sich aber lebendig im
Werden aufiert, kann man erfangen dasjenige, was geistig hinter dem
Menschen steht. Dann kann man eben es dahin bringen, daft man, ich
mochte sagen einfach abliest von dem, was man auf diese Weise durch
die diagnostizierende Pathologie gewinnt, dasjenige, was man gegen
die abnormen Erscheinungen zu tun hat. Davon dann morgen weiter.
FUNFTER VORTRAG
Dornach, 15. April 1921
Es wird sich darum handeln, daft wir diese Betrachtungen dann gipfeln
lassen in der Schilderung des Wesens jener Heilmittel, die wir zusam-
mengestellt haben, und die dann von unserer Seite aus eine Verbreitung
haben sollen. Es wird aber nicht moglich sein, iiber dasjenige, was man
gewissermafien wissen und beherrschen rauE in bezug auf diese Heil-
mittel, ordentlich zu sprechen, wenn wir eben nicht die Gesamtvorbe-
reitung dazu haben. Diese mufi zuerst geschaffen werden. Daher wol-
len wir auch heute noch einiges von dem betrachten, was uns hinein-
fiihren kann in das ganze Gewebe des menschlichen Wesens, das sich
da herausbildet durch das Zusammenwirken von Ich, astralischem
Leib, atherischem Leib und physischem Leib. Es ist schon erwahnt
worden, wie man durch eine gewisse Arsenwirkung den astralischen
Leib, der natiirlich dann auch das Ich in sich oder mit sich zieht,
mochte ich sagen, mehr in die Organe hineinbekommt, als das sonst,
bei den betreffenden Menschen natiirlich, der Fall ist.
Nun, dadurch, daft man den astralischen Leib mehr in die Organe
hineinbekommt, wird der Mineralisierungsprozeft der Organe erhoht,
so daft man auch sagen kann: Bemerkt man, daft die Organe als solche
zu stark vitalisieren, daft sie zu starke Lebenskrafte in sich entwickeln,
gewissermaften atherisch wuchern, dann wird das Mittel, welches hei-
lend wirken kann, die Zufiihrung des Arsen sein. Man kann aber auch
sogar, wenn man will, dasjenige, was innerlich im Menschen vor sich
geht, durch einen aufteren Vorgang bezeichnen, der gewissermaften in
Wahlverwandtschaft mit dem menschlichen Vorgang steht. Wenn man
diese Affinitat des astralischen Leibes zu dem Atherleib namentlich
und dadurch zu dem physischen Leib ausdriicken will, so kann man
das auch durchaus Arsenisieren nennen. Ein leises Arsenisieren findet
in dem Menschen fortwahrend statt, welches besonders stark in dem
Momente des Aufwachens vorhanden ist. Wir mussen uns eben dar-
iiber klar sein, daft der menschliche Organismus dasjenige durchaus als
Kraftesystem in sich hat, was in dem Metalle liegt. Es ist durchaus diese
Wahlverwandtschaft zwischen dem Menschen und seiner irdisch-kos-
mischen Umgebung vorhanden, dafi im Menschen gewisse Prozesse,
die sich draufien abspielen, und die zum Beispiel in den Metallen ihr
Ende finden, sich auch im Menschen abspielen. Man darf daher nicht
meinen, wenn man vom Arsenisieren des menschlichen Wesens
spricht, dafi da Arsen unmittelbar wirksam ist, sondern das mensch-
liche Wesen wirkt selbst so in sich, wie das Arsen drauften wirkt. Und
man wird dadurch eine Einsicht bekommen, wie man solchen Wirkun-
gen im Menschen zu Hilfe kommen mufi. Wenn Sie also dieses Arse-
nisieren - ich konnte auch sagen Astralisieren - des menschlichen
Organismus ins Auge fassen, so werden Sie bemerken konnen, daft,
wenn es zu stark wirkt, sich das ausdriickt durch eine gewisse Erwar-
mung der Magengegend, dafi es sich auch ausdriickt dadurch, dafi ge-
wisse Ernahrungsleichtigkeiten sogar auftreten, daft das Ernahren und
Verdauen leichter wird, was aber, wenn es zu leicht wird, in gewissem
Sinne bedenklich ist, weil dann auf alle solche Erleichterungen im
Menschen wiederum Reaktionen, Erschwerungen folgen; denn das
alles hangt zusammen mit einer gewissen Mineralisierung des Men-
schen. Und es ist zum Beispiel durchaus eine Richtung gegeben, in der
Untersuchungen gemacht werden sollten. Man raufi sie nur in der rich-
tigen Art machen, namlich alle anderen Dinge dabei beriicksichtigen,
so daft bei Menschen, welche stark astralisieren, also Arsenisierung in
ihren organisch-physischen Prozessen haben, die Leichen weniger
leicht in Faulnis ubergehen als bei denjenigen Menschen, welche eben
zu schwach den astralischen Leib mit den Organen verbinden. Das ist
durchaus etwas, was man beobachten sollte. Man sieht es ja in seinem
Extrem ausgebildet bei der Neigung, welche arsenikvergiftete Leichen
zum Mumifizieren haben. Die mumifizieren sich, die erhalten sich
leicht, gehen sehr wenig leicht in Faulnis iiber.
Nun handelt es sich darum: Wie kann man dem begegnen, wenn
dieser Arsenisierungs- beziehungsweise Astralisierungsprozeft zu
stark im Menschen wirkt, wenn also der Mensch sozusagen sich leben-
dig mumifiziert? Man mufi eben eine Beobachtung, einen Blick verbin-
den mit so etwas. Wenn der Mensch sich zu stark mumifiziert, wie
kann man dem begegnen, wie kann man dagegen auf kommen? Und da
mochte ich sagen, um mich radikal auszudriicken: Man mache den
ganzen Menschen zeitweise zum Zahn. Es wird das immerhin etwas
sein, was einen auf manche Spuren im geheimnisvollen Wirken des
menschlichen Organismus bringen kann. Man mache den ganzen
Menschen zum Zahn. Man versuche ihm namlich in irgendwelcher
Weise, so daft man beriicksichtigt den ganzen Organismus, die strah-
lende Kraft des Magnesiums zuzufiihren, indem man ihm Magnesium
in irgendeinem Praparat verabreicht. Das ist dasjenige, was sich so
ausdriickt, daft die von Professor Romer geschilderte strahlende Ma-
gnesiumkraft dann im ganzen Organismus hervorgerufen wird, und
das ist dasjenige, was, ich mochte sagen, wirklich von einer Seite recht
griindlich hineinweist in ein Verhaltnis, das besteht zwischen dem
astralischen Leib, der also das Ich mit in sich schlieftt, und dem athe-
rischen und physischen Leibe auf der anderen Seite.
Nun versuchen wir einmal zum Gegenteil iiberzugehen, zu demje-
nigen Zustand im Menschen, wo der astralische Leib mit dem Ich
wenig Neigung hat, die Organe zu durchdringen, wo die Organe, in-
sofern sie von den physischen und atherischen Wirkungen versorgt
werden, anfangen, sich selbst iiberlassen zu werden. Das ist ein Zu-
stand, der sich dann dadurch auftert, daft gewissermaften zwischen
dem, was als Wechselwirkung bestehen sollte, als Ernahrungswechsel-
wirkung des Menschen zu seiner Umgebung, und den inneren organi-
schen Vorgangen kein richtiger Zusammenhang ist. Die inneren
organischen Vorgange fangen stark an, ihre Vitalkraft zu entwickeln.
Sie bekommen keinen Einfluft von auften; die Durchdringung der
Nahrungsstoffe mit den Kraften des Ich laftt nach. Dadurch wird der
Astralleib auch nach der einen Seite hin engagiert. Er kann nicht
ordentlich zu dem Atherleib hiniiber. Es findet eine - ich mochte sagen
Wucherung der physischen und der atherischen Tatigkeit statt, was
sich zunachst dadurch auftert, daft Diarrhoen auftreten, die ja im we-
sentlichen zusammenhangen mit solchen Erscheinungen, dafi im Stuhl
Blut sich findet, daft sogar die innere vitalische Tatigkeit so stark wird,
daft sich von den Darmwanden kleine organische Gewebe absplittern
und im Stuhlgang sich finden, daft sogar der Stuhlgang eine fleischwas-
serahnliche Fliissigkeit zeigt, was also deutlich darauf hinweist, daft da
die Vitalkraft drinnen unbehindert von der Astralisierungskraft wu-
chert. Das sind die Dinge. Zuletzt wird auch das Eiweifi mitgenommen
und ausgeschieden, ohne daft es in der richtigen Weise verarbeitet
wird. Das sind solche Zustande, die hervorgerufen werden. Und im
wesentlichen ist da dasjenige, was beim Menschen in seinen physischen
und atherischen Menschen hineinwirken mufi, damit diese halbbewuft-
ten Bewegungen ausgefiihrt werden, die ja im menschlichen Organis-
mus notwendig sind, eben astralischer Leib und Ich. Und so denken
Sie sich nun, es wird nicht in der richtigen Weise hier astralischer Leib
und Ich eingeschaltet, und der Atherleib und die physischen Wirksam-
keiten bleiben fur sich, dann entsteht eben auch der nervose Stuhl-
zwang, der fur solche Erscheinungen charakteristisch ist. Und je weiter
Sie die Sache beschreiben, je weiter Sie da von den gewohnlichen Di-
arrhoezustanden zur Ruhr und so weiter aufriicken, also je weiter Sie
in der Beschreibung dieses Krankheitsbildes gehen, desto mehr werden
Sie sehen, daft Sie so beschreiben miissen, daft Sie in all diesen Erschei-
nungen das Gegenbild hervorrufen von Arsenisieren oder Astralisie-
ren. Es ist iiberall das Gegenbild des Astralisierens oder Arsenisierens
vorhanden. Und da der astralische Leib stark beteiligt ist daran, so
werden Sie jetzt eigentlich, ich mochte sagen von selbst zu der Folge-
rung gefiihrt werden, daft man nun als Gegenmittel zu verwenden hat
alles dasjenige, was vom Arsen kommt, daft man also gegenwirken
mufi gegen diese Zustande gerade durch Arsenisieren.
Ich glaube, daft es das Vorstellen des Menschen aufterordentlich
bereichern, verintensivieren kann in bezug auf solche Sachen, wenn
man sich klar macht, daft im Grunde genommen fur alles dasjenige,
was im Menschen vor sich geht, auch aufterhalb des Menschen entspre-
chende Vorgange vorhanden sind in der aufteren Welt. Und wenn es
auch selbstverstandlich fur denjenigen, der aus dem heutigen Schul-
wesen hervorgegangen ist, furchtbar anstoftig klingen mufi, so mochte
ich doch nicht vermeiden, mich hier gewisser Ausdriicke zu bedienen,
die fur die Geisteswissenschaft durchaus einen ernsthaften Sinn haben
und die, wenn man sie nur richtig nimmt, einen in die Dinge recht
griindlich hineinfuhren konnen.
Dasjenige, was man im Menschen beobachtet beim Arsenisieren,
beim Astralisieren, das - ich mochte sagen Brockeligwerden, das Mu-
mifizieren des physischen Organismus, das ist genau derselbe ProzeE
im Grunde genommen, der sich abspielt beim Felsigwerden der Erde.
Uberall, wo die Erde felsbildend auftritt, da ist sie gewissermaften
arsenikvergiftet oder im Anfange der Arsenikvergiftung. Dagegen
stellen Sie sich jetzt vor, es gelingt der aufieren Astralitat, die ja die
Erde uberall umgibt - ich habe das angedeutet im letzten Vortrags-
zyklus gewissermafien mit Umgehung der Erdoberflache, mit Um-
gehung desjenigen, was die aufiere Astralitat zu verrichten hat an dem
Hervorbringen der Bliiten, der Pflanzen, an dem Herausgehen der
Pflanzen aus der Erde in die Oberwelt, es gelingt also der aufieren
Astralitat, gewissermaften unter den Boden hineinzudringen, die Erde
zu umgehen und an das Wasser sich zu halten, dann bekommt in sol-
chen Gebieten die Erde die Ruhr. Wenn die aufiere kosmische Astra-
litat auf das Grundwasser wirkt oder wirken kann, dann bekommt in
solchen Fallen die Erde die Ruhr. Und es ist tatsachlich ein Vorgang,
den ich jetzt hier schildere, der reale Hintergriinde hat, viele reale
Hintergriinde hat, und den man berucksichtigen sollte. Denn er gibt
Aufschlufi tiber den Zusammenhang desjenigen, was unter der Erde
vorgeht, mit solchen Erscheinungen, wie zum Beispiel die Ruhr eine
ist, die man eigentlich ja oftmals so studieren mufi, daft man in ihr eine
Art Wirkung des Unterirdischen, namentlich im. Wasser Liegenden,
auf den Menschen zu beobachten hat. Das Wesentliche wird nun sein,
daf$ man berucksichtigt, dafi der astralische Leib sehr engagiert ist bei
der Sache, und dafi man daher notig haben wird, mittlere Dosierungen,
mittlere Potenzierungen bei der Heilung anzuwenden, weil der astra-
lische Leib doch eben in seiner Wirksamkeit auf das mittlere Glied des
menschlichen Organismus angewiesen ist.
Nun, ganz besonders in der Lage, bedeutsamen Aufschlufi zu geben
liber gewisse, ich mochte sagen Intimitaten im menschlichen Organis-
mus sind solche Erscheinungen, die sich diphtherieartig ausleben. Und
diese Erscheinungen, die sich diphtherieartig ausleben, die sollten
schon wegen des Aufsuchens von Heilmethoden genauer studiert
werden. Es ist ja, wie ich glaube, auch heute noch eine mehr aus der
materialistischen Anschauung hervorgegangene Meinung, dafi die
Diphtherie moglichst lokal zu behandeln ware, daft man moglichst an
das Lokale der Diphtherie herangehen soli, obwohl natiirlich ent-
gegengesetzte Meinungen zahlreich gerade in dieser Beziehung auf-
getaucht sind.
Nun, das Bedeutsame bei der Entstehung der Diphtherie und alles
desjenigen, was mit ihr verwandt ist, das ist so, dafi wir da eben auch
einige Erganzungen zu dem hinzufiigen miissen, was wir im vorigen
Kursus betrachtet haben, weil wir ja da noch nicht so genau eingehen
konnten auf diese Wechselwirkung der vier geisteswissenschaftlichen
Glieder des menschlichen Organismus. Ich habe in anderem Zusam-
menhange darauf hingewiesen, dafi das Sprechenlernen des Kindes
begleitet ist von allerlei organischen Prozessen. Das Kind lernt spre-
chen. Wahrend es sprechen lernt, wahrend sich also in seinem At-
mungsorganismus etwas Besonderes abspielt, spielt sich ganz polarisch
auch etwas ab in seinem Zirkulationsorganismus, der ja die Vorgange
des Stoffwechsels in sich aufnimmt.
Nun habe ich in einem ganz anderen Zusammenhange darauf hin-
gewiesen, wie dasjenige, was bei der Geschlechtsreife im Wechselver-
haltnis des Menschen mit der Aufienwelt zutage tritt, innerlich sich
abspielt beim Sprechenlernen, daft also gewissermafien dieses Drangen
des astralischen Leibes, das beim Geschlechtsreifwerden des Menschen
von innen nach auften stattfindet, von unten nach oben stattfindet in
dem Astralisieren; in der Richtung von unten nach oben entwickelt
sich ja die Fahigkeit des Sprechenlernens. Wir haben es also auch da
mit einem Astralisierungsprozeft zu tun, und wir werden deutlich
sehen konnen, wie, wenn wir gewissermafien hier die Grenze des
Atmungswesens und des Zirkulationswesens haben (siehe Zeichnung
S. 87), da eine Wechselbeziehung stattfindet zwischen dem, was als
Astralisieren von unten nach oben steigt (gelb), und den Organen, die
von oben diesem Astralisieren entgegenkommen und eben sich in ihrer
Sprachfahigkeit verstarken. Dasjenige, was uns besonders interessieren
mufi, ist dann dasjenige, was gleichzeitig unten vorgeht. Denn das, was
da gleichzeitig unten vorgeht, hat den Drang, nach oben zu kommen.
Der ganze Vorgang ist ein solcher von unten nach oben. Es hat das
Ganze den Drang, von unten nach oben zu gehen (Pfeile, gelb). Breitet
sich nun der Prozefi, der da von unten nach oben geht, zu stark eben
nach oben aus, findet wahrend des Sprechenlernens der Kinder ein zu
starkes Hinaufdrangen der Astralitat statt, dann besteht in diesem zu
starken Hinaufdrangen der Astralitat die Disposition, so etwas zu
bekommen wie diphtherische Erscheinungen. Auf diese Weise werden
also die diphtherischen Erscheinungen geschaffen. Und es ist das
schon durchaus wichtig, daft man diesen Zusammenhang gehorig ins
Auge fafit.
Nun wollen wir auch den aufteren Erdenprozefi ins Auge fassen,
der eine gewisse Wahlverwandtschaft hat zu dem Prozefi, den ich
Ihnen eben geschildert habe. Nehmen Sie an, dieses sei die Erdenober-
flache (siehe folgende Zeichnung). Bei einer Pflanze, die, ich mochte
sagen
sich dem Kosmos gegeniiber anstandig benimmt, entsteht das, dafi die
Erde Anteil hat an ihrer Wurzelbildung, dafi dann die Erdenwirkung
nachlafk und die aufierirdische Wirkung immer starker und starker
wird, aber diese aufierirdische Wirkung sich besonders an der Bliite
dann entfaltet (rot). Dasjenige, was sich hier in der Bliite entfaltet, ist
ja eine Art aufterlicher Astralisierung der Bliite, was dann zur Frucht-
bildung fuhrt. Geschieht dasjenige, was hier (siehe untere Zeichnung S.
87, rot oben) im normalen Verlaufe der Weltenprozesse geschehen soli,
eben unten, so kann es nur ins Wasser sich hineinsetzen, und wir haben
dann dasjenige, was ich gerade vorhin genannt habe die Ruhr der Erde.
Aber es kann sich dasjenige, was da eigentlich geschieht, was, wie ge-
sagt, wenn sich die Pflanze zur anstandigen Pflanze entwickelt, immer
ein Stuck iiber der Erdoberflache vollzieht, wo die Bliite sich entfaltet,
das kann sich auch just da entwickeln, wo die Erdenoberflache ist
(siehe untere Zeichnung S. 87, rot unten), und dann entstehen namlich
die Pilze. Das ist der Grund der Pilzbildung.
Nun werden Sie auch nicht weit davon sein, sich zu sagen: Wenn da
durch eine solche eigentiimliche Astralisierung die Pilze entstehen, so
mufi derselbe Vorgang - und das ist auch tatsachlich der Fall - von
unten nach oben stattfinden, wenn diese merkwurdige Astralisierung
im Innern gegen den Kopf zu stattfindet, wie in der Diphtheric Und
daher haben Sie die Neigung zur Pilzbildung in der Diphtherie gege-
ben. Diese Neigung zur Pilzbildung in der Diphtherie, das ist etwas,
was aufierordentlich zu beriicksichtigen ist. Es wird Ihnen auch dieses,
daft da im Grunde genommen ein rechter okkulter Prozefi stattfindet
- alles Aufiere ist eigentlich nur Anzeichen, daft im Innern des Men-
schen unregelmafiige astralische Stromungen herrschen -, eben einen
Hinweis darauf geben, daft man mit einer Pathologie, die sich blofi mit
den aufieren Symptomen befassen will, eben auch nur die aufiere Of-
fenbarung des ganzen Vorganges haben kann, daft man ihn fiir einen
lokalen ansieht, weil man eben nur das Aufiere ansieht, und daft da
dieses Drangende von innen heraus eben gerade bei einer solchen
Sache unberiicksichtigt bleibt. Die ganze skeptische Haltung, die man
gegeniiber diesem Prozefi hat, ist durchaus erklarlich, wenn man auf
diese Dinge, die wir eben jetzt erortert haben, zunickgeht.
Nun ist tatsachlich bei diphtherischen Erscheinungen die An-
steckungsgefahr eine grofie. Warum ist sie eine grofie? Sie ist eine
grofie aus dem Grunde, weil die diphtherischen Erscheinungen auf-
treten in einem unbedingten Zusammenhang mit dem Sprechenler-
nen; daher treten sie auch am eminentesten auf bei Kindern von zwei
bis vier Jahren. Die Moglichkeit des Auftretens tritt dann wieder
zuriick. Aber jeder Vorgang im menschlichen Organismus, der zu
irgendeiner Zeit gewissermafien im normalen Verlauf auftritt, kann
auch abnorm auftreten. Es kann also dieser Prozefi, der einfach ein
Kinderprozefi ist, auch in einem anderen Lebensalter, wenn auch in
einer gewissen Modifikation, Metamorphose, auftreten. Es ist, wenn
eine Diphtherie im spateren Alter auftritt, dennoch etwas, wo ein
Infantiles im Menschen wirkt. Und der Grundcharakter des Infanti-
len ist ja, wie Sie wissen - man hat es im aufieren Mitteilen der geistes-
wissenschaftlichen Tatsachen nur notig, eben mehr von dem Psychi-
schen zu sprechen -, der auftere Prozefi des Kindlichen, des Infantilen
ist das Nachahmen, durchaus das Nachahmen. Und das Nachahmen
wird gesucht. Der Organismus selber wird veranlafk, ein Nachahmer
zu werden, wenn er diphtherisch wird. Daher beruht eigentlich die
Ansteckung auf diesem Zum-Nachahmer- Werden des Menschen. Es
liegt schon in diesem Nachahmen etwas von einer leisen Sensitivitat.
Man kann durchaus eine leise Sensitivitat in diesem Nachahmen
bemerken. Wenn man geisteswissenschaftlich die Sache untersucht, so
findet man, dafi das Ich da doch eine gewisse Rolle spielt in diesem
Anstecken durch die Diphtherie. Und daher ist auch dasjenige, was
sich als Pilzartiges entwickelt, das Parasitare, aus dem Grunde bei der
Diphtherie ansteckender als bei anderen Krankheiten, weil der
menschliche Organismus durch seinen Nachahmungstrieb der Sache
entgegenkommt. Sobald er - wenn ich mich jetzt grob ausdriicke -
nur irgendwie das Diphtheriegift wahrnimmt, so stellt er sich ihm
empfanglich, nachahmend gegeniiber. Daher wird ein psychisches
Verweisen, wenn es moglich ist, wenn der Zustand erst im Aus-
brechen ist, ein Starken durch seelischen Zuspruch immerhin eine
giinstige Wirkung haben.
Allein man wird da natiirlich bei so sehr in den Organismus ein-
greifenden Prozessen damit viel weniger ausrichten konnen, als wenn
man versuchen wird, ich mochte sagen das Spezifikum zu suchen, das
entgegenwirkt dem Prozeft, der sich da abspielt. Hier 1st es wenig-
stens mir nicht bewufk, ob man irgendwelche Anstalten gemacht hat,
auch nur auf empirisch probierendem Wege, ein Spezifikum gerade
gegen die diphtherischen Erscheinungen zu suchen. Man hat es zu
suchen etwa in dem bis zu einer mittleren Potenzierung getriebenen
Zinnober. Zinnober ist dasjenige, dessen Wirkungen man als Gegen-
wirkungen fur alle die Erscheinungen wird zu suchen haben, die ich
jetzt angefuhrt habe. Der Zinnober bringt seinem aufieren Anblicke
nach schon die Gegenwirkung zum Ausdruck. Aber ein aufierer An-
blick erklart nur dann etwas, wenn man ihm beikommt mit innerer
Anschauung. Darauf, dafi eine instinktive innere Anschauung vorhan-
den war, beruhte die alte Signaturenlehre, die eigentlich aus dem
Grunde einfach verschwunden ist, weil die Menschen heute nicht die
Beobachtungsfahigkeit haben fur so etwas, weil diese Beobachtungs-
fahigkeit verschwunden ist. Aber es ist wichtig, daft man jenes innere
Wirken, das sich im Grunde genommen in alien Aufierlichkeiten der
Welt auch zeigt, dieses innerliche Wirken letztlich ins Auge fassen
kann. Und so wird derjenige, der, nicht wahr, nur nicht im Mysti-
schen stecken bleibt und dann allerlei Mystelndes in die Sache einfugt,
sondern der durchaus seinen gesunden Verstand bei solchen Dingen
behalt, der wird sich doch sagen miissen: Das Zinnoberrot, das ist
etwas, was schon in einer gewissen Weise zum Ausdrucke bringt die-
ses gegenteilige Wirken gegen das Pilzigwerden; was nach dem Farb-
losen hingeht, kann pilzig werden. Wenn beim Pilzigwerden eine zu
starke Astralisierung der Erdoberflache mitspielt, so spielt eben bei
dem Zinnobernen ein Riickwirken, ein Gegenwirken gegen dieses
Astralisieren, und daher die Rotung. Uberall, wo im Naturprozefi
eine Rotung auftritt, da ist ein starkes Gegenwirken gegen das Astra-
lisieren vorhanden. Ich mochte sagen, die Sache in eine moralische
Formel gebracht, wiirde so sein, dafi man sagt: Indem die Rose sich
rotet, versucht sie, sich gegen die Astralisierung zu wehren. Das sind
also Gebiete des pathologisch-therapeutischen Betrachtens, die
durchaus so in einem gewissen Zusammenhange miteinander stehen,
und die einen hineinfiihren in dieses eigentiimliche Verhalten von Ich
und Astralleib zu den anderen Organen, zum Ergreifen der anderen
Organe, zum Sichausschalten von den anderen Organen oder aber
zum Aufiern von Uberwirkungen des Astralischen im Strdmen von
unten nach oben.
Man kann auf diese Weise sozusagen den ganzen menschlichen Leib
nach und nach durchschauen. Man kann ihn durchschauen, wenn man
von solchen Betrachtungen noch zu etwas anderem iibergeht. Und da
werden Sie wiederum etwas ins Auge fassen miissen, was ich jetzt
als Erganzung zu Dingen, die ich im vorigen Jahre vorgebracht habe,
hinzufugen mochte.
Es ist ein sehr Eigentiimliches, wie das menschliche Ich, wenn wir
es jetzt als eben im Menschen spirituell, psychisch, organisch und auch
mineralisierend wirksam betrachten, eine Art, ich mochte sagen Phos-
phortrager ist. Und zwar entwickelt dieses Ich sein Geschaft des Phos-
phortragens in der Weise, dafi es durchaus mit diesem Phosphortragen
bis an die Peripherie des organischen Menschenwesens geht. Das
Phosphortragen, das Durchphosphorisieren des menschlichen Orga-
nismus ist eine Tatigkeit des Ich. Dieses Phosphortragen bis an die
aufierste Grenze, bis an die Peripherie des organischen Menschenwe-
sens, wird nun, ich mochte sagen von dem Ich in einer aufierordentlich
kunstvollen Weise ausgefuhrt, indem bis zu einer gewissen Grenze, die
aber notwendig ist einzuhalten, das Ich eigentlich den Phosphor nur
tragen kann durch den Organismus, indem es ihn an andere Stoffe an-
gegliedert hat, mit anderen Stoffen chemisch verbunden hat, und es
verhindert im wesentlichen, bei diesem Tragen des Phosphors durch
den Organismus, das chemische Freiwerden des Phosphors. Das ge-
hort zu den Aufgaben des Ich, dieses chemische Freiwerden des Phos-
phors zu verhindern bis zu den Spuren von Phosphor, die eben notig
sind dann, wenn dasjenige eintreten soil, was eintreten wiirde in gro-
ISem Maftstabe, wenn es dem Ich eben nicht gelange, eingeftihrten
Phosphor vor seinem Freiwerden zu bewahren. Wenn also der Phos-
phor sozusagen frei losgelassen wiirde und eine intensive Wirkung auf
den menschlichen Organismus hervorrufen wiirde, dann ware namlich
ein ganz besonderer Vorgang die Folge. Ich habe Ihnen gesagt im
Verlaufe dieser Vortrage, dafi beim Menschen, wenn er hereintritt in
die Welt, wenn er also dasjenige, was von ihm vorher geistig-seelisch
vorhanden war, verkorperlicht, dann schaffen sich ja zunachst die
Abbilder des atherischen Leibes, des astralischen Leibes und des Ich.
Und ich sagte Ihnen, alles dasjenige, was Abbild des Ich ist, liegt
eigentlich in dynamischen Systemen, in Bewegungssystemen, die zum
Gleichgewicht kommen. Das ist nun etwas, was besonders an dieser
Stelle unserer Betrachtungen grundlich berucksichtigt werden muE.
Indem das Ich am Entwickeln von Gleichgewichten aus ungleichen
Gewichten, aus gestorten Gleichgewichtslagen arbeitet - und wenn ich
ausschreite, ist die Gleichgewichtslage gestort, ich muft sie wiederum
in Ordnung bringen, aber auch durch innere Vorgange geschieht das-
selbe -, indem das Ich so arbeitet, braucht es den Phosphor. Diese
Arbeit wird im wesentlichen mit dem Phosphor ausgefuhrt.
Wenn das Ich nun nicht so arbeitet, daft es sein Phosphorisieren
erschopft in einem Statisch-Machen der menschlichen Dynamik, dann
kommt es mit dem Phosphor heran an dasjenige, was schon von vorn-
herein Abbild des Ich ist, dieses Statisch-Machen des Dynamischen.
Nun, ich habe ja darauf aufmerksam gemacht, wir miissen auch den
flussigen Menschen, den luftformigen Menschen und den Warmemen-
schen bedenken. Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben es zu tun mit
dem flussigen Menschen und dem, was sich von der Abbildung des Ich,
des astralischen Leibes, in dem sich wiederum das Ich abdriickt, herein
in den Atherleib begibt, so handelt es sich darum, daft auch in diesem
Atherleib bewirkt werden mufi ein fortwahrendes Ubergehen eines
Dynamischen, eines Nichtgleichgewichtes in Gleichgewicht.
Nun sind das, was da in Betracht kommt, aufterordentlich feine
Wirkungen, wirklich recht feine Wirkungen. Und diese feinen Wir-
kungen werden reguliert dadurch, daft gewissermaften in einer Art
freischwebende und doch wieder mit der ganzen Bewegung des Orga-
nismus, auch der inneren Bewegung zusammenhangende Kugelchen
im menschlichen Leibe sind. Es sind namlich die Blutkiigelchen. An
diese Blutkugelchen mulS aufschlagen dasjenige, was das Ich tut, indem
es in die Beweglichkeit, auch zum Beispiel in innere Warmebeweglich-
keit hineinspielt. Diese Blutkugelchen, diese Blutkorperchen, die sind
also keine Kugelchen, aber sie sind im wesentlichen so geartet, dafi sie
gerade schon in ihrer Form zeigen, wie sie darauf berechnet sind, Be-
wegungen in Gleichgewicht iiberzufiihren. Ich mochte sagen: Dasjeni-
ge, was das Ich tut, indem es in die Bewegungsfahigkeit des mensch-
lichen Organismus hineingreift, das kommt gerade an den Blutkiigel-
chen zur Grenze; und da muS es aufgehalten werden, da mufi jene - ich
mochte sagen innigste Wechselwirkung stattfinden zwischen dem
menschlichen Ich und dem ganzen menschlichen Organismus. Und da
findet dann auch dasjenige statt, was ich nennen mochte den verbor-
gensten Kampf des fortwahrenden Phosphorisierens des Menschen
mit dem, was im gestaltenden Blutprozesse liegt. Wird namlich der
Phosphor frei in den Menschen hineingetragen, dann werden die Blut-
korperchen durch das Phosphorisieren zerstort. Das ist dasjenige, was
uns bildhaft hineinfuhren kann in dieses eigentumliche Wechselwirken
des Ich, das ja ein Geistiges, ein durch und durch Geistiges ist, das aber
durch die Blutkorperchen in fortwahrender Wechselwirkung steht mit
einem Physischen. Blut ist auch nach dieser Richtung hin ein ganz
besonderer Saft, wie nicht Goethe, sondern ein alter Spruch sagt, es ist
Blut ein ganz besonderer Saft, es ist dasjenige, wo das auftere Physische
des Menschen in Wechselwirkung tritt zu dem Geistigsten, das er
zunachst an sich tragt, zu dem Ich, und wo am meisten Ruinoses auf-
treten kann, wenn eben das Ich in einer falschen Weise in diese Wech-
selwirkung eintritt. Daher kann unter einer solchen falschen Wechsel-
wirkung eben im Physischen so vieles ruiniert werden: Epithelzerfall,
fettige Entartung bis in die Muskelfasern hinein, besonders in die
quergestreiften Muskelfasern, weil die dasjenige sind, auf das das Ich
besonders wirksam ist, Auflosung der Blutkorperchen und so weiter.
Ja, bis in die Knochen hinein kann im Korperlichen dieser Zerfallspro-
zefi gehen, wenn die Phosphorwirkungen nicht in Ordnung sind.
Da zeigt sich ja ganz klar, mochte ich sagen, an diesem Wechselspiel
des Ich, das dann natiirlich den astralischen Leib mit sich zieht, und des
physischen Leibes, der dann ja den Atherleib nach sich zieht, ganz
deutlich, wie ein Streben nach einem Normalen und einem Abnormen,
mochte ich sagen, stattfindet, fortwahrend ein Normalisieren bis zu
einer gewissen Kulmination, dann ein Abfluten stattfindet, und wie
sich dieses aufiert, wenn wir es zum Beispiel mit einer Phosphorvergif-
tung zu tun haben. Wenn man es mit einer Phosphorvergiftung zu tun
hat, so wird man bemerken, daft zunachst sich sowohl der astralische
Leib wie der Atherleib gegen dasjenige wehren, was da im physischen
Leib und im Ich sich geltend macht. Sie wehren sich; und sie wehren
sich mit aller Kraft, mit der starksten Kraft, die der Atherleib hat. Er
mochte gegen dasjenige aufkommen, was da in dem Ich als zu starke
Wirkung eintritt, mochte dagegen aufkommen, verstarkt selbst seine
Krafte. Daher hat der Vorgang in der ersten Zeit einer Phosphorver-
giftung so viel innerliche Ahnlichkeit mit einem anderen Vorgange,
namlich mit dem Auftreten einer gewissen Riickschau des Menschen
nach dem Tode, die, wie Sie wissen, tagelang dauern kann, anderthalb
Tage, zwei Tage, drei Tage. Da haben wir in dieser Riickschau ein
Halten des Atherleibes im astralischen Leib. Die halten sozusagen zu-
sammen. Das tun sie nun zunachst auch im menschlichen Leibe, wenn
eine Phosphorvergiftung auftritt. Es wird alles dasjenige entwickelt,
was durch das Zusammenwirken von astralischem Leib und Atherleib
entwickelt werden kann, und was da eben dann auftritt, wenn diese
Riickschau stattfindet durch den Atherleib nach dem Tode. Daher
wird durch diese aufgewendete Kraft in der ersten Zeit von einer Phos-
phorvergiftung nach einer ebenso langen Weile, wie eine solche Riick-
schau dauern wiirde, eine Besserung auftreten, dann ein Erschlaffen,
ein Abfluten. Dann, nachdem dieses Abfluten gewesen ist, dann setzt
wiederum um so starker eben die abnorme Wirkung des Ich ein. Eine
wirkliche Phosphorvergiftung ist ja etwas, was aufierordentlich schwer
zu bekampfen ist, was wohl nur dann zu bekampfen ware, wenn man
in der scharfsten Art versuchen wiirde, den ganzen Organismus dahin
zu beeinflussen, dafi in ihm ein starkes Zusammenwirken der Astralitat
mit dem Atherischen stattfande, was man wohl erreichen wiirde, wenn
man der Phosphorvergiftung etwa entgegenwirken wiirde durch ein
starkes Applizieren von sehr kraftig ziehenden Pflastern an verschie-
denen Stellen des menschlichen Leibes und dergleichen. Man wiirde da
ganz gewifi Wirkungen erzielen. Man mufi dann sich klar sein daruber,
dafi man Gefiihl dafiir haben mufi, wie weit man in einem solchen Fall
zu gehen hat.
Sie sehen also, der physische Organismus ist, wenn in ihn das Ich
eingreift, in starkstem Mafie engagiert durch all das, was man nennen
konnte Phosphorisieren des Menschen. Dann aber, wenn nun das Ich
stark eingreift, also zerstorend eingreift in den physischen Organis-
mus, dann mufi notwendigerweise das polarische Gegenteil auch statt-
finden, dann mufi dasjenige, was das Ich normalerweise, wenn es nicht
zu stark eingreifen wiirde, im normalen menschlichen Organismus
bewirkt, ebenfalls leiden. Daher werden Sie bei einem zu starken Phos-
phorisieren Zustande der Schlaflosigkeit auftreten haben, die einfach
darauf beruhen, dafi ein zu starkes Hinstreben von astralischem Leib
und Ich stattfindet. Das konnen Sie ja ablesen aus alledem, was ich
gesagt habe: Kopfschmerzen werden Sie f
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