Esoterische Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum 1924. Band II

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Rudolf Steiner

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RUDOLF STEINER GES AMTAUSGABE 



VEROFFENTLICHUNGEN ZUR GESCHICHTE 
UND AUS DEN INHALTEN DER ESOTERISCHEN SCHULE 

Esoterische Unterweisungen 
fiir die erste Klasse der Freien Hochschule 
flir Geisteswissenschaft 

Zweiter Band 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 1 



Ubersicht iiber die Klassenstunden in vier Banden 



ERSTER UND ZWEITER BAND 

Neunzehn Stunden, 
gehalten in Dornach zwischen dem 15. Februar und 2, August 1924 

Erster Band: Erste bis neunte Stunde 
Zweiter Band: Zehnte bis neunzehnte Stunde 



DRITTER BAND 

Sieben Wiederholungsstunden, 
gehalten in Dornach zwischen dem 6. und 20. September 1924 
Vier Einzelstunden, 
gehalten in Prag am 3. und 5. April, in Bern am 17. April, 
in London am 27. August 1924 



VIERTER BAND 

Tafelband mit den Wiedergaben der Original-Wandtafeln und der 
Handschriften Rudolf Steiners 



Bibliographie-Nr. 270/1 - IV 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 2 



RUDOLF STEINER 



Esoterische Unterweisungen 
fur die erste Klasse der Freien Hochschule 
fur Geisteswissenschaft 
am Goetheanum 



ZWEITER BAND 

Zehnte bis neunzehnte Stunde 
gehalten in Dornach zwischen dem 25. April 
und 2. August 1924 



1999 

RUDOLF STEINER VERLAG 
DORNACH / SCHWEIZ 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 3 



Herausgegeben von der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung 
in Zusammenarbeit mit der Freien Hochschule fur Geisteswissenschaft 
am Goetheanum, Dornach/Schweiz 
nach von Rudolf Steiner nicht durchgesehenen stenographischen Mitschriften 

sowie nach den vorliegenden handschriftlichen Unterlagen 
Die Herausgabe wurde besorgt durch Giinther Frenz und Hella Wiesberger 



1, Auflage Gesamtausgabe Dornach 1992 

2. Auflage Gesamtausgabe Dornach 1999 

Friihere Ausgabe 
Privater Manuskriptdruck Dornach 1977 



Bibliographie-Nr. 270/11 

Signet auf dem Einband von Rudolf Steiner. Schrift von Benedikt Marzahn 
Initialen im Text nach Entwiirfen von Rudolf Steiner 

Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
© 1992 by Rudolf Steiner-NachlaB Verwaltung, Dornach/Schweiz 
Printed in Germany. Satz und Druck: Kooperative Diirnau, Diirnau 
Bindearbeit: J. Spinner, Ottersweier/Baden 

ISBN 3-7274-2700-0 (Reihe) ISBN 3-7274-2702-7 (Band II) 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 4 



INH ALT 



Zu den Veroffentlichungen aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner 7 

Zehnte bis neunzehnte Stunde 

zehnte stunde, Dornach, 25. April 1924 11 

elfte stunde, Dornach, 2. Mai 1924 29 

zwolfte stunde, Dornach, 11. Mai 1924 45 

dreizehnte stunde, Dornach, 17. Mai 1924 63 

vierzehnte stunde, Dornach, 31. Mai 1924 81 

funfzehnte stunde, Dornach, 21. Juni 1924 99 

SECHZEHNTE stunde, Dornach, 28. Juni 1924 115 

siebzehnte stunde, Dornach, 5. Juli 1924 131 

achtzehnte stunde, Dornach, 12. Juli 1924 147 

neunzehnte stunde, Dornach, 2. August 1924 163 

Die Mantramtexte der zehnten bis neunzehnten Stunde 177 

Hinweise 

Hinweise zu den Texten der zehnten bis neunzehnten Stunde 193 



Hinweise zu den Mantramtexten am SchluB des vierten Bandes 

Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 5 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 6 



ZU DEN VEROFFENTLICHUNGEN 
AUS DEM VORTRAGSWERK VON RUDOLF STEINER 



Die Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners (1861-1925) gliedert sich in die drei groBen 
Abteilungen: Schriften - Vortrage - kiinstlerisches Werk (siehe die Ubersicht Seite 210/211). 

Von den in den Jahren 1900 bis 1924 sowohl offentlich wie fiir Mitglieder der Theosophischen, 
spater Anthroposophischen Gesellschaft zahlreichen frei gehaltenen Vortragen und Kursen hatte 
Rudolf Steiner urspriinglich nicht gewollt, daB sie schriftlich festgehalten wiirden, da sie von 
ihm als «miindliche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht waren. Nachdem aber 
zunehmend unvollstandige und fehlerhafte Horermitschriften angefertigt und verbreitet wurden, 
sah er sich veranlaBt, das Mitschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute er seine engste 
Mitarbeiterin und Mitbegriinderin der anthroposophischen Bewegung, Marie Steiner-von Sivers 
(1867-1948, seit 1914 Marie Steiner). Ihr oblag die Bestimmung der Stenographierenden, die 
Verwaltung der Nachschriften und die notwendige Durchsicht der Texte fiir die von den 
Mitgliedern gewiinschte Herausgabe, die von Rudolf Steiner selbst aus Zeitmangel nicht vorge- 
nommen werden konnte. 

Uber das Verhaltnis der sogenannten Mitgliedervortrage, welche zunachst nur den Mitglie- 
dern als Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu den allgemein veroffentlichten Schriften auBert 
Rudolf Steiner in seiner Autobiographic «Mein Lebensgang» (Kap. 35, 1925): 

«Wer mein eigenes inneres Ringen und Arbeiten fiir das Hinstellen der Anthroposophie vor 
das BewuBtsein der gegenwartigen Zeit verfolgen will, der muB das an Hand der allgemein 
veroffentlichten Schriften tun. In ihnen setzte ich mich auch mit alle dem auseinander, was an 
Erkenntnisstreben in der Zeit vorhanden ist. Da ist gegeben, was sich mir in <geistigem Schauen> 
immer mehr gestaltete, was zum Gebaude der Anthroposophie - allerdings in vieler Hinsicht 
in unvollkommener Art - wurde. 

Neben diese Forderung, die <Anthroposophie> aufzubauen und dabei nur dem zu dienen, 
was sich ergab, wenn man Mitteilungen aus der Geist-Welt der allgemeinen Bildungswelt von 
heute zu iibergeben hat, trat nun aber die andere, auch dem voll entgegenzukommen, was aus 
der Mitgliedschaft heraus als Seelenbediirfnis, als Geistessehnsucht sich offenbarte. (...) 

Indem interne Vortragskurse im Sinne dieser Forderung gehalten wurden, kam dazu noch 
ein anderes. Bei diesen Vortragen waren nur Mitglieder. Sie waren mit den Anfangs-Mitteilungen 
aus Anthroposophie bekannt. Man konnte zu ihnen eben so sprechen, wie zu Vorgeschrittenen 
auf dem Gebiete der Anthroposophie. Die Haltung dieser internen Vortrage war eine solche, 
wie sie eben in Schriften nicht sein konnte, die ganz fiir die Offentlichkeit bestimmt waren. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 7 



Ich durfte in internen Kreisen in einer Art iiber Dinge sprechen, die ich fiir die offentliche 
Darstellung, wenn sie fiir sie von Anfang an bestimmt gewesen waren, hatte anders gestalten 
mUssen. 

So liegt in der Zweiheit, den offentlichen und den privaten Schriften, in der Tat etwas vor, 
das aus zwei verschiedenen Untergriinden stammt. Die ganz offentlichen Schriften sind das 
Ergebnis dessen, was in mir rang und arbeitete; in den Privatdrucken ringt und arbeitet die 
Gesellschaft mit. Ich hore auf die Schwingungen im Seelenleben der Mitgliedschaft, und in 
meinem lebendigen Drinnenleben in dem, was ich da hore, entsteht die Haltung der Vortrage. 

Es ist nirgends auch nur in geringstem MaBe etwas gesagt, was nicht reinstes Ergebnis der 
sich aufbauenden Anthroposophie ware. Von irgend einer Konzession an Vorurteile oder Vor- 
empfindungen der Mitgliedschaft kann nicht die Rede sein. Wer diese Privatdrucke liest, kann 
sie im vollsten Sinne eben als das nehmen, was Anthroposophie zu sagen hat. Deshalb konnte 
ja auch ohne Bedenken, als die Anklagen nach dieser Richtung zu drangend wurden, von der 
Einrichtung abgegangen werden, diese Drucke nur im Kreise der Mitgliedschaft zu verbreiten. 
Es wird eben nur hingenommen werden miissen, daB in den von mir nicht nachgesehenen 
Vorlagen sich Fehlerhaftes findet. 

Ein Urteil iiber den Inhalt eines solchen Privatdruckes wird ja allerdings nur demjenigen 
zugestanden werden konnen, der kennt, was als Urteils-Voraussetzung angenommen wird. Und 
das ist fiir die allermeisten dieser Drucke mindestens die anthroposophische Erkenntnis des 
Menschen, des Kosmos, insofern sein Wesen in der Anthroposophie dargestellt wird, und dessen, 
was als anthroposophische Geschichte> in den Mitteilungen aus der Geist-Welt sich findet.» 



Diese Urteilsvoraussetzung muB in erhohtem MaBe geltend gemacht werden fiir die in den 
vorliegenden vier Banden veroffentlichten Mitschriften der im Jahre 1924 fiir die erste Klasse 
der Freien Hochschule fiir Geisteswissenschaft am Goetheanum gegebenen esoterischen Unter- 
weisungen. Sie bilden einen Bestandteil der Rudolf Steiner Gesamtausgabe in der Reihe «Zur 
Geschichte und aus den Inhalten der Esoterischen Schule». Die in dieser Reihe bereits erschiene- 
nen Bande sind in der Ubersicht auf Seite 209 aufgefiihrt. 

Zu der besonderen Stellung dieser Texte innerhalb der Gesamtausgabe siehe die Vorbemer- 
kungen der Herausgeber in Band I, Seite IX ff. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 8 



Zehnte bis neimzehnte Stunde 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 9 



Zur Schriftbildgestaltung 



Normaldruck = fortlaufender Vortragstext 

Gesperrt Gedrucktes = laut Stenogramm stark betont Gesprochenes 

Kursivdruck = Anschriften auf der Wandtafel 

Kleingedrucktes in 

[eckigen Klammern] = Erlauterungen oder Erganzungen durch die Herausgeber 

Zu den Vortragstexten 

Der Text folgt grundsatzlich wortwortlich den Stenogrammen. Dabei ist zu beriicksich- 
tigen, daB der Duktus der in freier Rede, ohne Manuskript, gehaltenen Stunden ganz 
und gar auf das Verstehen im Zuhdren zielte. (Siehe hierzu die Angaben in Band I, 
Seite 196ff.: «Zu dieser Ausgabe».) 

Zum Wortlaut der Mantrams 

Als verbindlich gilt der Wortlaut der Tafelanschriften. Versehen beim Anschreiben, 
oder beim Sprechen manchmal vorgekommene geringfiigige Abweichungen, sind im 
fortlaufenden Text nicht beriicksichtigt, sondern in den Hinweisen zu den Mantram- 
texten (in Band IV) nachgewiesen. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:10 



ZEHNTE STUNDE 



Dornach, 25. April 1924 

eine lieben Freunde ! Es kommt in der esoterischen Entwickelung - und 
das ist in der wirklichen Erkenntnis - alles darauf an, daB der Mensch 
den Weg finde, ein Verstandnis dafiir zu gewinnen, was es heiBt, in 
einem Weltensein zu leben, zu dem die Sinne, die ganze korperliche Organisation 
keine Vermittler sind, zu leben also mit dem Geistig-Seelischen, das des Menschen 
wahre Wesenheit ist, in einer geistig-seelischen Welt. 

Nun gibt es ja, um allmahlich dahin zu kommen, so in der Welt mit seinem 
Geistig-Seelischen zu leben, nun gibt es ja dazu eben die verschiedensten mehr 
oder weniger auf das Meditative hinauslaufenden Ubungen unserer Seele, Anstren- 
gungen unserer Seele. Und ein Bild dessen, was eine Menschenseele durchmachen 
kann auf dem Wege vom Erleben der sinnlich-wirklichen Welt, der sinnenfalligen 
Welt, zum Erleben der geistigen Welt, das soil zunachst in diesen Klassenstunden 
durch die verschiedenen Betrachtungen und die Zusammenfassung dieser Betrach- 
tungen in einzelnen Spruchen, die dann je nach Moglichkeit und Bedarf von dem 
einen und dem anderen meditiert werden konnen, gegeben werden. 

Wenn eine Zeit verflossen sein wird, so werden sich die Mitteilungen dieser 
Klassenstunden, die wirkliche Mitteilungen aus der geistigen Welt sind, wie ich 
ofter schon betont habe, sie werden sich so zusammenfugen, daB diejenigen, welche 
mitgemacht haben diese Betrachtungen - es ist das eben auch ein Karma fur 
diejenigen, die da sein konnen -, daB diejenigen, die mitgemacht haben diese 
Betrachtungen, in ihnen ein abgeschlossenes Bild der ersten Stufe esoterischer 
Entwickelung haben. 

Nun geht ja aus den verschiedensten Betrachtungen, die hier gepflogen worden 
sind, schon hervor, wie der Mensch allmahlich, dadurch daB er sich erhebt iiber 
sein Erdendasein zu einem Miterleben des Kosmos, die Gefuhle, die Empfindungen 
entwickeln kann, die ihn hinaustragen in jene Weiten der Welt, aus denen ihm 
dann entgegenkommt das Geistige. Solange der Mensch sich darauf beschranken 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:11 



will, nur in Verbindung zu treten durch seine Sinne und durch seinen Verstand 
mit demjenigen, was ihn sinnenfallig umgibt, solange ist es unmoglich, daB er 
irgendwie sich so leicht mache in seinem Seelisch-Geistigen, daB dieses Geistig- 
Seelische fur sich auffassen konne, was eigentlich der Inhalt der dem Menschen 
zuganglichen Wahrheit ist. 

Sehen Sie, meine lieben Freunde, ich habe des ofteren betont: der gesunde 
Menschenverstand kann alles dasjenige begreifen - wenn er sich nur geniigend 
anstrengt und sich saubert von Vorurteilen -, was in der Anthroposophie dargebo- 
ten wird. Aber es ist geradezu mit Bezug auf dieses Begreifen des gesunden 
Menschenverstandes schon ein Prufstein vorhanden dafiir, ob jemand durch sein 
Karma heute wirklich berufen ist, an Anthroposophie teilzunehmen, oder ob er 
es nicht ist. 

Sehen Sie, zwei Falle sind moglich. Der eine Fall ist der, daB der Mensch hort 
von dem Inhalte anthroposophischer Wahrheit, daB der Mensch diesen Inhalt 
anthroposophischer Wahrheit auf sich wirken laBt und ihn einleuchtend findet. 
Es ist eigentlich eine Selbstverstandlichkeit, daB alle diejenigen Freunde, die hier 
sitzen, zu dieser Gruppe von Menschen gehoren. Denn derjenige, der nicht zu 
dieser Gruppe von Menschen gehorte und dennoch teilnehmen wollte an einer 
Klasse als Mitglied, der wiirde eigentlich in dieser Teilnahme nicht ehrlich sein. 
Und um die Ehrlichkeit handelt es sich zunachst in allem esoterischen Leben, 
um die restlose, das ganze seelisch-geistige Wesen des Menschen durchdringende 
Ehrlichkeit. 

Nun gibt es eine andere Gruppe von Menschen, die findet heute dasjenige, was 
von Anthroposophie dargeboten wird, phantastisch, irgendwie nur dem Visionaren 
angehorig. Diese Gruppe von Menschen, die zeigt durch dieses ihr Verhalten, daB 
sie karmagemaB nicht in der Lage ist, den gesunden Menschenverstand so weit 
abzulosen von der Korperlichkeit und von den Sinnen, um eben eine sinnenfreie 
Wahrheit, eine sinnenfreie Erkenntnis zu begreifen. 

Es ist also das Gebundensein des gesunden Menschenverstandes an die Korper- 
lichkeit oder das Nichtgebundensein, was eigentlich heute eine groBe Scheidung 
zwischen den Menschen hervorbringt. Denn wenn Sie in ehrlicher Weise Ihr eigen 
nennen einen solchen gesunden Menschenverstand, der die Anthroposophie be- 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch :270b Seite: 12 



greift, dann ist dieser gesunde Menschenverstand in dem Momente, wo er die 
Anthroposophie ehrlich begreift, unabhangig von der Leiblichkeit. Und dieser 
gesunde Menschenverstand, der die Anthroposophie ehrlich begreift, der ist iiber- 
haupt der Anfang des esoterischen Strebens. Und man sollte das schatzen, daB der 
begreifende gesunde Menschenverstand der Anfang des esoterischen Strebens ist. 
Man sollte das nicht iibersehen. Dann wird man, wenn man von diesem Begreifen 
des gesunden Menschenverstandes ausgeht und sich nach den Anleitungen richtet, 
die eben in den dazu berufenen Schulen gegeben werden, dann wird man auch in 
den esoterischen Weg immer mehr und mehr hineinkommen. Man kann, je nach- 
dem man das fur sich geeignet findet, den einen oder den anderen der Spruche, 
die hier gegeben werden, auf sich anwenden. Man muB nur damit zusammenhalten 
auch die Betrachtungen, welche die ganze Stellung eines solchen Spruches zum 
inneren menschlichen Leben charakterisieren. 

Nun mochte ich heute wiederum eine der Hilfen geben, die den Menschen - 
sei es selbst nur zu einem solchen Ruck, den er selber noch gar nicht bemerkt und 
schatzt - aus dem Leibe herausbringen konnen. 

Da handelt es sich darum, daB wir mit wirklich tieferem Empfinden in unserem 
Gemiite uns gewissermaBen hinstellen einmal - es kann auch in bloBen Gedanken 
geschehen - und betrachten um uns herum die mineralische Umgebung, betrachten 
die pflanzliche Umgebung, was sonst in unserer nachsten irdischen Umgebung ist, 
und machen uns so recht bewuBt, wie eigentlich diese irdische Umgebung mit uns 
zusammenhangt, wie wir als Erdenmensch dadurch, daB wir eine physische Leib- 
lichkeit an uns tragen, mit alle dem zusammenhangen, was so an Mineralischem, 
Pflanzlichem, Tierischem und so weiter um uns herum ist. Und dann sagen wir 
uns in aller inneren Ehrlichkeit, wenn wir uns die Frage auf werfen: Wozu das 
alles? Warum nehme ich die physischen Substanzen der Erde auf, nachdem ich 
geboren worden bin? Warum schleppe ich mich durch das Erdenleben von der 
Geburt bis zum Tode, um, wenn mein Organismus nicht mehr fahig ist, die 
irdischen Stoffe in sich zu verarbeiten, mit dem Tode das physische Erdenleben 
zu beendigen? - Wir miissen unseren Zusammenhang mit unserer physischen 
Umgebung, ausgehend von einem solchen personlichen Menschenratsel, recht tief 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 13 



empfinden. Dann empfinden wir aber auch immer mehr und mehr dasjenige, 
was Ausgangspunkt eines esoterischen Lebens sein kann. Dann fiihlen wir uns 
wirklich innerhalb dessen, was wir im physischen Erdenleben tun, wie blind, wie 
im Finstern tappend. 

Und betrachten Sie schlieBlich, meine lieben Schwestern und Briider, betrachten 
Sie schlieBlich die Menschen, die mit der heute landlaufigen Erziehung, nachdem 
sie geboren worden sind, in das irdische Leben hineingestellt werden, berufen 
werden durch die rein auBeren Verhaltnisse zu dieser oder jener Arbeit im irdischen 
Leben: den Zusammenhang dieser Arbeit mit dem Ganzen des menschlichen Seins 
begreifen sie nicht. Sie wissen vielleicht nicht einmal viel mehr, als daB sie arbeiten, 
um zu essen. Sie wissen ja nicht, daB schlieBlich in der Pflanze, die sie genieBen, 
kosmische Krafte aus den Weltenweiten enthalten sind, die den Weg durch den 
menschlichen Organismus nehmen und dadurch auch in gewissem Sinne eine 
kosmische Entwickelung durchmachen. Nicht einmal diesen ersten Blick konnen 
sich viele Menschen heute wegen des Materialismus der Zeit aneignen. Aber sich 
zunachst gestehen, daB man durch die bloBe Betrachtung desjenigen, was Erden- 
verhaltnisse sind, geistig blind im Leben dasteht, in Finsternis lebt, das ist der 
Ausgangspunkt einer wirklichen esoterischen Entwickelung. 

Und dann wende man den Blick ab von demjenigen, was einen im irdischen 
Leben umgibt, und wende - entweder in Gedanken oder wenn man davon unter- 
stiitzt sein will, kann man es ja auch in der Wirklichkeit tun -, man wende den 
Blick hinauf zu dem sternenbesaten Himmel. Man schaue die Wandelsterne, man 
schaue die Fixsterne, man durchdringe sich mit der unendlichen Erhabenheit desje- 
nigen, was einem da aus dem Weltenall entgegenglanzt, und man sage sich: als 
Mensch hangt man ebenso zusammen mit dem, was da aus den Weltenweiten 
herunterglanzt, wie man zusammenhangt als Mensch mit dem, was einen in der 
physischen Umgebung umgibt. 

Da haben wir wirklich zunachst bei diesem Aufblicken nach dem sternenbesaten 
Himmel ein Gefiihl, daB wir nun nicht im Finstern leben, sondern daB wir frei 
werden von dem Leben in der Finsternis, indem wir mit unserm geistig- seelischen 
Dasein uns aufschwingen zu den Sternen, uns aufschwingen zu dem, was die Sterne 
in ihren Gruppen als Bilder darstellen. Und, sehen Sie, wenn der Mensch wirklich 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:14 



sich versenken kann in diesen Anblick des Sternenhimmels, dann wird der Sternen- 
himmel eine ganze Fiille von Imaginationen. Sie kennen alte Bilder, in denen man 
nicht bloB Sterngruppen gemalt hat, sondern in denen man die Sterngruppen 
zusammengefaBt hat symbolisch-wirklich in Tiere. Man hat nicht bloB die Gruppe 
der Sterne, die im Widder sind, die Gruppe der Sterne, die im Stier sind, als 
Gruppen aufgezeichnet, sondern man hat symbolisch das Widderbild, das Stier- 
bild und so weiter hingestellt. 

Heute denken sich die Menschen: nun ja, das ist eine Willkur gewesen bei alteren 
Erdenbewohnern, weil die Sternbilder so benannt worden sind, dann das Bild 
hinzumalen. Aber so war es ja nicht, sondern tatsachlich: in Urzeiten, die Hirten 
auf dem Felde, die nicht bloB mit dem physischen Auge hinausgeschaut haben in 
den sternenbesaten Himmel, sondern die auch in TraumesbewuBtsein oder in 
SchlafesbewuBtsein versunken sind drauBen bei ihren Herden, die wendeten mit 
geschlossenen Augen die Seele gegen den Weltenraum. Und dann sahen sie nicht 
dasjenige, was das auBere Auge als Sterngruppen sieht, sondern dann nahmen sie 
in der Tat, wenn auch etwas anders, als man es spater gemalt hat, jene Bilder, jene 
Imaginationen, die den Weltenraum erfullen, wahr. 

Und wir konnen nicht mehr zuruckkehren zu demjenigen, was in instinktivem 
Hellsehen in der eben beschriebenen Art die einfachen Hirten einmal erlebt haben. 
Aber wir konnen etwas anderes. Wir konnen mit einer viel groBeren Besonnenheit 
uns hineinversetzen - entweder in Gedanken oder in Wirklichkeit - in den Sternen- 
himmel. Wir konnen empfinden die Tiefe und zu gleicher Zeit das ungeheuer 
Majestatische, das uns da entgegenglanzt und entgegenleuchtet. Und wir kommen 
allmahlich in eine innere Verehrung hinein desjenigen, was da in den Weltenweiten 
sich ausdehnt. Und die Verehrung selber, das Inbrunstige der Verehrung, das ist 
es, was hervorrufen kann aus unserer Seele das Erlebnis, daB die auBeren Sinnesbil- 
der der Sterne verschwinden und der Sternenhimmel fur uns eine Imagination 
wird. Dann aber, wenn der Sternenhimmel fiir uns eine Imagination wird, dann 
fiihlen wir uns mitgenommen von unserem Seelenblicke. 

Sehen Sie, noch zu Platos Zeiten fiihlte man auch fiir das physische Auge etwas 
ganz Besonderes, wenn es schaute. Plato beschreibt selber das Sehen noch so, daB, 
wenn ich also hinschaue auf einen Menschen - es ist in Platos Sinn das Sehen 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 15 



beschrieben -, so geht etwas vom Auge hin, das spiirte man in alten Zeiten, stromt 
etwas vom Auge aus und umgreift den Menschen. Das Atherische stromt aus. So, 
wie - wenn ich die physische Hand ausstrecke und etwas ergreife - ich weiB, daB 
ich mit meiner physischen Hand bis zu dem Ergriffenen verbunden bin, so wuBte 
man in den Zeiten jenes alten instinktiven Hellsehens, daB etwas Atherisches vom 
Auge ausgeht und umfaBt dasjenige, was angeschaut wird. Heute glaubt man eben 
nur, das Auge ist hier, das Gesehene ist dort. Da sendet das Gesehene Ather- 
bewegungen aus, die trommeln auf das Auge, und das Getrommel, das wird 
dann von irgendeiner Seele - von der ja auch der Materialist spricht, aber er stellt 
sich darunter nichts vor -, das wird dann von irgendeiner Seele wahrgenommen. 
Aber so ist es nicht. Es ist nicht bloB eine Einwirkung von dem Gegenstande auf 
den Menschen, es ist tatsachlich auch ein Ausstromen des innerlich Atherischen 
vom Menschen. 

Und wir nehmen unseren Atherleib in seiner Weltzugehorigkeit wahr, wenn 
fur uns der sternenbesate Himmel das groBe Blatt der Welt wird, auf dem die 
imaginativen Geheimnisse des Weltendaseins eingeschrieben sind, wenn wir sie zu 
schauen vermogen. 

Und dann kommt uns die Empfindung: Wenn du auf der Erde hier bist, bist 
du in der robusten sinnlichen Wirklichkeit. Aber du bist blind, du lebst im Finstern. 
Wenn du dich mit deinem Gemiite aufschwingst, so lebst du in dem, was dir sonst 
nur aus den Weiten des Weltenalls hereinscheint. Im Scheine des weiten Weltenalls 
lebst du. Aber du nimmst zu gleicher Zeit dein eigenes atherisches Dasein hinaus 
in die weiten flutenden Strome dieses Scheins der Welt. Du gehst mit mit deinem 
atherischen Dasein. 

Und der Schein hort auf, ein Schein zu sein. Er kann ja nicht ein Nichts sein, 
wenn wir uns in ihn hineinversenken. Wir dehnen unsere innerlich erlebte Wirklich- 
keit in diesen Schein aus. Und das Erleben dessen, was ich eben beschrieben habe, 
wird zu einem Weben im Schein des Kosmos. Vorher lebten wir blind in der 
Finsternis des Erdendaseins. Nun leben wir uns hinaus, indem wir webend werden 
mit unserem atherischen Dasein in dem Scheine des Kosmos. 

Aber wenn wir diese Empfindung haben, daB wir weben in dem Scheine des 
Kosmos — ich werde also zuerst bildhaft aufzeichnen: 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:16 



[es wird gezeichnet; siehe Tafelband Seite 70:] 

das Leben blind in der Finsternis des Erdendaseins [weiBer Kreisbogen], das Hinausle- 
ben in die Weiten der Welt [gelbe Strahlen], an deren Ende die Weltenimaginationen 
von uns durch Ehrfurcht vor dem Sternenscheine empfunden werden konnen [rote 
Wellen]. 

Aber nun haben wir uns hinausgewoben, nun sind wir mit unserem atherischen 
Sein ja in diesem imaginativen Weltengewebe darinnen. Wenn wir es dahin bringen, 
in diesem imaginativen Weltengewebe darinnen zu sein, sind wir ja nicht mehr im 
physischen Leibe. Wir haben uns durch den leeren Ather hindurchgerungen bis 
zum Erleben der Weltenimaginationen. 

Sehen Sie, das ist nun gerade so, als wenn in der physischen Welt hier jemand 
etwas hinschreibt, und wir haben lesen gelernt, wir lesen es. Durch unser Hinaus- 
weben in den Kosmos - die Gotter haben in den Kosmos hineingeschrieben fur 
uns die Weltenimaginationen - kommen wir da drauBen an, sehen wir diese Welten- 
imaginationen von der anderen Seite. [Pfeile in der ersten Zeichnung.] Wir leben erst 
hier auf der Erde [zweite Zeichnung: innerer Kreis]; wir schwingen uns auf bis zu den 
Weltenimaginationen [zweite Zeichnung: auBerer Wellenkreis]; da aber lesen wir von 

auBen [zweite Zeichnung: Pfeile]. 

Ja, meine lieben Freunde, meine Schwestern und Briider, der Tierkreis spricht 
eine bedeutungsvolle Sprache, wenn man ihn nicht von der Erde aus ansieht - 
Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Lowe -, sondern wenn man ihn von auBen um- 
kreist. Und es ist eine Tat unseres BewuBtseins, ihn von auBen zu umkreisen. Da 
fangen wir an, die Weltengeheimnisse zu lesen. Und was wir lesen, das sind die 
Taten der geistigen Wesenheiten. In einem Romane lesen wir von Menschentaten. 
Wenn wir von der anderen Seite aus den Tierkreis ansehen und lesen dasjenige, 
was wir von der Erde aus gewissermaBen von hinten ansehen, wie es Moses bedeutet 
wird, daB er Gott nur immer von hinten anzusehen hat von der Erde aus - die 
Initiation besteht eben darinnen, daB von der anderen Seite angesehen wird -, da 
wird es nicht bloB ein Anstarren, da wird es ein Lesen. Und dasjenige, was man 
liest, sind die geistigen Taten der geistigen Wesenheiten, die das alles zustande 
gebracht haben. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 17 



Und wenn wir geniigend lange in dieser Stummheit lesen, wenn wir unser inneres 
Seelisches vertiefen in dieses Lesen, dann beginnen wir zu horen auf geistige Art. 
Dann sprechen die Gotter mit uns. Dann sind wir in der geistigen Welt drinnen, 
wenn die Gotter mit uns sprechen. 

Nun, sehen Sie, meine lieben Schwestern und Briider, es ist so, daB der Einge- 
weihte Ihnen erzahlen kann: Die Seele kann sich hinausweiten, webt in den Weiten 
des Kosmos, bekommt die Weltenimaginationen, schaut, von der anderen Seite 
lesend, die Geistestaten an, wird fahig, zu horen auf geistige Art die Sprache der 
Gotter, - Aber wenn man sich in das, was da der Eingeweihte erzahlt, wirklich 
vertieft, sinnig vertieft, gemutvoll vertieft, herzlich vertieft, wenn man das nicht 
bloB aufnimmt mit Gier und sagt: Nun, wenn ich's auch konnte, wiirde es mir 
gefallen; da wiirde es mich interessieren, aber so kummere ich mich nicht darum; 
sondern wenn man es aufnimmt als etwas, was einem gesagt wird, daB es moglich 
ist, wenn man anfangt, solch eine Sache als etwas zu betrachten, das man verehren 
kann, das man lieben kann, das man immer wieder und wieder durchmeditiert, 
dann ist das der Weg, selber erst hineinzukommen in das esoterische Leben. 

Und so finden Sie diesen Weg, wenn Sie sich meditierend vertiefen in die Worte: 

[Der erste Teil des Spruches wird an die Tafel geschrieben; siehe Tafelband Seite 71:] 

1 Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 

2 Ich webe in dem Schein der Sterne, 

3 Ich lese in der Geister Taten, 

4 Ich hore in der Gotter Sprache. 

Mit der notigen Empfindung das innerlich meditativ erlebt, wirkt Wunder in der 
menschlichen Seele, verwandelt die menschliche Seele. Das muB im Rhythmus 
immer wieder und wieder durch die Seele flieBen, denn es fiihrt den Menschen 
eigentlich durch sein eigenes, in ihm enthaltenes Weltwesen. 

Aber es ist notwendig, daB eine solche Sache sich recht verinnerlicht und daB 
man, nachdem dies doch mehr zu dem Kopfe spricht, auch noch mit dem Herzen 
sich beteiligt an dem ganzen Gang, den man da macht hinaus in das atherische 
Weltenall, dann in das geistige Weltenall, das heiBt auf die andere Seite des Wei- 



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tenalls. Es ist notwendig, daB man zu einem solchen Gang das Herz in seinem 
Erleben mitnimmt und rege macht in sich die Empfindungen, die durchaus naturge- 
maB sich angliedern konnen an ein solches Sichhinausversetzen. Aber man muB 
diese Empfindungen richtig rege machen. Und deshalb ist es gut, wenn man diesen 
ganzen meditativen Weg so macht; man gehe zunachst auf in einem vollstandigen 
innerlichen Schauen dessen, was da liegt in den Worten: 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 
Ich webe in dem Schein der Sterne, 
Ich lese in der Geister Taten, 
Ich hore in der Gotter Sprache. 

Dann versuche man, dies so sich vorzustellen, als ob es jemand zu einem sprache 
wie aus einer Geistestiefe heraus, als ob man's nicht dachte, sondern als ob man's 
horte, als ob es ein anderes Wesen zu einem sprache. Man stelle sich wirklich vor, 
daB ein anderes Wesen es zu einem spricht aus unbekannten Tiefen her. Dann 
versuche man, die richtigen Gefiihle ftir dasjenige, was man da hort, zu entwickeln. 
Diese richtigen Gefiihle leben in dem zweiten Teil des Spruches: 

[Der zweite Teil des Spruches wird an die Tafel geschrieben:] 

5 Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis, 

6 Trostend ist mir der Sterne Schein. 

Indem ich mir bewuBt bin, daB ich eigentlich in der Erde Finsternis wie blind 
lebe, sehne ich mich hinaus. Da wird mir zum Troster der Sterne Schein, der 
mein Wesen weitet: 

Trostend ist mir der Sterne Schein. 

Nun von der anderen Seite: 

7 Lehrend sind mir der Geister Taten, 
- wenn ich sie lese - 

8 Schaffend ist mir der Gotter Sprache. 



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Nun gebrauchen Sie das recht. Stellen Sie sich lebhaft vor dieses innere Meditati- 
ve, das Sie da durchmachen. Wie aus Geistestiefen, wie wenn es Ihnen jemand 
zusprache, so horen Sie die Zeilen des oberen Spruches, bringen jeder Zeile 
das entsprechende Gefiihl entgegen, so daB Sie in der Meditation erleben: zuerst 
anhoren, dann Empfindung entgegenbringen; anhoren, Empfindung entgegen- 
bringen und so weiter. 

[Wahrend des Sprechens der folgenden Zeilen werden an der Tafel die Zeilen 1 und 5, 2 und 6, 3 und 7, 4 
und 8 durch Bogen miteinander verbunden:] 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis. 

Ich webe in dem Schein der Sterne, 
Trostend ist mir der Sterne Schein. 

Ich lese in der Geister Taten, 
Lehrend sind mir der Geister Taten. 

Ich hore in der Gotter Sprache, 
Schaffend ist mir der Gotter Sprache. 

Eine Meditation zunachst im Zwiegesprach, eine Meditation, bei der Sie das erste 
immer verobjektivieren, das zweite aber wie ausstromend von Ihrem Herzen emp- 
finden. 

Dann aber versuchen Sie noch einmal, sich zu vergegenwartigen, wie das eine 
in dem andern wirkt und webt, und versuchen Sie dann, willensgemaB in sich zu 
erleben, was Sie durch das Zwiegesprach erleben konnen. 

[Der dritte Teil des Spruches wird in Verbindung mit dem ersten und zweiten Teil entwickelt und dabei als 
Zeile 9, 10, 11, 12 an die Tafel geschrieben:] 



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Aus Geistestiefen tont es: 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 

das Herz antwortet: 

Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis. 

Der Wille empfindet den Impuls im Zwiegesprach von Zeile 1 und 5: 

9 Der Erde Finsternis verldschet mich. 

Man erinnert sich hinterher, nachdem man das Zwiegesprach gefiihrt hat, an den 
Wechsel der Zeilen 2 und 6, das da war: 

Ich webe in dem Schein der Sterne, 
Trostend ist mir der Sterne Schein. 

10 Der Sterne Schein erwecket mich. 

Man erinnert sich nachtraglich an dasjenige, was aus Geistestiefen heraus tont, und 
die Antwort des Gemiits: 

Ich lese in der Geister Taten, 
Lehrend sind mir der Geister Taten. 

Das Wollen empfindet dabei: 

11 Der Geister Taten rufen mich 
hin in die geistige Welt. 

Und nun das Erhabenste, wo man sich fiihlt wie im Zwiegesprach mit den Gottern 
selber, wo die Gotter nicht nur lesen lassen, sondern sprechen: 

Ich hore in der Gotter Sprache, 
Schaffend ist mir der Gotter Sprache. 

12 Der Gotter Sprache zeuget mich 
bringt mich hervor, zeuget mich. 



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Nun stellen Sie sich diese ganze Meditation vor. Die ganze Meditation verlauft 
so: Zwiegesprach - Zeile fur Zeile - mit einem in dunklen Geistestiefen anwesenden 
geistigen Wesen, das immer die Zeile, die oben im Spruch steht, zu uns spricht. 
Das Herz gibt immer Antwort: 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis. 

Ich webe in dem Schein der Sterne, 
Trostend ist mir der Sterne Schein. 

Ich lese in der Geister Taten, 
Lehrend sind mir der Geister Taten. 

Ich hore in der Gotter Sprache, 
Schaffend ist mir der Gotter Sprache. 

Nun erinnere ich mich an jedes einzelne und fiige den AusfluB des Willens hinzu 
wie eine Erinnerung an das eben Abgelaufene: 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis, 
Der Erde Finsternis verloschet mich. 

Ich webe in dem Schein der Sterne, 
Trostend ist mir der Sterne Schein, 
Der Sterne Schein erwecket mich. 

Ich lese in der Geister Taten, 
Lehrend sind mir der Geister Taten, 
Der Geister Taten rufen mich. 

Ich hore in der Gotter Sprache, 
Schaffend ist mir der Gotter Sprache, 
Der Gotter Sprache zeuget mich. 



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Das ist die rechte Uberzeugung, zu der wir kommen im Zwiegesprach des Meditie- 
rens, im Erinnern des Zwiegespraches und im Bekraftigen des Erinnerten aus dem 
Willen heraus. 

Wenn wirklich erstens mit innerer andachtiger Stimmung, zweitens so, daB wir 
mit voller Seele, mit innigem Anteil dabei sind, dasjenige gemacht wird, was ich 
eben beschrieben habe, innerlich erlebt vorgestellt wird, wenn man es nicht nimmt 
wie ein mechanisches Meditieren, sondern wie ein rechtes Erleben der Seele, dann 
wirkt diese Herstellung der Beziehung zur geistigen Welt tatsachlich weekend auf 
die Seele. 

Man muB nur wirklich auch beim letzten Spruch, der ja in der Art, wie ich es 
angedeutet habe, erlebt werden soil im Erinnern an Rede und Gegenrede - Rede 
des Geistes, Gegenrede des Herzens -, man muB nur richtig empfinden, wie man 
erst das BewuBtsein, das man ja erringen will, wie ausgeloscht findet durch die 
Finsternis der Erde. Man muB sich fiihlen, wie wenn ein Moment des ausloschenden 
Schlafes iiber das BewuBtsein kame und wie wenn Erwachen da ware bei der 
zweiten Zeile, wie wenn nach dem Erwachen der Ruf der Geister zu sich hin von 
uns gehort wiirde, wie wenn man nachher fiihlte: die Geister haben uns gerufen, 
damit sie aus ihres eigenen Wesens Wort, aus dem Weltenworte heraus, uns als 
geistig-seelisches Wesen hineinstellen in die geistige Welt, in ihr uns hervorbringen, 
in ihr uns zeugen. 

Wenn diese Nuancen des inneren Erlebens ablaufen in der Seele - dazu die 
Vorstellungen da sind des geistigen Wesens, das zu uns spricht -, in der Lebendig- 
keit unseres Herzens, welche dem geistigen Wesen ihre Hingabe entgegenbringt, 
ja dann, dann sind das Regungen in unserer Seele, die diese Seele allmahlich wirklich 
auf den esoterischen Weg bringen. Und wir miissen uns ja nur klar daniber sein, 
daB, wahrend wir, so gut wir es eben konnen, solche drei Spruche in der Art, wie 
ich es eben beschrieben habe, in unserer Seele erleben, im UnterbewuBten unsere 
Seele da etwas Machtiges durchmacht. Wenn wir nur ehrlich in diesen drei Sprii- 
chen, so wie ich es beschrieben habe, leben, so macht unsere Seele das durch, 
unbewuBt, daB sie immer, wenn die erste Zeile ertont, eigentlich am Ausgangspunkt 
des Erdenlebens ist, da, wo der Atherleib erst gebildet worden ist. 



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Konnen wir recht lebhaft uns vorstellen, daB aus dem Geiste heraus tont: 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 

dann nahern wir uns - im UnbewuBten - mit diesem Anhoren im Geiste dem 
Momente, wo unser Atherleib gebildet worden ist; und aus dem vorirdischen 
Dasein, aus dem Dasein zwischen Tod und neuer Geburt heraus wirkt die Kraft, 
mit der wir ehrlich in unserem Herzen dem entgegenbringen: 

Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis; 

denn das Sehnen nach dem Geistigen haben wir ja als Erbschaft aus dem vorirdi- 
schen Dasein. 

Und wiederum ist es so, daB wir an den Anfang des Erdendaseins versetzt 
werden. Und dasjenige, was dann herzlich aus uns heraus wirkt, das ist es, wozu 
wir befeuert werden aus dem vorirdischen Dasein. 

Ich webe in dem Schein der Sterne: 

versetzen an den Anfang unseres Erdendaseins. 

Den richtigen Trost, den uns der Sterne Schein geben kann, empfinden wir, 
dadurch daB wir zuruckversetzt werden, in der Antwort unseres Herzens: 

Trostend ist mir der Sterne Schein. 

Ich lese in der Geister Taten: 

zuruckversetzen an den Erdenanfang. 

Erinnern, wie man belehrt worden ist von geistigen Wesenheiten im vorirdischen 
Dasein: 

Lehrend sind mir der Geister Taten, 

unter denen ich selber gelebt und gewoben habe, bevor ich heruntergestiegen bin 
auf die Erde. 



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Ich hore in der Gotter Sprache: 

Die haben wir gehort zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wir empfinden, 
daB das, was die Gotter sprechen, nicht bloB mitteilend ist wie das, was die 
Menschen sprechen; wir vernehmen, daB der Gotter Sprache schaffend ist: 

Schaffend ist mir der Gotter Sprache. 



Dann aber, wenn wir das so wahrnehmen konnen, dann bekommt auch Zeile 
9, 10, 11, 12 den rechten Sinn: 

Ich lebe in dem finstren Erdbereich, 
Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis, 



[Zeile 9 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 1 und 5 miteinander verbindet:] 



Der Erde Finsternis verldschet mich, 

tilgt aus mein gegenwartiges Erdenleben, weil ich zuruckgefiihrt werde, hindurch 
durch den Bereich zwischen Tod und neuer Geburt, in meine fruhere Inkarnation. 
Die erahne ich; deshalb verloscht mein BewuBtsein, denn mein BewuBtsein 
war bisher das der gegenwartigen Inkarnation. In diesem Momente des Schlafes 
werde ich zuruckversetzt, so daB ich erahnen kann: meine fruhere Erdeninkarnation 
webe ich. 

Ich webe in dem Schein der Sterne, 
Trostend ist mir der Sterne Schein, 

[Zeile 10 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 2 und 6 miteinander 
verbindet:] 

Der Sterne Schein erwecket mich. 



Ich werde zuruckversetzt, wie ich in dem, was ich in der vorigen Inkarnation war, 
wie erweckt werde. Es geht mir auf das Karma, es geht mir auf der Schicksalszusam- 
menhang, es geht mir auf von der anderen Seite: 



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Ich lese in der Geister Taten, 
Lehrend sind mir der Geister Taten, 

[Zeile 11 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 3 und 7 miteinander 
verbindet:] 

Der Geister Taten rufen mich 

zur Erfullung meines Karmas mit den Kraften, die aus meinem vorigen Erdenleben 
stammen. 

Ich hore in der Gotter Sprache, 
Schaffend ist mir der Gotter Sprache, 

[Zeile 12 wird noch einmal angeschrieben, und zwar an den Bogen, der die Zeilen 4 und 8 miteinander 
verbindet:] 

Der Gotter Sprache zeuget mich. 

Alles, was ich bin, wird mir klar, wenn mein fruheres Erdendasein das gegenwar- 
tige durchdringt und durchglanzt und durchwebt und durchbebt. Denn da bin 
ich. Erst mein jetziges Ich ist ein Werdendes, ist ein Keim, der erst seinen Sinn 
bekommen wird, wenn ich durch die Pforte des Todes durchgegangen sein werde. 
Das was mir aus dem vorigen Erdendasein in das gegenwartige hereinglanzt, herein- 
webt, hereinwirkt, das macht mich zum seienden Menschenwesen, das zeugt mich 
als seiendes Menschenwesen. 

Durchdringen wir uns damit, daB das so ist, daB wirklich - wahrend wir glauben, 
nur in der gewohnlichen Welt des physischen Erdendaseins zu sein - unsere Seele 
diesen Gang zuriick bis ins vorige Erdenleben durchmacht, dann werden wir uns 
von der Gewichtigkeit desjenigen, was wir mit einer solchen Sache erleben, bewuBt. 
Und im BewuBtsein dieser Gewichtigkeit, die wie ein warmer, leuchtender Strom 
durch unser ganzes Denken und Wollen und Fiihlen stromt, da werden wir dann 
mit jenem innerlichen Zaubergefuhle unsere Meditation durchsetzen, welches not- 
wendig ist, damit die Meditation in der richtigen Weise wirkt. Man darf es ein 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 26 



innerliches Zaubergefiihl, ein magisches Gefiihl nennen aus dem Grunde, weil es 
sich mit keinem Gefiihl, das wir sonst auf der Erde haben, vergleichen laBt, weil 
es gefiihlt ist ganz unabhangig von aller Korperlichkeit. Wenn wir auch noch nicht 
mit unserem Denken, mit unserem Vorstellen hinauskommen konnen aus dem 
physischen Leibe, dieses Zaubergefiihl, dieses magische Gefiihl, das wir aus der 
Gewichtigkeit dessen heraus, was wir seelisch tun, erleben, das steht in der reinen 
geistigen Welt da. In diesem Zaubergefiihl, in diesem magischen Gefiihl erleben 
wir rein geistig- seelisch; wir stehen in der geistig-seelischen Welt drinnen. 

In der Art, wie wir erleben, erfiillt sich uns das esoterische Streben. Und das 
ist es zunachst, was ich heute verpflichtet war, auf Ihre Seele zu legen, meine lieben 
Schwestern und Briider. 



Ich mochte nur noch am Schlusse eine Mitteilung machen. Es sollte nicht sein, 
daB, ohne daB jemand anfragt, ob er das tun diirfe, dasjenige, was hier als Spruche 
gegeben wird und auch als Mitteilungen, daB er das irgendwie weiter mitteilt. Es 
muB ein realer Zusammenhang sein. So daB tatsachlich eben nur nach Anfrage 
von dem einen zu dem andern mitgeteilt werden kann oder Gruppen mitgeteilt 
werden kann. Insbesondere aber soil es streng verpont sein, meine lieben Freunde, 
daB irgend etwas von diesen Spruchen oder auch von ihrer Interpretation per Post 
versendet werde. Per Post diirfen die Dinge nicht versendet werden, und ich bitte, 
das recht ernst und streng einzuhalten. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 27 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 



ELFTE STUNDE 



Dornach, 2. Mai 1924 

eine lieben Freunde! Sie sind ja wohl alle heute morgen erschiittert 
worden durch die Nachricht von dem Hinweggehen Miss Maryons von 
dem physischen Plane - allerdings ein Ereignis, das lange voraus gewuBt 
werden konnte und das ja erfolgte nach einem Leiden, das wirklich ein sehr 
schweres war und mehr als ein Jahr gedauert hat. 

Ich werde morgen, wenn die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft 
samtlich anwesend sind, dasjenige hier sagen, was ich iiber diesen Hinweggang 
Miss Maryons von dem physischen Plan zu sagen habe. Fur heute sei nur das 
gesagt, daB auch die erste Klasse eine wirklich ihr treu ergebene Schulerin verloren 
hat; denn unter denjenigen, die mit innigem FleiB und mit wahrer Innigkeit gehan- 
gen haben an dem, was diese erste Klasse gegeben hat, war eben Miss Maryon 
obenan. Sie hat trotz ihrer schweren Krankheit nicht nur Anteil genommen an 
demjenigen, was hier esoterisch entwickelt worden ist, sondern auch die Ubungen, 
die hier gegeben worden sind, auf sich wirken lassen und mit ihnen in einer 
auBerordentlich innigen Weise gelebt. 

Das alles beruhte bei ihr darauf, daB sie ja eigentlich schon als Esoterikerin 
zu uns gekommen ist. Sie gehorte ja einer esoterischen Schule ganz anderer 
Richtung an, bevor sie den Ubergang zur Anthroposophischen Gesellschaft 
gefunden hat, und hat aus dieser esoterischen Schule heraus in einer raschen 
Weise vollzogen die vollstandige Umwandlung in das Anthroposophische hin- 
ein. So daB gerade ihr das Esoterische das eigentlich Wesentliche war und 
sie in diesem ganz besonders intensiv gelebt hat die Jahre, in denen sie bei uns 
auf dem physischen Plan war, leben wird nunmehr, nachdem sie von dem 
physischen Plan, aber nicht, ganz gewiB nicht von der Anthroposophie wegge- 
gangen ist. 

Nur das sei heute gesagt, mehr geziemt sich ja wohl nicht, da sozusagen die 
Hingegangene eben erst den physischen Plan verlassen hat. Und ich werde dann 

n 

Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 29 




die Aufgabe haben, morgen, wenn die Mitglieder, die Freunde samtlich versammelt 
sind, dasjenige hier zu sagen, was zu sagen ist. 

* 



Meine lieben Freunde, es handelt sich darum, daB innerhalb des esoterischen 
Strebens der Mensch anschauen wenigstens muB dasjenige, was, indem es auf ihn 
wirkt, ihn die Wege geleitet, auf denen die wirkliche Erkenntnis in geistigen Dingen 
zustande kommt. GewiB, wie weit der eine oder der andere kommt in der Verfol- 
gung dieses Weges, das hangt ja von seinem Karma ab, das hangt davon ab, welche 
Bedingungen er aus fruheren Erdenleben mitbringt. 

Aber nicht allein davon, sondern - wie ja auch aus exoterischen Vortragen, die 
hier gehalten worden sind, hervorgeht - es hangt auch davon ab, welche Leiblichkeit 
und welche Weltensituation der Mensch in diesem Erdenleben schicksalsgemaB 
vorfindet. Da sind mancherlei alte karmische Reste abzutragen, die da hindern, 
alles dasjenige zu verfolgen und zu erreichen, was durchaus in der Anlage aber 
vorhanden sein kann. Und so kann manches, was vielleicht ohne diese karmischen 
Reste in kurzer Zeit erreicht werden konnte, nur in einer langen Zeit erreicht 
werden. 

Niemals sollen wir, meine lieben Schwestern und Briider, irgendwie verzagen, 
irgendwie die Geduld oder Energie verlieren, sondern unseren Weg gehen. Wenn 
die rechte Zeit herangekommen ist, werden wir finden, ja wir werden finden 
dasjenige, was uns vorgezeichnet ist. Denn jedem Menschen ist einmal sein Lebens- 
weg - trotz aller, ja vielleicht sogar wegen aller Freiheit - ftir gewisse Linien des 
Lebens durchaus vorgezeichnet. Jeder Mensch ist zu seiner Weltenaufgabe aufgeru- 
fen und wird sie dann vollenden, wenn er den guten Willen dazu hat. 

Hier in dieser Hochschule ftir Geisteswissenschaft soil wirklich alles dasjenige 
wieder aufleben, aufleben in der rechten Form unserer Zeit und der kunftigen 
Zeit, was in den Mysterien gelebt hat, damals, als diese Mysterien in ihrer besonde- 
ren Bliite waren. Auf die Bliitezeit der Mysterien - die eigentlich schon vergangen 
war, als sich das groBte Mysterium, aber ich mochte sagen, auch am meisten verhullt 



Copyright Rudolf Steiner Nachiass-Verwaltung Buch: 270b Seite:3 



vor die Weltgeschichte hinstellte: das Mysterium von Golgatha -, auf die Bliitezeit 
der Mysterien, die da schon voriiber war, folgte dann die Zeit, in der die Mysterien 
in der geistigen Entwickelungsgeschichte der Menschheit zuruckgegangen waren, 
in der die Menschen, gerade weil die Mysterien zuruckgegangen waren, immer 
mehr und mehr aufgenommen werden konnten in diejenige Stromung des Welten- 
ganges, der ihnen die Freiheit gibt. Aber nunmehr ist eben doch die Zeit gekommen, 
innerhalb welcher die Mysterien in der Form, in der sie nunmehr sein miissen, 
wiederum im vollsten Sinne des Wortes aufzuleben haben. Und man wird einmal, 
wenn iiber diese Dinge in der Welt in der richtigen Weise wird gedacht werden, 
die Aufgabe des Goetheanums wiirdigen, indem man erkennen wird, daB es diesem 
Goetheanum oblag, die Mysterien zu erneuern. Und nur, meine lieben Schwestern 
und Briider, wenn wir uns durchdringen mit dem Willen, diese Schule so aufzufas- 
sen, daB sie durch uns eine Erneuerung der Mysterien darstellen soil, stehen wir 
in der richtigen Weise in diesen Mysterien drinnen und auch in der Schule drinnen. 

Gerade wenn Ihr Euch erinnert an dasjenige, was in der letzten Klassenstunde 
hier vorgebracht worden ist, so kann das eben Gesagte recht lebendig in Eurem 
Gemiite werden. Denn da ist bereits der Ubergang gemacht worden dazu, die 
Meditation wirklich unmittelbar in das Erleben des Menschen so hineinzustellen, 
daB der Mensch sich in der Meditation loslost von den engen Grenzen seiner 
Personlichkeit. 

Wir haben ja in dem dreistrophigen Aufbau der letzten Meditation gesehen, wie 
der Mensch sich hineinstellt in den Weltengang so, daB er innerhalb der Meditation 
sich gegenuberstellt demjenigen nicht nur, was aus seiner Seele tont, sondern dem, 
was zu dieser Seele tont, was in einer gewissen Weise sich eingliedert in eine 
allgemeine Weltensprache, in ein allgemeines Weltenwort. Nur so, wenn allmahlich 
eine Loslosung des Menschen von seiner Personlichkeit zustande kommt, wenn 
der Mensch sich hineinfindet, zu meditieren in einer immer objektiveren und 
objektiveren Weise, dann wird er auch jenen intimen, subtilen Gang gehen konnen, 
der der wahre Gang der menschlichen Erkenntnis ist. Aber dazu miissen in der 
verschiedensten Art die gerade auf den Menschen anwendbaren Wahrheiten im 
Menschen auch gegenstandlich werden. 

Ihr kennt ja alle, meine lieben Schwestern und Briider, dasjenige, was dargestellt 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 31 



worden ist ofter als die dreigliedrige Menschennatur: Nerven-Sinnes-Mensch, 
hauptsachlich reprasentiert durch das menschliche Haupt; rhythmischer Mensch, 
hauptsachlich reprasentiert durch die Brust, in der die Atmungs- und Zirkulations- 
organe konzentriert sind. Alle diese Organe sind iiberall im Organismus, aber sie 
sind eben an einzelnen Stellen starker vorhanden als an anderen. Und dann haben 
wir die GliedmaBen-Stoffwechsel-Organisation, nach unten und nach auBen hin 
zentralisiert, lokalisiert. 

Dasjenige, was so erkannt werden kann, so daB das Erkennen bis zu einem 
gewissen Grade theoretisch bleibt, das kann aber durchaus meditativ gegenstandlich 
werden. Und wenn es meditativ gegenstandlich wird, dann geht es in das Esoterische 
hinein. Deshalb miissen wir schon recht intensiv und recht intim meditativ uns 
diesen dreigliedrigen Menschen vor Augen stellen. 

Da haben wir die Kopfes-Organisation, eine wirkliche Nachbildung des ganzen 
Kosmos. Da haben wir die Brust-Organisation, die rhythmische Organisation, die 
nicht so unmittelbar zeigt in ihrer Form das Bild des Kosmos. Und am wenigsten 
zeigt das Bild des Kosmos die GliedmaBen-Stoffwechsel-Organisation. Aber wie 
der Mensch in jeder dieser Organisationen sich in den Kosmos hineinstellt, dessen 
muB er sich intim bewuBt werden. Er muB sich klar werden daniber, was eigentlich 
in seinem Kopfe, in seinem Haupte wirkt und west. Wir spiiren es ja unmittelbar: 
Wenn wir denken, ist unser Haupt in Tatigkeit. Wir spiiren es, dann wenn das 
Haupt leidend ist, wie die Denktatigkeit ausgeschaltet wird. Wir spiiren in normalen 
und in unnormalen Verhaltnissen die Zusammengehorigkeit des Hauptes mit der 
klarsten, mit der hellsten menschlichen Erdentatigkeit. Es ist damit nicht gesagt, 
daB das Haupt auch der Trager der hellsten menschlichen Erdentatigkeit wirklich 
ist, aber was wir spiiren, nimmt sich so aus. 

Was aber liegt denn da eigentlich vor? Wann nur betrachten wir uns selbst in 
unserem Haupte in der rechten Art? Nur dann, meine lieben Schwestern und 
Briider, wenn wir uns bewuBt werden: Dieses menschliche Haupt ware nicht da, 
wenn nicht iiber uns sich wolbte der Sternenhimmel - was dazu die Astronomie 
sagt, das wollen wir uns augenblicklich nicht anfechten lassen; wir wollen dasjenige, 
was sich zunachst dem Augenscheine nach darbietet, nehmen -, der Sternenhimmel, 
der erhabene Sternenhimmel. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 32 



In den letzten Stunden ist schon viel davon gesprochen worden. Die Sterne 
stehen oben; ihre Glanzesstrahlen kommen uns entgegen, wenn wir zu ihnen 
aufschauen. Aber sie kommen uns nicht nur entgegen, wir nehmen sie auf. Und 
dasjenige, was wir von den Glanzesstrahlen der Sterne in unserem Haupte aufneh- 
men, das verschlieBen wir in diesem Haupte. Und aus dem sprieBt und sproBt 
dasjenige, was unsere menschlichste Tatigkeit auf Erden ist: unser Denken. Und 
so miissen wir uns vorstellen: Da drauBen sind die Sterne; unser Haupt nimmt 
auf die Wirkung des Strahlenglanzes der Sterne. Das schaut da drauBen so aus, als 
ob die Sterne ihre Strahlen heruntersendeten. Das Haupt nimmt auf diese Strahlen; 
dann ist dasjenige, was aufgenommen ist, drinnen in unserem Haupte. Da nimmt 
es sich ganz anders aus als da drauBen, aber es ist dasselbe, sozusagen im zusammen- 
gerollten Zustande: der ganze Sternenhimmel in unserem Haupte. 

Aber nur der Sternenhimmel? Nein, nicht nur der Sternenhimmel. Denn, was 
sind die Sterne? Was ist alles dasjenige, was uns in einzelnen ruhenden Sternen 
im Weltenraume entgegenstrahlt? Das ist die Wohnung der Gotter. Das sind die 
Statten, wo die Gotter wohnen. Da wurden die Gotter gesucht in all den Zeiten, 
in denen ein instinktives Hellsehen wuBte, wo die Gotter wohnen, welche Wohn- 
statten der Gotter wiirdig seien. 

In den Zeiten, in denen es ein solches Hellsehen gab, schaute man nicht hinauf 
etwa zu brennenden Punkten im Kosmos, sondern man schaute hinauf zu den Got- 
terwohnungen. Und man hatte damit eine wahrere Vorstellung von dem, was im 
weiten Weltenraume ist, als heute, wo man mit Astronomie hinaufschaut und die 
Lichtpunkte ihrem Orte nach und ihrer Winkelstellung nach zueinander berechnet. 

Aber indem der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, spricht er, wirkt er dasjeni- 
ge, was ihn zusammenfaBt, sein Ich, durch alle drei Glieder seines Wesens: durch 
das Nerven-Sinnes-System, durch das Haupt; durch das rhythmische System, durch 
die Brust; durch das Stoffwechsel-GliedmaBen- System. Nur wird das zusammenge- 
faBt dadurch, daB der physische Leib eine Einheit ist. Aber der Mensch sendet 
eigentlich sein Ich immer in die drei einzelnen Glieder, und wir werden heute 
unterscheiden lernen, wie er dieses Ich in die einzelnen Glieder sendet. 

Der Mensch spricht das Ich durch seine Gedanken zunachst in seinen Kopf 
hinein aus dem Innersten seines Wesens. Wahrhaftig, es ist so [es wird gezeichnet; siehe 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 33 



Tafelband Seite 78]: Dasjenige, was sich drauBen als Glanzelement der Sterne entfaltet 

[blauer Bogen, gelbe Sterne], es wirkt im Menschenhaupte [gelber Bogen und Strahlen von den 

Sternen]; es ist da auch drinnen [rote Punkte]. Der Mensch spricht aus dem Zentrum 
seines Wesens sein Ich in diesen zusammengerollten Weltenraum, der das Innere 
seines Hauptes ist, hinein [Pfeil mit dem Wort «lch», gelb]. Und er soil sich bewuBt 
werden: Wenn er sein Ich in dasjenige seines Menschenwesens hineinspricht, das 
ein Abbild ist der Gotterwohnungen, dann wirken in ihm die Gotter, die die 
Gotterwohnungen bewohnen, selber. Dann meditieren wir richtig, wenn wir uns 
bewuBt werden: Wenn wir «Ich» durch die Kraft unseres Hauptes sagen, sprechen 
in uns die Gotter des Weltenraumes und der Weltenzeit. 

Und das ist keine Lehre, die uns auf Erden gegeben wird; das ist eine Lehre, 
meine lieben Schwestern und Briider, die uns gegeben wird von den Wesenheiten 
der hoheren Hierarchien selber, von den Wesenheiten zunachst, die mit uns Erden- 
menschen sind: von den Wesenheiten Angeloi, im Hintergrunde die dirigierenden 
Archangeloi. Dieses Glied der Menschennatur, das da in solcher Beziehung ist zu 
den Wohnstatten der Gotter, die in den strahlenden Sternen sind, das da aus den 
Gotterwesen selber heraus spricht, dieses Ich, es soil sich iiber seine Wesenheit 
belehren lassen von den Wesenheiten, die wir als Angeloi immer in unserer Hierar- 
chienbezeichnung angesprochen haben. 

Da vollenden wir eine Meditation in der richtigen Weise, wenn wir sie so 
vollenden: Wir schauen hinauf, lassen uns beeindrucken von dem Glanz der Sterne, 
haben in unserem Sinne, als ob der Weltenraum selber uns entgegentonte Worte. 
Und diese Worte sollen sein: 

Welten-Sternen-Statten, 
Gotter-Heimat-Orte ! 

Das tont es im Umkreise. So stellen wir uns vor, wir horen aus den Weltenweiten: 

Welten-Sternen-Statten, 
Gotter-Heimat-Orte ! 

Fur uns wird das zum Echo in uns: Wir behandeln es so wie einen Ausruf, aber 
einen Ausruf, der in uns erregt wird, weil alle Himmel in diesen Worten ertonen. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 34 



So meditieren wir. Und dann werden wir uns bewuBt dessen, was wir selber aus 
dem Intimsten unserer Seele dazu zu sagen haben, wo wir aus der Seele still heraus 
antworten auf den Welten-Posaunenklang: 

Spricht in Haupteshohe 
Menschen-Geistes-Strahlung 
Das «Ich bin»: 

Das sagen wir. Nun antwortet der Engel, der zu uns gehort, in unserer meditativen 
Vorstellung, dann, wenn das Ich so spricht, wenn das Ich spricht «Ich bin»: 

So lebet Ihr 

- die Gotter - 

im Erdenleibe 
Als Menschen-Wesenheit. 

Das ist der Sinn dieser Meditation. Wir horen es wie einen die Welt umspannen- 
den Posaunenklang von alien Seiten hereintonen: 

Welten-Sternen-Statten, 
Gotter-Heimat-Orte ! 

Wir antworten still betend intim aus uns: 

Spricht in Haupteshohe 
Menschen-Geistes-Strahlung 
Das «Ich bin»: 

Der Engel antwortet, hinaufschauend zu dem Ausgange des Posaunenklanges: 

So lebet Ihr im Erdenleibe 
Als Menschen-Wesenheit. 

Und wir nehmen diese letzten zwei Zeilen, die der Engel spricht, in unserer 
meditativen Vorstellung als Belehrung auf. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 35 



[Nun wird diese erste Strophe an die Tafel geschrieben; siehe Tafelband Seite 79:] 



Welten-Sternen-Statten, 
Gotter-Heimat-Orte ! 

Spricht in Haupteshdhe 

Menschen-Geistes-Strahlung 

- die zusammengerollte Sternenstrahlung, die Menschenstrahlung - 

Das «Ich bin»: 

Der geistige Lehrer Angelos: 

So lebet Ihr 

- die Welten-Sternen-Statten, die Gotter-Heimat-Orte! - 

im Erdenleihe 
Als Menschen-Wesenheit. 

Das ist das erste Zwiegesprach mit dem Kosmos und mit der dritten Hierarchic 
So aufgefaBt ist es eine ungeheuer tief in menschlichen Geist, menschliche Seele, 
Menschenleib eingreifende Meditation. 

Und wir gehen weiter, zu der rhythmischen Organisation des Menschen. Wir 
denken an Lunge und Herz, an dieses wunderbare Pulsieren, an diesen Rhythmus 
des Atmens, der durch seine eigene Wesenheit verrat, wie er ein Ausdruck ist der 
tiefsten WeltgesetzmaBigkeit, spiiren in uns die Bewegung. Versenken wir uns 
meditativ in unser Haupt: wir verspiiren die Ruhe. Versenken wir uns meditativ 
in unsere Brust: wir verspiiren die Bewegung. Und diese Bewegung, sie ist ein 
Abbild von dem Gang der Wandelsterne, von der Bewegung der Wandelsterne, 
von der Bewegung von Mond, Sonne, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn. Aber 
ein Reprasentant dieser Bewegung ist die Sonne. Sie steht uns ja auch am nachsten. 
Sie wandelt einmal jeden Tag um unsere Erde herum, scheinbar. Sie kann als 
Reprasentant dastehen. Aber geradeso wie wir die Welten-Sternen-Statten, die 
Gotter-Heimat-Orte in uns tragen, in uns zusammenrollen, so die Bewegungen 



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des ganzen Planetensystems - reprasentiert durch die Sonne - in unserer Atmung, 
in unserer Blutzirkulation, in alle dem, was in unserem Organismus Bewegung ist. 

Daher miissen wir uns vorstellen, daB so, wie erst die Herrlichkeit der Gotter- 
Wohnstatten uns verkiindet worden ist im Posaunenklang von alien Seiten der 
Welt, daB nun uns durchzieht, durch unseren Korper wie melodisches Erklingen 
zieht dasjenige, was uns die Bewegungen der Wandelsterne, reprasentiert durch 
die Sonne, zu sagen haben: 

Welten-Sonnen-Kreise, 
Geister- Wirkens- Wege ! 

Das ist das zweite: still im Verhaltnis zu dem lauten Posaunenklang der Weltum- 
gebung. 

Welten-Sternen-Statten, 
Gotter-Heimat-Orte ! 

So tont es majestatisch von alien Seiten. Das miissen wir meditieren. Aber wie 
begliickend unser Inneres durchziehend tont es, nachfolgend dem Gang der Sonne 
und dem Gang der anderen Wandelsterne, in unserer Atmung, in unserer Blutzirku- 
lation: 

Welten-Sonnen-Kreise, 
Geister- Wirkens- Wege ! 

Jetzt wieder sagen wir uns intim, wenn wir als Veranlassung nehmen, was da 
melodisch aus dem Sternenkreisen in unseren eigenen Leib hineintont, jetzt sagen 
wir intim aus uns heraus: 

Tont in Herzensmitte 
Menschen-Seelen-Weben 
Das «Ich lebe»: 

Nun antwortet der Angelos, indem er zu den in den Wandelsternenwegen wandeln- 
den Gottern spricht: 

So schreitet Ihr im Erdenwandel 
Als Menschen-Schopferkraft. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 37 



Wie die Menschen-Wesenheit selber auf der Erde lebt dadurch, daB dasjenige 
in sie einstrahlt, was aus den Gotterwohnungen kommt, so lebt die Menschen- 
Schopferkraft im Wandel des Menschen auf der Erde dadurch, daB die Wirkens- 
stromung der Gotter in den Bewegungen der Wandelsterne lebt, aber aufgenommen 
wird von dem ganzen rhythmischen System des Menschen. Und so haben wir 
wiederum den dreigliedrigen Spruch: objektives Raunen durch unseren Leib im 
Sinne des Wandels der Wandelsterne; unsere eigene intime innere Aussage; die 
Antwort des Angelos: 

Welten-Sonnen-Kreise, 
Geister-Wirkens- Wege ! 
Tont in Herzensmitte 
Menschen- Seelen-Weben 
Das «Ich lebe»: 
So schreitet Ihr im Erdenwandel 
Als Menschen-Schopferkraft. 

[Nun wird diese zweite Strophe an die Tafel geschrieben;] 

Welten-Sonnen-Kreise, 
Geister- Wirk ens- Wege ! 
Tont in Herzensmitte 

- oben «spricht», hier «tont»; oben «Hauptesh6he», hier «Herzensmitte» - [«spricht», 

«tont», «-hohe», «-mitte» werden unterstrichen] 

Menschen-Seelen- Weben 
Das «Ich lebe»: 

— oben «Ich bin»; hier «Ich lebe» — [«bin» und «lebe» werden unterstrichen] 

So schreitet Ihr im Erdenwandel 
Als Menschen-Schopferkraft. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 38 



Dreiteilig muB jeder dieser Spriiche empfunden werden. Beteiligt miissen wir 
denken am Zustandekommen des Spruches: das objektive Erklingen; unsere eigene 
intime Aussage wie das Echo in uns; die Sprache des Angelos. Dann wirkt es recht 
in uns. 

Dann aber, wenn wir gehen zum dritten Gliede des Menschen, zu demjenigen, 
was in Armen und Beinen lebt und sich nach innen im Stoffwechsel fortsetzt, dann 
horen wir nicht die Weltenweiten im Posaunenklange, dann horen wir nicht das 
Melos der Wandelsterne, dann horen wir das dumpfe Rollen des Weltengrundes 
selber. Und das dumpfe Rollen des Weltengrundes selber, das ist es, was in demjeni- 
gen lebt, was uns zum eigentlichen Erdenmenschen macht. Unbeteiligt an unserem 
Geistesmenschen sind die GliedmaBen. Sie sind ganz nach den Erdenkraften gestal- 
tet, die Arme und Hande nur mitgestaltet nach den Luftkraften, aber alles nach 
den Erdenkraften gestaltet, gestaltet nach den Kraften, die aus dem Weltengrunde 
von unten herauf den Menschen durchstromen. Dessen miissen wir uns bewuBt 
werden. So wie wir in der ersten Strophe horen majestatisch erklingen aus dem 
Weitenumfange die Sprache des Kosmos selber, wie wir die Sprache des Umkreises 
vernehmen in der zweiten Strophe, so vernehmen wir die grollende, raunende 
Sprache des Weltengrundes aus den Erdentiefen in der dritten Strophe: 

Welten-Grundes-Machte, 
Schopf er-Liebes-Glanzen ! 

Es ist ein Glanzen nicht von Licht, es ist ein Glanzen von Liebe. Denn in denjenigen 
Orten, wo dasjenige, was sonst im Umfange ist, sich im Mittelpunkte sammelt, 
liegen auch die Ursprunge der Liebesmachte. Dadurch konnen wir nicht im Echo 
antworten «spricht» und nicht «tont», da miissen wir antworten mit der Tat, mit 
dem, was aus dem Willen flieBt. Da miissen wir nicht «sprechen», nicht «tonen», 
da miissen wir «schaffen». Deshalb antworten wir aus unserem Inneren, Wille in 
unsere Worte gieBend: 

Schafft in Leibesgliedern 
Menschen-Wirkens-Stromung 
Das «Ich will»: 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 39 



Nun antwortet der Engel, indem er seine Augen hinuntersenkt zu dem, was herauf- 
grollt aus dem Weltengrunde - «grollen» nicht im antipathischen Sinne gemeint, 
sondern nur in der Dumpfheit des Tonens -, es antwortet dann den Machten, die 
in Weltengrundestiefen waltend tonen: 

So strebet Ihr im Erdenwerke 
Als Menschen-Sinnes-Taten. 

Wieder der Spruch dreigliedrig: 

Welten-Grundes-Machte, 
Schopfer-Liebes-Glanzen ! 

Schafft in Leibesgliedern 
Menschen-Wirkens-Stromung 
Das «Ich will»: 
So strebt Ihr im Erdenwerke 
Als Menschen-Sinnes-Taten. 

[Nun wird diese dritte Strophe an die Tafel geschrieben:] 

Welten- Grundes-Machte, 
Schopfer-Liebes- Gldnzen! 
Schafft 

- «Spricht», «T6nt», «Schafft» - [«Schafft» wird unterstrichen] 

in Leihesgliedern 

- «H6he», «Mitte», «Glieder», dasjenige, was aus der Mitte nach auswarts 

Strebt - [«-gliedern» wird unterstrichen] 

Menschen-Wirkens-Stromung 
Das «Ich will»: 

- «Ich bin», «lebe», «will» - [«will» wird unterstrichen] 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:40 



So strebet Ihr im Erdenwerke 

- «Erdenleibe», «Erdenwandel», «Erdenwerke» - [diese drei Worte werden unterstrichen] 

Als Menschen-Sinnes-Taten. 

- «Wesenheit», «Sch6pferkraft», «Sinnestaten», das heiBt: sinnlich zu sehende 

Taten — [die drei Worte «Wesenheit», «Schopferkraft», «Sinnes-Taten» werden unterstrichen]. 

Das wahre Meditieren, das wahre Uben der Seele, das liegt nicht im theoretischen, 
intellektuellen Inhalte eines Meditationsspruches, es liegt in dem mantrischen Cha- 
rakter. Der mantrische Charakter wird dadurch gegeben, daB der Sinn sich auflost 
in Situation und Geschehen, daB der Mensch sich loslost von dem theoretischen, 
von dem intellektuellen Inhalt, herausgeht aus sich, daB er nicht bloB irgend etwas 
in seinen Gedanken hat, sondern die Vorstellung hat: daB der Himmel, daB der 
Umkreis, daB die Erdentiefen tonen; daB er auf dieses Tonen antwortet aus seinem 
eigenen intimen Inneren; daB der Engel lehrend interpretiert. 

Sich richtig hineinversetzen in ein solches ideelles Geschehen, die Meditation 
zu etwas machen, was man nicht bloB denkt, fiihlt oder will, sondern was einen 
umwebt und umschwebt und umschwirrt und umstromt und umstrahlt und was 
aus dem Umschwirren und Umschweben und Umstromen und Umstrahlen wieder- 
um zuriicktritt in das Leben des Herzens und im Herzen stromend, webend, 
strebend, strahlend vibriert, so daB wir uns fiihlen hineinverwoben in das Weben 
und Leben der Welt, daB unser Meditieren ist etwas, was fur unsere Empfindung 
nicht bloB in uns lebt, sondern was lebt in uns und in der Welt, ausloscht die 
Welt, ausloscht uns, eins macht im Ausloschen uns und die Welt, daB wir ebensogut 
sagen konnen: «Es spricht die Welt», wie wir sagen: «Wir sprechen in uns». Das 
erweitert allmahlich den Charakter des Meditierens. 

Das Meditieren so geiibt, gibt allmahlich dem Menschen die Moglichkeit - mit 
der im Innern erlebten Auflosung desjenigen, als das ihm sein gewohnliches Selbst 
immer erscheint -, Geist zu werden fur seine eigene Auffassung. 

Damit aber, daB wir eintreten in solche Erkenntniswege, daB wir ehrlich uns 
nahern solchen Erkenntniswegen, daB wir wissen lernen: wir sind im Meditieren 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 41 



nicht allein in der Welt, sondern wir sind im Zwiegesprach mit der geistigen Welt, 
dadurch nahern wir uns immer mehr und mehr dem, was eine Erneuerung des 
Mysterienwesens ist. Denn gewiB, auBere Tempel standen da, standen da vielleicht 
gerade an denjenigen Lokalitaten der Erde, von denen man heute sagt, daB sie in 
den unzivilisiertesten Gegenden sind. AuBere Tempel standen da, und die fruheren 
Menschen brauchten auBere Tempel. Aber diese auBeren Tempel waren ja nicht 
die einzigen, sie waren ja nicht die wichtigsten; denn die wichtigsten, die wesentlich- 
sten Tempel haben nicht Ort, haben nicht Zeit. Aber man kommt doch nur mit 
Uberwindung von sechzig Meilen zu ihnen. Man kommt zu ihnen, wenn man in 
der Weise seine Seele iibt, wie es hier und wie es zu alien Zeiten in den Mysterien 
angedeutet worden ist. 

Darum werden wir uns klar daniber, meine lieben Schwestern und Briider: 
leben wir so in einer solchen mantrischen Formel, dann ist es so: 

Hier stehe ich - sagt jeder mit Recht von sich -, um mich die alltagliche, 
gewohnliche Welt. Philistrose Wande, philistrose Stiihle sind um mich herum, oder 
auch ein naturhafter Wald, sichtbare Baume, oder Hauser. Das ist um mich; das 
ist zunachst da. Ich bin mir dessen voll bewuBt: das ist meine Umgebung; das ist 
da, das sehe ich, das greife ich. Die Meditation geht aber in meiner Seele auf, 
wahrend ich so in der auBerlichen trockenen Sinneswelt bin. Die Meditation geht 
in mir auf: 

Welten-Sternen-Statten, 
Gotter-Heimat-Orte ! 

Spricht in Haupteshohe 
Menschen-Geistes-Strahlung 
Das «Ich bin»: 
So lebet Ihr im Erdenleibe 
Als Menschen-Wesenheit. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 42 



Was spiire ich weben? Was spur' ich iiber mir sich wolben? Es ist etwas; es ist 
nichts. Wande spur' ich, ich sehe sie nicht. 
Die Meditation geht weiter: 

Welten-Sonnen-Kreise, 
Geister- Wirkens- Wege ! 
Tont in Herzensmitte 
Menschen- Seelen- Weben 
Das «Ich lebe»: 
So schreitet Ihr im Erdenwandel 
Als Menschen-Schopferkraft. 

Was ich gespiirt habe, das Weben - Tempelgewolbe, das sich oben wolbt, Tempel- 
dach, um mich Tempelwande -, es beginnt sichtbar zu werden fur den Seelensinn, 
schwebt und macht, daB unsichtbar wird die gewohnliche Welt, die Welt der 
sichtbaren Baume, derWolken, alles desjenigen, was sichtbar ist. Einneues Sichtba- 
res steht da. Der Tempel, den ich erst nur gespiirt habe, er wird bei der zweiten 
Strophe wirklich. 

Und ich hore das Raunen und Rauschen und Grollen von unten: 

Welten-Grundes-Machte, 
Schopfer-Liebes-Glanzen ! 

Schafft in Leibesgliedern 
Menschen- Wirkens-Stromung 
Das «Ich will»: 
So strebet Ihr im Erdenwerke 
Als Menschen-Sinnes-Taten. 

Der Tempel hat sich vollendet. Er hat seinen Boden gewonnen. Und in ihm sind 
da diejenigen, mit denen wir als geistige Wesen in Verbindung treten wollen. Der 
Tempel ist da. Er ist sichbar fiir den Seelensinn. Er ist gefunden. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 43 



Unsere Meditation verlauft nicht so, daB wir eine Vision haben. Sie fiihrt uns 
in die geistige Welt hinein; die geistige Welt ersteht. Ich schildere, meine lieben 
Schwestern und Briider, wie die Meditation verlaufen kann: Webendes Tempelge- 
wolbe spiiren nach der ersten Strophe; mit dem Seelensinn schauen den Tempel 
um uns. Der Tempel ist fertig, und die Wesen, mit denen wir als Menschen-Lehrer, 
als Gotter-Lehrer in Verbindung treten sollen, sind da. Wir sind im Tempel drinnen, 
bewirkt durch erste, zweite, dritte Strophe einer wirklichen mantrischen Medita- 
tion. Es ist der Weg zum Tempel. Es ist ein wirklicher Geistesweg. 

Dann, wenn wir uns dessen bewuBt werden, daB wir den Tempel finden, dann 
verstehen wir recht, wie gemeint ist, was Inhalt dieser esoterischen Schule sein soil. 



Aus Grunden, die darinnen liegen, daB vielen derjenigen Freunde, die gerade 
gern teilnehmen an diesen esoterischen Hochschulstunden, dies auf die Dauer nicht 
moglich sein wiirde am Freitag, sollen verlegt werden die Freitagstunden auf Sonn- 
tagvormittag von elf bis zwolf Uhr. Das nachste Mai werde ich diese Stunde also 
schon halten am Sonntag vormittag von elf bis zwolf Uhr, nicht diesen Sonntag, 
sondern Sonntag in acht Tagen. Es ist aus dem Grunde, weil dann die Freunde 
aus der Nahe, die beschaftigt sind, am Sonnabendabend oder -nachmittag - wo 
die meisten schon kommen konnen - kommen konnen und dann diese Stunden 
auf die Dauer mitmachen konnen. Es war vielen ein groBes Opfer, an Freitagen 
da sein zu konnen. Auf die Dauer konnen wir es nicht machen, und so sollen 
diese Stunden auf Sonntag von elf bis zwolf Uhr verlegt werden. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:44 



ZWOLFTE STUNDE 



Dornach, 11. Mai 1924 

eine lieben Freunde ! Wir sprechen zuerst den Spruch, der uns gemahnt 
an dasjenige, was aus dem Weltenall selber herauskommt wie eine Auf- 
forderung zur Selbsterkenntnis: 

O Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellenweben 
In deines Lebens Werdestrom? 

Bist du es selbst, der sich 
Im Raumesfuhlen, im Zeiterleben 

Das Wort erschafft, dich fremd 
Erfuhlend in Raumes Seelenleere, 
Weil du des Denkens Kraft 
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome. 

Selbsterkenntnis, meine lieben Schwestern und Briider, ist es ja, was im geistigen 
Sinne zur Welterkenntnis fiihren kann. Und oftmals ist es gesagt worden, wie 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:45 



Verstandnis da sein muB ftir das Herausstromen einer wahren geistigen Welter- 
kenntnis aus der geistigen Welt selber; wie der Mensch Verstandnis haben muB 
dafiir, daB von denjenigen, die solche Erkenntnis der geistigen Welt vermitteln 
konnen, herangetreten werden muB an die Schwelle; daB an der Schwelle der Hiiter 
der Schwelle steht, jener Hiiter, der da den Menschen im gewohnlichen BewuBtsein 
bewahrt davor, unvorbereitet in die geistige Welt hineinzutreten. 

Aber gerade wenn man diesen Hiiter kennenlernt, zunachst durch das Verstand- 
nis des gesunden Menschenverstandes, dann kennenlernt spater - gerade nachdem 
man das Verstandnis durch den gesunden Menschenverstand hat vorangehen lassen 
- in seiner wahren Gestalt, in seiner wirklichen Wesenheit, dann stellt dieser Hiiter 
dar dasjenige, was als Ermahnungen an uns herantritt, wenn wir im rechten Sinne 
erstens in die geistige Welt eintreten wollen und dann im rechten Sinne in den 
Erlebnissen der geistigen Welt drinnenstehen wollen. 

Nun ist ja auch oftmals gesagt worden: dieses Drinnenstehen in der geistigen 
Welt wird zumeist unrichtig vorgestellt, weil man etwas anderes haben will als 
dieses wirkliche Drinnenstehen in der geistigen Welt. Man will etwas haben, was 
ahnlich ist der Sinneswelt. Aber so ist nicht das Drinnenstehen in der geistigen 
Welt. Es ist einmal iibersinnlich, und es kann nicht zu einem Anschauen bloB 
fiihren, das ahnlich ist dem sinnlichen Anschauen. Dieses imaginativ-ubersinnliche 
Anschauen ist eben nur Bild. Es muB zu einem wirklichen Erleben der geistigen 
Welt fiihren. Und von diesem Erleben der geistigen Welt haben eben viele von 
Euch, meine lieben Schwestern und Briider, viel mehr, als sie denken. Sie sind nur 
nicht aufmerksam darauf; sie geben nicht acht, wie im Innern des seelischen Erle- 
bens das Geistige waltet und webt. Es waltet und webt; und es handelt sich darum, 
daB man die intime Aufmerksamkeit aufbringt, dieses Walten und Weben wahrzu- 
nehmen. 

Daher sollen immer wieder und wieder - weil aus der geistigen Welt unmittelbar 
heraus in diesen Klassenstunden die Erkenntnisse zu Euch flieBen sollen, meine 
Schwestern und Briider -, es sollen immer wieder und wieder reale Anhaltspunkte 
gegeben werden, um Euch fiihlbar zu machen dieses Drinnenstehen der Seele 
des Menschen in der geistigen Welt. Und eine solche Anweisung kann die fol- 
gende sein. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:46 



Nehmet irgendeines der Mantren - oder irgendeine andere spruchartige Sache 
- und sprechet dasjenige, was in einem solchen Mantram liegt. Es kommt gar nicht 
darauf an, welches es ist, sondern irgendein Mantram, irgendein Mantram, das Ihr 
sonst auch gut kennt. Fur Eure Meditation nehmt irgendein Mantram und sprecht 
es Euch einmal in der schonsten Art, in der Ihr sprechen konnt, fur Euch vor. 
Macht Ihr es also, so sprecht Ihr Euch, nicht gerade in lautem Ton, sondern in 
einem sanften, stillen Tone, irgendein Mantram vor: 

O Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Und nun, wenn Ihr Euch solch ein Mantram vorgesprochen habt, so versucht Ihr 
zu spiiren, wie das in Euch kraftet, wie das Sprechen ist. Versucht darauf zu 
kommen, daB Ihr das Sprechen spurt, daB Ihr spurt, was fiir ein Unterschied in 
Eurem Leibe ist zwischen dem Zustand, wo Ihr schweigt, und dem Zustande, wo 
Ihr sprecht. Also versuchet, das Sprechen zu spiiren in Euren Organen, so wie es 
verlauft. Ihr werdet es spiiren als allerlei Druck und Wellenzug eben in den 
Sprachorganen. 

Und wenn Ihr das gespiirt habt, dann fragt Ihr Euch: Wenn ich etwas denke, 
wozu ich in der Gegenwart veranlaBt bin durch das, was mir ein Mensch sagt, 
oder was ich dadurch denke, daB irgendein auBeres Ereignis auf mich einen Ein- 
druck macht, ich mache mir klar - wenn ich so etwas denke, wozu ich in der 
Gegenwart veranlaBt werde -: Wie ist das, kann ich das auch spiiren? 

Nun, wenn Ihr gelernt habt, das Sprechen zu spiiren, dann werdet Ihr leicht 
auch spiiren konnen das Denken, das unmittelbar durch eine solche Gegenwart 
veranlaBt ist. Ihr konnt das Denken dann auch spiiren. Es ist leichter und leiser 
zu spiiren als das Sprechen, aber es ist zu spiiren. Und Ihr konnt lernen an dem 
Sprechenspuren das Denkenspuren, das Denkenempfinden. 

Dann werdet Ihr, so wie Ihr das Sprechen spurt, auch das Denken spiiren 
konnen, tasten konnen, innerlich tasten konnen, innerlich wahrnehmen konnen, 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:47 



und zwar so [es wird gezeichnet: KopfumriB weiB]: Wenn das Sprechen so zu spiiren ist, 
daB es etwa an diese Stelle hierher verlegt werden muB [rot], so werdet Ihr das 
Denken spiiren iiber dieser Stelle, also hier oben das Denken spiiren [griin]; etwas 
gegen das Hinterhaupt zu gelegen werdet Ihr das Denken spiiren. 

Es ist gut, solch eine Ubung zu machen, denn es leitet eine solche Ubung 
iiberhaupt dazu an, intime Selbstbeobachtung zu machen. 

Und dann geht Ihr so vor, meine lieben Schwestern und Briider, daB Ihr jetzt 
einen Gedanken in Euch regsam macht, der ein Erinnerungsgedanke ist, etwas, 
was Ihr gedacht habt vor Tagen, Wochen, Monaten, was Ihr aber genau regsam 
in Euch machen konnt, und versucht dann, einen solchen Erinnerungsgedanken 
zu verspiiren, zu empfinden; und Ihr werdet das Gefiihl haben: den empfindet Ihr 
unter der Sprachlokalitat, den empfindet Ihr also hier unten, unter der Sprachloka- 
litat [gelb]. Und Ihr werdet etwa Euch sagen: Wenn ich spreche, so erlebe ich das 
in der Gegend meiner Sprachorgane; wenn ich denke, erlebe ich das im Haupte 
dariiber; wenn ich erinnere, erlebe ich das unter dem Sprechen. 

Wird das fiir Euch eine intime Erfahrung, fiihlt Ihr wirklich so, dann habt Ihr 
etwas geistig erfaBt, was iiberhaupt der Anfang eines weitergehenden geistigen 
Erfassens schon sein kann. Nur ist groBe Abgeschlossenheit von den anderen 
Erlebnissen des Tages notwendig, um so etwas zu verspiiren. Es ist nicht gut, sich 
zu sagen: Nun ja, damit ich eine solche Abgeschlossenheit erringen kann, muB ich 
mich einmal auf ein paar Wochen zuriickziehen, wo gar keine Menschen sind, wo 
mich nichts stort, wo ich absolute Ruhe habe, meinetwillen nach einer Hiitte am 
Montblanc mich zuriickziehen, um dieses zu vollbringen. - Es ist nicht gut, dieses 
so zu denken, denn da kommt man ewig nicht weiter, wenn man so denkt; sondern 
das beste ist: mitten drinnenstehen in dem Trubel des Lebens, allem ausgesetzt 
sein, was das Leben vom Morgen bis zum Abend bringt, und dennoch durch die 
eigene Gewalt der Seele aussondern konnen eine Zeit, die noch so kurz sein mag, 
wo man ganz auBerhalb des Trubels der Welt, aber mitten drinnensteht und doch 
ganz auBerhalb, rein durch die Gewalt seines Inneren ganz auBerhalb. Das ist das 
beste. In die Einsamkeit sich zuriickziehen, um Ruhe zu haben, das ist nicht 
dasjenige, was eigentlich so wirksam ist, sondern durch seine eigene Gewalt die 
Einsamkeit zu erzeugen: das ist dasjenige, was unbedingt und sicher zum Ziele 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:48 



fiihren kann. Und dann wird so etwas eine gute Grundlage sein, um in derjenigen 
Art meditieren zu konnen, die ja notwendig ist. 

Ihr habt Mantren kennengelernt, meine lieben Schwestern und Briider, die gewis- 
sermaBen still aus der Seele heraus gesprochen werden. So sind ja die ersten Mantren 
gewesen wahrend dieser Klassenstunden. Wir sind aber vorgeschritten zu solchen 
Mantren, welche zum Teil aus der Seele heraus klingen, zum Teil auch vorgestellt 
werden muBten als ein Tonen, das aus den Weltenweiten zu uns herankommt; wo 
wir also nicht innerlich meditierend sprechen, sondern wo wir innerlich meditie- 
rend horen; wo wir uns in die Lage versetzt denken, daB wir horen dasjenige, was 
zu uns, sei es aus den Weiten, sei es auch von Geistwesen, gesprochen wird. Und 
gerade auf dieses Sichhineinversetzen in eine Lage, wo andere Wesenheiten zu uns 
sprechen, gerade auf dieses Sichhineinversetzen in eine solche Lage kommt es auch 
an, um wirklich innerlich zu erzeugen die Seelenverfassung, die sich darinnenfuhlt 
in der geistigen Welt. 

Sehen Sie, zu diesem Ziele soil das heutige Mantram gegeben werden. Da soil 
die Seele sich vorstellen, daB sie ganz schweige, daB sie absolut schweige. Aber es 
soil die Seele sich vorstellen, daB sie schon jenseits der Schwelle, schon in der 
geistigen Welt drinnen vor dem Hiiter steht, und die Seele dreierlei Tone vernimmt, 
indem sie selber ganz schweigt, dreierlei Tone vernimmt. Der erste Ton klingt aus 
dem weiten Weltenall. Der zweite kommt von dem Hiiter. Und der dritte kommt 
von denjenigen Wesen, die dann nachher wahrend des Mantrams bezeichnet wer- 
den. So soil gedacht werden dasjenige, was als Mantram heute vor Eure Seele tritt. 

So, aus den Weiten der Welt, tont von alien Seiten herankommend: 

Vernimm des Denkens Feld. 

Es handelt sich also darum, iiber die wahre Wesenheit des Denkens aufgeklart zu 
werden durch ein geistiges, seelisches Welterlebnis. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:49 



Dann spricht der Hiiter. Also nachdem verklimgen ist dasjenige, was aus den 
Weiten der Welt an uns herantont - wir miissen in dieser Situation drinnen geistig 
leben -, dann spricht der Hiiter. Die nachsten drei Zeilen sagt der Hiiter: 

Es spricht, der dir die Wege 
Von Erdensein zu Erdensein 
Im Geisteslichte weisen will. 

Das ist des Hiiters Sprache. 

Dann spricht das Engelwesen, das uns den Weg geleitet von Erdensein zu 
Erdensein: 

Blick' auf deiner Sinne Leuchtewesen. 

Das ist also das Wesen, das als Engelwesen, als Angelos, uns von Inkarnation zu 
Inkarnation leitet. Das spricht diese Zeile. Wir horen sie in innerem, sinnendem 
Leben. 

Wiederum spricht der Hiiter: 

Es spricht, der dich zu Seelen 
Im stoffbefreiten Seinsgebiete 
Auf Seelenschwingen tragen will. 

Und es spricht das iiber uns sorgende Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi 
die nachste Zeile: 

Blick' auf deines Denkens Kraftewirken. 
Das geht hinauf, wo die Archangeloi sind. 

Erst war es: «Blick' auf das Leuchten der Sinne. » In Wirklichkeit ist ja die Sache 
so, daB man meint im sinnlichen Leben, daB die Sonne leuchtet und die Sinne 
nicht leuchten; in Wirklichkeit ist es aber so, daB auch unsere Sinne leuchten, daB 
aber nur, wahrend unsere Sinne leuchtend wahrnehmen, dieses Leuchten von uns 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 50 



nicht bemerkt wird. Da ermahnt dann das Wesen, das zu uns gehort aus dem 
Reiche der Angeloi: «Blick' auf deiner Sinne Leuchtewesen.» 

Im allgemeinen denken wir im gewohnlichen BewuBtsein; aber wir erfassen das 
Denken nicht, wir spiiren es nicht, wir empfinden es nicht. Das Wesen, das zu 
uns gehort aus dem Reiche der Archangeloi, mahnt: «Blick' auf deines Denkens 
Kraftewirken.» 

Nun geht es hinauf zu dem Reich, wo die Archai sind. Der Hiiter mahnt in 
drei Zeilen, wir sollen das Wesen aus der Reihe der Archai horen mit seiner 
Mahnung. Die nachsten drei Zeilen sind die Zeilen des Hiiters: 

Es spricht, der unter Geistern 
Im erdenfernen Schopferfelde 
Den Daseinsgrund dir geben will. 

Ich konnte auch sagen, den «Daseinsthron», aber besser ist es zu sagen, den 
«Daseinsgrund» dir geben will, der dich also auf einen Geistesboden stellen will 
im geistigen Felde, geradeso wie du hier im sinnlichen Felde auf dem physischen 
Boden stehst. 

Nachdem der Hiiter der Schwelle so gesprochen hat, spricht das Wesen aus der 
Reihe der Archai: 

Brick' auf der Erinnerung Bildgestalten. 

Es ist das Dritte. Erstens auf das Leuchten der Sinne sollen wir sehen, dann auf 
des Denkens Kraftewirken in uns, dann auf dasjenige, was tief unten liegt, unter 
der Sprache liegt, was in den Erinnerungsbildern liegt: «Blick' auf der Erinnerung 
Bildgestalten. » 

Da haben wir selber mit schweigender Seele angehort das dreifache Sprechen 
zu uns: Das Sprechen aus dem Kosmos in der allerersten Zeile: «Vernimm des 
Denkens Feld»; haben in den jeweiligen drei Zeilen, die zwischen den eigentlichen 



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Hierarchie-Ermahnungen liegen, den Hiiter sprechen gehort und dann die Wesen, 
die zu uns gehoren aus den Reichen der Hierarchien selber, immer die eine paradig- 
matische Zeile, die eigentlich im Tiefsten zu unserem Wesen sprechen soil. So daB 
der ganze Zusammenhang - ich werde ihn dann aufschreiben - dieser ist: 



Vernimm des Denkens Feld: 

Es spricht, der dir die Wege 
Von Erdensein zu Erdensein 
Im Geisteslichte weisen will: 

Blick' auf deiner Sinne Leuchtewesen. 

Es spricht, der dich zu Seelen 
Im stoffbefreiten Seinsgebiete 
Auf Seelenschwingen tragen will: 

Blick' auf deines Denkens Kraftewirken. 

Es spricht, der unter Geistern 
Im erdenfernen Schopferfelde 
Den Daseinsgrund dir geben will: 

Blick' auf der Erinnerung Bildgestalten. 



[Das Mantram I wird nun an die Tafel geschrieben und gleichzeitig in der ersten Zeile «Denkens» und jeweils 
die letzte Zeile von Teil 1, 2, 3 unterstrichen; siehe Tafelband Seite 82:] 



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/. Vernimm des Denkens Feld: 



I.) Es spricht, der dir die Wege 
Von Erdensein zu Erdensein 
Im Geisteslichte weisen will: 



Blick' auf deiner Sinne Leuchtewesen. 



2. ) Es spricht, der dich zu Seelen 

Im stoffhefreiten Seinsgehiete 
Auf Seelenschwingen tragen will: 

Blick' auf deines Denkens Krdftewirken. 

3. ) Es spricht, der unter Geistern 

Im erdenfernen Schopferfelde 
Den Daseinsgrund dir gehen will: 

Blick' auf der Erinnerung Bildgestalten. 



Damit haben wir dasjenige, was als Mahnung fur unsere Selbsterkenntnis heraus- 
tont aus den drei niederen Hierarchien, innerlich seelisch erlebt: 



[«Angeloi» wird neben Teil 1, «Archangeloi» neben Teil 2, «Archai» neben Teil 3 geschrieben.] 

Bevor die Ubung angestellt wird, kann die Konzentration in der Seele dadurch 
bewirkt werden, daB man sich ein ganz bestimmtes Bild vor die Seele riickt, dieses 

Bild [es wird auf die linke Tafel gezeichnet]: Ein Auge, das nach oben blickt [Auge]; das den 

Kreis der hoheren Hierarchien vernimmt [Kreisbogen], welche die Krafte der Welt 
auf das Auge einstromen lassen [obere Strahlen], und das dann vernimmt den Kreis 
der unteren Hierarchien [Wellenlinie], die sich hinaufranken zu den hoheren Hierar- 
chien und die Strahlen weiter zum Menschen schicken [untere Strahlen]. 



das erste aus der Hierarchie der 



Angeloi 

Archangeloi 

Archai. 



das zweite aus der Hierarchie der 



das dritte aus der Hierarchie der 



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Dieses Bild, man ruft es sich vor die Seele, daB es dastehe: Das hinaufblickende 
Auge, die beiden Linien - die runde, die Wellenlinie -, die Strahlen, die herunterge- 
hen. Und man stellt sich vor, wahrend man die Ubung macht, ohne daB man 
weiter an dieses Bild denkt - wahrend man die Ubung macht, wird das Bild vor 
der Seele stehen bleiben -: das Bild dieses hinaufblickenden Auges. 

Dann vernimmt man wiederum das Tonen von alien Seiten des Kosmos: 

Vernimm des Fiihlens Feld. 

Es spricht dann der Hiiter die nachsten drei Zeilen: 

Es spricht, der als Gedanke 
Aus Geistes-Sonnenstrahlen 
Dich zum Weltendasein ruft. 

Es ist schon eine hohere Sprache, die Sprache, die herausklingt aus hoherer Hierar- 
chic Wahrend wir hier [beim ersten Mantram] immer nur aufmerksam gemacht werden 
auf das, was schon in uns ist, werden wir hier angesprochen vom Hiiter in diesem 
Mantram so, daB wir nicht nur zum Schauen unserer Sinne, unseres Denkens, 
unserer Erinnerungen gerufen werden, sondern gerufen werden zu vernehmen, 
wie wir in die Welt, in das Weltendasein selbst hineingerufen werden. Das tont 
heraus aus der Hierarchie der Exusiai. 

Dann spricht es heraus von dem Wesen, das zu uns gehort aus der Hierarchie 
der Exusiai: 

Fiihl' in deines Atems Lebensregung. 

Es spricht wieder der Hiiter die nachsten drei Zeilen: 

Es spricht, der Weltendasein 
Aus Sternen-Lebenskraften 
Dir in Geistesreichen schenket. 

Dann spricht das Wesen aus der Hierarchie der Dynamis heraus: 

Fiihl' in deines Blutes Wellenweben. 



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Da miissen wir das Weben der Welt fortgesetzt denken - fiihlen eigentlich - in 
dem Wellenweben unseres Blutes. 

Und wiederum spricht der Hiiter, jetzt uns mahnend, daB wir horen sollen das, 
was ein Wesen aus der Reihe der Kyriotetes spricht: 

Es spricht, der dir den Geistes-Sinn 
In lichten Gotter-Hohenreichen 
Aus Erdenwollen schaffen will. 

Dann spricht dieses Wesen aus der Reihe der Kyriotetes: 

Fiihl' der Erde machtig Widerstreben. 

Nur wenn man dieses machtige Widerstreben der Erdenkrafte fiihlt, kann man 
richtig in die reine geistige Welt hineindringen. 

So daB also das Erleben dieses Mantrams also klingen muB: 

Vernimm des Fiihlens Feld: 

Es spricht, der als Gedanke 
Aus Geistes-Sonnenstrahlen 
Dich zum Weltendasein ruft: 

Fiihl' in deines Atems Lebensregung. 

Es spricht, der Weltendasein 
Aus Sternen-Lebenskraften 
Dir in Geistesreichen schenket: 

Fiihl' in deines Blutes Wellenweben. 

Es spricht, der dir den Geistes-Sinn 
In lichten Gotter-Hohenreichen 
Aus Erdenwollen schaffen will: 

Fiihl' der Erde machtig Widerstreben. 



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Es ist das Hinaufsteigen in die Reihe der zweiten Hierarchie, wo Selbsterkenntnis 
dadurch in uns angeregt wird, daB wir von einem Wesen, das zu uns gehort aus 
der Reihe der Exusiai, ermahnt werden; daB wir zuerst ermahnt werden von dem 
Hiiter, daB ein solches Wesen zu uns sprechen wird. 

Nun, meine lieben Schwestern und Briider, wir denken im Erdenleben; unsere 
Gedanken sind fast Nichtigkeiten. Wenn aber ein Wesen aus der Reihe der Exusiai 
denkt, so denkt es uns. Unser Ich ist gedacht. Und es ist seiend als Gedanke 
eines Wesens aus der Reihe der Exusiai. Sprechen wir auf der Erde «Ich» zu uns, 
worauf schauen wir dann? Ja, dieses Ich: wenn wir sprechen «Ich» [es wird gezeichnet: 
Kreis mit dem Wort «lch», gelb], wir schauen zuriick auf dieses Ich [rote Pfeile], sprechen 
das Wort Ich aus. Aber ein Wesen aus der Reihe der Exusiai [gmne Linie], bei dem 
ist dieses Ich Gedanke, aber realer, wirklicher Gedanke. Wir sind dadurch, daB 
wir gedacht werden von Wesen aus der Reihe der Exusiai. Und wenn wir selber 
zu uns «Ich» sprechen, so konstatieren wir eigentlich, daB wir von Gotterwesen 
gedacht werden. Und in diesem Gedachtwerden von Gotterwesen besteht unser 
hoheres Sein. 

Dann: Ein Wesen aus der Reihe der Dynamis ermahnt uns, wie wir das Geistesda- 
sein geschenkt erhalten von ihm aus den Lebenskraften, die es den Sternen ent- 
nimmt. 

Und ein Wesen aus der Reihe der Kyriotetes ermahnt uns, daB dasjenige, was 
in uns als Wollen auf der Erde lebt, hinaufgezogen wird in die Himmelshohen 
und in der Umwandlung, die es da erfahrt, unser Erdenwollen uns wiedergegeben 
wird, so daB wir es dann auch im Geisteswollen brauchen konnen. Erdenwollen 
ist nur eine Umwandlung des Geisteswollens. Das Erdenwollen wird stetig hinun- 
ter- und hinaufgetragen. Oben ist es Himmelswollen; unten ist es Erdenwollen. 
Daran ermahnt uns zum SchluB der Hiiter, denn das Wesen aus der Reihe der 
Kyriotetes sagt: «Fiihr der Erde machtig Widerstreben.» Wenn man den Wider- 
stand der Erde empfindet, empfindet man die Wohltat, die gnadevolle Erteilung 
von Kraften aus Himmelshohen. 

[Das Mantram II wird nun an die Tafel geschrieben und gleichzeitig in der ersten Zeile «Fuhlens» und jeweils 
die letzte Zeile von Teil 1, 2, 3 unterstrichen; siehe Tafelband Seite 83:] 



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Vernimm des Filhlens Feld: 



1. ) Es spricht, der als Gedanke 

Aus Geistes-Sonnenstrahlen 
Dich zum Weltendasein ruft: 

Fiihl' in deines Atems Lehensregung. 

2. ) Es spricht, der Weltendasein 

Aus Sternen-Lehenskrdften 
Dir in Geistesreichen schenket: 

Fiihl' in deines Blutes Wellenwehen. 

3. ) Es spricht, der dir den Geistes-Sinn 

In lichten Gotter-Hohenreichen 
Aus Erdenwollen schaffen will: 

Fiihl' der Erde mdchtig Widerstreben. 



So ist also der Verlauf dieses zweiten Mantrams: 



Vernimm des Fiihlens Feld: 

Es spricht, der als Gedanke 
Aus Geistes-Sonnenstrahlen 
Dich zum Weltendasein ruft: 

Fiihl' in deines Atems Lebensregung. 

Es spricht, der Weltendasein 
Aus Sternen-Lebenskraften 
Dir in Geistesreichen schenket: 

Fiihl' in deines Blutes Wellenweben. 

Es spricht, der dir den Geistes-Sinn 
In lichten Gotter-Hohenreichen 
Aus Erdenwollen schaffen will: 

Fiihl' der Erde machtig Widerstreben. 



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Das erste tont aus der Reihe der 



Exusiai 



das zweite aus der Reihe der 



Dynamis 
Kyriotetes. 



das dritte aus der Reihe der 



[«Exusiai» wird neben Teil 1, «Dynamis» neben Teil 2, «Kyriotetes» neben Teil 3 geschrieben.] 

Und wiederum zum SchluB, damit wir uns erinnern, was wir ftir ein Bild vor 
uns hingestellt haben, nachdem das alles in uns abgelaufen ist, damit wir ein 
deutliches Erleben davon haben, stellen wir wiederum uns das Bild - von dem wir 
uns aber vorstellen, daB es immer vor unserer Seele gestanden hat wahrend der 
ganzen Ubung -, das stellen wir wiederum vor unsere Seele hin. 

[Dieses nach dem Anschreiben des Mantrams «Vernimm des Denkens Feld» bereits an der linken Tafel 
entwickelte Bild wird nun noch einmal auf die rechte Tafel gezeichnet: Auge, Kreisbogen, obere Strahlen, 
Wellenlinie, untere Strahlen.] 

Das Hinaufsteigen in die Reihe der Seraphine, Cherubine und Throne soil ja 
dann hinzugefiigt werden zu diesem in der nachsten Klassenstunde. Jetzt aber ist 
begreiflich zu machen, noch deutlicher, was das Ganze fur einen Sinn hat. 

Meine lieben Schwestern und Briider, an uns trat heran im Beginne der heutigen 
Klassenstunde die Formel, die aus dem Weltendasein, aus dem Weltenwesen heraus 
uns mahnt an Selbsterkenntnis. Selbsterkenntnis, wurde gesagt, fiihrt zur Welter- 
kenntnis; aber nur, wenn wir das Selbst in Verbindung setzen konnen mit der Welt. 

Aber das Selbst steht nicht zu einem auBeren Naturwesen oder Naturvorgang 
in einer ihm eigentiimlichen Beziehung, sondern allein zu dem, was in der geistigen 
Welt ist. Da sind die Wesen der Hierarchien. Wollen wir also wirklich eindringen 
in unser Selbst, in unser Ich, dann miissen wir erleben nicht mit der auBeren Natur 
zusammen, sondern dann miissen wir erleben mit den Wesenheiten aus den Hierar- 
chien zusammen. Denn dasjenige, was von der auBeren Natur aus wir als unser 
Ich ansprechen konnen, das ist ja nur der auBere nichtige Abglanz des Ich. Das 
wahre Ich steht in demselben Reiche, in dem da stehen diese Wesenheiten der 
hoheren Hierarchien. Sobald man also in die wahre Selbsterkenntnis eintritt, muB 



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man eintreten in die Reihen der hoheren Hierarchien. Dann muB man die Sprache 
der hoheren Hierarchien vernehmen. 

DaB man das mit aller Kraft tue, daB man das nicht zu einer bloBen blutleeren 
Theorie macht, sondern daB man es mit aller Kraft tue, dazu sind die Ermahnungen 
des Hiiters der Schwelle, die immer dazwischenstehen, da. DaB das Ganze in der 
Meditation mit der notigen Majestat an uns herantritt, dazu sind die zwei - und 
wie wir demnachst horen werden, drei - gewaltigen Ermahnungen aus dem Kos- 
mos: «Vernimm des Denkens Feld», «Vernimm des Fiihlens Feld» da. 

Nur wenn wir in diesem Sinne uns lebendig drinnen fiihlen in dieser dreifachen 
Art der Sprache, wenn wir uns in der geistigen Welt auf diese Art mantrisch 
erleben, dann konnen uns die Dinge wirklich vorwartsbringen. Denn nur dann 
haben wir den Dingen gegeniiber die richtige Stimmung. Diese Stimmung miissen 
wir vor alien Dingen suchen. Denn die eigentliche innere Weihe, die da sein muB, 
wenn die Meditation zur Einweihung beitragen soil, diese eigentliche innere Weihe, 
die kommt ja nur durch die Stimmung, durch jene Stimmung, durch die wir eine 
Weile gegeniiber der auBeren Welt wie entruckt sind, einzig und allein nur in dem 
leben, was Inhalt und Gegenstand der Meditation ist. Wenn wir uns so ganz 
lebendig hineinversetzen, die Selbsterkenntnis nicht nur ein Hineinbruten in unser 
Inneres ist, sondern ein ausfiihrliches Gesprach ist mit Welt, Hiiter und Hierar- 
chien, dann finden wir uns in wahre Selbsterkenntnis hinein. 

Es sollte im Grunde genommen sogar von uns vermieden werden, an eine solche 
Sache dann zu denken, wenn wir nicht zugleich die Stimmung dafiir aufbringen 
konnen. Wir sollten gerade eine solche Sache, wie die heute vorgebrachte, nur 
dann denken, wenn wir wirklich im Innern der Seele diese Stimmung aufbringen 
konnen, die einfach darinnen liegt, daB empfunden wird, wie das Majestatische 
aus Weltenweiten, kosmischen Fernen, wie mit einem Weltendonner zu uns dringt; 
daB in sanfter, mahnender Stimme dazwischen tont, was vom Hiiter der Schwelle 
kommt; und daB dann in eindringlicher Weise zu unserer Seele spricht der eine 
der Hierarchen selber. 

Wir sollten nur dann, wenn wir uns immer auch an dieses erinnern, und wenn 
wir aufbringen die Gefiihle, die mit dieser Erinnerung an dieses zusammenhangen, 
wir sollten eigentlich auch nur an diese Mantren denken, uns innerlich mit diesen 



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Mantren in Verbindung setzen, damit wir sie auch innerlich nicht entweihen, 
dadurch in ihrer Kraft entweihen, daB wir sie mit dem gewohnlichen, trockenen, 
philistrosen Denken denken, mit dem wir sie ja denken, wenn wir uns nicht 
erst in die entsprechende Seelenstimmung versetzen. 

Und wir sollten daraus, daB das so ist, auch die innere Seelenstimmung bekom- 
men, um zu fiihlen, daB Selbsterkenntnis des Menschen etwas Feierliches, Ernstes, 
Heiliges ist und daB eigentlich diese Dinge nur so von der Seele innerlich auch 
gesprochen werden sollten - geschweige denn auBerlich -, daB sie empfunden 
werden als Ernstes, Feierliches, Weihevolles. 

Ein groBes Hindernis, weiterzukommen auf einem esoterischen Wege, ist eben 
dieses, daB so vielfach im Cliquenwesen von diesen Dingen gesprochen wird, wenn 
nicht diese ernste, feierliche, weihevolle Stimmung zugleich entwickelt wird, son- 
dern sogar vielleicht mit einem Anflug von Eitelkeit diese Dinge beschwatzt wer- 
den. Man denkt dabei nicht, wie im esoterischen Leben alles darauf beruht, daB 
Wahrheit, richtige voile Wahrheit herrscht. Der kann iiberhaupt im esoterischen 
Leben nichts machen, der nicht diese Erkenntnis hat, daB im esoterischen Leben 
Wahrheit, voile Wahrheit herrschen muB, daB man also nicht kann von der Wahr- 
heit bloB sprechen und dann dennoch die Dinge nur so auffassen, wie man sie 
im auBerlichen Profanleben auffaBt. Das tut man, wenn man die Sache zum Gegen- 
stande des gewohnlichen Geschwatzes macht. 

Und dieses, was so vielfach getrieben wird, dieses gewohnliche Beschwatzen, 
das ist es, was so vielfach Hindernisse und Hemmnisse auf den esoterischen Weg 
wirft. Und wir miissen unbedingt alles dasjenige, was mit Selbsterkenntnis zusam- 
menhangt, auch zusammenbringen mit dieser ernsten, feierlichen, weihevollen 
Stimmung in unserer Seele. Dann werden wir auch im rechten Sinne das Wort auf 
unsere Seele wirken lassen, das nun auch am Ende wiederum gesprochen werden 
soil, wie es im Anfange der heutigen Klassenstunde gesprochen worden ist: 



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O Mensch, erkenne dich selbst! 

Ja, das ist eine Anleitung zur Selbsterkenntnis: 

Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellenweben 
In deines Lebens Werdestrom? 

Bist du es selbst, der sich 

Im Raumesfiihlen, im Zeiterleben 

Das Wort erschafft, dich fremd 
Erfiihlend in Raumes Seelenleere, 
Weil du des Denkens Kraft 
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome. 



Es ist im Grunde eine Frage. Die Antwort ist in Solchem [in den Mantramtexten an den 
Tafein] gegeben. 

* 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 61 



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DREIZEHNTE STUNDE 



Dornach, 17. Mai 1924 




eine lieben Freunde! Zuerst wird wiederum das aus dem Geistigen des 
Weltenalls an unsere Seele herandringende Wort gesprochen, das uns 
mahnt zur selbstbeobachtenden Erkenntnis unseres Wesens: 



O Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellenweben 
In deines Lebens Werdestrom? 

Bist du es selbst, der sich 

Im Raumesfiihlen, im Zeiterleben 

Das Wort erschafft, dich fremd 
Erfiihlend in Raumes Seelenleere, 
Weil du des Denkens Kraft 
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 63 



Nun, meine lieben Schwestern und Briider, wir haben das letzte Mai in dieser 
Stunde versucht, diejenigen inneren Seelenworte zu finden, welche den Menschen 
in Verbindung bringen konnen mit demjenigen, was sich aus den Hierarchien 
heraus - mit denen ja des Menschen geist-seelisches Wesen in Verbindung steht 
- offenbart. Wir haben dabei vor unsere Seele hingestellt, wie wir durch eine 
besondere Vertiefung in dasjenige, was dann werden kann des Denkens Feld, wie 
wir durch eine besondere Vertiefung in dieses Feld des Denkens hinaufgelangen 
konnen in dasjenige Gebiet, das gewissermaBen bewohnen die Wesen der dritten 
Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai. 

Dabei war ja nicht gemeint dasjenige Denken, das wir im Alltag gebrauchen, 
sondern dasjenige Denken, das hinter diesem Denken des Alltags verlauft, jenes 
Denken, das wir eigentlich nur heraufschaffen konnen aus unserer Gesamtorganisa- 
tion, wenn wir uns meditierend in solche Worte vertiefen, wie sie da vorgebracht 
worden sind als die Worte, die da beginnen: «Vernimm des Denkens Feld.» 

Und ich habe ja auch angedeutet das letzte Mai, wie dieses Denken auch empfun- 
den werden kann im menschlichen Organismus selber iiber dem Sprachgebiete, 
wahrend das Feld der Erinnerungsgedanken unter dem Sprachgebiete gefuhlt wer- 
den kann; das Sprachgebiet selber: wenn wir so recht innerlich lebensvoll irgend 
etwas halblaut oder auch laut vor uns hinsagen. Wir fiihlen das Sprechen in uns, 
und wir konnen den Ort bezeichnen, an dem wir das Sprechen in uns fiihlen. 
Dann haben wir einen Ausgangspunkt. Denn es ist gewissermaBen am leichtesten 
zu erleben dieses Sprechen. 

Und iiber dem Sprechen, mehr gegen den Hinterkopf zu, konnen wir das innerli- 
che Denken, durch das wir die Angeloi entdecken konnen, finden; im Sprechen 
selber Archangeloi; und in den Erinnerungen, unter dem Sprechen, konnen gefuhlt 
werden die Archai. 

Und der mantrische Spruch, der uns zu so etwas fiihrt, er verlauft ja in der 
Gestalt, die das vorige Mai in der Klassenstunde geschildert worden ist. 

Wir stellen uns vor durch diesen Spruch, wie zuerst zu uns sprechen die kos- 
mischen Weiten, gewissermaBen was das Weltenall selber zu uns tont, wie dann 
hineintont in dieses Weltenall dasjenige, was der Hiiter der Schwelle uns sagt, 
der uns aufmerksam macht, wir sollen hinhorchen auf dasjenige, was das zu uns 



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gehorige Wesen aus der Reihe der dritten Hierarchie, der Angeloi, zu uns zu 
sprechen hat. 

Und ein Zweites ist dann, wie uns der Hiiter der Schwelle wiederum ermahnt, 
hinzuhoren auf das zu uns gehorige oder die zu uns gehorigen Wesen aus der 
Reihe der Archangeloi. 

Und wiederum ermahnt uns an dritter Stelle der Hiiter, hinzuhoren auf die zu 
uns gehorigen Wesen aus der Reihe der Archai. Wir sollen uns also diese mantri- 
schen Spruche so vorstellen, daB wir horen gewissermaBen das Weltenall aus den 
Weiten zu uns tonen, den Hiiter sprechen, die Hierarchien sprechen horen: 

Vernimm des Denkens Feld: 

Es spricht, der dir die Wege 
Von Erdensein zu Erdensein 
Im Geisteslichte weisen will: 

Blick' auf deiner Sinne Leuchtewesen. 

Es spricht, der dich zu Seelen 
Im stoffbefreiten Seinsgebiete 
Auf Seelenschwingen tragen will: 

Blick' auf deines Denkens Kraftewirken. 

Es spricht, der unter Geistern 
Im erdenfernen Schopferfelde 
Den Daseinsgrund dir geben will: 

Blick' auf der Erinnerung Bildgestalten. 

Wenn wir so immer wieder und wiederum in dieser Situation uns fiihlen, spre- 
chend zu uns die Weltenweiten, sprechend zu uns der Hiiter der Schwelle, spre- 
chend zu uns die Reiche der Hierarchien, wenn wir uns das ganz lebhaft vorstellen, 
als wenn es eben um uns ware, dann in Verbindung mit dem schematischen Bilde, 
das ich das letzte Mai an die Tafel gezeichnet habe, kommen wir dazu, allmahlich 
zu erfiihlen jenes Denken oberhalb der Sprache im Hinterkopf, durch das wir uns 
nahern dem Weben und Leben der dritten Hierarchie. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 65 



Also man kann sagen, meine lieben Schwestern und Briider, wir setzen uns in 
Verbindung mit den Wesen der dritten Hierarchie durch diesen mantrischen 
Spruch. 

Ebenso setzen wir uns in Verbindung mit den Wesen der zweiten Hierarchie 
durch den zweiten mantrischen Spruch, der neulich angefuhrt worden ist und der 
wiederum in einer solchen Weise gefiihlt, gewissermaBen geistig wahrgenommen 
werden soil. Wir sollen ganz absehen davon, daB wir selber das sagen; wir sollen 
uns ganz in die Situation versetzen, die ich geschildert habe: 

Vernimm des Fiihlens Feld: 

Es spricht, der als Gedanke 
Aus Geistes-Sonnenstrahlen 
Dich zum Weltendasein ruft: 

Fiihl' in deines Atems Lebensregung. 

Es spricht, der Weltendasein 
Aus Sternen-Lebenskraften 
Dir in Geistesreichen schenket: 

Fiihl' in deines Blutes Wellenweben. 

Es spricht, der dir den Geistes-Sinn 
In lichten Gotter-Hohenreichen 
Aus Erdenwollen schaffen will: 

Fiihl' der Erde machtig Widerstreben. 

Da kommen wir dann dazu, unsere Verbindung herzustellen mit den Exusiai, 
Dynamis, Kyriotetes. Es wird eine innerliche Verbindung zwischen der Gefuhls- 
sphare - dem Atmen, der Blutzirkulation - und da, wo der Wille entspringt, aber 
nur gefiihlt wird als Wille, zwischen alle dem in unserem Menschenwesen und 
den Wesen der zweiten Hierarchie wird die Verbindung dadurch hergestellt. 

Es bleibt uns fur heute zu betrachten, meine lieben Schwestern und Briider, das 
Feld des Wollens. Dieses Feld des Wollens, es ist ja dasjenige, das den Menschen 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 66 



am kraftigsten beherrscht, das im Menschen am kraftigsten wirkt, das aber zu 
gleicher Zeit von dem Menschen am wenigsten mit wirklicher Aufmerksamkeit 
durchlebt wird. Denn der Mensch weiB eigentlich gewohnlich wenig, wie sein 
Wollen verlauft. 

Nehmen wir zunachst dasjenige am menschlichen Organismus, wo das Wollen 
zum Ausdrucke kommt dadurch, daB der menschliche Organismus in Bewegung 
gerat, sich in Bewegung versetzt. 

Ihr miiBt schon, meine lieben Schwestern und Briider, diese intimen Vorstellun- 
gen Euch aneignen, wenn Ihr zu demjenigen vordringen wollt, zu dem Euch die 
Wege weisen will der Geist, der durch diese esoterische Schule spricht. 

Man stelle sich vor gehend und vielleicht die Arme bewegend. Da denkt der 
Mensch gewohnlich, daB er seine Beine bewegt und die Beine ihn weitertragen. 
Das ist ja auch die bequemste Vorstellung, die man haben kann. Man denkt, 
irgendeine unbekannte Kraft - es ist natiirlich eine unbekannte Kraft, denn kein 
Mensch kann aus dem gewohnlichen BewuBtsein von dieser Kraft etwas wissen -, 
die wird hineinstromen gelassen in die Beine. Ein Bein wird vor das andere gesetzt. 
So tragen wir uns selber durch die Welt. 

So ist es nicht. Ganz und gar haben die Beine nicht die Aufgabe, uns durch die 
Welt zu tragen zunachst. Es ist einfach nicht wahr. Und wir geraten hier an einen 
Punkt, wo das gewohnliche BewuBtsein sofort seine Maja zeigt; denn es ist Maja, 
wenn wir in dem Glauben leben, daB wir mit den Beinen, mit den physischen 
Beinen gehen, daB die physischen Beine dazu da seien, um zu gehen. 

Natiirlich handelt es sich nicht darum, meine lieben Schwestern und Briider, 
daB Ihr jetzt hingeht und in die Welt des Philisteriums hinausschreit: Es ist nicht 
wahr, daB der Mensch seine Beine hat zum Gehen. - Denn man wird davon natiirlich 
zunachst nichts verstehen. Denn man weiB nicht, in welchem tiefen Sinne es wahr 
ist, daB eigentlich alles dasjenige, was sich zunachst dem gewohnlichen BewuBtsein 
darbietet, Maja, die groBe Illusion ist. Die groBe Illusion erstreckt sich eben nicht 
nur auf das, was der Mensch im Umkreise erschaut, sondern die groBe Illusion 
erstreckt sich auch auf das, was der Mensch an sich selbst mit der Welt erlebt. 

Es handelt sich um folgendes. Man stelle sich nur einmal ganz schematisch vor 
[es wird gezeichnet; siehe Tafelband Seite 90]: das seien die menschlichen Beine, wo eins vor 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 67 



das andere schreitet [weifi]. Aber innerhalb dieser menschlichen physischen Beine 
ist ja der menschliche Atherleib enthalten [rot]; der Teil des menschlichen Atherlei- 
bes, der den Beinen entspricht. Da ist der Astralleib enthalten [gelb], der den Beinen 
entspricht, und dann noch die Ich-Organisation [violett]. Wir gehen nun nicht mit 
den physischen Beinen, wir gehen nicht mit den Atherbeinen, wir gehen nicht 
einmal mit den astralischen Beinen, sondern wir gehen mit denjenigen Kraften, 
die der Ich-Organisation entsprechen. Wir leben mit diesen Kraften, die der Ich- 
Organisation entsprechen, in den Schwerkraften der Erde, die unsichtbar sind [neue 
Zeichnung: Halbkreis mit Pfeilen]. Diese Schwerkrafte der Erde erleben wir mit den Kraften 
unserer Ich-Organisation [kurze Striche an den Pfeilen]. Und dasjenige, was zunachst 
dem Willen der Bewegung entspricht, vollzieht sich zwischen der unsichtbaren 
Ich-Organisation und den unsichtbaren Schwerkraften der Erde. 

Nur ist die Ich-Organisation darauf angewiesen, daB sie etwas fiihlt als Wider- 
stand, wenn sie mit den Schwerkraften der Erde in Verbindung tritt. Dazu ist der 
Astralleib da der Beine, der Atherleib und namentlich der physische Leib, bloB 
daB die Ich-Organisation sich selber fiihlen kann, wahrnehmen kann. Und ohne 
die Wahrnehmung kann sie nicht mit der Erdenorganisation in Verbindung treten; 
denn sie muB bewuBt mit der Erdenorganisation in Verbindung treten. Damit die 
Ich-Organisation im Schreiten ihrer selbst bewuBt wird und mit den Erdenkraften 
in Verbindung treten kann, sind die physische Organisation und die anderen 
Organisationen da. 

Das Gehen ist also ein ganz iibersinnlicher Vorgang. Die sinnliche Organisation 
ist nur dazu zum Gehen da, daB das Gehen vom Menschen wahrgenommen werden 
kann, weil er so etwas nur ausfiihren kann, wenn er es wahrnimmt. Sie gehen 
ebensowenig, meine lieben Schwestern und Briider, mit den physischen Beinen, 
wie Sie mit den Strumpfen gehen. Sie gehen mit dem, was in den Beinen Ihrer 
Ich-Organisation entspricht. Und wie Sie die Strumpfe haben, daB sie Ihnen warm 
geben, so haben Sie die physischen Beine, daB sie Ihnen BewuBtsein geben fur 
das Gehen. 

Das, was ich jetzt gesagt habe, das muB man fiihlen. Man muB lernen fiihlen 
im Gehen, daB das Gehen ein iibersinnlicher Vorgang ist, und daB alles Sinnliche 
nur dazu da ist, um BewuBtsein davon zu vermitteln. Dieses BewuBtsein wird 



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sogar wahrend des wachenden Erdenlebens in einer nicht ganz vollkommenen 
Weise erzeugt, weil unsere physischen Beine auch schwer sind und wir dadurch 
nicht nur mit den Schwerkraften der Erde, sondern auch mit den Schwerkraften, 
die in unseren physischen Beinen wirken, in Zusammenhang kommen. Daher, 
wenn wir die physischen Beine nicht haben, wie im Schlaf, dann durcheilen wir 
das Weltenall im Ich und im astralischen Leibe in einer viel regsameren Weise, als 
wenn wir im physischen Leben herumgehen. Wir bewegen uns wahrend des Schla- 
fes durchaus, nur, wir haben kein BewuBtsein davon im gewohnlichen BewuBtsein, 
weil die physischen Beine das BewuBtsein davon vermitteln. 

Wer ist es denn nun, der uns in die Moglichkeit versetzt, wahrend des Schlafes 
- und dann auch wahrend der Hellsichtigkeit - uns zu bewegen? Wir konnen uns 
bewegen, sagte ich, im physischen Dasein dadurch, daB uns die Bewegung bewuBt 
wird durch die physischen Beine. Wer ist es, meine lieben Freunde, der uns das 
ersetzt wahrend des Schlafes? Das sind diejenigen Wesenheiten, welche mit uns 
wahrend des Schlafes fur die Bewegung in Verbindung treten. Das sind die Throne, 
Wesenheiten der ersten Hierarchic Nur kann der Mensch in dem gewohnlichen 
BewuBtsein, in seinem gewohnlichen SchlafbewuBtsein eben die Throne nicht 
wahrnehmen; daher hilft es ihm nichts. Obwohl dann, wenn der Mensch durch 
Intuition fahig wird, wahrzunehmen, was eigentlich da geschieht im Schlafe, dann 
wird er gewahr: er steht wahrend des Schlafes durch die Throne ebenso in Verbin- 
dung mit einer hoherbewuBten Welt, wie er im physischen Leben durch seine 
physischen Beine in Verbindung steht mit dem gewohnlichen Erdenleben. 

Das alles muB ins Gefiihl iibergehen. Das alles muB man innerlich spiiren lernen. 
Dann verspiirt man aber auch die webende und wellende Geisteswelt, in der man 
eigentlich fortwahrend drinnen ist. 

Und wiederum konnen wir uns hinaufranken zu einem solchen innerlichen 
Erfiihlen und Erleben, wenn wir wirken lassen auf uns so in der Situation drinnen, 
wie das bei den anderen Mantren der Fall war, die ich angefuhrt habe ftir das Feld 
des Denkens und das Feld des Fiihlens, wenn wir uns so drinnen fiihlen in der 
Situation: Aus den Weltenweiten zu uns dringend etwas wie mit donnerahnlicher 
Stimme; dann der Hiiter der Schwelle, uns aufmerksam machend, wir sollen die 
Throne horen, was sie zu uns sprechen. Die Throne sprechen uns von dem, was 



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aus den Trieben heraus, wie wir es nennen, aus den Seelentrieben in unser Wollen 
iibergeht, wenn wir in der Welt irgend etwas als Wollen ausfiihren. 

Daher werden wir den dritten Teil dieser Mantren also auf uns wirken lassen, 
wie aus den Weltenweiten wiederum ertonend: 

Vernimm des Willens Feld. 

Dann der Hiiter der Schwelle: 

Es spricht, der die Weltenkrafte, die dumpfen 
Aus den Erden-Untergrunden, den finstren 
In deiner Glieder Regsamkeiten lenket: 

Blick' auf deiner Triebe Feuer-Wesen. 

Das ist das Erste. Das Zweite fiihrt uns schon mehr ins Seelische hinein. Wenn 
wir weitergehen im Verfolgen der Willensregsamkeit des Menschen, dann, dann 
machen wir in dieser innerlich meditativen Verrichtung der Seele eine groBe Ent- 
deckung. Und diese groBe Entdeckung, die muB eigentlich einmal iiber den Men- 
schen kommen, wenn er auf dem Felde seiner Entwickelung vorwartsschreiten will. 

Da muB ich Euch, meine lieben Schwestern und Briider, auf etwas hinweisen, 
von dem Ihr alle wiBt, denn das gewohnliche BewuBtsein weiB schon davon; das 
ist dasjenige, was wir in uns nennen die Stimme des Gewissens. Die Stimme des 
Gewissens! Aber diese Stimme des Gewissens, sie tont in einer unbestimmten 
Weise aus dem menschlichen Wesen in das BewuBtsein herein. Der Mensch kennt 
gewohnlich nicht recht dasjenige, was da in bezug auf sein moralisch-seelisches 
Verhalten aus geheimnisvollen Untergrunden der Seele herauftont und was er die 
Stimme seines Gewissens nennt. Man kommt eben nicht so tief in das eigene Wesen 
mit dem gewohnlichen BewuBtsein hinunter, daB man die Stimme des Gewissens 
erreicht. Sie kommt herauf, aber der Mensch erreicht sie nicht. Und so schaut er 
sie nicht von Seelenangesicht zu Seelenangesicht. 

Und wenn der Mensch dann meditierend vordringt bis zu der weiteren Welt 
der Cherubine, der weisheitsvollen Wesen, die die Welt durchweben und durchle- 



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ben, dann macht er die groBe Entdeckung, wie aus der Welt der Cherubine in ihn 
hereindringt ein Weltenwirken, innerhalb dessen die Stimme des Gewissens lebt. 

Oh, die Stimme des Gewissens ist von hohem Ursprung, hoher Wesenheit. Sie 
lebt eigentlich in der Welt der Cherubine. Aus dieser Welt der Cherubine webt 
sie sich hinein in das Menschenwesen und tont aus den Tiefen dieses Menschenwe- 
sens unbestimmt zunachst herauf. Aber es ist eine groBe, gewaltige Begegnung, 
wenn der Mensch im Intuitionsleben, da, wo er sich in Verbindung setzen kann 
mit dem Feld der Cherubine, der Welt begegnet, in der sein Gewissen west und 
webt. Es ist die groBte personliche Entdeckung, die der Mensch machen kann. 

Dazu ermahnt uns der Hiiter der Schwelle mit den Worten: 

Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen 
Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll 
In deinem Blute kreisen laBt: 

Blick' auf des Gewissens Seelen-Fiihrung. 

In Wahrheit ist es der Geist, der im Blute kreist aus dem Felde der Cherubine 
heraus, der die Stimme des Gewissens darstellt. Das Blut ist in alien Teilen unseres 
Menschenwesens physisch; aber es tragt, indem es in alien Teilen unseres Menschen- 
wesens physisch ist, diese Stimme des Gewissens zugleich mit anderem. Und es 
weben die Wellen des cherubinischen Lebens in dem seelischen Dasein unseres 
Blutes. 

Wir gewinnen fur diese Meditation einen groBeren Halt, wenn wir uns die 
Situation so vorstellen: 

Erst spricht dasjenige, was aus den Weltenweiten kommt: 

Vernimm des Willens Feld. 

Der Hiiter der Schwelle ermahnt uns: 

Es spricht, der die Weltenkrafte, die dumpfen 
Aus den Erden-Untergrunden, den finstren 
In deiner Glieder Regsamkeiten lenket. 



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Dann stellen wir uns vor [es wird gezeichnet]: Webende Wolken [blau], webende 
Wolken als Symbolisierung der Throne. Und indem wir diese webenden Wolken 
vorstellen, horen wir die Throne, die Stimmen aus der ersten Hierarchie: 

Blick' auf deiner Triebe Feuer-Wesen. 

Dann spricht der Hiiter der Schwelle weiter: 

Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen 
Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll 
In deinem Blute kreisen laBt. 

Jetzt stellen wir uns vor, durchzuckend diese Wolken: Blitze [rot], denn Blitze 
sind die Werkzeuge der Cherubine, die feurigen Schwerter der Cherubine. Indem 
diese Blitze zucken durch die Wolken, fiihlen wir dieses Zucken in den Worten: 

Blick' auf des Gewissens Seelen-Fiihrung. 

Dann spricht der Hiiter der Schwelle: 

Es spricht, der das Menschensein, das vollbrachte 

- das sind die fruheren Erdenleben - 

Durch Tode und Geburten, sinngerecht 
Zum Atmen bringt in gegenwart'ger Zeit. 

Dabei stellen wir uns vor, wie der ganze Himmel iiber den Blitzen mit webender 
Warme [es wird weitergezeichnet, gelb], mit webender Hitze die Blitze heruntersendet. 
Und in dieser webenden Hitze aus Weltenweiten empfinden wir die Sprache der 
Seraphine: 

Blick' auf deines Schicksales Geistes-Prufung 

wie sich das Schicksal von Erdenleben zu Erdenleben in dieses gegenwartige Erden- 
leben herein erstreckt. 



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Das Mantram ist besonders wirksam, wenn es in dieser Weise zugleich mit dem 
Bilde empfunden wird. Und man kann sich gerade fur dieses Mantram - weil ja 
der Wille das Geheimnisvollste ist - vorbereiten, vorbereiten dadurch, daB man, 
abstreifend alle Trivialitat von den Worten, das Hinweisende, Hinlenkende, Wel- 
tenrichtung-Gebende empfindet an diesem Bilde, indem man mit einem guten 
deutschen Worte - das nur leicht trivial aufgefaBt werden konnte, aber es muB, 
wenn man es nun hier braucht, alle Trivialitat davon abgestreift werden - statt 
Throne «Sitze» sagt. 

Also stellt Euch vor, meine lieben Schwestern und Briider: Ihr fiihlt das Wort 

«Sitze», 

[es wird an die Tafel geschrieben:] SitZ& 

Wolkensitze; bildet Euch die Wolkenvorstellung, daB sie vor Euch steht. Ihr bildet 
das Wort «Blitze», 

[iiber «Sitze» wird geschrieben:] BlitZS 

wiederum mit der Vorstellung «Hineinblitzen»: die zuckenden Blitze in die Wolken 
hinein. Ihr bildet das Wort «Hitze», 

[iiber «Blitze» wird geschrieben:] HitZS 

Weltenhitze; und fiihlt in diesem dreifachen «i» das Aufsteigen von den Wolkensit- 
zen zu den Blitzen und zu der Weltenhitze, aus der die Blitze kommen. Ihr fiihlt 
vorbereitend zum Mantram: 

Sitze, Blitze, Hitze. 

Und dann, nachdem dies vor Euch steht, fiihlt Ihr mit dem Bilde die Kraft des 
Mantrams: 

[Das Mantram III wird nun an die Tafel geschrieben und gleichzeitig in der ersten Zeile «Willens» und jeweils 
die letzte Zeile von Teil 1, 2, 3 unterstrichen; siehe Tafelband Seite 91:] 



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Vernimm des Willens Feld: 



1. ) Es spricht, der die Weltenkrdfte, die dumpfen 

Aus den Erden-Untergrilnden, den finstren 
In deiner Glieder Regsamkeiten lenket: 
Blick' auf deiner Triebe Feuer-Wesen. 

2. ) Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen 

Aus Gottes-Wirkensfeidern, gnadevoll 
In deinem Blute kreisen lafit: 

Blick' auf des Gewissens Seelen-Fuhrung. 

3. ) Es spricht, der das Menschensein, das vollbrachte 

Durch Tode und Geburten, sinngerecht 
Zum Atmen bringt in gegenwart'ger Zeit: 

Blick' auf deines Schicksales Geistes-Prufung. 



In solchen Spriichen ist nichts bloBe Phrase: sondern hier handelt es sich um 
der «Glieder Regsamkeiten» - ich habe es geschildert als ein Zusammenarbeiten 
der Ich-Organisation mit den Kraften der Erde -: ganz iibersinnlicher Vorgang. 
Dessen miissen wir uns bewuBt sein im ersten Teil des Mantrams. 

Im zweiten Teil des Mantrams: wir miissen uns bewuBt sein der durch den 
ganzen Organismus gehenden Blutzirkulation, die in ihrem Wellenkreisen dasjeni- 
ge enthalt, was das Gewissen hat. Das Schicksal aber, das lebt im Grunde genommen 
in unserem Atem, insofern der - der oberste Teil des rhythmischen Systems - 
durchstromt wird nicht nur von dem, was heute uns im Atmen belebt, sondern 
indem der Atem geformt wird aus fruheren Erdendaseinsstufen. 

Hier [im Teil l] werden wir von dem Hiiter der Schwelle verwiesen auf die 



Throne 



hier [im Teil 2] auf die 



Cherubine 



hier [im Teil 3] auf die 



Seraphine 



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[«Throne» wird neben Teil 1, «Cherubine» neben Teil 2, «Seraphine» neben Teil 3 geschrieben. Zur Schreib- 
weise von «Cherubine» und «Seraphine» siehe unter Hinweise.] 

Das Symbolum, das wir wahlen, urn dem Mantram die notige innere Starke und 
Geisteskondensation zu geben, das driickt uns die Offenbarung der ersten Hierar- 
chic in einer sehr schonen Weise aus: Wolken, Throne, aber zu gleicher Zeit 
dasjenige, aus dem die Throne, wenn wir auf das Geistige in den Wolken hinschau- 
en, aus dem die Throne ihre Substanz nehmen, ihr eigenes Wesen; Wesen nehmen 
sie daraus. 

[Es wird an die Tafel geschrieben und dabei «Wesen» unterstrichen:] 

Wolken - Throne - Wesen 

Wir blicken auf zu den Blitzen. Oh, die Cherubine sind schon verhiillter. Bei 
den Thronen kann man spiiren, wie sie in den Wolken selber weben. Die auftiirmen- 
den Wolken geben die Substanz der Throne her. So leicht in ihrem Anblick machen 
es uns die Cherubine nicht. Sie verbergen sich mehr als die Throne. Sie zeigen uns 
nicht sich selbst in den Formungen. Sie zeigen uns in den Blitzen ihre Werkzeuge. 
Sie sind hinter ihren Werkzeugen. Sie zeigen uns in den Blitzen nicht ihr Wesen, 
nur ihre Werkzeuge: 

[Es wird an die Tafel geschrieben und dabei «Werkzeuge» unterstrichen:] 

Blitze - Cherubine - Werkzeuge 

Und steigen wir gar auf zu der Weltenhitze, da verbergen sich tief darinnen die 
Seraphine; viel tiefer als die Cherubine hinter den Werkzeugen, den Blitzen. Das 
ist nur der Schein, diese Weltenhitze, nur der Schein der Seraphine. Die Throne 
offenbaren sich durch ihr Wesen; die Cherubine offenbaren sich durch ihre Werk- 
zeuge; die Seraphine offenbaren sich durch den Schein, der aus ihnen ausstrahlt: 

[Es wird an die Tafel geschrieben und dabei «Schein» unterstrichen:] 

Weltenhitze - Seraphine - Schein 



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Und so stellen wir die Verbindung her zwischen dem Menschen und der ersten 
Hierarchie im Felde des Wollens: 

Vernimm des Willens Feld: 

Es spricht, der die Weltenkrafte, die dumpfen 
Aus den Erden-Untergrunden, den finstren 
In deiner Glieder Regsamkeiten lenket: 

Blick' auf deiner Triebe Feuer-Wesen. 

Es spricht, der die Geistesstrahlen, die hellen 
Aus Gottes-Wirkensfeldern, gnadevoll 
In deinem Blute kreisen laBt: 

Blick' auf des Gewissens Seelen-Fiihrung. 

Es spricht, der das Menschensein, das vollbrachte 
Durch Tode und Geburten, sinngerecht 
Zum Atmen bringt in gegenwart'ger Zeit: 

Blick' auf deines Schicksales Geistes-Prufung. 

Es kommt aber alles darauf an, daB wir in der Situation uns darinnen empfinden 
so, als ob wir gar nicht selber sprechen, denken, fiihlen und wollen wiirden; sondern 
es kommt darauf an, daB wir uns selber ganz vergessen und in dieser Situation in 
dreifacher Weise uns angetont erfiihlen und empfinden. 

Ja, meine lieben Schwestern und Briider, es ist schon notwendig, daB man solche 
mantrischen inneren Verrichtungen in vollem Ernste nimmt. Dann bewirken sie, 
was sie bewirken sollen. Dann bringen sie uns vorwarts auf dem Felde, auf dem 
dreifachen Felde der geistigen Welten, auf dem Felde des Denkens, Fiihlens, Wol- 
lens. Und iiberall handelt es sich darum, daB wir in vollem Ernste in diesen Dingen 
drinnenstehen konnen. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 76 



Dazu ist eigentlich noch etwas notwendig, was beriicksichtigt werden muB. Der 
Meditierende wird ja oft wiederum in den Schlendrian des gewohnlichen Lebens 
zuriickf alien; er muB das ja auch, da er zwischen Geburt und Tod ein Erdenmensch 
ist. Das gewohnliche BewuBtsein muB sich immer wieder finden. Aber wir konnen 
ja so sein im Leben, so zum Beispiel: wenn wir - ich meine jetzt, im negativen 
Sinne konnen wir es -, wenn wir irgendeinen Schmerz, der habituell bleibt, der 
chronisch wird, wenn wir den haben, wir empfinden ihn immer; wir konnen 
manchmal ihn iibersehen, aber wir empfinden ihn. So sollten wir auch erleben, 
wenn wir einmal erfaBt worden sind von der Kraft der Meditation. Wir sollten 
uns eigentlich immer so fiihlen, daB wir uns sagen: dieses gewohnliche BewuBtsein 
hat ja einmal meditiert, es ist ja einmal erfaBt worden von der es durchsetzenden 
Kraft der Meditation. Wir sollen fiihlen, daB die Meditation da war, daB wir einmal 
in ihr waren. Wir sollen ein anderer Mensch geworden sein dadurch, daB wir 
fiihlen, die Meditation macht uns zu etwas anderem. Dadurch, daB wir einmal 
mit ihr begonnen haben, konnen wir gar nicht mehr im Leben vergessen - auch 
nicht fur Augenblicke vergessen, meine lieben Schwestern und Briider -, daB wir 
Meditierende sind. Dann ist dies die rechte Stimmung des Meditierenden. 

Wir sollen so uns hineinleben in das Meditieren - wenn wir natiirlich auch 
selbstverstandlich das Meditieren nur kurz treiben, ohne daB es uns das iibrige 
Leben stort -, daB wir eigentlich immer uns fiihlen als Meditierende und daB wir, 
wenn wir einmal vergessen, daB wir Meditanten sind, und nachher darauf kommen, 
wir haben das vergessen, es hat Momente im Leben gegeben, wo wir das vergessen 
haben: da sollten wir uns das Gefiihl aneignen, uns so zu schamen, wie wir uns 
schamen wiirden, wenn es uns passierte, daB wir ohne Kleider nackt durch eine 
ganz mit Menschen besetzte StraBe liefen. Das sollten wir uns aneignen. So sollten 
wir den Ubergang vom Nichtmeditieren zum Meditieren auffassen, daB es keinen 
Moment gibt, der so ist, daB, wenn wir ihn ohne das BewuBtsein, daB wir Meditan- 
ten sind, hinterher entdecken, wir uns seiner nicht schamen wiirden. Das ist das- 
jenige, worauf viel ankommt. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 77 



Und dann werden wir wirklich fortschreiten in dem, was uns durch das Welten- 
wort, mit dem wir begonnen haben, gesagt wird: 

Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellenweben 
In deines Lebens Werdestrom? 

Bist du es selbst, der sich 

Im Raumesfiihlen, im Zeiterleben 

Das Wort erschafft, dich fremd 
Erfiihlend in Raumes Seelenleere, 
Weil du des Denkens Kraft 
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome. 



Aber wir miissen auch uns immer wieder vor die Seele fiihren, daB Erkennen 
eine ernste Sache ist, daB die Welt der groBen Illusion, die Welt der Maja, uns das 
Erkennen nicht liefert, daB wir erst an die Schwelle kommen miissen, wo der 
Hiiter steht, und daB an der Schwelle erst alle die Truggestalten verschwinden, 
mit denen die gewohnliche Sinnes wirklichkeit und das gewohnliche Denken 
erfiillt sind. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 78 



Das konnen wir empfinden, wenn aus denselben Weltentiefen, aus denen wir 
heraus wahrgenommen haben das Weltenwort, das eben gesprochen worden ist, 
es ferner zu uns klingt: 

Erkenne erst den ernsten Hiiter, 

Der vor des Geisterlandes Pforten steht, 

Den EinlaB deiner Sinnenkraft 

Und deines Verstandes Macht verwehrend, 

Weil du im Sinnesweben 

Und im Gedankenbilden 

Aus Raumeswesenlosigkeit, 

Aus Zeiten Truggewalten 

Des eignen Wesens Wahrheit 

Dir kraftvoll erst erobern muBt. 

Wenn wir solches gehort haben, kann in uns andachtig das Gegenwort aus den 
Tiefen unserer Seele heraus sprechen: 

Ich trat in diese Sinnes-Welt, 

Des Denkens Erbe mit mir fuhrend, 

Eines Gottes Kraft hat mich hereingefuhrt. 

Der Tod, er steht an des Weges Ende. 

Ich will des Christus Wesen fiihlen. 

Es weckt in Stoffes-Sterben Geist-Geburt. 

Im Geiste find' ich so die Welt 

Und erkenne mich im Weltenwerden. 



Es wird also jetzt immer diese Stunde am Sonnabend um dieselbe Zeit sein. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 79 



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VIERZEHNTE STUNDE 



Dornach, 31. Mai 1924 

eine lieben Freunde! Wir haben betrachtet die Stellung des Menschen 
zum Hiiter der Schwelle und haben stufenweise uns vor die Seele gefiihrt, 
wie das Verhaltnis des Menschen zum Hiiter der Schwelle auf dem Wege 
der Erkenntnis ist. Wir wollen heute uns die Situation vor dem Hiiter der Schwelle 
ganz lebendig einmal vor die Seele zunachst stellen, um in dieser esoterischen 
Betrachtung ein Stuck weiterzukommen. 

Der Mensch verlaBt - ich repetiere dasjenige, was in den bisherigen Stunden 
betrachtet worden ist, situationsgemaB -, der Mensch verlaBt die physische Welt, 
in der er sein gewohnliches BewuBtsein entfaltet. Er wird gewahr, daB diese sinn- 
lich-physische Welt zwar groBartig sein kann, freudevoll, auch leidvoll, schmerz- 
voll, daB sie majestatisch sein kann; daB er alien Grund hat, mit seinem BewuBtsein 
ihr anzugehoren. Aber er wird auch gewahr, daB er sich selbst niemals erkennen 
kann, wenn er bloB den betrachtenden Blick und die empfindende Seele auf diese 
physische Welt hinlenkt. Und er muB sich sagen: So groBartig das ist, was Farbe 
an Farbe sich reiht und Form an Form sich gliedert, dasjenige, was ich selbst 
meinem Ursprung und meinem Wesen nach bin, das findet sich nicht in den Weiten 
dieses Umkreises. 

Da aber tont dennoch als die bedeutsamste Aufgabe im Leben des Menschen 
das Wort der Selbsterkenntnis von alien Seiten an den Menschen heran: O Mensch, 
erkenne dich selbst! 

Und auch das wird dem Menschen klar, daB er im gewohnlichen Leben ja 
geschiitzt ist davor, unvorbereitet in die Welt hineinzukommen, die eigentlich die 
Welt seines Wesens ist. Und der Hiiter der Schwelle zeigt sich als diejenige Wesen- 
heit, die den Menschen, wenn er in die geistige Welt jede Nacht im Schlafe hinein- 
geht, davor behutet, bewuBt dasjenige wahrzunehmen, was im Schlafe um ihn 
herum ist, weil er durch dieses Wahrnehmen dessen, worinnen er im Schlafe ist, 
so furchtbare Erschutterungen durchmachen wiirde - wenn er's unvorbereitet 



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durchmacht -, daB er das Wachleben nicht in menschenkraftiger Weise vollenden 
konnte. 

Der Hiiter der Schwelle macht aber zugleich dem Menschen klar, daB er - dieser 
Hiiter selbst - der wahren, der echten Erkenntnis einziges Tor ist. 

Dabei bemerkt der Mensch, daB er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, 
an einen Abgrund kommt, daB dieser Abgrund zunachst sich als ein Gebiet des 
Bodenlosen darstellt. Die Stiitze hort auf, auf der man steht in der physischen 
Welt. Man kann da nicht hinuberschreiten. Man kann diesen Abgrund nur iiberset- 
zen, wenn man sich vom Physischen befreit, wenn einem also - symbolisch gespro- 
chen - «Flugel wachsen», daB man als geistig-seelisches Wesen iiber den Abgrund 
hinuberkommt. 

Aber der Hiiter der Schwelle ruft einem erst zu, wie man den Abgrund achten 
soil; und namentlich die Tiere, die aufsteigen als Geist-Gestalten aus diesem Ab- 
grunde, wie man die achten soil; wie man sich klar sein soil, daB diese Tiere die 
auBere Spiegelung sind des ungelauterten Wollens, Fiihlens, Denkens; daB diese 
Tiere erst uberwunden werden miissen. Und in einem anschaulichen Bilde stellt 
sich dem Menschen vor Augen, wie sein Wollen, Fiihlen und Denken in drei Tieren 
- einem gespenstigen, einem greulich anzuschauenden und so weiter - sich offen- 
bart. 

Dann wird von dem Hiiter der Schwelle weiter uns gezeigt, wie Denken, Fiihlen 
und Wollen sich in sich selber erkraften konnen, nachdem sie mit vollem BewuBt- 
sein sich entschlossen haben, zu uberwinden die Tiere. Bis dann der Mensch eintritt 
in die geistige Welt, ist er genotigt, im Anblicke der geistigen Welt Situations- 
Meditationen zu entfalten, sich hineinzufinden, wie der Kosmos zu ihm spricht, 
wie die Hierarchien zu ihm sprechen, wie zunachst alles verkiindet dasjenige, was 
den Menschen driiben erwartet in der geistigen Welt. 

Und immer mehr werden wir durch das, was in den Mantren vor unsere Seele 
getreten ist, gewahr, wie der Mensch ein anderer werden muB, wenn er den Abgrund 
uberschreiten, wenn er sich einleben will in dasjenige, was jenseits des Abgrundes 
ist. Immer mehr werden wir gewahr: Hier auf der Erde verkehren wir mit den 
Wesen der drei Naturreiche und mit den Menschen; driiben verkehren wir mit 
den entkorperten Seelen und mit den Geistern der hoheren Hierarchien. Ein anderer 



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Umgang ist da. Eine ganz andere Seelenverfassung fordert dieser ganz andere 
Umgang. 

Da ist es noch einmal die Aufgabe des Hiiters der Schwelle, den Menschen 
kraftig hinzuweisen, wie er sich nun zu verhalten hat, zu verhalten hat namentlich 
gegeniiber der Tatsache, daB man ja, wenn man den Abgrund iiberschreitet, wenn 
man iiberhaupt erfahrt etwas von der geistigen Welt in ihrer Wirklichkeit, wie 
man da dazu kommen muB, eine ganz andere Seelenverfassung zu haben. 

Der Mensch wird da gewahr, wie zwei Seelenverfassungen in ihm Wirklichkeit 
werden konnen: die Seelenverfassung diesseits des Abgrundes mit dem gewohnli- 
chen BewuBtsein; die Seelenverfassung jenseits des Abgrundes auBerhalb des physi- 
schen und des atherischen Leibes, die Seelenverfassung in der rein geistigen Welt. 

Da, wo der Unterschied dieser Seelenverfassungen auftritt, erwarten den Men- 
schen groBe Gefahren; Gefahren, die sich zunachst allerdings so zeigen, daB wir 
sie als kleine Abweichungen von der normalen Seelenverfassung zu schildern haben, 
daB wir immer innerhalb des Seelischen bleiben, wenn wir sie richtig schildern, 
die aber ihre Extreme in krankhaften MiBbildungen des Seelischen doch haben. 
Es muB naturlich immer betont werden: Wenn der Gang in die hoheren Welten 
so angestellt wird, wie er sorgfaltig gekennzeichnet ist in den Buchern «Wie erlangt 
man Erkenntnisse der hoheren Welten?», in mancher kleineren Schrift, die auf 
anthroposophischem Gebiete erschienen ist, im zweiten Teil meiner «Geheimwis- 
senschaft», dann kann ein Abirren von der normalen Seelenverfassung nicht statt- 
finden, auch nicht in leiser Weise stattfinden. Der Mensch wird vollbewuBt sowohl 
zunachst in der Erkenntnis durch den gesunden Menschenverstand hinubergehen 
in die geistige Welt, wie auch durch die Initiation. Aber wissen muB der Mensch, 
wie er in zweifacher Weise aus der alltaglichen, ihn fest ins Leben hineinstellenden 
Seelenverfassung herauskommt, wenn er nicht alles dasjenige beachtet, was der 
richtige Wegweiser ist hinein in die geistige Welt. 

Hier, diesseits der Schwelle, stehen wir auf der Erde, auf dem festen Erdenele- 
mente. Der Boden ist unter unseren FuBen. Der Boden ist uns Stiitze. Wir haben 
um uns das waBrige Element, das auch teilnimmt an unserer eigenen Leibesbildung. 
Dieses waBrige Element kann uns im gewohnlichen Leben nicht Stiitze sein, aber 
es durchdringt uns, bildet sich um zu unserem Blute. Es ist in unserem Wachstum, 



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in unseren Ernahrungskraften enthalten. Wir atmen die Luft. Das luftartige, das 
gasartige Element ist um uns herum. Die Warme ist um uns herum, der Warmeather, 
das vierte Element. 

Sie sind getrennt voneinander im gewohnlichen Leben. Wo feste Erde ist, ist 
nicht Wasser; wo Wasser ist, ist nicht Luft; wo Luft ist, ist nicht Wasser. Nur das 
Feuer - die Warme - durchdringt alles; es ist das einzige, was beginnt, alles zu 
durchdringen. 

In dem Augenblicke, wo wir herausgehen - auch nur auf den ersten Anhub, 
meine lieben Freunde -, herausgehen aus dem physischen Leib, hort diese Differen- 
zierung, diese Trennung der Elemente auf. Wir vergroBern uns, wir dehnen uns 
aus, und wir sind gleichzeitig in Erde, Wasser, Feuer, Luft. Wir konnen sie nicht 
mehr unterscheiden voneinander; und die Eigenschaften horen auf, die diese vier 
Elemente haben. Die Erde ist uns nicht mehr Stiitze, denn ihre Festigkeit hort auf. 
Das WaBrige bildet uns nicht mehr, denn seine formenden Krafte horen auf. So 
wie wenn wir ins Wasser uns hineinstiirzten, nicht schwimmen wiirden, wo wir 
vom Wasser getrennt sind, sondern uns sogleich auflosen wiirden - wie in einem 
warmen Wasser das Eis sich auflost -, wie wenn wir mit dem Wasser eins wiirden, 
so tragen wir nicht mehr, wenn wir hinuberkommen in die geistige Welt, das Blut 
als ein getrenntes Element in den Adern, sondern unser Blut wird eins mit dem 
allwesenden waBrigen Elemente des Universums. Ebenso mit der Luft: sie hort 
auf, die bildende Atemkraft in uns zu sein. Die Warme hort auf, uns zu einem 
Ich zu entflammen, uns innerhalb der Warme als Selbst zu fiihlen. Alles das hort 
auf. Diesem Aufhoren der Differenzierung in Erde, Wasser, Luft, Feuer miissen 
wir die richtige Stimmung entgegenbringen. 

Wir denken uns also, daB wir bereits den Abgrund iiberflogen haben. Driiben 
sind wir angekommen, meine lieben Schwestern und Briider. Da ruft uns zu der 
Hiiter der Schwelle, wir sollen uns wieder umdrehen und das Antlitz zu ihm 
wenden. 

Nun stellt Euch, meine lieben Schwestern und Briider, recht lebendig vor: Der 
Mensch ist driiben angekommen, da, wo ihm offenbar werden die Wahrheiten, 
die Erkenntnis iiber die geistige Welt. Er steht driiben. Der Hiiter der Schwelle 
veranlaBt ihn, sich umzudrehen, um die Ermahnungen entgegenzunehmen, die er 



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jetzt braucht, wo er schon gewissermaBen beriihrt worden ist von der Seelenverfas- 
sung, die driiben ist, jenseits der Schwelle, innerhalb der geistigen Welt, wo man 
in den vier Elementen selber drinnen lebt: in Erde, Wasser, Luft, Feuer. 

Da tritt die eine Gefahr an den Menschen heran, daB er sich - verzeiht, meine 
lieben Schwestern und Briider, den trivialen Ausdruck -, daB er sich illusionsmaBig 
verliebt in das Losgelostsein von der festen Erde, von der bildenden Wasserkraft, 
von der schaffenden Luftkraft, von der Selbstheit erweckenden Warmekraft, daB 
er wonnig sich fiihlt nur in der geistigen Seligkeit, wie hingegeben an die Wonne 
des Geistes, und daB er verharren will in dieser Seligkeit des Geistes. 

Dieses iiberkommt ihn, weil die luziferische Verfuhrung an ihn herantritt. Je 
nach seinem Karma kann der Mensch nun zuganglich sein ftir diese luziferische 
Verfuhrung mehr oder weniger. Ist er zuganglich, so daB er sich ganz und gar nur 
verliebt in das Erleben der Auflosung in Erde, Wasser, Luft und Feuer, dann erfaBt 
ihn das Luziferische, und er will nicht mehr aus dieser Seelenstimmung heraus- 
kommen. Er lauft Gefahr, wenn er wiederum zuruckkommt in das alltagliche 
Leben, diese Seelenstimmung fortzusetzen. Da muB ihm der Hiiter der Schwelle 
zurufen: 

Du darfst das nicht. Du darfst nicht Luzifer verfallen. Du darfst nicht bloB die 
Wonnen der Seligkeit in der Auflosung in Erde, Wasser, Feuer, Luft empfinden. 
Du muBt dir fest vornehmen jetzt, wenn du wiederum zuruckkehrst in die physi- 
sche Welt, die Seelenverfassung des gewohnlichen BewuBtseins der physischen 
Welt anzunehmen, sonst wirst du in der physischen Welt kunftig ein verworrener 
Mensch. 

Das ist die luziferische Gefahr, daB man bei der Riickkehr aus der geistigen 
Welt, bei der Riickkehr von jenseits der Schwelle ein verworrener Mensch wird, 
sich nicht mehr auskennt in der Welt, ein Schwarmer wird, einer, der Schwarmerei 
fur Idealismus halt, der das gewohnliche BewuBtsein verachtet. Das darf man nicht. 
Und eindringlich ermahnt der Hiiter der Schwelle, daB man den EntschluB fasse, 
mit einer jeglichen Welt, sei es die irdische, sei es die iiberirdische, entsprechend 
zu leben. 

Aber eine zweite Mahnung setzt der Hiiter der Schwelle daran. Diese zweite 
Mahnung ist diese, daB man achten soil, wenn man da driiben angekommen ist 



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mit dem gespaltenen Denken, Fiihlen und Wollen, wieviel noch in diesem 
Denken, Fiihlen und Wollen von irdischen Hangen, von irdischen Neigungen vor- 
handen ist. 

Da kann der Mensch wiederum die Neigung haben, dasjenige, was er erfahren 
hat dadurch, daB er diesseits die feste Erdenstiitze hat, erst recht zu verfestigen 
und mit der materialistischen Seelenverfassung hinuberzugehen ins Jenseits der 
Schwelle, mit den erstarrten, verfesteten Bildungskraften des Wassers hinuberzuge- 
hen. Dann kann er von einem irdischen Hochmut geplagt werden und kann sich 
sagen: Ich habe im Erdenleben geatmet, in mich eingesogen jenen Atem, aus dem 
einstmals der Vatergott die Menschenseelen, die Menschenleben geschaffen hat; 
ich kann das auch, wenn ich nur befreit werde von der irdischen Beschranktheit. 

Aber will der Mensch dasjenige, was er durch seinen Atem hat als schaffende 
Gotterkraft, hinubertragen in die geistige Welt, da verfallt er der ahrimanischen 
Verfuhrung. Da kann er auch nicht wieder zuruckkehren, weil ihn, ehe er zuriick- 
kehren will, driiben in der geistigen Welt die Ohnmacht erfaBt. Er wird bewuBtlos 
mehr oder weniger. Das BewuBtsein wird ihm herabgelahmt. Dadurch, daB ihm 
das BewuBtsein herabgelahmt wird, wird er mehr oder weniger ein Werkzeug der 
ahrimanischen Machte driiben in der geistigen Welt. 

Es ist heute so, daB ja das geistige Leben seit dem Beginn der Michael-Zeit den 
Menschen - der nur grob ist heute, im Materialismus erstarrt - fast schon hinuber- 
zieht in die geistige Welt. Und was das dann heiBt, daB die ahrimanischen Machte 
den Menschen ergreifen, wenn sein BewuBtsein herabgelahmt ist bei vollstandig 
wachem Zustande sonst, ja, meine lieben Freunde, das hat sich ja ganz energisch 
gezeigt, als der groBe Weltkrieg ausgebrochen ist. 

Ich habe gar manchem gesagt, als dieser Weltkrieg ausgebrochen war: Die Ge- 
schichte dieses Krieges wird nicht bloB vom physischen Plane aus geschrieben 
werden konnen. Dokumente sprechen da allein die Wahrheit nicht aus, weil von 
den dreiBig, vierzig Menschen, die in Europa eigentlich beteiligt waren an der 
Entstehung dieses Krieges, eine ganze Anzahl im entscheidenden Momente ein 
getrubtes BewuBtsein hatten, Werkzeuge ftir die ahrimanischen Machte diesseits 
wurden. So daB vieles in dem, was im Weltkriege gelebt hat, von ahrimanischen 
Machten angestiftet worden ist. Nur in okkulter Weise kann iiber diesen Weltkrieg 



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geschrieben werden. Dasjenige, was man gewissermaBen wandelnd im Diesseits 
der Schwelle gesehen hat an mancher fiihrenden Personlichkeit gerade an der 
Schwelle des Ausbruches dieses Weltkrieges, das kann man wahrnehmen an denje- 
nigen, die die Gewohnheiten der Seele hinubertragen ins Jenseits der Schwelle und 
driiben dann gelahmt werden, abgedampft werden im BewuBtsein und ein Werk- 
zeug der ahrimanischen Machte werden. 

Klar, vollstandig besonnen muB der Mensch sein iiber dieses, daB er nicht darf 
die Seelenverfassung vom Jenseits der Schwelle ins Diesseits herubertragen, daB 
er nicht darf die Seelenverfassung des Diesseits der Schwelle ins Jenseits hinubertra- 
gen, sondern fur jedes Gebiet, diesseits und jenseits des Abgrundes, ein menschen- 
starkes InnenbewuBtsein entwickeln muB. 

Das tritt nun fur alle vier Elemente in den Mahnungen des Hiiters der Schwelle 
auf. Diese Mahnungen sollen wir wiederum meditativ verarbeiten. 

Also, Ihr stellt Euch vor, meine lieben Schwestern und Briider, Ihr stiindet 
driiben jenseits der Schwelle. Der Hiiter hatte gewunken. Ihr schaut ihm ins Antlitz. 
Er ruft zunachst mahnend Euch zu: 

Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 

Man hat sie nicht mehr. Aber das innere Herz regt sich und will eine Antwort 
geben. Aber dieses Herz, es kann in dreifacher Weise innerlich angeregt werden 
zur Antwort aus dem Kosmos heraus. 

Es kann angeregt sein dieses Herz von dem Christus und seiner Kraft. Dann 
antwortet es: 

Ich verlasse ihren Grund - der Erde Festigkeit namlich -, so lang der Geist 
mich tragt. 

Das ist die richtige Stimmung: Ich verlasse die Stiitze der Erde, so lange der Geist 
mich im Geistgebiete tragt, so lange ich auBerhalb des Leibes bin. 



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Aber das Herz kann auch angeregt sein von Luzifer. Dann antwortet es: 
Ich fiihle wonnig, daB ich fortan der Stiitze nicht bedarf. 

Da redet der Mensch in seinem Hochmut, in seinem Stolz so, als wenn er nun die 
Stiitze auch nicht braucht, wenn er wieder zuriickkehrt in die physische Welt. 

Oder das Herz kann angeregt sein von Ahriman. Da antwortet es: 

Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hammern 
- die Stiitze, und hinubertragen die gehammerte Stiitze. 

Niemand darf davor zuruckschrecken, meditativ alle drei Antworten sich vor 
die Seele immer wieder und wieder zu fiihren, um in freier Wahl sich dann fur 
die erste Antwort zu entscheiden. Denn er muB fiihlen: das Innere will schon 
schwanken, hinneigen zu Luzifer, zu Ahriman. Das muB man in der Meditation 
sich vor Augen stellen. 

Daher muB die Meditation enthalten fur das Erdenelement: 

[Der erste Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Tafelband Seite 94;] 

I) Htiter - er spricht -: Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 

Antworten muB das menschliche Herz. Es antwortet, wenn es angeregt ist von 
Christus: 

Christus: Ich verlasse ihren Grund, so long der Geist mich trdgt, 

Ist die Seele angeregt von Luzifer, so antwortet sie: 

Lucifer: Ich fiihle wonnig, dafi ich fortan der Stiitze nicht bedarf. 

Das «SO lang» [die beiden Worte «so lang» werden unterstrichen] laBt das Herz aus, will eine 

Ewigkeit anstelle der Zeitlichkeit setzen und formt den Satz um. 



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1st das Herz angeregt von Ahriman, so antwortet es: 

Ahriman: Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie 

- die Stiitze namlich - ... 

nammern. 

Und weiter: Damit die Seele in voller Weise sich hingibt dem, was da bevorsteht, 
kommt die zweite Mahnung des Hiiters der Schwelle, die sich bezieht auf des 
Wassers Bildekraft. Diese Bildekraft des Wassers formt in uns aus dem fliissigen 
Elemente heraus die festen Organe. Alles dasjenige, was wir auch an Nahrung 
aufnehmen, es muB zuerst fliissig werden, dann werden die Organe daraus geformt. 
Alles, was der Mensch an scharf konturierten Organen hat, wird aus dem fliissigen 
Elemente herausgetrieben. Diese formende Kraft hort auf, sobald man das Gebiet 
jenseits der Schwelle betritt. Der Hiiter ermahnt, daB dies der Fall ist; er ruft uns 
zu, wenn wir da stehen jenseits der Schwelle, den Blick wiederum gerichtet haben 
auf sein strenges Antlitz: 

[Der zweite Teil des Mantrams wird an die Tafel geschrieben:] 

Hiiter: Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? 

Der Mensch antwortet, wenn er in seinem Herzen vom Christus angeregt ist: 

Mein Leben verloscht sie, so lang der Geist mich formt. 
Denn nun beginnt der Geist zu formen, wenn man driiben, auBerhalb des Leibes 
ist. 

Christus: Mein Leben verloscht sie, 

- «sie» ist die Bildekraft - 

so lang der Geist mich formt. 

Wiederum in bescheidener Weise ist das «SO lang» da. [Die beiden Worte «so lang» werden 
unterstrichen.] 

1st die Seele aber angeregt von Luzifer, dann laBt sie das «so lang» aus und 
formt den Satz in stolzer, hochmutiger Weise um: 



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Lucifer: Mein Leben zerschmilzt sie, 

- was ausgeloscht ist, kann wieder angefacht werden, was zerschmolzen ist, bleibt 
zerschmolzen. Mein Leben zerschmilzt sie - 

dafi ich erlost von ihr werde, 

Ist die Seele angeregt von Ahriman, dann antwortet sie: 

Ahriman: Mein Lehen befestigt sie, dafi ich sie ins Geistgebiet versetze. 

Achtet darauf, meine lieben Schwestern und Briider, wie in mantrischen Sprii- 
chen alles innerlich sicher und bedeutungsvoll geformt ist. Hier [beim ersten Spruch] 
ist: «Ich verlasse», «Ich fiihle», «Ich will»; das Ich spricht in der Antwort. Im 
zweiten Spruche spricht das Ich nicht mehr so egozentrisch, sondern es sagt «Mein 
Leben»: «Mein Leben verloscht», «Mein Leben zerschmilzt», «Mein Leben befe- 
stigt». Es wird durchaus sachgemaB mit dem Hineingehen in alle Realitat gespro- 
chen, wenn richtig im Geistigen gesprochen wird. Jene Lassigkeit im Formulieren 
von Satzen, die dem Menschen eigen ist im physischen Gebiete, darf nicht hinein 
fortgesetzt werden ins Geistgebiet. Im Geistgebiet muB exakt und genau gespro- 
chen werden. 

Ihr miiBt ja auch bedenken, meine lieben Freunde, daB das durchaus einer 
Realitat entspricht, daB diese esoterische Schule eingesetzt ist nicht von Menschen- 
willen, sondern von der geistigen Welt, wie es gesagt worden ist im Anfang, daB 
alles dasjenige, was hier vorkommt in der esoterischen Schule des Goetheanums, 
durchaus nur durch meinen Mund gesprochen wird, aber Diktat der geistigen Welt 
ist. Das muB so sein in jeder zu Recht bestehenden esoterischen Schule, auch in 
der Gegenwart und in der nachsten Zukunft, wie es in den uralt heiligen Mysterien 
der Fall war. Und diese esoterische Schule ist die wirkliche Michael- Schule, ist die 
Institution derjenigen geistigen Wesenheiten, die unmittelbar die Inspiration des 
kosmischen Willens Michaels haben. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 90 



Gegeniiber dem Luftgebiete spricht wiederum mahnend der Hiiter der Schwelle: 
Wo ist der Liifte Reizgewalt, die dich erweckte? 

- ins Dasein erweckte. 

Wie Jahve den Menschen durch das Einblasen des lebendigen Odems aus einem 
bloB lebenden Wesen durch den Reiz des Atems zu einem empfindenden geformt 
hat, so wird der Mensch durch seine Sinne, durch die Reize, die die AuBenwelt 
auf die Sinne ausiibt, zu einem empfindenden Wesen gemacht. Aber was sind die 
Sinne? 

Meine lieben Schwestern und Briider, die Sinne sind ja nichts anderes als differen- 
zierte Atmungsorgane. Auge, Ohr, alles ist verfeinertes Atmungsorgan. Der Atem 
breitet sich nach alien Sinnen aus. Wie er in der Lunge lebt, lebt er im Auge. Nur 
daB er sich in der Lunge mit dem Kohlenstoff verbindet, im Auge mit dem ganz 
verfeinerten Kiesel. Im Organismus wird Kohlensaure gebildet [es wird gezeichnet: rot; 
«Kohlensaure» wird angeschrieben], in den Sinnen wird Kieselsaure in ganz verfeinertem 
Zustand gebildet [gelb; «Kieselsaure» wird angeschrieben]. Nach unten lebt der Mensch, 
indem er den Sauerstoff zur Kohlensaure formt; nach oben lebt der Mensch in 
das Gebiet seines Sinnes-Nerven-Systems hinein, indem der Sauerstoff sich mit 
dem Silicium, dem Kiesel, verbindet und feine Kieselsaure bildet [grim]. So daB der 
Mensch so lebt, daB er, wenn der Atem sich ins Blut formt, er Kohlensaure bildet, 
wenn der Atem sich in die Sinne formt, er Kieselsaure bildet [gelbe Pfeile]; nach unten 
und nach auBen durch den Atem Kohlensaure; nach den Sinnen und zuriick von 
den Sinnen in den AtmungsprozeB hinein in ganz feiner Dosis Kieselsaure. 

Der Hiiter der Schwelle ruft uns gegeniiber dem, was in der Luft ist, zu: 
Wo ist der Liifte Reizgewalt, die dich erweckte? 

Der von dem Christus in seinem Herzen Angeregte antwortet: 

Meine Seele atmet Himmelsluft 

- nicht mehr Erdenluft, Himmelsluft - 

so lang der Geist um mich besteht. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 91 



Das von Luzifer angeregte Herz antwortet: 

Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit. 

Das von Ahriman angeregte Herz antwortet: 

Meine Seele saugt sie auf, daB ich gottlich schaffen lerne. 

Wie Jehova einst geschaffen hat mit der Luft, so saugt der ahrimanisch Gesinnte 
die Luft auf, um sie mit hinuberzutragen in die geistige Welt. 

Der Hiiter spricht zum Menschen: 

[Der dritte Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben und dabei in der Christus-Zeile «so lang» 
unterstrichen:] 

Hiiter: Wo ist der Ltifte Reizgewalt, die dich erweckte? 

Das von Christus angeregte Herz spricht: 

Christus: Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht. 

Das von Luzifer angeregte Herz spricht: 

Lucifer: Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit. 
- Der Liifte Reizgewalt achtet sie nicht. - 

Das von Ahriman angeregte Herz spricht: 

Ahriman: Meine Seele saugt sie auf, dafi ich gottlich schaffen lerne. 

Dem Feuer- oder Warmeelemente gegeniiber spricht der Hiiter nun zunachst 
sein letztes Elementarwort, mahnend, daB der Mensch sich auch nicht verliere im 
Warmeelemente, aber auch nicht das Warmeelement, wie es sich im physischen 
Dasein, im Irdischen auslebt, hineintrage in die geistige Welt. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 92 



Vorher will ich nur, meine lieben Schwestern und Briider, aufmerksam machen 
darauf, wie der Aufstieg ist: 

«Ich» spricht zunachst der Mensch, 
«Mein Leben» spricht der Mensch, 
«Meine Seele» spricht der Mensch. 

Nun spricht der Hiiter mahnend gegeniiber dem Feuerelemente: 

[Der vierte Teil des Mantrams wird an die Tafel geschrieben und dabei in der Christus-Zeile das «so lang» 
unterstrichen:] 

IV) Hiiter: Wo ist des Feuers Reinigung, - oder Lauterung -, 

die dir das Ich erflammte? 

In dem, was uns als Warme, als Feuer durchdringt, lebt unser Ich. Ich habe 
schon einmal, meine lieben Schwestern und Briider, in diesen esoterischen Stunden 
darauf aufmerksam gemacht, daB sein festes Element bleibt im UnbewuBten beim 
Menschen, auch das fliissige; obwohl der Mensch sich schon in seinem Lebensbeha- 
gen im flussigen Elemente drinnen fiihlt, bei der Sattigung oder bei dem Hunger 
erlebt die Eigentiimlichkeit des flussigen Elementes. Das luftformige Element erlebt 
der Mensch schon seelisch: er bekommt Atemnot, wenn die Zusammensetzung 
der Luft nicht in der richtigen Weise ist, und mit der Atemnot Angst. Da kommt's 
schon ins Seelische herein. Die Warme ist etwas, in dem sich der Mensch ganz 
drinnen fiihlt. Er macht seinen warmen und seinen kalten Zustand mit seinem 
ganzen Ich mit. Das Feuer erflammt das Ich. 

Das von Christus angeregte Herz antwortet: 

Christus: Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so long der Geist mich ziindet. 

Der Mensch braucht nicht die irdisch-materielle Warme, wenn der Geist sein Ich 
erflammt oder ziindet; da lodert das Ich im Gottesfeuer, nicht in Erdenwarme, 
nicht in Erdenfeuer. 

Aber das von Luzifer angeregte Herz antwortet: 

Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 93 



In ungeheurem Stolze will an sich reiBen das Ich, durch Luzifer verfiihrt, dasjenige, 
was geistig von der Sonne als das Feuerelement kommt, und dieses Feuerelement 
- statt nur ftir die Zeit, wo der Geist es auflodern machte - sich ftir die Ewigkeit 
behalten, nimmer weggeben. 

Lucifer: Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft. 

Das von Ahriman angeregte Herz antwortet so, wie wenn es das Feuer, das es 
auf der Erde empfangen hat, in sich zu seinem Eigentum nehmen wollte und 
hinubertragen in die geistige Welt, die geistige Welt meistern mit dem Ich-Feuer 
der physischen Welt. 

Ahriman: Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt. 

Nicht will das Ich im Geiste lodern, sondern das eigene Feuer entfalten. 

Wiederum ist aufgestiegen in der Formulierung: 

Der Mensch spricht zuerst «Ich»: 

Ich verlasse 
Ich fiihle 
Ich will. 

Er wird dann objektiver, indem er dasjenige, was an ihm ist, als «Mein» anspricht: 

Mein Leben verloscht 
Mein Leben zerschmilzt 
Mein Leben befestigt. 

Er geht mehr in das Innere hinein; das Innere wird ihm objektiv: 

Meine Seele atmet 
Meine Seele achtet nicht 
Meine Seele saugt sie auf. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 94 



Jetzt steigt er noch weiter in sich hinein. Und, merket den Unterschied, meine 
lieben Schwestern und Briider: friiher ist einfach «Ich» gesagt; jetzt wird das «Ich» 
objektiv: «Mein Ich», wie wenn es ein anderes ware, wie wenn man von dem 
anderen als einem Besitz sprechen wiirde. Man ist eben mehr herauBen; man ist 
aus dem physischen Leib herauBen - der eben einen zunachst veranlaBt, ganz 
egoistisch vom «Ich» zu sprechen - und spricht: 

Mein Ich 

wie von einem Gegenstande. Das ist die richtige Redewendung hier. 

Diese Redewendung, man lernt sie, meine lieben Schwestern und Briider, in 
aller Tiefe und Intensitat kennen, wenn man mit solchen Seelen spricht, die durch 
die Pforte des Todes gegangen sind und eine Weile schon in der geistigen Welt 
sind. Die sagen nie «Ich», sondern die sagen immer «Mein Ich». Ich habe noch 
nie einen Toten nach dem Tode so sprechen horen, daB er gesagt hatte «Ich»; nur 
hochstens bald nach dem Tode. Aber in einiger Zeit nach dem Tode spricht der 
Tote «Mein Ich», weil er mit dem Auge der Gotter das Ich ansieht. Es wird ihm 
objektiv. Das ist das Charakteristische. Daher kann nie eine Kundgebung von 
einem Toten, der langere Zeit verstorben ist, wahr sein, wenn der Tote «Ich» 
spricht, wenn er nicht sagt «Mein Ich». Aber die Seele sagt vor dem Hiiter der 
Schwelle dieses «Mein Ich» an vierter Stelle. 

Das, meine lieben Freunde, ist das wunderbare Zwiegesprach an der Schwelle 
zwischen dem Hiiter der Schwelle und der Menschenwesenheit. Es hat eine Eigen- 
tumlichkeit. Und diese Eigentumlichkeit, die wirklich stattfindet, wenn man vor 
dem Hiiter der Schwelle in der Situation steht, wie sie geschildert worden ist hier, 
diese Eigentumlichkeit, man muB sie, wenn man die richtige Meditation dieses 
Dialoges entfaltet, verspurend horen. Man meditiert daher diese Worte, die hier 
heute als mantrische Worte zu Euch gekommen sind, meine lieben Schwestern 
und Briider, richtig, wenn man die Worte gewissermaBen sich selbst sprechen hort, 
nachdem der Hiiter gehort worden ist in der Seele von uns. Man meditiert also 
so, als ob man zunachst viermal den Hiiter der Schwelle bei I, II, III, IV, bei Erde, 
Wasser, Luft, Feuer horte; dann wie wenn man die eigene Seele antworten lieBe, 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 95 



aber so, daB man zunachst wie innerlich beseelt von Christus die erste Antwort 
hort, die zweite Antwort wie die Stimme des Versuchers, die dritte Antwort wie 
die Stimme des aufgeblasenen materialistischen Ahriman-Geistes, der an den Men- 
schen herantritt mit dem Verlangen, die menschliche mineralisierte Wesenheit ins 
Geistige hineinzutragen. 

Daher wollen wir heute gewissermaBen die Art, wie dieses zu meditieren ist, 
als SchluB dieser esoterischen Stunde an uns heranklingen lassen: 

Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 
Ich verlasse ihren Grand, so lang der Geist mich tragt. 
Ich fiihle wonnig, daB ich fortan der Stiitze nicht bedarf. 
Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hammern. 

Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? 
Mein Leben verloscht sie, so lang der Geist mich formt. 
Mein Leben zerschmilzt sie, daB ich erlost von ihr werde. 
Mein Leben befestigt sie, daB ich sie ins Geistgebiet versetze. 

Wo ist der Liifte Reizgewalt, die dich erweckte? 

Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht. 

Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit. 

Meine Seele saugt sie auf, daB ich gottlich schaffen lerne. 

Wo ist des Feuers Reinigung, die dir das Ich erflammte? 

Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so lang der Geist mich ziindet. 

Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft. 

Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 96 



Die nachste dieser Klassenstunden darf ich ankiindigen auf Samstag, Sonnabend, 
den 21. Juni, weil ich ja die Aufgabe habe, einen landwirtschaftlichen Kursus in 
Schlesien zu halten. Also Samstag, Sonnabend, den 21. Juni, ist die nachste Klassen- 
stunde um halb neun dann. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 97 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 



FUNFZEHNTE STUNDE 

Dornach, 21. Juni 1924 

eine lieben Freunde! Wir werden auch heute beginnen mit demjenigen 
mantrischen Spruch, der dem Menschen entgegentont von alien Seiten 
der Weltvorgange und der Weltwesen, wenn er mit wirklichem innerem 
Herzens- und Seelenverstandnisse dasjenige aufzufassen vermag, was ihm die 
einzelnen Wesenheiten der Welt, die einzelnen Vorgange der Welt zu sagen ver- 
mogen: 

O Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellenweben 
In deines Lebens Werdestrom? 

Bist du es selbst, der sich 

Im Raumesfuhlen, im Zeiterleben 

Das Wort erschafft, dich fremd 
Erfuhlend in Raumes Seelenleere, 
Weil du des Denkens Kraft 
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite: 99 



Meine lieben Schwestern und Briider, meine lieben Freunde, es wird notwendig 
sein, da zu dieser Stunde verschiedene Klassenmitglieder erschienen sind, die vor- 
her nicht die Klasse mitgemacht haben, einiges nur um des Zusammenhanges 
willen zu sagen, was eben notig ist zu wissen, wenn man dasjenige verstandnis- 
voll wird aufnehmen wollen, was gerade heute der Inhalt dieser Klassenstunde 
sein soil. 

Wir haben ja, meine lieben Schwestern und Briider, es durchgemacht, wie sich 
die Bilder des Lebens hinstellen vor die Seele, wenn der Mensch zur wahren, 
wirklichen Erkenntnis sich nahert jenem Abgrunde, der sich auftut zwischen der 
Welt, in der wir hier leben, die uns umgibt, und derjenigen Welt, die wir als 
diejenige erkennen wollen, in der wir unser wahres Wesen, unser eigentliches 
menschliches Sein haben. 

Wir werden ja gewahr, wenn wir die Welt um uns herum in rechter Weise 
wahrnehmen, wie diese Welt unsere intensivste Aufmerksamkeit in Anspruch 
nehmen muB. Wir richten den Blick vom niedersten Gewurme bis hinauf zu den 
glanzenden, funkelnden Sternen des Himmels. Wir schauen iiberall herum durch 
die Reiche der Natur, aus denen vieles von dem entnommen ist, was wir selber in 
uns tragen. Und wir haben alien Grund, dasjenige, was da um uns herum ist im 
strahlenden, hellen Sonnenlichte, so zu sehen, daB wir dessen GroBe, dessen Welt- 
bedeutung, dessen Majestat und Erhabenheit grundlich im Herzen und in der Seele 
fiihlen. Und wir sollen durch die Teilnahme an irgendeiner Esoterik, durch die 
Teilnahme an irgendeiner Geisteswissenschaft durchaus nicht dazu verfuhrt wer- 
den, irgendwie asketisch uns abzuwenden - denn das konnte nur eine falsche 
Askese sein -, uns abzuwenden weder von dem niederen Gewiirm noch von dem 
erhabenen Sternenhimmel, weil diese der Welt der Sichtbarkeit angehoren, uns 
irgendwie abzuwenden und nicht zu empfinden ihre GroBe, Majestat und Erhaben- 
heit, nicht zu empfinden die Bedeutung, die sie fur uns selber haben. 

Wir sollen das empfinden. Wir sollen uns gerade als richtige Bekenner zur 
Geisteswissenschaft ganz drinnen fiihlen in dem, was uns als die Welt um uns 
herum erscheint. Aber wir sollen auch gewahr werden und wir konnen es gewahr 
werden - wenn wir in rechter Weise unser eigenes Herz, unsere eigene Seele zu 
den Dingen und Wesenheiten und Vorgangen der Welt stellen -, wir konnen es 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:100 



gewahr werden und sollen es gewahr werden, daB unser wahres, echtes, hochstes 
menschliches Sein in alien diesen Reichen der Natur nicht zu finden ist; daB es 
nicht zu finden ist - trotzdem diese Welt groB und erhaben ist - in der sonnenbe- 
glanzten und sonnenerhellten Welt; daB wir es suchen miissen in einer Welt, von 
der uns ein Abgrund in bezug auf Wahrnehmung trennt; und daB dasjenige, was 
jenseits des Abgrundes ist in derjenigen Welt, aus der wir wirklich stammen, sich 
uns zunachst darstellt als schwarzeste Finsternis. Wie eine Wand, wie eine schwarze 
Wand steht es vor uns, der Abgrund davor. 

Aber das erste Wesen, dem wir begegnen, das steht an diesem Abgrunde. Wir 
wiirden ja, das miissen wir immer wieder betonen, jede Nacht, wenn wir schlafen, 
in demjenigen Reiche uns finden - denn wir sind wirklich darinnen -, dem wir 
angehoren mit dem innersten, wahrsten Wesen unserer Menschlichkeit. Aber wir 
diirfen in dieses Reich nur in voller Reife eintreten. DaB wir nicht in Unreife 
eintreten, davor hat uns zu bewahren dieser Hiiter der Schwelle, der uns als das 
erste Geistwesen dann begegnet, wenn wir den ernsten, wahren Willen haben, in 
die Welt unseres Ursprunges, unseres Urstandes hineinzuschauen und hineinzu- 
kommen. 

Dann ist es der Hiiter der Schwelle selber, der uns die ersten Worte spricht, 
wenn wir den Weg betreten wollen iiber den Abgrund hin in das Reich der 
Geistigkeit, aus dem wir stammen. Dann ist es der Hiiter der Schwelle selbst, der 
uns zunachst mahnt, den Blick zuriickzuwenden zu unserem eigenen Selbst, um 
in der Selbsterkenntnis die Grundlage ftir die Welterkenntnis zu suchen. 

Dann aber auch ist es der Hiiter der Schwelle selbst, der uns zeigt, wie dasjenige, 
was zunachst als unser seelisches Wesen in uns ist, unser Wollen, Fiihlen und 
Denken, gegeniiber der gottlich-geistigen Welt eine Gestalt hat, die in imaginativer 
Erkenntnis vor uns hingestellt werden kann. Da zeigt er uns diese Gestalt, die 
zunachst in unserer Gegenwart, in unserem Zeitalter, unser Fiihlen, Denken und 
Wollen hat, in Gestalt von drei Tieren, die heraufsteigen aus dem Abgrund. Und 
alles Folgende ist dann Ermahnung von seiten des Hiiters der Schwelle, daB wir 
sollen uns in einer bestimmten Weise verhalten zu diesen drei Tieren, das heiBt 
zu uns selbst, um den Weg nun wirklich zu finden zum Verstandnis der Welt, aus 
der wir urstanden. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite : 1 01 



Das alles ist in mantrischen Spriichen vor die Seelen derer getreten, die teilgenom- 
men haben an diesen Stunden, und das alles fiihrte dann hiniiber zu dem, was in 
der letzten Stunde hier vorgebracht worden ist. 

Da standen wir ja schon vor der Situationsmeditation. Da wurden wir angewie- 
sen, uns zu schauen, wie wir da stehen bereits jenseits des Abgrundes, aber noch 
unter den Ermahnungen des Hiiters der Schwelle, der an uns richtet die Worte, 
die uns zum Verstandnisse unserer Lage fiihren sollen, wenn wir den Abgrund 
iiberflogen haben und in das Reich, das fur uns zunachst finster ist, eingetreten sind. 

Hier, solange wir stehen in dem Reiche, aus dem wir nicht urstanden, nicht 
stammen, haben wir unter uns die Festigkeit der Erde - die uns tragt, auf die wir 
gestiitzt sind, die wir, wie wir gesehen haben, mit unserem ganzen Korper tasten, 
wenn wir darauf stehen -, das erste, das Erden-Element. 

Wir tragen in uns, indem wir fiihlen dasjenige, was man in der Geisteswissen- 
schaft «Wasser» nennt, was aber alle Fliissigkeit bedeutet - indem wir fiihlen das 
Fliissigkeitselement in uns, das uns eigentlich erbildet, das uns wachsen macht, 
das alle Organe aus sich heraus fest werden laBt -, das zweite, das Wasser-Element. 
Auch in bezug auf dieses Wasser-Element, das ja auch das Blut-Element ist, bekom- 
men wir die Ermahnung des Hiiters der Schwelle. 

In bezug auf dasjenige, was wir durch unseren Atem aufnehmen, das Luft-Element, 
in bezug auf dasjenige, was wir durch die Warme, durch das in uns wirkende Feuer 
aufnehmen, auch da richtet bedeutungs voile Worte der Hiiter der Schwelle an uns. 

Und in uns wirken die Weltenmachte, damit eine Antwort sich formt in unserer 
Seele auf dasjenige, was der Hiiter der Schwelle mahnend uns fragt. Diese Antwort, 
die die Weltenmachte in uns selber regsam machen, diese Antwort kann kommen 
von Christus: dann wird sie die rechte Antwort sein; sie kann kommen von Luzifer: 
dann wird sie die unrechte Antwort sein; sie kann kommen von Ahriman: dann 
wird sie wieder die unrechte Antwort sein. 

Die Ermahnung von Christus, sie wird immer so gestaltet sein gegeniiber jedem 
einzelnen Elemente, daB der Christus in uns spricht, daB wir uns driiben in der 
geistigen Welt fiihlen recht geistig, ganz geistig, vollig im Einklang mit dem Geist- 
Elemente, daB wir aber wissen, daB wir, solange wir Erdenmenschen sind, immer 
wiederum iiber den Abgrund zuruckkehren miissen ins irdische Wesen und daB 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:102 



wir nicht wollen langer, als wir driiben sind in der geistigen Welt, die Eigenheiten 
der geistigen Welt an uns reiBen. 

Christus wird immer so zu uns sprechen, daB er uns ermahnt: solange wir in 
der geistigen Welt sind, sollen wir eins sein mit dieser geistigen Welt; wenn wir 
wieder zuruckkommen, sollen wir auf der Erde als rechte Erdenmenschen leben; 
denn nur mit dem Geiste sollen wir in der Geistwelt sein wollen. 

Luzifer wird uns immer aufstacheln und versuchen, daB wir wollen drinnenblei- 
ben in der geistigen Welt, aufgehen wollen in der Lust der geistigen Welt, aufgehen 
in dem Wohlgefallen der geistigen Welt. 

Ahriman wird uns immer ermahnen, daB wir sollen seine Dienste annehmen, 
daB wir sollen die geistige Welt heruberreiBen in die physische. 

Solches muB man auf seine Seele wirken lassen, damit man sich richtig drinnen- 
fiihlt in der ganzen Situation des Menschen gegeniiber der geistigen Welt. 

So also fiihlen wir uns jenseits des Abgrundes schon in der geistigen Welt 
drinnenstehend, noch wie in auBerster Finsternis stehend; der Hiiter der Schwelle 
am Abgrund, mahnend seine Rechte gegen uns wendend, Fragen an uns richtend, 
die uns tief einschneiden in die Seele. Spiiren wir, wie dann aus uns auf jede einzelne 
Frage eine dreifache Antwort kommt: die Antwort des Christus, die Antwort des 
Luzifer, die Antwort des Ahriman. 

Der Hiiter spricht: 

Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 
- Driiben ist kein Boden. Wir sind in der geistigen Welt. - 

Der Hiiter fragt: 

Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 

Christus in uns antwortet: 

Ich verlasse ihren Grund, so lang der Geist mich tragt. 

Luzifer in uns antwortet: 

Ich fiihle wonnig, daB ich fortan der Stiitze nicht bedarf. 

Ahriman antwortet: 

Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hammern. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:103 



Der Hiiter spricht: 

Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? 

Christus in uns spricht: 

Mein Leben verloscht sie, so lang der Geist mich formt. 

Luzifer in uns: 

Mein Leben zerschmilzt sie, daB ich erlost von ihr werde. 

Ahriman in uns spricht: 

Mein Leben befestigt sie, daB ich sie ins Geistgebiet versetze. 

Der Hiiter spricht: 

Wo ist der Liifte Reizgewalt, die dich erweckte? 

Christus in uns: 

Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht. 

Luzifer in uns: 

Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit. 

Ahriman in uns: 

Meine Seele saugt sie auf, daB ich gottlich schaffen lerne. 

Der Hiiter spricht: 

Wo ist des Feuers Reinigung, die dir das Ich erflammte? 

Christus in uns: 

Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so lang der Geist mich ziindet. 

Luzifer in uns: 

Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft. 

Ahriman in uns: 

Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:104 



Wir werden gepriift durch die Mahnfragen des Hiiters, wie wir uns zu der festen 
Stiitze der Erde verhalten werden, zu der bildenden Kraft der Fliissigkeit in uns, 
zu der Astrales erzeugenden Kraft der Liifte in uns und zu der Ich-tragenden 
Kraft des Feuers in uns. Und in uns antwortet Christus, in uns die rechte Menschheit 
erregend. In uns antwortet versucherisch Luzifer, als ob wir an uns reiBen wollten 
alle Wonnen fiir immer, die wir nur fur die Augenblicke, in denen wir uns dem 
Geist mit Recht iibergeben, in uns rege machen sollten. Und in uns antwortet 
Ahriman, als ob wir herubertragen wollten in die Gefilde der Erde dasjenige, 
dessen wir teilhaftig werden im Geisterland. 

Wir miissen in unserer Seele wirken lassen dasjenige, was in der Seele moglich 
ist. Wir miissen uns aussetzen sowohl der Stimme des Christus, wie der Stimme 
des Luzifer, wie der Stimme des Ahriman. Meditierend miissen wir uns in diese 
Situation versetzen. Dann werden wir im Innern der Seele, gerade dadurch, daB 
wir aufgerufen werden in unserem tiefsten Innern, meine lieben Schwestern und 
Briider, dadurch werden wir gerade so weit befreit, daB wir im befreienden Geist- 
Erleben das geistige Element auch wirklich als das unsrige haben konnen. 

Wir miissen heute wieder ankniipfen an diese Situation, miissen uns deutlich 
stehend fiihlen jenseits dieser Schwelle des Abgrundes, den mahnenden Hiiter der 
Schwelle uns zur Seite; in uns die Stimmen, die den Menschen zerren nach den 
verschiedensten Seiten hin: Luzifer und Ahriman; in uns die Stimme des Christus, 
der uns den rechten Weg zeigt, indem Luzifer von der einen, Ahriman von der 
anderen Seite uns beirren wollen. Dann werden wir die Stimmung erhalten, die es 
moglich macht, daB wir mit dem Fiihlen, mit dem Erfuhlen in der geistigen Welt 
beginnen. 

Das, meine lieben Schwestern und Briider, konnen wir nur, wenn wir allmahlich 
uns aneignen die Fahigkeit, gegenuber den hoheren geistigen Wesenheiten so zu 
fiihlen wie gegenuber den Wesenheiten der drei Reiche der Natur hier in der 
Sinneswelt. 

Stehen wir hier in der Sinneswelt, dann fiihlen wir drauBen das Wesen des 
Steines, das Wesen des Mineralischen, und wir sagen uns: dieses Wesen des Minera- 
lischen lebt auch in uns. Wir haben den Salzgehalt in uns. In dem Salzgehalt lebt 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:105 



das Mineralische in uns, das uns eigentlich erst moglich macht, innerhalb des 
Irdischen ein Mensch zu sein. 

Wir schauen hinaus in die Pflanzenwelt. Wir wissen: das Pflanzenwesen nehmen 
wir in uns auf, haben es in unserem irdischen Wesen innerhalb der Grenzen unserer 
Haut, tragen es in uns in unserem Wachstumsentfalten, tragen es in uns in all dem, 
was uns unsere Organe formt, tragen es in uns in all dem, was wir entwickeln 
auch im Schlafe. Wir fiihlen das Pflanzenwesen in uns tragend, indem wir anschauen 
das Pflanzenwesen um uns herum. 

Wir schauen hin auf die Tiere, wissen, daB wir in unserem Astralischen, in unserem 
Atmungsprozesse das Wesen der Tierheit selber in uns tragen. Wir schauen auf 
die mannigfaltigen Tiere und sagen: wir fiihlen uns mit dieser Tierheit, weil wir 
diese Tierheit selber in uns tragen. Wir organisieren sie nur herauf ins Menschliche. 

Und so fiihlen wir uns als Mensch hier in der Sinneswelt stehend unter den 
Wesen der drei Reiche der Natur. So miissen wir uns fiihlen lernen, wenn wir in 
der Geistwelt drinnenstehen, unter denjenigen Wesenheiten, unter denen wir dann 
gerade so sind mit unserer geist-seelischen Menschlichkeit, wie wir hier sind mit 
unserer atherisch-physischen Menschlichkeit unter den Wesen der drei Reiche der 
Natur. Wie wir uns als physischer Mensch unter physischen Menschen wissen 
lernen, so miissen wir uns wissen lernen als geist-seelischer Mensch unter geist- 
seelischen Wesenheiten. 

Kennengelernt haben wir dasjenige, was die uns Menschen beruhrende geist- 
seelische Welt ist, in der Form von drei Hierarchien, wie wir kennengelernt haben 
durch das, was wir von auBen wissen, die Wesenheiten innerhalb der Sinneswelt 
in den drei Reichen der Natur. Mit unserem atherisch-physischen Wesen gehoren 
wir den drei Reichen der Natur an; mit unserem geist-seelischen Wesen gehoren 
wir den drei Reichen der Hierarchien an. Stehen wir hier in der Sinneswelt, so 
muB es uns natiirlich sein, den drei Reichen der Natur anzugehoren, sie durch uns 
durchflieBen zu lassen, in ihnen drinnen zu stehen; stehen wir in der geist-seelischen 
Welt drinnen, so muB es uns geist-seelisch sein, den Wesenheiten der hoheren 
Hierarchien anzugehoren fur die Zeit, in der wir in der geistigen Welt uns erfuhlen, 
uns unter diesen Wesenheiten der hoheren Hierarchien so drinnenstehend zu er- 
kennen, wie wir das sonst den Wesen der Reiche der Natur gegeniiber tun. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:106 



Darauf weist uns wiederum der Hiiter hin. Und es werden die mantrischen 
Worte, die nun herausgeholt werden aus der geistigen Welt durch die Zauberkraft 
der Stimme des Hiiter s, diese mantrischen Worte werden wiederum, immer und 
immer wiederum meditierend in unserer Seele erklingen miissen. Dann werden sie 
die Kraft haben, gerade durch die einfache Art, wie sie gestaltet sind, durch die 
Wiederholungen, die in ihnen sind, durch die eigentiimliche Form, die sie haben 
eben, werden diese mantrischen Worte geeignet sein, in unserer Seele wachzurufen 
das Gefiihl des Drinnenstehens in der geistigen Welt unter den Hierarchien. 

Daher haben wir uns das nachste in den Mantren so vorzustellen, daB der Hiiter 
spricht. Wir stehen noch immer jenseits der Schwelle der geistigen Welt im Finstern, 
lernen zuerst fiihlen in der geistigen Welt, bevor wir schauen lernen. Der Hiiter 
spricht wiederum mit Bezug auf die Elemente - Erde, Wasser, Luft zunachst; 
Feuer soil den Gegenstand der nachsten Klassenstunde bilden -, zunachst spricht 
der Hiiter mit Bezug auf die Elemente Erde, Wasser, Luft: also alles dasjenige, 
was in uns Festes ist; alles dasjenige, was in uns Flussiges ist, vor alien Dingen 
unser Blut und alle unsere Gewebesafte; in bezug auf alles dasjenige, was in uns 
luftartig ist, die aufgenommene Luft von auBen, was in uns atmungsartig ist. In 
bezug auf alles das spricht der Hiiter. Und er ruft hervor dasjenige, was erklingt 
aus der Welt der Hierarchien. 

Nachdem der Hiiter sein Wort an uns gerichtet hat, spricht eine Hierarchie 
nach der anderen. Beim ersten Man tram die dritte Hierarchie: zuerst die Angeloi, 
die Archangeloi dann, zum dritten die Archai. In dieser Situation fiihlen wir uns. 

Der Hiiter der Schwelle spricht zu uns. Es ertont aus dem Finstern heraus, wie 
wenn es aus den Untergrunden kame und zu gleicher Zeit ernst zu unserer Seele 
sprechend an uns heranklange: 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:107 



Der Hiiter spricht: 

Was wird aus der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 

Aus der dritten Hierarchie die Angeloi: 

Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden. 

Aus der dritten Hierarchie die Archangeloi: 

Erlebe, wie wir in deinem Fiihlen erleben. 

Aus der dritten Hierarchie die Archai: 

Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen. 

Wir bekommen aus dem Kosmos heraus eine bedeutsame dreifache Lehre auf die 
Frage des Hiiters der Schwelle hin. Seine Worte rufen mit Zaubergewalt die Ant- 
wort der Angeloi, Archangeloi, Archai hervor. 

Was lehren uns die Angeloi? Wir Menschen denken. Wir glauben zunachst, nur 
unsere Gedanken zu erleben. Aber indem unsere Gedanken durch unsere Seele 
ziehen, leben in unseren Gedanken die Angeloi in Wirklichkeit darinnen. Und wie 
wir mit unseren Sinnen empfinden, wie wir irgend etwas angreifen, erfassen, so 
leben in unserem Denken - das ist ihr Empfinden - die Angeloi drinnen. Sie 
bringen uns das zum BewuBtsein. Und ebenso wie empfinden in unserem Denken 
die Angeloi, so erleben in unserem Fiihlen die Archangeloi und so schauen in 
unserem Wollen die Archai. 

Wenn irgendein Gedanke, meine lieben Schwestern und Briider, durch Eure 
Seele zieht, dann fiihlet, daB in diesem Gedanken ein Wesen aus der Hierarchie 
der Angeloi etwas empfindet. Da tastet, indem Ihr denkt, ein Angelos irgend etwas. 
Indem Ihr fiihlt, erlebt ein Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi etwas. Indem 
Ihr wollt, indem Ihr Willen entfaltet, schaut ein Wesen aus der Hierarchie der 
Archai irgend etwas. Menschendenken, Menschenfiihlen, Menschenwollen ist nicht 
bloB ein Vorgang im Menschen. Wahrend wir denken, empfinden die Angeloi; 
wahrend wir fiihlen, erleben die Archangeloi; wahrend wir wollen, schauen die 
Archai. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:108 



[Der erste Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Tafelband Seite 102:] 

Der Htiter - spricht -: 

Was wird aus der Erde Festigkeit, die dich stiitzte? 

Aus der Hierarchie der Angeloi antwortet es aus der dritten Hierarchie [3. Hiemrchie 

wird quer an die Tafel geschrieben und unterstrichen] : 

Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden. 

Aus der Hierarchie der Archangeloi ertont es: 

Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fiihlen erleben. 

Aus der Hierarchie der Archai ertont es: 

Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen. 

Das ist dasjenige, was ersetzt in der geistigen Welt das Element der Erde. Denn 
die Stutzekraft der Erde ist nicht da. Der Boden der Erde ist fort. Alles Feste ist 
fort. Nicht so, wie die Mineralien das Feste bilden, bildet die dritte Hierarchie der 
Angeloi, Archangeloi, Archai ein Festes. Aber wir wiirden nicht nur nach unten, 
sondern nach alien Seiten versinken in unserem Denken, wenn nicht die Angeloi 
in ihm wirkten, wenn die nicht ihre Empfindung drinnen hatten. Wir wiirden nach 
alien Seiten zerstieben in Formlosigkeit, wenn nicht die Archangeloi lebten in 
unserem Fiihlen. Wir wiirden uberall ins Nichts verschwinden in unserem Wollen, 
wenn wir nicht in diesem Wollen die Kraft des Schauens der Archai hatten. 

Das zweite ist das Wasser, das uns die Bildekraft gibt: das fliissige Element in 
uns. Wir stellen uns wieder vor: Wir stehen jenseits des Abgrundes im Finstern 
noch der geistigen Welt. Wir lernen erst in ihr fiihlen. Der Hiiter spricht mahnend, 
fragend. Jetzt aber antworten in bezug auf die Kraft der Flussigkeit, auf das Element 
der Flussigkeit die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, die Exusiai, Dynamis, 
Kyriotetes. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:109 



Der Hiiter spricht: 

Was wird aus des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? 

Aus der zweiten Hierarchie die Exusiai antworten: 

Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Korper-Schaffen. 

Die Dynamis in der zweiten Hierarchie: 

Erfuhle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Korper-Leben. 

Die Kyriotetes der zweiten Hierarchie: 

Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Korper-Sein. 

Wir werden dadurch zum BewuBtsein gebracht, daB wir gegeniiber allem, in dem 
wir stehen, nicht als Einzelheit dastehen. Wir sollen fiihlen lernen: In unserem 
korperlichen Dasein, das wir innerhalb der Grenze unserer Haut in uns tragen, 
lebt ein Teil des Welten-Seins. Die zweite Hierarchie ist in uns, wirkt in uns und 
wirkt in uns so, als ob wir kosmische Wesen waren, Wesen, die als Glieder dem 
Kosmos angehoren. 

Das soil so recht in unser BewuBtsein iibergehen durch diese mantrischen Sprii- 
che: daB wir im Weltgeschehen drinnenstehen, und daB alles, von der geringsten 
Vibration unseres Zellenorgans bis herauf zu der gewaltigen, erhabenen Wellen- 
bewegung unseres Blutes, zum Rhythmus unseres Atmungssystemes, zu jenem 
Rhythmus, der Tag und Nacht abwechseln laBt, daB das alles nicht nur ein Gesche- 
hen in uns ist, daB das alles ein Glied des Weltengeschehens ist. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:110 



[Der zweite Teil des Man trams wird nun an die Tafel geschrieben:] 

Der Htiter - spricht -: 

Was wird aus des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang? 

Die Exusiai aus der zweiten Hierarchie [2. Hierarchie wird quer an die Tafel geschrieben und 
unterstrichen] antworten: 

Exusiai: Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Kdrper-Schaffen. 
Die Dynamis aus der zweiten Hierarchie antworten: 

Dynamis: Erfiihle Geistes-Welten-Lehen im Menschen-Kdrper-Lehen. 
Die Kyriotetes aus der zweiten Hierarchie antworten: 

Kyriotetes: Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Kdrper-Sein. 

In diesen mantrischen Spriichen, wie ich oft schon gesagt habe, ist alles genau 
zu nehmen. Daher darf auch die Frage empfunden werden: Warum steht hier gegen- 
iiber dem «Welt-Geschehen» «K6rper-Sein»? Man muB jedes Wort exakt empfin- 
den, wenn ein mantrischer Spruch richtig in unserer Seele wirken soil. DrauBen 
das Welt-Geschehen walk ab, indem wir es als Geschehen empfinden. Uberall 
weit sich ausbreitend, die Welt erfullend ist dieses Welt-Geschehen. Indem es in 
uns sich fortsetzt, in uns ist, fiihlen wir es als abgeschlossenes Sein, weil wir von 
unserer Haut begrenzt sind und uns als ein Ganzes, Abgeschlossenes fiihlen. Wir 
fiihlen nicht drinnen alles webend und wogend und wallend, wie wir es auBen 
fiihlen. Daher muB hier dem «Geschehen» «Sein» gegeniiberstehen, wahrend 
sonst ganz richtig die Wiederholungen: «Schaffen» «Schaffen» und «Leben» 
«Leben» stehen. 

Und gegeniiber dem Elemente der Luft erhebt seine mahnende Frage der Hiiter 
der Schwelle. Es antworten die Wesen der ersten Hierarchie: Throne, Cherubine, 
Seraphine. Die ermahnen uns, daB wir uns bewuBt werden sollen, wie der Kosmos 
in uns wirkt. Vom bloBen BewuBtwerden zum SelbstbewuBtwerden fiihren die 
Wesen der ersten Hierarchie hinuber. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:111 



Der Hiiter spricht: 

Was wird aus der Liifte Reizgewalt, die dich erweckte? 



Aus der ersten Hierarchie antworten die Throne: 

Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein. 

Die Cherubine aus der ersten Hierarchie: 

Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben. 

Die Seraphine aus der ersten Hierarchie: 

Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht. 

Jetzt werden wir ermahnt, daB wir auf hoherer Stufe das SelbstbewuBtsein wieder 
erwecken, indem wir unser Aufgehen in den Kosmos, unser Hingegebensein an 
den Kosmos durch die Zauberworte der zweiten Hierarchie gefiihlt haben. 

[Der dritte Teil des Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben:] 

Der Hiiter - spricht -: 

Was wird aus der Liifte Reizgewalt, die dich erweckte? 

Aus der ersten Hierarchie [1. Hierarchie wird quer an die Tafel geschrieben und unterstrichen] 

ertont die kosmische Antwort: 

Throne: Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein. 
Cherubine: Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben. 
Seraphine: Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht. 

Ja, meine lieben Schwestern und Briider, ohne daB wir die Wirkung dieses letzten 
Mantrams fiihlen, wie es von den feurigen, blitzgewaltigen Seraphinen her tont: 
«Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht», ehe dieses Flammen- 
wort aus flammenden, seraphischen Blitzen ertont, ehedem verspiiren wir nicht, 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:112 



wie aus unserer eigenen Seele erweckt werden muB eine Kraft, damit wir, wo wir 
jetzt stehen driiben im Finstern, jenseits des Abgrimdes, noch erst tastend urn uns, 
die Welt allmahlich an uns herankommen fiihlen; damit wir nach und nach von 
uns ausgehend erst ein Glimmern haben, dann ein Hellerwerden, ein Fortschreiten 
des Glimmerns immer weiter im Raum, und weiter und weiter; bis das Glimmern 
immer leuchtender und leuchtender, scheinender und scheinender, glanzender und 
glanzender wird und durch unsere eigene Kraft die nachtbedeckte Finsternis drii- 
ben in der geistigen Welt allmahlich sich hellet. So muB es werden. So miissen 
wir versuchen, zu gewinnen die Ziindekraft des eigenen Selbstes, die im Feuer 
sich ziindende Kraft der eigenen Menschenwesenheit; denn die ist Licht in zu- 
nachst nachtbedecktem geistigem Lande. 

So fiihlen wir uns hinein in jene dreifache Geisterwelt der Angeloi, Exusiai, 
Throne und so weiter, wie wir uns hier in der Sinneswelt hineinfiihlen in die 
Sinneswesen der drei Reiche der Natur. Und wir lernen uns als Mensch in unserer 
wahren menschlichen Wesenheit erfuhlen in Geistumgebung, wie wir uns als Sin- 
nesmensch erfuhlen in Sinnesumgebung. Wir lernen es, indem wir aufsteigen von 
der dritten Hierarchie, die in uns den Geist entfaltet, den eigenen Geist, in dem 
sie lebt; indem wir aufsteigen von ihr zur zweiten Hierarchie, die in uns den Geist 
entwickelt, schaffend, lebend, gestaltend; und endlich hinkommen zur ersten 
Hierarchie, wo wir eine Stiitze wieder haben, aber eine Stiitze des Geistes, die 
eigentlich oben und nicht unten ist, wo wir waltende Weisheit in den Cherubinen 
haben, die uns zum SelbstbewuBtsein bringt dasjenige, was unser Inneres wiederum 
erwarmen kann in Selbsterkenntnis, im Selbsterfiihlen, im Selbsterwarmen, und 
bis wir dazu kommen, daB dieses erwarmte Selbst das Leuchte-Element wird, 
damit hell werde, was vorher fiir uns noch finster war. 

So stehen wir, solches fuhlend, an der Seite des Hiiters der Schwelle und fiihlen 
vertieft jene Mahnung, die uns aus alien Wesen der Welt, aus alien Vorgangen der 
Welt entgegentont, damit wir aus Selbsterkenntnis Welterkenntnis, aus Welter- 
kenntnis Menschenerkenntnis gewinnen und so drinnenstehen in der Naturwesen- 
heit, aber auch in der Geistwesenheit, unser Selbst ergreifend auf beiden Seiten 
der Wirklichkeit: auf der Seite der Natur und auf der Seite des Geistes. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:113 



Dann aber ertont in einer neuen Gestalt - nicht anders in den Worten, aber so, 
daB wir es anders fiihlen, gestarkt durch die Ermahnungen aller Hierarchien der 
geistigen Welt, in der wir als Mensch urstanden -, dann ertont wiederum das 
Weltenwort: 

O Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellenweben 
In deines Lebens Werdestrom? 

Bist du es selbst, der sich 

Im Raumesfuhlen, im Zeiterleben 

Das Wort erschafft, dich fremd 
Erfuhlend in Raumes Seelenleere, 
Weil du des Denkens Kraft 
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome. 



* 



Die nachste Klassenstunde wird von heute iiber acht Tagen nachsten Sonnabend, 
wiederum um achteinhalb sein. Morgen Kindermalerei im Bauburo. 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:114 



SECHZEHNTE STUNDE 



Dornach, 28. Jimi 1924 

eine lieben Freunde! Wir beginnen wiederum damit, daB wir das Wort 
an uns erklingen lassen werden, das bei richtigem Verstandnisse der Welt 
jeder Menschenseele aus allem, was da ist in den Nahen und in den 
Weiten des Kosmos, erklingen kann. Ehe aber dieses Wort zu unseren Seelen 
sprechen soil, muB ich, da heute wiederum eine groBere Anzahl von neu in die 
esoterische Schule hier aufgenommenen Mitgliedern hier ist, wenigstens mit ein 
paar Worten noch einmal andeuten, was der Sinn dieser Schule ist. 

Es handelt sich durchaus darum - ich werde es heute ganz kurz andeuten -, 
daB diese Schule angesehen werden muB als eine solche, welche ihre Mitteilungen 
an die menschlichen Seelen aus der geistigen Welt herunter vermittelt; so daB 
dasjenige, was hier in der Schule lebt, was hier in der Schule herangebracht wird 
an Menschenseelen, anzusehen ist als Mitteilung aus der geistigen Welt selbst. Sie 
werden daraus erkennen, daB die Zugehorigkeit zur Schule im hochsten Grade als 
etwas Ernstes angesehen werden muB. 

Solcher Ernst, wie er durch diese Schule durchgehen muB, er ist ja erst moglich 
geworden durch die ganze Konstitution, welche die Anthroposophische Gesellschaft 
seit der Weihnachtstagung erhalten hat. Seit dieser Weihnachtstagung ist ja die 
Anthroposophische Gesellschaft als solche eine durchaus offentliche Angelegen- 
heit, aber zugleich eine offentliche Institution, durch die als solche ein esoterischer 
Zug geht, jener esoterische Zug, dem ja die Herzen heute wirklich mehr entgegen- 
kommen, als sie dem mehr exoterischen Zug vorher entgegengekommen sind. 

Aber zugleich wird ja von den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft 
nicht eigentlich etwas anderes verlangt, als daB sie sich fiihlen als Zuhorer der 
anthroposophischen Weisheit. Und im iibrigen wird nur dasjenige verlangt, was 
von jedem sozusagen anstandigen Menschen im Leben verlangt werden kann. 

Die Zugehorigkeit zur Schule aber bedingt um so mehr, daB das Mitglied der 
Schule anerkennt die Bedingungen, die ernsten Bedingungen dieser Schule. Und 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:115 



die Grimdbedingung ist eben diese, daB jeder, der der Schule zugehoren will, in 
seinem Leben darstellen sich soil so, daB er nach alien Seiten hin in jeder Einzelheit 
ein Reprasentant der anthroposophischen Sache vor der Welt ist. 

Reprasentant sein der anthroposophischen Sache vor der Welt macht naturlich 
auch notwendig, daB man mit Bezug auf alles dasjenige, was man selber in irgendei- 
nem Zusammenhange - wenn das auch ein entfernterer Zusammenhang ist - in 
der anthroposophischen Sache tut oder tun will, daB man ftir alles dergleichen 
sucht den Zusammenhang mit der Leitung der Schule, das heiBt mit dem esoteri- 
schen Vorstand am Goetheanum. Es handelt sich also durchaus darum, daB durch 
die Schule ein realer Zug hineinkommen soil in die anthroposophische Bewegung, 
die heute durch die Anthroposophische Gesellschaft reprasentiert wird. 

Daher ist es schon notwendig, daB die Zugehorigkeit zur Schule eben so aufgefaBt 
wird, daB der der Schule Angehorige Anthroposophie in seinen ganzen Menschen, 
in sein ganzes Wesen aufnimmt, aber sich auch fiihlt als ein Glied desjenigen, was 
hier vom Goetheanum als eine reale Stromung ausgehen will. DaB solche Forderun- 
gen gestellt werden, kann ja nicht, meine lieben Freunde, als eine Beeintrachtigung 
der menschlichen Freiheit angesehen werden; denn die Zugehorigkeit zu der Schule 
beruht auf Gegenseitigkeit. Die Leitung der Schule muB Freiheit darinnen haben, 
demjenigen das zu geben, was sie zu geben hat, dem sie es zu geben fur richtig 
halt. Und da man nicht Mitglied der Schule zu sein braucht, sondern es durchaus 
im freien Willen stehen muB, Mitglied der Schule zu werden, so muB schon auch 
die Leitung der Schule ihre Bedingungen stellen konnen, ohne daB irgend jemand 
davon sprechen konnte, daB dadurch sein freier Wille irgendwie beeintrachtigt 
werde. Es ist ein freies Abkommen zwischen der Leitung der Schule und demjeni- 
gen, der Mitglied sein will. 

Damit aber auf der andern Seite der Ernst der Schule wirklich auch ernst aufge- 
faBt wird, kann es gar nicht anders sein, als daB immerhin die Leitung der Schule 
es als ihr Recht in Anspruch nimmt, die Mitgliedschaft wieder aufzuheben, wenn 
sie das fur notwendig halten muB durch irgendwelche Geschehnisse. Und, meine 
lieben Freunde, daB die Leitung der Schule das streng nimmt, das bezeugt die 
Tatsache, daB nun seit dem verhaltnismaBig kurzen Bestand der Schule sechzehn 
Mitglieder der Schule aus derselben ausgeschlossen werden muBten ftir Zeit, fur 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:270b Seite:116 



kiirzere oder langere Zeit. Und ich betone noch einmal: diese MaBregel wird 
miissen - weil wir ja immer tiefer und tiefer in das Esoterische hineinkommen -, 
diese MaBregel wird miissen unbedingt in der Zukunft streng eingehalten werden, 
ganz gleichgiiltig gegeniiber dem Personlichen desjenigen, den sie trifft. 



Und jetzt seien die Worte gesprochen, die immer am Anfange dieser unserer 
esoterischen Auseinandersetzungen gesprochen werden, mahnend an diejenige 
Mahnung, die aus alien Vorgangen und aus alien Dingen der Welt und Wesenheiten 
der Welt an den Menschen erklingt, der das Herz hat, sie zu verstehen; jene 
Mahnung zur Selbsterkenntnis, die die wahre Grundlage der Welterkenntnis ist: 



O Mensch, erkenne dich selbst! 
So tont das Weltenwort. 
Du horst es seelenkraftig, 
Du fiihlst es geistgewaltig. 

Wer spricht so weltenmachtig? 
Wer spricht so herzinniglich? 

Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung 
In deines Sinnes Seinserleben? 
Tont es durch der Zeiten Wellen
…[truncated]