Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910

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Rudolf Steiner

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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE 



RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE 

Abteilung A: Schriften, 
III. Veroffentlichungen aus dem Nachlass 

Herausgegeben von der 
Rudolf Steiner Nachlassverwaltung 

Band GA 45 



RUDOLF STEINER 



Arxthroposophie 

Ein Fragment 



2002 

RUDOLF STEINER VERLAG 



Fur die 4. Auflage durchgesehen und herausgegeben 
von Cornelius Bohlen 

Bibliographischer Nachweis bisheriger Ausgaben 

Seite 239 



Band GA 45 

4., neu durchgesehene und erweiterte Auflage 2002 

Alle Rechte bei der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung, Dornach/Schweiz 
© 1970 by Rudolf Steiner Nachlassverwaltung, Dornach/Schweiz 
Satz: Rudolf Steiner Verlag / Bindung: Spinner, Ottersweier 
Printed in Germany by Konkordia Druck, Buhl 

ISBN 3-7274-0452-3 



INHALT 



Vorbemerkung des Herausgebers 7 

I. Der Charakter der Anthroposophie . . . . 11 

II. Der Mensch als Sinnesorganismus 21 

III. Die Welt, welche den Sinnen zugrunde liegt . 34 

IV. Die Lebensvorgange 43 

V. Vorgange im menschlichen Innern 56 

VI. Das Ich-Erlebnis 62 

VII. Die Welt, welche den Smnesorganen 

zugrunde liegt 66 

VIII. Die Welt, welche den Lebensorganen 

zugrunde liegt 77 

IX. Die hohere Geisteswelt 87 

X. Die Gestalt des Menschen 90 

ANHANG 

1. Varianten der Korrekturfassungen Kap. IV-VII . 105 

2. Manuskript-Entwiirfe 121 

3. Einzelblatt «zur Anthroposophie » 177 

4. Notizblatt zu den zehn Sinnen zwischen 

Tastsinn und Ich-Erlebnis 184 

5. Uber Horen und Sprechen } unvollendete Studie 186 

6. Selbstzeugnisse zur « Anthroposophie » 200 



Zu dieser Ausgabe 213 

Textgrundlagen 217 

Textkorrekturen 224 

Hinweise 227 

Namen- und Sacbregister 233 

Weitere Ausfiihrungen zur Sinneslehre und den 

zwolf Sinnen im Werk Rudolf Steiners 239 

Bibliograpbischer Nacbweis bisheriger Ausgaben . . . 241 



Ubersicbt iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe . . . 243 



Vorbemerkung des Herausgebers 



Das Fragment «Anthroposophie» gehort zu den nachgelassenen 
Schriften Rudolf Steiners. Ein Ratsel umgibt die unvollendete 
Schrift. Im Jahre 1910 wollte Steiner sie unbedingt veroffentlichen, 
er begann schon das Manuskript in den Druck zu geben. Der 
programmatische Titel sollte bald darauf der Name fur seine ge- 
samte geisteswissenschaftliche Bewegung werden, als diese sich 
von der Theosophischen Gesellschaft loste. In vier Vortragen 
hatte er ein Jahr zuvor die Inhalte miindlich dargestellt, um mit 
ihnen eine neue Dimension seines Schaffens zu eroffnen: Der 
konkrete leibliche Aufbau des Menschen in seinem Zusammen- 
hang mit der seelischen und geistigen Welt sollte erkundet werden. 
Den Ausgangspunkt bildete die Entdeckung von zwolf Erlebnis- 
feldern des menschlichen Bewufkseins mit - so sah es Steiner zu 
diesem Zeitpunkt - zehn Sinnesbereichen, die den Menschen 
sowohl mit der leiblichen Innenwelt wie der physischen und 
seelisch-geistigen Aufienwelt verkniipfen. Jedoch gelang es ihm 
nicht, die schriftliche Darstellung in eine befriedigende Form zu 
bringen. Neben offen gebliebenen Forschungsfragen und der 
wissenschaftlich zu verantwortenden Darstellung war Steiner mit 
zahlreichen anderen Aufgaben zu uberlastet. So kam es, daE die 
bereits weitgehend gedruckte Schrift liegen blieb. Wie in den 
Selbstzeugnissen am Ende dieser Ausgabe nachzulesen, sollte es 
dabei bleiben: auf der einen Seite war die Darstellung nicht in eine 
giiltige Form zu bringen; auf der anderen Seite bezeichnete Steiner 
sie noch 1920/21 als die «eigentliche Anthroposophie», die immer 
noch zu Ende zu schreiben sei. 

Wahrend sich aber Rudolf Steiners Werk weiter entwickelte, 
taten sich neue Horizonte der Forschung auf. Die in den Jahren 
1909/10 in revolutionarer Form auf zehn Sinne gestiitzte Auf fas- 
sung des Menschen wurde 1916/17, in den Jahren des Ersten 
Weltkriegs, zu einer Lehre von insgesamt zwolf Sinnen des 
Menschen erweitert. Die Sinneslehre blieb eine der zentralen 
Entdeckungen Steiners, welche nicht nur unmittelbar die Phy- 
siologie, Psychologie und Philosophic des Menschen betrifft, son- 



dern auch das ganze Verhaltnis des Menschen zur Mitwelt auf eine 
neuartige Grundlage stellt: Sprechen, Denken und das andere Ich 
des Mitmenschen als unmittelbar sinnliche Wahrnehmungen, 
Ereignisse der Sinne und der Seele. Im Jahre 1917 veroffentlichte 
Steiner eine kurze Skizze seiner Anschauung von den zwolf 
Sinnen in seiner Schrift «Von Seelenratseln», GA 21. In derselben 
Schrift also, in welcher er seine nach dreifiigjahriger Forschung 
gefundene Entdeckung von der Dreigliederung des menschlichen 
Organismus in ein Nerven-Sinnessystem, ein rhythmisches 
System und ein Stoffwechselsystem entsprechend den seelischen 
Funktionen von Vorstellen, Fiihlen und Wollen skizzierte. Stei- 
ners spatere Anthroposophie in Theorie und Praxis ist undenkbar 
ohne diese Erkenntnisresultate. 

Das Fragment «Anthroposophie» mufi als wesentliche, aber 
immer vorlaufig gebliebene Stufe des Forschungsweges und 
Werkes von Rudolf Steiner angesehen werden. Auch in seiner 
Form beruht der Text auf einer komplizierten Manuskriptlage, die 
eine endgiiltige Textgestalt ausschliefit. Das Fragment wurde 1951 
erstmals veroffentlicht und spater in die Abteilung der nachgelas- 
senen Schriften der Gesamtausgabe eingereiht. Auf Grundlage der 
von Hendrik Knobel und Johann Waeger fruher herausgegebenen 
Ausgaben sowie Vorarbeiten von David Hoffmann enthalt diese 
erweiterte Neuausgabe: den Text des Fragments nach der letzten 
erhaltenen Textstufe, erstmals mit alien Varianten und samtlichen 
Manuskript-Entwiirfen, eine unvollendete Studie iiber Horen und 
Sprechen, aufierdem Erlauterungen zur Textgrundlage und Text- 
gestalt, sowie Selbstzeugnisse Steiners iiber seine unvollendete 
Schrift. 



ANTHROPOSOPHIE 



Ein Fragment 



I. DER CHARAKTER DER ANTHROPOSOPHIE 



Den Menschen zu betrachten, gilt einem seit den altesten 
Zeiten vorhandenen Gefiihle als der wiirdigste Zweig des 
menschlichen Forschens. Wer nun auf sich wirken laftt, 
was im Laufe der Zeiten als Erkenntnis der menschlichen 
Wesenheit zutage getreten ist, der kann leicht entmutigt 
werden. Eine Fiille von Meinungen bietet sich dar als 
Antworten auf die Frage: Was ist der Mensch, und wel- 
ches Verhaltnis hat er zum Weltall? Die mannigfaltigsten 
Unterschiede zwischen diesen Meinungen treten dem 
Nachsinnen gegeniiber. Es kann sich daraus die Empfin- 
dung ergeben, daft der Mensch zu solcher Forschung 
nicht berufen sei, und daft er darauf verzichten miisse, 
etwas zu erreichen, was dem genannten Gefiihle Befrie- 
digung gewahren kann. 

Ist solche Empfindung berechtigt? Sie konnte es nur 
sein, wenn die Wahrnehmung verschiedener Ansichten 
iiber einen Gegenstand ein Zeugnis dafiir ware, daft der 
Mensch unfahig ist, etwas Wahres iiber den Gegenstand 
zu erkennen. Wer ein solches Zeugnis annehmen wollte, 
der miiftte glauben, daft sich das ganze Wesen eines Ge- 
genstandes auf einmal dem Menschen erschlieften sollte, 
wenn von Erkenntnis iiberhaupt die Rede sein konne. 
Nun aber steht es mit der menschlichen Erkenntnis nicht 
so, daft sich ihr das Wesen der Dinge auf einmal ergeben 
kann. Es ist mit ihr vielmehr so, wie mit dem Bilde, das 
man zum Beispiel von einem Baume von einer gewissen 
Seite aus malt oder photographisch aufnimmt. Dieses 
Bild gibt das Aussehen des Baumes, von einem gewissen 



Gesichtspunkte aus, in voller Wahrheit. Wahlt man 
einen anderen Gesichtspunkt, so wird das Bild ganz an- 
ders. Und erst eine Reihe von Bildern, von den verschie- 
densten Gesichtspunkten aus, kann durch das Zusam- 
menwirken eine Gesamtvorstellung des Baumes geben. 

So aber kann der Mensch auch nur die Dinge und 
Wesenheiten der Welt betrachten. Alles, was er iiber sie 
sagen kann, mufi er als Ansichten sagen, die von ver- 
schiedenen Gesichtspunkten aus gelten. So ist es nicht 
blofi bei der sinnenfalligen Beobachtung der Dinge, so ist 
es auch im Geistigen. Man darf sich in bezug auf das 
letztere nur nicht durch obigen Vergleich beirren lassen, 
und sich etwa fur die Verschiedenheit der Gesichtspunk- 
te eine Vorstellung machen, die mit etwas Raumlichem 
zu tun hat. - Jede Ansicht kann eine wahre sein, wenn sie 
treu das Beobachtete wiedergibt. Und sie ist erst dann 
widerlegt, wenn nachgewiesen ist, dafi ihr eine andere 
berechtigterweise widersprechen darf, welche von dem- 
selben Gesichtspunkte aus gegeben ist. Ein Unterschied 
hingegen von einer Ansicht, die von einem anderen Ge- 
sichtspunkt aus gegeben ist, besagt in der Regel nichts. 
Wer diese Sache so fafit, der ist gegen den leichtwiegen- 
den Einwand geschiitzt, dafi jede Meinung bei soicher 
Auffassung gerechtfertigt erscheinen miisse. So wie das 
Bild eines Baumes eine ganz bestimmte Gestalt haben 
mufi von Einem Gesichtspunkte aus, so mufi auch eine 
geistige Ansicht von Einem Gesichtspunkte aus eine 
solche haben. Doch aber ist klar, dafi man einen Fehler 
in der Ansicht erst nachweisen kann, wenn man sich 
iiber den Gesichtspunkt klar ist, von welchem aus sie 
gegeben ist. 



Man kame in der Welt menschlicher Meinungen viel 
besser zurecht, als es vielfach geschieht, wenn man dieses 
immer beriicksichtigen wollte. Man wiirde dann gewahr 
werden, wie die Unterschiede der Meinungen in vielen 
Fallen nur von der Verschiedenheit der Gesichtspunkte 
herriihren. Und nur durch verschiedene wahre Ansich- 
ten kann man sich dem Wesen der Dinge nahern. Die 
Fehler, die in dieser Richtung gemacht werden, riihren 
nicht davon her, dafi die Menschen verschiedene Ansich- 
ten sich bilden, sondern sie ergeben sich, wenn ein jeder 
seine Ansicht als die alleinberechtigte ansehen mochte. 

Ein Einwand gegen alles dieses bietet sich leicht dar. 
Man konnte sagen, der Mensch solle, wenn er die Wahr- 
heit darstellen will, nicht eine Ansicht geben, sondern 
sich liber mogliche Ansichten zu einer Gesamtauffassung 
eines entsprechenden Dinges erheben. Diese Forderung 
mag annehmbar klingen. Erfiillbar aber ist sie nicht. 
Denn, was ein Ding ist, mufi eben von verschiedenen 
Gesichtspunkten aus gekennzeichnet werden. Das ge- 
wahlte Bild von dem Baume, der von verschiedenen 
Gesichtspunkten aus gemalt wird, scheint zutreffend. 
Wer es verschmahen wollte, sich an die verschiedenen 
Bilder zu halten, um ein Gesamtbild zu gewinnen, der 
konnte ja vielleicht etwas ganz Verschwommenes, 
Nebelhaftes hinmalen; aber es lage in solch verschwom- 
menem Bilde doch keine Wahrheit. So ist auch keine 
Wahrheit durch eine Erkenntnis zu gewinnen, welche 
mit einem Blicke den Gegenstand umspannen will, 
sondern allein durch die Zusammenfassung der wahren 
Ansichten, welche von verschiedenen Standpunkten aus 
gegeben werden. Der menschlichen Ungeduld mag die- 



ses wenig entsprechen; es entspricht aber den Tatsachen, 
welche man erkennen lernt, wenn man ein inhaltvolles 
Erkenntnisstreben entwickelt. 

Weniges kann so stark zu echter Schatzung der Wahr- 
heit fiihren als solches Erkenntnisstreben. Und echt darf 
diese Schatzung deshalb genannt werden, weil sie nicht 
Kleinmut im Gefolge haben kann. Sie fiihrt nicht zur 
Verzweiflung an dem Wahrheitsstreben, weil sie die 
Wahrheit als solche in der Beschrankung anerkennt; sie 
schutzt aber vor dem inhaltlosen Hochmut, welcher in 
seinem Wahrheitsbesitze das umfassende Wesen der 
Dinge zu umschhefien glaubt. 

Wer solches genugend beriicksichtigt, der wird be- 
greiflich finden, dafi insbesondere Erkenntnis des Men- 
schen so angestrebt werden sollte, dafS man sich dessen 
Wesen von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu 
nahern versucht. Ein solcher Gesichtspunkt soli fur die 
folgenden Andeutungen gewahlt werden. Er soli als ein 
solcher charakterisiert werden, der zwischen zwei ande- 
ren gleichsam in der Mitte liegt. Und es soil nicht etwa 
behauptet werden, dafi es neben den dreien, welche hier 
beriicksichtigt werden, nicht noch - viele - andere Ge- 
sichtspunkte gabe. Doch sollen die drei als besonders 
charakteristische hier ausgewahlt werden. 

Der erste Gesichtspunkt, der in solcher Beziehung in 
Betracht kommt, ist derjenige der Anthropologic. Diese 
Wissenschaft sammelt, was sich der sinnenfalligen Beob- 
achtung iiber den Menschen ergibt und sucht aus den 
Ergebnissen ihrer Beobachtung Aufschliisse iiber dessen 
Wesen zu erhalten. Sie betrachtet z. B. die Einrichtung 
der Sinnesorgane, die Gestalt des Knochenbaues, die 



Verhaltnisse des Nervensystems, die Vorgange der Mus- 
kelbewegung usw. Sie dringt durch ihre Methoden in 
den feineren Bau der Organe ein und sucht die Bedin- 
gungen kennen zu lernen des Empfindens, des Vorstel- 
lens usw. Sie erforscht auch die Ahnlichkeit des Men- 
schenwesens mit dem tierischen und sucht eine Vorstel- 
lung des Verhaltnisses zu gewinnen, in welchem der 
Mensch zu anderen Lebewesen steht. Sie geht weiter und 
untersucht die Lebensverhaltnisse der Naturvolker, die 
gegeniiber den zivilisierten Volkern in der Entwickelung 
zuriickgeblieben erscheinen. Von dem, was sie bei sol- 
chen Volkern beobachtet, macht sie sich Vorstellungen 
dariiber, wie die entwickelteren Volker einmal waren, 
welche iiber den Bildungsgrad hinausgeschritten sind, 
auf dem jene stehen geblieben sind. Sie erforscht die 
Reste der Menschen der Vorzeit in den Schichten der 
Erde und bildet Begriffe dariiber, wie die Kulturentwik- 
kelung fortgeschritten ist. Sie untersucht den Einfluft des 
Klimas, der Meere, sonstiger geographischer Verhalt- 
nisse auf das menschliche Leben. Sie sucht eine Ansicht 
zu gewinnen iiber die Bedingungen der Rassenentwicke- 
lung, des Volkerlebens, iiber die Rechtsverhaltnisse, die 
Gestaltung der Schrift, der Sprachen usw, Es wird der 
Name Anthropologic hier von der gesamten physischen 
Menschenkunde gebraucht; es wird zu ihr nicht nur das 
gerechnet, was man oft in engerem Sinne zu ihr zahlt, 
sondern auch Morphologie, Biologie usw. des Menschen. 

Die Anthropologic halt sich gegenwartig in der Regel 
innerhalb der Grenzen, die man heute als diejenigen der 
naturwissenschaftlichen Methoden ansieht. Ein gewal- 
tiges Tatsachenmaterial ist durch sie zusammengetragen 



worden. Trotz der verschiedenen Vorstellungsarten, in 
welchen dieses Material zusammengefalk wird, liegt in 
demselben etwas vor, das in der segensreichsten Art auf 
die Erkenntnis der menschiichen Wesenheit wirken 
kann. Und fortwahrend mehrt sich dieses Material. Es 
entspricht den Anschauungen der Gegenwart, grofie 
Hoffnungen auf dasjenige zu setzen, was von dieser Seite 
an Aufhellung der Menschenratsel gewonnen werden 
kann. Und es ist ganz selbstverstandlich, dafi viele den 
Gesichtspunkt der Anthropologic fiir ebenso sicher 
halten, wie sie den nachsten, der hier zu charakterisieren 
ist, fiir einen zweifelhaften ansehen miissen. 

Dieser andere Gesichtspunkt ist derjenige der Theoso- 
phie. Ob diese Bezeichnung gliicklich oder ungliicklich 
gewahlt ist, das soil hier nicht untersucht werden. Es soil 
nur ein zweiter Gesichtspunkt in bezug auf die Men- 
schenbetrachtung dem anthropologischen gegeniiber ge- 
kennzeichnet werden. Theosophie geht davon aus, dafi 
der Mensch vor allem ein geistiges Wesen ist. Und sie 
sucht ihn als solches zu erkennen. Sie hat im Auge, daft 
die menschliche Seele nicht nur wie in einem Spiegel die 
sinnenfalligen Dinge und Vorgange zeigt und diese ver- 
arbeitet, sondern daft sie ein eigenes Leben zu fiihren 
vermag, welches seine Anregungen und seinen Inhalt 
von einer Seite her erhalt, die man geistig nennen kann. 
Sie beruft sich darauf, daft der Mensch in ein geistiges 
Gebiet eindringen kann, wie er in ein sinnenfalliges 
dringt. In dem letzteren erweitert sich die Erkenntnis des 
Menschen dadurch, daft er seine Sinne auf immer mehr 
Dinge und Vorgange richtet, und auf Grund dieser sich 
seine Vorstellungen bildet. In dem geistigen Gebiet 



schreitet die Erkenntnis allerdings anders vor. Die Beob- 
achtungen werden da in innerem Erleben gemacht. Ein 
sinnenfalliger Gegenstand stellt sich vor den Menschen 
hin; ein geistiges Erlebnis steigt im Innern auf, wie aus 
dem Mittelpunkte der menschlichen Wesenheit selbst 
sich erhebend. Solange der Mensch den Glauben hegt, 
daft solches Aufsteigen nur eine innere Angelegenheit 
der Seele sein kann, solange mufi ihm Theosophie hochst 
zweifelhaft sein. Denn es liegt solcher Glaube gar nicht 
feme jenem andern, der annimmt, daft solche Erlebnisse 
doch nur weitere innere Verarbeitungen des sinnenfallig 
Beobachteten seien. Es ist nur moglich, in solchem Glau- 
ben zu verharren, solange man sich noch nicht durch 
zwingende Griinde die Uberzeugung verschafft hat, daft 
von einem gewissen Punkte an die inneren Erlebnisse 
ebenso wie die sinnenfalligen Tatsachen durch etwas 
bestimmt werden, was der menschlichen Personlichkeit 
gegeniiber eine Auftenwelt ist. Hat man sich diese Uber- 
zeugung verschafft, dann muft man eine geistige Auften- 
welt ebenso anerkennen, wie man eine physische an- 
erkennt. Und man wird sich dann klar sein konnen dar- 
iiber, daft der Mensch in bezug auf sein Geistiges mit 
einer geistigen Welt zusammenhangt, wie er durch sein 
Physisches in einer physischen wurzelt. Man wird es 
dann auch begreiflich finden, daft zur Erkenntnis des 
Menschen Materialien aus dieser geistigen Welt entnom- 
men werden konnen, wie die Anthropologic fur den 
physischen Menschen Materialien aus der physischen 
Beobachtung entnimmt. Man wird dann die Moglichkeit 
einer Forschung in der geistigen Welt nicht mehr 
bezweifeln. - Der Geistesforscher bildet sein seelisches 



Erleben so um, daE die geistige Welt in seine seelischen 
Erlebnisse eintritt. Er gestaltet gewisse seelische Erleb- 
nisse so, daft in ihnen diese geistige Welt sich offenbart. 
(Wie das geschieht, hat der Schreiber dieser Skizze in 
seiner Schrift dargestellt: «Wie erlangt man Erkenntnisse 
der hoheren Welten?» Berlin, Philosophisch-theosophi- 
scher Verlag.) Man kann dieses so gestaltete Seelenleben 
dasjenige durch «hellsichtiges Bewufttsein» nennen. Nur 
mu£ man von diesem Begriffe all den Unfug feme halten, 
welcher in der Gegenwart mit dem Worte «Hellsehen» 
getrieben wird. 

So zu innerem Erleben zu kommen, daft sich der Seele 
diese oder jene Tatsachen der geistigen Welt unmittelbar 
offenbaren, erfordert lange, entsagungsvolle, muhsame 
Seelenverrichtungen. Es ware aber ein verhangnisvolles 
Vorurteil, wenn man glauben wollte, daft nur fiir denje- 
nigen die seelischen Erlebnisse Friichte tragen konnen, 
der sie durch solche Seelenverrichtungen unmittelbar er- 
lebt. Es verhalt sich damit ganz anders. Wenn durch die 
entsprechenden Seelenverrichtungen die geistigen Tat- 
sachen zur Offenbarung gekommen sind, dann sind sie 
fiir die Menschenseele gleichsam erobert. Teilt sie der 
Geistesforscher mit, nachdem er sie gefunden, dann kon- 
nen sie jedem Menschen einleuchten, der mit gesundem 
Wahrheitssinn und unbefangener Logik auf sie hinhort. 
Man sollte nicht glauben, daft nur ein hellsichtiges Be- 
wufttsein eine begriindete Uberzeugung von den Tat- 
sachen der geistigen Welt haben kann. Jede Seele ist dar- 
auf gestimmt, die Wahrheit des von dem Geistesforscher 
Gefundenen anzuerkennen. Will der Geistesforscher 
etwas behaupten, was unwahr ist, dann wird dies durch 



die Ablehnung des gesunden Wahrheitssinnes und der 
unbefangenen Logik immer festzustellen sein. 

Das unmittelbare Erleben der geistigen Erkenntnisse 
erfordert komplizierte Seelenwege und Seelenverrich- 
tungen; der Besitz solcher Erkenntnisse ist fur jede Seele 
notwendig, welche ein voiles Bewufitsein ihrer Mensch- 
lichkeit haben will. Und ohne ein solches Bewufksein ist 
ein menschliches Leben von einem bestimmten Punkte 
des Daseins an nicht mehr moglich. 

Wenn nun auch die Theosophie Erkenntnisse zu 
liefern vermag, welche den wichtigsten Bediirfnissen der 
Menschenseele Befriedigung gewahren, und welche 
durch den natiirlichen Wahrheitssinn und durch die ge- 
sunde Logik anerkannt werden konnen: so wird doch 
immer eine gewisse Kluft bleiben zwischen ihr und der 
Anthropologic Es wird zwar immer folgendes moglich 
sein. Man wird die Ergebnisse der Theosophie iiber die 
geistige Wesenheit des Menschen aufzeigen konnen und 
dann in der Lage sein, darauf hinzuweisen, wie die 
Anthropologic alles bestatigt, was die Theosophie sagt. 
Doch wird von dem einen zu dem anderen Erkenntnis- 
gebiete ein weiter Weg sein. 

Es ist aber moglich, die Kluft auszufiillen. In einer 
gewissen Beziehung soli dies hier durch die Skizzierung 
einer Anthroposophie geschehen. Wenn Anthropologic 
sich vergleichen lafit mit den Beobachtungen eines Wan- 
derers, welcher in der Ebene von Ort zu Ort, von Haus 
zu Haus geht, um eine Vorstellung von dem Wesen eines 
Landstriches zu gewinnen; wenn Theosophie dem Uber- 
blick gleicht, den man von dem Gipfel einer Anhohe 
iiber denselben Landstrich gewinnt: so soli Anthropo- 



sophie verglichen werden dem Anblick, den man haben 
kann von dem Abhange der Anhohe, wo das Einzelne 
noch vor Augen steht, doch sich aber das Mannigfaltige 
schon zu einem Ganzen zusammenzuschliefien beginnt. 

Anthroposophie wird den Menschen betrachten, wie 
er sich vor die physische Beobachtung hinstellt. Doch 
wird sie die Beobachtung so pflegen, daft aus der phy- 
sischen Tatsache der Hinweis auf einen geistigen Hinter- 
grund gesucht wird. So kann Anthroposophie aus der 
Anthropologic in die Theosophie hiniiberleiten. 

Ausdriicklich soli bemerkt werden, daft hier nur eine 
ganz kurze Skizze der Anthroposophie gezeichnet wer- 
den soil. Eine ausfuhrliche Darstellung nahme vieles in 
Anspruch. Die Skizze ist so gedacht, dafi sie nur das 
Leibliche des Menschen beriicksichtigt, insofern dieses 
Offenbarung des Geistigen ist. Und in diesen Grenzen 
ist die Anthroposophie im engeren Sinne gemeint. An sie 
mufi sich dann reihen eine Psychosophie, welche das See- 
lische betrachtet, und eine Pneumato sophie, die sich mit 
dem Geist beschaftigt. Damit miindet dann Anthropo- 
sophie in die Theosophie selbst ein. 



II. DER MENSCH ALS SINNESORGANISMUS 



Der Anfang der Anthroposophie soli gemacht werden 
mit einer Betrachtung der menschlichen Sinne. Durch 
die Sinne kommt der Mensch nach der einen Seite hin in 
ein Verhaltnis zu einer aufteren Welt. Wenn man von den 
Sinnen redet, sollte man zweierlei beriicksichtigen. 
Zunachst sollte man unberiicksichtigt lassen, wie der 
Mensch auf einem anderen - dem oben gekennzeichne- 
ten - Wege in eine Auftenwelt, namlich die geistige, ein- 
dringt. Und dann sollte man zuerst ganz davon absehen, 
ob sich hinter dem, was die Sinne beobachten, selbst ein 
Geistiges befindet. Zu dem Geistigen sollte man sich, 
wenn man von den Sinnen spricht, so stellen, dafi man 
abwartet, inwiefern sich naturgema'E aus der Sinnes- 
beobachtung der Hinweis auf das Geistige ergibt. Weder 
abgewiesen, noch vorausgesetzt darf das Geistige wer- 
den; es mu£ sein Hereinscheinen erwartet werden. 

Nicht die Gegenstande der sinnlichen Beobachtung, 
sondern die Sinne selbst, als menschliche Organe, wer- 
den hier ins Auge gefaftt. - Auf Grund dessen, was seine 
Sinne ihm vermitteln, bildet sich der Mensch Vorstellun- 
gen iiber eine Auftenwelt. So entsteht Erkenntnis dieser 
Au£enwelt. In bezug auf Erkenntnis kann man von 
Wahrheit und Irrtum sprechen. Entsteht nun der Irrtum 
bereits im Gebiet der Sinne, oder erst da, wo durch Ur- 
teil, Gedachtnis usw. Vorstellungen gebildet werden 
iiber die Aussagen der Sinne? Man hat ein Recht, von 
Sinnestauschungen zu sprechen. Wenn durch eine 
Unregelmafiigkeit im Ohr oder im Auge ein Schall oder 



ein Lichteindruck anders erscheinen, als sie bei normaler 
Bildung der betreffenden Organe sich darstellen, so liegt 
z. B. Sinnestauschung vor. 1st es deshalb unberechtigt, 
was Goethe gesagt hat: «Den Sinnen darfst du kiihn ver- 
trauen, kein Falsches lassen sie dich schauen, wenn dein 
Verstand dich wach erhalt»? Goethes Satz erweist sich 
sofort als berechtigt, wenn man folgendes bedenkt. Ein 
Irrtum, welcher durch Verstand oder Gedachtnis herbei- 
gefuhrt wird, ist von anderer Art als eine Sinnestau- 
schung. Die letztere kann namlich durch den gesunden 
Verstand korrigiert werden. Wenn jemandem durch 
einen Fehler seines Auges sich ein vor ihm stehender 
Baum als Mensch darstellt, so wird er erst dann im Irr- 
tum sein, wenn er den Augenfehler nicht korrigiert und 
etwa in dem vorgetauschten Menschen einen Feind 
erblickt, gegen den er sich zur Wehr setzt. Nicht so ist es 
mit einem Irrtum des Verstandes, denn da ist es dieser 
Verstand selbst, der irrt, und welcher daher nicht zu 
gleicher Zeit seine eigenen Fehler korrigieren kann. - Zu 
wirklichen Irrtiimern werden die Tauschungen der 
Sinne erst durch den Verstand. Diese Unterscheidung ist 
keine Pedanterie, sondern eine Notwendigkeit. 

Viele Menschen sind gewohnt, wenn sie von der sinn- 
lichen Wahrnehmung sprechen, fiinf Arten derselben 
aufzuzahlen: das Sehen, Horen, Riechen, Schmecken, 
Tasten (oder Fiihlen). Es kann hier bei solcher Aufzah- 
lung nicht stehen geblieben werden, weil es noch solches 
gibt, wodurch der Mensch in ein anderes Verhaltnis zur 
Auftenwelt tritt, als es z. B. beim Horen oder Sehen der 
Fall ist. Auch die anthropologische Wissenschaft spricht 
gegenwartig noch von anderen Sinnen als denjenigen, 



welche in obiger Aufzahlung ins Auge gefafk sind. Es ist 
hier nicht notwendig, auf die von der Anthropologic 
gegebene Aufzahlung einzugehen. Es soil nur bemerkt 
werden, daft hier einer der sehr erfreulichen Punkte liegt, 
wo die auf die bloften sinnenfallig-physischen Tatsachen 
sich sttitzende Wissenschaft durch ihre eigenen Beob- 
achtungen zu Ansichten hingedrangt wird, die mit dem 
teilweise iibereinstimmen, was der Geistesforscher fest- 
stellen mufi. Solche Beriihrungspunkte werden sich im 
Laufe der Zeit immer mehr ergeben; und wenn guter 
Wille auf den verschiedenen Seiten waltet, wird doch 
eine Zeit bald moglich werden, in welcher fur Natur- 
und Geistesforschung gegenseitiges Geltenlassen herr- 
schen wird. 

In anthroposophischer Beleuchtung darf alles dasjeni- 
ge ein menschlicher Sinn genannt werden, was den Men- 
schen dazu veranlaftt, das Dasein eines Gegenstandes, 
Wesens oder Vorganges so anzuerkennen, daft er dieses 
Dasein in die physische Welt zu versetzen berechtigt ist. 

So angesehen, erscheint als der unbestimmteste, allge- 
meinste Sinn derjenige, welchen man Lebenssinn nennen 
kann. Der Mensch bemerkt das Dasein dieses Sinnes 
eigentlich nur dann recht, wenn durch ihn etwas wahrge- 
nommen wird, was in der Leiblichkeit die Ordnung 
durchbricht. Der Mensch fiihlt Mattigkeit, Ermiidung in 
sich. Er hort nicht die Ermiidung, die Mattigkeit; er 
riecht sie nicht; aber er nimmt sie in demselben Sinne 
wahr, wie er einen Geruch, einen Ton wahrnimmt. Sol- 
che Wahrnehmung, die sich auf die eigene Leiblichkeit 
bezieht, soil dem Lebenssinn zugeschrieben werden. 
Sie ist im Grunde beim wachenden Menschen immer 



vorhanden, wenn sie auch nur bei einer Stoning recht 
bemerkbar wird. Durch sie empfindet sich der Mensch 
als ein den Raum erfullendes, leibliches Selbst. 

Verschieden von diesem Sinn ist derjenige, durch wel- 
chen der Mensch z. B. eine von ihm ausgefuhrte Bewe- 
gung wahrnimmt. Man bewegt ein Bein, und man nimmt 
diese Bewegung wahr. Es soli der Sinn, durch welchen 
dieses geschieht, der Eigenbewegungssinn genannt wer- 
den. Der Unterschied dieses Sinnes gegeniiber dem er- 
sten ergibt sich, wenn man bedenkt, daft man durch den 
Lebenssinn nur etwas wahrnimmt, was in der inneren 
Leiblichkeit vorhanden ist, ohne da£ man selbst etwas 
dazu tut. Der Eigenbewegungssinn nimmt solches wahr, 
wozu eine Tatigkeit, eine Regsamkeit vorausgesetzt ist. 

Der dritte Sinn ergibt sich, wenn bemerkt wird, wie 
der Mensch sich gegeniiber von oben und unten, rechts 
und links usw. in einer bestimmten Lage zu erhalten 
vermag. Man kann ihn den Gleichgewichts- oder stati- 
schen Sinn nennen. Seine Eigentiimlichkeit ergibt sich, 
wenn man bedenkt, dafi man eine Wahrnehmung der 
Lage haben muE, wenn man sich als bewufttes Wesen in 
ihr erhalten soli. Wirkt der Gleichgewichtssmn nicht, so 
befallt den Menschen Schwindel; er sinkt urn. Ein nicht 
bewuftter Gegenstand wird ohne Wahrnehmung seiner 
Lage in derselben erhalten. Ein solcher kann nicht von 
Schwindel befallen werden. Die Anthropologic weist auf 
ein kleines Organ im menschlichen Ohre hin, wenn sie 
von diesem Sinne spricht. Es sind da drei halbzirkelfor- 
mige Kanale, die im sogenannten Labyrinthe des Ohres 
liegen. Werden diese verletzt, so treten Schwindel- 
zustande ein. 



Wenn man die Eigenheiten der drei aufgezahlten Sin- 
ne iiberblickt, so wird man finden, dafi der Mensch durch 
einen jeden derselben etwas wahrnimmt, was sich auf das 
eigene physische Dasein bezieht. Durch den Lebenssinn 
erlangt er allgemeine Empfindungen iiber seine Leiblich- 
keit; durch den Eigenbewegungssinn nimmt er Verande- 
rungen an dieser seiner Leiblichkeit wahr; durch den 
Gleichgewichtssinn nimmt er sein Verhaltnis zur raumli- 
chen Auftenwelt wahr. Er erhalt diese Wahrnehmung 
jedoch so, daft sie ihm als ein Zustand der eigenen Leib- 
lichkeit, als seine eigene Lageempfindung sich offenbart. 
- Der Mensch erlangt durch diese drei Sinne die Empfin- 
dung der eigenen Leiblichkeit als eines Ganzen, welche 
die Grundlage ist fur sein Selbstbewufttsein als phy- 
sisches Wesen. Man kann sagen, die Seele offnet durch 
Lebenssinn, Eigenbewegungssinn und Gleichgewichts- 
sinn ihre Tore gegeniiber der eigenen Leiblichkeit und 
empfindet diese als die ihr zunachst stehende physische 
Auftenwelt. 

Mit den folgenden Sinnen tritt der Mensch der nicht 
in dieser Art zu ihm selbst gehorigen Auftenwelt gegen- 
iiber. Der erste hier in Betracht kommende Sinn ist der- 
jenige, durch welchen der Mensch mit dem, was man 
Stoff nennt, am nachsten in Beriihrung tritt. Eine nahe 
Beriihrung mit dem Stofflichen lassen nur gas- oder luft- 
formige Korper zu. Und diese wird durch den Geruch- 
sinn vermittelt. Ohne daft ein Stoff in der feinsten Art 
zerteilt ist und so luftartig sich verbreitet, kann er nicht 
durch den Geruchsinn wahrgenommen werden. 

Die nachste Stufe der Sinnesempfindung ist dann 
diejenige, durch welche nicht mehr blofi der Stoff als 



solcher, sondern Wirkungen (Taten) des Stofflichen 
wahrgenommen werden. Es geschieht dies durch den 
Geschmackssinn. Durch diesen Sinn kann nur ein wasse- 
riger Korper wahrgenommen werden, oder ein solcher, 
welcher, um geschmeckt zu werden, in der Fliissigkeit 
des Mundes aufgelost wird. Es dringt durch den Ge- 
schmackssinn der Mensch um einen Grad tiefer in die 
auftere Stofflichkek ein als durch den Geruchssinn. Bei 
dem letzteren ist es der Stoff selbst, der an den Menschen 
herantritt und sich in seiner Eigenart kundgibt; beim 
Geschmackssinn ist das, was empfunden wird, die Wir- 
kung des Stoffes auf den Menschen. Man kann diesen 
Unterschied am besten dadurch empfinden, daft man sich 
vor Augen halt, wie beim Geruchssinn die gasformige 
Art des Stoffes fertig an den Menschen herantreten mufi, 
damit er sie, so wie sie ist, wahrnehmen kann; beim 
Geschmackssinn nimmt der Mensch durch seine eigene 
Fliissigkeit die Auflosung des Stoffes, also eine Veran- 
derung mit diesem vor, um in jene Eigentiimlichkeiten 
dieses Stoffes einzudringen, welche ihm dieser nicht 
von selbst offenbart. So ist der Geruchssinn geeignet, 
die Auftenseite des Stofflichen zu empfinden; der Ge- 
schmackssinn dringt schon mehr in das Innere der 
stofflichen Dinge. Und dieses Innere muE der Mensch 
erst dadurch zur Offenbarung veranlassen, daft er die 
Auftenseite verandert. 

Noch tiefer in das Innere der physischen Auftenwelt 
dringt der Mensch durch den nachsten Sinn. Es ist der 
Gesichtssinn. Ob der Mensch einen Korper rot oder blau 
sieht, das verrat ihm mehr von dem Innern dieses Kor- 
pers, als in der Wirkung enthalten ist, die durch den 



Geschmackssinn vermittelt wird. Es hangt von dem 
Wesen eines Korpers ab, ob er sich zu dem farblosen 
Sonnenlicht so verhalt, daft er unter dem Einflusse des- 
selben rot oder blau erscheint, - Die Farbe gibt sich als 
Oberflache eines Korpers kund. Aber man kann sagen, 
wie da der Korper in seiner Oberflache sich offenbart, 
das ist ein Zutagetreten seiner inneren Wesenheit durch 
das Mittel des Lichtes. 

Noch tiefer, gewissermaften unter die Oberflache der 
Korper, dringt der Wdrmesinn. Befuhlt man ein Stuck 
Eis oder einen warmen Gegenstand, dann ist man sich 
dariiber klar, daft die Kalte oder die Warme etwas sind, 
was nicht nur an der Oberflache nach auften erscheint 
wie die Farbe, sondern was den Korper ganz durch- 
dringt. Man wird bemerken, wie die hier charakterisierte 
Stufenfolge der Sinne eine solche ist, daft der Mensch mit 
jedem folgenden tiefer untertaucht in das Innere der 
Korper der Auftenwelt. 

Ein weiterer Fortschritt in diesem Untertauchen ist 
mit dem Gehdrsinn gegeben. Er fiihrt in weit hoherem 
Grade in das Innere der Korper als der Warmesinn. Der 
Ton bringt die Innerlichkeit der Korper ins Erzittern. Es 
ist mehr als ein bloftes Bild, wenn man davon spricht, 
daft die Seele eines Korpers durch den Ton zur Offen- 
barung gebracht wird. Durch die Warme, die ein Korper 
in sich tragt, erfahrt man etwas iiber seinen Unterschied 
gegeniiber der Umgebung; durch den Ton tritt die 
Eigennatur, das Individuelle des Korpers nach auften und 
teilt sich der Empfindung mit. 

Wenn man, wie es der Sache entsprechend ist, da von 
Sinn spricht, wo eine Erkenntnis zustande kommt ohne 



Mitwirkung des Verstandes, des Gedachtnisses usw., 
so mufi man noch andere Sinne als die aufgezahlten 
anerkennen. Man wird, wenn man diese Unterscheidung 
zugrunde legt, leicht erkennen, daft im gewohnlichen 
Leben das Wort «Sinn» oft in uneigentlicher Weise an- 
gewendet wird. So, wenn man von Nachahmungssinn, 
Verheimlichungssinn usw. spricht. Bei dem, was als 
Nachahmung, Verheimlichung usw. auftritt, wirken 
schon der Verstand, das Urteil mit. Da hat man es mit 
keiner bloften Sinnestatigkeit zu tun. 

Ganz anders aber stent die Sache, wenn wir in der 
Sprache das wahrnehmen, was sich durch den Laut of- 
fenbart. Es ist gewift selbstverstandlich, daft in der Auf- 
fassung ernes Gesprochenen eine komplizierte Urteils- 
tatigkeit, daft dabei umfassende Seelenverrichtungen in 
Betracht kommen, welche durchaus nicht mit dem Wor- 
te «Sinn» belegt werden konnen. Aber es gibt auf diesem 
Gebiete auch ein Einfaches, Unmittelbares, das genau so 
vor allem Urteilen eine Empfindung darstellt, wie eine 
Farbe, ein Warmegrad eine solche ist. Ein Laut wird 
nicht bloft seinem Tonwert nach empfunden, sondern es 
wird mit ihm etwas viel Innerlicheres aufgefaftt, als es der 
Ton ist. Wenn man sagt, im Tone lebt die Seele eines 
Korpers, so kann man auch sagen, im Laut offenbart sich 
dieses Seelische so, daft es losgelost, befreit vom Korper- 
lichen, mit einer gewissen Selbstandigkeit in die Erschei- 
nung tritt. Weil die Lautempfindung vor dem Urteilen 
liegt, darum lernt das Kind friiher die Lautbedeutungen 
der Worte empfinden, als es zum Gebrauche des Urteils 
kommt. An der Sprache lernt das Kind urteilen. Es ist 
durchaus gerechtfertigt, von einem besonderen Lautsinn 



oder Sprachsinn zu reden. Die Anerkennung dieses Sin- 
nes macht nur aus dem Grunde Schwierigkeiten, weil zu 
der unmittelbaren Empfindung dessen, was im Laute 
sich offenbart, in der Regel die mannigfaltigste Urteils- 
betatigung hinzutritt. Doch zeigt eine genaue Selbstbe- 
sinnung, daft allem Horen des in Lauten Gegebenen doch 
zum Grunde liegt ein ebensolch unmittelbares, urteils- 
freies Verhaltnis zu dem Wesen, von dem der Laut aus- 
geht, wie es der Fall ist, wenn ein Farbeneindruck wahr- 
genommen wird. Man erleichtert sich die Einsicht in 
diese Tatsache, wenn man sich vergegenwartigt, wie ein 
Schmerzenslaut uns unmittelbar mitleben laftt den 
Schmerz eines Wesens, ohne daft sich erst irgendeine 
Uberlegung oder dergleichen in die Wahrnehmung ein- 
mischt. - In Betracht kommt, daft der horbare Laut nicht 
das einzige ist, wodurch sich dem Menschen eine solche 
Innerlichkeit offenbart, wie es beim Sprachlaut der Fall 
ist. Auch die Geste, Mimik, das Physiognomische fiihrt 
zuletzt auf ein Einfaches, Unmittelbares, das ebenso in 
das Gebiet des Sprachsinnes gerechnet werden muE wie 
der Inhalt des horbaren Lautes. 

In einem noch hoheren Grade verbirgt sich der Sin- 
nescharakter bei dem nachsten Sinn, der zu charakteri- 
sieren ist. Wenn man einen Menschen, der sich durch 
Lautsprache, Gestus usw, mitteilt, versteht, so wirkt in 
diesem Verstandnis zwar vorwiegend das Urteil, Ge- 
dachtnis usw. Doch fiihrt auch hier eine rechte Selbst- 
besinnung dazu, anzuerkennen, daft es ein unmittelbares 
Erfassen, Verstehen gibt, das allem Uberlegen, Urteilen 
vorangehen kann. Ein Gefiihl fur diese Tatsache erlangt 
man am besten dadurch, dafi man sich klar macht, wie 



man auch das verstehen kann, wofur man es noch gar 
nicht zu einer Urteilsfahigkeit gebracht hat. Es gibt nam- 
lich eine ganz unmittelbare Wahrnehmung auch fur das, 
was sich im Begriffe offenbart, so daft man von einem 
Begriffssinn sprechen muft. Der Mensch kann das, was er 
in eigener Seele als Begriff erleben kann, auch von einem 
fremden Wesen offenbarend empfangen. Durch die 
Wahrnehmung des Begriffes taucht man noch tiefer in 
das Innere eines Wesens als durch die Lautwahrneh- 
mung. Ein noch weiter gehendes Untertauchen in ein 
anderes Wesen als bis zur Empfindung dessen, was in 
ihm als Begriff lebt, ist nicht auf sinnenfallige Art mog- 
lich. Der Begriffssinn erscheint als derjenige, der in das 
Innerlichste eines Auftenwesens dringt. Der Mensch 
nimmt mit dem Begriffe, der in einem anderen Menschen 
lebt, dasjenige wahr, was in ihm selbst seelenhaft lebt. 

Nicht in derselben Art, wie bei den zehn angefiihrten 
Sinnen, erscheint der Sinnescharakter bei dem, was man 
gewohnlich den Tastsinn nennt. Dieser vermittelt aufte- 
ren Druck, Widerstand, Harte, Weichheit. Man verge- 
genwartige sich das Wesen dessen, was man als «Druck» 
bezeichnet. Der Vorgang ist keineswegs ein durchaus 
einfacher. Man nimmt in Wirklichkeit nicht den driik- 
kenden Korper unmittelbar wahr, sondern die Tatsache, 
daft man durch ihn veranlaftt wird, mit dieser oder jener 
Stelle der Haut zuriickzuweichen, oder daft man eine 
mehr oder weniger grofte Anstrengung machen muft, um 
auf den Korper einen Eindruck zu machen. Es gibt einen 
bemerkenswerten Unterschied zwischen dieser Wahr- 
nehmung und derjenigen z. B. eines Warmegrades, der 
sich an einem Korper offenbart. Wenn es auch durchaus 



richtig ist, daft einem selbst erhitzten Menschen em kal- 
tes Bad in einem anderen Warmezustand erscheinen wird 
als einem frierenden, daft also in der Wahrnehmung der 
Warme der subjektive Zustand gleichsam mitwahrge- 
nommen wird, so bleibt es doch richtig, daft im wesent- 
lichen sich in der Warme die Beschaffenheit des aufteren 
Gegenstandes offenbart. Das ergibt ein unmittelbares 
Verhaltnis des empfindenden Menschen zu dem, wie der 
Gegenstand ist. So ist es nicht, wenn man sich sagt, man 
mulS sich starker oder schwacher anstrengen, urn einen 
Eindruck auf einen Korper zu machen, oder den Wider- 
stand zu iiberwinden, den er durch seine Harte oder 
Weichheit darbietet. Was man sich da sagt, ist die 
Wiedergabe eines Erlebnisses, das man in sich selbst hat 
an dem Korper. Und wenn sich auch der Tatbestand 
verbirgt, so ist es doch richtig, daft bei solcher Wahrneh- 
mung das Urteil gleichsam im geheimen mitspielt: «ich 
finde starken Widerstand, also ist der Korper hart.» So 
wahr es ist, daft z. B. beim Sprachsinn die Wahrnehmung 
eine ganz unmittelbare ohne alle Urteilstatigkeit sein 
kann, so wahr ist es auch, daft beim Tastsinn immer ein, 
wenn auch noch so sehr verborgenes Urteil zugrunde 
liegt. Was unmittelbar beim Tastsinn empfunden wird, 
das kann immer innerhalb der Gebiete der drei zuerst 
hier aufgezahlten Sinne gefunden werden. Ein Korper, 
der auf mich driickt, verursacht z. B. eine Lageverschie- 
bung innerhalb meiner Leiblichkeit; diese wird durch 
den Lebens-, oder den Eigenbewegungs-, oder den 
Gleichgewichtssinn wahrgenommen. 

Es ist notwendig, den Unterschied der einzelnen 
Sinnesgebiete genau festzuhalten. Bei jedem Sinn ist das 



Verhaltnis, in das der Mensch zu einem aufieren Gegen- 
stande tritt, ein anderes als bei den iibrigen Sinnen. 
Durch den Lebenssinn, den Eigenbewegungssinn, den 
Gleichgewichtssinn taucht der Mensch in die eigene 
Leiblichkeit unter und empfindet sich als ein Wesen der 
Auftenwelt. Durch den Geruchssinn, den Geschmacks- 
sinn, den Gesichtssinn offenbart sich das Korperliche, 
insofern es sich nach aufien hin kundgibt. Durch den 
Warmesinn offenbart es die Innerlichkeit, doch noch in 
einer aufteren Art. Mit Hilfe des Gehorsinnes, des 
Sprachsinnes, des Begriffssinnes nimmt der Mensch eine 
fremde, ihm auftere Innerlichkeit wahr. Wenn man diese 
Unterschiede der Sinnesgebiete beachtet, dann wird man 
nicht versucht sein, zu viel im allgemeinen davon zu 
reden, was ein Sinn, sinnliche Wahrnehmung usw. ist. 
Man wird vielmehr achten auf das besondere Verhaltnis, 
in das der Mensch durch einen jeden Sinn zu der Auften- 
welt tritt. Es ist nicht viel damit gesagt, dafi man Sinnes- 
empfindung z. B. charakterisiert als einen Eindruck, der 
unmittelbar durch einen Reiz des Sinnesnerven in der 
Seele hervorgerufen wird. Durch solche Definitionen 
kann man nur allzuleicht das Charakteristische jedes ein- 
zelnen Sinnes in verschwommenen Allgemeinvorstellun- 
gen verlieren. Es kommt aber darauf an, dafi der Ein- 
druck, den man von dem Warmezustand eines Korpers 
erlebt, ganz anderer Art ist als derjenige, den ein Licht- 
eindruck hervorruft. Wenn man dieses nicht beriicksich- 
tigt, so wird man z. B. leicht verfuhrt, auf Urteile viel zu 
groften Wert zu legen, wie dieses: «Der Mensch nimmt 
die Au£enwelt durch die Sinne wahr und bildet sich auf 
Grund der Sinneswahrnehmungen Vorstellungen und 



Begriffe.» Man setzt da die Sinneswahrnehmung dem 
begriff lichen Denken einfach gegeniiber. Man triibt sich 
mit einem solchen Urteile den notwendigen freien Aus- 
blick auf die Tatsache, daft z. B. die Geruchsempfindung 
sehr feme dem Begriffserlebnis stent, daft aber der 
Gehorsinn als Sinneswahrnehmung sich schon dem 
annahert, was im Innern der Seele als solches Erlebnis 
vorhanden ist. 



III. DIE WELT, WELCHE DEN SINNEN 
ZUGRUNDE LIEGT 



In den Sinneswahrnehmungen ist die Grundlage des 
weiteren Seelenlebens gegeben. Auf Grund der Empfin- 
dungen der drei ersten Sinne, ferner der Geriiche, Ge- 
schmacke, Farben, Tone usw. entstehen aus dem Zusam- 
menleben des Menschen mit der Aufienwelt die Vorstel- 
lungen, durch die sich in der Seele widerspiegelt, was von 
auften gegeben ist. Es entstehen die Urteile, durch die 
sich der Mensch innerhalb dieser Aufienwelt orientiert. 
Es bilden sich die Erlebnisse von Sympathie oder Anti- 
pathie, in denen sich das Gefuhlsleben gestaltet; es ent- 
wickeln sich die Wiinsche, Begierden, das Wollen. Will 
man ein Kennzeichen fur dieses Innenleben der mensch- 
lichen Seele haben, so muft man die Aufmerksamkeit 
darauf richten, wie es zusammengehalten und gleichsam 
durchdrungen wird von dem, was man sein eigenes «Ich» 
nennt. Eine Sinneswahrnehmung wird zum Seelenerleb- 
nis, wenn sie aus dem Gebiete des Sinnes aufgenommen 
wird in den Bereich des «Ich». Man kann eine gerechtfer- 
tigte Vorstellung von diesem Tatbestande erhalten, wenn 
man die folgende einfache Uberlegung anstellt. Man 
empfindet z. B. die Warme eines gewissen Gegenstandes. 
So lange man den Gegenstand beriihrt, ist eine Wechsel- 
beziehung zwischen dem «Ich» und der Aufienwelt vor- 
handen. In diesem Wechselverhaltnis bildet sich im «Ich» 
die Vorstellung des Warmezustandes des betreffenden 
Gegenstandes. Entfernt man die Hand von dem Gegen- 
stande, so bleibt in dem «Ich» die Vorstellung zu- 
riick. Diese bildet nun etwas Wesenhaftes innerhalb des 



Seelenlebens. Man soil nicht versaumen, zu bemerken, 
daft die Vorstellung dasjenige ist, was sich von dem 
Sinneserlebnis loslost und in der Seele wekerlebt. - In- 
nerhalb gewisser Grenzen kann nun der Mensch die 
Erlebnisse, die er mit Hilfe der Sinne macht, und welche 
sich dann in der Seele fortsetzen, seine Welt nennen. 

Wer nun aber dariiber nachsinnt, wie diese Welt in 
seinen Bereich tritt, der wird sich gezwungen sehen, fiir 
diese Welt ein anderes Dasein vorauszusetzen. Denn 
wodurch kann diese Welt nur Seelenerlebnis sein; wo- 
durch kann der Mensch etwas von ihr wissen? Lediglich 
dadurch, daft er Sinne hat. Bevor die Welt als Sinnes- 
wahrnehmung sich vor den Menschen hinstellt, miissen 
diese Sinne selbst erst aus ihr herausgeboren sein. Die 
Welt ware fiir den Menschen tonlos, wenn er keinen 
Gehorsinn, sie ware warmelos, wenn er keinen Warme- 
sinn hatte. So richtig dieses ist, so klar ist aber auch das 
andere, daft in einer Welt, in welcher es nichts zu horen 
gabe, kein Gehorsinn entstehen konnte; in einer warme- 
losen Welt bildete sich kein Warmesinn. Man braucht 
nur daran zu denken, wie bei Wesen, die im Finstern 
leben, sich keine Augen entwickeln; oder wie bei Wesen, 
die unter dem Einfluft des Lichtes Augen entwickelt 
haben, diese in Verkummerung iibergehen, wenn ihre 
Trager den Aufenthalt im Licht mit einem solchen im 
Finstern vertauschen. - Man braucht nichts weiteres, als 
dieses in voller Klarheit durchzudenken, um sich zu sa- 
gen, derjenigen Welt, welche dem Menschen durch seine 
Sinne gegeben ist, und auf welche er sein Seelenleben 
aufbaut, mufi eine andere Welt zum Grunde liegen, wel- 
che diese Sinneswelt selbst erst dadurch moglich macht, 



daft sie die Sinne aus sich heraus entstehen lafit. Und 
diese Welt kann nicht in das Gebiet der sinnenfalligen 
fallen, da sie ihr ganz und gar vorangehen mu£. 

So wird der Ausblick fiir das Nachsinnen eroffnet auf 
eine hinter der Sinnenwelt liegende andere Welt, die 
nicht selbst sinnlich wahrgenommen werden kann, aus 
welcher sich aber die Sinnenwelt wie aus einem hinter ihr 
liegenden Daseinsmeer erhebt. Der Warmesinn nimmt 
die Warme wahr; dahinter liegt etwas, was den Warme- 
sinn gebildet hat. Das Auge nimmt durch das Licht wahr; 
dahinter liegt etwas, was das Auge gestaltet. Man mufi 
unterscheiden zwischen einer Welt, wie sie dem Men- 
schen durch die Sinne gegeben ist, und einer solchen, 
welche dieser zugrunde liegt. - Kann man denn nun iiber 
diese letztere Welt gar nichts aus dem blofien Nach- 
sinnen heraus sagen? Man kann etwas sagen, wenn man 
das folgende bedenkt. Durch das Wechselverhaltnis des 
Menschen mit der Aufienwelt, wie es in der Sinneswahr- 
nehmung sich vermittelt, entsteht innerhalb des Men- 
schen die Vorstellungs-, Gefuhls- und Begierdenwelt. 
Ganz so kann man denken iiber das Verhaltnis der vor- 
ausgesetzten anderen Welt zum Menschen. Durch sie 
entstehen in ihm die Organe der Sinneswahrnehmungen. 
Bei allem, was sich in der Sinnenwelt erleben lafit, ist der 
Mensch mit seinem «Ich» dabei, in welchem sich auf 
Grund der Sinneserlebnisse die Seelenwelt aufbaut. Der 
aller Sinneswahrnehmung notwendig vorausgehende 
Aufbau der Sinnesorgane mufi in einem Wirklichkeits- 
gebiet geschehen, in welches keine Sinneswahrnehmung 
mehr dringen kann. (Kaum gedacht zu werden braucht 
wohl des Einwandes, der jemandem fliichtig einf alien 



konnte, dafi doch der Mensch den Aufbau der Sinnes- 
organe an einem anderen Wesen beobachten konnte. 
Was er da wahrnehmen kann, nimmt er ja eben durch 
die Sinne wahr. Man kann wohl beobachten, wie ein 
Hammer entsteht, ohne sich dabei eines Hammers zu 
bedienen; nicht aber kann man sinnenfallig beobachten, 
wie ein Sinnesorgan entsteht, ohne sich eines solchen 
zu bedienen.) 

Es ist ganz berechtigt, davon zu sprechen, daft die 
Sinnesorgane aus einer Welt aufgebaut sein miissen, die 
selbst iibersinnlich ist. Und die geschilderte Wesenheit 
der Sinneswahrnehmungen gibt dem Nachsinnen An- 
haltspunkte, weiteres iiber diese Welt zu sagen. Da die 
Sinnesorgane zuletzt als das Ergebnis der Tatigkeit 
dieser Welt erscheinen, so kann man davon sprechen, 
daft diese Tatigkeit eine mannigfaltige ist. Gleichsam von 
ebensovielen Seiten her wirkt sie auf den Menschen, als 
Sinnesorgane vorhanden sind. Es ergieften sich die Stro- 
mungen dieser Welt in jene Brunnen, die in den Sinnes- 
organen liegen, so daft der Mensch aus diesen Brunnen 
fur sein Seelenleben schopfen kann. Und weil dasjenige, 
was aus diesen Brunnen geschopft wird, zuletzt sich in 
dem «Ich» zusammenfindet, so muE es, obwohl es von 
verschiedenen Seiten her kommt, doch urspriinglich 
einem einheitlich in sich Wirkenden entstromen. In dem 
«Ich» fugen sich die verschiedenen Sinneswahrnehmun- 
gen zu einer Einheit zusammen. Sie stellen sich in dieser 
Einheit als zusammengehorig dar. - Was an die Seele in 
den Sinneswahrnehmungen anschlagt, das ist so, daft sich 
das innere Leben des Ich davon loslosen laftt. Daraus ist 
ersichtlich, daft es hinter der sinnenfalligen Welt in einer 



iibersinnlichen ebensoviele Tatigkeitsquellen gibt, als 
Sinnesorgane vorhanden sind. Diese Tatigkeitsquellen 
offenbaren sich eben durch ihre Wirkung y welche im 
Aufbau der Sinnesorgane besteht. 

Das Bereich dieser Tatigkeitsquellen umfafit also eine 
Zahl dieser Quellen, die gleich ist der Zahl der Sinnes- 
organe. Und man kann sagen, daft die auftersten Grenzen 
dieses Bereiches durch das «Ich» einerseits und den 
«Tastsinn» anderseits vorausgesetzt werden diirfen, 
obwohl der Tastsinn ebensowenig wie das «Ich» zum 
eigentlichen Sinnesleben gezahlt werden diirfen. Was 
einmal dem «Ich» angehort, hat sich von der Sinnes- 
wahrnehmung losgelost, darf also, weil es ganz inneres 
Erlebnis ist, nicht mehr zu dieser gezahlt werden. Doch 
aber gehort es zum Wesenhaften jeder Sinneswahrneh- 
mung, daft sie Ich-Erlebnis werden kann. Es mufi dazu 
also jedes Sinnesorgan aus der iibersinnlichen Welt her- 
aus veranlagt sein, daft es etwas liefert, was Ich-Erlebnis 
werden kann. - Und der Tastsinn liefert gewissermaften 
Erlebnisse von der entgegengesetzten Art. Was durch 
ihn iiber einen Gegenstand ausgesagt wird, stellt sich als 
etwas dar, was ganz aufterhalb des Menschen liegt. Es 
muft also der Mensch als Ganzes aus der iibersinnlichen 
Welt heraus so aufgebaut sein, daft er auf Grund der 
Tasterlebnisse sich eine aufter ihm liegende Welt gegen- 
uberstellt. 

Wenn man das menschliche Seelenleben iiberblickt, 
wie es sich auf Grund der Sinneserlebnisse herausbildet, 
so erscheinen die Sinnesorgane als feste Punkte, wie in 
einem Umkreis; und das «Ich» erscheint als das Beweg- 
liche, das in verschiedenartigem Durchlaufen dieses Um- 



kreises die Seelenerlebnisse gewinnt. Dieser ganze Bau 
des menschlichen Organismus, insofern er sich in den 
Sinnesorganen auspragt, deutet hin auf seine Ursachen in 
der iibersinnlichen Welt. So viele Sinnesgebiete, so viele 
solche Ursachen; und innerhalb des Bereiches dieser 
Ursachen ein einheitliches iibersinnliches Prinzip, das in 
der Hinorganisierung auf die Ich-Einheit sich andeutet. 

Eine weitere Betrachtung zeigt, daft die iibersinnliche 
Tatigkeit, welche sich in dem Bau der Sinnesorgane of- 
fenbart, in verschiedenartiger Weise wirkt. In den drei 
Gebieten des Lebenssinnes, des Eigenbewegungssinnes, 
des Gleichgewichtssinnes geht die Wirkung von dem 
Innern der menschlichen Leiblichkeit aus und offenbart 
sich bis zu den Grenzen der Haut. Bei Geruchs-, Ge- 
schmacks-, Gesichts-, Warme- und Gehorsinn ist diese 
Art von Tatigkeit ebenfalls vorhanden; doch wirkt mit 
ihr zusammen eine andere, welcher man die Richtung 
von auEen nach dem Innern der Leiblichkeit zuschreiben 
mul Das Gehororgan z. B. ist ein Glied des menschli- 
chen Organismus. Innerhalb dieses Organismus miissen 
die Krafte wirksam sein, die dem Wesen des Gesamtlei- 
bes entsprechend dieses Organ gestalten. Von auften aber 
miissen entgegenkommen die in der Tonwelt verborge- 
nen iibersinnlichen Krafte, welche dieses Organ gerade 
so ausbilden, dafi es fiir den Ton empfanglich ist. Bei den 
genannten fiinf Sinnesorganen ist also eine Begegnung 
von Kraften gleichsam an der Oberflache des mensch- 
lichen Leibes angedeutet: es wirken Krafte in der Rich- 
tung vom Innern des Leibes nach aufien und gestalten 
die einzelnen Sinnesorgane dem Wesen des Gesamtorga- 
nismus entsprechend; die ihnen entgegenkommenden 



Krafte wirken von auf$en nach innen und pragen die 
Organe in den Leib so hinein, daft sie sich den verschie- 
denen Aufterungen der Auftenwelt anpassen. Bei Le- 
bens-, Eigenbewegungs- und Gleichgewichtssinn ist nur 
die eine dieser beiden Richtungen, die von innen nach 
auften strebende vorhanden. - Es ergibt sich weiter, daft 
bei Sprach- und Begriffssinn die Richtung von innen 
nach auften wegfallt, und daft diese Sinne von auften nach 
innen in den Menschen hineingebaut werden. Fur sie 
also offenbart sich die charakterisierte ubersinnliche 
Tatigkeit so, daft sie sich dem inneren Seelenleben schon 
nahert in bezug auf ihre Gestaltung. Insofern man nun 
das «Ich» in der oben charakterisierten Art auch schon in 
den ubersinnlichen Kraften, welche den Sinnesaufbau 
besorgen, veranlagt sehen muft, kann man sagen, daft im 
«Ich» diese Krafte am meisten ihre Eigennatur verraten. 
Nur ist gleichsam in dem «Ich» diese Eigennatur auf 
einen Punkt zusammengeschrumpft. Betrachtet man das 
«Ich», so zeigt es in einem Punkte eine Wesenhaftigkeit, 
welche in reichster Fiille ausgebreitet in einer iibersinn- 
lichen Welt ruht und sich aus dieser heraus nur in ihren 
Wirkungen, in dem Aufbau der Sinne offenbart. Der 
Tastsinn ergibt sich auch in dieser Beziehung als der 
Gegensatz des «Ich». In dem Tastsinn offenbart sich 
dasjenige der ubersinnlichen - oder wenn man will, 
aufteriibersinnlichen - Welt, was nicht Innenerlebnis des 
Menschen werden kann, sondern durch ihm entspre- 
chende innere Erlebnisse erschlossen wird. 

Als sinnenfallige Erscheinungen beschreibt die An- 
thropologic die Sinnesorgane. Es entspricht nun gut den 
eben angefuhrten Ergebnissen, dafi sie fur Lebenssinn, 



Eigenbewegungssinn und Gleichgewichtssinn noch nicht 
besondere Organe bezeichnet. Die gekennzeichneten 
von innen nach auften wirkenden Krafte gestalten eben 
den Menschen als allgemeinen, sich selbst erlebenden 
und sich haltenden Sinnesorganismus. Es breiten sich 
gewissermaften die Organe dieser drei Sinnesgebiete in 
der allgemeinen Leiblichkeit aus. Erst beim Gleichge- 
wichtssinn wird von der Anthropologic auf die drei halb- 
zirkelformigen Kanale hingewiesen, als Andeutung eines 
besonderen Sinnesorganes, weil mit diesem Sinn der 
Mensch in ein elementares Verhaltnis zur Aufienwelt 
tritt, namlich zu den Raumrichtungen. Fur die fiinf mitt- 
leren Sinne gibt es abgesonderte Organe, welchen leicht 
anzuerkennen ist, daft an ihrer Bildung die gekennzeich- 
neten Fahigkeiten von auften nach innen und von innen 
nach auften in mannigfaltiger Art zusammenwirken. 
(Wenn es auch in bezug auf den Warmesinn fur die 
Anthropologic noch manche Zweifel iiber das auftere 
Sinnesorgan gibt, so werden sich diese Zweifel mit fort- 
schreitender Wissenschaft schon losen.) Fur Laut- und 
Begriffssinn konnen auEere Organe aus dem Grunde 
nicht in der gleichen Art wie fur die anderen Sinne be- 
schrieben werden, weil diese Organe bereits da liegen, 
wo das leibliche Leben sich in das seelische verinnerlicht. 
Das Organ des Tastsinnes aber wird sich der Wissen- 
schaft immer mehr als das ergeben, was es im Sinne der 
obigen Betrachtungen sein rauE. Es muft so wirken, daft 
der Mensch in den beriihrten Gegenstanden sich gewis- 
sermafien in sich zuriickzieht, sich in inneren Leibes- 
erlebnissen verschliefk vor den Gebieten dieses Sinnes. 
Man wird also in den iiber die ganze Leibesoberflache 



ausgebreiteten Gebilden, welche man als Tastorgane 
ansieht, etwas anerkennen miissen, was im wesentlichen 
mit einem Zuriickziehen der Leibesoberflache von der 
beriihrten Auftenwelt zu tun hat. Die Tastorgane sind 
also eigentlich gestaltend fur das Innere der menschli- 
chen Leibesform; sie geben dem Leibe die Gestalt, durch 
welche er sich in sich abschliefk von der ihn von alien 
Seiten beriihrenden Aufienwelt. (An den Stellen, an 
welchen die Tastorgane eine groftere Empfindlichkeit 
zeigen, verhalt sich der Mensch anders zur Auftenwelt 
als an den Stellen von geringerer Empfindlichkeit. Er 
schiebt sich in dem einen oder anderen Falle gleichsam 
mehr oder weniger vor gegen die Auftenwelt. Man merkt 
daraus, daft die Leibesgestalt in gewisser Beziehung ein 
Ergebnis ist der Eigenart des Tastorganes an den ver- 
schiedenen Stellen der Leibesoberflache.) 



IV. DIE LEBENSVORGANGE 



In das Sinnesleben des Menschen gliedert sich nun ein 
anderes hinein. Auch in diesem kann man eine Anzahl 
von Gebieten unterscheiden. Da drangt sich zunachst der 
Vorgang auf, durch welchen das innere Leibesleben von 
auften unterhalten wird: das Atmen. In diesem Vorgang 
beruhrt sich das Leibesleben mit der aufteren Welt; es 
stellt sich gewissermaften in einer Art, in welcher es nicht 
weiterbestehen kann, der Auftenwelt gegeniiber, um von 
dieser die Kraft zu empfangen, sich fortzusetzen. In die- 
sen Worten ist ungefahr dasjenige gesagt, was sich dem 
Menschen an dem Atmungsvorgange offenbart, ohne daft 
er auf die Ergebnisse der sinnenfalligen Wissenschaft ein- 
geht. Die letzteren gehoren der Anthropologie an. Das 
hier Charakterisierte aber erlebt der Mensch unmittelbar 
im Leben, an seinem Verlangen nach Luft, an der Beob- 
achtung der Lebenshemmung, wenn die Luft fehlt usw. - 
Ein weiterer Vorgang dieses Gebietes ist derjenige, wel- 
chen man als Wdrmung bezeichnen kann. Der Mensch ist 
zum Bestande seines Leibeslebens darauf angewiesen, 
einen ganz bestimmten Warmegrad in seinem Leibesin- 
nern zu entwickeln, der nicht von Vorgangen abhangt, 
welche die Warme seiner Umgebung bestimmen, sondern 
von solchen, welche in seinem Innern stattfinden, und da 
die Eigenwarme innerhalb bestimmter Grenzen halten, 
wie auch die auftere Warme sich gestalten mag. - Ein drit- 
ter Vorgang dieser Art ist die Ernahrung. Durch sie tritt 
das Leibesleben mit der Auftenwelt in eine solche Bezie- 
hung, daft die Substanzen, welche von ihm verbraucht 



werden, sich wieder ersetzen. - Zu der Ernahrung mufi ein 
vierter Vorgang hinzukommen, wenn sie stattfinden soli. 
Schon im Munde muE das aufgenommene Nahrungsmit- 
tel in Wechselwirkung treten mit dem aus dem Leibe ab- 
gesonderten Speichel; ebenso findet auf dem weiteren 
Verdauungsweg ein solcher Vorgang statt. Man kann ihn 
als den vierten Vorgang dieses Gebietes, die Absonderung, 
bezeichnen. - Die leibliche Selbstbeobachtung zeigt nun, 
da£ sich an diesen Vorgang ein anderer schliefk. In jener 
Absonderung, welche der Verdauung dient, ist das Abge- 
sonderte bloE befahigt, die Nahrungsmittel so umzubil- 
den, da£ sie in das Leibesleben aufgenommen werden 
konnen. Der Mensch mu6 aber auch solches absondern, 
das in dieses Leibesleben eintreten kann. Er mufi die 
Nahrungsstoffe so umformen, daft sie zum Aufbau seines 
Leibes dienen konnen. Dem liegt ein Vorgang zugrunde, 
der iiber das Maft dessen hinausgeht, was in der eben cha- 
rakterisierten Absonderung gegeben ist. Es soil dieser 
Vorgang mit dem Namen Erhaltungsprozeft bezeichnet 
werden. - Ein weiterer Vorgang ergibt sich, wenn man das 
Augenmerk auf das Wachstum des Menschen lenkt. Die- 
ser geht iiber die blo£e Erhaltung hinaus. Zu dem Erhal- 
tungsprozeft, welcher den Leib so lassen wurde, wie er in 
einem bestimmten Zeitpunkte ist, kommt ein anderer 
hinzu, welcher als Wachstumsprozefl bezeichnet werden 
kann. - Ihren Abschkrft erreichen der Erhaltungs- und 
WachstumsprozeE damit, daE in dem Menschen der ferti- 
ge Leib in einer ganz bestimmten Form sich darstellt. Die- 
se Gestaltung des Menschen von innen heraus zu einem 
ganz bestimmten Formgebilde sei die Hervorbringung 
genannt. - Die Fortpflanzung stellt sich dann dar als eine 



Wiederholung dieser Hervorbringung. Was zum eigenen 
Leibe gehort, wird so hervorgebracht, dafi es mit dem 
Menschen vereinigt bleibt; bei der Fortpflanzung trkt das 
Hervorgebrachte nach aufien. Da hier zunachst nur von 
dem Menschen als einer in sich geschlossenen Leibesindi- 
vidualitat gesprochen werden soil, wird der Fortpflan- 
zungsvorgang nicht beriicksichtigt. 

An die Vorgange, welche hier als Atmung, Warmung, 
Ernahrung, Absonderung, Erhaltungsprozefi, Wachs- 
tumsprozeft und Hervorbringung bezeichnet werden, 
schlieften sich nun fiir den Menschen in ahnlicher Art 
innere Erlebnisse, wie sich im Ich innere Erlebnisse an 
die Vorgange der sinnenfalligen Wahrnehmung schlie- 
£en. An die Atmung, Warmung und Ernahrung schlie- 
ften sich Gefuhlserlebnisse, welche in ihren mittleren 
Zustanden weniger beachtet werden, die aber sofort 
hervortreten, wenn dieser Zustand nach der einen oder 
anderen Seite gestort wird. Kann die Atmung nicht in 
gehoriger Art vor sich gehen, so treten Angstzustande 
u. dgl. ein. Eine Stoning des Warmezustandes gibt sich 
in Frostgefiihl oder Erhitzung kund. Die Stoning der 
Ernahrung offenbart sich in Hunger und Durst. Man 
kann sagen, dafi sich an Atmung, Warmung und Ernah- 
rung innere Erlebnisse kniipfen, welche sich als eine Art 
Wohlbefinden, Behaglichkeit usw. offenbaren. Diese Er- 
lebnisse sind immer da; sie liegen dem zugrunde, was 
sich bei einer Stoning als Ubelbefinden, Unbehagen, 
Hunger usw. auslebt. - Eine wirkliche Selbstbesinnung 
zeigt nun, daft solche gefuhlsartige Erlebnisse auch mit 
Absonderung, Erhaltungsprozeft, Wachstumsprozefi 
und Hervorbringung zusammenhangen. Man denke dar- 



an, wie Angst- und Furchtzustande sich in einer iiberma- 
fiigen Schwei£absonderung zeigen; und man wird eben- 
so zugeben konnen, da£ die in entsprechenden Grenzen 
verlaufende Absonderung dieser Art mit einem Gefiihle 
zusammenhangt, das sich in einer allgemeinen Behag- 
lichkeit ausdriickt, wie man einsehen kann, da£ alle Ab- 
sonderung mit einem Gefuhlszustande einhergeht, der 
so lange sich der Beachtung des Bewulkseins entzieht, als 
er normal verlauft. - Und des weiteren zeigt die Selbst- 
besinnung, daft solche Gefiihlserlebnisse auch mit Erhal- 
tungsprozeft, Wachstumsprozeft und Hervorbringung 
zusammenhangen. Man kann empfinden z. B., daft das 
Kraftgefuhl der Jugend der Ausdruck dessen ist, was sich 
an inneren Erlebnissen an das Wachstum anschlieftt. 

Diese inneren Gefiihlserlebnisse sind nun etwas, was 
im Menschen den Vorgangen der Atmung, Warmung, 
des Wachstums usw. ahnlich entgegensteht, wie die im 
«Ich» sich an die Sinneswahrnehmungen anschlieEen- 
den inneren Erlebnisse den Vorgangen dieser Wahrneh- 
mungen entgegenstehen. Es ist daher moglich, davon zu 
sprechen, dafi z. B. die Atmung mit einem Erlebnis im 
Menschen ahnlich zusammenhangt, wie das Horen zu- 
sammenhangt mit dem Erlebnis, das als Ton bezeichnet 
wird. Nur ist der Grad von Deutlichkeit, mit welcher 
die aufteren Sinneswahrnehmungen innerlich nacherlebt 
werden, ein viel hoherer als derjenige, welcher den hier 
gekennzeichneten inneren Erlebnissen zukommt. Ge- 
wissermaEen unter oder in dem «Ich-Menschen» ver- 
birgt sich ein anderer, der sich aus inneren Erlebnissen 
aufbaut, wie sich der Ich-Mensch aus den Ergebnissen 
der aufteren Sinneswahrnehmungen aufbaut. Nur wird 



dieser unter dem «Ich-Menschen» liegende Mensch im 
Leben erst dann recht beachtet, wenn er in den Storun- 
gen seiner Erlebnisse sich dem Ich-Menschen ankiin- 
digt. So wenig man aber zusammenwerfen darf den Vor- 
gang der Sinneswahrnehmung mit dem an ihn sich glie- 
dernden Vorgang im Ich, so wenig darf man dies tun 
z. B. in bezug auf den Atmungsvorgang und die inneren 
Erlebnisse (gefiihlsartiger Natur), die sich mit diesem 
Vorgang zusammenschlieften. Auch konnte man leicht 
versucht sein, diese inneren Erlebnisse in ihrer Eigenart 
ganz zu verkennen und zu sagen, es gabe iiberhaupt 
keinen wesentlichen Unterschied zwischen ihnen und 
denjenigen, welche sich unter dem Einfluft der Sinnes- 
wahrnehmungen entwickeln. Nun mufi zugestanden 
werden, daft der Unterschied zwischen den beiden 
Arten von inneren Erlebnissen, z. B. fur den Lebenssinn 
und dem inneren gefiihlsartigen Erlebnis beim At- 
mungs- oder Warmungsvorgang keine besondere Deut- 
lichkeit hat. Er ist aber durch genauere Beobachtung 
leicht herauszufinden, wenn man das folgende festhalt. 
Zu einem Sinneserlebnis gehort, daft sich ihm ein Urteil 
erst anschlieften kann durch das «Ich». Alles, was der 
Mensch vollbringt unter dem Einflusse eines Urteiles, 
muE, wenn es sich auf Sinneswahrnehmungen bezieht, 
so sein, daft das Urteil innerhalb des «Ich» gefallt wird. 
Man nimmt zum Beispiel eine Blume wahr, man fallt 
das Urteil: diese Blume ist schon; dann schiebt sich das 
Ich zwischen die Sinneswahrnehmung und das Urteil 
hinein. Was nun mit den Vorgangen der Atmung, War- 
mung, Ernahrung usw. an inneren Erlebnissen hervor- 
gerufen wird, das weist durch sich selbst, ohne Dazwi- 



schentreten des «Ich» auf etwas dem Urteil Ahnliches 
hin. In dem Erlebnis des Hungers liegt unmittelbar der 
Hinweis auf etwas, was dem Hunger entspricht und was 
mit ihm so verkniipft ist, wie dasjenige, was der Mensch 
nach einer Urteilsfallung auf eine Sinneswahrnehmung 
hin mit dieser verkniipft. Wie beim Urteilen die Tatig- 
keit des «Ich» mit der Sinneswahrnehmung etwas zu- 
sammenschliefk, so erweist sich mit dem Hunger ein 
Aufteres zusammengeschlossen, ohne dafi ein «Ich» die- 
sen Zusammenschluft herstellt. Dieser Zusammenschlufi 
darf deshalb ein instinktiv sich offenbarender genannt 
werden. Und solches gilt fiir alle inneren Erlebnisse, 
welche mit Atmungs-, Ernahrungs-, Wachstumsvorgan- 
gen zusammenhangen. Man muE deshalb unterscheiden 
zwischen Atmungsbehagen, Warmewohlbefinden, inso- 
fern sie instinktive innere Erlebnisse sind und zwischen 
den ihnen entsprechenden Wahrnehmungen des Le- 
benssinnes. Die Welle des Instinktiven mufi gewisser- 
maften erst an den «Ich-Menschen» heranschlagen, um 
zum Gebiete des Lebenssinnes zu gelangen. - Es soil 
nun das Gefuge der inneren Erlebnisse, welche durch 
die gekennzeichneten Vorgange hinter dem «Ich-Men- 
schen» sich abspielen, dem «astralen Menschen» zuge- 
schrieben werden. Wieder soil mit dem Namen «astraler 
Mensch» nichts anderes zunachst verbunden werden, als 
was hier gekennzeichnet ist. Wie nun der «Ich-Mensch» 
durch die Sinneswerkzeuge seine Erlebnisse aus der 
«Sinnenwelt» entnimmt, so der «astrale Mensch» aus der 
Welt, welche ihm durch die Vorgange des Atmens, 
Wachsens usw. gegeben ist. Es sei diese Welt zunachst 
«Lebenswelt» genannt. 



Damit nun eine «Lebenswelt» gegeben sein kann, 
miissen die Lebensorgane aus einer Welt heraus gebaut 
sein, die iiber alles Leben ahnlich hinausliegt, wie die 
Krafte zum Aufbau der Sinnesorgane iiber das Sinnen- 
fallige hinausliegen. Diese Welt offenbart sich wieder in 
ihren Wirkungen, im Aufbau der Lebensorgane. Die ein- 
zelnen Gebiete der Lebensvorgange: Atmung, Warmung, 
Ernahrung usw. diirfen als Hinweise auf ebenso viele 
Gebiete dieser Welt gedeutet werden. - Man kann nun 
bemerken, daft die Gebiete der Lebensvorgange weniger 
streng voneinander gesondert sind als die Gebiete der 
Sinneswahrnehmungen. Das Gebiet des Geschmackssin- 
nes ist z. B. streng gesondert vom Gesichtssinn, die Ge- 
biete der Lebensvorgange liegen sich naher; sie gehen 
mehr ineinander iiber. Die Atmung geht in die War- 
mung, diese in die Ernahrung iiber. - Die Anthropologic 
zeigt daher fur die Sinneswahrnehmungen im wesent- 
lichen getrennte Sinnesorgane; fur die Lebensvorgange 
weist sie Organe auf, die ineinanderflieften. So hangt die 
Lunge - das vorziiglichste Atmungsorgan - mit den 
Organen des Blutlaufes zusammen, die der Warmung 
dienen; diese wieder flieften zusammen mit den Verdau- 
ungsorganen, welche der Ernahrung entsprechen usw. - 
Das ist ein Hinweis darauf, daft die entsprechenden Ge- 
biete derjenigen Welt, in welcher ihre aufbauenden Kraf- 
te liegen, auch in einer anderen Beziehung zu einander 
stehen als die Krafte fur den Aufbau der Sinnesorgane. 
Jene miissen gegeneinander gewissermaften beweglicher 
sein als diese. Die Erlebnisse des Geschmackssinnes z. B. 
konnen mit denen des Gehorsinnes sich nur in dem 
gemeinsamen «Ich» begegnen, dem sie angehoren. Das 



Wachstumsgefiihl dagegen trifft durch sich selbst mit 
demjenigen zusammen, welches sich an dem Atmungs- 
vorgang zeigt. Das Kraftgefiihl des Wachsens zeigt sich 
in der Atembehaglichkeit, in der Warmung usw. durch 
gesteigertes Innenleben. Jedes gefiihlsartige Erlebnis die- 
ser Art kann mit einem anderen derselben Art zusam- 
menfallen. Es ergaben sich die Gebiete der Sinneswahr- 
nehmungen so, daft man fiir sie das Bild eines Umkreises 
gebrauchen konnte, an dem die einzelnen Gebiete ru- 
hend sind, wahrend das «Ich» sich iiber alle hinbewegt. 
Fiir die Lebensvorgange ergibt sich aus dem Gesagten 
ein anderes Sinnbild. Man kann sie so vorstellen, daft sie 
alle beweglich sind und jedes iiber jedes hinlaufen kann. 

Nun bestehen aber auch deutliche Beziehungen zwi- 
schen den Sinneswahrnehmungen und den Lebensvor- 
gangen. Man nehme den Atmungsvorgang und beziehe 
ihn auf die Gehorwahrnehmung. In beiden Fallen stellt 
sich das entsprechende Leibesorgan der Aufienwelt ent- 
gegen. Das ist ein Hinweis darauf, daft in der Auftenwelt 
dasjenige sich offenbart, was Beziehung sowohl zu dem 
einen und dem anderen Organ hat. Nur zeigt sich, daft 
z. B. in der Luft sich ein zweifaches offenbart; dem einen 
gegeniiber ist gestaltet das Atmungsorgan und stellt es in 
den Dienst des Leibes hinein; das andere bezieht sich auf 
den Bau des Gehororgans. Man wird anerkennen diirfen, 
daft die Krafte, welche das Gehororgan gestalten, gewis- 
sermaften urspriinglichere sein miissen als diejenigen, 
welche das Atmungsorgan bilden. Denn im ausgebil- 
deten menschlichen Leib steht alles in gegenseitiger Ab- 
hangigkeit. Es kann ein menschliches Gehororgan von 
innen nach auften sich nur entfalten, wenn das Atmungs- 



organ gerade so veranlagt ist, wie es sich eben zeigt. Aus 
dem Organismus heraus wachst das Atmungsorgan der 
Aufienwelt entgegen und auch das Gehororgan. Nun 
dient das Atmungsorgan nur dem inneren Leibesleben; 
das Gehororgan jedoch muft der Auftenwelt - dem Ge- 
biete des Tones - angepafk sein. Im Herauswachsen des 
Atmungsorgans aus dem Leibe braucht also nur auf die 
Beschaffenheit des Leibes selbst Riicksicht genommen 
zu werden; das Gehororgan muft so herauswachsen, daft 
es der aufieren Tonwelt angemessen ist. Vor der Anlage 
zum Atmungsorgan braucht keine andere zu liegen; es 
wachst den inneren Gestaltungskraften gemafi. Das Ge- 
hororgan jedoch mull einer schon bestehenden Anlage 
entgegenwachsen. Seine Anpassung an die AufSenwelt 
muE seinem Hervorsprieften aus dem inneren Leibes- 
leben vorausgehen. - Damit zeigt sich, dafi die Krafte, 
welche das Gehororgan zum Sinneswerkzeug bilden, 
einer Welt angehoren, welche die ursprunglichere oder 
hohere gegeniiber der anderen ist, in welcher die Krafte 
liegen, welche als solche sich offenbaren, die vom Leibe 
heraus sowohl Gehororgan wie Atmungsorgan bilden. - 
Es kann auch an anderen Sinneswahrnehmungen und 
Lebensvorgangen ein ahnliches gezeigt werden. Man 
richte die Aufmerksamkeit auf den Geschmackssinn. Zu 
ihm kann die Absonderung in eine ahnliche Beziehung 
gesetzt werden wie der Atmungsvorgang zum Gehor- 
sinn. In dem Speichel des Mundes ist enthalten, was das 
Nahrungsmittel lost und dadurch schmeckbar macht. 
Eine ahnliche Besinnung, wie die eben angestellte, kann 
ergeben, daft die Krafte, aus denen die Absonderungs- 
organe sich bilden, die weniger urspriinglichen sind 



gegeniiber denjenigen, durch welche der Geschmacks- 
sinn entsteht. 

Man kann im Sinne solcher Betrachtungen demnach 
eine iibersinnliche hohere Wesenheit im Menschen an- 
nehmen, deren Krafte sich in dem Aufbau der mensch- 
lichen Sinnesorgane als in ihren Wirkungen zeigen. 
Ebenso eine andere, deren Wirkungen sich in dem Bau 
der menschlichen Lebensorgane offenbaren. Die letztere 
Welt fiihlt der «astralische Mensch» als seine instinktiven 
Innenerlebnisse; die erstere gibt sich dem «Ich-Men- 
schen» als sinnenfallige Wirklichkeit (Sinnenwelt) kund. 
Es kann aber weder die erste Welt durch die Sinne, noch 
die zweite im astralischen Menschen unmktelbar zur 
Offenbarung kommen. 

Es ist gesagt worden, daft im «Ich» gleichsam zu 
einem Punkte zusammengeschrumpft die iibersinnliche 
Welt in ihrer Eigenart sich offenbart; in eben demselben 
Sinne kann anerkannt werden, daft die zweite der an- 
gefiihrten Welten in den Gefuhlserlebnissen des «astrali- 
schen Menschen» sich zeigt, die als Lebensinstinkte be- 
zeichnet werden konnen. In diesen Erlebnissen spricht 
sich etwas aus, mit dem die anderen instinktiven Erleb- 
nisse des «astralischen Menschen» in eins zusammen- 
flieften und Bild sind einer iibersinnlichen Welt in dem 
Sinne wie der Ich-Mensch Bild einer solchen ist. 

Der «Ich-Mensch» und der «astralische Mensch» stel- 
len zwei menschliche Wesensteile dar, welche in inneren 
Vorgangen sich ausleben. Um den «Ich-Menschen» mog- 
lich zu machen, bauen die Krafte einer iibersinnlichen 
Welt die Sinnesorgane auf. Insofern also der Menschen- 
leib Trager der Sinnesorgane ist, zeigt er sich aus einer 



ubersinnlichen Welt heraus gebaut. Es sei nun dieser 
Trager der Sinnesorgane der physische Menschenleib ge- 
nannt. Ihn durchdringt der «Ich-Mensch», um mit seiner 
Hilfe in der Sinnenwelt zu leben. Man mu6 demnach in 
dem physischen Menschenleib eine Wesenheit sehen, 
welche aus Kraften heraus gebaut ist, die in ihrer Eigen- 
art dem «Ich» selbst verwandt sind. Innerhalb der Sin- 
nenwelt kann sich der physische Menschenleib nur in 
seiner sinnenfalligen Offenbarung zeigen. Seiner inneren 
Wirklichkeit nach ist er eine Wesenheit iibersinnlicher 
Art. - Um den «astralischen Menschen» moglich zu 
machen, baut eine zu der charakterisierten ubersinn- 
lichen Welt als «Lebenswelt» hinzutretende andere Welt 
die Lebensorgane auf. Die Krafte dieser Welt haben sich 
als verwandt ergeben denen der Erlebnisse, welche der 
«astralische Mensch» in den Lebensinstinkten hat. Was 
den physischen Menschen aufbaut, offenbart sich in der 
Sinnenwelt in oben gekennzeichnetem Sinne. Diejenigen 
Krafte, welche die Lebensorgane aufbauen, konnen sich 
in der physischen Welt nur in den Lebensvorgangen of- 
fenbaren. Denn sie erzeugen die Lebensorgane und nur 
durch solche kann sich ein Lebensvorgang kundgeben. 
Die Lebensorgane selbst sind keine Wahrnehmungs- 
organe. Daher bleiben nicht nur die Krafte, welche die 
Lebensorgane aufbauen, sinnlich unwahrnehmbar, son- 
dern die Offenbarung dieser Krafte im Menschen selbst 
kann nicht sinnenfallig werden, sondern nur ge fiihls- 
mafiiges Instinkterlebnis sein. Diese Offenbarung sei nun 
der «dtherische Menschenleib » genannt. (Bei «atherisch» 
soil nur an das hier Gemeinte gedacht werden, keines- 
wegs an das, was in der Physik den Namen «Ather» 



tragt.) So wie der physische Menschenleib zum «Ich- 
Menschen» sich verhalt, so der «atherische Menschen- 
leib» zum «astralischen Menschen». - Der physische 
Leib ist, seiner Wesenhek nach, so beschaffen, da£ er 
dem Ich die Sinneserlebnisse liefert; der «atherische 
Leib» kann unmittelbar nur gefuhlsmaftig vom «astrali- 
schen Menschen» erlebt werden. Es mufi sich verhalten: 
das Ich zum physischen Menschenleib, wie der «astra- 
lische Mensch» zum «atherischen Menschenleib». - So 
setzen die Lebensorgane Krafte voraus, denen sie sich 
anpassen, indem sie Sinnesorgane, wie z. B. das Gehor- 
organ, aus dem Leibe heraus im Sinne von Erlebnissen 
gestalten, denen sie selbst nicht dienen; und die Sinnes- 
organe wieder setzen die Lebensorgane voraus, indem 
sie durch deren Vorgange unterhalten werden. 

Man kann demnach unterscheiden: 1. Eine iibersinn- 
liche Welt, in welcher die Krafte zum Aufbau der Sinnes- 
organe liegen. 2. Eine ubersinnliche Welt, in welcher die 
Krafte zum Aufbau der Lebensorgane liegen. Diese setzt 
jene voraus; daher kann erstere die hohere Geisteswelt, 
letztere die niedere Geisteswelt genannt werden. 3. Eine 
Welt, in welcher der astralische Mensch so in Beziehung 
steht zu den Lebensvorgangen, dafi diese in ihm sich als 
Lebensinstinkte offenbaren. Diese setzt die Lebensvor- 
gange, also die zweite Welt voraus. Sie sei die astralische 
Welt genannt. 4. Eine Welt, in welcher dem Ich-Men- 
schen sich die Sinneserlebnisse durch die Sinnesorgane 
offenbaren. Diese ist aber die physisch-sinnliche Welt. 

Aus der hoheren Geisteswelt ist der physische Men- 
schenleib gebildet, insofern er Trager der Sinnesorgane 
ist. Aus der niederen Geisteswelt ist der atherische Men- 



schenleib gebildet, insofern er die Lebensorgane aufer- 
baut. In der astralischen Welt tritt der astralische Mensch 
mit den Lebensvorgangen in Beziehung, insofern sich 
diese in den Lebensinstinkten offenbaren. In der phy- 
sischen Welt tritt der Ich-Mensch mit den sich als 
Auftenwelt darstellenden Sinneserlebnissen (Laut, Ton, 
Warme, Licht etc.) in Beziehung, sofern sich diese als 
Sinneswelt offenbaren. 



V. VORGANGE IM MENS CHLI CHEN INNERN 



Der «astralische Mensch» ist in dem Vorhergehenden 
nur so betrachtet worden, wie er sich in seinen gefiihls- 
maftigen Erlebnissen als eine Art Widerspiegelung der 
Vorgange der Lebensorgane ergibt. Diese Erlebnisse sind 
aber nicht die einzigen, welche ihm eigen sind. Zu diesen 
Erlebnissen kommt hinzu zunachst die Bewegungsfdhig- 
keit des Menschen. Der Mensch bewegt seinen Leib nicht 
nur auf diejenigen Antriebe hin, welche auf Grund der 
Lebensvorgange sich abspielen. Die Impulse zur Bewe- 
gung sind in dem Innenleben gelegen, sofern dieses un- 
abhangig ist von den Lebensvorgangen, Doch zeigt die 
Selbstbesinnung, daft diese Impulse keineswegs immer 
auf Antriebe des «Ich-Menschen» hin erfolgen miissen; 
sie stellen sich als instinktive Erlebnisse ein und gehoren 
damit demselben Gebiete an wie die instinktiven Erleb- 
nisse, welche mit den Lebensvorgangen sich zusammen- 
schlieften, das heifk dem «astralischen Menschen». - Des 
weiteren bieten sich als solche Erlebnisse des «astrali- 
schen Menschen» diejenigen dar, welche man als instink- 
tive Begehrungen bezeichnen kann. Es entstehen Begeh- 
rungen auf Grund sinnenfalliger Wahrnehmungen. Doch 
zeigt in bezug auf sie die Selbstbesinnung das folgende. 
Die sinnenfallige Wahrnehmung fuhrt zunachst zu 
einem Urteil, wenn sie von dem «Ich-Menschen» aufge- 
nommen wird. Dieses Urteil wirkt dann auf den «astra- 
lischen Menschen», wenn es zu einer Begehrung fiihrt. 
Im «Ich-Menschen» bildet sich das Erlebnis: das sinnlich 
Wahrgenommene ist wertvoll; es erwacht das Interesse 



dafiir. Soli nun das Interesse zur Begehrung werden, so 
mufi das Urteil von einem Impuls des «astralischen Men- 
schen» ergriffen werden. Und auch auf Grund der Erleb- 
nisse, welche mit Lebensvorgangen zusammenhangen, 
bilden sich Begehrungen. Doch sind die oben gekenn- 
zeichneten gefiihlsmaftigen Erlebnisse noch keine Be- 
gehrungen. Das Erlebnis des Hungers ist noch keine 
Begehrung. Es weist nur in urteilsartiger Form auf den 
Lebensvorgang hin. Die Begehrung ist ein selbstandiges 
Erlebnis, das der «astralische Mensch» zu dem Hunger- 
gefuhl hinzufugt. Daneben gibt es Begehrungen, die im 
«astralischen Menschen» wurzeln, ohne daft sie angeregt 
sind durch Lebensvorgange oder durch auftere Wahr- 
nehmungen. Gewisse Triebe gehoren in das Gebiet, dem 
solche Begehrungen entwachsen. - Eine dritte Art von 
selbstandigen Erlebnissen des astralischen Menschen» 
ergibt sich, wenn man iiberlegt, wie sich zwischen den 
Vorgang der Sinneswahrnehmung und das Erlebnis des 
«Ich-Menschen» noch etwas dazwischenschiebt. Es ist 
das «Bild», das in dem Wechsel verkehr zwischen Sin- 
neserlebnis und «Ich» auf Grund des ersteren entsteht. 
Das Sinneserlebnis ist vorubergehend; es dauert so lange, 
als das Sinnesorgan auf den Gegenstand gerichtet ist. Das 
«Bild» bleibt; aber dies «Bild» ist noch nicht etwas, das 
zum Urteil, zur Ich-Tdtigkeit selbst gehort. Denn man 
kann erst auf Grund des «Bildes» urteilen. Im Bilde ist 
ein Erlebnis des «astralischen Menschen» enthalten, 
nicht des «Ich-Menschen». Man kann das «Bild» auch 
die Empfindung nennen, wenn man dieses Wort nicht 
auf das Sinneserlebnis selbst, sondern auf dessen Inhalt 
bezieht. Empfindungen in diesem Sinne sind die dritte 



Art von selbstandigen Erlebnissen des «astralischen 
Menschen». - Wie man fiir den physischen Menschen 
von Sinnesorganen, fiir den «atherischen Menschen» von 
Lebensorganen spricht, so kann man fiir den «astra- 
lischen Menschen» von Bewegungsimpulsen, Begehrun- 
gen und Empfindungen sprechen. Die Organe fiir diese 
Erlebnisse konnen nicht aus dem «astralischen Men- 
schen» selbst stammen, denn dieser muft sie erst haben, 
bevor er die Erlebnisse machen kann. Die Organe 
miissen aus einer aufterhalb des «astralischen Menschen» 
gelegenen Welt gebildet sein. Weil aber der «astralische 
Mensch» in Empfindung, Begehrung und Bewegung sol- 
che Erlebnisse hat, deren Impulse in ihm selber wurzeln, 
er gewissermaEen Beobachter dessen ist, was in ihm 
selber sich entfalten muft, so konnen auch die Krafte, 
welche die entsprechenden Organe bilden, nur aus einer 
Sphare stammen, aus welcher der ganze «astralische 
Mensch» stammt. Es muE demnach vorausgesetzt wer- 
den eine Welt, die zwar aufierhalb des «astralischen Men- 
schen» liegt, die aber doch mit diesem gleicher Wesen- 
heit ist. - Welcher Art diese Welt ist, kann sich auch hier 
aus demjenigen Erlebnis des «astralischen Menschen» 
offenbaren, welches das Innerlichste ist. Als solches kann 
man die «Empfindungen» oder «Bildempfindungen» - 
im oben genannten Sinn - erkennen. In den Begehrungen 
und Bewegungsimpulsen hat man dagegen etwas, was 
iiber das innere Erlebnis hinausweist. Aus einer Welt, die 
ahnlich ist seiner Welt von «Bildern», bei deren Aufbau 
er als «astralischer Mensch» dabei ist, miissen auch die 
Begehrungen und Bewegungsimpulse angeregt sein. - 
Man kann nun unterscheiden zwischen dem «astrali- 



schen Menschen», wie er sich selbst in «Bildern», Begeh- 
rungen und Bewegungsimpulsen innerlich erlebt, und 
dem «astralischen Menschen», welcher die Offenbarung 
einer aufterhalb Bewegungsimpuls und Begehrung lie- 
genden Welt ist. Dieser «astralische Mensch» soli zum 
Unterschiede von dem ersten der «astralische Leib» des 
Menschen genannt werden. Er kann ebensowenig sinn- 
lich wahrgenommen werden wie der «atherische Leib», 
weil er keine Organe zur physischen Wahrnehmung er- 
zeugt, sondern nur solche zu Empfindung, Begehren und 
Bewegungsimpuls. Fiir Bewegungsimpuls und Begeh- 
rung ist es ohne weiteres klar, da$ sie keine sinnenfallige 
Wahrnehmung vermitteln konnen; doch auch fiir die 
Empfindung, insofern sie gleicher Art ist mit den Kraf- 
ten, welche den «astralischen Leib» auferbauen, mufi 
dieses zugegeben werden. Denn auch das Bild, welches 
durch ein Sinneserlebnis entsteht, lost sich los von 
diesem Erlebnis und bleibt als Inhalt des «astralischen 
Menschen». So aber, wie ein losgelostes «Bild», miissen 
die Krafte gedacht werden, welche die Organe des «astra- 
lischen Menschen» bilden; nicht wie ein sinnenfalliges 
Erlebnis. Solange allerdings dieses «Bild» so vorgestellt 
wird, als ob sein Inhalt aus einem Sinneserlebnis gekom- 
men ware, kann es die Krafte, aus welchen der «astrali- 
sche Leib» gebildet ist, nicht veranschaulichen. Denn zur 
Entstehung eines solchen Bildes ist ein Sinnesorgan not- 
wendig. Es mufi an ein Bild solcher Art, aber nicht von 
solcher Entstehung gedacht werden. Ein Phantasiebild 
ist von solcher Art. Solange ein Phantasiebild der bloften 
personlichen Willkur des «Ich-Menschen» entstammt, 
kann es naturgemafi fiir die Kennzeichnung der genann- 



ten Welt nicht in Betracht kommen. Es mufi aus einer 
aufierhalb des «Ich-Menschen» und auch des «astrali- 
schen Menschen» liegenden Wirklichkeit hervorgehen. - 
Unter Beriicksichtigung von all dem Gesagten kann man 
sich eine Vorstellung davon machen, wie beschaffen der 
«astralische Leib» sein mufi. Er ist, nach den Hindeu- 
tungen, die sich ergeben haben, ein in der Wirklichkeit 
wurzelnder Bilderleib, der aus sich heraus die Krafte 
der Begehrung und Bewegung anfacht. 

In den Gebieten, welche den Sinneserlebnissen ent- 
sprechen, war etwas gegeben, was bildlich veranschau- 
licht werden konnte wie ein Umkreis, an dem verteilt die 
einzelnen Krafte liegen, welche sich in den Sinnesorga- 
nen als ihren Wirkungen offenbaren. In den Gebieten, 
welche den Lebensvorgangen entsprechen, konnte das 
Bild so gewahlt werden, dafi die einzelnen entsprechen- 
den Krafte iibereinander hinlaufen. Man mufi sagen 
«iibereinander hinlaufen»; denn die einzelnen Vorgange 
durchdringen sich nicht. Die Atmung kommt z. B. dem 
Erhaltungsprozefi nahe, weil durch den letzteren fort- 
wahrend das Organ der Atmung neu aufgebaut werden 
mufi. Aber indem das Atmungsorgan so den Einflufi von 
dem Erhaltungsprozefi erfahrt, wird der Atmungs- 
vorgang selbst nicht verandert. Die beiden Vorgange: 
Atmung und Erhaltungsprozefi wirken also aneinander 
vorbei. - Anders ist dies bei den Vorgangen Bewegung, 
Begehrung und «Bildempfindung». Diese drei Vorgange 
wirken in der folgenden Art. Bildempfindungen erzeu- 
gen sich wirksam in Begehrungen; Begehrungen leben in 
den Bewegungsimpulsen weiter. Es ist daher gerecht- 
fertigt, zu sagen, wenn Bildempfindung auf Begehrungs- 



kraft trifft, dann durchdringt die erste die letzte, und in 
der Begehrung lebt der Inhalt der Bildempfindung wei- 
ter. Ebenso lebt in der Bewegung die Begehrung - und 
zwar mit der Bildempfindung zusammen - weiter. Man 
kann somit die Krafte derjenigen Welt, aus welcher der 
astralische Leib heraus gebildet ist, so bildlich veran- 
schauhchen, daft man sie als drei Kraftegebilde denkt: 
dasjemge Gebilde, welches den Bildempfindungen ent- 
spricht, wirkt auf das, welches die Begehrungen aus- 
stromt, und in dem Gebilde fur die Bewegungen leben 
dann die Wirkungen der beiden ersten Gebilde weiter. 

Man wird nun leicht erkennen, daft die Welt, von 
der hier gesagt ist, daft aus ihr der «astrahsche Leib» 
stammt, die gleiche ist, wie die im vongen Kapitel als 
«astralische Welt» charakterisierte. Denn es miissen sich 
die Lebensvorgange erst in Lebensinstinkte umsetzen, 
um im «astralischen Menschen» Impulse zu sein. Le- 
bensinstinkte, Bildempfindungen, Begehrungen und 
Bewegungsimpulse gehoren also dem «astralischen 
Menschen» an, insofern dieser die niedere Geisteswelt 
schon voraussetzt und selbst in der «astralischen Welt» 
den Ursprung hat. 



VI. DAS ICH-ERLEBNIS 



In dem Erleben des «Ich» selbst durch den Menschen 
liegt nichts, was durch einen Sinnesvorgang angeregt ist. 
Dagegen nimmt das Ich die Ergebnisse der Sinnes- 
vorgange in sein eigenes Erleben auf und baut sich aus 
ihnen das Gefuge seines Inneren, des eigentlichen «Ich- 
Menschen». Dieser «Ich-Mensch» besteht somit ganz aus 
Erlebnissen, welche aufier dem Ich ihren Ursprung ha- 
ben und dennoch nach den entsprechenden Sinneserleb- 
nissen in dem Ich weiterbestehen. Sie konnen also in Ich- 
Erlebnisse umgewandelt werden. Wie das geschieht, dar- 
iiber kann man eine Vorstellung gewinnen, wenn man 
die Erlebnisse des sogenannten Tastsinnes betrachtet. Bei 
diesem kommt nichts von einem Gegenstande der aufie- 
ren Welt in die Ich-Erlebnisse hinein. Das Ich strahlt 
gewissermaften seine eigene Wesenheit bis zu der Beriih- 
rungsstelle mit dem aufieren Gegenstande und lafit nach 
Mafigabe der Beriihrung dann diese eigene Wesenheit in 
sich zuriickkehren. Die zuriickstrahlende eigene Wesen- 
heit bildet den Inhalt der Tastwahrnehmung. Warum 
erkennt nicht sofort das Ich die Tastwahrnehmung als 
den eigenen Inhalt? Weil dieser Inhalt von der anderen 
Seite, von auften her, einen Gegenstofi erhalten hat und 
nun so zurlickkehrt, wie ihn dieser Anstoft der Auften- 
welt gepragt hat. Der Ich-Inhalt kehrt also zuriick mit 
dem Geprage, das er von auften erhalten hat. Das Ich 
empfangt somit in der Beschaffenheit seines eigenen 
Inhaltes eine gewisse Eigenheit der AuEenwelt. Daft es 
wirklich innerliche Ich-Erlebnisse sind, welche nur in 



ihre Pragung die Eigenheit der Aufienwelt aufgenommen 
haben, kann nur durch ein Urteil gewonnen werden. - 
Man nehme nun an, das Erleben des Ich konne nicht bis 
zur Beriihrung mit dem au£eren Gegenstand kommen. 
Derselbe strahle seine Wesenheit aus; und das Ich-Erle- 
ben miisse vor der Beriihrung zuriickprallen. Dann ent- 
stande innerhalb des Ich ein ahnliches Erlebnis, wie das 
Tasterlebnis ist; nur wird durch den schwacheren Wider- 
stand des Ich in seinem Erleben etwas auftreten wie ein 
Einstromen des Aufieren. Als ein solcher Vorgang kann 
in der Tat das Geruchserlebnis gekennzeichnet werden. 
- Ist der Anprall von aufien so stark, dafi sich die auftere 
Strahlung in das Ich-Erleben hineingrabt, dann kann die 
Einstromung von aufien geschehen, und erst, wenn sich 
das innere Erleben gewissermafien zur Wehre setzt, kann 
es sich wie verschlieften gegen die Eigenheit der Auften- 
welt. Es hat aber dann in sich die Stromung von au$en 
aufgenommen und tragt sie nun in sich als eigene innere 
Wesenheit. In dieser Art kann man den Geschmackssinn 
kennzeichnen. - Wenn aber nun das Ich nicht sein eige- 
nes ursprungliches Erleben, sondern solche Wesenheit, 
die es selbst von auften aufgenommen hat, dem aufieren 
Dasein entgegenbringt, so kann von auften her eine 
Eigenheit einem Innenerlebnis eingepragt werden, die 
selbst urspriinglich von auften in das Innere hereinge- 
nommen ist. Die Aufienwelt pragt sich dann einem In- 
nenerlebnis ein, das selbst erst von einem Aufteren verin- 
nerlicht ist. In solcher Art stellt sich der Gesichtssinn 
dar. Es ist bei ihm so, wie wenn innerhalb der Ich-Erleb- 
nisse die Aufienwelt es mit sich selbst zu tun hatte. Wie 
wenn sie erst ein Glied ihrer Wesenheit in den Menschen 



hineingeschickt hatte, urn dann ihre Eigenheit diesem 
Gliede einzupragen. - Man nehme nun weiter an, dal$ die 
Aufienwelt mit dem, was sie in das Innere als Sinnes- 
organ geschickt hat, das Ich-Erleben gleichsam ganz aus- 
fiille; dann wird das Innere die Eigenheit eines Aufieren 
in der Sinneswahrnehmung nacherleben, obgleich inne- 
res Erlebnis und AuEenwelt einander gegeniiberstehen. 
Und ein Einstrahlen von seiten der Aufienwelt wird dann 
als etwas sich offenbaren, was mit einem Inneren gleich- 
artig ist. Das Ich wird Aufteres und Inneres als gleich- 
artig erleben. So ist es beim Warmesinn. - Nun ver- 
gleiche man die Erlebnisse des Warmesinnes mit dem 
Lebensvorgang der Warmung. Ein Warmeeindruck muE 
als etwas anerkannt werden, was gleichartig ist der im 
Innern selbst erlebten und dieses Innere erfullenden 
Warme. 

Bei Geruchssinn, Geschmackssinn und Gesichtssinn 
kann von einem Einstromen der Auftenwelt in die Ich- 
Erlebnisse gesprochen werden. Durch den Warmesinn 
wird das Innenleben mit der Eigenart der Aufienwelt 
erfiillt. Eine Sinneswahrnehmung von innen gibt sich 
kund bei Gleichgewichts-, Eigenbewegungs- und Le- 
benssinn. Durch sie erlebt das Ich seine innere physische 
Erfiillung. 

Ein anderes findet statt beim Gehorsinn. Da laftt die 
auftere Wesenheit nicht nur wie beim Tastsinn die Ich- 
Erlebnisse an sich herankommen; sie bohrt sich auch 
nicht in sie hinein, wie beim Geruchs-, Geschmacks- und 
Gesichtssinn, sondern sie lafit sich gleichsam von den 
Ich-Erlebnissen bestrahlen; sie lalk sie an sich heran- 
kommen. Und erst dann setzt sie die eigenen Krafte 



entgegen. Das Ich mufi dadurch etwas erleben, das wie 
ein Sichausbreken in die Auftenwelt ist, wie ein Verlegen 
dieser Ich-Erlebnisse nach auEen. Ein solches Verhaltnis 
kann vom Gehorsinn anerkannt werden. (Wer nicht ab- 
strakte Vergleiche macht, der wird nicht einwenden, daft 
z. B. auch beim Gesichtssinn ein solches Sichausbreken 
stattfinde. Die Tonwahrnehmung ist von wesentlich 
anderer Art als die Gesichtswahrnehmung. In der Farbe 
ist nicht in demselben Sinne das Ich-Erlebnis als sol- 
ches enthalten wie im Ton.) In noch hoherem Mafte ist 
dieses Ausbreiten des Ich-Erlebnisses in die Umwelt 
beim Lautsinn und beim Begriffssinn gegeben. 



VII. DIE WELT, WELCHE DEN SINNES O RGANEN 

ZUGRUNDE LIEGT 



Um den astralischen Menschen zu kennzeichnen, mufke 
auf die Dreiheit von Bildempfindung, Begehrung und 
Bewegungsimpulse hingewiesen werden. Der «Ich- 
Mensch», insofern er in seinen Sinnesvorgangen unmit- 
telbar erlebt wird, zeigt sich als eine Einheit. Alle Sinnes- 
erlebnisse sind nur, wie die vorhergehenden Betrachtun- 
gen ergeben, verschieden modifizierte oder abgestufte 
Ich-Erlebnisse. In dem Erleben des Ich selbst stent der 
Mensch mit der iibersinnlichen Welt in einer unmittelba- 
ren Beziehung. Die anderen Ich-Erlebnisse werden ihm 
durch Organe vermittelt. Und durch die Organe offen- 
baren sich die Ich-Erlebnisse in der Mannigfaltigkeit der 
Sinnesgebiete. - Nun kann man bei zwei Organen, beim 
Begriffssinn und beim Lautsinn, die Entfaltung der Sin- 
nesfahigkeit bis zu einem gewissen Grade leicht verfol- 
gen. Beim Wahrnehmen eines Begriffes erweisen sich die 
im vorangegangenen Leben des Menschen erworbenen 
Begriffe als dasjenige, was den neuen Begriff aufnimmt. 
Der Mensch erweist sich fur einen Begriff, der an ihn 
herantritt, in dem Mafie verstandig, als er vorher diese 
oder jene Begriffe aufgenommen hat. In dem Verstehen 
eines Begriffes liegt demnach ein sich Offnen des Men- 
schen nach aufien und eine Einsenkung des Aufgenom- 
menen in das Gefiige des bereits vorhandenen Begriffs- 
organismus. Das Leben, das sich da entfaltet, bliiht nach 
auften auf und wurzelt sich in den Begnffsorganismus 
ein. - Ein ahnliches findet fur den Lautsinn statt. Fur 



eine neue Lautbedeutung ist der Mensch zuganglich in 
dem Mafte, als er sich andere Lautbedeutungen bereits 
angeeignet hat. Der Mensch tragt wirklich einen Begriffs- 
und einen Lautorganismus in sich. Beide miissen 
vorhanden sein, bevor sich die Ich-Erlebnisse durch Be- 
griffs- und Lautorganismus abspielen konnen. Der Ich- 
Mensch kann die Herstellung dieses Laut- und Begriffs- 
organismus nicht durch Krafte bewirken, welche im Sin- 
nesleben liegen. Und noch ein drittes ist notwendig. Das 
Ich entfaltet sein Erleben gewissermafien nach alien Sei- 
ten; in diesem Erleben kann es sich nicht selbst erleben. 
Es muE sich zum Selbsterleben sein eigenes Erleben ent- 
gegenstellen. Es stellt sich selbst als Empfindung sich 
entgegen. Man sieht: die Ich-Empfindung, die Erlebnisse 
des Begriffssinnes und Lautsinnes werden dem Ich ent- 
gegengebracht durch drei Organismen. Zu den beiden 
anderen kann man noch den Ich-Organismus zahlen. 
Wenn man bei dem oben gewahlten Bilde bleibt, so kann 
man sagen, das Ich-Erleben entfalte sich allseitig; es wur- 
zele nach einer Seite in einer ihm gleichen ubersinnlichen 
Welt und strebe in den Begriffsorganismus und den 
Lautorganismus so hinein, daft sein eigenes Erleben ihm 
entgegenwachst, wie wenn es den Ich-Organismus, den 
Begriffs- und Lautorganismus gleich einer Blute zur 
Entfaltung brachte. - Stellt man sich nun den Menschen 
als Wesen der Sinnenwelt vor, wie ihm die gekennzeich- 
nete Richtung einverleibt ist, so mufi man an den Gegen- 
satz von oben und unten denken. «Von oben nach 
unten» ist eine Richtung, in welcher man sich die Ent- 
faltung des Ich-Erlebens denken kann; von «unten nach 
oben» setzt sich dieser Entfaltung der Ich-Organismus 



entgegen, dem die Ich-Erlebnisse entgegenwachsen. Wie 
die Blatter an den Blattstiel bei der Pflanze sich anlegen, 
von unten nach oben sich entfaltend, so legen sich an den 
Ich-Organismus die Gebilde des Begriffs- und Lautorga- 
nismus von oben nach unten an. - Wenn nun, wie nach 
obigem berechtigt ist, gesagt wird, das urspriingliche 
Ich-Erleben entfalte sich aus einer iibersinnlichen Welt 
heraus, so kann fur die Bildung von Ich-, Begriffs- und 
Lautorganismus angenommen werden, daft an ihrem 
Zustandekommen Krafte arbeiten, welche das gleiche 
Material besitzen, das in dem Ich-Erleben vorliegt, nur 
bauen sie dieses Material in Gebilden auf, die schon da 
sein miissen, wenn das Ich-Erleben sinnenfallig wahr- 
genommen wird. Es ergibt sich daher ohne weiteres, dafi 
das menschliche Ich-Erleben ein solches ist, das aus einer 
iibersinnlichen Welt flieftt, aber erst wahrgenommen 
werden kann, wenn es sich einwurzelt in einen Organis- 
mus, der in sich ein Gefuge ist von Ich-, Begriffs- und 
Lautorganismus. Man kann auch sagen: von einem Or- 
ganismus, der in diesen dreien seine Sinnesorgane entfal- 
tet. - Man nehme zu diesem hinzu die oben gegebene 
Schilderung des astralischen Leibes. Auf seine Wesenheit 
deuten Bildempfindung, Begehrung und Bewegungsim- 
puls des astralischen Menschen. Man kann nun leicht 
einsehen, daft in dem Ich-Organismus eine Bildempfin- 
dung gegeben ist, welche nicht durch ein Sinneserlebnis 
entstanden ist. Denn der Ich-Organismus ist ja das Ich- 
Erleben selbst, das sich in entgegengesetzter Richtung 
sich entgegenstellt. In dem Begriffsorganismus kann man 
Krafte erkennen, welche sich nach dem Innern des Men- 
schen - im astralischen Menschen - als Begehrung entfal- 



ten. Eine genaue Selbstbesinnung wird in der Anzie- 
hung, welche der Begriffsorganismus fur neu hinzukom- 
mende Begriffe hat, leicht das Begehren dieses Begriffs- 
organismus bemerken konnen. Ein gleiches aber gilt 
fur den Lautorganismus. Er entwickelt dieses Begehren 
fur die neuen Bedeutungen. Man kann daraus die Tatig- 
keit des «astralischen Leibes» am Zustandekommen des 
Ich-, Begriffs- und Lautorganismus erkennen. 

Ein Wesen, welches das Ich nicht im Innern erlebte, 
wie der Mensch, sondern von auften beobachtete, wiirde 
die Entstehung des Ich-Organismus, des Laut- und Be- 
griffsorganismus verfolgen konnen. Es miiftte ein solches 
Wesen das Ich-Erleben selbst so wahrnehmen, daft es 
nichts von diesem Ich-Erleben in sich hineinkommen 
laftt, sondern nur bis an die Grenze herandringt und an 
dieser Grenze das Wesenhafte des Ich in dieses selbst 
zuriickstrahlt. Man sieht, daft hiermit der Gegensatz des 
sogenannten Tastsinnes gegeben ist. Bei diesem wird die 
Auftenwelt beriihrt und nichts von ihrem Wesen auf- 
genommen. So auch im Verhalten des angenommenen 
Wesens zum Ich. Wahrend aber beim Tastsinn das Ich 
nur seine eigenen Erlebnisse durch die Beriihrung an- 
facht, also nur den eigenen Inhalt erlebt, driickt jenes 
Wesen den eigenen Inhalt in die Ich-Erlebnisse hinein, so 
daft er innerhalb der Ich-Erlebnisse zur Ich-Wahrneh- 
mung wird. Wenn also das Ich sich selbst wahrnimmt, so 
geschieht das infolge seiner Tatigkeit, die von gleichem 
Inhalt mit seinem eigenen Erleben ist und die sich nur 
dadurch von diesem unterscheidet, daft sie ihm sein eige- 
nes Wesen von auften zeigt, wahrend das Ich dieses We- 
sen nur in sich selber erleben kann. - Beim Begriffssinn 



miiftte nun jenes angenommene Wesen bei Beriihrung 
mit dem Ich nicht nur die Begriffserlebnisse zuriick- 
strahlen, sondern es miifke sie in das Ich-Erleben zu- 
riickschieben, so daft sie sich da zu dem Gefiige des 
Begriffsorganismus formen. Es brauchte nichts hinzuzu- 
fiigen zu diesen Begriffserlebnissen, sondern sie nur in- 
nerhalb des Begriffs-Erlebens zu erhalten. - Beim Laut- 
organismus wiirde aber die Erhaltung nicht geniigen. Es 
mufi zum Begriffe etwas hinzukommen, wenn er zum 
Laut werden soil. Das hypothetisch angenommene We- 
sen miiike etwas von seinem eigenen Inhalt hinuberleiten 
in das Ich-Erleben. - Eine Uberschau iiber die angegebe- 
nen Verhaltnisse ergibt, daft in den Ich-Organismus von 
auften nur das eigene Wesen des Ich zuriickgestrahlt 
wird, im Begriffsorganismus das eigene Ich-Erleben in 
anderer Pragung sich in sich selbst durch ein Aufteres 
zuriicklenken laftt; im Lautorganismus gieftt sich dann 
etwas aus dem Wesen des Aufteren selber in das Ich- 
Erleben hiniiber. Jenes angenommene auftere Wesen 
muft.te die Entstehung des Ich-Organismus wie ein um- 
gekehrtes Tasterlebnis wahrnehmen. Die Formung des 
Begriffsorganismus miifite es empfinden, wie der Mensch 
seine eigenen Lebensvorgange durch den Lebenssinn 
empfindet. Nur bestande der Unterschied, daft im 
Lebenssinn ein inneres Gefiige empfunden wird; jenes 
angenommene Wesen aber miifke in seinem entsprechen- 
den Sinn die Art empfinden, wie es sich in das Ich- 
Erleben des Menschen hineinformt. Im Lautsinn ist dann 
ein Hineinergieften von auften vorhanden. Sollte das an- 
genommene aufiere Wesen dies erleben, so miifke es 
durch einen umgekehrten Eigenbewegungssinn gesche- 



hen. Durch diesen nimmt der Mensch die eigenen Bewe- 
gungen wahr; durch die Umkehrung desselben wiirde 
jenes Wesen die Hineinbewegung der eigenen Wesen- 
haftigkeit in das Ich-Erieben empfinden. Es wiirde sich 
in dem Vollzuge einer aufteren Bewegung des Ich- 
Menschen erleben. 

Nun miissen im Menschen dem Lebenssinn die eige- 
nen Lebensvorgange zum Grunde liegen. Die Lebens- 
vorgange konnen, wie gezeigt worden ist, gegliedert wer- 
den in Atmungs-, Warmungs-, Ernahrungs-, Absonde- 
rungs-, Erhaltungs-, Wachstums- und Hervorbringungs- 
vorgange. Man kann sich nun in der Tat den Vorgang 
bei Bildung des Begriffsorgans als eine von auften nach 
innen gerichtete Hervorbringung, die Bildung des Laut- 
organismus als ein Hineinwachsen eines Teiles der an- 
genommenen aufteren Wesenheit in das Ich-Erleben 
vorstellen. Nur mufi man sich denken, daft als Stoff die- 
ses Hervorbringens und Wachsens die Ich-Erlebnisse * 
selbst verwendet werden. 

Es ist nun moglich, durch Erweiterung der angenom- 
menen Betrachtungsart auch die anderen Sinneserlebnis- 
se in bezug auf dasjenige zu deuten, was hinter ihnen 
steht. - Fur den Gehorsinn stellt sich das Erlebnis so, daft 
der Ton auf einen aufteren Gegenstand, das Gehororgan 
selbst aber auf eine Tatigkeit hinweist, durch welche es in 
ahnlicher Art gebildet wird wie der Begriffsorganismus 
durch den umgekehrten Lebenssinn, der Lautorganis- 
mus durch den umgekehrten Eigenbewegungssinn. Man 
denke nun, daft sich der Gleichgewichtssinn in seiner 
umgekehrten Wesenheit zeige. Statt daft er im Menschen 
das Aufrechterhalten gegen die drei aufteren Raumes- 



richtungen bewirkt, wiirde er in seiner Umkehrung eine 
im Innern eines anderen Wesens gerichtete Auflehnung 
gegen die drei Raumrichtungen hervorbringen. Wenn 
nun das oben angenommene auftere Wesen dem Men- 
schen gegeniiber sich wirklich so stellte, daft es seine 
eigene Natur in ihn ergosse und innerhalb seiner zu einer 
Auflehnung gegen die drei Raumrichtungen brachte, 
dann konnte es so wirken, daft die in das Innere des Ich- 
Erlebens ergossene Wesenheit als Innen-Erlebnis emp- 
funden, die Tatigkeit des umgekehrten Gleichgewichts- 
sinnes aber nicht empfunden wird, sondern in ahnlicher 
Weise wirkt, wie die Kraft, welche im umgekehrten 
Lebenssinn den Begriffsorganismus, im umgekehrten 
Eigenbewegungssinn den Lautorganismus formt. In der 
Gehoranlage wirkte dann der umgekehrte Gleich- 
gewichtssinn organbildend. So deutet der Ton auf das 
Innere eines Aufteren, das sich in das Ich-Erlebnis her- 
♦ iibergieftt; das Gehororgan auf ein umgekehrtes Gleich- 
gewichtserlebnis, das im Menschen die Gebilde seiner 
eigenen Wesenheit ahnlich angesammelt und organisch 
gefiigt hat, wie der umgekehrte Lebenssinn die Begriffs- 
erlebnisse ansammelt und fiigt. Wird dann das vorausge- 
setzte auftere Wesen seiner Natur nach wirklich als Ton 
angenommen, der von umgekehrtem Gleichgewichtssinn 
durchsetzt ist, so kann auch gedacht werden, daft der 
Entstehung der Gehoranlage ein Vorgang zum Grunde 
liegt, der das Organ befahigt, das auftere Wesen bei Be- 
ruhrung mit dem Menschen seinem eigenen Inhalt nach 
wahrzunehmen, welcher als Ton dem Ich-Erleben zu- 
flieftt, wahrend der umgekehrte Gleichgewichtssinn die 
Tatigkeit darstellte, welche dem Ton zugrunde liegt und 



aus welcher die Gehoranlage sich dem Ton-Erleben 
entgegen aus dem Organismus herausgebildet hat. 

Die Deutung des Warmesinnes ergibt sich, wenn man 
sich die Umkehrung des Geruchserlebnisses denkt. Im 
Geruchssinn dringt der auftere Stoff an den Menschen 
heran, und das Geruchserlebnis ist ein unmittelbares 
Wechs elver haltnis mit dem Stoffe. Die Umkehrung ware 
gegeben, wenn das vorausgesetzte aufiere Wesen aus dem 
Inhalt der Warmeempfindung bestande, aber durchdrun- 
gen ware von einer Tatigkeit, welche in ein unmittelbares 
Wechselverhaltnis tritt zum Menschen. Es stiinde dann 
hinter dem Inhalt der Warmeempfindung eine die War- 
meanlage bildende Tatigkeit. Sie ware so, daft von ihr aus- 
stromt die Warme, wie von dem riechenden Stoff der Ge- 
ruch. - Wie dieser sich nach alien Seiten in die Aufienwelt 
verbreitet, so ware jene Tatigkeit von alien Seiten aus dem 
Menschen wegstrebend zu denken und in diesem Weg- 
streben die organbildende Kraft fur den Warmesinn ent- 
faltend. Und wie dem Geruchsinn der aufiere Stoff sich 
offenbart, so miiftte dieser Tatigkeit das Menschen-Inne- 
re sich offenbaren. Eine solche Offenbarung ware gege- 
ben, wenn der nach aufien strebenden Tatigkeit eine Art 
Lebensvorgang zugrunde lage; das heifk, wenn diese 
Tatigkeit den Menschen mit ihrem eigenen Wesen erfiill- 
te. Dem Warmesinn lage damit eine Art Ernahrung des 
Menschen mit dem Stoffe zum Grunde, der sich in dem 
Warme-Sinnes-Erlebnis seinem Inhalte nach offenbart. 

Fur die Deutung des Gesichtssinnes ist an die Um- 
kehrung des Geschmackserlebnisses zu denken. Wenn 
das Gesichtsorgan durch eine auftere Tatigkeit eines 
Wesens, wie das oben hypothetisch angenommene, so 



zustande kame, daft z. B. die Farbe dieses Wesen erfiillte, 
dabei aber ganz durchsetzt ware von einer Tatigkeit, die 
ein umgekehrtes Schmecken darstellt, so konnte diese 
geschmackausstrahlende Tatigkeit als organbildende 
Kraft des Gesichtssinnes gedacht werden. Es miiftte sich 
die Sache so verhalten, daft nicht wie im Geschmacks- 
erlebnis die Wirkung eines aufteren Stoffes empfunden 
wird, sondern daft jenes Wesen von dem menschlichen 
Innern her sich selber strahlenden Geschmack entgegen- 
stromt. Wie beim Geschmack eine durch den Menschen 
bewirkte Veranderung des Stoffes vorliegt, so miiftte 
jenes auftere Wesen mit dem menschlichen Innern eine 
Veranderung vornehmen. Eine solche ist aber in inneren 
Lebensvorgangen z. B. der Warmung gegeben. Die 
Warmung miiftte im Menschen von dem aus dem Innern 
herausstrahlenden Geschmack sich ergeben. Nur wiirde 
diese Warmung sich nicht so ausleben wie ein aufterer 
Warmevorgang, weil sie zum Stoff e nicht auftere Warme, 
sondern etwas hat, was seinem Inhalt nach gleich ist 
dem Gesicht-Sinnes-Erlebnis. Man sieht, daft in dieser 
Warmung, welche durch die vom Innern des Menschen 
ausstrahlende in der Farbe des angenommenen Wesens 
begriindeten Tatigkeit gegeben ist, die innere Natur des 
Lichtes selbst liegt. Nicht das Gesichtserlebnis, aber die 
hinter dem Gesichtserlebnis liegende innere Natur des 
Lichtes erregt eine Warmung, welche in der organ- 
bildenden Kraft des Gesichtssinnes so lebt, wie der Stoff 
im Wechselverkehr mit dem Geschmackssinn im Ge- 
schmackserlebnis lebt. 

Der Geschmackssinn kann auch als ein umgewende- 
ter Geruchssinn bezeichnet werden. Nur hat hier die 



Umwendung eine andere Bedeutung als bei dem Ver- 
gleich von Geschmacks- und Gesichtssinn. Man denke 
sich, daft im Geruchsorgan eine solche Umkehrung statt- 
fande, die den Geruch nicht von einem Stoffe in das 
menschliche Innere schickt, sondern bei der Beriihrung 
zuriickprallen lafit, so hatte man in der Tat ein Analogon 
des menschlichen Geschmacksorgans gegeben. Nur 
miiftte das menschliche Innere selbst an die Stelle des 
oben angenommenen aufteren Wesens gesetzt werden. 
Das heiftt, es miiftte fiir den Geruchssinn im Innern des 
Menschen ein mit jenem angenommenen Aufteren glei- 
ches Wesen vorausgesetzt werden, Wahrend aber jenes 
hypothetische Wesen seine Natur von aufien an den 
Menschen herankommen laftt, miiftte fiir den Geruchs- 
sinn sein Ebenbild im Menschen eingeschlossen sein. 
Insofern der menschliche Organismus sich als Geruchs- 
erreger darstellt, ist er von einem wesentlich ihm Aufte- 
ren, Fremden erfullt. Ein Aufteres ist zum Inneren ge- 
worden und entfaltet vom Inneren solche Krafte, wie sie 
fiir das Gesichts-, Gehor- und Warmeorgan zur Organ- 
bildung tatig waren. - Es ist einleuchtend, daft im Ge- 
ruchssinn sich etwas auftern muft, was gleichgesetzt wer- 
den kann einer inneren Wesenhaftigkeit des Aufteren 
selbst. Und wenn der Geschmackssinn die Umkehrung 
davon ist, so ist berechtigt, zu sagen: das, was im 
Geschmackserlebnis an den Menschen heranprallt als 
Offenbarung von auften, ist dasselbe, wie das, was im 
Geruchsorgan im Innern wirksam ist. Dann aber ist zwi- 
schen Geschmacks- und Geruchssinn die Stelle, wo die 
Auftenwelt und die Innenwelt sich als das gleiche zeigen. 
Und man darf sich vorstellen, daft hinter dem Geruchs- 



erlebnis etwas stent, was sich im Innern des Men- 
schen wirklich als Stoff der Auftenwelt organbildend ver- 
halt, namlich im Aufbau des Geschmacksorgans. Dieses 
also wird von dem Stoff e der Aufienwelt aufgebaut. - 
Und in dem Geruchsorgan ist dann nur noch der nach 
aufien stromende Stoff selbst zu denken, der sich im 
Geruchserlebnis als solcher unmittelbar wahrnimmt. 
Geruchsempfindung ware demnach Selbstwahrneh- 
mung des Stoffes und Geschmacksorgan Selbstbelebung 
des Stoffes. 

Diese Ausfuhrungen sollten darauf hindeuten, dafi 
man hinter den Sinneserlebnissen nichts weiteres Stoffli- 
ches zu denken braucht, sondern nur geistig Wesenhaf- 
tes. Die Sinneserlebnisse waren dann die Offenbarungen 
des Geistigen. Der sinnlichen Beobachtung offenbart 
sich unmittelbar das Sinneserlebnis, nicht aber das 
dahinterliegende Geistige. 



VIII. DIE WELT, WELCHE DEN LEBENSORGANEN 

ZUGRUNDE LIEGT 



Ergab sich aus der Betrachtung des Ich-Erlebnisses im 
Ich-Organismus, im Begriffs- und Lautorganismus ein 
Bild wie das einer Pflanzenform, welche von oben nach 
unten strebt, so kann man sich den ganzen iibrigen Men- 
schen als das vorstellen, was von unten nach oben sich 
dem Ich-Erleben entgegenstellt und es in seiner Stro- 
mung von oben nach unten hemmt, gewissermafien in 
sich selber zuriickstaut. In diesem -iibrigen Menschen ist 
das Wesen gegeben, welches durch die Geburt ins Dasein 
tritt. Dieses Wesen ist die zeitliche Voraussetzung des- 
sen, was - im obigen Bilde - von oben nach unten strebt. 
Man kann also sagen, was sich von unten nach oben dem 
Ich-Erleben entgegenstellt, betritt mit der Geburt die 
Erde. In diesem Menschenwesen mufi sich also das schon 
abgespielt haben, was in dem Obigen als die Tatigkeiten 
beschrieben worden sind, welche die Sinnesorgane bil- 
den. Die Bildung dieser Sinnesorgane kann dann nur so 
vorgestellt werden, daft die sinnesorganbildenden Krafte 
sich als Stromungen in den von unten nach oben streben- 
den Menschen einbohren. Da stellt sich denn das Bild 
der von verschiedenen Seiten zustrebenden Krafte ein. 
Diese Krafte umkreisen den Menschen und miissen 
ihrerseits wieder einer solchen Hemmung begegnen, wie 
das von oben nach unten stromende Ich-Erleben in dem 
ganzen von unten nach oben strebenden Menschen. Die- 
se Hemmung ist gegeben, wenn man sich die sinnes- 
organbildenden Krafte begegnend denkt denjenigen, 
welche in den Lebensvorgangen vorliegen. Man denke 



sich den umgekehrten Gleichgewichtssinn entgegenstre- 
bend der Tatigkeit der Tonkraft, so hat man die Anlage 
zum Hororgan; den umgekehrten Geruchssinn stelle 
man sich entgegenstrebend der Kraft des Warmeerleb- 
nisses, so hat man die Anlage des Warmeorgans. Dieses 
dehnt sich liber den ganzen Menschen aus. Es fiigt sich 
diese Tatsache in das Bild, wenn man den umgekehrten 
Geschmackssinn in der entgegengesetzten Richtung ver- 
laufen lafit wie den umgekehrten Geruchssinn und 
Gleichgewichtssinn. Es durchlauft dann der umgekehrte 
Geruchssinn den ganzen Leib, und von der anderen Seite 
lauft der umgekehrte Geschmackssinn, um sich mit der 
Kraft des Lichterlebnisses als organbildend fur den Ge- 
sichtssinn zu erweisen. Im Geschmackssinn selbst wirkt 
dann organbildend der Stoff, welcher sich im Geruch- 
sinn offenbart und findet seine Hemmung an dem Orga- 
nismus, der sich durch die iibrigen Sinne aufgebaut hat. 
Im Geruchssinn strebt Stoff-Inneres dem Stoff-Inneren 
entgegen. Man kommt da zu dem Bilde eines Umkreises, 
von dem die organbildenden Krafte ausgehen, um im 
Menschen wie in der Mitte des Umkreises zu wirken. 
Wiirden nur diese Krafte organbildend wirken, so muEte 
sich eine ganz andere Gestaltung und Ordnung der Sin- 
nesorgane ergeben, als es in Wirklichkeit der Fall ist. - 
Das aber kann nur dann sein, wenn die organbildenden 
Krafte in ihrer Entfaltung selbst wieder gehemmt wer- 
den. - Man nehme an, die organbildende Kraft der Ge- 
horanlage werde an einer Stelle verstarkt, an anderen 
herabgemindert, dann wird sie sich an einer Stelle beson- 
ders bemerkbar machen. Das aber ist dann der Fall, wenn 
auf die organbildenden Krafte selbst noch andere wir- 



ken. Es ist nun die Frage, ob am Menschen etwas darauf 
hindeutet, dafi es noch solche Krafte aufter ihm gibt. Da 
zeigt sich zunachst an den Lebensvorgangen etwas Be- 
sonderes. Sie laufen fort, auch wenn die Sinneserlebnisse 
im Schlafe ruhen. Das zeigt, daft in ihren Organen bil- 
dende Krafte sein miissen, welche auch dann wirken, 
wenn die Sinne ausgeschaltet sind. Die Krafte, welche die 
Sinnesorgane bilden, sind also gewissermafien nur die 
eine Seite der organbildenden Tatigkeit. Die Lebensvor- 
gange miissen, bevor sie vorhanden sein konnen, von den 
organbildenden Kraften der Lebensorgane vorbereitet 
sein. Die Krafte nun, welche den Lebensorganen zu- 
grunde liegen, stehen dem menschlichen Bewulksein 
noch ferner als diejenigen, welche die Sinnesorgane auf- 
bauen. In den Sinnesorganen zeigen Krafte ihre Wirkun- 
gen, welche sich durch die Sinnesorgane offenbaren. In 
den Lebensorganen aber offenbaren sich nicht die Kraf- 
te, die sie aufbauen, sondern erst ihre Wirkungen, nam- 
lich die Organe selbst. Durch das Warmeorgan empfin- 
det man die Warme; durch den Lebenssinn die Lebens- 
organe. Es setzt also die Entstehung der Lebensorgane 
eine andere Welt voraus als die Bildung der Sinnesorga- 
ne. Nun aber miissen sich doch die Sinnesorgane harmo- 
nisch einfiigen den Lebensorganen. Das heijftt, damit 
Sinnesorgane entstehen konnen in ihrer entsprechenden 
Form, miissen in den Kraften, welche die Lebensorgane 
aufbauen, schon die Anlagen fur die Sinne enthalten sein. 
Damit aber ist die Hindeutung auf eine Welt gegeben, in 
welcher die gestaltenden Krafte der Lebensorgane so 
wirken, da£ sie in diesen Lebensorganen die Sinnesorga- 
ne veranlagen, sie aber selbst in ihnen noch nicht gestal- 



ten. Erst nachdem die Lebensorgane gestaltet sind, pra- 
gen sie in die Gestalt dieser Lebensorgane die Sinnes- 
organe hinein. Nun aber brauchen nicht alle Sinnesorga- 
ne in gleicher Art schon in den organbildenden Kraften 
der Lebensorgane zu liegen. Die Organe des sogenann- 
ten Tastsinns brauchen gar nicht darinnen zu liegen. 
Denn sie spiegeln nur die Erlebnisse der Lebensorgane in 
sich selbst zuriick. Aber auch vom Lebens-, Eigenbewe- 
gungs- und Gleichgewichtssinne braucht nichts vorhan- 
den zu sein, was erst eine Bedeutung hat, wenn Sinnes- 
organe den Lebensorganen eingepragt sind. Also, was 
sich auf die gefuhlsmaiSigen Erlebnisse des Lebens- und 
Eigenbewegungssinnes an den Sinnesorganen selbst 
bezieht, ist nicht in den angedeuteten Anlagen enthalten. 
Damit aber ist auf eine Welt gedeutet, in welcher sich 
finden die organbildenden Krafte der Lebensorgane und 
die Anlagen fur die organbildenden Krafte des Gehor-, 
Warme-, Gesichts-, Geschmacks- und Geruchssinnes. - 
Pragen sich nun die Sinnesorgane den schon bestehenden 
Lebensorganen ein, so miissen die gestaltenden Krafte 
der Lebensorgane in diesen Lebensorganen eine Grund- 
lage geschaffen haben. Auf Grund derselben entwickeln 
die Lebensorgane die Lebensvorgange, und in diese Le- 
bensvorgange hinein strahlen die organbildenden Krafte 
der Sinne ihre Stromungen. Diese organbildenden Krafte 
haben also an den Lebensorganen eine Hemmung. Ge- 
gen diese Hemmung prallt ihre Tatigkeit an. Die Sinne 
konnen nur da entwickelt werden, wo es die Lebensor- 
gane zulassen. Das Bild des Menschen ergibt, dafi in dem 
Gegensatze von «links-rechts» und «rechts-links» das 
gegeben ist, was fur die Verteilung der genannten Sinnes- 



organe in Betracht kommt. Und an dem symmetrischen 
Bau des Menschen nach diesen Richtungen erkennt man 
wieder, daft Lebensorgane und Sinnesorgane sich in 
zweifacher Art aufeinander beziehen. Man braucht sich 
nur die Sinnesorgane am nach vorne gerichteten Men- 
schen anzusehen, dann kann man z. B. am Ohre das Bild 
gewinnen, daft das rechte Ohr, insoferne es seinen Ur- 
sprung jenem Stadium verdankt, in dem die lebensorgan- 
bildenden Krafte walten, von links nach rechts gestaltet 
ist, und daft es dann zum Sinnesorgan dadurch geworden 
ist, daft sich die sinnesorganbildenden Krafte von rechts 
nach links der eben gekennzeichneten Gestaltung entge- 
genstellten. Das Umgekehrte galte fur das linke Ohr. 
Und ahnliches kame fur die anderen symmetrisch geord- 
neten Sinnesorgane in Betracht. 

Insoferne der Mensch ein Wesen ist, welches durch 
Sinnesorgane Erlebnisse hat, kann sein Ursprung in der- 
jenigen Welt gesucht werden, von welcher oben gesagt 
ist, daft der astralische Mensch aus ihr stamme. Wenn 
man nun in Betracht zieht, daft die sinnesorganbildenden 
Krafte die umgewendeten Sinneserlebnisse selbst sind, so 
wird man annehmen diirfen, daft man von derjenigen 
Welt, aus welcher der astralische Mensch stammt, 
dann spricht, wenn man ein solches Wesen voraussetzt, 
welches die Sinnesorgane durch Krafte, die von auften 
gewissermaften anprallen, gestaltet. Denn es hat sich ge- 
zeigt, daft bei Bildung der Sinnesorgane die umgekehrten 
Sinneserlebnisse in das menschliche Innere einflieften. Es 
werden also Bildempfindungen durch diese Krafte er- 
regt. Die Bildempfindungen aber sind neben Begehrung 
und Bewegungsimpulsen dasjenige, was auf den Astral- 



leib des Menschen hinweist. Man denke sich nun die 
Krafte, welche die Sinnesorgane bilden, auch als Umkeh- 
rung von Bewegungsimpulsen und Begehrungen, so hat 
man eine Vorstellung, wie aus einer sinnenfallig unwahr- 
nehmbaren Welt herein der menschliche Astralleib als 
Gestalter der Sinnesorganismen entnommen ist. - Damit 
wird eine der Welt der Sinneserlebnisse zugrunde liegen- 
de Welt vorausgesetzt, welche die «astralische Welt» ge- 
nannt worden ist. Man hat dann alles, was der Mensch 
sinnenfallig erlebt, als die unmittelbare Wirklichkeit zu 
nehmen und eine sich in dieser verbergende astralische 
vorauszusetzen. Die erste heifte die physische Welt. Ihr 
liegt die astrale Welt zugrunde. Es hat sich nun gezeigt, 
daft der letzteren eine noch andere zugrunde liegt. In 
dieser wurzeln die organbildenden Krafte der Lebensor- 
gane und die Anlagen fur Gehor-, Warme-, Gesichts-, 
Geschmackssinn. Da sie die Gestaltungskrafte fur die 
Lebensorgane enthalt, kann man sagen, daft auch der 
Mensch selbst, insoferne er in seinem Leibe die Gestal- 
tungskrafte der Lebensorgane hat, aus ihr stammt. Nennt 
man nun die Summe der die Lebensorgane im Menschen 
gestaltenden Krafte (im Sinne von S. 53) den «atheri- 
schen» Leib des Menschen, so kann man anerkennen, 
daft dieser atherische Leib in der liber die astralische 
hinaus liegenden Welt seinen Ursprung hat. Es ist nun 
diese Welt die «niedrige Geisteswelt» genannt worden, 
wobei wieder bei diesem Namen nichts anderes gedacht 
werden soil als das hier Angegebene. 

Unter den Lebensvorgangen gibt es nun drei, deren 
Organe iiber die Welt hinausweisen, in welcher, dem 
oben Dargestellten gema£, der Ursprung der Lebens- 



organe gesucht werden soil. In der Hervorbringung 
wiederholt der lebendige physische Leib seine eigenen 
Gebilde, in dem Wachstum setzt er an das Bestehende 
aus dem Stoffe dieses Bestehenden ein Neues an; in der 
Erhaltung wirkt Bestehendes auf Bestehendes, und in 
der Absonderung scheidet aus dem Lebensprozesse 
etwas aus, das er erst in sich hat. Das sind also Lebens- 
vorgange, welche sich innerhalb der Lebensorgane selbst 
abspielen. Nicht so ist es bei Ernahrung, Warmung, 
Atmung. Diese Prozesse sind nur moglich, wenn die 
Lebensorgane etwas aus einer ihnen aufteren Welt auf- 
nehmen. 

Unter den Sinneserlebnissen sind funf, deren Organe 
in der gleichen Art hinausweisen iiber die Welt, in 
welcher der Ursprung der den anderen Sinneserlebnissen 
entsprechenden Organe zu suchen ist. Nach dem oben 
Dargestellten ist der Geschmackssinn in der Art ein 
umgewendeter Geruchssinn, daft das Geschmacksorgan 
das Erlebnis, welches durch den Geruchssinn am aufte- 
ren Stoffe empfunden wird, sich nach innen kehrt, so daft 
der Geruch des schon im Leibesinnern befindlichen 
Stoffes geschmeckt wird. Der Geschmackssinn setzt also 
einen Stoff voraus, welcher schon im Organismus sich 
befindet. Das Geruchsorgan setzt aber den Stoff der 
Auftenwelt voraus. Fur den Gesichtssinn geht aus den 
obigen Betrachtungen hervor, daft sein Organ entsteht, 
wenn in dieser Entstehung eine Wesenheit wirksam ist, 
welche die Farbenerlebnisse nicht so behandelt, wie es 
geschieht, wenn sie durch den Gesichtssinn empfunden 
werden, sondern wenn sie dieselben in eine Tatigkeit 
versetzt, welche derjenigen entgegengesetzt ist, von der 



das Geschmacksorgan aufgebaut wird. Es kann somit, 
wenn in einem Organismus eine solche Tatigkeit veran- 
lagt ist, ein Gesichtsorgan dadurch entstehen, daft eine 
vorher bestehende Anlage zu einem Geschmacksorgan 
in ein Gesichtsorgan umgewandelt wird. Wahrend also 
ein Geruchsorgan ohne Beriihrung mit einem aufieren 
Stoff undenkbar ist, und ein Geschmacksorgan ein nach 
innen gewendetes Geruchsorgan ist, also einen im In- 
nern vorhandenen Stoff voraussetzt, kann das Gesichts- 
organ zustande kommen, wenn ein in der Anlage beste- 
hendes Geschmacksorgan nicht als solches zu Ende ge- 
fuhrt, sondern im Innern umgewandelt wird. Dann mufi 
sich auch der Stoff auf einem inneren Wege zu diesem 
Organ ergiefien. Ebenso ist es mit dem Warmeorgan. 
Dasselbe kann aus gleichem Grunde, wie der fur das 
Gesichtsorgan angegebene ist, als im Innern in seiner 
Bildung aufgehaltenes und umgestaltetes Geruchsorgan 
angesehen werden. (Es ware damit das Geschmacks- 
organ als ein einfach umgewendetes, also am Ende seiner 
Bildung umgestiilptes, das Warmeorgan als ein umge- 
wandeltes Geruchsorgan anzusehen.) Das Gehororgan 
ergabe sich in dem gleichen Sinne als umgewandeltes 
Gleichgewichtsorgan, das Lautorgan als in seiner Bil- 
dung friih aufgehaltenes Organ des Eigenbewegungs- 
sinnes, und das Begriffsorgan als gleich in seinem 
Entstehen umgewandeltes Organ des Lebenssinnes. Die 
Bildung dieser Organe setzt also keinen aufteren Stoff 
voraus, sondern es ergibt sich nur als notwendig, daft der 
im Innern stromende Stoff von hoheren Gestaltungs- 
kraften ergriffen wird, als diejenigen sind, welche im 
Geruchssinne walten. 



Dagegen ist fur das Geruchsorgan die Beriihrung mit 
aufterem Stoffe notwendig. Nun setzt der Gleichge- 
wichtssinn zwar nicht die Beriihrung mit dem aufteren 
Stoffe voraus, wohl aber eine Beziehung zu den drei 
Richtungen des Raumes. Waren diese Richtungen solche 
im leeren Raume, so konnte es den Gleichgewichtssinn 
nicht geben; er kann nur ein Bestehen haben, wenn der 
Raum stofferfiillt ist, und die Stofferfullung von Kraften 
durchsetzt, mit denen sich der Menschenleib in Bezie- 
hung bringt. Zu Kraften miissen aber, wenn eine Wech- 
selbeziehung zustande kommen soil, andere Krafte in 
Beziehung stehen. Also muE der Leib des Menschen in 
sich den drei Kraften des den Raum erfiillenden Stoffes 
in seinem eigenen Stoffe drei Krafte entgegensetzen. Der 
Menschenleib muft also ein Organ haben, welches nicht 
nur zum aufteren Stoff in einer solchen Beziehung steht 
wie das Geruchsorgan, sondern durch welches seine drei 
Kraftrichtungen empfunden werden konnen. Nun ist 
oben gezeigt worden, daft in der Bildung des Hororgans 
der umgewendete Gleichgewichtssinn als tatig gedacht 
werden kann. Man setze nun voraus, daft dieser umge- 
wendete Gleichgewichtssinn eine vorhandene Gehor- 
anlage iiber die Bildung eines Gehororgans hinausfuhre, 
das heiftt, diese Bildung nicht abschliefte in dem Augen- 
blicke, wo sie Gehororgan geworden ist, sondern von da 
ab weiter entwickele. Dann wiirde aus der Gehoranlage 
ein Gleichgewichtsorgan werden. In derselben Art kann 
nun vorgestellt werden, daft der umgewendete Eigenbe- 
wegungssinn eine Lautorgananlage iiber den Charakter 
der Lautanlage hinausfuhre. Dann wiirde durch ein ent- 
sprechendes Organ der Mensch nicht Laute wahrneh- 



men, sondern die Beziehungen empfinden, welche zu 
Kraften des aufieren Stoffes bestehen. Und wenn der 
umgewendete Lebenssinn ein Begriffsorgan weit iiber 
seine Bildung hinausfiihrte, so wiirde es durch ein ent- 
sprechendes Organ die Beziehung des eigenen Stoffes zu 
aufierem Stoff empfinden. Damit nun solches moglich 
ist, miilke sich der Stoff nicht nur wirksam erweisen im 
menschlichen Leibe, sondern er miifite von aufien herein, 
ohne den Leib zu beriihren, in demselben seine Krafte 
spielen lassen konnen. Dann waren in Gleichgewichts- 
sinn, Eigenbewegungssinn und Lebenssinn drei Organe 
gegeben, welchen die Auftenwelt zu ihrer Entstehung 
notwendig ware. Vom Tastsinn aber ist dieses ohne wei- 
teres klar, da er nur durch ein verborgenes Urteil eine 
AuEenwelt erkennt, also unbedingt eine solche voraus- 
setzt. - Man kann somk sagen, im Geschmacks-, Ge- 
sichts-, Warme- und Gehororgan sind Organe gegeben, 
welche im Organismus durch die Krafte in ihm stromen- 
den Stoffes gebildet werden konnen; fur Geruchssinn, 
Gleichgewichtssinn, Eigenbewegungs-, Lebens- und 
Tastsinn erweist sich der auftere Stoff mit seinen Kraften 
als eine Bedingung. 

Wie die Lebensorgane in Atmung, Warmung, Er- 
nahrung auf die stoffliche Aufienwelt weisen, so die 
Organe der genannten Sinnesorgane. Dagegen setzen 
Absonderung, Erhaltung, Wachstum, Hervorbringung, 
Geschmacks-, Gesichts- und Gehor-, Laut-, Begriffs-, 
Ich-Organismus innere Bildungsprinzipien voraus, die 
sich nur am verinnerlichten Stoffe betatigen konnen. 



IX. DIE HOHERE GEISTESWELT 



Setzt man nun voraus, wie oben geschehen ist, daft die 
bildenden Krafte fiir die Lebensorgane und die Anlagen 
fur die Sinnesorgankrafte in der niederen Geisteswelt 
liegen, so ergibt sich fiir die in dieser Welt waltenden 
Gestaltungskrafte der Lebensorgane ein Unterschied 
zwischen solchen, welche einen verinnerlichten Stoff 
voraussetzen, und solchen, welche ihre Organe fiir die 
Aufnahme des Stoffes von auften gestalten. Man sieht 
leicht, daft die letzteren wieder die Voraussetzung der 
ersteren sind. Denn ware nicht im Stoffe selbst die 
Moglichkeit gegeben, sich zu verinnerlichen, so konnte 
er nicht in sich selber zur Wirksamkeit kommen. Es 
miissen also im Stoffe solche Krafte walten, welche ihn 
befahigen, aus dem ihm selbst Aufteren Gegenwirkun- 
gen hervorzurufen. Solche Gegenwirkungen des Stoffes 
auf sich selbst hat aber die obige Darstellung aufgewie- 
sen. Der umgewendete Lebenssinn, Eigenbewegungs- 
und Gleichgewichtssinn tragen in sich die verborgene 
Moglichkeit, so zu wirken, daft sie, um innere Bildungen 
hervorzurufen, als Stoff selbst tatig sind, ohne die inne- 
ren Bildungsprinzipien als solche zu benutzen. Sie wir- 
ken ja nicht nur innerhalb, sondern aujlerhalb deren 
Mali. Denkt man sich nun diese drei umgewendeten 
Sinnestatigkeiten so wirksam, daft sie auf kein innerlich 
gebildetes Organ auftreffen, doch aber im Charakter 
ihrer Wirksamkeit verbleiben, dann gelangen sie an eine 
Grenze, wo sie in sich selber zuriickkehren miissen. An 
dieser Grenze also wiirfe sich der Stoff in sich selber 



zuriick; er hemmte sich in sich selber. An dieser Grenze 
ware das gegeben, was man Stoffsein im Stoffsein nennen 
konnte. Und damit ware auf die Moglichkeit hingewie- 
sen, wie die Organe, welche inneren Stoff brauchen, aus 
einer Welt heraus entstehen, in welcher das Stofflich- 
Aufiere zum Stofflich-Inneren wird. In dieser Welt miift- 
ten die ersten Anlagen liegen sowohl fiir diejenigen Or- 
gane des Lebensprozesses, welche durch verinnerlichten 
Stoff versorgt werden, wie auch fiir diejenigen, welche 
au£eren Stoff brauchen. Und es miifken in den Kraften, 
welche den auEeren Stoff zum Verinnerlichen bringen, 
schon die Anlagen fiir diese Verinnerlichung vorhanden 
sein. Wie die Krafte in den Lebensorganen selbst auf eine 
Welt anderer Krafte hinweisen, aus welcher die Lebens- 
organe erst gestaltet werden, so weisen die Lebensorgane 
mit innerlicher Stoffstromung auf Anlagen aus einer 
noch hoheren Welt hin, aus der heraus sie gestaltet wer- 
den. Man wird dahin gefiihrt, auf eine Auftenwelt zu 
deuten, die in sich selber durch den Gegensatz von Le- 
benssinn, Eigenbewegungssinn und Gleichgewichtssinn 
eine Innenwelt entfachen kann. Diese Welt kann aber die 
«hohere Geisteswelt» genannt werden. Was ware in ihr 
zu suchen? Nicht Krafte, welche Lebensorgane iiber- 
haupt gestalten, sondern solche, welche ihren Gebilden 
die Anlage einpflanzen, zu Lebensorganen zu werden. 
Diese Krafte hat man sich aber als die Gegensatze des 
Gleichgewichtssinnes, des Eigenbewegungssinnes und 
des Lebenssinnes zu denken. Werden diese Krafte, bevor 
sie an die Grenze ihrer Wirksamkeit gelangen, aufge- 
halten, durch innere Bildungsvorgange an bereits in Ge- 
staltung begriffenen Organen, so pragen sie aus solchen 



Organanlagen das Gehor-, Laut- und Begriffssinnes- 
organ. Was geschieht, wenn sie an die Grenze jener Ta- 
tigkeit gelangen, die in ihrem eigenen Charakter liegt? 
Wenn dem umgewendeten Lebenssinn nicht im Begriffs- 
organ etwas entgegentrate, das er nur umzubilden hat, 
dann wiirde er offenbar das Begriffserlebnis in sich selbst 
zuriickfuhren. Und es wiirde in seiner Zuriickstrahlung 
unmittelbar sich selbst gegeniibertreten. Es ware damit 
ein gleiches gegeben, wie es in einem Sinneserlebnis vor- 
liegt, aber es hatte ein selbstandiges Dasein, ohne zu- 
grunde liegendes Sinnesorgan. Ein gleiches konnte fiir 
den umgewendeten Eigenbewegungs- und Gleichge- 
wichtssinn gesagt werden. In der hoheren Geisteswelt 
waren somit in sich selbst ruhende Sinneserlebnisse zu 
suchen, welche sich denjenigen Sinneserlebnissen ver- 
wandt erweisen, denen der Mensch in der physischen 
Welt mit seinem Ich am nachsten stent, den Erlebnissen 
des Begriffs-, Laut- und Gehorsinnes. Doch sind jene 
Erlebnisse so, als stiinde nicht gleichsam vor ihnen ein 
menschliches Ich, und nehme sie auf, sondern so, als 
stiinde hinter ihnen ein sie in der eigenen Tatigkeit 
schaffendes Wesen. 



X. DIE GESTALT DES MENSCHEN 



Legt man nun die obigen Betrachtungen zugrunde, dann 
ergibt sich fiir den Menschen das folgende in bezug auf 
seine Bildungsprinzipien: 
Es wird vorausgesetzt: 

1. Eine hohere Geisteswelt; in dieser liegen Krafte, 
welche Gebilde formen, die in selbstandigem Stoffe le- 
bende Sinneserlebnisse darstellen. Und diesen Gebilden 
sind eingepragt die Anlagen fiir die Lebensorgane. 

2. Eine niedere Geisteswelt; in dieser liegen die Ge- 
staltungskrafte der Lebensorgane. Die in der ersten Welt 
wirksamen Krafte formen solche Gebilde, die sich aus 
dem bereits verinnerlichten Stoff nahren. Die Krafte 
dieser Welt selbst fiigen ihnen solche an, welche aufteren 
Stoff erst verinnerlichen. Das ergibt einen Unterschied 
der Lebensorgane in Hervorbringungsorgane und Nah- 
rungsorgane. Die aus der ersten Welt geformten Gebilde 
werden umgewandelt als solche Sinnesorgananlagen, 
welche sich von verinnerlichtem Stoff nahren. Die Ge- 
staltungskrafte dieser Welt selbst fiigen zu diesen Sinnes- 
anlagen solche, welche in einem Wechselverhaltnis zum 
aufteren Stoff stehen. 

3. Die astrale Welt; in dieser liegen die Gestaltungs- 
krafte der Sinnesorgane. Es miissen aber auch die Le- 
bensorgane aus dieser Welt heraus so umgeformt wer- 
den, daft sie die Sinnesorgane in sich aufnehmen konnen. 

4. Die physische Welt; in dieser liegen die Sinneserleb- 
nisse des Menschen. 

Nun ist anzuerkennen, daft diese vier Welten inein- 



ander wirken, daft also die Krafte jeder hoheren in der 
niederen fortbestehen. Dadurch, daft die genannten Or- 
gane aus den Kraften hoherer Welten hergeleitet werden, 
kann nur gesagt sein, daft diese Organe den Einfliissen 
der hoheren Welten unterliegen, auch wenn sie in den 
niederen Welten auftreten. Aus der physischen Welt wir- 
ken die Krafte der hoheren Welten nicht auf die Sinnes- 
organe; aus der astralischen Welt wirken die Krafte der 
beiden Geisteswelten nicht auf die Lebensorgane; und 
aus der niederen Geisteswelt wirken die Krafte der ho- 
heren nicht auf die oben charakterisierten Anlagen der 
Lebensorgane. Daraus folgt, daft aus der physischen Welt 
die Krafte der hoheren Welten in anderer Art sich wirk- 
sam zeigen miissen, als wenn sie unmittelbar aus ihrer 
Welt heraus wirken. Die Krafte der hoheren Geisteswelt 
konnen auf den mit Sinnesorganen, Lebensorganen und 
Organanlagen ausgestatteten Menschen nur als Gestal- 
tungskrafte wirken. Sie konnen Gestalt und Lage der 
Organe bestimmen. So ergibt sich die Gestalt und Lage 
der Organe des Menschenleibes aus der Wirksamkeit der 
hoheren Geisteswelt in die physische herein. Das Ich 
erlebt in den Begriffswahrnehmungen die Begriffe; der 
Lebenssinn in seiner umgewendeten Art bringt die 
lebendigen Begriffe der hoheren Geisteswelt hervor. In 
der physischen Welt konnen sie nur als Gestaltungskraf- 
te wirken. Es ist doch gewift klar, daft der Mensch die 
Fahigkeit der Begriffswahrnehmung seiner aufrechten 
Gestalt verdankt. Kein Erdenwesen aufier ihm hat die 
Begriffswahrnehmung, keines die in gleicher Art auf- 
rechte Gestalt. (Eine leichte Uberlegung kann zeigen, 
daft bei Tieren, die eine scheinbar aufrechte Gestalt 



haben, diese auf anderes als innere Krafte zuruckzufuh- 
ren ist.) So kann man in der Richtung von unten nach 
oben diejenige sehen, welche mit der Begriffswahrneh- 
mung zusammenhangt, wenn der umgewendete Lebens- 
sinn nicht dabei mitwirkt. Daraus darf auf eine Richtung 
von oben nach unten fur den umgewendeten Lebenssinn 
geschlossen werden. Noch richtiger wiirde sein, zu 
sagen, auf eine Richtung nahezu von oben nach unten. 
Denn man sollte in der Wachstumsrichtung von unten 
nach oben etwas sehen, was dem umgewendeten Tast- 
sinn entgegengesetzt ist. Insofern im Sinne der obigen 
Ausfiihrungen das Ich einen Gegensatz zum Tastsinn 
■> darstellt, kann man die senkrechte Wachstumsrichtung 
des Leibes nach oben als Ich-Trager wie eine fortdauern- 
de Uberwindung des Gewichtes nach unten ansehen, 
was ja eine Umkehrung des Tasterlebnisses darstellt. Aus 
alledem kann auf einen Gegensatz des «oben-unten» und 
«unten-oben» im Menschenleibe so gedeutet werden, wie 
wenn eine Stromung von unten nach oben so stattfande, 
da£ in ihr die Uberwindung des von oben nach unten 
gehenden umgewendeten Lebenssinnes gegeben ist. Nun 
muE in diesem umgewendeten Lebenssinn das Herein- 
wirken der hoheren Geisteswelt auf den physischen 
Menschenleib gesehen werden. Man kann somit sagen: 
der Menschenleib, insoferne er Ich-Trager ist, strebt nach 
oben; der physische Menschenleib, insoferne er in seiner 
Gestalt die Wirkung der hoheren Geisteswelt zeigt, von 
oben nach unten. Insoferne leiblich der Mensch das Bild 
einer der hoheren geistigen Welt angehorigen Wesenheit 
ausdriickt, kann man ihn aus der Durchdringung zweier 
Kraftrichtungen ansehen, als die Begegnung des Ich-Lei- 



bes mit dem physischen Leib. In seinem Ich-Erlebnis 
gehort der Mensch der physischen Aufienwelt an, stellt 
aber zugleich dasjenige dar, was ein Bild gibt von dem in 
sich selbst zuriickgestrahlten Erlebnis. Das ist ein Bild 
von dem, was als die in sich selbst ruhenden Sinneserleb- 
nisse der hoheren Geisteswelt charakterisiert worden ist. 
Im Leibe, insofern er Ich-Trager ist, darf somit ein Bild 
des sich selbst verinnerlichenden Stoffes gesehen wer- 
den. - Ein anderer Gegensatz tritt zutage in «riickwarts- 
vorne»; «vonvarts -riickwarts >>. Die Sinnesorgane stellen 
nun im wesentlichen mit den ihnen zugehorigen Nerven 
Organe dar, welche ihr Wachstum von vorne nach ruck- 
warts offenbaren; stellt man sich sie, wie gewi£ berech- 
tigt ist, so wachsend vor, dafi ihre Gestaltungskrafte der 
urspriinglichen, aus der niederen Geisteswelt stammen- 
den Wachstumsrichtung entgegengesetzt ist, so darf man 
in der Richtung von riickwarts nach vorne diese letztere 
Richtung suchen. Und man wird dann sagen konnen, 
da£ in dem Abschlufi nach riickwarts mit bezug auf die 
menschliche Gestalt etwas ahnliches gegeben ist in bezug 
auf die niedere Geisteswelt wie mit dem Abschlufi von 
unten nach oben mit bezug auf die hohere Geisteswelt. 
In der aufteren Gestaltung wirkten dann von vorne 
nach ruckwarts auf die Lebensorgane diejenigen Krafte 
der niederen Geisteswelt, welche auf den Menschen 
nicht aus der physischen Welt wirken konnen; von riick- 
warts nach vorne aber wirkten die Krafte der niederen 
Geisteswelt in die physische Menschenwelt hinein. In 
ihnen driickt sich aus das, was man im Sinne der obigen 
Betrachtungen den astralischen Menschen nennen darf. 
Insoferne also der astralische Mensch sich in seiner 



Leibesgestalt zeigt, ist er eben so von riickwarts nach 
vorn strebend, wie der physische Menschenleib nach 
oben strebend ist. Der dritte Gegensatz ware «rechts- 
links»; «links-rechts». In der Symmetrie der Menschen- 
gestalt in bezug auf diese Richtung kann ein Hinweis 
darauf gesehen werden, daft sich die Krafte da mit 
gleichem Mafte gegeniiberstehen. Ein solches ergibt 
sich, wenn man in diesen Richtungen ein Zusammen- 
wirken der menschlichen Leibesgestalt, insoferne sie aus 
der niederen Geisteswelt die Leibesorgane schon gestal- 
tet hat, mit den Gestaltungskraften der Sinnesorgane 
sieht. Man hatte also in der linken Leibeshalfte des nach 
vorn gerichteten Menschen sich die Gestaltungskrafte 
der astralischen Welt fur die Sinnesorgane, insoferne die- 
se Krafte in der physischen Welt nicht mehr direkt wei- 
terwirken, so zu denken, daft sie aus der linken Leibes- 
halfte nach rechts wirken; diejenigen Krafte der astra- 
lischen Welt, welche auf die Leibesgestalt so fortwirken, 
daft ihre Wirkung in der Leibesgestalt zum Ausdruck 
kommt, miiftten dann nach links wirken. Da nun diese 
Krafte auf bereits aus der niederen Geisteswelt bestimm- 
te Organe wirken miissen, so werden sie sich in einer 
Wirkung nach innen zeigen, wie sich die Krafte der ho- 
heren und niederen Geisteswelt in der Gestaltung nach 
auften zeigen. (Man kann das hier Gesagte durch die 
Anthropologic belegt finden in den Linien der Nerven- 
bahnen, die sich im Organismus kreuzen.) - Das weist 
auf eine Durchdringung der astralischen Welt mit dem 
Atherleib des Menschen, insoferne dieser in der Lei- 
besgestalt zum Ausdruck kommt. Man wird sagen 
konnen: 



1. Die Gestaltung des physischen Menschenleibes ist 
in der Richtung von oben nach unten aus der hoheren 
Geisteswelt bedingt. 

2. Die Gestalt des Menschenleibes, insoferne er Tra- 
ger des astralischen Menschen ist, weist auf die Richtung 
von riickwarts nach vorne. 

3. Die Gestalt des Menschenleibes, insoferne er 
Trager der Lebensvorgange ist, weist sowohl auf die 
Richtung «rechts-links», wie «links-rechts». 

4. Das Ergebnis dieser Gestaltungen ware dann die 
wirkliche physische Menschengestalt. - Damit diese zu- 
stande kommt, miissen sich die angegebenen Gestal- 
tungskrafte gegenseitig durchdringen. Eine solche 
Durchdringung kann nur gedacht werden, wenn der 
Mensch sich in die physische Welt so hineinstellt, dafi die 
Krafte der physischen Au£enwelt in der Richtung 
«rechts-links» und «links-rechts» von den Kraften der 
astralischen Welt so ergriffen werden, dafi in ihrer Bil- 
dung die Moglichkeit offenbleibt, nun weiter in der 
Richtung von riickwarts nach vorn sich zu gestalten, und 
nach dieser Bestimmung diejenige von oben nach unten 
offen bleibt. Denn nur wenn man sich eine im Prinzip 
«rechts-links» und «links-rechts» gehende Richtung 
denkt, die allseitig wirkt, und dann wie in der Richtung 
nach vorne verandert, und dann wieder nach oben gezo- 
gen umgewandelt wird, kann man sich vorstellen, wie 
obiges zustande kommt. Damit dies aber die Menschen- 
gestalt ergibt, miissen fur diese Krafte ihnen entgegenge- 
setzte aus der physischen Welt selbst gedacht werden. 
Das sind dann diejenigen, welche sich zeigen als nicht 
mehr aus der physischen Welt wirkende - oben charak- 



terisierte - direkt aus den hoheren Welten wirksame 
Krafte. Die letzteren allein aber diirfen in der physischen 
Menschenanlage gesucht werden. Zu den anderen tritt 
der Mensch nur als solcbe Anlage in Beziehung. - Will 
man somit in der physischen Welt den Hinweis des Men- 
schen auf hohere Welten suchen, so darf man nicht auf 
die Lebensvorgange und deren Zusammenhang mit ihren 
Organen, nicht auf das Leben der Sinnesorgane, und 
auch nicht auf sein Gehirn hinblicken, sondern einzig 
und allein auf das « Wie», die Form der Leibesgestalt und 
der Organe. An diesem «Wie» kann sich zeigen, da$ 
noch im physischen Menschen die Hinweise auf die 
geistigen Welten wahrgenommen werden konnen. (Der 
Unterschied des Menschen vom Tiere in bezug auf die 
hoheren Welten kann daher aus einer Betrachtung der 
Leibesgestalt sich ergeben, insofern das Tier in einer 
anderen Art in die Raumrichtungen eingeordnet ist; 
diese andere Einordnung offenbart aber, dafi die hoheren 
Welten anders auf das Tier, anders auf den Menschen 
wirken.) 

Die anthroposophischen Betrachtungen konnen 
fruchtbar gemacht werden, wenn man die angegebenen 
Betrachtungen auf die Einzelheiten der menschlichen 
Leibesgestalt anwendet. Es wird sich dann liberall ein 
voller Einklang mit den anthropologischen Beobachtun- 
gen ergeben. Der Hinweis, wie in Hororgan, Gesichtsor- 
gan usw. Umwandlungen von im Entstehen begriffenen 
Organanlagen oder im Geschmacksorgan ein umgewen- 
detes Geruchsorgan gesehen worden ist, kann Vorstel- 
lungen ergeben, welche in den Organgestalten wieder 
gefunden werden miissen. Die unsymmetrischen Organe 



werden begriffen, wenn man sie so auffalk, daft ihre 
Formen dadurch gebildet worden sind, dafi die «links- 
rechts» und «rechts-links» wirksamen Krafte der astrali- 
schen Welt ausgeschlossen werden konnten. - Sieht man, 
wie es oben geschehen ist, eine Umkehrung der Sinnes- 
organe, ein Nach-innen-Wenden derselben ein, so wird 
man auch zugeben konnen, dafi die Umwandlung auch 
noch durch andere Prinzipien bedingt sein kann. Man 
nehme das Gehororgan. Dasselbe wurde in Beziehung 
gebracht zu dem Gleichgewichtssinn. Man kann sich 
denken, daft die Tatigkeit, die sich im Gleichgewichts- 
sinn offenbart, eine noch nicht zum Hororgan differen- 
zierte nach innen gerichtete Organanlage von seiner ur- 
spriinglichen Bildungsrichtung abbringt. Der Lautsinn 
kame dann zustande, wenn eine andere Tatigkeit auf die 
entsprechende Organanlage sich richtete. Diese konnte 
in Beziehung zu den Erlebnissen des Eigenbewegungs- 
sinnes gebracht werden. Damit ware ein Licht auf 
die Tatsache geworfen, dafi das Hororgan in einem dem 
aufieren Stoff zugekehrten Organ zum Ausdruck 
kommt, das Lautorgan aufterlich nicht wahrnehmbar 
sein kann. Es entspricht das Erlebnis des Eigenbewe- 
gungssinnes dem Leibes-Inneren, das Erlebnis des 
Gleichgewichtssinnes kommt in Beziehungen zu den 
auEeren Raumrichtungen zum Ausdruck. Man konnte 
demnach das Lautorgan auch ein im Innern des Leibes 
zuruckgehaltenes Hororgan nennen. Fur das Ich-Erleb- 
nis selbst, das keinem Sinneserlebnis entspricht, kame 
nicht ein besonderes Organ, sondern allein das Streben 
anderer Organanlagen nach oben in Betracht. So konn- 
ten in Lautorgan und Begriffsorgan Gebilde gesehen 



werden, deren physische Gestalt durch ihre Hinneigung 
zum Ich-Erlebnis bestimmt ist. Man kann nun in dem, 
woran der Leib als Trager des «Ich» von innen heraus 
beteiligt ist, die Umkehrung in den Bildungskraften 
anerkennen, und sagen, wenn der Leib als Trager des Ich 
ein Organ wieder zuriickgestaltet, so mufi in seinem 
Bilde die Eigenart der Gebilde der hoheren Geisteswelt 
sich wieder erkennen lassen. Ein solches Organ ist das 
Sprechorgan (der Kehlkopf). Kann man die Organreihe 
Ohr, Lautsinn, Begriffssinn ein fortgehendes leibliches 
Verinnerlichen der Sinnesanlage nennen, so kann man in 
dem Sprechorgan den umgewendeten Lautsinn erken- 
nen. Der Laut wird da nicht Sinneserlebnis, das nach 
innen, dem Ich zu, durch ein Organ strebt, sondern er ist 
in sich selbst ruhender, schaffender Sinnesinhalt, ein 
wirklich umgewendetes Sinneserlebnis. Die Bildung des 
Kehlkopfes entspricht genau diesen Bedingungen. - Man 
kann dann auch ein Organ suchen, welches im Menschen 
einer Fahigkeit entspricht, die so zwischen Sprechen und 
Ich steht, wie Begreifen zwischen Horen und Ich. Durch 
dieses mulke sich aus dem Menschen heraus etwas erge- 
ben, was nicht so inhaltsarm ist wie das Ich-Erlebnis und 
noch nicht unmittelbar in seinen Offenbarungen in die 
auftere Welt iiberflielk. Es wiirde dies dasjenige Organ 
im Gehirne des Menschen sein, welches der Phantasie 
entspricht. Man wird allmahlich scheiden lernen im 
Gehirn zwischen Begriffsorgan und Phantasieorgan. 

Da die Gestaltungskrafte der drei hoheren Welten in 
der Gestalt des physischen Menschenleibes gewisser- 
mafien nachklingen, so wird auch anerkannt werden 
mussen, daft die Bildungskrafte der beiden hoheren 



Geisteswelten auf den Astralleib unmittelbar aus der 
astralischen Welt heraus wirken konnen; und endlich, 
daft schon in den Anlagen der Lebensorgane, wie sie aus 
der niederen Geisteswelt sind, Wirkungen unmittelbar 
aus der hoheren Geisteswelt einstromen. Unter Beriick- 
sichtigung solcher Krafte konnen sich Gestalt und 
Lage des Herzens, der Atmungs-, Kreislauforgane, des 
Muskel-, Knochensystems usw. ergeben. 

In der Leibesgestalt des Menschen innerhalb der phy- 
sischen Welt offenbart sich, da£ seine Entwickelung 
nicht blofi einer Anpassung an Verhaltnisse gefolgt ist, 
welche dem inneren Menschenwesen fremd sind, son- 
dern daft diese Gestalt zuletzt im Bilde das ausdruckt, 
was Charakter des «Ich» ist. Die Entwickelungsanlage 
des Menschen muft so gedacht werden, daft bei ihrer 
Ausgestaltung den Kraften der hoheren Welten Angriffs- 
punkte gegeben werden. In der sinnenfalligen Welt sind 
fur die Wahrnehmung nur Empfindungsinhalte gegeben, 
welchen das Ich, wenn es sich selbst wahrnimmt, als 
Bildempfindung sich gegeniiberstellt. Bildempfindung 
aber gehort der astralischen Welt an. Im Selbsterlebnis 
des Ich steht somit die Bildempfindung gewissermaften 
frei im Raume. Am Geschmackssinn hat sich gezeigt, 
daft in ihm ein umgekehrter Geruchssinn gesehen wer- 
den kann. Wenn nun nicht gedacht wird, der Stoffanprall 
sei im Geruchssinn dasjenige, was die Empfindung ver- 
ursacht, sondern das Geruchserlebnis selbst werde als 
Selbsterlebnis im Ich ein Bestandteil dieses letzteren, so 
kann man in einer Begehrung oder in einem Bewegungs- 
impuls des astralischen Ich die Antwort dieses Ich auf 
etwas sehen, was vom Stoffe ausgeht, und ohne phy- 



sische Vermittelung dem Ich einverleibt wird. Hinter 
dem Geruchserlebnis stecken dann aufter dem, was Bild- 
erlebnis ist, die astralischen Gegenwirkungen gegen Be- 
gehrungen und Bewegungsimpulse des Ich. Im Ton ist 
deutlich zu unterscheiden dasjenige, was sich von dem 
aufteren Gegenstande loslost, von dem, was an diesem 
Gegenstand durch andere Sinne als den Gehorsinn wahr- 
genommen wird. Und das Losgeloste ist Selbsteriebnis 
des Ich. Man kann doch gewift sagen: wenn ein Gegen- 
stand gehort wird, dann gehort nur der schallerregende 
Gegenstand einer Welt an, in welcher das Ich nicht drin- 
nen ist, in welcher es sich nicht identifizieren konnte mit 
dem Sinneserlebnis. Im Eigenbewegungssinn wird die 
Lage und Formanderung des eigenen Organismus wahr- 
genommen. Bei ihm liegt also die Vorstellung nahe, daft 
aufter dem Selbsteriebnis des Ich nur eine astralische 
Gegenwirkung auf einen Bewegungsimpuls angenom- 
men zu werden braucht. Wenn nun in der physischen 
Welt nichts als Sinneserlebnisse vorliegen, so kann auch 
in dieser Welt von nichts anderem als von Sinneserleb- 
nissen gesprochen werden. Da aber ein physischer Leib 
Sinnesorgane haben mufi, um Sinneserlebnisse haben zu 
konnen, so gibt es in dieser physischen Welt fur den 
Menschen nichts als Sinneserlebnisse und die Ich-Wahr- 
nehmung als astralisches Bilderlebnis. Das Ich hat keine 
andere Moglichkeit, als Gegenstande der Auftenwelt zu 
erleben, und dabei die Sinneserlebnisse in der verschie- 
densten Art kombiniert zu finden. Was da geschieht, ist 
also nichts als ein Frei-im-Raume-Schweben von Sinnes- 
erlebnissen. Man setze aber voraus, daft die menschliche 
Gestalt als solche nicht bedeutungslos ist, sondern daft 



es darauf ankomme, in welcher Richtung und Lage ein 
Organ im Verhaltnis zum andern ist. Und man beachte 
von diesem Gesichtspunkt aus die physische Welt. Dann 
ist es wesentlich, dafi das Geschmacks organ ein um- 
gewendetes Geruchsorgan ist. Denn denkt man nun das 
Geruchserlebnis, wie es ist, als Bildempfindung, ohne 
dem Stoffe selbst als raumerfullend die Fahigkeit ab- 
zusprechen, dieses Erlebnis so als Bildempfindung hin- 
zustellen, wie die Ich-Wahrnehmung in sich selbst frei 
im Raume schwebende Bildempfindung ist, so miifite 
anerkannt werden, dafi etwas darauf ankomme, ob von 
der menschlichen Gestalt einem Gegenstande die Ober- 
flache so zugewendet wird, dafi einmal, um die von ihm 
ausgehende Bildempfindung zu erhalten, das eine Sin- 
nesorgan oder das andere ihm zugewendet werden muE. 
Fiir die menschliche Wesenheit in der physischen Welt 
wird allerdings daraus nur folgen, dafi sie, je nach dem 
Gebrauch des Organs, einmal Geruch, das andere Mai 
Geschmack wahrnimmt. Wenn aber nicht nur die in der 
physischen Welt befindliche Ich-Wahrnehmung das Ich 
umfafite, sondern dieses Ich wesenhaft seiner Leibes- 
gestalt so zugrunde lage, dafi es alle Bilderlebnisse als 
die seinigen erlebte, so ware in diesem Ich einmal die 
Bildempfindung des Geruches, das andere Mai diejenige 
des Geschmackes Selbsterlebnis des Ich. Hatte man es 
nun nicht mit der fertigen, sondern mit der in Bildung 
begriffenen Leibesgestalt zu tun, so lage keine Ich-Wahr- 
nehmung vor; das Selbsterlebnis des Ich miifite ganz 
anders sein. 



/ 



ANHANG 



t 



1. Varianten der Korrektur fassungen 
Kap. IV-VII 



Nachstehend finden sich samtliche Varianten der doppelten Kor- 
rekturfassungen Rudolf Steiners von Kap. IV bis VII. Sie werden 
A und B genannt. 1st dieselbe Textstelle in beiden Exemplaren der 
Druckbogen verschieden korrigiert, so ist dies bezeichnet. Ver- 
merkt ist auch, wenn es sich um ganze Stellen handelt, die neu 
hinzugefiigt wurden. In alien anderen Fallen handelt es sich um 
Korrekturen in nur einer der beiden Fassungen, wahrend die 
Variante die unkorrigierte Lesart des anderen Druckbogens wie- 
dergibt. Gleiche Korrekturen in beiden Fassungen sind nicht 
beriicksichtigt, da in diesem Fall die letzte Textgestalt fest steht. 
Zuerst steht jeweils unter Angabe der Seite und Zeilen die fur den 
Haupttext ausgewahlte Variante, darunter die andere. 



43,23 B stattfinden, und da 
A stattfinden und da 

44,7-8 B dieses Gebietes, die Absonderung, be- 
zeichnen. 

A dieses Gebietes: die Absonderung bezeich- 
nen. 

45,1-4 B Was zum eigenen Leibe gehort, wird so 
hervorgebracht, daft es mit dem Menschen 
vereinigt bleibt; bei der Fortpflanzung tritt 
das Hervorgebrachte nach aufien. 
A Wahrend das fur den eigenen Leib Not- 
wendige so hervorgebracht wird, dafi es 
mit dem Menschen vereinigt bleibt, tritt 
bei der Fortpflanzung das Hervorgebrach- 
te nach aussen. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 



46,2 B zeigen; 

A zeigen, 

46,17 B entgegensteht, 
A entgegenstehen, 

46,25 B die aufteren Sinneswahrnehmungen 
A die Sinneswahrnehmungen 

46,25-26 B nacherlebt werden, 
A nacherlebt werden 

46,31 B der aufieren Sinneswahrnehmungen 
A der Sinneswahrnehmungen 

48,3-6 A was dem Hunger entspricht und was mit 
ihm so verkniipft 1st, wie dasjenige, was 
der Mensch nach einer Urteilsfallung auf 
eine Sinneswahrnehmung hin mit dieser 
verkniipft. 

B was dem Hunger entspricht, und was mit 
ihm so verkniipft ist, wie dasjenige, was 
der Mensch nach einer Urteilsfallung voll- 
bringt, mit einer Sinneswahrnehmung ver- 
kniipft ist. / ... vollbringt, auf eine Sinnes- 
wahrnehmung hinweist, die mit dieser 
verkniipft ist. 

Verscbiedene Korrektur in A und B. Die Fassung B hat 
zwei Lesarten der Korrektur. 

48,8-9 B ein Aufieres 
A ein Anderes 

48,30-31 A diese Welt zunachst «Lebenswelt» ge- 
nannt. 

B diese Welt «Lebenswelt» genannt. 



49,13 A 
B 



ist z. B. streng gesondert 
ist streng gesondert 



50,4-5 B durch gesteigertes Innenleben. 
A durch sich selbst. 

50,9 A gebrauchen konnte, 
B gebrauchen konnte, 

50,17-25 A In beiden Fallen stellt sich das entspre- 
chende Leibesorgan der Auftenwelt entge- 
gen. Das ist ein Hinweis darauf, daft in der 
Auftenwelt dasjenige sich offenbart, was 
Beziehung sowohl zu dem einen und dem 
anderen Organ hat. Nur zeigt sich, daft 
z. B. in der Luft sich ein zweif aches offen- 
bart; dem einen gegeniiber ist gestaltet das 
Atmungsorgan und stellt es in den Dienst 
des Leibes hinein; das andere bezieht sich 
auf den Bau des Gehororgans. 
B In beiden Fallen stellt sich das entspre- 
chende Leibesorgan der aufteren Luft ent- 
gegen. Das ist ein Hinweis darauf, daft fur 
die Luft der menschliche Organismus in 
seinem Aufbau durch das eine und andere 
Organ hingeordnet ist. So zeigt sich, daft 
der Luft gegeniiber im menschlichen Leibe 
sich ein zweifaches offenbart; das eine ge- 
staltet nach aufien das Atmungsorgan und 
stellt es in den Leib hinein; das andere baut 
das Gehororgan auf. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 



51,1-6 B Aus dem Organismus heraus wachst das 
Atmungsorgan der Aufienwelt entgegen 
und auch das Gehororgan. Nun dient das 
Atmungsorgan nur dem inneren Leibes- 
leben; das Gehororgan jedoch muE der 
Auftenwelt - dem Gebiete des Tones - 
angepaik sein. 
A Aus dem Organismus heraus wachst das 
Atmungsorgan der Au£enwelt so entgegen 
wie das Gehororgan. Nun mufi das At- 
mungsorgan nur dem inneren Leibesleben; 
das Gehororgan jedoch der Auftenwelt - 
dem Gebiete des Tones - angepafk sein. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 

51,8-9 B genommen zu werden; 
A genommen werden; 

52,4-5 B hohere Wesenheit im Menschen anneh- 
men, 

A hohere Welt annehmen, 

52,7 A Ebenso eine andere, 

B Ebenso eine unter ihr stehende andere, 

52,17-25 A ; in eben demselben Sinne kann anerkannt 
werden, daft die zweite der angefuhrten 
Welten in den Gefuhlserlebnissen des 
«astralischen Menschen» sich zeigt, die als 
Lebensinstinkte bezeichnet werden kon- 
nen. In diesen Erlebnissen spricht sich et- 
was aus, mit dem die anderen instinktiven 
Erlebnisse des «astralischen Menschen» in 



eins zusammenfliefien und Bild sind einer 
iibersinnlichen Welt in dem Sinne wie der 
Ich-Mensch Bild einer solchen ist. 
B ; in eben demselben Sinne kann anerkannt 
werden, dafi der astralische Mensch in den 
Gefuhlserlebnissen, welche sich ihm durch 
Lebensvorgange ergeben, die Offenbarun- 
gen einer iibersinnlichen Welt empfangt, 
in welcher die Organe dieser Vorgange 
(die Lebensorgane) die Wesenheit empfan- 
gen: 1. dem Leben zu dienen, 2. die Sinnes- 
organe aus sich zu gestalten. In diesem Er- 
lebnisse spricht sich etwas aus, in dem die 
anderen instinktiven Erlebnisse des «astra- 
lischen Menschen» in eins zusammenflie- 
fien und ihre hochste Wirksamkeit als ge- 
staltbildende Kraft offenbaren. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 

53,11-22 A Um den «astralischen Menschen» moglich 
zu machen, baut eine zu der charakterisier- 
ten iibersinnlichen Welt als «Lebenswelt» 
hinzutretende andere Welt die Lebensor- 
gane auf. Die Krafte dieser Welt haben sich 
als verwandt ergeben denen der Erlebnis- 
se, welche der «astralische Mensch» in den 
Lebensinstinkten hat. Was den physischen 
Menschen aufbaut, offenbart sich in der 
Sinnenwelt in oben gekennzeichnetem 
Sinne. Diejenigen Krafte, welche die Le- 
bensorgane aufbauen, konnen sich in der 



physischen Welt nur in den Lebensvor- 
gangen offenbaren. Denn sie erzeugen die 
Lebensorgane und nur durch solche kann 
sich ein Lebensvorgang kundgeben. 
B Um den «astralischen Menschen» moglich 
zu machen, baut eine iibersinnliche Welt 
die Lebensorgane auf. Die Krafte dieser 
Welt haben sich als verwandt ergeben den 
Erlebnissen des «astralischen Menschen». 
Was den physischen Menschen aufbaut, 
offenbart sich in der Sinnenwelt in oben 
gekennzeichnetem Sinne. Diejenigen Kraf- 
te, welche die Lebensorgane aufbauen, 
konnen sich nur in den instinktiven Ge- 
fiihlserlebnissen offenbaren, die von den 
Lebensvorgangen herriihren. Denn sie er- 
zeugen keine Sinnesorgane und nur durch 
solche kann sich Sinnenfalliges kundgeben. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 



53,27-28 B nicht sinnenfallig werden, sondern nur 
gefuhlsmaftiges Instinkterlebnis sein. 
A nicht sinnenfallig werden. 

54.4- 5 B so beschaff en, daft er dem Ich die Sinneser- 

lebnisse liefert; 
A so beschaffen, daft er sich auch sinnenfallig 
wahrnehmbar macht; 

54.5- 6 B der «atherische Leib» kann 

A der «atherische Leib» als Erbauer der 
Lebensorgane kann 



54,7-15 B Es muE sich verhalten: das Ich zum phy- 
sischen Menschenleib, wie der «astrahsche 
Mensch» zum «atherischen Menschen- 
leib». - So setzen die Lebensvorgange 
Krafte voraus, denen sie sich anpassen, in- 
dem sie Sinnesorgane, wie z. B. das Gehor- 
organ, aus dem Leibe heraus im Sinne von 
Erlebnissen gestalten, denen sie selbst nicht 
dienen; und die Sinnesorgane wieder set- 
zen die Lebensorgane voraus, indem sie 
durch deren Vorgange unterhalten werden. 

Zusatz in Fassung B } der ohne Absatz anschliejlt an 
«...erlebt werden. » 

A Man kann demnach unterscheiden: 1. Eine 
iibersinnKche Welt, in welcher die Krafte 
zum Aufbau der Sinnesorgane liegen. 2. 
Eine ubersinnliche Welt, in welcher die 
Krafte zum Aufbau der Lebensorgane lie- 
gen. Diese setzt jene voraus; daher kann 
erstere die hohere Geisteswelt, letztere 
die niedere Geisteswelt genannt werden. 

3. Eine Welt, in welcher der astralische 
Mensch so in Beziehung stent zu den Le- 
bensvorgangen, dafi diese in ihm sich als 
Lebensinstinkte offenbaren. Diese setzt die 
Lebensvorgange, also die zweite Welt 
voraus. Sie sei die astralische Welt genannt. 

4. Eine Welt, in welcher dem Ich-Men- 
schen sich die Sinneserlebnisse durch die 
Sinnesorgane offenbaren. Diese ist aber die 
physisch-sinnliche Welt. 



Der ganze Absatz ist Zusatz in Fassung A, der mit 
Absatz anschliefit an «... erlebt werden.» 

54.30- 55,8 Aus der hoheren Geisteswelt ist der phy- 

sische Menschenleib gebildet, insoferne er 
Trager der Sinnesorgane ist. Aus der nie- 
deren Geisteswelt ist der atherische Men- 
schenleib gebildet, insoferne er die Lebens- 
organe auferbaut. In der astralischen Welt 
tritt der astralische Mensch mit den Le- 
bensvorgangen in Beziehung, insoferne 
sich diese in den Lebensinstinkten offen- 
baren. In der physischen Welt tritt der Ich- 
Mensch mit den sich als AuEenwelt dar- 
stellenden Sinneserlebnissen (Laut, Ton, 
Warme, Licht etc.) in Beziehung, sofern 
sich diese als Sinneswelt offenbaren. - 

Der ganze Absatz ist ein separat vorliegender hand- 
schriftlicber Zusatz auf einem Einzelblatt, der durch 
Angabe der entsprechenden Sekennummer des Druck- 
bogens auf diese Stelle bezogen ist. 

56,6 A kommt hinzu zunachst 
B gehort zunachst 

56,19 B diejenigen dar, 
A diejenigen an, 

56.31- 57,1 A ist wertvoll; es erwacht das Interesse dafiir. 

Soli 

B ist wertvoll, es erwacht das Interesse dafiir; 
soil 



57,25 B zur Ich-Tdtigkeit 
A zur Ich-Tatigkeit 



58,3-4 B von Sinnesorganen, fur den «atherischen 
Menschen» von Lebensorganen spricht, 
A von Sinnesfahigkeiten, fur den «atheri- 
schen Menschen» von Lebensvorgangen 
spricht, 

58,22 A demjenigen Erlebnis 
B dem Erlebnis 

B zu Empfindung 
A zur Empfindung 

A in der Wirklichkeit 
B in Wirklichkeit 

61,12-22 A Man wird nun leicht erkennen, daft die 
Welt, von der hier gesagt ist, daft aus ihr 
der «astralische Leib» stammt, die gleiche 
ist, wie die im vorigen Kapitel als «astra- 
lische Welt» charakterisierte. Denn es 
miissen sich die Lebensvorgange erst in 
Lebensinstinkte umsetzen, um im «astrali- 
schen Menschen» Impulse zu sein. Lebens- 
instinkte, Bildempfindungen, Begehrun- 
gen und Bewegungsimpulse gehoren also 
dem «astralischen Menschen» an, insofern 
dieser die niedere Geisteswelt schon vor- 
aussetzt und selbst in der «astralischen 
Welt» den Ursprung hat. 

Der ganze Absatz ist Zusatz in Fassung A. 



59,10 
60,7 



62,1-2 A Erleben des «Ich» selbst durch den Men- 
schen liegt 
B Erleben des «Ich» liegt 



62,27 A 
B 



kehrt also zuriick 
kehrt also um, 



63,14 B geschehen, und erst, 
A geschehen und erst, 

63,14-15 A wenn sich das innere Erleben gewisserma- 
fien zur Wehre setzt, 
B wenn dann sich das innere Erleben zur 
Wehre setzt, 

63,22 A die es selbst von auEen 
B die es von auften 

63,25-26 B eingepragt werden, die selbst 
A eingepragt werden, das selbst 

64,2-24 A Man nehme nun weiter an, daft die Auften- 
welt mit dem, was sie in das Innere als 
Sinnesorgan geschickt hat, das Ich-Erleben 
gleichsam ganz ausfulle; dann wird das 
Innere die Eigenheit eines Aufieren in 
der Sinneswahrnehmung nacherleben, ob- 
gleich inneres Erlebnis und Aufienwelt 
einander gegeniiberstehen. Und ein Ein- 
strahlen von seiten der Aufienwelt wird 
dann als etwas sich offenbaren, was mit 
einem Inneren gleichartig ist. Das Ich wird 
Aufieres und Inneres als gleichartig erle- 
ben. So ist es beim Warmesinn. - Nun ver- 
gleiche man die Erlebnisse des Warmesin- 
nes mit dem Lebensvorgang der Warmung. 



Ein Warmeeindruck muE als etwas an- 
erkannt werden, was gleichartig ist der im 
Innern selbst erlebten und dieses Innere 
erfullenden Warme. 

Bei Geruchssinn, Geschmackssinn und 
Gesichtssinn kann von einem Einstromen 
der Auftenwelt in die Ich-Erlebnisse ge- 
sprochen werden. Durch den Warmesinn 
wird das Innenleben mit der Eigenart der 
AuEenwelt erfiillt. Eine Sinneswahrneh- 
mung von innen gibt sich kund bei Gleich- 
gewichts-, Eigenbewegungs- und Lebens- 
sinn. Durch sie erlebt das Ich seine innere 
physische Erfiillung. 
B Man nehme nun weiter an, daft die Auften- 
welt mit dem, was sie in das Innere ge- 
schickt hat, das Ich-Erleben gleichsam 
ganz ausfulle; dann wird das ganze Innere 
die Eigenheit eines Aufieren haben, ob- 
gleich es inneres Erlebnis ist. Und ein Ein- 
strahlen von seiten der Aufienwelt wird als 
etwas sich offenbaren, was mit dem Inne- 
ren gleichartig ist. Das Ich wird Aufieres 
und Inneres als gleichartig erleben. So ist 
es beim Warmesinn. Ein Warmeeindruck 
mufi als etwas anerkannt werden, was 
Gleichartigem seine Entstehung verdankt 
wie die im Innern selbst erzeugte und die- 
ses Innere erfullende Warme. (Die Anthro- 
pologic mufi dieses anerkennen, da sie die 
innere Warme durch eine innere Verbren- 



nung entstanden denken mud, wie auch die 
auEere Warme durch Verbrennung ent- 
steht.) Denkt man sich das den Leib erftil- 
lende Erzeugnis der aufteren Warmevor- 
gange, so stellt es sich dar wie eine zweite 
Art von inneren Erlebnissen; wie etwas, 
was das Ich erfiillt und im Ich selbst Ich- 
Natur annimmt. Es schiebt sich also in die 
Ich-Erlebnisse etwas ein, was wie ein zwei- 
tes Ich das erste erfiillt. Dieses zweite Ich 
ist in der Tat ein dem ersten entgegenste- 
hendes Ich-Erlebnis. Sofern sich aber das 
erste Ich nur wirklich als sich selbst fuhlt, 
mufi es dieses zweite als eine Bildemp- 
findung seiner Selbst vorstellen. Und die- 
jenige Auftenwelt, in welcher das zweite 
Ich wurzelt, ist volhg zur Innenwelt ge- 
worden. 

Wenn in Geruchssinn, Geschmackssinn 
und Gesichtssinn von einem Einstromen 
der AuEenwelt in die Ich-Erlebnisse ge- 
sprochen werden kann, so lafk sich auch 
der Fall denken, da£ jenes Stuck Aufien- 
welt, welches verinnerlicht erkannt wor- 
den ist, nicht nur so wirkt wie im Warme- 
sinn, dafi es das Innenleben erfiillt, son- 
dern auch so, da£ es liber das Maf^ dieser 
Erfiillung hinausgehe, und gewisserma£en 
die Innenerlebnisse iiberwuchere. Dann 
wiirde es als Sinneswahrnehmung von in- 
nen sich kundgeben. Dies stellt in der Tat 



das bei Gleichgewichts-, Eigenbewegungs- 
und Lebenssinn bestehende Verhaltnis dar. 
Durch sie erlebt das Ich seine innere Er- 
fullung. 

Verschiedene Korrekturen in A und B, sowie Strei- 
chung in A: «(Die Anthropologic ... zur Innenwelt 
geworden.» 

65,10 A wie im Ton. 

B wie in dem Ton. 

Zusatz in A und B. 



65,12 A gegeben. 

B der Fall 

66,14 B beim Lautsinn 

A dem Lautsinn 



66,14-15 A die Entfaltung der Sinnesfahigkeit bis 
B die Entfaltung bis 

66,27 A fur den Lautsinn 
B fur den Sprachsinn 

67,2-3 A andere Lautbedeutungen bereits angeeig- 
net hat. 

B andere bereits angeeignet hat. 

67,14-16 A Man sieht: die Ich-Empfindung, die Erleb- 
nisse des Begriffssinnes und Lautsinnes 
werden dem Ich entgegengebracht durch 
drei Organismen. 
B Man sieht, dafi die Ich-Empfindung, die 
Erlebnisse des Begriffssinnes und Laut- 



sinnes dem Ich entgegengebracht werden 
durch drei Organismen. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 



67.19 A sagen, das 
B sagen das 

67,25 A man sich nun den Menschen 
B man sich dem Menschen 

68.20 A in diesen dreien 
B in den dreien 

69,29 B von diesem 
A von ihm 

70,1 A miifite nun jenes 
B miilke nur jenes 

70,10 A Das hypothetisch angenommene 
B Das angenommene 

70,17-18 A giefit sich dann etwas aus dem Wesen des 
Aufteren selber in 
B gielk sich dann aus dem Wesen des Aufie- 

ren selber etwas in 

Verschiedene Korrektur in A und B. 

70,29 A vorhanden. Sollte 
B vorhanden; sollte 

71,5-6 B auEeren Bewegung des Ich-Menschen er- 
leben. 

A aufieren Bewegung erleben. 

71,25 A eine Tatigkeit 

B eine auftere Tatigkeit 



72,2 A eine im Innern 

B eine nach dem Innern 



72,9-10 A empfunden, 
B empfunden; 

72,18-19 B ein umgekehrtes Gleichgewichtserlebnis, 
das 

A einen umgekehrten Gleichgewichtssinn, 
der 

72,20-22 A ahnlich angesammelt und organisch gefiigt 
hat, wie der umgekehrte Lebenssinn die 
Begriffserlebnisse ansammelt und fugt. 
B ahnlich ansammelt und organisch fugt, wie 
der umgekehrte Begriffssinn die Begriffs- 
erlebnisse ansammelt und fxigt. 

72,25-73,2 A daft der Entstehung der Gehoranlage ein 
Vorgang zum Grunde liegt, der das Organ 
befahigt, das auftere Wesen bei Beriihrung 
mit dem Menschen seinem eigenen Inhalt 
nach wahrzunehmen, welcher als Ton dem 
Ich-Erleben zuflieftt, wahrend der umge- 
kehrte Gleichgewichtssinn die Tatigkeit 
darstellte, welche dem Ton zugrunde liegt 
und aus welcher die Gehoranlage sich dem 
Ton-Erleben entgegen aus dem Organis- 
mus herausgebildet hat. 
B daft der Entstehung der Gehoranlage ein 
Wesenhaftes in der Auftenwelt zum Grun- 
de liegt, das in dem Sinneserlebnis des 



Gleichgewichtssinns gegeben ist, wenn 
man sich das letztere umgewendet denkt, 
nicht nach dem Innern des Menschen emp- 
funden, sondern nach auften strahlend, das 
bei Beriihrung mit dem Menschen seinen 
eigenen Inhalt abgibt, welcher als Ton dem 
Ich-Erleben zufliefk, wahrend der um- 
gekehrte Gleichgewichtssinn die Tatigkeit 
darstellt, aus welcher die Gehoranlage sich 
bildet. 

Verschiedene Korrektur in A und B. 

73.22- 23 A eine Art Lebensvorgang 

B eine Art Ernahrungsvorgang 

73.23- 24 A diese Tatigkeit 

B die Tatigkeit 

73,25 A eine Art Ernahrung 
B eine Ernahrung 



2. Manuskript-Entwurfe 



Erhalten haben sich verschiedene Manuskript-Entwurfe zur «An- 
throposophie». Es handelt sich um Vorstufen aus dem werdenden 
Manuskript, die von ganzen Kapiteln bis zu kleinen Bruchstiicken 
reichen. Daher beginnen und enden sie manchmal mitten im Satz, 
denn an diesen Stellen wurden sie abgebrochen oder fugten sich 
in den Zusammenhang von Stellen des entstehenden Manuskripts 
ein. Die Entwiirfe sind in der ursprunglichen Schreibweise nach 
den Manuskripten gedruckt. Beziige zu Stellen der spateren 
Manuskript- und Druckfassung sind, wenn moglich, angegeben. 
Zusatze der Herausgeber stehen in [eckigen] Klammern. 



1. 

6 Seiten, wobei die zweite Seite fehlt. - Friihere, vielleicht erste 
Fassung von Kap. I, die zunachst gleich lautet wie der Anfang der 
Druckfassung, dann, von der vierten Manuskriptseite an, vgl. 
Kap. I, S. 16, Zeile 18ff, stellenweise anders gefalk ist. 

Theosophie geht davon aus, dass der Mensch vor allem 
ein geistiges Wesen ist. Und sie sucht ihn als ein solches 
zu erkennen. Wie sich der Mensch in diesen oder jenen 
Verhaltnissen auslebt, wie er sich in diesem oder jenem 
Klima, in dieser oder jener Zeit gestaltet, das ist ihr eine 
Offenbarung des geistigen Wesens. Sie sucht die ver- 
schiedenen Formen zu erkennen, in welchen sich dieses 
geistige Wesen offenbaren kann, und so vom Geiste aus 
darzustellen, was die Anthropologic durch aussere An- 
schauung zu erkennen sucht. Sie stellt die Ansicht von 
diesem geistigen Wesen nicht als eine willkiirliche Be- 
hauptung hin. Sie stiitzt sich dabei ebenso auf That- 
sachen wie die Anthropologic, wenn ihr auch ganz na~ 



turgemass diese Thatsachen von vielen Seiten bestritten 
werden. Sie spricht davon, dass des Menschen Inneres 
nicht ein abgeschlossenes, festes ist, sondern dass es ein 
entwickelungsfahiges ist. Fur sie liegen in diesem Inne- 
ren Keime, die sich entfalten konnen. Und durch diese 
Entfaltung erlebt der Mensch nicht nur innere Thatsa- 
chen. Er dringt vielmehr in eine Welt ein, die nicht weni- 
ger fur ih n eine Aussenwelt ist, wie die sinnliche eine 
solche darstellt. Die inneren Erlebnisse werden zu Ver- 
mittlern der ausseren Geisteswelt. Sie sind als solche 
nicht Selbstzweck; sie sind die Mittel, um von dem In- 
nern in die geistige Aussenwelt zu kommen, wie die 
Sinne die Mittel sind, die sinnliche Aussenwelt zur seeli- 
schen Innenwelt zu machen. Naturgemafi muss das Ver- 
haltnis des Menschen zur geistigen Aussenwelt ein an- 
dres sein als zur sinnlichen. Die Gestalt der letztern wird 
sich ihm immer in gleicher Art darbieten, wie er auch an 
sie herantritt. Was auch im Innern des Menschen vorge- 
hen mag: es kann daran nichts andern, wie eine sinnenfal- 
lige Thatsache in ihrem Verlaufe ist. Ganz anders liegt 
die Sache, wenn das Innere sich zum Beobachtungsorgan 
fur die Geisteswelt entwickeln soil. Da wird notwendig, 
dass jede personliche Willkiir erst zum Schweigen ge- 
bracht ist. Und es gehort eine ganz bestimmte Vorberei- 
tung dazu, dies zu bewirken. Sofern diese Vorbereitung 
nur annahernd den notwendigen Grad von Vollkom- 
menheit erreichen kann, wird es stets schwierig sein, 
Ubereinstimmung bei den Menschen zu erzielen iiber 
das, was sie durch Entwickelung ihres Innern in der 
geistigen Welt erleben. So leicht wie iiber sinnenfallige 
Thatsachen die Naturforscher Ubereinstimmung erzie- 



len konnen, wird sich eine solche bei den Geistesfor- 
schern nicht ergeben. Das andert aber an der Thatsache 
selbst nichts, dass der Mensch durch Entwickelung von 
Keimen, die in seinem Innern schlummern, sich Organe 
bilden kann, welche ihn in eine geistige Welt fuhren. 
Und nur, wer von dieser Thatsache nichts wissen will, 
mag Einwande gegen die Erforschung der geistigen Welt 
aus dem Umstande entnehmen, dass die Geistesforscher 
nicht mit einander ubereinstimmen. 

Die Theosophie ruht demnach auf Erlebnissen des 
menschlichen Innern. Diese konnen, wenn sie einmal 
von einer Seele aufgefunden sind, von jeder andern ver- 
standen werden, welche sich gegen das Verstandnis nicht 
verschliefk. Denn fiir alles, was in einer noch so hoch 
entwickelten Seele erlebt wird, kann es in der andern eine 
anklingende Saite geben. Dadurch wird die geistige Welt 
ebenso zu einer Sache der Mitteilung von Mensch zu 
Mensch, wie es die sinnenfallige ist. Uber eine sinnenfal- 
lige Thatsache mull Ubereinstimmung herrschen, weil 
sie sich jedem in der gleichen Art darstellt, der sie un- 
befangen beobachtet. Uber eine Thatsache der geistigen 
Welt kann die Ubereinstimmung nicht dadurch erzielt 
werden, dass man die Menschen vor die Thatsache aus- 
serlich fiihrt, und sie ihnen zeigt; doch wird sich eine 
solche Ubereinstimmung stets ergeben, wenn auf inne- 
ren Seelenwegen die Menschen sich selbst vor die ent- 
sprechenden geistigen Tatsachen hinstellen. - Diejenigen 
Menschen, welche dieses wirklich thun und denen es nur 
auf die Wahrheit ankommt, werden nicht durch die Aus- 
sagen verschiedener Geistesforscher beirrt. Sie finden die 
Widerspriiche nur zu erklarlich aus den Schwierigkeiten, 



die sich ergeben, wenn alle personliche Willkiir aus- 
geschlossen werden soli. 

Begreiflich ist es, dass der Gesichtspunct der Theo- 
sophie vielen als ein zweifelhafter erscheint. So wie er in 
der geistigen Entwickelung der Menschheit auftritt, er- 
hebt er sich iiber die Erlebnisse des unmittelbaren Da- 
seins zu Hohepuncten geistigen Forschens. Und wenn 
auch diejenigen Menschen, welche zur notwendigen 
Befriedigung im Leben die Ergebnisse der Theosophie 
brauchen, diesen ein tiefes Interesse entgegenbringen 
miissen, so wird es doch Andere geben, welche der Mei- 
nung sind, dass es dem Menschen unmoglich ist, Fahig- 
keiten fur solche Hohen zu entwickeln. Und so zweifel- 
los es auch ist, dass gerade von den Ergebnissen der 
Geistesforschung iiberall die Wege sich ergeben, um das 
unmittelbare Leben an sie zu kniipfen, so sind doch fur 
den gewissenhaften Menschen diese Wege weit. Deshalb 
ist, was Theosophie iiber den Menschen zu sagen hat, in 
vieler Beziehung scheinbar auch recht weit abliegend 
von den Ergebnissen der Anthropologic 

In dem folgenden soil nun ein dritter Gesichtspunkt 
gewahlt werden, der in der Mitte liegt zwischen Anthro- 
pologic und Theosophie. Und die sich dadurch ergeben- 
de Ansicht soil als diejenige der Anthropos op hie bezeich- 
net werden. Es sollen nicht wie in der Theosophie die 
Ergebnisse der inneren Erlebnisse unmittelbar aufgezeigt 
werden, und der aussere Mensch dann als die Offenba- 
rung der geistigen Menschenwesenheit zur Darstellung 
kommen; es soil vielmehr diese Offenbarung selbst ins 
Auge gefafk werden. Es soil der aussere Mensch, wie er 
sich in der sinnenfalligen Welt darlebt, beobachtet wer- 



den. Doch soil diese Beobachtung so geschehen, dass 
durch die Offenbarung hindurch der geistige Hinter- 
grund aufgesucht wird. Nicht wie in der Anthropologic 
soil bei der Beschreibung der Offenbarung, namlich des 
sinnenfallig Thatsachlichen, stehen geblieben werden. 
Wenn Theosophie wie auf einer Bergeshohe steht und 
von da eine Landschaft iiberblickt, Anthropologic dage- 
gen unten in der Ebene bleibt und Wald um Wald, Haus 
um Haus erforscht, wird Anthroposophie ihren Ge- 
sichtspunkt am Bergeshange wahlen, da, wo die Einzel- 
heiten noch zu unterscheiden sind, sich aber doch schon 
zu einem Ganzen zusammenschliefien. 

Nur eine Skizze einer damit charakterisierten Wissen- 
schaft soli hier gegeben werden. Daher wird fast alles nur 
in Andeutungen erscheinen. In nicht zu ferner Zeit wer- 
den zu dieser Skizze zwei andere hinzukommen, welche 
mit ihr ein Ganzes bilden. Denn in dem folgenden wird 
nur dasjenige gezeichnet werden, was sich auf das Leib- 
liche des Menschen bezieht. Und dieses soli in engerem 
Sinn Anthroposophie genannt werden. Eine zweite Skiz- 
ze fur das Seelische soil Psychosophie, eine dritte fur das 
Geistige des Menschen soli Pneumatosophie genannt 
werden. Und mit dieser werden dann, auf einem andern 
Wege, als die Theosophie selbst einschlagt, deren Ergeb- 
nisse wieder gefunden werden. 



2. 



10 Seiten. - Zu Kap, III gehorige friihere Fassung. Die Vorstufe, 
einmal durch Sernchen, einmal durch einen Abstand in drei 
Abschnitte geteilt, beginnt mit den gleichen Worten wie in Kap. 
Ill, S. 36, 2. 25f, setzt dann aber ganz anders fort. 

seinem «Ich» dabei, in welchem sich auf Grund der Sin- 
neserlebnisse die Seelenwelt aufbaut. Beim Aufbau sei- 
nes Sinnesorganismus ist er nicht mehr dabei. Doch sagt 
ihm das Nachsinnen, dass das Dasein nicht aufhoren 
kann mit dem, was er durch die Sinne wahrnimmt, weil 
er ohne dieses nicht sinnenfallige Dasein keine Sinne 
haben konnte fur die Sinneswahrnehmung. 

Es ist ganz berechtigt gegeniiber dem Menschen, der 
sich in der Sinneswelt darbietet, von einem andern zu 
sprechen, der in dieser Welt sich nicht offenbaren kann. 
Der erste steht im Wechselverhaltnis mit der sinnenfalli- 
gen Welt und entwickelt aus ihr sein Seelenleben; der 
zweite steht im Wechselverhaltnis zu einer andern Welt, 
und entwickelt aus ihr die Fahigkeken zur sinnlichen 
Wahrnehmung. Der zweite Mensch steckt gleichsam im 
ersten drinnen. Aber er bildet in demselben ein viel feste- 
res Gefiige als der erste. Das Seelenleben, wie es sich auf 
Grund der sinnlichen Wahrnehmungswelt aufbaut, of- 
fenbart sich in der ausseren Gestaltung des Menschen. 
Man betrachte ein Gesicht, das einem Menschen ange- 
hort, dem die Sonne des Lebens stets gelachelt hat, und 
unterscheide es von einem solchen, in das schwere Le- 
benssorgen bedeutungsvolle Spuren eingegraben haben. 
Man wird durch die Fortsetzung solcher Betrachtungen 
bald dazu kommen, sich Vorstellungen zu bilden, wie in 
der Physiognomie, in der Miene, in der Geste, ja wie 



selbst in der Gestalt des Menschen die Art des Seelen- 
lebens sich offenbart. Aber diese Offenbarung, die inner- 
halb gewifier Grenzen auch ein Ergebnis ist des Wech- 
selverhaltnisses zwischen dem Menschen und der sin- 
nenfalligen Aussenwelt, hat etwas unbestimmtes, etwas 
in fortwahrendem Schwanken und Werden begriffenes. 
Sie bietet kein festes Gefiige dar. Das Ergebnis dagegen, 
das in den Fahigkeiten der Sinneswahrnehmung selbst 
vorliegt, ist innerhalb weitester Grenzen ein festes, ferti- 
ges, das eine Grundlage bildet, auf welcher der Mensch 
sein bewegliches bewuikes Seelenleben erst aufbaut. 

Wie sich nun der Unterschied aufdrangt zwischen der 
Aussenwelt und dem seelischen Innenleben des Men- 
schen, so dass durch das Wechselverhaltnis der beiden 
das letztere wie eine Spiegelung der erstern erscheint, so 
drangt sich die Annahme eines ebensolchen Unterschie- 
des auf zwischen einer verborgenen Aussenwelt und 
einer Innenwelt des Menschen, die hinter derjenigen ver- 
borgen liegt, in welcher zunachst das «Ich» lebt, wenn es 
sich nur auf die sinnenfallige Welt stiitzt. Man kann un- 
terscheiden zwischen der Welt, die vor dem Menschen 
ausgebreitet liegt, wenn er eines oder mehrere seiner Sin- 
nestore geoffnet halt, und dem, was sich an diese Welt im 
Innern des Menschen durch das Wechselverhaltnis an- 
schlieftt. Es soil hier das, was in der so ausgebreiteten 
Welt liegt, mit dem Namen der «Sinnenwelt» belegt wer- 
den. Das, was ihr in der geschilderten Art im Menschen 
entgegentritt, soil der «Ich-Mensch» genannt werden. 
Man moge nur zunachst mit diesen Namen nichts an- 
deres verbinden, als das, wofiir sie hier unmittelbar ge- 
braucht werden. - Die Welt, aus welcher die Fahigkeiten 



der sinnlichen Wahrnehmung heraus gebildet werden, 
ahnlich wie die Vorstellungen z. B. aus der «Sinnenwelt», 
sei die «aetherische Welt» genannt; und dasjenige im 
Menschen, was aus dieser «aetherischen Welt» ebenso 
geboren ist, wie der «Ich-Mensch» aus der Sinnenwelt, 
sei der «astralische Mensch» genannt. Bei «aetherische 
Welt» soil nicht an den «Aether» der Physik; bei «astra- 
lischer Mensch» an nichts anderes zunachst gedacht wer- 
den, als an das, was hier charakterisiert ist. - Es liegt 
sowohl der «Sinnenwelt» in dieser Art eine «aetherische 
Welt» zu Grunde, wie dem «Ich-Menschen» ein «astra- 
lischer Mensch» zum Grunde liegt. Wie jene Welt nicht 
sinnenfallig wahrgenommen werden kann, weil sie die 
Sinne erst hervorbringen muft, so kann auch der «astra- 
lische Mensch» nicht sinnlich erlebt werden, weil [er] der 
Bildung der Sinnesfahigkeiten vorangehen mui 

•■r "i *i 

Man kann nun die Betrachtung des Menschen noch von 
einer andern Seite her in Angriff nehmen. Zunachst stellt 
sich der Mensch selbst als ein Wesen innerhalb der Sin- 
neswelt dar. Diese Darstellung unterliegt aber der Ver- 
anderung. In verschiedenen Lebensaltern sind die Eigen- 
tiimlichkeiten des Menschen verschieden. Wenn man das 
Kind als sinnenfalliges Wesen betrachtet, so kann man 
aus dem, was sich den Sinnen darbietet, keineswegs sein 
[sicher sein?, sehen?], wie seine Gestaltung sein wird im 
erwachsenen Zustande. Und dennoch mufi man voraus- 
setzen, dass die Bedingungen, die Krafte, welche aus der 
kindlichen Gestaltung die erwachsene hervorgehen las- 



sen werden, schon in dem Kinde vorhanden sind. Die 
genaue Ueberlegung zeigt auch hier, dass das Wirkliche, 
das Dasein mehr in sich birgt, als in der sinnenfalligen 
Welt wahrnehmbar ist. Die Verfolgung des Wachstums 
giebt dem Nachsinnen Gelegenheit, sich Vorstellungen 
zu machen iiber das hier Verborgene. Bis zum Zahn- 
wechsel (ungefahr im siebenten Lebensjahre) verhalt sich 
dieses Verborgene so, dass es sich vorzugsweise wirksam 
auf die Ausgestaltung des ausseren Menschen zeigt. Un- 
gefahr um diese Zeit haben die Organe des ausseren 
Leibes ihre bleibenden Formen angenommen. Von da ab 
findet zwar ein Wachsen der Leibesglieder weiter statt, 
jedoch nicht eine eigentliche Umformung der bereits 
vorher angelegten Gestaltungen. Von da ab beginnt dann 
das verborgene Innere in sich selbst zu leben und Kraften 
zuganglich zu werden, welche ihre Wirksamkeit selber 
mehr in dem verborgenen Innern entfalten. In den ersten 
Lebensjahren streben die Krafte des Inneren als Form- 
krafte mehr nach der ausseren Leiblichkeit; in den fol- 
genden Lebensjahren halten sie sich mehr im Innern 
selbst, bis sie reif werden, ihr Wesen auf ein anderes 
Wesen zu iibertragen, bis der Mensch fortpflanzungs- 
fahig wird. Man raufi in dem, was sich, nicht sinnenfallig, 
im Menschen bis zur Geschlechtsreife entwickelt, das 
sehen, was auf den Nachkommen iibertragen werden 
kann. - Hier mufi eine Uberlegung eintreten, welche fur 
die Erkenntnis der menschlichen Wesenheit wichtig ist. 
Die Bedingungen fur dasjenige, was der Mensch auf den 
physischen Nachkommen vererben kann, liegen in dem, 
was mit der Geschlechtsreife einen gewiften Abschluft 
seiner Entwickelung erlangt. Wenn von dem, was sich 



der Mensch in einer spateren Lebensepoche aneignet, 
etwas vererbt werden soil, dann mufi es sich erst den 
Kraften einverleiben, welche bei der Geschlechtsreife 
schon da sind, und kann nur auf dem Umwege durch sie 
vererbt werden. Denn mit erlangter Geschlechtsreife 
miissen selbstverstandlich alle Bedingungen, die fiir eine 
Vererbung wesentlich sind, bereits entwickelt sein. - Mit 
der Geschlechtsreife hort am Menschen dasjenige auf, 
sich zu entwickeln, was sich von Innen nach Aufien iiber- 
tragen kann, was sich in der ersten kindlichen Lebens- 
epoche als Formkrafte des eigenen Leibes offenbart, was 
nachher sich im Innern so bildet, dass der Mensch seine 
Gestaltung auf Nachkommen iibertragen kann, Wenn 
von da ab die menschliche Entwickelung weiterschreitet, 
so kann sich diese dann nur noch auf ein Inneres selbst 
beziehen. Was jetzt noch weiter seine Entwickelung fort- 
setzt, muE zunachst als inneres, als Seeleninhalt erlebt 
werden. Nun aber darf dieses nicht gleichgesetzt werden 
jenem bewufken, vom «Ich» durchleuchteten Seelenin- 
halt, welcher sich aus der sinnenfalligen Wahrnehmung 
heraus bildet. Das «Ich» hat eine gewifte innere Entwik- 
kelung nicht so in der Hand, wie es die Entwickelung des 
bewufken Seeleninhaltes in der Hand hat, Es kommt 
dem Seelenleben, das von auften durch die Sinneswahr- 
nehmung angeregt ist, ein anderes, von Innen her, entge- 
gen, welches bewirkt, dass ein jeglicher Mensch mit einer 
ganz bestimmten Seelennuance die sinnenfallige Aussen- 
welt in sich aufnimmt. Es steckt also in dem Menschen 
ein Etwas, das von Innen den Sinnesreizen entgegen- 
kommt, und welches noch nicht in das Gebiet des durch 
die Sinne angeregten Menschen selbst gehort. Man stosst 



da durch blofte Uberlegung auf einen «inneren Men- 
schen», welcher hinter dem «Ich-Menschen» sich ver- 
birgt, weil er da sein mufi, bevor der «Ich-Mensch» sein 
Leben beginnen kann. - Unschwer ist anzuerkennen, 
dass dieser «innere Mensch» derselbe ist, von dem gesagt 
worden ist, dass er mit dem in eine Wechselbeziehung 
tritt, was als verborgene Welt hinter der «Sinnenwelt» 
liegt. Denn es kann dieser «innere Mensch» nicht durch 
jene inneren Krafte angeregt sein, welche in ihrer Ent- 
wickelung mit der Geschlechtsreife ihren AbschluE fin- 
den, da er sich doch nach derselben noch fortentwickelt. 
Er kann gar nicht zu jenem Menschen gezahlt werden, 
der sich in der Formgebung des Leibes und in der Uber- 
tragung seiner Wesenheit auf Nachkommen aussert. Er 
mufi vielmehr in einer Wesenheit wurzeln, welche nichts 
zu tun hat mit den eben genannten menschlichen Kraft- 
ausserungen. Er kann aber auch nicht in derselben Art 
aus dem Innern stammen wie diese Kraftausserungen. 
Denn diese bringen es dahin, dass der Mensch das, was er 
im Innern birgt, nach Aufien offenbart. Dieser «innere 
Mensch» aber muss wirklich mit dem Aussern in ein 
Wechselverhaltnis treten, denn er bildet sich eben fort, 
wenn die inneren Formkrafte und Vererbungsbedingun- 
gen ihren Abschluft gefunden haben. Alles ist fur diesen 
«inneren Menschen» vorhanden, was die Berechtigung 
giebt, ihn als das gleiche anzusprechen, was oben mit dem 
Namen «astralischer Mensch» bezeichnet worden ist. 

Man mtisste demnach in der «aetherischen Welt» Wir- 
kungen voraussetzen, welche fur diesen «astralischen 
Menschen» etwas ahnliches bedeuten, wie die sinnen- 
falligen Eindriicke fiir den «Ich-Menschen». Aus der 



«aetherischen Welt» heraus wird der «astralische 
Mensch» so gestaltet, wie aus der «Sinnenwelt» der «Ich- 
Mensch». Es giebt somit eine hinter aller Sinnenwelt 
liegende Wechselwirkung zwischen einer «aetherischen 
Welt» und einem «astralischen Menschen». - So hat man, 
wenn wieder ein Bild gebraucht werden darf, eine sinn- 
lich unwahrnehmbare Meeresmasse, in welcher sich ab- 
spielt eine Wechselbeziehung zwischen der «aetherischen 
Welt» und dem «astralischen Menschen»; und aus dieser 
Meeresmasse hebt sich heraus wie ein Festland das 
Wechselspiel zwischen der «Sinnenwelt» und dem 
«Ich-Menschen». 

Darf nun die «aetherische Welt» blojl ausserhalb des 
Menschen gesucht werden? Offenbar nicht. Denn durch 
den Lebenssinn, den Eigenbewegungssinn, den Gleich- 
gewichtssinn nimmt der Mensch seine eigene Leiblich- 
keit wahr, wie er durch den Geruchssinn, Geschmacks- 
sinn u.s.w. die ausseren Gegenstande wahrnimmt. Es 
mufi also fiir das Untertauchen in die eigene Leiblichkeit 
dasselbe Wechselverhaltnis zwischen einer «aetherischen 
Welt» und einem «astralischen Menschen» moglich sein 
wie fiir die aussere Welt. Das ergiebt aber, dass der 
Mensch in seinem leiblichen Innern selbst etwas haben 
mu£, was gleich ist der «aetherischen Welt». Mit andern 
Worten, er mufi ein Stuck dieser aetherischen Welt als 
einen besonderen «aetherischen Menschen» in sich tra- 
gen. Es stellt sich so die menschliche Wesenheit aus drei 
Gliedern dar: dem «Ich-Menschen», dem «astralischen 
Menschen» und dem «aetherischen Menschen». 

Nun ist dieser «aetherische Mensch» dasjenige, was 
zu Grunde liegt als sinnlich-unwahrnehmbares, wenn 



der Mensch den Zustand der eigenen Leiblichkeit durch 
die drei erst genannten Sinne wahrnimmt. Es findet so- 
mit ein Wechselspiel statt zwischen dem «astralischen» 
und dem «aetherischen Menschen». Die Lebensbeobach- 
tung zeigt, dass in Mimik, Physiognomie, Geste u.s.w. 
sogar der «Ich-Mensch» sich in der ausseren Leiblichkeit 
auspragt. Wie kann er das nur? Es ist gezeigt word en, 
dass auf die Form der ausseren Leiblichkeit diejenigen 
Krafte eines «inneren Menschen» wirksam sind, welche 
mit der Geschlechtsreife ihren Entwickelungsabschlufi 
finden. Soil also der «Ich-Mensch» auf die aussere Leib- 
lichkeit wirken, so kann er das nur, wenn er es auf dem 
Umweg dieses «inneren Menschen» tut. Da es geschieht, 
so ist eine Wirkung des «Ich-Menschen» auf diesen inne- 
ren Menschen vorhanden, Dass nun die Verbindung zwi- 
schen dem «astralischen Menschen» und diesem innern 
Menschen eine viel innigere ist als zwischen ihm und 
dem «Ich-Menschen», das zeigt sich darinnen, dass die 
Art, wie der astralische Mensch sich zu der Aussenwelt 
stellt in viel starkerer Weise sich in der Leiblichkeit zum 
Ausdruck bringt als der Seeleninhalt des «Ich-Men- 
schen». Ob der Mensch mit leidenschaftlichem Anteil 
alle Tatsachen der Aussenwelt verfolgt, das sieht man der 
Leiblichkeit viel mehr an, als ob er dieses oder jenes 
durch die sinnhche Wahrnehmung erlebt hat. Daraus 
geht hervor, dafi der «astralische Mensch» auf den cha- 
rakterisierten inneren Menschen wirkt. - Da kommen 
zwei Kraftegebiete innerhalb des Menschen in einen 
Gegensatz. Der «astralische Mensch», der mit der ausse- 
ren «aetherischen Welt» in einem Wechselverhaltnis 
steht, stosst auf den charakterisierten inneren Menschen, 



welcher die Formkrafte und die Fortpflanzungsbedin- 
gungen in sich schliefit. Unschwer ist nun anzuerkennen, 
dass in diesem Zusammenstoss ein ahnhches gegeben ist, 
wie in dem Wechselverhaltnis zwischen dem «astra- 
lischen Menschen» und der «aetherischen Welt». Daraus 
aber ergiebt sich klar, dass der charakterisierte innere 
Mensch dasselbe ist wie der von andrer Seite schon gege- 
bene «aetherische Mensch». Somit ist der «aetherische 
Mensch» der Trager der leiblichen Formkrafte und der 
Fortpflanzungsbedingungen. 

Man sieht, wie sich zusammenschliefien der Mensch 
und die Aussenwelt. Zunachst stehen im Wechselver- 
haltnis die Sinnenwelt und der «Ich-Mensch». Diesem 
Wechselverhaltnis liegt ein andres zum Grunde, das 
zwischen der Aetherwelt und dem astralischen Men- 
schen. In der Aetherwelt miissen sinnlich-verborgen sein 
die Bildekrafte fur die ausseren Sinnesfahigkeiten, fur 
Geruchs-, Geschmacksinn u.s.w. Nach Innen steht der 
astralische Mensch mit einem aetherischen Menschen in 
Wechselverhaltnis, und in diesem Wechselverhaltnis er- 
geben sich die Wahrnehmungen des Lebens-, des Eigen- 
bewegungs-, des Gleichgewichtssinnes. Andrerseits aber 
lebt sich der aetherische Mensch in der Formgestaltung 
und den Fortpflanzungsbedingungen aus. 

Was nun als aufierer Leib des Menschen erscheint, in 
dem lebt somit ein Abbild des aetherischen Menschen. 
Doch nicht in einfacher Weise. Wenn man z. B. die 
Form des Ohres in Betracht zieht, so ist es auf seine Art 
gestaltet von zwei Seiten her. Das, was hinter der Ton- 
welt in der aetherischen Welt lebt, das bewirkt, dass das 
Ohr Organ des Gehorsinnes sein kann. Doch mufi die- 



ser Gestaltung von aussen eine andere von innen entge- 
genkommen, denn in der Form der leiblichen Organe 
lebt sich auch der aetherische Mensch aus. Wie dieses 
Verhaltnis ist, ergiebt sich aus der folgenden Uberle- 
gung. Die Krafte der Aetherwelt konnen nicht iiberall, 
wo sie sich verbreiten, ein Gehororgan hervorrufen. 
Wenn sie auf den Stein auftreffen, konnen sie es nicht. 
Warum nicht? Der Stein zeigt nichts in sich, was von 
derselben Art [ist], wie der charakterisierte aetherische 
Mensch. Er giebt sich nicht in gleicher Art wie der 
Mensch seine aufiere Gestalt von innen. Er pflanzt sich 
auch nicht fort. Es mufi also das Gehorbildende in der 
Aetherwelt auf den aetherischen Menschen auftreffen, 
damit das Gehororgan sich bilden kann. Das geniigt 
aber noch nicht. Die Pflanze wachst und pflanzt sich 
fort. Schreibt man dem Menschen einen Aether-Men- 
schen zu, so mufi man auch der Pflanze eine Aether- 
pflanze zuschreiben. Es fehlt bei ihr jedoch jenes Wech- 
selverhaltnis, welches fur den Menschen oben als dasje- 
nige zwischen dem Astral-Menschen und der Aether- 
welt charakterisiert worden ist. Damit Aufbau von 
Sinnesfahigkeiten eintreten kann, mufi sich also in das 
Auftreffen der Krafte der Aetherwelt auf den Aether- 
Menschen noch dieses Wechselspiel einschieben zwi- 
schen der Aetherwelt und dem Astralmenschen. 

Der aussere Mensch ist demnach in seiner Gestaltung 
ein compliciertes Wesen: so wie er sich darstellt, kann er 
nur dadurch sein, dass hinter dieser ausseren Gestaltung 
stehen: ein aetherischer, ein astralischer, ein Ich-Mensch. 
So ergiebt sich dadurch eine Viergliedrigkeit des Men- 
schen, dass man zu diesen drei Gliedern seiner Wesen- 



heit noch das vierte, die aussere Gestaltung hinzuzahlt, 
welche als der physische Mensch bezeichnet werden soli. 

Die Betrachtung der Sinne hat dazu gefiihrt, in dem 
Menschen eine viergliedrige Wesenhek zu erkennen. Wer 
jedoch die gegebene Betrachtung genau nimmt, der kann 
in ihr manches Unbefriedigende finden, das zu weiteren 
Fragen drangt. So ist darauf hingewiesen worden, wie 
das Sinnesleben ein Wechselverhaltnis zwischen einer 
Aetherwelt und dem astralischen Menschen voraussetzt. 
Diesen astralischen Menschen setzt man als das nachste 
Innere den Eindriicken der Sinne entgegen. Seine Be- 
schaffenheit driickt sich in der Nuance aus, welche die 
Sinneserlebnisse im Innern annehmen, ohne dass der Ich- 
Mensch darauf einen unmittelbaren Einfluss hat. Nun ist 
ohne weiteres einzusehen, dass die Erlebnisse des astra- 
lischen Menschen sich auf den Aethermenschen iibertra- 
gen, denn in Physiognomie, Geste u.s.w. sieht man, wie 
die Erlebnisse dieses Astralmenschen gestaltend auf den 
physischen wirken. Nur, soweit man dies hier sieht, ge- 
schieht es in einem sehr geringen Grade. Nichts spricht 
zwar dagegen, dass der Aethermensch, wenn er in dersel- 
ben Art starker angeregt wird, sich auch mit starkerer 
Kraft in der Gestaltung des physischen Menschen aus- 
sern konne. Aber das muft zugegeben werden, dass die- 
selben Krafte, welche den Aethermenschen zur Ausbil- 
dung der Geste, der Physiognomie anregen, es nicht auch 
sein konnen, welche so stark auf ihn wirken, dass er die 
Formen der Sinneswerkzeuge auspragt. Damit zeigt sich 
dasjenige, was in der Aetherwelt enthalten ist, als eine 
zweifache Wesenheit. Eine solche, welche auf den astra- 



lischen Menschen wirkt, und eine andere, welche starker 
ist, und auf den aetherischen Menschen so wirken kann, 
dass er die Formen der Sinne auspragen kann. Das zeigt, 
dass aus der Aetherwelt heraus selbst etwas wirkt, was 
dem astralischen Menschen ahnlich ist, und was im 
aetherischen Menschen die Anregung zu jenen Form- 
kraften giebt, welche die Sinne pragen. Man hat es also in 
jenem verborgenen Gebiet, in welchem man die Aether- 
welt zu suchen hat, noch mit einer andern Welt zu tun, 
welche auf den Aethermenschen wirkt, und die sich mit 
dem Astralmenschen verwandt darstellt. Es sei nun der- 
jenige Teil der Aetherwelt, welche[r] im Wechselverhalt- 
nis mit dem Astralmenschen steht, die Aetherwelt im 
engern Sinne genannt; die andre jedoch, zu welcher die 
Uberlegung gefiihrt hat, sei die astralische Welt genannt, 
wegen ihrer Verwandtschaft mit dem astralischen Men- 
schen. So kann man sagen, dass auf den Ich-Menschen 
die Sinneswelt wirkt, auf den astralischen die Aether- 
welt, auf den Aethermenschen die astralische Welt. 

Da nun so viele Sinneswerkzeuge im physischen Men- 
schen ausgestaltet werden miissen, als sich einzelne Sin- 
nesgebiete ergeben haben, so hat man in der astralischen 
Welt so viele verschiedene Kraftgebiete zu unterschei- 
den, als Sinne aufgezahlt werden konnen. Diese Kraft- 
gebiete erregen dann im Aethermenschen entsprechende 
Formkrafte, so dass im physischen Menschen die ent- 
sprechenden Sinnesorgane sich bilden. - Die damit auf- 
gezeigte allgemeine Tatsache erfahrt aber im Besonderen 
die mannigfaltigsten Abanderungen. Weil namlich die 
Sinnesgebiete von verschiedener Wesenheit sind, miissen 
sich solche Abanderungen zeigen. - Man nehme z. B. 



den Geruchssinn. Durch ihn dringt der Mensch nur we- 
nig in das Innere eines stofflichen Korpers. Es ist nur die 
Aussenseite des Stofflichen, welche sich diesem Sinne 
darbietet. Man stelle dagegen den Warmesinn. Durch ihn 
dringt der Mensch viel mehr in das Innere eines aufieren 
Korpers ein. Daraus ergiebt sich, dass das Organ des 
Geruchsinnes mit geringeren Kraften von aufien und 
starkeren von Innen aufgebaut sein raufi; das Organ des 
Warmesinnes dagegen mufi durch starkere Krafte von 
Auften, durch geringere von Innen aufgebaut sein. 
Nimmt man nun die einzelnen Sinnesgebiete durch, so 
ergiebt sich eine Stufenleiter in Bezug auf Aufbau von 
Auften und von Innen. Die drei ersten Sinne, der Lebens- 
sinn, der Eigenbewegungssinn, und der Gleichgewichts- 
sinn sind im wesentlichen von Innen aufgebaut; das heifit 
es ist an ihrem Aufbau tatig das Stuck der Aetherwelt, 
welches sich als aetherischer Mensch entwickelt. Dieser 
aetherische Mensch formt den physischen Leib so, dass 
dieser fur Wahrnehmungen der genannten Sinne geeig- 
net ist. Und er kann ihn so formen, weil er selbst dazu 
durch die Krafte der astralischen Welt angeregt ist. Man 
sieht, beim Aufbau des Menschen, insofern er sich in den 
genannten drei Sinnesgebieten offenbart, hat man es zu 
tun mit einer Wechselwirkung der astralischen Welt und 
dem Aethermenschen, welche gar nichts zu tun hat mit 
jenem Wechselspiel, das stattfindet zwischen dem Ae- 
thermenschen und dem Astralmenschen. Anders steht 
dies mit Bezug auf Geruch-, Geschmack-, Gesichts-, 
Warme- und Gehorsinn. Bei diesen mufi der Aether- 
mensch einen solchen Aufbau leisten, dass in den 
entsprechenden Sinnesgebieten ein Wechselspiel der 



Aetherwelt und des astralischen Menschen moglich ist. 
Das heiftt, es mufi aus der astralischen Welt fur jeden 
dieser Sinne eine Kraft auf den Aethermenschen wirken. 
Und aus der Wirkung dieser Krafte der astralischen Welt 
entstehen im Aethermenschen die Formkrafte, welche 
die entsprechenden Sinne ihrer Aufgabe zufuhren. Man 
kann also sagen, beim Lebenssinn, Eigenbewegungssinn 
und Gleichgewichtssinn wirkt die astralische Welt un- 
mittelbar zusammen mit dem Aethermenschen; bei Ge- 
ruch-, Geschmack-, Gesicht-, Warme- und Gehorsinn 
wirkt sie so, dass zur Bildung der Sinnesorgane auf den 
Astralmenschen Riicksicht genommen ist. - Noch an- 
ders liegt die Sache in Bezug auf Sprach- und Begriffs- 
sinn. Da ist eine viel unmittelbarere Wechselwirkung 
zwischen der Aussenwelt und dem astralischen Men- 
schen notwendig als bei den funf vorhergehenden 
Sinnen. Diese unmittelbare Wechselwirkung nahert sich 
schon derjenigen, welche zwischen dem Ich-Menschen 
und der Sinnesempfindung stattfindet, und welche sich 
in Miene und Physiognomie physisch auspragt. Deshalb 
bilden sich auch diese Sinnesgebiete erst dann aus, wenn 
der Mensch mit der Aussenwelt in Beriihrung treten 
kann, nach der Geburt; wahrend die Formkrafte fur die 
andern Sinne im wesentlichen mit der Geburt schon zur 
Welt gebracht werden. Es ist berechtigt, zu sagen: wah- 
rend die Krafte zum Aufbau von Lebens-, Eigenbewe- 
gungs- und Gleichgewichtssinn 
…[truncated]