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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE
Vortrage fur die Arbeiter am Goetheanumbau
Band 1 Die Erkenntnis des Menschenwesens nach Leib, Seele und
Geist. Uber friihe Erdzustande
Zehn Vortrage, 2. August bis 30. September 1 922 (Bibl.-Nr. 347)
Band 2 Uber Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geistes-
wissenschaftlichen Sinneslehre
Achtzehn Vortrage, 1 9. Oktober 1 922 bis 1 0. Februar 1 923 (Bibl.-Nr. 348)
Band 3 Vom Leben des Menschen und der Erde. Uber das Wesen
des Christentums
Dreizehn Vortrage, 1 7. Februar bis 9. Mai 1 923 (Bibl.-Nr. 349)
Band 4 Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt
man zum Schauen der geistigen Welt?
Sechzehn Vortrage, 30. Mai bis 22. September 1923 (Bibl.-Nr. 350)
Band 5 Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur -
Uber das Wesen der Bienen
Fiinfzehn Vortrage, 8. Oktober bis 22. Dezember 1 923 (Bibl.-Nr. 351)
Band 6 Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung
Zehn Vortrage, 7. Januar bis 27. Februar 1924 (Bibl.-Nr. 352)
Band 7 Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen
der Kulturvolker
Siebzehn Vortrage, 1. Miirz bis 25. Juni 1924 (Bibl.-Nr. 353)
Band 8 Die Schopfung der Welt und des Menschen. Erdenleben und
Sternenwirken
Vierzehn Vortrage, 30. Juni bis 24. September 1924 (Bibl.-Nr. 354)
RUDOLF STEINER
Mensch und Welt
Das Wirken des Geistes in der Natur
Uber das Wesen der Bienen
Fiinfzehn Vortrage und eine Nachbemerkung
gehalten vor den Arbeitern am Goetheanumbau
in Dornach
vom 8. Oktober bis 22. Dezember 1923
1988
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH SCHWEIZ
Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften
herausgegeben von der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung
Die Herausgabe besorgte Paul Gerhard Bellmann
1. Auflage in dieser Zusammenstellung, Gesamtausgabe Dornach 1965
2. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1966
3. Auflage, neu durchgesehen und mit den Stenogrammen verglichen
Gesamtausgabe Dornach 1978
4. Auflage, teilweise neu durchgesehen
Gesamtausgabe Dornach 1988
Weitere Veroffentlichungen siehe zu Beginn der Hinweise
Bibliographie-Nr. 351
Zeichnungen im Text nach Wandtafelskizzen Rudolf Steiners
ausgefiihrt von Leonore Uhlig
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz
© 1965 by Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz
Printed in Switzerland by Graphische Anstalt Schuler AG, Biel
ISBN 3-7274-3510-0
Zu den Veroffentlichungen
aus dem Vortragswerte, von Rudolf Steiner
Die Grundlage der anthroposophisch orientierten Geisteswissen-
schaft bilden die von Rudolf Steiner (1861 - 1925) geschriebenen und
veroffentlichten Werke. Daneben hielt er in den Jahren 1900 bis
1924 zahlreiche Vortrage und Kurse, sowohl offentlich wie auch fur
die Mitglieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Ge-
sellschaft. Er selbst wollte ursprunglich, daB seine durchwegs frei
gehaltenen Vortrage nicht schriftlich festgehalten wiirden, da sie
als «mimdliche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht
waren. Nachdem aber zunehmend unvollstandige und fehlerhafte
Horernachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich
veranlaBt, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute
er Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Stenogra-
phierenden, die Verwaltung der Nachschriften und die fur die Her-
ausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner aus
Zeitmangel nur in ganz wenigen Fallen die Nachschriften selbst kor-
rigieren konnte, muB gegeniiber alien Vortragsveroffentlichungen
sein Vorbehalt beriicksichtigt werden: «Es wird eben nur hinge-
nommen werden miissen, daB in den von mir nicht nachgesehenen
Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.»
Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaB
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamt-
ausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil
dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere An-
gaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise.
Die besondere Stellung, welche die Vortrage fur die Arbeiter am
Goefheanumbau innerhalb des Vortragswerkes einnehmen, schildert
Marie Steiner in ihrem Geleitwort, welches diesem Band vorange-
stellt ist.
INHALT
Geleitwort von Marie Steiner
MENSCH UND WELT
DAS WIRKEN DES GEISTES IN DER NATUR
ERSTER VORTRAG, Domach, 8. Oktober 1923
Das Wesen der Schmetterlinge
Uberall in der Natur ist Geist. Flugversuche, ausgehend vom Schmet-
terlingsflug. Der Schmetterling kommt auf eine sehr komplizierte
Weise zustande: Ei-, Raupen-, Puppen- und Falterstadium. Das Ei
muB immer Feuchtigkeit haben, in der etwas Salz drinnen ist; die
Raupe lebt fortwahrend im Licht; die Puppe schlieBt sich von den
physischen Erdenkraften ganz ab; der Schmetterling folgt nur dem
Lichte, er unterliegt nicht mehr der Schwere. Das Ich und die
Schmetterlingswelt. Die Gelbheit des Lowen. Das Inkarnat. Kaul-
quappe und Frosch, Kiemen- und Lungenatmung. Betrachtung
durchs Mikroskop. Einschachtelungstheorie. Heutiger Wissenschafts-
betrieb. Gescheitheit der Verriickten. «Genie und Irrsinn» von
Lombroso.
zweiter vortrag, 10. Oktober 1923 33
Uber Blausaure und Stickstoff, Kohlensaure und Sauerstoff
Was im menschlichen Leben vom Stickstoff abhangt. Kohlenstoff
und Stickstoff, Blausaure- und Zyankalibildung. Von der Wider-
standskraft gegen die Zyankalibildung ruhren unsere Bewegungen
her. Riickbildung des Zyankalis. Die vom Menschen zur Sonne
gehenden Zyankalistrome. Im Kopfe kommt die Kohlensaure mit
dem Eisen zusammen. Bleichsuchtigkeit. Eisensauerlinge. Die vom
Menschen beherrschten Eisen-Kohlensaurestromungen gehen nach
dem Monde. Pflanzenwachstum und Vollmond. Zum Denken brau-
chen wir den Mond, zum Gehen brauchen wir die Sonnenkraft.
Sonne, Erde und Mond waren einmal ein gemeinsamer Korper. Den
Stickstoff haben wir von der Sonne, den Sauerstoff vom Mond.
Steinkohle und Kalk. Zyankalivergiftung. Innige Beziehung des
Menschen mit Sonne und Mond.
drittervortrag, 13. Oktober 1923
Mensch und Erde im Norden und Siiden
Formen der Schneekristalle und die Bildung der Eisblumen. Unter-
schied zwischen Menschen der heiBen Zone und den Eskimos. Die
Eskimos haben verhaltnismaBig zu ihrem Korper groBe Lungen und
kleine Lebern und die Menschen der heiBen Zone haben verhaltnis-
maBig eine kleine Lunge und eine groBe Leber. Blutvergiftung durch
den Zorn. Baucherkaltungen. Lebererkrankungen. Sonnentatigkeit
fordert Lebertatigkeit. In der Lunge wirken die Mondkrafte. Ursache
der Lungenkrankheiten. Safte der Blatter gewisser Kohlarten konnen
bestimmte Lungentatigkeiten iibernehmen. Der Saft aus der Wurzel
von Cichorium intybus kann die Lebertatigkeit iibernehmen. Uberall
wo die Sonne hineinscheint, wird Leben; uberall wo der Mond hinein-
wirkt, entstehen Gestalten, Bildnisse. Erdenelektrizitat und Nordlicht.
Kieselsaures Eisen und Kieselsaure als Heilmittel.
viertervortrag, 20. Oktober 1923 67
Uber die Wesenheit des Wasserstoffs
Der Mensch als EiweiBtrager. Sumpfgas. Der Wasserstoff ist uber-
all im Weltenall verbreitet. Die Fortpflanzung als das andere Ende
vom Denken. Lebendgebarende Schlangen. In allem, wo Fortpflan-
zung ist, muB Wasserstoff wirken. Der Wasserstoff: der Welten-
phosphor. Die Soda und ihre Verwendung in Technik und Natur.
Uberall, wo die Soda verwendet wird, muB etwas Licht entstehen.
Alles Leben entsteht eigentlich aus dem richtigen Zusammenwirken
von Wasserstoff und von Soda. Die mannliche Samenfliissigkeit.
Wenn die Schlange keine Soda bekommt, dann bildet sie keine Ei-
schale. AuBerer Wasserstoff und auBere Soda und innerer Wasser-
stoff und innere Soda. Prinzip der hoheren Entwicklung: das, was
drauBen in der Welt enthalten ist, geht in die Wesen, in die hoheren
Tiere und in den Menschen innerlich hinein. Wie die niederen Lebe-
wesen entstanden sind. Fortentwicklung des Menschen durch Ab-
schlieBen von der Natur. Die Wespen: die feinsten Papiererzeuger
der Natur.
funfter vortrag, 24. Oktober 1923 83
Uber die Natur der Kometen
Zum Denken brauchen wir Kohlensaure, zum Wollen Zyansaure.
Zyansaure in der Kometenatmosphare. Bedeutung der Kometen im
ganzen Weltenall. Unterschied zwischen dem vielredenden Athener
und dem weniger, aber bedeutsam und machtig redenden Spartaner.
Innere Warme vertreibt die Begierde zum Reden, auBere Warme
facht die Begierde zum Reden an. Nichts kann sich in der Finsternis
entwickeln. Geradeso wie wir die Sonnenwarme aus der Kohle
herausbringen, so nimmt das kleine Kind in der mutterlichen Gebar-
mutter das Sonnenlicht, das dort aufgespeichert ist, aus dem Innern.
Innere und auBere Warme, inneres und auBeres Licht. Kometen und
Meteore als Bringer von Zyankali in der Luft. Auszehrung. Schlehdorn-
saft. Die Kometen geben aus dem Weltenall heraus dem Menschen die
Freiheit. Das Michaelsfest als Freiheitsfest. Lykurgos, der Gesetzgeber
von Sparta.
sechstervortrag, 27. Oktober 1923 99
Wirksamkeit der Stoffe im Weltenall und im Menschenleibe:
Eisen und Natrium
Eisen ist iiberall vorhanden im Weltenall, damit wir den freien Willen
haben konnen; Natrium ist iiberall verbreitet im Weltenall, damit wir
iiberhaupt Kopfe haben konnen. Damit wir unsere Glieder aufbauen
konnen, muB sich das Chlor mit Wasserstoff zu Salzsaure bilden.
Was aus dem Chlor im Menschen kommt, muB sich richtig mit dem
Eisen verbinden. Der Mars ist der Schopfer des Eisens in unserem
Planetensystem, der Merkur hangt mit dem Chlor zusammen. Die
Sonnenkraft im Menschen bringt Chlor und Eisen zusammen. Gold-
therapie. Bleichsucht bei jungen Madchen und Heiserkeit bei Knaben
im Stimmwechsel.
siebenter vortrag, 31. Oktober 1923 113
Uber die Ursachen der Kinderlahmung - Vom Pflanzen-
wachstum
Uber Pflanzen im Zimmer. Kinderlahmung. Nachweis der Wirkun-
gen kleinster Mengen von Stoffen. Die Gesundheitsverhaltnisse der
Menschen hangen vom Pflanzenwachstum ab. Heilmittel fiir die
Kinderlahmung. Holzsaft, Lebenssaft und Kambium beim Baum und
bei der gewohnlichen krautigen Pflanze. Was es fiir eine Bedeutung
hat, wenn ganz kleine Mengen von Substanzen dem Boden beige-
mischt werden. Zusammenhang zwischen dem Boden und dem
Kleinhirn. Grippe und Lahmung. In alien Lahmungserscheinungen
steckt etwas, was mit dem Boden der Erde innig zusammenhangt.
Zusammenarbeit von Naturwissenschaft und Heilmethode.
UBER DAS WESEN DER BIENEN
Nachbemerkung von Dr. Rudolf Steiner zum Bienenvortrag von
Herrn Miiller, Domach, 10. November 1923 131
Nachteile der kunstlichen Bienenzucht
ACHTER VORTRAG, 26. November 1923 133
Biene und Mensch
Nektar und Pollen als Bienennahrung. Bienenwachs. Wabenbau.
Bienenkonigin, Arbeitsbienen und Drohnen in ihrer Entwicklung.
Die Bienenkonigin bleibt immer Sonnentier; die Arbeitsbiene ist zwar
noch stark Sonnentier, aber schon etwas Erdentier; die Drohne ist
ganz Erdentier. Mannliche Befruchtung kommt von den Erdenkraf-
ten; weibliche Fahigkeit, Eier zu entwickeln, kommt von den Son-
nenkraften. Jungfernbrut. Hochzeitsflug und Befruchtung der Bie-
nenkonigin. Schwarmen der Bienen. Bedeutung des Bienengiftes.
Bienenstock und Menschenkopf. Giinstige Wirkung des Honigs auf
den alten Menschen. Honigdiat bei rachitischen Kindern. Besseres
Gedeihen der Obstbaume in Gegenden, wo Bienenzucht ist. Kiinst-
liche Bienenzucht. Ehrfurcht vor dem ganzen Bienenwesen.
neunter vortrag, 28. November 1923 149
Vom Wahrnehmen der Bienen
Besprechung eines Artikels aus der «Schweizerischen Bienen-Zeitung»
(H. v. Biittel-Reepen: «Sehen die Bienen fur uns unsichtbare Far-
ben?»). Die Biene hat eine Art Geruchs-Geschmack. Licht- und
Farbenwahrnehmung der Bienen. Das Leuchten der jungen Konigin.
Die Biene empfangt durch das Licht chemische Wirkungen, die sie
sehr stark spurt. Der feine Geruchssinn der Katze. Geruchssinn der
Polizeihunde. Kunstliche Futterung der Bienen. Kamillenteezusatz
zur Futterung.
zehnter vortrag, 1. Dezember 1923 161
Honig und Quarz
Worauf eigentlich die Wirkung der Honigkuren beruht (Besprechung
eines weiteren Artikels aus der «Schweizerischen Bienen-Zeitung»).
Bei kleinen Kindern mufl man mehr Milch, wenig Honig geben; bei
alten Leuten hilft der Honig hauptsachlich, nicht die Milch. Die
Kieselsaurekraft im Menschen. Die Biene wird durch dieselbe Kraft
ausgebildet, die in der Erde ist und den Quarz bildet: die fein ver-
teilte Kieselsaurekraft. Stark verdiinnter, gepulverter Quarz als Heil-
mittel, wenn Honig nicht vertragen wird. Wohltat der Honigkuren.
Das Pferd des Herrn von Osten. Gewohnung der Bienen an den
Bienenvater. Erklarung einer alten Bauernregel.
elfter vortrag, 5. Dezember 1923 181
Vom Honig
Wiedererkennen des Bienenvaters durch die Bienen. Tod des Bienen-
vaters. Bienenzucht innerhalb der Landwirtschaft. Gesunder Honig-
preis. Unnatiirliche Milchproduktion. Mittel gegen die Maul- und
Klauenseuche. Das Ziichten der Kiihe auf hohe Milchleistung er-
gibt schwache Kalber. Das Sich-selbst-Helfen der Bienen im Bienen-
stock. Der Bienenstock als ein Ganzes. Was die kiinstliche Bienen-
zucht bedeutet. Nochmals zum Honigpreis. Was man bei Unver-
traglichkeit von Honig tun kann. Wie die Bienen auf elektrisches
Licht reagieren. EinfluB der Tierkreiszeichen auf die Honigerzeu-
gung.
zwolfter VORTRAG, 10. Dezember 1923 196
Uber die Gallwespe
Mitessen der Waben. Bienenkrankheiten und die Instinkte der alten
Bienenziichter. Bestimmtes Verhaltnis zwischen dem Magensaft und
dem Blutsaft der Biene. Richtige Blutbereitung bei den Bienen. Ge-
fahrdung der Blutzusammensetzung. Kiinstliche Pflanzenzucht in
der Umgebung des Bienenstockes. Rebbau. Das Wesen der Honig-
bereitung bei den Bienen. Von Gallwespen und Gallbildungen. Wilde
Feigen. Veredelung der Feigen. Heruberziichtung der Biene aus der
Wespe. Honig- und Feigenbildung. Bienenfaulbrut.
dreizehnter VORTRAG, 12. Dezember 1923 213
Vom Bienengift und von den Ameisen
Bienenkonigin, Arbeitsbienen und Drohnen. Befruchtungsflug der
Bienenkonigin. Aus den befruchteten Eiern entstehen Arbeitsbienen
und Koniginnen, aus den unbefruchteten Eiern lauter Drohnen. Die
Ich-Organisation des Menschen treibt eigentlich das Blut. Bienengift
und Wespengift als Heilmittel bei Gicht und Rheumatismus. Bienen-
stiche. Drohnenbriitigkeit. Afterkonigin. Wespennester und Amei-
senbauten. Blattlauskolonien der Ameisen.
VIERZEHNTER VORTRAG, 15. Dezember 1923 228
Die Bedeutung der Ameisensaure
Weiteres uber den Ameisenbau. Ameisenplage. Ackerbautreibende
Ameisen. Tiber Schlupfwespen. Die Rolle der Ameisensaure in der
Natur und im Menschen. Bienengift, Wespengift und Ameisensaure
ist einmal aus dem Weltenraum uber die Pflanzen hereingekommen
und waren diese nicht, so miiBten die Pflanzen nach einiger Zeit aus-
sterben. Durch die Ameisensaure bleibt die Erde iiberhaupt lebendig.
Gifte sind Geistsammler, daher auch Heilmittel. Bienen, Wespen
und Ameisen nehmen der Natur nicht nur etwas weg als Rauber,
sondern geben ihr auch die Moglichkeit, weiter zu leben und zu
gedeihen.
funfzehnter vortrag, 22. Dezember 1923 245
Kleesaure, Ameisensaure, Kohlensaure und ihre Bedeutung
in der Natur
Erinnerung an den Insektenforscher Jean-Henri Fabre. Geschicklich-
keit der Holzbienen im Nestbau. In der Art, wie die Insekten bauen,
lebt Verstand. Der Mensch ist ganz ausgefullt mit Ameisensaure.
Wozu wir eigentlich in unserem Korper die Ameisensaure haben.
Woran man erkennt, daB ein Mensch zu wenig Ameisensaure hat.
Kleesauregaben, wenn die Ameisensaure nichts hilft. Uberall in der
Natur und uberall im menschlichen Korper findet sich die Klee-
saure. Wir erzeugen immerfort in unserem Korper aus Kleesaure
Ameisensaure. Durch das Heer der Insekten wird die Luft, die um
die Erde herum ist, fortwahrend mit Ameisensaure durchdrungen.
Die Ameisensaure zieht Seele und Geist heran. Eiterprozesse. Die
Ameisensaure ist die Grundlage fur Erdseele und Erdgeist. Das Auf-
leuchten der jungen Bienenkonigin und die schwarmenden alten
Bienen. Der Wacholderbaum als Bild der Belebung der Erde durch
den Christus im moralischen Sinne.
Hinweise
Personenregister
Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe
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269
271
GELEIT WORT
zum Erscheinen von Veroffentlichungen aus den Vortragen
Rudolf Steiners fur die Arbeiter am Goetheanumbau
vom August 1922 bis September 1924
Marie Steiner
Man kann diese Vortrage auch Zwiegesprache nennen, denn ihr Inhalt
wurde immer, auf Rudolf Steiners Aufforderung hin, von den Arbeitern
selbst bestimmt. Sie durften ihre Themen selber wahlen; er regte sie zu
Fragen und Mitteilungen an, munterte sie auf, sich zu auBern, ihre Ein-
wendungen zu machen. Fern- und Naheliegendes wurde beriihrt. Ein
besonderes Interesse zeigte sich fur die therapeutische und hygienische
Seite des Lebens; man sah daraus, wie stark diese Dinge zu den taglichen
Sorgen des Arbeiters gehoren. Aber auch alle Erscheinungen der Natur,
des mineralischen, pflanzlichen und tierischen Daseins wurden beriihrt,
und dieses fuhrte wieder in den Kosmos hinaus, zum Ursprung der Dinge
und Wesen. Zuletzt erbaten sich die Arbeiter eine Einfuhrung in die Gei-
steswissenschaft und Erkenntnisgrundlagen fur das Verstandnis der
Mysterien des Christentums.
Diese gemeinsame geistige Arbeit hatte sich herausgebildet aus einigen
Kursen, die zunachst Dr. Roman Boos fur die an solchen Fragen Interes-
sierten, nach absolvierter Arbeit auf dem Bauplatz, gehalten hat; sie
wurden spater auch von andern Mitgliedern der Anthroposophischen
Gesellschaft weitergefiihrt. Doch erging nun die Bitte von seiten der Ar-
beiter an Rudolf Steiner, ob er nicht selbst sich ihrer annehmen und ihren
Wissensdurst stillen wiirde - und ob es moglich ware, eine Stunde der
ublichen Arbeitszeit dazu zu verwenden, in der sie noch frischer und
aufnahmefahiger waren. Das geschah dann in der Morgenstunde nach der
Arbeitspause. Auch einige Angestellte des Baubiiros hatten Zutritt und
zwei bis drei aus dem engeren Mitarbeiterkreise Dr. Steiners. Es wurden
auch praktische Dinge besprochen, so zum Beispiel die Bienenzucht, fur
die sich Imker interessierten. Die Nachschrift jener Vortrage iiber Bienen
wurde spater, als Dr. Steiner nicht mehr unter uns weilte, vom Landwirt-
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schaftlichen Versuchsring am Goetheanum als Broschiire fiir seine Mit-
glieder herausgebracht.
Nun regte sich bei manchen andern immer mehr der Wunsch, diese
Vortrage kennenzulernen. Sie waren aber fiir ein besonderes Publikum
gedacht gewesen und in einer besonderen Situation ganz aus dem Stegreif
gesprochen, wie es die Umstande und die Stimmung der zuhorenden
Arbeiter eingaben - durchaus nicht im Hinblick auf Verdffentlichung und
Druck. Aber gerade die Art, wie sie gesprochen wurden, hat einen Ton
der Frische und Unmittelbarkeit, den man nicht vermissen mochte. Man
wiirde ihnen die besondere Atmosphare nehmen, die auf dem Zusam-
menwirken dessen beruht, was in den Seelen der Fragenden und des
Antwortenden lebte. Die Farbe, das Kolorit mochte man nicht durch
pedantische Umstellung der Satzbildung wegwischen. Es wird deshalb
der Versuch gewagt, sie mdglichst wenig anzutasten. Wenn auch nicht
alles darin den Gepflogenheiten literarischer Stilbildung entspricht, so hat
es dafiir das unmittelbare Leben.
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Mensch und Welt
Das Wirken des Geistes
in der Natur
ERSTER VORTRAG
Dornach, 8. Oktober 1923
Guten Morgen, meine Herren! Haben Sie sich irgend etwas ausgedacht,
was heute beantwortet werden konnte? - Wenn nicht, dann will ich Ihnen
heute etwas sagen, was sich ganz gut anschlieBt an Dinge, die ich schon
besprochen habe.
Wenn der Mensch so hineinsieht in die Natur - er sieht ja eigentlich
ziemlich gedankenlos hinein -, so kommt ihm in dem Momente, wo er
anfangt, wirklich iiber die Naturdinge nachzudenken, ja so viel in
den Sinn, was darauf hinweist, daB iiberall Geist in der Natur, daB iiber-
all das Geistige gegenwartig ist, daB er gar nicht mehr anders kann, als,
wenn ich so sagen darf, neugierig zu werden, wie da eigentlich dieser
Geist in der Natur wirkt. Ich habe Ihnen ja beim Biberbau, bei ahn-
lichen Dingen immer wieder zeigen konnen, wie geistreich alle diese
Dinge in der Natur sind. Nun will ich Ihnen heute noch etwas anderes
zeigen.
Nicht wahr, der Mensch sieht zunachst, wenn er in einer gewissen Zeit
des Sommers in der Natur drauBen herumgeht, die schonen flatternden
Schmetterlinge mit ihren farbigen Fliigeln, die so bunt schillern, und da
fragt er nicht weiter: Woher kommt dieses wirklich mannigfaltig bunt
schillernde Flattern der Schmetterlinge, die sich so frei bewegen?
Es ist dieses von einer groBen praktischen Bedeutung. Ich bin sogar
davon iiberzeugt: Wenn wir hier irgendwo auf unserem Goetheanum-
Grunde neue Versuche machen konnten fur die Luftschiffahrt, so wiirden
wir die nicht so anstellen, wie sie heute aus der materialistischen Wissen-
schaft heraus angestellt werden. Da versucht man es immer mit dem Vo-
gelflug, mit dem Libellenflug, der Wasserjungfer und so weiter. Aber man
hat keinen Sinn dafur, die Sache zu versuchen mit dem eigentlichen
Schmetterlingsflug. Und dennoch wiirde die Luftschiffahrt erst auf ihre
richtige Gestalt kommen, wenn man die Versuche dafiir im GroBen anfas-
sen konnte gerade mit dem Schmetterlingsflug. Aber nicht wahr, auf sol-
che Dinge gehen die Leute heute deswegen nicht ein, weil sie die Richtig-
keit doch nicht einsehen konnen. Man kann namlich solche Dinge in rich-
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tiger Weise, selbst fur das praktische Leben, doch nur einsehen, wenn man
auf das Geistige eingeht.
Nun will ich Ihnen heute etwas iiber die Schmetterlinge, etwas, was
nicht gerade zur Luftschiffahrt gehort, aber Sie aufklaren kann iiber die
Luftschifferei, zeigen. Sehen Sie, solch ein Schmetterling ist ja nicht von
vornherein da, sondern der kommt ja, wie Sie wissen, auf eine sehr kom-
plizierte Weise zustande. Zunachst gehen wir davon aus, daB der Schmet-
terling, wenn es gegen den Herbst zu geht, er also reif geworden ist, ein Ei
legt. So daB also das erste, wovon der Schmetterling ausgeht, das ist, daB
er ein Ei legt. Aus diesem Ei kommt ja nicht wieder ein Schmetterling
heraus. Da kriecht nicht wiederum, sagen wir, der Schmetterling Schwal-
benschwanz heraus, der so ausschaut (siehe Zeichnung); der kriecht nicht
da heraus, sondern aus diesem Ei kriecht zunachst dasjenige heraus, was
I
i'\ phym<-'i
^'^^'^'^'^^A Puppe: astrclisch
man im Volksmund einen «Wurm» nennt; eine Raupe kriecht heraus.
Diese Raupe also kriecht aus dem Ei heraus. Hier hat sie ihren Kopf (siehe
Zeichnung), hier hinten ist ein Stachel, und die kriecht nun so trag, lang-
sam herum, ist eigentlich auBerlich eine Art von Faulenzer. Aber innerlich
ist eine solche Raupe gar keine Faulenzerin, sondern innerlich spinnt sie
aus ihrem eigenen Leib heraus Faden, und aus diesen Faden macht sie urn
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sich herum erne Hiille. Wenn also das jetzt die Raupe ist (siehe Zeich-
nung), so spinnt diese Raupe aus sich selbst heraus Faden und macht um
sich heram eine Hiille, die hart ist. Die Raupe verschwindet allmahlich im
Inneren ganz, lost sich auf in diesen Faden, macht also um sich herum eine
Hiille, die sie irgendwie an einen Baumstamm anhangt, anklebt; sie klebt
zuerst den Faden an und verschwindet dann in der Hiille. So daB wir
haben: das Ei, die Raupe und hier, das nennt man eine Puppe. Und diese
Puppe, die bleibt nun eine Zeitlang hangen. Dann kriegt sie irgendwo ein
Loch und der Schmetterling kommt heraus. So daB, bevor ein solcher
Schmetterling zustande kommt, vier Sachen notwendig sind: also erstens
das Ei, zweitens die Raupe, drittens die Puppe und viertens er selbst. Das
Ei, das wird irgendwo abgelegt. Die Raupe kriecht dann herum. Die
Puppe bleibt ganz fest und der Schmetterling flattert lustig in der Luft
herum. Der kann dann wiederum ein Ei legen und die Geschichte geht im
Jahreslauf von neuem los. So ist die Sache.
Nun, das schauen sich die Leute an, und das erklaren heute die Gelehr-
ten ja so, daB sie einfach beobachten, was sich da durch das Mikroskop
oder dergleichen eben beobachten laBt. Aber so einfach ist die Sache nicht.
Man muB beriicksichtigen, wo das Ei leben kann und wie es lebt, wie die
Raupe lebt, wie die Puppe lebt und wie zuletzt der Schmetterling lebt. Das
Ei, das braucht vor alien Dingen, wenn es so weit kommen soil, daB die
Raupe auskriechen kann, manchmal furchtbar wenig - aber es braucht
Feuchtigkeit, in der etwas Salz aufgelost ist. Kein Ei kann gedeihen, ohne
daB es etwas Feuchtigkeit, in der etwas Salz aufgelost ist, bekommt. Daher
muB das Tier, der Schmetterling, diesen Instinkt haben, das Ei irgendwo
hinzulegen, wo es Feuchtigkeit bekommen kann, in der etwas Salz enthal-
ten ist. Ohne das geht es also nicht. Es ist das, was ich Ihnen hier fur den
Schmetterling erzahle, eben geradeso auch fur die Biene und so weiter. Es
ist fur die Biene auch notwendig, daB da, wo die Eier abgelegt werden,
etwas durchdringt - wenn es auch wenig ist -, daB Salz hineinkommt. Es
beobachten das eben wenige. Es geniigt, wenn der Nebel durchgeht; der
hat immer etwas Salzfeuchtigkeit. Es kommt einem da die Natur zu Hilfe.
Es leuchtet das dem menschlichen Verstand nicht immer ganz ein. Die
Natur ist eben viel gescheiter als der Mensch. Aber das Ei muB immer
etwas Feuchtigkeit haben, in der etwas Salz drinnen ist. Das ist beim
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Schmetterling auch so, und dann kriecht also die Raupe heraus. Das Ei
braucht also nur diese Feuchtigkeit, in der Salz drinnen ist; es hat keine
Augen, es sieht nichts, es lebt im iibrigen fur sich selbst in einer Welt, die
ganz finster ist. In dem Augenblick, wo die Raupe ausgekrochen ist,
kommt sie ans Licht heraus, ist also fortwahrend im Lichte. Die Raupe hat
Sinnesorgane, kommt ans Licht. Jetzt ist es eigentlich ein ganz anderes
Wesen geworden, als das Ei es ist. Das Ei hat sich ganz in die Raupe ver-
wandelt. Und daB die Raupe dem Licht ausgesetzt ist, daB sie Sinne hat,
das iibt einen inneren Eindruck auf die Raupe aus. Solche Dinge kommen
bei gewissen Erscheinungen ganz radikal zum Ausdruck. Sie alle haben ja
schon diese merkwurdige Erscheinung genossen, daB, wenn Sie irgendwo
eine Lampe angezundet haben, allerlei Insekten im Zimmer herumflat-
tern, sich vom Licht der Lampe angezogen fiihlen, sich sogar hineinstur-
zen, so dumm sind, daB sie verbrennen. Woher riihrt das? Natiirlich
kommt das nicht bei dieser Raupe vor, aber der Wille dazu ist bei dieser
Raupe auch vorhanden. Die Raupe, die wird namlich vom Sonnenlicht
geradeso, ich mochte sagen, wolliistig angezogen, wie das Insekt, das sich
in die Kerzenflamme stiirzt; nur kann die Raupe nicht zu der Sonne hin-
aufkommen. Konnte sie sich vom Boden erheben und hinauffliegen zur
Sonne, so wiirden wir sehr bald gar keine Raupen mehr haben; die wiirden
alle zur Sonne hinauffliegen, alle fortfliegen. Derm das wollen sie, sie sind
nur festgehalten von der Schwere der Erde, sie konnen nicht. So daB,
wenn wir eine Raupe anschauen, diese Raupe eigentlich den Willen hat,
dem Lichte nachzugehen. Das kann sie nicht. Aber was tut sie?
Denken Sie sich einmal, da ist der Lichtstrahl, da die Raupe (es wird
gezeichnet). Jetzt spinnt die Raupe, indem sie kriecht, so wie der Licht-
strahl ist, einen Faden. Die Raupe spinnt ganz nach dem Lichtstrahl den
Faden, und wenn der Lichtstrahl in der Nacht nicht da ist, da rollt sie den
Faden ein und bei Tag spinnt sie in dem Lichtstrahl den Faden wieder
weiter, in der Nacht rollt sie ihn wieder ein. Und daraus entsteht die Hiille
rundherum. Die Raupe lost sich ganz im Licht auf, stirbt im Licht, wie
das Insekt, das der Flamme zugeht, nur daB sie nicht zur Sonne hinauf-
kommt, in den Lichtstrahl selber hineingeht; aber sie spinnt ihren eigenen
Korper in diese Faden hinein und macht um sich diesen Kokon, wie man
ihn nennt, diese Faden, die da zusammengesponnen werden. Die Seiden-
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raupe spinnt die Seide nach dem Licht. Wenn Sie also aus irgendeiner Sei-
denraupe Seide nehmen, so konnen Sie sich getrost sagen: Was ist das? Das
ist gesponnenes Licht! - Da ist in der Richtung der Lichtstrahlen hineinge-
sponnen die Erdenmaterie. Und wenn Sie irgendwo eine Puppe sehen,
dann ist das so, daB das lauter gesponnenes Sonnenlicht ist, ringsherum
Erdenstoff, der dem Sonnenstrahl nachgesponnen ist.
Also so weit sind wir, daB wir jetzt die Puppe haben, ringsherum ge-
sponnenes Licht, und dadurch, daB das gesponnenes Sonnenlicht ist,
kommt natiirlich etwas anderes zustande, als wenn sich ein Insekt in die
Flamme stiirzt - da verbrennt es die Flamme der Kerze, kann nichts damit
machen. Konnte aber dieses Insekt in der Schnelligkeit, mit der es sich in
die Flamme stiirzt, in der Richtung der Flammenstrahlen einen solchen
Kokon herumspinnen, so wiirde aus dem Feuer der Flamme im Inneren
ein neues Tier entstehen. Das wird nur durch die Verbrennung verhindert.
Es ist interessant, daB man dadurch erfahrt, was eigentlich dieses Insekt
will, das in der Nacht im Zimmer herumflattert und sich in die Flamme
stiirzt: es will sich namlich fortpflanzen, es will zugrunde gehen, damit es
in einer neuen Gestalt wiederkommt. Es tiiuscht sich nur, weil es nicht so
schnell eine Hiille machen kann. Aber die Raupe kann in der Langsamkeit
eben diese Hiille machen, hangt diese Hiille auf, und jetzt kann die Kraft
der Sonne, die da eingefangen ist, die da eine Gefangene ist, die kann den
Schmetterling im Inneren schaffen, und der kann dann als ein Sonnenge-
schopf herausfliegen und als ein Sonnengeschopf sich bewegen.
Sehen Sie, meine Herren, da kommt man darauf, wie eigentlich die
Dinge in der Natur sind. Erstens haben Sie in dem, was ich Ihnen gesagt
habe, eine ganz wichtige Idee: Das Insekt, das sich in die Flamme stiirzt,
will sterben, denkt man sich. Nein, das will nicht sterben, sondern es will
in anderer Gestalt wiederkommen. Es will durch die Flamme umgestaltet
werden. Und so ist der Tod iiberall: Der Tod ist nichts, was die Wesen
vernichtet, sondern wodurch sie, wenn der Tod richtig eingeleitet wird,
nur umgestaltet werden. Erstens sieht man das daraus. Zweitens sieht man
aber einen griindlichen Zusammenhang, der zwischen allem in der Natur
drauBen besteht. Sehen Sie, der Schmetterling ist aus dem Licht geschaf-
fen; aber das Licht muBte erst, indem es die Erdenmaterie in sich aufnahm
und einen Kokon machte, in der Puppe zum Faden gemacht werden. Alles
21
das, was entsteht an tierischen Wesenheiten, wird aus dem Licht her-
aus geschaffen. Auch der Mensch wird aus dem Licht heraus geschaffen
durch die Vorgange, die durch die Befruchtung des weiblichen Eikei-
mes geschehen; der schiitzt im Inneren des Menschen durch eine Hulle
das Licht. Und in Wahrheit ist es das Licht, das den Menschen im Kor-
per der Mutter schafft, das also die Moglichkeit schafft, daB der Mensch
aus dem Lichte heraus entstehen kann. So sieht man also am Schmetter-
ling, daB er aus dem Licht heraus, das erst gefangen worden ist, ent-
steht.
Nun, der Schmetterling, der flattert in vielen Farben herum. Solche
Farben sind uberhaupt da, wenn man dasjenige, was am meisten vom
Lichte beeinfluBt werden kann, anschaut. Wenn man also in heiBe Gegen-
den geht, dann sind alle Vogel von wunderbaren Farben, weil da die Sonne
die groBere Starke hat. Was tut also das, was da in der Sonne, im gefange-
nen Licht schafft? Das bringt die Farben hervor, bringt immer Farben
hervor. Und so ist es auch beim Schmetterling. Der Schmetterling hat
seine Farben durch dasjenige, was das Licht da als ein Gefangener getan
hat. Man kann den Schmetterling nur verstehen, wenn man ihn versteht
als Schopfung aus dem ganzen Licht heraus, das ihn in vielen Farben
macht.
Aber das kann die Sonne nicht allein. Die Sache ist so: Wenn wir das Ei
anschauen, ist das also in der Feuchtigkeit drinnen, in der Salz ist. Salz ist
Erde, Feuchtigkeit ist Wasser. So daB wir sagen konnen: Das Ei muB
gedeihen in Erde und etwas Wasser. - Die Raupe kommt schon ans Licht
heraus. Die Raupe kann ihrem ganzen Wesen nach nicht bloB gedeihen in
Erde und Wasser, also in aufgelostem Kalk zum Beispiel und Wasser,
sondern die Raupe braucht Feuchtigkeit, also Wasser, aber auch Luft,
Feuchtigkeit und Luft. Diese Feuchtigkeit und Luft, die die Raupe
braucht, die ist nun nicht bloB wie das, was das Ei physisch braucht, son-
dern in dieser Feuchtigkeit drinnen lebt dasjenige, was man Ather nennt
und was ich Ihnen beim Menschen geschildert habe als den Atherleib. Die
Raupe kriegt einen Atherleib. Und durch den Atherleib atmet sie. Durch
den Atherleib nimmt sie dasjenige auf, was jetzt schon geistig in der Luft
ist. Das Ei ist noch ganz physisch, die Raupe aber lebt schon im Phy-
sisch- Atherischen. Aber das ist schwer fur die Raupe, im Physisch-Athe-
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tischen zu leben. Die Raupe hat viel zuviel schwere Erdenmaterie in sich.
Bei der Raupe ist es so: Wenn sie ans Licht kommt, so zeigt sich das eben,
daB sie dann aus sich heraus die Lichtstrahlen spinnt in Form ihrer Kokon-
seide. Die Raupe mochte ans Licht, kann aber nicht; sie hat zuviel Schwe-
rekrafte in sich. Sie ist dem nicht gewachsen, dem sie jetzt ausgesetzt ist.
Daher will sie selber aufgehen im Licht, sie will sich ins Licht hineiner-
gieBen, sie will im Licht weiterleben. Was tut sie? Ja, sie schlieBt sich ge-
gen die Erde mit den Sonnenstrahlen ab, sie macht einen Kokon um sich
herum. Die Raupe schlieBt sich in der Puppe von den physischen Erden-
kraften ganz ab. Und jetzt hat die Puppe im Inneren, wo der «Wurm»
verschwunden ist, astralische Krafte in sich, nicht mehr Erdenkrafte und
nicht mehr atherische Krafte, sondern astralische, ganz geistige Krafte in
sich, und diese astralischen Krafte leben im eingefangenen Licht. Das
eingefangene Licht hat immer geistige Krafte, astralische Krafte in sich.
Und diese astralischen Krafte, die schaffen den Schmetterling. Der kann
jetzt, weil er ganz aus astralischen Kraften besteht, in der Luft herumflie-
gen, was die Raupe nicht kann; der kann dem Lichte folgen. Er folgt nur
dem Lichte, er unterliegt nicht mehr der Schwere. Es ist die Schwere da-
durch, daB er sich hingegeben hat, ausgeschaltet. So daB man sagen kann:
Er ist zum Ich herangereift. - Ein Ich ist es, in dem wir sozusagen den
Schmetterling herumflattern sehen. Wir Menschen haben unser Ich in
uns. Der Schmetterling hat es auBer sich. Das Ich ist eigentlich Licht. Das
farbt ihn.
Wenn Sie das bedenken, dann miissen Sie sich etwas klarmachen. Sie
alle sagen immer zu sich: Ich. - Was bedeutet das, wenn Sie zu sich Ich
sagen? Sehen Sie, jedesmal, wenn Sie zu sich Ich sagen, glanzt in Ihrem
Hirn eine kleine Flamme auf, die nur mit gewohnlichen Augen nicht gese-
hen werden kann. Das ist Licht. Sage ich zu mir Ich, so rufe ich das Licht
in mir auf. Dieses selbe Licht, das den Schmetterling in Farben farbt, das
rufe ich in mir auf, wenn ich zu mir Ich sage. Es ist das wirklich auBeror-
dentlich interessant, drauBen in der Natur zu beobachten, daB man sich
sagen kann: Ich sage zu mir Ich; konnte ich dieses Ich ausstrahlen in
alle Welt, so ware es Licht. Ich habe es nur durch meinen Korper einge-
sperrt, dieses Ich. Konnte ich es ausstrahlen, so konnte ich mit diesem
Licht lauter Schmetterlinge erschaffen. - Das Ich des Menschen hat eben
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die Macht, lauter Schmetterlinge zu schaffen, uberhaupt Insekten und so
weiter zu schaffen. Sehen Sie, da stellen sich die Menschen vor, daB alles so
einfach ist. Aber in alteren Zeiten, wo man solche Sachen gewuBt hat, da
haben die Menschen auch in dem Sinne gesprochen. Im ganz alten Juden-
tum, da gab es ein Wort: «Jahve», was dasselbe bedeutet wie «Ich». Dieses
Wort, in der hebraischen Sprache Jahve, durfte nur der Priester ausspre-
chen, weil der Priester dazu vorbereitet war, sich zu sagen, was das bedeu-
tet. Denn der Priester sah in dem Momente, wo er Jahve aussprach, iiber-
all die Bilder von herumfliegenden Schmetterlingen. Und da wuBte er:
Hat er das Wort Jahve ausgesprochen so, daB er nichts sah, so hat er es
nicht mit der inneren richtigen Herzhaftigkeit ausgesprochen. Er stand
aber in der richtigen inneren Herzhaftigkeit, wenn er lauter Schmetter-
linge sah. Das hat er aber den anderen Leuten nicht beibringen konnen,
denn die waren verriickt geworden darob; darum hat er sich erst vorberei-
ten miissen. Aber wahr ist es doch.
Ja, meine Herren, aber was ist denn das? Denken Sie sich einmal, hier
ware zwischen diesem Pult und dem Punkt, wo ich stehe, eine groBe Bett-
decke mit lauter Flaumfedern drinnen. Die Flaumfedern waren etwas
diinn drinnen, und ich stelle mich da hier an und drange dahin, gehe so
dahin, driicke die Flaumfedern zusammen, ich komme nicht ganz bis zu
dem Pult hin, sondern muB in der Mitte stehenbleiben, weil ich sie nicht
weiter zusammendriicken kann. Ich erreiche das Pult nicht, aber ich ver-
spiire einen Druck, wenn ich mich da anstemme. So wollen Sie das Ich
aussprechen, wollen Sie eigentlich lauter Schmetterlinge erzeugen, weil
das Ich Licht ist. Aber Sie konnen das nicht. Statt dessen spiiren Sie den
Widerstand, wie ich da den Widerstand spike, wenn ich dem entgegen-
gehe. Und das sind Ihre Gedanken. Darinnen bestehen Ihre Gedanken,
daB man nicht lauter Schmetterlinge erschaffen kann durch das Licht. Das
Ich denkt Gedanken. Die Gedanken sind eigentlich nur Bilder von der
S chmetterlingswelt.
Sehen Sie, das sieht so aus, daB eigentlich heute noch dasselbe eintrate,
was im alten Judentum eingetreten ware, wenn einfach ein jeder, der Jahve
ausgesprochen hatte, die ganze Schmetterlingswelt gesehen hatte; dann
hatten die Leute gesagt: Nun, der ist selbstverstandlich verriickt. - Er
ware es auch gewesen, wenn er nicht reif dazu gewesen ware, die geistigen
24
Sachen anzuschauen! Aber heute sagen die Leute, wenn einer davon redet,
daB das Licht Ich ist, und daB das Licht dasselbe ist, was in anderer Weise,
wenn es eingesperrt ist, die Schmetterlinge erschaffen kann, was in uns,
weil wir ein dazu geeignetes Gehirn haben, die Gedanken schafft statt der
Schmetterlinge - heute sagen die Leute wieder: Der ist verriickt! - Aber
das ist die Wahrheit. Das ist eben der Unterschied zwischen einer bloBen
Verriicktheit und der Wahrheit. So daB man sagen muB: Schauen wir uns
den bunten Schmetterling an in der Luft, dann wirkt auf uns dasselbe, wie
wenn wir uns so recht in uns fuhlen und Ich sagen. Der Schmetterling kann
nicht Ich sagen, nicht einmal das hohere Tier, weil das Ich von auBen
wirkt. Wenn Sie einen Lowen ansehen in seiner semmelfarbenen Gelb-
heit, dann ist es die semmelfarbene Gelbheit, die vom Ich des Lowen von
auBen bewirkt wird. Der L6we wird selber gedacht von der ganzen Natur,
die Farbung kommt dadurch zustande. Weil wir von innen heraus den-
ken, bekommen wir nicht von auBen die Farbung, sondern wir bekom-
men die Hautfarbung von innen, die man sehr schwer in der Malerei
nachmachen kann. Aber unser Ich farbt eigentlich mit Hilfe des Blutes
unseren ganzen Korper zu dieser wunderbaren Menschenfarbe, die man
in der Malerei nur nachmachen kann, wenn man alle Farben in der richti-
gen Weise miteinander mischen kann, richtig mischen kann. Da schafft
fortwahrend die Natur an dem Wesen, aber sie schafft auf geistige Art.
Sehen Sie, ich habe Ihnen hier gesagt: Es muB der Ubergang sein von dem
Feuchten, das die Luft in sich halt, zu dem Licht. Da ist die Puppe nun in
Luft und Licht. Da ist sie in Wasser und Luft als Raupe, hier in Luft und
Licht als Puppe, und dann kommt sie immer weiter von dem Licht, das
eingefangen ist, zu dem Astralischen, das in ihr wirkt.
Sehen Sie noch einmal auf das zuriick: Raupe, Puppe. Denken Sie sich
einmal, es gabe ein Tier, das noch nicht in der Lage ware, aus seinem eige-
nen Korper heraus Seidenfaden zu spinnen. Nehmen wir an, es gabe solch
eine besondere Art von Raupe, die wollte, wenn sie eben Raupe geworden
ist, nun auch ins Licht, aber ihr Korper ist nicht fahig, Faden zu spinnen,
kann es nicht. Sie kann ihren Korper nicht so machen, daB sie ihn nach
auBen spinnt. Die Raupe spinnt sich wirklich zu Tode. Sie hort ganz auf,
ihr ganzer Korper geht auf in dieses Gespinst. Es bleibt nur noch ein totes
Geriist in ihr. Aber nehmen Sie an, Sie hatten solch ein tierisches Wesen,
25
das eben in sich Materie hat, Stoff hat, der nicht gesponnen werden kann.
Was tut dieses Wesen, wenn es in dieselbe Lage kommt, wenn es stark dem
Licht ausgesetzt ist? Nun, einen Kokon kann es nicht um sich herum
spinnen. Was tut es? Es spinnt in sich selber - die Blutadern! Bei diesem
Tier, wenn es in die Luft kommt, wird innerlich das Blut so gesponnen,
wie die Raupe auBen den Kokon spinnt. Wir wiirden also dann ein Tier
bekommen, das, solange es noch mehr im luft-waBrigen Elemente lebte,
ein solches Blutgespinst haben wiirde, das dem waBrigen Element ange-
paBt ist. Lebt es eine Zeitlang im Licht, so andert es sogar die Form der
Adern; die werden ganz anders. Es spinnt in seinem eigenen Korper; weil
es nichts herausspinnen kann, spinnt es im Inneren des Korpers. Zeichnen
wir uns das genau auf. Denken Sie sich, es gibt also ein Tier, das atmet, wie
es in der Feuchtigkeit muB, durch Kiemen, bewegt sich in der Feuchtig-
keit, im Wasser so, daB es einen Schwanz hat; da gehen seine Blutadern so,
daB sie sich in die Kiemen und in den Schwanz hinein erstrecken. So kann
das Tier schwimmen im Wasser und auch atmen im Wasser. Der Fisch hat
Kiemen. Mit Kiemen kann man im Wasser atmen. Aber denken Sie sich,
das Tier tritt ofter heraus an die Luft, geht ans Ufer, oder der Teich selber
wird trockener: da ist es mehr dem Licht ausgesetzt, die Feuchtigkeit ver-
liert sich. Es kommt in diese Gegenden, wo es Licht und Luft, nicht Was-
ser und Luft haben muB. Was tut das Tier?
Ich will Ihnen das jetzt so mit Punkten aufzeichnen: Dieses Tier zieht
aus den Kiemen die Adern zuriick, die werden immer mehr verkummert,
und es spinnt diese Adern hier ein. Das Tier spinnt seine eigenen Adern,
die es zuerst in die Kiemen hinausgeschickt hat, hier ein. Und die Adern,
die in den Schwanz gegangen sind, die zieht es zuriick: es wachsen hier
FiiBe; dieselben Adern, die in den Schwanz gegangen sind, die gehen in die
FiiBe,... (unklare Stelle in der Nachschrift), wo sie nun anders gesponnen
sind als die in den Schwanz gegangenen. Das konnen Sie in der Natur
beobachten: Das ist eine Kaulquappe, und das ist ein Frosch! Der Frosch
ist zuerst eine Kaulquappe mit Schwanz und Kiemen und kann im Wasser
leben. Wenn er nun aber an die Luft kommt, so macht er das innerlich,
was die Raupe auBerlich macht. Die Kaulquappe, die ein Frosch ist, der im
Wasser leben kann, spinnt aus ihrem eigenen Blutnetz ein Netz, das dann
innerlich verlauft, und aus dem, was in Adern und Kiemen gegangen ist,
26
Fro jch
jy'J
hell: , rot.-////// l y/Tvf\e'"-' ::
wird jetzt eine Lunge. Da waren es Kiemen und indem das Tier es jetzt
eingesponnen hat, wird es eine Lunge; da war Schwanz und da werden
jetzt FiiBe, die durch die Blutzirkulation, die sich in die Lunge hineinbe-
gibt und durch diese Schwingung vorher ein eigentliches Herz entwickelt,
bewegt werden. Also dieser selbe Weg von Wasser-Luft zu Luft-Licht,
der durchgemacht wird von der Raupe zur Puppe, den macht der Frosch
durch, der in Luft-Wasser lebt; das aber durchdringt da die Luft, indem er
sich herausbegeben muB an Luft-Licht. Luft-Licht ist es, was eine Lunge
erschafft und Beine erschafft, wahrend Wasser-Luft Fischschwanze er-
schafft und Kiemen. Also es ist so, daB da fortwahrend nicht nur das
wirkt, was im Inneren eines Tieres ist, sondern immer die ganze Weltum-
gebung.
Was tut die Gelehrsamkeit? Was haben wir getan, indem wir das uns
vorgestellt haben, wie es ist? Wir haben die Welt uns angeschaut! Wir
schauen die Welt an, wie sie ist; wir schauen hinaus in die Natur. Was tut
der Gelehrte? Der schaut im allgemeinen wenig die Natur an, wenn er
solche Sachen wissen will, sondern der bestellt zunachst beim Optiker ein
feines Mikroskop, furchtbar fein. Das wird nun nicht in die Natur hinaus-
getragen - man konnte ja da nicht viel damit machen! -, sondern in ein
abgeschlossenes Zimmer gestellt; da laBt er den Schmetterling Eier legen.
Fur den im Licht herumflatternden Schmetterling hat der Gelehrte nicht
27
viel Sinn. Das Ei legt er nun auf seine Praparierplatte, und dieses Ei beob-
achtet er dann durch das Mikroskop (es wird gezeichnet): Da hat er sein
Auge, da guckt er hinein, was da mit dem Ei, das er selber zerschneidet,
geschieht; wo die Natur gar nichts mehr tut, da macht er selber feine
Scheibchen daraus, schaut das an, was er selber erst zerschnitten hat. Da
unten auf der Praparierplatte liegen die mit dem Rasiermesser zerschnitte-
nen feinen Blattchen. Darinnen forscht man nach! So sind iiberhaupt
heute viele Forschungen.
Denken Sie sich eine Universitatsvorlesung. Der Professor bringt so
viel Leute, als es iiberhaupt moglich ist, in sein Kabinett; da laBt er sie
immer abwechselnd hineinschauen in das, was er da zerschnitten hat und
zeigt ihnen das, was da drinnen ist. Er fiihrt sie naturlich manchmal auf
Exkursionen hinaus, aber da sagt er nicht viel iiber das, was da drauBen ist,
weil er dariiber nicht viel weiB. Seine ganze Wissenschaft wird darauf
abgestellt, was er unter dem Versuchstrager sieht, wenn er erst selbst
kleine Stiickchen herausgeschnitten hat. Zu welcher Weisheit kommt er
denn dann? Er kommt auf alles das, was im Schmetterling vorwiegend
schon im Ei drinnen liegt, nur auf kleinwinzige Weise. Ja, man kann doch
zu nichts anderem kommen, wenn man erst mit dem Rasiermesser zersagt
und schneidet und durch das Mikroskop es anschaut! Man vergiBt ja alles,
was da drauBen in Licht und Luft und Wasser wirkt. Man hat ja nur Prapa-
rierglaschen, auf die man das Mikroskop richtet. Man kann ja gar nichts
erforschen! Man kann nur sagen: Da drauBen ist der Schmetterling, aber
da drinnen, was ich da anschaue unter meinem Mikroskop, da ist schon
der ganze Schmetterling drinnen auf ganz kleinwinzige Weise.
Heute trauen sich die Leute das schon nicht mehr, aber friiher, da hat
man gesagt beim Menschen: Da haben wir die Anni; die hat eine Mutter,
die heiBt Marie. Nun ja, die Anni ist aus der Mutter Marie geboren. Nun
schon; aber die ganze Anna besteht ja schon in der Eizelle drinnen, und die
Eizelle, die steckte wieder in der Mutter, der Maria drinnen. So daB man
also sich vorstellen muB: Da ist die Eizelle der Anna, da die der Maria, da
steckt die Anna drinnen; aber die stammt wieder ab von der Gertrud, das
ist die GroBmutter von der Anni. Nun ja, aber da das Ei der Zelle der
Anna in der Zelle der Maria war, so muB die wieder in der Zelle der Ger-
trud drinnenstecken. Nun ist die UrgroBmutter der Anna die Kathe, und
28
die Zelle von der Anna, Marie und Gertrud stecken schon in der Eizelle
der Kathe drinnen und so weiter, und dann bekommen wir eine langere
Reihe bis zur ersten Eizelle - das ist die der Eva. Und so haben die Leute
gesagt- es war naturlich der bequemste Weg-: Der Mensch, der jetzt lebt,
der steckte schon drinnen als ein kleinwinziger Kerl in der Eizelle der Eva.
- Man nannte das die Einschachtelungstheorie. Die Theorien, die heute
noch existieren, die sind nur etwas unklarer, die getrauen sich nicht mehr
zuriickzugehen bis zu der Eva, aber sie sind im Geiste ganz dasselbe, sind
namlich gar nicht fortgeschritten: «Der ganze Schmetterling ist schon da
drinnen! » Und in diesem Schmetterling hat Licht und Luft und Wasser,
die doch da sind, gar nichts mehr zu tun!
Wenn man so diesen Wissenschaftsbetrieb ansieht, wie da der Profes-
sor die Leute in sein Kabinett hineinfuhrt, wie er ihnen da seine furchtbar
gelehrten Sachen, die aber eigentlich gerade Narrheiten sind gegeniiber
dem Schaffen der Natur, vorfuhrt, so hat man das Gefiihl: Ja, es ist doch
auch noch Licht und Luft und alles da! — Aus dem entfernt sich der Profes-
sor und geht in sein fmsteres Kabinett hinein, in dem womoglich ein
kiinstliches Licht gemacht ist, um das Mikroskop nicht zu storen durch
das Fensterlicht und so weiter. Und da denkt man sich: Donnerwetter, der
bleibt beim Ei stehen, in dem schon alles drinnen ist - und Luft und Licht
und alles andere ist von der heutigen Wissenschaft pensioniert! — Es ist in
Pension gegangen, tut nichts mehr. Die heutige Wissenschaft kennt
nichts mehr von dem Schaffen in Luft und Licht und Wasser, kennt nichts
mehr davon. Es ist schon etwas, was furchtbar nagt an unserem sozialen
Leben, daB wir eigentlich eine Wissenschaft haben, die die ganze Welt
pensioniert, nur noch das sieht, was durch das Mikroskop zu sehen ist,
geradeso wie sich der Staat nicht kiimmert um einen Pensionar, als daB er
ihm die Pension entsprechend auszahlt; er braucht ihn nicht mehr. Nicht
anders ist es beim Wissenschafter, als daB er seine Nahrungsmittel daraus
nimmt; aber er weiB nicht mehr, wie diese Nahrungsmittel wirken, und er
beschaftigt sich nur noch mit dem Mikroskop, mit den Teilen. Die ganze
Welt ist eigentlich in der heutigen Wissenschaft ein pensionierter Faulen-
zer. Das ist schon schrecklich, denn das ganze groBe Publikum kann ja das
nicht iiberschauen. Das ganze groBe Publikum sagt: Ach, das sind die
Leute, die es verstehen miissen!-Wenn sie noch kleine Kinder sind, denkt
29
man schon daran, sie zu gelehrten Menschen zu machen; man gibt sie in
die Schulen, wo sie viel lernen konnen. Nachher strengen sie sich heute
viel an! Ja, bis zum siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Jahr
muB man lemen: Das, was durch die zustande kommt, muB die Wahrheit
sein! - Das kann das groBe Publikum natiirlich nicht beurteilen, laBt sich
dann durch «Gelehrte» dieses Zeug vorsagen, weiB nichts davon, daB das
ja iiberhaupt nichts mehr mit der Natur zu tun hat. Das redet von der
Natur wie von einer Pensionistin. Und so versumpft unser ganzes Gei-
stesleben. Und in dieser Versumpfung des geistigen Lebens sollen wir
jetzt vorwartskommen! Wir kommen eben einfach nicht vorwarts, weil
das groBe Publikum zu bequem ist, darauf zu horen, was man ihm sagt. Es
sagt die Wahrheit j a heute nur die Anthroposophie! Das, was ich Ihnen
hier sage, konnen Sie ja sonst nirgends horen. Es sagt die Wahrheit ja
niemand; das groBe Publikum kummert sich ja nicht mehr darum. Wenn
man sie sagt, so heiBt es, man sei verriickt. Es ist ja verriickt, daB das so ist!
Aber es wird ja nicht derjenige als verriickt genommen, der wirklich ver-
riickt ist, sondern der, welcher sagt, wie es ist, der wird als verriickt
genommen. Es ist wirklich schon so, daB man das vollstandig verwechselt.
Dazu will ich Ihnen noch eine kleine Anekdote erzahlen. Da ist einmal
eine arztliche Kommission, die studieren wollte, in ein Irrenhaus an das
Tor gekommen, und als sie hineinkamen, stand ein Herr da, der sie emp-
fmg, so daB sie sich sagten: Nun ja, das ist der Herr Direktor, der dirigie-
rende Arzt. Sie sagten zu ihm: Lieber Kollege, konnen Sie uns jetzt nicht
in den Irrenzellen herumfuhren und uns alles erklaren? - Und da fiihrte sie
dieser Mann, der am Tore stand, herum, erklarte ihnen alles, was in den
einzelnen Zellen war, sagte ihnen: Da ist ein Irrsinniger, der hat merk-
wiirdige Erscheinungen, Halluzinationen, gemischt mit epileptischen
Krampfen. Bei der nachsten Zelle erklarte er: Der hat Willensemotionen
iiber das normale MaB hinaus. Das erklarte er sehr genau. Dann kamen sie
zu den eigentlich Wahnsinnigen, die sich allerlei fixe Ideen in den Kopf
setzten. Sehen Sie, sagte er, das ist einer, den immer Gespenster verfolgen,
ein anderer, den immer wiederum Leute verfolgen, nicht Gespenster, aber
Menschen. Nun werde ich Sie zu dem Allerverriicktesten fiihren, den wir
haben, sagte er - und da fiihrte er sie zu der Zelle des Allerverriicktesten,
und sagte: Der Mann leidet an einer fixen Idee; er meint, er sei der Kaiser
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von China. Das ist natiirlich eine Konsolidierung der Ideen vom Kopf:
statt daB diese Ideen bloB in Gedanken bleiben, hat er sie konsolidiert. -
Er erklarte das sehr genau und sagte: Aber Sie miissen wissen, meine
Herren, daB das ein Unsinn ist, daB der der Kaiser von China ist, denn der
bin ich namlich selber! - Ja, er hatte ihnen alles erklart, er hatte sie herum-
gefiihrt, aber nicht an der Wissenschaft, sondern an der Nase. Aber der
war wirklich verriickt. Der andere, sagte er, sei deshalb verriickt, weil er
meine, daB er der Kaiser von China sei; er aber, sagte er, er sei der Kaiser
von China selber. Es war ein ganz Verriickter, der da die Kommission
fiihrte.
Man kann nicht immer unterscheiden, wenn einer verriickt in der
Wissenschaft ist. Sie werden staunen, was fur Gescheitheiten Ihnen die
Verriickten erzahlen, wenn Sie mit ihnen in Beriihrung kommen. Deshalb
hat derLombroso, der italienische Naturforscher, gesagt, daB ein eigentli-
cher Unterschied zwischen Genie und Verrucktheit gar nicht vorhanden
ist: Genies sind immer ein biBchen verriickt und Verriickte immer ein
biBchen Genies. - Sie konnen das nachlesen in einem Bandchen in der
Reclam-Bibliothek, das Biichelchen heiBt: «Genie und Irrsinn.»
Natiirlich, wenn man nicht verriickt ist, kann man schon unterscheiden
zwischen Genie und Irrsinn. Aber wir sind heute geradezu schon so weit
gekommen, daB ganze Biicher existieren konnen, wie das von Lombro-
so - in deutscher Sprache erschienen in Reclams Universal-Bibliothek -,
wo die Wissenschaft selber konstatieren will: Man kann nicht unter-
scheiden zwischen Genie und Irrsinn. So kann die Geschichte natiirlich
nicht langer fortgehen, sonst kommt man in eine vollstandige Versump-
fung des geistigen Lebens hinein. Man muB wiederum die pensionierte
Natur anstellen, dann kommt man eben zu dem, wie wirklich das Ei zur
Raupe, zur Puppe sich entwickelt, und wie das Licht darinnen gefangen
ist, wie in uns das Licht darinnen gefangen ist, der farbige Schmetterling,
der herausfliegt.
Das ist das, was ich im AnschluB an das, was wir schon besprochen
haben, Ihnen habe sagen wollen, damit Sie sehen, daB das Licht schaffen-
den Geist in sich enthalt. Denn der Wurm, die Raupe muBte erst ver-
schwinden, dann konnte der Schmetterling entstehen. Der Schmetterling
ist da drinnen, wo die Raupe untergegangen ist. Der Geist schafft. So geht
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iiberall zuerst der Stoff unter, verschwindet - dann schafft das Geistige das
neue Wesen heraus. So ist es auch bei der Befruchtung des Menschen. Die
Befruchtung bedeutet, daB der Stoff zunachst vernichtet wird. Da ist ein
biBchen vernichteter Stoff, und da schafft nun der Geist und das Licht im
Ich den Menschen. Wenn Sie das ein biBchen durchdenken, werden Sie
sich das zusammenfassen konnen, was ich Ihnen gesagt habe: Man geht
nicht blind vor, schaut sich die Kaulquappe an, den Frosch, und weiB,
warum der Herz und Lunge hat und FiiBe, und warum die Kaulquappe
noch schwimmen kann im Wasser! Alle diese Dinge schlieBen sich zusam-
men. Sie werden schon sehen an den Dingen, die wir immer mehr und
mehr hinzunehmen, daB eine wirkliche Wissenschaft, die das versteht,
eben nur innerhalb der Anthroposophie entstehen kann.
32
ZWEITER VORTRAG
Dornach, 10. Oktober 1923
Guten Morgen, meine Herren! 1st Ihnen etwas eingefallen?
Fragesteller: Herr Doktor sagte einmal, daB die Gestirne, zum Beispiel der Mond, viel
groBer sind, als man sie sieht. Konnte man dariiber vielleicht noch etwas horen?
Dr. Steiner: Ich will Ihnen heute etwas sagen, was mdglich macht, daB
wir in der nachsten Stunde noch genauer auf diese Himmelskorper einge-
hen. Naturlich ist es ja so, daB man erstens einmal einsehen muB, was diese
Gestirne sind und wie das mit der Erde zusammenhangt; und auf der
anderen Seite muB man einsehen, daB iiberall in diesen Gestirnen etwas
Geistiges ist. Die GroBe, Lage und so weiter, das macht ja natiirlich nicht
viel aus. Ich will Ihnen daher heute eine gewisse Grundlage von der Erde
aus noch sagen, die Ihnen zeigen wird, wie man von der Erde aus die
Sonne begreifen kann und wie man den Mond begreifen kann. Es ist na-
tiirlich so, daB die Sonne viel groBer ist als die Erde und der Mond kleiner
ist als die Erde. Der Mond ist ja natiirlich groBer als man ihn sieht, aber er
ist kleiner als die Erde. Und die Sonne ist, so wie sie drauBen ausgebreitet
ist, groBer als die Erde.
Aber nun miissen wir vor alien Dingen einmal einsehen konnen, aus
welchen Bestandteilen diese Himmelskorper bestehen, was sie eigentlich
sind. Wir miissen uns fragen, was man da antreffen wiirde, wenn man
hinauffahren wiirde mit einem Luftschiff. Bei alledem muB man nun
wiederum vom Menschen ausgehen. Wir haben ja immer wieder bespro-
chen, wie der Mensch von seiner ganzen Umgebung abhangig ist: Sie
atmen die Luft ein, Sie atmen die Luft wieder aus. Wenn Sie die Luft ein-
atmen, dann kriegen Sie das in Ihren Korper hinein, was drauBen in Ihrer
Umgebung ist. Die Luft, die drauBen ist, besteht aus Sauerstoff und Stick-
stoff. Das ist selber ein luftformiger, ein gasformiger Korper. Und dieser
Sauerstoff, der ist zu unserem Leben unbedingt notwendig. Wir brauchen
den Sauerstoff. Und zwar brauchen wir ihn so, daB wir ihn in der Nacht
finster einatmen, bei Tag ihn so einatmen, daB die Sonnenstrahlen durch-
gehen. All das brauchen wir. So daB wir sagen konnen: Wir wiirden nicht
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leben, wenn wir den Sauerstoff der Luft nicht bitten. - Aber dieser Sauer-
stoff der Luft ist mit einem anderen Gas gemischt: mit dem Stickstoff. So
daB man also in der Luft Sauerstoff und Stickstoff hat. Nun konnten Sie
sagen: Braucht man auch den Stickstoff?
Wenn der Stickstoff allein nur da ist, muB man ersticken. Denken Sie
sich einmal, wir brachten Sie alle, statt in dieses Zimmer, wo Sauerstoff
mit Stickstoff gemischt ist, in ein Zimmer, wo bloB Stickstoff ware: Sie
wiirden alle miteinander ersticken! Wir konnten also sagen: Vielleicht
konnte es uns hochst gleichgiiltig sein, ob der Stickstoff da ist oder nicht,
wir konnten ja vielleicht den Sauerstoff allein haben. - Dann ist es aber so:
Wenn bloB Sauerstoff da ware, dann wiirde hochstens der Jiingste, der
dort sitzt, noch leben - wir andern alle waren langst gestorben. Der Jiing-
ste wiirde noch leben, wiirde aber einen langen Greisenbart haben und
weiBe Haare und Runzeln, er ware schon ein Greis! Also wir wiirden alle,
wenn bloB Sauerstoff da ware, zu schnell leben. Nur dadurch, daB der
Sauerstoff mit viel mehr Stickstoff gemischt ist - nur 21 Prozent sind
Sauerstoff, das andere fast alles Stickstoff -, dadurch leben wir so lange,
wie wir als Menschen leben konnen. Wenn wir also keinen Stickstoff
hatten, so wiirden wir zu schnell leben. Wir wiirden nur so lange leben,
daB wir etwa sechzehn, siebzehn, achtzehn Jahre alt wiirden, und dann
waren wir schon Greise.
Der Stickstoff, wie er da in der Luft ist, hat aber noch eine ganz beson-
dere Eigentiimlichkeit. Sie konnten j a sagen: Wie ware es denn, wenn nun
ein biBchen mehr oder weniger Stickstoff in der Luft ware? - Nehmen Sie
einmal an, es ware weniger Stickstoff in der Luft als diese Prozente, die
eben da drinnen sind. Meine Herren, das ware eine ganz kuriose Ge-
schichte: Da wiirden Sie namlich alle anfangen, in der Luft, die Sie ausat-
men, mehr Stickstoff auszuatmen, als Sie sonst ausatmen, wo in der Luft
gerade so viel drinnen ist, als eben jetzt drinnen ist. Also wenn zuwenig
Stickstoff drinnen ware, so wiirden Sie selbst aus Ihrem Korper den Stick-
stoff herauspumpen, um so viel aus Ihrem eigenen Korper in die Luft hin-
einzupumpen, als jetzt drinnen ist. Wenn mehr drinnen ware, als jetzt
drinnen ist in der Luft, dann wiirden Sie anfangen, den Stickstoff, den Sie
einatmen, zuriickzuhalten und weniger auszuatmen, als Sie jetzt ausat-
men, damit in der Luft wieder weniger Stickstoff drinnen ist. Das ist sehr
34
merkwiirdig: Der Mensch braucht nicht nur den Stickstoff beigemischt
dem Sauerstoff, damit er das Richtige einatmen kann, sondern er braucht
in der Umgebung eine ganz bestimmte Menge von Stickstoff. Der muB da
sein. Es kommt also nicht darauf an, daB wir in uns geniigend Stickstoff
und Sauerstoff haben, sondern daB in unserer Umgebung die richtige
Menge drinnen ist. Und wenn sie nicht geniigend drinnen ist, tun wir sie
selber hinein.
Das ist etwas, was die heutige Wissenschaft gar nicht weiB. Die heutige
Wissenschaft schaltet den Menschen ganz aus aus der Welt, weiB nicht,
daB der Mensch in Wirklichkeit der Herr der Welt sein kann, wenn er sich
dessen nur bewuBt ist. Wenn also irgendwo, sagen wir, es darauf ankame,
eine Kolonie zu griinden, wo zu wenig Stickstoff ist, ja, dann konnte man
geniigend Stickstoff dadurch herstellen, daB man einfach den Menschen
solche Nahrungsmittel empfiehlt, durch die sie selber viel Stickstoff aus-
atmen konnen. Also Sie sehen, wie eine wirkliche Wissenschaft sogleich
praktisch wird.
Nun aber kommt ja noch etwas anderes in Betracht. Betrachten wir
zunachst diesen Stickstoff, nicht den, den wir drauBen lassen, sondern
den, den wir auch fortwahrend ein- und ausatmen. Wenn wir ihn allein
hatten, wiirden wir ersticken. In unseren Lungen ersticken wir durch den
Stickstoff. Aber unsere Nieren, unsere Verdauungsorgane, unsere Hande
und FiiBe, die brauchen den Stickstoff; da wird er durch das Blut hineinge-
leitet, da ist er notwendig. So daB wir sagen konnen: Wenn der Mensch da
steht (siehe Zeichnung S. 36), so geht fortwahrend der Stickstoff, den ich
hier rot anzeichnen will, in seine Arme und Hande, in seinen Unterleib
hinein, in seine Beine und FiiBe hinein. Da muB der Stickstoff drinnen
sein. In den Lungen darf sich der Stickstoff nicht aufhalten, da darf er nur
durchgehen und den Sauerstoff fur die Lungen haben. Die Lungen kon-
nen nur, wenn sie Sauerstoff haben, leben; aber der Stickstoff geht weiter,
geht in Arme und Hande. Also uberall da, wo ich rot angestrichen habe,
muB der Stickstoff hinein. Und auch im Herzen muB er noch abgelagert
werden, der Stickstoff. Da muB uberall Stickstoff drinnen sein.
Dieser Stickstoff, der da drinnen ist, der geht, ich mochte sagen, im-
merfort in Briiderlichkeit zusammen mit dem Kohlenstoff. Kohlenstoff
ist in der Kohle, im Diamant, ist im Graphit. Der Kohlenstoff ist aber
35
auch in uns. Nur ist er in uns flussig, schwimmt herum. Da drinnen (siehe
Zeichnung) ist also der Stickstoff, den ich rot gezeichnet habe; jetzt will
ich den Kohlenstoff blau einzeichnen. Der ist auch iiberall drinnen, so daB
das Rote iiberall mit dem Blauen, dem Kohlenstoff, zusammen ist. Das ist
ensure
/
JticKstbtf
.5 av/ei-stoff
Kohlenstoff
J civ re
KoMemtoff (.blau
5ficK)toff- ( rot///
Kciliwm ( violctt '///// )
etwas sehr Merkwiirdiges: Sie tragen in Ihrem Inneren, in Ihren Beinen,
Ihren FiiBen, Ihren Armen und Handen, in Ihrem Magen, in Ihrer Leber,
in Ihren Nieren, in Ihrer Milz, in Ihrem Herzen zusammen Kohlenstoff
und Stickstoff - Stickstoff, wie er in der Luft ist, und ganz flussigen Koh-
lenstoff, wie wenn Sie Kohle auflosen wiirden und dieses Schwarze im
Wasser schwimmen wiirde. Das haben Sie in sich.
Aber das ist eigentlich eine gefahrliche Geschichte, wenn irgendwo
Kohlenstoff und Stickstoff nebeneinander sind. Wenn irgendwo Kohlen-
stoff und Stickstoff nebeneinander vorhanden sind, so ist immer die Ge-
36
fahr vorhanden, wenn die richtigen Bedingungen dazu da sind, daB sie
Blausaure, Zyansaure bilden; denn Blausaure besteht aus dem, was ich
hier rot und blau angezeichnet habe im Schema. So daB Sie also herumge-
hen und wahrend Sie herumgehen, ist immer die Gefahr vorhanden, daB
sich Blausaure in Ihnen bildet. Also iiberall da, wo ich blau angezeichnet
habe, ist immer die Gefahr vorhanden, daB sich durch den ganzen Men-
schen hindurch Blausaure bildet. Und weil die Knochen Kalk haben, kann
sich die Blausaure auch mit dem Kalk verbinden; dann entsteht eine
Zyan-Kalziumverbindung. Und dann entsteht Zyankali. Sie wissen, daB
man sich mit Zyankali am technisch vollkommensten vergiften kann. Es
gibt naturlich kein besseres Mittel als Zyankali dazu; da ist es sofort rich-
tig. Nun ist aber im Menschen fortwahrend die Gefahr vorhanden, daB er
Blausaure und Zyankali bildet. Dieses muB sein. Denn, wenn Sie diese
Anlage nicht in sich hatten, Zyankali zu bilden, dann konnten Sie nicht
gehen und Ihre Arme nicht bewegen. Die Kraft, sich zu bewegen, das
Bewegen der Arme und Beine, kommt von dem, daB Sie fortwahrend der
Gefahr ausgesetzt sind, daB Sie Zyankali bilden.
Nun ist da etwas sehr Feines: Dieses Zyankali will sich in uns fortwah-
rend bilden und wir verhindern es fortwahrend! Darin besteht unser
Leben als bewegter Mensch. Sogar die Blutbewegung hangt davon ab, daB
wir dieses verhindern, daB sich Zyankali bildet. Von dieser Widerstands-
kraft gegen die Zyankalibildung riihren unsere Bewegungen her. Und
unser Wille riihrt eigentlich davon her, daB er fortwahrend genotigt ist,
die Zyankalibildung und die Blausaurebildung in uns zu verhindern.
Nun, meine Herren, es bildet sich eben nicht Zyankali; denn wenn es
sich bilden wiirde, wiirden wir vergiftet werden. Aber in jedem Augen-
blick haben wir in uns die Moglichkeit, daB sich Zyankali bildet und wir es
verhindern miissen. Das ist naturlich nicht viel Zyankali, das sich da bil-
den will, aber es wiirde im Leben schon etwas zusammenkommen, wenn
es sich bilden wiirde. Und diese Kraft, die da lebt in dem Zyankali, das
sich bilden will, diese Kraft, die da lebt, die verbindet den Menschen auf
der Erde mit der Sonne. So daB fortwahrend das, was in der Blausaure
lebt, vom Menschen in die Sonne hinaufstrdmt. Sie konnen also sagen,
wenn Sie zur Sonne hinaufschauen: Ich habe eine Verbindung mit der
Sonne; und die Kraft, die in mir lebt zur Riickbildung des Zyankalis, das
37
sich fortwahrend bilden will in meinem Leibe, diese Kraft, die geht von
der Erde bis zur Sonne hinauf. Wenn Sie hier die Erde haben und hier die
Sonne - ich muB sie jetzt groB zeichnen -, so gehen also von dem Men-
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schen zur Sonne fortwahrend solche Zyankalistrome, und von der Sonne
gehen Strome wieder zuriick. Es stromt von dem Menschen zur Sonne
dieses aufgeloste Zyankali, und von der Sonne stromt wiederum zuriick
dasjenige, was die Sonne macht aus diesem aufgelosten Zyankali. Und
diese Entfernung, die ist zwanzig Millionen Meilen - eine Meile wird als
sieben und ein halber Kilometer gerechnet. Wenn jetzt ein Licht angeziin-
det wird auf der Sonne, so sehen wir es erst, weil das Licht so lange
braucht, um herzukommen, sehr viel spater. Also mit einem Weltenkor-
per, der so weit von uns entfernt ist, stehen wir einfach dadurch in Ver-
bindung, daB wir diese Kraft ausstrdmen, die fortwahrend bestrebt ist,
Zyankali zu bilden. Namentlich in unseren Knochen ist fortwahrend
etwas wie ein Zyankaliherd, wie ein Quell von Zyankali.
Ware das nicht der Fall, dann waren wir auf der Erde ganz eigentumli-
che Menschen. Wiirden wir nicht diese Verbindung mit der Sonne haben,
dann wiirden wir auch hinaufstieren zur Sonne und wiirden sagen: Ja, das
ist ein Weltenkorper, der uns gar nichts angeht. - Wir wiirden sehen, daB
zwar Pflanzen wachsen; aber diese Pflanzen konnten auch nicht wachsen,
38
wenn nicht dieses Zyankali hin- und hergehen wiirde. So wiirden wir also
die Sonne anstieren und wir wiiBten nicht, was fur einen Bezug sie zum
Menschen hat. Diesen Bezug, den ich Ihnen jetzt erzahlt habe, den wissen
die Menschen heute natiirlich auch nicht, aber sie fiihlen, daB sie zur
Sonne gehoren. Und sie fiihlen das sehr stark. Denn wenn die Sonne un-
tergeht - namentlich in alten Zeiten, wo die Menschen noch gesiinder
gelebt haben, bei Nacht geschlafen und bei Tag gewacht haben, da war es
noch so -, dann spurt der Mensch, daB er die Sonne nicht so in sich auf-
nimmt. Da ist das Zyankali nur in ihm, allerdings nur in kleinen Mengen;
dann schlaft er ein. Es ist in der Tat die Sonne, die den Menschen immer
aufweckt und einschlafert. Nur weil sich der Mensch etwas zuriickbehalt,
kann er den Unfug begehen, daB er in der Nacht weiterschafft oder auch
nicht schafft, sondern sich weitervergniigt. Aber es kommt auch das, was
wir in der Nacht an Kraften aufbringen, durch den Zusammenhang dieser
Krafte mit der Sonne. Und ich mochte sagen: Wenn auf der Erde selber
irgendwo Blausaure gebildet wird - zum Beispiel in gewissen Pflanzen
wird Blausaure gebildet -, wenn also auf der Erde selber Blausaure gebil-
det wird, dann kriegt diese Sonnenkraft gewissermaBen die Pflanze dran,
daB sie das bewirkt, was eigentlich im Menschen immerfort bewirkt wer-
den will.
Sehen Sie, meine Herren, dazu, daB sich das bilden kann - und es muB
sich bilden, denn in der Blausaure ist der Stickstoff drinnen -, dazu
braucht man den Stickstoff in der Umgebung. Und die Sonne braucht den
Stickstoff, damit sie in der richtigen Weise auf uns wirken kann. Wir
konnten eben auf Erden als Menschen nicht stehen, wenn die Sonne nicht
den Stickstoff hatte, durch den sie auf unsere GliedmaBen, auf unsere
Verdauungsorgane und so weiter wirken kann. Aber beim Kopfe ist das
ganz anders, beim menschlichen Kopf, ganz anders. Sehen Sie, in der
Lunge, da taugt der Stickstoff nichts; er muB durchgehen durch die Lun-
ge. In der Lunge taugt nur der Sauerstoff etwas. Und wenn der Sauerstoff
durch die Lunge durchgeht, dann darf der Teil, der dann zum Kopf geht,
nicht so briiderlich zum Stickstoff hingehen. Der Sauerstoff, der zum
Kopf hingeht, der muB vielmehr zum Kohlenstoff gehen. Und statt daB
Blausaure gebildet wird gegen die FiiBe zu, wird jetzt gegen den Kopf zu-
das will ich violett anstreichen - fortwahrend Kohlensaure gebildet. Also
39
gegen die FiiBe zu bildet der Mensch Blausiiure, gegen den Kopf zu bildet
er Kohlensaure. In der Kohlensaure wiirden wir, wenn wir darin atmen
miiBten, auch ersticken miissen; aber wir brauchen sie in unserem Kopf.
Sehen Sie, meine Herren, das ist eine sehr interessante Sache: unser Kopf
braucht die Kohlensaure.
Nun kennen Sie ja gewiB alle die Kohlensaure. Sie haben sicher alle
schon solch eine Brauselimonade gehabt oder solch ein Wasser, das mous-
siert: da sind die Perlen drinnen, diese Gasperlen. Das ist oftmals Kohlen-
saure, denn in kohlensauren Wassern, da ist die Kohlensaure drinnen und
steigt in kleinen Perlen auf. Meine Herren, Sie konnten nicht denken, Sie
hatten iiberhaupt Ihren Kopf zu nichts, wenn nicht in Ihrem eigenen
Korper fortwahrend durch das Blut solche kleine Perlen aufschossen. So
wie in der Brauselimonade in der Flasche die Perlen aufschieBen, so gehen
fortwahrend kleinwinzige Perlen in Ihnen nach Ihrem Kopfe hin. Sie
konnten Ihren Kopf zu nichts verwenden, wenn Sie nicht selber eine sol-
che Flasche waren. Ein Dreizehntel bis ein Vierzehntel vom Gewicht Ihres
eigenen Korpers nimmt das Blut ein. Also Sie konnen sich vorstellen: Sie
sind eigentlich eine solche Flasche, in die statt dem Brausewasser Blut
gefullt ist, und da schwimmen, nach aufwarts strebend, ganz genau so wie
beim Brausewasser, nur viel kleiner, diese Perlen, wie in der Limonadefla-
sche. Der Kopf konnte nicht denken, wenn nicht diese Perlen in Ihnen
fortwahrend aufsteigen wiirden.
Nun aber darf diese Kohlensaure nicht untatig sein in Ihrem Kopfe. Sie
konnen sich ganz gut denken, Sie waren in bezug auf Ihr Blut solch eine
Flasche, und da stiegen die Perlen auf nach Ihrem Kopfe hin. Nun haben
Sie geradeso da drinnen die Kohlensaure in Ihrem Kopfe, diese Blasen,
wie bei der Brauselimonadenflasche. Wenn Sie zu wenig im Kopfe haben,
schlafen Sie ein; also die brauchen Sie in Ihrem Kopfe. Aber diese Kohlen-
saure, die kommt in Ihrem Kopfe in Beriihrung - nirgendwo anders -,
aber in Ihrem Kopfe kommt sie in Beriihrung, in Zusammenhang mit dem
Eisen in Ihrem Blut. Das Eisen ist iiberall im Blut. Aber jenes Eisen, das da
in den Handen im Blute ist, das kann mit der Kohlensaure nichts machen;
nur im Kopfe kommt die Kohlensaure mit dem Eisen zusammen. Und ich
mochte sagen: die kiissen sich im Kopfe, werden miteinander sehr intim,
das Eisen und die Kohlensaure; und von da aus geht durch die Adern dann
40
das Eisen in das ganze Blut iiber. Die Kohlensaure, die tragt dann das
Eisen ins ganze Blut, wenn es mit ihm in Beriihrung gekommen ist im
Kopfe. Ein Rendez-vous konnen sich Eisen und Kohlensaure nur im
Kopfe geben; aber nachher, wenn sie sich das Rendez-vous gegeben ha-
ben, konnen sie im ganzen Blute herumspazieren. Wenn daher ein junges
Madchen bleichsiichtig wird, zu wenig Eisen im Blut hat, so bedeutet das,
daB in ihrem Kopf zu wenig Rendez-vous stattfmden, zu wenig Stelldich-
ein zwischen Eisen und Kohlensaure. Das Madchen hat nicht die Kraft,
geniigend Eisen und Kohlensaure im Kopf zusammenkommen zu lassen.
Nun haben Sie aber wahrscheinlich schon gehort von solchen kohlen-
sauren Wassern und selbst schon welche getrunken. Solche kohlensauren
Wasser - Eisensauerlinge nennt man sie -, die sind besonders gesund.
Sehen Sie, da wo Eisensauerlinge sind — es gibt eben sehr viel kohlensaure-
haltiges Wasser in der Erde -, da iibt die Natur das in der Erde aus, daB
sich in der Erde fortwahrend das ausbildet, was der Mensch in seinem
Kopfe ausbildet. GroBe eisenhaltige Quellen sind in der Erde da und dort.
Da schickt man dann die Menschen hin, wenn ihr eigener Kopf zu
schwach geworden ist. Denn jeder Menschenkopf ist eine solche eisen-
haltige Quelle, es bildet sich da drinnen noch fortwahrend sogar ein
Eisensauerling, kohlensaures Eisen. So viele Sie hier sitzen, so viele
Quellen sind Sie. Nur wenn einer den Winter hindurch ganz schwer
lumpt, dann wird sein Kopf schwach, und dann wird der Kohlensaure-
Eisengehalt in seinem Kopfe schwach. Er fuhlt so etwas, was viele Men-
schen dann im Fruhling fiihlen, er fuhlt so etwas, wie wenn es in seinem
Blut nicht mehr richtig ginge - natiirlich, wenn er gelumpt hat! -, er
fuhlt sich im Kopfe schwach, muB in ein kohlensaures Bad geschickt
werden, damit er durch den Magen und von da durch den Kopf bekommt,
was er eigentlich selber bilden muBte durch ein solideres Leben. - Die
eisenhaltigen Quellen sind gar nicht so selten: es sind so viele, als Men-
schen sind auf der Erde! Also wir haben das, was wir brauchen an
Eisen, in unserem Blute durch dieses kohlensaurehaltige Eisen.
Das miissen wir allerdings fortwahrend selber bilden in unserem Kop-
fe. Aber ebenso miissen wir es im Moment, wo es entstehen will, gleich
wieder verhindern, so wie wir die Blausaure verhindern miissen. Das darf
nur anfangen, sich zu bilden. Wissen Sie, heute reden die Chemiker nur
41
davon: Nun ja, wir konnen also Eisen und Kohlenstoff und Sauerstoff
zusammenbringen, kriegen da kohlensaures Eisen. Das muB dann da sein,
dieses kohlensaure Eisen. - Aber so geschieht das nicht im Leben! Gera-
deso wie ein Unterschied ist zwischen einem Stein und einem Stuck Leber
von Ihnen, geradeso ist ein Unterschied zwischen dem, was der Chemiker
im Laboratorium als kohlensaures Eisen macht und dem, was in Ihrem
Kopf als Eisen, als kohlensaures Eisen existiert. Das lebt! Das ist eben der
Unterschied, daB das lebt. Und sehen Sie, -von diesem kohlensauren Ei-
sen, das in Ihrem Kopfe ist, gehen fortwahrend Stromungen hinauf zum
Mond. Geradeso wie zur Sonne die Zyankalistrome gehen, so gehen zum
Mond hinauf und wieder zuriick diese Stromungen, die der Mensch da-
durch entwickelt, daB er die Kraft in sich hat, das kohlensaure Eisen zu
beherrschen.
Denken Sie, meine Herren, daB Sie zum Mond hinaufschauen. Da
konnen Sie sich sagen: Er hat viel mit meinem Kopfe zu tun. Und so ist es
auch, wenn Sie in irgendeine Gegend kommen - ich will zum Beispiel
sagen, Sauerbrunn in Ungarn oder Gotsch in der Steiermark, GieBhiibl
und so weiter; in der Schweiz sind, glaube ich, auch welche -, wenn Sie da
hinkommen, so ist das eine Statte, wo durch das Erdreich der Mond am
besten auf die Erde wirken kann, denn nur dort entstehen solche Wasser.
So daB wir also da sehen, wie die Erde und der Mensch auf der Erde mit
Sonne und Mond zusammenhangen dadurch, daB man darauf kommt:
Nach der Sonne gehen die vom Menschen beherrschten Zyankalistro-
mungen, nach dem Monde gehen die vom Menschen beherrschten Ei-
sen-Kohlensaurestromungen.
Wenn man verniinftig ware, so wiirde man alle solche Sachen ordent-
lich untersuchen. Das tut man heute nicht. Sie miissen eben nur bedenken,
daB die Pflanzen, die auf der Erde sind, fortwahrend Kohlensaure brau-
chen. Kohlensaure ist da. Wir Menschen und die Tiere atmen Kohlensaure
aus. Kohlensaure ist da! Die Pflanzen, die auf der Erde sind, die atmen
nicht Sauerstoff, sondern Kohlensaure ein. Den Sauerstoff werfen sie
weg, den Kohlenstoff behalten sie in sich. Daher ist die Pflanze auf der
Kohlensaure aufgebaut. Aber dieser ganze Vorgang, der entwickelt sich
am besten bei der Pflanze so, daB die Pflanze sich herausentwickeln kann
aus der Kohlensaure, wenn der Vollmond scheint, weil das mit der Kraft
42
des Mondes zusammenhangt. Dagegen, wenn Neumond ist, entwickelt
sich das weniger. Und so ist es fur die Pflanze eben immer eine Grundbe-
dingung, daB sie vom Vollmond beschienen werde. Das Wachstum schlaft
bei Neumond und entwickelt sich besonders stark bei Vollmond.
Da haben Sie ja auch im «alten Aberglauben» den EinfluB des Mondes
erklart! Solche Sachen hat man natiirlich friiher, als die Menschen noch
keine Wissenschaft hatten, schon beobachtet. Daher finden Sie natiirlich
iiberall in den alten Bauernregeln Andeutungen darauf, wie wichtig der
Vollmond fur das Pflanzenwachstum ist. Und sehen Sie, meine Herren,
man sollte eigentlich nicht nur so reden iiber die Beziehungen der einzel-
nen Himmelskorper untereinander, sondern man sollte ausgehen von
dem, wie das eigentlich auf der Erde unter den Menschen sich auBert. Der
Mensch hat, wie Sie jetzt gesehen haben, vom Mond und von der Sonne
auBerordentlich viel. Dem Mond verdankt der Mensch das, daB er seinen
Kopf gebrauchen kann. Der Sonne verdankt der Mensch, daB er sein Herz
und seine Beine und Hande gebrauchen kann. Geradeso wie wir den
Boden unter unseren FiiBen haben mussen, damit wir darauf herumgehen
konnen, damit wir nicht immer hinunterfallen, mussen wir Sonne und
Mond haben, denn zum Denken brauchen wir den Mond, zum Gehen
brauchen wir die Sonne, die Sonnenkraft. Wenn wir in der Nacht gehen,
so gehen wir durch die aufgespeicherte Sonnenkraft, die wir bei Tag
bekommen haben. Wir brauchen eben diese Himmelskorper!
Nun aber, wenn Sie das wissen, was ich jetzt gesagt habe, dann werden
Sie auch sich sagen konnen: Ja, in friiheren Zeiten, wie war es denn da? -
Von den friiheren Zeiten habe ich Ihnen gesagt, da waren die Sonne und
der Mond und die Erde uberhaupt ein einziger Korper; die haben sich erst
im Laufe der Zeit getrennt. Wir haben das also heute so, daB wir Sonne,
Erde und Mond, das heiBt drei Korper haben, im Weltenraum verteilt.
Friiher hatten wir die Sonne, riesig groB; darinnen war die Erde und dar-
innen in der Erde war wiederum der Mond selber. Die steckten ineinander
(Zeichnung S. 44). Wenn wir also in der Entwickelung zuriickgehen, so
kommen wir zu einem Zeitpunkt, wo die Sache so war, wie wenn Sie,
meine Herren, sehr machtig waren, wir alle sehr machtig waren und
wiirden jetzt hier in der Versammlung beginnen, die ganze Erde zusam-
menzupacken, sie auf einen Weltenwagen zu laden, schnell zum Mond
43
hinfahren wiirden - den Mond, den stecken wir hinein in die Erde, in den
Stillen Ozean, und nachher fahren wir mit der Erde und dem Mond, den
wir aufgepackt haben in den Stillen Ozean, hinauf und fahren flugs in die
Sonne hinein: dann hatten wir wiederum den Zustand herbeigefuhrt, der
einmal war. Nur wiirden sofort alle Stoffe der Erde und alle Stoffe des
Mondes eine andere Gestalt annehmen, als sie jetzt haben. Aber das war
einmal so! Und als das noch so war, da gab es nicht eine solche Luft, wie
sie jetzt ist, sondern da gab es auf der Erde Blausaure. Da war also iiberall
in der Sonne Blausaure und Kohlensaure darinnen. Da werden Sie sagen:
Aber da war ja kein richtiger Sauerstoff; in Blausaure und Kohlensaure, da
kann der Mensch nicht leben! - Ja, meine Herren, so wie der Mensch
heute ist, konnte er dabei auch nicht leben; aber dazumal hatte der Mensch
noch keinen physischen Korper. Da lebte er als Seele in diesem Gebilde,
in diesem Himmelskorper, der Sonne und Erde und Mond zugleich war.
Und wir kommen einfach, wenn wir die Sache richtig betrachten, darauf
zuriick, daB die ganze Weltenkorperbeschaffenheit anders war seinerzeit,
daB, als wir noch in der Sonne lebten, wir natiirlich nicht von Sauerstoff
lebten, sondern von Blausaure und Kohlensaure lebten. Blausaure gab uns
die Sonne, in der wir ja drinnen lebten; Kohlensaure gab uns der Mond,
der in der Erde drinnen war.
Heute ist von all dem nur zuriickgeblieben, daB in der Luft der Stick-
stoff ist, von dem wir ja auch nicht leben konnen. Der ist von der Blau-
saure zuriickgeblieben. Die riesige Blausaureluft der Sonne hat uns, als
sich die Sonne und die Erde getrennt haben, zuriickgelassen den Stick-
44
Stoff. Der Stickstoff ist also zuriickgeblieben von der Blausaure. Und der
Sauerstoff, der ist zuriickgeblieben von der Kohlensaure, nachdem der
Mond herausgekommen ist. So daB wir sagen konnen: Unsere Luft, un-
sere gewohnliche Luft, die aus Stickstoff und Sauerstoff besteht, die ist ja
nicht ewig dagewesen, die ist ja erst seit der Zeit vorhanden, seit sich die
Sonne von der Erde getrennt hat; da ist der Stickstoff gekommen. Und seit
sich der Mond von der Erde getrennt hat, da ist der Sauerstoff gekommen.
Nun geht das aber weiter! Ich habe Ihnen gesagt, es ist eigentlich nur
ein biBchen Sauerstoff in der Luft, 2 1 Prozent etwa, und recht viel Stick-
stoff, rund 78 Prozent. Nun, ich habe Ihnen aber auch gesagt: Die Sonne
ist groB, der Mond ist klein; den Sauerstoff haben wir vom Mond, daher
ist weniger davon in der Luft; den Stickstoff haben wir von der Sonne,
daher ist sehr viel davon in der Luft, weil die Sonne viel groBer ist als der
Mond. Man sieht es also sozusagen der Luft an ihrem Stickstoff an, daB die
Sonne groBer ist als der Mond, weil wir den Stickstoff von der Sonne, den
Sauerstoff vom Monde haben.
Weiter aber habe ich Ihnen gesagt: Die Kohlensaure, die besteht aus
Sauerstoff und Kohlenstoff. Der Kohlenstoff, der in der schwarzen Stein-
kohle ist, der ist da; der Sauerstoff ist in der Luft. Nun habe ich Ihnen
gesagt, als der Mond herausgegangen ist von der Erde, da ist der Sauerstoff
entstanden. Aber aus der Kohlensaure ist ja dann der Kohlenstoff, der in
der Erde bleibt, das ist die Steinkohle in der Erde, entstanden. Also den-
ken Sie, wir graben heute die Steinkohle aus der Erde heraus. Was mussen
wir uns denn sagen, wenn wir nicht bloB wie die Regenwurmer in der Erde
bohren, sondern uns aufklaren dariiber, wie diese Steinkohle entstanden
ist? - Einmal ist der Mond aus der Erde herausgegangen, hat der Luft den
Sauerstoff geschenkt und dem Erdboden die Kohle. Wir mussen eigent-
lich wirklich sagen: Du, Mond, du hast uns reichlich beschenkt, als du die
Erde verlassen hast; du hast dich nicht bloB gedriickt, als du die Erde
verlassen hast; du hast uns zuriickgelassen in der Luft den Sauerstoff und
in der Erde die Steinkohle! - Also der Mond, der ist eigentlich ein ganz
feiner Kerl im Weltenall drauBen; denn als er noch bei uns war, da hat er
unsere Seelen unterhalten dadurch, daB er selber immer Kohlensaure
entwickelte; das hat er uns zuriickgelassen. Und drauBen hat er uns den
Kohlenstoff zuriickgelassen und in der Erde die Steinkohle. Er driickte
45
sich nicht so wie ein Dieb, daB er nichts zuriicklieB oder gar noch mit-
nimmt, sondern er hat den physischen Menschen erst moglich gemacht.
Vorher gab es keinen physischen Menschen, sondern nur einen geistigen
Menschen in der Sonne mit Mond und Erde.
Und noch friiher haben sich Erde und Sonne getrennt. Die Sonne hat
die Erde versorgt mit Blausaure, eigentlich mit Zyankali. Das braucht
man, um seelisch-geistig zu leben, also wenn man nicht den physischen
Korper hat. Man muB die Blausaure in der Umgebung haben, da wo man
sie gerade nicht brauchen kann, wenn man als physischer Mensch leben
soil. Den physischen Menschen lost die Blausaure gleich auf. Aber die
Sonne ist auch solch eine feine Person: die hat uns zuriickgelassen in der
Luft den Stickstoff, als sie damals weg ist, sich getrennt hat; und in der
Erde hat sie uns zuriickgelassen das Zyankali und andere Zyanverbindun-
gen. Diese bestehen aus Kohlenstoff, Stickstoff und Kalium - Kalium ist
ein Stoff, der so fein glanzt wie das Silber - oder auch Kalzium. Diese
Sonne also, die hat in der Luft uns den Stickstoff zuriickgelassen, auch
etwas Kohlenstoff noch, aber der ist nicht zur Steinkohle geworden,
sondern der lebt in den Pflanzen, dieser Kohlenstoff; aber Kalzium hat sie
abgesondert und davon kommen die Kalkberge, der Jura und so weiter.
DaB wir also uberhaupt einen festen Erdboden haben, das riihrt ja davon
her, daB die Sonne einmal bei uns war und hinausgegangen ist in den Wel-
tenraum und uns den Kalk zuriickgelassen hat. Der Mond hat uns die
Steinkohle zuriickgelassen, die Sonne hat uns den Kalk zuriickgelassen in
der Erde. Der Mond hat uns in der Luft den Sauerstoff gelassen, die Sonne
hat uns in der Luft den Stickstoff gelassen.
Und so ist die Erde aus Sonne und Mond heraus gebildet. Und nach-
dem sie herausgebildet ist, schauen wir hinauf und sehen Sonne und
Mond. Aber als eben das alles noch beieinander war, als Sonne, Mond und
Erde ineinander waren, da konnte der Mensch nur als seelisch-geistiges
Wesen leben, konnte nicht anders leben! Ja, meine Herren, damals war
der Mensch fahig, trotzdem zu leben als seelisch-geistiges Wesen, trotz-
dem er niemals einen physischen Korper bekommen hat, weil Sauerstoff
und Stickstoff und das alles nicht da war. Aber nun, wenn wir heute, so
wie wir nun einmal sind auf der Erde, Zyankali in uns hineinbringen, dann
vernichtet das in unserem Korper alle unsere Bewegungen und Lebens-
46
krafte. Und das Schlimme ist, daB immer Gefahr vorhanden ist, wenn
einer sich mit Zyankali vergiftet, daB das die Seele mitnimmt und der
Mensch, statt daB er in der Seele weiterleben konnte, iiberhaupt in der
ganzen Welt verteilt wird und namentlich im Sonnenlicht verteilt wird.
Wenn anthroposophische Erkenntnisse sich verbreiten wiirden, so
wiirde sich kein Mensch mehr mit Zyankali vergiften. Es wurde ihm gar
nicht einfallen! DaB Vergiftungen mit Zyankali eintreten, das ist nur die
Folge der materialistischen Weltanschauung, weil die Menschen glauben:
tot ist tot, ganz gleichgiiltig, ob man durch Zyankali den Tod erleidet oder
durch die innere Auflosung. Das ist aber nicht gleichgiiltig! Wenn man
durch die innere Auflosung den Tod erleidet, dann haben Seele und Geist
den gewohnlichen Weg zu gehen in die geistige Welt hinein; sie leben eben
weiter. Wenn Sie aber durch Zyankali sich vergiften, dann hat die Seele die
Absicht, iiberall mit jedem Korperteilchen mitzugehen, und namentlich
sich auszubreiten im Stickstoff und sich aufzulosen im Weltenall. Das ist
der wirkliche Tod von Seele und Geist. Wenn nun die Menschen wissen
wiirden, daB Seele und Geist der eigentliche Mensch ist, dann wiirden sie
sagen: Wir konnen unmoglich diese furchtbare Explosion hervorrufen,
die dann hervorgerufen wird in feiner Weise im ganzen Weltenall, wenn
ein Mensch sich vergiftet mit Zyankali. - Denn jeder Mensch, der sich mit
Zyankali vergiftet, der schaltet sich ein auf eine unrichtige Weise in den
Strom, der von der Erde zur Sonne geht. Und man miiBte, wenn man die
richtigen Instrumente hatte, jedesmal, wenn sich ein Mensch durch Zyan-
kali vergiftet, in der Sonne eine kleine Explosion sehen. Und die Sonne
wird schlechter dadurch. Der Mensch verdirbt das Weltenall und auch die
Kraft, die von der Sonne zur Erde stromt, wenn er sich vergiftet mit
Zyankali. Der Mensch hat wirklich EinfluB auf das Weltenall. Wenn sich
der Mensch mit Zyankali vergiftet, dann ist das so, daB er eigentlich die
Sonne ruiniert! Und so ist es bei jeder Zyankalivergiftung.
Und das ist schon etwas, was nicht eine solche kiinstlich erzeugte reli-
giose Stimmung hervorruft, sondern was die wirklich religiose Stimmung
hervorruft, daB der Mensch weiB: Ich gehore dem Weltenall an, und was
ich tue, ruft fortwahrend Einflusse im Weltenall hervor. - Das ist es eben,
daB das von den Menschen ganz vergessen worden ist, daB das so ist und
daB die Menschen gar nicht wissen: Der Stickstoff, der da in meiner
47
Umgebung ist, den hat die Sonne geschaffen; der Sauerstoff, der da in
meiner Umgebung ist, den hat mir der Mond geschaffen. - Und daher ist
eine wirkliche Wissenschaft im Grunde genommen heute gar nicht mehr
da. Es ist ja gar keine wirkliche Wissenschaft mehr da! Die wirkliche Wis-
senschaft nimmt die anderen Weltenkorper zu Hilfe. Und so sehen die
Menschen durch ihre Fernrohre auf die Sterne hinauf, rechnen bloB, wis-
sen aber nicht, daB zum Beispiel zwischen jedem Eisenteilchen, wovon
Millionen in unserem Blute herumschwimmen, zwischen jedem Eisenteil-
chen in unserem Blute und all dem, was im Mond vorgeht, ein inniger
Zusammenhang ist. Und so ist es schon, daB zum Beispiel ein bleichsiich-
tiges junges Madchen ja keine richtige Beziehung zum Mond entwickeln
kann und dadurch ganz herauskommt aus dem Weltenzusammenhang. So
daB ein solches bleichsiichtiges junges Madchen zum Beispiel das Ge-
dachtnis verliert, alles, was sich auf den Kopf bezieht, und daB dadurch
nicht jene lebendige Beziehung entsteht, alles das, was, wie ich Ihnen
gesagt habe, zwischen Eisen und Kohlensaure entstehen soli — das alles ist
nicht vorhanden beim bleichsiichtigen jungen Madchen: der Kopf wird
von Gedanken leer.
Aber wiederum, wenn der Mensch nicht imstande ist, das richtig zu
bekampfen, was da an Zyankali in seinem Korper entstehen will, dann
wird zu viel Kalk abgelagert in den Knochen; die Knochen werden brii-
chig und nach und nach schiebt sich sogar der Kalk in die Blutadern hin-
ein: alles im Menschen wird briichig. Der Mensch kann nicht mehr das
richtige Verhaltnis zur Sonne entwickeln. Das muB aber sein. Der Mensch
muB durch dasjenige, was in seinen Bewegungen lebt, woran ja die Kno-
chen ihren wichtigen Anteil haben, seine richtige Beziehung zur Sonne
entwickeln. Und der Mensch muB durch dasjenige, was in seinem Kopfe
lebt, die richtige Beziehung zum Mond entwickeln. Ja, meine Herren, es
ist schon so, daB wenn der Mensch nichts denkt, zu faul ist zum Denken,
dann kummert sich der Mond nach und nach nicht um den Menschen!
Dann wird der Mensch dumpf, dumm. Und wenn der Mensch gar nicht
geht, sich fortwahrend ins Bett legt, dann kummert sich die Sonne nicht
um den Menschen. Dann wird der Mensch in bezug auf seine GliedmaBen
dumpf und stumpf und trage und lassig. Ob einer recht faul ist in Bewe-
gungen oder ob einer recht faul ist in Gedanken, das hangt von seiner
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Beziehung zu Sonne und Mond ab. 1st man mit Sonne und Mond gut
Freund, dann denkt man gern und geht gern herum und arbeitet gern. 1st
man mit Sonne und Mond schlecht zu sprechen, dann hort man auf zu
denken, und dann hat man auch keine Freude am Herumgehen und am
Arbeiten. Aber der Mensch hangt schon ganz innig zusammen mit Sonne
und Mond. Wenn Sie den einen oder anderen heute fragen nach dem, was
er gelernt hat von all dem, was man heute lernen kann - der eine sagt ei-
nem, wie man mit dem Mikroskop arbeitet, der andere erzahlt einem, wie
man mit dem Teleskop, dem Fernrohr zu Sonne und Mond schaut, wie
man die Winkel berechnet, wie viel da an Entfernungen sind, daB die
Sonne Sonnenflecken hat, daB sie eine Korona um sich hat, wie die Nebel
aufsteigen — , das alles erzahlt er einem.
Wenn Sie mich fragen, was der Zusammenhang zwischen den Him-
melskorpern ist, dann kann ich Ihnen dasselbe sagen, weil ich zwar auch
das gelernt habe, was die anderen gelernt haben. Aber wenn eine lebendige
Wissenschaft daraus werden soil, so muB ich es Ihnen so erzahlen, daB es
zuletzt darauf hinauskommt, daB das menschliche Gehen und Stehen mit
der Sonne zusammenhangt; das ist eben lebendige Wissenschaft und das
andere ist tote Wissenschaft, lebendige Wissenschaft und tote Wissen-
schaft! Diese lebendige Wissenschaft und diese tote Wissenschaft, das ist
eben der Unterschied zwischen dem Goetheanum und, sagen wir, einer
heutigen Universitat. Wenn Sie an eine heutige Universitat kommen, so
erzahlt man dem jungen Mediziner, wenn sich irgendein Korper mit dem
Sauerstoff verbindet, so verbrennt er. Sie haben also eine Kerze; da ist al-
lerlei Brennstoff, Fette, da haben Sie die Flamme und da verbinden sich
diese Stoffe mit dem Sauerstoff der Luft. Und das ist die Verbrennung,
Verbindung von Stoffen mit dem Sauerstoff der Luft, also Verbrennung.
Und dann geht der Professor iiber dazu, daB er sagt: 1m Menschen ist auch
eine Verbrennung drinnen, denn da ist der Kohlenstoff drinnen, der Sau-
erstoff wird eingeatmet, verbindet sich mit dem Kohlenstoff; im Men-
schen ist auch eine Verbrennung drinnen. - Und so erzahlt Ihnen der Herr
Professor von der Verbrennung im Menschen. Aber das ist geradeso ein
Unsinn, wie wenn einer sagt: Kerl, deine Leber ist furchtbar schlecht
geworden, ich schneide dir eine aus Holz und setze sie dir ein. - Ja, das ist
eine tote Leber! Der Mensch braucht aber eine lebendige Leber. Wenn Sie
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eine Kerze anziinden, haben Sie erne tote Verbrennung; die Verbrennung,
die im Menschen drinnen ist, ist aber eine lebendige Verbrennung! Gerade
derselbe Unterschied wie zwischen Kerze und der lebendigen Verbren-
nung im Menschen, ist auch zwischen einer lebendigen Leber und einer
Leber aus Holz. Wenn also der Professor erzahlt, im Menschen findet eine
Verbrennung statt, so erzahlt er uberhaupt nicht vom wirklichen Men-
schen, sondern von einem, den er aus Holz geschnitzt hat. Das ist ja alles
Unsinn! Die Verbrennung selber ist lebendig im Menschen. Und das ist
der groBe Unterschied zwischen der Verbrennung, die drauBen ist, der
toten Verbrennung, und der lebendigen, die im Menschen drinnen ist.
Aber die betrachten die Verbrennung ganz gleich, die sagen: draufien
verbrennt das Fett, der Talg oder so irgend etwas in der Kerze, und drin-
nen verbrennt der Kohlenstoff zu Kohlensaure. - Es ist ein ganz komplet-
ter Unsinn! Es ist derselbe Unsinn, wie wenn man sagt, man konnte eben-
sogut eine Leber aus Holz oder Stein machen. Das ware eine tote Leber!
Man kann eben im Korper nicht eine solche Verbrennung bloB haben wie
bei einer Kerze, sondern eine lebendige Verbrennung ist da im Menschen
und sie unterscheidet sich von dem, was man sonst Verbrennung nennt,
eben geradeso wie sich die Leber von einem Stuck Holz unterscheidet.
Daher unterscheide ich diese Ausdriicke, die die gewohnliche Naturwis-
senschaft gebraucht von Verbrennung und so weiter; ich sage es nur,
indem ich zugleich erklare, daB das eine lebendige Verbrennung ist. Schon
in dem Wort, wenn man sagt, in dem Korper findet eine Verbrennung
statt, in dem Wort liegt ein Unsinn, weil jeder denkt: Dasselbe wie bei der
Kerze geht im Menschen vor sich. - Schon wenn man die Worte aus-
spricht, redet man einen Unsinn.
Am nachsten Samstag, wenn ich da bin, halte ich einen Vortrag; sonst
am Montag.
50
DRITTER VORTRAG
Dornach, 13. Oktober 1923
Guten Morgen, meine Herren! Vielleicht ist Ihnen etwas am letzten Vor-
trag besonders aufgefallen, so daB Sie noch eine Frage daranschlieBen
wollen?
Fragesteller: Gestern hat mir Herr Seefeld eine Photographie gezeigt von Schneeflocken.
Die Formen kommen aus dem Weltenall. Es hat mich sehr interessiert; da ist ein Zusam-
menhang. Das hat mir schon weiter zu denken gegeben.
Dr. Steiner: Ich werde Ihnen einmal auch dieses im Zusammenhang
darzustellen versuchen, namentlich weil sich ja der AnschluB dann leicht
ergeben wird an das, was wir am letzten Montag besprochen haben. Ich
habe Sie ja ofter darauf aufmerksam gemacht, der Mensch ist ein sehr
kompliziertes Wesen. Das sieht man nicht so stark an dem AuBeren des
Menschen, sondern man sieht es an dem Inneren des Menschen, auch an
dem Korperlich-Inneren des Menschen. Da kann ich Sie zum Beispiel
darauf aufmerksam machen, daB in den Gegenden, in denen die soge-
nannte heiBe Zone ist, wo der groBte Teil des Jahres warm ist und eigent-
lich nur abwechselnd mit der Warme ein ganz kurzer regnerischer Winter
- sagen wir im siidlichen Agypten, oder sagen wir in Indien -, daB da die
Menschen eigentlich in ihrem Inneren ganz anders ausschauen als da, wo
es bestandig kalt ist, in den Gegenden zum Beispiel, die dem Nordpol
naheliegen. Gegenden, die dem Nordpol naheliegen, haben ja sehr viel
von dem, woriiber Sie jetzt gerade gefragt haben; sie haben sehr viel von
den Kraften, die sich dann ausdriicken in den schonen Formen der
Schneeflocken. So daB wir also sagen konnen: Wir haben auf der Erde
solche Gegenden, welche stark sonnendurchwarmt und sonnendurch-
leuchtet sind, wo die Sonne einen groBen EinfluB hat, und wir haben
Gegenden, wo die Sonne eigentlich wenig EinfluB hat, wo also Schnee, Eis
herrscht. — Sie wissen ja, daB nicht nur die Schneeflocken schone, allerlei
wunderschone Formen haben - die Schneeflocken haben erstens solche
Formen, die auf das Sechseck hingehen, aber auch allerlei solche Formen
(Zeichnung S. 52) -, sondern Sie haben doch ganz gewiB auch schon ans
51
Fenster gesehen im Winter, wenn dort das Eis ist, das Wasser gefriert, das
sonst als Dunst die ganze Fensterflache bedeckt; da haben Sie gesehen,
was da fur wunderschone Blumen sich bilden, wunderschone Figuren, in
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die sich das Wasser hineinbildet. So daB wir sagen konnen: Das Wasser,
das ja dem Schnee ebenso wie dem Eis zugrunde liegt — denn wenn es
wieder warm wird, so zerflieBt sowohl der Schnee wie das Eis zu Was-
ser-, das bildet, wenn die Sonne nicht recht Kraft hat, die schonsten Figu-
ren. Die konnen naturlich nicht im Wasser drinnen sein. Denn etwas, was
seine eigene Figur aus sich selber bildet, das behalt ja seine Figur. Sie haben
ja auch alle eine Figur. Von der menschlichen Figur aber kann man nicht
sagen, daB Sie alle nur in Bildern die menschliche Figur haben, die, wenn
die Sonne kommt, zerflieBt. Das ware auch schlimm, das tut sie nicht. Das
Wasser hat diese Figur nicht in sich selber, die kommt von auswarts.
Nun wollen wir einmal untersuchen, woher das Wasser diese Figur
bekommen hat, die da sowohl beim Schneekristall wie bei den Eisblumen
diese schonen Bilder hervorruft. Das ist dann die Antwort auf Ihre Frage.
Wenn man eine solche Frage sich stellt, muB man immer eingehen
konnen auf den ganzen Menschen. Nun sind im Menschen zwei Organe;
die sind anders bei einem Menschen, wo die Sonne das ganze Jahr hin-
52
durch eine groBe Kraft hat, wie in den heiBen Gegenden Siidagyptens und
Indiens. Die innere Gestalt dieser Organe unterscheidet sich bei diesen
Menschen von denjenigen Menschen, wo es sozusagen das ganze Jahr kalt
ist, wo immer so ein Hang ist in der Natur, Schneekristalle und Eisblumen
zu bilden, wie bei den Eskimos. Die leben da oben, wo immer eigentlich
Schnee und Eis sein will, wo das Wasser wenig zerflieBt. Nun schauen wir
aber einmal das AuBere an. Da werden die Leute sagen: Nun ja, die Leute
in den heiBen Gegenden sind auBerlich vielleicht etwas groBer; aber die
Eskimos, das sind kleine Leute. - Aber das ist nicht dasjenige, was die
Sache ausmacht, sondern der groBe Unterschied zwischen Menschen der
heiBen Zone und den Eskimos, den Menschen der kalten Zone, der liegt in
dem Unterschied ihrer Leberbildung und ihrer Lungenbildung. Die
Eskimos haben verhaltnismaBig zu ihrem Korper groBe Lungen und
kleine Lebern, und die Menschen in der heiBen Zone haben verhaltnisma-
Big eine kleinere Lunge und eine groBe Leber. Also Sie sehen, da unter-
scheiden sich die Menschen in Gegenden, in denen Eisblumen entstehen,
Eiskristalle entstehen, von den anderen dadurch, daB sie verhaltnismaBig
zu ihrem Korper eine kleine Leber und eine groBe Lunge haben. Und bei
den Menschen, bei denen die Natur nicht die Neigung hat, solche Figuren
zu bilden, sondern wo die Sonne alles immer schmilzt, alles wegschafft, da
besteht die Eigentumlichkeit, daB sie eine verhaltnismaBig kleine Lunge
und eine groBe Leber haben. Wir mussen immer, wenn wir um etwas in
der Natur fragen, also auch um die Eisblumen, auf den Menschen
schauen. Wenn man nicht vom Menschen ausgeht, versteht man nichts
in der Natur, gar nichts.
Also die Sache ist so: Die Leber im Menschen ist ein sehr wichtiges
Organ. Wenn der Mensch keine Leber hatte, hatte er keine Galle, denn die
Leber, die sondert fortwahrend Galle ab. Die Galle kommt aus der Leber,
geht in die Gallenblase iiber, von da in die Verdauungssafte, von da in das
Blut und geht dann in den ganzen Korper iiber. So daB wir sagen konnen:
Der Mensch hat in der rechten Seite die Leber; aus der Leber rinnt die
Galle heraus in die Gallenblase hinein, von da in das Blut, geht in den
ganzen Korper iiber. - So daB also der Mensch seine Leber eigentlich hat
zum Absondern der Galle.
Sie konnen nun fragen: Ja, warum kommt denn aus der Leber fortwah-
53
rend diese Galle? - Meine Herren, wenn Sie keine Galle Mtten, waren Sie
sonderbare Leute. Sie verteilt sich natiirlich in ganz kleine Mengen, aber
sie muB im ganzen Korper sein. Wenn Sie keine Galle hatten, waren Sie
fiirchterliche Phlegmatiker; die Hande, die Arme, den Kopf lieBen Sie
hangen, und es ware Ihnen zuwider, wenn Sie jemand ein Wort als Antwort
geben sollten und so weiter. Also Sie waren ganz latschete, phlegmatische
Leute, wenn Sie keine Galle hatten. Galle muB der Mensch haben; die
Galle muB aus der Leber kommen. Und wenn die Leber verhaltnismaBig
klein ist, so wird eben der Mensch phlegmatisch; wenn die Leber verhalt-
nismaBig groB ist, so hat der Mensch viel Feuer in sich, denn die Galle
macht Feuer. Und sehen Sie, es kann auch in einem Menschen zuviel
Galle sein, er kann zuviel Galle erzeugen; dann hat er eigentlich die Lust,
wenn man nur ein biBchen was zu ihm sagt, einem ein paar herunterzu-
hauen. Namentlich bei den jahzornigen Leuten flieBt aus der Leber fleiBig
Galle heraus; da flieBt viel Galle in den Nahrungssaft und in das Blut iiber.
So daB, wenn Sie innerlich den Menschen beobachten, zu dem Sie etwas
sagen oder dem irgend etwas nicht gefallt, das auf ihn einen besonderen
Eindruck macht-flugs rinnt viel Galle aus der Leber heraus und verbreitet
sich sehr schnell in dem ganzen Korper, und er haut Ihnen ein paar herun-
ter, oder er schimpft wie ein Rohrspatz. Das ist es, was man innerlich
beobachtet, wenn ein Mensch zuviel Neigung hat, Galle abzusondern.
Aber wie gesagt, wenn er gar keine Galle absondern wiirde, wiirde er gar
kein Feuer haben, sondern so daherschlapfen, wie ich es Ihnen gesagt
habe. Also Sie sehen, die Gallenabsonderung ist ja etwas, was unbedingt
zur Absonderung des Menschen gehort. Ich weiB nicht, ob schon irgend
jemand von Ihnen die Galle gekostet hat: sie schmeckt furchtbar bitter,
richtig giftig, und eine groBere Menge von der Galle richtig durch den
Mund aufgenommen, ist auch ein Gift. Das hangt zusammen mit dem,
was ich Ihnen am letzten Mittwoch gesagt habe. Ich hatte Ihnen gesagt:
Wenn der Mensch lebendig wird, sich bewegt, geht, auch wenn er
schimpft und Ihnen ein paar herunterhaut, ja, da gibt es so viel Gift, daB er
die Neigung hat, viel von dem Zyankali, von dem ich Ihnen da gesprochen
habe, zu erzeugen. Das muB er mit dem Blut vermischen. Ich habe viele
Falle schon kennengelernt, wo Leute einfach durch ihren Zorn eine innere
Blutvergiftung bekommen haben. Man kann so zornig werden, besonders
54
wenn man schnell zornig wird, daB man durch diesen Zorn iiberfliissig
viel Galle absondert - eigentlich zunachst viel Zyan, dann Galle. Dann
kriegt man eine furchtbare Giftmischung ins Blut, und da ruiniert man
dann das Blut. Es kommt eine furchtbare Blutvergiftung durch den Zorn.
Daraus sehen Sie, wie notwendig und wie schadlich wiederum beim
Menschen dasjenige sein kann, was irgendein Organ seines Leibes tut.
Denn alles, was geschieht, hangt mit dem Seelischen wiederum zusam-
men. Der Zorn ist etwas Seelisches, die Gallenabsonderung ist etwas
Physisches; aber es gibt nichts im Menschen, das nicht zugleich seelisch ist
und alles Seelische hat irgendwie eine physische Form.
Gehen wir weiter. Nehmen wir jetzt an, ein Mensch ist dem, was man
oftmals Erkaltungen nennt, namentlich Baucherkaltungen, sehr haufig
ausgesetzt. Also ein Mensch kriegt sehr haufig Baucherkaltungen; dann
sagt sein Bauch: Ja, ich bin wie ein Eskimo, ich bin wie in der kalten Ge-
gend der Erde. - Und dann kommt es, daB der Bauch fortwahrend die
Leber zusammenzieht, so daB sie wie bei dem Eskimo klein ist. Wenn
also der Mensch viel Baucherkaltungen hat, dann zieht sich seine Leber
zusammen, und dann preBt sie die Galle aus. Fortwahrend traufelt Galle
in die Gallenblase herein und von da in den Korper.
Nun, meine Herren, Sie haben alle schon dasjenige erlebt, was man
zum Beispiel Sich-Uberheben nennt. Man hebt etwas, was einem zu
schwer ist; da reiBt man sich die Muskeln auseinander, da zerstort man
sich die Muskeln. Wenn man zuviel Kraft anwendet fur irgendein Organ,
so zerstort man sich das Organ. So ist es aber bei der Leber. Wenn sie
immer fort und fort zuviel Galle absondert, dann schrumpft die Leber
allmahlich zusammen, sie wird untauglich. So daB also die meisten Leber-
krankheiten, die der Mensch bekommt, dadurch entstehen, daB der
Mensch durch Baucherkaltungen die Neigung bekommen hat, zuviel
Galle abzusondern und daB dadurch seine Leber verkiimmert. Leberer-
krankungen kommen aus Baucherkaltungen durch Zusammenschrump-
fen der Leber. Natiirlich kommen ja alle moglichen anderen Zustande
dazu. Wenn der Mensch Baucherkaltungen hat, geht das Herz nicht or-
dentlich. Da sagen dann die Arzte, die Leberkrankheiten kommen vom
Herzen. Aber in Wahrheit kommen sie von dem, daB der Bauch sich er-
kaltete.
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Alles das aber - das konnen Sie schon aus dem entnehmen, was ich
Ihnen gesagt habe - hat zu tun mit der Sonne. Daher ist es auch immer sehr
gut, wenn einer gerade an Baucherkaltungen leidet, daB man ihm seinen
Unterleib dem Lichte aussetzt. Da ist zum Beispiel die Sonnenkur auBer-
ordentlich gut. So also miissen wir sagen: Alles das, was mit der Leber
zusammenhangt, hangt auch mit der Sonne zusammen. Sonnentatigkeit
fordert Lebertatigkeit. Mangel an Sonnentatigkeit bringt die Lebertatig-
keit in Unordnung. Es ist ein sehr interessanter Zusammenhang zwischen
der Sonne und der Leber.
Ich habe immer bewundert, daB in der deutschen Sprache das Wort
Leber existiert. Alle anderen Sprachen haben fur dieses Organ in der rech-
ten Seite des Unterleibes gar kein so schones Wort. Denn nach dem, was
ich Ihnen jetzt erklart habe, miissen wir ja sagen, das Feuer, sogar das, was
dem Menschen von der Sonne kommt, diese belebende Feuerkraft, die
muB in der Leber erst fur den Menschen zurechtgekocht werden; da muB
ihm die Galle bereitet werden, die dann in seinen Korper iibergeht. Die
Sonne bereitet in dem Menschen die Galle. Dasjenige, was der Mensch da
tut, das nennen wir leben, und den, der dieses Leben anfeuert, den kann
man einen Leber nennen. So wie man sagt: Wagen, Wagner, Zeichnen,
Zeichner, so ist leben das Zeitwort, und Leber, der Leber - das hat man
nur vergessen, daB das so ist, man sagt «die Leber» statt «der Leber»;
eigentlich heiBt es der Leber -, der ist das, was da belebt! Die Sprache ist
manchmal wunderbar lehrreich, weil in den alten Volksinstinkten immer
ein Wissen von dem vorhanden war, und da sind die Dinge richtig benannt
worden. Leber ist das, was anfeuert, was den Menschen belebt. Das ist in
bezug auf die Leber zu sagen. Nun, wenn man die Leber in ihrer Gallen-
absonderung hat, dann muB man sagen: Die Absonderung der Leber ist
dasjenige, was mit der Sonne zusammenhangt.
Jetzt gehen wir zu der Lunge iiber. Das haben wir ja oft besprochen
und Sie wissen es auch: die Lunge atmet. Aber daB die Lunge da den Sauer-
stoff einzieht, atmet, das ist bei der Lunge nur ein Teil ihrer Tatigkeit.
Die Lunge hat noch etwas anderes zu tun. Geradeso wie die Leber die
Galle absondert, so sondert die Lunge dasjenige ab, was man den Schleim
nennt. Die Lunge also sondert den Schleim ab. Die Lunge kann ebenso-
wenig wie die Leber dasjenige, was sie in sich hat, in sich behalten. Die
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Leber konnte nicht sich ganz anfullen mit Galle, die Leber muB die Galle
an den Korper abgeben. Aber die Lunge, die muB fortwahrend Schleim
aussondern, immerfort Schleim aussondern. Und nun ist es so, daB wenn
die Lunge Schleim aussondert, so geht der Schleim dann iiber in alle ande-
ren Teile des Korpers. Er geht mit dem SchweiB fort, er geht sogar in die
Ausatmungsluft hinein, er geht mit dem Urin ab, er geht uberallhin, der
Schleim. Aber das Organ, das den Schleim absondert, das ist die Lunge.
Wenn Sie nun die Luft, die der Mensch ausatmet, untersuchen, dann
kriegen Sie etwas Wunderschones heraus. Man muB nur hauptsachlich
nicht die vom Munde ausgeatmete Luft untersuchen, die ist zu unregel-
maBig; man muB die von den Nasenlochern ausgeatmete Luft untersu-
chen.
Sehr interessant ist es, wenn jemand recht langsam ausatmet. Da muB
man sehr achtgeben: Atmet man auf eine Glastafel, dann entsteht im
Atem, der ausgeatmet wird, etwas Ahnliches wie beim Schnee. Man muB
es sehr sorgsam machen, und zwar so, daB man, wenn man zum Beispiel
das linke Nasenloch beim Ausatmen zuhalt, nur mit dem rechten Nasen-
loch langsam ausatmet auf die Glastafel, die man vor sich liegen hat, und
dann mit dem linken. Man muB sehr langsam atmen, weil, wenn man
schnell atmet, man das Ganze verwischt durch den AtemstoB. Es muB
ganz sanft und milde geatmet werden. Das muB man eigentlich erst lernen.
Aber da ist es dann interessant: Wenn man da durch ein Nasenloch atmet,
dann entstehen auf der Glasplatte durch die ausgeatmete Luft gerade sol-
che Figuren wie beim Schnee! Da ist die Ausatmungsluft nicht einfach
solch ein Brockelchen darauf, sondern solch eine Figur. Und das, ich
mochte sagen, verteufelt Interessante dabei ist, daB wenn Sie das linke
Nasenloch zuhalten und ausatmen, kriegen Sie eine Figur; wenn Sie das
rechte Nasenloch zuhalten und ausatmen, kriegen Sie eine andere Figur.
Nicht einmal die gleichen Figuren sind es! So daB wir also sagen konnen:
Die Luft aus Ihnen heraus, aus Ihrem eigenen Menschen heraus, diese
Luft geht in Figuren heraus. Sie geht gar nicht bloB als Tropfen heraus, sie
geht in Figuren heraus, und sogar so merkwurdig, daB das linke Nasen-
loch noch eine andere Figur als das rechte Nasenloch gibt.
Nun, meine Herren, dasjenige, was da in der ausgeatmeten Luft drin-
nen ist, die ja, weil sie Wasserdunst enthalt, diese Figuren gibt, die gleich
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wieder verdunsten, aber diese Figuren bildet, das ist der Schleim, der aus
der Lunge in die ausgeatmete Luft iibergeht. Der bildet sich zu diesen
Figuren. Der Schleim klebt gewissermaBen die einzelnen, ganz winzigen
Wassertropfelchen zusammen zu solchen Figuren. So daB Sie in Ihrer
Lunge nicht eben einfach die Neigung haben, Schleim in einer beliebigen
Gestalt auszustoBen, sondern Sie haben die Neigung, aus Ihrer Lunge den
Schleim eigentlich in Kristallen auszuatmen oder auszustoBen - in Kristal-
len! Nur verdunsten diese Kristalle gleich, losen sich gleich auf, weil sie an
die Sonne kommen.
Gerade so nun, wie die Galle mit der Leber zur Sonne in Beziehung
steht, so steht die Lunge mit ihrer Schleimabsonderung zum Mond in
Beziehung. Wir wissen ja, daB da in den Kopf hinauf, wie ich Ihnen gesagt
habe, die Kohlensaure steigt, und ich habe Ihnen gezeigt, daB wenn der
Mensch keine Kohlensaure in seinen Kopf hinaufschicken wiirde, er dann
dumm werden wiirde. Diese prickelnde Kohlensaure, die sich in ganz
kleinen Mengen fortwahrend in den Kopf hinaufbringt, die macht, daB
wir gescheite Menschen sind. Wir sind ja alle so furchtbar gescheite Men-
schen, nicht wahr! Sie wissen, wenn man Brausen trinkt, dann prickelt
das; das ist dann sehr stark wahrzunehmen. Aber der Mensch erzeugt
immer sehr schwach Kohlensaure. Die schickt er in den Kopf hinauf. Und
dieses Prickeln im Kopf, das macht den Kopf regsam; dadurch ist er ge-
scheit und nicht dumm. Diejenigen Menschen, die wirklich dumm sind -
ich weiB nicht, ob es solche auch gibt-, die haben zuwenig Kraft, um den
Kohlenstoff mit dem Sauerstoff zu verbinden und schicken keinen Koh-
lenstoff hinauf, sondern die verbinden den Kohlenstoff mit einem ganz
anderen Gas. Also der Mensch, der gescheit ist, der verbindet den Koh-
lenstoff mit dem Sauerstoff: da entsteht die prickelnde Kohlensaure. Aber
wie gesagt, diejenigen Menschen, die nun wirklich dumm sind, die ver-
binden den Kohlenstoff nicht mit dem Sauerstoff, sondern mit dem Was-
serstoff. Die verbinden also Kohlenstoff mit Wasserstoff, und da entsteht
dieses Gas, das man manchmal in Gruben findet: Grubengas, Sumpfgas.
Wir alle senden auch etwas von diesem Grubengas in den Kopf; das brau-
chen wir auch, sonst wiirden wir namlich zu gescheit. Damit wir immer
auch ein biBchen dumpf bleiben konnen, auch so ein biBchen nicht ewig
gescheit sind, entwickeln wir auch Sumpfgas. Aber diejenigen, die zu
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dumm werden, entwickeln zuviel Sumpfgas. Bei denjenigen Menschen,
die halbwegs gescheit sind, geht die Kohlensaure in den Kopf. Das prik-
kelt. Und wenn dann sich nach und nach viel Sumpfgas angesammelt hat,
dann werden sie schlafrig, dann kommt die Schlafmudigkeit. Das tritt ein
des Nachts, da entwickelt sich viel Sumpfgas. Nur bei denjenigen, die
dumm sind, entwickelt sich das Sumpfgas auch wenn sie wachen. Also da
muB immerfort die Kohlensaure hinauf. Aber die Kohlensaure allein tut es
nicht: es muB von der Lunge aus der Schleim in den Kopf gehen. Er geht ja
sogar durch die Nasenlocher in Form von Kristallen heraus, geradeso wie
in Leber und Galle. Nun, das wird Ihnen klar sein durch die Beschrei-
bung, die ich am Mittwoch gegeben habe.
So wie die Leber mit der Sonne zusammenhangt, so hangt nun die
Lunge mit dem Mond zusammen. Sehen Sie sich einmal den Mond an. Der
Mond ist nur ganz anders als die Sonne. Wenn Sie auf die Sonne schauen,
dann ist die Sonne ja rund, aber sie breitet eigentlich ihre Strahlen nach
alien Seiten aus. Die Sonne, die scheint nach alien Seiten; sie zerflieBt nach
alien Seiten, so wie die Galle in dem menschlichen Leib nach alien Seiten
hin geht. Man kann dann die Sonne in ihrem ZerflieBen, im Auseinander-
flieBen vergleichen mit dem ZerflieBen der Galle. Aber der Mond - ja,
meine Herren, wenn Sie den Mond anschauen, der hat immer eine ganz
bestimmte Gestalt. Der Mond ist ganz fest. Und er ist in seinem Inneren
auch so, daB das, was die Substanz, den Stoff des Mondes ausmacht,
kristallisiert, geradeso wie unsere Ausatmungsluftformen, die aus der
Nase kommen, kristallisiert sind. Da wirken drinnen die Mondwirkun-
gen, so wie in der Leber und Galle die Sonnenwirkungen. In der Lunge
wirken die Mondkrafte, und der Mond bewirkt diese Absonderung von
Schleim.
Jetzt konnen wir sagen: Gehen wir in die heiBen Gegenden, ja, dann
wirkt die Sonne. Die laBt alles zerflieBen; die Leute bekommen viel Feuer.
Das Feuer, es braucht ja nicht bloB im Jahzorn zu leben, sondern es lebt
auch in den schonen Dingen und in der schonen Weisheit der Eifer. Die
Leute bekommen viel Feuer. Gehen wir in die kalten Gegenden, dann
muB sich in diesen kalten Gegenden, wo die Sonne nicht die Kraft hat zu
wirken, wo namentlich der Mond in den kalten Nachten hineinscheint in
die Eiseskalte, die Lunge, die sich verhaltnismaBig vergroBert, sehr stark
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anstrengen: da wird viel Schleim abgesondert. Und derjenige, der das
nicht gewohnt ist, der erkaltet sich, der sondert zuviel Schleim ab.
Sehen Sie, meine Herren, jetzt haben Sie auch die Ursache der Lungen-
krankheiten. Die Lunge muB ein gewisses Quantum von Schleim abson-
dern, so wie die Leber ein gewisses Quantum von Galle absondern muB.
Aber geradeso wie die Leber, wenn sie zuviel Galle absondert, sich rui-
niert, so ruiniert sich die Lunge, wenn sie zuviel Schleim absondert. Das
ist bei den Lungenkrankheiten der Fall. Da wird die Lunge durch dasjeni-
ge, was sie erlebt, aufgeriittelt, zuviel Schleim abzusondern. Denken Sie
sich also, Sie leben statt in einer maBig feuchten Luft, statt in einer ein
biBchen feuchten Luft in einer stark feuchten Luft: dann muB sich die
Lunge sehr stark anstrengen. Aber wenn sich die Lunge anstrengt, so
sondert sie Schleim ab. Und da fangt die Lunge dann an, dadurch, daB sie
zuviel feuchte Luft atmet, sich zu stark anstrengen muB, krank zu wer-
den. Und der Mensch spuckt, wenn er lungenkrank wird; nach und nach
spuckt er seine ganze Lunge aus, wenn er zuviel krank ist.
Man kann der Lunge dann zu Hilfe kommen, indem man eine be-
stimmte Arznei bereitet. Man darf dazu keine Wurzeln verwenden, son-
dern man muB die Blatter verwenden von Pflanzen, eine bestimmte Arz-
nei daraus bereiten. Es ist das also zum Beispiel der Fall bei ganz bestimm-
ten Pflanzenarten. Wenn man da richtig den Saft nimmt und bestimmte
Arzneien bereitet, kann man der Lunge zu Hilfe kommen, wenn sie zuviel
tatig ist. Denn solche Arzneien haben die Eigentumlichkeit, daB sie die
Lungentatigkeit ubernehmen; dann strengt sich die Lunge etwas weniger
an. Das Heilende besteht also meistens darinnen, daB man sich fragt: Die
Lunge, die sondert also zuviel Schleim ab; das ist ein Zeichen, daB sie sich
zu stark anstrengt. Schon, was rue ich? Ich suche mir eine Pflanze, die
einen Saft hat, der die Lungentatigkeit ubernehmen kann.
Oder ich bemerke, daB die Leber zuviel Galle absondert: ich suche mir
eine Pflanze, welche die Lebertatigkeit ubernehmen kann. Da gibt es zum
Beispiel eine Pflanze, die heiBt Cichorium intybus, Wegwarte. Wenn man
den Saft aus der Wurzel dieser Pflanze zu einer Arznei bereitet und ihn
dem Menschen eingibt, dann ubernimmt der die Lebertatigkeit, und man
kann dann fmden, daB der Mensch zwar zunachst nicht weniger Galle
absondert, daB auch zunachst seine seelischen Zornzeiten nicht zuriick-
60
gehen, daB aber seine Leber sich nach und nach wieder kraftigt und all-
mahlich die Besserung eintritt.
So hilft man einem Menschen also dadurch, daB man weiB, daB zum
Beispiel die Safte der Blatter — nicht die Wurzeln - gewisser Kohlarten be-
stimmte Lungentatigkeiten iibernehmen konnen, und daB der Saft aus der
Wurzel von Cichorium intybus - sie wachst auch da drauBen, Sie werden
sie alle kennen, sie hat so blaueBliiten-besonders heilsam ist fur die Leber.
So konnen wir sagen: In heiBen Gegenden, da zerflieBt das Wasser;
Warme, Sonnenwarme lost alles auf. - Wenn die Sonne weniger tatig ist,
wenn die Sonnenkraft nachlaBt oder das ganze Jahr hindurch schwach ist,
wie in nordlichen Gegenden, dann wird der Mond urn so machtiger.
Wenn die direkten Sonnenstrahlen nicht wirken, so wirken diese merk-
wiirdigen Sonnenstrahlen, die vom Mond zuriickgeworfen werden. Die
aber erzeugen die Kristallformen und Eisblumenformen. Das ist sehr
schon. Wir konnen also sagen: Wenn wir hier die Erde haben (siehe
Zeichnung), dann haben wir hier die heiBe Zone. Auf die heiBe Zone
wirken besonders die Sonnenstrahlen. - Oh, das ist sehr schon, wie da die
Sonnenstrahlen wirken! Diese Sonnenstrahlen, die regen die Lebertatig-
keit an. Die Leber schickt iiberall die Galle hinein, und die Galle breitet
61
sich im ganzen Korper aus. Und wenn sich die Galle zum Beispiel in die
Federn der Vogel oder in die Fliigel der Kolibri hinein ausbreitet, da wird
sie zu den schonen Farben. Daher glitzern die Kolibris in der heiBen Zone,
weil ihre Galle sehr schnell abgesondert wird und sehr schnell in die Fe-
dern geht.
In kalten Gegenden, da ist das nicht so, da hat die Sonne wenig Kraft.
Da ist dafiir das zuriickgeworfene Sonnenlicht, das Licht des Mondes
besonders tatig, und dieses Licht bewirkt, daB der Schnee sich zu Kristal-
len bildet, daB das Eis die Eisblumen gibt. Bei uns entsteht das nur, wenn
eben im Winter die Sonne an Kraft verliert. Aber in den Gegenden des
ewigen Eises, am Nordpol oder auf den hohen Bergen, da bilden sich, weil
die Sonne auch keine Kraft hat, weil die Sonne die Kraft erst entwickeln
kann in der dichten Luft, diese schonen Formen des Eises.
Wir bekommen schon, wenn wir so in die Natur hineinschauen, einen
wunderbaren Eindruck! Wir bekommen den Eindruck, daB iiberall, wo
die Sonne hineinscheint, Leben wird, Leben, das zerflieBt und verdunstet,
das sich ausbreitet. Uberall wo der Mond hineinwirkt, entstehen Gestal-
ten, Bildnisse. Das ist schon ein machtiger Eindruck, den man da be-
kommt. Und diese Dinge durchschaut man nur, wenn man eben aufs
Geistige eingehen kann. Es ist ja wirklich so, daB man sagen muB: In der
Lunge, wo der Mensch also eigentlich den Schleim erzeugt, da wirken auch
die Mondenkrafte. Und sie wirken so, daB sie nicht das direkte Sonnen-
licht brauchen, sondern daB sie das zuriickgeworfene Sonnenlicht ver-
wenden. Wenn daher hier im Norden die Mondenkrafte vorzugsweise
tatig sind, die Sonne sich ausschaltet, dann kommt noch etwas anderes;
dann wird die Luft da driiber so, daB etwas, was hier immer in der Erde
drinnen ist, herausgeht. In der Erde namlich ist uberall Magnetismus und
Elektrizitat drinnen. Die Erde ist ganz; voll von Magnetismus und Elektri-
zitat. DaB in der Erde uberall Magnetismus und Elektrizitat ist, das kon-
nen Sie daraus sehen: Nicht wahr, wenn Sie auf einer Station einen Tele-
graphenapparat haben (es wird gezeichnet), wenn das also zum Beispiel
in Dornach ist, dann haben Sie hier einen, sagen wir in Basel; da kon-
nen Sie hinein telegraphieren; aber man kann nur telegraphieren, wenn
ein Draht geht. Drahte miissen ja durch die Luft gehen; nur dann kann
man telegraphieren. Aber das geniigt nicht, wenn Sie hier einen Tele-
62
graphenapparat aufstellen wiirden und einen in Basel, und einen Draht
ziehen! Da konnten Sie noch so lange mit dem Taster hintelegraphieren:
Sie wiirden hinkommen nach Basel, aber Sie miissen wiederum zuriick
verbinden, es muB ein geschlossener Strom sein. Und wenn Sie das
machen, dann konnen Sie hier telegraphieren, es kommen dann dort die
Zeichen an. Sie wissen ja - das sage ich nur der Vollstandigkeit wegen -:
da ist hier so umgewickelt ein Papierstreifen, und wenn eine Spitze auf
diesen Papierstreifen driickt, entsteht entweder ein Punkt oder ein
Strich, wenn es lange driickt, und aus Punkten und Strichen ist dann das
telegraphische Alphabet zusammengesetzt, a*-, b-***,c-*-v
Aber das Merkwiirdige ist: Man braucht diesen zweiten Draht doch nicht,
wenn man von dem Apparat in die Erde einen Draht hineinleitet und da
eine Kupferplatte hineinlegt, und dort auch wiederum eine Platte hinein-
legt; den Draht konnen Sie dann wegtun, denn dann ist eine Verbin-
dung da. Warum? Weil die Erde selber Elektrizitat hat und von der
einen Platte zu der anderen die Elektrizitat geleitet wird. Die Erde er-
setzt sich selber den Draht durch ihren eigenen Stoff. Die Erde ist nam-
lich ganz voll von Elektrizitat. Aber wenn die Sonne auf die Erde
scheint, wie am Aquator, in der heiBen Gegend, da wird diese Elektrizitat,
wenn sie in die Luft herauskommen will, sogleich vernichtet. Das Son-
nenlicht ist eine Kraft, die die Elektrizitat ausloscht. Aber da, wo die Son-
nenwirkung schwach ist, da geht die Elektrizitat hinauf, in die Luft hinein,
und man sieht sie, wie sie oberhalb der Erde ist. Sehen Sie, meine Herren,
das Nordlicht ist die elektrische Kraft der Erde, die unter dem EinfluB
der Mondenkrafte ausstromt. Daher ist das Nordlicht in unseren Gegen-
den sehr selten; aber es ist haufig, fast immer da in nordlichen Gegenden.
Da ist wiederum so ein Punkt, wo die Wissenschaft an einer bestimm-
ten Stelle nicht weiter kann. Naturlich weiB diese Wissenschaft heute, daB
die Erde voll von Elektrizitat ist. Diese Wissenschaft schaut auch immer
das Nordlicht an. Aber wenn Sie in den Biichern nachlesen, was eigentlich
dieses Nordlicht ist, so glauben die Leute immer, das ist etwas, was von
der Welt hereinstromt auf die Erde. Das ist aber ein Unsinn, es stromt
nicht herein, sondern es stromt gerade heraus! Was da die Wissenschaft
mit dem Nordlicht macht, ist deshalb so interessant, weil es gleich dem ist,
wenn irgendeiner seine Schulden mit seinem Kapital verwechselt. Das ist
63
schon so. Nicht wahr, im Menschenleben macht das etwas aus, wenn man
seine Schulden mit seinem Vermogen verwechselt. Aber die Wissenschaft,
die kann das ungestraft tun, die kann das Nordlicht ansehen als etwas, was
aus der Welt hereinstromt, wahrend das Nordlicht in Wirklichkeit etwas
ist, was von der Erde herausstromt. Aber in den heiBen Gegenden, da
wird es gleich in Empfang genommen vom Sonnenlicht, und da wird es
ausgeloscht. In den nordlichen Gegenden, da ist das Mondenlicht vor-
zugsweise tatig, wenn es scheint; und wenn es nicht scheint, so bleibt es
tatig in der Nachwirkung, und da wird das Nordlicht, die ausstromende
Elektrizitat, sichtbar. Nun, dieses Nordlicht ist dort besonders stark, weil
die Mondenkrafte besonders stark sind. Es ist eigentlich iiberall etwas
Nordlicht, nur sieht man es nicht, weil es schwach ist. In unseren Gegen-
den ist das Nordlicht, das heiBt eben die ausstromende Elektrizitat, auch
schwach. Aber in der drahtlosen Telegraphie ist es so stark, daB es wirkt.
Dasjenige, was in der drahtlosen Telegraphie wirkt, ist dasselbe, was man
im Nordlicht leuchten sieht. Da haben Sie den Grund. Die Elektrizitat
im Verein mit dem Mondenlicht, die macht die Eisblumen und die
Schneekristalle. Sie miissen Nordlicht und Mondschein studieren, wenn
Sie die Eiskristalle, die Eisblumen und Schneekristalle studieren wollen.
Weil im Winter die Sonnenkraft geringer ist, die Mondenkraft dadurch die
Oberhand bekommt und die Elektrizitat weniger bei uns ausgeloscht
wird, wird der Schnee in so schone Kristalle hineingestaltet. Das ist Mond
und Elektrizitat zusammen, was die schonen Kristalle bildet, was die Eis-
blumen verursacht.
Nun habe ich Ihnen ja gesagt, erinnern Sie sich nur: Wenn einer zuwe-
nig Mondtatigkeit hat, wenn einer zuviel Sumpfgas entwickelt in seinem
Kopf, so wird er, wie der Volksmund sagt, ein «Sumser», das heiBt ein
Dummkopf. Und da entwickelt er also zuwenig Mondenkraft in sich.
Nun, was muB man denn also haben in seinem Kopf? Man muB alles das,
was vom Mond kommt, die Kohlensaure von der Atmung, den Schleim
von der Lunge, die muB man in den Kopf hineinkriegen, also eine Kraft,
die da im Kopf fortwahrend Kristalle bilden will. Schnee, meine Herren,
mochte sich fortwahrend in unserem Kopf bilden; wir 16sen ihn nur
immer wieder auf. Aber der will sich bilden. Denken Sie, meine Herren,
Sie haben eigentlich alle in Ihren Gehirnen ein ganz merkwurdiges Organ.
64
Namlich, wie Herr Seefeld dem Herrn Burle diese schonen Schneekristall-
figuren gezeigt hat, da hat ihn das interessiert, und da hat er sich gedacht:
Das muB interessant sein, was da eigentlich fur ein Zusammenhang ist. —
Ja, da hat der Herr Burle diese Schneekristalle in sich photographiert! Es
ist so, wie wenn man eine ganz geschwinde Photographie machte, und
das, was flugs entsteht, wieder verschwindet, wenn man durch die Nasen-
locher ausatmet. Wenn man rasch photographieren konnte, was da drin-
nen im Kopfe von Herrn Burle vorgeht, oder in Ihren Kopfen alien, so
wiirde man dieselben Photographien fmden. Es wiirden sich solche Stiick-
chen bilden von Schneekristallen, von Eisblumen, Fensterblumen; die
konnten photographiert werden von Ihren Atherkopfen, und die waren
gleich! Ihr Kopf ist ein ganz merkwiirdiges Ding. Wenn Sie einen solchen
Photographenapparat hatten, wie es ihn ja noch nicht gibt - man miiBte es
furchtbar schnell machen, weil es sich immer sogleich auflost-, so wiirden
Sie fmden: Da schauen wir ja aus in unserem Gehirn wie ein recht schones
Stuckchen Schnee oder wie ein recht schones Eisblumenfenster! - Es muB
gleich wieder verschwinden, sonst wiirden sie uns stechen, diese spitzen
Kristalle, wir wiirden nicht mit ihnen denken. So daB also, wenn wir hin-
ausschauen auf den Schnee, oder wenn wir hinausschauen auf unsere
Fensterblumen, Eisblumen, wir uns da sagen konnen: Donnerwetter, das
ist ja dasselbe, was in unserem eigenen Kopf vor sich geht! - nur daB dieses
da sich immer wieder schnell auflost. Es denkt ja die ganze Natur! Und im
Winter, wenn es kalt wird, fangt sie erst recht an zu denken. Im Sommer
ist es ihr nur zu warm zum Denken. Da laBt sie die Sonne auseinanderstie-
ben und macht sie zu Nahrungsmitteln und so weiter. Aber im Winter,
wenn es kalt ist, bilden sich die Gedanken im Schnee, im Eis. Wenn da
drauBen keine Gedanken waren, hatten wir in unserem Kopfe auch keine.
Also Sie sehen, es ist eigentlich wunderschon, dieses Entsprechen von der
Natur drauBen im Winter, wo die Natur so gescheit wird, daB sie das
sichtbar, auBerlich macht, was in unserem Kopfe immer als unsere Ge-
scheitheit vor sich geht. Wir konnen iiberall in der Natur sehen, was in uns
selber vor sieht geht. Wir miissen es nur in der richtigen Weise auffassen.
Nun, aber das alles hat eine groBe, auch praktische Bedeutung. Den-
ken Sie also, meine Herren, einer bekommt, sagen wir, eine ganz be-
stimmte Art von Kopfkrankheit dadurch, daB er zuwenig Schleim abson-
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dert. Man kann dadurch eine Kopfkrankheit bekommen. Wenn man
dann, wenn einer zuwenig Schleim absondert, ihm etwas kieselsaures
Eisen gibt als Heilmittel, dann iibernimmt auch wiederum dieses kiesel-
saure Eisen die Schleimabsonderungstatigkeit und stoBt ihm den Schleim
in den Kopf hinauf, und man kann damit wiederum Heilung hervorrufen.
Sehen Sie, das ist ja der Unterschied der anthroposophischen Medizin von
der anderen Medizin, die nur immer probiert. In der Anthroposophie
lernt man, daB ein Mensch, der eine bestimmte Kopfkrankheit hat, zu
schwach ist, um in seinem Gehirn Kristalle zu bilden, dieses immerwah-
rende Entstehen und Vergehen von Eisblumen. Nun muB man ihm hel-
fen. Das kann man durch bloBe Kieselsaure. Wenn Sie hinaufgehen auf die
hohen Berge und dort den schonen Quarz sehen, der ist Kieselsaure. Er ist
ein wunderschoner Kristall. Der hat die Tendenz, diese Kristalle zu bil-
den. Wenn Sie diesen Quarz entsprechend behandeln, so kriegen Sie ja das
auch unter unseren Heilmitteln so wirksame Kieselsaurepraparat. Und
dieses Kieselsaurepraparat ist so wirksam fur alle Krankheiten, die vom
menschlichen Kopf ausgehen. Bildet er vom Inneren nicht Kristalle, so
muB man ihm von auBen durch solche schonen Kristalle, die solche
schongebildete Kristallbildungen in sich haben, zu Hilfe kommen. Aber
wenn er vor seinem schonen Schneefenster mit den Eisblumen in seiner
Stube steht wie der Ochse am Sonntag, wenn er die ganze Woche Gras
gefressen hat, wie es unsere Wissenschaft tut, ja, dann steht er auch mit der
Wissenschaft so vor dem Menschenkopf; dann kann er ja nichts machen,
weil er nichts dariiber weiB. Alle diese Dinge zeigen Ihnen, wie man durch
eine wirkliche Erkenntnis des Menschen die Wissenschaft vertiefen muB.
Das geht dann naturlich bis in die Erziehungskunst hinein, weil man
erst wissen muB: Wenn man dem Menschen meinetwillen selbst die Buch-
staben beibringt, so ist das eine so starke Mondentatigkeit, daB es, wenn es
zu stark gemacht wird, wenn es unrichtig gemacht wird, ganz austilgt die
Kristallisationskraft des Atherkopfes. Der Mensch kann, es ist wirklich
so, durch vieles Lernen noch dummer werden, wenn er namlich nicht in
der richtigen Weise lernt. Es ist schon so. Aber damit man das einsieht,
werden wir das nachste Mai noch etwas zu besprechen haben. Es ist notig,
dies alles zu wissen.
66
VIERTER VORTRAG
Dornach, 20. Oktober 1923
1st vielleicht noch etwas auf Ihrer Seele, was gefragt sein wollte?
Fragesteller: Wir haben nur vom Sauerstoff und Stickstoff gehort. Es existiert aber noch
der Wasserstoff. Konnte man dariiber etwas horen?
Dr. Steiner: Nun, ich habe den Wasserstoff schon etwas erwahnt.
Wollen wir also von Ihrer Frage ausgehen. Der Mensch jedes Lebensalters
tragt in sich als den Hauptstoff, die Hauptsubstanz, das EiweiB. Er ging ja
hervor aus EiweiB. Aus EiweiB ist hauptsachlich die Muttermilch gebil-
det. Der Mensch tragt in sich das EiweiB. Dieses EiweiB hat in sich verar-
beitet im wesentlichen fiinf Stoffe: Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff,
Sauerstoff und Schwefel. Diese Stoffe haben Sie auBer den anderen, die
sonst noch im Korper vorhanden sind, und das sind ziemlich viele, in sich,
und diese Stoffe sind schon im urspriinglichen EiweiB, aus dem heraus der
Mensch sich bildet.
Nun habe ich Ihnen gesagt: Der Kohlenstoff wirkt j a fortwahrend in
uns; zu Kohlenstoff werden die Speisen, die wir essen. - Wir atmen nun
den Sauerstoff ein und auch etwas Stickstoff. Der Kohlenstoff verbindet
sich mit Sauerstoff zu der Kohlensaure. Kohlensaure, sagte ich Ihnen, ist
in diesen Perlen vorhanden, die im Selterswasser sind, auch in dem natiir-
lichen saurehaltigen Wasser. Diese Kohlensaure ist aber auch in uns, und
sie ist dadurch wichtig, daB sie fortwahrend durch die Atmung nach dem
Kopf kommt. Und hatten wir nicht diese Kohlensaure in dem Kopf, so
wiirden wir nicht helle Kopfe sein-und das sind wir ja alle. Das wiirden wir
nicht sein, wenn wir nicht die Kohlensaure in den Kopf hinein kriegten;
nicht in einer so groBen Menge wie zum Beispiel im kohlensauren Wasser,
aber in einer ganz geringen Menge miissen wir fortwahrend unseren Kopf
durch die Kohlensaure auffrischen. Nun sagte ich Ihnen aber schon neu-
lich : Wenn wir dumm sind, dann riihrt das davon her, daB der Kohlenstoff
nicht genug Sauerstoff in unseren Kopf hineintragt, daB also da nicht
geniigend Sauerstoff hineinkommt, sondern daB der Kohlenstoff sich mit
dem Wasserstoff verbindet. Kohlensaure hat etwas Erfrischendes; aber
67
wenn der Kohlenstoff sich mit dem Wasserstoff verbindet, ja dann, meine
Herren, dann ist das so, daB das Sumpfgas entsteht, das Gas, das man
namentlich findet in Hdhlen, in Kellern und so weiter, wo Dinge verwe-
sen; da bildet sich das Sumpfgas. Das ist kein erfrischendes Gas; das ist ein
Gas, das totet, das lahmt. Und wenn in unserem Korper solch eine Unre-
gelmaBigkeit ist, daB der Kohlenstoff sich mit dem Wasserstoff verbindet,
dann entsteht das Sumpfgas, und das geht in den Kopf hinein. Wenn wir
also einen solchen «Kellerkopf» kriegen, dann werden wir dumm. So daB
es schon sehr wichtig ist, ob wir geniigend Kohlensaure oder zuviel
Sumpfgas hinaufkriegen, also Wasserstoff; denn etwas Sumpfgas brau-
chen wir ja immer, sonst wiirden wir zu gescheit als Menschen, und wenn
wir zu gescheit wiirden, dann wiirden wir schlechte Verdauung kriegen.
Gerade durch solche Mischungsverhaltnisse stellt sich das Leben in der
richtigen Weise ein. Aber der Wasserstoff, der im Kopf eigentlich unrich-
tig ist, wenn er zuviel vorhanden ist, der da im Sumpfgas eine recht unan-
genehme Rolle spielt, dieser Wasserstoff ist iiberall im Weltenall verbreitet
- iiberall. Man kann ja heute durch die sogenannte Spektralanalyse fest-
stellen, welche Stoffe im Weltenall wirken. Wo immer man ins Welten-
all hinaus das Spektroskop hinlenkt, iiberall bekommt man eine solche
Farbung drinnen, daB man daraus schlieBen kann: da wirkt iiberall der
Wasserstoff. Uberall ist der Wasserstoff.
Dieser Wasserstoff nun, der ist wiederum fur ganz gewisse Dinge
auBerordentlich wichtig. Ich sagte Ihnen, er wirkt im Kopfe schadlich,
wenn er zuviel vorhanden ist. Also in den Kopf hineingebracht, verhin-
dert der Wasserstoff, daB der Mensch sein Denken entwickelt. Der
Mensch kann dadurch denken, daB er nicht zuviel Wasserstoff im Kopfe
hat.
Betrachten wir jetzt aber einmal das andere Ende vom Denken. Das
andere Ende - was ist denn das? Ja, das andere Ende vom Denken, das ist
die Fortpflanzung, die Erzeugung von neuen Lebewesen. Das ist das
andere Ende. Sozusagen wie sich der Nordpol zum Siidpol verhalt, so
verhalt sich zum Denken die Fortpflanzung.
Nun konnen wir bei Lebewesen etwas ganz Interessantes betrachten.
Bei Lebewesen kommt es vor, daB sie die ganze Art ihrer Fortpflanzung
andern, wenn bei ihnen der Wasserstoff eine andere Rolle spielt als sonst,
68
als im gewohnlichen. Es gibt gewisse Schlangen; diese Schlangen legen
Eier und aus den Eiern schliipfen wieder neue Schlangen aus. Was ge-
schieht denn da eigentlich, wenn da eine Schlange ein Ei legt und aus dem
Ei wiederum eine andere Schlange ausschlupft? Da muB das Ei irgend-
wohin gelegt werden - das tut auch die Schlange, der Instinkt des Tieres
wirkt da sehr richtig -, wo es die notige Warme haben kann. DaB das Ei
dazu, daB ein Tier aus ihm ausschlupfen kann, Warme braucht, das se-
hen Sie ja beim Vogelei. Das Vogelei wird gelegt; aber es wiirde nicht
zum Ausschlupfen eines neuen Vogels kommen, wenn nicht der alte
Vogel sich daraufsetzen und es bebriiten wiirde. Diese Warme, die aus
dem alten Vogel ausstromt, die ist notwendig, damit aus dem Ei ein
neuer Vogel auskriecht. Also braucht das Ei nicht bloB das, was es in
sich hat, sondern braucht auch die aus dem ganzen Weltenall kommende
Warme. Es geniigt eben nicht, daB einfach ein Ei abgelegt wird, sondern
es braucht die aus dem ganzen Weltenall kommende Warme, in dieser
Warme, da ist die Kraft enthalten, die das neue Wesen aus dem Ei heraus-
treibt. So auch bei den Schlangen. Die Eier werden abgelegt. Durch die
Wirkung der Sonnenwarme wird das Lebendige der neuen Schlange her-
ausgeholt aus dem Ei.
Die Geschichte, die ich Ihnen jetzt erzahlt habe, die geschieht bei ge-
wissen Schlangen, aber nur, wenn sie ganz regelmaBig leben. Es ist nicht
bei alien Schlangen, sondern nur bei einer gewissen Gattung Schlangen der
Fall, was ich Ihnen erzahle. Wenn solch eine Schlange eine ganz anstan-
dige Schlange ist, dann legt sie ihre Eier, und aus diesen kriechen, wenn sie
bebriitet werden, eben neue Schlangen heraus. Was heiBt denn das, die
Schlange ist eine anstandige Schlange? Nun, beim Menschen heiBt das ja
sehr viel, wenn man sagt, er ist ein anstandiger Mensch; aber bei der
Schlange ist das etwas weniger. Die Schlange braucht vor allem zu ihrer
Anstandigkeit recht vieles, was fur den Menschen manchmal schon recht
schwierig ist: ein neues Kleid, das heiBt, eine neue Haut. Also eine
Schlange ist wirklich nur eine anstandige Schlange, wenn sie jedes Jahr
sich hautet, die alte Haut abwirft und eine neue Haut an ihrer Korperober-
flache erwachst. Also die Schlange darf nicht in den alten Lumpen herum-
gehen wie im letzten Jahr, sondern muB in jedem Jahr eine neue Haut
haben. Wir konnen also unterscheiden zwischen anstandigen und unan-
69
standigen Schlangen. Solche unanstandigen Schlangen sind diejenigen, die
in den alten Kleiderlumpen vom vorigen Jahr herumgehen.
Nun werden Sie sagen: Gibt es denn das eigentlich? Das macht die
Natur, daB die Schlange ein neues Kleid kriegt? Uns ware es ja sehr ange-
nehm, wenn die Natur uns auch ein neues Kleid geben wiirde. - Aber der
Mensch ist ein viel wertvolleres Wesen als die Schlange. Daher hat man
ihm die Freiheit gelassen, sich ein neues Kleid zu geben. ... (Liicke.)
Man kann solche Schlangen einsperren, und wenn man sie nun einsperrt
und ihnen das Wasser in der gehorigen Menge entzieht, ihnen nicht
genug Feuchtigkeit zukommen laBt, da tritt das Eigentiimliche ein, daB
die Schlange plotzlich unanstandig wird: sie behalt ihr altes Kleid! Und
so kann man das auf kiinstliche Weise erzeugen - die Natur tut uns nicht
den Gefallen -, daB gewisse Schlangen unanstandige Schlangen werden,
die die alten Kleider vom vorigen Jahr behalten.
Ja, aber, meine Herren, das ist nicht das einzige, daB die Schlange dann
ihr altes, verschossenes Kleid anhat; sondern wenn man solche Schlangen
dann dazu bringt, sich zu begatten, wenn man sie zur Fortpflanzung
bringt, dann legen sie keine Eier, sondern bringen lebendige kleine
Schlangen zur Welt! Also solche Schlangen, denen man die Moglichkeit
entzieht, so viel Wasser zu haben, daB sie sich hauten konnen, die man
also zwingt, unanstandige Schlangen zu werden, ihre alten verschossenen
Kleider zu tragen - das ist die Ursache davon -, diese Schlangen fangen
jetzt an, lebende Junge zu gebaren, also richtige kleine Schlangen, statt
daB sie Eier ablegen.
Sehen Sie, das ist doch eine hochst auffallige Geschichte; denn was ist
da eigentlich geschehen? Wir haben der Schlange das Wasser entzogen.
Das Wasser enthalt vorzugsweise Wasserstoff; es enthalt Sauerstoff, aber
vorzugsweise Wasserstoff, denn das Wasser besteht aus Sauerstoff und
Wasserstoff. Ja, meine Herren, wenn wir der Schlange das Wasser entzie-
hen, entziehen wir ihr fur die Fortpflanzung gleichzeitig dadurch, daB wir
ihr die Moglichkeit entziehen, sich eine neue Haut zu bilden, die Mog-
lichkeit, drinnen eine Eischale zu bilden. Das Tier kann das Harte nicht
mehr bilden, wenn es nicht den Wasserstoff hat. Es kann nicht das Harte
in sich bilden, es kann keine Eischale nach innen bilden und nach auBen
keine Haut. Und die Folge davon ist, daB das Kleine der Schlange ohne
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Schale auskriechen muB. Die Schlange muB ihre eigene Warme dazu
verwenden, die kleine Schlange zunachst zu pflegen.
Das ist auBerordentlich wichtig, daB man das von einem solchen
Schlangengetier weiB. Denn jetzt weiB man: So schadlich es am einen
Ende beim Lebewesen ist, beim Kopf, wenn man ihm den Sauerstoff ent-
zieht, so schadlich ist es fur die Fortpfianzung, wenn man ihr den Wasser-
stoff entzieht. Und jetzt sehen wir, warum in der ganzen Welt, iiberall wo
wir hinschauen - wir konnen nach jeder Richtung schauen -, Wasserstoff
vorhanden ist. Warum ist in der ganzen Welt Wasserstoff da? Ja, meine
Herren, in der ganzen Welt ist Wasserstoff vorhanden aus dem Grande,
weil die Welt sofort vernichtet werden miiBte, wenn es keinen Wasserstoff
gabe. In allem, wo Fortpfianzung ist, muB auch der Wasserstoff wirken.
Nun wird die Welt fortwahrend zerstort. Sie sehen, die Welt geht iiberall
fortwahrend ins Tote iiber. Die Gesteine werden abgerieben, alles wird
iiberall zerstaubt. Die lebenden Wesen verfaulen, alle moglichen Ga-
rangsprozesse, die auch Verfaulungsprozesse sind, entstehen in der Welt.
Wir leben ja eigentlich dadurch, daB fortwahrend in uns etwas gart. Und
nur dadurch, daB etwas gart, dadurch kann dann das Hohere entstehen.
So ist es ja sogar beim Wein der Fall; wenn der Traubensaft nicht garen
wiirde, also das Verwesende nach auBen entsenden wiirde, konnte sich
nicht aus dem Traubensaft der Wein erheben, der fur viele etwas so Begeh-
renswertes ist, Belebendes hat. So ist es iiberhaupt in der ganzen Welt.
Dasjenige, was macht, daB sich aus dem Verwesenden dasjenige erhebt,
was Leben macht, ja, das ist eben der Wasserstoff.
Aber nun konnen Sie da eine Einwendung machen. Sie konnen sagen:
Aber du sagst uns jetzt, der Wasserstoff, der ist dasjenige, was belebt. Im
Sumpfgas aber ist gerade der Wasserstoff drinnen, und da belebt er nicht,
da ertotet er. - Ja, warum ? Sehen Sie, meine Herren, wenn sich der Wasser-
stoff in der Finsternis bildet, und das ist beim Grubengas oder Sumpfgas
der Fall, da wirkt er schadlich, wenn er vom Licht abgesperrt sich entwik-
kelt, wie ja auch in unseren Gehirnen. Wenn aber der Wasserstoff am
Licht sich entwickelt, so wie er in der ganzen Welt im Licht ausgebreitet
ist, da ist er das Belebende; da raft er aus dem Verwesenden, aus dem
Garenden eben das neue Leben hervor. Denn der Wasserstoff, wie er
alluberall ist, der ist im Grande genommen dasselbe, was wir an unseren
71
Streichholzern haben, wenn wir sie anziinden: Phosphor. GewiB, in der
Chemie ist der Wasserstoff ein ganz anderer Stoff als der Phosphor; aber
nur weil die Chemie nicht so weit gehen kann, den Phosphor umzuwan-
deln in den Wasserstoff! Aber eben, wenn die Chemie weitergehen konn-
te, als sie heute ist, wiirde sie den Phosphor in Wasserstoff umwandeln
konnen. So daB wir sagen konnen: Was ist denn der Wasserstoff, der
iiberall in der Welt ausgebreitet ist? - Der Wasserstoff, der im Umkreis der
Welt ausgebreitet ist, das ist der Weltenphosphor. Wo wir hinblicken,
iiberall, iiberall, da ist Phosphor. Und damit habe ich Ihnen beschrieben,
was da iiberall im Weltenumkreise ist: Phosphor. So daB wir jetzt wirklich
etwas ungeheuer Bedeutungsvolles kennengelernt haben: Wir haben den
Wasserstoff kennengelernt in seiner groBartig bedeutungsvollen Wirkung
im Weltenall.
Jetzt wollen wir einmal die Sache von der anderen Seite ansehen. Ich
habe Ihnen gesagt: Die Kohlensaure steht am anderen Ende. - Nun, meine
Herren, wollen wir uns das einmal ganz genau anschauen, was ich Ihnen
gesagt habe. Denken Sie sich, da ware die Erde (es wird gezeichnet), rings
herum ware iiberall Wasserstoff, das heiBt eigentlich Phosphor. Also
iiberall im Weltenall um die Erde herum haben wir Wasserstoff, das heifit
also eigentlich Phosphor-eigentlich iiberall kleine brennende Feuer. Nun
schauen wir uns aber die Erde selber an. Gehen wir vom Weltenall zur
Erde. Da finden Sie iiberall dasjenige, was man Kalk nennt. Aber es ist
nicht nur der Kalk vorhanden, sondern es ist auch iiberall im Boden etwas
von einem Stoff vorhanden, den Sie sehr gut kennen. Geradeso wie ich
Ihnen jetzt gezeigt habe, daB da iiberall der Wasserstoff, das heiBt der
Phosphor, um unsere Erde ausgebreitet ist - denn es ist da iiberall der
Phosphor ausgebreitet — , so ist dasjenige da, was wir uns jetzt einmal ganz
gut anschauen konnen.
Sie wissen ja, wenn Ihre Frauen oder sonst jemand waschen will, da tut
man ins Waschwasser dasjenige hinein, was man Soda nennt. Sie kennen
das. Sie wissen vielleicht auch, daB man denselben Stoff, die Soda - er
schaut eben salzartig aus, ist auch ein Salz-, in der verschiedensten Weise
sonst noch verwendet. Wenn Sie zum Beispiel in eine Seifenfabrik gehen,
so wissen Sie, daB als wichtigster Rohstoff Soda verwendet wird; zum
Beispiel bei der Glasfabrikation, zu der Verarbeitung bei den Glasfenstern
72
ist sie einer der wichtigsten Rohstoffe; wenn man Wasche hat, so wissen
Sie, daB man in das Wasser Soda hineingibt. Ebenso bleicht man die
Wasche, wenn man sie mit Soda behandelt; sie wird heller, sie wird mehr
dem Licht verwandt durch die Soda. Nun gibt es noch viele andere Sa-
chen, wo man die Soda verwendet. Sie wiirden zum Beispiel, wenn Sie in
Fabriken kommen, wo man Farben herstellt, iiberall finden, daB man da
Soda braucht. Namentlich zu den blauen Farben braucht man, wenn man
sie herstellen will, Soda. Berliner Blau kann nur hergestellt werden da-
durch, daB man Soda verwendet. Dann gibt es einen Stoff, den man ja auch
dem menschlichen Korper zufuhrt, und der so, wie er in der Natur ge-
deiht, dem menschlichen Korper viel schadlicher ware, wenn man ihn,
ohne daB man ihn erst in irgendeiner Weise behandelt, dem menschlichen
Korper beibringen wiirde: das ist der Tabak. Der Tabak muB zuerst ge-
beizt werden. Da miissen ihm gewisse Dinge genommen werden, die
sonst den menschlichen Korper zu stark angreifen wiirden. Tabak wird
wiederum mit Soda gebeizt. Sie sehen also, diese Soda, die Sie kennen als
Zusatz zum Waschwasser, hat eigentlich in der Industrie in der ganzen
Welt eine groBe Bedeutung. Sie hat aber auch in der ganzen Weltindustrie,
in der sogenannten kosmetischen Industrie, eine groBe Bedeutung. Die
Soda ist eigentlich iiberall vorhanden, nur in geringen Mengen.
Nun, meine Herren, was ist denn dieses merkwurdige Wesen, die
Soda, eigentlich? Da gibt es ein weiBes, silberglanzendes Metall, das nennt
man das Natrium, und wenn sich dieses Natrium verbindet mit Kohlen-
saure - jetzt haben wir wieder Kohlensaure, die wir in unserem Kopf
haben -, dann entsteht daraus die Soda. Also Natrium und Kohlensaure,
die bilden zusammen die Soda. Das Natrium, dieses Metall - es ist ein
Eigentumliches: man sagt das Natrium, es ist also sachlich, nicht ein Herr
oder eine Dame -, das ist ein merkwiirdiges Kind in der Natur; das be-
wahrt die Kohlensaure auf, tragt sie an sich. Uberall, wo Soda ist in der
Natur, da wird die Kohlensaure aufbewahrt und ist so salzartig, wie es
eben in der Soda ist. Da ist die Kohlensaure drinnen verborgen, aufbe-
wahrt.
Nun habe ich Ihnen da in diesem gelben Umkreis (Zeichnung S. 74)
den Weltenphosphor dargestellt im Wasserstoff; die Soda muB ich Ihnen
nun als einen weiBlichen Umkreis in der Erde selber darstellen. Naturlich
73
ist sie nicht uberall, aber sie ist in kleinen Quantitaten fast iiber die ganze
Erde verbreitet, diese Soda. Geradeso wie wir sie verwenden konnen in
der Industrie zu allem moglichen, zum Bleichen der Wasche, zu der Glas-
fabrikation und so weiter, so verwendet die Natur diese Soda in einem
hochgradigen MaB. Wollen wir aber einmal darauf kommen, was dann die
Natur mit dieser Soda anfangen kann. Die Natur ist wirklich noch ge-
scheiter als der Mensch. Der Mensch kommt sich furchtbar gescheit vor,
wenn er sagen kann: Ich gewinne die Soda, mache mir daraus Glas, Seife,
Farben. Ich beize mir meinen Tabak, ich bleiche, wasche mir meine
Wasche mit der Soda - all das habe ich erfunden, sagt sich der Mensch, ich
bin furchtbar gescheit. - Ja, aber die Natur ist noch viel gescheiter! Das ist
eben dasjenige, was man sich immer sagen muB: Die Natur ist noch viel,
viel gescheiter. Denken Sie einmal nach, was da eigentlich uberall ist,
wenn wir die Soda verwenden. Fangen wir einmal bei der Seifenfabrika-
tion an. Mit der Seife machen wir uns rein, sonst wiirden wir fortwahrend
wie Kohlenbrenner ausschauen. Also die Seife befordert die Reinlichkeit;
aber sie befordert sie nur dadurch, daB Soda drinnen ist. Fur die Glasfa-
brikation braucht man Soda. Das Glas ist durchsichtig rein. Damit man
das Glas durchsichtig rein kriegt, braucht man die Soda. Weiter: Wir
waschen Wasche mit Soda. Wir waschen sie, wir machen sie rein, daB sie
74
glanzt wie das Licht. Wir verwenden die Soda zum Bleichen. Bleichen
heiBt hell machen. Uberall verwenden wir die Soda, wo irgendwie Licht
entstehen soli, Licht wirksam werden soli aus der Dunkelheit heraus.
Nun, Sie wissen ja, daB am Licht die Farben entstehen. Das habe ich Ihnen
in der verschiedensten Weise gesagt. Die Soda nun brauchen wir in Far-
benfabriken. Und es ist kurios, uberall, wo die Soda verwendet wird, muB
etwas Licht entstehen. Beim Beizen des Tabaks: Der Mensch braucht
Licht zum Leben; wenn er bloB den dunklen Tabak bekame, so hatte er
keine Anregung, sondern etwas Zerstorendes. Die Soda ist uberall da, wo
sie das Natrium, die Kohlensaure aufbewahrt hat und die Kohlensaure
losgibt, damit wir irgend etwas von Licht hineinbringen konnen in die
Welt. Das tut die Natur noch in einem viel, viel groBeren MaBe; sie ist
eben viel gescheiter als der Mensch. Der Mensch tapst nur so herum und
ist nach und nach darauf gekommen, daB man die Soda in der Welt ver-
wenden kann. Aber die Natur nun ist so, daB sie die Soda in einer hochst
merkwurdigen Weise verwendet. Sie hat sie uberall da, wo ich Ihnen das
WeiBe gezeichnet habe. Und da ist es nun so, daB uberall, wo die Soda, das
heiBt kohlensaures Natrium mit dem umliegenden Phosphor der Welt in
Beriihrung kommt, wiederum neues Lebendiges entsteht. Sonst wiirde
alles immer tot werden. So daB aus der Zusammenwirkung von Soda der
Erde und Wasserstoff, das heiBt Phosphor des Weltenalls, eigentlich alles
sich fortwahrend neu bildet.
Jetzt haben Sie aber eine groBartige Bedeutung vom Wasserstoff. DaB
der Wasserstoff uberall ist, das ist hochst niitzlich im Weltenall; aber es ist
nur niitzlich, wenn zu gleicher Zeit in der Erde Soda vorhanden ist. Denn
durch dieses Zusammenwirken wird der Tod von allem verhindert. Der
Wasserstoff, das heiBt Phosphor, wirkt immer zusammen mit der Soda,
und der Tod wird dadurch verhindert. Es entsteht immerfort neues Le-
ben. Sonst wiirden wir nur Totenluft atmen konnen und alle auch sterben.
Ja, gibt es denn etwas, was uns das noch mehr beweisen konnte? Wir sa-
gen, alles Leben entsteht eigentlich aus dem Zusammenfinden, aus dem
richtigen Zusammenwirken von Wasserstoff, das heiBt Phosphor und von
Soda, also kohlensaurem Natrium. Da kommt man nun auf etwas ganz
Bedeutsames. Sie wissen ja, der Mensch selbst entsteht als physischer
Mensch durch das Zusammenkommen des weiblichen Eikeimes, der im
75
wesentlichen aus EiweiB besteht, und der mannlichen Samenfliissigkeit.
Wir wollen uns einmal fragen, woraus denn hauptsachlich diese mannliche
Samenfliissigkeit besteht. Sehen Sie, diese mannliche Samenfliissigkeit
besteht nun wiederum aus Soda, die drinnen ist, und aus Weltenphos-
phor, Wasserstoff. Wenn man also in die Welt hinausschaut, dann ent-
steht alles Leben durch den Wasserstoff und durch die Soda. Wenn man
auf die kleine Erzeugung schaut, dann entsteht das neue Leben auf Erden
durch das, was im mannlichen Samen an Soda und Phosphor drinnen ist.
Beide Stoffe konnen Sie im mannlichen Samen drinnen finden. Ein bifi-
chen gewissermaBen von dem, was da in der Welt wirkt, nimmt der
Mensch heraus, etwas Soda von der Erde, etwas Phosphor, Wasserstoff,
aus dem Weltenall, und bildet daraus den mannlichen Samen, der die Zeu-
gung bewirkt. So daB man im Kleinsten, namlich bei der Zeugung, und im
GroBten drauBen iiberall sehen kann, was der Wasserstoff auf der einen
Seite und die Kohlensaure mit dem Natrium, die Soda, zusammen auf der
andern Seite fur eine Rolle spielen. Sie sehen, meine Herren, die Natur
verwendet die Soda in einer noch viel weisheitsvolleren Weise als der
Mensch. Denn wir haben ja gesehen, die Soda muB iiberall da sein, wo
Licht wirkt, wo Licht entsteht, wo Licht gebildet wird. Wenn man den
Wasserstoff im Dunklen verwendet, entsteht Sumpfgas; da totet er. Wenn
man aber den Wasserstoff mit Licht behandelt, dann totet er nicht, dann
erzeugt er. Nun, die Natur behandelt den Wasserstoff, den Phosphor, mit
Soda. Sie tut also im groBen MaBe das, was wir beim Bleichen, beim
Waschen tun: sie bringt dem Wasserstoff Licht, und es entsteht dadurch
das Lebendige. Es ist ja wirklich erstaunlich, wenn man da hinausschaut in
die Welt und sieht, wie iiberall durch den durchleuchteten Wasserstoff die
neue Wesenheit entsteht aus der alten, die sonst ersterben wiirde; und
wenn man dann hineinschaut in das kleinste Entstehende, und findet das-
selbe - da entsteht eigentlich erst durch eine solche Betrachtung eine wirk-
liche Wissenschaft!
Nun kommen wir zuriick zu unserem Schlangenbeispiel. Wenn wir die
Schlangen einfach ihrer Natur iiberlassen - diese Gattung Schlangen, von
der ich gesprochen habe -, ja, dann ist in dem Wasser, das die Schlange
aufnimmt, um sich ein neues Hautkleid zu bilden, diese Soda drinnen.
Und das Junge bekommt durch das aufgenommene Wasser seine Haut, so
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wie die alte Schlange ihre Haut bekommen hat, die harte Haut, die ja nicht
allein aus Soda gebildet ist, aber zu der die Sodakraft notwendig ist. Also
nicht so sehr die Aufnahme des Wassers ist wichtig, sondern die Auf-
nahme der iiberall im Wasser enthaltenen Soda. So daB diese Soda, die die
Schlange mit dem Wasser aufnimmt, erst der Schlange ein neues Kleid
anzieht. Die Schlange kann gewissermaBen Substanzen nach auBen bil-
den, sie bekommt ein neues Kleid, und auBerdem kann sie bei der Fort-
pflanzung nach innen die hartere Eischale bilden - sie ist nicht ganz hart,
sie ist noch etwas weich. ... (Liicke.) Der Mensch kann, wenn er Wein
trinkt, unanstandig werden. Wenn man der Schlange Wasser entzieht,
kann sie unanstandig werden. Es ist also verschieden in der Natur. Wenn
die Schlange keine Soda bekommt, dann bildet sie keine Eischale, dann
muB das Junge entstehen ohne Eischale, muB in der Schlange selbst bebrii-
tet werden, geht als lebendiges Junges heraus. Das ist etwas hochst Merk-
wiirdiges. Nehmen Sie an, eine lebendige Schlange kriecht aus der alten
Schlange aus; dann ist in der Schlange das vor sich gegangen, was die
Wirkung des Wasserstoffs oder Phosphors auf die Soda ist. Das ist in der
Schlange geschehen. Da muBte die Schlange ihre alte Soda verwenden, die
sie noch im Leibe hatte; die muBte sie opfern, um das Junge entstehen zu
lassen. Daher kann man, wenn man die Geschichte langere Zeit fortsetzt,
die Schlangen veranlassen, unanstandig zu werden; und wenn sie einmal
oder zweimal lebendige Junge geboren haben, dann werden sie unfrucht-
bar, dann gebaren sie nicht mehr, weil sie all die Soda aus ihrem Leibe
nehmen miissen. Die erschopft sich dann, wenn man ihnen nicht im Was-
ser die darin aufgeloste neue Soda zuflieBen laBt.
Wie ist es aber, wenn die Schlangen anstandig bleiben, ihr altes Kleid
ablegen? Nun, da wird das Ei abgelegt, und das, was sonst die kleine le-
bendige Schlange aus der im Leibe aufgespeicherten alten Soda entnimmt,
aus dem Phosphor, dem Wasserstoff, das nimmt sie jetzt aus dem Welten-
all. Und Sie konnen sehen: entsteht in einer solchen Schlange ein leben-
diges Tier, so wird innerlich Soda und Wasserstoff, Phosphor, zusam-
mengefugt; entsteht ein Ei, so wird auBerlich aus dem Weltenall Wasser-
stoff oder Phosphor mit Soda zusammengefugt. Da haben Sie es an diesem
Getier fortwahrend vor Augen, daB in der groBen Welt dasselbe ge-
schieht, was im Inneren des Menschen geschieht bei der Fortpflanzung.
77
Die ganze Welt ist Fortpflanzung. Derm bei dieser Schlange, die, wenn
man ihr das Wasser entzieht zum Hauten, dann lebendige Junge gebiert,
sehen wir, daB, wenn sie einmal gebiert, sie dasjenige beniitzt, was im
Inneren des Leibes ist - den inneren Wasserstoff, Phosphor und die in-
nere Soda. Und wenn sie Eier legt, beniitzt sie den auBeren Wasserstoff,
Phosphor, und die auBere Soda. Das ist der starkste Beweis, wenn man
so etwas betrachtet, daB die Natur um uns herum nicht etwas Totes ist,
sondern etwas geradeso Lebendiges wie wir selbst. Auf solche Beweise
muB man eben hinschauen. Man muB nicht bloB gedankenlos anschauen,
was da hochst Merkwiirdiges entsteht, wenn solch eine Schlange, die sich
nicht hauten kann durch den Wasserentzug, also hauptsachlich durch
den Sodaentzug, wenn die anfangt plotzlich lebendige Junge zu gebaren,
man muB nicht bloB gedankenlos auf so etwas hinschauen, sondern es in
Zusammenhang bringen mit den Kraften des ganzen Weltenalls. Es ist
schon etwas hochst Bedeutendes.
Nun, nicht wahr, der Mensch legt keine Eier, aus denen neue Men-
schen entstehen, sondern der Mensch muB als lebendiges Junges geboren
werden; schon die hoheren Tiere miissen als lebendige Junge geboren
werden. Worauf beruht denn also eigentlich diese hohere Entwickelung?
Sehen Sie, diese hohere Entwickelung beruht darauf, daB das, was drau-
Ben in der Welt enthalten ist, in die Wesen, in die hoheren Tiere und in den
Menschen innerlich hineingeht, daB der Mensch die Krafte der Welt in
sich aufnimmt. Was drauBen ist, ist bei den hoheren Wesen auch drinnen.
Aber bei dem ganz niederen Getier, wie ist es denn da? Ja, sehen Sie,
meine Herren, das ist ja der ewige Streit in der Wissenschaft, wie die aller-
ersten Lebewesen entstanden sind. Da reden die Menschen von Generatio
aequivoca; durch Urzeugung, sagt man. Ja, aber dann sagen sich die Ge-
lehrten wiederum: Es miissen einmal erste Lebewesen entstanden sein. -
Aber wenn die Gelehrten jetzt nachdenken, aus welchen Stoffen diese
ersten Lebewesen entstanden sind, dann sind gar keine Stoffe da. Aber das
liegt nicht an der Natur, das liegt nur daran, daB diese Gelehrten die Stoffe
nicht kennen. Namlich sie wissen nicht, was der Wasserstoff wirklich ist,
den man iiberall findet: daB das ein Phosphor ist, dasselbe, was im mannli-
chen Samen noch enthalten ist und gerade dem mannlichen Samen den
eigentiimlichen Geruch, der phosphorhaltig ist, gibt. Wenn man den
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mannlichen Samen mit gewissen Pflanzen zusammenbringt, wirkt es
gerade so, wie wenn man Soda mit gewissen Pflanzen in Zusammenhang
bringt, bleichend und dergleichen. Das alles ist in alten alchimistischen
Lehren enthalten, die heute natiirlich nicht wieder heraufkommen sollen;
denn wir wollen nicht das Alte. Das alles ist untersucht worden. Und
heute kann man es durch wirkliche anthroposophische Wissenschaft
wieder kennenlernen. Und dasjenige, was beim mannlichen Samen Soda,
Phosphor oder Wasserstoff voraussetzt, das kann sich in der groBen
Natur drauBen entwickeln. So daB man sich jetzt nicht zu fragen braucht:
Wie sind die ersten Lebewesen vorher entstanden? - Als die Erde noch
nicht die hoheren Lebewesen hatte, da entstanden eben die niederen
Lebewesen durch das Zusammenwirken von Phosphor mit Soda der Erde.
Und dann haben wir die Urzeugung, die Generatio aequivoca.
Sie sehen also, man braucht die Dinge nur bis zu ihrem Ende zu studie-
ren, dann losen sich gewisse sogenannte Weltratsel, die sich sonst nicht
losen. Natiirlich, wenn einer fragt: Wie kommen Kohlenstoff, Sauerstoff,
Wasserstoff, Stickstoff so zusammen, daB ein lebendes Wesen entsteht? -
so kann er nicht mit der heutigen Chemie kommen, denn die zeigt ihm
nicht, daB, wenn auf der einen Seite Phosphor wirkt, auf der andern Seite
Soda, Kohlensaure mit Natrium, dann sich dieses lebendige Lebewesen
bildet. Das ist eben das, daB man natiirlich nicht auf diese feine Geschichte
mit den groben Instrumenten, die unsere Laboratorien haben, eingehen
kann. Aber man muB solche Erscheinungen richtig ansehen. Wenn man
also eine Schlange hat, die einfach ihre Eier legt und aus dem Ei erst die
lebendigen Schlangen hervorgehen, dann wirkt darinnen noch die groBe
Natur, der Phosphor und die Soda aus der groBen Natur. Wenn man die
Schlange abschlieBt von der groBen Natur, wenn man sie so in eine Umge-
bung bringt, daB sie zuwenig Wasser hat, um sich zu hauten und um Ei-
schalen zu erzeugen in dem Inneren, dann wirkt sie als kleine Natur, als
dasjenige, was sie noch aus der groBen Natur herausgenommen hat und als
Erbschaft in sich tragt; dann wirkt sie in einer gewissen Beziehung als ein
hoheres Wesen.
Sehen Sie, darin besteht zum Beispiel die Fortentwickelung des Men-
schen in der Welt, daB er sich in einer gewissen Weise von der Natur ab-
schlieBt. Die Menschheit schlieBt sich ab; vor allem durch die Kultur
79
schlieBt sie sich ab. Und der Fortschritt wiirde nicht entstehen, wenn
nicht in einer gewissen Weise der Mensch sich abschlieBen wiirde. Denn
in gewisser Beziehung wird die Schlange ein hoheres Wesen, wenn sie
durch Wasserentziehen lernt, lebendige Junge hervorzubringen. Die
ganze Entwickelung der Menschheit beruht darauf, daB die Menschen
sich immer mehr und mehr von der Natur abgeschlossen haben und jetzt
nicht bloB lebendige Nachkommen gebaren, sondern daB sie auch alle
anderen Krafte im AbschluB von der Natur entwickeln und dadurch alles
das aus dem Menschen herauskommt, was fruher aus der Natur heraus
gekommen ist.
Ja, meine Herren, es kommt nach und nach aus dem Menschen heraus,
was fruher aus der Natur heraus gekommen ist. Dafur kann ich Ihnen
verschiedene Beispiele geben. Ich will Ihnen nur eines erwahnen: Wir
schreiben heute auf Papier. Dieses Papier ist noch gar nicht so alt. Sie wis-
sen, daB man fruher auf ganz andere Dinge hat schreiben miissen. Und
das heutige Papier ist ja im wesentlichen aus den Lumpen von Leinen
gemacht. Daher hat man es, wie es aufgekommen ist, in derselben Zeit wie
das SchieBpulver, Leinenlumpenpapier genannt. Der Mensch ist also
verhaltnismaBig recht spat dazu gekommen, aus seiner Weisheit heraus
die Papiermasse zu erzeugen. Aber in der Natur gibt es etwas, was als
Papiermasse seit langer, langer Zeit vorhanden ist: das ist namlich das,
woraus die Wespe ihr Nest macht! Das ist richtige Papiermasse. Man
brauchte das Wespennest nur ein klein wenig weiterzubehandeln und zu
bleichen, so wiirde man Papiermasse daraus haben. Die Wespen sind tat-
sachlich die feinsten Papiererzeuger der Natur. So daB man sagen kann:
Vor Jahrtausenden und Jahrtausenden haben die kleinen, winzigen Wes-
pen die Papierfabrikation entdeckt! - Da ist die Papierfabrikation drauBen
in der groBen Natur vor sich gegangen. Spater hat es der Mensch aus sich
heraus getan. Da haben Sie mit der Papierfabrikation ungefahr denselben
Vorgang, den Sie bei den Schlangen haben mit lebenden Jungen; schlieBen
Sie die Schlange dadurch ab von der AuBenwelt, daB Sie ihr das Wasser
entziehen, dann gebiert sie lebende Junge, erscheint auf einer etwas hohe-
ren Stufe der Generation. SchlieBen Sie den Menschen immer mehr und
mehr ab, indem Sie seine Kultur erzeugen, dann erzeugt er Papier, das
fruher die Natur erzeugte, so wie die Schlange lebendige Junge aus sich
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heraus erzeugt. Aus der Natur heraus erzeugten die Wespen vor Jahrtau-
senden und Jahrtausenden Papier; aus seinem Inneren heraus erzeugt der
Mensch mit seinem Verstand Papier. Ja, der Verstand ist geradeso ins
Innere gegangen, wie bei der Schlange die Kraft, lebendige Junge zu er-
zeugen, ins Innere gegangen ist.
Und so ist es nun auch im menschlichen Samen. Da findet man Soda,
wie wir gesagt haben, und diesen Wasserstoff, Phosphor. Wenn wir die
N erven untersuchten, die vom Gehirn ausgehen, dann sind wiederum die
wichtigsten Stoffe in diesen Nerven Soda und Phosphor. Nur daB sie
anders miteinander verbunden sind, als dieser Same es ist, daB sie gewis-
sermaBen miteinander verhartet sind. Es ist ja gar nicht wunderbar, daB
aus dem Menschen heraus auch so etwas entsteht, was also Gedanken
sind. Indem der Mensch aufgenommen hat, was sonst nur im Samen liegt,
verarbeitet er im Nervensystem Soda und Phosphor. So wie drauBen in
der Welt iiberall Phosphor und Wasserstoff enthalten ist, so ist Soda und
Phosphor in dieser menschlichen Hirnkugel drinnen. Aber jetzt konnen
Sie auch sehen, warum wir die Kohlensaure im Kopf drinnen brauchen.
Die Soda wird namlich fortwahrend umgesetzt. Die Kohlensaure trennt
sich vom Natrium, und wir wiirden zuletzt einen harten Schadel kriegen
vom Natrium - das ist ein silberglanzendes Metall -, wenn nicht fortwah-
rend die Kohlensaure hineinprickelte und die Soda in uns erzeugen wiirde.
Also in das Natrium nehmen wir die Kohlensaure auf, damit in unserem
Kopf die Soda richtig verteilt ist. Und aus dem, was iiberall um uns herum
ist, nehmen wir durch die Haare, durch die Haut Phosphor auf, Wasser-
stoff. Man muB nur nicht den Wasserstoff im Sumpfgas zuviel von innen
heraufkommen lassen, sondern von auBen. Dieser menschliche Kopf ist
wirklich eine Art Ei; geradeso wie das Ei, das gelegt ist, also aus der Erde
die Soda aufnimmt und aus der Luft den Wasserstoff, so nimmt der
menschliche Kopf von unten herauf aus seiner Erde die Soda, und von
auBen herein kriegt er den Wasserstoff, den Phosphor, wenn er ihn nicht
auch von innen kriegen kann. Dann wirken die zusammen und erzeugen
im Inneren einen Stoff, der Vermittler der Gedanken sein kann, das heiBt,
der Gedanken erzeugt.
So bekommt man das heraus, wie der Mensch in den Naturerscheinun-
gen drinnensteht. Nur muB man die Naturerscheinungen am richtigen
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Ort betrachten. Wenn der Gelehrte seinen Schlangen das Wasser entzieht
und nun anglotzt, wie die lebende Junge kriegen, statt Eier zu legen, dann
bekommt er gar nichts heraus. Aber wenn er weiB, was er da eigentlich
hereingetragen hat in sein Laboratorium, dann kriegt er die Geheimnisse
der Welt heraus.
Davon dann am nachsten Mittwoch weiter.
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FUNFTER VORTRAG
Dornach, 24. Oktober 1923
Guten Morgen, meine Herren! Hat jemand eine Frage zu stellen?
Fragesteller: Vor einigen Vortragen war gesprochen worden vom groBen Weltenkosmos;
ich mochte fragen wegen Kometen mit einem groBen Schwanz. Was hat das fur eine Bedeu-
tung?
Dr. Steiner: Nun, sehen Sie, meine Herren, da miissen wir uns an das
erinnern, was ich gerade in der letzten Zeit gesagt habe. Ich will einiges
von dem wiederholen, was wir vor einigen Vortragen gesagt haben.
Wenn wir den Menschen betrachten, so miissen wir sagen: Es ist fur
sein ganzes Leben, namentlich auch fur seine geistige Entwickelung zweier-
lei notwendig. Erstens, daB Kohlensaure nach dem Kopfe hinauf geht.
Der Mensch sondert ja fortwahrend Kohlenstoff in sich aus. Eigentlich
kann man sagen: Der Mensch, insofern er ein fester Korper ist, ist aus
Kohlenstoff aufgebaut. Also der Mensch sondert fortwahrend Kohlen-
stoff aus sich aus. Nun, dieser Kohlenstoff, der wiirde ja zuletzt so werden
in uns, daB wir alle schwarze Saulen wiirden. Wir wiirden schwarze Sau-
len werden, wenn dieser Kohlenstoff sich erhalten wiirde. Wir brauchen
ihn zum Leben, aber wir miissen ihn fortwahrend wieder umwandeln, daB
er etwas anderes wird. Das geschieht durch den Sauerstoff. Nun, zuletzt
atmen wir den Sauerstoff mit dem Kohlenstoff als Kohlensaure aus. In
unserer Ausatmungsluft ist Kohlensaure. Aber diese Kohlensaure brau-
chen Sie. Man findet sie auch, wenn man zum Beispiel Selterswasser hat,
und innen in den Perlen ist Kohlensaure darinnen. Diese Kohlensaure, die
nicht ausgeatmet wird, die geht fortwahrend nach dem menschlichen
Kopf hinauf, und die brauchen wir, damit wir nicht dumm sind, damit wir
denken konnen; sonst wiirde Sumpfgas, das aus Kohlenstoff und Wasser-
stoff besteht, nach dem menschlichen Kopf hinaufgehen. Zum Denken
also brauchen wir Kohlensaure.
Nun habe ich ja auch schon angedeutet, was wir zum Willen, zum
Wollen brauchen. Also fangen wir beim Gehen an, beim Handebewegen,
beim Armbewegen - da beginnt ja eigentlich dieses Wollen: da miissen wir
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eine Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff immer bilden und immer
wieder auflosen. Aber dieses Zyan oder die Zyansaure, die muB fortwah-
rend sozusagen in unsere Glieder fahren. Sie verbindet sich in den Glie-
dern dann mit Kalium. Es entsteht Zyankalium, das aber auch gleich
wieder aufgelost wird. Damit wir iiberhaupt leben konnen, muB fortwah-
rend Vergiftung in uns sein und wiederum Entgiftung, Auflosung. Das ist
das Geheimnis des menschlichen Lebens: Kohlensaure auf der einen Seite,
Zyankali, das mit dem Kalium verbunden wird, auf der anderen Seite. Mit
jeder Bewegung, mit jedem Finger bildet sich etwas Zyansaure, und die
Sache ist dann so, daB wir die Sache gleich wieder auflosen, indem wir die
Finger bewegen. Also das mufi im Menschen auch da sein.
Alles aber, was beim Menschen da sein muB, das muB auch im Welten-
all drauBen da sein, muB im Weltenall drauBen irgendwie vorhanden
sein. Es ist nun so, daB die Kometen immer wiederum untersucht worden
sind. Und gerade mit den Kometen hat sich eine Art, mochte ich sagen,
kleine Geschichte abgespielt in der anthroposophischen Bewegung. Ich
habe einmal in Paris Vortrage gehalten und rein aus der inneren Erkennt-
nis heraus gesagt, daB in den Kometen etwas Zyansaure vorhanden sein
muB, daB also Zyansaure in den Kometen vorhanden ist. Bis dahin hatte
man in der Wissenschaft noch nicht darauf aufmerksam gemacht, daB in
den Kometen Zyansaure vorhanden ist. Dann aber ist kurz darauf ein
Komet gekommen. Es war eben der, von dem Sie reden. Und gerade an
diesem Kometen hat man mit den vollkommeneren Instrumenten, die
man ja friiher nicht hatte, entdeckt, daB nun wirklich in dem Kometen,
dem Kometenstoff Zyansaure drinnen ist! So daB man also darauf hinwei-
sen kann, wenn die Leute immer fragen: Hat denn Anthroposophie irgend
etwas vorausgesagt? -Ja, diese Entdeckung des Zyan in den Kometen, die
ist zum Beispiel ganz offenbar vorausgesagt gewesen. Es ist bei vielem
auch noch so gegangen; aber da, beim Kometen, war es eben ganz offen-
bar. Nun, es ist eben heute eigentlich kein Zweifel selbst bei der auBeren
Wissenschaft, daB in der Kometenatmosphare, in der Kometenluft - der
Komet ist ja eigentlich aus sehr feinem Stoff gebildet, ist ja eigentlich nur
Ather, nur Luft - Zyansaure drinnen ist.
Ja, was heiBt das, meine Herren? Das heiBt, dasselbe, was wir fortwah-
rend in unseren Gliedern bilden miissen, das ist drauBen in der Kometen-
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atmosphare auch drinnen. Jetzt denken Sie sich, wie oft ich gesagt habe
hier, daB das Ei gebildet wird aus dem ganzen Weltenall herein - also auch
Menschen, Tier und Pflanze, indem sie aus dem Ei gebildet werden, wer-
den sie aus dem ganzen Weltenall heraus gebildet. Ich mochte Ihnen das
am Menschen selber erklaren, damit Sie ganz genau einsehen, was diese
Kometen eigentlich fur eine Bedeutung im ganzen Weltenall haben.
Gehen wir da - manchem kann es sonderbar erscheinen, aber Sie wer-
den sehen, daB das, was Sie haben wollen, am besten dadurch erklart wird-,
gehen wir einmal von etwas Geschichtlichem aus. Da gab es ja, Jahr-
hunderte bevor das Christentum begriindet wurde, ein altes Volk im heu-
tigen Griechenland, die Griechen. Die alten Griechen haben so viel fur das
geistige Leben geleistet, daB heute noch immer unsere Gymnasiasten
Griechisch lernen miissen, weil man der Ansicht ist, daB man dadurch ein
ganz besonders gescheiter Mensch wird, wenn man heute noch Griechisch
lernt. Nun, die Griechen haben wirklich auBerordentlich viel fur das gei-
stige Leben geleistet. Man lernt heute nicht Indisch, nicht Agyptisch,
sondern Griechisch. Damit wollen die Leute zum Ausdruck bringen, daB
die Griechen fur das geistige Leben besonders viel geleistet haben. In der
einfachen Tatsache, daB wir mit unseren Gymnasiasten das Griechische
pflegen, zeigt sich das. Die Griechen selbst haben nur Griechisch mit
ihren Kindern getrieben, trotzdem sie fur das geistige Leben so viel gelei-
stet haben.
Nun gab es hauptsachlich zwei Volksstamme in Griechenland, die von
besonderer Bedeutung waren, die aber sehr verschieden voneinander
waren: der eine, das waren die Bewohner von Sparta, der andere die von
Athen. Sparta und Athen, das waren die zwei bedeutendsten Stadte in
Griechenland. Dazu kamen noch ein paar andere, die auch bedeutend
waren, aber nicht so bedeutend wie Sparta und Athen. Die Bewohner
dieser zwei Stadte waren also sehr verschieden voneinander. Ich will heute
von den anderen Verschiedenheiten absehen, aber verschieden waren sie
schon dadurch, daB sie sich im Reden ganz anders verhielten. Die Sparta-
ner saBen immer ruhig beieinander und redeten wenig. Sie liebten das
Reden nicht. Aber wenn sie etwas redeten, da wollten sie, daB das, was sie
redeten, eine gewisse Bedeutung habe; das sollte Macht haben iiber den
Menschen. Weil aber der Mensch schlieBlich nicht immer, wenn er plap-
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pert, etwas Bedeutendes sagen kann, so schwiegen sie, wenn sie nichts
Bedeutendes zu reden hatten, und redeten immer in kurzen Satzen. Diese
kurzen Satze waren im ganzen Altertum beriihmt. Man redete von den
kurzen Satzen des spartanischen Volkes, und es waren diejenigen, die
beriihmt wurden, oftmals ungeheure Weisheitsspriiche.
Bei den Athenern war es schon nicht so. Die Athener liebten eine
schone Rede; sie liebten es, wenn man schon redete. Die Spartaner: kurz,
gemessen, ruhig in ihrer Rede. Die Athener, die wollten recht schon re-
den. Redekunst lernten sie, indem sie schon redeten. Die plapperten eben
schon mehr; nicht so viel wie wir heute, aber sie plapperten doch schon
mehr als die Spartaner.
Worauf beruhte denn der Unterschied zwischen dem vielredenden
Athener und dem weniger, aber bedeutsam und machtig redenden Sparta-
ner? Der beruhte auf der Erziehung. Die Erziehungskunst wird heute
natiirlich wenig studiert. Aber es beruhte das, was ich sage, auf der Erzie-
hung. Die spartanischen Knaben namentlich wurden ganz anders erzogen
als die athenischen. Die spartanischen Knaben muBten viel mehr Gymna-
stik treiben: Tanz, Ringspiele, alle moglichen gymnastischen Kiinste. Und
die Redekunst, die eigentliche Zungengymnastik, die wurde bei den Spar-
tanern gar nicht geiibt. Das Reden lieBen sie ganz von selber kommen.
Alles dasjenige, was in der Sprache liegt, das bildet sich namlich aus
durch die iibrige Bewegung des menschlichen Korpers. Sie konnen es
richtig beobachten: Wenn ein Mensch langsame, gemessene Bewegungen
hat, die richtig gymnastisch sind, dann redet er auch ordentlich. Nament-
lich wenn ein Mensch mit Schritten geht, die ordentlich sind, dann redet er
auch ordentlich. Es kommt natiirlich auf das kindliche Alter an. Wenn ein
Mensch im Alter das Podagra kriegt, so macht es nichts mehr; da hat er
schon das Reden gelernt. Es kommt auf die Zeit an, wo man reden lernt.
Aber die Spartaner legten alien Wert darauf, daB viel, viel Gymnastik
geiibt wurde, und sie unterstiitzten diese Gymnastik noch dadurch, daB sie
die Korper der Kinder mit 01 einrieben und mit Sand bestrichen; dann
lieBen sie sie Gymnastik machen. Die Athener trieben zwar auch Gymna-
stik - in ganz Griechenland trieb man Gymnastik, aber eben schon viel
weniger -, und sie lieBen die alteren Knaben Zungengymnastik, Rede-
kunst treiben. Das taten die Spartaner nicht.
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Nun, das hat aber eine ganz bestimmte Folge. Wissen Sie, wenn so
diese kleinen spartanischen Buben mit ihrem geolten und mit Sand gerie-
benen Korper ihre Gymnastik trieben, dann muBten sie sehr viel innere
Warme entwickeln - viel, viel innere Warme entwickeln. Und wenn die
Athener ihre Gymnastik trieben, dann war das etwas ganz besonderes bei
den Athenern. Wenn solch ein Tag gewesen ware wie heute und die Buben
hatten bei den Spartanern nicht wollen drauBen im Freien ihre Gymnastik
treiben, nun, da ware es zugegangen! Da hatten die Gymnasien, die Er-
zieher, diese Buben ordentlich behandelt! Wenn die Athener einen sol-
chen Tag hatten wie heute, so sturmisch, da versammelten sie ihre Buben
mehr im Inneren der Raume und lieBen sie die Redekunst treiben. Sie rie-
fen sie aber hinaus, wenn die Sonne ganz wunderbar schien, wenn alles
funkelte. Da muBten die athenischen Buben drauBen ihre gymnastischen
Ubungen machen. Denn bei den Athenern wurde etwas anders gedacht
als bei den Spartanern. Bei den Spartanern war gedacht worden: Alles,
was die Buben an Bewegungen ausfiihren, miissen sie vom innern Korper
aus ausfiihren; da mag es drauBen sturmen und hageln und wettern und
winden, das ist ganz gleichgultig. Man sagte sich: Das muB vom Men-
schen selber kommen.
Der Athener sagte anders. Der sagte: Wir leben von der Sonne, und
wenn die Sonne uns aufweckt zur Bewegung, dann wollen wir uns bewe-
gen; wenn die Sonne nicht da ist, wollen wir uns nicht bewegen. - So sagte
der Athener, und deshalb wurde bei den Athenern auf die auBere Sonnen-
warme gesehen. Bei den Spartanern wurde auf die innere Sonnenwarme,
auf die Sonnenwarme, die der Mensch schon verarbeitet hat, gesehen, und
bei dem Athener auf die auBere Sonne, die schon auf die Haut scheint - die
Haut nicht mit Sand eingerieben, wenigstens nicht so viel wie bei den
Spartanern, sondern da sollte die Sonne die Haut bearbeiten. Das war der
Unterschied. Und wenn heute in den Schulbiichern von dem Unterschied
zwischen Athenern und Spartanern steht, dann kriegt man eigentlich nur
die Vorstellung, daB da irgend etwas Wunderbares gewesen sein muB,
warum just die Spartaner stille, nur gemessen redende, auBerdem stark
abgehartete Menschen waren, und warum die Athener die Schonrede-
kunst ausgeiibt haben, die dann bei den Romern ihre weitere Ausbildung
gefunden hat. Die Leute konnen heute nicht Geschichte und Naturwis-
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senschaft zugleich treiben. Die Geschichte redet fur sich, und die Na-
turwissenschaft redet fur sich. Aber wenn ich Ihnen sage: Die Spartaner
haben ihre Buben mit 61 und Sand eingerieben und sie dann bei jedem
Wetter ihre spartanischen Kiinste machen lassen, und die Athener, die
haben ihre Buben nicht so viel mit Sand und 61 eingerieben und sonst ihre
Redekunst im Inneren der Palastren getrieben -, dann wissen Sie, wie von
Naturtatsachen aus dieser Unterschied der ja einander benachbarten Spar-
taner und Athener eigentlich bewirkt worden ist.
Also sagen wir, wenn wir da (es wird gezeichnet) die Erde haben und
hier die Sonne: Wenn auf die Sonne gesehen wird, wie sie scheint, und da
der Athener ist, dann entsteht eben der Athener; und wenn nicht so sehr
auf die Sonne gesehen wird, sondern auf dasjenige, was die Sonne schon
im Menschen gemacht hat, und auf die mehr innere Warme gesehen wird,
dann entsteht daraus der Spartaner. Sehen Sie, da bildet man Geschichte
und Naturgeschichte zusammen. So ist es.
Nun konnen wir also sagen: Wenn der Mensch darauf sieht, daB er in
seinem Inneren viel Warme entwickelt, dann wird seine Sprache kurz und
gemessen. - Warum? Weil er sich mit seinem ganzen Verstand mehr an das
Weltenall wendet. Wenn aber der Mensch sich von der Sonne bescheinen
laBt wie der Athener, dann wendet er sich weniger an das Weltenall mit
seinem Verstand; dann wendet er sich gerade mit dem Verstand mehr
nach innen, mit der Warme nach auBen; der Spartaner: mit der Warme
nach innen, mit dem Verstand nach auBen. Und vom Verstand hat der
Spartaner die Sprache des Weltenalls gelernt; die ist weise, die ist in ihm
ausgebildet worden. Der Athener hat nicht die Sprache des Weltenalls
gelernt, sondern nur die Bewegung des Weltenalls, weil er sich in der
Sonnenwarme der Gymnastik iiberlassen hat.
Wenn wir heute noch das, was von den Spartanern geblieben ist, an-
schauen, so sagen wir uns: Oh, diese Spartaner haben die Weisheit der
Welt wiedergegeben in ihren kurzen Satzen. - Die Athener haben ange-
fangen, schon mehr das, was der Mensch innerlich an Verstand hat, in
ihren schonen Satzwendungen von sich zu geben. Dasjenige, was die
Spartaner in ihrer Sprache gehabt haben, das ist zum groBen Teil der
Menschheit verlorengegangen, das ist in Griechenland mit den Spartanern
verschwunden. Mit der Sprache des Weltenalls kann der Mensch heute
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nicht mehr leben. Aber das, was die Athener angefangen haben zu treiben:
schongewundene Satze - es ist besonders dann in Rom mit der Schonred-
nerei groB geworden. Und die Romer haben wenigstens noch schon gere-
det. Auch im Mittelalter hat man noch gelernt, schon zu reden. Heute
reden die Menschen aber furchtbare Satze. Man braucht nur einmal im
einzelnen das anzuschauen - nun, man konnte jede andere Stadt nehmen,
aber in Wien sind zum Beispiel schon seit Wochen die Wahlen: Ja, schon
geredet wird da nicht, aber furchtbar, eine ganze Sintflut von Reden, aber
nicht schon! Und das ist dasjenige, was nach und nach aus dem geworden
ist, was bei den Athenern noch, allerdings in Schonheit, gepflegt worden
ist. Das kommt aus dem Menschen heraus. Das Weltenall, wahrhaftig, das
macht keine Wahlreden - aber der Mensch macht sie! Die Spartaner haben
nicht Wahlreden gehalten; die Spartaner haben in ihren kurzen Satzen
ausgedriickt, wie das Weltenall redet. Sie haben nach den Sternen hinauf-
gesehen und haben gedacht: Der Mensch, der rennt so in der Welt herum
und ist ein «Gschaftlhuber». Der Stern, der bewegt sich langsam, so daB er
nicht bald langsam, bald schnell, sondern immer gleichmaBig dahingeht.
Dann ist das Sprichwort entstanden, das geblieben ist fiir alle Zeiten: Eile
mit Weile - und so weiter. Der Stern kommt doch an sein Ziel! Und so
haben gerade die Spartaner sehr viel von dem gelernt, was drauBen im
Weltenall ist.
Und jetzt konnen wir iibergehen zu etwas, was ich auch schon bei
Ihnen hier bemerkt habe, wir konnen iibergehen von der Warme zum
Licht. Uber die Warme mochte ich nur noch das Folgende sagen. Beden-
ken Sie, wenn ein Mensch notwendig hat, recht viel Warme zu entwik-
keln, dann miiBte er ein starker Mensch werden. Und wenn ein Mensch
Gelegenheit hat, recht viel an der Sonne zu sein, miiBte er gerade dadurch
ein recht viel redender Mensch werden. Nun brauchen Sie nur ein biBchen
die Geographie anzuschauen: Gehen Sie nach Italien, wo die Menschen
mehr der Sonne ausgesetzt sind, so werden Sie sehen, was das fiir ein ge-
schwatziges Volk ist! Und gehen Sie nach dem Norden, wo die Menschen
mehr der Kalte ausgesetzt sind: Ja, da konnen Sie manchmal in Verzweif-
lung kommen - die Leute reden nicht, weil, wenn man immer innere
Warme entwickeln muB, das den inneren Antrieb zu reden vertreibt.
Schon bei uns hier wirkt es fast komisch, wenn manchmal ein Mensch aus
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dem Norden kommt; er stellt sich hin zum Reden - ja, dann steht er, redet
aber noch nichts. Nicht wahr, wenn so ein italienischer Agitator auf die
Tribune tritt, der redet schon, bevor er drauf ist, der redet schon drunten.
Dann gent es weiter, dann sprudelt das nur so! Wenn ein nordischer
Mensch, der viel Warme entwickeln muB, weil keine auBere Warme da ist,
sprechen soil: so ein nordischer Mensch, der stellt sich hin - man kommt
zur Verzeiflung, denn er fangt gar nicht an; er will etwas sagen, aber er
fangt gar nicht an. Das ist schon so: Innere Warme vertreibt die Begierde
zum Reden, auBere Warme facht die Begierde zum Reden an. Naturlich
kann man das alles dann durch Kunst umbilden. Die Spartaner haben das
nicht getrieben durch das AuBere, sondern durch ihren eigenen Rassen-
charakter, haben eben-trotzdem sie Nachbarn mit den Athenern waren-,
weil sie sich viel vermischt haben mit vom Norden kommenden Men-
schen, diese Rederuhe entwickelt. Unter den Athenern waren zum Bei-
spiel sehr viele, die aus heiBen Gegenden sich rassenhaft gemischt haben
unter die Athener; dadurch haben sie den RedefluB entwickelt. Also da
sehen wir es, wie selbst der rednerische Mensch zusammenhangt mit
Sonne und mit Warme. Jetzt gehen wir zum Licht.
Da brauchen wir uns nur an etwas zu erinnern, was ich Ihnen schon
gesagt habe. Denken Sie einmal an ein Saugetier. Ein Saugetier entwickelt
innerlich den Keim zum neuen Saugetier. Der Keim wird innerlich von
dem Muttertier getragen; alles geht innerlich vor sich. Nehmen wir dage-
gen den Schmetterling. Ich habe Ihnen gesagt: Der Schmetterling legt das
Ei, aus dem Ei kriecht die Raupe aus, die Raupe verpuppt sich zum Ko-
kon, und aus dem Kokon treibt das Sonnenlicht den Schmetterling aus,
der vielfarbig ist. Sehen Sie sich dagegen das Saugetier an (es wird gezeich-
net), dieses Saugetier entwickelt in seinem Uterus ganz versteckt das neue
Tier. Da haben wir wiederum zwei Gegensatze, wunderbare Gegensatze.
Schauen Sie sich an: Da ist das Ei unbedeckt. Wenn die Raupe auskriecht,
kommt schon das Licht. Die Raupe, sagte ich Ihnen, geht zum Licht,
spinnt ihren Kokon, die Hulle, daB sie zur Puppe wird, nach dem Licht,
und das Licht ruft wiederum den Schmetterling hervor. Und das Licht
ruht nicht und rastet nicht, gibt dem Schmetterling seine Farben. Die
Farben sind durch das Licht hervorgerufen; das Licht behandelt den
Schmetterling.
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Nehmen Sie dagegen die Kuh, den Hund. Ja, das kleine Junge, das
da drinnen ist im miitterlichen Uterus, in der Gebarmutter, das kann
nicht das auBere Licht haben, ist dem AuBeren gegeniiber ganz in der
Finsternis eingeschlossen. Also das muB sich da drinnen entwickeln, in
der Finsternis.
Aber nichts, was lebt, kann sich in der Finsternis entwickeln. Das ist
einfach Unsinn, wenn man glaubt, daB sich etwas in der Finsternis ent-
wickeln kann. Doch wie ist denn das eigentlich hier mit der Geschichte?
Ich will Ihnen einen Vergleich sag en. Man kann j a hoffen, daB man, wenn
die Erde einmal sehr arm wird an Kohle, direkte Sonnenwarme durch
irgendeine Umwandlung wird zum Heizen beniitzen konnen; aber heute
geht das eben noch nicht, daB man die Sonnenwarme unmittelbar zum
Heizen beniitzt. Es wird vielleicht gar nicht mehr lange dauern, so wird
man darauf kommen, wie man es machen kann; aber heute beniitzen wir
zum Beispiel die Kohle. Ja, meine Herren, die Kohlen sind auch nichts
anderes als Sonnenwarme, nur Sonnenwarme, die vor vielen, vielen Tau-
senden von Jahren zur Erde hergestromt ist, im Holz sich verfangen hat
und aufbewahrt wurde als Kohle. Heizen wir, so bringen wir aus der
Kohle die vor Jahrtausenden und Jahrtausenden in der Erde angesam-
melte Sonnenwarme wieder heraus.
Glauben Sie nicht, daB nur die Kohle sich gegeniiber der Sonne so
verhalt, wie ich eben geschildert habe! So wie ich es eben beschrieben
habe, verhalten sich auch andere Wesen zur Sonne, namlich alle lebenden
Wesen. Wenn Sie nun ein Saugetier anschauen, dann miissen Sie sagen:
Jedes kleine junge Tier hat ein Muttertier, dieses wieder ein Muttertier
und so weiter. Die haben immer Sonnenwarme aufgenommen; die ist
noch drinnen im Tier selber, die wird vererbt. Und gerade so wie wir die
Sonnenwarme aus der Kohle herausbringen, so nimmt das kleine Kind in
der miitterlichen Gebarmutter das Sonnenlicht, das dort aufgespeichert
ist, jetzt aus dem Inneren. — Jetzt haben Sie den Unterschied von dem, was
im Hund oder in der Kuh entsteht, und dem, was im Schmetterling ent-
steht. Der Schmetterling geht gleich mit seinem Ei in das auBere Sonnen-
licht, laBt es ganz von dem iiuBeren Sonnenlicht bearbeiten, bis es der
bunte Schmetterling wird. Der Hund oder die Kuh sind innerlich ebenso
bunt, aber man sieht es nicht. Wie man in der Kohle noch nicht die Son-
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nenwarme wahrnimmt - man muB sie erst herauslocken -, so muB man
mit der hoheren Anschauung aus Hund und Kuh erst herauslocken, was
da drinnen an aufgespeichertem Licht ist. Da drinnen ist aufgespeichertes
Licht! Der Schmetterling ist von auBen bunt; da hat das Sonnenlicht von
auBen gearbeitet. Ja, beim Hund oder bei der Kuh ist innerlich, mochte
ich sagen, unsichtbares Licht iiberall drinnen.
Was ich Ihnen da beschrieben habe, das konnten die Menschen heute
schon mit unseren vollkommenen Apparaten einfach feststellen, in ihren
Laboratorien nachweisen, wenn sie wollten. Es sollten die Menschen nur
einmal ein Laboratorium machen, ganz fmster, total fmster, und dann
sollten sie in diesem Laboratorium vergleichen ein eben gelegtes Ei und
einen Kuh- oder Hundekeim in seinem friihen Zustande, dann wiirde man
sehen, daB da durch die Abblendung, die im fmstern Zimmer entstehen
kann, sich dieser Unterschied, den ich beschreibe, durchaus zeigt. Und
wenn man nun, was man auch nicht mit Augen sieht - die Augen sind
dafur nicht empfindlich -, photographieren wiirde, wiirde man namlich
beweisen konnen, daB das Schmetterlingsei das Spektrum gelb und das
Hunde- und Kuhei das Spektrum blau hat in der Photographie. Diese
Dinge, die man geistig sehen kann - man braucht nicht, wenn man sie gei-
stig sehen kann, das AuBere -, die werden schon mit den vollkommenen
Instrumenten noch bewiesen werden.
Nun konnen wir also sagen: Der Schmetterling wird im auBeren Son-
nenlicht gebildet, die Kuh oder der Hund wird an dem Sonnenlicht gebil-
det, das innerlich aufgespeichert ist. - So haben wir den Unterschied
kennengelernt zwischen der Warme, die auBerlich wirkt, die den Men-
schen geschwatzig macht, dem Licht, das auBerlich wirkt, das die vielen
Farben beim Schmetterling hervorruft, und der Warme im Inneren, die
den Menschen stumm, gemessen macht - dem Licht im Inneren bei einem
Wesen, welches lebende Junge zur Welt bringt, die innerlich das Licht
empfangen miissen. Und nun konnen wir von da aus iibergehen zu dem,
was Gegenstand unserer Frage ist.
Es gibt nun eben auch Dinge, die der Mensch braucht in seinem Inne-
ren, die er aber in seinem Inneren nicht im UbermaB entwickeln darf, weil
er sonst daran sterben wiirde. Und zu dem gehort das Zyan, die Blausaure.
Wenn der Mensch iiber das biBchen Zyankali hinaus, das da in ihm ist,
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fortwahrend den ganzen Tag Zyankali bilden wurde - nun, das wiirde
nicht gehen, das ware zuviel. Der Mensch bildet in sich zwar etwas Zyan-
kali, aber sehr wenig. Aber er braucht auch von auBen etwas; er nimmt es
auf mit dem, was er einatmet. Es ist ja auch nicht viel, mehr aber braucht
der Mensch nicht.
Nun, meine Herren, dieses Zyankali ist in der gewohnlichen Luft nicht
da. Wiirden nicht von Zeit zu Zeit Kometen erscheinen, so gabe es das
Zyankali nicht in der Luft. Kometen und dann diese Meteore, Stern-
schnuppen, die namentlich, wie Sie wissen, im Hochsommer so zahlreich
die Luft durchsausen, die bringen dieses Zyankali herunter. Und der
Mensch nimmt daraus eigentlich seine Kraft. Daher muB man schon die
Menschen, welche kraftlos geworden sind in ihren Muskeln, in solche
Luft schicken, die nicht nur frisch geworden ist von der Erde aus, sondern
frisch geworden ist vom ganzen Weltenall aus, die meteorische Einflusse
erfahren hat. Und das ist so, daB man zum Beispiel Leute, die an dem lei-
den, was man friiher die Auszehrung genannt hat, die kraftlos werden in
ihren Muskeln und bei denen diese Kraftlosigkeit insbesondere gegen den
Friihling zu ganz besonders auftritt, im Herbst in diese vom Weltenall
frisch gewordene Luft schickt. Im Friihling kann man gar nichts machen;
daher sterben solche Leute im Friihling am allerleichtesten. Man muB
vorsorgen, denn man kann fur solche Leute eigentlich erst im Herbst
etwas machen. Wenn im Sommer die meteorischen Krafte mit den kleinen
Mengen Zyankali, die da hereinkommen aus dem Weltenall, ihr Zyankali
ablagern, muBten diese Leute dann, wenn der August zu Ende geht und
der Herbst kommt, mit ihren kraftlosen Gliedern nun in solche Gegenden
kommen, wo der Sommer sein Bestes abgelagert hat, namlich Zyankali.
Dann werden die Glieder wieder kraftvoll. Bei Menschen also, bei denen
man bemerkt, fur die wird das nachste Jahr etwas sehr Schlimmes werden,
denn sie werden kraftlos, da sollte man eigentlich, weil man im Friihling
mit den auBeren Dingen nicht viel machen kann, Vorsorgen. Man sollte
sich sagen: Wenn der Friihling kommt, da gebe ich solchen Menschen, je
nachdem sie kraftlos geworden sind, den Saft von gewissen Pflanzen, zum
Beispiel den Saft von Schlehdorn. Wenn man den Schlehdornsaft aufbe-
wahrt - Sie kennen die herbe, sauerliche Pflanze - und ihn einem solchen
Menschen, der im Friihling kraftlos wird, in den Mund hineinbringt, dann
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kann man inn halten iiber den Friihling und Sommer hindurch. Warum?
Ja, sehen Sie, wenn man dem Menschen den Saft von Schlehdorn gibt,
dann bildet dieser Schlehdornsaft allerlei Salze. Die gehen zum Kopf und
nehmen die Kohlensaure mit. Da machen wir den Kopf dann geneigt,
diesen Menschen durch Friihling und Sommer hindurchzubringen. Und
im Herbst mussen wir ihn dann in eine Gegend bringen, wo er imstande
ist, das andere zu nehmen, was mehr nach den Gliedern gehen muB. Koh-
lensaure geht nach dem Kopf; die fugen wir ein nach dem Kopf durch
Beibringen von Schlehdorn. Haben wir das Gliick, daB wir einen solchen
Menschen durchgebracht haben durch den Sommer, konnen wir ihn im
Herbst in eine geeignete Gegend hinbringen - nicht besonders lange,
zwei, drei Wochen lang sollte er sich aufhalten in einer solchen Luft, von
der man weiB, daB sie eben meteorische Einflusse erhalten hat -, dann ist
es so, daB der Mensch dort dadurch, daB man ihn gestarkt hat wahrend
des Friihlings und Sommers, dann wirklich die Starke seiner Glieder wie-
derum holt.
Ja, meine Herren, da haben Sie die zwei Wirkungen unmittelbar ne-
beneinander. Da haben Sie die Erdenwirkung, die eigentlich eine Mon-
denwirkung ist, die Erdenwirkung im Schlehdornsaft, und da haben Sie
die Weltwirkung in dem, was die Kometen, und wenn kein Komet da ist,
die Sternschnuppen hinterlassen haben - bei denen ist es ebenso, nur
klein; aber es sind eben viele -, was von dem Weltenall hereinwirkt. Wie
Sie im Grunde kein Irdisches haben im Schmetterling mit seiner Verwand-
lung, sondern Licht vom Weltenall, wie Sie in den geschutzten Eiern
Warme vom Weltenall haben, von der Sonne, so haben Sie auch in sich
selbst innerlich menschliche Warme, die Sie innerlich in Ihrer Substanz
entwickeln mussen und die gerade das Entgegengesetzte anregt als die
aufiere Warme.
So konnen wir iiberall sehen, wie im Menschen eine Abwechslung ist,
wie aber auch im ganzen Weltenall eine Abwechslung ist: bald mussen die
Dinge drauBen vom Weltenall kommen, bald vom Inneren der Erde oder
des Menschen. Nun werden Sie sagen: Ja, gewisse Dinge sind regelmaBig;
sie konnen aber allein nicht dasjenige bewirken, was sie bewirken sollen.
Tag und Nacht wechseln regelmaBig; die bewirken das eine, was von der
Erde ausgeht. — Nun, die Kometen erscheinen mehr oder weniger unre-
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gelmaBig; die Sternschnuppen auch. Und das ist audi so. Bei den Stern-
schnuppen ist eine solche RegelmaBigkeit nicht vorhanden wie beim iibri-
gen. Wenn ein Astronom eine Sonnenfinsternis beobachten will, dann
kann er ganz genau den Zeitpunkt finden, wann sie anfangt - das laBt sich
berechnen -; es gehort zu dem RegelmaBigen, wirkt aber nicht von der
Sonne aus. Da kann er also vorher erst noch zu einem Souper gehen, und
er kommt noch immer zur Sonnenfinsternis zurecht. Wenn er das meteo-
ritische Schwarmen der Sternschnuppen zur rechten Zeit beobachten will,
muB er die ganze Nacht passen, sonst kann er sie nicht finden. Das ist eben
der Unterschied zwischen dem, was unregelmaBig vom Weltenall aus auf
die Erde hereinkommt, und dem, was regelmaBig ist.
Nun konnen Sie eine interessante Frage aufwerfen. Sie konnen sagen:
Die Kometen, die also mit dem Zyan zusammenhangen — was mit unserem
Willen zusammenhangt in unserem Menschen -, diese Kometen, die er-
scheinen unregelmaBig; bald kommt einer, dann ist er lang wieder nicht
da. - Es ruft bei den Menschen j a immer auch Anlasse zum Aberglauben
hervor; gerade dasjenige, was nicht immer erscheint, das macht sie aber-
glaubisch, wenn es kommt. Im Sonnenauf- und -Untergang haben nur die
ehemals bereiten Menschengemiiter das Gottliche gesehen; spatere, aber-
glaubische Gemiiter haben dann iiber die Kometen allerlei Zeug zusam-
mengetraumt. Sie konnen nun die Frage aufwerfen: Warum ist es mit den
Kometen nicht auch so, daB, wie zu bestimmten Stunden im Jahr morgens
die Sonne erscheint, auch ein Komet erscheint? - Nun, wenn das der Fall
ware, wenn gerade so regelmaBig wie Sonnen- und Mondauf- und -nie-
dergang der Komet immer regelmaBig mit seinem Schwanz kommen und
verschwinden konnte, dann hatten wir Menschen keine Freiheit; dann
ware alles iibrige in uns so regelmaBig, wie Sonnenauf- und -Untergang,
Mondauf- und -Untergang. Und was in uns zusammenhangt mit dieser
RegelmaBigkeit im Weltenall, das ist in uns auch Naturnotwendigkeit.
Wir miissen essen und trinken, auch mit einer RegelmaBig
…[truncated]