Rudolf Steiner / Ita Wegman: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen

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Rudolf Steiner

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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE 

SCHRIFTEN 



Dr. RUDOLF STEINER 
Dr. ITA WEGMAN 



GRUNDLEGENDES 

FOR EINE 

ERWEITERUNG DER 
HEILKUNST 

NACH GEISTESWISSENSCHAFTLICHEN 

ERKENNTNISSEN 



1991 



RUDOLF STEINER VERLAG 
DORNACH/SCHWEIZ 



Herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, 

Dornach/ Sch weiz 
im Einvernehmen mit der Ita Wegman-Nachlafiverwaltung 



1. Auflage (1.-5. Tsd.) Dornach 1925 

2. Auflage (6.-7. Tsd.) Dornach 1935 
3. Auflage (8.-11. Tsd.) Arlesheim 1953 

4. Auflage (12.-14. Tsd.) 
Gesamtausgabe Dornach 1972 

5. Auflage (15.-19. Tsd.) 
Gesamtausgabe Dornach 1977 

6. Auflage (20.-24. Tsd.) 
Gesamtausgabe Dornach 1984 

7. Auflage (25.-27. Tsd.) 
Gesamtausgabe Dornach 1991 



Bibliographie-Nr. 27 

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Obersetzung in fremde 
Sprachen, bleiben den Autoren vorbehalten 
(c) 1953 by Verlag des Klinisch-Therapeutischen Institutes, 

Arlesheim/Schweiz 
Printed in Germany by Konkordia Druck, Buhl/Baden 

ISBN 3-7274-0270-9 



INHALT 



I. Wahre Menschenwesen-Erkenntnis als Grundlage 

medizinischer Kunst 7 

II. Warum erkrankt der Mensch? 20 

III. Die Erscheinungen des Lebens 25 

IV. Von dem Wesen des empfindenden Organismus 30 
V. Pflanze, Tier, Mensch 35 

VI. BlutundNerv 40 

VII. Das Wesen der Heilwirkungen 45 

VIII. Tatigkeiten im menschlichen Organismus. Dia- 
betes mellitus 49 

IX. Die Rolle des Eiweifies im Menschenkorper und 

die Albuminuric 54 

X. Die Rolle des Fettes im menschlichen Organis- 
mus und die triigerischen lokalen Symptomen- 

komplexe 58 

XI. Die Gestaltung des menschlichen Korpers und die 

Gicht 62 

XII. Aufbau und Absonderung des menschlichen Or- 
ganismus 66 

XIII. Vom Wesen des Krankseins und der Heilung . . 71 

XIV. Von der therapeutischen Denkweise 76 

XV. Das Heilverfahren 81 

XVI. Heilmittel-Erkenntnis 85 

XVII. Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heil- 
mittel-Erkenntnis 90 

XVIII. Heil-Eurythmie 95 

XIX. Charakteristische Krankheitsfalle 98 

XX. Typische Heilmittel 126 

Vorwort zur ersten Auflage 1925 135 

Nachwort zur ersten Auflage 1925 137 

Hinweise des Herausgebers zur 7. Auflage . . 139 

Obersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 143 



I 



WAHRE MENSCHENWESEN-ERKENNTNIS ALS 
GRUNDLAGE MED I ZIN IS CHER KUNST 

In dieser Schrift wird auf neue Moglichkeiten fiir das 
arztliche Wissen und Konnen hingewiesen. Richtig beurtei- 
len wird man das Vorgebrachte nur, wenn man sich auf 
die Gesichtspunkte einlassen kann, die leitend waren, als 
die medizinischen Anschauungen zustande kamen, von de- 
nen hier gesprochen wird. 

Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkann- 
ten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende 
Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prin- 
zipien voil anerkannt. Und wir haben die Meinung, dafi das 
von uns Gegebene nur derjenige in der arztlichen Kunst 
verwenden soli, der im Sinne dieser Prinzipien vollgiiltig 
Arzt sein kann. 

Allein wir fugen zu dem, was man mit den heute aner- 
kannten wissenschaftlichen Methoden iiber den Menschen 
wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch 
andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher 
gezwungen, aus dieser erweiterten Welt- und Menschen- 
erkenntnis auch fiir eine Erweiterung der arztlichen Kunst 
zu arbeiten. 

Eine Einwendung der anerkannten Medizin kann im 
Grunde gegen das, was wir vorbringen, nicht gemacht wer- 
den, da wir diese nicht verneinen. Nur derjenige, der nicht 
nur verlangt, man miisse sein Wissen bejahen, sondern der 
dazu noch den Anspruch erhebt, man durfe keine Erkennt- 
nis vorbringen, die iiber die seinige hinausgeht, kann un- 
seren Versuch von vorneherein ablehnen. 



Die Erweiterung der Welt- und Menschenerkenntnis se- 
hen wir in der von Rudolf Steiner begriindeten Anthropo- 
sophie. Sie fiigt zu der Erkenntnis des physischen Menschen, 
die allein durch die naturwissenschaftlichen Methoden der 
Gegenwart gewonnen werden kann, diejenige vom geisti- 
gen Menschen. Sie geht nicht durch ein blofies Nachdenken 
von Erkenntnissen des Physischen zu solchen des Geistigen 
iiber. Auf diesem Wege sieht man sich doch nur vor mehr 
oder weniger gut gedachte Hypothesen gestellt, von denen 
niemand beweisen kann, dafi ihnen in der Wirklichkeit 
etwas entspricht. 

Die Anthroposophie bildet, bevor sie iiber das Geistige 
Aussagen macht, die Methoden aus, die sie berechtigen, 
solche Aussagen zu machen. Um einen Einblick in diese 
Methoden zu bekommen, bedenke man das Folgende: Alle 
Ergebnisse der gegenwartig anerkannten Naturwissenschaft 
sind im Grunde aus den Eindriicken der menschlichen Sinne 
gewonnen. Denn wenn auch der Mensch im Experiment 
oder in der Beobachtung mit Werkzeugen das erweitert, 
was die Sinne ihm geben konnen, so kommt dadurch nichts 
wesentlich Neues zu den Erfahrungen iiber die Welt hinzu, 
in der der Mensch durch seine Sinne lebt. 

Aber auch durch das Denken, insofern dieses bei der 
Erforschung der physischen Welt tatig ist, kommt nichts 
Neues zu dem sinnenfallig Gegebenen hinzu. Das Denken 
kombiniert, analysiert usw. die Sinneseindriicke, um zu Ge- 
setzen (Naturgesetzen) zu gelangen; aber es mu!5 sich der 
Erforscher der Sinneswelt sagen: dieses Denken, das da aus 
mir hervorquillt, fiigt etwas Wirkliches zu dem Wirklichen 
der Sinneswelt nicht hinzu. 

Das aber wird sogleich anders, wenn man nicht bei dem 



Denken stehen bleibt, zu dem es der Mensch zunachst durch 
Leben und Erziehung bringt. Man kann dieses Denken in 
sich verstarken, erkraften. Man kann einfache, leicht iiber- 
schaubare Gedanken in den Mittelpunkt des Bewufkseins 
stellen, und dann, mit Ausschlufi aller anderen Gedanken, 
alle Kraft der Seele auf solchen Vorstellungen halten. Wie 
ein Muskel erstarkt, wenn er immer wieder in der Richtung 
der gleichen Kraft angespannt wird, so erstarkt die seelische 
Kraft mit Bezug auf dasjenige Gebiet, das sonst im Denken 
waltet, wenn sie in der angegebenen Art Obungen macht. 
Man mu£ betonen, da£ diesen Obungen einfache, leicht 
iiberschaubare Gedanken zugrunde liegen miissen. Denn die 
Seele darf, wahrend sie solche Obungen macht, keinerlei 
Einflussen eines halb oder ganz Unbewufken ausgesetzt 
sein. (Wir konnen hier nur das Prinzip solcher Obungen 
angeben; eine ausfiihrliche Darstellung und Anleitung, wie 
solche Obungen im Einzelnen zu machen sind, findet man 
in Rudolf Steiners «Wie erlangt man Erkenntnisse der ho- 
heren Welten?», in dessen «Geheimwissenschaft» und in 
anderen anthroposophischen Schriften.) 

Es liegt nahe, den Einwand zu erheben, dafi jemand, der 
sich so mit aller Kraft bestimmten, in den Mittelpunkt des 
Bewufkseins geriickten Gedanken hingibt, allerlei Auto- 
suggestionen und dergleichen ausgesetzt ist, und dafi er 
einf ach in das Gebiet der Einbildung hineinkommt. Allein 
Anthroposophie zeigt zugleich, wie die Obungen verlaufen 
miissen, damit dieser Einwand vollig unberechtigt ist. Sie 
zeigt, wie man innerhalb des Bewufitseins in vollbesonne- 
ner Art wahrend des Obens so fortschreitet wie beim 
Losen eines arithmetischen oder geometrischen Problems. 
Wie da das Bewufitsein nirgends ins Unbewufite ausgleiten 



kann, so auch nicht wahrend des angedeuteten Obens, 
wetin die anthroposophischen Anleitungen richtig befolgt 
werden. 

Im Verfolge dieses Obens kommt man zu einer Verstar- 
kung der Denkkraft, von der man vorher keine Ahnung 
hatte. Man fiihlt die waltende Denkkraft in sich wie einen 
neuen Inhalt seines Menschenwesens. Und zugleich mit 
diesem Inhalt des eigenen Menschenwesens offenbart sich 
ein Weltinhalt, den man vorher vielleicht geahnt, aber 
nicht durch Erfahrung gekannt hat. Sieht man einmal in 
Augenblicken der Selbstbeobachtung auf das gewohnliche 
Denken hin, so findet man die Gedanken schattenhaft, blaE 
gegeniiber den Eindriicken, die die Sinne geben. 

Was man jetzt in der verstarkten Denkkraft wahrnimmt, 
ist durchaus nicht blafi und schattenhaft; es ist vollinhalt- 
lich, konkret-bildhaft; es ist von einer viel intensiveren 
Wirklichkeit als der Inhalt der Sinneseindriicke. Es geht 
dem Menschen eine neue Welt auf, indem er auf die ange- 
gebene Art die Kraft seiner Wahrnehmungsfahigkeit er- 
weitert hat. 

Indem der Mensch in dieser Welt wahrnehmen lernt, wie 
er friiher nur innerhalb der sinnlichen Welt wahrnehmen 
konnte, wird ihm klar, dafi aile Naturgesetze, die er vorher 
gekannt hatte, nur in der physischen Welt gelten; und dafi 
das Wesen der Welt, die er jetzt betreten hat, darin besteht, 
dafi ihre Gesetze andere, ja die entgegengesetzten gegeniiber 
denen der physischen Welt sind. In dieser Welt gilt nicht 
das Gesetz der Anziehungskraft der Erde, sondern im Ge- 
genteil, es tritt eine Kraft auf, die nicht von dem Mittel- 
punkt der Erde nach auswarts wirkt, sondern umgekehrt so, 
dafi ihre Richtung von dem Umkreis des Weltalls her nach 



dem Mittelpunkt der Erde geht. Und entsprechend ist es 
mit den andern Kraften der physischen Welt. 

In der Anthroposophie wird die durch t)bung erlangte 
Fahigkeit des Menschen, diese Welt zu schauen, die imagi- 
native Erkenntnis-Kraft genannt. Imaginativ nicht aus dem 
Grunde, weil man es mit «Einbildungen» zu tun habe, son- 
dern weil der Inhalt des Bewufitseins nicht mit Gedanken- 
schatten, sondern mit Bildern erfullt ist. Und wie man sich 
durch die Sinneswahrnehmung im unmittelbaren Erleben in 
einer Wirklichkeit fuhlt, so auch in der Seelentatigkeit des 
imaginativen Erkennens. Die Welt, auf die sich diese Er- 
kenntnis bezieht, wird von der Anthroposophie die athe- 
rische Welt genannt. Es handelt sich dabei nicht um den 
hypothetischen Ather der gegenwartigen Physik, sondern 
um ein wirklich geistig Geschautes. Der Name wird im Ein- 
klange mit alteren instinktiven Ahnungen dieser Welt ge- 
geben. Diese haben gegeniiber dem, was gegenwartig klar 
erkannt werden kann, keinen Erkenntniswert mehr; aber 
will man etwas bezeichnen, so braucht man Namen. 

Innerhalb dieser Atherwelt ist eine neben der physischen 
Leiblichkeit des Menschen bestehende atherische Leiblich- 
keit wahrnehmbar. 

Diese atherische Leiblichkeit ist etwas, das sich ihrem 
Wesen nach auch in der Pf lanzenwelt findet. Die Pflanzen 
haben ihren Atherleib. Die physischen Gesetze gelten tat- 
sachlich nur fiir die Welt des leblosen Mineralischen. 

Die Pflanzenwelt ist auf der Erde dadurch moglich, dafi 
es Substanzen im Irdischen gibt, die nicht innerhalb der 
physischen Gesetze beschlossen bleiben, sondern die alle 
physische Gesetzmafiigkeit ablegen und eine solche anneh- 
men konnen, die dieser entgegengesetzt ist. Die physischen 



Gesetze wirken wie ausstromend von der Erde; die athe- 
rischen wirken wie von alien Seiten des Weltumfanges auf 
die Erde zustromend. Man begreift das Werden der Pflan- 
zenwelt nur, wenn man in ihr das Zusammenwirken des 
Irdisch-Physischen und des Kosmisch-Atherischen sieht, 

Und so ist es mit Bezug auf den Atherleib des Menschen. 
Durch ihn geschieht im Menschen etwas, das nicht in der 
Fortsetzung des gesetzma£igen Wirkens der Krafte des phy- 
sischen Leibes liegt, sondern das zur Grundlage hat, dafi die 
physischen Stoffe, indem sie in das Atherische einstromen, 
sich zuerst ihrer physischen Krafte entledigen. 

Diese im Atherleibe wirksamen Krafte betatigen sich im 
Beginne des menschlichen Erdenlebens - am deutlichsten 
wahrend der Embryonalzeit - als Gestaltungs- und Wachs- 
tumskrafte. Im Verlaufe des Erdenlebens emanzipiert sich 
ein Teil dieser Krafte von der Betatigung in Gestaltung und 
Wachstum und wird Denkkrafte, eben jene Krafte, die fur 
das gewohnliche Bewufksein die schattenhafte Gedanken- 
welt hervorbringen. 

Es ist von der allergrofiten Bedeutung zu wissen, dafi 
die gewohnlichen Denkkrafte des Menschen die verfeiner- 
ten Gestaltungs- und Wachstumskrafte sind. Im Gestalten 
und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich 
ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Le- 
bensverlaufe als die geistige Denkkraft. 

Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Atherischen 
webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. 
Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbe- 
ginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, 
wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgeriickt, das 
ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich 



noch weiter entwickelt, kann das Atherisch-Geistige, das 
im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denk- 
kraft auftreten. 

So offenbart sich der imaginativen geistigen Anschauung 
die bildsame (plastische) Kraft als ein Atherisch-Geistiges 
von der einen Seke, das von der andern Seite als der Seelen- 
Inhalt des Denkens auftritt. 

Verfolgt man nun das Substantielle der Erdenstoffe in 
die Atherbildung hinein, so muE man sagen: diese Stoffe 
nehmen iiberall da, wo sie in diese Bildung eintreten, ein 
Wesen an, durch das sie sich der physischen Natur ent- 
fremden. In dieser Entfremdung treten sie in eine Welt ein, 
in der ihnen das Geistige entgegenkommt und sie in sein 
eigenes Wesen verwandelt. 

So aufsteigen zu der atherisch-lebendigen Wesenheit des 
Menschen, wie es hier geschildert wird, ist etwas wesent- 
lich anderes als das unwissenschaftliche Behaupten einer 
«Lebenskraft», das noch bis zur Mitte des neunzehnten 
Jahrhunderts ublich war, um die lebendigen Korper zu er- 
klaren. Hier handelt es sich um das wirkliche Anschauen - 
um das geistige Wahrnehmen - eines Wesenhaften, das im 
Menschen wie in allem Lebendigen ebenso vorhanden ist 
wie der physische Leib. Und um dieses Anschauen zu be- 
wirken, wird nicht etwa in unbestimmter Art mit dem ge- 
wohnlichen Denken weitergedacht; es wird auch nicht 
durch die Einbildungskraft eine andere Welt ersonnen; es 
wird vielmehr das menschliche Erkennen in ganz exakter 
Art erweitert, und diese Erweiterung ergibt auch die Erf ah- 
rung iiber eine erweiterte Welt. 

Die Ubungen, die ein hoheres Wahrnehmen herbeifiih- 
ren, konnen fortgesetzt werden. Man kann, wie man eine 



erhohte Kraft anwendet, sich auf Gedanken, die man in 
den Mittelpunkt des Bewufitseins geruckt hat, zu konzen- 
trieren, auch darauf wieder eine solch erhohte Kraft an- 
wenden, die erlangten Imaginationen (Bilder einer geistig- 
atherischen Wirklichkeit) zu unterdrucken. Dann erlangt 
man den Zustand des vollig leeren Bewufitseins. Man ist 
blofi wach, ohne dafi zunachst das Wachsein einen Inhalt 
hat. (Das Genauere findet man in den oben erwahnten 
Buchern.) Aber dieses Wachsein ohne Inhalt bleibt nicht. 
Das von alien physisch- und auch atherisch-bildhaften Ein- 
driicken leer gewordene Bewufitsein erfiillt sich mit einem 
Inhalt, der ihm aus einer realen geistigen Welt zustromt, 
wie den physischen Sinnen die Eindriicke aus der physi- 
schen Welt zustromen. 

Man hat durch die imaginative Erkenntnis ein zweites 
Glied der menschlichen Wesenheit kennengelernt; man lernt 
durch die Erfiillung des leeren Bewufitseins mit geistigem 
Inhalt ein drittes Glied kennen. Die Anthroposophie nennt 
das Erkennen, das auf diese Art zustande kommt, dasjenige 
durch Inspiration. (Man soil sich durch diese Ausdriicke 
nicht beirren lassen; sie sind einer primitiven Zeiten an- 
gehorigen instinktiven Art, in geistige Welten zu sehen, ent- 
nommen; aber, was hier mit ihnen gemeint ist, wird ja 
exakt gesagt.) Und die Welt, in die man durch die Inspira- 
tion Eintritt gewinnt, bezeichnet sie als die astralische 
Welt. - Spricht man, wie hier auseinandergesetzt, von 
«atherischer Welt», so meint man die Wirkungen, die vom 
Weltumfange nach der Erde zu wirken. Spricht man aber 
von «astralischer Welt», so geht man in Gemafiheit dessen, 
was das inspirierte Bewufitsein beobachtet, von den Wir- 
kungen aus dem Weltumfang zu bestimmten Geist-Wesen- 



heiten iiber, die in diesen Wirkungen sich offenbaren, wie 
in den von der Erde ausgehenden Kraften sich die Erden- 
stoffe offenbaren. Man spricht von aus den Weltenfernen 
wirkenden konkreten Geist- Wesenheiten, wie man beim 
sinnlichen Anblick des nachtlichen Himmels von Sternen 
und Sternbildern spricht. Daher der Ausdruck «astralische 
Welt». In dieser astralischen Welt tragt der Mensch das 
dritte Glied seiner Wesenheit: seinen astralischen Leib. 

Audi in diesen astralischen Leib mufi die Erdenstof flich- 
keit einstromen. Sie entf remdet sich damit weiter ihrer phy- 
sischen Wesenheit. - Wie der Mensch seinen atherischen 
Leib mit der Pf lanzenwelt, so hat er seinen astralischen Leib 
mit der Tierwelt gemeinsam. 

Die den Menschen iiber die Tierwelt hinaushebende, 
eigentlich menschliche Wesenheit wird durch eine noch ho- 
here Erkenntnisart als die Inspiration erkannt. Die An- 
throposophie spricht da von Intuition. In der Inspiration 
offenbart sich eine Welt geistiger Wesenheiten; in der In- 
tuition wird das Verhaltnis des erkennenden Menschen zu 
dieser Welt ein naheres. Man bringt das zum Vollbewufit- 
sein in sich, was rein geistig ist, wovon man im bewufiten 
Erleben unmittelbar erf ahrt, dafi es mit dem Erleben durch 
die Korperlichkeit nichts zu tun hat. Dadurch versetzt man 
sich in ein Leben, das ein solches als Menschengeist unter 
anderen geistigen Wesenheiten ist. In der Inspiration offen- 
baren sich die geistigen Wesenheiten der Welt; durch die 
Intuition lebt man mit diesen Wesenheiten. 

Man gelangt dadurch zur Anerkennung des vierten Glie- 
des der menschlichen Wesenheit, zum eigentlichen «Ich». 
Wieder wird man gewahr, wie die Erdenstofflichkeit, in- 
dem sie sich dem Weben und Wesen des «Ich» einfiigt, 



sich noch weiter ihrem physischen Wesen entfremdet. Die 
Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als «Ich-Organisa- 
tion» annimmt, ist zunachst die Form des Erdenstoffes, 
in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art 
entfremdet. 

Was man in dieser Art als «astralischen Leib» und «Ich» 
kennen lernt, ist nicht in gleicher Art an den physischen 
Leib in der Menschenorganisation gebunden wie der athe- 
rische Leib. Inspiration und Intuition zeigen, wie im Schlafe 
sich «astralischer Leib» und «Ich» vom physischen und 
atherischen Leib trennen, und wie nur im Wachzustande ein 
volliges Durchdringen der vier Glieder der Menschennatur 
zur menschlichen Einheitswesenheit vorhanden ist. 

Im Schlafe sind in der physischen und atherischen Welt 
der physische und atherische Menschenleib verblieben. Sie 
sind da aber nicht in der Lage, in der physischer und athe- 
rischer Leib eines Pflanzenwesens sind. Sie tragen in sich 
die Nachwirkungen der astralischen und der Ich-Wesenheit. 
Und in dem Augenblicke, in dem sie diese Nachwirkungen 
nicht mehr in sich tragen wiirden, mufi Erwachen eintreten. 
Ein menschlicher physischer Leib darf niemals blofien phy- 
sischen, ein menschlicher Atherleib niemals bloflen athe- 
rischen Wirkungen unterliegen. Sie wiirden dadurch zer- 
fallen. 

Nun zeigen aber Inspiration und Intuition noch etwas 
anderes. Die physische Stofflichkeit erfahrt eine Weiterbil- 
dung ihres Wesens, indem sie zum Weben und Leben im 
Atherischen iibergeht. Und Leben hangt davon ab, dafi der 
organische Korper dem Wesen des Irdischen entrissen und 
vom aufSerirdischen Weltall herein aufgebaut wird. Allein 
dieser Aufbau fiihrt wohl zum Leben, nicht aber zum Be- 



wufitsein und nicht zum Selbstbewufitsein. Es mufi sich der 
Astralleib seine Organisation innerhalb der physischen und 
der atherischen aufbauen; es mufi ein Gleiches das Ich in 
bezug auf die Ich-Organisation tun. Aber in diesem Auf- 
bau ergibt sich keine bewufite Entfaltung des Seelenlebens. 
Es muft, damit ein solches zustande kommt, dem Aufbau 
ein Abbau gegeniiberstehen. Der astralische Leib baut sich 
seine Organe auf; er baut sie wieder ab, indem er die Ge- 
fiihlstatigkeit im Bewufitsein der Seele entfalten lafit; das 
Ich baut sich seine « Ich-Organisation » auf; es baut sie wie- 
der ab, indem die Willenstatigkeit im Selbstbewufitsein 
wirksam wird. 

Der Geist entfaltet sich innerhalb der Menschenwesen- 
heit nicht auf der Grundlage aufbauender Stofftatigkeit, 
sondern auf derjenigen abbauender. Wo im Menschen Geist 
wirken soil, da mufi der Stoff sich von seiner Tatigkeit zu- 
riickziehen. 

Schon die Entstehung des Denkens innerhalb des athe- 
rischen Leibes beruht nicht auf einer Fortsetzung des athe- 
rischen Wesens, sondern auf einem Abbau desselben. Das 
bewuflte Denken geschieht nicht in Vorgangen des Gestal- 
tens und Wachstums, sondern in solchen der Entgestaltung 
und des Welkens, Absterbens, die fortdauernd dem athe- 
rischen Geschehen eingegliedert sind. 

In dem bewufiten Denken losen sich aus der leiblichen 
Gestaltung die Gedanken heraus und werden als seelische 
Gestaltungen menschliche Erlebnisse. 

Sieht man nun auf der Grundlage einer solchen Men- 
schenerkenntnis auf das Menschenwesen hin, so wird man 
gewahr, wie man sowohl den Gesamtmenschen wie auch 
ein einzelnes Organ nur durchschauen kann, wenn man 



weifi, wie in ihm der physische, der atherische, der astra- 
lische Leib und das Ich wirken. Es gibt Organe, in denen 
vornehmlich das Ich tatig ist; es gibt solche, in denen das 
Ich nur wenig wirkt, dagegen die physische Organisation 
uberwiegt. 

Wie man den gesunden Menschen nur durchschauen 
kann, wenn man erkennt, wie sich die hoheren Glieder der 
Menschen wesenheit des Erdenstpffes bemachtigen, um ihn 
in ihren Dienst zu zwingen, und wenn man auch erkennt, 
wie der Erdenstoff sich wandelt, indem er in den Bereich 
der Wirksamkeit der hoheren Glieder der Menschennatur 
tritt, so kann man auch den kranken Menschen nur ver- 
stehen, wenn man einsieht, in welche Lage der Gesamt- 
organismus oder ein Organ oder eine Organreihe kommen, 
wenn die Wirkungsweise der hoheren Glieder in Unregel- 
mafiigkeit verfallt. Und an Heilmittel wird man nur den- 
ken konnen, wenn man ein Wissen dariiber entwickelt, wie 
ein Erdenstoff oder Erdenvorgang zum Atherischen, zum 
Astralischen, zum Ich sich verhalt. Denn nur dann wird 
man durch Einfiigung eines Erdenstoffes in den menschli- 
chen Organismus, oder durch Behandlung mit einer Erden- 
tatigkeit bewirken konnen, dafi die hoheren Glieder der 
Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten konnen, 
oder auch, daft die Erdenstofflichkeit an dem Zugefiigten 
die notige Unterstiitzung findet, um auf den Weg zu kom- 
men, auf dem sie Grundlage wird fur irdisches Wirken des 
Geistigen. 

Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Atherleib, Seele 
(astralischer Leib) und Ich (Geist). Er mufi als Gesunder 
aus diesen Gliedern heraus angeschaut; er mufi als Kr anker 
in dem gestorten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenom- 



men; es miissen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden 
werden, die das gestorte Gleichgewicht wieder herstellen. 

Auf eine medizinische Anschauung, die auf solche 
Grundlagen baut, wird in dieser Schrift hingedeutet. 



II 



WARUM ERKRANKT DER MENSCH? 

Wer iiber die Tatsache nachdenkt, dafi der Mensch krank 
sein kann, der kommt, wenn er rein naturwissenschaftlich 
denken will, in einen Widerspruch hinein, von dem er 
zunachst annehmen mufi, dafi er in dem Wesen des Daseins 
selbst liege. Was im Krankheitsvorgang geschieht, ist, 
obenhin betrachtet, ein Naturprozefi. Was an seiner Stelle 
im gesunden Zustand vorgeht, ist aber auch ein Natur- 
prozeft. 

Naturprozesse kennt man zunachst nur durch die Beob- 
achtung der aufiermenschlichen Welt und durch die Beob- 
achtung des Menschen nur insofern, als man diese genau 
ebenso anstellt wie diejenige der aufteren Natur. Man denkt 
sich dabei den Menschen als ein Stuck der Natur, ein sol- 
ches, in dem die auch aufter ihm zu beobachtenden Vor- 
gange sehr kompliziert sind, aber doch von derselben Art, 
wie diese aufleren Naturprozesse. 

Es entsteht da aber die von diesem Gesichtspunkte aus 
unbeantwortbare Frage: wie entstehen innerhalb des Men- 
schen -vom Tiere soil hier nicht gesprochen werden - Na- 
turprozesse, die den gesunden entgegengesetzt sind? 

Der gesunde menschliche Organismus scheint als ein 
Stuck der Natur begreiflich zu sein; der kranke nicht. Er 
mufi daher aus sich selbst begreiflich sein durch etwas, das 
er nicht von der Natur hat. 

Man stellt sich wohl vor, dafi das Geistige im Menschen 
zur physischen Grundlage einen komplizierten Naturpro- 
zefi wie eine Fortsetzung des aufierhalb des Menschen be- 
findlichen Natiirlichen habe. Aber man sehe doch, ob je- 



mals die im gesunden menschlichen Organismus begriindete 
Fortsetzung eines Naturprozesses das geistige Erleben als 
solches hervorruft? Das Gegenteil ist der Fall. Das geistige 
Erleben wird ausgeloscht, wenn der Naturprozefi sich in 
gerader Linie fortsetzt. Es geschieht dies im Schlafe; es ge- 
schieht in der Ohnmacht. 

Man sehe dagegen, wie das bewufke Geistesleben ver- 
scharft wird, wenn ein Organ erkrankt. Schmerz stellt sich 
ein oder wenigstens Unlust und Unbehagen. Das Gefuhls- 
leben erhalt einen Inhalt, den es sonst nicht hat. Und das 
Willensleben wird beeintrachtigt. Eine Gliedbewegung, die 
sich im gesunden Zustande selbstverstandlich vollzieht, 
kann nicht ausgefuhrt werden, weil sich der Schmerz oder 
die Unlust hemmend entgegenstellen. 

Man beachte den Obergang von der schmerzbegleiteten 
Bewegung eines Gliedes zudessenLahmung. In der schmerz- 
begleiteten Bewegung liegt der Anfang der gelahmten. Das 
aktiv Geistige greift in den Organismus ein. Im gesunden 
Zustande offenbart sich dieses zunachst im Vorstellungs- 
oder Denkleben. Man aktiviert eine Vorstellung; und eine 
Gliedbewegung folgt. Man geht mit der Vorstellung nicht 
bewulk in die organischen Vorgange ein, die zuletzt zur 
Gliedbewegung fiihren. Die Vorstellung taucht in das Un- 
bewufite unter. Zwischen der Vorstellung und der Bewe- 
gung tritt im gesunden Zustande ein Fiihlen ein, das nur see- 
lisch wirkt. Es lehnt sich nicht deutlich an ein korperlich 
Organisches an. Im kranken Zustande ist das aber der Fall. 
Das Fiihlen, das im gesunden Zustande als losgelost von dem 
physischen Organismus erlebt wird, verbindet sich im 
kranken Erleben mit diesem. 

Die Vorgange des gesunden Fiihlens und des kranken Er- 



lebens erscheinen dadurch in ihrer Verwandtschaft. Es mufi 
etwas da sein, das im gesunden Organismus mit diesem nicht 
so intensiv verbunden ist als im kranken. Der geistigen An- 
schauung enthiillt sich dieses als der astralische Leib. Er ist 
eine Ubersinnliche Organisation innerhalb der sinnlichen. Er 
greift entweder lose in ein Organ ein, dann fuhrt er zum 
seelischen Erleben, das fiir sich besteht und nicht in Verbin- 
dung mit dem Korper empfunden wird. Oder er greift in- 
tensiv in ein Organ ein; dann fuhrt er zum Erleben des 
Krankseins. Man mull sich eine der Formen des Krankseins 
in einem Ergreifen des Organismus durch den astralischen 
Leib vorstellen, die den geistigen Menschen tiefer in seinen 
Korper untertauchen Iafit, als dies im gesunden Zustande 
der Fall ist. 

Aber auch das Denken hat seine physische Grundlage 
im Organismus. Es ist im gesunden Zustande nur noch mehr 
von diesem losgelost als das Fiihlen. Die geistige Anschau- 
ung findet aufier dem astralischen Leib noch eine besondere 
Ich-Organisation, die sich seelisch frei im Denken darlebt. 
Taucht mit dieser Ich-Organisation der Mensch intensiv 
in sein Korperhaftes unter, so tritt ein Zustand ein, der die 
Beobachtung des eigenen Organismus derjenigen der Au- 
fienwelt ahnlich macht. - Beobachtet man ein Ding oder 
einen Vorgang der Aufienwelt, so liegt die Tatsache vor, 
daf$ der Gedanke im Menschen und das Beobachtete nicht 
in lebendiger Wechselwirkung stehen, sondern unabhangig 
voneinander sind. Das tritt fiir ein menschliches Glied nur 
dann ein, wenn es gelahmt wird. Dann wird es Aufienwelt. 
Die Ich-Organisation ist nicht mehr lose wie im gesunden 
Zustande mit dem Gliede vereinigt, so da£ sie sich in der 
Bewegung mit ihm verbinden und gleich wieder loslosen 



kann,- sie taucht sich dauernd in das Glied ein und kann sich 
nicht mehr aus ihm zuriickziehen. 

Wieder stellen sich die Vorgange des gesunden Bewegens 
eines Gliedes und die Lahmung in ihrer Verwandtschaf t ne- 
beneinander. Ja, man sieht es deutlich: die gesunde Bewe- 
gung ist eine angefangene Lahmung, die sogleich in ihrem 
Anfange wieder aufgehoben wird. 

Man mull in dem Wesen des Krankseins eine intensive 
Verbindung des astralischen Leibes oder der Ich-Organisa- 
tion mit dem physischen Organismus sehen. Aber diese Ver- 
bindung ist doch nur eine Verstarkung derjenigen, die in 
einer loseren Art im gesunden Zustande vorhanden ist. 
Auch das normale Eingreifen des astralischen Leibes und 
der Ich-Organisation in den menschlichen Korper sind eben 
nicht den gesunden Lebensvorgangen verwandt, sondern 
den kranken. Wirken Geist und Seele, so heben sie die ge- 
wdhnliche Einrichtung des Korpers auf ; sie verwandeln sie 
in eine entgegengesetzte. Aber damit bringen sie den Orga- 
nismus auf einen Weg, bei dem das Kranksein beginnen 
will. Er wird im gewohnlichen Leben sofort nach dem Ent- 
stehen durch eine Selbstheilung reguliert. 

Eine gewisse Form des Krankseins tritt dann ein, wenn 
das Geistige oder Seelische zu weit nach dem Organismus 
vorstofien, so dafi die Selbstheilung entweder gar nicht oder 
nur langsam eintreten kann. 

In der Geist- und Seelenfahigkeit hat man also die Ur- 
sachen des Krankseins zu suchen. Und das Heilen mufi in 
einem Loslosen des Seelischen oder Geistigen von der phy- 
sischen Organisation bestehen. 

Das ist die eine Art des Krankseins, Es gibt noch eine 
andere. Es konnen die Ich-Organisation und der astralische 



Leib abgehalten sein, es zu der losen Verbindung mit dem 
Korperlichen zu bringen, die im gewohnlichen Dasein das 
selbstandige Fiihlen, Denken und Wollen bedingen. Dann 
tritt in den Organen oder Vorgangen, an die Geist und Seele 
nicht heran konnen, eine Fortsetzung der gesunden Vor- 
gange iiber dasjenige Mafi hinaus em, das dem Organismus 
angemessen ist. Und der geistigen Anschauung zeigt sich in 
diesem Falle, dafi dann der physische Organismus doch 
nicht blofi die leblosen Prozesse der aufieren Natur voll- 
bringt. Der physische Organismus ist von einem atherischen 
Organismus durchsetzt. Der blofie physische Organismus 
konnte niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen. 
Ein solcher wird in dem atherischen Organismus angefacht. 
Damit aber wird die Gesundheit als der Zustand erkannt, 
der im atherischen Organismus seinen Ursprung hat. Heilen 
mufi daher in einer Behandlung des atherischen Organismus 
bestehen.* 



Durch ein Vergleichen dessen, was im ersten Kapitel gesagt ist, mit 
dem Inhalt des zweiten wird sich das Verstandnis dessen besonders 
ergeben, was in Betracht kommt. 



Ill 



DIE ERSCHEINUNGEN DES LEBENS 

Man kommt nicht zum Verstandnis des gesunden und kran- 
ken menschlichen Organismus, wenn man sich vorstellt, 
dafi sich die Wirkungsart irgendeines mit der Nahrung auf- 
genommenen Stoffes aus der aufieren Natur in das Innere 
des Organismus einfach fortsetzt. Nicht urn eine solche 
Fortsetzung der Wirkung, die man an dem Stof fe aufierhalb 
des menschlichen Organismus beobachtet, handelt es sich, 
sondern um deren t)berwindung. 

Die Tauschung, als ob im Organismus die Stoffe der 
Aufienwelt in ihrer Eigenart fortwirkten, entsteht dadurch, 
dafi vor der gewohnlichen chemischen Denkungsart das so 
erscheint. Diese gibt sich nach ihren Untersuchungen dem 
Glauben hin, der Wasserstoff z. B. sei im Organismus so 
vorhanden wie in der aufieren Natur, weil er sich in den als 
Nahrungsmittel eingenommenen Speisen und Getranken, 
und dann wieder in den Ausscheidungsprodukten : Luft, 
Schweifi, Urin, Faeces und in den Absonderungen, z. B. 
Galle, findet. 

Man empfindet heute keine Notwendigkeit zu fragen, 
was mit dem als Wasserstoff vor dem Eintritt in den Or- 
ganismus und nach dem Austritt Erscheinenden, im Or- 
ganismus vorgegangen ist. 

Man fragt nicht: was macht das als Wasserstoff Erschei- 
nende im Organismus durch? 

Man wird sogleich gedrangt, wenn man diese Frage auf- 
wirft, die Aufmerksamkeit auf den Unterschied zwischen 
dem schlafenden und dem wachenden Organismus zu len- 
ken. Im schlafenden Organismus bildet dessen stoffliche 



Wesenheit keine Grundlage zur Entfaltung der bewulken 
und selbstbewufken Erlebnisse. Aber sie bildet doch eine 
Grundlage zur Entfaltung des Lebens. In dieser Beziehung 
unterscheidet sich der schlafende von dem toten Organis- 
mus. In diesem ist die stoffliche Grundlage nicht mehr eine 
solche des Lebens. So lange man diesen Unterschied nur in 
der verschiedenen Zusammensetzung der Stoffe beim toten 
und lebenden Organismus sieht, wird man mit dem Ver- 
standnis nicht weiterkommen. 

Es hat vor fast einem halben Jahrhundert der bedeutende 
Physiologe Du Bois-Reymond darauf hingewiesen, dafi man 
aus den Stoffwirkungen nie das Bewulksein erklaren konne. 
Er hat gesagt, nie und nimmer werde man einsehen, warum 
es einer bestimmten Anzahl von Kohlenstoff-, Sauerstoff-, 
Stickstoff- und Wasserstoffatomen nicht sollte gleichgiiltig 
sein, wie sie liegen, wie sie lagen und liegen werden, und 
warum sie durch diese ihre Lageveranderung in dem Men- 
schen die Empfindung hervorbringen: ich sehe rot; ich 
rieche Rosenduft. Weil das so ist, meinte Du Bois-Reymond, 
konne die naturwissenschaftliche Denkart den wachenden, 
von Empfindungen erfiillten Menschen nie erklaren, son- 
dern nur den schlafenden. 

Er gab sich mit dieser Ansicht einer Illusion hin. Er 
glaubte, aus der Wirkungsart der Stoffe ergaben sich zwar 
nicht die Bewufitseins-Erscheinungen, wohl aber die des Le- 
bens. In "Wirklichkeit mufi man aber ebenso wie Du Bois- 
Reymond fur die Bewufitseins-Erscheinungen fur die des 
Lebens sagen: Warum sollte es einer Anzahl von Kohlen- 
stoff-, Sauerstoff-, Wasserstoff- und Stickstoffatomen bei- 
kommen, durch die Art, wie sie lagen, wie sie liegen, wie sie 
liegen werden, dieErscheinung des Lebens hervorzubringen? 



Die Beobachtung zeigt doch, da£ die Lebenserscheinun- 
gen eine ganz andere Orientierung haben als die im Leb- 
losen verlaufenden. Fiir die letzteren wird man sagen kon- 
nen: sie zeigen sich von Kraften beherrscht, die vom Wesen 
des Stoffes ausstrahlen, vom - relativen - Mittelpunkt nach 
der Peripherie hin. Die Lebenserscheinungen zeigen den 
Stoff von Kraften beherrscht, die von aufien nach innen 
wirken, gegen den - relativen - Mittelpunkt zu. Beim Uber- 
gange ins Leben mufi sich der Stoff den ausstrahlenden 
Kraften entziehen und sich den einstrahlenden fiigen. 

Nun hat ein jeglicher Erdenstoff und auch Erdenvor- 
gang seine ausstrahlenden Krafte von der Erde und in Ge- 
meinschaft mit ihr. Er ist ein solcher Stoff, wie ihn die Che- 
mie betrachtet, nur als ein Bestandteil des Erdenkorpers. 
Kommt er zum Leben, so mulS er aufhoren, ein blofter Er- 
denteil zu sein. Er tritt aus der Gemeinschaft mit der Erde 
heraus. Er wird einbezogen in die Krafte, die vom Aufter- 
irdischen nach der Erde von alien Seiten einstrahlen. Sieht 
man einen Stoff oder Vorgang als Leben sich entfalten, so 
mufi man sich vorstellen, er entziehe sich den Kraften, die 
wie vom Mittelpunkte der Erde auf ihn wirken, und er 
komme in den Bereich von anderen, die keinen Mittelpunkt, 
sondern einen Umkreis haben. 

Von alien Seiten wirken sie heran, diese Krafte, wie nach 
dem Mittelpunkte der Erde hin strebend. Sie mufiten das 
Stoff liche des Erdenbereichs vollig gestaltlos auf losen, zer- 
reiften, wenn sich nicht in diesen Krafteraum die Wirkun- 
gen der aufierirdischen Himmelskorper mischten, die die 
Auflosung modifizieren. An der Pflanze kann man beob- 
achten, was in Betracht kommt. Die Stof fe der Erde werden 
in den Pflanzen aus dem Bereich der Erdenwirkungen her- 



ausgehoben. Sie streben in das Formlose. Diesen Obergang 
in das Formlose modifizieren die Sonnenwirkungen und 
Ahnliches aus dem Weltenraume. Wirkt das nicht, oder an- 
ders z. B. in der Nacht, dann regen sich in den Stoffen wie- 
der die Krafte, die sie aus der Erdengemeinschaft haben. 
Und aus dem Zusammenwirken der irdischen und kosmi- 
schen Krafte entsteht das Pf lanzenwesen. Faftt man den Be- 
reich alles dessen, was die Stoffe an Kraftewirkungen unter 
Erdeneinflufi entfalten, als das Physische zusammen, so 
wird man die ganz anders gearteten Krafte, die nicht von 
der Erde ausstrahlend, sondern in sie einstrahlend sind, mit 
einem das Andersartige ausdruckenden Namen bezeichnen 
miissen. Wir finden dasjenige in der menschlichen Organi- 
sation hier von einer andern Seite, auf das wir von der einen 
Seite schon im vorigen Kapitel hingewiesen haben. Im Ein~ 
klange mit einem alteren Gebrauch, der unter dem Einflufi 
der neueren, physikalisch orientierten Denkungsart in Ver- 
wirrung gekommen ist, haben wir bereits diesen Teil des 
menschlichen Organismus als das Atherische bezeichnet. 
Man wird sagen miissen: im Pflanzlichen, das heifk in dem 
als lebend Erscheinenden, waltet das Atherische. 

Insofern der Mensch ein lebendes Wesen ist, waltet die- 
ses Atherische auch in ihm. Aber es tritt doch auch in Bezug 
auf die blofien Lebenserscheinungen ein bedeutsamer Unter- 
schied gegemiber dem Pflanzlichen auf. Die Pflanze lafk in 
sich das Physische walten, wenn das Atherische aus dem 
Weltenraum seine Wirksamkeit nicht mehr entfaltet, wie 
das in der Nacht der Fall ist, wo der Sonnenather aufhort 
zu wirken. Das Menschen wesen lafk in seinem Korper das 
Physische erst im Tode walten. Im Schlafe entschwinden 
die Bewufitseins- und Selbstbewufitseins-Erscheinungen; die 



Lebenserscheinungen aber bleiben bestehen, auch wenn der 
Sonnenather im Weltenraum nicht wirkt. Die Pflanze 
nimmt fortdauernd wahrend ihres Lebens die auf die Erde 
einstrahlenden Atherkrafte in sich auf. Der Mensch tragt sie 
aber schon von seiner Embryonalzeit an individualisiert in 
sich. Was so die Pflanze aus der Welt erhalt, entnimmt der 
Mensch wahrend seines Lebens aus sich, weil er es schon im 
Leibe der Mutter zur Fortentwicklung erhalten hat. Eine 
Kraft, die eigentlich ursprunglich kosmisch ist, zur auf die 
Erde einstrahlenden Wirkung bestimmt, wirkt aus der 
Lunge oder Leber heraus. Sie hat eine Metamorphose ihrer 
Richtung vollzogen. 

Man wird deshalb sagen mussen, der Mensch tragt das 
Atherische in einer individualisierten Art in sich. So wie er 
das Physische in der individualisierten Gestalt seines phy- 
sischen Leibes und seiner Leibesorgane an sich tragt, ebenso 
das Atherische. Er hat seinen besonderen Atherleib wie sei- 
nen besonderen physischen Leib. Im Schlafe bleibt dieser 
Atherleib mit dem physischen Leibe verbunden und gibt 
diesem das Leben; nur im Tode lost er sich von ihm. 



IV 



VON DEM WESEN DES EMPFINDENDEN 

ORGANISMUS 

Die Pflanzengestalt und Pflanzenorganisation ist ein aus- 
schlieflliches Ergebnis der beiden Kraftebereiche: des aus 
der Erde ausstrahlenden und des in sie einstrahlenden; die 
tierische und menschliche nicht ein ausschliefiliches. Ein 
Pflanzenblatt steht unter dem ausschliefilichen Einflufi die- 
ser beiden Kraftebereiche; die tierische Lunge steht auch 
unter deren Einf lufi, aber nicht ausschliefilich. Fur das Blatt 
liegen alle gestaltenden Krafte in diesen Bereichen; fiir die 
Lunge gibt es solche aufierhalb derselben. Das gilt sowohl 
fur diejenigen gestaltenden Krafte, die die Aufienform ge- 
ben, als auch fiir diejenigen, die die innere Bewegung des 
Substantiellen regeln, diesem eine gewisse Richtung geben 
und es verbinden oder trennen. 

Man kann sagen, den Stoffen, welche die Pflanze auf- 
nimmt, bleibt es dadurch, dafi sie in den Bereich der auf die 
Erde einstrahlenden Krafte gelangen, nicht gleichgiiltig, ob 
sie leben oder nicht leben. Sie sind innerhalb der Pflanze 
leblos, wenn die Krafte des Umkreises nicht auf sie wirken; 
sie geraten in das Leben, wenn sie unter den Einflufi dieser 
Krafte kommen. 

Aber es ist der Pflanzensubstanz auch als lebende gleich- 
giiltig, wie ihre Glieder lagen, liegen und liegen werden in 
Bezug auf ihre eigene Betatigung. Sie uberlassen sich der 
Betatigung der aus- und einstrahlenden Auftenkrafte. Die 
tierische Substanz kommt in Wirkungen, die von diesen 
Kraften unabhangig sind. Sie bewegt sich innerhalb des Or- 
ganismus, oder sie bewegt sich als ganzer Organismus so, 



dafi diese Bewegungen nicht aus den aus- und einstrahlen- 
den Kraften allein folgen. Es entsteht dadurch die tierische 
Gestaltung unabhangig von den Bereichen der von der Erde 
aus- und in sie einstrahlenden Krafte. 

Bei der Pflanze ergibt sich durch das gekennzeichnete 
Kraftespiel ein Wechsel zwischen einem Eingeschaltetsein 
in die einstrahlenden Krafte des Umkreises und einem Aus- 
geschaltetsein. Das Pflanzenwesen zerf allt dadurch in zwei 
Glieder. Das eine zielt nach dem Leben hin, es steht ganz im 
Bereich des Umkreises; es sind die sprossenden, Wachstum-, 
Bliiten-tragenden Organe. Das andere zielt nach dem Leb- 
losen, es verbleibt im Bereiche der ausstrahlenden Krafte, es 
umfafit alles, was das Wachstum verhartet, dem Leben 
Stiitze gibt usw. Zwischen diesen beiden Gliedern entziin- 
det sich und erloscht das Leben; und das Sterben der 
Pflanze ist nur das Oberhandnehmen der Wirkungen von 
seiten der ausstrahlenden gegenuber den einstrahlenden 
Kraften. 

Beim Tiere wird etwas von dem Substantiellen ganz aus 
dem Bereiche der beiden Kraftegebiete herausgezogen. Da- 
durch entsteht noch eine andere Gliederung als bei der 
Pflanze. Es entstehen Organbildungen, die im Bereiche der 
beiden Kraftegebiete verbleiben, und solche, die sich aus 
ihnen herausheben. Es ergeben sich Wechselwirkungen zwi- 
schen den beiden Organbildungen. Und in diesen Wech- 
selwirkungen liegt die Ursache, dafi die tierische Substanz 
Trager der Empfindung sein kann. Eine Folge davon ist die 
Verschiedenheit im Aussehen, in der Beschaffenheit der 
tierischen Substanz gegenuber der pflanzlichen. 

Man hat im tierischen Organismus einen Kraftebereich, 
der gegenuber dem von der Erde ausstrahlenden und in sie 



einstrahlenden unabhangig ist. Es ist der astralische Krafte- 
bereich aufier dem physischen und atherischen noch da, von 
dem, von anderem Gesichtspunkte aus, schon gesprochen 
ist. Man braucht sich an dem Ausdrucke «astralisch» nicht 
zu stofien. Die ausstrahlenden Krafte sind die irdischen, die 
einstrahlenden diejenigen des Welt-Umkreises der Erde; in 
den «astralischen» ist etwas vorhanden, das den beiden 
Kraftearten iibergeordnet ist. Dies macht die Erde selbst 
erst zum Weltenkorper, zum « Stern » (astrum). Durch die 
physischen Krafte sondert sie sich aus dem Weltall heraus, 
durch die atherischen lafit sie dieses auf sich wirken; durch 
die «astralischen» Krafte wird sie eine selbstandige Indivi- 
dualist im Weltall. 

Das « Astralische» ist im tierischen Organismus eine selb- 
standige, in sich abgeschlossene Gliederung wie der athe- 
rische und der physische Organismus. Man kann deshalb 
von dieser Gliederung als von dem «astralischen Leib» spre- 
chen. 

Man kann die tierische Organisation nur verstehen, wenn 
man die Wechselbeziehungen zwischen dem physischen, 
dem atherischen und dem astralischen Leib ins Auge fafit. 
Denn alle drei sind selbstandig als Glieder der tierischen 
Organisation vorhanden; und alle drei sind auch verschie- 
den von dem, was aufier ihnen an leblosen (mineralischen) 
Korpern und an pflanzlich belebten Organismen vorhan- 
den ist. 

Der tierische physische Organismus kann zwar als leblos 
angesprochen werden; aber er unterscheidet sich von dem 
Mineralisch-Leblosen. Er wird zuerst durch den atherischen 
und astralischen Organismus dem Mineralischen entfrem- 
det, und dann wieder, durch Zuriickziehen der atherischen 



und astralischen Krafte dem Leblosen zuriickgegeben. Er 
ist ein Gebilde, an dem die im Mineralischen, im blofien 
Erdenbereiche, wirksamen Krafte nur zerstorend sich beta- 
tigen konnen. Er kann dem tierischen Gesamtorganismus 
nur so lange dienen, als die atherischen und astralischen 
Krafte das Obergewicht haben iiber das zerstorende Ein- 
greifen der mineralischen. 

Der tierische atherische Organismus lebt wie der pf lanz- 
liche, aber nicht in der gleichen Art. Das Leben ist durch die 
astralischen Krafte in einen sich selbst f remden Zustand ge- 
bracht; es ist aus den auf die Erde einstrahlenden Kraften 
herausgerissen und dann wieder in deren Bereich versetzt 
worden. Der atherische Organismus ist ein Gebilde, in dem 
die blofi pflanzlichen Krafte ein fiir die tierische Organi- 
sation zu dumpfes Dasein haben. Er kann dem tierischen 
Gesamtorganismus nur dadurch dienen, dafi die astralischen 
Krafte seine Wirkungsweise aufhellen. Gewinnt er die 
Oberhand im Wirken, so tritt der Schlaf ein; gewinnt der 
astralische Organismus die Oberhand, so ist das Wachen 
vorhanden. 

Beides, Schlafen und Wachen, darf nicht iiber eine ge- 
wisse Grenze der Wirksamkeit hinausgehen. Geschahe das 
mit dem Schlafen, so wiirde in dem Gesamtorganismus das 
Pflanzliche zum Mineralischen hinneigen; es entstiinde als 
krankhafter Zustand ein Uberwuchern des Pflanzlichen. 
Geschahe es mit dem Wachen, so miifite sich das Pflanz- 
liche von dem Mineralischen ganz entf remden; dieses wiirde 
in dem Organismus Formen annehmen, die nicht die seini- 
gen, sondern die des aufierorganischen Leblosen waren. Es 
bildete sich ein krankhafter Zustand durch Oberwuchern 
des Mineralischen. 



In alle drei Organismen, den physischen, atherischen, 
astralischen, dringt die physische Substanz von aufien ein. 
Alle drei miissen in ihrer Weise die Eigenart des Physischen 
iiberwinden. Dadurch entsteht eine Dreiheit der Organ- 
gliederung. Die physische Organisation bildet Organe, die 
durch die atherische und astralische Organisation hindurch- 
gegangen, die aber wieder auf dem RUckwege zu deren Be- 
reich sind. Ganz angekommen in deren Bereich konnen sie 
nicht sein; denn das miifite den Tod des Organismus zur 
Folge haben. 

Der atherische Organismus bildet Organe, die durch die 
astralische Organisation hindurchgegangen sind, die aber 
sich dieser immer wieder zu entziehen streben; sie haben in 
sich die Kraft zur Dumpfheit des Schlafes; sie neigen dazu, 
das blofi vegetative Leben zu entfalten. 

Der astralische Organismus bildet Organe, die das vege- 
tative Leben sich entfremden. Sie konnen nur bestehen, 
wenn dieses vegetative Leben sie selbst immer wieder er- 
greift. Denn da sie keine Verwandtschaft weder mit den 
von der Erde aus-, noch auf diese einstrahlenden Kraften 
haben, miifiten sie aus dem Bereich des Irdischen ganz her- 
ausfallen, wenn sie nicht immer wieder von diesem ergrif- 
fen wiirden. Es mufi ein rhythmisches Wechselwirken des 
tierischen und pflanzlichen in diesen Organen stattfinden. 
Das bedingt die Wechselzustande von Schlafen und Wa- 
chen. Im Schlafen sind auch die Organe der astralischen 
Kraf te in der Dumpfheit des pflanzlichen Lebens. Sie iiben 
da keine Wirkung auf das atherische und physische Gebiet. 
Die sind dann ganz den von der Erde aus- und in sie ein- 
strahlenden Kraftebereichen uberlassen. 



V 



PFLANZE, TIER, MENSCH 

In dem astralischen Leibe ersteht die tierische Gestaltung 
nach aufien als ganze Gestalt und nach innen als Gestal- 
tung der Organe. Und die empfindende tierische Substanz 
ist ein Ergebnis dieses gestaltenden astralischen Leibes. 
Wird diese Gestaltung bis zu ihrem Ende gefuhrt, so bildet 
sich das Tierische. 

Beim Menschen wird sie nicht zu Ende gefuhrt. Sie wird 
in einem gewissen Punkte ihres Weges aufgehalten, ge- 
hemmt. 

In der Pflanze ist die Substanz vorhanden, die durch die 
auf die Erde einstrahlenden Krafte verwandelt wird. Das 
ist die lebende Substanz. Sie steht in Wechselwirkung mit 
der leblosen Substanz. Man hat sich vorzustellen, dafi im 
Pflanzenwesen fortdauernd aus der leblosen Substanz diese 
lebende herausgesondert wird. In ihr erscheint die Pflan- 
zengestalt als das Ergebnis der auf die Erde einstrahlenden 
Krafte. Das ergibt einen Substanzstrom. Lebloses wandelt 
sich in Lebendes; Lebendiges wandelt sich in Lebloses. In 
diesem Strom entstehen die pflanzlichen Organe. 

Beim Tiere entsteht die empfindende Substanz aus der 
lebendigen, wie bei der Pflanze die lebendige aus der leb- 
losen. Es ist ein zweifacher Substanzstrom vorhanden. Das 
Leben wird innerhalb des Atherischen nicht bis zum gestal- 
teten Leben gebracht. Es wird im Flusse erhalten; und die 
Gestaltung schiebt sich durch die astralische Organisation 
in das flieSende Leben hinein. 

Beim Menschen wird auch dieser Vorgang im Flusse 
erhalten. Die empfindende Substanz wird in den Bereich 



einer weiteren Organisation hineingezogen. Man kann diese 
die Ich-Organisation nennen. Die empfindende Substanz 
wandelt sich noch einmal. Es entsteht ein dreifacher Sub- 
stanzstrom. In diesem ersteht die menschliche innere und 
aufiere Gestalt. Dadurch wird sie zum Trager des selbst- 
bewufken Geisteslebens. Bis in die kleinsten Teile seiner 
Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein 
Ergebnis dieser Ich-Organisation. 

Man kann nun diese Gestaltung nach ihrer Substanzseite 
hin verfolgen. Bei Umwandlung der Substanz von der einen 
Stufe zur anderen hin erscheint die Substanz als eine Abson- 
derung der oberen Stufe von der unteren und ein Aufbauen 
der Gestalt aus der abgesonderten Substanz. Bei der Pf lanze 
wird aus der leblosen Substanz die lebendige abgesondert. 
In dieser abgesonderten Substanz wirken die auf die Erde 
einstrahlenden, die atherischen Krafte, als gestaltbildende. 
Zunachst findet nicht eine eigentliche Absonderung, son- 
dern eine vollige Umwandlung der physischen Substanz 
durch die atherischen Krafte statt. Das ist aber nur der Fall 
in der Samenbildung. Bei ihr kann diese vollige Umwand- 
lung stattfinden, weil der Same durch die ihn umhullende 
Mutterorganisation vor der Einwirkung der physischen 
Krafte geschiitzt wird. Befreit sich die Samenbildung von 
der Mutterorganisation, so gliedert sich die Kraftewirkung 
der Pflanze in eine solche, in der die Substanzbildung nach 
dem Bereich des Atherischen hinstrebt und in eine andere, 
in der sie wieder nach der physischen Bildung hinstrebt. Es 
entstehen Glieder des Pflanzenwesens, die auf dem Wege 
des Lebens sind und solche, die dem Absterben zustreben. 
Diese erscheinen als die Ausscheidungsglieder des Pflan- 
zenorganismus. In der Rindenbildung des Baumes kann 



man diese Ausscheidung als an einem besonders charakte- 
ristischen Beispiele beobachten. 

Beim Tier ist eine zweif ache Absonderung und auch eine 
zweif ache Ausscheidung im Gange. Zu der pflanzlichen, 
die nicht zum Abschlusse gebracht wird, sondern im Flusse 
erhalten wird, tritt die Verwandlung der lebenden Substanz 
in empfindende hinzu. Diese sondert sich von der blofi le- 
benden ab. Man hat es mit einer nach dem empfindenden 
Wesen hinstrebenden und einer von ihm ab-, zum blofien 
Leben hinstrebenden Substanz zu tun. 

Aber es kommt im Organismus zu einer Wechselwirkung 
aller seiner Glieder. Deshalb ist auch die Ausscheidung nach 
dem Leblosen hin, die sich bei der Pflanze sehr stark dem 
aufierlich Leblosen, dem Mineralischen nahert, noch weit 
von diesem Mineralischen entfernt. Was in der Rindenbil- 
dung der Pflanze als Substanzbildung auf tritt, die auf dem 
Wege zum Mineralischen hin ist und sich ablost, je mehr sie 
mineralisch wird, das erscheint im Tierischen als Ausschei- 
dungsprodukte der Verdauung. Es ist weiter von dem Mi- 
neralischen entfernt als die pflanzliche Abscheidung. 

Beim Menschen wird aus der empfindenden Substanz 
diejenige abgesondert, die dann Trager des selbstbewufiten 
Geistes wird. Aber es wird auch fortwahrend eine Abschei- 
dung bewirkt, indem eine Substanz entsteht, die nach der 
blofien Empfindungsfahigkeit hinstrebt. Das Tierische ist 
innerhalb des menschlichen Organismus als eine fort- 
dauernde Ausscheidung vorhanden. 

Im wachenden Zustande des tierischen Organismus stent 
Absonderung und Gestaltung des Abgesonderten, sowie 
auch Abscheidung der empfindenden Substanz unter dem 
Einflufi der astralischen Tatigkeit. Beim Menschen kommt 



dazu noch die Tatigkeit des Ich-Organismus. Im Schlafe 
sind astralischer und Ich-Organismus nicht unmittelbar ta- 
tig. Aber die Substanz ist von dieser Tatigkeit ergriffen und 
setzt sie wie durch ein Beharrungsstreben fort. Eine Sub- 
stanz, die einmal innerlich so durchgestaltet ist, wie es von 
seiten der astralischen und der Ich-Organisation geschieht, 
die wirkt dann auch wahrend des schlafenden Zustandes im 
Sinne dieser Organisationen, gewissermafien im Sinne eines 
Beharrungsvermogens fort. 

Man kann also beim schlafenden Menschen nicht von 
einer blofi vegetativen Betatigung des Organismus spre- 
chen. Die astralische und die Ich-Organisation wirken in 
der von ihr gestalteten Substanz auch in diesem Zustande 
weiter. Der Unterschied zwischen Schlaf en und Wachen ist 
nicht ein solcher, in dem menschlich-animalische und vege- 
tativ-physische Betatigung abwechseln. Der Tatbestand ist 
ein vollig anderer. Die empf indende Substanz und diejenige, 
welche den selbstbewulken Geist tragen kann, werden beim 
Wachen aus dem Gesamtorganismus herausgehoben und in 
den Dienst des astralischen Leibes und der Ich-Organisation 
gestellt. Der physische und der atherische Organismus miis- 
sen dann so sich betatigen, dafi in ihnen nur die von der 
Erde ausstrahlenden und in sie einstrahlenden Krafte wir- 
ken. In dieser Wirkungsweise werden sie nur von auften 
durch den astralischen Leib und die Ich-Organisation er- 
griffen. Im Schlafe aber werden sie innerlich von den Sub- 
stanzen ergriffen, die unter dem Einflufi des astralischen 
Leibes und der Ich-Organisation entstehen; wahrend auf 
den schlafenden Menschen aus dem Weltall nur die von der 
Erde ausstrahlenden und auf sie einstrahlenden Krafte wir- 
ken, sind an ihm von innen die Substanzkrafte tatig, die 



von dem astralischen Leib und der Ich-Organisation berei- 
tet werden. 

Wenn man die empf indende Substanz den Rest des astra- 
lischen Leibes und die unter dem Einflufi der Ich-Organi- 
sation entstandene der en Rest nennt, so kann man sagen: 
im wachenden menschlichen Organismus sind der astra- 
lische Leib und die Ich-Organisation selbst, im schlafen- 
den sind deren substantielle Reste tatig. 

Wachend lebt der Mensch in einer Betatigung, welche 
ihn mit der Aufienwelt durch seinen astralischen Leib und 
durch seine Ich-Organisation in Verbindung setzt; schla- 
fend leben sein physischer und sein atherischer Organis- 
mus von dem, was die Reste dieser beiden Organisationen 
substantiell geworden sind. Eine Substanz, die wie der 
Sauerstoff durch das Atmen sowohl im schlafenden wie im 
wachenden Zustande aufgenommen wird, mufi daher in 
ihrer Wirksamkeit nach diesen beiden Zustanden hin unter- 
schieden werden. Der von aufien aufgenommene Sauerstoff 
wirkt durch seine Eigenart einschlafernd, nicht aufwek- 
kend. Vermehrte Sauerstoffaufnahme schlafert in abnor- 
mer Art ein. Der astralische Leib bekampft fortdauernd 
im Wachen die einschlafernde Wirkung der Sauerstoffauf- 
nahme. Stellt der astralische Leib seine Wirkung auf den 
physischen ein, so entfaltet der Sauerstoff seine Eigenart: er 
schlafert ein. 



VI 



BLUT UND NERV 

In besonders eindrucksvoller Art finden sich die Tatigkei- 
ten der einzelnen menschlichen Organismen in bezug auf 
den Gesamtorganismus bei der Blut- und Nervenbildung. 
Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenom- 
menen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbil- 
dungsvorgang unter dem Einflufi der Ich-Organisation. Die 
Ich-Organisation wirkt von den Vorgangen, die in Beglei- 
tung bewulker Empfindung - in der Zunge, im Gaumen - 
vor sich gehen bis in die unbewufken und unterbewuftten 
Vorgange hinein - in Pepsin-, Pankreas-, Gallenwirkung 
usw. ~ Dann tritt die Wirkung der Ich-Organisation zuriick, 
und es ist bei der weiteren Umwandlung der Nahrungs- 
substanz in Blutsubstanz vorziiglich der astralische Leib 
tatig. Das geht so weiter, bis sich das Blut mit der Luft - 
mit dem Sauerstoff - im Atmungsprozeft begegnet. An 
dieser Stelle vollzieht der Atherleib seine Haupttatigkeit. 
In der im Ausatmen begriffenen Kohlensaure hat man es, 
bevor sie den Korper verlassen hat, mit vorzugsweise nur 
lebender - nicht empfindender und nicht toter - Substanz 
zu tun. (Lebend ist alles, was die Tatigkeit des Atherleibes 
in sich tragt.) Von dieser lebenden Kohlensaure geht die 
Hauptmasse aus dem Organismus fort; ein kleiner Teil aber 
wirkt noch weiter im Organismus in die Vorgange hin- 
ein, die in der Kopforganisation ihren Mittelpunkt ha- 
ben. Dieser Teil zeigt eine starke Neigung, ins Leblose, 
Unorganische iiberzugehen, obgleich er nicht ganz leblos 
wird. 

Im Nervensystem liegt das Entgegengesetzte vor. Im 



sympathischen Nervensystem, das die Verdauungsorgane 
durchsetzt, waltet vornehmlich der atherische Leib. Die 
Nervenorgane, die da in Betracht kommen, sind von sich 
aus vorziiglich nur lebende Organe. Die astralische und die 
Ich-Organisation wirken auf sie nicht innerlich organisie- 
rend, sondern von aufien. Daher ist der Einflufi der in die- 
sen Nervenorganen wirksamen Ich- und astralischen Orga- 
nisation ein starker. Affekte und Leidenschaften haben eine 
dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. 
Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem ailmahlich 
zugrunde. 

Das RUckenmarks-Nervensystem mit alien seinen Ver- 
zweigungen ist dasjenige, in welches die astralische Organi- 
sation vorziiglich eingreift. Es ist daher der Trager dessen, 
was im Menschen seelisch ist, der Reflexvorgange, nicht 
aber dessen, was im Ich, in dem selbstbewufiten Geiste 
vorgeht. 

Die eigentHchen Gehirnnerven sind diejenigen, die der 
Ich-Organisation unterliegen. Bei ihnen treten die Tatig- 
keiten der atherischen und astralischen Organisation zu- 
riick. 

Man sieht, im Bereiche des Gesamtorganismus entstehen 
dadurch drei Gebiete. In einem unteren wirken die inner- 
lich vorzugsweise vom atherischen Organismus durchwirk- 
ten Nerven mit der Blutsubstanz zusammen, die vornehm- 
lich der Tatigkeit der Ich-Organisation unterliegt. In die- 
sem Gebiete liegt wahrend der embryonalen und nachem- 
bryonalen Entwicklungsepoche der Ausgangspunkt fur alle 
Organbildungen, die mit der inneren Belebung des mensch- 
lichen Organismus zusammenhangen. Wahrend der Em- 
bryonalbildung wird dieses dann noch schwache Gebiet von 



dem umgebenden Mutterorganismus mit den belebenden 
und bildenden Einfliissen versorgt. Es kommt dann ein 
mittleres Gebiet in Betracht, in dem Nervenorgane, die 
von der astralischen Organisation beeinflufit sind, zusam- 
menwirken mit Blutvorgangen, die ebenfalls von dieser 
astralischen Organisation und in ihrem oberen Teil von der 
atherischen abhangig sind. Hier liegt wahrend der Bildungs- 
periode des Menschen der Ausgangspunkt fur die Entste- 
hung der Organe, welche die aufkre und innere Beweglich- 
keit vermitteln, z. B. fiir alle Muskelbildung, aber auch 
fiir alle Organe, die nicht eigentliche Muskeln sind und die 
doch die Beweglichkeit verursachen. - Ein oberes Gebiet 
ist dasjenige, wo die unter dem innerlich-organisierenden 
Ich stehenden Nerven zusammenwirken mit den Blutvor- 
gangen, die eine starke Neigung dazu haben, ins Leblose, 
Mineralische iiberzugehen. Wahrend der Bildungsepoche 
des Menschen liegt hier der Ausgangspunkt fiir die Kno- 
chenbildung und fiir alles andere, das dem menschlichen 
Korper als Stiitzorgan dient. 

Man wird das Gehirn des Menschen nur begreifen, wenn 
man in ihm die knochenbildende Tendenz sehen kann, die 
im allerersten Entstehen unterbrochen wird. Und man 
durchschaut die Knochenbildung nur dann, wenn man in 
ihr eine vollig zu Ende gekommene Gehirn-Impulswirkung 
erkennt, die von aufSen von den Impulsen des mittleren Or- 
ganismus durchzogen wird, wo astralisch bedingte Nerven- 
organe mit atherisch bedingter Blutsubstanz zusammen ta- 
tig sind. In der Knochenasche, die mit der ihr eigenen Ge- 
staltung zuriickbleibt, wenn man den Knochen durch Ver- 
brennung behandelt, sind die Ergebnisse des obersten Ge- 
bietes der Menschenorganisation vorhanden. In der Knor- 



pelsubstanz, die iibrig bleibt, wenn man den Knochen der 
Wirkung verdiinnter SaJzsaure unterwirft, hat man das Er- 
gebnis der Impulse des mittleren Gebietes. 

Das Skelett ist das physische Bild der Ich-Organisation. 
Die nach dem Leblos-Mineralischen hinstrebende mensch- 
lich-organische Substanz unterliegt in der Knochenentste- 
hung ganz der Ich-Organisation. Im Gehirn ist das Ich als 
geistige Wesenheit tatig. Seine formbildende, ins Physische 
hinein wirkende Kraft wird aber da ganz vom atherischen 
Organisieren, ja von den Eigenkraften des Physischen 
iiberwaltigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des 
Ich nur leise zugrunde; sie geht im Lebendigen und in den 
physischen Eigenwirkungen unter. Gerade das ist der 
Grund, warum das Gehirn der Trager der geistigen Ich- 
Wirkung ist, dafi die organisch-physische Betatigung da von 
der Ich-Organisation nicht in Anspruch genommen wird, 
diese daher als solche vollig frei sich betatigen kann. Das 
Knochenskelett dagegen ist zwar das vollkommene physi- 
sche Bild der Ich-Organisation; diese aber erschopft sich in 
dem physischen Organisieren, so da£ von ihr als geistige 
Betatigung nichts mehr ubrigbleibt. Die Vorgange in den 
Knochen sind daher die am meisten unbewufken. 

Die Kohlensaure, die mit dem Atmungsprozefi nach au- 
fien gestofien wird, ist innerhalb des Organismus noch le- 
bende Substanz; sie wird von der in dem mittleren Nerven- 
system verankerten astralischen Tatigkeit ergriffen und 
nach aufien ausgeschieden. Der Teil der Kohlensaure, der 
mit dem Stoffwechsel nach dem Kopfe geht, wird da durch 
die Verbindung mit dem Kalzium geneigt gemacht, in die 
Wirkungen der Ich-Organisation einzutreten. Es wird da- 
durch der kohlensaure Kalk unter dem Einflufi der von der 



Ich-Organisation innerlich impulsierten Kopfnerven auf 
den Weg zur Knochenbildung getrieben. 

Die aus den Nahrungssubstanzen entstehenden Stoffe: 
Myosin und Myogen haben die Tendenz, sich im Blute ab- 
zusetzen; sie sind zunachst astralisch bedingte Substanzen, 
die mit dem Sympathikus in Wechselwirkung stehen, der 
innerlich vom atherischen Leib organisiert ist. Diese beiden 
Eiweifistoffe werden aber audi zum Teil ergriffen von der 
Betatigung des mittleren Nervensystems, das unter dem 
Einflufi des astralischen Leibes steht. Dadurch gehen sie 
eine Verwandtschaft ein mit Zersetzungsprodukten des Ei- 
weifies, mit Fetten, mit Zucker und zuckerahnlichen Sub- 
stanzen. Das befahigt sie, unter dem Einflufi des mittleren 
Nervensystems auf den Weg in die Muskelbildung zu kom- 
men. 



VII 



DAS WE SEN DER HEILWIRKUNGEN 

Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich ab- 
geschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgangen. 
Ware sie das, sie konnte nicht der Trager des Seelischen und 
Geistigen sein. Dieses kann den Menschenorganismus nur da- 
durch zur Grundlage haben, dafi er in der Nerven- und Kno- 
chensubstanz und in den Vorgangen, in welche diese Sub- 
stanzen eingegliedert sind, fortwahrend zerfallt oder sich 
auf den Weg der leblosen, mineralischen Tatigkeit begibt. 

In dem Nervengewebe zerfallt die Eiweifisubstanz. Aber 
sie wird in diesem Gewebe nicht wie im Eikeim, oder in an- 
deren Gebilden dadurch wieder aufgebaut, dafi sie in den 
Bereich der auf die Erde einstrahlenden Wirkungen gelangt, 
sondern sie zerfallt einfach. Dadurch konnen die Atherwir- 
kungen, die von den Dingen und Vorgangen der aufteren 
Umgebung durch die Sinne einstrahlen, und diejenigen, die 
sich bilden, indem die Bewegungsorgane gebraucht werden, 
die Nerven als Organe beniitzen, langs welcher sie sich 
durch den ganzen Korper fortleiten. 

Es gibt in den Nerven zweierlei Vorgange: das Zer fallen 
der Eiweifisubstanz und das Durchstromen dieser zerf allen- 
den Substanz mit Athersubstanz, die zu ihrer Stromung 
durch Sauren, Salze, Phosphoriges und Schwefeliges ange- 
facht wird. Das Gleichgewicht zwischen den beiden Vor- 
gangen vermitteln die Fette und das Wasser. 

Dem Wesen nach angesehen sind diese Vorgange fort- 
dauernd den Organismus durchsetzende Krankheitspro- 
zesse. Sie miissen durch ebenso fortwirkende Heilungspro- 
zesse ausgeglichen werden. 



Dieser Ausgieich wird dadurch bewirkt, dafi das Blut 
nicht nur die Vorgange enthalt, aus denen das Wachstum 
und die Stoffwechselprozesse bestehen, sondern dafi ihm 
auch eine den krankmachenden Nervenvorgangen gegen- 
uberstehende, fortdauernde heilende Wirkung zukommt. 

Das Blut hat in seiner Plasma-Substanz und in dem Fa- 
serstoff diejenigen Krafte, die dem Wachstum und dem 
Stoffwechsel im engeren Sinne dienen. In dem, was als Ei- 
sengehalt bei der Untersuchung der roten Blutkorperchen 
erscheint, liegen die Urspriinge der heilenden Blutwirkung. 
Es erscheint deshalb das Eisen auch im Magensaft und als 
Eisenoxyd im Milchsafte. Da werden uberall Quellen ge- 
schaffen fur Vorgange, die auf die Nervenprozesse aus- 
gleichend wirken. 

Das Eisen erscheint bei der Untersuchung des Blutes so, 
daft es sich als das einzige Metall darstellt, das innerhalb des 
menschlichen Organismus die Neigung zur Kristallisations- 
f ahigkeithat. Damit macht es die Krafte geltend, die aufiere, 
physische, mineralische Naturkrafte sind. Sie bilden inner- 
halb des menschlichen Organismus ein im Sinne der aufie- 
ren, physischen Natur orientiertes Kraftesystem. Dieses 
aber wird fortdauernd durch die Ich-Organisation iiber- 
wunden. 

Man hat es zu tun mit zwei Kraftesystemen. Das eine hat 
seinen Ursprung in den Nervenvorgangen; das andere in 
der Blutbildung. In den Nervenvorgangen entwickeln sich 
krankmachende Vorgange, die bis zu dem Grade gehen, dafi 
sie von den ihnen entgegenwirkenden Blutvorgangen fort- 
dauernd geheilt werden konnen. Die Nervenvorgange sind 
solche, die von dem astralischen Leib an der Nervensub- 
stanz und damit im ganzen Organismus bewirkt werden. 



Die Blutvorgange sind solche, in denen die Ich-Organisa- 
tion im menschlichen Organismus der aufieren, in ihn fort- 
gesetzten physischen Natur gegeniiber stent, die aber in die 
Gestaltung der Ich-Organisation hineingezwungen wird. 

Man kann in diesem Wechselverhaltnis die Vorgange des 
Erkrankens und der Heilung unmittelbar erfassen. Treten 
im Organismus Verstarkungen derjenigen Vorgange auf, 
die ihren normalen Grad in dem durch den Nervenprozefi 
Erregten haben, so liegt Erkrankung vor. 1st man imstande, 
diesen Vorgangen solche gegeniiberzustellen, die als Ver- 
starkungen von aufieren Naturwirkungen im Organismus 
sich darstellen, so kann Heilung bewirkt werden, wenn 
diese au£eren Naturwirkungen durch den Ich-Organismus 
bewaltigt werden und ausgleichend auf die ihnen entgegen- 
gesetzt orientierten Prozesse wirken. 

Die Milch hat nur geringe Eisenmengen. Sie ist die Sub- 
stanz, die als solche in ihren "Wirkungen am wenigsten 
Krankmachendes darstellt; das Blut mufi fortdauernd alles 
Krankmachende iiber sich ergehen lassen; es braucht da- 
her das organisierte, das heifit das in die Ich-Organisation 
aufgenommene Eisen - das Ham - als fortdauernd wir- 
kendes Heilmittel. 

Beim Heilmittel, das auf einen in der inneren Organi- 
sation auftretenden kranken Zustand wirken soil, auch auf 
einen solchen, der von aufien bewirkt ist, aber im Innern 
des Organismus verlauft, kommt es zunachst darauf an, die 
Erkenntnis daruber zu gewinnen, inwiefern die astraie Or- 
ganisation in dem Sinne wirkt, dafi ein Zerfall des Eiweifies 
an irgend einer Stelle des Organismus so eintritt, wie dies 
durch die Nervenorganisation in normaler Art in die Wege 
geleitet wird. Man nehme an, man habe es mit Stockungen 



im Unterleibe zu tun. Man kann dabei in den auftretenden 
Schmerzen eine iiberf lussige Tatigkeit des astralischen Lei- 
bes bemerken. Dann hat man es mit dem charakterisierten 
Fall fur den Darmorganismus zu tun. 

Weiter ist nun wichtig die Frage: wie ist die verstarkte 
Astralwirkung auszugleichen? Dies kann geschehen, wenn 
man in das Blut Substanzen bringt, welche gerade von dem- 
jenigen Teil der Ich-Organisation ergriff en werden konnen, 
der in der Darmorganisation tatig ist. Es sind dies Kalium 
und Natrium. Fuhrt man diese in irgend einem Praparate, 
oder in einer Pflanzenorganisation, z. B. Anagallis arvensis 
dem Organismus zu, so nimmt man dem astralischen Leib 
seine zu grofie Nervenwirkung ab und bewirkt den Uber- 
gang dessen, was der astralische Leib zu viel tut, auf die von 
der Ich-Organisation ergriffene Wirkung der genannten 
Substanzen aus dem Blute heraus. 

Verwendet man die mineralische Substanz, so wird man 
dafiir sorgen mussen, dafi durch Zusatzgaben, oder besser 
durch die Verbindung des Kaliums oder Natriums im Pra- 
parat mit Schwefel diese Metalle richtig in die Blutstro- 
mung so gebracht werden, dafi die Eiweifimetamorphose 
vor dem Zerfall aufgehalten wird. Der Schwefel hat nam- 
lich die Eigentumlichkeit, dafi er dem Aufhalten des Ei- 
weifizerfalles dient; er halt gewissermafien die organisieren- 
den Krafte in der Eiweifisubstanz zusammen. Kommt er 
so in die Blutstromung, dafi er sich mit dem Kalium oder 
Natrium in Verbindung halt, dann tritt seine Wirkung 
dort ein, wo das Kalium oder Natrium eine besondere An- 
ziehung zu bestimmten Organen haben. Das ist bei den 
Darmorganen der Fall. 



VIII 



TATIGKEITEN IM MENSCHLICHEN ORGANISMUS. 

DIABETES MELLITUS 

Der menschliche Organismus entfaltet durch alle seine 
Glieder hindurch Tatigkeiten, die ihre Impulse allein in 
ihm selber haben konnen. Was er von au£en aufnimmt, 
mufi entweder blofi die Veranlassung dazu sein, dafi er eine 
eigene Tatigkeit entwickeln kann; oder es mufi so im Kor- 
per wirken, dafi die Fremdtatigkeit sich nicht von einer 
inneren Tatigkeit des Korpers unterscheidet, sobald sie in 
diesen eingedrungen ist. 

Die notwendige Nahrung des Menschen enthalt z. B. 
Kohlehydrate. Diese sind zum Teil Starke-ahnlich. Als sol- 
che sind sie Substanzen, die ihre Tatigkeit in der Pflanze 
entf alten. In den menschlichen Korper gelangen sie in dem 
Zustande, den sie in der Pflanze erreichen konnen. In die- 
sem Zustande ist die Starke ein Fremdkorper. Der mensch- 
liche Organismus entwickelt keine Tatigkeit, die in der 
Richtung dessen liegt, was Starke, in dem Zustande, in dem 
sie in den Korper kommt, als Tatigkeit entf alten kann. Was 
z. B. in der menschlichen Leber als Starke-ahnlicher Stoff 
entwickelt wird (Glykogen), ist etwas anderes als pflanz- 
liche Starke. Dagegen ist der Traubenzucker eine Substanz, 
die Tatigkeiten erregt, welche von gleicher Art sind wie 
Tatigkeiten des menschlichen Organismus selbst. Starke 
kann daher in diesem nicht Starke bleiben. Soli sie eine Wir- 
kung entfalten, die in dem Korper eine Rolle spielt, so mufi 
sie verwandelt werden. Und sie geht, indem sie vom Ptyalin 
der Mundhdhle durchsetzt wird, in Zucker uber. 

Eiweifi und Fett werden vom Ptyalin nicht verandert. 



Sie treten zunachst als Fremdsubstanzen in den Magen ein. 
In diesem werden die Eiweifistoffe durch das von ihm ab- 
gesonderte Pepsin so verwandelt, daft die Abbauprodukte 
bis zu den Peptonen entstehen. Sie sind Substanzen, deren 
Tatigkeitsimpulse mit solchen des Korpers zusammenf al- 
ien. Dagegen bleibt Fett auch im Magen unverandert. Es 
wird erst von dem Absonderungsprodukt derBauchspeichel- 
driise so verwandelt, dafi Substanzen entstehen, die sich aus 
dem toten Organismus als Glycerin und Fettsauren ergeben. 

Nun aber geht die Verwandlung der Starke in Zucker 
durch den ganzen Verdauungsvorgang hindurch. Es findet 
auch eine Umwandlung der Starke durch den Magensaft 
statt, wenn diese Umwandlung nicht schon durch das Ptya- 
lin stattgefunden hat. 

Wenn die Umwandlung der Starke durch das Ptyalin 
stattfindet, so steht der Vorgang an der Grenze dessen, was 
sich im Menschen im Bereich dessen abspielt, das in dem 
Kapitel II die Ich-Organisation genannt worden ist. In de- 
ren Bereich geht die erste Umwandlung des von aufien Auf- 
genommenen vor sich. Traubenzucker ist eine Substanz, die 
im Bereich der Ich-Organisation wirken kann. Er ist dem 
Geschmack des Siifien entsprechend, der in der Ich-Orga- 
nisation sein Dasein hat. 

Entsteht aus dem Starkemehl durch den Magensaft 
Zucker, so bedeutet dies, daft die Ich-Organisation in den 
Bereich des Verdauungssystems eindringt. Fur das Bewuftt- 
sein ist dann der Geschmack des Siifien nicht da; aber, 
was im Bewufitsein - im Bereich der Ich-Organisation - 
vorgeht, wahrend «sii£» empfunden wird, das dringt in die 
unbewufiten Regionen des menschlichen Korpers, und die 
Ich-Organisation wird dort tatig. 



In den uns unbewuftten Regionen hat man es nun im 
Sinne von Kapitel II zunachst mit dem astralischen Leib zu 
tun. Es ist der astralische Leib da in Wirksamkeit, wo im 
Magen die Starke in Zucker verwandelt wird. 

Bewufit kann der Mensch nur sein durch dasjenige, was 
in seiner Ich-Organisation so wirkt, dafi diese durch nichts 
iibertont oder gestort wird, so daft sie sich voll entfalten 
kann. Das ist innerhalb des Bereiches der Fall, in dem die 
Ptyalinwirkungen liegen. Im Bereich der Pepsinwirkungen 
iibertont der Astralleib die Ich-Organisation. Die Ich-Ta- 
tigkeit taucht unter in die astralische. Man kann also im 
Bereich des Materiellen die Ich-Organisation an der An- 
wesenheit des Zuckers verfolgen. Wo Zucker ist, da ist 
Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Or- 
ganisation auf, um die untermenschliche (vegetative, ani- 
malische) Korperlichkeit zum Menschlichen hin zu orien- 
tieren. 

Nun tritt der Zucker als Ausscheidungsprodukt auf bei 
Diabetes mellitus. Man hat es dabei mit dem Auftreten der 
Ich-Organisation an dem menschlichen Organismus in ei- 
ner solchen Form zu tun, dafi diese Organisation zerstorend 
wirkt. Sieht man auf jede andre Region des Wirkens der 
Ich-Organisation, so stellt sich heraus, dafi diese unter- 
taucht in die astralische Organisation. Zucker unmittelbar 
genossen ist in der Ich-Organisation. Er wird da zum Ver- 
anlasser des Sufi-Geschmackes. Starke genossen und durch 
das Ptyalin oder den Magensaf t in Zucker verwandelt, zeigt 
an, dafi in der Mundhohle oder im Magen der astralische 
Leib mit der Ich-Organisation zusammenwirkt und die letz- 
tere iibertont. 

Zucker ist aber auch im Blute vorhanden. Indem das 



Blut Zucker enthaltend durch den ganzen Korper zirkuliert, 
tragt es die Ich-Organisation durch diesen. Oberall da aber 
wird diese Ich-Organisation durch das Wirken des mensch- 
lichen Organismus in ihrem Gleichgewicht gehalten. In dem 
Kapitel II hat sich gezeigt, wie aufier der Ich-Organisation 
und dem astralischen Leib in der menschlichen Wesenheit 
noch der atherische und der physische Leib vorhanden sind. 
Auch diese nehmen die Ich-Organisation auf und halten sie 
in sich. So lange dies der Fall ist, sondert der Harn keinen 
Zucker ab. Wie die Ich-Organisation, den Zucker tragend, 
leben kann, das zeigt sich an den an den Zucker gebundenen 
Vorgangen im Organismus. 

Beim Gesunden kann der Zucker im Harn nur auftre- 
ten, wenn er zu reichlich, als Zucker, genossen wird, oder 
wenn Alkohol, der unmittelbar, mit Ubergehung von Ver- 
wandlungsprodukten, in die Korpervorgange sich hinein- 
zieht, zu reichlich aufgenommen wird. In beiden Fallen 
tritt der Zuckerprozefi als selbstandig, neben den sonstigen 
Vorgangen im Menschen auf. 

Bei Diabetes mellitus liegt die Tatsache vor, dafi die Ich- 
Organisation beim Untertauchen in den astralischen und 
atherischen Bereich so abgeschwacht wird, dafi sie fiir ihre 
Tatigkeit an der Zuckersubstanz nicht mehr wirksam sein 
kann. Es geschieht dann durch die astralischen und athe- 
rischen Regionen mit dem Zucker dasjenige, was mit ihm 
durch die Ich-Organisation geschehen sollte. 

Es befordert alles die Zuckerkrankheit, was die Ich-Or- 
ganisation aus der in die Korpertatigkeit eingreifenden 
Wirksamkeit herausreifk: Aufregungen, die nicht verein- 
zelt, sondern in Wiederholungen auftreten; intellektuelle 
Uberanstrengungen; erbliche Belastung, die eine normale 



Eingliederung der Ich-Organisation in den Gesamtorganis- 
mus verhindert. Das alles ist zugleich damit verbunden, daft 
in der Kopf organisation solche Vorgange stattfinden, die 
eigentlich Parallelvorgange der geistig-seelischen Tatigkeit 
sein sollten; die aber, weil diese Tatigkeit zu schnell oder 
zu langsam verlauft, aus dem Parallelismus herausfallen. Es 
denkt gewissermafien das Nervensystem selbstandig neben 
dem denkenden Menschen. Das aber ist eine Tatigkeit, die 
das Nervensystem nur im Schlafe ausfiihren sollte. Beim 
Diabetiker geht eine Art von Schlaf in den Tiefen des Or- 
ganismus dem Wachzustande parallel. Es findet daher im 
Verlaufe der Zuckerkrankheit eine Entartung der Nerven- 
substanz statt. Diese ist die Folge des mangelhaf ten Eingrei- 
fens der Ich-Organisation. 

Eine andere Begleiterscheinung sind die Furunkelbil- 
dungen bei Diabetikern. Furunkelbildungen entstehen durch 
ein Obermafi in der Region der atherischen Tatigkeit. Die 
Ich-Organisation versagt da, wo sie wirken sollte. Die astra- 
lische Tatigkeit kann sich nicht entfalten, weil sie gerade 
an einem solchen Orte nur im Einklange mit der Ich-Or- 
ganisation Kraft hat. Die Folge ist das Obermafi der athe- 
rischen Wirksamkeit, die sich in der Furunkelbildung zeigt. 

In alle diesem sieht man, wie ein Heilungsvorgang fur 
Diabetes mellitus nur eingeleitet werden kann, wenn man 
die Ich-Organisation bei dem Diabetiker zu kraftigen im- 
stande ist. 



IX 



DIE ROLLE DES EIWEISSES IM 
MENSCHENKORPER UND DIE ALBUMINURIE 

Das Eiweifi ist diejenige Substanz des lebenden Korpers, 
die von seinen Bildekraften in der mannigfal tigs ten Art 
umgewandelt werden kann, so dafi, was sich aus der um- 
geformten Eiweifisubstanz ergibt, in den Formen der Or- 
gane und des ganzen Organismus erscheint. Um in solcher 
Art verwendet werden zu konnen, mufi das Eiweift die Fa- 
higkeit haben, jede Form, die sich aus der Natur seiner ma- 
teriellen Teile ergibt, in dem Augenblicke zu verlieren, in 
dem es im Organismus aufgerufen wird, einer von ihm ge- 
forderten Form zu dienen. 

Man erkennt daraus, dafi im Eiweift die Krafte, die aus 
der Natur des Wasserstoffes, Sauerstoffes, Stickstoffes und 
Kohlenstoffes und deren gegenseitigen Beziehungen folgen, 
in sich zerf alien. Die unorganischen Stoffbindungen horen 
auf, und die organischen Bildekrafte beginnen im Eiweifi- 
zerfall zu wirken. 

Diese Bildekrafte sind an den atherischen Leib gebunden. 
Das Eiweifl ist immer auf dem Sprung, entweder in die Ta- 
tigkeit des atherischen Leibes aufgenommen zu werden, 
oder aus diesem herauszufallen. Eiweifi, das aus dem Orga- 
nismus, dem es angehort hat, herausgenommen ist, nimmt in 
sich die Neigung auf, eine zusammengesetzte Substanz zu 
werden, die sich den unorganischen Kraften des Wasser- 
stoffes, Sauerstoffes, Stickstoffes und Kohlenstoffes fiigt. 
Eiweift, das ein Bestandteil des lebenden Organismus bleibt, 
verdrangt in sich diese Neigung, und fiigt sich den Bilde- 
kraften des atherischen Leibes ein. 



Mit den Nahrungsmitteln nimmt der Mensch das Eiwei£ 
auf . Von dem Pepsin des Magens wird das von aufien auf- 
genommene Eiweifi bis zu den Peptonen, die zunachst los- 
liche Eiweifisubstanzen sind, verwandelt. Diese Verwand- 
lung wird durch den Pankreassaft fortgesetzt. 

Das aufgenommene Eiweifi ist zunachst, wenn es als 
Nahrungsmittel aufgenommen wird, ein Fremdkorper des 
menschlichen Organismus. Es enthalt die Nachwirkungen 
der Athervorgange desjenigen Lebewesens, aus dem es ent- 
nommen wird. Diese miissen ganz von ihm emf ernt werden. 
Es mufi in die Atherwirkungen des menschlichen Organis- 
mus aufgenommen werden. 

Man hat es daher im Verlaufe des menschlichen Ver- 
dauungsvorganges mit zweierlei Eiweifisubstanzen zu tun. 
Im Beginne dieses Vorganges ist das Eiweifi etwas dem 
menschlichen Organismus Fremdes. Am Ende ist es dem 
Organismus Eigenes. Dazwischen liegt ein Zustand, in dem 
das aufgenommene NahrungseiweifS die vorigen Atherwir- 
kungen noch nicht ganz abgegeben, die neuen noch nicht 
ganz aufgenommen hat. Da ist es fast ganz unorganisch ge- 
worden. Es ist da allein unter der Einwirkung des mensch- 
lichen physischen Leibes. Dieser, der in seiner Form ein 
Ergebnis der menschlichen Ich-Organisation ist, tragt in 
sich unorganische Wirkungskrafte. Er wirkt dadurch auf 
das Lebendige ertotend. Alles, was in den Bereich der Ich- 
Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich- 
Orgamsation im physischen Leib rein unorganische Substan- 
zen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organis- 
mus nicht so wie in der leblosen Natur aufierhalb des Men- 
schen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d. h. erto- 
tend. Diese ertotende Wirkung wird auf das Eiwei£ da aus- 



geiibt, wo in der Verdauungsregion das Trypsin tatig ist, ein 
Bestandteil des Pankreassaftes. - 

Dafi in der Wirkungsart des Trypsins Unorganisches im 
Spiele ist, kann auch daraus entnommen werden, dafi diese 
Substanz unter Beihilf e von Alkalischem ihre Tatigkeit ent- 
faltet. 

Bis zur Begegnung mit dem Trypsin des Bauchspeichels 
lebt die Eiweift-Nahrung auf fremde Art; auf die Art des 
Organismus, aus dem sie genommen ist. Bei der Begegnung 
mit dem Trypsin wird das Eiweifi leblos. Man mochte sa- 
gen, es wird nur fur einen Augenblick im menschlichen Or- 
ganismus leblos. Da wird es aufgenommen in den physi- 
schen Leib gemafi der Ich-Organisation. Diese mufi nun die 
Kraft haben, das, was aus der EiweilSsubstanz geworden 
ist, in den Bereich des menschlichen Atherleibes uberzufiih- 
ren. Das Nahrungs-Eiweifi wird damit Bildestoff fur den 
menschlichen Organismus. Die atherischen Fremdwirkun- 
gen, die ihm vorher anhafteten, treten aus dem Menschen 
aus. 

Es ist nun notwendig, dafi der Mensch, um das Nah- 
rungs-Eiweifi gesund zu verdauen, eine so starke Ich-Orga- 
nisation habe, dafi alles fiir den menschlichen Organismus 
notwendige Eiweifi in den Bereich des menschlichen Ather- 
leibes ubergehen kann. Ist das nicht der Fall, so entsteht eine 
uberschussige Tatigkeit dieses Atherleibes. Der erhalt nicht 
genug von der Ich-Organisation vorbereitete Eiweifisub- 
stanz fiir seine Tatigkeit. Die Folge davon ist, dafi die auf 
die Belebung des von der Ich-Organisation aufgenommenen 
Eiweifies orientierte Tatigkeit sich des Eiweiftes bemachtigt, 
das noch fremde Atherwirkungen enthalt. Der Mensch er- 
halt in seinem eigenen Atherleibe eine Summe von Wirkun- 



gen, die nicht hineingehoren. Diese mussen auf unregel- 
mafiige Art ausgeschieden werden. Es entsteht eine krank- 
hafte Ausscheidung. 

Diese krankhafte Ausscheidung tritt in der Albuminuric 
zu Tage. Es wird da Eiweifi ausgeschieden, das in den Be- 
reich des Atherleibes aufgenommen werden sollte. Es ist 
solches Eiweifi, das durch die Schwache der Ich-Organi- 
sation nicht den Durchgangszustand des fast Leblosen hat 
annehmen konnen. 

Nun sind die Krafte, die im Menschen die Ausscheidung 
bewirken, an den Bereich des astralischen Leibes gebunden. 
Indem dieser bei der Albuminuric gezwungen ist, eine Ta- 
tigkeit auszufiihren, auf die hin er nicht orientiert ist, ver- 
kiimmert seine Tatigkeit fiir diejenigen Stellen des mensch- 
lichen Organismus, an denen sie sich entfalten sollte. Das 
ist in den Nierenepithelien. In der Schadigung der Nieren- 
epithelien ist ein Symptom vorhanden fiir die Ablenkung 
der fur sie bestimmten Tatigkeit des astralischen Leibes. 

Man sieht aus diesem Zusammenhange, wo die Heilung 
bei der Albuminuric einsetzen mufl. Es ist die Kraft der 
Ich-Organisation in der Pankreasdriise, die zu schwach ist, 
zu verstarken. 



X 



DIE ROLLE DES FETTES IM MENSCHLICHEN 
ORGANISMUS UND DIE TROGERISCHEN 
LOKALEN SYMPTOM ENKOMPLEXE 

Das Fett ist diejenige Substanz des Organismus, die sich, 
indem sie von aufien aufgenommen wird, am wenigsten als 
Fremdstoff erweist. Fett geht am leichtesten aus der Art, 
die es bei der Nahrungsaufnahme mitbringt, in die Art des 
menschlichen Organismus uber. Die achtzig Prozent Fett, 
welche z. B. die Butter enthalt, gehen durch die Gebiete 
des Ptyalin und Pepsin unverandert hindurch und werden 
nur vom Pankreassaft verandert, namlich in Glycerin und 
Fettsauren verwandelt. 

Dieses Verhalten des Fettes ist nur dadurch moglich, dafi 
es von der Natur eines fremden Organismus (von dessen 
atherischen Kraften usw.) moglichst wenig in den mensch- 
lichen hiniibertragt. Dieser kann es leicht seiner eigenen 
Wirksamkeit einverleiben. 

Das riihrt davon her, daft das Fett bei der Erzeugung der 
inneren Warme seine besondere Rolle spielt. Diese Warme 
ist aber dasjenige, in dem, als im physischen Organismus, 
die Ich-Organisation vorziiglich lebt. Von jeder im mensch- 
lichen Korper befindlichen Substanz kommt fur die Ich- 
Organisation nur soviel in Betracht, als bei deren Wirksam- 
keit Warmeentfaltung stattfindet. Fett erweist sich durch 
sein ganzes Verhalten als eine Substanz, die nur Ausfiillung 
des Korpers ist, nur von ihm getragen wird und allein 
durch diejenigen Vorgange, bei denen sich Warme entwik- 
kelt, fur die tatige Organisation in Betracht kommt. Fett, 
das z. B. als Nahrung aus einem tierischen Organismus ge- 



nommen ist, nimmt von diesem in den menschlichen Orga- 
nismus nichts hiniiber als allein seine Fahigkeit Warme zu 
entwickeln. 

Diese Warme-Entwicklung geschieht aber als eine der 
spatesten Vorgange des Stoffwechsels. Es erhalt sich daher 
als Nahrung aufgenommenes Fett durch die ersten und 
mittleren Vorgange des Stoffwechsels hindurch und wird 
erst in dem Bereich der inneren Korpertatigkeit, am frii- 
hesten vom Bauchspeichel aufgenommen. 

Wenn das Fett in der menschlichen Milch erscheint, so 
weist dies auf eine sehr bemerkenswerte Tatigkeit des Or- 
ganismus hin. Der Korper zehrt dies Fett nicht in sich auf; 
er lafit es in ein Absonderungsprodukt iibergehen. Es geht 
damit aber auch die Ich-Organisation in dieses Fett uber. 
Darauf beruht die bildsame Kraft der Muttermilch. Die 
Mutter iibertragt dadurch ihre eigenen bildsamen Krafte 
der Ich-Organisation auf das Kind und fiigt damit den Ge- 
staltungskraften, die schon durch die Vererbung iibertra- 
gen worden sind, noch etwas hinzu. 

Der gesunde Weg ist dann vorhanden, wenn die mensch- 
lich bildsamen Krafte die im Korper vorhandenen Fettvor- 
rate in der Warmeentwicklung aufzehren. Ein ungesunder 
Weg ist derjenige, wenn das Fett nicht von der Ich-Organi- 
sation in Warmeprozessen verbraucht, sondern unver- 
braucht in den Organismus gefiihrt wird. Solches Fett bil- 
det einen Oberschufi an der Moglichkeit, Warme da und 
dort im Organismus zu erzeugen. Es ist das Warme, die be- 
irrend fur die anderen Lebensvorgange da und dort im Or- 
ganismus eingreift, und die von der Ich-Organisation nicht 
umfafit wird. Es entstehen da gewissermafien parasitare 
Warmeherde. Diese tragen die Neigung zu entzundlichen 



Zustanden in sich. Die Entstehung solcher Herde mufi dar- 
in gesucht werden, dafi der Korper die Neigung entwickelt, 
mehr Fett zustande zu bringen, als die Ich-Organisation zu 
ihrem Leben in der Innenwarme braucht. 

Im gesunden Organismus werden die animalischen 
(astralischen) Krafte so viel Fett erzeugen oder aufnehmen, 
als durch die Ich-Organisation in Warmevorgange iiberge- 
fiihrt werden kann, und dazu noch diejenige Menge, die 
notwendig ist, urn die Muskel- und Knochen-Mechanik in 
Ordnung zu halten. In diesem Falle wird die dem Korper 
notwendige Warme erzeugt werden. Tragen die animali- 
schen Krafte der Ich-Organisation zu wenig Fett zu, so 
tritt fiir die Ich-Organisation Warmehunger ein. Diese mufi 
die ihr notwendige Warme den Tatigkeiten der Organe 
entziehen. Dadurch werden diese gewissermafien in sich 
briichig, versteift. Ihre notwendigen Vorgange spielen sich 
tra'ge ab. Man wird dann da oder dort Krankheitsprozesse 
auftreten sehen, bei denen es sich darum handeln wird, zu 
erkennen, ob sie in einem allgemeinen Fettmangel ihre Ur- 
sachen haben. 

Tritt der schon erwahnte andere Fall ein, das Zuviel an 
Fettgehalt, so daft parasitare Warmeherde sich bilden, dann 
werden Organe so erf aft t, dafi sie sich iiber ihr Maft hinaus 
betatigen. Es werden dadurch Neigungen erzeugt zu iiber- 
reichlicher, den Organismus iiberlastender Nahrungsauf- 
nahme. Es ist gar nicht notig, dafi dies so sich entwickelt, 
dafi die in Frage kommende Person ein Zuviel-Esser wird. 
Es kann sein, dafi z. B. bei der Stoffwechseltatigkeit im 
Organismus einem Kopforgan zuviel Substanz zugefuhrt 
und dadurch solche den Unterleibsorganen und Absonde- 
rungsvorgangen entzogen wird. Dann tritt herabgestimmte 



Tatigkeit bei den schlecht versorgten Organen ein. Die 
Driisenabsonderungen konnen mangelhaft werden. Die 
flussigen Bestandteile des Organismus geraten in ein unge- 
sundes Mischungsverhaltnis. Es kann z. B. die Gallenabson- 
derung im Verhaltnis zur Absonderung der Bauchspeichel- 
driise zu grofS werden. Wieder wird es darauf ankommen, 
dafi man erkenne, wie ein lokal auftretender Symptomen- 
komplex in seinem Hervorgehen aus ungesunder Fett-Beta- 
tigung zu beurteilen ist. 



XI 



DIE GESTALTUNG DES MENSCHLICHEN 
KDRPERS UND DIE GICHT 

Die Aufnahme des Eiweifies ist ein Vorgang, der mit der 
einen Seite der inner en Betatigung des menschlichen Orga- 
nismus zusammenhangt. Es ist dies die Seite, die auf Grund 
der Stoffaufnahme zustande kommt. Jede derartige Betati- 
gung hat zu ihrem Ergebnis Formbildung, Wachstum, Neu- 
bildung von substantiellem Inhalt. Alles, was mit den un- 
bewufken Verrichtungen des Organismus zusammenhangt, 
gehort hierher. 

Diesen Vorgangen stehen diejenigen gegeniiber, die in 
Ausscheidungen bestehen. Es konnen Ausscheidungen sein, 
die nach aufien gehen; es konnen auch solche sein, wo das 
Ausscheidungsprodukt im Innern weiter verarbeitet wird in 
der Formung oder Substanzierung des Korpers. Diese Vor- 
gange bilden die materielle Grundlage der bewufiten Erleb- 
nisse. Durch die Vorgange der ersteren Art wird die Kraft 
des Bewufitseins herabgestimmt, wenn sie iiber das MafS 
dessen hinausgehen, was durch die Vorgange der zweiten 
Art im Gleichgewicht gehalten werden kann. 

Ein besonders bemerkenswerter Ausscheidungsvorgang 
ist derjenige der Harnsaure. Bei dieser Ausscheidung ist der 
astralische Leib t'atig. Dieselbe mufi durch den ganzen Or- 
ganismus hindurch geschehen. In besonderem Mafie ge- 
schieht sie durch den Harn. In einer ganz fein verteilten 
Weise z. B. im Gehirn. Bei der Harnsaureabsonderung durch 
den Harn ist in der Hauptsache der astralische Leib beta- 
tigt; die Ich-Organisation ist in untergeordneter Weise dar- 
an beteiligt. Bei der Harnsaureabsonderung im Gehirn ist 



in erster Linie die Ich-Organisation mafigebend, der astra- 
lische Leib tritt zuriick. 

Nun ist im Organismus der astralische Leib der Ver- 
mittler der Tatigkeit der Ich-Organisation fur atherischen 
und physischen Leib. Diese mufi in die Organe die leblosen 
Substanzen und Krafte tragen, Nur durch diese Impra- 
gnierung der Organe mit Unorganischem kann der Mensch 
das bewufke Wesen sein, das er ist. Organische Substanz und 
organische Kraft wiirde das menschliche Bewufitsein zum 
tierischen herabdampfen. 

Der astralische Leib macht durch seine Tatigkeit die 
Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich- 
Organisation aufzunehmen. Er ist gewissermafien fur sie 
der Wegmacher. 

Man sieht: in den unteren Teilen des menschlichen Or- 
ganismus hat die Tatigkeit des astralischen Leibes die Ober- 
hand. Es diirfen da die Harnsauresubstanzen von dem Or- 
ganismus nicht aufgenommen werden. Sie miissen reichlich 
ausgeschieden werden. Da mufi unter dem Einflufi dieser 
Ausscheidung die Impragnierung mit Unorganischem ver- 
hindert werden. Je mehr Harnsaure ausgeschieden wird, 
desto reger ist die Tatigkeit des astralischen Leibes, desto 
geringer die der Ich-Organisation und damit die Impra- 
gnierung mit Unorganischem. 

Im Gehirn ist die Tatigkeit des astralischen Leibes ge- 
ring. Es wird wenig Harnsaure ausgeschieden, dafiir um so 
mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation einge- 
lagert. 

Grofie Harnsauremengen bewaltigt die Ich-Organisa- 
tion nicht; sie miissen der Tatigkeit des astralischen Leibes 
verf alien; kleine Harnsauremengen gehen in die Ich-Or- 



ganisation iiber und bilden dann die Grundlage fiir die 
Formung des Unorganischen im Sinne dieser Organisation. 

Es mu£ im gesunden Organismus die rechte Dkonomie 
herrschen in der Harnsaureverteilung fiir die einzelnen Ge- 
biete. Fiir alles, was Nerven-Sinnesorganisation ist, mufi 
eine nur so grofie Harnsauremenge geliefert werden, als 
durch die Ich-Tatigkeit gebraucht werden kann; fiir die 
Stoffwechsel-Gliedmafienorganisation mufi diese Tatigkeit 
unterdriickt werden; die astralische Tatigkeit mufi in der 
reichlichen Harnsaureabsonderung sich entfalten konnen. 

Da nun der astralische Leib der Wegmacher fiir die Ich- 
Tatigkeit in den Organen ist, so mufi man die richtig ver- 
teilte Harnsaureablagerung als ein ganz wesentliches Glied 
der menschlichen Gesundheit ansehen. Denn in ihr kommt 
zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem 
astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme 
das rechte Verhaltnis besteht. 

Man nehme nun an, in irgendeinem Organe, in dem die 
Ich-Organisation vorherrschen sollte gegeniiber der astra- 
lischen Tatigkeit, beginne die letztere die Oberhand zu ha- 
ben, Es kann dies nur ein Organ sein, in dem die Ausschei- 
dung der Harnsaure durch die Einrichtung des Organes 
iiber einen gewissen Grad hinaus unmoglich ist. Es wird 
dann dieses Organ mit Harnsaure iiberladen, die von der 
Ich-Organisation nicht bewaltigt wird. Der astralische Leib 
beginnt dann damit, die Ausscheidung dennoch zu bewir- 
ken. Und da die Ausfiihrungsorgane an den betreffenden 
Stellen fehlen, so wird die Harnsaure statt nach aufien, im 
Organismus selbst abgelagert. Gelangt sie an Stellen des 
Organismus, wo die Ich-Organisation nicht geniigend ein- 
greifen kann, so ist da Unorganisches, d. h. solches, das nur 



der Ich-Organisation zugehort, aber von dieser der astra- 
lischen Tatigkeit iiberlassen wird. Es entstehen Herde, wo 
in den menschlichen Organismus untermenschliche (anima- 
lische) Vorgange eingeschoben werden. 

Man hat es mit der Gicht zu tun. Wenn gesagt wird, 
diese entwickle sich vielfach auf Grund vererbter Anlage, 
so geschieht das eben deswegen, weil beim Vorherrschen der 
Vererbungskrafte das Astralisch-Animalische besonders ta- 
tig wird, und dadurch die Ich-Organisation zuriickgedrangt 
wird. 

Man wird aber die Sache besser durchschauen, wenn 
man die wahre Ursache darin sucht, dafi in den menschli- 
chen Korper durch die Nahrungsaufnahme Substanzen ge- 
langen, die durch dessen Tatigkeit ihre Fremdheit inner- 
halb des Organismus nicht verlieren konnen. Sie werden 
durch eine schwache Ich-Organisation nicht in den Ather- 
leib iibergefiihrt, verbleiben daher in der Region der astra- 
lischen Tatigkeit. Ein Gelenkknorpel oder eine Bindege- 
webspartie konnen mit Harnsaure nur uberladen und da- 
durch die Oberbiirdung mit Unorganischem in ihnen bewirkt 
werden, dafi in diesen Korperteilen die Ich-Tatigkeit hinter 
der Astralwirksamkeit zuriickbleibt. Da die ganze Form 
des menschlichen Organismus ein Ergebnis der Ich-Orga- 
nisation ist, so mufi durch die gekennzeichnete Unregei- 
mafiigkeit eine Deformierung der Organe eintreten. Der 
menschliche Organismus strebt da aus seiner Form heraus. 



XII 



AUFBAU UND ABSONDERUNG DES 
MENSCHLICHEN ORGANISMUS 

Der menschliche Korper bildet sich wie andere Organis- 
men aus dem halbfliissigen Zustand heraus. Doch ist zu 
seiner Bildung stets die Zufuhr von luftformigen Stoffen 
notig. Der wichtigste ist der durch die Atmung vermittelte 
Sauerstoff. 

Man betrachte zunachst einen festen Bestandteil, z, B. 
ein Knochengebilde. Es wird aus dem Halbfliissigen abge- 
schieden. In dieser Abscheidung ist die Ich-Organisation 
tatig. Jeder kann sich davon iiberzeugen, der die Ausbil- 
dung des Knochensystems verfolgt. Es entwickelt sich in 
dem Mafie, als der Mensch durch die Embryonal- und 
Kindheitszeit seine menschliche Form, den Ausdruck der 
Ich-Organisation, bekommt. Die Eiweifiverwandlung, die 
dabei zugrunde liegt, scheidet zunachst die (astralischen 
und atherischen) Fremdkrafte von der Eiweifisubstanz ab; 
das Eiweifi geht durch den Zustand des Unorganischen hin- 
durch; es raufi dabei fliissig werden. In diesem Zustand wird 
es von der Ich-Organisation, die sich in der Warme betatigt, 
erfalk und dem eigenen menschlichen Atherleib zugefiihrt. 
Es wird Menschen-Eiweifi. Bis zu der Verwandlung in die 
Knochensubstanz hat es noch einen weiten Weg. 

Es ist nach seiner Verwandlung in Menschen-Eiweifi 
notwendig, dafi es zur Aufnahme und Umformung von 
kohlensaurem und phosphor saurem Kalk usw. reif ge- 
macht wird. Dazu muJS es eine Zwischenstufe durchmachen. 
Es mujS unter den Einflufi der Aufnahme von Luftformi- 
gem kommen. Dieses tragt die Umwandlungsprodukte der 



Kohlehydrate in das Eiweifi hinein. Es entstehen dadurch 
Substanzen, die die Grundlage fiir die einzelnen Organbil- 
dungen abgeben konnen. Man hat es da nicht mit fertigen 
Organsubstanzen, nicht mit Leber- oder Knochensubstanz 
z. B. zu tun, sondern mit einer allgemeineren Substanz, aus 
der heraus alle die einzelnen Organe des Korpers gebildet 
werden konnen. In der Bildung der fertigen Organgestalten 
ist die Ich-Organisation tatig. In der gekennzeichneten, noch 
undifferenzierten Organsubstanz ist der astralische Leib ta- 
tig. Beim Tiere nimmt dieser astralische Leib auch die fer- 
tige Organgestaltung auf sich; beim Menschen bleibt die 
Tatigkeit des astralischen Leibes und damit die animalische 
Natur nur als der allgemeine Untergrund der Ich-Organi- 
sation bestehen. Die Tierwerdung kommt beim Menschen 
nicht zu Ende; sie wird auf ihrem Wege unterbrochen und 
ihr das Menschliche durch die Ich-Organisation gewisser- 
mafien aufgesetzt. 

Diese Ich-Organisation lebt ganz in Warmezustanden. 
Sie holt aus der allgemeinen Astralwesenheit die einzelnen 
Organe heraus. Sie betatigt sich dabei an der allgemeinen, 
durch das Astralische herbeigefiihrten Substanz so, dafi sie 
den Warmezustand eines sich vorbereitenden Organs ent- 
weder erhoht oder vermindert. 

Vermindert sie ihn, so treten unorganische Substanzen in 
einem sich verhartenden Vorgang in die Substanz ein, und 
es ist die Grundlage zur Knochenbildung gegeben. Es wer- 
den Salzsubstanzen aufgenommen. 

Erhoht sie ihn, so werden Organe gebildet, deren Tatig- 
keit in einer Auflosung des Organischen besteht, in einer 
Uberfiihrung in Fliissiges oder Luftformiges. 

Man nehtne nun an, die Ich-Organisation finde im Or- 



ganismus nicht so viel Warme entwickelt, dafi die Erhohung 
des Warmezustandes fiir die Organe, denen er notig ist, im 
hinreichenden Mafie erfolgen kann. Es geraten dadurch Or- 
gane, deren Tatigkeit nach der Richtung der Auf losung hin 
erfolgen soli, in die Tatigkeit des Verhartens. Sie erhalten 
die Neigung als krankhafte, die in den Knochen die ge- 
sunde ist. 

Nun ist der Knochen, wenn er von der Ich-Organisation 
geformt ist, ein Organ, das von dieser aus ihrem Bereich 
entlassen wird. Er kommt in einen Zustand, in dem er nicht 
mehr innerlich ergriffen wird von der Ich-Organisation, 
sondern nur noch aufterlich. Er ist aus dem Wachstums- und 
Organisationsbereich herausgefuhrt und dient noch mecha- 
nisch der Ich-Organisation bei Ausfiihrung der Korper- 
bewegungen. Nur ein Rest von innerer Tatigkeit der Ich- 
Organisation durchsetzt ihn die ganze Lebenszeit hindurch, 
weil er ja doch auch Organisationsglied innerhalb des Or- 
ganismus bleiben mufi und aus dem Leben nicht heraus- 
fallen darf. 

Die Organe, die aus dem angegebenen Grunde in eine 
knochenahnliche Bildungstatigkeit iibergehen konnen, sind 
die Adern. Bei ihnen tritt dann die sogenannte Verkalkung 
(Sclerosis) auf. Es wird aus diesen Organsystemen die Ich- 
Organisation gewissermafien ausgetrieben. 

Der entgegengesetzte Fall tritt ein, wenn die Ich-Orga- 
nisation nicht auf die notwendige Verminderung des War- 
mezustandes fiir das Knochengebiet trifft. Dann werden 
die Knochen den Organen ahnlich, die eine auflosende Ta- 
tigkeit entwickeln. Sie vermogen dann wegen der mangeln- 
den Verhartung keine Grundlage abzugeben fiir die Salz- 
eingliederung. Es findet also die letzte Entfaltung der Kno- 



chengebilde, die in den Bereich der Ich-Organisation ge- 
hort, nicht statt. Die astralische Tatigkeit wird nicht an 
dem rechten Punkte ihres Weges aufgehalten. Es miissen 
Neigungen zur Gestalt-Mift bildung auftreten; denn die ge- 
sunde Gestaltbildung kann nur im Bereiche der Ich-Organi- 
sation erfolgen. 

Man hat es mit den rachitischen Erkrankungen zu tun. 
Aus alledem ersieht man, wie die menschlichen Organe mit 
ihren Tatigkeiten zusammenhangen. Der Knochen entsteht 
im Bereiche der Ich-Organisation. 1st seine Bildung zum 
Abschlusse gekommen, so dient er dieser Ich-Organisation, 
die ihn fortan nicht mehr bildet, sondern zu den willkiir- 
lichen Bewegungen beniitzt. Ebenso ist es nun mit dem, was 
im Bereiche der astralischen Organisation entsteht. Es wer- 
den da undifferenzierte Substanzen und Krafte gebildet. 
Diese treten als die Grundlage der differenzierten Organ- 
bildungen iiberall im Korper auf . Die astralische Tatigkeit 
fuhrt sie bis zu einer gewissen Stufe; dann beniitzt sie sie. 
Es ist der ganze menschliche Organismus vom Halbfliissi- 
gen durchdrungen, in dem astralisch orientierte Tatigkeit 
waltet. 

Diese Tatigkeit lebt sich aus in Absonderungen, die in 
der Bildung des Organismus nach der Richtung seiner ho- 
heren Glieder hin ihre Verwendung finden. Man hat eine 
so gerichtete Absonderung in den Drusenerzeugnissen zu 
sehen, die in der Okonomie der Organismuswrrksamkeit 
ihre Rolle spielen. Man hat dann neben diesen Absonde- 
rungen nach dem Innern des Organismus diejenigen, die 
eigentliche Abscheidungen nach aufien sind. Man irrt, wenn 
man in diesen nichts weiter sieht als dasjenige, was der Or- 
ganismus von den aufgenommenen Nahrungsstoffen nicht 



brauchen kann und deshalb nach aufSen wirft. Es kommt 
namlich nicht darauf an, dafi der Organismus Stoffe nach 
aufien absondert, sondern dafi er diejenigen Tatigkeiten 
vollzieht, die zu den Ausscheidungen fiihren. In der Ver- 
richtung dieser Tatigkeiten liegt etwas, das der Organismus 
fiir seinen Bestand braucht. Diese Tatigkeit ist ebenso not- 
wendig wie diejenige, die Stoffe in den Organismus auf- 
nimmt oder in ihm ablagert. Denn in dem gesunden Ver- 
haltnis der beiden Tatigkeiten liegt das Wesen der orga- 
nischen Wirksamkeit. 

So erscheint in den Ausscheidungen nach aufien das Er- 
gebnis der astral orientierten Tatigkeit. Und sind Stoffe in 
die Ausscheidungen eingelagert, die bis zum Unorganischen 
getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisa- 
tion. Und dieses Leben der Ich-Organisation ist sogar von 
ganz besonderer Wichtigkeit. Denn die Kraft, die auf sol- 
che Ausscheidungen verwendet wird, erzeugt gewisserma- 
fien einen Gegendruck nach innen. Und dieser ist fiir das 
gesunde Sein des Organismus notwendig. Die Harnsaure, 
die durch den Harn abgesondert wird, erzeugt als solchen 
Gegendruck nach innen die richtige Neigung des Organis- 
mus fiir den Schlaf . Zu wenig Harnsaure im Harn und zu- 
viel im Blut erzeugt einen so kurzen Schlaf, dafi dieser fiir 
die Gesundheit des Organismus nicht hinreicht. 



XIII 



VOM WESEN DES KRANKSEINS 
UND DER HEILUNG 

Schmerz, der irgendwo im Organismus auftritt, ist Erleb- 
nis im astralischen Leib und im Ich. Beide, sowohl der astra- 
lische Leib wie das Ich sind in den physischen Leib und 
den atherischen Leib in einer entsprechenden Art einge- 
schaltet, so lange der Mensch im wachenden Zustande ist. 
Tritt der Schlaf ein, so verrichten der physische und der 
atherische Leib allein die organische Tatigkeit. Der astra- 
lische Leib und das Ich sind von ihnen abgetrennt. 

Im Schlafen kehrt der Organismus zu den Betatigungen 
zuriick, die am Ausgangspunkte seiner Entwicklung liegen, 
in der Embryonal- und ersten Kindheitszeit. Im Wachen 
herrschen diejenigen Vorgange vor, die am Ende dieser 
Entwicklung liegen, im Altern und Sterben. 

Im Anfange der Menschenentwicklung liegt das Vor- 
herrschen der Tatigkeit des atherischen Leibes iiber die- 
jenige des astralischen; allmahlich wird die Tatigkeit des 
letzteren immer intensiver, die des atherischen Leibes tritt 
zuriick. Im Schlafen erhalt dann der atherische Leib nicht 
etwa die Intensitat, die er im Lebensanfange gehabt hat. Er 
behalt diejenige, die er im Verhaltnis zum Astralischen im 
Laufe des Lebens entwickelt hat. 

Fur jedes Organ des menschlichen Korpers entspricht in 
jedem Lebensalter eine bestimmte Starke der auf das Organ 
entfallenden atherischen Tatigkeit einer ebensolchen der 
astralischen. Dafi das rechte Verhaltnis vorhanden ist, da- 
von hangt es ab, ob der astralische Leib sich in den atheri- 
schen entsprechend einschalten kann oder nicht. Kann er 



das wegen Herabstimmung der atherischen Tatigkeit nicht, 
so entsteht Schmerz; entwickelt der atherische Leib eine 
uber sein Normalmafi hinausgehende Tatigkeit, so wird die 
Durchdringung der astralischen und der atherischen Beta- 
tigung besonders intensiv. Es entsteht Lust, Wohlbehagen. 
Man mufi sich nur klar sein dariiber, daft Lust beim Wach- 
sen uber ein gewisses Maft hinaus in Schmerz und umge- 
kehrt Schmerz in Lust iibergeht. Beachtet man dies nicht, 
so konnte dies hier Gesagte im Widerspruch mit f riiher Aus- 
gefuhrtem erscheinen. 

Ein Organ erkrankt, wenn sich die ihm zukommende 
atherische Tatigkeit nicht entfalten kann. Man nehme z. B. 
die aus dem Verdauungsvorgange sich in den ganzen Orga- 
nismus fortsetzende Stoffwechseltatigkeit. Werden die Er- 
zeugnisse des Stoffwechsels iiberall restlos iibergefiihrt in 
die Tatigkeit und Substanzgestaltung des Organismus, so 
ist dies ein Zeichen dafur, dafi der atherische Leib in ent- 
sprechender Weise arbeitet. Lagern sich aber auf den Stoff- 
wechselwegen Substanzen ab, die nicht in das Tun des Or- 
ganismus iibergehen, dann ist der Atherleib herabgestimmt 
in seiner Tatigkeit. Diejenigen physischen Vorgange, die 
sonst vom astralischen Leib angeregt werden, aber nur in 
ihrem Gebiete dem Organismus seine Dienste leisten, grei- 
fen uber ihr Gebiet hinaus in dasjenige der atherischen Ta- 
tigkeit hiniiber. Es entstehen auf diese Art Vorgange, die 
dem Vorherrschen des astralischen Leibes ihr Dasein ver- 
danken. Es sind das Vorgange, die ihre rechte Stelle da ha- 
ben, wo das Altern, der Abbau des Organismus eintritt. 

Es handelt sich nun darum, die Harmonie zwischen der 
atherischen und der astralischen Tatigkeit herbeizufuhren. 
Der atherische Leib mufi verstarkt, der astralische ge- 



schwacht werden. Es kann dies dadurch geschehen, dafi die 
physischen Substanzen, welche der Atherleib verarbeitet, in 
einen Zustand gebracht werden, in dem sie sich leichter der 
Tatigkeit fiigen, als dies im kranken Zustande geschieht. 
Ebenso mufi der Ich-Organisation Kraft zugefiihrt werden, 
denn der astralische Leib, der in seiner Tatigkeit animalisch 
orientiert ist, wird durch die Verstarkung der Ich-Organi- 
sation nach der Richtung der menschlichen Organisation 
mehr gehemmt als ohne diese. 

Der Weg, diese Dinge erkennend zu durchschauen, wird 
sich f inden, wenn man beobachtet, was fiir Wirkungen auf 
den Stoffwechselwegen irgend eine Substanz entfaltet. Man 
nehme den Schwefel. Er ist im Eiweifi enthalten. Er liegt 
also dem ganzen Vorgang zugrunde, der sich bei der Auf- 
nahme der Eiweifinahrung abspielt. Er geht von der frem- 
den atherischen Art durch den Zustand des Unorganischen 
liber in die atherische Tatigkeit des menschlichen Organis- 
mus. Er findet sich im Faserstoff der Organe, im Gehirn, 
in Nageln und Haaren. Er geht also durch die Stoffwech- 
selwege bis an die Peripherie des Organismus. Er erweist 
sich damit als eine Substanz, die bei der Aufnahme der Ei- 
weifistoffe in das Gebiet des menschlichen Atherleibes eine 
Rolle spielt. 

Es entsteht nun die Frage, ob denn der Schwefel auch 
bei dem Ubergang von dem Gebiet der atherischen Wirk- 
samkeit in das der astralischen eine Bedeutung hat, und 
ob er etwas mit der Ich-Organisation zu tun hat. Er ver- 
bindet sich nicht merklich mit den in den Organismus ein- 
gefiihrten unorganischen Substanzen zu Sauren und Salzen. 
In einer solchen Verbindung wiirde die Grundlage fiir eine 
Aufnahme der Schwefelprozesse in den astralischen Leib 



und die Ich-Organisation liegen. Der Schwefel dringt also 
nicht dahin. Er entfaltet seine Wirksamkeit im Bereiche 
des physischen und des Atherleibes. Das zeigt sich auch dar- 
in, dafi erhohte Schwefelzufuhr in dem Organismus 
Schwindelgefiihle, Bewufitseins-Dampfungen hervorruft. 
Auch der Schlaf, also der Korperzustand, in dem der astra- 
lische Leib und die Ich-Organisation als seelische Wesen- 
heiten nicht wirken, wird durch vermehrte Schwefelzufuhr 
intensiver. 

Man kann daraus ersehen, dafi der Schwefel, als Heil- 
mittel zugefuhrt, die physischen Tatigkeiten des Organis- 
mus dem Eingreifen der atherischen geneigter macht, als sie 
im kranken Zustande sind. 

Anders liegt die Sache beim Phosphor. Er findet sich im 
menschlichen Organismus als Phosphorsaure und phosphor- 
saure Salze im Eiweifi, im Faserstoff, im Gehirn, in den 
Knochen. Er drangt zu den unorganischen Substanzen hin, 
die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung 
haben. Er regt die bewufite Tatigkeit des Menschen an. Da- 
durch bedingt er auf entgegengesetze Art wie der Schwefel, 
namlich nach der Anregung der bewufken Tatigkeit, den 
Schlaf; der Schwefel dagegen bedingt diesen durch Erho- 
hung der unbewufiten physischen und atherischen Tatig- 
keit. Der Phosphor ist im phosphorsauren Kalk der Kno- 
chen, also derjenigen Organe, die der Ich-Organisation un- 
terliegen, wenn diese sich der aufieren Mechanik zur Kor- 
perbewegung bedient, nicht wenn sie von innen, in Wachs- 
tum, Stoffwechselregulierung usw. wirkt. 

Als Heilmittel wird daher der Phosphor wirken, wenn 
der krankhafte Zustand in dem Uberwuchern des astra- 
lischen Gebietes iiber die Ich-Organisation besteht und die 



letztere gestarkt werden mufi, damit die astralische zuriick- 
gedrangt wird. 

Man betrachte die Rachitis. Es wurde im f riiheren aus- 
gefuhrt, wie sie in einem Oberwuchern der atherisch-astra- 
lischen Tatigkeit beruht und wie sie zu einer mangelhaften 
Betatigung der Ich-Organisation fuhrt. Behandelt man sie 
zuerst mit Schwefel in entsprechender Weise, so wird die 
atherische gegeniiber der astralischen Tatigkeit verstarkt; 
lafit man, nachdem dies geschehen ist, eine Phosphorbe- 
handlung eintreten, so wird, was man in der Xther-Organi- 
sation vorbereitet hat, zu derjenigen des «Ich» himiberge- 
leitet; und man kommt der Rachitis von zwei Seiten ent- 
gegen. (Es ist uns bekannt, dafi die Phosphorheilung bei 
Rachitis angezweifelt wird; allein, man hatte es bei den 
bisherigen Heilversuchen nicht mit der hier beschriebenen 
Methode zu tun.) 



XIV 



VON DER THE RAP EUTIS CHEN DENKWEISE 

Die Kieselsaure tragt ihre Wirkungen durch die Stof f wech- 
selwege bis in diejenigen Partien des menschlichen Organis- 
mus, in denen das Lebendige zum Leblosen wird. Sie findet 
sich im Blute, durch das hindurch die Gestaltungskrafte 
ihren Weg nehmen miissen; und sie kommt in den Haaren 
vor, also dort, wo sich die Gestaltung nach aufien ab- 
schliefit; man trifft sie in den Knochen, in denen die Gestal- 
tung nach innen ihr Ende findet. Sie erscheint im Harn als 
Absonderungsprodukt. 

Sie bildet die physische Grundlage der Ich-Organisa- 
tion. Denn diese wirkt gestaltend. Diese Ich-Organisation 
braucht den Kieselsaureprozeft bis in diejenigen Teile des 
Organismus hinein, in denen die Gestaltung, die Formge- 
bung an die aufiere und innere (unbewufke) Welt grenzt. 
In dem Umkreis des Organismus, wo die Haare die Kiesel- 
saure tragen, wird die menschliche Organisation an die un- 
bewufite Aufienwelt angeschlossen. In den Knochen wird 
diese Organisation an die unbewufke Innenwelt angeschlos- 
sen, in der der Wille wirkt, 

Zwischen den beiden Wirkungsf elder n der Kieselsaure 
mu£ sich im gesunden menschlichen Organismus die phy- 
sische Grundlage des Bewufitseins entfalten. Die Kiesel- 
saure hat eine zweifache Aufgabe. Sie setzt im Innern den 
blofien Wachstums-, Ernahrungs- etc. -Vorgangen eine 
Grenze. Und sie schlielk nach auften die blofSen Naturwir- 
kungen von dem Innern des Organismus ab, so dafi dieser in- 
nerhalb seines Bereiches nicht dieNaturwirkungen zur Fort- 
setzung bringen mull, sondern seine eigenen entfalten kann. 



Der menschliche Organismus ist in seiner Jugend an den 
Stellen, wo die mit den Gestaltungskraften versehenen Ge- 
webe liegen, am meisten mit Kieselsaure ausgestattet. Von 
da aus entfaltet die Kieselsaure ihre Tatigkeit nach den bei- 
den Grenzgebieten hin und schafft zwischen ihnen den 
Raum, in dem sich die Organe des bewufiten Lebens bilden 
konnen. Im gesunden Organismus sind das vornehmlich die 
Sinnesorgane. Aber man mufi eingedenk dessen sein, dafi 
das Sinnesleben den ganzen menschlichen Organismus 
durchzieht. Die Wechselwirkung der Organe beruht darauf , 
dafi immer ein Organ die Wirkung des andern wahrnimmt. 
Bei denjenigen Organen, die nicht in der eigentlichen Be- 
deutung Sinnesorgane sind, z. B. Leber, Milz, Niere etc., ist 
die Wahrnehmung eine so leise, dafi sie im gewohnlichen 
wachen Leben unter der Schwelle des Bewufitseins bleibt. 
Jedes Organ ist aufierdem, dafi es dieser oder jener Funk- 
tion im Organismus dient, noch Sinnesorgan. 

Aber es ist doch der ganze menschliche Organismus von 
sich gegenseitig beeinflussenden Wahrnehmungen durchzo- 
gen und mufi es sein, damit alles in ihm gesund zusammen- 
wirkt. 

Alles das aber beruht auf der richtigen Verteilung der 
Kieselsaurewirkungen. Man kann geradezu von einem dem 
Gesamt-Organismus eingegliederten speziellen Kieselsaure- 
Organismus sprechen, auf dem die der gesunden Lebens- 
tatigkeit zugrunde liegende gegenseitige Empfindlichkeit 
der Organe und deren richtiges Verhaltnis nach innen zu 
der Seelen- und Geist-Entfaltung und nach aufien fiir den 
richtigen Abschlufi der Naturwirkungen beruht. 

Dieser Spezial-Organismus wird nur richtig wirken, 
wenn die Kieselsaure in einer solchen Menge im Organis- 



mus vorhanden ist, dafi der Ich-Organismus in voller Art 
sie ausniitzen kann. Fur alle iibrige Kieselsauremenge mufi 
die astralische Organisation, die unter der Ich-Organisation 
liegt, die Kraft haben, sie durch den Harn oder auf andere 
Art auszuscheiden. 

Die nicht ausgeschiedenen uberschussigen, von der Ich- 
Organisation nicht erfafrten Kieselsauremengen mussen im 
Organismus als Fremdstoffe sich ablagern und wegen ihrer 
Neigung zur Gestaltung, durch die sie - in richtiger Menge - 
gerade der Ich-Organisation dienen, diese storen. Zu viel 
Kieselsaure dem Organismus beigebracht, gibt daher An- 
laft zu Magen- und Darmverstimmungen. Die Aufgabe des 
Verdauungsgebietes besteht dann darin, abzuscheiden, was 
zur uberschussigen Gestaltung drangt. Wo das Flussige vor- 
herrschen soil, wird Vertrocknung bewirkt. Am deutlich- 
sten zeigt sich dies, wenn die Storungen des seelischen 
Gleichgewichtes, hinter denen die organischen unverkenn- 
bar sind, bei zu reichlicher Kieselsaurezufuhr stattfinden, 
Man fuhlt Schwindel-Gefiihle, kann sich vor dem Verfal- 
len in den Schlafzustand nicht behiiten, empfindet Unlenk- 
barkeit der Gehor- und Gesichtswahrnehmungsvorgange; 
ja man kann geradezu etwas verspiiren, wie wenn sich 
die Wirkungen der Sinne vor der Fortsetzung in das Innere 
des Nervensystems stauten. Das alles zeigt, dafi sich die 
Kieselsaure nach dem Umkreis des Korpers drangt, aber, 
wenn sie zu reichlich dorthin kommt, die Normal-Gestal- 
tung durch eine Fremdneigung zur Gestaltung stort. Eben- 
so tritt nach der Seite des inneren Abschlusses der Gestal- 
tung die Storung ein. Man empfindet Unlenkbarkeit des 
Bewegungssystems, Gelenkschmerzen. Das alles kann 
dann ubergehen in entziindliche Vorgange, die dort ent- 



stehen, wo die Fremdgestaltung der Kieselsaure zu stark 
eingreift. 

Man wird dadurch auf das verwiesen, was die Kiesel- 
saure im menschlichen Organismus an Heilkraf t entwickeln 
kann. Man nehme an, ein Organ, das nicht eigentliches Sin- 
nesorgan ist, werde in seiner unbewufiten Wahrnehmef ahig- 
keit fur die aufier ihm gelegenen Organismuspartien iiber- 
empfindlich. Man wird dann bemerken, daft in den Funk- 
tionen dieses Organs eine Storung auftritt. Ist man in der 
Lage, durch Zufiihrung von Kieselsaure die Oberempfind- 
lichkeit zu beheben, dann wird man dem krankhaften Zu- 
stand beikommen konnen. Es wird sich nur darum handeln, 
die organische Korperwirkung so zu beeinflussen, daft die 
Kieselsaurezufuhr gerade urn das krankhaft gewordene 
Organ herum wirkt, und nicht durch eine Allgemeinwir- 
kung im Sinne des oben Geschilderten den ganzen Organis- 
mus beeinfluftt. 

Durch die Kombination der Kieselsaure mit anderen 
Mitteln kann man es dahin bringen, daft die Kieselsaure 
beim Einfuhren in den Organismus gerade an dasjenige Or- 
gan herangelangt, in dem sie benotigt wird, und von dort 
auch wieder als Ausscheidung nach auften zu befordern ist, 
ohne daft sie anderen Organen zum Schaden wird. 

Ein anderer Fall ist derjenige, in dem ein Organ fur die 
Wirkungen der anderen Organe in seiner Empfindlichkeit 
herabgestimmt wird. Dann hat man es mit einer Anhauf ung 
von Kieselsaurewirkung im Umkreis des Organs zu tun. 
Man hat dann notig, auf die Kieselsaurewirkung des gan- 
zen Organismus zu einem solchen Einfluft zu gelangen, daft 
die lokale Wirkung ihre Kraft verliert, oder man kann auch 
durch Ausscheidemittel die Fortschaffung der Kieselsaure 



fordern. Das erstere ist vorzuziehen, weil die Anhaufung 
der Kieselsaure an einem Orte in der Regel einen Mangel 
an einem anderen hervorruf t. Die Verteilung der lokalisier- 
ten Kieselsaurewirkung auf den ganzen Organismus wird 
man z. B. durch eine Schwefelkur bewirken konnen. Man 
wird einsehen, warum das der Fall ist, wenn man die Schwe- 
felwirkungen im Organismus an einer andern Stelle dieses 
Buches nachliest. 



XV 



DAS HE ILVERFAHREN 

Die Erkenntnis der Heilmittelwirkungen beruht auf dem 
Durchschauen der in der aufiermenschlichen Welt vorhan- 
denen Kraftentwickelungen. Denn, um einen Heilvorgang 
zu veranlassen, mufi man Substanzen in den Organismus 
einfiihren, die in diesem sich so ausbreiten, dafi der Krank- 
heitsvorgang allmahlich in einen normalen iibergeht. Nun 
liegt eben das Wesen des krankhaften Vorganges darin, 
dafi innerhalb des Organismus sich etwas abspielt, das sich 
nicht eingliedert in die Gesamttatigkeit desselben. Das hat 
ein solcher Vorgang gemeinsam mit einem solchen der aufie- 
ren Natur. 

Man kann sagen: entsteht im Innern des Organismus 
ein Vorgang, der einem solchen der aufieren Natur ahnlich 
ist, so tritt Erkrankung ein. Ein solcher Vorgang kann den 
physischen oder den atherischen Organismus ergreifen. Es 
mufi dann entweder der astralische Leib oder das Ich eine 
Aufgabe erfullen, die sie sonst nicht vollbringen. Sie miis- 
sen sich in einem Lebensalter, in dem sie in freier seelischer 
Tatigkeit sich entf alten sollten, zuruckschrauben in ein frii- 
heres Lebensalter - in vielen Fallen sogar in das Embryonal- 
alter - und an der Bildung von physischen und atherischen 
Gestaltungen mitwirken, die bereits iibergegangen sein soil- 
ten in den Bereich des physischen und des atherischen Or- 
ganismus; das heifit, die im ersten menschlichen Lebensalter 
vom astralischen Leib und der Ich-Organisation besorgt, 
spater aber vom physischen und atherischen Organismus 
allein ubernommen werden. Denn alle Entwicklung des 
menschlichen Organismus beruht darauf , dafi ursprunglich 



die Gesamtgestaltung des physischen und atherischen Lei- 
bes aus der Tatigkeit des Astralischen und der Ich-Organi- 
sation sich ergibt; dafi aber mit zunehmendem Alter die 
astralische und Ich-Tatigkeit in der physischen und athe- 
rischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so 
miissen der astralische Leib und die Ich-Organisation in 
einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, 
zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind. 

Man nehme an, es treten Unterleibsstockungen auf . Die 
physische und atherische Organisation vollziehen nicht die 
ihnen im vorangehenden Lebensalter ubertragenen Tatig- 
keiten in dem entsprechenden Teile des menschlichen Kor- 
pers. Die astralische und Ich-Tatigkeit miissen eingreifen. 
Dadurch schwachen sich diese ab fur andere Aufgaben im 
Organismus. Sie sind nicht da, wo sie sein sollten, z. B. in 
der Gestaltung der in die Muskeln gehenden Nerven. Die 
Folge sind Lahmungserscheinungen in gewissen Teilen des 
Organismus. 

Es handelt sich darum, solche Substanzen in den mensch- 
lichen Organismus einzuf uhren, welche der astralischen und 
der Ich-Organisation die ihnen nicht zukommende Tatig- 
keit abnehmen konnen. Man kann nun finden, dal5 die 
Prozesse, die in der Bildung starker atherischer Die im 
Pflanzenorganismus, insbesondere in der Bliitenbildung 
wirken, dieses Abnehmen bewirken konnen. Auch Substan- 
zen, die Phosphor enthalten, konnen das. Man mull nur 
dafiir sorgen, dafi man den Phosphor durch Zusammen- 
mengen mit andern Substanzen dazu bringt, dafi er seine 
Wirkung im Darm entfalte, nicht in dem iiber den Darm 
hinausliegenden Stoffwechsel. 

Hat man es zu tun mit Entzundungserscheinungen der 



Haut, so entfalten da astralischer Leib und Ich-Organisa- 
tion eine abnorme Tatigkeit. Sie entziehen sich dann den 
Wirkungen, die sie auf mehr nach innen gelegene Organe 
ausiiben sollten. Sie vermindern die Empfindlichkeit inne- 
rer Organe. Diese hinwiederum horen wegen ihrer herabge- 
stimmten Empfindlichkeit auf, die ihnen obliegenden Vor- 
gange auszufiihren. Es konnen dadurch z. B. abnorme Zu- 
stande in der Lebertatigkeit auftreten. Und die Verdauung 
kann dann in unrechtmafiiger Weise beeinflufit werden. 
Bringt man nun Kieselsaure in den Organismus, so werden 
die auf die Haut entfallenden Tatigkeiten des astralischen 
und des Ich-Organismus entlastet. Die nach innen erfol- 
gende Tatigkeit dieser Organismen wird wieder freigege- 
ben; und ein Gesundungsprozeft tritt ein. 

Steht man vor krankhaften Zustanden, die sich in ab- 
normem Herzklopfen offenbaren, so wirkt eine nicht re- 
gelmafiige Tatigkeit des astralischen Organismus auf den 
Gang der Blutzirkulation. Diese Tatigkeit schwacht sich 
dann fur die Hirnvorgange ab. Es treten epileptische Zu- 
stande ein, weil durch die abgeschwachte astralische Ta- 
tigkeit im Kopf organismus die dort hingehorige atherische 
zu stark angespannt wird. Bringt man den aus Levisticum 
(Liebstockel) zu gewinnenden gummiartigen Stoff - etwa 
in Teeform, noch besser in etwas verarbeiteter Form in ei- 
nem Praparat — in den Organismus, dann wird die fur die 
Blutzirkulation unrecht verbrauchte Tatigkeit des astra- 
lischen Leibes freigegeben, und die Starkung fur die Ge- 
hirnorganisation tritt ein. 

Man mu£ in alien diesen Fallen durch eine entsprechende 
Diagnose die Richtung der Krankheitswirkungen feststel- 
len. Man nehme den letzten Fall. Er kann so liegen, dafi die 



Ursache von einem gestorten Wechselwirken zwischen athe- 
rischem und astralischem Leib in der Blutzirkulation aus- 
geht. Die Hirnerscheinungen sind dann die Folge. Man 
wird mit der Heilung so vorgehen konnen, wie es beschrie- 
ben worden ist. 

Die Sache kann aber auch umgekehrt liegen. Die Unre- 
gelmafiigkeit kann ursachlich zwischen der astralischen und 
atherischen Tatigkeit im Gehirnsystem auftreten. Dann ist 
die unregelmaftige Blutzirkulation mit der abnormen Herz- 
tatigkeit die Folge. Dann mufi man z. B. schwefelsaure Salze 
in den Stoffwechselvorgang bringen. Diese wirken auf die 
atherische Organisation des Gehirns so, dafi sie in dieser 
eine Anziehungskraft zu dem astralischen Leibe hervorru- 
fen. Man kann das daran beobachten, dafi die Denk-Initia- 
tive, die Willenssphare und die ganze Geschlossenheit des 
Wesens eine Umwandlung nach dem Besseren erfahren. Es 
wird dann wahrscheinlich notig sein, die astralischen Kraf te 
in ihrer neu zu erwerbenden Wirkung auf das Zirkulations- 
system etwa durch ein Kupfersalz zu unterstiitzen. 

Man wird bemerken, dafi der Gesamt-Organismus in 
seine regelmafiige Tatigkeit dann wieder eintritt, wenn 
man die durch den physischen und atherischen Organismus 
bewirkte Obertatigkeit des astralischen und Ich-Organis- 
mus in irgend einem Gliede des Leibes ersetzt durch eine von 
aufien bewirkte. Der Organismus hat die Tendenz, seine 
Mangel auszugleichen. Deshalb stellt er sich wieder her, 
wenn man eine Unregelmafiigkeit eine Zeitlang kunstlich 
so reguliert, dafi man den innerlich hervorgerufenen Vor- 
gang, der aufhoren raufi, bekampft durch einen ahnlichen 
Vorgang, den man von aufien her bewirkt. 



XVI 



HEILMITTEL-ERKENNTNIS 

Man mufi die Substanzen, deren Verwendung als Heil- 
mittel in Betracht kommen soli, zunachst in der Art ken- 
nen, dafi man die in ihnen enthaltenen moglichen Krafte- 
wirkungen aufierhalb und innerhalb des menschlichen Or- 
ganismus beurteilen kann. Dabei kann es sich nur in einem 
geringen Grade darum handeln, die Wirkungsmoglichkei- 
ten ins Auge zu fassen, die von der gewohnlichen Chemie 
erforscht werden, sondern es kommt darauf an, die Wir- 
kungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange 
der inneren Kraftekonstitution einer Substanz im Verhalt- 
nis zu den Kraften ergeben, die von der Erde ausstrahlen 
oder in sie einstrahlen. 

Man betrachte von diesem Gesichtspunkte aus z. B. den 
Antimonglanz. Das Antimon hat eine starke Verwandt- 
schaft zu den Schwefelverbindungen anderer Metalle. Der 
Schwefel hat eine Summe von Eigenschaften, die sich in ver- 
haltnismaftig nur engen Grenzen konstant erhalt. Er ist 
empfindlich gegen die Prozesse der Natur wie Erwarmung, 
Verbrennung usw. Das macht ihn fahig, auch eine bedeu- 
tende Rolle innerhalb der sich vollig aus den Erdenkraften 
herauslosenden und in die atherischen Wirkungen sich ein- 
spannenden Eiweifisubstanzen zu spielen. Indem das Anti- 
mon sich verwandtschaf tlich an den Schwefel bindet, macht 
es diese Einspannung in die Atherwirkungen leicht mit. Es 
ist daher leicht in die Tatigkeit des Eiweifies im mensch- 
lichen Korper hineinzubringen, und diesem zu einer Ather- 
wirkung zu verhelfen, wenn dieser Korper durch irgend- 
einen krankhaften Zustand eine von aufien eingefiihrte Ei- 



weifisubstanz mcht selbst so verwandeln kann, dafi sie sei- 
ner eigenen Tatigkeit sich eingliedert. 

Aber das Antimon zeigt noch andere Eigentumlichkei- 
ten. Wo es nur kann, strebt es die buschelformige Gestal- 
tung an. Es gliedert sich damit in Linien, die von der Erde 
weg- und den Kraften entgegenstreben, die im Ather wir- 
ken. Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den 
menschlichen Organismus, das der Wirkung des Atherleibes 
auf halbem Wege entgegenkommt. Auch dasjenige, was im 
Seigerprozefi mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die 
Ather- Verwandtschaft dieses Stoffes hin. Es wird durch 
diesen Prozefi feinfaserig. Nun ist der Seigerprozefi ein sol- 
cher, der gewissermafien unten physisch beginnt und oben 
in das Atherische iibergeht. Das Antimon gliedert sich in 
diesen Obergang hinein. 

Des weiteren zeigt das Antimon, das beim Gliihen oxy- 
diert, beim Verbrennen einen aus ihm entstehenden weifien 
Rauch, der an kalten Korpern sich anlegt und die Antimon- 
blumen erzeugt. 

Ferner hat das Antimon eine gewisse Abwehrkraft ge- 
gen die elektrischen Wirkungen. Wird es elektrolytisch in 
einer gewissen Art behandelt und an die Kathode als Nie- 
derschlag gebracht, so explodiert dieser bei Beriihrung mit 
einer Metallspitze. 

Alles dieses zeigt, dafi im Antimon die Tendenz enthal- 
ten ist, in das Atherelement in dem Augenblick leicht iiber- 
zugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in gerin- 
gem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gel ten 
alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses 
nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tatigkeit und Antimon- 
Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dafi die Antimonpro- 



zesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wir- 
ken, wie die Ich-Organisation. 

Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner 
Stromung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist 
diejenige, die unter dem Einflufi der Ich-Organisation steht 
und unter ihr die Regulierung erfahren mufi. Blut ist ein 
organisches Mittelprodukt. Was im Blute entsteht, hat Vor- 
gange durchgemacht, die auf dem Wege sind, solche des 
menschlichen Vollorganismus, d. h. der Ich-Organisation 
zu werden. Es mufi noch Vorgange durchmachen, die in die 
Gestaltung dieses Organismus sich einfugen. Welcher Art 
diese sind, kann aus Folgendem erkannt werden. Indem das 
Blut beim Entfernen aus dem Korper gerinnt, zeigt es, dafi 
es durch sich selbst die Tendenz zum Gerinnen hat, aber im 
menschlichen Organismus an diesem Gerinnen fortdauernd 
verhindert werden mufi. Was Blut am Gerinnen verhindert, 
ist die Kraft, durch die es der Organismus sich eingliedert. 
Es gliedert sich in die Korpergestaltung durch die Form- 
krafte ein, die gerade noch vor dem Gerinnen liegen, Wurde 
das Gerinnen eintreten, ware das Leben gef ahrdet. 

Hat man es daher im Organismus mit einem krankhaf- 
ten Zustande zu tun, der in einem Mangel dieser nach der 
Blutgerinnung hinzielenden Krafte besteht, so wirkt das 
Antimon in dieser oder jener Form als Heilmittel. 

Die Gestaltung des Organismus ist im wesentlichen eine 
solche Verwandlung der Eiweifisubstanz, durch die diese 
zum Zusammenwirken mit mineralisierenden Kraften 
kommt. Solche sind z. B. in dem Kalk enthalten. Was hier 
in Betracht kommt, zeigt anschaulich die Schalenbildung 
der Auster. Die Auster mufi sich desjenigen, was in der 
Schalenbildung vorliegt, entledigen, um die Eiweifisubstanz 



in ihrer Eigenart zu behalten. Ahnliches ist auch bei der 
Schalenbildung des Eies vorhanden. 

Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es 
der Eiweifibildung nicht einzugliedern. Im menschlichen 
Organismus muE diese Eingliederung stattfinden. Die blofie 
Eiweifiwirkung mufi in eine solche umgewandelt werden, 
in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Orga- 
nisation an gestaltenden Kraften hervorgerufen werden 
kann. Das mufi sich innerhalb der Blutbildung abspielen. 
Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entge- 
gen und fiihrt das Eiweifi, das seine Form bewahren will, 
durch seine Verwandtschaft mit dem Ather-Elemente in die 
Formlosigkeit hiniiber, die fiir die Einf lusse des Kalkartigen 
oder Ahnlichem empfanglich ist. 

Beim Typhus ist es klar, dafi der krankhafte Zustand in 
einer mangelnden Oberfuhrung der Eiweifisubstanz in ge- 
staltungsfahige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diar- 
rhoen, die auftritt, zeigt, dafi schon im Darm die Unfa- 
higkeit zu dieser Umwandlung beginnt. Die schweren Be- 
wufitseins-Beeintrachtigungen, die sich einstellen, zeigen, 
dafi die Ich-Organisation aus dem Korper herausgetrieben 
wird und nicht wirken kann. Das ist aus dem Grunde, weil 
die Eiweifisubstanz nicht an die mineralisierenden Krafte, 
in denen die Ich-Organisation wirken kann, herankommt. 
Ein Beweis fiir diese Anschauung ist auch die Tatsache, dafi 
die Entleerungen die Ansteckungsgef ahr bringen. In diesen 
erweist sich die Tendenz zur Zerstdrung der gestaltenden 
Krafte gesteigert. 

Wendet man bei typhosen Erscheinungen Antimonpra- 
parate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen 
sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweifisubstanz 



ihrer Eigenkrafte und machen sie geneigt, den Gestaltungs- 
kraften der Ich-Organisation sich einzufiigen. 

Man wird von Gesichtspunkten aus, die in der Gegen- 
wart vielfach iiblich sind, sagen: solche Ansichten wie die 
hier iiber das Antimon angedeutete, seien nicht exakt; und 
man wird dagegen auf die Exaktheit der gewohnlichen che- 
mischen Methoden hinweisen. Aber fiir die Wirkung im 
menschlichen Organismus kommen in Wahrheit die chemi- 
schen Wirkungen der Stoffe so wenig in Betracht wie die 
chemische Zusammensetzung eines Farbstoffes fiir die 
Handhabung dieses Stoffes durch den Maler. Gewifi, der 
Maler tut gut, von dem chemischen Ausgangspunkt etwas 
zu wissen. Aber wie er die Farbstoffe im Malen behandelt, 
das kommt von einer andern Methodik. Und so ist es fiir 
den Tberapeuten. Dieser kann die Chemie als eine Grund- 
lage betrachten, die fiir ihn etwas bedeutet; die Wirkungs- 
weise der Stoffe im menschlichen Organismus hat aber 
nichts mehr mit diesem Chemischen zu tun. Wer Exaktheit 
nur in dem sieht, was die Chemie - auch die pharmazeu- 
tische — feststellt, der vernichtet die Moglichkeit, Anschau- 
ungen dariiber zu gewinnen, was im Organismus bei Hei- 
lungsvorgangen geschieht. 



XVII 



SUB STANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE 
DER HEILMITTEL-ERKENNTNIS 

Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, mu£ 
ein Auge haben fiir die Kraftewirkungen, die sich im 
menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die 
aufier demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgend einer 
Art in ihn eingefuhrt wird. 

Ein klassisches Beispiel kann man in der Ameisensaure 
finden. Sie tritt als eine atzende, Entziindung bewirkende 
Substanz im Korper der Ameisen auf . Da erscheint sie als 
ein Absonderungsprodukt. Ein solches mu£ der entspre- 
chende tierische Organismus erzeugen, damit er seine Ta- 
tigkeit in angemessener Weise ausfuhren kann. Das Leben 
liegt in der absondernden Tatigkeit. 1st das Absonderungs- 
produkt erzeugt, so hat es keine Aufgabe mehr im Orga- 
nismus. Es mufi ausgeschieden werden. Im Tun liegt das 
Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Die 
Organisation ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern 
eine Tatigkeit. Der Stoff tragt den Anreiz zur Tatigkeit in 
sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er fiir die Orga- 
nisation keine weitere Bedeutung. 

Im menschlichen Organismus entsteht auch die Ameisen- 
saure. Da aber hat sie ihre Bedeutung. Sie dient der Ich- 
Organisation. Durch den astralischen Leib werden aus der 
organischen Substanz Teile ausgesondert, die dahin zielen, 
leblos zu werden. Die Ich-Organisation braucht diesen 
Obergang der organischen Substanz in den leblosen Zu- 
stand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Uberganges; 
nicht, was dann durch den Obergang entsteht. Ist nun das 



nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird 
es im Innern des Organismus zur Last. Es mufi entweder un- 
mittelbar abgesondert werden, oder aufgelost, urn mittelbar 
hinwegzukommen. 

Geschieht nun fur etwas, das aufgelost werden sollte, 
diese Auflosung nicht, so hauft es sich im Organismus an 
und kann die Grundlage fur gichtische oder rheumatische 
Zustande bilden. Da tritt nun im menschlichen Organis- 
mus auflosend die sich bildende Ameisensaure ein. Wird 
sie in der notwendigen Menge erzeugt, so enfernt der Or- 
ganismus die zum Leblosen zielenden Produkte in rich- 
tiger Art. 1st die Erzeugungskraft zu schwach, so ent- 
stehen die gichtischen oder rheumatischen Zustande. Fuhrt 
man sie dem Organismus von aufien zu, so unterstutzt 
man ihn, indem man ihm gibt, was er nicht selbst erzeugen 
kann. 

Man kann solche Wirkungsarten kennen lernen, wenn 
man die eine Substanz mit der andern in ihrem Fortwirken 
im menschlichen Organismus vergleicht. Man nehme die 
Kleesaure. Sie kann unter gewissen Verhaltnissen in die 
Ameisensaure iibergehen. Die letztere stellt in ihren Wir- 
kungen eine Metamorphose der Kleesaure dar. Die Klee- 
saure ist Absonderung des Pflanzlichen wie die Ameisen- 
saure des Tierischen. Die Kleesaure-Erzeugung stellt im 
pflanzlichen Organismus eine Tatigkeit her, die der von der 
Ameisensaure-Erzeugung im Tierischen analog ist. Das 
heifit, die Kleesaure-Erzeugung entspricht dem Gebiet des 
Atherischen, die Ameisensaure-Erzeugung dem des Astra- 
lischen. Die in gichtischen und rheumatischen Zustanden 
sich offenbarenden Erkrankungen schreiben sich von einer 
mangelhaften Tatigkeit des astralischen Leibes her. Es gibt 



andere Zustande, die sich so darstellen, daft die Ursachen, 
die bei Gicht und Rheumatismus aus dem astralischen Or- 
ganismus stammen, in den atherischen Organismus zuriick- 
verlegt sind. Dann entstehen nicht bloft Kraftestockungen 
nach dem Astralischen hin, welche der Ich-Organisation 
hemmend in den Weg treten, sondern Hinderniswirkungen 
im Atherischen, die von der astralischen Organisation nicht 
bewaltigt werden konnen. Sie zeigen sich in einer tragen 
Tatigkeit des Unterleibes, in Hemmungen der Leber- und 
Milztatigkeit, in steinartigen Ablagerungen der Galle und 
Ahnlichem. Fiihrt man in diesen Fallen Kleesaure zu, so 
unterstiitzt man in entsprechender Art den atherischen Or- 
ganismus in seiner Tatigkeit. Man erhalt durch Kleesaure 
eine Verstarkung des atherischen Leibes, weil die Kraft der 
Ich-Organisation durch diese Saure in eine Kraft des astra- 
lischen Leibes verwandelt wird, der dann verstarkt auf den 
Atherleib wirkt. 

Von solchen Beobachtungen ausgehend, kann man die 
Wirkung der dem Organismus heilsamen Stof fe kennen ler- 
nen. Die Beobachtung kann vom Pflanzenleben ausgehen. 
In der Pflanze wird die physische Tatigkeit von der athe- 
rischen durchsetzt. Man lernt an ihr kennen, was durch die 
atherische Tatigkeit erreicht werden kann. Im tierisch- 
astralischen Organismus wird diese Tatigkeit in die astra- 
lische iibergefuhrt. 1st sie als atherische zu schwach, so kann 
sie durch Hinzufugung der von einem eingefiihrten Pflan- 
zenprodukt herruhrenden verstarkt werden. Dem mensch- 
lichen Organismus liegt das Tierische zugrunde. Fur das- 
jenige, was sich zwischen dem menschlichen atherischen 
und astralischen Leibe abspielt, gilt innerhalb gewisser 
Grenzen dasselbe wie im Tierischen. 



Man wird mit Heilmitteln aus dem Pflanzenreiche das 
zwischen der atherischen und der astralischen Tatigkeit ge- 
storte Verhaltnis herstellen konnen. Man wird aber mit sol- 
chen Mitteln nicht zustande kommen, wenn irgend etwas 
in der physischen, atherischen und astralischen mensch- 
lichen Organisation in Bezug auf ihr Wechselverhaltnis zu 
der Ich-Organisation gestort ist. Die Ich-Organisation raufi 
ihre Tatigkeit auf Vorgange lenken, die nach dem Minera- 
lischwerden hinzielen. 

Deshalb ist bei den entsprechenden krankhaften Zustan- 
den auch nur Mineralisches als Heilmittel brauchbar. Um 
die Heilwirkung eines Mineralischen kennen zu lernen, ist 
notwendig, eine Substanz daraufhin zu untersuchen, inwie- 
fern sie abgebaut werden kann. Denn im Organismus mufi 
das von aufien zugefiihrte Mineralische abgebaut und aus 
den organischen Eigenkraf ten in neuer Form wieder auf ge- 
baut werden. In einem solchen Ab- und Aufbauen mufi die 
Heilwirkung bestehen. Und was sich da ergibt, mufi in der 
Linie liegen, dafi eine mangelhafte Eigen tatigkeit des Or- 
ganismus von der Tatigkeit der zugefuhrten Heilmittel 
ubernommen wird. 

Man nehme das Beispiel einer ubermafiigen Periode. Bei 
ihr ist die Kraft der Ich-Organisation abgeschwacht. Sie 
wird einseitig in der Blutbereitung verbraucht. Es bleibt 
von ihr fur die Absorptionskraft des Blutes im Organismus 
zu wenig iibrig. Der Weg, den Kraf te im Organismus gehen 
soli en, die nach dem Leblosen hin liegen, ist zu kurz, weil 
diese Krafte zu heftig wirken. Sie erschopfen sich auf dem 
halben Wege. 

Man kommt ihnen zu Hilf e, wenn man dem Organismus 
Calcium in irgend einer Verbindung zufuhrt. Dieses bildet 



an der Blutentstehung mit. Der Ich-Tatigkeit wird dieses 
Gebiet abgenommen, und sie kann sich der Blutabsorption 
zuwenden. 



XVIII 



HEIL-EURYTHMIE 

Innerhalb des Gebietes unserer Therapie spiel t noch eine 
besondere Rolle die sogenannte «Heil-Eiirytbmie». Sie ist 
herausgebildet aus der Anthroposophie durch Dr. Rudolf 
Steiner, zunachst als eine neue Kunst. 

Sie ist in ihrer Wesenheit als eurythmische Kunst von 
Dr. Steiner oft geschildert worden und hat auch als Kunst 
schon eine weite Verbreitung gefunden. 

Sie stellt sich auf die Biihne hin in dem bewegten Men- 
schen; ist aber keine Tanzkunst. Das zeigt sich schon dar- 
innen, daft am Menschen vorzuglich die Arme und Hande 
in Bewegung sind. Menschengruppen in Bewegungen er- 
heben das Ganze zu einem in sich kiinstlerisch wirkenden 
Biihnenbild. 

Alle Bewegungen beruhen auf der inneren Wesenheit der 
Menschen-Organisation. Aus dieser f liefit in den ersten Jah- 
ren des menschlichen Lebens die Sprache. So wie sich nun 
der Laut in der Sprache der Konstitution des Menschen ent- 
ringt, so konnen bei einer wirklichen Erkenntnis dieser 
Konstitution Bewegungen aus dem Menschen und aus den 
Menschengruppen herausgeholt werden, die eine wirkliche 
sichtbare Sprache oder ein sichtbarer Gesang sind. Dabei 
ist in den Bewegungen so wenig etwas Willkuriiches wie in 
der Sprache selbst. Wie in einem Worte nicht ein O intoniert 
werden kann, wo ein / hingehort, so kann auch in dem 
Eurythmischen fur ein / oder ein Cis nur eine eindeutige 
bewegte Gebarde erscheinen. Es ist damit die Eurythmie 
eine wirkliche Offenbarung der Menschennatur, die nicht 
unbewufit wie die Sprache oder der Gesang aus ihr sich ent- 



wickelt, die aber durch wirkliche Menschen-Erkenntnis be- 
wufit en t wickelt werden kann. 

Bei der Darstellung hat man auf der Biihne den beweg- 
ten Menschen oder Menschengruppen. Die Dichtung, die 
nun in die sichtbare Sprache umgesetzt wird, wird gleich- 
zeitig rezitiert. Man hort den Inhalt der Dichtung und 
schaut ihn zugleich mit dem Auge. Oder es wird ein Musi- 
kalisches dargeboten, das in den bewegten Gebarden wieder 
erscheint als sichtbarer Gesang. 

Es ist in der Eurythmie eine bewegte Plastik gegeben, 
die das Gebiet des Kunstlerischen wesentlich erweitert. 

Es kann nun, was da in kiinstlerischer Art gefunden wor- 
den ist, nach zwei anderen Seiten hin ausgebildet werden. 
Eine dieser Seiten ist die padagogische. In der Waldorf - 
schule in Stuttgart, die von Emil Molt begriindet worden 
ist, und die unter der Leitung von Rudolf Steiner steht, 
wird padagogische Eurythmie neben der Gymnastik durch 
alle Klassen hindurch getrieben. Es kommt dabei in Be- 
tracht, dafi bei der gewohnlichen Gymnastik nur die Dyna- 
mik und Statik des physischen Korpers entwickelt wird. 
Bei der Eurythmie stromt sich der ganze Mensch, nach Kor- 
per, Seele und Geist in Bewegung aus. Das fiihlt der heran- 
wachsende Mensch, und er erlebt diese eurythmischen 
Obungen mit ganz derselben Natiirlichkeit als eine Aufie- 
rung der menschlichen Natur, wie er in jiingeren Jahren 
das Sprechenlernen erlebt. 

Die andere Seite ist die therapeutische. Werden die Be- 
wegungs-Gebarden der Kunst- und padagogischen Euryth- 
mie modifiziert, so dafi sie aus der kranken Wesenheit des 
Menschen so fliefien, wie die anderen aus der gesunden, so 
entsteht die Heil-Eurythmie. 



Bewegungen, die so ausgefiihrt werden, wirken auf die 
erkrankten Organe zuriick. Man sieht, wie hier aufterlich 
Ausgefuhrtes sich gesundend in die Organe hinein f ortsetzt, 
wenn einer Organerkrankung die bewegte Gebarde ge- 
nau angepafit ist. Weil diese Art, durch Bewegung in dem 
Menschen zu wirken, auf Korper, Seele und Geist geht, 
wirkt sie in intensiverer Art in das Innere des kranken Men- 
schen hinein, als alle andere Bewegungs-Therapie. 

Dafiir kann Heil-Eurythmie aber auch nie eine Laien- 
sache werden, und darf nicht als eine solche betrachtet oder 
behandelt werden. 

Der Heil-Eurythmist, der gut geschult in der Erkennt- 
nis der menschlichen Organisation sein muJR, kann nur im 
Zusammenhange mit dem Arzte handeln. Alles Herumdi- 
lettieren kann nur zu Obeln fuhren. 

Nur auf Grundlage einer sachgemafien Diagnose kann 
die heileurythmische Handlung ausgefiihrt werden. Es sind 
auch die praktischen Erfolge der Heileurythmie solche, 
dafi man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer 
hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen 
kann. 



XIX 



CHARAKTERISTISCHE KRANKHEITSF ALLE 



In diesem Kapitel mochten wir aus der Praxis des klinisch- 
therapeutischen Institutes in Arlesheim eine Reihe von 
Krankheitsf alien beschreiben. Dieselben werden zeigen, wie 
versucht werden kann, mit Zuhilfenahme der Erkenntnis 
vom geistigen Menschen ein durchgreif endes Bild des krank- 
haften Zustandes so zu gewinnen, dafi die Diagnose unmit- 
telbar lehrt, welches Arzneimittel angewendet werden mufi. 
Dabei liegt eine Anschauung zugrunde, die Erkrankungs- 
und Gesundungsprozefi als einen einzigen KreisprozeS ins 
Auge fafit. Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularitat 
in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit 
Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist 
an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den 
Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafur zu 
sorgen, dafi alle Vorgange, die sich seit dem Beginn der 
Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, 
wieder zuriickverlaufen, so dafi man zuletzt bei dem Zu- 
stande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus 
vorher war. Ein solcher Prozefl, der in sich selbst zuriick- 
lauft, ist nicht zum Vollzug zu bringen, ohne daft im Ge- 
samtorganismus ein Verlust an Wachstumskraften vor sich 
geht, die gleichwertig sind den Kraften, welche der mensch- 
liche Organismus wahrend der Kindheitszeit braucht, um 
sein Volumen zu vergrdEern. Die Heilmittel miissen daher 
so beschaffen sein, daft sie nicht nur den Krankheitsprozefi 
zuriicklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende 
Vitalitat wieder unterstiitzen. Einen Teil der letzteren Wir- 
kung wird man der Krankheitsdiat iiberlassen miissen. 



Doch ist in der Kegel bei ernsteren Krankheitsf alien der Or- 
ganismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nah- 
rungsmittel geniigend Vitalitat zu entwickeln. Es wird da- 
her notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzu- 
richten, dafi der Organismus in dieser Beziehung seine Un- 
terstiitzung findet. Bei den typischen Mitteln, die von den 
klinisch-therapeutischen Instituten ausgehen, ist durchaus 
diese Einrichtung getroffen. Man wird deshalb nur bei ge- 
nauerem Zusehen bei einem Praparat erkennen, warum es 
bestimmte Bestandteile enthalt. Im Krankheitsverlaufe ist 
nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozefi, sondern die 
Gesamtveranderung des Organismus zu beriicksichtigen 
und diese in den riicklaufigen Prozefi einzubeziehen. Wie 
das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Falle, 
die wir nun charakterisieren wollen, zeigen. Nach deren 
Beschreibung wollen wir mit den allgemeinen Betrachtun- 
gen fortfahren. 



Erster Fall 

Man hat es mit einer 26-jahrigen Patientin zu tun. Der 
ganze Mensch zeigt einen aufierordentlich labilen Zustand. 
Die Patientin lafit deutlich erkennen, dafi derjenige Teil 
ihres Organismus, den wir in unserem Buche Astralleib ge- 
nannt haben, in einem Zustand der iibermafiigen Tatigkeit 
ist. Man sieht, dafi dieser Astralleib von der Ich-Organisa- 
tion nur mangelhaft beherrscht werden kann. Schickt sich 
die Patientin an, eine Arbeit zu verrichten, so gerat der 
Astralleib sofort in Wallungen. Die Ich-Organisation sucht 
sich geltend zu machen, wird aber fortwahrend zuruckge- 
stofien. Das bewirkt, dafi in einem solchen Falle erhohte 



Temperatur eintritt. Die geregelte Verdauungstatigkeit ist 
beim Menschen im eminentesten Sinne von der normalen 
Ich-Organisation abhangig. Die Ohnmacht dieser Ich-Or- 
ganisation driickt sich bei der Patientin in hartnackiger 
Obstipation aus. Eine Folge dieser gestorten Verdauungs- 
tatigkeit sind dann die migraneartigen Zustande und das 
Erbrechen, an dem sie leidet. Im Schlafe zeigt sich, dafi die 
ohnmachtige Ich-Organisation eine mangelhafte organi- 
sche Tatigkeit von unten nach oben bewirkt und die Aus- 
atmung schadigt. Die Folge davon ist iibermafiige Anhau- 
fung von Kohlensaure im Organismus wahrend des Schla- 
fes, was organisch durch das Herzklopfen beim Aufwachen, 
psychisch durch Angstgefuhl und Aufschreien zutage tritt. 
Die korperliche Untersuchung kann nichts anderes ergeben 
als einen Mangel an solchen Kraften, die den regelmafiigen 
Zusammenhang von Astralleib, Atherleib und physischem 
Leib bewirken. Die iibermafiige Eigentatigkeit des Astral- 
leibes bewirkt, dafi zu wenig Krafte von diesem in den 
physischen und Atherleib iiberstromen. Die letzteren blei- 
ben daher wahrend der Wachstumsperiode in ihrer Ent- 
wicklung zart. Das hat sich auch bei der Untersuchung da- 
durch gezeigt, dafi die Patientin einen grazilen schwach- 
iichen Korper hatte und iiber haufige Riickenschmerzen 
klagte. Die letzteren entstehen, weil in der Riickenmarks- 
tatigkeit gerade die Ich-Organisation sich am starksten gel- 
tend machen mufi. Patientin spricht auch von vielen Trau- 
men. Das ist eine Folge davon, dafi der astralische Leib, 
wenn er beim Schlafe vom physischen und Atherleib ge- 
trennt 1st, seine iibermafiige Eigentatigkeit entfaltet. Man 
hat nun davon auszugehen, dafi die Ich-Organisation ver- 
starkt und die Tatigkeit des Astralischen herabgemindert 



werden mufi. Das erste erreicht man, wenn man ein Arz- 
neimittel wahlt, das geeignet ist, die in dem Verdauungs- 
trakt schwachwerdende Ich-Organisation zu unterstiitzen. 
Man kann im Kupfer ein solches Arzneimittel erkennen. 
Wendet man es in Form eines Kupfersalbenverbandes, der 
in die Lendengegend gelegt wird, an, so wirkt das Kupfer 
verstarkend auf die von der Ich-Organisation mangelhaft 
ausgehende Warmeentwicklung. Man wird dies bemerken 
an der zuriickgehenden abnormen Herztatigkeit und an 
dem Weichen der Angstgef iihle. Die ubermaflige Eigentatig- 
keit des Astralleibes lafit sich bekampfen durch kleinste Do- 
sen von Blei, innerlich genommen. Blei zieht den Astralleib 
zusammen und weckt in ihm die Krafte, durch die er sich 
starker mit dem physischen Leib und dem Atherleib verbin- 
det. (Bleivergiftung besteht in einer zu starken Verbindung 
des astralischen mit dem Ather- und physischen Leib, so dafi 
die letzteren einem zu starken Abbauprozesse unterliegen.) 
Patientin erholte sich sichtlich bei dieser Kur. Der labile 
Zustand wich einer gewissen inneren Festigkeit und Sicher- 
heit. Die Gemiitsverfassung wurde von einer zerrissenen zu 
einer innerlich befriedigten. Die Erscheinungen der Ver- 
stopfung und der Ruckenschmerzen verschwanden, die mi- 
graneartigen Zustande und Kopfschmerzen gleichfalls. Pa- 
tientin wurde ihre Arbeitsfahigkeit wieder zuriickgegeben. 



Zweiter Fall 

48-jahriger mannlicher Patient; war ein kraftiges Kind von 
seelischer Tuchtigkeit. Gibt an, dafi er wahrend des Krie- 
ges fiinf Monate lang auf Nephritis behandelt und geheilt 
entlassen wurde. Heiratete mit 35 Jahren, hat fiinf ge- 



sunde Kinder, ein sechstes starb bei der Geburt. Mit 33 Jah- 
ren zeigen sich nach geistiger Oberanstrengung Depression, 
Miidigkeit, Apathie. Diese Zustande verstarken sich fort- 
dauernd. Es tritt parallel damit eine geistige Ratlosigkeit 
auf . Patient stent vor Fragen, die ihm das Negative seines 
Beruf es zeigen - er ist Lehrer -, dem er aber nichts Positives 
entgegensetzen kann. - Der Krankheitszustand zeigt einen 
astralischen Leib, der zum Ather- und physischen Leib eine 
zu geringe Affinkat hat und in sich selbst unbeweglich ist. 
Dadurch machen der physische und Atherleib ihre eigenen 
Eigenschaf ten geltend. Die Empf indung des nicht richtig mit 
dem Astralleib verbundenen Atherleibes erzeugt Depressio- 
nen; das nicht richtig Verbundensein mit dem physischen 
Leib Miidigkeit und Apathie. Daft Patient in geistige Rat- 
losigkeit fallt, riihrt davonher, daft der Astralleib ohnmach- 
tig ist, den physischen und Atherleib zu gebrauchen. Mit alle- 
dem hangt zusammen, daft der Schlaf gut ist, weil der Astral- 
leib geringen Zusammenhang mit Ather- und physischem 
Leib hat. Aus demselben Grunde ist aber das Aufwachen 
schwer. Der Astralleib will in den physischen nicht hinein. 
Erst wenn der physische und Atherleib mude sind am Abend, 
tritt eine normale Verbindung mit demselben ein. Daher 
wird Patient erst am Abend recht wach. Der ganze Zu- 
stand weist darauf hin, daft man zunachst die Tatigkeit des 
astralischen Leibes verstarke. Das erreicht man immer, wenn 
man Arsen innerlich in Form eines Naturwassers gibt. Man 
wird nach einiger Zeit bemerken, wie der betref f ende Mensch 
mehr Herrschaf t iiber seinen Korper bekommt. Der Zusam- 
menhang zwischen Astralleib und Atherleib wird starker, 
Depression, Apathie und Miidigkeit horen auf. Man mufi 
nun auch dem physischen Korper, der durch die langere zu 



geringe Verbindung mit dem Astralleibe trage in bezug auf 
Beweglichkeit geworden ist, durch eine Phosphorkur in 
schwacher Dosis zu Hilfe kommen. Der Phosphor unter- 
stiitzt die Ich-Organisation, so daft diese den Widerstand 
des physischen Korpers iiberwinden kann. Rosmarinbader 
werden den abgelagerten Stoffwechselprodukten einen Ab- 
flufi eroffnen. Heileurythmie kann die Harmonie der ein- 
zelnen Glieder (Nerven-Sinnessystem, rhythmisches System, 
motorisches und Stoffwechselsystem) des menschlichen Or- 
ganismus, die durch die Untatigkeit des Astralleibes gestort 
worden ist, wieder herstellen. Gibt man dem Patienten noch 
Fliedertee, so wird der trage Stof fwechsel, der sich nach und 
nach durch die Untatigkeit des Astralleibes eingestellt hat, 
wieder normal gemacht. Wir konnten bei diesem Patienten 
eine vollstandige Heilung konstatieren. 



Dritter Fall 

31-jahriger Patient, Kunstler, suchte wahrend einer Kon- 
zertreise unsere Klinik auf, ist in einem Zustande starker 
entziindlicher Funktionsstorung der Harnorgane; katarrha- 
lische Erscheinungen, Fieber, iibermudeter Korper, allge- 
meine Schwache, Arbeitsunfahigkeit. 

Die Anamnese ergibt, dafi der gleiche Zustand wieder- 
holentlich bei dem Patienten vorhanden war. Die Unter- 
suchung der geistigen Beschaffenheit des Patienten ergibt 
einen iiberempfindlichen, zermiirbten Astralleib. Als eine 
Folge davon erweist sich die leichte Anfalligkeit des phy- 
sischen und des Atherleibes fiir katarrhalische und entziind- 
liche Zustande. Patient hatte schon als Kind einen schwach- 
lichen, vom Astralleib unversorgten physischen Leib. Da- 



her Masern, Scharlach, Wasserpocken, Keuchhusten, oft 
Angina; mit 14 Jahren Harnrohrenentziindung, die mit 29 
Jahren kombiniert mit einer Blasenentziindung sich wieder- 
holte. Mit 18 Jahren trat eine Lungen- und Brustfellent- 
ziindung auf; mit 29 Jahren bei einem Grippeanfall Rip- 
penfellentziindung; mit 30 Jahren Stirnhohlenkatarrh. Es 
ist eine fortwahrende Neigung zu Bindehautkatarrh der 
Augen vorhanden. - Die Fieberkurve war wahrend des 
zweimonatigen Aufenthaltes des Patienten in der Kiinik 
anfangs bis zu 38.9, ging dann herunter, urn am 14. Tage 
wieder zu steigen; wurde spater wellig zwischen 37 und 36, 
stieg zuweilen auch iiber 37 und ging bis 35 herunter. Diese 
Fieberkurve ist ein deutliches Bild der wechselnden Stim- 
mungen in der Ich-Organisation. Es entsteht eine solche 
Kurve, wenn die Wirkungen der halb bewufken Inhalte 
der Ich-Organisation in den Warmeprozessen des physi- 
schen und Atherleibes sich ausleben, ohne durch den astra- 
Hschen Leib auf einen normalen Rhythmus reduziert zu 
werden. Die Gesamtaktionsf ahigkeit des astralischen Lei- 
bes ist in diesem Falle auf das rhythmische System kon- 
zentriert und lebt sich in demselben durch die kiinstlerische 
Begabung aus. Die anderen Systeme kommen dabei zu kurz. 
Eine wichtige Folge davon ist eine starke Miidigkeit und 
Schlaflosigkeit wahrend der Sommerzeit. Im Sommer wird 
der astralische Leib durch die aufiere Welt sehr in Anspruch 
genommen. Seine innere Aktionsfahigkeit tritt zuriick. Die 
Krafte des physischen und Atherleibes werden vorherr- 
schend. In der allgemeinen Lebensempfindung tritt das als 
starke Ermiidung auf. Die beeintrachtigte Aktionsfahig- 
keit des Astralleibes hindert denselben, sich vom physi- 
schen Leibe zu trennen. Daher tritt Schlaflosigkeit ein. Die 



nur mangelhafte Trennung des Astralleibes vom Atherleibe 
lebt sich in aufregenden und unangenehmen Traumen aus, 
die von einer Empfindsamkeit dieses Leibes gegeniiber den 
Schadigungen des physischen Organismus herriihren. Cha- 
rakteristisch ist, dafi die Traume diese Schadigungen des 
physischen Leibes in den Bildern menschlicher Verstiimme- 
lungen symbolisieren. Das Schreckhafte derselben ist ihre 
naturgemafie Gefuhlsbetonung. Eine Folge des im Stoff- 
wechselsystem mangelhaft funktionierenden Astralleibes 
ist die Neigung zur Obstipation. Durch die Selbstandigkeit 
des Atherleibes, der vom astralischen Leib zu wenig beein- 
flufit wird, kann das mit der Nahrung aufgenommene Ei- 
weifi nicht vom pflanzlichen und tierischen Eiweifi voll- 
standig in menschliches Eiweifi umgewandelt werden. Es 
wird daher im Urin Eiweifi ausgeschieden, so dafi die Ei- 
weifireaktion positiv ist. Funktioniert der astralische Leib 
mangelhaft, so treten im physischen Leibe Prozesse auf , die 
Fremdprozesse im menschlichen Organismus sind. Das Er- 
gebnis solcher Prozesse ist die Eiterbildung. Die stellt ge- 
wissermafien einen aufiermenschlichen Vorgang im Men- 
schen dar. Es ergab sich daher im Urinsediment reiner Eiter. 
Diese Eiterbildung hat einen seelischen Parallelprozefi. Es 
verarbeitet der Astralleib ebensowenig seelisch die Lebens- 
erfahrungen, wie physisch die Stoffe. Bilden sich aufier- 
menschliche Stoffbildungen als Eiter, so auch seelische In- 
halte mit aufiermenschlichem Charakter als Interesse fur 
abnorme Lebenszusammenhange, Ahnungen, Wahrzeichen 
usw. - Es handelte sich fur uns nun darum, auf den astra- 
lischen Leib ausgleichend, reinigend, kraftigend einzuwir- 
ken. Da die Ich-Organisation eine sehr regsame ist, so kann 
ihre Tatigkeit gewissermafien als Trager der Heilmittelwir- 



kung benutzt werden. Man kommt der Ich-Organisation, 
die auf die Aufienwelt eingestellt ist, am besten bei, wenn 
man von aulSen nach innen gerichtete Wirkungen anstrebt. 
Das erreicht man durch Umschlage. Wir gaben in den Um- 
schlag zuerst Melilotus. Dieser wirkt auf den Astralleib so, 
dafi derselbe in der Verteilung seiner Krafte eine Ausglei- 
chung erfahrt und der einseitigen Hinlenkung auf das 
rhythmische System entgegengewirkt wird. Natiirlich darf 
man die Umschlage nicht auf jenen Teil des Organismus 
legen, in dem das rhythmische System besonders konzen- 
triert ist. Wir legten sie um die Organe, in denen der Stof f- 
wechsel und das motorische System konzentriert sind. 
Kopfumschlage vermieden wir aus dem Grunde, weil der 
Stimmungswechsel der Ich-Organisation, der vom Kopfe 
ausgeht, die Wirkung paralysieren mufke. Es handelte sich 
deshalb nun darum, den astralischen Leib und die Ich-Or- 
ganisation, die fur die Wirkung der Melilotus zusammen- 
gespannt werden mufken, zu fordern. Das suchten wir zu 
erreichen durch einen oxalsauren Zusatz, der der Kletten- 
wurzel entnommen war. Oxalsaure wirkt so, dafi die Ta- 
tigkeit der Ich-Organisation in eine solche des Astralleibes 
umgewandelt wird. Zu allem dem gaben wir innere Mittel 
in sehr schwacher Dosierung, welche die Aufgabe hatten, 
die Absonderungen in eine regelmaEige Eingiiederung in 
die Astralleib-Wirkungen zu bringen. Die Absonderungen, 
die von der Kopf organisation aus dirigiert werden, suchten 
wir zu normalisieren durch schwefelsaures Kalium. Dieje- 
nigen Vorgange, die vom Stof fwechselsys tern im engeren 
Sinne abhangen, suchten wir durch kohlensaures Kalium zu 
beeinf lussen. Die Harnabsonderung regelten wir durch Teu- 
crium. Wir gaben deshalb ein Praparat, das zu gleichen 



Teilen bestand aus schwefelsaurem Kalium, kohlensaurem 
Kalium und Teucrium. Die ganze Behandlung mufite mit 
einem sehr labilen Gleichgewicht des physischen, seelischen 
und geistigen Gesamtorganismus rechnen. Es mufite daher 
durch dauerndes Bettliegen fur physisches, durch seelische 
Ruhe fur geistiges Gleichgewicht gesorgt werden, das ein 
Ineinanderwirken der verschiedenen Heilmittel erst mog- 
lich machte. Bewegung und Aufregung machen einen so 
kompliziertenHeilungsprozeft fast unmogiich. -Patient war 
nach Beendigung der Kur korperlich kraftig und gestarkt 
und seelisch in guter Verfassung. Dafi bei einem so labilen 
Gesundheitszustand bei irgend einer aufieren Attacke die 
eine oder andere Storung wieder eintreten kann, ist selbst- 
verstandlich. Es gehort zur Gesamtheilung, dafi in einem 
solchen Falle solche Attacken vermieden werden. 



Vierter Fall 

Ein Kind, das uns zweimal in die Klinik gebracht wurde, 
erst mit 4 Jahren, dann mit 5 l h Jahren. Dazu dessen Mut- 
ter und die Schwester der Mutter. Die Diagnose fiihrte von 
der Erkrankung des Kindes sowohl zu derjenigen der Mut- 
ter wie zu der der Schwester himiber. Fur das Kind konn- 
ten wir das Folgende feststellen: Es ist ein Zwillingskind, 
sechs Wochen zu friih geboren. Das andere Kind war im 
letzten Embryonalstadium abgestorben. Mit sechs Wochen 
erkrankte das Kind, schrie aufierordentlich viel und wurde 
in ein Hospital verbracht. Dort stellte man die Diagnose 
Pylorospasmus. Das Kind wurde teilweise von einer Amme, 
teilweise kiinstlich ernahrt. Mit acht Monaten wird es vom 
Hospital entlassen. Zu Hause angekommen, hatte es am 



ersten Tage einen Krampfanfall, der sich in den ersten zwei 
Monaten taglich wiederholte. Das Kind wurde dabei steif 
und verdrehte die Augen. Vor dem Anfall trat Angstlich- 
keit und Weinen ein. Auch schielte das Kind mit dem rech- 
ten Auge und hatte Erbrechen, bevor der Anfall kam. Mit 
2V2 Jahren trat wieder ein Anfall ein, der fiinf Stunden 
dauerte. Das Kind wurde wieder steif und lag wie tot da. 
Mit vier Jahren trat ein Anfall ein, der V2 Stunde dauerte. 
Fur diesen wurde uns zum erstenmal die Begleitung mit 
Fiebererscheinungen gemeldet. Nach den Konvulsionen, 
die nach dem Zuruckbringen aus dem Hospital eintraten, 
merkten die Eltern eine Lahmung des rechten Armes und 
des rechten Beines. Mit 2V2 Jahren kommt das Kind zum 
ersten Gehversuch, der so ausfallt, dafi nur das linke Bein 
schreiten kann und das rechte nachgezogen wird. Auch der 
rechte Arm bleibt willenlos. Der gleiche Zustand war noch 
vorhanden, als uns das Kind gebracht wurde. Es handelte 
sich darum, festzustellen, wie es mit den Organisations- 
gliedern des Kindes stand. Dies wurde unabhangig von dem 
Symptomenkomplex versucht. Es stellte sich eine starke 
Atrophie des Xtherleibes heraus, der in gewissen Teilen nur 
einen sehr geringen EinfiuiS des astralischen Leibes auf- 
nahm. Die Gegend der rechten Brusthalfte war im Xther- 
leibe wie gelahmt. Dagegen zeigte sich etwas wie eine Hy- 
pertrophic des Astralleibes in der Magengegend. Nun han- 
delte es sich darum, den Symptomenkomplex mit diesen 
Befunden in Einklang zu bringen. Es 1st zweifellos durch 
den astralischen Leib eine starke Inanspruchnahme des Ma- 
gens bei der Verdauung vorhanden, die sich aber wegen der 
Lahmung des Atherleibes beim "Obergange vom Darm in die 
Lymphgefafie staut. Dadurch ist das Blut unterernahrt. Wir 



mussen die Brechreizerscheinungen daher als besonders 
wichtige Symptome nehmen. Krampfe treten immer ein, 
wenn der atherische Leib atrophisch wird und der astra- 
lische Leib einen unmittelbaren Einf lufi auf den physischen 
Leib erlangt ohne Vermittlung des Atherleibes. Das war bei 
dem Kinde im hochsten Mafte vorhanden. Wenn dieser Zu- 
stand wahrend der Wachstumsperiode, wie es hier der Fall 
war, dauernd wird, so fallen diejenigen Vorgange aus, wel- 
che das motorische System zur normalen Aufnahme des 
Willens geeignet machen. Das zeigte sich bei dem Kinde in 
der Unbrauchbarkeit der rechten Seite. - Wir mufiten nun 
den Zustand des Kindes mit dem der Mutter in Verbindung 
bringen. Diese ist 37 Jahre alt, als sie zu uns kommt. Sie gibt 
an, mit 13 Jahren schon so grofi gewesen zu sein wie gegen- 
wartig. Sie hatte fruh schlechte Zahne, litt als Kind an Ge- 
lenkrheumatismus, behauptet rachitisch gewesen zu sein. 
Die Menses traten verhaltnismafiig fruh ein. Die Patientin 
erklart, mit 16 Jahren eine Nierenkrankheit gehabt zu ha- 
ben, und spricht auch von krampf artigen Zustanden, die sie 
gehabt hat. Mit 25 Jahren Obstipation wegen Krampf des 
Sphinkter ani, der gedehnt werden mufite. Hat auch jetzt 
bei der Entleerung Krampf. - Der ohne Schlufifolgerung 
aus dem Symptomenkomplex in unmittelbarer Anschauung 
festgestellte Befund ergibt eine aufierordentiiche Ahnlich- 
keit mit dem des Kindes. Nur erweist sich alles in viel mil- 
derer Form. Man mufi berucksichtigen, dafi der Atherleib 
des Menschen zwischen dem Zahnwechsel und der Ge- 
schlechtsreife seine besondere Entwickelung erfahrt. Dies 
kommt bei der Patientin dadurch zum Ausdruck, dafi die 
verfiigbaren Krafte des Atherleibes, die wenig stark sind, 
ein Wachstum nur bis zur Geschlechtsreife moglich machen. 



Mit dieser beginnt die besondere Entwickelung des Astral- 
leibes, der mit seiner Hypertrophic nun den Atherleib iiber- 
wuchert und zu stark in die physische Organisation ein- 
greift. Das tritt in dem stehenbleibenden Wachstum mit 
dem 13. Jahre zutage. Dabei ist die Patientin keineswegs 
zwerghaft, sondern sehr grofi, was da von herriihrt, dafi die 
zwar geringen, aber vom Astral leibe ungehemmten Wachs- 
tumskrafte des Atherleibes eine starke Volumenausdeh- 
nung des physischen Korpers bewirkten. Diese Krafte 
konnten dann noch nicht regular in die Funktionen des 
physischen Leibes eingreifen. Das zeigte sich in dem Auf- 
treten des Gelenkrheumatismus und spater in den Krampf- 
zustanden. Durch die Schwache des Atherleibes tritt eine 
besonders starke Wirkung des Astralleibes auf den physi- 
schen Leib ein. Diese Wirkung ist eine abbauende. Sie wird 
in der normalen Lebensentwicklung durch die Aufbau- 
krafte im Schlafe, wenn der Astralleib von dem physi- 
schen und Atherleib getrennt ist, ausgeglichen. Ist der 
Atherleib zu schwach, wie im Falle unserer Patientin, so 
tritt ein Oberschufi des Abbaues ein, was sich bei ihr dar- 
in zeigte, dafi die Zahne schon im 1 2. Jahre die erste Plombe 
notwendig machten. Wird der Atherleib noch besonders 
in Anspruch genommen, wie in der Schwangerschaft, so 
tritt jedesmal eine Verschlechterung der Zahne ein. Die 
Schwache des Atherleibes in Bezug auf seine Verbin- 
dung mit dem Astralleibe zeigt sich noch besonders in 
der Haufigkeit der Traume und im gesunden Schlaf, der 
bei der Patientin vorhanden ist, trotz aller Unregelmaftig- 
keit. Die Schwache des Atherleibes zeigt sich auch darin- 
nen, dafi im physischen Korper durch den Atherleib nicht 
bewaltigte Fremdprozesse sich abspielen, die im Urin als 



Eiweifi, vereinzelte hyaline Zylinder und Salze sich zei- 
gen. - Merkwiirdig ist die Verwandtschaft dieser Krank- 
heitsprozesse mit denen der Schwester der Mutter. Der 
Befund in Bezug auf die Zusammensetzung der Teile der 
menschlichen Wesenheit ist fast ganz derselbe. Schwach 
wirkender Atherleib, daher Uberwiegen des Astralleibes. 
Nur ist der Astralleib selbst schwacher als bei der Schwe- 
ster. Es kommt daher ebenso wie bei dieser zum friihen 
Eintritt der Menses, aber es treten bei ihr statt der Ent- 
ztindungen blofie Schmerzen auf, die von einer Irritierung 
der Organe, z. B. der Gelenke herriihren. In den Gelenken 
mufi der Atherleib besonders tatig sein, wenn die Vitalitat 
normal vor sich gehen soil. Ist die Tatigkeit des Atherleibes 
schwach, so wird die Tatigkeit des physischen Leibes uber- 
wiegend, was sich hier in Schwellungen und in chronischer 
Arthritis zeigt. Auf die Schwache des Astralleibes, der zu 
wenig auf das subjektive Empfinden wirkt, weist die Vor- 
liebe zu siifien Speisen hin, welche das Empfinden des 
Astralleibes erhohen. Ist der schwache Astralleib durch das 
Tagesleben noch dazu abgenutzt, so treten, wenn das 
Schwachsein erhalten bleibt, die Schmerzen bedeu tender 
auf. Patientin klagt uber die Zunahme der Schmerzen 
abends. - Der Zusammenhang der Krankheitszustande der 
drei Patienten weist in der Aszendenz auf die den beiden 
Schwestern vorangegangene Generation hin, insbesondere 
auf die GroiSmutter des Kindes. Bei dieser mufi die Ursache 
gesucht werden. Das gestorte Gleichgewicht zwischen 
Astral- und Atherleib bei alien drei Patienten kann nur in 
einem ebensolchen bei der Grofimutter des Kindes begriin- 
det sein. Diese Unregelmafiigkeit mufi in der mangelhaften 
Ausbildung der embryonalen Ernahrungsorgane, insbeson- 



dere der Allantois durch Astral- und Atherleib der Grofi- 
mutter bedingt sem. Diese mangelhafte Ausbildung der 
Allantois mufi bei alien drei Patienten gesucht werden. Bei 
uns wurde sie zunachst auf rem geisteswissenschaf tliche Art 
festgestellt. Die physische Allantois metamorphosiert sich, 
ins Geistige hinubergehend, in der Tiichtigkeit der Krafte 
des Astralleibes. Eine degenerierte Allantois erzeugt eine 
verminderte Tiichtigkeit des Astralleibes, die sich insbe- 
sondere in alien motorischen Organen aufiert. Alles dieses 
ist bei den drei Patienten der Fall. Man kann wirklich aus 
der Beschaffenheit des Astralleibes diejenige der Allantois 
erkennen. Man wird daraus ersehen, dafi unser Hinweis auf 
die Aszendenz nicht einer gewagten Phantasie-Schluftfolge- 
rung, sondern einer wirklichen geisteswissenschaftlichen 
Beobachtung entstammt. 

Wen diese Wahrheit irritiert, dem mochten wir sagen, 
dafi unsere Ausfuhrungen durchaus nicht dem Triebe zum 
Paradoxen, sondern dem Verlangen, die nun einmal vor- 
handene Erkenntnis niemandem vorzuenthalten, entsprun- 
gen sind. Die mystischen Begrif fe der Vererbung werden ja 
stets dunkel bleiben, wenn man sich scheut, die Metamor- 
phose vom Physischen zum Geistigen und umgekehrt in der 
Folge der Generationen anzuerkennen. 

Therapeutisch kann eine solche Einsicht ja nur dazu fiih- 
ren, eine Ansicht zu bekommen, an welchem Punkte man 
mit dem Heilungsprozefi anzusetzen hat. Wurde man nicht 
in einer solchen Art an das Hereditare verwiesen worden 
sein, sondern einfach die Unregelmafiigkeit im Zusammen- 
hange zwischen Atherleib und Astralleib bemerkt haben, 
so hatte man Heilmittel angewendet, welche auf diese bei- 
den Teile des Menschen wirken. Diese wiirden aber in un- 



serem Falle unwirksam geblieben sein, weil die Schadigung, 
die durch Generationen hindurch geht, zu tief liegt, um in 
diesen Gliedern der menschlichen Organisation selbst aus- 
geglichen zu werden. Man mufi in einem solchen Falle auf 
die Ich-Organisation wirken und in dieser alles zur Aus- 
wirkung bringen, was auf die Harmonisierung und Star- 
kung von Ather- und Astralleib Bezug hat. Man kann das 
erreichen, wenn man in gewissermafien verstarkten Sinnes- 
reizen (Sinnesreize wirken auf die Ich-Organisation) der 
Ich-Organisation beikommt. - Bei dem Kinde wurde dies 
auf folgende Art versucht: es wurde eine Bandage der rech- 
ten Hand mit einer 5-prozentigen Pyritsalbe und gleichzei- 
tig Einreiben der linken Kopfhalfte mit Kaiser schwamm- 
salbe angewendet. Der Pyrit, eine Verbindung von Eisen und 
Schwefel, wirkt aufierlich angewendet so, dafi er die Ich- 
Organisation anregt, den Astralleib lebhafter zu machen 
und seine Affinitat zum Atherleib zu vergrofiern. Die Kai- 
serschwammsubstanz mit ihrem besondern Inhalte an orga- 
nisiertem Stickstof f wirkt so, dafi eine Wirkung vom Kopf e 
ausgeht, die durch die Ich-Organisation den Atherleib leb- 
hafter macht und dessen Affinitat zum Astralleibe erhoht. 
Der Heiiungsprozefi wurde unterstutzt durch Heileuryth- 
mie, die die Ich-Organisation als solche in rege Tatigkeit 
versetzt. Dadurch wird, was aufierlich angewendet wird, 
in die Tiefen der Organisation geieitet. Der damit einge- 
leitete Heilungsprozefi wurde dann noch verstarkt durch 
Mittel, welche Astral- und Atherleib besonders empfind- 
Hch machen sollten fiir die Wirkung der Ich-Organisation. 
In rhythmischer Tagesf olge wurden dazu angewendet Ba- 
der mit einer Auskochung von Solidago, Riickenabreibun- 
gen mit Auskochung von Stellaria media und innerlich Tee 



von Weidenrinde (besonders auf die Empfanglichkeit des 
Astralleibes wirkend) und Stannum 0,001 (besonders den 
Atherleib empfanglich machend). Wir gaben auch noch 
Mohnsaft in schwacher Dosierung, urn die geschadigte Ei- 
genorganisation gegeniiber den Heilwirkungen zuriicktre- 
ten zu lassen. 

Bei der Mutter wurde mehr die letzte Therapie angewen- 
det, weil, als in einer Generation hoherstehend, die Verer- 
bungskrafte ja weniger gewirkt haben. Das Gleiche gilt 
fur die Schwester der Mutter. - Wir konnten noch, als das 
Kind in der Klinik war, konstatieren, dafi es sich leichter 
dirigieren liefi und zu einer besseren seelischen Verf assung 
kam. Es wurde z. B. gehorsamer; und die Bewegungen, die 
es sonst sehr ungeschickt machte, bewirkte es geschickter. 
Nachtraglich wurde uns von der Tante berichtet, dafi mit 
dem Kinde eine grofie Veranderung vorgegangen ware. Es 
ist ruhiger geworden, das Obermafi unwillkiirlicher Bewe- 
gungen hat abgenommen; es ist so geschickt geworden, dafi 
es allein spielen kann; und in seelischer Beziehung ist der 
friihere Eigensinn verschwunden. 



FUnfter Fall 

Eine 26-jahrige Patientin kam in unsere Klinik mit den 
schweren Folgen einer Grippe, die 1918 mit Lungenkatarrh 
verbunden durchgemacht worden ist, und die einer 1917 
abgelaufenen Brustfellentziindung gefolgt war. Seit der 
Grippe konnte sich die Patientin nicht mehr so recht erho- 
len. 1920 war sie sehr abgemagert schwach und hatte leich- 
tes Fieber und Nachtschweifie. Bald nach der Grippe setz- 
ten Kreuzschmerzen ein, die sich bis ins Spatjahr 1920 fort- 



wahrend steigerten; und dann zeigte sich unter heftigen 
Schmerzen eine Verkriimmung im Kreuz. Auch trat eine 
Schwellung des rechten Zeigefingers ein. Eine Liegekur 
brachte angeblich Besserung der Riickenschmerzen. - Als 
Patientin bei uns ankam, hatte sie einen Senkungsabszefl am 
rechten Oberschenkel, aufgetriebenen Leib mit etwas Asci- 
tes und liber den Lungenspkzen katarrhalische Gerausche, 
sowohl rechts als links. Verdauung und Appetit ist gut. 
Urin ist konzentriert, zeigt Spuren von Eiweifi. Die geistes- 
wissenschaftliche Untersuchung ergab: Oberempfindlich- 
keit des Astralleibes und der Ich-Organisation; eine sokhe 
Abnormitat driickt sich zunachst im Atherleibe dadurch 
aus, dafi derselbe nicht die eigentlichen Atherfunktionen, 
sondern einen atherischen Abdruck der Astralfunktionen 
entwickelt. Die Astralfunktionen sind abbauende. Es mufi- 
ten sich daher die Vitalitat und der normale Prozefi in den 
physischen Organen verkummert zeigen. Das ist immer ver- 
bunden mit gewissermafien aufiermenschlichen Prozessen, 
die sich im menschlichen Organismus abspielen. Der Sen- 
kungsabszefi, die Riickenschmerzen, die Aufgetriebenheit 
des Leibes, die katarrhalischen Erscheinungen der Lungen 
und auch die mangelhafte Eiweifi verarbeitung riihren da- 
von her. - Es handelt sich bei der Therapie darum, die Emp- 
findlichkeit des Astralleibes und der Ich-Organisation her- 
abzusetzen. Man erreicht das dadurch, dafi man Kiesel- 
saure verabreicht, welche immer die Eigenkraft gegeniiber 
der Empfindlichkeit verstarkt. Wir taten es in diesem Falle, 
indem wir pulverisierte Kieseisaure in die Speisen taten 
und als Klistiere gaben. Ebenso leiteten wir die Empfind- 
lichkeit ab, indem wir auf den unteren Rucken Senfpflaster 
legten. Dessen Wirkung beruht darauf, dafi es von sich aus 



die Empfindlichkeit bewirkt und sie dadurch dem Astral - 
leib und der Ich-Organisation abnimmt, Durch einen Pro- 
zefi, der die Oberempfindlichkeit des Astraileibes im Ver- 
dauungstrakt dampft, erreichten wir ein Ableiten dieser 
astralischen Tatigkeit auf den Xtherleib, wo sie normaler- 
weise sein soli. Wir bewirkten das durch geringe Dosen von 
Kupfer und Carbo animalis. Der Moglichkeit, dafi sich der 
Atherleib der ihm ungewohnten normalen Verdauungstatig- 
keit entzieht, begegneten wir, indem wir Pankreassaf t gaben. 

Der Senkungsabszeft wurde einigemale punktiert. Es 
entleerten sich durch Aspiration grofie Eitermengen. Der 
Abszefi ging zuriick und die Bauchschwellung nahm ab, in- 
dem die Eiterbildung stetig nachliefi und zuletzt ver- 
schwand. Wahrend der Eiter noch flofi, wurden wir eines 
Tages uberrascht durch einen erneuten Fieberanstieg. Der- 
selbe erschien uns nicht unerklarlich, da bei der oben ge- 
schilderten Konstitution des Astraileibes geringe psychische 
Aufregungen solches Fieber bewirken konnen. Man muft 
aber unterscheiden zwischen der Erklarlichkeit des Fiebers 
in solchen Fallen und seiner stark schadigenden Wirkung. 
Denn es ist unter den angegebenen Voraussetzungen solches 
Fieber geradezu der Vermittler fur ein tiefgehendes Ein- 
greifen der Abbauprozesse in den Organismus. Und man 
mufi sogleich fiir eine Starkung des Atherleibes sorgen, da- 
mit diese die schadigende Wirkung des Astraileibes para- 
lysiert. Wir wandten hochpotenzierte Silberinjektionen an 
und erreichten Riickgang des Fiebers. - Patientin hat die 
Klinik mit 20 Pfund Gewichtszunahme und in gestarktem 
Zustande verlassen. Wir geben uns keiner Tauschung dar- 
iiber bin, dafi in diesem Falle noch eine Nachkur die Hei- 
lung befestigen mufi. 



Zwischenbemerkung 



Durch die bisher behandelten Falle wollten wir die Prin- 
zipien charakterisieren, nach denen wir aus der Diagnose 
die Heilmittel suchen. Um die Sache anschaulich zu ma- 
chen, nahmen wir Falle, in denen sehr individuell vorge- 
gangen werden mufite. Doch sind von uns auch typische 
Heilmittel hergestellt worden, die fiir typische Krankhei- 
ten angewendet werden konnen. Wir wollen nun einige 
Falle behandeln, in denen wir solche typischen Mittel an- 
wendeten. 



Sechster Fall. Heufieberbehandlung 

Wir hatten einen Patienten mit schweren Heufieber- 
erscheinungen. Derselbe litt schon seit Kindheit darunter. 
Er kam in unsere Behandlung im 40. Lebensjahr. Fiir die- 
sen Krankheitszustand haben wir unser «Gencydo»-Pra- 
parat. Dasselbe wurde bei dem Patienten in der Zeit ange- 
wendet, in der - es war im Mai - die Krankheit am hef tig- 
sten auftrat. Wir behandelten den Patienten mit Injektio- 
nen und lokal durch Pinselung mit der «Gencydo»-Fliissig- 
keit in der Nase. Nachdem eine deutliche Besserung zu ei- 
ner Zeit eingetreten war, in der der Patient in friiheren 
Jahren von den Heufiebererscheinungen noch schwer ge- 
plagt wurde, machte derselbe eine Reise und konnte uns 
von derselben berichten, daB er sich unvergleichlich wohler 
als in friiheren Jahren befand. Im nachsten Jahre war er 
zur Heufieberzeit wieder auf einer Reise von Amerika nach 
Europa und hatte nur einen viel leichteren Anf all als f riiher. 
Die Wiederholung der Behandlung ergab fiir dieses Jahr 



einen durchaus ertraglichen Zustand. Urn die Heilung 
griindlich zu machen, wurde die Behandlung auch im nach- 
sten Jahre vorgenommen, trotzdem ein eigentlicher Anfall 
nicht vorhanden war. Fur ein weiteres Jahr schilderte Pa- 
tient wortlich seinen Zustand folgendermafien: «Im Friih- 
ling 1923 begann ich die Behandlung wieder, weil ich neue 
Attacken erwartete. Ich fand, dafi meine Nasenschleim- 
haut weit weniger empfindlich als fruher war. Ich mufke 
mich arbeitend aufhalten inmitten von Grasbliiten und 
Pollen-erzeugenden Baumen. Auch ritt ich den ganzen 
Sommer hindurch tiber heifie und staubige StraJ&en. Aber 
mit Ausnahme eines einzigen Tages traten keinerlei Sym- 
ptome von Heufieber den ganzen Sommer auf; ja, ich habe 
alien Grund, zu glauben, daft der einzige Tag mir nur eine 
Erkaltung brachte und keinen Heuschnupfenanfall. Seit 
35 Jahren war dies das erste Jahr, daft ich ungehindert mich 
aufhalten und arbeiten konnte in einer Umgebung, in der 
ich in fruheren Jahren eine wahre Holle erlebte.» 



Siebenter Fall. Sklerosebehandlung 

Eine 61-jahrige Patientin erscheint in unserer Klinik mit 
Sklerose und Albuminuric Der augenblickliche Zustand 
ist ausgelost durch eine Influenza mit leichtem Fieber und 
Magen- und Darmstorungen. Seit dem Influenzaanfall fiihlt 
sich Patientin nicht mehr wohl. Sie klagt iiber Schwere des 
Atmens beim Aufwachen, Schwindelanfalle, ein Gefiihl 
von Klopfen in Kopf, Ohren und Handen, das sich beson- 
ders beim Aufwachen lastig bemerkbar macht, aber auch 
beim Gehen und Steigen sich einstellt. Der Schlaf ist gut. Es 
ist Neigung zur Obstipation vorhanden. Im Urin Eiweift. 



Blutdruck 185 mm Quecksilber. Wir gingen zunachst von 
der Sklerose aus, die an der Obertatigkeit des Astralleibes 
bemerkbar ist. Der physische Leib und der Atherleib sind 
nicht imstande, die voile Tatigkeit des Astralleibes aufzu- 
nehmen. Es bleibt in einem solchen Falle eine Obertatigkeit 
des Astralleibes ubrig, die vom physischen und Atherleibe 
nicht resorbiert wird. Eine normale feste Haltung der 
menschlichen Organisation ist nur moglich, wenn diese Re- 
sorption eine vollstandige ist. Sonst macht sich der nicht 
resorbierte Teil, wie es hier der Fall ist, durch Schwindel 
und namentlich durch subjektive Sinnesillusionen, wie 
Klopfen usw. geltend. Auch ergreift dieser nicht resorbierte 
Teil die aufgenommenen Substanzen und drangt ihnen Pro- 
zesse auf, bevor sie in den normalen Stoffwechsel einge- 
drungen sind. Das kommt zum Vorschein in der Neigung 
zur Obstipation und im Eiweiftabgang; ebenso in den Ma- 
gen- und Darmstorungen. Der Blutdruck wird in einem 
solchen Falle erhoht, weil die Obertatigkeit des Astralleibes 
auch die Ichtatigkeit erhoht und diese sich im erhohten 
Blutdruck offenbart. - Wir behandelten den Fall in der 
Hauptsache mit unserem «Scleron»; wir fugten nur zur 
Unterstiitzung Belladonna in sehr geringer Dosis hinzu, um 
den Schwindelanfallen auch augenblicklich zu begegnen. 
Wir gebrauchten Holundertee, um der Verdauung forder- 
lich zu sein, regulierten den Stuhl durch Klistiere und Ab- 
fuhrtee und verordneten eine salzlose Diat, weil Salze der 
Sklerose unterstiitzend beispringen. Wir erreichten eine ver- 
haltnismafiig rasche Besserung. Die Schwindelanfalle gin- 
gen zuriick, sowie auch das Klopfen. Der Blutdruck ging 
auf 112 zuriick. Das subjektive Befinden besserte sich zu- 
sehends. Die Sklerose machte in dem darauffolgenden Jahre 



keine Fortschritte. Nach einem Jahre kam Patientin wie- 
der mit einem geringeren Grade der Symptome. Durch eine 
ahnliche Behandlung trat eine weitere Besserung ein; und 
an der Patientin ist deutlich bemerkbar, nachdem langere 
Zeit seit der Behandlung verflossen ist, dafi die Sklerose 
keine weitere Degeneration des Organismus hervorruft. 
Die fiir die Sklerose charakteristischen aufiern Symptome 
sind in Ruckbildung begriff en und das schnelle Altern, von 
dem Patientin vorher ergriffen war, ist nicht mehr vor- 
handen. 



Achter Fall, Eine Struma-Behandlung 

Die Patientin kam im 34. Lebensjahre zu uns. Sie stellt 
den Typus eines Menschen dar, der in seiner seelischen Ge- 
samtverfassung stark von einer gewissen Schwere und in- 
neren Briichigkeit des physischen Leibes beeinflufit wird. 
Es scheint, dafi jedes Wort, das sie spricht, eine Anstrengung 
kostet. AuEerordentlich charakteristisch ist die Konkavitat 
der Gesamtform des Gesichtes; die Nasenwurzel ist wie 
etwas, was im Organismus zuriickgehalten wird. Die Pa- 
tientin gibt an, dafi sie seit der Schulzeit schon zart und 
kranklich war. Von eigentlichen Krankheiten hat sie nur 
leichte Masern durchgemacht. Sie hat immer blasses Aus- 
sehen, viel Mudigkeit und schlechten Appetit gehabt. Sie 
wurde von Arzt zu Arzt geschickt, wobei nacheinander 
folgende Diagnosen festgestellt wurden: Lungenspitzenka- 
tarrh, Magenkatarrh, Blutarmut. In ihrem eigenen Bewufk- 
sein hatte die Patientin, dafi sie weniger korperlich krank 
sei, dafur aber mehr seelisch. 

Wir wollen nun nach diesem Teil der Anamnese den 



geisteswissenschaftlichen Befund anfiihren, um nachher an 
demselben alles Weitere zu priifen. 

Bei der Patientin zeigt sich eine hochgradige Atonie des 
Astralleibes. Dadurch ist die Ich-Organisation vom physi- 
schen und Atherleib zuriickgestaut. Das ganze Bewufitseins- 
leben ist wie von einer leisen dumpfen Schlafrigkeit durch- 
zogen. Der physische Leib ist den Prozessen ausgesetzt, die 
von den eingefuhrten Stoffen herriihren. Dadurch werden 
diese Stoffe in Teile der menschlichen Organisation umge- 
wandelt. Der Atherleib wird vom Ich und astral ischen Leib 
in seiner koharenten Vitalitat zu stark herabgedampft, wo- 
durch die inneren Empfindungen, namlich das allgemeine 
Lebensgefiihl und das Gefuhl der Korperstatik viel zu leb- 
haft, die Regsamkeit der aufteren Sinne viel zu dumpf wer- 
den. Es miissen daher alle korperlichen Funktionen einen 
Weg nehmen, wodurch sie in Disharmonie zueinander ste- 
hen. Es ist nicht anders moglich, als dafi bei der Patientin 
das Gefuhl auftritt, sie konne die Funktionen ihres Korpers 
vom Ich aus nicht zusammenhalten. Das erscheint ihr wie 
eine seelische Ohnmacht. Deshalb sagt sie, sie sei mehr see- 
lisch als korperlich krank. Steigert sich die Ohnmacht des 
Ich und astralischen Leibes, so miissen in den verschiedenen 
Korperteilen Krankheitszustande auftreten, worauf auch 
die verschiedenen Diagnosen hinweisen. Die Ohnmacht des 
Ich druckt sich in Unregelmafiigkeiten solcher Driisen aus, 
wie Schilddriise, Nebennieren; ferner in Unregelmafiigkei- 
ten des Magen- und Darmsystems. All dies ist bei der Pa- 
tientin zu erwarten und tatsachlich zu konstatieren. Ihre 
Struma und die Verfassung des Magen- und Darmsystems 
entsprechen ganz dem geisteswissenschaftlichen Befund. 
Sehr charakteristisch ist das Folgende. Durch die Ohnmacht 



des Ich und des astralischen Leibes wird ein Teil des Schlaf - 
bedurfnisses schon wahrend des Wachens absolviert und es 
ist daher der Schlaf viel weniger tief als beim normalen 
Menschen. Das erscheint der Patientin als hartnackige 
Schlaf losigkeit. Damit hangt es zusammen, dafi sie das Ge- 
fuhl hat, leicht einzuschlafen und leicht aufzuwachen. 
Ebenso hangt es zusammen, dafi sie viele Traume zu haben 
glaubt, die aber nicht eigentliche Traume sind, sondern Mi- 
schungen von Traumen und Wacheindrucken. Sie bleiben 
deshalb nicht in der Erinnerung und sind nicht stark erre- 
gend, weil die Reizstarke herabgestimmt ist. Die Ohnmacht 
des Ich aufiert sich in den innern Organen zuerst in den Lun- 
gen. Lungenspitzenkatarrhe sind eigentlich immer der Aus- 
druck der schwachen Ich-Organisation. Der durch das Ich 
nicht vollzogene Stoffwechsel offenbart sich in Rheumatis- 
mus. Subjektiv kommt das Ganze zum Ausdruck in der all- 
gemeinen Mudigkeit. Die Menses traten nut 14 Jahren ein; 
die schwache Ich-Organisation liefert keine geniigende 
Kraftentfaltung, um den in Flufi gekommenen Menstrual- 
prozefi wieder zuriickzuschrauben. Die Arbeit des Ich bei 
diesem ZurUckschrauben kommt als Empf indung durch jene 
Nerven zum Bewufitsein, die in der Kreuzbeingegend in das 
Riickenmark miinden. Nerven, durch die nicht geniigend 
die Strome der Ich-Organisation und des Astralleibes gehen, 
schmerzen. Patientin klagt iiber Kreuzschmerzen bei der 
Periode. Das alles fiihrt auf f olgende Art zur Therapie. Wir 
haben gefunden, dafi Colchicum autumnale einen starken 
Reiz auf den Astralleib ausiibt und zwar auf denjenigen 
Teil, welcher der Hals- und Kopforganisation entspricht. 
Colchicum autumnale wird daher von uns bei alien den- 
jenigen Krankheiten gegeben, die in der Struma ihr wich- 



tigstes Symptom haben. Wir gaben daher Patientin dreimal 
taglich 5 Tropfen unseres Colchicumpraparates, wodurch 
die Strumageschwulst zurikkgegangen ist und die Patientin 
sich erleichtert fiihlte. Hat man auf diese Weise den Astral- 
leib gestarkt, so vermittelt er auch eine bessere Funktion des 
Ich-Organismus, wodurch die Mittel, die auf Verdauungs- 
und Fortpflanzungsorgane wirken konnen, im Organismus 
ihre Kraft erhalten. Wir haben als solches Mittel angewen- 
det Wermutklistiere, die wir mit Dl versetzten, weil Dl 
im Verdauungstrakt exzitierend wirkt. Wir haben mit die- 
sem Mittel eine bedeutende Besserung erzielt. Wir glauben, 
dafi diese Therapie ihre besonders giinstigen Einwirkungen 
um das 35. Lebensjahr des Menschen entfalten kann, weil 
zu dieser Zeit die Ich-Organisation eine starke Affinitat zu 
dem iibrigen Organismus hat und auch dann, wenn sie 
schwach ist, leicht angeregt werden kann. Patientin war, 
als sie zu uns kam, 34 Jahre alt. 



Neunter Fall 
Migrane-artige Zustdnde im Klimakterium 

Die Patientin kam mit 55 Jahren zu uns. Sie gibt an, ein 
zartes und schwachliches Kind gewesen zu sein; in der 
Kindheit Masern, Scharlach, Windpocken, Keuchhusten 
und Mumps gehabt zu haben. Die Menses traten mit 14-15 
Jahren auf. Die Blutungen waren von Anf ang an sehr stark 
und schmerzhaft. Im 40. Lebensjahre wurde eine Total- 
exstirpation wegen einer Geschwulst im Unterleibe voll- 
zogen. Die Patientin gibt ferner an, dafi sie alle drei bis vier 
Wochen seit dem 35. Jahre einen dreitagigen migranearti- 
gen Kopfschmerz gehabt, der sich im 46. Jahre zu einer drei 



Tage dauernden, mit Bewufitlosigkeit verbundenen Kopf- 
krankheit verstarkte. - Der gegenwartige geisteswissen- 
schaftliche Befund ist: allgemeine Schwache der Ich-Orga- 
nisation, die sich darin aufiert, dafi die Tatigkeit des Ather- 
leibes nicht genugend von der Ich-Organisation abgelahmt 
wird. Dadurch entsteht eine Ausbreitung der vegetativen 
organischenTatigkeiten iiber dasKopf- und Nerven-Sinnes- 
System, die in einer solchen Starke bei normaler Ich-Orga- 
nisation nicht vorhanden ist. Mit diesem Befund stirnmen 
gewisse Symptome zusammen. Ein erstes ist ein haufiger 
Urindrang. Derselbe rtihrt davon her, dafi dem normal ent- 
wickelten Astralleib, welcher die Nierenabsonderung regelt, 
keine sie normal zurii ckhaltende, genugend starke Ich-Orga- 
nisation gegemibersteht. Ein zweites Symptom ist das spate 
Einschlafen und das miide Aufwachen. Der Astralleib geht 
schwer aus dem physischen und Atherleib heraus, weil das 
Ich ihn nicht genugend stark herauszieht. Ist das Aufwa- 
chen erfolgt, so wird die vitale Tatigkeit, die aus dem 
Schlafe nachwirkt, wegen des schwachen Ichs als Ermii- 
dung empfunden. Ein drittes Symptom sind die wenigen 
Traume. Die Ich-Organisation pragt dem Astralleibe nur 
schwache Bilder ein, die sich nicht in lebhaften Traumen 
aufiern konnen. 

Diese Erkenntnisse fiihren uns zur folgenden Therapie: 
wir mulken der Ich-Organisation den Weg zum physischen 
und Atherleibe bahnen. Wir taten es durch 2% Kleesalz- 
kompressen auf die Stirn des Abends und Umschlage mit 
7% Urtica dioica-Losung des Morgens am Unterleib, mit 
20°/o Lindenbliitenlosung des Mittags an den Fiifien. Da- 
durch soil erreicht werden, dafi wahrend der Nacht die vi- 
tale Tatigkeit abgeschwacht werde; das Kleesalz, das im 



Organismus die Funktion der Unterdruckung einer zu gro- 
ften vitalen Tatigkeit ausiibt, bewirkte dieses. Morgens 
mufken wir dafiir sorgen, daft die Ich-Organisation den 
Weg in den physischen Leib findet. Dies geschieht durch 
eine Anregung der Blutzirkulation. Die Eisenwirkung der 
Brennessel ist zu diesem Zwecke angewendet worden. Es 
blieb also noch iibrig, im Laufe des Tages die Durchdrin- 
gung des physischen Korpers mit der Ich-Organisation zu 
fordern. Das geschah durch die ableitende Zugwirkung der 
Lindenbliite am Mittag. Nun traten bei der Patientin die 
geschilderten Kopfschmerzen mit ihrer Steigerung im 46. 
Lebensjahre auf . Diese Kopfschmerzen mufiten wir in Zu- 
sammenhang bringen mit der durch die Exstirpation aus- 
fallenden Periode und die Steigerung mit Bewufklosigkeit 
fiir ein Kompensationssymptom des Klimakteriums. Wir 
versuchten zunachst Besserung zu erzielen mit Antimon. 
Dasselbe hatte die Besserung erzeugen miissen, wenn der 
allgemeine, unter der Regulierung der Ich-Organisation ste- 
hende Stoff wechsel in Betracht gekommen ware. Die Besse- 
rung wurde dadurch nicht erzielt. Es war dadurch der Be- 
weis erbracht, dafi der relativ selbstandige Teil der Ich-Or- 
ganisation, der vorziiglich die Fortpflanzungsorgane regu- 
liert, in Betracht kommt. Dafiir sehen wir in der Wurzel 
der Potentilla-Tormentilla bei sehr starker Verdiinnung 
ein Spezifikum, und in der Tat, dies wirkte. 



XX 



TYPISCHE HE ILMITTEL 
Vorbemerkung 

Es sollen jetzt einige der von uns zum Teil in den Handel 
gebrachten, typischen Mittel nach ihrem Heilwerte be- 
schrieben werden. Dieselben sind auch den typischen 
Krankheitsformen angepafit, und wenn Typisches im 
Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heil- 
mittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres 
Buches zur Therapie fiihren mufi. Von diesem Gesichts- 
punkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben 
werden. 

1. Das Mittel «Scleron» 

Dasselbe besteht aus metallischem Blei, Honig und Zucker. 
Das Blei wirkt auf den Organismus so, dafi es die Abbau- 
wirkung der Ich-Organisation fordert. Bringt man es also 
in den Organismus, der eine zu geringe Abbauwirkung der 
Ich-Organisation hat, so tritt diese Forderung ein, wenn die 
Dosierung in der genugenden Starke vorgenommen wird. 
Wird die Dosierung zu stark vorgenommen, so tritt Hyper- 
trophic der Ich-Organisation ein. Der Korper baut mehr 
ab, als er aufbaut und mufi verfallen. Bei der Sklerose wird 
die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht ge- 
niigend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib 
ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus her- 
aus und liefern Verstarkungen derjenigen Organe, die in 
Salzsubstanzenbestehen.Blei in gehoriger Dosierung nimmt 



den Abbau wieder in die Ich-Organisation zuriick. Die Ab- 
bauprodukte bleiben nicht als Verhartungen im Korper, 
sondern werden ausgestofien. Alle Heilung der Sklerose 
kann nur darin bestehen, dafi man den salzbildenden Pro- 
zessen, die sonst im Korper bleiben, den Weg nach aufien 
offnet. Durch das Blei hat man die Richtung der Prozesse 
der Ich-Organisation bestimmt. Es bedarf des weiteren, dafi 
diese Prozesse in ihrem Verlaufe gewissermaften fluchtig 
gehalten werden. Das geschieht durch die Beimengung von 
Honig. Honig setzt die Ich-Organisation in den Stand, die 
notige Herrschaft iiber den Astralleib auszuiiben. Er nimmt 
daher dem Astralleib seine in der Sklerose relative Selb- 
standigkeit. Zucker wirkt direkt auf die Ich-Organisation. 
Er verstarkt dieselbe in sich. Unser Heilmittel bewirkt also 
das Folgende: Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht 
wie der Astralleib, abbauend. Der Honig ubertragt die ab- 
bauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation 
und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, 
ihre spezif ische Auf gabe zu erfullen.-Man kann bemerken, 
dafi die Anfangszustande der Sklerose sich darin auftern, 
dafi die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft 
iiber das Gedachtnis aufhoren. Wendet man unser Heil- 
mittel schon in diesem Stadium dieser Krankheit an, so 
wird man die reiferen Zustande der Sklerose vermeiden 
konnen. Doch erweist es sich auch wirksam in diesen spa- 
teren Zustanden. (Die Anwendung geben wir in Aufschrift 
dem Praparate bei.) 



2. Das Migrane-Mittel 
«Biodoron» 



Die Kopf organisation ist so beschaf fen, dafi der nach innen 
gelegene, grauiich-weifiliche Gehirnteil das physisch am 
weitesten vorgeschrittene Glied der menschlichen Organi- 
sation ist. Er enthalt eine die iibrigen Sinne zusammen- 
fassende Sinnestatigkeit, in die das Ich und der Astralleib 
hineinwirken. Er nimmt Anteil an dem rhythmischen Sy- 
stem des Organismus, in das der Astralleib und der Ather- 
leib hineinwirken, und er nimmt auch Anteil, aber in sehr 
geringem Mafie, an dem Stoffwechsel-Gliedmafiensystem, 
in welches der physische und Atherleib hineinwirken. Die- 
ser Gehirnteil unterscheidet sich von dem ihn umschlieflen- 
den peripherischen Gehirn, das in seiner physischen Orga- 
nisation viel mehr vom Stoffwechsel-Gliedmaftensystem, 
etwas mehr vom rhythmischen System, aber am wenigsten 
vom Nerven-Sinnessystem enthalt. Wird nun durch eine zu- 
riickgestoftene Tatigkeit der Ich-Organisation das zentrale 
Gehirn armer anNerven-Sinnestatigkeit und reicher an Ver- 
dauungstatigkeit, d. h. wird es ahnlicher dem peripherischen 
Gehirn, als es im normalen Zustande ist, so entsteht die Mi- 
grane. Ihre Heilung wird daher abhangen: 1 . von einer An- 
regung der Nerven-Sinnes tatigkeit; 2. von einer Transfor- 
mation der rhythmischen Tatigkeit aus einer solchen, die 
dem Stoffwechsel zugeneigt ist, in eine solche, die der At- 
mung zugeneigt ist; 3. in einer Eindammung der rein vital en 
Stoffwechseltatigkeit, die der Regulierung durch die Ich- 
Organisation entbehrt. Das Erste wird erreicht durch Kie- 
selsaure. Silicium in Verbindung mit Sauerstoff enthalt die- 
jenigen Prozesse, die gleich sind denen im Organismus beim 



Ubergange der Atmung in die Nerven-Sinnestatigkeit. Das 
Zweite wird erreicht durch Schwefel. Er enthalt denjeni- 
gen Prozefi, durch den der dem Verdauungssystem zuge- 
neigte Rhythmus verwandelt wird in den, der der Atmung 
zugeneigt ist. Und das Dritte wird erreicht durch Eisen, 
welches unmittelbar nach dem Verdauungsprozeft den 
Stoffwechsel hiniiberleitet in den des Blutrhythmus, wo- 
durch der Stoffwechselprozefi selbst unterdriickt wird. 
Eisen, Schwefel und Kiesels'dure in entsprechender Weise 
verarbeitet miissen daher ein Mittel gegen die Migrane sein. 
Das hat sich uns in unzahligen Fallen bestatigt. 



3. Ein Mittel gegen Tracheitis und 
Bronchitis. Pyrit 

Wir wollen nunmehr ein Mittel besprechen, das sein Da- 
sein der Erkenntnis verdankt, die die Prozesse der Stoffe in 
die rechte Beziehung bringen kann zu den Prozessen des 
menschlichen Organismus. Man mufi dabei beriicksichtigen, 
dafi ein Stoff eigentlich ein zum Stillstand gebrachter Pro- 
zefi ist, gewissermafien ein erstarrter Prozefi. Man miifite 
eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozefi. Dieser 
Prozefi, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung f estgehal- 
ten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des 
Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann. 
Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte ge- 
zeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt 
die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. 
Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhalt- 
nis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bron- 
chitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns. Dieser 



Prozefi zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zu- 
gleich der Prozefi ist, aus dem die entsprechenden Organe 
im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Le- 
ben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Korper 
zugefiihrten Eisenschwefelsubstanz ubernommen werden, 
wenn er im Organismus nicht normal verlauft. Von dieser 
Erkenntnis ausgehend bereiten wir aus dem Pyrit ein Heil- 
mittel gegen obige Erkrankungsform, indem wir das Mi- 
neral so zum Praparate umgestalten, dafi seine Krafte bei 
einer innerlichen Indikation den Weg in die erkrankten Or- 
gane finden. Man mufi natiirlich den Weg, den gewisse 
Substanzprozesse im Organismus nehmen, kennen. Der Ei- 
senprozefi wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzir- 
kulation gefiihrt. Der Schwefelprozefi tritt von der Blut- 
zirkulation in den Atmungsvorgang uber. 



4. Wirkungen 
von Antimon-Verbindungen 

Das Antimon hat eine aufierordentlich starke Verwandt- 
schaft zu andern Korpern, z. B. zum Schwefel. Dadurch 
zeigt es, dafi es in leichter Weise den Weg mitmachen kan
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