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RUDOLF STEINER
Das Hereinwirken
geistiger Wesenheiten in den
Menschen
Dreizehn Vortrage, gehalten in Berlin
zwischen dem 6. Januar und 11. Juni 1908
1984
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH/SCHWEIZ
Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften
herausgegeben von der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung
Die Herausgabe besorgten Robert Friedenthal und Hendrik Knobel,
die der Vortrage vom 13. April und 13. Mai 1908 Ernst Weidmann t
1. Auflage Freiburg i. Br. 1955
2. Auflage, neu durchgesehen und erweitert um die Vortrage
vom 13. April und 13. Mai 1904
Gesamtausgabe Dornach 1 974
3. Auflage (photomechanischer Nachdruck)
Gesamtausgabe Dornach 1984
Einzelausgaben
13. April 1908: «Ostern, das Mysterium derZukunft»
Dornach 1953, erweiterte Auflage 1961, 1980
13. Mai 1908: 2. Vortrag in «Das Christentum hat begonnen als Religion,
aber es ist groBer als alle Religionen», Freiburg i. Br. 1952;
2. Vortrag in «Ostern, das Mysterium der Zukunft», Dornach 1961, 1980
Veroffentlichungen in Zeitschriften siehe Seite 23 1
Bibliographie-Nr. 102
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz
© 1974 by Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz
Printed in Germany by Greiserdruck, Rastatt
ISBN 3-7274-1020-5
Zu den Veroffentlichungen
aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner
Die Grundlage der anthroposophisch orientierten Geisteswissen-
schaft bilden die von Rudolf Steiner (1861-1925) geschriebenen
und veroffentlichten Werke. Daneben hielt er in den Jahren 1900
bis 1924 zahlreiche Vortrage und Kurse, sowohl offentlich wie
auch fur die Mitglieder der Theosophischen, sparer Anthropo-
sophischen Gesellschaft. Er selbst wollte urspriinglich, daB seine
durchwegs frei gehaltenen Vortrage nicht schriftlich festgehalten
wiirden, da sie als «miindliche, nicht zum Druck bestimmte Mit-
teilungen» gedacht waren. Nachdem aber zunehmend unvollstan-
dige und fehlerhafte Horernachschriften angefertigt und verbreitet
wurden, sah er sich veranlaBt, das Nachschreiben zu regeln. Mit
dieser Aufgabe betraute er Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die
Bestimmung der Stenographierenden, die Verwaltung der Nach-
schriften und die fur die Herausgabe notwendige Durchsicht der
Texte. Da Rudolf Steiner aus Zeitmangel nur in ganz wenigen
Fallen die Nachschriften selbst korrigieren konnte, muB gegen-
iiber alien Vortragsveroffentlichungen sein Vorbehalt beriicksich-
tigt werden: «Es wird eben nur hingenommen werden miissen,
daB in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehler-
haftes findet.»
Uber das Verhaltnis der Mitgliedervortrage, welche zunachst
nur als interne Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu seinen
offentlichen Schriften auBert sich Rudolf Steiner in seiner Selbst-
biographie «Mein Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende
Wortlaut ist am SchluB dieses Bandes wiedergegeben. Das dort
Gesagte gilt gleichermaBen auch fur die Kurse zu einzelnen Fach-
gebieten, welche sich an einen begrenzten, mit den Grundlagen der
Geisteswissenschaft vertrauten Teilnehmerkreis richteten.
Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaB
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner
Gesamtausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen
Bestandteil dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich
nahere Angaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise.
INHALT
Seite
ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908 13
Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in unser Dasein. Wesen-
heiten des Astralplans und des Devachans. Die Gruppenseelen der
Tiere, Pflanzen und Mineralien. Gutartige und bosartige Mond-,
Mars- und Venuswesenheiten. Die erfmderischen und die wilden
Saturnwesenheiten. Verschiedene Wirkensweisen dieser elementa-
rischen Wesen auf die Erde und den Menschen. Chylus, Lymphe
und Blut als Leib von Wesenheiten anderer Planeten. Wirkung der
Saturngeister durch die Sinnesorgane (Geriiche, Parfums). Der Ge-
gensatz von Lunge und Leber. Die Prometheus-Sage.
ZWEITER VORTRAG, 27. Januar 1908 30
Planetendasein, Sonnendasein und Tierkreisdasein als kosmische
Entwickelungsstufen. «Zeit» und «Dauer». Der Saturn als Morgen-
dammerung unseres planetarischen Zustands. Seine Entstehung als
«Opfer» des Tierkreises. Auf- und niedersteigende Krafte des Tier-
kreises. Die sieben Wesensglieder des Menschen und der hoheren
Wesenheiten. Der Mensch als empfangende, die hoheren Wesenhei-
ten als schopferische Wesenheiten. Die Bedeutung des Sternbildes
der «Waage» fur die Ich-Entwickelung des Menschen. Christus als
«mystisches Lamm» und der Mensch. Ihr Zusammenhang im Tier-
kreis.
DRITTER VORTRAG, 15. Februar 1908 44
Die Kant-Laplacesche Theorie und die Theosophie. Die friiheren
Verkorperungen der Erde als Taten geistiger Wesenheiten. Hinzu-
kommende und zurixckbleibende Wesenheiten. Der Ursprung der
Tierwelt. Abtrennung der Sonne und der Planeten Uranus, Saturn
und Jupiter als Wohnstatten geistiger Wesenheiten. Der Marsdurch-
gang und das Eisen. Abtrennung des Mondes, seine Verbindung mit
dem Sonnengeist Jehova. Die Venus- und Merkurwesenheiten als
Lehrer der Menschen. Wirkung des Mars in der Empfindungsseele,
Merkur in der Verstandesseele und Jupiter in der BewuBtseinsseele.
VIERTER VORTRAG, 29. Februar 1908 63
Das Warmeelement des alten Saturn. Die Geister der Form als Bild-
ner der ersten Anlage des physischen Leibes des Menschen auf dem
Saturn. Mythos von Kronos und Gaa. Auf der Sonne opfern die
Geister der Form den Atherleib, auf dem Mond den Astralleib und
bewirken dadurch die erste Anlage der menschlichen Ather- und
Astralleiber. Auf der Erde Eintraufelung des Ich in der lemurischen
Zeit. Das Ich ergreift im Laufe der atlantischen Zeit Astralleib,
Atherleib und physischen Leib des Menschen und es entstehen Emp-
fmdungs-, Verstandes- und BewuBtseinsseele, Geistselbst und Le-
bensgeist. Das Mysterium von Golgatha.
FUNFTER VORTRAG, 16. Marz 1908 82
Die Weltentwickelung durch Saturn, Sonne, Mond und Erde. Wie-
derholungen der friiheren Zustande im Beginn der Erdentwickelung.
Der Mensch als Erstgeborener vor Tier, Pflanze und Mineral. Die
Erde als Warmeorganismus. Das Zyklopen-Warmeorgan. Entste-
hung von Licht und Luft. Luftsystem und Nervensubstanz. Wasser-
bildungen durch den Ton gemaB der Spharenmusik. Die EiweiBbil-
dung durch den «Tanz der Stoffe». Uber die Zelle. Offnung der
Sinne nach der Sonnentrennung. Lebendige und mineralische Warme.
Die Eingliederung des Festen (Asche) in den Organismus durch den
Gedanken, durch das Wort, das zuerst da war.
SECHSTER VORTRAG, 24. Marz 1908 96
Die zeitliche Umkehrung bei der Wiederholung von Entwickelungs-
zustanden. Umformungen der verschiedenen Systeme (Blut-, Ner-
ven-, Driisen- und Sinnessystem) im Laufe der Entwickelung. Das
Personlichkeitsbewufltsein auf der Erde im Gegensatz zum alten
MondenbewuBtsein. Nachklange des letzteren im Germanentum
(Blutrache) und Judentum (Blutgruppenseele, die Erinnerung durch
die Generationen). Das GruppenseelenbewuBtsein des alten Mon-
des. Der Mond als der Planet der Weisheit, die Erde als der Planet
der Liebe. Der zukiinftige Planet Jupiter. Der Gegensatz von Gei-
stern der Weisheit und Geistern der Liebe. Ihr Zusammenwirken in
der Bildung von «Individualitat» und «Personlichkeit» des Men-
schen im Durchgang durch die Inkarnationen. Aufstieg der Geister
der Weisheit zu Geistern der Umlaufzeiten. Christus als der Sonnen-
geist, als das «mystische Lamm», als das «groBe Opfer der Erde».
Der Leib des Menschen zwischen Geistern der Weisheit und Jehova,
dem Herrn der Form, ihr Gleichgewicht durch die Christus-Wesen-
heit. Die Veredelung und Spiritualisierung des menschlichen Leibes
als die «Auferstehung des Fleisches». Die Freiheit als Einschlag der
zuruckgebliebenen Geister. Gemeinschaft des Geistes als Glaube auf
dem Jupiter und als der Sinn des Christentums. Schilderung der
nachatlantischen Kulturepochen. Der Urbeginn unserer Welt im
Alten und Neuen Testament. Das Christentum als Menschheitsreli-
gion.
SIEBENTER VORTRAG, 13. April 1908
117
Der silbeme Kodex des Bischofs Ulfilas. Siegfried und die Christus-
Wesenheit. Richard Wagners Parsifal. Das BewuBtsein des heutigen
und des atlantischen Menschen. Das Wesen der alten Mythen und
Sagen. Der verschiedene Zusammenhang des Atherleibes mit dem
physischen Leibe beim atlantischen und beim heutigen Menschen.
Die Einweihung in den alten Mysterien. Das Wesen der Religion.
Die erneute Lockerung des Atherleibes und die Folgen davon fur den
modernen Menschen. Tiber ein psychologisches Buch (von Ebbing-
haus). Christus als Vorbild fur die Wiedergewinnung der alten Er-
innerungen der Vorzeit und fixr alle Prophetie der Zukunft. Die
Synthese von Weihnachtsfest und Osterfest. Nervositat als Folge
des NichtbewuBtwerdens der geistigen Welt. Die Christus-Idee der
Zukunft.
Die den Menschen iibergeordneten geistigen Hierarchien. Das We-
sen der Engel. Ihre Aufgabe als Schutzgeist fur den einzelnen Men-
schen durch die wiederholten Erdenleben. Das Wesen der Erzengel.
Ihr Wirken als Volksgeist und fur andere Aufgaben. Die Urkrafte
als Geister der Zeiten und ihr Wirken in den nachatlantischen
Epochen sowie im einzelnen Menschen. Giordano Bruno. Satan, der
widerrechtliche, und Jehova als der rechtliche Fiirst dieser Welt.
Von den Exusiai, den Gewalten. Christus als der Lenker der ganzen
Menschheit, zu dem jeder selber seinen Weg finden muB.
Unmittelbares Erfahren der ubersinnlichen Welt (Atlantis) und Ge-
dachtnisreligion (Nachatlantis). Sagen und Mythen. Das Entstehen
des Joga. Der Ahnenkult und die daraus entstehenden Religions-
systeme. Vedantaphilosophie, System der Hebraer, der Agypter. Das
griechische Religionssystem. Die griechische Baukunst. Die Gotik.
Die romanische Baukunst. Das Christentum. Die Gestalt des Jesus
Christus. Die VerauBerlichung der modernen Wissenschaft. Der Zu-
sammenhang des Atherleibes mit dem physischen Leibe in friiheren
Zeiten, in Gegenwart und Zukunft. Tiber den geistigen Tod. Das
Christentum ist groBer als alle Religionen.
ZEHNTER VORTRAG , 16. Mai 1908 162
Das Gefuhlsverstandnis der theosophischen Erkenntnisse. Gliede-
rung hoherer Wesenheiten, des Menschen, der Tiere und der Elemen-
tarwesen. Tiber die Gnomen. Gliederung der Elementarwesen in
Gnomen, Undinen, Sylphen und Salamander. Der Ahasvermythos.
Die sechzehn Wege des Verderbens. Vom Wesen der tierischen Grup-
ACHTER VORTRAG, 20. April 1908
137
NEUNTER VORTRAG, 13. Mai 1908
151
penseele. Wesen und Entstehung der Elementarwesen, namentlich
der Salamander. Vom Wesen des Affen. Dekadenzerscheinungen
der heutigen Zeit und das Gesundende der Theosophie.
ELFTER VORTRAG, Uuni 1908 183
Von den Tiergruppenseelen. Das Entstehen der Elementarwesen.
Biene und Sylphe. Heutige Wissenschaft und Elementarwesen. Theo-
rien iiber Allwesen und Allbeseeltheit. Vom Wesen der Gruppen-
seelen. Die Entwickelung des Menschen von der Gruppenseelen-
haftigkeit zur Individualitat. Das BewuBtsein des alten Hellseher-
tums und der Patriarchenzeiten. Unterschied des judischen und christ-
lichen BewuBtseins. Geschichtswissenschaftliche Darstellung als
Fable convenue. Der IndividualisierungsprozeB im Mittelalter
(Stadtegriindung). Allgemeine Anerkennung der mathematischen
Wahrheiten. Friihere Rassenzusammenhange und kunftige Gruppen-
seelenhaftigkeiten. Uber Elementarwesen (Undinen, Sylphen). Ele-
mentarwesen zwischen Reiter und RoB, dem Hirten und seiner
Herde. Unterschied von Gottern und Menschen. Vom Wesen der
Symbolik.
ZWOLFTER VORTRAG, 4. Juni 1908 199
Uber Elementarwesen. Die Ich-Seele der Tiere, Pflanzen, Mineralien
auf den verschiedenen Planen. Der Mensch im Schlafe. Die vier
Systeme des physischen Leibes: Sinnesorgane, Driisen, Nerven, Blut.
Unterschied von «physisch» und «mineralisch». Trennung von Ich
und Astralleib von Atherleib und physischem Leib im Schlafe.
Durchdringung von physischem Leib und Atherleib durch hohere
Wesenheiten. Abschniirungen von Teilen dieser Wesenheiten durch
Liigen (Phantome), durch schlechte soziale Einrichtungen (Spek-
tren), durch Gesinnungszwang (Damonen). Die Lockerung des
Atherleibes und ihre Erfiillung mit geistigen, das heiBt mit religio-
sen und kiinstlerischen Vorstellungen. Richard Wagner. Worte eines
bedeutenden Architekten (H. v. Ferstel). Das Pfingstfest.
DREIZEHNTER VORTRAG, 11. Juni 1908 214
Die Verbindung des Menschen mit geistigen Wesenheiten in der
Kunst. Bauwerke als Verbindung mit den Atherleibern (Griechischer
Tempel), Musik als Verbindung mit den Astralleibern von hoheren
Geistwesenheiten. Die Harmonisierung und Wiederherstellung der
menschlichen Krafte im Schlaf. Die geistigen Krafte im Raum.
Bocklin und sein Bild «Pieta». Der griechische Tempel, agyptische,
romanische Baukunst, der gotische Dom. Plastik als Kunst des
Atherleibes, Malerei als Kunst der Empfindungsseele, Musik als Kunst
der Verstandesseele, Dichtkunst als Kunst der BewuBtseinsseele. Bei-
spiel aus Goethes «Faust». Ausspriiche Richard Wagners iiber Mu-
sik. Sein Versuch der Vereinigung von Shakespeare und Beethoven.
Die Neunte Symphonie. Allgemeine Charakteristik der kunstle-
rischen Ziele Richard Wagners. Die Bedeutung der Kunst fur das
theosophische Leben der Zukunft. Die kiinstlerische Gestaltung von
Profanbauten, wie Bahnhofen und so weiter. Die Katakomben-
Christen als Vorbild fur die geistigen Bestrebungen unserer Zeit.
Hinweise 231
Rudolf Steiner iiber die Vortragsnachschriften 237
Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 239
ERSTER VORTRAG
Berlin, 6. Januar 1908
Heute werden wir einiges zu besprechen haben vom geisteswissen-
schaftlichen Standpunkt aus iiber Tatsachen und Wesenheiten in ho-
heren Welten und iiber den Zusammenhang solcher Wesenheiten und
Tatsachen mit dem Menschen. Von vornherein muB, obwohl es schei-
nen konnte, daB dies in einem solchen theosophischen Zweig nicht
notwendig sei, darauf aufmerksam gemacht werden, daB der heutige
Vortrag zu denjenigen gehoren wird, die man fur Theosophen in einem
vorgeschrittenen Stadium halt. Auch so etwas muB ja einmal m6g-
lich sein in einem theosophischen Zweig. Wer daher vielleicht erst
seit kiirzerer Zeit an diesen Montagvortragen teilnimmt, kann sich
durch manches, was heute besprochen wird, noch etwas befremdet fuh-
len; aber wir wiirden nicht weiterkommen, wenn wir nicht auch ein-
mal Dinge der hoheren Gebiete der Theosophie besprechen wollten.
Wer etwa ein ganzer Neuling ist und vielleicht erst darauf wartet, von
den geisteswissenschaftlichen Wahrheiten iiberzeugt zu werden, konnte
in mancherlei, was heute zur Sprache kommt, etwas wie Wahnwitz
finden; aber solche Gebiete mussen auch einmal beriihrt werden.
Aus den Vortragen, die in den letzten Zeiten hier gehalten worden
sind, konnten Sie entnehmen, dafi, wenn wir von dem physischen Plan
hellseherisch hinaufsteigen in die hoheren Welten, wir da Wesen an-
treffen, die zwar nicht unserer physischen Welt angehdren, die aber als
Wesen der hoheren Welten so in sich abgeschlossene Wesenheiten sind,
daB wir sie fur jene Welten ebenso als Personen bezeichnen konnen,
wie wir die Menschen hier auf dem physischen Plan als Personen be-
zeichnen. Sie haben gesehen, daB ganze, gleich oder ahnlich gestaltete
Gruppen von Tieren zusammen zu einer Gruppenseele oder einem
Gruppen-lch gehoren, und daB wir die Lowenseele, die Tigerseele und
andere Gruppen-Iche der Tiere wie abgeschlossene Personen auf dem
Astralplan treffen, denen wir dort begegnen konnen, wenn wir - tri-
vial gesprochen - auf dem Astralplan Spazierengehen, so wie wir den
Menschen der physischen Welt hier begegnen konnen. Ebenso finden
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wir in noch hdheren Gebieten, auf dem Devachanplan, die Iche von
ganzen Pflanzengruppen, und in den hochsten Partien des Devachans
finden wir die Iche der Mineralien als abgeschlossene Persdnlichkeiten,
wie es hier die Menschen auf dem physischen Plan sind. Daraus se-
hen wir, daB wir in diesen hdheren Welten gewisse Wesenheiten an-
treffen, die sozusagen ihre Organe, ihre einzelnen Glieder hinunter-
strecken bis in die physische Welt. Wenn der Mensch seine Finger zei-
gen wiirde, indem er sie durch einen Vorhang oder durch eine Papier-
wand, in der ein Loch ist, hindurchstreckte, so wiirden wir da nur die
zehn Finger vom Menschen sehen; er selbst ware hinter der Wand.
So ist es mit den Gruppen-Ichen der Tiere. Wir sehen hier mit den
physischen Augen das, was von hdheren Wesenheiten des Astralplans
als Glieder heruntergestreckt wird, und das eigentliche Ich ist hin-
ter der Wand - hinter jener Wand, welche die physische Welt von
der astralischen trennt. Und so ist es in entsprechender Weise mit den
anderen Gruppen-Ichen, mit den Gruppen-Ichen der Pflanzen oder
der mineralischen Welt. Wenn wir uns von diesem Ausgangspunkt der
physischen Welt aus hinaufbegeben in hdhere Welten, treffen wir dort
nicht allein die eben hier genannten Wesen an, die ihre Glieder hier
in die physische Welt hinuntererstrecken, sondern wir treffen eine
ganze Anzahl anderer Wesenheiten, die wir ebenso als fur sich abge-
schlossene Persdnlichkeiten fur jene Welten bezeichnen kdnnen, deren
physische Glieder aber nicht so unmittelbar anschaulich und nachweis-
lich sind wie die der genannten Gruppen-Iche der Tiere, Pflanzen und
Mineralien.
Der astralische Plan und der Devachanplan sind eben sehr bevdl-
kerte Welten, und mancherlei Wesenheiten finden wir dort, die, wenn
sie auch nicht in so handgreiflicher Art in ihren Offenbarungen hier
zu beobachten sind, dennoch ihre Wirkungen, ihre Taten hier auf dem
physischen Plan auBern, und die mit dem physischen Plan, mit unse-
rem ganzen heutigen menschlichen Leben sehr viel zu tun haben. Man
begreift das Menschenleben nicht, wenn man nicht weiB, daB inner-
halb des menschlichen Lebens solche Wesen tatig sind, die oben in hd-
heren Welten leben. Im menschlichen Leibe selber geht vieles vor,
woriiber der Mensch nicht Herr ist, was nicht Ausdruck des mensch-
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liehen Ich ist, sondern Tat, Wirkung, Offenbarung von Wesenheiten
der hoheren Welten. Von solchen Dingen wollen wir heute sprechen.
Wenn wir den astralischen Plan betrachten, treffen wir dort ge-
wisse Wesenheiten an — nur eine Art unter vielen anderen — , die unter
den Wesenheiten des physischen Plans, die wir zunachst beobachten,
scheinbar keine AuBerung, keine Offenbarung haben, die aber doch
mit unserem physischen Plan zusammenhangen. Wir treffen sie dort
auf dem astralischen Plan als astralische Wesenheiten mit einem aus-
gesprochenen Willen, mit ausgesprochenen Absichten. Solche Wesen-
heiten haben innerhalb unserer unmittelbaren Welt ein solches Da-
sein, daB wir sie, wie gesagt, auf dem astralischen Plan antreffen kon-
nen; aber sie sind verwandt, sie gehoren zu derselben Art von Wesen-
heiten, die unseren heutigen Mond bewohnen, die auf unserem jetzigen
Mond sogar ein gewisses physisches Dasein haben. Derjenige, der sich
diesen Dingen hellseherisch zu nahern vermag, weiB, daB das Wesen-
heiten sind, die dort auf dem Schauplatz des Mondes in einer gewissen
Beziehung menschenahnliche Wesen sind, nur daB sie dem Menschen
gegeniiber wie Zwerge sind, denn sie erreichen kaum die Hohe eines
sechs- bis siebenjahrigen Kindes. Dort auf dem Mond bietet sich ihnen
eine eigentiimliche Gelegenheit zu ihrer Betatigung. Dort sind die phy-
sischen Verhaltnisse ganz andere; die Atmosphare ist zum Beispiel eine
ganz andere, und die Folge davon ist, daB diese Wesenheiten, wenn
sie sich sozusagen nach ihrer Heimat zuriickziehen, dort die Fahigkeit
erlangen, ungeheuer zu briillen, ungeheuer starke, furchtbare Tone von
sich zu geben. Diese zwerghaften Wesenheiten konnen sich innerhalb
unserer Welt aufhalten als astralische Wesenheiten.
Sie miissen sich namlich die Verhaltnisse in den hoheren Welten viel
komplizierter vorstellen, als man das gewohnlich tut. Es besteht, so-
bald wir von den hoheren Welten reden, durchaus ein Zusammen-
hang zwischen den einzelnen Planeten, und so besteht ein Zusammen-
hang zwischen dem Mond und der Erde in einer ahnlichen Weise,
wie Sie zum Beispiel von Berlin nach Hamburg telephonieren, so daB
solche Wesenheiten, die auf dem Monde leben, also ihre Wirkungen
mit Hilfe astralischer Krafte auf der Erde ausiiben konnen. Diese We-
senheiten sind, man konnte sagen, nur die schlimme Kehrseite von
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anderen Wesenheiten, die wir ebenfalls in der astralen Welt finden:
von gutartigen Wesen, die, verglichen mit der gegenwartigen, auch
sanftesten Menschennatur, noch viel, viel sanfter sind, sehr sanft auch
in bezug auf die Sprache. Das sind Wesenheiten, deren Sprache nicht
von jener Sprodigkeit ist wie die menschliche Sprache, bei der erst
lange iiberlegt werden muB, wenn der Mensch sich auBern soli, wenn
er seine Gedanken und Vorstellungen in Worte kleiden soil. Man konnte
sagen, diesen Wesenheiten flieBen die Gedanken von den Lippen, nicht
bloB der Ausdruck der Gedanken in Worten, sondern die Gedanken
selbst flieBen ihnen in einer sanften Sprache von den Lippen. Diese
Wesenheiten finden Sie auch innerhalb unserer astralischen Welt; ihren
eigentlichen Schauplatz haben sie wiederum auf einem anderen Pla-
neten. Wie die erstgenannten Wesenheiten auf dem Mond, so haben
diese zweiten auf dem Mars ihre Heimat; den bewohnen sie, und da
sind sie sogar die hauptsachlichste Bevolkerung, so wie gewisse Men-
schenrassen die hauptsachlichste Bevolkerung auf unserer Erde sind.
Wenn wir dann weiter aufsteigen nach dem Devachanplan, fin-
den wir gewisse Wesenheiten, die in ihrer Eigenart auch sanfter, fried-
licher Natur sind, und die in einer gewissen Beziehung auBerordentlich
klug sind. Solche Wesenheiten, die wir auf dem Devachanplan fin-
den, haben ihre eigentliche Heimat - wie die anderen Wesenheiten auf
Mond und Mars - auf dem Planeten Venus. Auch auf der Venus fin-
den wir noch eine zweite Art von Wesenheiten, die - im Gegensatz
zu den sanften, lieblichen - eine wilde, rasende Varietat darstellen,
deren hauptsachlichste Beschaftigung im gegenseitigen Krieg und Raub
besteht.
Dann finden wir auf den hoheren Partien des Devachanplans ge-
wisse Wesenheiten von zweierlei Art, die sehr schwer zu beschreiben
sind. Wir konnen sie nur vergleichsweise beschreiben, indem wir sa-
gen, daB sie unendlich erfmderisch sind, in jedem Augenblick des Le-
bens etwas ausfindig machen, denn es ware falsch, wenn man sagen
wiirde: sie denken es aus. Bei ihnen ist diese erfinderische Gabe etwa
so vorhanden, wie wenn man eine Sache anschauen wiirde und einem
in demselben Augenblick - schon beim Anschauen - der Einfall kame,
wie man das anders gestalten konnte. Sogleich erfolgt da bei ihnen die
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Erfindung. Diesen Wesenheiten, die ihre Heimat auf dem Saturn ha-
ben, stehen andere gegeniiber, die wiederum wie ihre Kehrseite sich
ausnehmen: wilde, schaurige Wesenheiten, die alles, was etwa im Men-
schen an wilder sinnlicher Gier und Begierde lebt, in einem weitaus
hoheren, furchtbareren Grade besitzen.
Diese eben genannten Wesenheiten sind nun keineswegs ohne Be-
ziehung zu unserem Leben, sondern sie erstrecken ihre Taten, ihre
Wirkungen und Offenbarungen durchaus in unser Leben hinein, und
namentlich ist ihre Wirkung fur den hellseherisch begabten Menschen
dann zu verspiiren, wenn gewisse Verhaltnisse auf der Erde eintreten.
So sind zum Beispiel jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf dem Mond
haben — natiirlich als astrale Wesenheiten — , auf der Erde unter den
mannigfaltigsten Verhaltnissen vorhanden, beispielsweise wenn irgend-
wo ein Mensch von Wahnideen befallen ist, wenn irgendwo Irrsinnige
sind. Namentlich in der Nahe von Irrenhausern halten sich solche
Wesenheiten als astralische Wesenheiten mit ganz besonderer Vorliebe
auf. Auch finden sie sich fast immer in der Nahe von Medien und
Somnambulen, die zum Teil ganz umschwirrt sind von solchen We-
senheiten, und ein groBer Teil von den Einffiissen, die auf solche Men-
schen ausgeiibt werden, riihrt von der Anwesenheit solcher Geschopfe
her. Wo dagegen Liebe und Wohltatigkeit waltet, wo humanitares We-
sen entfaltet wird, da finden Sie die vorhin charakterisierten sanften,
milden Marswesenheiten als astralische Geschopfe anwesend, und diese
Wesenheiten wirken in den Kraften, die sich da entfalten. Das ist fur
sie ihre Nahrung, die Atmosphare, in der sie leben konnen und von
der aus sie wiederum ihren EinfluB auf den Menschen ausiiben.
Da, wo menschliche Erfmdungen gemacht werden, wo Ingenieure
arbeiten, in den technischen Werkstatten, da ist die Atmosphare ge-
schaffen fur jene Art von erfmderischen Saturnwesenheiten, die be-
schrieben wurden, wahrend dort, wo irgendwelche Akte sich entfal-
ten, die mit Geistesgegenwart etwas zu tun haben, Wesenheiten an-
wesend sind, die auf der Venus ihren Sitz haben.
So sehen Sie, wie der Mensch in den verschiedensten Lebenslagen
fortwahrend umgeben und umschwirrt ist von solchen elementarischen
Wesenheiten, wie man sie auch nennt. Er ist wirklich niemals allein,
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sondern was er auch tut und was er unternimmt, ist zu gleicher Zeit Ge-
legenheit fur die Entfaltung einer Anzahl Wesenheiten. Die feineren
und groberen Taten der Menschen, die ideellsten und idealsten Taten
und die wiistesten Taten, sie alle sind Gelegenheitsursachen fur die An-
wesenheit solcher Geschopfe, die eingreifen in die Krafte der Menschen
und sich da betatigen und die man kennen muB, wenn man das Leben
wahrhaftig durchschauen will. Wer diese Dinge nicht durchschaut,
geht ja durchaus blind durch das Leben. Es ist nicht etwa bloB eine
Theorie oder eine theoretische Forderung, um die es sich da handelt,
sondern es handelt sich hier darum, daB alle diese Dinge unmittelbar
praktisch werden. Denn erst dann wird der Mensch nach und nach
in der Zukunft der Erdenentwickelung lernen, sich in der richtigen
Weise zu verhalten und zu benehmen, wenn er immer mehr und mehr
erkennt, welche Geschopfe durch diese oder jene Taten und Umstande
herbeigerufen werden. Alles, was der Mensch tut, ist wie ein Ruf an
unbekannte Wesenheiten. Nicht nur an Irre oder an Medien konnen
sich die Mondwesenheiten, unter denen recht boswillige Racker sind,
heranwagen, sondern zum Beispiel auch an junge Kinder, wenn sie in
so unsinniger Weise uberfuttert werden, daB bei ihnen die FreBgier
erregt wird; dann konnen sie sich an sie heranmachen und ihre Ent-
wickelung verderben. Da sehen Sie, wie notwendig es ist zu wissen,
was der Mensch eigentlich durch sein ganzes Gebaren und durch sein
ganzes Gehabe in der Welt um sich herum wachruft.
Nun sind diese Wesenheiten auch sonst durchaus nicht ohne Bezie-
hung zum Menschen. Sie haben vielmehr eine tiefe Beziehung zu un-
serem unmittelbaren menschlichen Bau. Von dem, was sich im mensch-
lichen Leibe findet, gehbrt eigentlich nur eines dem Menschen an oder
kann ihm immer mehr angehoren: das ist sein Blut. Des Menschen
Blutsaft ist das, was unmittelbar der Ausdruck seines Ich ist. Wenn
aber der Mensch nicht immer mehr und mehr darauf schaut, sein Ich
durch einen starken und kraftigen Willen, durch seine starke und kraf-
tige Seele innerlich zu festigen, wenn ihm sozusagen sein Ich abhanden
kommt, dann konnen sich auch in seinem Blut andere Wesenheiten ver-
ankern, und das ist dann sehr schlimm und bose fur den Menschen.
Dagegen sind in anderen Teilen des menschlichen Organismus heute
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noch viele andere Wesenheiten verankert, sind in ihm enthalten, und
wir wollen einmal sehen, was da eigentlich alles seine Fiihlhorner in
diesen menschlichen Leib hineinerstreckt, was da im menschlichen
Leibe sich alles verankert. Da miissen wir ein wenig eingehen auf die-
sen menschlichen physischen Leib.
Sie wissen, da!3 das Blut, das durch die Adern rinnt und sich im
Menschenleib ausbreitet, der Ausdruck des menschlichen Ich ist und
daB es immer starker und starker der Ausdruck des Ich wird, wenn
das Ich selbst immer starker und kraftiger in sich seinen Mittelpunkt,
sein inneres Kraftzentrum fmdet. In bezug auf andere Teile, auf andere
Einschlusse des Organismus wird das Ich des Menschen erst in einer viel
kiinftigeren Zeit die Herrschaft erhalten. Heute sind in diesen Ingre-
dienzien des menschlichen Leibes noch viele andere Wesenheiten ent-
halten. Wir wollen die drei Saftestufen Chylus, Lymphe und Blut jetzt
einmal zum Zwecke unserer Betrachtung naher ins Auge fassen.
Sie wissen vielleicht, welche Bedeutung diese drei Arten von Saften
fur den Menschen haben. Sie wissen, wenn der Mensch seine Nahrung
genieBt, so wird sie zunachst durch die vorbereitenden Organe in den
Magen befordert und mit den entsprechenden Saften, die aus den Drii-
sen abgesondert werden, untermischt und zubereitet, so daB sie durch
die Gedarme verarbeitet werden kann. Da ist die Speise in einen fliis-
sigen Zustand gebracht, den Speisebrei, der durch die Gedarme vor-
wartsgefuhrt wird. Das, was fur den Menschen Nahrungsstoff sein
kann, wird dann durch kleine Organe, die man die Darmzotten nennt,
in den Leib ubergefuhrt, um fur diesen Leib als Nahrungssafte zu
dienen, um den Leib immer wieder neu aufzubauen. Das ist eine
Sorte von Substanzen, die wir im Leibe haben, die wir den Chylus
nennen.
Dann wissen Sie vielleicht auch, daB auBer diesem Chylus, der da-
durch zustande kommt, daB von auBen die Nahrung in den mensch-
lichen Leib eindringt, auch noch im Inneren des menschlichen Leibes
ganz gleichlaufende GefaBe sind, die eine Art von Saft fuhren, der in
einer gewissen Beziehung ahnlich ist der weiBen Substanz in unserem
Blut. Dieser Saft flieBt auch durch den ganzen menschlichen Orga-
nismus in gewissen GefaBen, und diese GefaBe laufen vielfach zu-
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sammen mit denjenigen BlutgefaBen, die wir die Venen nennen, weil
sie blaurotes Blut enthalten. Diese GefaBe nehmen sogar auch den
Chylus auf. Die Fliissigkeit, die sie enthalten, das ist die Lymphe. Das
ist ein Saft, der, man mochte sagen, vergeistigt ist gegeniiber dem ei-
gentlichen Speisesaft, dem Chylus. Diese LymphgefaBe, welche die
Lymphfliissigkeit fuhren, haben ihren Verlauf im ganzen menschlichen
Leib; sie durchziehen sogar das Knochenmark in einer gewissen Bezie-
hung, und das, was sie fuhren, nimmt dann auch den Speisebrei auf,
den Chylus. Alles, was in der linken Korperhalfte und in den unteren
Extremitaten ist - von der linken Kopfseite, linken Seite des Rumpfes
bis zur linken Hand und den beiden Beinen -, alles, was da an Lymph-
fliissigkeit ausgebreitet ist und zerlauft, sammelt sich und flieBt in die
linke Schlusselbeinvene hinein und miindet dann ein in den Blutkreis-
lauf. Nur das, was in den LymphgefaBen in der rechten Kopfseite und
in der rechten Seite des Rumpfes ist, vereinigt sich und fuhrt die
Lymphe in die rechtsseitige Schlusselbeinvene, so daB auf diese Weise
die LymphgefaBe der Ausdruck einer wichtigen Tatsache werden.
Sie sehen, wie der Mensch dadurch in zwei Teile geteilt ist, und zwar
nicht symmetrisch, sondern so, daB der eine Teil seine ganzen unteren
Korperteile und die linke Halfte des Rumpfes und des Kopfes umfaBt,
wahrend der andere Teil von der rechten Seite des Rumpfes und des
Kopfes gebildet wird. Das ist ein zweiter Saft, der im Menschen pul-
siert, ein Saft, der dem Seelischen viel naher steht, als dies bei dem
Chylus, dem Magen- und Darmsaft des Speisebreis, der Fall ist, obwohl
ja seelische Zustande auch auf die Verdauung und den ganzen Kreis-
lauf des Speisesaftes ihren tiefgehenden EinfluB haben. Mit den Lymph-
saften hangen aber seelische Zustande viel tiefer zusammen. Bei einem
Menschen, der stark tatig ist, der sehr aktiv ist, flieBt die Lymphe viel
lebhafter als bei einem Menschen, der trage und faul ist und nichts tut.
Und so konnen wir viele seelische Zustande anfuhren, die mit dem
Verlauf der Lymphe im menschlichen Leibe zusammenhangen.
Der dritte Saft ist das Blut, von dem wir ofter gesprochen haben.
Es zerfallt in ein rotes, sauerstoffreiches, lebenspendendes Blut, das
in den Arterien flieBt, und in ein blaurotes, kohlenstoffreiches Blut,
das in den Venen flieBt. Ebenso wie unser Blut die Offenbarung, der
20
Ausdruck ist unseres Ich, so ist die Lymphe in einer gewissen Richtimg
der Ausdruck, die Offenbarung des menschlichen Astralleibes. Solche
Dinge auBern sich da nicht bloB nach einer Richtung. Nach einer an-
deren Richtung ist der Ausdruck des astralischen Leibes das Nerven-
system. Nach der Richtung, die wir heute betrachten wollen, ist in
der Tat, die Offenbarung, der Ausdruck des astralischen Leibes die
Lymphe. Wie ein Mensch zwei Berufe ausfullen kann, so ist es auch
mit dem menschlichen Astralleib: auf der einen Seite ist er der Auf-
bauer des Nervensystems, auf der anderen Seite der Aufbauer, der
Bildner fur die Lymphe. Der menschliche Atherleib ist ebenso der
Aufbauer und Bildner fur das ganze Driisensystem, wie auch in einer
anderen Weise der Aufbauer, der Organisator, der Bildner und Regie-
rer des Umlaufes des Chylus, des Speisebreis. So haben Sie zunachst
einen Zusammenhang dieser im menschlichen Leibe verlaufenden Safte
mit den Gliedern der menschlichen Natur selber.
Nun miissen wir uns dariiber klar sein, daB im menschlichen Astral-
leib, im menschlichen Atherleib das Ich durchaus nicht etwa der einzige
Herr ist. Der Mensch erlangt durch seine Entwickelung allmahlich von
seinem Ich aus immer mehr Herrschaft iiber seinen astralischen und
seinen Atherleib, wenn er seinen astralischen Leib umwandelt in Geist-
selbst oder Manas, und den Atherleib umwandelt, daB das Ich die
Herrschaft erlangt iiber den Lebensgeist oder die Buddhi. Aber solange
der Mensch nicht die Herrschaft hat iiber diese Teile seiner Wesenheit,
so lange sind andere Wesenheiten im Zusammenhange mit diesen
menschlichen Gliedern.
Im menschlichen Astralleib sind, eingebettet wie die Maden im
Kase - entschuldigen Sie diesen unappetitlichen Vergleich, aber es
ist so -, andere Wesenheiten. Und zwar sind ihm eingegliedert, haben
etwas zu tun mit diesem Astralleib jene astralischen Wesenheiten, von
denen ich Ihnen gesagt habe, daB sie ihre eigentliche Heimat auf dem
Mond oder Mars haben, je nachdem sie gutartige oder bosartige Wesen-
heiten sind. Die verankern sich im Astralleib. Und die Lymphe, jener
weiBliche Saft, der den Menschen durchlauft, der gehort zum Leibe
derjenigen Wesenheiten, die in unserer astralischen Welt leben. So
handgreiflich wie die Tiergruppen-Iche sind allerdings diese Wesen-
21
heiten nicht vorhanden, die wir auf dem astralischen Plan als astra-
lische Wesenheiten fmden, und die auf dem Mond oder auf dem Mars
ihre eigentliche Heimat haben. Aber sie sind solcher astralischer Natur,
daB wir in einer gewissen anderen Richtung sagen konnen: Wie wir
in den Tieren, zum Beispiel in einer Gruppe von Lowen, eine Art Of-
fenbarung haben der Wesenheit, die wir auf dem Astralplan als eine
geschlossene Persdnlichkeit antreffen, als das Lowen-Ich, so haben
wir, wenn auch nicht so handgreiflich, in dem, was den menschlichen
Leib als Lymphe durchzieht, ebenso die Offenbarung, die ausgestreck-
ten Glieder dieser astralischen Wesenheiten.
Also, so konnen Sie fragen, haben diese astralischen Wesenheiten
ebenso eine Art physisches Dasein wie die Gruppenseelen der Tiere,
wie das Gruppen-Ich der Gattung Lowe in den einzelnen Lowenindi-
viduen hier auf dem physischen Plan seine Offenbarung hat? Wenn
Sie so fragen, muBte man Ihnen antworten: Ja, das haben sie. - Wie
wir bei den Tieren sahen, daB das astrale Gruppen-Ich seine einzelnen
Glieder ausstreckt in die einzelnen Lowenindividuen, so strecken diese
astralischen Wesenheiten ihre physische Wesenheit auch hier hinein.
Nur konnten sie sie nicht so von auBen in den physischen Plan her-
einerstrecken, sondern sie brauchen auf dem physischen Plan We-
senheiten, deren Parasiten sie sind, in die sie sich einklammern und
einbohren. Sie sind hier die Parasiten der Menschen. Gabe es keine
menschlichen Wesen hier auf der Erde, so wiirden sie sehr bald von der
Erde ihren Abschied nehmen, weil sie keine Wohnstatten fanden; es
wiirde ihnen hier nicht gefallen. Aber es gibt Wesenheiten, Menschen
und hohere Tiere, die Lymphe haben: da, in dieser Lymphe haben
diese Wesenheiten ihre physischen Offenbarungen. So pulsiert in un-
serem Leibe nicht bloB ein materieller Stoff, sondern in jedem sol-
chen Kreislauf bewegen sich, und zwar in ganzen Scharen, solche We-
senheiten, die durch den Menschen rotieren, sich durch ihn hindurch-
bewegen und in der Lymphe ihren Korper haben, wahrend der eigent-
liche Mensch, der Ich-Mensch, zunachst im Blute bloB seinen Korper
hat. Und ob einen Menschen mehr Mondwesen dieser Art durchkrei-
sen oder mehr Marswesen dieser Art, das gibt seiner Lymphe den be-
sonderen Charakter. Durchkreisen den Leib in einem Menschen mehr
22
Mondwesen, so neigt er mehr zur Bosheit, zum Zorn, zum Ingrimm;
durchkreisen ihn mehr Marswesen, so ist er ein Mensch, der mehr zur
Sanftmut, zum Wohlwollen, zur Milde neigt. So sehen Sie, wie der
Mensch nicht bloB von Saften, sondern auch von Geistern durch-
zogen ist, und wie man den Menschen nur versteht, wenn man weiB,
daB er nicht bloB von Saften, sondern auch von Geistern durchzo-
gen ist.
Wenn Sie nun hellseherisch das erforschen, was man Chylus nennt,
was also der auBere Ausdruck zunachst des menschlichen Atherleibes
ist, so haben Sie auch da wiederum ahnliche Wesenheiten verankert
und eingegliedert. Das, was da eingegliedert ist, sind zunachst jene
Wesenheiten, die wir vorhin charakterisiert haben auf der einen Seite
als die guten, auf der anderen Seite als die schlimmen Venuswesen-
heiten, jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf der Venus haben und
die sich in unserer devachanischen Welt finden. Dort sind sie fur das
hellseherische Vermdgen Personlichkeiten, und ihre AuBerung, ihre
Offenbarung hier im physischen Leben haben sie in dem menschlichen
Speisesaft, in dem Chylus, so sonderbar das auch aussieht. In diesem
den menschlichen Leib durchziehenden Speisesaft leben diese Wesen-
heiten, die ihre eigentliche Heimat auf dem Devachanplan haben und
die, insofern sie einen physischen Leib annehmen, auf der Venus ihr
physisches Leben haben. Und da die Venus in ihren Kraften in einer
gewissen Weise zusammenhangt mit unserer ganzen Erdvegetation und
mit allem, was sonst auf unserer Erde lebt, so werden Sie einsehen,
welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, wovon sich der Mensch
ernahrt, und dem, was aus dem Menschen durch diese Nahrung wird.
Das ist eben ganz und gar nicht gleichgiiltig. In alien Pflanzen, und
naturlich auch in den Tieren, leben die Einfliisse der Venuswesenheiten,
auf der einen Seite die der guten, sanften, milden, auf der anderen
Seite die jener wilden Venuswesenheiten, die Ihnen geschildert wor-
den sind als raubgierige und miteinander im Kampf befindliche We-
senheiten. Je nachdem die einen oder die anderen Wesenheiten auf
unsere Tiere oder Pflanzen wirken, sind das Fleisch oder die Pflanzen
so, daB, wenn sie sich in Speisesafte verwandeln, sie dem Menschen
Tugenden oder Laster in seinen Leib hineinbauen.
23
Daran sehen Sie von einem noch hoheren Standpunkt aus, als es
Ihnen in friiheren Vortragen schon dargestellt werden konnte, die
Wichtigkeit, vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt aus die
menschliche Nahrung zu kennen, zu wissen, unter welchen Einfliis-
sen diese und unter welchen Einfiussen jene Pflanze steht, und welches
Tier diesem oder jenem EinfluB unterliegt. Sie konnen daraus die
Lehre entnehmen, daB derjenige zum Beispiel, der da weiB, daB in
einem Lande diese oder jene Pflanzen und Tiere gedeihen, die unter
diesem oder jenem himmlischen EinfluB stehen, begreift, wie ein ganz
bestimmter Volkscharakter sich aufbauen muB, weil in allem, was der
Mensch an Nahrung zu sich nimmt, die aus seiner Umgebung gewon-
nen wird, er nicht nur das iBt, was die Chemie an Stoffen klarlegt,
sondern er iBt bestimmte Geister mit, und diese sind es, die durch sei-
nen Mund in den Magen gehen und in seinem Wesen sich ausbreiten.
Da eroffnet sich uns die Perspektive, wie man aus der tieferen geo-
graphischen Beschaffenheit eines Landes den Charakter eines Volkes
erkennen kann.
Vergessen Sie nicht eine Bemerkung, die Sie in der Wiedergabe des
Vortrags iiber das Vaterunser finden konnen, in dem eine solche Tat-
sache von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus dargestellt worden ist,
wo Ihnen gesagt worden ist, daB der Mensch hinsichtlich seines Ather-
leibes in einer gewissen Beziehung steht zum ganzen Volkstum - wie er
durch den astralischen Leib mit seiner naheren Umgebung verkniipft ist.
Hier sehen Sie wiederum von einem noch tieferen Gesichtspunkt aus
beleuchtet, wie der Volkscharakter gebildet wird aus den geistigen
Wesenheiten heraus, die mit den Nahrungsmitteln in den Menschen
aufgenommen werden. Es ist das eines der Mittel, durch welche die
groBe geistige Fuhrung der Erde die verschiedenen Volkscharaktere
verteilt iiber die Erde, indem sie die Nahrungsmittel, die das eine oder
das andere bewirken, so verteilte, daB in der Nahrung, die gewonnen
wird, der eine oder der andere Volkscharakter zum Vorschein kommt.
Das fuhrt nicht etwa auf einem Umweg zum Materialismus, sondern
die Geisteswissenschaft zeigt, wie alles Materielle eine Offenbarung
des Geistes ist, und wie auf eine dem Menschen unbekannte Art die
geistigen Einfliisse sich selbst im Menschen verbreiten.
24
Schwieriger zu verstehen ist die Art, wie die Saturngeister auf den
Menschen wirken. Das sind Geister, die rasch, wenn sie etwas an-
schauen, schon eine Erfindung haben, auf der anderen Seite entwickeln
sie furchtbar wiiste Leidenschaften sinnlicher Art, gegen die alles, was
der Mensch in dieser Beziehung entwickeln kann, ein Kinderspiel ist.
Diese Saturngeister schleichen sich auf eine noch geheimnisvollere Art
in den menschlichen Leib ein, namlich durch die Sinnesempfindung.
Wenn der Mensch sein Auge richtet auf eine scheme, auf eine reine und
edle Sache, so wird eine Vorstellung in ihm erregt; wenn er sein Auge
richtet auf eine schmutzige, unedle Sache, so wird eine andere Vor-
stellung in ihm erregt. Indem nun durch die auBeren Eindriicke eine
Vorstellung in der Seele hervorgerufen wird, schleichen sich zu glei-
cher Zeit die Saturngeister, die guten und die bosen, in den Menschen
ein. Und durch alles, was der Mensch durch die bloBe Sympathie oder
Antipathie fur seine Umgebung als das, was er sieht und hort und
riecht, um sich herum entfaltet, setzt er sich dem Einschieichen dieser
oder jener Saturngeister aus. Durch Augen und Ohren und durch die
ganze Haut ziehen sie ein, indem der Mensch empfindet. Es ist zum
Beispiel fur die okkulte Beobachtung ganz ungeheuerlich, was fur
wiiste Geister in manchen Parfiims, die in der menschlichen Gesell-
schaft sehr geschatzt werden, sich in die Nasen der Menschen ein-
schieichen, die in solcher Umgebung sind, ganz abgesehen davon, was
sich in die Nasen derjenigen einschleicht, die selbst solche Parfiims an
sich tragen.
Da sehen Sie, wie fein und intim man selbst die alltaglichsten Dinge
vom geistigen Standpunkt aus beobachten muB, wenn man sich iiber
das Leben klar werden will. Es konnte Ihnen viel erzahlt werden iiber
Leute, die mehr oder weniger bewuBt oder unbewuBt verstanden, sol-
che Geister zu kommandieren, die namentlich durch die Geriiche auf
den Menschen wirken und mit den Geriichen sich in den Menschen ein-
schieichen. Wenn Sie manches aus der Geschichte dieser oder jener Zeit
tiefer und intimer kennen wiirden, namentlich aus der Geschichte
Frankreichs zur Zeit Ludwigs XIIL, XIV., XV., mit all den Kiinsten,
die da entfaltet wurden, wo tatsachlich Aromas eine wichtige Rolle
gespielt haben beim Intrigenspiel, dann wurden Sie eine Ahnung ha-
25
ben, was Menschen zu tun vermogen, welche, bewuBt oder unbewuBt,
die Geister zu kommandieren verstehen, die sich in den Parfiims und
Aromas in das menschliche Sinnesempfinden einschleichen. Ich konnte
Sie verweisen auf ein ganz anziehendes Buch, das vor kurzem geschrie-
ben worden ist von dem Minister eines kleinen Hofes. Er schrieb das
selbstverstandlich ganz ohne Kenntnis dieser Tatsachen, aber iiber die
Wirkungen war er sich klar. Ein sehr interessantes Buch iiber einen
kleinen Hof ist es, an dem sich in den letzten Jahren eine wichtige
Katastrophe zugetragen hat. In dem Buch schildert der betreffende
Minister und Wiirdentrager aus seinen Memoiren heraus die Wirkun-
gen einer Person, die in einer gewissen Weise die Aromas mit ihren
Geistern zu kommandieren verstand. Und er schildert das mit einer
gewissen Befriedigung, weil er gewappnet dagegen war und nicht her-
eingefallen ist. Sie sehen, die Dinge sind nicht ohne Bedeutung und
ohne Wirkung fur die Praxis des Lebens. Wenn man das Leben nicht
wie ein blinder Materialist, sondern wie ein sehender Mensch auffaBt,
dann kann man iiberall die geistigen Einflusse spiiren, und wer die
Einflusse kennt, der versteht erst das Leben.
So sehen Sie, wie wir uns den Menschen als ein ganz kompliziertes
Wesen vorzustellen haben, als einen Genossen von mancherlei Welten
und mancherlei Wesen. Wer auf dem Pfade der okkulten Entwickelung
immer mehr und mehr vorschreitet zu hoheren Erkenntnissen, der lernt
diese Wesenheiten in ihrer Eigenart kennen, und dadurch erst wird er
frei von ihnen, erlangt einen freien Uberblick iiber sie. Die Wahrheit
iiber die hoheren Welten in sich aufnehmen, heiBt, wirklich frei, wirk-
lich reif zu werden, weil wir uns dadurch auskennen lernen in bezug
auf die Wirkungen und Impulse, die unser Leben durchpulsen und
durchfluten. Sich-auskennen-Lernen heiBt zu gleicher Zeit, frei und
unabhangig werden.
Und wie man hinweisen kann auf gewisse Safte, die den Menschen
durchpulsen, so kann man auch hindeuten auf einzelne Organe des
Menschen, in denen ebenfalls Wesen der hoheren Welten ihren Aus-
druck, ihre Offenbarung finden. So finden zum Beispiel Wesenheiten,
die Ihnen zuletzt geschildert worden sind als die saturnischen Wesen-
heiten, ihren Ausdruck in einer gewissen Beziehung in der mensch-
26
liehen Leber. Sie miissen sich natiirlich klar sein, daB Geisteswissen-
schaft, wenn man sie wirklich kennenlernen will, ein sehr, sehr kompli-
ziertes Gebiet ist.
Es ist Ihnen bei der menschlichen Evolution in der Saturnentwicke-
lung klargelegt worden, daB durch die Krafte des Saturn die Sinne in
ihrer ersten Anlage zustande gekommen sind. So wirkt auch heute der
Saturn immer noch auf den Menschen ein, und unter den menschlichen
Organen, den leiblich-inneren Organen ist es die Leber, auf welche die
Saturnkrafte einen starken und intensiven EinfluB haben. Daher muB
der Mensch, weil er ja auf dem Wege ist, sich immer mehr und mehr
iiber alles Saturnische hinauszuentwickeln, hinauswachsen iiber die
Krafte, die in seiner Leber verankert sind. In der Leber sind in der Tat
diejenigen Krafte des Menschen verankert, iiber die der Mensch immer
mehr und mehr hinauswachsen muB, die aber notwendig waren, damit
der Mensch zu seiner gegenwartigen Form und Gestalt gekommen ist.
Und die Leber ist dasjenige Organ, das die Krafte enthalt, die der
Mensch am meisten iiberwinden muB. Sie konnen das an einer auBeren
Offenbarung, an einem auBeren Ausdruck in einer gewissen Weise
nachpriifen. Sie konnen sich zum Beispiel iiberzeugen, daB in der Zeit,
in welcher der Mensch vor allem seinen Korper aufbaut, also in der
Zeit vor seiner Geburt und gleich nach der Geburt, die Leber im Ver-
haltnis zum iibrigen Korper die groBte Ausdehnung hat. Dann wird
sie im Verhaltnis zum iibrigen Korper immer kleiner und kleiner. Wenn
Sie das GroBenverhaltnis der Leber zum iibrigen menschlichen Leib
angeben wollten unmittelbar bei der Geburt, so konnten Sie sagen, es
sei wie eins zu achtzehn, wahrend die Leber spater so weit zuriickgeht,
daB sie sich zum iibrigen Leib verhalt wie eins zu sechsunddreiBig. Sie
geht verhaltnismaBig auf die Halfte zuriick, und der Mensch iiberwin-
det schon durch seine rein naturliche Entwickelung die Krafte, die in
der Leber verankert sind.
Indem der Mensch auf der Erde die Anwartschaft erhalt, sich zu
immer hoherer Geistigkeit zu entwickeln, hat er damit als auBeren
physischen Ausdruck die Fahigkeit erlangt, die Leberkrafte zu iiber-
winden. In gewisser Weise ist das entgegengesetzte Organ zu der Leber
die Lunge, jenes Organ, das nicht alles Egoistische in den Menschen
27
hineinstopft - denn das tut die Leber -, sondern das den Menschen frei
nach auBen offnet, wo er durch die Luft, die er aufnimmt und wieder
abgibt, in einer fortwahrenden Kommunikation mit der AuBenwelt
steht. In der Lunge findet eine Verbrennung statt. Das rotblaue, koh-
lenstoffreiche Blut kommt in die Lunge und wird durch die Verbin-
dung mit dem Sauerstoff zu rotem, lebensfahigem Blut umgewandelt.
Wie sich bei einer brennenden Flamme die Stoffe mit dem Sauerstoff
verbinden, so findet auch in der Lunge ein VerbrennungsprozeB statt.
Atmen ist in einer gewissen Weise ein Verbrennungsvorgang, und mit
diesem Atmungs- und Brennvorgang ist dem Menschen die Anwart-
schaft gegeben zu immer hoherer und hoherer Entwickelung. Aufge-
baut haben den Menschen jene Krafte, die ihren letzten AbschluB er-
langen in der Leber. Diesen ihn an die Erde fesselnden Kraften werden
ihn diejenigen Krafte entreiBen, die er wie ein Feuer aus der Luft emp-
fangt. Das Feuer, das der Mensch aus der Luft empfangt, das sich in
seiner Atmung ausdriickt, ist dasjenige, was ihn zu immer hoheren
und hoheren Spharen hinauffiihrt.
Immer ist es die Mythe, die Sage, die tiefer, weisheitsvoller ist als
unsere scheinbar so fortgeschrittene Wissenschaft. Der Zug aus dem
menschlichen Leben, der jetzt eben erwahnt worden ist, driickt sich in
groBartiger Weise aus im Prometheus-Mythos. Indem gesagt wird, daB
Prometheus den Menschen das Feuer vom Himmel gebracht hat, wird
damit ausgedriickt, daB Prometheus an jenem ProzeB beteiligt ist, der
in der Atmung sich ausdriickt und der den Menschen immer hoher
fiihrt. Aber zu gleicher Zeit wird in wunderbarer Weise ausgefuhrt:
Weil Prometheus sich erhebt iiber die Krafte, welche die Menschen an
das Irdische fesseln, und sich dadurch in einen Gegensatz setzt zu der
irdischen Kraft, und weil er derjenige ist, der den Menschen zuerst die
Moglichkeit gegeben hat, diese Kraft des Feuers zu haben, darum muB
er dafiir leiden. Das Leiden wird wunderbar dargestellt als die Tat-
sache, die dieser Mythe zugrunde liegt: ein Geier friBt dem gefesselten
Prometheus an der Leber! Wie konnte man schoner und weisheitsvoller
darstellen, daB die Krafte, die mit dem AtmungsprozeB in uns ein-
stromen, an der Leber nagen, und daB derjenige, der das vorausleistet,
was von der Menschheit in einer fernen Zukunft geleistet wird, wie ein
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Gekreuzigter dasteht, wie das, was sich herniedersenkt, was aus der
Luft kommt, an der Leber friBt!
So haben in den Mythen, soweit sie von Eingeweihten stammen,
Eingeweihte die groBen Weisheiten des Daseins zum Ausdruck ge-
bracht. Es gibt keine aus den Mysterien heraus geschopfte Mythe, die
nicht wirklich tiefe Weisheit zum Ausdruck bringt, die wir auch wie-
derum nachpriifen konnen. Da stehen wir dann, wenn wir, ausgeriistet
mit den Tatsachen der Geheimwissenschaft, an die Mythen herantre-
ten, in Ehrfurcht vor diesen Mythen, die, wie man mit Recht sagt, die
hoheren geistigen Wesenheiten dem Menschen geoffenbart haben, da-
mit die Menschen zuerst im Bilde lernen, was sie in spateren Zeiten
in klaren Vorstellungen erlangen sollen. Das ist es, was immer mehr
herauskommen wird: daB die Mythen Weisheit enthalten, und daB,
wenn man auf irgendeinem Gebiete des Lebens die tiefste Weisheit
dargestellt finden will, man zur Mythe gehen muB. Das haben die-
jenigen erkannt, die Werke aus den Tiefen der Kunst heraus geschaf-
fen haben. So liegt zum Beispiel dem ganzen Verhaltnis Richard Wag-
ners zum Mythos tiefe Wahrheit zugrunde, wenn sie bei ihm auch in
kiinstlerischer Weise zum Ausdruck gekommen ist. Unsere Zeit wird
wieder hinaufsteigen von einer bloBen physischen Alltaglichkeit zu
einer vollgeistigen Strdmung. Wenn Sie so hineinsehen in das, was in
unserer Zeit pulsiert, dann werden Sie die Aufgabe der Geisteswissen-
schaft in einem immer tieferen Sinne erfassen.
So sind wir ausgegangen von Betrachtungen hoherer Welten und
haben aus dem Zusammenhang erkannt, welches die eigentliche Mis-
sion der Geisteswissenschaft ist: dem Menschen die Moglichkeit zu ge-
ben, das Leben kennenzulernen, und ihn bei seinem Wirken und Schaf-
fen immer mehr einzufuhren in das, was in geheimnisvoller Weise mit-
wirkt, wenn er seine Hand riihrt, wenn er schafft mit Geist, Seele und
Leib. Genossen hat er um sich herum, und durch die Geist-Erkenntnis
wird er sich immer mehr dieser Wesen bewuBt werden und im Ein-
klange mit ihnen leben und schaffen. So wird ihm die Geistesforschung
die voile Wirklichkeit eroffnen und ihn befahigen, Erkenntnis und
Weisheit ins Leben hineinzufuhren.
29
ZWEITER VORTRAG
Berlin, 27. Januar 1908
Wir werden heute einen etwas weitergehenden Ausflug in den Wel-
tenraum machen, wobei sich uns der innere Gang der Weltentwicke-
lung im groBen zeigen soli, und zu gleicher Zeit der intime Zusammen-
hang dieser Weltentwickelung im groBen mit dem, was Menschen-
entwickelung auf der Erde ist. In der Welt ist ja nichts ohne Zusam-
menhang. Diese komplizierten Zusammenhange im Weltenall zu ver-
folgen, dazu gehbrt natiirlich fur den Menschen sehr, sehr viel Zeit,
und nur nach und nach kommt man sozusagen in die Intimitaten des
Weltenwirkens hinein.
Sie haben aus vorhergehenden Vortragen gesehen, wie gewisse We-
senheiten, die andere Weltenkorper bewohnen, eine Beziehung haben
zu unserem eigenen Leben, wie sie einen EinfluB haben auf das, was
wir unsere Lymphflussigkeit nennen, was wir unsere Ernahrungsflus-
sigkeit nennen, ja auch oft auf das, was als die Sinneswahrnehmung
durch unsere Sinne in uns ein- und auszieht. Daraus schon konnten Sie
entnehmen, wie der Geist durch den Weltenraum weit, weithin wirkt.
Heute wollen wir die Sache noch von einer anderen Seite aus be-
trachten, und dazu wollen wir uns zunachst daran erinnern, was wir
ofter schon hervorgehoben haben: daB unsere Erde ahnlich wie der
Mensch selbst verschiedene Verkorperungen durchgemacht hat und
verschiedene Verkorperungen durchmachen wird.
Wir sehen im allgemeinen zuriick auf drei Verkorperungen unserer
Erde: auf die Verkorperung unmittelbar vor dem jetzigen Zustand, die
wir den alten — nicht unseren — «Mond» nennen; sodann auf eine
weitere Verkorperung, die wir als «Sonne» bezeichnen, und auf eine
noch weiter zuriickliegende, die wir als «Saturn» bezeichnen. Und wir
sehen prophetisch voraus, daB unsere Erde sich in einen «Jupiter», in
eine «Venus» und in einen «Vulkan» verwandeln wird.
Damit haben wir die aufeinanderfolgenden Verkorperungen unseres
irdischen Planetenlebens hingestellt. Wenn Sie ein wenig nachdenken
iiber diese Stufenfolge der Entwickelung unserer eigenen Erde, so kon-
30
nen Sie ja daraus entnehmen, was wir in der okkulten Wissenschaft
eine «Sonne» nennen, um welche, wenn sie uns so entgegentritt wie
unsere heutige Sonne, eine Reihe von Planeten herumkreisen. Wenn
wir daneben auch von einem Planetendasein «Sonne» sprechen und
sagen, unsere Erde selbst war in einem fruheren Entwickelungszustand
«Sonne», so sagen wir ja in einer gewissen Beziehung, daB diese Sonne,
die heute den Mittelpunkt unseres Planetensystems bildet, nicht immer
Sonne war. Sie ist sozusagen zum Sonnenrang, zur Sonnenwiirde im
Weltenall avanciert. Sie war einstmals mit dem, was friiher in unserer
Erde an Stoffen und Kraften war, vereint, nahm sich gewissermaBen
das Beste daraus weg, das, was heute schon die hochste Entwickelungs-
moglichkeit enthalt, trennte sich von der Erde und lieB uns und eine
Anzahl von Kraften zuriick, die angewiesen sind auf eine langsamere
Entwickelung. Hohere Wesenheiten hat sie mit sich genommen und sich
mit diesen hoheren Wesenheiten in den Mittelpunkt unseres Systems
gestellt. Was also heute in der Sonne ist, hatte zwei Stufen vorher nur
ein Planetendasein und ist vom Planetendasein zum Fixsterndasein
aufgeriickt. Daraus sehen Sie, wie alles veranderlich ist, in Entwicke-
lung ist im Weltenall. Eine Sonne ist nicht von vornherein eine Sonne.
Ein Fixstern ist nicht einfach ein Fixstern geworden, sondern er hatte
erst die niedere Schule des Planetendaseins durchzumachen.
Nun konnen Sie mich natiirlich fragen: Wie ist es nun weiter, wenn
ein solcher Fixstern sich weiterentwickelt, was geschieht denn dann?
So wahr der Fixstern, das Sonnendasein, aus einem Planetendasein sich
heraufgeschwungen hat, so wahr geht seine Entwickelung im Kosmos
auch weiter. Wir werden allerdings diese Weiterentwickelung noch bes-
ser verstehen, wenn wir noch ein klein wenig auf die Weiterentwicke-
lung unserer Erde blicken.
Wahr ist es, unsere Erde hat sich fur eine Wegstrecke ihrer kosmi-
schen Entwickelung von der Sonne getrennt. Die Sonne geht sozusagen
mit ihren Wesen einen rasenden Entwickelungsweg vorwarts. Unsere
Erde geht mit ihren Wesenheiten heute einen anderen Gang. Aber
diese Wesenheiten und die ganze Erde werden einmal so weit kommen,
nachdem ihnen nunmehr in einem abgesonderten Dasein die Gelegen-
heit geboten wurde, ihre jetzige Entwickelung zu vollenden, den An-
31
SchluB zu fmden an die Sonnenwesen; denn unsere Erde wird sich wie-
der mit der Sonne vereinigen. Sie wird ja schon in unserem heutigen
Erdenstadium mit der Sonne wieder zusammengehen, so wie sie sich
wahrend der Erdenentwickelung von der Sonne getrennt hat. Dann
aber muB sie noch einmal herausgehen wahrend des Jupiterzustands.
Diesen Jupiterzustand miissen die Erdenwesen wieder getrennt von
der Sonne durchmachen. Dann folgt wieder eine Vereinigung, und
wahrend des Venuszustandes wird unsere Erde mit der Sonne dauernd
vereinigt sein, in die Sonne dauernd aufgenommen sein. Wahrend des
Vulkanzustandes wird unsere Erde innerhalb der Sonne selbst Sonne
geworden sein und ein Stuck hinzugebracht haben zu der Sonnenent-
wickelung, ein Stuck Dasein, welches die Wesen, die immer in der
Sonne geblieben sind, wenn sie auch hoher sind, gar nicht hatten selber
erreichen konnen. Das Erdendasein muBte eintreten, damit die Men-
schen sich so entwickeln, wie sie sich entwickelt haben mit jenem all-
taglichen BewuBtsein, das zwischen Wachen und Schlafen abwechselt.
Denn das hangt mit der Trennung von der Sonne zusammen. Wesen,
die immer in der Sonne leben, haben nicht Tag und Nacht. Dieses Sin-
nesbewuBtsein, das wir das helle TagesbewuBtsein nennen, das sich
kiinftig in hohere Zustande entwickeln wird, das bringt die Erfahrun-
gen des physischen AuBenraumes mit in die Sonnenentwickelung. Da-
durch geben wir den Wesen der Sonne auch etwas, machen sie reicher.
Und aus diesem, was auf der Erde errungen wird, vermehrt um das,
was auf der Sonne erobert wird, entsteht das Vulkandasein. Die-
ser Vulkanzustand ist schon ein hoherer Zustand als unser heutiger
Sonnenzustand. So entwickelt sich die Erde, so entwickelt sich die
Sonne weiter, bis sie sich vereinigen konnen in der Vulkanentwicke-
lung.
Nun konnen Sie mich weiter fragen: Was wird nun, wenn so ein
Planet sich zur Sonne entwickelt hat, mit dieser Sonne weiter in der
kosmischen Entwickelung? Wir diirfen sagen, unsere Erde selbst ist,
wenn sie ihren Venuszustand errungen hat, Sonne geworden, und auf
der Venus sind alle Wesen Sonnenwesen; ja sie sind sogar mehr, als
die Wesen der heutigen Sonne sind. Was wird denn dann aus einer
solchen ganzen planetarischen Entwickelung?
32
Sie sehen: das, was wir jetzt besprechen wollen, wird ja fur alle die,
deren Begriffe fest geworden sind in dem, was man modeme Astrono-
mie nennt, recht grotesk erscheinen und verdreht klingen. Aber es ist
wahr, es ist die Wirklichkeit der kosmischen Entwickelung: Wenn ein
solcher Planet, wie es unsere Erde ist, aufgestiegen ist zum Sonnen-
dasein, wenn er allmahlich mit seiner Sonne sich vereinigt hat und das
Ganze noch iiber das Sonnendasein hinaussteigt, dann entsteht aus dem
heraus als noch hohere Stufe der Entwickelung etwas, was Sie auch in
gewisser Beziehung am Himmel wahrnehmen konnen: Dann entsteht
das, was wir heute einen «Tierkreis» nennen; das ist die hohere Stufe
gegeniiber der Fixsternentwickelung. Wenn also die Wesen nicht mehr
auf einen bloBen Fixstern beschrankt bleiben, sondern ihre eigene Ent-
wickelung so machtig ausdehnen, daB sie iiber Fixsterne sich hiner-
streckt, daB die Fixsterne wie in ihnen eingebettete Leiber liegen, dann
ist diese hohere Stufe der Entwickelung die Tierkreisentwickelung. Tat-
sachlich ist es so, daB diejenigen Krafte, die aus einem Tierkreis auf
ein Planetensystem wirken, selbst friiher in einem Planetensystem sich
entwickelt haben und zu einem Tierkreisstadium hinaufgeschritten
sind.
Und jetzt erinnern Sie sich zuriick an die alte Saturnentwickelung,
an die erste Verkorperung unserer Erde. Dieser Saturn ist sozusagen
einstmals aufgeleuchtet im Weltenraum als die erste sich ankiindigende
Morgendammerung unseres Planetendaseins. Sie wissen ja auch, daB
auf diesem alten Saturn die erste Anlage sich entwickelt hat zu unserem
physischen Leib. Dieser Saturn war selbst in seinem festesten Zustand
keineswegs so fest, so physisch fest, wie unsere Erde es jetzt ist. Er
hatte ein feines, dunnes Dasein. Das, was heute alle Wesen durchzieht
als Warme, was man im Okkultismus «Feuer» nennt, war seine Ma-
terie. Und wir konnen uns die Tatsache so vorstellen, daB um diesen
Saturn, diesen ersten Morgendammerungszustand unseres planetari-
schen Daseins, herumstanden die Tierkreisbilder, freilich noch nicht so
wie heute. Diese Tierkreisbilder waren dazumal um den alten Saturn
so herum, daB man die einzelnen Sterne kaum hat voneinander un-
terscheiden konnen. Sie glanzten nur wenig hell, etwa wie aus dem
Saturn heraus streifenformig sich ausbreitende Lichtstreifen. Sie be-
33
kommen am leichtesten eine Vorstellung davon, wenn Sie sich diesen
alten Saturn, ebenso wie unsere Erde von einem Tierkreis umgeben ist,
umgeben denken von Lichtstreifen. Und im Laufe der Erdentwickelung
selber verdichteten sich die Lichtmassen zu den heutigen Sternenmas-
sen des Tierkreises, so daB sich der Tierkreis, wenn wir ein abstrahie-
rendes Wort gebrauchen wollen, herausdifferenziert hat aus den ur-
spriinglichen Flammenstreifenmassen. Und woher ist diese Flammen-
streifenmasse selbst entstanden?
Sie ist entstanden aus dem alten planetarischen System, das unserem
eigenen planetarischen System vorangegangen ist. Dem Saturn sind ja
auch planetarische Entwickelungen vorangegangen in einer Zeit, die
wir, wenn wir wirklich astronomisch-okkultistisch sprechen, gar nicht
mehr als «Zeit» in unserem Sinne bezeichnen konnen, denn sie hatte
einen etwas anderen Charakter als unsere «Zeit». Wir konnen sagen,
sie ist fur das heutige menschliche Vorstellen und fur die heutigen
menschlichen Begriffe ein so fabelhafter Begriff, daB wir gar kein Wort
haben, das auszudriicken. Aber wir konnen in einer Analogie sagen,
daB diejenigen Krafte, die unserem Planetensystem in einem friiheren
planetarischen Dasein vorangegangen sind, sich in den Streifen auf-
gelost haben, und nur aus einem geringen Teil der Materie ist im
Inneren allmahlich zusammengeballt worden dieser erste Morgendam-
merungszustand der Erde, der alte Saturn, und aus dem Weltenall
herunter leuchteten die Krafte, die im Tierkreis waren.
Es ist etwas Eigentumliches, wenn wir das planetarische Dasein ver-
gleichen mit dem Tierkreisdasein. Der Okkultist bezeichnet durch zwei
Worte den Unterschied des Planetendaseins vom Tierkreisdasein. Er
sagt: Alles, was im Tierkreis vereinigt ist, steht im Zeichen der «Dauer»;
das, was im Planetendasein vereinigt ist, steht im Zeichen der «Zeit».
Sie konnen sich eine Vorstellung davon machen, was das heiBt, wenn
Sie sich daran erinnern, daB fur weit, weit ausgreifende Begriffe der
Tierkreis unverandert bleibt. Jeder der einzelnen Planeten kann lange
und sehr voneinander verschiedene Entwickelungsepochen durchma-
chen, sich sehr verandern; aber das, was da oben im Tierkreis wirkt,
bleibt dabei verhaltnismaBig dauerhaft, fest. Allerdings sind diese Be-
griffe nur relativ aufzufassen. Wenn wir dann unsere Begriffe noch
34
weiter erstrecken, so besteht bei diesen Veranderungen nur ein Unter-
schied in bezug auf die Geschwindigkeit. Die Veranderungen im Tier-
kreis geschehen langsam; die Veranderungen in der planetarischen
Welt und selbst im Fixsterndasein geschehen im Verhaltnis zum Ge-
schehen im Tierkreis sehr rasch; also doch nur ein relativer Unter-
schied. Fur alle menschlichen Begriffe, so konnen wir fast sagen, ist
das planetarische Dasein die Sphare der Endlichkeit, das Tierkreis-
dasein die Sphare der Unendlichkeit. Dies ist, wie gesagt, relativ, aber
fur den menschlichen Begriff vorderhand ausreichend.
So diirfen wir eines sagen, und ich bitte Sie, das recht sehr zu be-
riicksichtigen: Dasjenige, was in einem planetarischen Dasein gewirkt
hat, was Sonne geworden ist, steigt hinauf bis in himmlisches Dasein,
bis zum Tierkreisdasein. Und wenn es bei diesem Tierkreisdasein an-
gekommen ist, was tut es dann? Dann opfert es sich! — und ich bitte,
eben dieses Wort zu beriicksichtigen. Auf geheimnisvolle Weise ent-
stand schon der erste Morgendammerungszustand der Erde, der alte
Saturn, durch ein Opfer des Tierkreises. Die Krafte, die die erste feine
Saturnmasse zusammenballten, waren die Krafte, die aus dem Tier-
kreis herniederstromten und die erste Keimanlage des physischen Men-
schen auf dem Saturn bewirkten. Und immer weiter ging das; denn
Sie diirfen sich nicht vorstellen, daB das nur einmal geschieht! Es ge-
schieht im Grunde genommen fortwahrend, daB innerhalb dessen, was
wir ein Planetensystem nennen, die Krafte geopfert werden, die sich
bis zur hoheren Stufe entwickelt haben, nachdem sie selbst durch ein
Planetensystem durchgegangen waren. Wir konnen fast so sagen: Was
erst in einem planetarischen System ist, entwickelt sich zum Sonnen-
dasein, dann zum Tierkreisdasein und erlangt dann die Fahigkeit,
selbst schopferisch zu werden, sich hinzuopfern in einem planetarischen
Dasein. Und fortwahrend «regnen» die Krafte aus dem Tierkreis in
das planetarische Dasein hinunter, und fortwahrend steigen sie wieder
auf; denn das, was selbst einstmals Tierkreis werden soil von uns,
muB ja nach und nach wiederum hinaufsteigen. Wir diirfen daher sa-
gen, daB in unserer Erde die Krafteverteilung so ist, daB auf der einen
Seite herabsteigende Krafte, auf der anderen hinaufsteigende Krafte
vom und zum Tierkreis sind. Dies ist das geheimnisvolle Zusammen-
35
wirken des Tierkreises mit unserer Erde. Krafte steigen herab, Krafte
steigen hinauf. Das sind die Stufen der geheimnisvollen «Himmels-
leiter», auf welcher Krafte herunter- und hinaufsteigen. Sie werden
in den religiosen Schriften verschiedentlich angedeutet; Sie finden sie
auch angedeutet in Goethes «Faust»:
Wie Himmelskrafte auf und nieder steigen
Und sich die goldnen Eimer reichen ...
Fur unser Ermessen, fur unsere menschliche Auffassungsgabe began-
nen diese Krafte herunterzusteigen mit dem Saturndasein der Erde,
und als die Erde in ihrem Mittelpunkt war, da war auch schon wie-
derum der Schritt getan, daB nach und nach die Krafte wiederum auf-
steigen. Und jetzt sind wir so weit, daB wir die Mitte unserer Ent-
wickelung sozusagen iiberschritten haben. In der Mitte unserer Ent-
wickelung waren wir ja gerade in der Mitte der atlantischen Zeit; und
was die Menschen durchgemacht haben seit der atlantischen Zeit, das
ist eigentlich etwas, was eine Strecke iiber die Mitte unserer Entwicke-
lung hinausgeht. So daB wir sagen diirfen, daB in einer gewissen Weise
heute schon mehr Krafte aufsteigen als herabsteigen aus dem Tierkreis.
Wenn Sie sich also den ganzen Tierkreis denken, so haben Sie sich
vorzustellen, daB aus diesem Tierkreis ein Teil von Kraften absteigt,
ein Teil von Kraften aufsteigt. Diejenigen Krafte, die heute in auf-
steigender Entwickelung begriffen sind, fassen wir zusammen, weil sie
diesen Sternbildern auch angehoren, unter den Sternbildern Widder,
Stier, Zwillinge, Krebs, Lowe, Jungfrau, Waage. Das sind die sieben
Sternbilder, die den aufsteigenden Kraften entsprechen. Fiinf Stern-
bilder etwa entsprechen den absteigenden Kraften: Skorpion, Schiitze,
Steinbock, Wassermann und Fische. Da sehen Sie also, wie aus dem
Tierkreis Krafte niederregnen und aufsteigen - wie die aufsteigenden
sieben Sternbildern entsprechen, die absteigenden fiinf Sternbildern.
Diejenigen Krafte, die aufsteigen, entsprechen auch im Menschen den
hoheren Gliedern seiner Wesenheit, den hoheren, edleren Eigenschaften.
Diejenigen Krafte, die in absteigender Entwickelung sind, mussen erst
durch den Menschen durchgehen, mussen erst im Menschen jene Stufe
sich erringen, durch die auch sie aufsteigende Krafte werden konnen.
36
Auf diese Art werden Sie begreifen, wie alles im Weltenraum auf-
einander wirken kann, wie alles im Weltenraum einen Zusammenhang
und ein gewisses Verhaltnis haben muB. Aber wir miissen durchaus fest-
halten, daB dieses Wirken immer geschieht, immer da ist. So daB,
wenn wir nur in irgendeinem Moment unserer Entwickelung stehen,
wir uns immer sagen konnen: Ja, es sind jetzt gewisse Krafte da, die
im Menschen aus- und einziehen, Krafte, die heruntersteigen, und
Krafte, die aufsteigen. Fur eine jede von solchen Kraften ist einmal
der Moment da, wo sie aus niedersteigenden in aufsteigende Krafte
sich verwandeln. Alle Krafte, die aufsteigende Krafte werden, sind
zuerst niedersteigend. Sie steigen sozusagen bis zum Menschen herun-
ter. Im Menschen erringen sie sich die Kraft des Aufsteigens.
Als unsere Erde im Mittelpunkt ihrer Entwickelung war, nachdem
sie drei planetarische Daseinsstufen: Saturn, Sonne, Mond durchge-
macht hatte und als sie angekommen war im vierten planetarischen
Zustand und jetzt noch den Jupiter-, Venus- und Vulkanzustand vor
sich hat - als «Erde» ist sie also in der Mitte ihres Daseins -, da hatte
sie durchzumachen drei «Lebenszustande», die man auch «Runden»
nennt. Drei hat sie durchgemacht, in dem vierten Lebenszustand ist sie
jetzt. Dann hatte sie durchzumachen drei «Formzustande», das aru-
pische, das rupische, das astralische, bis sie zum physischen Dasein
gelangte. Also auch in bezug auf die Formzustande ist sie in der Mitte
ihrer Entwickelung. Als physische Erde, im vierten Formzustand des
vierten Lebenszustandes des vierten planetarischen Daseins, hat sie
durchzumachen gehabt drei Rassen: die erste die polarische, die zweite
die hyperboraische, die dritte die lemurische Rasse. Die atlantische
Rasse ist die vierte. In der atlantischen Rasse war die Menschheit
gerade in der Mitte jener Entwickelungen, von denen wir iiberhaupt
sprechen. Seit der Mitte der atlantischen Entwickelung ist die Mensch-
heit iiber diese Mitte hinausgeschritten, und seit der Mitte der atlanti-
schen Rasse ist die Zeit gekommen, in der iiberhaupt erst fur den Men-
schen diejenigen Zustande begonnen haben, wo ein UbermaB des Auf-
steigens da ist. Wiirden wir das Verhaltnis von absteigenden und auf-
steigenden Kraften zum Tierkreis vor der Mitte der atlantischen Zeit
messen, wiirden wir sagen miissen: es ist ein GleichmaB vorhanden.
37
Wir miiBten dann anders sprechen und als die aufsteigenden Krafte
aufzahlen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Lowe, Jungfrau. Wir miiB-
ten die Waage zu der anderen Partie zahlen, zu denen, die im Herunter-
steigen sind.
Nun ist aber mit alledem etwas anderes verkniipft. Sie miissen sich
klar sein dariiber, daB wenn wir von solchen kosmischen Vorgangen
sprechen, wir nicht von physischen oder atherischen Leibern sprechen,
sondern von Wesenheiten, die die betreffenden Himmelskorper bewoh-
nen, die wir benennen. Wenn wir geisteswissenschaftlich vom Menschen
sprechen, so sagen wir, der vollstandige Mensch, den wir ins Auge fas-
sen, den wir allein auch ins Auge fassen konnen, ist eine siebengliedrige
Wesenheit, die aus physischem Leib, Atherleib, Astralleib, Ich, Geist-
selbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht. Er ist heute noch nicht
vollstandig, er wird es aber sein, wenn seine siebengliedrige Wesen-
heit zur volligen Ausbildung gekommen ist. Aber es gibt im groBen
Weltall nicht nur solche Wesenheiten, wie der Mensch es ist in seiner
Entwickelung. Es gibt andere Wesenheiten, zum Beispiel solche, bei
denen wir nicht sagen konnen, daB sie wie der heutige Mensch als
unterstes Glied einen physischen Leib haben. Es gibt Wesenheiten, bei
denen wir anders zahlen miissen. Wir konnen die Glieder der mensch-
lichen Wesenheit so aufschreiben:
7. Geistesmensch
6. Lebensgeist
5. Geistselbst
4. Ich
3. Astralleib
2. Atherleib
1. Physischer Leib.
Nun gibt es Wesenheiten, deren unterstes Glied der Atherleib ist; das
sind auch siebengliedrige Wesenheiten, die dann iiber dem Geistesmen-
schen noch ein achtes Glied haben. Bei ihnen fangt es mit dem Ather-
leib, Astralleib und so weiter an, und sie horen auf bei einem Glied, das
iiber unserem Atma, iiber dem Geistesmenschen liegt. Andere Wesen-
heiten gibt es, deren unterstes Glied der astralische Leib ist; dafiir
38
haben sie dann iiber dem Geistesmenschen noch ein achtes und ein neun-
tes Glied. Es gibt Wesenheiten, deren unterstes Glied das Ich ist, die
also in unserem Sinne einen physischen Leib, Atherleib und Astralleib
nicht haben, sondern die sich so offenbaren, daB das Ich nach auBen
drangt, ohne die drei Hiillen, Wesenheiten also, die nach auBen iiberall
Iche hinschicken. Die haben dafiir noch ein achtes, neuntes und zehntes
Glied; die sind in der Apokalypse beschrieben als «Wesenheiten ganz
voller Augen». Dann gibt es Wesenheiten, die mit dem Geistselbst, mit
Manas, als unterstem Glied anfangen. Die haben noch ein elftes Glied.
Und endlich gibt es Wesenheiten, die mit dem Lebensgeist anfangen,
die haben dann noch ein zwolftes Glied. Es gibt also Wesenheiten, die,
so wie der Mensch als unterstes Glied einen physischen Leib hat, als
unterstes Glied die Buddhi haben, und die dafiir ein hochstes Glied
haben, das wir am besten mit der Zahl Zwolf bezeichnen. Das sind
hohe, erhabene Wesenheiten, die weit hinaufragen iiber alles, was der
Mensch sich nur vorstellen kann. Wie kann eine Vorstellung iiberhaupt
geliefert werden von diesen wunderbaren, hoch erhabenen Wesen-
heiten?
Wenn wir den Menschen nach einer gewissen Seite hin charakteri-
sieren wollen, dann stellt er sich uns dar, dem Weltall gegeniiber, als
ein Empfangender. DrauBen um Sie herum sind die Dinge, die Wesen-
heiten ausgebreitet; Sie nehmen sie wahr, Sie bilden sich Begriffe von
ihnen. Denken Sie, die Welt ware leer oder finster um Sie herum: Sie
konnten sich keine Wahrnehmung verschaffen, keine Dinge wiirden
Ihnen Begriffe geben. Sie sind angewiesen darauf, den Inhalt Ihres
Inneren zu empfangen vom AuBeren. Das ist ein Charakteristikum des
Menschen, daB er ein empfangendes Wesen ist, daB er seinen Seelen-
inhalt, sein Inneres zunachst empfangt von auBen, daB die Dinge da
sein miissen, wenn er zu einem Inhalt kommen will. Des Menschen
Atherleib ist so gestaltet, daB er nichts in sich erleben konnte, wenn er
nicht dieses Erleben, alles, was in ihm auftritt, der ganzen Weltenum-
gebung verdankte. Diese Wesenheiten, die ich Ihnen eben charakteri-
siert habe, die zu ihrem untersten Glied den Lebensgeist haben, sind
in ganz anderer Lage. Diese Wesenheiten sind in bezug auf ihr Leben
nicht darauf angewiesen, von auBen zu empfangen, sondern sie sind
39
Kraftzentren, nach auBen gebend, schopferisch. Sie wissen ja aus der
Darstellung, die ich Ihnen immer gegeben habe, wie das Ich auch in
den Atherleib hineinarbeitet, wie die Buddhi nichts anderes ist als ein
umgestalteter Atherleib, so daB der Lebensgeist substantiell auch ein
Atherleib ist. Ja, das zwolfte Glied ist bei diesen hoch erhabenen Wesen-
heiten auch ein Atherleib, aber ein Atherleib, der Leben ausstromt, der
so wirkt in der Welt, daB er das Leben nicht empfangt, sondern hin-
gibt, es fortdauernd zu opfern in der Lage ist.
Nun fragen wir uns: Konnen wir uns denn eine Vorstellung machen
von einem Wesen, das irgendwie mit uns in Beziehung steht, und das
in einer solchen Weise in unserem Weltall Leben ausstromt? Dieses aus-
stromende Leben ist ein solches, das fortdauernd belebend in die Welt
flieBt. Konnen wir uns davon eine Vorstellung machen?
Kommen wir einmal einen Augenblick zuriick auf das, was wir im
Anfange unseres heutigen Vortrags sagten. Wir haben gesagt, daB auf-
steigende und absteigende Krafte vorhanden sind, zum Tierkreis auf-
steigende, vom Tierkreis absteigende Krafte. Wodurch ist der Mensch
iiberhaupt in die Lage gekommen, daB von ihm irgend etwas aufstro-
men kann? Was ist denn mit dem Menschen geschehen, daB von ihm
selbst etwas aufstromen kann aus seinem Wesen heraus? Er ist da-
durch in diese Lage gekommen, daB erst lange vorbereitet worden ist
und dann immer weiter und weitergeschritten ist - sein Ich. Dieses Ich
ist lange, lange vorbereitet worden. Denn im Grunde genommen ist alles
Dasein auf dem Saturnzustand der Erde, auf dem Sonnenzustand und
auf dem Mondzustand, welches die Hiillen geschaffen hatte, die das
Ich aufnehmen sollten, Vorbereitung fur das Ich. Da haben andere
Wesenheiten die Wohnung geschaffen fur das Ich. Jetzt auf der Erde
ist die Wohnung so weit geschaffen, daB das Ich im Menschen Platz
greifen konnte, und von da an fing das Ich im Menschen an, die
auBeren leiblichen Hiillen von innen heraus zu bearbeiten. DaB das Ich
von innen arbeiten kann, hat zu gleicher Zeit bewirkt, daB das Uber-
maB, das iiber die Gleichheit hinausgehende MaB von aufsteigenden
und absteigenden Kraften entstanden ist. Solange das Ich im Men-
schen noch nicht arbeiten konnte, entwickelten sich nach und nach die
Krafte, die die aufsteigenden sind, bis zur Mitte; und als das Ich im
40
Menschen einschlug, waren die Krafte so weit, daB die aufsteigenden
und die absteigenden sich die Waage hielten. Der Einschlag des Ich im
Menschen bedeutet, daB die aufsteigenden und absteigenden Krafte
sich die Waage hielten, und am Menschen liegt es, diese Waage in der
richtigen Weise zum Ausschlag zu bringen. Daher haben die Okkultisten
dasjenige Sternbild, das betreten wurde in dem Moment, wo es anfing
an das Ich heranzugehen, die «Waage» genannt. Bis zum Ende der
«Jungfrau» wurden die Taten des Ich in unserer planetarischen Ent-
wickelung zwar vorbereitet, aber es kam nicht bis zum Ich. Nun hatte
das Ich mit dem Moment der Waage begonnen, selbst seinen Anteil zu
nehmen, so daB das Ich einen wichtigen Moment seiner Entwickelung
dadurch zustande gebracht hat.
Denken Sie einmal, was das heiBt, daB das Ich zu diesem Entwicke-
lungsstadium gekommen ist: Das Ich durfte von nun an teilnehmen an
den Kraften, die dem Tierkreis angehoren, es durfte hineinwirken in
den Tierkreis. Es ist durchaus wahr: je mehr das Ich den hochsten Punkt
seiner Entwickelung anstrebt, desto mehr arbeitet es hinein in den Tier-
kreis. Nichts geschieht im Innersten des Ich, was nicht seine Folgen bis
hinauf in den Tierkreis zieht. Das ist durchaus wahr. Und indem der
Mensch mit seinem Ich als Mensch eigentlich die Anlage legt, um sich
bis zu seinem Atma oder Geistesmenschen zu entwickeln, bildet er
immer mehr und mehr die Krafte aus, welche ihn instand setzen, in die
Waage des Tierkreises hinaufzuwirken. Er wird seine voile Macht iiber
diese Waage des Tierkreises erlangen, wenn er sein Ich durchgedriickt
hat bis zum Atma oder Geistesmenschen. Da wird er ein Wesen sein,
das etwas ausstromt, das aus dem Stadium der Zeit in das Stadium
der Dauer, der Ewigkeit, ubergeht.
Indem der Mensch so seinen Weg geht, gibt es aber andere Wesen-
heiten, bei denen das, was beim Menschen sozusagen hochste Wirkung
ist, niederste Wirkung ist. Suchen wir jetzt diese Wesen, bei denen das
Niederste ebensolche Wirkung ist wie beim Menschen die Waage im
Tierkreis. Wenn wir uns den Menschen im Tierkreis aufschreiben, so
haben wir ihn bis zur Waage reichend. Die Wesenheit, die mit ihrem
eigentlichen Wesen ganz dem Tierkreis angehort, deren Krafte ganz
dem Tierkreis angehoren und die sich im Planetenleben nur in ihrem
41
niedersten Glied auBert, das mit der Waage bezeichnet ist - wie beim
Menschen das niederste Glied mit den Fischen bezeichnet ist -, das ist
diejenige Wesenheit, welche, wie Sie sehen, Leben verbreitet iiber unser
ganzes Weltenall:
1 QtPQmpn^fVi
Y
VV lUUtt
12.
6. Lebensgeist
®
Stier
Glied
5. Geistselbst
Zwillinge
11.
4. ten
Q,
Krebs
onea
3. Astralleib
n
Lowe
10.
2. Atherleib
£s
Jungfrau
Glied
1 . Physischer Leib
ni
Waage
9. Glied
«
AW
AW
Skorpion
8. Glied
Schiitze
7. Glied
X
Steinbock
Wassennann
Fische
6. Glied
«Mystisches
Lamm»
Wie der Mensch das Leben aufnimmt, strahlt diese Wesenheit Leben
iiber unser ganzes Weltenall aus. Das ist diejenige Wesenheit, die das
groBe Opfer zu bringen vermag, und die im Tierkreis eingeschrieben
ist als die sich fur unsere Welt opfernde Wesenheit. Wie der Mensch
aufstrebt in den Tierkreis hinein, so sendet uns diese Wesenheit aus
dem Widder, der ihr angehort wie dem Menschen die Waage, seine
Opfergabe dar. Und wie der Mensch sein Ich hinaufwendet zur Waage,
so stromt diese Wesenheit ihr Wesen iiber unsere Sphare als Opfer.
Man bezeichnet diese Wesenheit daher als das sich opfernde «mystische
Lamm», denn Lamm ist dasselbe wie Widder; daher die Bezeichnung
des sich opfernden Lammes oder Widders fur Christus. Christus wird
Ihnen jetzt so charakterisiert als dem ganzen Kosmos angehorig. Sein
Ich strebt bis zum Widder; und stromt das Ich bis zum Widder, so wird
er dadurch das «GroBe Opfer» selber und steht so mit der ganzen
Menschheit in einem Verhaltnis, und in einer gewissen Weise sind diese
Wesenheiten und Krafte, die auf der Erde sind, seine Schopfungen.
Er steht seiner ganzen Wesenheit nach in der Sonne und ist in seinen
42
Schopfungen mit dem Mond und der Erde verbunden und seine Kraft
liegt im Sternbild des Lammes. So liegen die Krafte, daB er Schopfer
dieser Wesen werden konnte, im Sternbild des Widders oder Lammes.
Aus dem Himmel selbst ist die Bezeichnung des «Opferlammes» oder
des «mystischen Lammes» herabgeholt.
Das ist einer der Aspekte, eine der Ansichten, zu denen man kommt,
wenn man von unserem engbegrenzten Dasein aufblickt in Himmels-
raume und sieht, wie die Himmelskrafte und Wesenheiten im Wel-
tenraum ineinanderwirken. Und dadurch werden uns allmahlich die
Krafte, die von Himmelskorper zu Himmelskorper gehen, ebensolche
Krafte wie die, die von Menschenseele zu Menschenseele gehen als Liebe
und HaB. Wir sehen Seelenkrafte von Stern zu Stern heriiber- und hin-
iibergehen, und wir lernen erkennen, daB uns am Himmel geschrieben
ist, was von solchen Kraften im Weltenraum gewirkt, getan, gehandelt
wird.
43
DRITTER VORTRAG
Berlin, 15. Februar 1908
Diese Montagvortrage haben das Ziel, vorgeriicktere Theosophen, also
solche, die sich schon langere Zeit mit theosophischer Weltanschauung
und namentlich, was ja noch viel wichtiger ist, mit theosophischer Den-
kungsart und Gesinnungsart durchdrungen haben, zu immer hoheren
und hoheren Anschauungen emporzuheben. Daher wird es, wenn wir
wirklich bei diesen Vortragen dieses Ziel verfolgen, fur diejenigen, die
sozusagen als Nachziigler kommen, immer schwieriger werden, zu
folgen. Sie sind vielleicht noch imstande, verstandesmaBig zu folgen,
aber es wird immer schwieriger werden, dasjenige, was aus den hoheren
Partien der Theosophie vorgebracht wird, als etwas Verniinftiges und
Gesundes anzusehen. Daher wird namentlich fur diejenigen, die erst
kiirzere Zeit hier sind, ein gutes Stuck guter Wille dazugehoren, diesen
Zweigvortragen mit dem Gefiihls- und Empfindungsverstandnis zu
folgen. Es muB aber immer wieder betont werden, daB wir nicht weiter-
kommen wiirden, wenn wir nicht Gelegenheit hatten, an irgendeinem
Orte auch in die hoheren Partien des geistigen Daseins hineinzuleuch-
ten. Das soil hier in diesen Vortragen geschehen.
Nun habe ich Ihnen in dem letzten Vortrag einen Ausblick gegeben
in die Entwickelung unseres ganzen Planetensystems. Vorangegangen
war ein Blick in dieses Planetensystem selber, insofern die einzelnen
Planeten bewohnt sind von allerlei Wesenheiten, die wiederum einen
EinfluB haben auf unseren menschlichen Leib. Das heute Vorzubrin-
gende wird sich an diese beiden vorhergehenden Betrachtungen an-
schlieBen. Wir werden unseren Ausblick in das Planetensystem noch
erweitern und dabei mancherlei von den Geheimnissen unseres Welten-
daseins von einem geistigen Gesichtspunkt aus kennenlernen.
Wenn Ihnen irgendeine der gebrauchlichen Darstellungen der Ent-
stehung unseres Planetensystems, die ja heute so zahlreich sind, vor
Augen tritt, so werden Sie zunachst zuriickgefuhrt zu einer Art Ur-
nebel, zu einem nebelartigen, gewaltig groBen Gebilde, aus dem sich
unsere Sonne und die um sie kreisenden Planeten gewissermaBen her-
44
ausgeballt haben, und es werden ja als Triebkrafte bei diesem Her-
ausballen in der Regel nur physische Krafte beriicksichtigt. Sie wissen,
daB man dies die - heute vielfach modifizierte - Kant-Laplacesche
Theorie nennt, und Sie wissen auch, daB die, welche es mit ihrem Ver-
standnis nun gerade so weit gebracht haben, daB sie das allmahliche
Herausballen der einzelnen Planeten aus dem Urnebel bis zu dem Zu-
stand, in dem die Planeten, namentlich die Erde, jetzt sind, eingesehen
haben, sehr stolz sind auf diese Einsicht, und daB sie immer wieder
betonen, wie es doch eigentlich eine recht wenig unserem gewaltigen
Fortschritt entsprechende Anschauungsweise sei, bei diesem Heraus-
gliedern der einzelnen Himmelskdrper aus dem Urnebel auch noch von
geistigen Kraften und geistigen Wesenheiten zu sprechen. Sie wissen,
daB es auch populare Biicher gibt, die solches Sprechen als das riick-
standigste und aberglaubischste bezeichnen, das es nur geben kann.
Nun wiirde ja der Verstand eines Theosophen auch noch ausreichen,
um alles das, was auf diesen Gebieten vorgebracht wird, in der rich-
tigen Weise zu verstehen. Nur erstreckt er sich auch noch etwas wei-
ter. Ihm ist es klar, daB es mit den physischen Anziehungs- und Ab-
stoBungskraften und so weiter nicht getan ist, daB da noch allerlei an-
dere Dinge mitspielen. Heute muB es sich die Theosophie noch gefallen
lassen, von der gebrauchlichen offiziellen Wissenschaft, die man viel-
leicht auch die «Antisophie» nennen konnte, als eine recht dicke
Dummheit und ein furchtbarer Aberglaube ausgeschrien zu werden.
Aber wir leben in einem Zeitalter, das in einer merkwurdigen Art, man
konnte sagen, hoffnungsvoll fur den Theosophen ist. Man mochte sa-
gen, daB die Theorien, Anschauungen und Erkenntnisse, die die heute
gebrauchliche Wissenschaft aus ihren eigenen Tatsachen schopft, sich
wie kleine keuchende, zwerghafte Wesenheiten ausnehmen, die pustend
und keuchend in einer weiten Entfernung hinter den Tatsachen her-
laufen. Denn die Tatsachen der heutigen Wissenschaft sind dem, was
der «Glaube» der heutigen Wissenschaft ist, eigentlich weit voraus. Sie
sind so, daB mit ihnen immer neue und neue Bestatigungen der theoso-
phischen Wahrheiten auftauchen. Nur werden sie natiirlich nicht als
solche durchschaut. Ich mochte nur darauf hinweisen, daB hier oft
gesprochen worden ist von der Wirkung des astralischen Leibes wah-
45
rend der Nacht: wie wahrend des Tages der physische Leib und der
Atherleib abgenutzt werden, und wie wahrend der Nacht der astra-
lische Leib derjenige ist, der verbessernd und aufbauend und die Er-
miidungsstoffe fortschaffend wirkt. Diesen Satz in dieser Form auszu-
sprechen, wiirde fur die heutige Wissenschaft als etwas noch ganz und
gar nicht Salonfahiges gelten. Aber die Tatsachen sprechen eine deut-
liche Sprache: Wenn wir zum Beispiel heute in einer amerikanischen
Zeitschrift lesen konnen, daB ein Forscher die Theorie aufgestellt habe,
die Schlaftatigkeit beim Menschen sei eine involvierende, aufbauende,
wahrend im Gegensatz dazu die Tatigkeit wahrend des Wachens eine
abbauende sei, dann haben Sie da wiederum eine solche wissenschaft-
liche Tatsache, hinter der die Theorien der Naturwissenschaft nach-
keuchen wie die kleinen Zwerge, die nicht nachkommen konnen, wah-
rend Sie in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung die lichtvol-
len, groBen Ausblicke haben, die aus einer geistigen Weltanschauung
herausgeholt sind.
Wenn wir geisteswissenschaftlich die Entstehung unseres heutigen
Sonnensystems betrachten, so brauchen wir in keiner Weise, so wenig
wie auf anderen Gebieten, dem direkt zu widersprechen, was von der
physischen Wissenschaft vorgebracht wird. Denn gegen das, was die
physische Wissenschaft einzig und allein zu erkennen anstrebt - was
Augen hatten sehen konnen in der Aufeinanderfolge der Entwicke-
lung -, dagegen hat keine Theosophie etwas einzuwenden. Wenn sich
irgend jemand zur Zeit des Urnebels einen Stuhl in den Weltenraum
hinausgestellt und sich daraufgesetzt, iiber eine geniigend lange Le-
bensdauer verfiigt und nun zugeschaut hatte, wie die einzelnen Ku-
geln sich abgeballt haben, so wiirde er mit physischen Augen nichts
anderes haben sehen konnen, als was diese physische Wissenschaft kon-
statiert hat. Aber das ware ebenso, wie wenn zwei Menschen vor Ihnen
stehen und der eine gibt dem anderen eine Ohrfeige, und dann kommt
ein Beobachter und sagt: Da hat einer einen leidenschaftlichen Zorn
gegen den anderen gehabt, und das hat ihn die Hand ausholen lassen
und auf diese Weise hat der seine Ohrfeige bekommen; wahrend der
zweite sagen wiirde: Du bist ein Phantast, ich habe nichts gesehen von
Zorn und Leidenschaft, ich habe nur die Hand sich bewegen sehen und
46
einen StoB ausfuhren; dadurch hat der andere eine Ohrfeige wegge-
habt. - Das ist die auBere, materialistische Beschreibung, die Methode,
die die heutige Wissenschaft anwendet. Sie widerspricht nicht der gei-
stigen Erforschung der Tatsachen. Nur derjenige, der glaubt, daB diese
materialistische Beschreibung der Tatsachen die einzige ist, der fiihlt
sich in seiner wissenschaftlichen Erhabenheit selbstverstandlich sehr
weit hinausgehoben iiber alles, was die Geistesforschung vorzubringen
hat. Also was man die modifizierte Kant-Laplacesche Theorie nennt,
mag als ein auBeres Ereignis durchaus gelten. Aber innerhalb dieser
ganzen Abballung, dieser ganzen Kristallisierung der einzelnen Welt-
kugeln waren geistige Krafte und geistige Wesenheiten tatig.
Der Experimentator zeigt uns heute sehr schon, wie das alles vor
sich gehen kann nach dieser Kant-Laplaceschen Theorie. Man braucht
nur ein verhaltnismaBig nicht zu groBes olkiigelchen zu nehmen, das
im Wasser schwimmt: Da kann man sehr leicht einen kleinen Karton-
kreis in der Aquatorebene anbringen und in der Mitte eine Nadel
durchstecken. Wenn man nun die Nadel recht schnell dreht, spalten
sich kleine olkugeln ab, und man kann sich so sehr gut ein Weltsystem
im Kleinen vorstellen und daran zeigen, wie sich im Raum ein Welt-
system abgeballt hat. Nur vergiBt der Experimentator dabei eines,
namlich, daB er selbst dabei war und die notigen Vorbereitungen ge-
macht hat, daB er dann die Nadel herumgedreht hat, und daB im
groBen Kosmos nicht von selber gehen kann, was im kleinen auch
nicht von selber geht. Da drauBen soli es sich von selber machen! Die
Dinge sind gar nicht so schwer einzusehen; aber so sehr sind die rich-
tigen physischen Grundsatze abgebraucht, daB diejenigen, die sie
nicht sehen wollen, sie auch wirklich nicht zu sehen brauchen. Also
bei dieser ganzen Planetenbildung waren geistige Krafte und geistige
Wesenheiten tatig, und wir wollen jetzt einiges davon kennenlernen.
Erinnern muB ich Sie dabei an die oft wiederholte Tatsache, daB
unsere Erde, bevor sie «Erde» wurde, friihere Verkorperungen, andere
planetarische Zustande absolviert hat: den Saturnzustand, den Son-
nenzustand und den Mondzustand - und nach dem Durchgang durch
diese erst zu ihrem heutigen Erdenzustand vorgedrungen ist. Nun
stellen Sie sich einmal lebendig vor die Seele den uralten, in urferner
47
Vergangenheit im Raume schwebenden Saturn, der die erste Verkor-
perung unserer Erde war. Dieser Saturn hat innerhalb seiner ganzen
Wesenheit eigentlich noch gar nichts von dem, was wir heute rings
herum sehen als unsere Pflanzen, Mineralien und Tiere. Im Anfang
bestand dieser Saturn nur aus der allerersten Anlage des Menschen.
Wir sprechen gar nicht anders von diesem alten Saturn als etwa von
einem Konglomerat von Menschen. Der Mensch war damals auch nur
in der ersten Anlage zu seinem physischen Leib vorhanden. Aus lauter
einzelnen physischen Menschenleibern war dieser alte Saturn zusam-
mengesetzt, etwa so wie heute eine Maulbeere oder eine Brombeere
aus lauter einzelnen Beerchen zusammengesetzt ist. Und umgeben war
dieser alte Saturn, wie heute unsere Erde von Luft, von einer Atmo-
sphare; aber die war im Verhaltnis zu dem, was wir heute als Atmo-
sphare kennen, geistig. Sie war ganz geistartig, und innerhalb der
Saturnentwickelung entwickelte sich der Mensch in seinem Anfang.
Dann kam eine Zeit, in der der Saturn in eine ahnliche Lage kam wie
heute ein Mensch, wenn er zwischen Tod und einer neuen Geburt in
einem devachanischen Zustand ist. Man nennt diesen Zustand, in den
ein Weltenkorper kommt, ein Pralaya. Der Saturn ging also durch eine
Art von devachanischem Zustand durch und tauchte dann, indem er
wieder in eine Art von auBerlich wahrnehmbarem Dasein eintrat, als
der zweite planetarische Zustand unserer Erde, als Sonne wiederum
auf. Dieser Sonnenzustand brachte den Menschen wieder weiter. Ge-
wisse Wesenheiten, die zuriickgeblieben waren, machten sich jetzt als
ein zweites Reich auf der Sonne neben dem Menschenreich geltend,
so daB wir jetzt zwei Reiche haben. Dann kommt wieder ein devacha-
nischer Zustand der Sonne, ein Pralaya, und dann verwandelt sich der
ganze Planet in den Mondzustand; und so geht es wieder durch ein
Pralaya hindurch, bis der Mond iibergeht in unsere Erde.
Als unsere Erde aus dem rein geistigen, devachanischen Zustand
hervortrat, als sie zum erstenmal eine Art von auBerlich wahrnehm-
barem Dasein erhielt, war sie nicht so, wie sie heute ist; sondern da war
sie so, daB sie, auBerlich angesehen, wirklich etwa wie ein groBer Ur-
nebel aufgefaBt werden konnte, wie ihn die auBere, physische Wis-
senschaft schildert. Nur miissen wir uns diesen Urnebel groB, weit
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groBer als die heutige Erde denken, und daB er weit iiber die auBersten
Planeten hinausreichte, die heute zu unserem Sonnensystem gehoren,
bis weit iiber den Uranus hinaus. Geisteswissenschaftlich stellen wir
uns die Sache so vor, daB das, was wir hervorkommen sehen aus einem
geistigen Zustand, nicht lediglich eine Art physischer Urnebel ist. Wer
das, was da hervorkommt, als eine Art physischen Urnebel und als
sonst nichts weiter schildert, ist etwa ebenso weise wie ein Mensch,
der einen anderen Menschen gesehen hat und nun, wenn er gefragt
wird, was er gesehen hat, sagt: Muskeln, die an Knochen hangen, und
Blut habe ich gesehen! - der also nur das Physische beschreibt. Denn
in dem Urnebel sind eine Fulle von geistigen Kraften und geistigen
Wesenheiten enthalten. Die gehoren dazu, und was in dem Urnebel
geschieht, ist eine Folge der Taten der geistigen Wesenheiten. Alles,
was der Physiker beschreibt, ist so, wie wenn er sich einen Stuhl in
den Weltenraum hinausstellt und die ganze Geschichte sich anschaut.
Er beschreibt wirklich so wie jener Beobachter, der den Zorn und die
Leidenschaft, die eine Ohrfeige hervorrufen, leugnet und nur die sich
bewegende Hand sieht. In Wahrheit ist das, was da geschieht, das
Heraustreten von Weltkorpern und Weltkugeln, Tat von geistigen
Wesenheiten; so daB wir in dem Urnebel das Kleid, die auBere Offen-
barung einer Fulle von geistigen Wesenheiten sehen.
Da sind geistige Wesenheiten darinnen, die auf den verschiedensten
Stufen der Entwickelung stehen. Diese geistigen Wesenheiten kommen
da nicht aus dem Nichts heraus, sondern sie haben eine Vergangenheit,
sie haben die Saturn-, Sonnen- und Mondvergangenheit hinter sich. Die
haben sie alle einmal durchgemacht, und jetzt stehen sie davor, das,
was sie durchgemacht haben, anzuwenden als Taten, zu tun, was sie
auf Saturn, Sonne und Mond gelernt haben. Und sie stehen auf den
verschiedensten Entwickelungshbhen. Es sind Wesenheiten darunter,
die schon auf dem alten Saturn so weit waren, wie der Mensch heute
auf der Erde ist. Diese haben ihre Menschheitsstufe schon auf dem
Saturn durchgemacht, stehen also wesentlich hoher als der Mensch im
Anfange der Erdentwickelung; sie stehen weit iiber dem Menschen.
Andere Wesenheiten sind da, die ihre Menschheitsstufe auf der Sonne,
andere, die sie auf dem Monde durchgemacht haben. Der Mensch war-
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tet darauf, seine Menschheitsstufe auf der Erde durchzumachen. Wenn
wir also nur diese viergliedrige Hierarchie von Wesenheiten betrach-
ten, haben wir schon eine Vielzahl von verschiedenen Wesenheiten
auf verschiedenen Entwickelungsstufen.
Wir nennen nun die Wesenheiten, die auf der Sonne ihre Menschen-
stufe durchgemacht haben, die «Feuergeister». Sie diirfen sich aber
nicht vorstellen, daB diese Feuergeister, die auf dem alten Sonnenpla-
neten Menschen waren, damals auBerlich so ausgesehen haben wie die
heutigen Menschen. Sie haben ihre Menschenstufe in einer anderen
auBeren Gestalt durchgemacht. Der alte Sonnenplanet hatte eine auBer-
ordentlich feine, leichte Materie, viel leichter als unsere heutige Ma-
terie. Damals gab es das Feste und das Fliissige noch gar nicht, son-
dern nur das Gasformige, und die Korper der Feuergeister waren,
trotzdem sie Menschenrang hatten, nur gasformig. Man kann die
Menschheitsstufe in der kosmischen Entwickelung in den verschie-
densten Formen durchmachen. Im Fleische macht sie nur der Erden-
mensch auf der Erde durch. In einer Art waBrigem Zustand mach-
ten sie diejenigen Wesen durch, die auf dem Mond Menschenrang
hatten, und die auch auf dem Mond schon uber den Menschen erhaben
waren.
Mit jenem Urnebel also, der da am Ausgangspunkt unseres Sonnen-
systems liegt, waren diese Geister und noch eine ganze Fiille anderer
Geister verbunden. So zum Beispiel konnen Sie sich leicht vorstellen,
daB das, was fur den Menschen auf dem Saturn begonnen hat, auf der
Sonne fur andere Wesenheiten in irgendeiner Weise begann. So wie
auf dem Saturn die erste Anlage zu dem physischen Leib begann, so
kamen auf der Sonne andere Wesenheiten nach, wie in der Schule ja
auch immer wieder ABC-Schiitzen nachkommen. Die haben es heute
nur so weit gebracht, daB sie jetzt, physisch verkorpert, in unseren
heutigen Tieren sind. Auf dem Mond kamen diejenigen Wesenheiten
hinzu, die in den heutigen Pflanzen vorhanden sind, und unsere heuti-
gen Mineralien sind iiberhaupt erst auf der Erde hinzugekommen.
Das sind also die jiingsten Genossen unserer Entwickelung, deren
Schmerzen und Freuden ich Ihnen in einem vorhergehenden Vortrag
geschildert habe. So waren also nicht nur vorgeschrittene Wesenheiten
50
in diesem Umebel darinnen, sondern auch Wesenheiten, die noch nicht
auf der Menschenstufe waren.
Zu denen, die ich Ihnen jetzt aufgezahlt habe, kommen solche
Wesenheiten, von denen wir gesagt haben, daB sie auf gewissen Stufen
der kosmischen Entwickelung sitzengeblieben sind. Nehmen wir ein-
mal die Feuergeister. Die Feuergeister haben auf der Sonne schon ihr
Menschenstadium vollendet. Jetzt, auf der Erde, sind sie hoch erhabene
Wesenheiten, zwei Stufen iiber den Menschen hinaus. So weit sind sie,
daB der Mensch, erst wenn er durch das Jupiter- und Venusdasein hin-
durch zum Vulkandasein aufgestiegen sein wird, zu einem solchen
Dasein reif sein wird, wie die erhabenen Sonnengeister es hatten, als
die Erde ihre Entwickelung begann. Nun gibt es aber Wesenheiten,
welche zuriickgeblieben sind, das heiBt solche, die auf der Sonne so
weit hatten kommen konnen wie die Feuergeister, die aber - es gibt
gewisse Griinde, warum sie zuriickgeblieben sind — , sich nicht bis zu
der vollen Hohe entwickeln konnten, auf der die Feuergeister ange-
kommen waren, als die Erde im Beginne ihrer Entwickelung stand.
Sie erinnern sich alle, daB die Erde in einem gewissen Zustand ihrer
Entwickelung, ganz im Anfang - und das konnen Sie leicht mit der
Theorie des Urnebels vereinigen - noch mit der Sonne und mit dem
Mond ein Korper war. Wenn Sie also die drei Himmelskorper Erde,
Sonne und Mond in einem riesigen kosmischen Topf durcheinander-
riihren wiirden, so bekamen Sie einen Korper, der einmal da war.
Dann kam die Zeit, wo die Sonne sich herauszog und Erde plus Mond
zuriicklieB, und dann kam eine Zeit, wo auch der Mond sich heraus-
zog und unsere Erde so wurde, wie sie heute ist, auf der einen Seite
von der Sonne, auf der anderen Seite von dem Mond umgeben.
Nun fragen wir uns: Warum geschah denn das, daB da aus einem
Korper drei Korper entstanden? Sie werden leicht einsehen, warum
das geschah, wenn Sie bedenken, daB solche hoch entwickelten Wesen-
heiten in dem Urnebel vorhanden waren - mit dem auBeren Dasein
des Urnebels verkniipft -, die zwei Stufen hoher standen als der
Mensch. Die hatten auf einem Weltkorper wie unsere heutige Erde
unmittelbar nichts zu tun gehabt; sie brauchten einen Wohnplatz mit
ganz anderen Eigenschaften. Dagegen hatte der Mensch in diesem Da-
51
sein sozusagen verzehrt werden miissen, wenn er mit der Sonne ver-
bunden geblieben ware. Er brauchte ein abgeschwachteres, abgemil-
dertes Dasein. Es muBte also durch die Tat der Feuergeister die Sonne
aus der Erde herausgehoben und zu ihrem Schauplatz gemacht werden.
Das ist nicht ein bloBes physisches Ereignis; sondern das haben wir
aufzufassen als die Tat der Feuergeister selber. Sie haben sich ihren
Wohnplatz und alles, was sie brauchten an Substanzen, aus der Erde
herausgelost und die Sonne zu ihrem Schauplatz gemacht. Sie konnen
es vermoge ihres Wesens vertragen, jene riesenhafte Schnelligkeit in
ihrer Entwickelung durchzumachen. Wenn der Mensch dieser riesen-
haften Schnelligkeit in der Entwickelung ausgesetzt ware, so wiirde er,
kaum daB er jung war, schon gleich wieder alt sein. Alle Entwickelung
ginge im Sturmschritt vorwarts. Nur solche Wesenheiten, die schon
zwei Stufen hoher stehen als der Mensch, konnen ein solches Dasein,
wie es das Sonnendasein ist, vertragen. Sie haben sich mit der Sonne
abgetrennt und haben die Erde mit dem Mond zuriickgelassen.
Nun konnen wir auch die Frage beantworten, warum sich der Mond
von der Erde trennen muBte. Wenn der Mond mit der Erde verbunden
geblieben ware, dann hatte der Mensch auf der Erde sein Dasein auch
wieder nicht vollziehen konnen. Der Mond muBte ausgestoBen wer-
den; denn er hatte die ganze Entwickelung der Menschen mumifiziert.
Die Menschen hatten nicht eine so rasche Entwickelung durchgemacht,
wie wenn die Sonne dageblieben ware. Sie wurden nicht so rasch alt
werden, aber sie waren verholzt, zu Mumien vertrocknet, ihre Ent-
wickelung ware eine so langsame geworden, daB sie mumifiziert wor-
den waren. Damit gerade das fur den Menschen dienliche MaB der
Entwickelung herauskam, muBte der Mond mit seinen Kraften und sei-
nen untergeordneten Wesenheiten herausexpediert werden. Daher sind
auch mit dem Mond jene Wesenheiten verbunden, welche von mir be-
schrieben worden sind als solche, die zeitlebens auf einer Stufe stehen
bleiben, die heute auf der Erde etwa ein siebenjahriges Kind erreicht.
Da sie nur ein Dasein durchmachen wie der Mensch in der Zeit bis
zum siebenten Lebensjahr, wo nur der physische Leib sich entwickelt,
so brauchten sie einen Schauplatz, wie der Mond es ist. Wenn Sie dazu
die Tatsache nehmen, daB nicht nur diese verschiedenen Wesenheiten
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mit dem Urnebel verbunden waren, sondern noch eine ganze Reihe
von Wesenheiten, die auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung
stehen, dann werden Sie begreifen, daB sich aus dem Urnebel nicht nur
diese Weltkorper, wie Erde, Sonne und Mond, herausballten, sondern
auch noch die anderen Weltkorper; und zwar ballten sich alle heraus,
weil Schauplatze entstehen muBten fur die entsprechenden Entwicke-
lungsstufen der verschiedenen Wesenheiten. So waren Wesenheiten da,
die im Anfange, als unsere Erdentwickelung begann, kaum geeignet
waren, die weitere Entwickelung mitzumachen, die noch so jung waren
in ihrer ganzen Entwickelung, daB jeder weitere Schritt ihnen Ver-
derben gebracht hatte. Sie muBten sozusagen einen Schauplatz erhal-
ten, auf dem sie sich ihre vollstandige Jugendlichkeit bewahren konn-
ten. Alle anderen Schauplatze sind dazu da, denen Wohnstatten zu ge-
ben, die schon weiter sind. Fiir die Wesenheiten, die zuallerletzt wah-
rend des Monddaseins entstanden, und die deshalb auf einer sehr friihen
Entwickelungsstufe stehengeblieben waren, muBte ein Schauplatz ab-
geballt werden, der deshalb auch nur geringen Zusammenhang mit un-
serem Erdendasein hat: es ballte sich derjenige Weltkorper ab, den wir
als den Uranus bezeichnen. Das ist ein Schauplatz geworden fur solche
Wesenheiten, die auf einer sehr weit zuriickgebliebenen Stufe stehen-
bleiben muBten.
Dann ging die Entwickelung weiter. Alles, was, abgesehen vom Ura-
nos, in unserem Weltensystem ist, ist jetzt in einer urbreiigen Masse
enthalten. Die griechische Mythologie nennt das, was da war, bevor
sich dieser Uranos herausgestaltet hat, das «Chaos». Jetzt ist der Ura-
nus herausgestaltet; das andere ist sozusagen noch im Chaos zuriick-
geblieben. Damit sind jetzt noch Wesenheiten verbunden, die in ihrer
damaligen Entwickelung gerade auf der Stufe standen, auf der wir
Menschen gestanden haben, als unsere Erde durch den Saturnzustand
durchgegangen war. Und fur diejenigen, die eben deshalb, weil sie auf
dieser Stufe standen, weil sie ihr Dasein erst begonnen hatten, alles
spatere nicht mitmachen konnten, fiir sie wurde ein besonderer Schau-
platz «Saturn» geschaffen. Es spaltete sich also ein zweiter Weltkorper
ab, der Saturn, den Sie heute im Himmelsraum noch sehen. Er entstand
dadurch, daB Wesenheiten da waren auf der Stufe, auf der die Men-
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sehen gestanden haben zur Zeit des Saturndaseins der Erde. Wahrend
also dieser Saturn als ein besonderer Weltkorper entstand, war auBer
ihm alles andere, was zu unserem heutigen Planetensystem gehort, vor-
handen. Auch die Erde mit alien ihren Wesen war in dieser urbreiigen
Masse noch darinnen. Nur Uranus und Saturn waren schon drauBen.
Das nachste, was geschah, war, daB sich wieder ein Planet abspal-
tete, der der Schauplatz fur eine gewisse Entwickelungsstufe werden
muBte. Das ist jetzt der «Jupiter», der dritte Planet, der sich heraus-
spaltet aus der Nebelmasse, die fur uns eigentlich die Erde ist. Wah-
rend der Jupiter und die anderen Planeten, die wir schon kennen,
drauBen sind, sind Sonne und Mond mit der Erde immer noch ver-
eint. Diese Planeten waren in der Tat abgespalten aus dem Chaos,
als in der Erde noch das vorhanden war, was heute auch in unserer
Sonne ist, als unsere Erde noch ganz mit der Sonne und dem Mond
eins war. Damals, als der Jupiter sich abgespalten hat, entstanden nach
und nach die Vorlaufer der heutigen Menschheit, das heiBt, es kamen
die heutigen Menschen wieder heraus, so wie eine neue Pflanze aus dem
Samen herauskommt. Diese Menschensamen hatten sich nach und nach
wahrend des alten Saturnzustandes, wahrend des alten Sonnenzustan-
des und wahrend des alten Mondzustandes gebildet. Jetzt - noch war
die Sonne mit der Erde verbunden - kamen diese Menschensamen wie-
der heraus.
Nun hatten sich aber die Menschen so nicht weiter entwickeln kon-
nen; sie konnten dieses Tempo nicht vertragen, als die Erde noch mit
der Sonne zusammen war. Und jetzt geschieht etwas, was wir dann
gut verstehen, wenn wir uns dariiber klar sind, daB diejenigen Wesen-
heiten, welche wir angesprochen haben als «Feuergeister», sich ihren
Schauplatz aus der Erde herausnehmen. Die Sonne drangt sich aus der
Erde heraus, und wir haben nun Sonne und dann Erde und Mond
zusammen. Wahrend dieser Zeit ist auf irgendeine Art, die jetzt nicht
genauer beschrieben werden soil, weil das zu weit fuhren wiirde, wie-
derum als ein Schauplatz fur besondere Wesenheiten der «Mars»
iibriggeblieben, der dann tatsachlich in dem weiteren Fortgang durch
Erde und Mond durchgeht, und, wahrend er durchgeht, in der Erde mit
dem Mond das zuriicklaBt, was wir heute als Eisen kennen. Daher ist
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er auch der Veranlasser alles dessen, was als Eisenteile in den leben-
digen Wesen abgelagert ist, also im Blut. Nun konnte jemand sagen:
Eisen ist uberall, auch in der Sonne und so weiter. - Das ist ja nicht
weiter verwunderlich, denn geradeso wie andere Korper in dem Ur-
nebel waren, so war auch der Mars uberall darin mit seinem Eisen, das
er zuriickgelassen hat; das ist auch in alien anderen Planeten! Auch
hier liegt wieder die Tatsache vor, daB die Wissenschafter heute schon
wunderbare Belege dafur bringen, daB die Sache sich so verhalt, wie
es hier von der geisteswissenschaftlichen Lehre dargestellt wird. Sie
erinnern sich wohl, daB ich Ihnen einmal dargestellt habe, wie man
symbolisch iibergeht von dem griinen Pflanzensaft, dem Chlorophyll,
zum Blut des Menschen. Die Pflanzen sind als solche entstanden, be-
vor dieser Marsdurchgang stattgefunden hat, und haben ihre Eigen-
schaft bewahrt. Dann hat sich in die Wesen, die heute hoher organi-
siert sind als die Pflanzen, das Eisen eingelagert, das das rote Blut er-
fullt. Es ist durchaus ubereinstimmend mit diesen geisteswissenschaft-
lichen Tatsachen, wenn kiirzlich in einem Berner Laboratorium ge-
funden worden ist, daB das Blut nicht verglichen werden kann mit
dem Chlorophyll. Das ist eben, weil es sparer eingelagert ist. Wir
durfen uns nicht vorstellen, daB das Blut etwa von der Substantiality
des chemischen Elementes «Eisen» abhangt. Ich sage das ganz besonders
deshalb, weil jemand sagen konnte, daB man gar nicht von einem Zu-
sammenhange des Chlorophyll mit dem Blute reden konne. Heute
macht die Wissenschaft die Entdeckung, daB das Blut auf das Element
«Eisen» zuriickzufuhren ist, wahrend das Chlorophyll gar kein Eisen
enthalt. Es ist aber doch im vollsten Einklange mit dem, was die Gei-
steswissenschaft zu sagen hat; es handelt sich nur darum, daB man
die Dinge in dem richtigen Lichte betrachten muB.
Nun sondert sich, aus Griinden, die wir schon erwahnt haben, der
«Mond» ab, so daB wir die Erde fur sich haben und den heutigen Mond
als ihren Nebenplaneten. Zur Sonne sind alle Wesenheiten hingezogen,
die im wesentlichen hoherer Art sind als der Mensch und die wir die
Feuergeister genannt haben. Nun sind aber gewisse Wesenheiten da,
die nicht so hoch gestiegen sind, daB sie das Sonnendasein wirklich
ertragen konnen. Machen Sie sich klar, was das fur Wesenheiten sind:
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es sind Wesenheiten, die sehr erhaben iiber den Menschen sind, die
aber doch nicht so weit gekommen sind, daB sie, wie die Feuergeister,
auf der Sonne leben konnen. Fiir diese Wesenheiten muBten Schau-
platze geschaffen werden. Alle die anderen Schauplatze hatten ihnen
nicht gedient; denn die sind fiir andersgeartete Wesenheiten, die durch-
aus nicht das immerhin hohe Alter derjenigen Wesenheiten erreicht
haben, die zwar zu den Feuergeistern zu zahlen sind, jedoch den kos-
mischen Kursus nicht ganz absolviert haben. In der Hauptsache waren
es zwei Gattungen von Wesenheiten, die zuriickgeblieben waren; fur
diese wurden dadurch zwei besondere Schauplatze geschaffen, daB sich
zwei andere Planeten von der Sonne abspalteten, «Merkur» und «Ve-
nus». Merkur und Venus sind zwei Planeten, die von der Sonne sich
abgespalten haben als die Schauplatze fur diejenigen Feuergeister, die
weit erhaben sind iiber menschliches Dasein, die aber das Sonnendasein
nicht hatten ertragen konnen. So haben Sie den Merkur in der Nahe
der Sonne als Schauplatz fur diejenigen Wesenheiten, die nicht auf der
Sonne mit den Feuergeistern hatten leben konnen, und die Venus als
Schauplatz fur Wesenheiten, die in gewisser Beziehung hinter den Mer-
kurwesenheiten zuriickgeblieben waren, die aber noch weit iiber dem
Menschen standen.
So haben Sie aus inneren Griinden, aus geistig wirkenden Tatig-
keiten diese verschiedenen Weltenkorper aus dem Urnebel heraus ent-
stehen sehen. Sie haben daraus entnehmen konnen, daB, wenn man sich
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nur an das Physische halt, es ja so verlauft, wie es uns die heutige Wis-
senschaft erzahlt; aber es handelt sich darum, die geistigen Griinde
wirklich kennenzulernen, warum das so geworden ist. Innerhalb des
Urnebels haben sich die Wesen selbst die Wohnungen geschaffen, in
denen sie leben konnten. Nun sind diese verschiedenen Wesenheiten,
die sozusagen eintrachtig nebeneinander waren, solange sich noch nicht
alles herausgespalten hatte, nicht ohne Zusammenhang geblieben, son-
dern sie wirken durchaus durcheinander. Von einem ganz besonderen
Interesse ist die Wirkung der Merkur- und der Venuswesenheiten auf
die Erde. Versetzen Sie sich zuriick in die Zeit, in welcher die Sonne
sich gerade herausspaltete aus der Erde, der Mond sich herausspaltete
und der Mensch sein Dasein in der heutigen Form begann. Dieses Da-
sein in der heutigen Form hat der Mensch dadurch erlangt, daB sich
einer der Sonnengeister herbeilieB - wenn ich mich so ausdriicken
darf -, sein ferneres Dasein nicht auf der Sonne zu haben, sondern
mit dem Mond sich zu verkniipfen. Dadurch entstand ein erhabener
Regent vom Mond aus. Auf dem Monde waren sonst niedere Wesen-
heiten, aber einer der Sonnengeister verband sich mit dem Monden-
dasein. Dieser Sonnengeist, der mit dem Monde sich verband, der also
eigentlich im Weltenall ein versetzter Sonnengeist ist, ist als gottliches
Wesen, als geistiges Wesen «Jahve» oder «Jehova», der Regent des
Mondes. Wir werden einsehen, warum das geschehen ist, wenn wir uns
der folgenden Uberlegung hingeben.
Wir haben gesehen, daB, wenn die Sonne mit der Erde verbunden
geblieben ware, der Mensch sich in der raschen Folge der Entwickelung
verzehrt haben wiirde; wiirde bloB der Mond mit seinen Kraften wir-
ken, wiirde der Mensch mumifiziert werden. Gerade durch den Zu-
sammenklang von Sonnen- und Mondkraften entstand jenes Gleich-
gewicht, das den Menschen in seinem heutigen Entwickelungstempo
erhalt. Als die Erde heriibergekommen war von dem alten Mond, hatte
der Mensch von dem Saturn her seinen physischen Leib, von der Sonne
her seinen Atherleib und vom Mond her seinen astralischen Leib. Aber
weil der Mensch die drei Leiber hatte, und jetzt der Same mit den drei
Leibern aufging, hatte er eine ganz andere Gestalt. Sie wiirden groBe
Augen machen, wenn ich Ihnen die schildern wollte; denn die Gestalt,
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die der Mensch heute hat, entstand ganz langsam und allmahlich von
dem Zeitpunkte der Mondentrennung an. Aber die schlechten, minder-
wertigen Krafte des Mondes hatten dem Menschen nicht die heutige
Gestalt geben konnen. Gestalt hatten sie ihm schon geben konnen, aber
eine minderwertige. Wenn die Mondkrafte mit der Erde verbunden
geblieben waren, hatten sie den Menschen in einer Gestalt festgehalten.
Daraus sehen Sie schon, daB von dem Monde die Krafte ausgehen
miissen, die die Gestalt geben, wahrend von der Sonne die Krafte aus-
gehen, die fortwahrend die Gestalt verandern. Aber damit der Mensch
seine heutige Gestalt erhalten konnte, muBte ein Gestaltenbildner vom
Mond aus wirken. Das war gar nicht anders moglich. So geht dazumal
die Entwickelung des Ich-Menschen an. Das vierte Glied der mensch-
lichen Wesenheit beginnt, und Jahve gibt dem Menschen den Keim
zu einer solchen Gestalt, daB der Mensch ein Ich-Trager werden kann.
Jetzt ist aber der Mensch noch nicht fahig, diejenige Arbeit zu lei-
sten, von der ich Ihnen gesprochen habe. Ich habe Ihnen gesagt, daB
der Mensch von seinem Ich aus zunachst seinen astralischen Leib, dann
seinen Atherleib und dann seinen physischen Leib umarbeitet. Das
kann der Mensch erst nach und nach in Angriff nehmen. Wie das Kind
heute noch Lehrer braucht, so brauchte der Mensch, als er schon zube-
reitet war, ein Ich-Mensch zu werden, eine Anregung auf unserer Erde,
um weiterzukommen; und es gab da fur den Menschen zwei Anreger.
Sie konnen sich aus der ganzen kosmischen Entwickelung denken, wo-
her sie gekommen sind.
Diejenigen Wesenheiten, die dem Menschen am nachsten standen,
waren die Venus- und Merkurwesenheiten. Bis der Mensch am Ende
der atlantischen Zeit die ersten schwachen Versuche machen konnte,
um von seinem Ich aus selbstandig auf die drei Leiber zu wirken -
denn das ist erst am Ende der atlantischen Zeit moglich -, muBte er
«Lehrer» haben, die noch weit iiber diese atlantische Zeit hinaus wirk-
ten. Und diese Lehrer waren diejenigen Wesenheiten, die auf Venus
und Merkur wirkten. Aber diese Wesenheiten sind nicht so zu denken,
wie heute Lehrer sind; sondern Sie miissen sich vorstellen, daB die Ve-
nuswesen diejenigen Wesen sind, die den Menschen begaben mit seiner
Intellektualitat. Die Menschen wuBten auBerlich gar nichts davon,
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daB diese Venuswesenheiten auf sie wirkten, ebensowenig wie sie wuB-
ten, daB vom Monde aus gewisse Wesenheiten in bezug auf ihre auBere
Gestalt auf sie einwirkten. So wie ich Ihnen gezeigt habe, wie die ver-
schiedenen Safte auf den Menschen wirken, so wirkten die Krafte die-
ser Wesenheiten auf den Menschen ein, bis er selbstandig seine Lei-
ber bearbeiten konnte. Was wir heute beim Menschen als Intelligenz
finden, wurde dem Menschen vermittelt durch die Geister, die als
Feuergeister minderer Sorte auf der Venus zuriickgeblieben sind.
AuBerdem gab es noch andere Lehrer, die in der Tat von den ersten
hellsehenden Menschen bewuBt als Lehrer wahrgenommen wurden: die
Lehrer der groBen Mysterien in den alten Zeiten. In den Vorzeiten gab
es nicht bloB jene umfassenden Einfliisse der Venusgeister, die mehr
oder weniger auf die ganze Menschheit wirkten, sondern es gab auch
Mysterienstatten, in denen die damals vorgeschrittensten Menschen auf
geistige Art Unterricht bekamen von hoheren Wesenheiten, von den
Feuergeistern. In den Mysterien lehrten sie selbst, die erhabenen Feuer-
geister des Merkur. Da erschienen sie zunachst, wenn wir so sagen
durfen, in einer geistigen Verkorperung und waren die Lehrer der er-
sten Eingeweihten. So wie die ersten Eingeweihten die Lehrer der gro-
Ben Menschenmassen wurden, so wirkten als die Lehrer der ersten
Eingeweihten die Merkurwesenheiten. Auf diese Art sehen Sie zu glei-
cher Zeit, wie recht wahrnehmbar die Wesenheiten anderer Gestirne
auf den Menschen einwirken; aber diese Einwirkungen sind sehr kom-
plizierter Natur. Das konnen Sie aus folgendem sehen.
Sie erinnern sich aus meiner «Theosophie», daB es nur eine grobe
Einteilung ist, wenn wir sagen, der Mensch besteht aus physischem
Leib, Atherleib, astralischem Leib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und
Geistesmensch. Sie wissen, daB die richtigere Einteilung diese ist: Physi-
scher Leib, Atherleib, astralischer Leib, und daB wir dann das, worin
das Ich aufgeht, unterscheiden als Empfmdungsseele, Verstandes- oder
Gemiitsseele und BewuBtseinsseele, und daB wir darin erst das Geist-
selbst oder Manas haben, dann den Lebensgeist oder Buddhi, und zu-
letzt den Geistesmenschen oder Atman. Das Seelenhafte des Menschen
erscheint also eingeschaltet als Empfmdungsseele, Verstandesseele und
BewuBtseinsseele. Wenn wir die Entwickelung des Menschen auf der
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Erde verfolgen, so konnen wir auch sagen: Es entwickelt sich zuerst zu
den drei Bestandteilen, die vom Monde heriibergebracht werden, die
Empfindungsseele hinzu, dann entsteht die Verstandesseele, und die
BewuBtseinsseele entsteht im Grande genommen erst gegen das Ende
der atlantischen Zeit, als der Mensch zum erstenmal lernte, «Ich» zu
sich zu sagen. Da erst kann der Mensch lemen, bewuBt von innen
heraus an den Gliedern seiner Wesenheit zu arbeiten. Wenn wir also den
Menschen einteilen in Leib, Seele und Geist, so haben wir die Seele wie-
derum einzuteilen in Empfindungs-, Verstandes- und BewuBtseinsseele.
Die entwickeln sich erst nach und nach; die BewuBtseinsseele kann noch
keinen EinfluB haben, denn sie entsteht erst als das letzte. So miissen
diese Glieder auch wieder von auBen angefacht werden. Dabei sind
nun wieder Wesenheiten von auBen tatig, und zwar ist es so, daB der
Mars mit seinen Wesenheiten auf die Empfindungsseele wirkt. Als die
Verstandesseele entstehen soil, ist der Merkur schon abgespalten und
wirkt mit seinen Wesenheiten auf die Entstehung der Verstandesseele,
und der langst vorhandene Jupiter wirkt auf die Entstehung der Be-
wuBtseinsseele.
So haben Sie also in dem Seelischen des Menschen die Tatigkeit der
drei Weltkorper: das Walten des Mars in der Empfindungsseele, des
Merkur in der Verstandesseele, des Jupiter in der BewuBtseinsseele; und
indem das Geistselbst in die BewuBtseinsseele hineingedrangt wird,
ist die Venus mit ihren Wesenheiten tatig. Fur die ersten Eingeweihten
ist auch wieder der Merkur tatig, so daB also die Merkurwesen eine
zweifache Tatigkeit ausiiben: zunachst eine dem Menschen ganz unbe-
wuBte, indem sie seine Verstandesseele entwickeln; sodann sind sie die
ersten Lehrer der Eingeweihten, wobei sie auf eine ganz bewuBte Art
wirken. Die Merkurwesen haben also stets eine doppelte Tatigkeit,
etwa so wie manche Landlehrer die Kinder unterrichten und auBerdem
den ihnen zugeteilten Acker bebauen miissen. So haben die Merkur-
wesen die Verstandesseele zu entwickeln und auBerdem noch die gro-
Ben Schullehrer der groBen Eingeweihten zu sein. Alle diese Dinge
konnen Sie auch rein logisch begreifen.
Nun konnen Sie vielleicht fragen, warum denn gerade Jupiter auf
die BewuBtseinsseele wirkt, da er doch ein so weit riickstandiger Planet
60
ist. Aber erforscht werden diese Dinge eben nicht durch logische
Griinde, sondern so, daB man die Tatsachen der geistigen Welten er-
forscht. Da wiirden Sie in der Tat sehen, daB die BewuBtseinsseele an-
gefacht wird von den Jupiterwesen, denen auf der anderen Seite zu-
riickgebliebene Venuswesenheiten zu Hilfe kommen. Im kosmischen
Wirken ist es so, daB die Dinge nicht auBerlich-schematisch genom-
men werden diirfen, sondern man muB sich klar sein, daB wenn ein
Planet einmal schon eine Aufgabe erfiillt hat, seine Wesenheiten spater
noch eine andere Aufgabe erfullen konnen. Wahrend der Menschheit
der zweiten Menschenrasse haben die Jupiterwesenheiten mitgewirkt
an der Ausbildung des Atherleibes; dann gingen sie selbst ein Stuck
Wegs weiter, und als der Mensch so weit war, daB sich seine BewuBt-
seinsseele entwickeln konnte, muBten sie wiederum eingreifen und seine
BewuBtseinsseele mitentwickeln. So wirkt dasjenige, was im Raum
wirkt, in der mannigfaltigsten Weise ineinander, und man kann durch-
aus nicht schematisch von dem einen auf das andere iibergehen.
So sehen Sie, wie der Physiker, wenn er hinausschaut in den Welten-
raum, nur die rein auBeren Korper geistiger Organismen sieht, und wie
uns dann die Geisteswissenschaft hineinfuhrt in die geistigen Unter-
griinde, die das, was der Physiker sieht, erst bewirken. Ich mochte
sagen: jetzt haben wir uns nicht der Tauschung hingegeben, welcher
derjenige sich hingibt, der das Olkiigelchen nimmt und vergiBt, daB
er es selber dreht. Wir haben die Wesenheiten selber aufgesucht, die
das Abgeballte so machten, wie es eben ist. Wir haben uns nicht der
Illusion hingegeben, daB, wenn wir nicht da sind, das Ganze sich
weiter dreht; sondern wir haben den «Dreher» gesucht, denjenigen, der
als die eigentlich geistig-wirksame Wesenheit dahintersteht, so daB
man immer mehr den vollen Einklang finden kann zwischen dem, was
die Geisteswissenschaft sagt, und dem, was die auBere Wissenschaft
findet. Nur konnen Sie niemals aus den Tatsachen der auBeren Wissen-
schaft ableiten, was die Geisteswissenschaft sagt. Da werden Sie hoch-
stens zu einer Analogie kommen. Wenn dagegen die geistigen Tat-
sachen mit den okkulten Mitteln gefunden werden, dann werden sie,
wenn Sie absehen von dem, was von der auBeren Wissenschaft erst
noch gefunden werden muB, jederzeit iibereinstimmen mit dem, was
61
auch der Physiker zu sagen hat. So wird der Theosoph jederzeit dem
Physiker standhalten konnen. Er weiB sehr wohl, daB wenn irgend
etwas im Physischen geschieht, es ganz gut so sein kann, wie es der
Physiker beschreibt. Aber es gibt trotzdem immer noch dazu den gei-
stigen Vorgang. Das hindert nicht, daB mancher Wissenschafter, der
sich hoch erhaben fiihlt, den Theosophen fur einen Dummkopf oder
fur etwas noch Schlimmeres halt. Aber die Theosophie kann ruhig zu-
sehen. Schon in fiinfzig Jahren wird das ganz anders sein; denn der
Fortbestand der bloB materialistischen Wissenschaft wiirde dem Heil
und der Gesundheit der Menschheit sehr schlecht bekommen - wenn
die Dinge wirklich so bleiben wiirden, wie sie heute sind -, wenn nicht
die Geisteswissenschaft der Sache entgegenwirken wiirde.
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VIERTER VORTRAG
Berlin, 29. Februar 1908
Wir werden heute einen Gegenstand behandeln, der in Zusammen-
hang steht mit den groBen, umfassenden Ausblicken in das Gebiet des
Weltenraumes, die wir das letzte Mai unternommen haben. Wir wer-
den dabei intimer auf die geistige Entwickelung innerhalb der mehr
raumlichen und materiellen Entwickelung eingehen, als es das letzte
Mai geschehen ist. Das letzte Mai haben wir gesehen, wie geistige We-
senheiten jenen machtigen EntwickelungsprozeB dirigieren und leiten,
von dem uns die auBere physische Wissenschaft ungenau, die Theo-
sophie oder Geisteswissenschaft genau erzahlt.
Wir haben das letzte Mai gesehen, wie die einzelnen Planeten, die
einzelnen Korper unseres Weltensystems, aus einem gemeinsamen Ur-
stoff sich herausheben und haben im allgemeinen vorausgesetzt, daB
bei all dieser Entwickelung tatig sind geistige Wesenheiten der verschie-
densten Art. Wir haben auch in anderen Vortragen darauf hingewiesen,
wie wir auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft in den einzelnen Kor-
pern unseres Weltensystems nicht bloB physische, materielle Dinge
sehen, sondern Physisches und Materielles verkmipft mit hoheren und
niederen geistigen Wesenheiten, mit Wesenheiten erhabenster Art, die
zum Heile des ganzen Systems die Entwickelung heben, und ebenso
mit geistigen Wesenheiten niederer Art, welche hemmend und zer-
storend eingreifen. Freilich mussen wir uns klar sein, daB dasjenige,
was irgendwo wie Hemmung und Zerstorung erscheint, im groBen und
ganzen doch wiederum der Weisheit des ganzen Systems eingegliedert
ist. Man mochte daher sagen: Wenn etwas scheinbar Zerstorendes,
Hemmendes und Boses irgendwo existiert, so wird durch den Gang des
Ganzen die Evolution so weise geleitet, daB auch dieses Zerstorende,
Hemmende und Bose im Ganzen umgelenkt, umgeleitet wird zum Gu-
ten, zum Besten. Was wir aber heute als Empfmdung lebhaft vor unsere
Seele stellen wollen, ist das Dasein solcher geistigen Wesenheiten - und
zunachst wollen wir ins Auge fassen geistige Wesenheiten erhabener
Art -, die zu den schopferischen Wesenheiten gehoren; wahrend der
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Mensch noch lange in der Evolution wird arbeiten miissen, bis er zum
Range einer schopferischen Wesenheit aufsteigt. Wir wollen insbeson-
dere eine Klasse derjenigen Wesenheiten ins Auge fassen, die an dem
Aufbau unseres Weltsystems beteiligt waren, als die Erde als Saturn
ihre Entwickelung in unserer Welt begann.
Unsere Erde begann als Saturn ihre Entwickelung und ging durch
die Sonnen- und Mondentwickelung vorwarts bis zu ihrer heutigen
Gestaltung. Damals, als unsere Erde Saturn war, da war allerdings
auf diesem Saturn- Weltenkorper alles ganz anders als auf unserem heu-
tigen Erdenplaneten. Auf dem Saturn war das nicht vorhanden, was
wir feste Gesteinsmassen, mineralische Welt im heutigen Sinne nennen;
es war aber auch kein Wasser im heutigen Sinne vorhanden, nicht ein-
mal Luft, sondern das, was von den heutigen Elementen der Erde da-
mals vorhanden war, laBt sich nur vergleichen mit der Warme, mit dem
«Feuer», wie wir im Okkultismus sagen. Zwar wiirden Sie auch keine
richtige Vorstellung bekommen, wenn Sie sich denken wiirden, dieses
Saturnfeuer habe ausgesehen wie eine heutige Kerzenflamme oder wie
eine Gasflamme. Eine richtige Vorstellung erhalten Sie, wenn Sie sich
besinnen, was in Ihrem eigenen Leibe auf und ab pulsiert, wenn Sie
sich darauf besinnen, welcher Grundunterschied in dieser Beziehung
besteht zwischen einem niederen Tierwesen, welches gewisse Stufen
der Entwickelung bewahrt hat, und dem Menschen. Ein niederes Tier-
wesen hat die Warme seiner Umgebung. Ein Amphibium hat keine
eigene innerliche Warme, sondern es hat die Warme seiner Umgebung,
es ist so kalt oder so warm wie seine Umgebung. Der Mensch hat seine
eigene innerliche, gleiche Warme, wie er sie haben muB. Sein Organis-
mus muB dafiir sorgen, daB wenn es auBerlich kalt ist, er trotzdem seine
Warme auf einer gewissen Hohe erhalten kann, und Sie wissen, wenn
Storungen eintreten in dieser eigenen Warme wie Fieber und so weiter,
daB da auch eine Stoning der Gesundheit des physischen Korpers vor-
liegt. Sie wissen, es handelt sich darum, daB der Mensch innerlich das
MaB seiner Warme hat, und er muB dieser innerlichen Warme zu-
grundeliegend etwas wie eine Kraft denken, die diese Warme erzeugt.
Diese Kraft ist nicht Wasser, nicht Erde, nicht Luft, sondern ein Ele-
ment fur sich, und dieses Element war allein auf dem alten Saturn, der
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ersten Verkorperung unserer Erde, vorhanden. Wenn Sie dazumal im
Weltenraum spazieren gegangen waren - das ist natiirlich eine Phan-
tasie, aber sie ist gut, um sich eine Vorstellung zu bilden, wie es war -,
hatten Sie den Saturn nicht gesehen; denn Licht hat er in seinem alte-
sten Zustand gar nicht verbreitet. Dazu miissen die Weltenkorper erst
eine Sonne werden oder mit einer Sonne in eine Verbindung treten,
um leuchtend zu werden. Wenn Sie sich dem alten Saturn genahert
hatten, so wiirden Sie in seiner Nahe bemerkt haben: da ist Warme!
Sie wiirden an irgendeiner Stelle bemerkt haben, daB es warm wiirde,
und Sie wiirden denken, da ist irgendein Raum mit Warme erfullt; wie
in einen Backofen hinein wiirden Sie gehen. Allein durch diese Kraft
der Warme hatte sich das Dasein des alten Saturn angekiindigt. Das ist
ein feiner materieller Zustand, von dem sich der heutige Mensch kaum,
am wenigsten ein gelehrter Physiker eine richtige Vorstellung machen
kann; aber er ist vorhanden, ein Zustand, feiner als ein Gas, feiner als
die Luft, und alles, was damals vom Menschen vorhanden war, namlich
die ersten Anlagen zum physischen Leibe, bestand aus diesem Stoff.
Wenn Sie heute alles von sich entfernen konnten auBer Ihrer Blut-
warme, dann wiirden Sie jene ersten Anlagen des Menschen wieder
vor sich haben. Aber das konnte nicht sein, weil man so nicht leben
kann. Heute ist es nicht moglich, mit diesem Mineralreich, Wasser-
reich und so weiter so zu leben, wie der Mensch auf dem alten Saturn
gelebt hat. Damals konnte man es. So miissen Sie sich also heute alles
dasjenige entfernt denken, was Sie zum Beispiel an Saften, an Gewe-
ben, an festen Bestandteilen an sich haben, miissen auch absehen von
dem, was Sie als Sauerstoff von der Luft einsaugen. Sie miissen sich
denken, daB von Ihnen einzig und allein die Warme, die in Ihrem
Blute enthalten ist, iibrigbleibt, natiirlich auch in einer ganz anderen
Gestalt: ein physischer Mensch, der nur aus Warme besteht! Es ist
eine grauenhafte Vorstellung fur einen heutigen Naturforscher, aber
darum eine um so richtigere und realere!
So war die Anlage des Menschen, seines physischen Leibes. Auf die-
sem Saturn waren alle anderen Wesen, die heute auf der Erde sind, wie
Tiere, Pflanzen und Mineralien, nicht vorhanden. Der Saturn bestand
dazumal aus lauter Menschenanlagen, die so zusammengeballt waren,
65
wie die kleinen Beerchen einer Brombeere eine groBere bilden: ebenso
war die Saturnmasse eine groBe Beere, aus lauter Beerchen zusammen-
gesetzt, die Menschen waren. Eine solche Kugel war dieser alte Saturn.
Wenn wir nun die Umgebung dieses Saturn priifen wiirden, wie wir
etwa die Umgebung unserer Erde priifen, und finden, daB sie umgeben
ist von einem Luftmantel, in dem Gebilde vorkommen wie Nebel, Wol-
ken und so weiter, so wiirden wir in der Umgebung des Saturn nicht
Dinge materieller Art finden; aber wir wiirden in dem Saturnmantel
geistige Substanzen, geistige Wesenheiten finden, die durchwegs hohe-
rer Art sind, als der Mensch auf dem Saturn dazumal in seiner ersten
Anlage war.
Wir wollen uns nun beschaftigen mit einer bestimmten Art von
Wesenheiten, die mit dem Saturndasein verkniipft waren. Da finden
wir die Geister des Willens, dann die Geister der Weisheit, Geister der
Bewegung, der Form, der Personlichkeit, die Geister der Sonne des
Feuers und die Geister der Sonne des Zwielichts. Wir wollen heute ins-
besondere die Geister der Form ins Auge fassen, weil sie, wie wir sehen
werden, eine wichtige Rolle im Beginne unserer jetzigen Erdenent-
wickelung gespielt haben. Aus der ganzen Reihe der geistigen Wesen-
heiten, die in der Atmosphare und in der Umgebung des Saturn vor-
handen waren, wollen wir also die Geister der Form herausheben und
uns klar sein, daB diese Geister der Form bis heute ebenso eine Ent-
wickelung durchgemacht haben, wie alle Wesen eine Entwickelung
durchmachen. Wie der Mensch auf der Sonne den Atherleib, auf dem
Monde den Astralleib, auf der Erde das Ich erhalten hat und dadurch
immer vollkommener geworden ist, so haben auch die Geister der
Form ihre Entwickelung durchgemacht.
Diese Geister der Form hatten auf dem Saturn keinen physischen
Leib. Sie waren dort so beschaffen, daB sie als unterstes Glied ihrer
Wesenheit einen Atherleib hatten, den man vergleichen kann mit dem
Atherleib des Menschen. Den physischen Leib muBten wir uns also
vollstandig wegdenken und uns bei den Geistern der Form als unterstes
Glied ihrer Wesenheit den Atherleib vorstellen. Dann haben diese
Wesenheiten einen astralischen Leib, ein Ich, Geistselbst oder Manas,
Lebensgeist oder Buddhi, Geistesmensch oder Atman, und ein achtes
66
Glied, das um einen Grad hoher ist als dasjenige, was der Mensch im
Laufe seiner Entwickelung durch die Erdenverkorperungen hindurch
erreichen kann. Diese Geister der Form wirken also nach auBen auf
dem Saturn geradeso durch ihren Atherleib, wie der Mensch auf der
Erde nach auBen wirkt durch seinen physischen Leib. Sie haben nicht
Hande, durch die sie auf dem Saturn arbeiten, nicht FiiBe, mit denen
sie gehen konnen und so weiter; denn das alles sind Glieder des phy-
sischen Leibes. Aber ihr Atherleib auBert sich so, daB sie von dem
Saturnmantel herein fortwahrend in sehr feiner Materie befruchtende
Lebenssafte hereinstrahlen. Wir konnen uns den Saturn vorstellen, wie
wir ihn beschrieben haben, und aus der Umgebung - fortwahrend und
von alien Seiten -, aus den Atherleibern der Geister der Form befruch-
tende Lebenssafte wie einen Regen hereinstrahlend auf den Saturn. Der
Saturn selber hatte eine solche Eigenschaft, daB er diese befruchtenden
Lebenssafte nicht etwa behielt, sondern daB er sie wie ein Spiegel fort-
wahrend zuriickstrahlte. Dadurch entstehen - jetzt beschreibe ich ge-
nauer dasjenige, was ich in friiheren Vortragen schon erwahnt habe -
jene Spiegelbilder des Saturn, von denen ich Ihnen gesprochen habe.
Sie konnen sich die warme Materie des Saturn vorstellen, wie sie fort-
wahrend die Strahlen der Atherleiber der Geister der Form empfangt,
und diese wieder zuriickstrahlt. Grob konnen wir uns ein Bild davon
machen, wenn wir uns vorstellen, wie der Regen aus den Wolken auf
die Erde herniedertraufelt, in der Erde sich wiederum sammelt und als
Diinste wieder hinaufsteigt. Wir mussen uns dies aber nicht so vor-
stellen, daB wir eine Zeit dazwischen haben, sondern uns diesen Vor-
gang ohne eine Zeit dazwischen vorstellen: wie die iippig wuchern-
den Lebenssafte hineinstromen und wieder zuriickgespiegelt werden, so
daB sich die Bildungen des Saturn, die ersten Anlagen der menschlichen
physischen Leiber, wie Spiegelbilder ausnehmen. Sie sind eigentlich aus
Spiegelbildern bestehend. Es ist ein gutes Bild fur das, was als die
physische Anlage des Menschen auf dem Saturn vorhanden war, wenn
Sie sich einen Menschen vor sich stehend vorstellen und ihm ins Auge
schauen: Sie senden Ihr Licht in das Auge des anderen, und Ihr Bild
kommt Ihnen aus seinem Auge entgegengestrahlt. So war es mit den
Geistern der Form in der Umgebung des alten Saturn. Sie sandten ihre
67
lebenspendenden Safte herunter in die Warmemasse des Saturn, und
es spiegelte sich ihre eigene Gestalt, ihr Ebenbild in dieser Warme-
masse; und dieses Spiegelebenbild waren die ersten Anlagen des mensch-
lichen physischen Leibes. Schon auf dem alten Saturn war der Mensch
im wortlichsten Sinne ein Ebenbild seiner Gottheit.
Wenn wir nun weiterschreiten bis zur Sonne, die aus dem alten
Saturn entstand, dann geschieht diese Weiterbildung dadurch, daB die
Geister der Form einen Ather- oder Lebensleib nicht mehr notig ha-
ben; sie geben den Atherleib ab. Sie strahlen nun nicht mehr herun-
ter die befruchtenden Lebenssafte, sondern sie geben den Atherleib
ab, und dadurch durchdringen sich die ersten physischen Anlagen der
Menschen mit dem Atherleib. Der Atherleib, den die Menschen auf der
Sonne bekommen haben, ist zunachst aus dem Atherleibe der Geister
der Form herausgebildet, ein Stuck des Atherleibes der Geister der
Form. Diese himmlisch-geistigen Wesenheiten haben sich in dem war-
men Saturn gespiegelt und sind allmahlich dadurch, daB sie ihm Opfer
gebracht haben und Bilder geschaffen haben, selbstandiger geworden,
sind zu der groBeren Tat fahig geworden, ihren Atherleib abzulegen,
ihn hinzuopfern, und das, was sie zuerst als Bild gestaltet haben, jetzt
mit Leben, mit eigener Lebenskraft zu durchdringen. Wenn Sie das
Spiegelbild, das Ihnen aus dem Auge Ihres Mitmenschen entgegenstrahlt,
mit Leben begaben konnten, es selbstandig machen, so daB es eigenes
Leben hatte und hinaustreten konnte aus dem Auge, so wiirden Sie eine
Tat haben, die die Geister der Form vollbrachten beim Ubergang vom
alten Saturn zur Sonne. Es war dies ein bedeutsamer Fortschritt fur
unsere kosmische Entwickelung.
Sie wissen ja - ich will dies hier nur einflechten -, daB alle Sagen
und Mythen immer eine vielfache Bedeutung haben, und wenn wir
die wahren Tatsachen der Weltenentwickelung im geistigen Sinne uns
vor das Auge stellen, so treten uns die Mythen in einer uberraschenden
Weise in ihrer Wahrheit entgegen. So kann es auch jetzt geschehen mit
einer Mythe.
Betrachten wir den Fortschritt, der geschieht vom Saturn zur Sonne
heriiber. Auf dem alten Saturn war es so, daB die lebenspendenden
Krafte einstrahlten, zuriickgeworfen wurden und wieder aufgenommen
68
wurden von dem Mantel, von der Atmosphare des Saturn. In der alten
griechischen Mythe hat man die warme Kugel des Saturn «Gaa» ge-
nannt und die Atmosphare den «Kronos». Betrachten Sie jetzt die
Mythe: Fortwahrend strahlen hinein die lebenspendenden Krafte von
Kronos auf die Gaa, auf den Saturn, und gehen wieder zuriick, werden
aufgesogen. Es ist Kronos, der fortwahrend seine eigenen Kinder ver-
schlingt! Es muB eine solche Wahrheit einer Mythe gefuhlt werden.
Fiihlt man sie nicht, so hat man gar nicht die richtige Stellung dazu.
Denn bedenken Sie nur einmal, was es heiBt, daB wir in der grauen
Vorzeit des alten Griechenland einen Mythos fmden, der uns diese
Wahrheit in wunderbarer Weise im Bilde darstellt! Es gibt nur eine
einzige Moglichkeit fur die Erklarung einer solchen Tatsache, und das
ist die: Die vorgeschrittensten Individuen der Menschheit, die in den
Mysterien die Fortentwickelung der Menschheit leiteten, wuBten ge-
nau dasjenige von der Weltentwickelung, was wir heute in der Theo-
sophie verkiindigen. Genauso wie wir hier reden uber diese Dinge, so
wurde in den alten Mysterien Griechenlands geredet, und fur die gro-
Ben Massen wurden diese Wahrheiten in Bilder gehullt, und diese Bil-
der bildeten dasjenige, was wir heute als Mythos kennen. Sonderbar
nehmen sich einer solchen Erkenntnis gegemiber die Menschen aus, die
da glauben, daB erst in den letzten vierzig Jahren die Wahrheit von den
Menschen entdeckt worden ist, und daB alles das, was fruhere Zeiten
gekannt haben, nur die Begriffe einer kindlichen Phantasie sind. Aber
als eine kindliche Vorstellung muB man es gerade bezeichnen, wenn
immer wieder betont wird: Wie wir es heute so herrlich weit gebracht
haben. - Das ist die wahrhaft kindliche Vorstellung!
So schreiten wir also vor von dem Saturn zur Sonne und betrachten
die Entwickelung der Geister der Form weiter. Ihren Atherleib haben
sie abgelegt, von sich «ausgespritzt» und dem Korper der Erde mit-
geteilt, indem sich die Menschenleiber mit dem Atherleib der Geister
der Form durchsetzt haben. Sie selbst haben als niederstes Glied ihrer
Wesenheit jetzt den astralischen Leib, und ihre Hoherentwickelung
bedeutet, daB sie nicht nur ein Glied uber dem Geistesmenschen oder
Atman haben, sondern noch ein weiteres Glied; so daB wir jetzt ihre
Wesenheit bezeichnen mussen mit Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebens-
69
geist, Geistesmensch, ein achtes Glied und ein neuntes Glied, die er-
haben sind iiber das, was der Mensch zunachst in seiner vollstandigen
siebengliederigen Entwickelung erlangen kann.
Was bieten die Geister der Form fur eine «AuBenseite»? Die Geister
der Form um den Saturn herum haben sozusagen den «Lebensregen» auf
den Saturn herabgetraufelt. Die Geister der Form auf der Sonne auBern
sich durch die auf die Sonne einstrahlenden Triebe, Begierden, Leiden-
schaften, durch alles dasjenige, was im astralischen Leibe verankert ist.
Wer auf der Sonne gesessen und hinausgesehen hatte in den Welten-
raum, er wiirde nicht Blitze haben zucken sehen und Donner rollen
horen, sondern er wiirde um sich herum in astralischem Lichte die Lei-
denschaften geistiger Wesenheiten wahrgenommen haben — ringsherum
iiberall Leidenschaften -, und Sie miiBten sich nicht etwa nur niedrige
Leidenschaften vorstellen. Diese Leidenschaften, diese Affekte rings-
herum schufen nun von auBen herein weiter an dem Planeten. Wenn
wir die Mythe weiter betrachten, so sehen wir formlich innerhalb un-
serer Erdentwickelung die schaffenden «Titanen», die schaffenden Lei-
denschaften, die von auBen herein wirken, von den geistigen Luft-
kreisen der Sonne, als diese ein Planet war.
Nunmehr schreiten wir weiter zum Mond - die Sonne verwandelt
sich in den Mond. Das bedeutet im Laufe der Entwickelung, daB die
Geister der Form nun auch ihren astralischen Leib ablegen und daB ihr
niederstes Glied das Ich ist. Wenn wir ihr Wesen beschreiben wollten,
wiirden wir sagen: Wie der Mensch als niederstes Glied den physischen
Leib hat, so haben diese Geister der Form, die um den Mond herum
leben, als niederstes Glied das Ich, haben dann Geistselbst, Lebensgeist,
Geistesmenschen, ein achtes, ein neuntes Glied und dann noch ein zehn-
tes Glied. So bieten sie also nach auBen hin ihr Ich dar. Es ist sehr
merkwiirdig, aber es ist so: sie bieten nach auBen hin lauter Iche dar;
sie strotzen formlich von lauter Ichen nach auBen. Alle Betatigung in
der Umgebung des Mondes ist so, wie wenn Sie Wesen gegeniibertraten,
die Ihnen alle ihre Individualist, alle ihre Eigenheit auBern. Das ge-
schah von der Atmosphare des Mondes her. Denken Sie sich einmal,
alle Ihre Iche, die in Ihren physischen Leibern hier sind, wiirden plotz-
lich befreit vom physischen Leibe; der physische Leib, der Atherleib,
70
der astralische Leib waren weg, nur Ihre Iche waren da als das nie-
derste Glied, und sie konnten sich durch den Raum hindurch auBern.
Denken Sie sich selbst auf dem alten Monde und Ihre Iche drauBen
in der Welt, aber so, daB diese Iche eingebettet waren in die geistigen
Substanzen, nur die niedersten Glieder der Geister der Form aus der
Luft herein wirkend: dann wiirden Sie eine Vorstellung haben, wie
die Geister der Form sich als lauter Iche auBern aus dem Raum her-
ein. Ihren astralischen Leib, den sie auf der Sonne noch hatten, haben
sie an die Menschen abgegeben, so daB der Mensch jetzt auf dem
Monde besteht aus physischem Leib, Atherleib und astralischem Leib.
Wir wollen uns, damit wir uns in diese Sache gut hineinversetzen,
einmal eine kleine Skizze in folgender Art davon machen. Wir wollen
uns vorstellen, daB dies der Saturnmensch sei, der Saturnmensch, der
die ersten Anlagen des physischen Leibes hat. fiber ihm schwebend
miissen wir uns Wesenheiten denken, die die Geister der Form sind, die
einen Atherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch
haben, bis hinauf zum achten Glied.
,^T7i 6eister Jer Form
y<V,,,,^/ / Atherl
\> y /
eit>
'"'It,,,,,!/''
//"""',„
/ \ Saturn
''in*''
Jetzt miissen wir uns den nachsten Zustand denken. Beim Sonnen-
menschen haben wir den physischen Leib und den Atherleib. Der
Atherleib war dadurch in den Menschen hineingekommen, daB die
71
Geister der Form ihren Atherleib ausgegossen haben und nur ihren
Astralleib behalten haben, so daB die Geister der Form ihren Astral-
leib haben, ihr Ich, und weiter hinauf bis zum neunten Gliede.
Dann gehen wir zum Mond. Wir haben den Menschen aus phy-
sischem Leib, Atherleib und Astralleib bestehend, und der astralische
Leib ist nur dadurch entstanden, daB die Geister der Form ihren
astralischen Leib hingeopfert und jetzt als ihr unterstes Glied das Ich
haben, dann Geistselbst und so weiter bis hinauf zum zehnten Glied.
Dadurch ist alles dasjenige, was wir «Mensch» nennen, allmahlich
heruntergeflossen aus der Umgebung des Planeten, von auBen her zu-
sammengesetzt worden. Alles, was innen ist, war einmal auBen und hat
sich in den Menschen hineinbegeben.
Verfolgen wir jetzt die Entwickelung auf der Erde selber: Im Beginn
der Erdenentwickelung hat der Mensch seinen physischen Leib als An-
lage, dann seinen Atherleib und astralischen Leib. Die Geister der Form
kommen heriiber vom Monde. Ihr niederstes Glied ist das Ich; dieses
Ich opfern sie jetzt auch noch hin und befruchten den Menschen in
seiner Anlage mit dem Ich, so daB das Ich, wie es auf der Erde auftritt,
eine befruchtende Kraft ist, die jetzt ausstromt von den Geistern der
Form; und die Geister der Form behalten als niederstes Glied ihrer
Wesenheit das Geistselbst oder Manas. Wenn wir sie also beschreiben
wollten, muBten wir sagen: fiber uns walten in unserer Umgebung in
der Erdenatmosphare die Geister der Form. Ihr niederstes Glied ist
Geistselbst oder Manas, in dem leben und weben sie, und geopfert
haben sie dasjenige, was sie noch auf dem Monde hatten, das nach alien
Seiten wirkende Ich. Das traufelte herunter und befruchtete den
Menschen.
72
Nun wollen wir einmal diesen Gang des Menschen auf der Erde
selbst verfolgen. Man kann am Menschen die Stelle angeben, wo das
Ich eingetraufelt wird; wir wollen das aber heute nur schematisch be-
trachten. Der Mensch empfangt sein Ich. Es trifft natiirlich dieses Ich
zuerst seinen astralischen Leib, der ihn ja wie eine aurische Hiille um-
gibt; da flieBt es zunachst ein, durchdringt diesen astralischen Leib. Das
ist zu der Zeit, die wir die «lemurische» nennen. In der lemurischen
Zeit, im Laufe langer Zeitraume, verschieden bei verschiedenen Men-
schen, zieht dieses Ich zuerst in den astralischen Leib ein und befruchtet
ihn. Stellen wir uns also jetzt einmal diesen fortentwickelten Men-
schen vor.
Der physische Leib hat damals durchaus nicht so wie heute aus
Knochen, Fleisch und Blut bestanden, sondern es war eine ganz weiche
Anlage, auch noch ohne Knorpel, und durchzogen wurde dieser Leib
wie von magnetischen Stromen. So war der physische Leib da, dann
war da der Atherleib als der nachste, und dann der astralische Leib,
der mit dem Ich befruchtet wird. Diese Befruchtung miissen wir uns so
vorstellen, daB etwas wie ein Loch, wie ein Einschnitt am astralischen
Leib entsteht, wie eine Einstulpung. Das ist tatsachlich auch der Fall,
daB so etwas wie eine Offnung oben am astralischen Leib entsteht durch
den HineinfluB des Ich, eine Offnung bis auf den Atherleib (siehe
Zeichnung S. 74). Das hat eine groBe Bedeutung und eine groBe Wir-
kung gehabt, und die Folge davon ist, daB die erste dammerhafte Wahr-
nehmung einer physischen AuBenwelt auftritt. In friiheren Zustanden
nahm der Mensch nichts anderes wahr, als was in seinem Inneren lebte;
er war wie hermetisch nach auBen abgeschlossen. Nur sich selbst nahm
er wahr, und was in seinem Inneren vorging. Jetzt erst offnete sich ihm
der Blick auf eine physische AuBenwelt. Ganz selbstandig war aber
der Mensch noch nicht. Vieles wurde fur ihn noch reguliert von anderen,
gottlichen Wesenheiten, mit denen er im Zusammenhang stand. Es war
noch nicht so, daB der Mensch gleich alles sehen konnte, was um ihn
herum war, so wie es heute der Fall ist; sondern weil nur sein astra-
lischer Leib geoffnet war, nahm er auch nur mit diesem Leibe wahr.
Es war das ein ganz dammerhaftes Hellsehen, das darin bestand, daB
wenn in dieser alten Vorzeit der Mensch sich hinbewegte iiber die Erde,
73
er dasjenige wahrnahm, was auBer seiner Korperlichkeit war, und
zwar, insofern es ihm sympathisch oder unsympathisch, niitzlich oder
schadlich war. Er nahm, wenn er sich so hinbewegte, zum Beispiel em
grellrotes Farbenbild wahr, das als ein aurisches Farbenbild aufstieg;
denn es war erst sein astralischer Leib geoffnet. Jetzt wuBte er, wenn
da ein rotes Farbenbild aufstieg: da ist ein Wesen in der Nahe, das
mir gefahrlich ist! Und wenn ein blau-rotes Farbenbild ihm entge-
gentrat, wuBte er, daB er da hingehen konnte. So richtete er sich nach
diesen dammerhaften hellseherischen Wahrnehmungen. Nur das See-
lische nahm er wahr; dasjenige, was zum Beispiel in den heutigen
Pflanzen vorhanden ist, nahm er noch nicht wahr. Nur das, was als
Seelisches in anderen Menschen und in den Tieren vorhanden war, und
allerdings auch die Gruppenseelen, nahm er wahr. Das war also die
erste Befruchtung mit dem Ich.
Dieses Ich gestaltete sich allmahlich immer weiter, und zwar so, daB
das, was als Befruchtungselement hineinkam in den astralischen Leib,
diesen immer mehr durchzog; so daB das Ich immer mehr in den Ge-
fuhlen der Lust und der Unlust des astralischen Leibes vorhanden war.
Indem so das Ich sich ausbreitete im astralischen Leibe, entstand das,
was man in meinem Buche «Theosophie» als Empfindungsseele bezeich-
net findet. Das ist die Empfindungsseele, die da entstand. Es ist so,
wie wenn das befruchtende Ich seine Kraft ausbreitete iiber den ganzen
astralischen Leib und dadurch die Empfindungsseele bewirkte.
''//////<<>>'//'
Nun werden wir hier eine wichtige Sache noch einzufiigen haben.
Wir haben jetzt einen ziemlich normalen Gang der Entwickelung ge-
sehen. Wir haben gesehen, wie auf dem alten Mond die Geister der
Form ihr niederstes Glied, ihr Ich, hineingestrahlt haben, und wie sie,
als aus dem Mond die Erde geworden war, dieses Ich abgegeben haben
und dadurch den Menschen befruchtet haben mit dem Ich. Nun wissen
74
wir, daB auf dem Monde gewisse Wesenheiten zuriickgeblieben sind,
welche mit ihrer Entwickelung auf dem Monde nicht fertig geworden
sind. Was heiBt das? Das heiBt, sie sind nicht bis zu der Stufe vor-
geschritten, daB sie die Fahigkeit erlangt haben, ihr Ich ausstromen zu
lassen und damit den Menschen zu befruchten. Das konnten sie nicht.
Sie standen noch auf der alten Mondenstufe, als sie mit ihrem Ich
hineinwirkten in die Atmosphare der Erde. Es waren in der Umgebung
des Menschen zuriickgebliebene Wesenheiten, die so wirkten, wie die
Art der Geister der Form auf dem Monde war; so wirkten diese zu-
riickgebliebenen Wesen auf der Erde. Der Mensch war in der Atmo-
sphare der Erde umgeben von Ich-Wesenheiten, die noch nicht ihre
Iche abgegeben hatten. Diese Wesenheiten streben jetzt danach, das
letzte, was sie auf dem Monde tun muBten, jetzt auf der Erde tun zu
konnen. Dadurch war der Mensch Einflussen ausgesetzt, die hier in
der normalen Entwickelung nicht zu ihm gehort hatten. Diese Einflusse
der Ich-Geister strahlten ein in seinen astralischen Leib. Wahrend durch
das eingetraufelte Ich der Geister der Form sein astralischer Leib um-
gestaltet wurde, strahlten ihm zu gleicher Zeit die Ich-Geister, die es
nicht bis zum Standpunkte der Geister der Form gebracht hatten,
niedrigere Krafte zu, als ihm in normaler Entwickelung hatten ein-
gestrahlt werden mussen. Diese niedrigeren Krafte bewirkten, daB der
Mensch zerfiel in einen hoheren und in einen niederen Teil. So haben
wir durch das Eintraufeln des Ich von selten der Geister der Form
das zur Selbstlosigkeit angelegte Ich, und durch das, was durch die
zuriickgebliebenen Ich-Geister eingetraufelt wird, das andere, zur
Selbstigkeit, zum Egoismus veranlagte Ich. Das ist das Ich, das noch
nicht los will von den Instinkten, Begierden und Leidenschaften. Die
dringen darin ein und durchsetzen den astralischen Leib, so daB im
menschlichen astralischen Leib zweierlei vorhanden ist: selbstlose
Triebe, solche, die hoher hinauf wollen, und solche Leidenschaften,
die von Selbstsucht durchsetzt sind; die sind in den Menschen durch
den EinfluB der Ich-Geister hineingekommen und verankern sich in
ihm.
Nun wollen wir die Entwickelung selbst weiter betrachten. Wir
haben gesehen, wie der astralische Leib von der Kraft des herabge-
75
traufelten Ich ganz durchsetzt worden ist. Das nachste ist nun, daB
der Atherleib auch von dieser Kraft ergriffen wird, so daB im Ather-
leib ebenfalls eine Art Loch nach der AuBenwelt entsteht. Wenn wir
das zeichnen wollen, so mussen wir das so tun, als ob wir in der Mitte
einen physischen Leib haben, dann einen durchbrochenen Atherleib,
der von der Kraft des Ich ganz ausgefullt wird, und dann den astra-
lischen Leib, der ja auch von der Kraft des Ich ausgefullt wird. So
haben wir jetzt im Atherleib die Kraft, die nach auBen will: der
Atherleib offnet sich der AuBenwelt (siehe Zeichnung).
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Wir stehen jetzt ungefahr bei der Gestaltung des Menschen im ersten
und zweiten Drittel der atlantischen Zeit. Da war noch ein altes Hell-
sehen vorhanden, aber nicht so, daB nur das Niitzliche und Schadliche,
das Sympathische und Unsympathische in Bildern gesehen wurde;
sondern es traten so etwas wie lebendige Traumbilder vor dem Men-
schen auf, die lange stehenblieben. Denn der Atherleib ist der Trager
des Gedachtnisses, und da diese Menschen noch keine Storung von
Seiten des physischen Leibes hatten, haben sie solche Bilder, die sie von
auBen aufnahmen, ungeheuer lange behalten. Das Gedachtnis war da-
mals eine ganz besonders hervorragende Seelenkraft. Sie konnen in
«Aus der Akasha-Chronik» lesen, was die Menschen in dieser Bezie-
hung damals waren. Es ist zwar noch immer nicht ein vollstandiges
Anschauen der AuBenwelt, sondern eine Art dammerhaften Hellse-
hens. Dieses ist aber umfassender als die Wahrnehmung durch den
astralischen Leib. Es umfaBt mehr, laBt alles in gewaltigen Bildern,
die deutlich geformt sind, erstehen wie ein Traum, aber schon den
auBeren Gegenstanden entsprechend; wahrend fruher die Bilder nur
dazu dienten, dem Menschen zu sagen, wie er sich verhalten sollte, ob
er diese oder jene Richtung nehmen sollte. Die auBeren Gegenstande
wurden aber noch nicht gesehen.
76
Jetzt schreiten wir noch weiter und kommen in das letzte Drittel
der atlantischen Zeit. Jetzt wird nicht nur der astralische Leib und der
Atherleib, sondern auch der physische Leib von der Kraft des Ich
ergriffen (siehe Zeichnung). Es entsteht im physischen Leibe die An-
lage zu einer Ausbuchtung. Der physische Leib wird ausgebuchtet, und
um ihn herum haben wir den Atherleib und den astralischen Leib. Wir
wollen uns das ganze jetzt schematisch vorstellen; im Laufe der nach-
sten Vortrage werden wir die Wirklichkeiten dafiir kennenlernen. In
einer gewissen Weise war also eine solche Art von Ausbuchtung einge-
treten. Der physische Leib nahm das Ich in sich auf. Zwischen den
Augenbrauen liegt der Punkt — ich habe Ihnen ofter davon gespro-
chen -, wo das Ich aufgenommen wird. Bei dieser Offnung, die durch
die Durchdringung des physischen Leibes mit dem Ich zustande kommt,
miissen wir besonders denken an das offnen der physischen Sinne.
Das Ich durchdringt das Auge, das Gehor; das ist nicht bloB eine Off-
nung, sondern es sind eine ganze Reihe von Offnungen. Das alles ge-
schieht im letzten Drittel der atlantischen Zeit, und dadurch erst wird
der physische Menschenleib so umgestaltet, daB er zu dem wird, was
er heute ist.
Wir nennen nun den umgestalteten Atherleib, wie er sich in der
ersten atlantischen Zeit gebildet hat, die «Verstandesseele» oder «Ge-
miitsseele», und den umgestalteten physischen Leib nennen wir die
«BewuBtseinsseele». Da haben Sie also als eine Folge der Evolution
dargestellt, was Sie in meiner «Theosophie» geschildert finden, so wie
es heute ist. Hier sehen Sie, wie die Dinge sich nach und nach gebildet
haben.
Jetzt ist auch der physische Leib nach auBen geoffnet und der
Mensch lernt jetzt die AuBenwelt erst wirklich kennen, und nun be-
77
ginnt die bewuBte Umgestaltung des astralischen Leibes. Vorher war
alles mehr oder weniger eine unbewuBte Umgestaltung; denn die Be-
wuBtseinsseele ist jetzt erst da. Wollen wir uns diesen Zustand vorstel-
len, so miissen wir ihn uns schematisch so denken: aufgeschlossen den
astralischen Leib, den Atherleib und den physischen Leib, und dadurch,
daB der Mensch mit der AuBenwelt in Beziehung tritt, bildet er in sich
hinein einen Einschlag. Das ist alles dasjenige, was das Ich am Verkehr
mit der AuBenwelt entwickelt, was das Ich lernt wahrend des Ver-
kehrs mit der AuBenwelt. Denken Sie sich nun, das Ganze, was das
Ich so entwickelt, wird immer groBer und groBer, und es ist tatsachlich
so - es ist das zwar schematisch, aber durchaus dem wirklichen Vorgang
entsprechend -, daB dieses neue Gebilde, das der Mensch nach und
nach entwickelt, sich hier herumlegt um seinen astralischen Leib und
sich mit seinem astralischen Leib vereinigt und dann im Laufe der Ent-
wickelung diesen selber umgestaltet zu dem eigentlichen menschlichen
Manas oder Geistselbst (siehe Zeichnung). Bei dieser Arbeit ist der
Mensch heute, indem er durch das, was er durch seinen Verkehr mit
der AuBenwelt erlangt, seinen astralischen Leib zu Manas oder Geist-
selbst umgestaltet. In diesem ProzeB stehen wir noch gegenwartig dar-
innen. Uberall aber sind wir dadurch, daB die Geister der Form das Ich
abgegeben und dem Menschen eingetraufelt haben, mit diesen Geistern
der Form umgeben als mit Wesenheiten, deren niederstes Glied ein
manasisches, das Geistselbst, ist. Wenn wir also in unserer Umgebung
nach diesen Geistern der Form, nach ihrem niedersten Gliede suchen
wollen, so finden wir es in dem, was wir selbst als das funfte Glied
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78
nach und nach entwickeln. Was wir als menschliche Weisheit ent-
wickeln, wodurch wir immer weiser und weiser werden miissen, das
miiBten wir als niederstes Glied der Geister der Form in unserer Um-
gebung geauBert finden. Betrachten wir einmal, was erhabenere, ho-
here Wesenheiten um uns gemacht haben, woran wir noch keinen
Anteil haben. Sehen wir uns, ich habe es schon oft erwahnt, ein Stiick
Oberschenkelknochen an, worin Balkenlagen, die hin- und hergehen,
zu einem wunderbaren Geriist zusammengefiigt sind, so daB wir uns
sagen miissen: weisheitsvoll ist hier mit dem kleinsten AusmaB des
Stoffes das groBte MaB von Kraft erreicht! Was der Mensch allmah-
lich in seiner Weisheit erlangt, das sehen wir da hineingeheimniBt. Der
Mensch wird allmahlich lernen - was er heute noch nicht kann -, durch
seine Ingenieurkunst Briickengeriiste zu bauen, die Weisheitsformen
sein werden, die so weise eingerichtet sein werden, wie die Oberschen-
kelknochen als Pfeiler den menschlichen Oberkorper tragen. So weise
ist auch der ganze menschliche Leib eingerichtet, ein Ausdruck und
eine Offenbarung der Weisheit, und wenn wir hinausgehen in die Na-
tur, tritt uns iiberall diese Weisheit entgegen. Gehen wir zum Beispiel
zu den Bauten, welche sich die Biber anlegen. Da sehen wir, wie sich
die Biber in gewissen Jahreszeiten zusammenfinden, wenn das Wasser
ein groBeres Gefalle erreicht, um unter einem bestimmten Winkel im
Wasser einen Bau aufzufuhren, wodurch sie das Wasser aufhalten und
ein neues Gefalle einrichten, alles technisch so richtig angelegt, als
wenn ihnen alle Hilfsmittel der Mathematik und sonstigen Wissen-
schaften dabei zu Gebote gestanden hatten. Uberall in unserer Umge-
bung finden wir alles angefullt und impragniert mit Weisheit, mit
dem, womit wir selbst impragniert sein werden, wenn wir Manas im
vollen Umfange entwickelt haben werden. Diese Weisheit, die wir
uberall finden, ist etwas, was zu den Gliedern der Geister der Form
gehort. Wie unser niederstes Glied der physische Leib ist, so ist die
Weisheit, die wir um uns herum finden, das unterste Glied der Gei-
ster der Form. Dann haben diese Geister der Form Buddhi, Atman, wo
wir unseren Atherleib und astralischen Leib haben, und dann noch das
achte, neunte, zehnte und elfte Glied. Sie sehen also, wir haben es hier
zu tun mit hoch erhabenen Wesenheiten, zu denen wir aufschauen,
79
und wenn wir die Weisheit in unserer Umgebung sehen, sehen wir
nur das letzte Glied dieser hoch erhabenen Wesenheiten. Wir sind ge-
geniiber diesen erhabenen Wesenheiten so wie ein Tier, ein niederes
Wesen, das am Menschen herumkriecht und nur den physischen Leib
an seiner AuBenseite sieht. Verzeihen Sie mir das Bild, den Vergleich! -
Wir kriechen auf der Erde herum und sehen die Weisheit, die fur die
Geister der Form so ist wie fur uns der physische Leib. Solch ein We-
sen ist dasjenige, was wir den schopferischen Geist dem Menschen ge-
geniiber nennen; denn dieser schopferische Geist hat ihm sein Ich einge-
floBt.
Genau ebenso wie wir uns zu dem Manas erheben auf die geschil-
derte Art, so werden wir uns einstmals erheben im weiteren Verlauf der
Entwickelung durch die Umgestaltung des Atherleibes: wir gliedern uns
den Lebensgeist, die Buddhi, ein. Wir haben in unserer Umwelt Manas
oder das Geistselbst als die in der Welt impragnierte Weisheit. Wie
das ein niederstes Glied geistiger Wesenheiten, der Geister der Form,
ist, so sind auch andere Wesenheiten verkmipft mit der Erde, deren
unterstes Glied nicht unser funftes, Manas, sondern unser sechstes Glied
ist, das heiBt der Lebensgeist oder die Buddhi. In unserem Umkreis ist
die Atmosphare fur solche Wesenheiten, deren letztes Glied — als
das Glied hoherer Wesenheiten — unserem Lebensgeist gleichkommt.
Und so wahr es ist, daB im Beginne der Erdentwickelung eine auBere
Tat dem Menschen das Ich eingetraufelt hat, so wahr ist es, daB in
einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung der erste Eindruck
und EinfluB derjenigen Wesenheiten auftrat, welche dem Menschen
nach und nach die voile Kraft der Buddhi eintraufeln. In der Zeit, in
der das Ich heruntertraufelte in alter, grauer Vorzeit, da war noch nach
zweitausend Jahren nicht viel von solchen Ichen zu bemerken, die in
den Menschenleibern waren. Das alles ging nach und nach. Im Laufe
von vielen Jahrtausenden kam erst diese Kraft des Ich voll zur Gel-
tung. Niemals darf man sich vorstellen, daB die Eintraufelung des
Ich ein solches Ereignis war, von dem jemand sagen konnte: Da ist
nichts Besonderes geschehen, das erkenne ich nicht an; das ist ein Er-
eignis, wie es sie auch vorher gegeben hat! - Wenn da irgendwelche
sonderbar «aufgeklarte» Geister zweitausend Jahre nach der Eintrau-
80
feiung des Ich auf der Erde gelebt und damals etwa einen Materialis-
mus begriindet hatten, so wurden sie gesagt haben: Ach, da gibt es
unter uns einzelne, die behaupten, eine besondere Kraft sei vom Him-
mel gekommen und habe alle Menschen vorwarts gebracht; aber das
ist ein Dualismus verwerflichster Art; wir miissen als Monisten er-
klaren, daB das etwas ist, was schon friiher da war! - Diese Dinge
traten allmahlich und langsam auf.
Ebenso wie im Beginne der lemurischen Zeit ein gewaltiger Ruck
vorwarts durch die Eintraufelung des Ich stattgefunden hat, wodurch
erst spater die Moglichkeit geworden ist, das Geistselbst oder Manas
auszubilden, ebenso gibt es ein Ereignis, welches eine grundlegende
Bedeutung hat, wodurch der Mensch fahig sein wird, innerhalb des
ganzen Menschen nicht nur Manas auszubilden, sondern den Lebens-
geist oder Buddhi. Und dieses Ereignis ist die Tat von Golgatha,
ist die Erscheinung des Christus auf der Erde! Es mag sein, daB diese
oder jene Leute das heute leugnen werden; aber dieses Ereignis ist
ebenso eine Wirkung aus der Umgebung, wie das andere eine Wirkung
aus der Umgebung war. So sehen wir, daB wir den Weltengang von
seiner geistigen Seite aus begreifen, wenn wir in die Tiefen dieser Welt
hineinsehen. Wir lernen allmahlich unseren Blick nicht nur zu einem
materiellen Dasein erheben; sondern wir entdecken iiberall, wo wir
hineinschauen in den Weltenraum, geistige Wesen und ihre Taten, und
durch das, was wir Theosophie nennen, lernen wir die Taten dieser
geistigen Wesenheiten kennen. Wir leben, weben und sind innerhalb
der geistigen Wesenheiten und ihrer Taten.
So wollen wir das nachste Mai noch etwas genauer auf den mensch-
lichen Organismus eingehen und wollen auf die Punkte hinweisen, wie
sie sich wirklich herausgebildet haben, nachdem wir sie heute mehr
schematisch betrachtet haben.
81
FUNFTER VORTRAG
Berlin, 16. Marz 1908
Das letzte Mai besprachen wir in groBen Zugen das Werden des Men-
schen im Zusammenhange mit dem Werden, mit der Entwickelung
des Kosmos. Man kann diese Dinge von den allerverschiedensten Ge-
sichtspunkten aus betrachten. Denn wenn wir so den geistig gescharf-
ten Blick zuriickschweifen lassen in Zeiten urferner Vergangenheit,
dann stellt sich uns eine nicht minder reiche Mannigfaltigkeit des Ge-
schehens dar als in unserer unmittelbaren Gegenwart; und man darf
nicht glauben, wenn man mit einigen Begriffen und Vorstellungen das
Geschehen, die Entwickelung charakterisiert hat, daB man dann schon
die Sache vollig begriffen, vollig dargestellt hatte. Es ist vielmehr not-
wendig, daB man auch diese Zeiten urferner Vergangenheit bis in
unsere Gegenwart hinein von den verschiedensten Gesichtspunkten
aus charakterisiert. Man wird dann immer klarer und klarer dariiber.
Man muB sich nur nicht verfuhren lassen durch scheinbare Wider-
spriiche, die man da und dort finden konnte. Diese scheinbaren Wider-
spriiche riihren davon her, daB man auch geistig eine Sache von den
verschiedensten Gesichtspunkten aus anschauen kann. Man kann zum
Beispiel um einen Baum herumgehen und von den verschiedensten
Seiten ein Bild des Baumes entwerfen. Jedes Bild ist dann wahr. Es
konnen hundert sein. Naturlich ist das nur ein Vergleich; aber in ge-
wisser Beziehung ist es durchaus richtig, daB wir auch die Zeiten unseres
Erdgeschehens von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrach-
ten.
Heute wollen wir unsere Erdentwickelung im Zusammenhange mit
unserer Menschheitsentwickelung von einem anderen Punkt aus be-
trachten, und wir wollen dabei mehr Rucksicht nehmen auf den Men-
schen selbst. Wir wollen die Vorgange schildern, die sich in dem, was
man «Akasha-Chronik» nennt, dem riickwarts blickenden hellsehe-
rischen Auge darstellen.
Wir haben schon ofter wiederholt, daB unsere Erde, bevor sie Erde
geworden ist, durch eine Reihe von Verkorperungen hindurchgegan-
82
gen ist. Es ging voran die Saturnzeit, die Sonnenzeit, die Mondenzeit;
dann erst kommt unsere eigentliche Erdenzeit.
Wenn wir noch einmal ganz kurz einen Blick zuriickwerfen auf die
Zeit des alten Saturn, so erinnern wir uns, daB gesagt worden ist, daB
von denjenigen Elementen und kdrperlichen Zustanden, die heute auf
der Erde sind, den festen oder erdigen, den flussigen oder waBrigen,
den luftformigen und den feurigen, auf dem alten Saturn nur das
Feuer, die Warme vorhanden war. Wir stellen uns ganz richtig vor,
wie diese erste Verkorperung der Erde war, wenn wir folgendes be-
trachten: Der Saturn hatte noch nicht die Gase in sich, noch keine waB-
rigen Bestandteile, geschweige denn irgend etwas Erdiges. Wenn Sie
den alten Saturn sozusagen besucht hatten — falls Sie damals schon ein
Mensch hatten sein konnen wie heute -, so wiirden Sie, wenn Sie sich
dem alten Saturn genahert hatten, nichts von harter, von irgendwie
flussiger oder sonstiger Materie gefunden haben, sondern eine Kugel,
die lediglich aus Warme bestanden hatte. Wie in einen Backofen waren
Sie hineingegangen. Sie hatten ihn dadurch empfunden, daB Sie in eine
andere Warmeregion hineingekommen waren. Also lediglich aus Feuer
oder Warme bestand der alte Saturn.
Die Sonne, die die zweite Verkorperung unserer Erde war, zeigte
schon die Warme in einer solchen Verdichtung, daB wir von einem
gas- oder luftformigen Zustande sprechen. Der Mondzustand zeigte
dann in seiner friiheren Zeit einen waBrigen Zustand unserer Sub-
stanzen; und auch darauf habe ich Sie schon aufmerksam gemacht, daB
aus dem alten Monde ein Teil seiner Substanz, die Sonnensubstanz,
herausging, und als sie herausgegangen war, trat plotzlich eine mach-
tige Verdichtung aller Mondwesen ein.
Fur uns ist heute die Hauptsache die, daB wir uns noch einmal ganz
klar zum BewuBtsein bringen, daB in jedem spateren Entwickelungs-
zustand die friiheren in einer gewissen Weise wiederholt werden miis-
sen. So haben wir, wenn wir in der Entwickelung unserer Erde selbst
zuriickblicken, im Anfange derselben eine Art Saturnentwickelung,
namlich eine Wiederholung des Saturnzustandes; dann haben wir eine
Art Sonnenentwickelung, eine Wiederholung des Sonnenzustandes,
dann eine Art Mondenentwickelung, eine Wiederholung des Monden-
83
zustandes; und dann beginnt eigentlich erst wirklich die jetzige Ver-
korperung unserer Erdenentwickelung. Als unsere Erde aus dem Pra-
layazustand, aus dem Dammerungszustand herauskam, durch den sie
hindurchgegangen war, nachdem sie Mond gewesen war, da war auch
unsere Erde wiederum nur eine Feuerkugel. Ich habe es Ihnen ja be-
schrieben, wie sich die anderen Planeten losgelost haben. Wir halten
zunachst daran fest, daB die Erde eine bloB feurige, bloB Warme-
substanz in sich enthaltende Kugel war. Innerhalb dieser Warmekugel,
die aus Feuer bestand, war auch der Mensch schon veranlagt. Wie auf
dem Saturn die erste Anlage des Menschen vorhanden war, so ist jetzt
bei der Wiederholung des Saturnzustandes auf der Erde auch wieder
der Mensch vorhanden. Es gab keine anderen Reiche. Der Mensch ist
der Erstgeborene des Erdenzustandes. Kein Pflanzenreich, kein Tier-
reich, kein Mineralreich ist am Anfang unserer Erdenentwickelung vor-
handen, so daB auch unsere Erde im Grunde genommen im Beginne
ihrer Entwickelung nur aus Menschenleibern zusammengesetzt war.
Ja, was ist aber nun fur ein Unterschied zwischen dem alten Saturn-
zustand und dem jetzigen Erdenzustand, der den alten Saturnzustand
wiederholt? Es ist eben ein erheblicher Unterschied! Er besteht darin,
daB die Menschenleiber - die jetzt herauskommen, wie die frischen
Pflanzen sich aus den Keimen entfalten - die drei friiheren Entwicke-
lungsstufen durchgemacht haben. Sie sind wesentlich mannigfaltiger,
komplizierter gestaltet; denn alle die Krafte, die im Saturn gewirkt
haben, sind in diesem ersten Erdenzustand vorhanden. Auch die alte
Sonne und der alte Mond sind darinnen. Die haben sich im Anfange
der Erdenentwickelung vereinigt, und sind alle wieder zu einem Korper
geworden. Saturn-, Sonnen- und Mondkrafte wirken in ihm zusam-
men. Daher ist dieses erste Menschenwesen im Beginne der Erdenent-
wickelung schon viel, viel komplizierter als das alte Saturn-Menschen-
wesen. Im Saturn war alles undifferenziert, da war alles noch Saturn-
mensch. Jetzt wirken in der neu entstandenen Erde Saturn, Sonne und
Mond zusammen; der Erdenmensch entstand in seiner ersten, sehr kom-
plizierten Anlage.
Damals, als die Erde auftauchte, sich sozusagen aus dem Dunkel des
Weltenraumes heraushob als ein warmedurchgluhter Raum, da lebten
84
in diesem warmedurchgluhten Raum die ersten Menschenformen selbst
als Warmewesen. Wenn Sie mit dem hellseherischen Auge zuriick-
blicken auf das, was damals vom Menschen vorhanden war, so finden
Sie zuerst diese erste Menschenanlage so, als wenn die ganze Warme-
sphare viele, viele Stromungen in sich hatte. Diese Stromungen gehen
gegen die Oberflache der Erde — also der neu aufgegangenen Erde - zu,
senken sich in diese Oberflache hinein und bilden dort warmere Massen,
als die Umgebung ist. Es unterscheidet sich das Menschenwesen von sei-
ner Umgebung lediglich dadurch, daB man fuhlt: gewisse Raume sind
warmer. Nun mache ich Ihnen am leichtesten klar, was damals vom
Menschen vorhanden war, wenn ich Ihnen unter den menschlichen Or-
ganen das aufzeichne, was damals in der ersten Anlage sich gebildet hat.
Denken Sie sich ein eben geborenes Kind, bei dem oben auf dem
Kopfe noch eine ganz weiche Stelle ist. Diese Stelle denken Sie sich
ganz offen, und denken Sie sich von auBen in diese Offnung einen
Warmestrom hineingehend. Denken Sie sich diesen Warmestrom nicht
dicht materiell in Blutstrdmen, sondern in Kraftstromen, und hinunter-
gehend und eine Art Zentrum bildend da, wo jetzt Ihr eigenes Herz
ist, und in einzelnen Adern sich verlaufend, aber Kraftadern, nicht
Blutadern. Da haben Sie die erste Warme-Menschenanlage. Aus die-
ser Warme-Menschenanlage ist spater in weitergehender Entwickelung
das menschliche Herz mit seinen BlutgefaBen, es ist die Blutzirkulation
daraus geworden. Und das Organ, welches lange in der Menschheits-
entwickelung vorhanden war, das dann verschwunden ist, das war ein
leuchtendes Warmeorgan, das damals ebenfalls in der ersten Anlage
vorhanden war. Noch viel spater in der Entwickelung der Erde hatte
der Mensch ein solches Organ. An der Stelle, wo oben beim Kinde
der Kopf weich bleibt, ist sozusagen der Ort bezeichnet, wo eine Art
von Warmeorgan vom Menschen herausging, als der Mensch noch nicht
in seiner Umgebung sehen konnte. Als er noch Meeresmensch war, als
er noch nicht auf die heutige Art wahrnehmen konnte, als er noch im
Meere herumschwamm, da muBte er vor alien Dingen wissen, wie die
Temperaturzustande sind, ob er sich nach einer Richtung hinbewegen
durfte oder nicht. Mit diesem laternenartigen Organ konnte er wahr-
nehmen, ob er sich da oder dort hinbegeben durfte. Dieses Organ hatte
85
der Mensch noch im dritten Zeitraume, der lemurischen Zeit. Ich habe
Ihnen schon einmal angedeutet, daB die Sage von den Zyklopen — der
Menschen mit dem einen Auge - zuriickgeht auf diese Menschen-
augenform. Es ist kein eigentliches Auge, und wenn es als Auge be-
schrieben wird, so ist das nicht richtig. Es ist eine Art von Warmeorgan,
und dieses weist dahin, wo er hingehen darf. So wiirden wir so etwas
wie ein becherformiges Organ haben, das sich nach unten ausweitet zur
ersten Anlage des Herzens, und das umgeben war von einer Art von
Fangarmen, so daB man oben eine Art von Blute hatte. So war dieses
Organ in der ersten Zeit.
Nun trat im Laufe der Erdenzeit etwas ein, was sehr wichtig ist:
Es differenzierte sich die Materie, der Stoff. Die einheitliche Warme-
materie differenzierte sich, so daB Luftmaterie entstand, wahrend ein
Teil der fruheren Warmematerie als Warmematerie geblieben ist. Da-
bei miissen Sie aber ein Gesetz beachten, und es ist notwendig, daB Sie
es sich recht klarmachen, wenn Sie diese Menschenteile im Verlauf
der Entwickelung betrachten wollen: Uberall da, wo sich die Warme-
materie verdichtet, so daB sie Luft wird, entsteht gleichzeitig Licht.
Warmematerie ist noch finstere Materie, wird nicht von Licht durch-
setzt. Wenn aber in solcher Weltensphare ein Teil dieser Warme sich
verdichtet zu Gas oder Luft, dann kann ein Teil dieser Materie das
Licht durchlassen. Und so war es.
Jetzt haben wir die Erde im zweiten Zustande ihrer Entwickelung.
Parallel damit gehen alle anderen Aspekte. Wir haben jetzt eine Erde,
die teilweise aus Warme besteht, teilweise aus Luft, und die innerlich
leuchtend ist. Und in der Tat, das alles driickt sich jetzt auch aus in der
Menschenentwickelung, in der menschlichen Bildung. Dasjenige, was
friiher bloBe Anlage war als Warmeorgan, das fangt in der Tat an zu
leuchten. Der Mensch ist wie eine Art Laterne, er leuchtet. Vor einigen
Jahrzehnten hatte man sich noch dariiber wundern konnen, daB es
leuchtende Wesen gibt. Heute braucht man sich nicht mehr zu wun-
dern; denn heute weiB bereits die Naturwissenschaft, daB es tief im
Meeresgrunde, wo gar keine Lichtstrahlen mehr hindringen, Wesen
gibt, die leuchten, die selbst ihr Licht verbreiten. So fing der Mensch
damals an aufzuleuchten.
86
Nun zeigte sich an dieser menschlichen Bildung etwas hochst eigen-
tumliches: Es setzte sich die erste Anlage an - nach und nach ent-
wickelte sie sich dann weiter — , um die Luft, die da war, auch zu ver-
werten, es bildete sich der Anfang eines Atmungsprozesses heraus. So
sehen wir also zu dem vorhergehenden WarmeprozeB eine Art At-
mungsprozeB hinzugefugt. Das ist sehr wichtig, daB wir uns klar dar-
iiber werden, daB mit der Einlagerung von Luft in die Erde der At-
mungsprozeB eintritt, der ja in nichts anderem besteht, als daB sich an
die Warmematerie Luft ansetzt, daB sie von Luftblaschen durchdrun-
gen wird. Das ist die Wirkung der Luft. Aber es ist das noch mit etwas
anderem verkmipft; denn die Wirkung des Lichtes ist auch da, und
die zeigt sich darin, daB sich die ersten Ansatze zum Nervensystem,
und zwar zum inneren Nervensystem bilden. Wohlgemerkt, nicht ein
physisch ausgepragtes Nervensystem, sondern das ganze sind mehr
Kraftlinien, die bis zu einer Verdichtung gediehen sind. Sie miissen
denken, daB das Ganze gasformig ist, und nur ganz feine Luftstro-
mungen wie Kraftlinien darin vorhanden sein konnen.
Wir haben also jetzt eine Menschenanlage, die in aller Feinheit ganz
atherisch, noch ein Warmewesen, ein Luftwesen ist, und ein Wesen, in
dem die ersten Anlagen des Nervensystems sich zeigen. Wenn Sie ein
wenig nachdenken dariiber, dann wird Ihnen klar sein, daB das der
Zustand unserer Erdenentwickelung ist, wo die Sonne noch in der Erde
darinnen ist. Natiirlich ist die Sonne noch darinnen! Denken Sie sich,
wie dieser Weltenkorper sich ausnahme im Weltenraum, wenn jemand
von auBen zu diesem Weltenkorper hiniibersahe. Alle diese Wesen, die
wir eben beschrieben haben als erste Menschenwesen, strahlen einzeln
Licht aus, und dieses Licht wird das Gesamtlicht, das in den Welten-
raum hinausstromt. Sie sehen, daB Sie es wirklich zu tun haben mit einer
Sonne, die in den Weltenraum hinausleuchtet. Wenn Sie den Saturn-
zustand hatten priifen konnen, wiirden Sie gefunden haben, daB Sie
sich ihm hatten nahern konnen, ohne ihn zu sehen; nur durch Warme
machte er sich bemerkbar. Nun haben Sie es aber mit einem innerlich
erwarmten, aber sein Licht nach auBen in den Weltenraum schicken-
den Sonnenkorper zu tun.
Jetzt kommt nach und nach die Zeit, die ich Ihnen charakterisiert
87
habe als den Hinausgang der Sonne. Alle hoheren Wesen, die mit der
Sonne verkniipft waren und die den Menschen die Fahigkeiten gaben,
die wir eben besprochen haben, alle diese Wesenheiten mit den feineren
Substanzen trennten sich. Die Sonne ging hinaus. Sie schien noch nicht,
sie verbreitete noch kein Licht; sie ging hinaus aus der Erde.
Nun haben wir einen Weltenkdrper in diesem Entwickelungszu-
stande unserer Erde, der aus Erde und Mond besteht, denn der heutige
Mond war dazumal noch in der Erde drinnen. Jetzt geschieht etwas
hochst Merkwiirdiges. Dadurch, daB alle feineren Krafte mit der Sonne
hinausgegangen sind, geschieht eine — verhaltnismaBig natiirlich — sehr
rasch erfolgende Verdichtung. Was friiher nur Kraftlinien waren,
zeigt jetzt schon eine sehr dichte Gestalt. Und wie die feineren Substan-
zen fortgehen, sehen wir, wie sich der gasfdrmige Zustand verdichtet
zu Wasser. Das Ganze besteht jetzt nicht nur aus Feuer und Luft, son-
dern auch aus Wasser. Die Leuchtkraft ist fortgegangen mit der hin-
ausziehenden Sonne. Dunkel ist es wieder geworden auf der Erde; nur
einen Teil der Leuchtkraft haben sich die Wesen innerlich behalten.
Es ist dies ein interessanter Zustand der Menschheitsentwickelung.
Ich habe Ihnen gesagt, daB durch das Licht die Anlage zum N erven-
system entstand. Dieses Nervensystem ist ein Geschopf des Lichtes. In
alien Ihren Nerven haben Sie nichts anderes als die urspriinglichen
Einstrahlungen des Lichtes. Jetzt geht das Licht, die Sonne, hinaus in
den Weltenraum. Dadurch verdichtet sich sehr rasch die Masse. Sie
wird zwar noch nicht gleich eine solche Nervenmasse, wie sie heute
ist, aber sie wird dichter als friiher, sie ist nicht mehr bloB eine feine
atherische Masse. Und was das Wesentliche ist: friiher war sie nach
auBen leuchtend, jetzt wird sie nach innen leuchtend. Das heiBt, dieses
erste Nervensystem des Menschen hat die Fahigkeit, innerliche Licht-
bilder zu erzeugen: Visionen, hellseherisches BewuBtsein tritt auf. So
geht also die Sonne heraus aus der Erde, laBt sozusagen die Erde ohne
Licht. Aber die Wesen erzeugen sich ein innerliches Licht. Friiher wa-
ren sie so, daB sie sich das Licht von auBen gegenseitig zuschienen.
Jetzt verloren sie die Fahigkeit, zu leuchten. Die Erde war nicht mehr
Sonne, aber innerlich wurde der BewuBtseinsraum erleuchtet, wie wenn
Sie heute Ihren BewuBtseinsraum im Schlafe durchleuchten mit der
88
ganzen Traumwelt. Nur unendlich bedeutender, viel lebendiger wurde
dieser ganze BewuBtseinsraum durchleuchtet in dieser Zeit.
Und nun kommen wir wiederum an eine wichtige Sache. Ebenso
wie mit der Entstehung der Luft das Licht entstanden ist, so entstand
jetzt mit der Verdichtung der Luft zum Wasser ein Gegenbild. Wie
sich namlich die Luft zum Licht verhalt, so verhalt sich das Wasser
zum Schall, zum Ton. Natiirlich kann der Ton durch die Luft gehen
und versetzt die Luft in Schwingungen; dadurch ist er horbar. Aber
entstanden, aufgetreten auf der Erde ist der Ton - als ein Ton fur
sich — neben der Wasserbildung. Und genau ebenso wie die Luft durch-
stromt worden ist von der Lichtwirkung, so wird jetzt das ganze Was-
ser, zu dem sich die Luft verdichtet hat - wir haben ja jetzt die Erde
bestehend aus Warme, Luft und Wasser - ganz und gar durchvibriert
von Tonstrahlen. Es ist jetzt unsere Erde gerade am meisten durchsetzt
in denjenigen Teilen, wo sie waBrig geworden ist, von Spharenharmo-
nien, von Tonen, die so aus dem Weltenraum in alien moglichen Ton-
harmonien in unsere Erde hineinstromen; und das Ergebnis dieser
Tonwirkungen im Wasser ist ein sehr, sehr wichtiges. Sie mussen sich
da natiirlich vorstellen, daB in diesem urspriinglichen Wasser, in diesem
flussigen Erdenwasser alle die Substanzen enthalten waren, die heute
abgeschieden sind als Metalle, Mineralien und so weiter. Ganz beson-
ders ist es interessant, den geistigen Blick hinzurichten auf diese alte
Zeit, zu sehen, wie sich die verschiedensten Formen aus dem Wasser
herausbilden, indem der Ton im Wasser Gestalten schafft. Der Ton
schafft im Wasser Gestalten. Es ist eine ganz wunderbare Zeit un-
serer Erdentwickelung. Es ist damals im groBten MaBe in der Erdent-
wickelung so etwas geschehen, wie wenn Sie auf eine Metallplatte fei-
nen Staub aufstreuen und mit einem Violinbogen die Platte streichen;
da entstehen die Chladnischen Klangfiguren. Sie wissen ja, welche re-
gelmaBigen Figuren da entstehen. So bildeten sich durch die aus dem
Weltenraum hineinstromende Musik die mannigfaltigsten Gestalten
und Figuren, und die Stoffe, die im Wasser gelost waren, die selber
waBrig waren, sie gehorchten der Weltenmusik und ordneten sich nach
der Weltenmusik. Und die wichtigste Bildung des Tanzes der Stoffe
nach der Weltenmusik ist das EiweiB, das Protoplasma, wie es die
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Grundlage ist aller lebendigen Bildung. Lassen Sie die Materialisten
nachdenken, so viel sie wollen, iiber die mechanische Zusammenfugung
von EiweiB aus Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und so weiter. Das
urspriingliche Protoplasma, EiweiB, hat sich gebildet aus dem Welten-
stoffe, der sich gebildet hat aus den Harmonien der Weltenmusik. Und
so sind die Stoffe im Lebendigen angeordnet im Sinne der Weltenmusik.
So gliedert sich jetzt um die feinen Gebilde herum und namentlich in
sie ein jener eiweiBformige Stoff, jenes Protoplasma, das alles durch-
dringt. Langs jener Linien, die ich Ihnen beschrieben habe als Warme-
linien, lauft das nach dem Weltenton zu EiweiB koagulierte Wasser und
geht allmahlich in Blutbildung iiber. In den Nervenlinien setzt sich
das koagulierte Wasser als die EiweiBbildung ein. Und zuerst bildete
sich das EiweiB so wie eine Art Hiille, wie eine knorpelige Leimsub-
stanz mochte man sagen, damit ein Schutz da ist gegen auBen. Das alles
bildete sich wirklich nach dem Tanz der Stoffe in GemaBheit der
Spharenmusik.
Dies alles war da, bevor es eine einzige Zelle gab. Die Zelle ist nicht
das Urspriingliche des Organismus, sondern das, was ich Ihnen jetzt
beschrieben habe, das Geistige, ist das Urspriingliche des Organismus,
zuerst vorhanden als Warmewesen, dann angedeutet mehr in Kraft-
linien, dann sich einlagernd in diese Kraftlinien das, was aus der Spha-
renharmonie entstanden ist durch Anordnung der Stoffe; und ver-
haltnismaBig spat, als letzte der Bildungen, entstand erst die Zelle.
Die Zelle als letzte Absonderung muBte schon von einem Lebewesen
geboren werden. Niemals ist es so gewesen, daB sich Organismen aus
Zellen herausgebildet haben, sondern die Zelle hat sich erst aus Leben-
digem gebildet. Das Anatomische ist immer erst eine Folge des Zu-
sammengesetzten.
Das alles haben wir im Anfange jenes Zustandes, wo noch der Mond
in der Erde und die Sonne schon drauBen war. Aber solange der Mond
in der Erde drinnen blieb, geschah eine immer starkere Verhartung
dieser EiweiBbildung, und es ware endlich so weit gekommen, wie ich
es Ihnen als Mumifizierung beschrieben habe, wenn nicht die grobsten
Substanzen und die grobsten Wesen hinausgegangen waren aus der
Erde. Das letzte, was sich noch herausgebildet hat aus der Menschen-
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Wesenheit in dieser Zeit, das waren diejenigen Nerven, die zu den
Sinnesorganen hingehen. Aber die Sinnesorgane waren noch nicht ge-
offnet. Sie waren gebildet worden von innen heraus, aber sie waren
noch nicht geoffnet. Und jetzt geht also der Mond mit den grobsten
Substanzen heraus. Die Folge dieser Entwickelungsstufe ist, daB der
Mensch allmahlich ubergehen kann zu einem hoheren Zustand da-
durch, daB seine Sinne geoffnet werden, daB sozusagen die beiden
Korper, die jetzt drauBen sind, sich von auBen gegenseitig die Waage
halten. Wahrend sie, solange sie mit der Erde verbunden waren, den
Menschen aufgebaut haben, wirken sie jetzt von auBen ein, offnen sie
ihm jetzt seine Sinne und machen ihn zu dem sehenden und horenden
Wesen, als das er uns heute erscheint.
Dieses Hinausgehen des Mondes geschieht etwa um die Mitte der
alten lemurischen Zeit. Da haben wir einen Menschen, dessen Sinnes-
organe noch nicht geoffnet sind, der aber eine machtige hellseherische
Begabung hat. Ich habe sie Ihnen beschrieben: er kann seinen BewuBt-
seinsraum ausfullen mit den verschiedensten Farben- und Warmeer-
scheinungen von innen heraus, die alle realen Wert haben und etwas
bedeuten; aber er nimmt noch nicht die Gegenstande im Raume wahr.
Dies beginnt erst, nachdem der Mond die Erde verlassen hat.
Wenn Sie diese kurze Skizze, die ich Ihnen jetzt von der alten Erden-
entwickelung gegeben habe, ins Auge fassen, so werden Sie sehen, daB
der Mensch, wie er heute als Erdenwesen ist, eigentlich seinen Aus-
gangspunkt genommen hat vom Herzen aus. Natiirlich war das Herz
nicht als ein solches Organ da, wie es heute ist. Das hat sich erst viel
spater entwickelt; aber die Anlage zum Herzen ist aus dem Feuer ent-
standen. Dann kam, aus der Luft heraus geboren, das Atmungssystem
hinzu, und aus dem Licht heraus geboren das Nervensystem. Dann
kam das, was sich in die Organe als Protoplasmamasse eingliederte,
das das Ganze erst zur lebendigen Materie gestaltet hat dadurch, daB
die Welttone die waBrigen Substanzen koagulierten. In der letzten
Zeit der Erdenentwickelung, als die Erde noch mit der Mondensubstanz
zusammen war, geschah die Verdichtung zum erdigen Zustande; und
erst kurz bevor der Mond herausging, war das entstanden, was man
heute gewohnlich das Mineralreich nennt, da entstand das Erdige aus
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dem Fliissigen heraus. Das EiweiB ist ja ein Zustand zwischen dem
Festen und Fliissigen mitten drinnen. Aber das Erdige, das Feste ist
eigentlich erst in der letzten Zeit entstanden. Wodurch? Es ist ent-
standen dadurch, daB unter dem Einfliisse der Verdichtung - denn
alles war ja ein fortwahrender VerdichtungsprozeB - die Elemente
selbst immer materieller und materieller geworden sind. Denken Sie
einmal an den Beginn der Erdentwickelung. Was hat da die Warme -
materie getan? Sie hat Ihnen das gegeben fur Ihre Leiblichkeit, was
jetzt in Ihrem Blute pulsiert. Das war nicht dieselbe Warme wie friiher.
Sie diirfen nicht glauben, wenn wir von dem ersten Warmezustand der
Erde sprechen, daB wir so von einer Warme sprechen, wie sie entsteht,
wenn Sie ein Ziindholzchen anziinden. Das ist mineralisches Feuer und
mineralische Warme. Wir sprechen von jenem Feuer, von jener Warme,
die in Ihrem Blute pulsiert; das ist lebendige Warme. Es gibt tatsach-
lich nicht nur die mineralische Warme, die drauBen im Raume entsteht,
sondern es ist eine ganz andere, eine lebendige Warme, die Sie in sich
selber haben. Die war im Beginne der Erde vorhanden, und aus ihr
bildete sich die erste menschliche Anlage heraus. Aber mit der fort-
dauernden Verdichtung ist auch diese lebendige Warme allmahlich
leblose Warme geworden. Dies hing auch zusammen mit jenem Ver-
dichtungsprozeB, der sich vollzog, als die Sonne herausging und der
Mond mit der Erde verbunden war. Und diese Warme, die die mine-
ralische Warme war, tritt zunachst auf als VerbrennungsprozeB.
Hier kommen wir zu einer wichtigen Sache, die ich sehr zu beachten
bitte. Wir konnen zwar im Anfange von einem Warmezustand, von
einem Feuerzustand reden; von einer eigentlichen Verbrennung sollten
wir aber nicht reden. Das ist nicht das Richtige. Wir sollten von nichts
anderem reden als von dem, was wir in unserem eigenen Blute heute
warm pulsieren fiihlen. Warme, die entsteht durch eine auBerliche
mineralische Verbrennung, trat erst auf, nachdem die Sonne heraus-
gegangen und die Erde mit dem Monde allein geblieben war. Und
durch diese Verbrennung, die friiher gar nicht vorhanden war, son-
derten sich die Stoffe innerhalb der Erdenmasse ab, die man im Okkul-
tismus als «Asche» bezeichnet. Wenn Sie irgend etwas verbrennen,
entsteht Asche. Die Asche lagerte sich der Erdenbildung ein, als die
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Erde mit dem Monde allein war. Wir sind so weit gekommen, daB
durch den Weltenton, der hereindrang und die Stoffe zum Tanze
zwang, sich die Protoplasmamassen eingegliedert haben. Wir haben
Wesen, wo sich nach den Kraftlinien friiher feine Protoplasmamassen
angeordnet haben, in der auBeren Bildung dem ahnlich, wie die Bildung
im heutigen EiweiB ist. Wir haben auch dichtere Massen, die wie zum
Schutze da sind, die wie eine Art Leimhiille die betreffenden Wesen
umgeben. Was fehlt in diesen Wesen? Die harte Knochenmasse! Wenn
ich mich popular ausdriicken darf: Es ist alles noch eine mehr leim-
artige Masse, und das, was uberhaupt mineralisch ist, fehlt ganz und
gar in den Wesen bis zu der Zeit, die ich Ihnen jetzt beschrieben habe.
Nun miissen Sie sich denken, wie anders diese Wesen waren. Heute
haben Sie nichts in Ihrem physischen Korper, das nicht zugleich durch-
drungen ware von der mineralischen Substanz. Der Menschenleib,
wie er heute ist, ist also erst verhaltnismaBig spat entstanden. Heute
besteht der Menschenleib nicht nur aus Knochen, sondern auch aus
Muskeln und Blut; allem ist diese mineralische Masse eingegliedert.
Denken Sie sich die mineralische Masse fort, die ganze Erde mit ihren
Wesen noch ohne mineralische Masse. Dann entsteht durch einen Ver-
brennungsprozeB die Einlagerung von mineralischer Asche, Asche der
verschiedensten Mineralien. In die Menschen, die es eigentlich bisher
nur bis zur leimartigen Dichte gebracht hatten, lagerten sich also nach
alien Seiten Aschenbestandteile ein. Und die Wesen nehmen die Asche
auf wie friiher das EiweiB und gliedern sie sich in ihrer Weise ein,
nehmen das Mineralische auf vom dicken Knochen bis zum fliissigen
Blute. Sie konnen sich leicht eine Vorstellung machen, was sich da
eingelagert hat: Alles, was als Asche zuriickbleibt, wenn der Leib ver-
brannt wird oder verwest. Was wirklich als Asche zuriickbleibt, ist das,
was am allerletzten entstanden ist. Alles an Ihnen, was nicht als Asche
zuriickbleibt, war vorher da; das hat sich diese Asche erst eingegliedert.
Der Mensch, der mit sehendem Auge auf diese Asche hinblickt, die aus
einem verwesenden Leichnam herkommt, muB sich sagen: Dies ist die
mineralische Substanz in mir, die am spatesten eingesogen wurde von
dem, was friiher da war. - Das Mineralische ist also im Laufe der Er-
denbildung am spatesten entstanden, und die anderen Reiche haben es
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sich eingegliedert, nachdem sie friiher nur aus anderen Substanzen be-
standen haben.
Nun konnen wir uns jetzt noch fragen: Was hat denn bewirkt, daB
diese Asche sich eingegliedert hat? - Wir tragen ja fortwahrend diese
Asche mit uns herum, nur ist sie verteilt und wird zuriickgelassen, wenn
unser Leichnam verbrannt wird oder verwest. Wie drang denn die
Asche hinein in diese Linien, die von EiweiBsubstanz angefiillt waren?
Wir haben gesehen, urspriinglich war Feuer da; daraus bildete sich
die Herzanlage; dann bildete sich die Atmungsanlage aus der Luft; das
Licht gliederte sich ein und bildete die Nervenanlage; dann kam der
Schall und bildete, indem er die Stoffe tanzen lieB, die lebendige Sub-
stanz. Was lieB denn das Aschenhafte, das Mineralische hineinstromen
in diese Substanz? Das, was die Asche hineindrangt in die mensch-
lichen Leiber, das war nunmehr der Gedanke, der den Schall, den Ton
zum Worte macht, Noch in der atlantischen Zeit, als alles ringsum
eingetaucht war in Nebel- und Dunstmassen, da war nicht das, was der
Mensch sprach, die einzige artikulierte Sprache, sondern der Mensch
konnte die Sprache der rauschenden Baume, der rieselnden Quellen
verstehen. Alles, was heute artikulierte Sprache ist, und was sich dar-
innen ausdriickt, bildete den Tanz der Stoffe; der Ton, das Musika-
lische darinnen, bildete die Stoffe zur lebendigen Substanz. Der Sinn,
die Wortbedeutung drangt die sich im VerbrennungsprozeB bildende
Asche hinein in diese lebendige Substanz, und in dem MaBe, wie sich
nach und nach bis gegen das Ende der atlantischen Zeit hin das Kno-
chensystem verdichtete, wurde der Mensch immer mehr von Gedanken,
von SelbstbewuBtsein durchdrungen. Sein Intellektualismus leuchtete
auf, und er wurde immer mehr und mehr ein selbstbewuBtes Wesen.
Von auBen hinein sind die Dinge, die in uns sind, erschaffen: Erst
unsere Anlage, die im Herzen ihr gipfelndes Organ erhalten hat, dann
unser Nervensystem mit der Atmungsanlage, dann die Organe, die
aus Lebendigem entstehen als Driisenorgane. So zeigt sich im Laufe
der Erdenentwickelung der umgekehrte Gang von friiher. Dann glie-
dern sich ein das Knochensystem, die festen Stoffe, die von Asche
durchdrungen sind, und der Mensch wird ein selbstbewuBtes Wesen.
So ist der Gang der Entwickelung innerhalb unserer eigenen Erden-
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Verkorperung. Damit sind wir schon fast zum Ende der atlantischen
Zeit gekommen.
Wenn Sie das vergleichen mit dem, was wir friiher besprochen ha-
ben, so werden Sie sehen: es ist immer zuerst dasjenige dagewesen, was
zuletzt wirkt; derm das, was als «Wort» hineindrangt in die Materie,
war zuallererst da. Was dem Menschen sein Ich gegeben hat, war zu-
allererst da. Wenn Sie das, was heute gesagt worden ist, lichtvoll zu
verstehen suchen, konnen Sie auch hierin sehr leicht wiederfinden die
Tatsachen fiir die ersten Satze im Johannes-Evangelium. Wir werden
in einem der nachsten Abende gerade zeigen mussen, wie unsere in den
Weltenraum hinausschweifenden Betrachtungen schon wiedergegeben
sind im Johannes-Evangelium und auch in den ersten Satzen der Gene-
sis. Alle diese Dinge werden uns wiedergewonnen, wenn wir also den
Gang des Weltenwerdens betrachten. Aber eines wird Ihnen mit Klar-
heit daraus hervorgehen: Es stellt sich uns, wenn wir die Tatsachen
betrachten, diese menschliche Entwickelung anders dar, als es die mate-
rialistische Phantastik sich vorstellt, namlich, daB der Mensch hervor-
gegangen sei aus dem Grobmateriellen, und daB aus diesem die gei-
stigen Fahigkeiten sich herausgebildet haben.
Nun sehen Sie, daB das, was die eigentliche Mission der Erden-
entwickelung bildet, das, worin beim Menschen die Liebe zum Aus-
druck kommt, zuerst veranlagt ist in dem, was wir als Warmeorgan
haben. Das taucht als erstes auf. Vor dem Organischen ist das Geistige
in Form von Kraftlinien; dann gliedert sich das Organische unter der
Wunderwirkung der Weltenmusik ein, und dann erst wird das Ganze
wie durchimpragniert mit mineralischer Substanz, mit festen Stoffen,
durch das Wort oder den Gedanken. Das Dichteste entsteht am spate-
sten. Der Mensch entwickelt sich aus dem Geistigen heraus, auch wenn
wir den
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