Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen

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Rudolf Steiner

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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE 



Vortrage fur die Arbeiter am Goetheanumbau 

Band 1 Die Erkenntnis des Menschenwesens nach Leib, Seele und 
Geist. Uber friihe Erdzustande 

Zehn Vortrage, 2. August bis 30. September 1 922 (Bibl.-Nr. 347) 

Band 2 Uber Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geistes- 
wissenschaftlichen Sinneslehre 

Achtzehn Vortrage, 1 9. Oktober 1 922 bis 1 0. Februar 1 923 (Bibl.-Nr. 348) 

Band 3 Vom Leben des Menschen und der Erde. Uber das Wesen 
des Christentums 

Dreizehn Vortrage, 1 7. Februar bis 9. Mai 1 923 (Bibl.-Nr. 349) 

Band 4 Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt 
man zum Schauen der geistigen Welt? 

Sechzehn Vortrage, 30. Mai bis 22. September 1923 (Bibl.-Nr. 350) 

Band 5 Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur - 
Uber das Wesen der Bienen 

Fiinfzehn Vortrage, 8. Oktober bis 22. Dezember 1 923 (Bibl.-Nr. 351) 

Band 6 Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung 
Zehn Vortrage, 7. Januar bis 27. Februar 1924 (Bibl.-Nr. 352) 

Band 7 Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen 
der Kulturvolker 

Siebzehn Vortrage, 1. Miirz bis 25. Juni 1924 (Bibl.-Nr. 353) 

Band 8 Die Schopfung der Welt und des Menschen. Erdenleben und 
Sternenwirken 

Vierzehn Vortrage, 30. Juni bis 24. September 1924 (Bibl.-Nr. 354) 



RUDOLF STEINER 



Mensch und Welt 
Das Wirken des Geistes in der Natur 

Uber das Wesen der Bienen 

Fiinfzehn Vortrage und eine Nachbemerkung 
gehalten vor den Arbeitern am Goetheanumbau 
in Dornach 
vom 8. Oktober bis 22. Dezember 1923 



1988 

RUDOLF STEINER VERLAG 
DORNACH SCHWEIZ 



Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften 
herausgegeben von der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung 

Die Herausgabe besorgte Paul Gerhard Bellmann 



1. Auflage in dieser Zusammenstellung, Gesamtausgabe Dornach 1965 

2. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1966 
3. Auflage, neu durchgesehen und mit den Stenogrammen verglichen 
Gesamtausgabe Dornach 1978 

4. Auflage, teilweise neu durchgesehen 
Gesamtausgabe Dornach 1988 



Weitere Veroffentlichungen siehe zu Beginn der Hinweise 



Bibliographie-Nr. 351 

Zeichnungen im Text nach Wandtafelskizzen Rudolf Steiners 
ausgefiihrt von Leonore Uhlig 

Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
© 1965 by Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
Printed in Switzerland by Graphische Anstalt Schuler AG, Biel 

ISBN 3-7274-3510-0 



Zu den Veroffentlichungen 
aus dem Vortragswerte, von Rudolf Steiner 



Die Grundlage der anthroposophisch orientierten Geisteswissen- 
schaft bilden die von Rudolf Steiner (1861 - 1925) geschriebenen und 
veroffentlichten Werke. Daneben hielt er in den Jahren 1900 bis 
1924 zahlreiche Vortrage und Kurse, sowohl offentlich wie auch fur 
die Mitglieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Ge- 
sellschaft. Er selbst wollte ursprunglich, daB seine durchwegs frei 
gehaltenen Vortrage nicht schriftlich festgehalten wiirden, da sie 
als «mimdliche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht 
waren. Nachdem aber zunehmend unvollstandige und fehlerhafte 
Horernachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich 
veranlaBt, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute 
er Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Stenogra- 
phierenden, die Verwaltung der Nachschriften und die fur die Her- 
ausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner aus 
Zeitmangel nur in ganz wenigen Fallen die Nachschriften selbst kor- 
rigieren konnte, muB gegeniiber alien Vortragsveroffentlichungen 
sein Vorbehalt beriicksichtigt werden: «Es wird eben nur hinge- 
nommen werden miissen, daB in den von mir nicht nachgesehenen 
Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.» 

Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaB 
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamt- 
ausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil 
dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere An- 
gaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise. 

Die besondere Stellung, welche die Vortrage fur die Arbeiter am 
Goefheanumbau innerhalb des Vortragswerkes einnehmen, schildert 
Marie Steiner in ihrem Geleitwort, welches diesem Band vorange- 
stellt ist. 



INHALT 



Geleitwort von Marie Steiner 



MENSCH UND WELT 
DAS WIRKEN DES GEISTES IN DER NATUR 

ERSTER VORTRAG, Domach, 8. Oktober 1923 

Das Wesen der Schmetterlinge 

Uberall in der Natur ist Geist. Flugversuche, ausgehend vom Schmet- 
terlingsflug. Der Schmetterling kommt auf eine sehr komplizierte 
Weise zustande: Ei-, Raupen-, Puppen- und Falterstadium. Das Ei 
muB immer Feuchtigkeit haben, in der etwas Salz drinnen ist; die 
Raupe lebt fortwahrend im Licht; die Puppe schlieBt sich von den 
physischen Erdenkraften ganz ab; der Schmetterling folgt nur dem 
Lichte, er unterliegt nicht mehr der Schwere. Das Ich und die 
Schmetterlingswelt. Die Gelbheit des Lowen. Das Inkarnat. Kaul- 
quappe und Frosch, Kiemen- und Lungenatmung. Betrachtung 
durchs Mikroskop. Einschachtelungstheorie. Heutiger Wissenschafts- 
betrieb. Gescheitheit der Verriickten. «Genie und Irrsinn» von 
Lombroso. 

zweiter vortrag, 10. Oktober 1923 33 

Uber Blausaure und Stickstoff, Kohlensaure und Sauerstoff 
Was im menschlichen Leben vom Stickstoff abhangt. Kohlenstoff 
und Stickstoff, Blausaure- und Zyankalibildung. Von der Wider- 
standskraft gegen die Zyankalibildung ruhren unsere Bewegungen 
her. Riickbildung des Zyankalis. Die vom Menschen zur Sonne 
gehenden Zyankalistrome. Im Kopfe kommt die Kohlensaure mit 
dem Eisen zusammen. Bleichsuchtigkeit. Eisensauerlinge. Die vom 
Menschen beherrschten Eisen-Kohlensaurestromungen gehen nach 
dem Monde. Pflanzenwachstum und Vollmond. Zum Denken brau- 
chen wir den Mond, zum Gehen brauchen wir die Sonnenkraft. 
Sonne, Erde und Mond waren einmal ein gemeinsamer Korper. Den 
Stickstoff haben wir von der Sonne, den Sauerstoff vom Mond. 
Steinkohle und Kalk. Zyankalivergiftung. Innige Beziehung des 
Menschen mit Sonne und Mond. 



drittervortrag, 13. Oktober 1923 

Mensch und Erde im Norden und Siiden 

Formen der Schneekristalle und die Bildung der Eisblumen. Unter- 
schied zwischen Menschen der heiBen Zone und den Eskimos. Die 
Eskimos haben verhaltnismaBig zu ihrem Korper groBe Lungen und 
kleine Lebern und die Menschen der heiBen Zone haben verhaltnis- 
maBig eine kleine Lunge und eine groBe Leber. Blutvergiftung durch 
den Zorn. Baucherkaltungen. Lebererkrankungen. Sonnentatigkeit 
fordert Lebertatigkeit. In der Lunge wirken die Mondkrafte. Ursache 
der Lungenkrankheiten. Safte der Blatter gewisser Kohlarten konnen 
bestimmte Lungentatigkeiten iibernehmen. Der Saft aus der Wurzel 
von Cichorium intybus kann die Lebertatigkeit iibernehmen. Uberall 
wo die Sonne hineinscheint, wird Leben; uberall wo der Mond hinein- 
wirkt, entstehen Gestalten, Bildnisse. Erdenelektrizitat und Nordlicht. 
Kieselsaures Eisen und Kieselsaure als Heilmittel. 

viertervortrag, 20. Oktober 1923 67 

Uber die Wesenheit des Wasserstoffs 

Der Mensch als EiweiBtrager. Sumpfgas. Der Wasserstoff ist uber- 
all im Weltenall verbreitet. Die Fortpflanzung als das andere Ende 
vom Denken. Lebendgebarende Schlangen. In allem, wo Fortpflan- 
zung ist, muB Wasserstoff wirken. Der Wasserstoff: der Welten- 
phosphor. Die Soda und ihre Verwendung in Technik und Natur. 
Uberall, wo die Soda verwendet wird, muB etwas Licht entstehen. 
Alles Leben entsteht eigentlich aus dem richtigen Zusammenwirken 
von Wasserstoff und von Soda. Die mannliche Samenfliissigkeit. 
Wenn die Schlange keine Soda bekommt, dann bildet sie keine Ei- 
schale. AuBerer Wasserstoff und auBere Soda und innerer Wasser- 
stoff und innere Soda. Prinzip der hoheren Entwicklung: das, was 
drauBen in der Welt enthalten ist, geht in die Wesen, in die hoheren 
Tiere und in den Menschen innerlich hinein. Wie die niederen Lebe- 
wesen entstanden sind. Fortentwicklung des Menschen durch Ab- 
schlieBen von der Natur. Die Wespen: die feinsten Papiererzeuger 
der Natur. 

funfter vortrag, 24. Oktober 1923 83 

Uber die Natur der Kometen 

Zum Denken brauchen wir Kohlensaure, zum Wollen Zyansaure. 
Zyansaure in der Kometenatmosphare. Bedeutung der Kometen im 
ganzen Weltenall. Unterschied zwischen dem vielredenden Athener 
und dem weniger, aber bedeutsam und machtig redenden Spartaner. 
Innere Warme vertreibt die Begierde zum Reden, auBere Warme 
facht die Begierde zum Reden an. Nichts kann sich in der Finsternis 



entwickeln. Geradeso wie wir die Sonnenwarme aus der Kohle 
herausbringen, so nimmt das kleine Kind in der mutterlichen Gebar- 
mutter das Sonnenlicht, das dort aufgespeichert ist, aus dem Innern. 
Innere und auBere Warme, inneres und auBeres Licht. Kometen und 
Meteore als Bringer von Zyankali in der Luft. Auszehrung. Schlehdorn- 
saft. Die Kometen geben aus dem Weltenall heraus dem Menschen die 
Freiheit. Das Michaelsfest als Freiheitsfest. Lykurgos, der Gesetzgeber 
von Sparta. 

sechstervortrag, 27. Oktober 1923 99 

Wirksamkeit der Stoffe im Weltenall und im Menschenleibe: 
Eisen und Natrium 

Eisen ist iiberall vorhanden im Weltenall, damit wir den freien Willen 
haben konnen; Natrium ist iiberall verbreitet im Weltenall, damit wir 
iiberhaupt Kopfe haben konnen. Damit wir unsere Glieder aufbauen 
konnen, muB sich das Chlor mit Wasserstoff zu Salzsaure bilden. 
Was aus dem Chlor im Menschen kommt, muB sich richtig mit dem 
Eisen verbinden. Der Mars ist der Schopfer des Eisens in unserem 
Planetensystem, der Merkur hangt mit dem Chlor zusammen. Die 
Sonnenkraft im Menschen bringt Chlor und Eisen zusammen. Gold- 
therapie. Bleichsucht bei jungen Madchen und Heiserkeit bei Knaben 
im Stimmwechsel. 

siebenter vortrag, 31. Oktober 1923 113 

Uber die Ursachen der Kinderlahmung - Vom Pflanzen- 
wachstum 

Uber Pflanzen im Zimmer. Kinderlahmung. Nachweis der Wirkun- 
gen kleinster Mengen von Stoffen. Die Gesundheitsverhaltnisse der 
Menschen hangen vom Pflanzenwachstum ab. Heilmittel fiir die 
Kinderlahmung. Holzsaft, Lebenssaft und Kambium beim Baum und 
bei der gewohnlichen krautigen Pflanze. Was es fiir eine Bedeutung 
hat, wenn ganz kleine Mengen von Substanzen dem Boden beige- 
mischt werden. Zusammenhang zwischen dem Boden und dem 
Kleinhirn. Grippe und Lahmung. In alien Lahmungserscheinungen 
steckt etwas, was mit dem Boden der Erde innig zusammenhangt. 
Zusammenarbeit von Naturwissenschaft und Heilmethode. 



UBER DAS WESEN DER BIENEN 



Nachbemerkung von Dr. Rudolf Steiner zum Bienenvortrag von 

Herrn Miiller, Domach, 10. November 1923 131 

Nachteile der kunstlichen Bienenzucht 

ACHTER VORTRAG, 26. November 1923 133 

Biene und Mensch 

Nektar und Pollen als Bienennahrung. Bienenwachs. Wabenbau. 
Bienenkonigin, Arbeitsbienen und Drohnen in ihrer Entwicklung. 
Die Bienenkonigin bleibt immer Sonnentier; die Arbeitsbiene ist zwar 
noch stark Sonnentier, aber schon etwas Erdentier; die Drohne ist 
ganz Erdentier. Mannliche Befruchtung kommt von den Erdenkraf- 
ten; weibliche Fahigkeit, Eier zu entwickeln, kommt von den Son- 
nenkraften. Jungfernbrut. Hochzeitsflug und Befruchtung der Bie- 
nenkonigin. Schwarmen der Bienen. Bedeutung des Bienengiftes. 
Bienenstock und Menschenkopf. Giinstige Wirkung des Honigs auf 
den alten Menschen. Honigdiat bei rachitischen Kindern. Besseres 
Gedeihen der Obstbaume in Gegenden, wo Bienenzucht ist. Kiinst- 
liche Bienenzucht. Ehrfurcht vor dem ganzen Bienenwesen. 

neunter vortrag, 28. November 1923 149 

Vom Wahrnehmen der Bienen 

Besprechung eines Artikels aus der «Schweizerischen Bienen-Zeitung» 
(H. v. Biittel-Reepen: «Sehen die Bienen fur uns unsichtbare Far- 
ben?»). Die Biene hat eine Art Geruchs-Geschmack. Licht- und 
Farbenwahrnehmung der Bienen. Das Leuchten der jungen Konigin. 
Die Biene empfangt durch das Licht chemische Wirkungen, die sie 
sehr stark spurt. Der feine Geruchssinn der Katze. Geruchssinn der 
Polizeihunde. Kunstliche Futterung der Bienen. Kamillenteezusatz 
zur Futterung. 

zehnter vortrag, 1. Dezember 1923 161 

Honig und Quarz 

Worauf eigentlich die Wirkung der Honigkuren beruht (Besprechung 
eines weiteren Artikels aus der «Schweizerischen Bienen-Zeitung»). 
Bei kleinen Kindern mufl man mehr Milch, wenig Honig geben; bei 
alten Leuten hilft der Honig hauptsachlich, nicht die Milch. Die 
Kieselsaurekraft im Menschen. Die Biene wird durch dieselbe Kraft 
ausgebildet, die in der Erde ist und den Quarz bildet: die fein ver- 
teilte Kieselsaurekraft. Stark verdiinnter, gepulverter Quarz als Heil- 
mittel, wenn Honig nicht vertragen wird. Wohltat der Honigkuren. 
Das Pferd des Herrn von Osten. Gewohnung der Bienen an den 
Bienenvater. Erklarung einer alten Bauernregel. 



elfter vortrag, 5. Dezember 1923 181 

Vom Honig 

Wiedererkennen des Bienenvaters durch die Bienen. Tod des Bienen- 
vaters. Bienenzucht innerhalb der Landwirtschaft. Gesunder Honig- 
preis. Unnatiirliche Milchproduktion. Mittel gegen die Maul- und 
Klauenseuche. Das Ziichten der Kiihe auf hohe Milchleistung er- 
gibt schwache Kalber. Das Sich-selbst-Helfen der Bienen im Bienen- 
stock. Der Bienenstock als ein Ganzes. Was die kiinstliche Bienen- 
zucht bedeutet. Nochmals zum Honigpreis. Was man bei Unver- 
traglichkeit von Honig tun kann. Wie die Bienen auf elektrisches 
Licht reagieren. EinfluB der Tierkreiszeichen auf die Honigerzeu- 
gung. 

zwolfter VORTRAG, 10. Dezember 1923 196 

Uber die Gallwespe 

Mitessen der Waben. Bienenkrankheiten und die Instinkte der alten 
Bienenziichter. Bestimmtes Verhaltnis zwischen dem Magensaft und 
dem Blutsaft der Biene. Richtige Blutbereitung bei den Bienen. Ge- 
fahrdung der Blutzusammensetzung. Kiinstliche Pflanzenzucht in 
der Umgebung des Bienenstockes. Rebbau. Das Wesen der Honig- 
bereitung bei den Bienen. Von Gallwespen und Gallbildungen. Wilde 
Feigen. Veredelung der Feigen. Heruberziichtung der Biene aus der 
Wespe. Honig- und Feigenbildung. Bienenfaulbrut. 

dreizehnter VORTRAG, 12. Dezember 1923 213 

Vom Bienengift und von den Ameisen 

Bienenkonigin, Arbeitsbienen und Drohnen. Befruchtungsflug der 
Bienenkonigin. Aus den befruchteten Eiern entstehen Arbeitsbienen 
und Koniginnen, aus den unbefruchteten Eiern lauter Drohnen. Die 
Ich-Organisation des Menschen treibt eigentlich das Blut. Bienengift 
und Wespengift als Heilmittel bei Gicht und Rheumatismus. Bienen- 
stiche. Drohnenbriitigkeit. Afterkonigin. Wespennester und Amei- 
senbauten. Blattlauskolonien der Ameisen. 

VIERZEHNTER VORTRAG, 15. Dezember 1923 228 

Die Bedeutung der Ameisensaure 

Weiteres uber den Ameisenbau. Ameisenplage. Ackerbautreibende 
Ameisen. Tiber Schlupfwespen. Die Rolle der Ameisensaure in der 
Natur und im Menschen. Bienengift, Wespengift und Ameisensaure 
ist einmal aus dem Weltenraum uber die Pflanzen hereingekommen 
und waren diese nicht, so miiBten die Pflanzen nach einiger Zeit aus- 
sterben. Durch die Ameisensaure bleibt die Erde iiberhaupt lebendig. 



Gifte sind Geistsammler, daher auch Heilmittel. Bienen, Wespen 
und Ameisen nehmen der Natur nicht nur etwas weg als Rauber, 
sondern geben ihr auch die Moglichkeit, weiter zu leben und zu 
gedeihen. 

funfzehnter vortrag, 22. Dezember 1923 245 

Kleesaure, Ameisensaure, Kohlensaure und ihre Bedeutung 
in der Natur 

Erinnerung an den Insektenforscher Jean-Henri Fabre. Geschicklich- 
keit der Holzbienen im Nestbau. In der Art, wie die Insekten bauen, 
lebt Verstand. Der Mensch ist ganz ausgefullt mit Ameisensaure. 
Wozu wir eigentlich in unserem Korper die Ameisensaure haben. 
Woran man erkennt, daB ein Mensch zu wenig Ameisensaure hat. 
Kleesauregaben, wenn die Ameisensaure nichts hilft. Uberall in der 
Natur und uberall im menschlichen Korper findet sich die Klee- 
saure. Wir erzeugen immerfort in unserem Korper aus Kleesaure 
Ameisensaure. Durch das Heer der Insekten wird die Luft, die um 
die Erde herum ist, fortwahrend mit Ameisensaure durchdrungen. 
Die Ameisensaure zieht Seele und Geist heran. Eiterprozesse. Die 
Ameisensaure ist die Grundlage fur Erdseele und Erdgeist. Das Auf- 
leuchten der jungen Bienenkonigin und die schwarmenden alten 
Bienen. Der Wacholderbaum als Bild der Belebung der Erde durch 
den Christus im moralischen Sinne. 



Hinweise 



Personenregister 

Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 



.263 



269 
271 



GELEIT WORT 
zum Erscheinen von Veroffentlichungen aus den Vortragen 
Rudolf Steiners fur die Arbeiter am Goetheanumbau 
vom August 1922 bis September 1924 

Marie Steiner 



Man kann diese Vortrage auch Zwiegesprache nennen, denn ihr Inhalt 
wurde immer, auf Rudolf Steiners Aufforderung hin, von den Arbeitern 
selbst bestimmt. Sie durften ihre Themen selber wahlen; er regte sie zu 
Fragen und Mitteilungen an, munterte sie auf, sich zu auBern, ihre Ein- 
wendungen zu machen. Fern- und Naheliegendes wurde beriihrt. Ein 
besonderes Interesse zeigte sich fur die therapeutische und hygienische 
Seite des Lebens; man sah daraus, wie stark diese Dinge zu den taglichen 
Sorgen des Arbeiters gehoren. Aber auch alle Erscheinungen der Natur, 
des mineralischen, pflanzlichen und tierischen Daseins wurden beriihrt, 
und dieses fuhrte wieder in den Kosmos hinaus, zum Ursprung der Dinge 
und Wesen. Zuletzt erbaten sich die Arbeiter eine Einfuhrung in die Gei- 
steswissenschaft und Erkenntnisgrundlagen fur das Verstandnis der 
Mysterien des Christentums. 

Diese gemeinsame geistige Arbeit hatte sich herausgebildet aus einigen 
Kursen, die zunachst Dr. Roman Boos fur die an solchen Fragen Interes- 
sierten, nach absolvierter Arbeit auf dem Bauplatz, gehalten hat; sie 
wurden spater auch von andern Mitgliedern der Anthroposophischen 
Gesellschaft weitergefiihrt. Doch erging nun die Bitte von seiten der Ar- 
beiter an Rudolf Steiner, ob er nicht selbst sich ihrer annehmen und ihren 
Wissensdurst stillen wiirde - und ob es moglich ware, eine Stunde der 
ublichen Arbeitszeit dazu zu verwenden, in der sie noch frischer und 
aufnahmefahiger waren. Das geschah dann in der Morgenstunde nach der 
Arbeitspause. Auch einige Angestellte des Baubiiros hatten Zutritt und 
zwei bis drei aus dem engeren Mitarbeiterkreise Dr. Steiners. Es wurden 
auch praktische Dinge besprochen, so zum Beispiel die Bienenzucht, fur 
die sich Imker interessierten. Die Nachschrift jener Vortrage iiber Bienen 
wurde spater, als Dr. Steiner nicht mehr unter uns weilte, vom Landwirt- 



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schaftlichen Versuchsring am Goetheanum als Broschiire fiir seine Mit- 
glieder herausgebracht. 

Nun regte sich bei manchen andern immer mehr der Wunsch, diese 
Vortrage kennenzulernen. Sie waren aber fiir ein besonderes Publikum 
gedacht gewesen und in einer besonderen Situation ganz aus dem Stegreif 
gesprochen, wie es die Umstande und die Stimmung der zuhorenden 
Arbeiter eingaben - durchaus nicht im Hinblick auf Verdffentlichung und 
Druck. Aber gerade die Art, wie sie gesprochen wurden, hat einen Ton 
der Frische und Unmittelbarkeit, den man nicht vermissen mochte. Man 
wiirde ihnen die besondere Atmosphare nehmen, die auf dem Zusam- 
menwirken dessen beruht, was in den Seelen der Fragenden und des 
Antwortenden lebte. Die Farbe, das Kolorit mochte man nicht durch 
pedantische Umstellung der Satzbildung wegwischen. Es wird deshalb 
der Versuch gewagt, sie mdglichst wenig anzutasten. Wenn auch nicht 
alles darin den Gepflogenheiten literarischer Stilbildung entspricht, so hat 
es dafiir das unmittelbare Leben. 



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Mensch und Welt 

Das Wirken des Geistes 
in der Natur 



ERSTER VORTRAG 
Dornach, 8. Oktober 1923 



Guten Morgen, meine Herren! Haben Sie sich irgend etwas ausgedacht, 
was heute beantwortet werden konnte? - Wenn nicht, dann will ich Ihnen 
heute etwas sagen, was sich ganz gut anschlieBt an Dinge, die ich schon 
besprochen habe. 

Wenn der Mensch so hineinsieht in die Natur - er sieht ja eigentlich 
ziemlich gedankenlos hinein -, so kommt ihm in dem Momente, wo er 
anfangt, wirklich iiber die Naturdinge nachzudenken, ja so viel in 
den Sinn, was darauf hinweist, daB iiberall Geist in der Natur, daB iiber- 
all das Geistige gegenwartig ist, daB er gar nicht mehr anders kann, als, 
wenn ich so sagen darf, neugierig zu werden, wie da eigentlich dieser 
Geist in der Natur wirkt. Ich habe Ihnen ja beim Biberbau, bei ahn- 
lichen Dingen immer wieder zeigen konnen, wie geistreich alle diese 
Dinge in der Natur sind. Nun will ich Ihnen heute noch etwas anderes 
zeigen. 

Nicht wahr, der Mensch sieht zunachst, wenn er in einer gewissen Zeit 
des Sommers in der Natur drauBen herumgeht, die schonen flatternden 
Schmetterlinge mit ihren farbigen Fliigeln, die so bunt schillern, und da 
fragt er nicht weiter: Woher kommt dieses wirklich mannigfaltig bunt 
schillernde Flattern der Schmetterlinge, die sich so frei bewegen? 

Es ist dieses von einer groBen praktischen Bedeutung. Ich bin sogar 
davon iiberzeugt: Wenn wir hier irgendwo auf unserem Goetheanum- 
Grunde neue Versuche machen konnten fur die Luftschiffahrt, so wiirden 
wir die nicht so anstellen, wie sie heute aus der materialistischen Wissen- 
schaft heraus angestellt werden. Da versucht man es immer mit dem Vo- 
gelflug, mit dem Libellenflug, der Wasserjungfer und so weiter. Aber man 
hat keinen Sinn dafur, die Sache zu versuchen mit dem eigentlichen 
Schmetterlingsflug. Und dennoch wiirde die Luftschiffahrt erst auf ihre 
richtige Gestalt kommen, wenn man die Versuche dafiir im GroBen anfas- 
sen konnte gerade mit dem Schmetterlingsflug. Aber nicht wahr, auf sol- 
che Dinge gehen die Leute heute deswegen nicht ein, weil sie die Richtig- 
keit doch nicht einsehen konnen. Man kann namlich solche Dinge in rich- 



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tiger Weise, selbst fur das praktische Leben, doch nur einsehen, wenn man 
auf das Geistige eingeht. 

Nun will ich Ihnen heute etwas iiber die Schmetterlinge, etwas, was 
nicht gerade zur Luftschiffahrt gehort, aber Sie aufklaren kann iiber die 
Luftschifferei, zeigen. Sehen Sie, solch ein Schmetterling ist ja nicht von 
vornherein da, sondern der kommt ja, wie Sie wissen, auf eine sehr kom- 
plizierte Weise zustande. Zunachst gehen wir davon aus, daB der Schmet- 
terling, wenn es gegen den Herbst zu geht, er also reif geworden ist, ein Ei 
legt. So daB also das erste, wovon der Schmetterling ausgeht, das ist, daB 
er ein Ei legt. Aus diesem Ei kommt ja nicht wieder ein Schmetterling 
heraus. Da kriecht nicht wiederum, sagen wir, der Schmetterling Schwal- 
benschwanz heraus, der so ausschaut (siehe Zeichnung); der kriecht nicht 
da heraus, sondern aus diesem Ei kriecht zunachst dasjenige heraus, was 



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i'\ phym<-'i 



^'^^'^'^'^^A Puppe: astrclisch 



man im Volksmund einen «Wurm» nennt; eine Raupe kriecht heraus. 
Diese Raupe also kriecht aus dem Ei heraus. Hier hat sie ihren Kopf (siehe 
Zeichnung), hier hinten ist ein Stachel, und die kriecht nun so trag, lang- 
sam herum, ist eigentlich auBerlich eine Art von Faulenzer. Aber innerlich 
ist eine solche Raupe gar keine Faulenzerin, sondern innerlich spinnt sie 
aus ihrem eigenen Leib heraus Faden, und aus diesen Faden macht sie urn 



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sich herum erne Hiille. Wenn also das jetzt die Raupe ist (siehe Zeich- 
nung), so spinnt diese Raupe aus sich selbst heraus Faden und macht um 
sich heram eine Hiille, die hart ist. Die Raupe verschwindet allmahlich im 
Inneren ganz, lost sich auf in diesen Faden, macht also um sich herum eine 
Hiille, die sie irgendwie an einen Baumstamm anhangt, anklebt; sie klebt 
zuerst den Faden an und verschwindet dann in der Hiille. So daB wir 
haben: das Ei, die Raupe und hier, das nennt man eine Puppe. Und diese 
Puppe, die bleibt nun eine Zeitlang hangen. Dann kriegt sie irgendwo ein 
Loch und der Schmetterling kommt heraus. So daB, bevor ein solcher 
Schmetterling zustande kommt, vier Sachen notwendig sind: also erstens 
das Ei, zweitens die Raupe, drittens die Puppe und viertens er selbst. Das 
Ei, das wird irgendwo abgelegt. Die Raupe kriecht dann herum. Die 
Puppe bleibt ganz fest und der Schmetterling flattert lustig in der Luft 
herum. Der kann dann wiederum ein Ei legen und die Geschichte geht im 
Jahreslauf von neuem los. So ist die Sache. 

Nun, das schauen sich die Leute an, und das erklaren heute die Gelehr- 
ten ja so, daB sie einfach beobachten, was sich da durch das Mikroskop 
oder dergleichen eben beobachten laBt. Aber so einfach ist die Sache nicht. 
Man muB beriicksichtigen, wo das Ei leben kann und wie es lebt, wie die 
Raupe lebt, wie die Puppe lebt und wie zuletzt der Schmetterling lebt. Das 
Ei, das braucht vor alien Dingen, wenn es so weit kommen soil, daB die 
Raupe auskriechen kann, manchmal furchtbar wenig - aber es braucht 
Feuchtigkeit, in der etwas Salz aufgelost ist. Kein Ei kann gedeihen, ohne 
daB es etwas Feuchtigkeit, in der etwas Salz aufgelost ist, bekommt. Daher 
muB das Tier, der Schmetterling, diesen Instinkt haben, das Ei irgendwo 
hinzulegen, wo es Feuchtigkeit bekommen kann, in der etwas Salz enthal- 
ten ist. Ohne das geht es also nicht. Es ist das, was ich Ihnen hier fur den 
Schmetterling erzahle, eben geradeso auch fur die Biene und so weiter. Es 
ist fur die Biene auch notwendig, daB da, wo die Eier abgelegt werden, 
etwas durchdringt - wenn es auch wenig ist -, daB Salz hineinkommt. Es 
beobachten das eben wenige. Es geniigt, wenn der Nebel durchgeht; der 
hat immer etwas Salzfeuchtigkeit. Es kommt einem da die Natur zu Hilfe. 
Es leuchtet das dem menschlichen Verstand nicht immer ganz ein. Die 
Natur ist eben viel gescheiter als der Mensch. Aber das Ei muB immer 
etwas Feuchtigkeit haben, in der etwas Salz drinnen ist. Das ist beim 



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Schmetterling auch so, und dann kriecht also die Raupe heraus. Das Ei 
braucht also nur diese Feuchtigkeit, in der Salz drinnen ist; es hat keine 
Augen, es sieht nichts, es lebt im iibrigen fur sich selbst in einer Welt, die 
ganz finster ist. In dem Augenblick, wo die Raupe ausgekrochen ist, 
kommt sie ans Licht heraus, ist also fortwahrend im Lichte. Die Raupe hat 
Sinnesorgane, kommt ans Licht. Jetzt ist es eigentlich ein ganz anderes 
Wesen geworden, als das Ei es ist. Das Ei hat sich ganz in die Raupe ver- 
wandelt. Und daB die Raupe dem Licht ausgesetzt ist, daB sie Sinne hat, 
das iibt einen inneren Eindruck auf die Raupe aus. Solche Dinge kommen 
bei gewissen Erscheinungen ganz radikal zum Ausdruck. Sie alle haben ja 
schon diese merkwurdige Erscheinung genossen, daB, wenn Sie irgendwo 
eine Lampe angezundet haben, allerlei Insekten im Zimmer herumflat- 
tern, sich vom Licht der Lampe angezogen fiihlen, sich sogar hineinstur- 
zen, so dumm sind, daB sie verbrennen. Woher riihrt das? Natiirlich 
kommt das nicht bei dieser Raupe vor, aber der Wille dazu ist bei dieser 
Raupe auch vorhanden. Die Raupe, die wird namlich vom Sonnenlicht 
geradeso, ich mochte sagen, wolliistig angezogen, wie das Insekt, das sich 
in die Kerzenflamme stiirzt; nur kann die Raupe nicht zu der Sonne hin- 
aufkommen. Konnte sie sich vom Boden erheben und hinauffliegen zur 
Sonne, so wiirden wir sehr bald gar keine Raupen mehr haben; die wiirden 
alle zur Sonne hinauffliegen, alle fortfliegen. Derm das wollen sie, sie sind 
nur festgehalten von der Schwere der Erde, sie konnen nicht. So daB, 
wenn wir eine Raupe anschauen, diese Raupe eigentlich den Willen hat, 
dem Lichte nachzugehen. Das kann sie nicht. Aber was tut sie? 

Denken Sie sich einmal, da ist der Lichtstrahl, da die Raupe (es wird 
gezeichnet). Jetzt spinnt die Raupe, indem sie kriecht, so wie der Licht- 
strahl ist, einen Faden. Die Raupe spinnt ganz nach dem Lichtstrahl den 
Faden, und wenn der Lichtstrahl in der Nacht nicht da ist, da rollt sie den 
Faden ein und bei Tag spinnt sie in dem Lichtstrahl den Faden wieder 
weiter, in der Nacht rollt sie ihn wieder ein. Und daraus entsteht die Hiille 
rundherum. Die Raupe lost sich ganz im Licht auf, stirbt im Licht, wie 
das Insekt, das der Flamme zugeht, nur daB sie nicht zur Sonne hinauf- 
kommt, in den Lichtstrahl selber hineingeht; aber sie spinnt ihren eigenen 
Korper in diese Faden hinein und macht um sich diesen Kokon, wie man 
ihn nennt, diese Faden, die da zusammengesponnen werden. Die Seiden- 



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raupe spinnt die Seide nach dem Licht. Wenn Sie also aus irgendeiner Sei- 
denraupe Seide nehmen, so konnen Sie sich getrost sagen: Was ist das? Das 
ist gesponnenes Licht! - Da ist in der Richtung der Lichtstrahlen hineinge- 
sponnen die Erdenmaterie. Und wenn Sie irgendwo eine Puppe sehen, 
dann ist das so, daB das lauter gesponnenes Sonnenlicht ist, ringsherum 
Erdenstoff, der dem Sonnenstrahl nachgesponnen ist. 

Also so weit sind wir, daB wir jetzt die Puppe haben, ringsherum ge- 
sponnenes Licht, und dadurch, daB das gesponnenes Sonnenlicht ist, 
kommt natiirlich etwas anderes zustande, als wenn sich ein Insekt in die 
Flamme stiirzt - da verbrennt es die Flamme der Kerze, kann nichts damit 
machen. Konnte aber dieses Insekt in der Schnelligkeit, mit der es sich in 
die Flamme stiirzt, in der Richtung der Flammenstrahlen einen solchen 
Kokon herumspinnen, so wiirde aus dem Feuer der Flamme im Inneren 
ein neues Tier entstehen. Das wird nur durch die Verbrennung verhindert. 
Es ist interessant, daB man dadurch erfahrt, was eigentlich dieses Insekt 
will, das in der Nacht im Zimmer herumflattert und sich in die Flamme 
stiirzt: es will sich namlich fortpflanzen, es will zugrunde gehen, damit es 
in einer neuen Gestalt wiederkommt. Es tiiuscht sich nur, weil es nicht so 
schnell eine Hiille machen kann. Aber die Raupe kann in der Langsamkeit 
eben diese Hiille machen, hangt diese Hiille auf, und jetzt kann die Kraft 
der Sonne, die da eingefangen ist, die da eine Gefangene ist, die kann den 
Schmetterling im Inneren schaffen, und der kann dann als ein Sonnenge- 
schopf herausfliegen und als ein Sonnengeschopf sich bewegen. 

Sehen Sie, meine Herren, da kommt man darauf, wie eigentlich die 
Dinge in der Natur sind. Erstens haben Sie in dem, was ich Ihnen gesagt 
habe, eine ganz wichtige Idee: Das Insekt, das sich in die Flamme stiirzt, 
will sterben, denkt man sich. Nein, das will nicht sterben, sondern es will 
in anderer Gestalt wiederkommen. Es will durch die Flamme umgestaltet 
werden. Und so ist der Tod iiberall: Der Tod ist nichts, was die Wesen 
vernichtet, sondern wodurch sie, wenn der Tod richtig eingeleitet wird, 
nur umgestaltet werden. Erstens sieht man das daraus. Zweitens sieht man 
aber einen griindlichen Zusammenhang, der zwischen allem in der Natur 
drauBen besteht. Sehen Sie, der Schmetterling ist aus dem Licht geschaf- 
fen; aber das Licht muBte erst, indem es die Erdenmaterie in sich aufnahm 
und einen Kokon machte, in der Puppe zum Faden gemacht werden. Alles 



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das, was entsteht an tierischen Wesenheiten, wird aus dem Licht her- 
aus geschaffen. Auch der Mensch wird aus dem Licht heraus geschaffen 
durch die Vorgange, die durch die Befruchtung des weiblichen Eikei- 
mes geschehen; der schiitzt im Inneren des Menschen durch eine Hulle 
das Licht. Und in Wahrheit ist es das Licht, das den Menschen im Kor- 
per der Mutter schafft, das also die Moglichkeit schafft, daB der Mensch 
aus dem Lichte heraus entstehen kann. So sieht man also am Schmetter- 
ling, daB er aus dem Licht heraus, das erst gefangen worden ist, ent- 
steht. 

Nun, der Schmetterling, der flattert in vielen Farben herum. Solche 
Farben sind uberhaupt da, wenn man dasjenige, was am meisten vom 
Lichte beeinfluBt werden kann, anschaut. Wenn man also in heiBe Gegen- 
den geht, dann sind alle Vogel von wunderbaren Farben, weil da die Sonne 
die groBere Starke hat. Was tut also das, was da in der Sonne, im gefange- 
nen Licht schafft? Das bringt die Farben hervor, bringt immer Farben 
hervor. Und so ist es auch beim Schmetterling. Der Schmetterling hat 
seine Farben durch dasjenige, was das Licht da als ein Gefangener getan 
hat. Man kann den Schmetterling nur verstehen, wenn man ihn versteht 
als Schopfung aus dem ganzen Licht heraus, das ihn in vielen Farben 
macht. 

Aber das kann die Sonne nicht allein. Die Sache ist so: Wenn wir das Ei 
anschauen, ist das also in der Feuchtigkeit drinnen, in der Salz ist. Salz ist 
Erde, Feuchtigkeit ist Wasser. So daB wir sagen konnen: Das Ei muB 
gedeihen in Erde und etwas Wasser. - Die Raupe kommt schon ans Licht 
heraus. Die Raupe kann ihrem ganzen Wesen nach nicht bloB gedeihen in 
Erde und Wasser, also in aufgelostem Kalk zum Beispiel und Wasser, 
sondern die Raupe braucht Feuchtigkeit, also Wasser, aber auch Luft, 
Feuchtigkeit und Luft. Diese Feuchtigkeit und Luft, die die Raupe 
braucht, die ist nun nicht bloB wie das, was das Ei physisch braucht, son- 
dern in dieser Feuchtigkeit drinnen lebt dasjenige, was man Ather nennt 
und was ich Ihnen beim Menschen geschildert habe als den Atherleib. Die 
Raupe kriegt einen Atherleib. Und durch den Atherleib atmet sie. Durch 
den Atherleib nimmt sie dasjenige auf, was jetzt schon geistig in der Luft 
ist. Das Ei ist noch ganz physisch, die Raupe aber lebt schon im Phy- 
sisch- Atherischen. Aber das ist schwer fur die Raupe, im Physisch-Athe- 



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tischen zu leben. Die Raupe hat viel zuviel schwere Erdenmaterie in sich. 
Bei der Raupe ist es so: Wenn sie ans Licht kommt, so zeigt sich das eben, 
daB sie dann aus sich heraus die Lichtstrahlen spinnt in Form ihrer Kokon- 
seide. Die Raupe mochte ans Licht, kann aber nicht; sie hat zuviel Schwe- 
rekrafte in sich. Sie ist dem nicht gewachsen, dem sie jetzt ausgesetzt ist. 
Daher will sie selber aufgehen im Licht, sie will sich ins Licht hineiner- 
gieBen, sie will im Licht weiterleben. Was tut sie? Ja, sie schlieBt sich ge- 
gen die Erde mit den Sonnenstrahlen ab, sie macht einen Kokon um sich 
herum. Die Raupe schlieBt sich in der Puppe von den physischen Erden- 
kraften ganz ab. Und jetzt hat die Puppe im Inneren, wo der «Wurm» 
verschwunden ist, astralische Krafte in sich, nicht mehr Erdenkrafte und 
nicht mehr atherische Krafte, sondern astralische, ganz geistige Krafte in 
sich, und diese astralischen Krafte leben im eingefangenen Licht. Das 
eingefangene Licht hat immer geistige Krafte, astralische Krafte in sich. 
Und diese astralischen Krafte, die schaffen den Schmetterling. Der kann 
jetzt, weil er ganz aus astralischen Kraften besteht, in der Luft herumflie- 
gen, was die Raupe nicht kann; der kann dem Lichte folgen. Er folgt nur 
dem Lichte, er unterliegt nicht mehr der Schwere. Es ist die Schwere da- 
durch, daB er sich hingegeben hat, ausgeschaltet. So daB man sagen kann: 
Er ist zum Ich herangereift. - Ein Ich ist es, in dem wir sozusagen den 
Schmetterling herumflattern sehen. Wir Menschen haben unser Ich in 
uns. Der Schmetterling hat es auBer sich. Das Ich ist eigentlich Licht. Das 
farbt ihn. 

Wenn Sie das bedenken, dann miissen Sie sich etwas klarmachen. Sie 
alle sagen immer zu sich: Ich. - Was bedeutet das, wenn Sie zu sich Ich 
sagen? Sehen Sie, jedesmal, wenn Sie zu sich Ich sagen, glanzt in Ihrem 
Hirn eine kleine Flamme auf, die nur mit gewohnlichen Augen nicht gese- 
hen werden kann. Das ist Licht. Sage ich zu mir Ich, so rufe ich das Licht 
in mir auf. Dieses selbe Licht, das den Schmetterling in Farben farbt, das 
rufe ich in mir auf, wenn ich zu mir Ich sage. Es ist das wirklich auBeror- 
dentlich interessant, drauBen in der Natur zu beobachten, daB man sich 
sagen kann: Ich sage zu mir Ich; konnte ich dieses Ich ausstrahlen in 
alle Welt, so ware es Licht. Ich habe es nur durch meinen Korper einge- 
sperrt, dieses Ich. Konnte ich es ausstrahlen, so konnte ich mit diesem 
Licht lauter Schmetterlinge erschaffen. - Das Ich des Menschen hat eben 



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die Macht, lauter Schmetterlinge zu schaffen, uberhaupt Insekten und so 
weiter zu schaffen. Sehen Sie, da stellen sich die Menschen vor, daB alles so 
einfach ist. Aber in alteren Zeiten, wo man solche Sachen gewuBt hat, da 
haben die Menschen auch in dem Sinne gesprochen. Im ganz alten Juden- 
tum, da gab es ein Wort: «Jahve», was dasselbe bedeutet wie «Ich». Dieses 
Wort, in der hebraischen Sprache Jahve, durfte nur der Priester ausspre- 
chen, weil der Priester dazu vorbereitet war, sich zu sagen, was das bedeu- 
tet. Denn der Priester sah in dem Momente, wo er Jahve aussprach, iiber- 
all die Bilder von herumfliegenden Schmetterlingen. Und da wuBte er: 
Hat er das Wort Jahve ausgesprochen so, daB er nichts sah, so hat er es 
nicht mit der inneren richtigen Herzhaftigkeit ausgesprochen. Er stand 
aber in der richtigen inneren Herzhaftigkeit, wenn er lauter Schmetter- 
linge sah. Das hat er aber den anderen Leuten nicht beibringen konnen, 
denn die waren verriickt geworden darob; darum hat er sich erst vorberei- 
ten miissen. Aber wahr ist es doch. 

Ja, meine Herren, aber was ist denn das? Denken Sie sich einmal, hier 
ware zwischen diesem Pult und dem Punkt, wo ich stehe, eine groBe Bett- 
decke mit lauter Flaumfedern drinnen. Die Flaumfedern waren etwas 
diinn drinnen, und ich stelle mich da hier an und drange dahin, gehe so 
dahin, driicke die Flaumfedern zusammen, ich komme nicht ganz bis zu 
dem Pult hin, sondern muB in der Mitte stehenbleiben, weil ich sie nicht 
weiter zusammendriicken kann. Ich erreiche das Pult nicht, aber ich ver- 
spiire einen Druck, wenn ich mich da anstemme. So wollen Sie das Ich 
aussprechen, wollen Sie eigentlich lauter Schmetterlinge erzeugen, weil 
das Ich Licht ist. Aber Sie konnen das nicht. Statt dessen spiiren Sie den 
Widerstand, wie ich da den Widerstand spike, wenn ich dem entgegen- 
gehe. Und das sind Ihre Gedanken. Darinnen bestehen Ihre Gedanken, 
daB man nicht lauter Schmetterlinge erschaffen kann durch das Licht. Das 
Ich denkt Gedanken. Die Gedanken sind eigentlich nur Bilder von der 
S chmetterlingswelt. 

Sehen Sie, das sieht so aus, daB eigentlich heute noch dasselbe eintrate, 
was im alten Judentum eingetreten ware, wenn einfach ein jeder, der Jahve 
ausgesprochen hatte, die ganze Schmetterlingswelt gesehen hatte; dann 
hatten die Leute gesagt: Nun, der ist selbstverstandlich verriickt. - Er 
ware es auch gewesen, wenn er nicht reif dazu gewesen ware, die geistigen 



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Sachen anzuschauen! Aber heute sagen die Leute, wenn einer davon redet, 
daB das Licht Ich ist, und daB das Licht dasselbe ist, was in anderer Weise, 
wenn es eingesperrt ist, die Schmetterlinge erschaffen kann, was in uns, 
weil wir ein dazu geeignetes Gehirn haben, die Gedanken schafft statt der 
Schmetterlinge - heute sagen die Leute wieder: Der ist verriickt! - Aber 
das ist die Wahrheit. Das ist eben der Unterschied zwischen einer bloBen 
Verriicktheit und der Wahrheit. So daB man sagen muB: Schauen wir uns 
den bunten Schmetterling an in der Luft, dann wirkt auf uns dasselbe, wie 
wenn wir uns so recht in uns fuhlen und Ich sagen. Der Schmetterling kann 
nicht Ich sagen, nicht einmal das hohere Tier, weil das Ich von auBen 
wirkt. Wenn Sie einen Lowen ansehen in seiner semmelfarbenen Gelb- 
heit, dann ist es die semmelfarbene Gelbheit, die vom Ich des Lowen von 
auBen bewirkt wird. Der L6we wird selber gedacht von der ganzen Natur, 
die Farbung kommt dadurch zustande. Weil wir von innen heraus den- 
ken, bekommen wir nicht von auBen die Farbung, sondern wir bekom- 
men die Hautfarbung von innen, die man sehr schwer in der Malerei 
nachmachen kann. Aber unser Ich farbt eigentlich mit Hilfe des Blutes 
unseren ganzen Korper zu dieser wunderbaren Menschenfarbe, die man 
in der Malerei nur nachmachen kann, wenn man alle Farben in der richti- 
gen Weise miteinander mischen kann, richtig mischen kann. Da schafft 
fortwahrend die Natur an dem Wesen, aber sie schafft auf geistige Art. 
Sehen Sie, ich habe Ihnen hier gesagt: Es muB der Ubergang sein von dem 
Feuchten, das die Luft in sich halt, zu dem Licht. Da ist die Puppe nun in 
Luft und Licht. Da ist sie in Wasser und Luft als Raupe, hier in Luft und 
Licht als Puppe, und dann kommt sie immer weiter von dem Licht, das 
eingefangen ist, zu dem Astralischen, das in ihr wirkt. 

Sehen Sie noch einmal auf das zuriick: Raupe, Puppe. Denken Sie sich 
einmal, es gabe ein Tier, das noch nicht in der Lage ware, aus seinem eige- 
nen Korper heraus Seidenfaden zu spinnen. Nehmen wir an, es gabe solch 
eine besondere Art von Raupe, die wollte, wenn sie eben Raupe geworden 
ist, nun auch ins Licht, aber ihr Korper ist nicht fahig, Faden zu spinnen, 
kann es nicht. Sie kann ihren Korper nicht so machen, daB sie ihn nach 
auBen spinnt. Die Raupe spinnt sich wirklich zu Tode. Sie hort ganz auf, 
ihr ganzer Korper geht auf in dieses Gespinst. Es bleibt nur noch ein totes 
Geriist in ihr. Aber nehmen Sie an, Sie hatten solch ein tierisches Wesen, 



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das eben in sich Materie hat, Stoff hat, der nicht gesponnen werden kann. 
Was tut dieses Wesen, wenn es in dieselbe Lage kommt, wenn es stark dem 
Licht ausgesetzt ist? Nun, einen Kokon kann es nicht um sich herum 
spinnen. Was tut es? Es spinnt in sich selber - die Blutadern! Bei diesem 
Tier, wenn es in die Luft kommt, wird innerlich das Blut so gesponnen, 
wie die Raupe auBen den Kokon spinnt. Wir wiirden also dann ein Tier 
bekommen, das, solange es noch mehr im luft-waBrigen Elemente lebte, 
ein solches Blutgespinst haben wiirde, das dem waBrigen Element ange- 
paBt ist. Lebt es eine Zeitlang im Licht, so andert es sogar die Form der 
Adern; die werden ganz anders. Es spinnt in seinem eigenen Korper; weil 
es nichts herausspinnen kann, spinnt es im Inneren des Korpers. Zeichnen 
wir uns das genau auf. Denken Sie sich, es gibt also ein Tier, das atmet, wie 
es in der Feuchtigkeit muB, durch Kiemen, bewegt sich in der Feuchtig- 
keit, im Wasser so, daB es einen Schwanz hat; da gehen seine Blutadern so, 
daB sie sich in die Kiemen und in den Schwanz hinein erstrecken. So kann 
das Tier schwimmen im Wasser und auch atmen im Wasser. Der Fisch hat 
Kiemen. Mit Kiemen kann man im Wasser atmen. Aber denken Sie sich, 
das Tier tritt ofter heraus an die Luft, geht ans Ufer, oder der Teich selber 
wird trockener: da ist es mehr dem Licht ausgesetzt, die Feuchtigkeit ver- 
liert sich. Es kommt in diese Gegenden, wo es Licht und Luft, nicht Was- 
ser und Luft haben muB. Was tut das Tier? 

Ich will Ihnen das jetzt so mit Punkten aufzeichnen: Dieses Tier zieht 
aus den Kiemen die Adern zuriick, die werden immer mehr verkummert, 
und es spinnt diese Adern hier ein. Das Tier spinnt seine eigenen Adern, 
die es zuerst in die Kiemen hinausgeschickt hat, hier ein. Und die Adern, 
die in den Schwanz gegangen sind, die zieht es zuriick: es wachsen hier 
FiiBe; dieselben Adern, die in den Schwanz gegangen sind, die gehen in die 
FiiBe,... (unklare Stelle in der Nachschrift), wo sie nun anders gesponnen 
sind als die in den Schwanz gegangenen. Das konnen Sie in der Natur 
beobachten: Das ist eine Kaulquappe, und das ist ein Frosch! Der Frosch 
ist zuerst eine Kaulquappe mit Schwanz und Kiemen und kann im Wasser 
leben. Wenn er nun aber an die Luft kommt, so macht er das innerlich, 
was die Raupe auBerlich macht. Die Kaulquappe, die ein Frosch ist, der im 
Wasser leben kann, spinnt aus ihrem eigenen Blutnetz ein Netz, das dann 
innerlich verlauft, und aus dem, was in Adern und Kiemen gegangen ist, 



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Fro jch 



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hell: , rot.-////// l y/Tvf\e'"-' :: 



wird jetzt eine Lunge. Da waren es Kiemen und indem das Tier es jetzt 
eingesponnen hat, wird es eine Lunge; da war Schwanz und da werden 
jetzt FiiBe, die durch die Blutzirkulation, die sich in die Lunge hineinbe- 
gibt und durch diese Schwingung vorher ein eigentliches Herz entwickelt, 
bewegt werden. Also dieser selbe Weg von Wasser-Luft zu Luft-Licht, 
der durchgemacht wird von der Raupe zur Puppe, den macht der Frosch 
durch, der in Luft-Wasser lebt; das aber durchdringt da die Luft, indem er 
sich herausbegeben muB an Luft-Licht. Luft-Licht ist es, was eine Lunge 
erschafft und Beine erschafft, wahrend Wasser-Luft Fischschwanze er- 
schafft und Kiemen. Also es ist so, daB da fortwahrend nicht nur das 
wirkt, was im Inneren eines Tieres ist, sondern immer die ganze Weltum- 
gebung. 

Was tut die Gelehrsamkeit? Was haben wir getan, indem wir das uns 
vorgestellt haben, wie es ist? Wir haben die Welt uns angeschaut! Wir 
schauen die Welt an, wie sie ist; wir schauen hinaus in die Natur. Was tut 
der Gelehrte? Der schaut im allgemeinen wenig die Natur an, wenn er 
solche Sachen wissen will, sondern der bestellt zunachst beim Optiker ein 
feines Mikroskop, furchtbar fein. Das wird nun nicht in die Natur hinaus- 
getragen - man konnte ja da nicht viel damit machen! -, sondern in ein 
abgeschlossenes Zimmer gestellt; da laBt er den Schmetterling Eier legen. 
Fur den im Licht herumflatternden Schmetterling hat der Gelehrte nicht 



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viel Sinn. Das Ei legt er nun auf seine Praparierplatte, und dieses Ei beob- 
achtet er dann durch das Mikroskop (es wird gezeichnet): Da hat er sein 
Auge, da guckt er hinein, was da mit dem Ei, das er selber zerschneidet, 
geschieht; wo die Natur gar nichts mehr tut, da macht er selber feine 
Scheibchen daraus, schaut das an, was er selber erst zerschnitten hat. Da 
unten auf der Praparierplatte liegen die mit dem Rasiermesser zerschnitte- 
nen feinen Blattchen. Darinnen forscht man nach! So sind iiberhaupt 
heute viele Forschungen. 

Denken Sie sich eine Universitatsvorlesung. Der Professor bringt so 
viel Leute, als es iiberhaupt moglich ist, in sein Kabinett; da laBt er sie 
immer abwechselnd hineinschauen in das, was er da zerschnitten hat und 
zeigt ihnen das, was da drinnen ist. Er fiihrt sie naturlich manchmal auf 
Exkursionen hinaus, aber da sagt er nicht viel iiber das, was da drauBen ist, 
weil er dariiber nicht viel weiB. Seine ganze Wissenschaft wird darauf 
abgestellt, was er unter dem Versuchstrager sieht, wenn er erst selbst 
kleine Stiickchen herausgeschnitten hat. Zu welcher Weisheit kommt er 
denn dann? Er kommt auf alles das, was im Schmetterling vorwiegend 
schon im Ei drinnen liegt, nur auf kleinwinzige Weise. Ja, man kann doch 
zu nichts anderem kommen, wenn man erst mit dem Rasiermesser zersagt 
und schneidet und durch das Mikroskop es anschaut! Man vergiBt ja alles, 
was da drauBen in Licht und Luft und Wasser wirkt. Man hat ja nur Prapa- 
rierglaschen, auf die man das Mikroskop richtet. Man kann ja gar nichts 
erforschen! Man kann nur sagen: Da drauBen ist der Schmetterling, aber 
da drinnen, was ich da anschaue unter meinem Mikroskop, da ist schon 
der ganze Schmetterling drinnen auf ganz kleinwinzige Weise. 

Heute trauen sich die Leute das schon nicht mehr, aber friiher, da hat 
man gesagt beim Menschen: Da haben wir die Anni; die hat eine Mutter, 
die heiBt Marie. Nun ja, die Anni ist aus der Mutter Marie geboren. Nun 
schon; aber die ganze Anna besteht ja schon in der Eizelle drinnen, und die 
Eizelle, die steckte wieder in der Mutter, der Maria drinnen. So daB man 
also sich vorstellen muB: Da ist die Eizelle der Anna, da die der Maria, da 
steckt die Anna drinnen; aber die stammt wieder ab von der Gertrud, das 
ist die GroBmutter von der Anni. Nun ja, aber da das Ei der Zelle der 
Anna in der Zelle der Maria war, so muB die wieder in der Zelle der Ger- 
trud drinnenstecken. Nun ist die UrgroBmutter der Anna die Kathe, und 



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die Zelle von der Anna, Marie und Gertrud stecken schon in der Eizelle 
der Kathe drinnen und so weiter, und dann bekommen wir eine langere 
Reihe bis zur ersten Eizelle - das ist die der Eva. Und so haben die Leute 
gesagt- es war naturlich der bequemste Weg-: Der Mensch, der jetzt lebt, 
der steckte schon drinnen als ein kleinwinziger Kerl in der Eizelle der Eva. 
- Man nannte das die Einschachtelungstheorie. Die Theorien, die heute 
noch existieren, die sind nur etwas unklarer, die getrauen sich nicht mehr 
zuriickzugehen bis zu der Eva, aber sie sind im Geiste ganz dasselbe, sind 
namlich gar nicht fortgeschritten: «Der ganze Schmetterling ist schon da 
drinnen! » Und in diesem Schmetterling hat Licht und Luft und Wasser, 
die doch da sind, gar nichts mehr zu tun! 

Wenn man so diesen Wissenschaftsbetrieb ansieht, wie da der Profes- 
sor die Leute in sein Kabinett hineinfuhrt, wie er ihnen da seine furchtbar 
gelehrten Sachen, die aber eigentlich gerade Narrheiten sind gegeniiber 
dem Schaffen der Natur, vorfuhrt, so hat man das Gefiihl: Ja, es ist doch 
auch noch Licht und Luft und alles da! — Aus dem entfernt sich der Profes- 
sor und geht in sein fmsteres Kabinett hinein, in dem womoglich ein 
kiinstliches Licht gemacht ist, um das Mikroskop nicht zu storen durch 
das Fensterlicht und so weiter. Und da denkt man sich: Donnerwetter, der 
bleibt beim Ei stehen, in dem schon alles drinnen ist - und Luft und Licht 
und alles andere ist von der heutigen Wissenschaft pensioniert! — Es ist in 
Pension gegangen, tut nichts mehr. Die heutige Wissenschaft kennt 
nichts mehr von dem Schaffen in Luft und Licht und Wasser, kennt nichts 
mehr davon. Es ist schon etwas, was furchtbar nagt an unserem sozialen 
Leben, daB wir eigentlich eine Wissenschaft haben, die die ganze Welt 
pensioniert, nur noch das sieht, was durch das Mikroskop zu sehen ist, 
geradeso wie sich der Staat nicht kiimmert um einen Pensionar, als daB er 
ihm die Pension entsprechend auszahlt; er braucht ihn nicht mehr. Nicht 
anders ist es beim Wissenschafter, als daB er seine Nahrungsmittel daraus 
nimmt; aber er weiB nicht mehr, wie diese Nahrungsmittel wirken, und er 
beschaftigt sich nur noch mit dem Mikroskop, mit den Teilen. Die ganze 
Welt ist eigentlich in der heutigen Wissenschaft ein pensionierter Faulen- 
zer. Das ist schon schrecklich, denn das ganze groBe Publikum kann ja das 
nicht iiberschauen. Das ganze groBe Publikum sagt: Ach, das sind die 
Leute, die es verstehen miissen!-Wenn sie noch kleine Kinder sind, denkt 



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man schon daran, sie zu gelehrten Menschen zu machen; man gibt sie in 
die Schulen, wo sie viel lernen konnen. Nachher strengen sie sich heute 
viel an! Ja, bis zum siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Jahr 
muB man lemen: Das, was durch die zustande kommt, muB die Wahrheit 
sein! - Das kann das groBe Publikum natiirlich nicht beurteilen, laBt sich 
dann durch «Gelehrte» dieses Zeug vorsagen, weiB nichts davon, daB das 
ja iiberhaupt nichts mehr mit der Natur zu tun hat. Das redet von der 
Natur wie von einer Pensionistin. Und so versumpft unser ganzes Gei- 
stesleben. Und in dieser Versumpfung des geistigen Lebens sollen wir 
jetzt vorwartskommen! Wir kommen eben einfach nicht vorwarts, weil 
das groBe Publikum zu bequem ist, darauf zu horen, was man ihm sagt. Es 
sagt die Wahrheit j a heute nur die Anthroposophie! Das, was ich Ihnen 
hier sage, konnen Sie ja sonst nirgends horen. Es sagt die Wahrheit ja 
niemand; das groBe Publikum kummert sich ja nicht mehr darum. Wenn 
man sie sagt, so heiBt es, man sei verriickt. Es ist ja verriickt, daB das so ist! 
Aber es wird ja nicht derjenige als verriickt genommen, der wirklich ver- 
riickt ist, sondern der, welcher sagt, wie es ist, der wird als verriickt 
genommen. Es ist wirklich schon so, daB man das vollstandig verwechselt. 
Dazu will ich Ihnen noch eine kleine Anekdote erzahlen. Da ist einmal 
eine arztliche Kommission, die studieren wollte, in ein Irrenhaus an das 
Tor gekommen, und als sie hineinkamen, stand ein Herr da, der sie emp- 
fmg, so daB sie sich sagten: Nun ja, das ist der Herr Direktor, der dirigie- 
rende Arzt. Sie sagten zu ihm: Lieber Kollege, konnen Sie uns jetzt nicht 
in den Irrenzellen herumfuhren und uns alles erklaren? - Und da fiihrte sie 
dieser Mann, der am Tore stand, herum, erklarte ihnen alles, was in den 
einzelnen Zellen war, sagte ihnen: Da ist ein Irrsinniger, der hat merk- 
wiirdige Erscheinungen, Halluzinationen, gemischt mit epileptischen 
Krampfen. Bei der nachsten Zelle erklarte er: Der hat Willensemotionen 
iiber das normale MaB hinaus. Das erklarte er sehr genau. Dann kamen sie 
zu den eigentlich Wahnsinnigen, die sich allerlei fixe Ideen in den Kopf 
setzten. Sehen Sie, sagte er, das ist einer, den immer Gespenster verfolgen, 
ein anderer, den immer wiederum Leute verfolgen, nicht Gespenster, aber 
Menschen. Nun werde ich Sie zu dem Allerverriicktesten fiihren, den wir 
haben, sagte er - und da fiihrte er sie zu der Zelle des Allerverriicktesten, 
und sagte: Der Mann leidet an einer fixen Idee; er meint, er sei der Kaiser 



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von China. Das ist natiirlich eine Konsolidierung der Ideen vom Kopf: 
statt daB diese Ideen bloB in Gedanken bleiben, hat er sie konsolidiert. - 
Er erklarte das sehr genau und sagte: Aber Sie miissen wissen, meine 
Herren, daB das ein Unsinn ist, daB der der Kaiser von China ist, denn der 
bin ich namlich selber! - Ja, er hatte ihnen alles erklart, er hatte sie herum- 
gefiihrt, aber nicht an der Wissenschaft, sondern an der Nase. Aber der 
war wirklich verriickt. Der andere, sagte er, sei deshalb verriickt, weil er 
meine, daB er der Kaiser von China sei; er aber, sagte er, er sei der Kaiser 
von China selber. Es war ein ganz Verriickter, der da die Kommission 
fiihrte. 

Man kann nicht immer unterscheiden, wenn einer verriickt in der 
Wissenschaft ist. Sie werden staunen, was fur Gescheitheiten Ihnen die 
Verriickten erzahlen, wenn Sie mit ihnen in Beriihrung kommen. Deshalb 
hat derLombroso, der italienische Naturforscher, gesagt, daB ein eigentli- 
cher Unterschied zwischen Genie und Verrucktheit gar nicht vorhanden 
ist: Genies sind immer ein biBchen verriickt und Verriickte immer ein 
biBchen Genies. - Sie konnen das nachlesen in einem Bandchen in der 
Reclam-Bibliothek, das Biichelchen heiBt: «Genie und Irrsinn.» 

Natiirlich, wenn man nicht verriickt ist, kann man schon unterscheiden 
zwischen Genie und Irrsinn. Aber wir sind heute geradezu schon so weit 
gekommen, daB ganze Biicher existieren konnen, wie das von Lombro- 
so - in deutscher Sprache erschienen in Reclams Universal-Bibliothek -, 
wo die Wissenschaft selber konstatieren will: Man kann nicht unter- 
scheiden zwischen Genie und Irrsinn. So kann die Geschichte natiirlich 
nicht langer fortgehen, sonst kommt man in eine vollstandige Versump- 
fung des geistigen Lebens hinein. Man muB wiederum die pensionierte 
Natur anstellen, dann kommt man eben zu dem, wie wirklich das Ei zur 
Raupe, zur Puppe sich entwickelt, und wie das Licht darinnen gefangen 
ist, wie in uns das Licht darinnen gefangen ist, der farbige Schmetterling, 
der herausfliegt. 

Das ist das, was ich im AnschluB an das, was wir schon besprochen 
haben, Ihnen habe sagen wollen, damit Sie sehen, daB das Licht schaffen- 
den Geist in sich enthalt. Denn der Wurm, die Raupe muBte erst ver- 
schwinden, dann konnte der Schmetterling entstehen. Der Schmetterling 
ist da drinnen, wo die Raupe untergegangen ist. Der Geist schafft. So geht 



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iiberall zuerst der Stoff unter, verschwindet - dann schafft das Geistige das 
neue Wesen heraus. So ist es auch bei der Befruchtung des Menschen. Die 
Befruchtung bedeutet, daB der Stoff zunachst vernichtet wird. Da ist ein 
biBchen vernichteter Stoff, und da schafft nun der Geist und das Licht im 
Ich den Menschen. Wenn Sie das ein biBchen durchdenken, werden Sie 
sich das zusammenfassen konnen, was ich Ihnen gesagt habe: Man geht 
nicht blind vor, schaut sich die Kaulquappe an, den Frosch, und weiB, 
warum der Herz und Lunge hat und FiiBe, und warum die Kaulquappe 
noch schwimmen kann im Wasser! Alle diese Dinge schlieBen sich zusam- 
men. Sie werden schon sehen an den Dingen, die wir immer mehr und 
mehr hinzunehmen, daB eine wirkliche Wissenschaft, die das versteht, 
eben nur innerhalb der Anthroposophie entstehen kann. 



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ZWEITER VORTRAG 
Dornach, 10. Oktober 1923 



Guten Morgen, meine Herren! 1st Ihnen etwas eingefallen? 

Fragesteller: Herr Doktor sagte einmal, daB die Gestirne, zum Beispiel der Mond, viel 
groBer sind, als man sie sieht. Konnte man dariiber vielleicht noch etwas horen? 

Dr. Steiner: Ich will Ihnen heute etwas sagen, was mdglich macht, daB 
wir in der nachsten Stunde noch genauer auf diese Himmelskorper einge- 
hen. Naturlich ist es ja so, daB man erstens einmal einsehen muB, was diese 
Gestirne sind und wie das mit der Erde zusammenhangt; und auf der 
anderen Seite muB man einsehen, daB iiberall in diesen Gestirnen etwas 
Geistiges ist. Die GroBe, Lage und so weiter, das macht ja natiirlich nicht 
viel aus. Ich will Ihnen daher heute eine gewisse Grundlage von der Erde 
aus noch sagen, die Ihnen zeigen wird, wie man von der Erde aus die 
Sonne begreifen kann und wie man den Mond begreifen kann. Es ist na- 
tiirlich so, daB die Sonne viel groBer ist als die Erde und der Mond kleiner 
ist als die Erde. Der Mond ist ja natiirlich groBer als man ihn sieht, aber er 
ist kleiner als die Erde. Und die Sonne ist, so wie sie drauBen ausgebreitet 
ist, groBer als die Erde. 

Aber nun miissen wir vor alien Dingen einmal einsehen konnen, aus 
welchen Bestandteilen diese Himmelskorper bestehen, was sie eigentlich 
sind. Wir miissen uns fragen, was man da antreffen wiirde, wenn man 
hinauffahren wiirde mit einem Luftschiff. Bei alledem muB man nun 
wiederum vom Menschen ausgehen. Wir haben ja immer wieder bespro- 
chen, wie der Mensch von seiner ganzen Umgebung abhangig ist: Sie 
atmen die Luft ein, Sie atmen die Luft wieder aus. Wenn Sie die Luft ein- 
atmen, dann kriegen Sie das in Ihren Korper hinein, was drauBen in Ihrer 
Umgebung ist. Die Luft, die drauBen ist, besteht aus Sauerstoff und Stick- 
stoff. Das ist selber ein luftformiger, ein gasformiger Korper. Und dieser 
Sauerstoff, der ist zu unserem Leben unbedingt notwendig. Wir brauchen 
den Sauerstoff. Und zwar brauchen wir ihn so, daB wir ihn in der Nacht 
finster einatmen, bei Tag ihn so einatmen, daB die Sonnenstrahlen durch- 
gehen. All das brauchen wir. So daB wir sagen konnen: Wir wiirden nicht 



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leben, wenn wir den Sauerstoff der Luft nicht bitten. - Aber dieser Sauer- 
stoff der Luft ist mit einem anderen Gas gemischt: mit dem Stickstoff. So 
daB man also in der Luft Sauerstoff und Stickstoff hat. Nun konnten Sie 
sagen: Braucht man auch den Stickstoff? 

Wenn der Stickstoff allein nur da ist, muB man ersticken. Denken Sie 
sich einmal, wir brachten Sie alle, statt in dieses Zimmer, wo Sauerstoff 
mit Stickstoff gemischt ist, in ein Zimmer, wo bloB Stickstoff ware: Sie 
wiirden alle miteinander ersticken! Wir konnten also sagen: Vielleicht 
konnte es uns hochst gleichgiiltig sein, ob der Stickstoff da ist oder nicht, 
wir konnten ja vielleicht den Sauerstoff allein haben. - Dann ist es aber so: 
Wenn bloB Sauerstoff da ware, dann wiirde hochstens der Jiingste, der 
dort sitzt, noch leben - wir andern alle waren langst gestorben. Der Jiing- 
ste wiirde noch leben, wiirde aber einen langen Greisenbart haben und 
weiBe Haare und Runzeln, er ware schon ein Greis! Also wir wiirden alle, 
wenn bloB Sauerstoff da ware, zu schnell leben. Nur dadurch, daB der 
Sauerstoff mit viel mehr Stickstoff gemischt ist - nur 21 Prozent sind 
Sauerstoff, das andere fast alles Stickstoff -, dadurch leben wir so lange, 
wie wir als Menschen leben konnen. Wenn wir also keinen Stickstoff 
hatten, so wiirden wir zu schnell leben. Wir wiirden nur so lange leben, 
daB wir etwa sechzehn, siebzehn, achtzehn Jahre alt wiirden, und dann 
waren wir schon Greise. 

Der Stickstoff, wie er da in der Luft ist, hat aber noch eine ganz beson- 
dere Eigentiimlichkeit. Sie konnten j a sagen: Wie ware es denn, wenn nun 
ein biBchen mehr oder weniger Stickstoff in der Luft ware? - Nehmen Sie 
einmal an, es ware weniger Stickstoff in der Luft als diese Prozente, die 
eben da drinnen sind. Meine Herren, das ware eine ganz kuriose Ge- 
schichte: Da wiirden Sie namlich alle anfangen, in der Luft, die Sie ausat- 
men, mehr Stickstoff auszuatmen, als Sie sonst ausatmen, wo in der Luft 
gerade so viel drinnen ist, als eben jetzt drinnen ist. Also wenn zuwenig 
Stickstoff drinnen ware, so wiirden Sie selbst aus Ihrem Korper den Stick- 
stoff herauspumpen, um so viel aus Ihrem eigenen Korper in die Luft hin- 
einzupumpen, als jetzt drinnen ist. Wenn mehr drinnen ware, als jetzt 
drinnen ist in der Luft, dann wiirden Sie anfangen, den Stickstoff, den Sie 
einatmen, zuriickzuhalten und weniger auszuatmen, als Sie jetzt ausat- 
men, damit in der Luft wieder weniger Stickstoff drinnen ist. Das ist sehr 



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merkwiirdig: Der Mensch braucht nicht nur den Stickstoff beigemischt 
dem Sauerstoff, damit er das Richtige einatmen kann, sondern er braucht 
in der Umgebung eine ganz bestimmte Menge von Stickstoff. Der muB da 
sein. Es kommt also nicht darauf an, daB wir in uns geniigend Stickstoff 
und Sauerstoff haben, sondern daB in unserer Umgebung die richtige 
Menge drinnen ist. Und wenn sie nicht geniigend drinnen ist, tun wir sie 
selber hinein. 

Das ist etwas, was die heutige Wissenschaft gar nicht weiB. Die heutige 
Wissenschaft schaltet den Menschen ganz aus aus der Welt, weiB nicht, 
daB der Mensch in Wirklichkeit der Herr der Welt sein kann, wenn er sich 
dessen nur bewuBt ist. Wenn also irgendwo, sagen wir, es darauf ankame, 
eine Kolonie zu griinden, wo zu wenig Stickstoff ist, ja, dann konnte man 
geniigend Stickstoff dadurch herstellen, daB man einfach den Menschen 
solche Nahrungsmittel empfiehlt, durch die sie selber viel Stickstoff aus- 
atmen konnen. Also Sie sehen, wie eine wirkliche Wissenschaft sogleich 
praktisch wird. 

Nun aber kommt ja noch etwas anderes in Betracht. Betrachten wir 
zunachst diesen Stickstoff, nicht den, den wir drauBen lassen, sondern 
den, den wir auch fortwahrend ein- und ausatmen. Wenn wir ihn allein 
hatten, wiirden wir ersticken. In unseren Lungen ersticken wir durch den 
Stickstoff. Aber unsere Nieren, unsere Verdauungsorgane, unsere Hande 
und FiiBe, die brauchen den Stickstoff; da wird er durch das Blut hineinge- 
leitet, da ist er notwendig. So daB wir sagen konnen: Wenn der Mensch da 
steht (siehe Zeichnung S. 36), so geht fortwahrend der Stickstoff, den ich 
hier rot anzeichnen will, in seine Arme und Hande, in seinen Unterleib 
hinein, in seine Beine und FiiBe hinein. Da muB der Stickstoff drinnen 
sein. In den Lungen darf sich der Stickstoff nicht aufhalten, da darf er nur 
durchgehen und den Sauerstoff fur die Lungen haben. Die Lungen kon- 
nen nur, wenn sie Sauerstoff haben, leben; aber der Stickstoff geht weiter, 
geht in Arme und Hande. Also uberall da, wo ich rot angestrichen habe, 
muB der Stickstoff hinein. Und auch im Herzen muB er noch abgelagert 
werden, der Stickstoff. Da muB uberall Stickstoff drinnen sein. 

Dieser Stickstoff, der da drinnen ist, der geht, ich mochte sagen, im- 
merfort in Briiderlichkeit zusammen mit dem Kohlenstoff. Kohlenstoff 
ist in der Kohle, im Diamant, ist im Graphit. Der Kohlenstoff ist aber 



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auch in uns. Nur ist er in uns flussig, schwimmt herum. Da drinnen (siehe 
Zeichnung) ist also der Stickstoff, den ich rot gezeichnet habe; jetzt will 
ich den Kohlenstoff blau einzeichnen. Der ist auch iiberall drinnen, so daB 
das Rote iiberall mit dem Blauen, dem Kohlenstoff, zusammen ist. Das ist 



ensure 



/ 

JticKstbtf 




.5 av/ei-stoff 
Kohlenstoff 



J civ re 

KoMemtoff (.blau 
5ficK)toff- ( rot/// 

Kciliwm ( violctt '///// ) 



etwas sehr Merkwiirdiges: Sie tragen in Ihrem Inneren, in Ihren Beinen, 
Ihren FiiBen, Ihren Armen und Handen, in Ihrem Magen, in Ihrer Leber, 
in Ihren Nieren, in Ihrer Milz, in Ihrem Herzen zusammen Kohlenstoff 
und Stickstoff - Stickstoff, wie er in der Luft ist, und ganz flussigen Koh- 
lenstoff, wie wenn Sie Kohle auflosen wiirden und dieses Schwarze im 
Wasser schwimmen wiirde. Das haben Sie in sich. 

Aber das ist eigentlich eine gefahrliche Geschichte, wenn irgendwo 
Kohlenstoff und Stickstoff nebeneinander sind. Wenn irgendwo Kohlen- 
stoff und Stickstoff nebeneinander vorhanden sind, so ist immer die Ge- 



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fahr vorhanden, wenn die richtigen Bedingungen dazu da sind, daB sie 
Blausaure, Zyansaure bilden; denn Blausaure besteht aus dem, was ich 
hier rot und blau angezeichnet habe im Schema. So daB Sie also herumge- 
hen und wahrend Sie herumgehen, ist immer die Gefahr vorhanden, daB 
sich Blausaure in Ihnen bildet. Also iiberall da, wo ich blau angezeichnet 
habe, ist immer die Gefahr vorhanden, daB sich durch den ganzen Men- 
schen hindurch Blausaure bildet. Und weil die Knochen Kalk haben, kann 
sich die Blausaure auch mit dem Kalk verbinden; dann entsteht eine 
Zyan-Kalziumverbindung. Und dann entsteht Zyankali. Sie wissen, daB 
man sich mit Zyankali am technisch vollkommensten vergiften kann. Es 
gibt naturlich kein besseres Mittel als Zyankali dazu; da ist es sofort rich- 
tig. Nun ist aber im Menschen fortwahrend die Gefahr vorhanden, daB er 
Blausaure und Zyankali bildet. Dieses muB sein. Denn, wenn Sie diese 
Anlage nicht in sich hatten, Zyankali zu bilden, dann konnten Sie nicht 
gehen und Ihre Arme nicht bewegen. Die Kraft, sich zu bewegen, das 
Bewegen der Arme und Beine, kommt von dem, daB Sie fortwahrend der 
Gefahr ausgesetzt sind, daB Sie Zyankali bilden. 

Nun ist da etwas sehr Feines: Dieses Zyankali will sich in uns fortwah- 
rend bilden und wir verhindern es fortwahrend! Darin besteht unser 
Leben als bewegter Mensch. Sogar die Blutbewegung hangt davon ab, daB 
wir dieses verhindern, daB sich Zyankali bildet. Von dieser Widerstands- 
kraft gegen die Zyankalibildung riihren unsere Bewegungen her. Und 
unser Wille riihrt eigentlich davon her, daB er fortwahrend genotigt ist, 
die Zyankalibildung und die Blausaurebildung in uns zu verhindern. 

Nun, meine Herren, es bildet sich eben nicht Zyankali; denn wenn es 
sich bilden wiirde, wiirden wir vergiftet werden. Aber in jedem Augen- 
blick haben wir in uns die Moglichkeit, daB sich Zyankali bildet und wir es 
verhindern miissen. Das ist naturlich nicht viel Zyankali, das sich da bil- 
den will, aber es wiirde im Leben schon etwas zusammenkommen, wenn 
es sich bilden wiirde. Und diese Kraft, die da lebt in dem Zyankali, das 
sich bilden will, diese Kraft, die da lebt, die verbindet den Menschen auf 
der Erde mit der Sonne. So daB fortwahrend das, was in der Blausaure 
lebt, vom Menschen in die Sonne hinaufstrdmt. Sie konnen also sagen, 
wenn Sie zur Sonne hinaufschauen: Ich habe eine Verbindung mit der 
Sonne; und die Kraft, die in mir lebt zur Riickbildung des Zyankalis, das 



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sich fortwahrend bilden will in meinem Leibe, diese Kraft, die geht von 
der Erde bis zur Sonne hinauf. Wenn Sie hier die Erde haben und hier die 
Sonne - ich muB sie jetzt groB zeichnen -, so gehen also von dem Men- 



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schen zur Sonne fortwahrend solche Zyankalistrome, und von der Sonne 
gehen Strome wieder zuriick. Es stromt von dem Menschen zur Sonne 
dieses aufgeloste Zyankali, und von der Sonne stromt wiederum zuriick 
dasjenige, was die Sonne macht aus diesem aufgelosten Zyankali. Und 
diese Entfernung, die ist zwanzig Millionen Meilen - eine Meile wird als 
sieben und ein halber Kilometer gerechnet. Wenn jetzt ein Licht angeziin- 
det wird auf der Sonne, so sehen wir es erst, weil das Licht so lange 
braucht, um herzukommen, sehr viel spater. Also mit einem Weltenkor- 
per, der so weit von uns entfernt ist, stehen wir einfach dadurch in Ver- 
bindung, daB wir diese Kraft ausstrdmen, die fortwahrend bestrebt ist, 
Zyankali zu bilden. Namentlich in unseren Knochen ist fortwahrend 
etwas wie ein Zyankaliherd, wie ein Quell von Zyankali. 

Ware das nicht der Fall, dann waren wir auf der Erde ganz eigentumli- 
che Menschen. Wiirden wir nicht diese Verbindung mit der Sonne haben, 
dann wiirden wir auch hinaufstieren zur Sonne und wiirden sagen: Ja, das 
ist ein Weltenkorper, der uns gar nichts angeht. - Wir wiirden sehen, daB 
zwar Pflanzen wachsen; aber diese Pflanzen konnten auch nicht wachsen, 



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wenn nicht dieses Zyankali hin- und hergehen wiirde. So wiirden wir also 
die Sonne anstieren und wir wiiBten nicht, was fur einen Bezug sie zum 
Menschen hat. Diesen Bezug, den ich Ihnen jetzt erzahlt habe, den wissen 
die Menschen heute natiirlich auch nicht, aber sie fiihlen, daB sie zur 
Sonne gehoren. Und sie fiihlen das sehr stark. Denn wenn die Sonne un- 
tergeht - namentlich in alten Zeiten, wo die Menschen noch gesiinder 
gelebt haben, bei Nacht geschlafen und bei Tag gewacht haben, da war es 
noch so -, dann spurt der Mensch, daB er die Sonne nicht so in sich auf- 
nimmt. Da ist das Zyankali nur in ihm, allerdings nur in kleinen Mengen; 
dann schlaft er ein. Es ist in der Tat die Sonne, die den Menschen immer 
aufweckt und einschlafert. Nur weil sich der Mensch etwas zuriickbehalt, 
kann er den Unfug begehen, daB er in der Nacht weiterschafft oder auch 
nicht schafft, sondern sich weitervergniigt. Aber es kommt auch das, was 
wir in der Nacht an Kraften aufbringen, durch den Zusammenhang dieser 
Krafte mit der Sonne. Und ich mochte sagen: Wenn auf der Erde selber 
irgendwo Blausaure gebildet wird - zum Beispiel in gewissen Pflanzen 
wird Blausaure gebildet -, wenn also auf der Erde selber Blausaure gebil- 
det wird, dann kriegt diese Sonnenkraft gewissermaBen die Pflanze dran, 
daB sie das bewirkt, was eigentlich im Menschen immerfort bewirkt wer- 
den will. 

Sehen Sie, meine Herren, dazu, daB sich das bilden kann - und es muB 
sich bilden, denn in der Blausaure ist der Stickstoff drinnen -, dazu 
braucht man den Stickstoff in der Umgebung. Und die Sonne braucht den 
Stickstoff, damit sie in der richtigen Weise auf uns wirken kann. Wir 
konnten eben auf Erden als Menschen nicht stehen, wenn die Sonne nicht 
den Stickstoff hatte, durch den sie auf unsere GliedmaBen, auf unsere 
Verdauungsorgane und so weiter wirken kann. Aber beim Kopfe ist das 
ganz anders, beim menschlichen Kopf, ganz anders. Sehen Sie, in der 
Lunge, da taugt der Stickstoff nichts; er muB durchgehen durch die Lun- 
ge. In der Lunge taugt nur der Sauerstoff etwas. Und wenn der Sauerstoff 
durch die Lunge durchgeht, dann darf der Teil, der dann zum Kopf geht, 
nicht so briiderlich zum Stickstoff hingehen. Der Sauerstoff, der zum 
Kopf hingeht, der muB vielmehr zum Kohlenstoff gehen. Und statt daB 
Blausaure gebildet wird gegen die FiiBe zu, wird jetzt gegen den Kopf zu- 
das will ich violett anstreichen - fortwahrend Kohlensaure gebildet. Also 



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gegen die FiiBe zu bildet der Mensch Blausiiure, gegen den Kopf zu bildet 
er Kohlensaure. In der Kohlensaure wiirden wir, wenn wir darin atmen 
miiBten, auch ersticken miissen; aber wir brauchen sie in unserem Kopf. 
Sehen Sie, meine Herren, das ist eine sehr interessante Sache: unser Kopf 
braucht die Kohlensaure. 

Nun kennen Sie ja gewiB alle die Kohlensaure. Sie haben sicher alle 
schon solch eine Brauselimonade gehabt oder solch ein Wasser, das mous- 
siert: da sind die Perlen drinnen, diese Gasperlen. Das ist oftmals Kohlen- 
saure, denn in kohlensauren Wassern, da ist die Kohlensaure drinnen und 
steigt in kleinen Perlen auf. Meine Herren, Sie konnten nicht denken, Sie 
hatten iiberhaupt Ihren Kopf zu nichts, wenn nicht in Ihrem eigenen 
Korper fortwahrend durch das Blut solche kleine Perlen aufschossen. So 
wie in der Brauselimonade in der Flasche die Perlen aufschieBen, so gehen 
fortwahrend kleinwinzige Perlen in Ihnen nach Ihrem Kopfe hin. Sie 
konnten Ihren Kopf zu nichts verwenden, wenn Sie nicht selber eine sol- 
che Flasche waren. Ein Dreizehntel bis ein Vierzehntel vom Gewicht Ihres 
eigenen Korpers nimmt das Blut ein. Also Sie konnen sich vorstellen: Sie 
sind eigentlich eine solche Flasche, in die statt dem Brausewasser Blut 
gefullt ist, und da schwimmen, nach aufwarts strebend, ganz genau so wie 
beim Brausewasser, nur viel kleiner, diese Perlen, wie in der Limonadefla- 
sche. Der Kopf konnte nicht denken, wenn nicht diese Perlen in Ihnen 
fortwahrend aufsteigen wiirden. 

Nun aber darf diese Kohlensaure nicht untatig sein in Ihrem Kopfe. Sie 
konnen sich ganz gut denken, Sie waren in bezug auf Ihr Blut solch eine 
Flasche, und da stiegen die Perlen auf nach Ihrem Kopfe hin. Nun haben 
Sie geradeso da drinnen die Kohlensaure in Ihrem Kopfe, diese Blasen, 
wie bei der Brauselimonadenflasche. Wenn Sie zu wenig im Kopfe haben, 
schlafen Sie ein; also die brauchen Sie in Ihrem Kopfe. Aber diese Kohlen- 
saure, die kommt in Ihrem Kopfe in Beriihrung - nirgendwo anders -, 
aber in Ihrem Kopfe kommt sie in Beriihrung, in Zusammenhang mit dem 
Eisen in Ihrem Blut. Das Eisen ist iiberall im Blut. Aber jenes Eisen, das da 
in den Handen im Blute ist, das kann mit der Kohlensaure nichts machen; 
nur im Kopfe kommt die Kohlensaure mit dem Eisen zusammen. Und ich 
mochte sagen: die kiissen sich im Kopfe, werden miteinander sehr intim, 
das Eisen und die Kohlensaure; und von da aus geht durch die Adern dann 



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das Eisen in das ganze Blut iiber. Die Kohlensaure, die tragt dann das 
Eisen ins ganze Blut, wenn es mit ihm in Beriihrung gekommen ist im 
Kopfe. Ein Rendez-vous konnen sich Eisen und Kohlensaure nur im 
Kopfe geben; aber nachher, wenn sie sich das Rendez-vous gegeben ha- 
ben, konnen sie im ganzen Blute herumspazieren. Wenn daher ein junges 
Madchen bleichsiichtig wird, zu wenig Eisen im Blut hat, so bedeutet das, 
daB in ihrem Kopf zu wenig Rendez-vous stattfmden, zu wenig Stelldich- 
ein zwischen Eisen und Kohlensaure. Das Madchen hat nicht die Kraft, 
geniigend Eisen und Kohlensaure im Kopf zusammenkommen zu lassen. 

Nun haben Sie aber wahrscheinlich schon gehort von solchen kohlen- 
sauren Wassern und selbst schon welche getrunken. Solche kohlensauren 
Wasser - Eisensauerlinge nennt man sie -, die sind besonders gesund. 
Sehen Sie, da wo Eisensauerlinge sind — es gibt eben sehr viel kohlensaure- 
haltiges Wasser in der Erde -, da iibt die Natur das in der Erde aus, daB 
sich in der Erde fortwahrend das ausbildet, was der Mensch in seinem 
Kopfe ausbildet. GroBe eisenhaltige Quellen sind in der Erde da und dort. 
Da schickt man dann die Menschen hin, wenn ihr eigener Kopf zu 
schwach geworden ist. Denn jeder Menschenkopf ist eine solche eisen- 
haltige Quelle, es bildet sich da drinnen noch fortwahrend sogar ein 
Eisensauerling, kohlensaures Eisen. So viele Sie hier sitzen, so viele 
Quellen sind Sie. Nur wenn einer den Winter hindurch ganz schwer 
lumpt, dann wird sein Kopf schwach, und dann wird der Kohlensaure- 
Eisengehalt in seinem Kopfe schwach. Er fuhlt so etwas, was viele Men- 
schen dann im Fruhling fiihlen, er fuhlt so etwas, wie wenn es in seinem 
Blut nicht mehr richtig ginge - natiirlich, wenn er gelumpt hat! -, er 
fuhlt sich im Kopfe schwach, muB in ein kohlensaures Bad geschickt 
werden, damit er durch den Magen und von da durch den Kopf bekommt, 
was er eigentlich selber bilden muBte durch ein solideres Leben. - Die 
eisenhaltigen Quellen sind gar nicht so selten: es sind so viele, als Men- 
schen sind auf der Erde! Also wir haben das, was wir brauchen an 
Eisen, in unserem Blute durch dieses kohlensaurehaltige Eisen. 

Das miissen wir allerdings fortwahrend selber bilden in unserem Kop- 
fe. Aber ebenso miissen wir es im Moment, wo es entstehen will, gleich 
wieder verhindern, so wie wir die Blausaure verhindern miissen. Das darf 
nur anfangen, sich zu bilden. Wissen Sie, heute reden die Chemiker nur 



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davon: Nun ja, wir konnen also Eisen und Kohlenstoff und Sauerstoff 
zusammenbringen, kriegen da kohlensaures Eisen. Das muB dann da sein, 
dieses kohlensaure Eisen. - Aber so geschieht das nicht im Leben! Gera- 
deso wie ein Unterschied ist zwischen einem Stein und einem Stuck Leber 
von Ihnen, geradeso ist ein Unterschied zwischen dem, was der Chemiker 
im Laboratorium als kohlensaures Eisen macht und dem, was in Ihrem 
Kopf als Eisen, als kohlensaures Eisen existiert. Das lebt! Das ist eben der 
Unterschied, daB das lebt. Und sehen Sie, -von diesem kohlensauren Ei- 
sen, das in Ihrem Kopfe ist, gehen fortwahrend Stromungen hinauf zum 
Mond. Geradeso wie zur Sonne die Zyankalistrome gehen, so gehen zum 
Mond hinauf und wieder zuriick diese Stromungen, die der Mensch da- 
durch entwickelt, daB er die Kraft in sich hat, das kohlensaure Eisen zu 
beherrschen. 

Denken Sie, meine Herren, daB Sie zum Mond hinaufschauen. Da 
konnen Sie sich sagen: Er hat viel mit meinem Kopfe zu tun. Und so ist es 
auch, wenn Sie in irgendeine Gegend kommen - ich will zum Beispiel 
sagen, Sauerbrunn in Ungarn oder Gotsch in der Steiermark, GieBhiibl 
und so weiter; in der Schweiz sind, glaube ich, auch welche -, wenn Sie da 
hinkommen, so ist das eine Statte, wo durch das Erdreich der Mond am 
besten auf die Erde wirken kann, denn nur dort entstehen solche Wasser. 
So daB wir also da sehen, wie die Erde und der Mensch auf der Erde mit 
Sonne und Mond zusammenhangen dadurch, daB man darauf kommt: 
Nach der Sonne gehen die vom Menschen beherrschten Zyankalistro- 
mungen, nach dem Monde gehen die vom Menschen beherrschten Ei- 
sen-Kohlensaurestromungen. 

Wenn man verniinftig ware, so wiirde man alle solche Sachen ordent- 
lich untersuchen. Das tut man heute nicht. Sie miissen eben nur bedenken, 
daB die Pflanzen, die auf der Erde sind, fortwahrend Kohlensaure brau- 
chen. Kohlensaure ist da. Wir Menschen und die Tiere atmen Kohlensaure 
aus. Kohlensaure ist da! Die Pflanzen, die auf der Erde sind, die atmen 
nicht Sauerstoff, sondern Kohlensaure ein. Den Sauerstoff werfen sie 
weg, den Kohlenstoff behalten sie in sich. Daher ist die Pflanze auf der 
Kohlensaure aufgebaut. Aber dieser ganze Vorgang, der entwickelt sich 
am besten bei der Pflanze so, daB die Pflanze sich herausentwickeln kann 
aus der Kohlensaure, wenn der Vollmond scheint, weil das mit der Kraft 



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des Mondes zusammenhangt. Dagegen, wenn Neumond ist, entwickelt 
sich das weniger. Und so ist es fur die Pflanze eben immer eine Grundbe- 
dingung, daB sie vom Vollmond beschienen werde. Das Wachstum schlaft 
bei Neumond und entwickelt sich besonders stark bei Vollmond. 

Da haben Sie ja auch im «alten Aberglauben» den EinfluB des Mondes 
erklart! Solche Sachen hat man natiirlich friiher, als die Menschen noch 
keine Wissenschaft hatten, schon beobachtet. Daher finden Sie natiirlich 
iiberall in den alten Bauernregeln Andeutungen darauf, wie wichtig der 
Vollmond fur das Pflanzenwachstum ist. Und sehen Sie, meine Herren, 
man sollte eigentlich nicht nur so reden iiber die Beziehungen der einzel- 
nen Himmelskorper untereinander, sondern man sollte ausgehen von 
dem, wie das eigentlich auf der Erde unter den Menschen sich auBert. Der 
Mensch hat, wie Sie jetzt gesehen haben, vom Mond und von der Sonne 
auBerordentlich viel. Dem Mond verdankt der Mensch das, daB er seinen 
Kopf gebrauchen kann. Der Sonne verdankt der Mensch, daB er sein Herz 
und seine Beine und Hande gebrauchen kann. Geradeso wie wir den 
Boden unter unseren FiiBen haben mussen, damit wir darauf herumgehen 
konnen, damit wir nicht immer hinunterfallen, mussen wir Sonne und 
Mond haben, denn zum Denken brauchen wir den Mond, zum Gehen 
brauchen wir die Sonne, die Sonnenkraft. Wenn wir in der Nacht gehen, 
so gehen wir durch die aufgespeicherte Sonnenkraft, die wir bei Tag 
bekommen haben. Wir brauchen eben diese Himmelskorper! 

Nun aber, wenn Sie das wissen, was ich jetzt gesagt habe, dann werden 
Sie auch sich sagen konnen: Ja, in friiheren Zeiten, wie war es denn da? - 
Von den friiheren Zeiten habe ich Ihnen gesagt, da waren die Sonne und 
der Mond und die Erde uberhaupt ein einziger Korper; die haben sich erst 
im Laufe der Zeit getrennt. Wir haben das also heute so, daB wir Sonne, 
Erde und Mond, das heiBt drei Korper haben, im Weltenraum verteilt. 
Friiher hatten wir die Sonne, riesig groB; darinnen war die Erde und dar- 
innen in der Erde war wiederum der Mond selber. Die steckten ineinander 
(Zeichnung S. 44). Wenn wir also in der Entwickelung zuriickgehen, so 
kommen wir zu einem Zeitpunkt, wo die Sache so war, wie wenn Sie, 
meine Herren, sehr machtig waren, wir alle sehr machtig waren und 
wiirden jetzt hier in der Versammlung beginnen, die ganze Erde zusam- 
menzupacken, sie auf einen Weltenwagen zu laden, schnell zum Mond 



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hinfahren wiirden - den Mond, den stecken wir hinein in die Erde, in den 
Stillen Ozean, und nachher fahren wir mit der Erde und dem Mond, den 
wir aufgepackt haben in den Stillen Ozean, hinauf und fahren flugs in die 
Sonne hinein: dann hatten wir wiederum den Zustand herbeigefuhrt, der 
einmal war. Nur wiirden sofort alle Stoffe der Erde und alle Stoffe des 
Mondes eine andere Gestalt annehmen, als sie jetzt haben. Aber das war 
einmal so! Und als das noch so war, da gab es nicht eine solche Luft, wie 
sie jetzt ist, sondern da gab es auf der Erde Blausaure. Da war also iiberall 
in der Sonne Blausaure und Kohlensaure darinnen. Da werden Sie sagen: 
Aber da war ja kein richtiger Sauerstoff; in Blausaure und Kohlensaure, da 
kann der Mensch nicht leben! - Ja, meine Herren, so wie der Mensch 
heute ist, konnte er dabei auch nicht leben; aber dazumal hatte der Mensch 
noch keinen physischen Korper. Da lebte er als Seele in diesem Gebilde, 
in diesem Himmelskorper, der Sonne und Erde und Mond zugleich war. 
Und wir kommen einfach, wenn wir die Sache richtig betrachten, darauf 
zuriick, daB die ganze Weltenkorperbeschaffenheit anders war seinerzeit, 
daB, als wir noch in der Sonne lebten, wir natiirlich nicht von Sauerstoff 
lebten, sondern von Blausaure und Kohlensaure lebten. Blausaure gab uns 
die Sonne, in der wir ja drinnen lebten; Kohlensaure gab uns der Mond, 
der in der Erde drinnen war. 

Heute ist von all dem nur zuriickgeblieben, daB in der Luft der Stick- 
stoff ist, von dem wir ja auch nicht leben konnen. Der ist von der Blau- 
saure zuriickgeblieben. Die riesige Blausaureluft der Sonne hat uns, als 
sich die Sonne und die Erde getrennt haben, zuriickgelassen den Stick- 



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Stoff. Der Stickstoff ist also zuriickgeblieben von der Blausaure. Und der 
Sauerstoff, der ist zuriickgeblieben von der Kohlensaure, nachdem der 
Mond herausgekommen ist. So daB wir sagen konnen: Unsere Luft, un- 
sere gewohnliche Luft, die aus Stickstoff und Sauerstoff besteht, die ist ja 
nicht ewig dagewesen, die ist ja erst seit der Zeit vorhanden, seit sich die 
Sonne von der Erde getrennt hat; da ist der Stickstoff gekommen. Und seit 
sich der Mond von der Erde getrennt hat, da ist der Sauerstoff gekommen. 

Nun geht das aber weiter! Ich habe Ihnen gesagt, es ist eigentlich nur 
ein biBchen Sauerstoff in der Luft, 2 1 Prozent etwa, und recht viel Stick- 
stoff, rund 78 Prozent. Nun, ich habe Ihnen aber auch gesagt: Die Sonne 
ist groB, der Mond ist klein; den Sauerstoff haben wir vom Mond, daher 
ist weniger davon in der Luft; den Stickstoff haben wir von der Sonne, 
daher ist sehr viel davon in der Luft, weil die Sonne viel groBer ist als der 
Mond. Man sieht es also sozusagen der Luft an ihrem Stickstoff an, daB die 
Sonne groBer ist als der Mond, weil wir den Stickstoff von der Sonne, den 
Sauerstoff vom Monde haben. 

Weiter aber habe ich Ihnen gesagt: Die Kohlensaure, die besteht aus 
Sauerstoff und Kohlenstoff. Der Kohlenstoff, der in der schwarzen Stein- 
kohle ist, der ist da; der Sauerstoff ist in der Luft. Nun habe ich Ihnen 
gesagt, als der Mond herausgegangen ist von der Erde, da ist der Sauerstoff 
entstanden. Aber aus der Kohlensaure ist ja dann der Kohlenstoff, der in 
der Erde bleibt, das ist die Steinkohle in der Erde, entstanden. Also den- 
ken Sie, wir graben heute die Steinkohle aus der Erde heraus. Was mussen 
wir uns denn sagen, wenn wir nicht bloB wie die Regenwurmer in der Erde 
bohren, sondern uns aufklaren dariiber, wie diese Steinkohle entstanden 
ist? - Einmal ist der Mond aus der Erde herausgegangen, hat der Luft den 
Sauerstoff geschenkt und dem Erdboden die Kohle. Wir mussen eigent- 
lich wirklich sagen: Du, Mond, du hast uns reichlich beschenkt, als du die 
Erde verlassen hast; du hast dich nicht bloB gedriickt, als du die Erde 
verlassen hast; du hast uns zuriickgelassen in der Luft den Sauerstoff und 
in der Erde die Steinkohle! - Also der Mond, der ist eigentlich ein ganz 
feiner Kerl im Weltenall drauBen; denn als er noch bei uns war, da hat er 
unsere Seelen unterhalten dadurch, daB er selber immer Kohlensaure 
entwickelte; das hat er uns zuriickgelassen. Und drauBen hat er uns den 
Kohlenstoff zuriickgelassen und in der Erde die Steinkohle. Er driickte 



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sich nicht so wie ein Dieb, daB er nichts zuriicklieB oder gar noch mit- 
nimmt, sondern er hat den physischen Menschen erst moglich gemacht. 
Vorher gab es keinen physischen Menschen, sondern nur einen geistigen 
Menschen in der Sonne mit Mond und Erde. 

Und noch friiher haben sich Erde und Sonne getrennt. Die Sonne hat 
die Erde versorgt mit Blausaure, eigentlich mit Zyankali. Das braucht 
man, um seelisch-geistig zu leben, also wenn man nicht den physischen 
Korper hat. Man muB die Blausaure in der Umgebung haben, da wo man 
sie gerade nicht brauchen kann, wenn man als physischer Mensch leben 
soil. Den physischen Menschen lost die Blausaure gleich auf. Aber die 
Sonne ist auch solch eine feine Person: die hat uns zuriickgelassen in der 
Luft den Stickstoff, als sie damals weg ist, sich getrennt hat; und in der 
Erde hat sie uns zuriickgelassen das Zyankali und andere Zyanverbindun- 
gen. Diese bestehen aus Kohlenstoff, Stickstoff und Kalium - Kalium ist 
ein Stoff, der so fein glanzt wie das Silber - oder auch Kalzium. Diese 
Sonne also, die hat in der Luft uns den Stickstoff zuriickgelassen, auch 
etwas Kohlenstoff noch, aber der ist nicht zur Steinkohle geworden, 
sondern der lebt in den Pflanzen, dieser Kohlenstoff; aber Kalzium hat sie 
abgesondert und davon kommen die Kalkberge, der Jura und so weiter. 
DaB wir also uberhaupt einen festen Erdboden haben, das riihrt ja davon 
her, daB die Sonne einmal bei uns war und hinausgegangen ist in den Wel- 
tenraum und uns den Kalk zuriickgelassen hat. Der Mond hat uns die 
Steinkohle zuriickgelassen, die Sonne hat uns den Kalk zuriickgelassen in 
der Erde. Der Mond hat uns in der Luft den Sauerstoff gelassen, die Sonne 
hat uns in der Luft den Stickstoff gelassen. 

Und so ist die Erde aus Sonne und Mond heraus gebildet. Und nach- 
dem sie herausgebildet ist, schauen wir hinauf und sehen Sonne und 
Mond. Aber als eben das alles noch beieinander war, als Sonne, Mond und 
Erde ineinander waren, da konnte der Mensch nur als seelisch-geistiges 
Wesen leben, konnte nicht anders leben! Ja, meine Herren, damals war 
der Mensch fahig, trotzdem zu leben als seelisch-geistiges Wesen, trotz- 
dem er niemals einen physischen Korper bekommen hat, weil Sauerstoff 
und Stickstoff und das alles nicht da war. Aber nun, wenn wir heute, so 
wie wir nun einmal sind auf der Erde, Zyankali in uns hineinbringen, dann 
vernichtet das in unserem Korper alle unsere Bewegungen und Lebens- 



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krafte. Und das Schlimme ist, daB immer Gefahr vorhanden ist, wenn 
einer sich mit Zyankali vergiftet, daB das die Seele mitnimmt und der 
Mensch, statt daB er in der Seele weiterleben konnte, iiberhaupt in der 
ganzen Welt verteilt wird und namentlich im Sonnenlicht verteilt wird. 

Wenn anthroposophische Erkenntnisse sich verbreiten wiirden, so 
wiirde sich kein Mensch mehr mit Zyankali vergiften. Es wurde ihm gar 
nicht einfallen! DaB Vergiftungen mit Zyankali eintreten, das ist nur die 
Folge der materialistischen Weltanschauung, weil die Menschen glauben: 
tot ist tot, ganz gleichgiiltig, ob man durch Zyankali den Tod erleidet oder 
durch die innere Auflosung. Das ist aber nicht gleichgiiltig! Wenn man 
durch die innere Auflosung den Tod erleidet, dann haben Seele und Geist 
den gewohnlichen Weg zu gehen in die geistige Welt hinein; sie leben eben 
weiter. Wenn Sie aber durch Zyankali sich vergiften, dann hat die Seele die 
Absicht, iiberall mit jedem Korperteilchen mitzugehen, und namentlich 
sich auszubreiten im Stickstoff und sich aufzulosen im Weltenall. Das ist 
der wirkliche Tod von Seele und Geist. Wenn nun die Menschen wissen 
wiirden, daB Seele und Geist der eigentliche Mensch ist, dann wiirden sie 
sagen: Wir konnen unmoglich diese furchtbare Explosion hervorrufen, 
die dann hervorgerufen wird in feiner Weise im ganzen Weltenall, wenn 
ein Mensch sich vergiftet mit Zyankali. - Denn jeder Mensch, der sich mit 
Zyankali vergiftet, der schaltet sich ein auf eine unrichtige Weise in den 
Strom, der von der Erde zur Sonne geht. Und man miiBte, wenn man die 
richtigen Instrumente hatte, jedesmal, wenn sich ein Mensch durch Zyan- 
kali vergiftet, in der Sonne eine kleine Explosion sehen. Und die Sonne 
wird schlechter dadurch. Der Mensch verdirbt das Weltenall und auch die 
Kraft, die von der Sonne zur Erde stromt, wenn er sich vergiftet mit 
Zyankali. Der Mensch hat wirklich EinfluB auf das Weltenall. Wenn sich 
der Mensch mit Zyankali vergiftet, dann ist das so, daB er eigentlich die 
Sonne ruiniert! Und so ist es bei jeder Zyankalivergiftung. 

Und das ist schon etwas, was nicht eine solche kiinstlich erzeugte reli- 
giose Stimmung hervorruft, sondern was die wirklich religiose Stimmung 
hervorruft, daB der Mensch weiB: Ich gehore dem Weltenall an, und was 
ich tue, ruft fortwahrend Einflusse im Weltenall hervor. - Das ist es eben, 
daB das von den Menschen ganz vergessen worden ist, daB das so ist und 
daB die Menschen gar nicht wissen: Der Stickstoff, der da in meiner 



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Umgebung ist, den hat die Sonne geschaffen; der Sauerstoff, der da in 
meiner Umgebung ist, den hat mir der Mond geschaffen. - Und daher ist 
eine wirkliche Wissenschaft im Grunde genommen heute gar nicht mehr 
da. Es ist ja gar keine wirkliche Wissenschaft mehr da! Die wirkliche Wis- 
senschaft nimmt die anderen Weltenkorper zu Hilfe. Und so sehen die 
Menschen durch ihre Fernrohre auf die Sterne hinauf, rechnen bloB, wis- 
sen aber nicht, daB zum Beispiel zwischen jedem Eisenteilchen, wovon 
Millionen in unserem Blute herumschwimmen, zwischen jedem Eisenteil- 
chen in unserem Blute und all dem, was im Mond vorgeht, ein inniger 
Zusammenhang ist. Und so ist es schon, daB zum Beispiel ein bleichsiich- 
tiges junges Madchen ja keine richtige Beziehung zum Mond entwickeln 
kann und dadurch ganz herauskommt aus dem Weltenzusammenhang. So 
daB ein solches bleichsiichtiges junges Madchen zum Beispiel das Ge- 
dachtnis verliert, alles, was sich auf den Kopf bezieht, und daB dadurch 
nicht jene lebendige Beziehung entsteht, alles das, was, wie ich Ihnen 
gesagt habe, zwischen Eisen und Kohlensaure entstehen soli — das alles ist 
nicht vorhanden beim bleichsiichtigen jungen Madchen: der Kopf wird 
von Gedanken leer. 

Aber wiederum, wenn der Mensch nicht imstande ist, das richtig zu 
bekampfen, was da an Zyankali in seinem Korper entstehen will, dann 
wird zu viel Kalk abgelagert in den Knochen; die Knochen werden brii- 
chig und nach und nach schiebt sich sogar der Kalk in die Blutadern hin- 
ein: alles im Menschen wird briichig. Der Mensch kann nicht mehr das 
richtige Verhaltnis zur Sonne entwickeln. Das muB aber sein. Der Mensch 
muB durch dasjenige, was in seinen Bewegungen lebt, woran ja die Kno- 
chen ihren wichtigen Anteil haben, seine richtige Beziehung zur Sonne 
entwickeln. Und der Mensch muB durch dasjenige, was in seinem Kopfe 
lebt, die richtige Beziehung zum Mond entwickeln. Ja, meine Herren, es 
ist schon so, daB wenn der Mensch nichts denkt, zu faul ist zum Denken, 
dann kummert sich der Mond nach und nach nicht um den Menschen! 
Dann wird der Mensch dumpf, dumm. Und wenn der Mensch gar nicht 
geht, sich fortwahrend ins Bett legt, dann kummert sich die Sonne nicht 
um den Menschen. Dann wird der Mensch in bezug auf seine GliedmaBen 
dumpf und stumpf und trage und lassig. Ob einer recht faul ist in Bewe- 
gungen oder ob einer recht faul ist in Gedanken, das hangt von seiner 



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Beziehung zu Sonne und Mond ab. 1st man mit Sonne und Mond gut 
Freund, dann denkt man gern und geht gern herum und arbeitet gern. 1st 
man mit Sonne und Mond schlecht zu sprechen, dann hort man auf zu 
denken, und dann hat man auch keine Freude am Herumgehen und am 
Arbeiten. Aber der Mensch hangt schon ganz innig zusammen mit Sonne 
und Mond. Wenn Sie den einen oder anderen heute fragen nach dem, was 
er gelernt hat von all dem, was man heute lernen kann - der eine sagt ei- 
nem, wie man mit dem Mikroskop arbeitet, der andere erzahlt einem, wie 
man mit dem Teleskop, dem Fernrohr zu Sonne und Mond schaut, wie 
man die Winkel berechnet, wie viel da an Entfernungen sind, daB die 
Sonne Sonnenflecken hat, daB sie eine Korona um sich hat, wie die Nebel 
aufsteigen — , das alles erzahlt er einem. 

Wenn Sie mich fragen, was der Zusammenhang zwischen den Him- 
melskorpern ist, dann kann ich Ihnen dasselbe sagen, weil ich zwar auch 
das gelernt habe, was die anderen gelernt haben. Aber wenn eine lebendige 
Wissenschaft daraus werden soil, so muB ich es Ihnen so erzahlen, daB es 
zuletzt darauf hinauskommt, daB das menschliche Gehen und Stehen mit 
der Sonne zusammenhangt; das ist eben lebendige Wissenschaft und das 
andere ist tote Wissenschaft, lebendige Wissenschaft und tote Wissen- 
schaft! Diese lebendige Wissenschaft und diese tote Wissenschaft, das ist 
eben der Unterschied zwischen dem Goetheanum und, sagen wir, einer 
heutigen Universitat. Wenn Sie an eine heutige Universitat kommen, so 
erzahlt man dem jungen Mediziner, wenn sich irgendein Korper mit dem 
Sauerstoff verbindet, so verbrennt er. Sie haben also eine Kerze; da ist al- 
lerlei Brennstoff, Fette, da haben Sie die Flamme und da verbinden sich 
diese Stoffe mit dem Sauerstoff der Luft. Und das ist die Verbrennung, 
Verbindung von Stoffen mit dem Sauerstoff der Luft, also Verbrennung. 
Und dann geht der Professor iiber dazu, daB er sagt: 1m Menschen ist auch 
eine Verbrennung drinnen, denn da ist der Kohlenstoff drinnen, der Sau- 
erstoff wird eingeatmet, verbindet sich mit dem Kohlenstoff; im Men- 
schen ist auch eine Verbrennung drinnen. - Und so erzahlt Ihnen der Herr 
Professor von der Verbrennung im Menschen. Aber das ist geradeso ein 
Unsinn, wie wenn einer sagt: Kerl, deine Leber ist furchtbar schlecht 
geworden, ich schneide dir eine aus Holz und setze sie dir ein. - Ja, das ist 
eine tote Leber! Der Mensch braucht aber eine lebendige Leber. Wenn Sie 



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eine Kerze anziinden, haben Sie erne tote Verbrennung; die Verbrennung, 
die im Menschen drinnen ist, ist aber eine lebendige Verbrennung! Gerade 
derselbe Unterschied wie zwischen Kerze und der lebendigen Verbren- 
nung im Menschen, ist auch zwischen einer lebendigen Leber und einer 
Leber aus Holz. Wenn also der Professor erzahlt, im Menschen findet eine 
Verbrennung statt, so erzahlt er uberhaupt nicht vom wirklichen Men- 
schen, sondern von einem, den er aus Holz geschnitzt hat. Das ist ja alles 
Unsinn! Die Verbrennung selber ist lebendig im Menschen. Und das ist 
der groBe Unterschied zwischen der Verbrennung, die drauBen ist, der 
toten Verbrennung, und der lebendigen, die im Menschen drinnen ist. 
Aber die betrachten die Verbrennung ganz gleich, die sagen: draufien 
verbrennt das Fett, der Talg oder so irgend etwas in der Kerze, und drin- 
nen verbrennt der Kohlenstoff zu Kohlensaure. - Es ist ein ganz komplet- 
ter Unsinn! Es ist derselbe Unsinn, wie wenn man sagt, man konnte eben- 
sogut eine Leber aus Holz oder Stein machen. Das ware eine tote Leber! 
Man kann eben im Korper nicht eine solche Verbrennung bloB haben wie 
bei einer Kerze, sondern eine lebendige Verbrennung ist da im Menschen 
und sie unterscheidet sich von dem, was man sonst Verbrennung nennt, 
eben geradeso wie sich die Leber von einem Stuck Holz unterscheidet. 
Daher unterscheide ich diese Ausdriicke, die die gewohnliche Naturwis- 
senschaft gebraucht von Verbrennung und so weiter; ich sage es nur, 
indem ich zugleich erklare, daB das eine lebendige Verbrennung ist. Schon 
in dem Wort, wenn man sagt, in dem Korper findet eine Verbrennung 
statt, in dem Wort liegt ein Unsinn, weil jeder denkt: Dasselbe wie bei der 
Kerze geht im Menschen vor sich. - Schon wenn man die Worte aus- 
spricht, redet man einen Unsinn. 

Am nachsten Samstag, wenn ich da bin, halte ich einen Vortrag; sonst 
am Montag. 



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DRITTER VORTRAG 
Dornach, 13. Oktober 1923 



Guten Morgen, meine Herren! Vielleicht ist Ihnen etwas am letzten Vor- 
trag besonders aufgefallen, so daB Sie noch eine Frage daranschlieBen 
wollen? 

Fragesteller: Gestern hat mir Herr Seefeld eine Photographie gezeigt von Schneeflocken. 
Die Formen kommen aus dem Weltenall. Es hat mich sehr interessiert; da ist ein Zusam- 
menhang. Das hat mir schon weiter zu denken gegeben. 

Dr. Steiner: Ich werde Ihnen einmal auch dieses im Zusammenhang 
darzustellen versuchen, namentlich weil sich ja der AnschluB dann leicht 
ergeben wird an das, was wir am letzten Montag besprochen haben. Ich 
habe Sie ja ofter darauf aufmerksam gemacht, der Mensch ist ein sehr 
kompliziertes Wesen. Das sieht man nicht so stark an dem AuBeren des 
Menschen, sondern man sieht es an dem Inneren des Menschen, auch an 
dem Korperlich-Inneren des Menschen. Da kann ich Sie zum Beispiel 
darauf aufmerksam machen, daB in den Gegenden, in denen die soge- 
nannte heiBe Zone ist, wo der groBte Teil des Jahres warm ist und eigent- 
lich nur abwechselnd mit der Warme ein ganz kurzer regnerischer Winter 
- sagen wir im siidlichen Agypten, oder sagen wir in Indien -, daB da die 
Menschen eigentlich in ihrem Inneren ganz anders ausschauen als da, wo 
es bestandig kalt ist, in den Gegenden zum Beispiel, die dem Nordpol 
naheliegen. Gegenden, die dem Nordpol naheliegen, haben ja sehr viel 
von dem, woriiber Sie jetzt gerade gefragt haben; sie haben sehr viel von 
den Kraften, die sich dann ausdriicken in den schonen Formen der 
Schneeflocken. So daB wir also sagen konnen: Wir haben auf der Erde 
solche Gegenden, welche stark sonnendurchwarmt und sonnendurch- 
leuchtet sind, wo die Sonne einen groBen EinfluB hat, und wir haben 
Gegenden, wo die Sonne eigentlich wenig EinfluB hat, wo also Schnee, Eis 
herrscht. — Sie wissen ja, daB nicht nur die Schneeflocken schone, allerlei 
wunderschone Formen haben - die Schneeflocken haben erstens solche 
Formen, die auf das Sechseck hingehen, aber auch allerlei solche Formen 
(Zeichnung S. 52) -, sondern Sie haben doch ganz gewiB auch schon ans 



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Fenster gesehen im Winter, wenn dort das Eis ist, das Wasser gefriert, das 
sonst als Dunst die ganze Fensterflache bedeckt; da haben Sie gesehen, 
was da fur wunderschone Blumen sich bilden, wunderschone Figuren, in 



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die sich das Wasser hineinbildet. So daB wir sagen konnen: Das Wasser, 
das ja dem Schnee ebenso wie dem Eis zugrunde liegt — denn wenn es 
wieder warm wird, so zerflieBt sowohl der Schnee wie das Eis zu Was- 
ser-, das bildet, wenn die Sonne nicht recht Kraft hat, die schonsten Figu- 
ren. Die konnen naturlich nicht im Wasser drinnen sein. Denn etwas, was 
seine eigene Figur aus sich selber bildet, das behalt ja seine Figur. Sie haben 
ja auch alle eine Figur. Von der menschlichen Figur aber kann man nicht 
sagen, daB Sie alle nur in Bildern die menschliche Figur haben, die, wenn 
die Sonne kommt, zerflieBt. Das ware auch schlimm, das tut sie nicht. Das 
Wasser hat diese Figur nicht in sich selber, die kommt von auswarts. 

Nun wollen wir einmal untersuchen, woher das Wasser diese Figur 
bekommen hat, die da sowohl beim Schneekristall wie bei den Eisblumen 
diese schonen Bilder hervorruft. Das ist dann die Antwort auf Ihre Frage. 

Wenn man eine solche Frage sich stellt, muB man immer eingehen 
konnen auf den ganzen Menschen. Nun sind im Menschen zwei Organe; 
die sind anders bei einem Menschen, wo die Sonne das ganze Jahr hin- 



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durch eine groBe Kraft hat, wie in den heiBen Gegenden Siidagyptens und 
Indiens. Die innere Gestalt dieser Organe unterscheidet sich bei diesen 
Menschen von denjenigen Menschen, wo es sozusagen das ganze Jahr kalt 
ist, wo immer so ein Hang ist in der Natur, Schneekristalle und Eisblumen 
zu bilden, wie bei den Eskimos. Die leben da oben, wo immer eigentlich 
Schnee und Eis sein will, wo das Wasser wenig zerflieBt. Nun schauen wir 
aber einmal das AuBere an. Da werden die Leute sagen: Nun ja, die Leute 
in den heiBen Gegenden sind auBerlich vielleicht etwas groBer; aber die 
Eskimos, das sind kleine Leute. - Aber das ist nicht dasjenige, was die 
Sache ausmacht, sondern der groBe Unterschied zwischen Menschen der 
heiBen Zone und den Eskimos, den Menschen der kalten Zone, der liegt in 
dem Unterschied ihrer Leberbildung und ihrer Lungenbildung. Die 
Eskimos haben verhaltnismaBig zu ihrem Korper groBe Lungen und 
kleine Lebern, und die Menschen in der heiBen Zone haben verhaltnisma- 
Big eine kleinere Lunge und eine groBe Leber. Also Sie sehen, da unter- 
scheiden sich die Menschen in Gegenden, in denen Eisblumen entstehen, 
Eiskristalle entstehen, von den anderen dadurch, daB sie verhaltnismaBig 
zu ihrem Korper eine kleine Leber und eine groBe Lunge haben. Und bei 
den Menschen, bei denen die Natur nicht die Neigung hat, solche Figuren 
zu bilden, sondern wo die Sonne alles immer schmilzt, alles wegschafft, da 
besteht die Eigentumlichkeit, daB sie eine verhaltnismaBig kleine Lunge 
und eine groBe Leber haben. Wir mussen immer, wenn wir um etwas in 
der Natur fragen, also auch um die Eisblumen, auf den Menschen 
schauen. Wenn man nicht vom Menschen ausgeht, versteht man nichts 
in der Natur, gar nichts. 

Also die Sache ist so: Die Leber im Menschen ist ein sehr wichtiges 
Organ. Wenn der Mensch keine Leber hatte, hatte er keine Galle, denn die 
Leber, die sondert fortwahrend Galle ab. Die Galle kommt aus der Leber, 
geht in die Gallenblase iiber, von da in die Verdauungssafte, von da in das 
Blut und geht dann in den ganzen Korper iiber. So daB wir sagen konnen: 
Der Mensch hat in der rechten Seite die Leber; aus der Leber rinnt die 
Galle heraus in die Gallenblase hinein, von da in das Blut, geht in den 
ganzen Korper iiber. - So daB also der Mensch seine Leber eigentlich hat 
zum Absondern der Galle. 

Sie konnen nun fragen: Ja, warum kommt denn aus der Leber fortwah- 



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rend diese Galle? - Meine Herren, wenn Sie keine Galle Mtten, waren Sie 
sonderbare Leute. Sie verteilt sich natiirlich in ganz kleine Mengen, aber 
sie muB im ganzen Korper sein. Wenn Sie keine Galle hatten, waren Sie 
fiirchterliche Phlegmatiker; die Hande, die Arme, den Kopf lieBen Sie 
hangen, und es ware Ihnen zuwider, wenn Sie jemand ein Wort als Antwort 
geben sollten und so weiter. Also Sie waren ganz latschete, phlegmatische 
Leute, wenn Sie keine Galle hatten. Galle muB der Mensch haben; die 
Galle muB aus der Leber kommen. Und wenn die Leber verhaltnismaBig 
klein ist, so wird eben der Mensch phlegmatisch; wenn die Leber verhalt- 
nismaBig groB ist, so hat der Mensch viel Feuer in sich, denn die Galle 
macht Feuer. Und sehen Sie, es kann auch in einem Menschen zuviel 
Galle sein, er kann zuviel Galle erzeugen; dann hat er eigentlich die Lust, 
wenn man nur ein biBchen was zu ihm sagt, einem ein paar herunterzu- 
hauen. Namentlich bei den jahzornigen Leuten flieBt aus der Leber fleiBig 
Galle heraus; da flieBt viel Galle in den Nahrungssaft und in das Blut iiber. 
So daB, wenn Sie innerlich den Menschen beobachten, zu dem Sie etwas 
sagen oder dem irgend etwas nicht gefallt, das auf ihn einen besonderen 
Eindruck macht-flugs rinnt viel Galle aus der Leber heraus und verbreitet 
sich sehr schnell in dem ganzen Korper, und er haut Ihnen ein paar herun- 
ter, oder er schimpft wie ein Rohrspatz. Das ist es, was man innerlich 
beobachtet, wenn ein Mensch zuviel Neigung hat, Galle abzusondern. 
Aber wie gesagt, wenn er gar keine Galle absondern wiirde, wiirde er gar 
kein Feuer haben, sondern so daherschlapfen, wie ich es Ihnen gesagt 
habe. Also Sie sehen, die Gallenabsonderung ist ja etwas, was unbedingt 
zur Absonderung des Menschen gehort. Ich weiB nicht, ob schon irgend 
jemand von Ihnen die Galle gekostet hat: sie schmeckt furchtbar bitter, 
richtig giftig, und eine groBere Menge von der Galle richtig durch den 
Mund aufgenommen, ist auch ein Gift. Das hangt zusammen mit dem, 
was ich Ihnen am letzten Mittwoch gesagt habe. Ich hatte Ihnen gesagt: 
Wenn der Mensch lebendig wird, sich bewegt, geht, auch wenn er 
schimpft und Ihnen ein paar herunterhaut, ja, da gibt es so viel Gift, daB er 
die Neigung hat, viel von dem Zyankali, von dem ich Ihnen da gesprochen 
habe, zu erzeugen. Das muB er mit dem Blut vermischen. Ich habe viele 
Falle schon kennengelernt, wo Leute einfach durch ihren Zorn eine innere 
Blutvergiftung bekommen haben. Man kann so zornig werden, besonders 



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wenn man schnell zornig wird, daB man durch diesen Zorn iiberfliissig 
viel Galle absondert - eigentlich zunachst viel Zyan, dann Galle. Dann 
kriegt man eine furchtbare Giftmischung ins Blut, und da ruiniert man 
dann das Blut. Es kommt eine furchtbare Blutvergiftung durch den Zorn. 
Daraus sehen Sie, wie notwendig und wie schadlich wiederum beim 
Menschen dasjenige sein kann, was irgendein Organ seines Leibes tut. 
Denn alles, was geschieht, hangt mit dem Seelischen wiederum zusam- 
men. Der Zorn ist etwas Seelisches, die Gallenabsonderung ist etwas 
Physisches; aber es gibt nichts im Menschen, das nicht zugleich seelisch ist 
und alles Seelische hat irgendwie eine physische Form. 

Gehen wir weiter. Nehmen wir jetzt an, ein Mensch ist dem, was man 
oftmals Erkaltungen nennt, namentlich Baucherkaltungen, sehr haufig 
ausgesetzt. Also ein Mensch kriegt sehr haufig Baucherkaltungen; dann 
sagt sein Bauch: Ja, ich bin wie ein Eskimo, ich bin wie in der kalten Ge- 
gend der Erde. - Und dann kommt es, daB der Bauch fortwahrend die 
Leber zusammenzieht, so daB sie wie bei dem Eskimo klein ist. Wenn 
also der Mensch viel Baucherkaltungen hat, dann zieht sich seine Leber 
zusammen, und dann preBt sie die Galle aus. Fortwahrend traufelt Galle 
in die Gallenblase herein und von da in den Korper. 

Nun, meine Herren, Sie haben alle schon dasjenige erlebt, was man 
zum Beispiel Sich-Uberheben nennt. Man hebt etwas, was einem zu 
schwer ist; da reiBt man sich die Muskeln auseinander, da zerstort man 
sich die Muskeln. Wenn man zuviel Kraft anwendet fur irgendein Organ, 
so zerstort man sich das Organ. So ist es aber bei der Leber. Wenn sie 
immer fort und fort zuviel Galle absondert, dann schrumpft die Leber 
allmahlich zusammen, sie wird untauglich. So daB also die meisten Leber- 
krankheiten, die der Mensch bekommt, dadurch entstehen, daB der 
Mensch durch Baucherkaltungen die Neigung bekommen hat, zuviel 
Galle abzusondern und daB dadurch seine Leber verkiimmert. Leberer- 
krankungen kommen aus Baucherkaltungen durch Zusammenschrump- 
fen der Leber. Natiirlich kommen ja alle moglichen anderen Zustande 
dazu. Wenn der Mensch Baucherkaltungen hat, geht das Herz nicht or- 
dentlich. Da sagen dann die Arzte, die Leberkrankheiten kommen vom 
Herzen. Aber in Wahrheit kommen sie von dem, daB der Bauch sich er- 
kaltete. 



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Alles das aber - das konnen Sie schon aus dem entnehmen, was ich 
Ihnen gesagt habe - hat zu tun mit der Sonne. Daher ist es auch immer sehr 
gut, wenn einer gerade an Baucherkaltungen leidet, daB man ihm seinen 
Unterleib dem Lichte aussetzt. Da ist zum Beispiel die Sonnenkur auBer- 
ordentlich gut. So also miissen wir sagen: Alles das, was mit der Leber 
zusammenhangt, hangt auch mit der Sonne zusammen. Sonnentatigkeit 
fordert Lebertatigkeit. Mangel an Sonnentatigkeit bringt die Lebertatig- 
keit in Unordnung. Es ist ein sehr interessanter Zusammenhang zwischen 
der Sonne und der Leber. 

Ich habe immer bewundert, daB in der deutschen Sprache das Wort 
Leber existiert. Alle anderen Sprachen haben fur dieses Organ in der rech- 
ten Seite des Unterleibes gar kein so schones Wort. Denn nach dem, was 
ich Ihnen jetzt erklart habe, miissen wir ja sagen, das Feuer, sogar das, was 
dem Menschen von der Sonne kommt, diese belebende Feuerkraft, die 
muB in der Leber erst fur den Menschen zurechtgekocht werden; da muB 
ihm die Galle bereitet werden, die dann in seinen Korper iibergeht. Die 
Sonne bereitet in dem Menschen die Galle. Dasjenige, was der Mensch da 
tut, das nennen wir leben, und den, der dieses Leben anfeuert, den kann 
man einen Leber nennen. So wie man sagt: Wagen, Wagner, Zeichnen, 
Zeichner, so ist leben das Zeitwort, und Leber, der Leber - das hat man 
nur vergessen, daB das so ist, man sagt «die Leber» statt «der Leber»; 
eigentlich heiBt es der Leber -, der ist das, was da belebt! Die Sprache ist 
manchmal wunderbar lehrreich, weil in den alten Volksinstinkten immer 
ein Wissen von dem vorhanden war, und da sind die Dinge richtig benannt 
worden. Leber ist das, was anfeuert, was den Menschen belebt. Das ist in 
bezug auf die Leber zu sagen. Nun, wenn man die Leber in ihrer Gallen- 
absonderung hat, dann muB man sagen: Die Absonderung der Leber ist 
dasjenige, was mit der Sonne zusammenhangt. 

Jetzt gehen wir zu der Lunge iiber. Das haben wir ja oft besprochen 
und Sie wissen es auch: die Lunge atmet. Aber daB die Lunge da den Sauer- 
stoff einzieht, atmet, das ist bei der Lunge nur ein Teil ihrer Tatigkeit. 
Die Lunge hat noch etwas anderes zu tun. Geradeso wie die Leber die 
Galle absondert, so sondert die Lunge dasjenige ab, was man den Schleim 
nennt. Die Lunge also sondert den Schleim ab. Die Lunge kann ebenso- 
wenig wie die Leber dasjenige, was sie in sich hat, in sich behalten. Die 



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Leber konnte nicht sich ganz anfullen mit Galle, die Leber muB die Galle 
an den Korper abgeben. Aber die Lunge, die muB fortwahrend Schleim 
aussondern, immerfort Schleim aussondern. Und nun ist es so, daB wenn 
die Lunge Schleim aussondert, so geht der Schleim dann iiber in alle ande- 
ren Teile des Korpers. Er geht mit dem SchweiB fort, er geht sogar in die 
Ausatmungsluft hinein, er geht mit dem Urin ab, er geht uberallhin, der 
Schleim. Aber das Organ, das den Schleim absondert, das ist die Lunge. 

Wenn Sie nun die Luft, die der Mensch ausatmet, untersuchen, dann 
kriegen Sie etwas Wunderschones heraus. Man muB nur hauptsachlich 
nicht die vom Munde ausgeatmete Luft untersuchen, die ist zu unregel- 
maBig; man muB die von den Nasenlochern ausgeatmete Luft untersu- 
chen. 

Sehr interessant ist es, wenn jemand recht langsam ausatmet. Da muB 
man sehr achtgeben: Atmet man auf eine Glastafel, dann entsteht im 
Atem, der ausgeatmet wird, etwas Ahnliches wie beim Schnee. Man muB 
es sehr sorgsam machen, und zwar so, daB man, wenn man zum Beispiel 
das linke Nasenloch beim Ausatmen zuhalt, nur mit dem rechten Nasen- 
loch langsam ausatmet auf die Glastafel, die man vor sich liegen hat, und 
dann mit dem linken. Man muB sehr langsam atmen, weil, wenn man 
schnell atmet, man das Ganze verwischt durch den AtemstoB. Es muB 
ganz sanft und milde geatmet werden. Das muB man eigentlich erst lernen. 
Aber da ist es dann interessant: Wenn man da durch ein Nasenloch atmet, 
dann entstehen auf der Glasplatte durch die ausgeatmete Luft gerade sol- 
che Figuren wie beim Schnee! Da ist die Ausatmungsluft nicht einfach 
solch ein Brockelchen darauf, sondern solch eine Figur. Und das, ich 
mochte sagen, verteufelt Interessante dabei ist, daB wenn Sie das linke 
Nasenloch zuhalten und ausatmen, kriegen Sie eine Figur; wenn Sie das 
rechte Nasenloch zuhalten und ausatmen, kriegen Sie eine andere Figur. 
Nicht einmal die gleichen Figuren sind es! So daB wir also sagen konnen: 
Die Luft aus Ihnen heraus, aus Ihrem eigenen Menschen heraus, diese 
Luft geht in Figuren heraus. Sie geht gar nicht bloB als Tropfen heraus, sie 
geht in Figuren heraus, und sogar so merkwurdig, daB das linke Nasen- 
loch noch eine andere Figur als das rechte Nasenloch gibt. 

Nun, meine Herren, dasjenige, was da in der ausgeatmeten Luft drin- 
nen ist, die ja, weil sie Wasserdunst enthalt, diese Figuren gibt, die gleich 



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wieder verdunsten, aber diese Figuren bildet, das ist der Schleim, der aus 
der Lunge in die ausgeatmete Luft iibergeht. Der bildet sich zu diesen 
Figuren. Der Schleim klebt gewissermaBen die einzelnen, ganz winzigen 
Wassertropfelchen zusammen zu solchen Figuren. So daB Sie in Ihrer 
Lunge nicht eben einfach die Neigung haben, Schleim in einer beliebigen 
Gestalt auszustoBen, sondern Sie haben die Neigung, aus Ihrer Lunge den 
Schleim eigentlich in Kristallen auszuatmen oder auszustoBen - in Kristal- 
len! Nur verdunsten diese Kristalle gleich, losen sich gleich auf, weil sie an 
die Sonne kommen. 

Gerade so nun, wie die Galle mit der Leber zur Sonne in Beziehung 
steht, so steht die Lunge mit ihrer Schleimabsonderung zum Mond in 
Beziehung. Wir wissen ja, daB da in den Kopf hinauf, wie ich Ihnen gesagt 
habe, die Kohlensaure steigt, und ich habe Ihnen gezeigt, daB wenn der 
Mensch keine Kohlensaure in seinen Kopf hinaufschicken wiirde, er dann 
dumm werden wiirde. Diese prickelnde Kohlensaure, die sich in ganz 
kleinen Mengen fortwahrend in den Kopf hinaufbringt, die macht, daB 
wir gescheite Menschen sind. Wir sind ja alle so furchtbar gescheite Men- 
schen, nicht wahr! Sie wissen, wenn man Brausen trinkt, dann prickelt 
das; das ist dann sehr stark wahrzunehmen. Aber der Mensch erzeugt 
immer sehr schwach Kohlensaure. Die schickt er in den Kopf hinauf. Und 
dieses Prickeln im Kopf, das macht den Kopf regsam; dadurch ist er ge- 
scheit und nicht dumm. Diejenigen Menschen, die wirklich dumm sind - 
ich weiB nicht, ob es solche auch gibt-, die haben zuwenig Kraft, um den 
Kohlenstoff mit dem Sauerstoff zu verbinden und schicken keinen Koh- 
lenstoff hinauf, sondern die verbinden den Kohlenstoff mit einem ganz 
anderen Gas. Also der Mensch, der gescheit ist, der verbindet den Koh- 
lenstoff mit dem Sauerstoff: da entsteht die prickelnde Kohlensaure. Aber 
wie gesagt, diejenigen Menschen, die nun wirklich dumm sind, die ver- 
binden den Kohlenstoff nicht mit dem Sauerstoff, sondern mit dem Was- 
serstoff. Die verbinden also Kohlenstoff mit Wasserstoff, und da entsteht 
dieses Gas, das man manchmal in Gruben findet: Grubengas, Sumpfgas. 
Wir alle senden auch etwas von diesem Grubengas in den Kopf; das brau- 
chen wir auch, sonst wiirden wir namlich zu gescheit. Damit wir immer 
auch ein biBchen dumpf bleiben konnen, auch so ein biBchen nicht ewig 
gescheit sind, entwickeln wir auch Sumpfgas. Aber diejenigen, die zu 



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dumm werden, entwickeln zuviel Sumpfgas. Bei denjenigen Menschen, 
die halbwegs gescheit sind, geht die Kohlensaure in den Kopf. Das prik- 
kelt. Und wenn dann sich nach und nach viel Sumpfgas angesammelt hat, 
dann werden sie schlafrig, dann kommt die Schlafmudigkeit. Das tritt ein 
des Nachts, da entwickelt sich viel Sumpfgas. Nur bei denjenigen, die 
dumm sind, entwickelt sich das Sumpfgas auch wenn sie wachen. Also da 
muB immerfort die Kohlensaure hinauf. Aber die Kohlensaure allein tut es 
nicht: es muB von der Lunge aus der Schleim in den Kopf gehen. Er geht ja 
sogar durch die Nasenlocher in Form von Kristallen heraus, geradeso wie 
in Leber und Galle. Nun, das wird Ihnen klar sein durch die Beschrei- 
bung, die ich am Mittwoch gegeben habe. 

So wie die Leber mit der Sonne zusammenhangt, so hangt nun die 
Lunge mit dem Mond zusammen. Sehen Sie sich einmal den Mond an. Der 
Mond ist nur ganz anders als die Sonne. Wenn Sie auf die Sonne schauen, 
dann ist die Sonne ja rund, aber sie breitet eigentlich ihre Strahlen nach 
alien Seiten aus. Die Sonne, die scheint nach alien Seiten; sie zerflieBt nach 
alien Seiten, so wie die Galle in dem menschlichen Leib nach alien Seiten 
hin geht. Man kann dann die Sonne in ihrem ZerflieBen, im Auseinander- 
flieBen vergleichen mit dem ZerflieBen der Galle. Aber der Mond - ja, 
meine Herren, wenn Sie den Mond anschauen, der hat immer eine ganz 
bestimmte Gestalt. Der Mond ist ganz fest. Und er ist in seinem Inneren 
auch so, daB das, was die Substanz, den Stoff des Mondes ausmacht, 
kristallisiert, geradeso wie unsere Ausatmungsluftformen, die aus der 
Nase kommen, kristallisiert sind. Da wirken drinnen die Mondwirkun- 
gen, so wie in der Leber und Galle die Sonnenwirkungen. In der Lunge 
wirken die Mondkrafte, und der Mond bewirkt diese Absonderung von 
Schleim. 

Jetzt konnen wir sagen: Gehen wir in die heiBen Gegenden, ja, dann 
wirkt die Sonne. Die laBt alles zerflieBen; die Leute bekommen viel Feuer. 
Das Feuer, es braucht ja nicht bloB im Jahzorn zu leben, sondern es lebt 
auch in den schonen Dingen und in der schonen Weisheit der Eifer. Die 
Leute bekommen viel Feuer. Gehen wir in die kalten Gegenden, dann 
muB sich in diesen kalten Gegenden, wo die Sonne nicht die Kraft hat zu 
wirken, wo namentlich der Mond in den kalten Nachten hineinscheint in 
die Eiseskalte, die Lunge, die sich verhaltnismaBig vergroBert, sehr stark 



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anstrengen: da wird viel Schleim abgesondert. Und derjenige, der das 
nicht gewohnt ist, der erkaltet sich, der sondert zuviel Schleim ab. 

Sehen Sie, meine Herren, jetzt haben Sie auch die Ursache der Lungen- 
krankheiten. Die Lunge muB ein gewisses Quantum von Schleim abson- 
dern, so wie die Leber ein gewisses Quantum von Galle absondern muB. 
Aber geradeso wie die Leber, wenn sie zuviel Galle absondert, sich rui- 
niert, so ruiniert sich die Lunge, wenn sie zuviel Schleim absondert. Das 
ist bei den Lungenkrankheiten der Fall. Da wird die Lunge durch dasjeni- 
ge, was sie erlebt, aufgeriittelt, zuviel Schleim abzusondern. Denken Sie 
sich also, Sie leben statt in einer maBig feuchten Luft, statt in einer ein 
biBchen feuchten Luft in einer stark feuchten Luft: dann muB sich die 
Lunge sehr stark anstrengen. Aber wenn sich die Lunge anstrengt, so 
sondert sie Schleim ab. Und da fangt die Lunge dann an, dadurch, daB sie 
zuviel feuchte Luft atmet, sich zu stark anstrengen muB, krank zu wer- 
den. Und der Mensch spuckt, wenn er lungenkrank wird; nach und nach 
spuckt er seine ganze Lunge aus, wenn er zuviel krank ist. 

Man kann der Lunge dann zu Hilfe kommen, indem man eine be- 
stimmte Arznei bereitet. Man darf dazu keine Wurzeln verwenden, son- 
dern man muB die Blatter verwenden von Pflanzen, eine bestimmte Arz- 
nei daraus bereiten. Es ist das also zum Beispiel der Fall bei ganz bestimm- 
ten Pflanzenarten. Wenn man da richtig den Saft nimmt und bestimmte 
Arzneien bereitet, kann man der Lunge zu Hilfe kommen, wenn sie zuviel 
tatig ist. Denn solche Arzneien haben die Eigentumlichkeit, daB sie die 
Lungentatigkeit ubernehmen; dann strengt sich die Lunge etwas weniger 
an. Das Heilende besteht also meistens darinnen, daB man sich fragt: Die 
Lunge, die sondert also zuviel Schleim ab; das ist ein Zeichen, daB sie sich 
zu stark anstrengt. Schon, was rue ich? Ich suche mir eine Pflanze, die 
einen Saft hat, der die Lungentatigkeit ubernehmen kann. 

Oder ich bemerke, daB die Leber zuviel Galle absondert: ich suche mir 
eine Pflanze, welche die Lebertatigkeit ubernehmen kann. Da gibt es zum 
Beispiel eine Pflanze, die heiBt Cichorium intybus, Wegwarte. Wenn man 
den Saft aus der Wurzel dieser Pflanze zu einer Arznei bereitet und ihn 
dem Menschen eingibt, dann ubernimmt der die Lebertatigkeit, und man 
kann dann fmden, daB der Mensch zwar zunachst nicht weniger Galle 
absondert, daB auch zunachst seine seelischen Zornzeiten nicht zuriick- 



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gehen, daB aber seine Leber sich nach und nach wieder kraftigt und all- 
mahlich die Besserung eintritt. 

So hilft man einem Menschen also dadurch, daB man weiB, daB zum 
Beispiel die Safte der Blatter — nicht die Wurzeln - gewisser Kohlarten be- 
stimmte Lungentatigkeiten iibernehmen konnen, und daB der Saft aus der 
Wurzel von Cichorium intybus - sie wachst auch da drauBen, Sie werden 
sie alle kennen, sie hat so blaueBliiten-besonders heilsam ist fur die Leber. 

So konnen wir sagen: In heiBen Gegenden, da zerflieBt das Wasser; 
Warme, Sonnenwarme lost alles auf. - Wenn die Sonne weniger tatig ist, 
wenn die Sonnenkraft nachlaBt oder das ganze Jahr hindurch schwach ist, 
wie in nordlichen Gegenden, dann wird der Mond urn so machtiger. 
Wenn die direkten Sonnenstrahlen nicht wirken, so wirken diese merk- 
wiirdigen Sonnenstrahlen, die vom Mond zuriickgeworfen werden. Die 
aber erzeugen die Kristallformen und Eisblumenformen. Das ist sehr 




schon. Wir konnen also sagen: Wenn wir hier die Erde haben (siehe 
Zeichnung), dann haben wir hier die heiBe Zone. Auf die heiBe Zone 
wirken besonders die Sonnenstrahlen. - Oh, das ist sehr schon, wie da die 
Sonnenstrahlen wirken! Diese Sonnenstrahlen, die regen die Lebertatig- 
keit an. Die Leber schickt iiberall die Galle hinein, und die Galle breitet 



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sich im ganzen Korper aus. Und wenn sich die Galle zum Beispiel in die 
Federn der Vogel oder in die Fliigel der Kolibri hinein ausbreitet, da wird 
sie zu den schonen Farben. Daher glitzern die Kolibris in der heiBen Zone, 
weil ihre Galle sehr schnell abgesondert wird und sehr schnell in die Fe- 
dern geht. 

In kalten Gegenden, da ist das nicht so, da hat die Sonne wenig Kraft. 
Da ist dafiir das zuriickgeworfene Sonnenlicht, das Licht des Mondes 
besonders tatig, und dieses Licht bewirkt, daB der Schnee sich zu Kristal- 
len bildet, daB das Eis die Eisblumen gibt. Bei uns entsteht das nur, wenn 
eben im Winter die Sonne an Kraft verliert. Aber in den Gegenden des 
ewigen Eises, am Nordpol oder auf den hohen Bergen, da bilden sich, weil 
die Sonne auch keine Kraft hat, weil die Sonne die Kraft erst entwickeln 
kann in der dichten Luft, diese schonen Formen des Eises. 

Wir bekommen schon, wenn wir so in die Natur hineinschauen, einen 
wunderbaren Eindruck! Wir bekommen den Eindruck, daB iiberall, wo 
die Sonne hineinscheint, Leben wird, Leben, das zerflieBt und verdunstet, 
das sich ausbreitet. Uberall wo der Mond hineinwirkt, entstehen Gestal- 
ten, Bildnisse. Das ist schon ein machtiger Eindruck, den man da be- 
kommt. Und diese Dinge durchschaut man nur, wenn man eben aufs 
Geistige eingehen kann. Es ist ja wirklich so, daB man sagen muB: In der 
Lunge, wo der Mensch also eigentlich den Schleim erzeugt, da wirken auch 
die Mondenkrafte. Und sie wirken so, daB sie nicht das direkte Sonnen- 
licht brauchen, sondern daB sie das zuriickgeworfene Sonnenlicht ver- 
wenden. Wenn daher hier im Norden die Mondenkrafte vorzugsweise 
tatig sind, die Sonne sich ausschaltet, dann kommt noch etwas anderes; 
dann wird die Luft da driiber so, daB etwas, was hier immer in der Erde 
drinnen ist, herausgeht. In der Erde namlich ist uberall Magnetismus und 
Elektrizitat drinnen. Die Erde ist ganz; voll von Magnetismus und Elektri- 
zitat. DaB in der Erde uberall Magnetismus und Elektrizitat ist, das kon- 
nen Sie daraus sehen: Nicht wahr, wenn Sie auf einer Station einen Tele- 
graphenapparat haben (es wird gezeichnet), wenn das also zum Beispiel 
in Dornach ist, dann haben Sie hier einen, sagen wir in Basel; da kon- 
nen Sie hinein telegraphieren; aber man kann nur telegraphieren, wenn 
ein Draht geht. Drahte miissen ja durch die Luft gehen; nur dann kann 
man telegraphieren. Aber das geniigt nicht, wenn Sie hier einen Tele- 



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graphenapparat aufstellen wiirden und einen in Basel, und einen Draht 
ziehen! Da konnten Sie noch so lange mit dem Taster hintelegraphieren: 
Sie wiirden hinkommen nach Basel, aber Sie miissen wiederum zuriick 
verbinden, es muB ein geschlossener Strom sein. Und wenn Sie das 
machen, dann konnen Sie hier telegraphieren, es kommen dann dort die 
Zeichen an. Sie wissen ja - das sage ich nur der Vollstandigkeit wegen -: 
da ist hier so umgewickelt ein Papierstreifen, und wenn eine Spitze auf 
diesen Papierstreifen driickt, entsteht entweder ein Punkt oder ein 
Strich, wenn es lange driickt, und aus Punkten und Strichen ist dann das 
telegraphische Alphabet zusammengesetzt, a*-, b-***,c-*-v 
Aber das Merkwiirdige ist: Man braucht diesen zweiten Draht doch nicht, 
wenn man von dem Apparat in die Erde einen Draht hineinleitet und da 
eine Kupferplatte hineinlegt, und dort auch wiederum eine Platte hinein- 
legt; den Draht konnen Sie dann wegtun, denn dann ist eine Verbin- 
dung da. Warum? Weil die Erde selber Elektrizitat hat und von der 
einen Platte zu der anderen die Elektrizitat geleitet wird. Die Erde er- 
setzt sich selber den Draht durch ihren eigenen Stoff. Die Erde ist nam- 
lich ganz voll von Elektrizitat. Aber wenn die Sonne auf die Erde 
scheint, wie am Aquator, in der heiBen Gegend, da wird diese Elektrizitat, 
wenn sie in die Luft herauskommen will, sogleich vernichtet. Das Son- 
nenlicht ist eine Kraft, die die Elektrizitat ausloscht. Aber da, wo die Son- 
nenwirkung schwach ist, da geht die Elektrizitat hinauf, in die Luft hinein, 
und man sieht sie, wie sie oberhalb der Erde ist. Sehen Sie, meine Herren, 
das Nordlicht ist die elektrische Kraft der Erde, die unter dem EinfluB 
der Mondenkrafte ausstromt. Daher ist das Nordlicht in unseren Gegen- 
den sehr selten; aber es ist haufig, fast immer da in nordlichen Gegenden. 
Da ist wiederum so ein Punkt, wo die Wissenschaft an einer bestimm- 
ten Stelle nicht weiter kann. Naturlich weiB diese Wissenschaft heute, daB 
die Erde voll von Elektrizitat ist. Diese Wissenschaft schaut auch immer 
das Nordlicht an. Aber wenn Sie in den Biichern nachlesen, was eigentlich 
dieses Nordlicht ist, so glauben die Leute immer, das ist etwas, was von 
der Welt hereinstromt auf die Erde. Das ist aber ein Unsinn, es stromt 
nicht herein, sondern es stromt gerade heraus! Was da die Wissenschaft 
mit dem Nordlicht macht, ist deshalb so interessant, weil es gleich dem ist, 
wenn irgendeiner seine Schulden mit seinem Kapital verwechselt. Das ist 



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schon so. Nicht wahr, im Menschenleben macht das etwas aus, wenn man 
seine Schulden mit seinem Vermogen verwechselt. Aber die Wissenschaft, 
die kann das ungestraft tun, die kann das Nordlicht ansehen als etwas, was 
aus der Welt hereinstromt, wahrend das Nordlicht in Wirklichkeit etwas 
ist, was von der Erde herausstromt. Aber in den heiBen Gegenden, da 
wird es gleich in Empfang genommen vom Sonnenlicht, und da wird es 
ausgeloscht. In den nordlichen Gegenden, da ist das Mondenlicht vor- 
zugsweise tatig, wenn es scheint; und wenn es nicht scheint, so bleibt es 
tatig in der Nachwirkung, und da wird das Nordlicht, die ausstromende 
Elektrizitat, sichtbar. Nun, dieses Nordlicht ist dort besonders stark, weil 
die Mondenkrafte besonders stark sind. Es ist eigentlich iiberall etwas 
Nordlicht, nur sieht man es nicht, weil es schwach ist. In unseren Gegen- 
den ist das Nordlicht, das heiBt eben die ausstromende Elektrizitat, auch 
schwach. Aber in der drahtlosen Telegraphie ist es so stark, daB es wirkt. 
Dasjenige, was in der drahtlosen Telegraphie wirkt, ist dasselbe, was man 
im Nordlicht leuchten sieht. Da haben Sie den Grund. Die Elektrizitat 
im Verein mit dem Mondenlicht, die macht die Eisblumen und die 
Schneekristalle. Sie miissen Nordlicht und Mondschein studieren, wenn 
Sie die Eiskristalle, die Eisblumen und Schneekristalle studieren wollen. 
Weil im Winter die Sonnenkraft geringer ist, die Mondenkraft dadurch die 
Oberhand bekommt und die Elektrizitat weniger bei uns ausgeloscht 
wird, wird der Schnee in so schone Kristalle hineingestaltet. Das ist Mond 
und Elektrizitat zusammen, was die schonen Kristalle bildet, was die Eis- 
blumen verursacht. 

Nun habe ich Ihnen ja gesagt, erinnern Sie sich nur: Wenn einer zuwe- 
nig Mondtatigkeit hat, wenn einer zuviel Sumpfgas entwickelt in seinem 
Kopf, so wird er, wie der Volksmund sagt, ein «Sumser», das heiBt ein 
Dummkopf. Und da entwickelt er also zuwenig Mondenkraft in sich. 
Nun, was muB man denn also haben in seinem Kopf? Man muB alles das, 
was vom Mond kommt, die Kohlensaure von der Atmung, den Schleim 
von der Lunge, die muB man in den Kopf hineinkriegen, also eine Kraft, 
die da im Kopf fortwahrend Kristalle bilden will. Schnee, meine Herren, 
mochte sich fortwahrend in unserem Kopf bilden; wir 16sen ihn nur 
immer wieder auf. Aber der will sich bilden. Denken Sie, meine Herren, 
Sie haben eigentlich alle in Ihren Gehirnen ein ganz merkwurdiges Organ. 



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Namlich, wie Herr Seefeld dem Herrn Burle diese schonen Schneekristall- 
figuren gezeigt hat, da hat ihn das interessiert, und da hat er sich gedacht: 
Das muB interessant sein, was da eigentlich fur ein Zusammenhang ist. — 
Ja, da hat der Herr Burle diese Schneekristalle in sich photographiert! Es 
ist so, wie wenn man eine ganz geschwinde Photographie machte, und 
das, was flugs entsteht, wieder verschwindet, wenn man durch die Nasen- 
locher ausatmet. Wenn man rasch photographieren konnte, was da drin- 
nen im Kopfe von Herrn Burle vorgeht, oder in Ihren Kopfen alien, so 
wiirde man dieselben Photographien fmden. Es wiirden sich solche Stiick- 
chen bilden von Schneekristallen, von Eisblumen, Fensterblumen; die 
konnten photographiert werden von Ihren Atherkopfen, und die waren 
gleich! Ihr Kopf ist ein ganz merkwiirdiges Ding. Wenn Sie einen solchen 
Photographenapparat hatten, wie es ihn ja noch nicht gibt - man miiBte es 
furchtbar schnell machen, weil es sich immer sogleich auflost-, so wiirden 
Sie fmden: Da schauen wir ja aus in unserem Gehirn wie ein recht schones 
Stuckchen Schnee oder wie ein recht schones Eisblumenfenster! - Es muB 
gleich wieder verschwinden, sonst wiirden sie uns stechen, diese spitzen 
Kristalle, wir wiirden nicht mit ihnen denken. So daB also, wenn wir hin- 
ausschauen auf den Schnee, oder wenn wir hinausschauen auf unsere 
Fensterblumen, Eisblumen, wir uns da sagen konnen: Donnerwetter, das 
ist ja dasselbe, was in unserem eigenen Kopf vor sich geht! - nur daB dieses 
da sich immer wieder schnell auflost. Es denkt ja die ganze Natur! Und im 
Winter, wenn es kalt wird, fangt sie erst recht an zu denken. Im Sommer 
ist es ihr nur zu warm zum Denken. Da laBt sie die Sonne auseinanderstie- 
ben und macht sie zu Nahrungsmitteln und so weiter. Aber im Winter, 
wenn es kalt ist, bilden sich die Gedanken im Schnee, im Eis. Wenn da 
drauBen keine Gedanken waren, hatten wir in unserem Kopfe auch keine. 
Also Sie sehen, es ist eigentlich wunderschon, dieses Entsprechen von der 
Natur drauBen im Winter, wo die Natur so gescheit wird, daB sie das 
sichtbar, auBerlich macht, was in unserem Kopfe immer als unsere Ge- 
scheitheit vor sich geht. Wir konnen iiberall in der Natur sehen, was in uns 
selber vor sieht geht. Wir miissen es nur in der richtigen Weise auffassen. 
Nun, aber das alles hat eine groBe, auch praktische Bedeutung. Den- 
ken Sie also, meine Herren, einer bekommt, sagen wir, eine ganz be- 
stimmte Art von Kopfkrankheit dadurch, daB er zuwenig Schleim abson- 



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dert. Man kann dadurch eine Kopfkrankheit bekommen. Wenn man 
dann, wenn einer zuwenig Schleim absondert, ihm etwas kieselsaures 
Eisen gibt als Heilmittel, dann iibernimmt auch wiederum dieses kiesel- 
saure Eisen die Schleimabsonderungstatigkeit und stoBt ihm den Schleim 
in den Kopf hinauf, und man kann damit wiederum Heilung hervorrufen. 
Sehen Sie, das ist ja der Unterschied der anthroposophischen Medizin von 
der anderen Medizin, die nur immer probiert. In der Anthroposophie 
lernt man, daB ein Mensch, der eine bestimmte Kopfkrankheit hat, zu 
schwach ist, um in seinem Gehirn Kristalle zu bilden, dieses immerwah- 
rende Entstehen und Vergehen von Eisblumen. Nun muB man ihm hel- 
fen. Das kann man durch bloBe Kieselsaure. Wenn Sie hinaufgehen auf die 
hohen Berge und dort den schonen Quarz sehen, der ist Kieselsaure. Er ist 
ein wunderschoner Kristall. Der hat die Tendenz, diese Kristalle zu bil- 
den. Wenn Sie diesen Quarz entsprechend behandeln, so kriegen Sie ja das 
auch unter unseren Heilmitteln so wirksame Kieselsaurepraparat. Und 
dieses Kieselsaurepraparat ist so wirksam fur alle Krankheiten, die vom 
menschlichen Kopf ausgehen. Bildet er vom Inneren nicht Kristalle, so 
muB man ihm von auBen durch solche schonen Kristalle, die solche 
schongebildete Kristallbildungen in sich haben, zu Hilfe kommen. Aber 
wenn er vor seinem schonen Schneefenster mit den Eisblumen in seiner 
Stube steht wie der Ochse am Sonntag, wenn er die ganze Woche Gras 
gefressen hat, wie es unsere Wissenschaft tut, ja, dann steht er auch mit der 
Wissenschaft so vor dem Menschenkopf; dann kann er ja nichts machen, 
weil er nichts dariiber weiB. Alle diese Dinge zeigen Ihnen, wie man durch 
eine wirkliche Erkenntnis des Menschen die Wissenschaft vertiefen muB. 
Das geht dann naturlich bis in die Erziehungskunst hinein, weil man 
erst wissen muB: Wenn man dem Menschen meinetwillen selbst die Buch- 
staben beibringt, so ist das eine so starke Mondentatigkeit, daB es, wenn es 
zu stark gemacht wird, wenn es unrichtig gemacht wird, ganz austilgt die 
Kristallisationskraft des Atherkopfes. Der Mensch kann, es ist wirklich 
so, durch vieles Lernen noch dummer werden, wenn er namlich nicht in 
der richtigen Weise lernt. Es ist schon so. Aber damit man das einsieht, 
werden wir das nachste Mai noch etwas zu besprechen haben. Es ist notig, 
dies alles zu wissen. 



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VIERTER VORTRAG 
Dornach, 20. Oktober 1923 



1st vielleicht noch etwas auf Ihrer Seele, was gefragt sein wollte? 

Fragesteller: Wir haben nur vom Sauerstoff und Stickstoff gehort. Es existiert aber noch 
der Wasserstoff. Konnte man dariiber etwas horen? 

Dr. Steiner: Nun, ich habe den Wasserstoff schon etwas erwahnt. 
Wollen wir also von Ihrer Frage ausgehen. Der Mensch jedes Lebensalters 
tragt in sich als den Hauptstoff, die Hauptsubstanz, das EiweiB. Er ging ja 
hervor aus EiweiB. Aus EiweiB ist hauptsachlich die Muttermilch gebil- 
det. Der Mensch tragt in sich das EiweiB. Dieses EiweiB hat in sich verar- 
beitet im wesentlichen fiinf Stoffe: Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff, 
Sauerstoff und Schwefel. Diese Stoffe haben Sie auBer den anderen, die 
sonst noch im Korper vorhanden sind, und das sind ziemlich viele, in sich, 
und diese Stoffe sind schon im urspriinglichen EiweiB, aus dem heraus der 
Mensch sich bildet. 

Nun habe ich Ihnen gesagt: Der Kohlenstoff wirkt j a fortwahrend in 
uns; zu Kohlenstoff werden die Speisen, die wir essen. - Wir atmen nun 
den Sauerstoff ein und auch etwas Stickstoff. Der Kohlenstoff verbindet 
sich mit Sauerstoff zu der Kohlensaure. Kohlensaure, sagte ich Ihnen, ist 
in diesen Perlen vorhanden, die im Selterswasser sind, auch in dem natiir- 
lichen saurehaltigen Wasser. Diese Kohlensaure ist aber auch in uns, und 
sie ist dadurch wichtig, daB sie fortwahrend durch die Atmung nach dem 
Kopf kommt. Und hatten wir nicht diese Kohlensaure in dem Kopf, so 
wiirden wir nicht helle Kopfe sein-und das sind wir ja alle. Das wiirden wir 
nicht sein, wenn wir nicht die Kohlensaure in den Kopf hinein kriegten; 
nicht in einer so groBen Menge wie zum Beispiel im kohlensauren Wasser, 
aber in einer ganz geringen Menge miissen wir fortwahrend unseren Kopf 
durch die Kohlensaure auffrischen. Nun sagte ich Ihnen aber schon neu- 
lich : Wenn wir dumm sind, dann riihrt das davon her, daB der Kohlenstoff 
nicht genug Sauerstoff in unseren Kopf hineintragt, daB also da nicht 
geniigend Sauerstoff hineinkommt, sondern daB der Kohlenstoff sich mit 
dem Wasserstoff verbindet. Kohlensaure hat etwas Erfrischendes; aber 



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wenn der Kohlenstoff sich mit dem Wasserstoff verbindet, ja dann, meine 
Herren, dann ist das so, daB das Sumpfgas entsteht, das Gas, das man 
namentlich findet in Hdhlen, in Kellern und so weiter, wo Dinge verwe- 
sen; da bildet sich das Sumpfgas. Das ist kein erfrischendes Gas; das ist ein 
Gas, das totet, das lahmt. Und wenn in unserem Korper solch eine Unre- 
gelmaBigkeit ist, daB der Kohlenstoff sich mit dem Wasserstoff verbindet, 
dann entsteht das Sumpfgas, und das geht in den Kopf hinein. Wenn wir 
also einen solchen «Kellerkopf» kriegen, dann werden wir dumm. So daB 
es schon sehr wichtig ist, ob wir geniigend Kohlensaure oder zuviel 
Sumpfgas hinaufkriegen, also Wasserstoff; denn etwas Sumpfgas brau- 
chen wir ja immer, sonst wiirden wir zu gescheit als Menschen, und wenn 
wir zu gescheit wiirden, dann wiirden wir schlechte Verdauung kriegen. 
Gerade durch solche Mischungsverhaltnisse stellt sich das Leben in der 
richtigen Weise ein. Aber der Wasserstoff, der im Kopf eigentlich unrich- 
tig ist, wenn er zuviel vorhanden ist, der da im Sumpfgas eine recht unan- 
genehme Rolle spielt, dieser Wasserstoff ist iiberall im Weltenall verbreitet 
- iiberall. Man kann ja heute durch die sogenannte Spektralanalyse fest- 
stellen, welche Stoffe im Weltenall wirken. Wo immer man ins Welten- 
all hinaus das Spektroskop hinlenkt, iiberall bekommt man eine solche 
Farbung drinnen, daB man daraus schlieBen kann: da wirkt iiberall der 
Wasserstoff. Uberall ist der Wasserstoff. 

Dieser Wasserstoff nun, der ist wiederum fur ganz gewisse Dinge 
auBerordentlich wichtig. Ich sagte Ihnen, er wirkt im Kopfe schadlich, 
wenn er zuviel vorhanden ist. Also in den Kopf hineingebracht, verhin- 
dert der Wasserstoff, daB der Mensch sein Denken entwickelt. Der 
Mensch kann dadurch denken, daB er nicht zuviel Wasserstoff im Kopfe 
hat. 

Betrachten wir jetzt aber einmal das andere Ende vom Denken. Das 
andere Ende - was ist denn das? Ja, das andere Ende vom Denken, das ist 
die Fortpflanzung, die Erzeugung von neuen Lebewesen. Das ist das 
andere Ende. Sozusagen wie sich der Nordpol zum Siidpol verhalt, so 
verhalt sich zum Denken die Fortpflanzung. 

Nun konnen wir bei Lebewesen etwas ganz Interessantes betrachten. 
Bei Lebewesen kommt es vor, daB sie die ganze Art ihrer Fortpflanzung 
andern, wenn bei ihnen der Wasserstoff eine andere Rolle spielt als sonst, 



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als im gewohnlichen. Es gibt gewisse Schlangen; diese Schlangen legen 
Eier und aus den Eiern schliipfen wieder neue Schlangen aus. Was ge- 
schieht denn da eigentlich, wenn da eine Schlange ein Ei legt und aus dem 
Ei wiederum eine andere Schlange ausschlupft? Da muB das Ei irgend- 
wohin gelegt werden - das tut auch die Schlange, der Instinkt des Tieres 
wirkt da sehr richtig -, wo es die notige Warme haben kann. DaB das Ei 
dazu, daB ein Tier aus ihm ausschlupfen kann, Warme braucht, das se- 
hen Sie ja beim Vogelei. Das Vogelei wird gelegt; aber es wiirde nicht 
zum Ausschlupfen eines neuen Vogels kommen, wenn nicht der alte 
Vogel sich daraufsetzen und es bebriiten wiirde. Diese Warme, die aus 
dem alten Vogel ausstromt, die ist notwendig, damit aus dem Ei ein 
neuer Vogel auskriecht. Also braucht das Ei nicht bloB das, was es in 
sich hat, sondern braucht auch die aus dem ganzen Weltenall kommende 
Warme. Es geniigt eben nicht, daB einfach ein Ei abgelegt wird, sondern 
es braucht die aus dem ganzen Weltenall kommende Warme, in dieser 
Warme, da ist die Kraft enthalten, die das neue Wesen aus dem Ei heraus- 
treibt. So auch bei den Schlangen. Die Eier werden abgelegt. Durch die 
Wirkung der Sonnenwarme wird das Lebendige der neuen Schlange her- 
ausgeholt aus dem Ei. 

Die Geschichte, die ich Ihnen jetzt erzahlt habe, die geschieht bei ge- 
wissen Schlangen, aber nur, wenn sie ganz regelmaBig leben. Es ist nicht 
bei alien Schlangen, sondern nur bei einer gewissen Gattung Schlangen der 
Fall, was ich Ihnen erzahle. Wenn solch eine Schlange eine ganz anstan- 
dige Schlange ist, dann legt sie ihre Eier, und aus diesen kriechen, wenn sie 
bebriitet werden, eben neue Schlangen heraus. Was heiBt denn das, die 
Schlange ist eine anstandige Schlange? Nun, beim Menschen heiBt das ja 
sehr viel, wenn man sagt, er ist ein anstandiger Mensch; aber bei der 
Schlange ist das etwas weniger. Die Schlange braucht vor allem zu ihrer 
Anstandigkeit recht vieles, was fur den Menschen manchmal schon recht 
schwierig ist: ein neues Kleid, das heiBt, eine neue Haut. Also eine 
Schlange ist wirklich nur eine anstandige Schlange, wenn sie jedes Jahr 
sich hautet, die alte Haut abwirft und eine neue Haut an ihrer Korperober- 
flache erwachst. Also die Schlange darf nicht in den alten Lumpen herum- 
gehen wie im letzten Jahr, sondern muB in jedem Jahr eine neue Haut 
haben. Wir konnen also unterscheiden zwischen anstandigen und unan- 



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standigen Schlangen. Solche unanstandigen Schlangen sind diejenigen, die 
in den alten Kleiderlumpen vom vorigen Jahr herumgehen. 

Nun werden Sie sagen: Gibt es denn das eigentlich? Das macht die 
Natur, daB die Schlange ein neues Kleid kriegt? Uns ware es ja sehr ange- 
nehm, wenn die Natur uns auch ein neues Kleid geben wiirde. - Aber der 
Mensch ist ein viel wertvolleres Wesen als die Schlange. Daher hat man 
ihm die Freiheit gelassen, sich ein neues Kleid zu geben. ... (Liicke.) 
Man kann solche Schlangen einsperren, und wenn man sie nun einsperrt 
und ihnen das Wasser in der gehorigen Menge entzieht, ihnen nicht 
genug Feuchtigkeit zukommen laBt, da tritt das Eigentiimliche ein, daB 
die Schlange plotzlich unanstandig wird: sie behalt ihr altes Kleid! Und 
so kann man das auf kiinstliche Weise erzeugen - die Natur tut uns nicht 
den Gefallen -, daB gewisse Schlangen unanstandige Schlangen werden, 
die die alten Kleider vom vorigen Jahr behalten. 

Ja, aber, meine Herren, das ist nicht das einzige, daB die Schlange dann 
ihr altes, verschossenes Kleid anhat; sondern wenn man solche Schlangen 
dann dazu bringt, sich zu begatten, wenn man sie zur Fortpflanzung 
bringt, dann legen sie keine Eier, sondern bringen lebendige kleine 
Schlangen zur Welt! Also solche Schlangen, denen man die Moglichkeit 
entzieht, so viel Wasser zu haben, daB sie sich hauten konnen, die man 
also zwingt, unanstandige Schlangen zu werden, ihre alten verschossenen 
Kleider zu tragen - das ist die Ursache davon -, diese Schlangen fangen 
jetzt an, lebende Junge zu gebaren, also richtige kleine Schlangen, statt 
daB sie Eier ablegen. 

Sehen Sie, das ist doch eine hochst auffallige Geschichte; denn was ist 
da eigentlich geschehen? Wir haben der Schlange das Wasser entzogen. 
Das Wasser enthalt vorzugsweise Wasserstoff; es enthalt Sauerstoff, aber 
vorzugsweise Wasserstoff, denn das Wasser besteht aus Sauerstoff und 
Wasserstoff. Ja, meine Herren, wenn wir der Schlange das Wasser entzie- 
hen, entziehen wir ihr fur die Fortpflanzung gleichzeitig dadurch, daB wir 
ihr die Moglichkeit entziehen, sich eine neue Haut zu bilden, die Mog- 
lichkeit, drinnen eine Eischale zu bilden. Das Tier kann das Harte nicht 
mehr bilden, wenn es nicht den Wasserstoff hat. Es kann nicht das Harte 
in sich bilden, es kann keine Eischale nach innen bilden und nach auBen 
keine Haut. Und die Folge davon ist, daB das Kleine der Schlange ohne 



70 



Schale auskriechen muB. Die Schlange muB ihre eigene Warme dazu 
verwenden, die kleine Schlange zunachst zu pflegen. 

Das ist auBerordentlich wichtig, daB man das von einem solchen 
Schlangengetier weiB. Denn jetzt weiB man: So schadlich es am einen 
Ende beim Lebewesen ist, beim Kopf, wenn man ihm den Sauerstoff ent- 
zieht, so schadlich ist es fur die Fortpfianzung, wenn man ihr den Wasser- 
stoff entzieht. Und jetzt sehen wir, warum in der ganzen Welt, iiberall wo 
wir hinschauen - wir konnen nach jeder Richtung schauen -, Wasserstoff 
vorhanden ist. Warum ist in der ganzen Welt Wasserstoff da? Ja, meine 
Herren, in der ganzen Welt ist Wasserstoff vorhanden aus dem Grande, 
weil die Welt sofort vernichtet werden miiBte, wenn es keinen Wasserstoff 
gabe. In allem, wo Fortpfianzung ist, muB auch der Wasserstoff wirken. 
Nun wird die Welt fortwahrend zerstort. Sie sehen, die Welt geht iiberall 
fortwahrend ins Tote iiber. Die Gesteine werden abgerieben, alles wird 
iiberall zerstaubt. Die lebenden Wesen verfaulen, alle moglichen Ga- 
rangsprozesse, die auch Verfaulungsprozesse sind, entstehen in der Welt. 
Wir leben ja eigentlich dadurch, daB fortwahrend in uns etwas gart. Und 
nur dadurch, daB etwas gart, dadurch kann dann das Hohere entstehen. 
So ist es ja sogar beim Wein der Fall; wenn der Traubensaft nicht garen 
wiirde, also das Verwesende nach auBen entsenden wiirde, konnte sich 
nicht aus dem Traubensaft der Wein erheben, der fur viele etwas so Begeh- 
renswertes ist, Belebendes hat. So ist es iiberhaupt in der ganzen Welt. 
Dasjenige, was macht, daB sich aus dem Verwesenden dasjenige erhebt, 
was Leben macht, ja, das ist eben der Wasserstoff. 

Aber nun konnen Sie da eine Einwendung machen. Sie konnen sagen: 
Aber du sagst uns jetzt, der Wasserstoff, der ist dasjenige, was belebt. Im 
Sumpfgas aber ist gerade der Wasserstoff drinnen, und da belebt er nicht, 
da ertotet er. - Ja, warum ? Sehen Sie, meine Herren, wenn sich der Wasser- 
stoff in der Finsternis bildet, und das ist beim Grubengas oder Sumpfgas 
der Fall, da wirkt er schadlich, wenn er vom Licht abgesperrt sich entwik- 
kelt, wie ja auch in unseren Gehirnen. Wenn aber der Wasserstoff am 
Licht sich entwickelt, so wie er in der ganzen Welt im Licht ausgebreitet 
ist, da ist er das Belebende; da raft er aus dem Verwesenden, aus dem 
Garenden eben das neue Leben hervor. Denn der Wasserstoff, wie er 
alluberall ist, der ist im Grande genommen dasselbe, was wir an unseren 



71 



Streichholzern haben, wenn wir sie anziinden: Phosphor. GewiB, in der 
Chemie ist der Wasserstoff ein ganz anderer Stoff als der Phosphor; aber 
nur weil die Chemie nicht so weit gehen kann, den Phosphor umzuwan- 
deln in den Wasserstoff! Aber eben, wenn die Chemie weitergehen konn- 
te, als sie heute ist, wiirde sie den Phosphor in Wasserstoff umwandeln 
konnen. So daB wir sagen konnen: Was ist denn der Wasserstoff, der 
iiberall in der Welt ausgebreitet ist? - Der Wasserstoff, der im Umkreis der 
Welt ausgebreitet ist, das ist der Weltenphosphor. Wo wir hinblicken, 
iiberall, iiberall, da ist Phosphor. Und damit habe ich Ihnen beschrieben, 
was da iiberall im Weltenumkreise ist: Phosphor. So daB wir jetzt wirklich 
etwas ungeheuer Bedeutungsvolles kennengelernt haben: Wir haben den 
Wasserstoff kennengelernt in seiner groBartig bedeutungsvollen Wirkung 
im Weltenall. 

Jetzt wollen wir einmal die Sache von der anderen Seite ansehen. Ich 
habe Ihnen gesagt: Die Kohlensaure steht am anderen Ende. - Nun, meine 
Herren, wollen wir uns das einmal ganz genau anschauen, was ich Ihnen 
gesagt habe. Denken Sie sich, da ware die Erde (es wird gezeichnet), rings 
herum ware iiberall Wasserstoff, das heiBt eigentlich Phosphor. Also 
iiberall im Weltenall um die Erde herum haben wir Wasserstoff, das heifit 
also eigentlich Phosphor-eigentlich iiberall kleine brennende Feuer. Nun 
schauen wir uns aber die Erde selber an. Gehen wir vom Weltenall zur 
Erde. Da finden Sie iiberall dasjenige, was man Kalk nennt. Aber es ist 
nicht nur der Kalk vorhanden, sondern es ist auch iiberall im Boden etwas 
von einem Stoff vorhanden, den Sie sehr gut kennen. Geradeso wie ich 
Ihnen jetzt gezeigt habe, daB da iiberall der Wasserstoff, das heiBt der 
Phosphor, um unsere Erde ausgebreitet ist - denn es ist da iiberall der 
Phosphor ausgebreitet — , so ist dasjenige da, was wir uns jetzt einmal ganz 
gut anschauen konnen. 

Sie wissen ja, wenn Ihre Frauen oder sonst jemand waschen will, da tut 
man ins Waschwasser dasjenige hinein, was man Soda nennt. Sie kennen 
das. Sie wissen vielleicht auch, daB man denselben Stoff, die Soda - er 
schaut eben salzartig aus, ist auch ein Salz-, in der verschiedensten Weise 
sonst noch verwendet. Wenn Sie zum Beispiel in eine Seifenfabrik gehen, 
so wissen Sie, daB als wichtigster Rohstoff Soda verwendet wird; zum 
Beispiel bei der Glasfabrikation, zu der Verarbeitung bei den Glasfenstern 



72 



ist sie einer der wichtigsten Rohstoffe; wenn man Wasche hat, so wissen 
Sie, daB man in das Wasser Soda hineingibt. Ebenso bleicht man die 
Wasche, wenn man sie mit Soda behandelt; sie wird heller, sie wird mehr 
dem Licht verwandt durch die Soda. Nun gibt es noch viele andere Sa- 
chen, wo man die Soda verwendet. Sie wiirden zum Beispiel, wenn Sie in 
Fabriken kommen, wo man Farben herstellt, iiberall finden, daB man da 
Soda braucht. Namentlich zu den blauen Farben braucht man, wenn man 
sie herstellen will, Soda. Berliner Blau kann nur hergestellt werden da- 
durch, daB man Soda verwendet. Dann gibt es einen Stoff, den man ja auch 
dem menschlichen Korper zufuhrt, und der so, wie er in der Natur ge- 
deiht, dem menschlichen Korper viel schadlicher ware, wenn man ihn, 
ohne daB man ihn erst in irgendeiner Weise behandelt, dem menschlichen 
Korper beibringen wiirde: das ist der Tabak. Der Tabak muB zuerst ge- 
beizt werden. Da miissen ihm gewisse Dinge genommen werden, die 
sonst den menschlichen Korper zu stark angreifen wiirden. Tabak wird 
wiederum mit Soda gebeizt. Sie sehen also, diese Soda, die Sie kennen als 
Zusatz zum Waschwasser, hat eigentlich in der Industrie in der ganzen 
Welt eine groBe Bedeutung. Sie hat aber auch in der ganzen Weltindustrie, 
in der sogenannten kosmetischen Industrie, eine groBe Bedeutung. Die 
Soda ist eigentlich iiberall vorhanden, nur in geringen Mengen. 

Nun, meine Herren, was ist denn dieses merkwurdige Wesen, die 
Soda, eigentlich? Da gibt es ein weiBes, silberglanzendes Metall, das nennt 
man das Natrium, und wenn sich dieses Natrium verbindet mit Kohlen- 
saure - jetzt haben wir wieder Kohlensaure, die wir in unserem Kopf 
haben -, dann entsteht daraus die Soda. Also Natrium und Kohlensaure, 
die bilden zusammen die Soda. Das Natrium, dieses Metall - es ist ein 
Eigentumliches: man sagt das Natrium, es ist also sachlich, nicht ein Herr 
oder eine Dame -, das ist ein merkwiirdiges Kind in der Natur; das be- 
wahrt die Kohlensaure auf, tragt sie an sich. Uberall, wo Soda ist in der 
Natur, da wird die Kohlensaure aufbewahrt und ist so salzartig, wie es 
eben in der Soda ist. Da ist die Kohlensaure drinnen verborgen, aufbe- 
wahrt. 

Nun habe ich Ihnen da in diesem gelben Umkreis (Zeichnung S. 74) 
den Weltenphosphor dargestellt im Wasserstoff; die Soda muB ich Ihnen 
nun als einen weiBlichen Umkreis in der Erde selber darstellen. Naturlich 



73 




ist sie nicht uberall, aber sie ist in kleinen Quantitaten fast iiber die ganze 
Erde verbreitet, diese Soda. Geradeso wie wir sie verwenden konnen in 
der Industrie zu allem moglichen, zum Bleichen der Wasche, zu der Glas- 
fabrikation und so weiter, so verwendet die Natur diese Soda in einem 
hochgradigen MaB. Wollen wir aber einmal darauf kommen, was dann die 
Natur mit dieser Soda anfangen kann. Die Natur ist wirklich noch ge- 
scheiter als der Mensch. Der Mensch kommt sich furchtbar gescheit vor, 
wenn er sagen kann: Ich gewinne die Soda, mache mir daraus Glas, Seife, 
Farben. Ich beize mir meinen Tabak, ich bleiche, wasche mir meine 
Wasche mit der Soda - all das habe ich erfunden, sagt sich der Mensch, ich 
bin furchtbar gescheit. - Ja, aber die Natur ist noch viel gescheiter! Das ist 
eben dasjenige, was man sich immer sagen muB: Die Natur ist noch viel, 
viel gescheiter. Denken Sie einmal nach, was da eigentlich uberall ist, 
wenn wir die Soda verwenden. Fangen wir einmal bei der Seifenfabrika- 
tion an. Mit der Seife machen wir uns rein, sonst wiirden wir fortwahrend 
wie Kohlenbrenner ausschauen. Also die Seife befordert die Reinlichkeit; 
aber sie befordert sie nur dadurch, daB Soda drinnen ist. Fur die Glasfa- 
brikation braucht man Soda. Das Glas ist durchsichtig rein. Damit man 
das Glas durchsichtig rein kriegt, braucht man die Soda. Weiter: Wir 
waschen Wasche mit Soda. Wir waschen sie, wir machen sie rein, daB sie 



74 



glanzt wie das Licht. Wir verwenden die Soda zum Bleichen. Bleichen 
heiBt hell machen. Uberall verwenden wir die Soda, wo irgendwie Licht 
entstehen soli, Licht wirksam werden soli aus der Dunkelheit heraus. 
Nun, Sie wissen ja, daB am Licht die Farben entstehen. Das habe ich Ihnen 
in der verschiedensten Weise gesagt. Die Soda nun brauchen wir in Far- 
benfabriken. Und es ist kurios, uberall, wo die Soda verwendet wird, muB 
etwas Licht entstehen. Beim Beizen des Tabaks: Der Mensch braucht 
Licht zum Leben; wenn er bloB den dunklen Tabak bekame, so hatte er 
keine Anregung, sondern etwas Zerstorendes. Die Soda ist uberall da, wo 
sie das Natrium, die Kohlensaure aufbewahrt hat und die Kohlensaure 
losgibt, damit wir irgend etwas von Licht hineinbringen konnen in die 
Welt. Das tut die Natur noch in einem viel, viel groBeren MaBe; sie ist 
eben viel gescheiter als der Mensch. Der Mensch tapst nur so herum und 
ist nach und nach darauf gekommen, daB man die Soda in der Welt ver- 
wenden kann. Aber die Natur nun ist so, daB sie die Soda in einer hochst 
merkwurdigen Weise verwendet. Sie hat sie uberall da, wo ich Ihnen das 
WeiBe gezeichnet habe. Und da ist es nun so, daB uberall, wo die Soda, das 
heiBt kohlensaures Natrium mit dem umliegenden Phosphor der Welt in 
Beriihrung kommt, wiederum neues Lebendiges entsteht. Sonst wiirde 
alles immer tot werden. So daB aus der Zusammenwirkung von Soda der 
Erde und Wasserstoff, das heiBt Phosphor des Weltenalls, eigentlich alles 
sich fortwahrend neu bildet. 

Jetzt haben Sie aber eine groBartige Bedeutung vom Wasserstoff. DaB 
der Wasserstoff uberall ist, das ist hochst niitzlich im Weltenall; aber es ist 
nur niitzlich, wenn zu gleicher Zeit in der Erde Soda vorhanden ist. Denn 
durch dieses Zusammenwirken wird der Tod von allem verhindert. Der 
Wasserstoff, das heiBt Phosphor, wirkt immer zusammen mit der Soda, 
und der Tod wird dadurch verhindert. Es entsteht immerfort neues Le- 
ben. Sonst wiirden wir nur Totenluft atmen konnen und alle auch sterben. 
Ja, gibt es denn etwas, was uns das noch mehr beweisen konnte? Wir sa- 
gen, alles Leben entsteht eigentlich aus dem Zusammenfinden, aus dem 
richtigen Zusammenwirken von Wasserstoff, das heiBt Phosphor und von 
Soda, also kohlensaurem Natrium. Da kommt man nun auf etwas ganz 
Bedeutsames. Sie wissen ja, der Mensch selbst entsteht als physischer 
Mensch durch das Zusammenkommen des weiblichen Eikeimes, der im 



75 



wesentlichen aus EiweiB besteht, und der mannlichen Samenfliissigkeit. 
Wir wollen uns einmal fragen, woraus denn hauptsachlich diese mannliche 
Samenfliissigkeit besteht. Sehen Sie, diese mannliche Samenfliissigkeit 
besteht nun wiederum aus Soda, die drinnen ist, und aus Weltenphos- 
phor, Wasserstoff. Wenn man also in die Welt hinausschaut, dann ent- 
steht alles Leben durch den Wasserstoff und durch die Soda. Wenn man 
auf die kleine Erzeugung schaut, dann entsteht das neue Leben auf Erden 
durch das, was im mannlichen Samen an Soda und Phosphor drinnen ist. 
Beide Stoffe konnen Sie im mannlichen Samen drinnen finden. Ein bifi- 
chen gewissermaBen von dem, was da in der Welt wirkt, nimmt der 
Mensch heraus, etwas Soda von der Erde, etwas Phosphor, Wasserstoff, 
aus dem Weltenall, und bildet daraus den mannlichen Samen, der die Zeu- 
gung bewirkt. So daB man im Kleinsten, namlich bei der Zeugung, und im 
GroBten drauBen iiberall sehen kann, was der Wasserstoff auf der einen 
Seite und die Kohlensaure mit dem Natrium, die Soda, zusammen auf der 
andern Seite fur eine Rolle spielen. Sie sehen, meine Herren, die Natur 
verwendet die Soda in einer noch viel weisheitsvolleren Weise als der 
Mensch. Denn wir haben ja gesehen, die Soda muB iiberall da sein, wo 
Licht wirkt, wo Licht entsteht, wo Licht gebildet wird. Wenn man den 
Wasserstoff im Dunklen verwendet, entsteht Sumpfgas; da totet er. Wenn 
man aber den Wasserstoff mit Licht behandelt, dann totet er nicht, dann 
erzeugt er. Nun, die Natur behandelt den Wasserstoff, den Phosphor, mit 
Soda. Sie tut also im groBen MaBe das, was wir beim Bleichen, beim 
Waschen tun: sie bringt dem Wasserstoff Licht, und es entsteht dadurch 
das Lebendige. Es ist ja wirklich erstaunlich, wenn man da hinausschaut in 
die Welt und sieht, wie iiberall durch den durchleuchteten Wasserstoff die 
neue Wesenheit entsteht aus der alten, die sonst ersterben wiirde; und 
wenn man dann hineinschaut in das kleinste Entstehende, und findet das- 
selbe - da entsteht eigentlich erst durch eine solche Betrachtung eine wirk- 
liche Wissenschaft! 

Nun kommen wir zuriick zu unserem Schlangenbeispiel. Wenn wir die 
Schlangen einfach ihrer Natur iiberlassen - diese Gattung Schlangen, von 
der ich gesprochen habe -, ja, dann ist in dem Wasser, das die Schlange 
aufnimmt, um sich ein neues Hautkleid zu bilden, diese Soda drinnen. 
Und das Junge bekommt durch das aufgenommene Wasser seine Haut, so 



76 



wie die alte Schlange ihre Haut bekommen hat, die harte Haut, die ja nicht 
allein aus Soda gebildet ist, aber zu der die Sodakraft notwendig ist. Also 
nicht so sehr die Aufnahme des Wassers ist wichtig, sondern die Auf- 
nahme der iiberall im Wasser enthaltenen Soda. So daB diese Soda, die die 
Schlange mit dem Wasser aufnimmt, erst der Schlange ein neues Kleid 
anzieht. Die Schlange kann gewissermaBen Substanzen nach auBen bil- 
den, sie bekommt ein neues Kleid, und auBerdem kann sie bei der Fort- 
pflanzung nach innen die hartere Eischale bilden - sie ist nicht ganz hart, 
sie ist noch etwas weich. ... (Liicke.) Der Mensch kann, wenn er Wein 
trinkt, unanstandig werden. Wenn man der Schlange Wasser entzieht, 
kann sie unanstandig werden. Es ist also verschieden in der Natur. Wenn 
die Schlange keine Soda bekommt, dann bildet sie keine Eischale, dann 
muB das Junge entstehen ohne Eischale, muB in der Schlange selbst bebrii- 
tet werden, geht als lebendiges Junges heraus. Das ist etwas hochst Merk- 
wiirdiges. Nehmen Sie an, eine lebendige Schlange kriecht aus der alten 
Schlange aus; dann ist in der Schlange das vor sich gegangen, was die 
Wirkung des Wasserstoffs oder Phosphors auf die Soda ist. Das ist in der 
Schlange geschehen. Da muBte die Schlange ihre alte Soda verwenden, die 
sie noch im Leibe hatte; die muBte sie opfern, um das Junge entstehen zu 
lassen. Daher kann man, wenn man die Geschichte langere Zeit fortsetzt, 
die Schlangen veranlassen, unanstandig zu werden; und wenn sie einmal 
oder zweimal lebendige Junge geboren haben, dann werden sie unfrucht- 
bar, dann gebaren sie nicht mehr, weil sie all die Soda aus ihrem Leibe 
nehmen miissen. Die erschopft sich dann, wenn man ihnen nicht im Was- 
ser die darin aufgeloste neue Soda zuflieBen laBt. 

Wie ist es aber, wenn die Schlangen anstandig bleiben, ihr altes Kleid 
ablegen? Nun, da wird das Ei abgelegt, und das, was sonst die kleine le- 
bendige Schlange aus der im Leibe aufgespeicherten alten Soda entnimmt, 
aus dem Phosphor, dem Wasserstoff, das nimmt sie jetzt aus dem Welten- 
all. Und Sie konnen sehen: entsteht in einer solchen Schlange ein leben- 
diges Tier, so wird innerlich Soda und Wasserstoff, Phosphor, zusam- 
mengefugt; entsteht ein Ei, so wird auBerlich aus dem Weltenall Wasser- 
stoff oder Phosphor mit Soda zusammengefugt. Da haben Sie es an diesem 
Getier fortwahrend vor Augen, daB in der groBen Welt dasselbe ge- 
schieht, was im Inneren des Menschen geschieht bei der Fortpflanzung. 



77 



Die ganze Welt ist Fortpflanzung. Derm bei dieser Schlange, die, wenn 
man ihr das Wasser entzieht zum Hauten, dann lebendige Junge gebiert, 
sehen wir, daB, wenn sie einmal gebiert, sie dasjenige beniitzt, was im 
Inneren des Leibes ist - den inneren Wasserstoff, Phosphor und die in- 
nere Soda. Und wenn sie Eier legt, beniitzt sie den auBeren Wasserstoff, 
Phosphor, und die auBere Soda. Das ist der starkste Beweis, wenn man 
so etwas betrachtet, daB die Natur um uns herum nicht etwas Totes ist, 
sondern etwas geradeso Lebendiges wie wir selbst. Auf solche Beweise 
muB man eben hinschauen. Man muB nicht bloB gedankenlos anschauen, 
was da hochst Merkwiirdiges entsteht, wenn solch eine Schlange, die sich 
nicht hauten kann durch den Wasserentzug, also hauptsachlich durch 
den Sodaentzug, wenn die anfangt plotzlich lebendige Junge zu gebaren, 
man muB nicht bloB gedankenlos auf so etwas hinschauen, sondern es in 
Zusammenhang bringen mit den Kraften des ganzen Weltenalls. Es ist 
schon etwas hochst Bedeutendes. 

Nun, nicht wahr, der Mensch legt keine Eier, aus denen neue Men- 
schen entstehen, sondern der Mensch muB als lebendiges Junges geboren 
werden; schon die hoheren Tiere miissen als lebendige Junge geboren 
werden. Worauf beruht denn also eigentlich diese hohere Entwickelung? 
Sehen Sie, diese hohere Entwickelung beruht darauf, daB das, was drau- 
Ben in der Welt enthalten ist, in die Wesen, in die hoheren Tiere und in den 
Menschen innerlich hineingeht, daB der Mensch die Krafte der Welt in 
sich aufnimmt. Was drauBen ist, ist bei den hoheren Wesen auch drinnen. 

Aber bei dem ganz niederen Getier, wie ist es denn da? Ja, sehen Sie, 
meine Herren, das ist ja der ewige Streit in der Wissenschaft, wie die aller- 
ersten Lebewesen entstanden sind. Da reden die Menschen von Generatio 
aequivoca; durch Urzeugung, sagt man. Ja, aber dann sagen sich die Ge- 
lehrten wiederum: Es miissen einmal erste Lebewesen entstanden sein. - 
Aber wenn die Gelehrten jetzt nachdenken, aus welchen Stoffen diese 
ersten Lebewesen entstanden sind, dann sind gar keine Stoffe da. Aber das 
liegt nicht an der Natur, das liegt nur daran, daB diese Gelehrten die Stoffe 
nicht kennen. Namlich sie wissen nicht, was der Wasserstoff wirklich ist, 
den man iiberall findet: daB das ein Phosphor ist, dasselbe, was im mannli- 
chen Samen noch enthalten ist und gerade dem mannlichen Samen den 
eigentiimlichen Geruch, der phosphorhaltig ist, gibt. Wenn man den 



78 



mannlichen Samen mit gewissen Pflanzen zusammenbringt, wirkt es 
gerade so, wie wenn man Soda mit gewissen Pflanzen in Zusammenhang 
bringt, bleichend und dergleichen. Das alles ist in alten alchimistischen 
Lehren enthalten, die heute natiirlich nicht wieder heraufkommen sollen; 
denn wir wollen nicht das Alte. Das alles ist untersucht worden. Und 
heute kann man es durch wirkliche anthroposophische Wissenschaft 
wieder kennenlernen. Und dasjenige, was beim mannlichen Samen Soda, 
Phosphor oder Wasserstoff voraussetzt, das kann sich in der groBen 
Natur drauBen entwickeln. So daB man sich jetzt nicht zu fragen braucht: 
Wie sind die ersten Lebewesen vorher entstanden? - Als die Erde noch 
nicht die hoheren Lebewesen hatte, da entstanden eben die niederen 
Lebewesen durch das Zusammenwirken von Phosphor mit Soda der Erde. 
Und dann haben wir die Urzeugung, die Generatio aequivoca. 

Sie sehen also, man braucht die Dinge nur bis zu ihrem Ende zu studie- 
ren, dann losen sich gewisse sogenannte Weltratsel, die sich sonst nicht 
losen. Natiirlich, wenn einer fragt: Wie kommen Kohlenstoff, Sauerstoff, 
Wasserstoff, Stickstoff so zusammen, daB ein lebendes Wesen entsteht? - 
so kann er nicht mit der heutigen Chemie kommen, denn die zeigt ihm 
nicht, daB, wenn auf der einen Seite Phosphor wirkt, auf der andern Seite 
Soda, Kohlensaure mit Natrium, dann sich dieses lebendige Lebewesen 
bildet. Das ist eben das, daB man natiirlich nicht auf diese feine Geschichte 
mit den groben Instrumenten, die unsere Laboratorien haben, eingehen 
kann. Aber man muB solche Erscheinungen richtig ansehen. Wenn man 
also eine Schlange hat, die einfach ihre Eier legt und aus dem Ei erst die 
lebendigen Schlangen hervorgehen, dann wirkt darinnen noch die groBe 
Natur, der Phosphor und die Soda aus der groBen Natur. Wenn man die 
Schlange abschlieBt von der groBen Natur, wenn man sie so in eine Umge- 
bung bringt, daB sie zuwenig Wasser hat, um sich zu hauten und um Ei- 
schalen zu erzeugen in dem Inneren, dann wirkt sie als kleine Natur, als 
dasjenige, was sie noch aus der groBen Natur herausgenommen hat und als 
Erbschaft in sich tragt; dann wirkt sie in einer gewissen Beziehung als ein 
hoheres Wesen. 

Sehen Sie, darin besteht zum Beispiel die Fortentwickelung des Men- 
schen in der Welt, daB er sich in einer gewissen Weise von der Natur ab- 
schlieBt. Die Menschheit schlieBt sich ab; vor allem durch die Kultur 



79 



schlieBt sie sich ab. Und der Fortschritt wiirde nicht entstehen, wenn 
nicht in einer gewissen Weise der Mensch sich abschlieBen wiirde. Denn 
in gewisser Beziehung wird die Schlange ein hoheres Wesen, wenn sie 
durch Wasserentziehen lernt, lebendige Junge hervorzubringen. Die 
ganze Entwickelung der Menschheit beruht darauf, daB die Menschen 
sich immer mehr und mehr von der Natur abgeschlossen haben und jetzt 
nicht bloB lebendige Nachkommen gebaren, sondern daB sie auch alle 
anderen Krafte im AbschluB von der Natur entwickeln und dadurch alles 
das aus dem Menschen herauskommt, was fruher aus der Natur heraus 
gekommen ist. 

Ja, meine Herren, es kommt nach und nach aus dem Menschen heraus, 
was fruher aus der Natur heraus gekommen ist. Dafur kann ich Ihnen 
verschiedene Beispiele geben. Ich will Ihnen nur eines erwahnen: Wir 
schreiben heute auf Papier. Dieses Papier ist noch gar nicht so alt. Sie wis- 
sen, daB man fruher auf ganz andere Dinge hat schreiben miissen. Und 
das heutige Papier ist ja im wesentlichen aus den Lumpen von Leinen 
gemacht. Daher hat man es, wie es aufgekommen ist, in derselben Zeit wie 
das SchieBpulver, Leinenlumpenpapier genannt. Der Mensch ist also 
verhaltnismaBig recht spat dazu gekommen, aus seiner Weisheit heraus 
die Papiermasse zu erzeugen. Aber in der Natur gibt es etwas, was als 
Papiermasse seit langer, langer Zeit vorhanden ist: das ist namlich das, 
woraus die Wespe ihr Nest macht! Das ist richtige Papiermasse. Man 
brauchte das Wespennest nur ein klein wenig weiterzubehandeln und zu 
bleichen, so wiirde man Papiermasse daraus haben. Die Wespen sind tat- 
sachlich die feinsten Papiererzeuger der Natur. So daB man sagen kann: 
Vor Jahrtausenden und Jahrtausenden haben die kleinen, winzigen Wes- 
pen die Papierfabrikation entdeckt! - Da ist die Papierfabrikation drauBen 
in der groBen Natur vor sich gegangen. Spater hat es der Mensch aus sich 
heraus getan. Da haben Sie mit der Papierfabrikation ungefahr denselben 
Vorgang, den Sie bei den Schlangen haben mit lebenden Jungen; schlieBen 
Sie die Schlange dadurch ab von der AuBenwelt, daB Sie ihr das Wasser 
entziehen, dann gebiert sie lebende Junge, erscheint auf einer etwas hohe- 
ren Stufe der Generation. SchlieBen Sie den Menschen immer mehr und 
mehr ab, indem Sie seine Kultur erzeugen, dann erzeugt er Papier, das 
fruher die Natur erzeugte, so wie die Schlange lebendige Junge aus sich 



80 



heraus erzeugt. Aus der Natur heraus erzeugten die Wespen vor Jahrtau- 
senden und Jahrtausenden Papier; aus seinem Inneren heraus erzeugt der 
Mensch mit seinem Verstand Papier. Ja, der Verstand ist geradeso ins 
Innere gegangen, wie bei der Schlange die Kraft, lebendige Junge zu er- 
zeugen, ins Innere gegangen ist. 

Und so ist es nun auch im menschlichen Samen. Da findet man Soda, 
wie wir gesagt haben, und diesen Wasserstoff, Phosphor. Wenn wir die 
N erven untersuchten, die vom Gehirn ausgehen, dann sind wiederum die 
wichtigsten Stoffe in diesen Nerven Soda und Phosphor. Nur daB sie 
anders miteinander verbunden sind, als dieser Same es ist, daB sie gewis- 
sermaBen miteinander verhartet sind. Es ist ja gar nicht wunderbar, daB 
aus dem Menschen heraus auch so etwas entsteht, was also Gedanken 
sind. Indem der Mensch aufgenommen hat, was sonst nur im Samen liegt, 
verarbeitet er im Nervensystem Soda und Phosphor. So wie drauBen in 
der Welt iiberall Phosphor und Wasserstoff enthalten ist, so ist Soda und 
Phosphor in dieser menschlichen Hirnkugel drinnen. Aber jetzt konnen 
Sie auch sehen, warum wir die Kohlensaure im Kopf drinnen brauchen. 
Die Soda wird namlich fortwahrend umgesetzt. Die Kohlensaure trennt 
sich vom Natrium, und wir wiirden zuletzt einen harten Schadel kriegen 
vom Natrium - das ist ein silberglanzendes Metall -, wenn nicht fortwah- 
rend die Kohlensaure hineinprickelte und die Soda in uns erzeugen wiirde. 
Also in das Natrium nehmen wir die Kohlensaure auf, damit in unserem 
Kopf die Soda richtig verteilt ist. Und aus dem, was iiberall um uns herum 
ist, nehmen wir durch die Haare, durch die Haut Phosphor auf, Wasser- 
stoff. Man muB nur nicht den Wasserstoff im Sumpfgas zuviel von innen 
heraufkommen lassen, sondern von auBen. Dieser menschliche Kopf ist 
wirklich eine Art Ei; geradeso wie das Ei, das gelegt ist, also aus der Erde 
die Soda aufnimmt und aus der Luft den Wasserstoff, so nimmt der 
menschliche Kopf von unten herauf aus seiner Erde die Soda, und von 
auBen herein kriegt er den Wasserstoff, den Phosphor, wenn er ihn nicht 
auch von innen kriegen kann. Dann wirken die zusammen und erzeugen 
im Inneren einen Stoff, der Vermittler der Gedanken sein kann, das heiBt, 
der Gedanken erzeugt. 

So bekommt man das heraus, wie der Mensch in den Naturerscheinun- 
gen drinnensteht. Nur muB man die Naturerscheinungen am richtigen 



81 



Ort betrachten. Wenn der Gelehrte seinen Schlangen das Wasser entzieht 
und nun anglotzt, wie die lebende Junge kriegen, statt Eier zu legen, dann 
bekommt er gar nichts heraus. Aber wenn er weiB, was er da eigentlich 
hereingetragen hat in sein Laboratorium, dann kriegt er die Geheimnisse 
der Welt heraus. 

Davon dann am nachsten Mittwoch weiter. 



82 



FUNFTER VORTRAG 
Dornach, 24. Oktober 1923 



Guten Morgen, meine Herren! Hat jemand eine Frage zu stellen? 

Fragesteller: Vor einigen Vortragen war gesprochen worden vom groBen Weltenkosmos; 
ich mochte fragen wegen Kometen mit einem groBen Schwanz. Was hat das fur eine Bedeu- 
tung? 

Dr. Steiner: Nun, sehen Sie, meine Herren, da miissen wir uns an das 
erinnern, was ich gerade in der letzten Zeit gesagt habe. Ich will einiges 
von dem wiederholen, was wir vor einigen Vortragen gesagt haben. 

Wenn wir den Menschen betrachten, so miissen wir sagen: Es ist fur 
sein ganzes Leben, namentlich auch fur seine geistige Entwickelung zweier- 
lei notwendig. Erstens, daB Kohlensaure nach dem Kopfe hinauf geht. 
Der Mensch sondert ja fortwahrend Kohlenstoff in sich aus. Eigentlich 
kann man sagen: Der Mensch, insofern er ein fester Korper ist, ist aus 
Kohlenstoff aufgebaut. Also der Mensch sondert fortwahrend Kohlen- 
stoff aus sich aus. Nun, dieser Kohlenstoff, der wiirde ja zuletzt so werden 
in uns, daB wir alle schwarze Saulen wiirden. Wir wiirden schwarze Sau- 
len werden, wenn dieser Kohlenstoff sich erhalten wiirde. Wir brauchen 
ihn zum Leben, aber wir miissen ihn fortwahrend wieder umwandeln, daB 
er etwas anderes wird. Das geschieht durch den Sauerstoff. Nun, zuletzt 
atmen wir den Sauerstoff mit dem Kohlenstoff als Kohlensaure aus. In 
unserer Ausatmungsluft ist Kohlensaure. Aber diese Kohlensaure brau- 
chen Sie. Man findet sie auch, wenn man zum Beispiel Selterswasser hat, 
und innen in den Perlen ist Kohlensaure darinnen. Diese Kohlensaure, die 
nicht ausgeatmet wird, die geht fortwahrend nach dem menschlichen 
Kopf hinauf, und die brauchen wir, damit wir nicht dumm sind, damit wir 
denken konnen; sonst wiirde Sumpfgas, das aus Kohlenstoff und Wasser- 
stoff besteht, nach dem menschlichen Kopf hinaufgehen. Zum Denken 
also brauchen wir Kohlensaure. 

Nun habe ich ja auch schon angedeutet, was wir zum Willen, zum 
Wollen brauchen. Also fangen wir beim Gehen an, beim Handebewegen, 
beim Armbewegen - da beginnt ja eigentlich dieses Wollen: da miissen wir 



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eine Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff immer bilden und immer 
wieder auflosen. Aber dieses Zyan oder die Zyansaure, die muB fortwah- 
rend sozusagen in unsere Glieder fahren. Sie verbindet sich in den Glie- 
dern dann mit Kalium. Es entsteht Zyankalium, das aber auch gleich 
wieder aufgelost wird. Damit wir iiberhaupt leben konnen, muB fortwah- 
rend Vergiftung in uns sein und wiederum Entgiftung, Auflosung. Das ist 
das Geheimnis des menschlichen Lebens: Kohlensaure auf der einen Seite, 
Zyankali, das mit dem Kalium verbunden wird, auf der anderen Seite. Mit 
jeder Bewegung, mit jedem Finger bildet sich etwas Zyansaure, und die 
Sache ist dann so, daB wir die Sache gleich wieder auflosen, indem wir die 
Finger bewegen. Also das mufi im Menschen auch da sein. 

Alles aber, was beim Menschen da sein muB, das muB auch im Welten- 
all drauBen da sein, muB im Weltenall drauBen irgendwie vorhanden 
sein. Es ist nun so, daB die Kometen immer wiederum untersucht worden 
sind. Und gerade mit den Kometen hat sich eine Art, mochte ich sagen, 
kleine Geschichte abgespielt in der anthroposophischen Bewegung. Ich 
habe einmal in Paris Vortrage gehalten und rein aus der inneren Erkennt- 
nis heraus gesagt, daB in den Kometen etwas Zyansaure vorhanden sein 
muB, daB also Zyansaure in den Kometen vorhanden ist. Bis dahin hatte 
man in der Wissenschaft noch nicht darauf aufmerksam gemacht, daB in 
den Kometen Zyansaure vorhanden ist. Dann aber ist kurz darauf ein 
Komet gekommen. Es war eben der, von dem Sie reden. Und gerade an 
diesem Kometen hat man mit den vollkommeneren Instrumenten, die 
man ja friiher nicht hatte, entdeckt, daB nun wirklich in dem Kometen, 
dem Kometenstoff Zyansaure drinnen ist! So daB man also darauf hinwei- 
sen kann, wenn die Leute immer fragen: Hat denn Anthroposophie irgend 
etwas vorausgesagt? -Ja, diese Entdeckung des Zyan in den Kometen, die 
ist zum Beispiel ganz offenbar vorausgesagt gewesen. Es ist bei vielem 
auch noch so gegangen; aber da, beim Kometen, war es eben ganz offen- 
bar. Nun, es ist eben heute eigentlich kein Zweifel selbst bei der auBeren 
Wissenschaft, daB in der Kometenatmosphare, in der Kometenluft - der 
Komet ist ja eigentlich aus sehr feinem Stoff gebildet, ist ja eigentlich nur 
Ather, nur Luft - Zyansaure drinnen ist. 

Ja, was heiBt das, meine Herren? Das heiBt, dasselbe, was wir fortwah- 
rend in unseren Gliedern bilden miissen, das ist drauBen in der Kometen- 



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atmosphare auch drinnen. Jetzt denken Sie sich, wie oft ich gesagt habe 
hier, daB das Ei gebildet wird aus dem ganzen Weltenall herein - also auch 
Menschen, Tier und Pflanze, indem sie aus dem Ei gebildet werden, wer- 
den sie aus dem ganzen Weltenall heraus gebildet. Ich mochte Ihnen das 
am Menschen selber erklaren, damit Sie ganz genau einsehen, was diese 
Kometen eigentlich fur eine Bedeutung im ganzen Weltenall haben. 

Gehen wir da - manchem kann es sonderbar erscheinen, aber Sie wer- 
den sehen, daB das, was Sie haben wollen, am besten dadurch erklart wird-, 
gehen wir einmal von etwas Geschichtlichem aus. Da gab es ja, Jahr- 
hunderte bevor das Christentum begriindet wurde, ein altes Volk im heu- 
tigen Griechenland, die Griechen. Die alten Griechen haben so viel fur das 
geistige Leben geleistet, daB heute noch immer unsere Gymnasiasten 
Griechisch lernen miissen, weil man der Ansicht ist, daB man dadurch ein 
ganz besonders gescheiter Mensch wird, wenn man heute noch Griechisch 
lernt. Nun, die Griechen haben wirklich auBerordentlich viel fur das gei- 
stige Leben geleistet. Man lernt heute nicht Indisch, nicht Agyptisch, 
sondern Griechisch. Damit wollen die Leute zum Ausdruck bringen, daB 
die Griechen fur das geistige Leben besonders viel geleistet haben. In der 
einfachen Tatsache, daB wir mit unseren Gymnasiasten das Griechische 
pflegen, zeigt sich das. Die Griechen selbst haben nur Griechisch mit 
ihren Kindern getrieben, trotzdem sie fur das geistige Leben so viel gelei- 
stet haben. 

Nun gab es hauptsachlich zwei Volksstamme in Griechenland, die von 
besonderer Bedeutung waren, die aber sehr verschieden voneinander 
waren: der eine, das waren die Bewohner von Sparta, der andere die von 
Athen. Sparta und Athen, das waren die zwei bedeutendsten Stadte in 
Griechenland. Dazu kamen noch ein paar andere, die auch bedeutend 
waren, aber nicht so bedeutend wie Sparta und Athen. Die Bewohner 
dieser zwei Stadte waren also sehr verschieden voneinander. Ich will heute 
von den anderen Verschiedenheiten absehen, aber verschieden waren sie 
schon dadurch, daB sie sich im Reden ganz anders verhielten. Die Sparta- 
ner saBen immer ruhig beieinander und redeten wenig. Sie liebten das 
Reden nicht. Aber wenn sie etwas redeten, da wollten sie, daB das, was sie 
redeten, eine gewisse Bedeutung habe; das sollte Macht haben iiber den 
Menschen. Weil aber der Mensch schlieBlich nicht immer, wenn er plap- 



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pert, etwas Bedeutendes sagen kann, so schwiegen sie, wenn sie nichts 
Bedeutendes zu reden hatten, und redeten immer in kurzen Satzen. Diese 
kurzen Satze waren im ganzen Altertum beriihmt. Man redete von den 
kurzen Satzen des spartanischen Volkes, und es waren diejenigen, die 
beriihmt wurden, oftmals ungeheure Weisheitsspriiche. 

Bei den Athenern war es schon nicht so. Die Athener liebten eine 
schone Rede; sie liebten es, wenn man schon redete. Die Spartaner: kurz, 
gemessen, ruhig in ihrer Rede. Die Athener, die wollten recht schon re- 
den. Redekunst lernten sie, indem sie schon redeten. Die plapperten eben 
schon mehr; nicht so viel wie wir heute, aber sie plapperten doch schon 
mehr als die Spartaner. 

Worauf beruhte denn der Unterschied zwischen dem vielredenden 
Athener und dem weniger, aber bedeutsam und machtig redenden Sparta- 
ner? Der beruhte auf der Erziehung. Die Erziehungskunst wird heute 
natiirlich wenig studiert. Aber es beruhte das, was ich sage, auf der Erzie- 
hung. Die spartanischen Knaben namentlich wurden ganz anders erzogen 
als die athenischen. Die spartanischen Knaben muBten viel mehr Gymna- 
stik treiben: Tanz, Ringspiele, alle moglichen gymnastischen Kiinste. Und 
die Redekunst, die eigentliche Zungengymnastik, die wurde bei den Spar- 
tanern gar nicht geiibt. Das Reden lieBen sie ganz von selber kommen. 

Alles dasjenige, was in der Sprache liegt, das bildet sich namlich aus 
durch die iibrige Bewegung des menschlichen Korpers. Sie konnen es 
richtig beobachten: Wenn ein Mensch langsame, gemessene Bewegungen 
hat, die richtig gymnastisch sind, dann redet er auch ordentlich. Nament- 
lich wenn ein Mensch mit Schritten geht, die ordentlich sind, dann redet er 
auch ordentlich. Es kommt natiirlich auf das kindliche Alter an. Wenn ein 
Mensch im Alter das Podagra kriegt, so macht es nichts mehr; da hat er 
schon das Reden gelernt. Es kommt auf die Zeit an, wo man reden lernt. 
Aber die Spartaner legten alien Wert darauf, daB viel, viel Gymnastik 
geiibt wurde, und sie unterstiitzten diese Gymnastik noch dadurch, daB sie 
die Korper der Kinder mit 01 einrieben und mit Sand bestrichen; dann 
lieBen sie sie Gymnastik machen. Die Athener trieben zwar auch Gymna- 
stik - in ganz Griechenland trieb man Gymnastik, aber eben schon viel 
weniger -, und sie lieBen die alteren Knaben Zungengymnastik, Rede- 
kunst treiben. Das taten die Spartaner nicht. 



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Nun, das hat aber eine ganz bestimmte Folge. Wissen Sie, wenn so 
diese kleinen spartanischen Buben mit ihrem geolten und mit Sand gerie- 
benen Korper ihre Gymnastik trieben, dann muBten sie sehr viel innere 
Warme entwickeln - viel, viel innere Warme entwickeln. Und wenn die 
Athener ihre Gymnastik trieben, dann war das etwas ganz besonderes bei 
den Athenern. Wenn solch ein Tag gewesen ware wie heute und die Buben 
hatten bei den Spartanern nicht wollen drauBen im Freien ihre Gymnastik 
treiben, nun, da ware es zugegangen! Da hatten die Gymnasien, die Er- 
zieher, diese Buben ordentlich behandelt! Wenn die Athener einen sol- 
chen Tag hatten wie heute, so sturmisch, da versammelten sie ihre Buben 
mehr im Inneren der Raume und lieBen sie die Redekunst treiben. Sie rie- 
fen sie aber hinaus, wenn die Sonne ganz wunderbar schien, wenn alles 
funkelte. Da muBten die athenischen Buben drauBen ihre gymnastischen 
Ubungen machen. Denn bei den Athenern wurde etwas anders gedacht 
als bei den Spartanern. Bei den Spartanern war gedacht worden: Alles, 
was die Buben an Bewegungen ausfiihren, miissen sie vom innern Korper 
aus ausfiihren; da mag es drauBen sturmen und hageln und wettern und 
winden, das ist ganz gleichgultig. Man sagte sich: Das muB vom Men- 
schen selber kommen. 

Der Athener sagte anders. Der sagte: Wir leben von der Sonne, und 
wenn die Sonne uns aufweckt zur Bewegung, dann wollen wir uns bewe- 
gen; wenn die Sonne nicht da ist, wollen wir uns nicht bewegen. - So sagte 
der Athener, und deshalb wurde bei den Athenern auf die auBere Sonnen- 
warme gesehen. Bei den Spartanern wurde auf die innere Sonnenwarme, 
auf die Sonnenwarme, die der Mensch schon verarbeitet hat, gesehen, und 
bei dem Athener auf die auBere Sonne, die schon auf die Haut scheint - die 
Haut nicht mit Sand eingerieben, wenigstens nicht so viel wie bei den 
Spartanern, sondern da sollte die Sonne die Haut bearbeiten. Das war der 
Unterschied. Und wenn heute in den Schulbiichern von dem Unterschied 
zwischen Athenern und Spartanern steht, dann kriegt man eigentlich nur 
die Vorstellung, daB da irgend etwas Wunderbares gewesen sein muB, 
warum just die Spartaner stille, nur gemessen redende, auBerdem stark 
abgehartete Menschen waren, und warum die Athener die Schonrede- 
kunst ausgeiibt haben, die dann bei den Romern ihre weitere Ausbildung 
gefunden hat. Die Leute konnen heute nicht Geschichte und Naturwis- 



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senschaft zugleich treiben. Die Geschichte redet fur sich, und die Na- 
turwissenschaft redet fur sich. Aber wenn ich Ihnen sage: Die Spartaner 
haben ihre Buben mit 61 und Sand eingerieben und sie dann bei jedem 
Wetter ihre spartanischen Kiinste machen lassen, und die Athener, die 
haben ihre Buben nicht so viel mit Sand und 61 eingerieben und sonst ihre 
Redekunst im Inneren der Palastren getrieben -, dann wissen Sie, wie von 
Naturtatsachen aus dieser Unterschied der ja einander benachbarten Spar- 
taner und Athener eigentlich bewirkt worden ist. 

Also sagen wir, wenn wir da (es wird gezeichnet) die Erde haben und 
hier die Sonne: Wenn auf die Sonne gesehen wird, wie sie scheint, und da 
der Athener ist, dann entsteht eben der Athener; und wenn nicht so sehr 
auf die Sonne gesehen wird, sondern auf dasjenige, was die Sonne schon 
im Menschen gemacht hat, und auf die mehr innere Warme gesehen wird, 
dann entsteht daraus der Spartaner. Sehen Sie, da bildet man Geschichte 
und Naturgeschichte zusammen. So ist es. 

Nun konnen wir also sagen: Wenn der Mensch darauf sieht, daB er in 
seinem Inneren viel Warme entwickelt, dann wird seine Sprache kurz und 
gemessen. - Warum? Weil er sich mit seinem ganzen Verstand mehr an das 
Weltenall wendet. Wenn aber der Mensch sich von der Sonne bescheinen 
laBt wie der Athener, dann wendet er sich weniger an das Weltenall mit 
seinem Verstand; dann wendet er sich gerade mit dem Verstand mehr 
nach innen, mit der Warme nach auBen; der Spartaner: mit der Warme 
nach innen, mit dem Verstand nach auBen. Und vom Verstand hat der 
Spartaner die Sprache des Weltenalls gelernt; die ist weise, die ist in ihm 
ausgebildet worden. Der Athener hat nicht die Sprache des Weltenalls 
gelernt, sondern nur die Bewegung des Weltenalls, weil er sich in der 
Sonnenwarme der Gymnastik iiberlassen hat. 

Wenn wir heute noch das, was von den Spartanern geblieben ist, an- 
schauen, so sagen wir uns: Oh, diese Spartaner haben die Weisheit der 
Welt wiedergegeben in ihren kurzen Satzen. - Die Athener haben ange- 
fangen, schon mehr das, was der Mensch innerlich an Verstand hat, in 
ihren schonen Satzwendungen von sich zu geben. Dasjenige, was die 
Spartaner in ihrer Sprache gehabt haben, das ist zum groBen Teil der 
Menschheit verlorengegangen, das ist in Griechenland mit den Spartanern 
verschwunden. Mit der Sprache des Weltenalls kann der Mensch heute 



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nicht mehr leben. Aber das, was die Athener angefangen haben zu treiben: 
schongewundene Satze - es ist besonders dann in Rom mit der Schonred- 
nerei groB geworden. Und die Romer haben wenigstens noch schon gere- 
det. Auch im Mittelalter hat man noch gelernt, schon zu reden. Heute 
reden die Menschen aber furchtbare Satze. Man braucht nur einmal im 
einzelnen das anzuschauen - nun, man konnte jede andere Stadt nehmen, 
aber in Wien sind zum Beispiel schon seit Wochen die Wahlen: Ja, schon 
geredet wird da nicht, aber furchtbar, eine ganze Sintflut von Reden, aber 
nicht schon! Und das ist dasjenige, was nach und nach aus dem geworden 
ist, was bei den Athenern noch, allerdings in Schonheit, gepflegt worden 
ist. Das kommt aus dem Menschen heraus. Das Weltenall, wahrhaftig, das 
macht keine Wahlreden - aber der Mensch macht sie! Die Spartaner haben 
nicht Wahlreden gehalten; die Spartaner haben in ihren kurzen Satzen 
ausgedriickt, wie das Weltenall redet. Sie haben nach den Sternen hinauf- 
gesehen und haben gedacht: Der Mensch, der rennt so in der Welt herum 
und ist ein «Gschaftlhuber». Der Stern, der bewegt sich langsam, so daB er 
nicht bald langsam, bald schnell, sondern immer gleichmaBig dahingeht. 
Dann ist das Sprichwort entstanden, das geblieben ist fiir alle Zeiten: Eile 
mit Weile - und so weiter. Der Stern kommt doch an sein Ziel! Und so 
haben gerade die Spartaner sehr viel von dem gelernt, was drauBen im 
Weltenall ist. 

Und jetzt konnen wir iibergehen zu etwas, was ich auch schon bei 
Ihnen hier bemerkt habe, wir konnen iibergehen von der Warme zum 
Licht. Uber die Warme mochte ich nur noch das Folgende sagen. Beden- 
ken Sie, wenn ein Mensch notwendig hat, recht viel Warme zu entwik- 
keln, dann miiBte er ein starker Mensch werden. Und wenn ein Mensch 
Gelegenheit hat, recht viel an der Sonne zu sein, miiBte er gerade dadurch 
ein recht viel redender Mensch werden. Nun brauchen Sie nur ein biBchen 
die Geographie anzuschauen: Gehen Sie nach Italien, wo die Menschen 
mehr der Sonne ausgesetzt sind, so werden Sie sehen, was das fiir ein ge- 
schwatziges Volk ist! Und gehen Sie nach dem Norden, wo die Menschen 
mehr der Kalte ausgesetzt sind: Ja, da konnen Sie manchmal in Verzweif- 
lung kommen - die Leute reden nicht, weil, wenn man immer innere 
Warme entwickeln muB, das den inneren Antrieb zu reden vertreibt. 
Schon bei uns hier wirkt es fast komisch, wenn manchmal ein Mensch aus 



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dem Norden kommt; er stellt sich hin zum Reden - ja, dann steht er, redet 
aber noch nichts. Nicht wahr, wenn so ein italienischer Agitator auf die 
Tribune tritt, der redet schon, bevor er drauf ist, der redet schon drunten. 
Dann gent es weiter, dann sprudelt das nur so! Wenn ein nordischer 
Mensch, der viel Warme entwickeln muB, weil keine auBere Warme da ist, 
sprechen soil: so ein nordischer Mensch, der stellt sich hin - man kommt 
zur Verzeiflung, denn er fangt gar nicht an; er will etwas sagen, aber er 
fangt gar nicht an. Das ist schon so: Innere Warme vertreibt die Begierde 
zum Reden, auBere Warme facht die Begierde zum Reden an. Naturlich 
kann man das alles dann durch Kunst umbilden. Die Spartaner haben das 
nicht getrieben durch das AuBere, sondern durch ihren eigenen Rassen- 
charakter, haben eben-trotzdem sie Nachbarn mit den Athenern waren-, 
weil sie sich viel vermischt haben mit vom Norden kommenden Men- 
schen, diese Rederuhe entwickelt. Unter den Athenern waren zum Bei- 
spiel sehr viele, die aus heiBen Gegenden sich rassenhaft gemischt haben 
unter die Athener; dadurch haben sie den RedefluB entwickelt. Also da 
sehen wir es, wie selbst der rednerische Mensch zusammenhangt mit 
Sonne und mit Warme. Jetzt gehen wir zum Licht. 

Da brauchen wir uns nur an etwas zu erinnern, was ich Ihnen schon 
gesagt habe. Denken Sie einmal an ein Saugetier. Ein Saugetier entwickelt 
innerlich den Keim zum neuen Saugetier. Der Keim wird innerlich von 
dem Muttertier getragen; alles geht innerlich vor sich. Nehmen wir dage- 
gen den Schmetterling. Ich habe Ihnen gesagt: Der Schmetterling legt das 
Ei, aus dem Ei kriecht die Raupe aus, die Raupe verpuppt sich zum Ko- 
kon, und aus dem Kokon treibt das Sonnenlicht den Schmetterling aus, 
der vielfarbig ist. Sehen Sie sich dagegen das Saugetier an (es wird gezeich- 
net), dieses Saugetier entwickelt in seinem Uterus ganz versteckt das neue 
Tier. Da haben wir wiederum zwei Gegensatze, wunderbare Gegensatze. 
Schauen Sie sich an: Da ist das Ei unbedeckt. Wenn die Raupe auskriecht, 
kommt schon das Licht. Die Raupe, sagte ich Ihnen, geht zum Licht, 
spinnt ihren Kokon, die Hulle, daB sie zur Puppe wird, nach dem Licht, 
und das Licht ruft wiederum den Schmetterling hervor. Und das Licht 
ruht nicht und rastet nicht, gibt dem Schmetterling seine Farben. Die 
Farben sind durch das Licht hervorgerufen; das Licht behandelt den 
Schmetterling. 



90 



Nehmen Sie dagegen die Kuh, den Hund. Ja, das kleine Junge, das 
da drinnen ist im miitterlichen Uterus, in der Gebarmutter, das kann 
nicht das auBere Licht haben, ist dem AuBeren gegeniiber ganz in der 
Finsternis eingeschlossen. Also das muB sich da drinnen entwickeln, in 
der Finsternis. 

Aber nichts, was lebt, kann sich in der Finsternis entwickeln. Das ist 
einfach Unsinn, wenn man glaubt, daB sich etwas in der Finsternis ent- 
wickeln kann. Doch wie ist denn das eigentlich hier mit der Geschichte? 
Ich will Ihnen einen Vergleich sag en. Man kann j a hoffen, daB man, wenn 
die Erde einmal sehr arm wird an Kohle, direkte Sonnenwarme durch 
irgendeine Umwandlung wird zum Heizen beniitzen konnen; aber heute 
geht das eben noch nicht, daB man die Sonnenwarme unmittelbar zum 
Heizen beniitzt. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern, so wird 
man darauf kommen, wie man es machen kann; aber heute beniitzen wir 
zum Beispiel die Kohle. Ja, meine Herren, die Kohlen sind auch nichts 
anderes als Sonnenwarme, nur Sonnenwarme, die vor vielen, vielen Tau- 
senden von Jahren zur Erde hergestromt ist, im Holz sich verfangen hat 
und aufbewahrt wurde als Kohle. Heizen wir, so bringen wir aus der 
Kohle die vor Jahrtausenden und Jahrtausenden in der Erde angesam- 
melte Sonnenwarme wieder heraus. 

Glauben Sie nicht, daB nur die Kohle sich gegeniiber der Sonne so 
verhalt, wie ich eben geschildert habe! So wie ich es eben beschrieben 
habe, verhalten sich auch andere Wesen zur Sonne, namlich alle lebenden 
Wesen. Wenn Sie nun ein Saugetier anschauen, dann miissen Sie sagen: 
Jedes kleine junge Tier hat ein Muttertier, dieses wieder ein Muttertier 
und so weiter. Die haben immer Sonnenwarme aufgenommen; die ist 
noch drinnen im Tier selber, die wird vererbt. Und gerade so wie wir die 
Sonnenwarme aus der Kohle herausbringen, so nimmt das kleine Kind in 
der miitterlichen Gebarmutter das Sonnenlicht, das dort aufgespeichert 
ist, jetzt aus dem Inneren. — Jetzt haben Sie den Unterschied von dem, was 
im Hund oder in der Kuh entsteht, und dem, was im Schmetterling ent- 
steht. Der Schmetterling geht gleich mit seinem Ei in das auBere Sonnen- 
licht, laBt es ganz von dem iiuBeren Sonnenlicht bearbeiten, bis es der 
bunte Schmetterling wird. Der Hund oder die Kuh sind innerlich ebenso 
bunt, aber man sieht es nicht. Wie man in der Kohle noch nicht die Son- 



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nenwarme wahrnimmt - man muB sie erst herauslocken -, so muB man 
mit der hoheren Anschauung aus Hund und Kuh erst herauslocken, was 
da drinnen an aufgespeichertem Licht ist. Da drinnen ist aufgespeichertes 
Licht! Der Schmetterling ist von auBen bunt; da hat das Sonnenlicht von 
auBen gearbeitet. Ja, beim Hund oder bei der Kuh ist innerlich, mochte 
ich sagen, unsichtbares Licht iiberall drinnen. 

Was ich Ihnen da beschrieben habe, das konnten die Menschen heute 
schon mit unseren vollkommenen Apparaten einfach feststellen, in ihren 
Laboratorien nachweisen, wenn sie wollten. Es sollten die Menschen nur 
einmal ein Laboratorium machen, ganz fmster, total fmster, und dann 
sollten sie in diesem Laboratorium vergleichen ein eben gelegtes Ei und 
einen Kuh- oder Hundekeim in seinem friihen Zustande, dann wiirde man 
sehen, daB da durch die Abblendung, die im fmstern Zimmer entstehen 
kann, sich dieser Unterschied, den ich beschreibe, durchaus zeigt. Und 
wenn man nun, was man auch nicht mit Augen sieht - die Augen sind 
dafur nicht empfindlich -, photographieren wiirde, wiirde man namlich 
beweisen konnen, daB das Schmetterlingsei das Spektrum gelb und das 
Hunde- und Kuhei das Spektrum blau hat in der Photographie. Diese 
Dinge, die man geistig sehen kann - man braucht nicht, wenn man sie gei- 
stig sehen kann, das AuBere -, die werden schon mit den vollkommenen 
Instrumenten noch bewiesen werden. 

Nun konnen wir also sagen: Der Schmetterling wird im auBeren Son- 
nenlicht gebildet, die Kuh oder der Hund wird an dem Sonnenlicht gebil- 
det, das innerlich aufgespeichert ist. - So haben wir den Unterschied 
kennengelernt zwischen der Warme, die auBerlich wirkt, die den Men- 
schen geschwatzig macht, dem Licht, das auBerlich wirkt, das die vielen 
Farben beim Schmetterling hervorruft, und der Warme im Inneren, die 
den Menschen stumm, gemessen macht - dem Licht im Inneren bei einem 
Wesen, welches lebende Junge zur Welt bringt, die innerlich das Licht 
empfangen miissen. Und nun konnen wir von da aus iibergehen zu dem, 
was Gegenstand unserer Frage ist. 

Es gibt nun eben auch Dinge, die der Mensch braucht in seinem Inne- 
ren, die er aber in seinem Inneren nicht im UbermaB entwickeln darf, weil 
er sonst daran sterben wiirde. Und zu dem gehort das Zyan, die Blausaure. 
Wenn der Mensch iiber das biBchen Zyankali hinaus, das da in ihm ist, 



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fortwahrend den ganzen Tag Zyankali bilden wurde - nun, das wiirde 
nicht gehen, das ware zuviel. Der Mensch bildet in sich zwar etwas Zyan- 
kali, aber sehr wenig. Aber er braucht auch von auBen etwas; er nimmt es 
auf mit dem, was er einatmet. Es ist ja auch nicht viel, mehr aber braucht 
der Mensch nicht. 

Nun, meine Herren, dieses Zyankali ist in der gewohnlichen Luft nicht 
da. Wiirden nicht von Zeit zu Zeit Kometen erscheinen, so gabe es das 
Zyankali nicht in der Luft. Kometen und dann diese Meteore, Stern- 
schnuppen, die namentlich, wie Sie wissen, im Hochsommer so zahlreich 
die Luft durchsausen, die bringen dieses Zyankali herunter. Und der 
Mensch nimmt daraus eigentlich seine Kraft. Daher muB man schon die 
Menschen, welche kraftlos geworden sind in ihren Muskeln, in solche 
Luft schicken, die nicht nur frisch geworden ist von der Erde aus, sondern 
frisch geworden ist vom ganzen Weltenall aus, die meteorische Einflusse 
erfahren hat. Und das ist so, daB man zum Beispiel Leute, die an dem lei- 
den, was man friiher die Auszehrung genannt hat, die kraftlos werden in 
ihren Muskeln und bei denen diese Kraftlosigkeit insbesondere gegen den 
Friihling zu ganz besonders auftritt, im Herbst in diese vom Weltenall 
frisch gewordene Luft schickt. Im Friihling kann man gar nichts machen; 
daher sterben solche Leute im Friihling am allerleichtesten. Man muB 
vorsorgen, denn man kann fur solche Leute eigentlich erst im Herbst 
etwas machen. Wenn im Sommer die meteorischen Krafte mit den kleinen 
Mengen Zyankali, die da hereinkommen aus dem Weltenall, ihr Zyankali 
ablagern, muBten diese Leute dann, wenn der August zu Ende geht und 
der Herbst kommt, mit ihren kraftlosen Gliedern nun in solche Gegenden 
kommen, wo der Sommer sein Bestes abgelagert hat, namlich Zyankali. 
Dann werden die Glieder wieder kraftvoll. Bei Menschen also, bei denen 
man bemerkt, fur die wird das nachste Jahr etwas sehr Schlimmes werden, 
denn sie werden kraftlos, da sollte man eigentlich, weil man im Friihling 
mit den auBeren Dingen nicht viel machen kann, Vorsorgen. Man sollte 
sich sagen: Wenn der Friihling kommt, da gebe ich solchen Menschen, je 
nachdem sie kraftlos geworden sind, den Saft von gewissen Pflanzen, zum 
Beispiel den Saft von Schlehdorn. Wenn man den Schlehdornsaft aufbe- 
wahrt - Sie kennen die herbe, sauerliche Pflanze - und ihn einem solchen 
Menschen, der im Friihling kraftlos wird, in den Mund hineinbringt, dann 



93 



kann man inn halten iiber den Friihling und Sommer hindurch. Warum? 
Ja, sehen Sie, wenn man dem Menschen den Saft von Schlehdorn gibt, 
dann bildet dieser Schlehdornsaft allerlei Salze. Die gehen zum Kopf und 
nehmen die Kohlensaure mit. Da machen wir den Kopf dann geneigt, 
diesen Menschen durch Friihling und Sommer hindurchzubringen. Und 
im Herbst mussen wir ihn dann in eine Gegend bringen, wo er imstande 
ist, das andere zu nehmen, was mehr nach den Gliedern gehen muB. Koh- 
lensaure geht nach dem Kopf; die fugen wir ein nach dem Kopf durch 
Beibringen von Schlehdorn. Haben wir das Gliick, daB wir einen solchen 
Menschen durchgebracht haben durch den Sommer, konnen wir ihn im 
Herbst in eine geeignete Gegend hinbringen - nicht besonders lange, 
zwei, drei Wochen lang sollte er sich aufhalten in einer solchen Luft, von 
der man weiB, daB sie eben meteorische Einflusse erhalten hat -, dann ist 
es so, daB der Mensch dort dadurch, daB man ihn gestarkt hat wahrend 
des Friihlings und Sommers, dann wirklich die Starke seiner Glieder wie- 
derum holt. 

Ja, meine Herren, da haben Sie die zwei Wirkungen unmittelbar ne- 
beneinander. Da haben Sie die Erdenwirkung, die eigentlich eine Mon- 
denwirkung ist, die Erdenwirkung im Schlehdornsaft, und da haben Sie 
die Weltwirkung in dem, was die Kometen, und wenn kein Komet da ist, 
die Sternschnuppen hinterlassen haben - bei denen ist es ebenso, nur 
klein; aber es sind eben viele -, was von dem Weltenall hereinwirkt. Wie 
Sie im Grunde kein Irdisches haben im Schmetterling mit seiner Verwand- 
lung, sondern Licht vom Weltenall, wie Sie in den geschutzten Eiern 
Warme vom Weltenall haben, von der Sonne, so haben Sie auch in sich 
selbst innerlich menschliche Warme, die Sie innerlich in Ihrer Substanz 
entwickeln mussen und die gerade das Entgegengesetzte anregt als die 
aufiere Warme. 

So konnen wir iiberall sehen, wie im Menschen eine Abwechslung ist, 
wie aber auch im ganzen Weltenall eine Abwechslung ist: bald mussen die 
Dinge drauBen vom Weltenall kommen, bald vom Inneren der Erde oder 
des Menschen. Nun werden Sie sagen: Ja, gewisse Dinge sind regelmaBig; 
sie konnen aber allein nicht dasjenige bewirken, was sie bewirken sollen. 
Tag und Nacht wechseln regelmaBig; die bewirken das eine, was von der 
Erde ausgeht. — Nun, die Kometen erscheinen mehr oder weniger unre- 



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gelmaBig; die Sternschnuppen auch. Und das ist audi so. Bei den Stern- 
schnuppen ist eine solche RegelmaBigkeit nicht vorhanden wie beim iibri- 
gen. Wenn ein Astronom eine Sonnenfinsternis beobachten will, dann 
kann er ganz genau den Zeitpunkt finden, wann sie anfangt - das laBt sich 
berechnen -; es gehort zu dem RegelmaBigen, wirkt aber nicht von der 
Sonne aus. Da kann er also vorher erst noch zu einem Souper gehen, und 
er kommt noch immer zur Sonnenfinsternis zurecht. Wenn er das meteo- 
ritische Schwarmen der Sternschnuppen zur rechten Zeit beobachten will, 
muB er die ganze Nacht passen, sonst kann er sie nicht finden. Das ist eben 
der Unterschied zwischen dem, was unregelmaBig vom Weltenall aus auf 
die Erde hereinkommt, und dem, was regelmaBig ist. 

Nun konnen Sie eine interessante Frage aufwerfen. Sie konnen sagen: 
Die Kometen, die also mit dem Zyan zusammenhangen — was mit unserem 
Willen zusammenhangt in unserem Menschen -, diese Kometen, die er- 
scheinen unregelmaBig; bald kommt einer, dann ist er lang wieder nicht 
da. - Es ruft bei den Menschen j a immer auch Anlasse zum Aberglauben 
hervor; gerade dasjenige, was nicht immer erscheint, das macht sie aber- 
glaubisch, wenn es kommt. Im Sonnenauf- und -Untergang haben nur die 
ehemals bereiten Menschengemiiter das Gottliche gesehen; spatere, aber- 
glaubische Gemiiter haben dann iiber die Kometen allerlei Zeug zusam- 
mengetraumt. Sie konnen nun die Frage aufwerfen: Warum ist es mit den 
Kometen nicht auch so, daB, wie zu bestimmten Stunden im Jahr morgens 
die Sonne erscheint, auch ein Komet erscheint? - Nun, wenn das der Fall 
ware, wenn gerade so regelmaBig wie Sonnen- und Mondauf- und -nie- 
dergang der Komet immer regelmaBig mit seinem Schwanz kommen und 
verschwinden konnte, dann hatten wir Menschen keine Freiheit; dann 
ware alles iibrige in uns so regelmaBig, wie Sonnenauf- und -Untergang, 
Mondauf- und -Untergang. Und was in uns zusammenhangt mit dieser 
RegelmaBigkeit im Weltenall, das ist in uns auch Naturnotwendigkeit. 
Wir miissen essen und trinken, auch mit einer RegelmaBig
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