Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)

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Rudolf Steiner

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RUDOLF STEINER GES AMT AUSGABE 

VORTRAGE 

VORTRAGE UBER N ATUR WISSENSCH AFT 



Die Wiedergaben der Original-Wandtafelzeichnungen 
Rudolf Steiners zu den Vortragen in diesem Band 
(vgl. die Randvermerke und den Text am Beginn der Hinweise) 
sind innerhalb der Gesamtausgabe erschienen in der Reihe 
«Rudolf Steiner - Wandtafelzeichnungen zum Vortragswerk» 

Band XXIV 



Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:327 Seite:2 



RUDOLF STEINER 



Geisteswissenschaftliche Grundlagen 
zum Gedeihen der Landwirtschaft 

Landwirtschaftlicher Kurs 



Acht Vortrage, eine Ansprache und vier 
Fragenbeantwortungen, gehalten in Koberwitz 

bei Breslau vom 7. bis 16. Juni 1924, 
und ein Vortrag in Dornach am 20. Juni 1924 



Mit einem Anhang: 
Aufzeichnungen Rudolf Steiners 
zum Landwirtschaftlichen Kurs 
und farbige Wiedergaben der Tafelzeichnungen 



1999 



RUDOLF STEINER VERLAG 
DORNACH/SCHWEIZ 



Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften 
herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung 

Die Herausgabe der 8. Auflage 1999 
besorgten E. Becker, M. Klett und P. G. Bellmann 



8. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1999 



Friihere Auflagen und Veroffentlichungen 
aus diesem Band siehe zu Beginn der Hinweise 



Bibliographie-Nr. 327 

Einbandzeichnung von Assja Turgenieff 
Die farbigen Tafelzeichnungen wurden nach den von 
Rudolf Steiner gezeichneten Originalen reproduziert (siehe auch S. 247) 
Die Zeichnungen im Text wurden nach den von Erika Riese von den Tafeln 
kopierten Zeichnungen Rudolf Steiners von A. Turgenieff und M. Ziegler angefertigt 

Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
© 1975 by Rudolf Steiner-NachlaBverwaltung, Dornach/Schweiz 
Printed in Germany by Greiserdruck, Rastatt 

ISBN 3-7274-3270-5 



Zu den Veroffentlkhungen 
aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner 

Die Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners (1861-1925) gliedert 
sich in die drei groBen Abteilungen: Schriften — Vortrage — Kiinst- 
lerisches Werk (siehe die Ubersicht am SchluB des Bandes). 

Von den in den Jahren 1900 bis 1924 sowohl offentlich wie fun- 
die Mitglieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Ge- 
sellschaft zahlreichen frei gehaltenen Vortragen und Kursen hatte 
Rudolf Steiner urspriinglich nicht gewollt, daB sie schriftlich festge- 
halten wiirden, da sie von ihm als «miindliche, nicht zum Druck 
bestimmte Mitteilungen» gedacht waren. Nachdem aber zunehmend 
unvollstandige und fehlerhafte Horernachschriften angefertigt und 
verbreitet wurden, sah er sich veranlaBt, das Nachschreiben zu re- 
geln. Mit dieser Aufgabe betraute er Marie Steiner-von Sivers. Ihr 
oblag die Bestimmung der Stenographierenden, die Verwaltung der 
Nachschriften und die fur die Herausgabe notwendige Durchsicht 
der Texte. Da Rudolf Steiner aus Zeitmangel nur in ganz wenigen 
Fallen die Nachschriften selbst korrigieren konnte, muB gegeniiber 
alien Vortragsveroffentlichungen sein Vorbehalt beriicksichtigt wer- 
den: «Es wird eben nur hingenommen werden miissen, daB in den 
von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.» 

Uber das Verhaltnis der Mitgliedervortrage, welche zunachst nur 
als interne Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu seinen offentli- 
chen Schriften auBert sich Rudolf Steiner in seiner Selbstbiographie 
«Mein Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende Wortlaut ist 
am SchluB dieses Bandes wiedergegeben. Das dort Gesagte gilt glei- 
chermaBen auch fur die Kurse zu einzelnen Fachgebieten, welche 
sich an einen begrenzten, mit den Grundlagen der Geisteswissen- 
schaft vertrauten Teilnehmerkreis richteten. 

Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaB 
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamt- 
ausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil 
dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere An- 
gaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise. 



INH ALT 



Zur Einfuhrung. Nachtraglicher Bericht Rudolf Steiners iiber den 
Landwirtschaftlichen Kurs, Dornach, 20. Juni 1924 

Erster Vortrag, Koberwitz, 7. Juni 1924 

Vorrede und Einleitung zum Kurs 

Emanzipation des menschlichen und tierischen Lebens von der aufie- 
ren Welt 

Das planetarische Leben. Das irdische Leben. Das Leben der Kieselsubstanz in 
der Welt. Kalksubstanz. Einjahrige Pflanzen. Dauerpflanzen. Planetarische Auf- 
gangsperioden. 



Die Bedingungen zum Gedeihen der Landwirtschaft 

Zweiter Vortrag, 10. Juni 1924 

Die Krafte der Erde und des Kosmos 

Der Erdboden als wirkliches Organ. Die landwirtschaftliche Individualitat. 
Lebendige Wechselwirkung. Das zuriickgestrahlte Kosmische. Die innerliche 
Lebendigkeit. Kosmischer Chemismus. Kosmische Aufwartsstromung. Das un- 
mittelbar Terrestrische. Bliitenwarme - Wurzelwarme. Die Kristallisationskraft. 

In der Zeit fortlebende Individualitat. Das Samenchaos. Natiirliche Humus- 
bildung. Das ABC des ganzen Pflanzenwachstums. Das Sonnenhafte. 

Die groBe Umwandlung des Innern der Natur. Kosmische qualitative Analyse. 
Form- und Farbengestalt des Tieres. Struktur und Konsistenz seiner Substanz. 

Dritter Vortrag, 11. Juni 1924 

Exkurs in die Tatigkeit der Natur: Die Wirkung des Geistes in der 
Natur 

Bedeutung und EinfluB des Stickstoffs auf die gesamte landwirtschaftliche Pro- 
duktion. Die Betatigung des Stickstoffs im Weltenall. Die Tatigkeit des Schwe- 
fels. Schwefel, der Trager des Geistigen. Die Bedeutung des Kohlenstoffs im 
Weltall. Der Kohlenstoff, der Trager aller Gestaltungsprozesse in der Natur. Der 
Sauerstoff unter und iiber der Erde. Der Sauerstoff, der Trager des lebendigen 
Athers. Der Stickstoff iiber und in der Erde. Der Stickstoff, der Trager der 
Empfindung. Der Wasserstoff als Trager in die Weiten des Weltenalls. 

Die EiweiB-Urstoffe und das Samenchaos. Kalk und Kiesel als Grundlage des 
Pflanzenwachstums. Die Schmetterlingsbliitler. Der Ton. 



Vierter Vortrag, 12. Juni 1924 85 

Krafte und Substanzen, die in das Geistige hereingehen: 
Die Diingungsfrage 

Das Diingen im Haushalt der Natur. Die Wirkungsweise des Stofflichen, der 
Krafte, und die Wirkungsweise des Geistigen. Das Wesen des Baumes im Ge- 
gensatz zur einjahrigen Pflanze. Aufgestiilpte Erde. Das Wesen einer gediingten 
Erde. Personliches Verhaltnis zum Diinger. Kraftwirkungen im Innern des 
Organischen. Belebung des Erdigen selber. 

Kompost. Hornbildung - Geweihbiidung. Der gewdhnliche Stalldiinger. Bak- 
terien und Giite des Diingers. Konzentrierte, belebende Diingungskraft in 
dem Inhalte des Kuhhorns. Verdiinnen und Riihren des Kuhhornmistes. Uber- 
sommern von Quarz oder Feldspar in der Erde. 

Der Mensch als Grundlage der Betrachrung. 

Fragenbeantivortung, 12. Juni 1924 104 

Verdiinnung, Riihren und Verteilung des Kuhhornmistes. Aufbewahrung und 
Verwendung der Kuhhorner. Ins-Chaos-Treiben des Samens. Reproduktions- 
fahigkeit und Nahrhaftigkeit in den Getreidepflanzen. 

Die Beobachtung des Makrokosmischen als Aufgabe 
der Geisceswissenschaft: Erd- und Pflanzenwachstum 

Funfter Vortrag, 13. Juni 1924 119 

Die richtige Substantiierung des Diingers 

Behandlung mit unorganischen Substanzverbindungen. Die direkte Belebung 
der Erde mit Organischem. Homoopathische Dosierung aus dem Weltenkreis. 
Substantielle, lebendige und strahlende Krafte. Die Schafgarbe im NaturprozeB 
des Pflanzenwachstums. Das Edelwild und die Krafte des Kosmos. Die Kalzium- 
wirkungen und Chamomilla officinalis. Die Brennessel, die grofite Wohltaterin 
des Pflanzenwachstums. Die Durchvernunftung des Bodens. Pflanzennatur und 
Pflanzenkrankheiten. Die Eiche. Kieselsaureaufnahme der Erde. Gegenseitiges 
Qualitatsverhaltnis in den organischen Prozessen. Wechselwirkung zwischen 
Kieselsaure und Kalium. Der Lowenzahn. Valeriana officinalis. 



Fragenbeantivortung, 13. Juni 1924 140 

Allgemeine Dungpflege. Einzelnes zu den Dungpraparaten. Nahrungsaufnahme 
aus der Atmosphare. 

Die Individualisierung in den MaBnahmen der Landwirtschaft 
Sechster Vortrag, 14. Juni 1924 149 



Das Wesen des Unkrautes, der tierischen Schadlinge und der soge- 

nannten Pflanzenkrankheiten vor dem Forum der Natur 

Die Kalk- und Kieselwirkungen der Erde. Die Planetenwirkungen. Mondein- 
fliisse und Keimestatigkeit in der Erde. Die Fruchtbildung befordernde Krafte. 
Unterbindung der Mondenwirkung bei den Unkrautern. Die Asche. Planetensy- 
stem und Tierkreis. Mond- und Venuswirkungen beim Tierreich. Charakteristi- 
sches Beispiel: Die Feldmaus. Kosmische Einfliisse bei Insekten und niederem 



Getier. Die Riibennematode. Die Sonne im Tierkreis. Normalitat und Krankhei- 
ten bei Pflanzen und Tieren. Mondenwirkung und parasitare Pilzbildung. Equi- 
setum arvense. 

Fragenbeantwortung, 14. Juni 1924 170 

Uber Wasserunkrauter, Kohlhernie, Pilzkrankheiten der Weinrebe, Brand. Zur 
Frage der Konstellationen. Der mineralische Dunger. 

SlEBENTER VORTRAG, 15. Jufli 1924 178 

Die naturintimeren Wechselwirkungen: Das Verhaltnis von Feld- 
wirtschaft, Obstwirtschaft und Vieh2ucht 

Der Baum im ganzen Haushalt der Natur. Kraut- und Getreidepflanzen. Das 
Kambium. Erdpflanzengeruch und Baumgeruch. Das Wesen der Wurzel. Die 
Verwandtschaft der Pflanzen zur Insektenwelt. Die Regenwiirmer. Die Vogel- 
welt. Wechselverhaltnis von Wald, Feld und Wiese: Die Regulierung des Wal- 
des. Innere Verwandtschaft der strauchartigen Gewachse zum Saugetierwesen. 
Intime Beziehung alles Pilzigen zur niederen Tierwelt. 

Das Verhaltnis des Pflanzlichen zum Tierischen, des Tierischen zum Pflanz- 
lichen. Das Geben und Nehmen in der Natur. 

Achter Vortrag, 16. Juni 1924 195 

Das Wesen der Fiitterung 

Die Zweigliederung im tierischen Organismus. Irdische und kosmische Stofflich- 
keit. Irdische und kosmische Krafte. Die Landwirtschaft als Organismus. Die 
Ich-Anlage im Dunger. Die werdende Ich-Kraft in der Erde. 

Die Landwirtschaft als Individualitat. Das Zusammenwirken der Stoff- und Kraf- 
testromung bei Milch-, Arbeits- und Masttieren. Die Wurzelnahrung. Der Lein- 
samen. Das Heu. Die Kleearten. Das Kochen der Nahrungsmittel. Das Salz. 
To mate und Kartoffel. 

Die Landwirtschaft im innersten Zusammenhang mit dem sozialen Leben. 



Fragenbeantwortung, 16. Juni 1924 218 

Dung und Jauche. Zur Frage der Gestirnkonstellationen. Die Rolle der Elektri- 
zitat in der Natur. Die Sauerung des Futters. Die Griindiingung. Die Verwen- 
dung des Menschendiingers. Moralitat und Gesinnung. 

Ansprache, 11. Juni 1924 229 



Hinweise der Herausgeber zum Aufgreifen der Arbeit (1963) . . . 240 

Hinweise: Zu dieser Ausgabe / Hinweise zum Text 247 

Personenregister 251 

Korrekturen in der Auflage 1999 252 

Sachwortregister 253 

Aufzeichnungen Rudolf Steiners zum Landwirtschaftlichen Kurs . . 259 

Rudolf Steiner liber die Vortragsnachschriften 309 

Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 311 

8 farbige Wandtafeln von Rudolf Steiner nach 312 



ZUR EINFUHRUNG 
Dornach, 20. Juni 1924 



Ich bin eben zuriickgekommen von der Reise nach Breslau-Koberwitz, 
die ja vor alien Dingen diesmal einem bestimmten Ziel gedient hat; 
aber das spezielle Ziel war verbunden mit einem ganz Allgemein- 
Anthroposophischen. Zunachst handelt es sich ja darum, wie Sie 
wissen, daB eine Anzahl von Landwirten, die innerhalb der Anthropo- 
sophischen Gesellschaft stehen, gewiinscht haben, daB fur sie ein 
Kursus gehalten werde mit besonderen landwirtschaftlichen Gesichts- 
punkten, mit Dingen, die die Landwirtschaft betrefFen. Es waren 
wirklich weithin zugereist diejenigen, die innerhalb unserer Gesell- 
schaft Landwirte sind, um in ganz ernster Weise fur dasjenige, was 
aus anthroposophischer Forschung heraus fur dieses Gebiet des 
menschlichen Arbeitens gegeben werden kann, Gesichtspunkte zu 
bekommen. 

Bei solch einem praktischen Lebensgebiete handelt es sich ja natiir- 
lich durchaus auch um Gesichtspunkte fur das Arbeiten, nicht um 
irgendwelche Theorien. Deshalb wurden auch durchaus praktische 
Gesichtspunkte erwartet. 

Nun war diese Veranstaltung eine in sich geschlossene und fur die 
Teilnehmer auBerordentlich befriedigende, weil die Teilnehmer an 
diesem landwirtschaftlichen Kursus einschlieBlich derjenigen Mitglie- 
der des Vorstandes vom Goetheanum, die anwesend sein konnten, Frau 
Dr. Steiner, Frl. Vreede und Dr. Wachsmuth, Gaste waren im Schlosse 
Koberwitz bei unserem lieben Freunde, dem Grajen Keyserlingk. 

Und man darf wohl sagen, es war eine ganz auBerordentlich im 
anthroposophischen Sinne gehaltene Aufnahme. Denn es war eben 
nicht gerade eine Kleinigkeit, an einem Orte, wohin man ja von 
Breslau mit dem Auto immerhin dreiviertel Stunden fahrt, eine ganze 
Gesellschaft nicht nur sich niedersetzen zu lassen zu Vortragen, son- 
dern auch ganz reichlich zu bewirten. Die Gesellschaft bestand ja 
immerhin aus mehr als hundert Teilnehmern, die jeden Tag bewirtet 
werden muBten. 



Die Gesellschaft kam gewohnlich um die elfte Stunde nach Kober- 
witz. In Koberwitz konnten die Leute nicht wohnen, sie kamen von 
Breslau aus nach Koberwitz. Und dann begann zunachst der Vortrag, 
der bis ein Uhr dauerte. Dann verwandelte sich bald der Vortrag in 
das Friihstiick, wobei die Gaste fast das ganze SchloB beniitzen konn- 
ten und alles, was dazu gehort, was sehr interessant ist. Dann dauerte 
das bis gegen einhalb oder dreiviertel zwei Uhr. Dann war noch eine 
Aussprache iiber landwirtschaftliche Gegenstande bis drei Uhr. Das 
war also der Koberwitzer Teil der ganzen Veranstaltung. Das ging 
durch zehn Tage hindurch. 

Sie sehen also, welch reichliches Entgegenkommen da war. Nun 
muB ich ja sagen, leicht ist es aber dennoch der Grafin und dem 
Grafen Keyserlingk nicht geworden, diesen Kursus zu veranstalten, 
denn er war lange versprochen, und ich konnte immer wieder nicht 
hinkommen. Deshalb war ja schon bei der Weihnachtstagung derNeffe 
des Grafen Keyserlingk hier in Dornach, und dem NefTen wurde dazu- 
mal gesagt, als er hierher geschickt wurde : Entweder bringst du mir 
das ganz bestimmte Versprechen, daB noch im nachsten Halbjahr die- 
ser Kursus stattfinden werde, oder du kommst mir iiberhaupt nicht 
nach Hause. Unter diesen Auspizien ist dann der Neffe, der ja auch 
sonst manches Merkwiirdige in der Welt zustande gebracht hat, hier 
erschienen und hat tatsachlich so eindringlich gesprochen, daB ich 
ihm sagte, sobald es nur irgend sein konne, wiirde der Kursus statt- 
finden. 

Nun konnte er nicht friiher sein, fand also zu Pfingsten statt. Es 
war ein schemes Pfingstfest, ein recht anthroposophisches Pfingstfest. 

Es ist etwas sehr Eigentumliches um dieses Gut Koberwitz und 
seine Umgebung. Es gehort ja zum Gut Koberwitz eine Landwirt- 
schaft von dreiBigtausend Morgen. Es ist eines der groBten Giiter. Es 
kann also schon sehr viel von der Landwirtschaft dort besehen 
werden. Es wurde auch dort sehr viel gesehen, denn es wurde alles 
mit einem auBerordentlichen Entgegenkommen gezeigt. 

Eines fallt einem sogleich auf, wenn man ankommt in Koberwitz 
und die erste Verrichtung vollbringen will, sich die Hande zu wa- 
schen: man merkt sogleich, daB im Waschbecken Eisen drinnen ist. 



Der Boden in Koberwitz ist namlich ein Boden, der eisenhaltig ist. 
Und ich denke tatsachlich daran, daB dieser Boden in der mannig- 
faltigsten Weise noch Verwendung finden konnte, denn er ist auBer- 
ordentlich eisenreich. 

Nun fand ich tatsachlich dieses Entgegenkommen des Eisens iiber- 
all. Und deshalb sagte ich gleich beim ersten Mittag, um die Hausleute 
zu begriiBen, daB es einem vor alien Dingen auffallt, daB in Koberwitz 
alles aus Eisen ist: der NefFe war schon aus Eisen in seinen Forde- 
rungen, als er hier zu Weihnachten erschien; der Boden ist ganz eisen- 
getrankt, und dort herrscht etwas ZielbewuBtes und Energisches, 
so daB ich nicht anders sagen konnte, als : die eiserne Grafin und der 
eiserne Graf. Es war auch tatsachlich in dem moralischen Verhalten 
etwas durchaus Eisernes. 

Bei dem landwirtschaftlichen Kursus handelte es sich dann darum, 
zunachst zu entwickeln, welches die Bedingungen des Gedeihens der 
verschiedenen Gebiete der Landwirtschaft sind. Da gibt es ja auBer- 
ordentlich interessante Gebiete, Pflanzenwachstum, Tierzucht, Wald- 
wirtschaft, Gartenwirtschaft und so weiter. Dann dasjenige, was zum 
Allerinteressantesten gehort, die Geheimnisse des Diingens, die 
auBerordentlich wirkliche Geheimnisse sind. 

Fur alles dieses wurden zunachst die Prinzipien, die Zusammen- 
hange entwickelt, die ja deshalb in der gegenwartigen Zeit ganz 
besonders bedeutsam erscheinen, weil ja, so sehr man es glauben mag 
oder nicht, gerade die Landwirtschaft unter der materialistischen 
Weltanschauung am allermeisten von rationellen Prinzipien abgekom- 
men ist. Und die wenigsten Menschen wissen ja, daB im Laufe der 
letzten Jahrzehnte sich innerhalb der Landwirtschaft das ergeben hat, 
daB alle Produkte, von denender Mensch eigentlichlebt, degenerieren, 
und zwar in einem auBerordentlich raschen MaBstab degenerieren. 

Es ist schon so, daB nicht etwa bloB die moralische Entwickelung 
der Menschheit in der Gegenwart, in der Zeit des Oberganges vom 
Kali Yuga zu dem lichten Zeitalter, im Degenerieren ist, sondern es 
ist dasjenige, was der Mensch mit seinen MaBnahmen aus der Erde 
und aus dem, was unmittelbar dariiber ist, gemacht hat, in einem 
raschen Degenerieren, das statistisch heute festgestellt ist, das be- 



sprochen wird in landwirtschaftlichen Vereinigungen zum Beispiel, 
dem gegeniiber eben nur die Menschen machtlos sind. 

Und so kann sich heute auch schon der materialistische Landwirt, 
wenn er iiberhaupt nicht ganz dumpf dahinlebt, sondern etwas nach- 
denkt iiber die Dinge, die sich ja taglich oder wenigstens jahrlich 
ergeben, ungefahr ausrechnen, in wieviel Jahrzehnten die Produkte 
so degeneriert sein werden, daB sie noch im Laufe dieses J ahrhunderts 
nicht mehr zur Nahrung der Menschen dienen konnen. 

Also es handelt sich dabei durchaus urn eine Frage, die im aller- 
eminentesten Sinne eine, ich mochte sagen, kosmisch-irdische Frage 
ist. Gerade bei der Landwirtschaft zeigt es sich, daB aus dem Geiste 
heraus Krafte geholt werden mussen, die heute ganz unbekannt sind, 
und die nicht nur die Bedeutung haben, daB etwa die Landwirtschaft 
ein biBchen verbessert wird, sondern die die Bedeutung haben, daB 
uberhaupt das Leben der Menschen - der Mensch muB ja von dem 
leben, was die Erde tragt eben weitergehen konne auf Erden auch 
im physischen Sinne. 

Es handelte sich also schon um ein ganz betrachtliches Thema. Und 
die Prinzipien, die dann angegeben wurden, um zu zeigen, unter 
welchen Bedingungen sich Pflanzen entwickeln in der verschiedensten 
Art, die Tiere entwickeln, die Prinzipien, nach denen gediingt werden 
muB, nach denen das Unkraut entfernt werden muB, nach denen die 
Schadlinge der Landwirtschaft, die Parasiten vertilgt werden konnen, 
nach denen die Pflanzenkrankheiten bekampft werden konnen, all das 
sind ja heute auf dem Gebiete der Landwirtschaft auBerordentlich 
eklatante Fragen. 

Nachdem diese Prinzipien besprochen worden sind, wurde dann 
iibergegangen zu dem, was nun zunachst zu tun ist, um es dahin zu 
bringen, daB eine Diingerreform kommt, eine Reform in der Bekamp- 
fung des Unkrautes und der tierischen Pflanzenschadlinge, der Para- 
siten, und in der Bekampfung der Pflanzenkrankheiten. Und es hat 
sich nun im Anschlusse an den Kursus und die jeden Tag an den 
Kursus sich anschlieBenden Besprechungen ein Ring, wie der Graf 
Keyserlingk es nannte, der doet versammelten anthroposophischen 
Landwirte gebildet, der im engsten Zusammenhange mit der Natur- 



wissenschaftlichen Sektion am Goetheanum hier arbeiten will. So daB 
die Naturwissenschaftliche Sektion Prinzipien auszuarbeiten hat nach 
den Grundlagen, die zunachst uber die geologische BodenbeschafFen- 
heit, uber die sonstige Bodenbeschaffenheit, uber die Futtermoglich- 
keiten, iiber die Dungmoglichkeiten, iiber alle Gebiete, die eben in 
Betracht kommen, Nahe des Waldes, klimatische Verhaltnisse und 
so weiter. Nachdem diese Angaben in der entsprechenden Weise ge- 
macht sind von seiten der landwirtschaftlichen Fachleute, werden hier 
die Prinzipien dann ausgearbeitet werden, nach denen die weiteren 
Versuche nun zu gestalten sind, um dasjenige, was als praktische 
Winke im Kurse gegeben worden oder in den Diskussionen noch 
angefuhrt worden ist, tatsachlich so auszuprobieren, daB jeder dann 
sagen kann, wenn auch manches heute noch absonderlich erscheint: 
Wir haben es probiert, es geht. 

Dazu soli also dieser Ring von Landwirten da sein, der im engsten 
Zusammenhange mit der Naturwissenschaftlichen Sektion und auch 
mit Frl. Dr. Vreede, weil astronomische Angaben dazu notwendig 
sind, arbeiten wird. 

Selbstverstandlich wird in der mannigfaltigsten Weise iiberhaupt 
die ganze Freie Hochschule, insbesondere die Medizinische Sektion 
auch dabei beteiligt sein. So daB also gerade nach den Intentionen, die 
von unseren Freunden, namentlich von unseren Freunden Graf Key- 
serlingk und Herrn Stegemann, ausgearbeitet worden sind wahrend 
des Kurses, die Sache hoffentlich nun auch auf praktischem Gebiete 
einen giinstigeren Verlauf nimmt als manches, was unter anderen 
Auspizien, unter nicht so sachgemaBen Auspizien in der letzten Zeit 
von manchen unternommen worden ist. 

Die Bedingung des Gelingens besteht aber in folgendem, und es 
wurde strenge betont, wiederholt immer wieder und wiederum, daB 
dasjenige, was der Inhalt dieses Kurses war, zunachst das geistige 
Eigentum des Ringes der Landwirte bleibt, der praktischen Land- 
wirte. Es waren ja auch Interessenten der Landwirtschaft da, die dann 
nicht in den Ring eintreten konnten, denen ist es ausdriicklich auf- 
erlegt worden, daB nicht in altgewohnter anthroposophischer Weise 
gleich wiederum alles an jeden ausgeschwatzt wird, denn die Dinge 



konnen nur dann ihre praktische Bedeutung erlangen, wenn zunachst 
dasjenige, was Inhalt des Kursus war, im fachmannischen Kreise 
bleibt, von Landwirten ausgepruft wifd. Manche Dinge werden vier 
Jahre zum Ausprobieren brauchen. Wahrend dieser Zeit wird das- 
jenige, was an praktischen Winken gegeben worden ist, nicht iiber den 
Kreis der landwirtschaftlichen Gemeinschaft hinauskommen, weil es 
gar keinen Zweck hat, daB man iiber die Dinge bloB redet, sondern 
die Dinge sind eben dazu da, daB sie tatsachlich in die Lebenspraxis 
hereinkommen. Und jeder begeht ein Unrecht, der dort die Dinge 
gehort hat, und sie etwa irgendwie ausschwatzt. 

Das sind die Dinge, die sich zunachst auf den, wie ich glaube, 
fruchtbaren landwirtschaftlichen Kursus beziehen. 

Es konnte auch noch in Breslau eine Eurythmie-Vorstellung statt- 
finden, die am Pfingstsonntag morgens war, die auBerordentlich stark 
besucht war, und die in einer auBerordentlich gunstigen Weise auf- 
genommen worden ist. 

Aufier diesen Veranstaltungen fanden zahlreiche andere statt. Vor 
alien Dingen morgens dauerten die landwirtschaftlichen Debatten von 
etwa viertel nach elf Uhr bis nachmittags drei Uhr. Das war in Kober- 
witz drauBen, wie gesagt. Die anderen Dinge waren in Breslau drin- 
nen - was dazwischen liegt, werde ich nachher sagen -, und jeder 
Tag wurde damit abgeschlossen, daB ein anthroposophischer Vortrag 
fur Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft stattfand, der 
sich im wesentlichen auch mit den Karmafragen beschaftigte, die ja 
hier schon seit Wochen den Gegenstand der Betrachtungen bildeten. 
Sie wurden dort in neun Vortragen zusammengefaBt. Ich habe einen 
kurzen Bericht iiber die ganze Sache ja schon gegeben in dem Mit- 
teilungsblatte, das dem «Goetheanum» beiliegt, das eben heute 
herausgekommen ist. Da ist schon iiber die ganze Breslauer Ver- 
anstaltung berichtet. Ich darf auch dabei sogleich wieder be- 
tonen: Aus dem, was nun an den verschiedensten Orten erprobt 
werden konnte, in Prag, in Bern, in Paris, jetzt wieder in Breslau, 
darf ich sagen, daB dasjenige, was von der Weihnachtstagung aus- 
gegangen ist, dieser esoterische Zug, der jetzt durch die ganze Anthro- 
posophische Gesellschaft geht, der das Neue, man konnte sagen 



eigentlich dasjenige ist, was nach der wirklichen Neubegriindung der 
Anthroposophischen Gesellschaft jetzt da ist, friiher nicht da war, daft 
das nun von den Herzen iiberall in einer wirklich, in einer deutlich 
befriedigenden nicht nur, sondern auBerordentlich seelenhaften Weise 
entgegengenommen wird; so daB wirklich die begriindete HofTnung 
besteht, daB jetzt, nachdem die Anthroposophische Gesellschaft durch 
die Weihnachtstagung ihre Spiritualitat gewonnen hat, bewuBt spiri- 
tuell schon von dem esoterischen Vorstand in Dornach gearbeitet 
wird, daB jetzt tatsachlich iiberall bemerkt werden kann, daB nicht 
nur die Stromung nach auswarts geht, sondern daB die Herzen der 
Teilnehmer dieser Stromung durchaus entgegenkommen. 

Man konnte das bei den Abendvortragen, bei den Mitglieder- 
vortragen am Abend sehr, sehr deutlich sehen. Und die Herzlichkeit 
auBerdem, mit der Breslau und Koberwitz auch diesen Vortragen ent- 
gegengekommen ist, die gestaltete sich wirklich in einer spirituell- 
organisatorischen Weise aus, denn es war tiefes anthroposophisches 
Verstandnis, und es hatte sich auch umgesetzt, in der Materie ver- 
wirklicht. Ich brauche das nur zu erwahnen, daB am letzten Abend, 
am Montag abend in Breslau, dann statt des Vortrages alles beschlos- 
sen wurde mit einem geselligen Zusammensein. Es waren ja wirklich 
von weither viele Mitglieder zugereist, lange Zeit hatten die Mit- 
glieder der deutschen Gegenden nicht so etwas gehabt, es waren von 
weither, von Siiddeutschland, von Westdeutschland, von den naheren 
Gegenden auch selbstverstandlich die Mitglieder zugereist, so daB 
groBe Sale von den Mitgliedern uberfullt waren. Am letzten Abend, 
beim geselligen Zusammensein, nachdem am Sonntag viele oder die 
meisten fortreisen muBten, waren eben immerhin noch so dreihundert- 
siebzig Mitglieder anwesend, die nun alle zum Abendbrot bewirtet 
wurden drinnen in Breslau von dem Hause Keyserlingk. 

Sie miissen sich also nur vorstellen, daB in einem Lokal in Breslau, 
hineingebracht auf Lastautos, alles dasjenige war, was fur die Be- 
wirtung von dreihundertsiebzig Anthroposophen, die an diesem 
Abend, wie ich beim Herumgehen bemerkte, einen auBerordentlich 
guten Appetit hatten, notig war. - Ja, das geschieht so beim Bilder- 
anschauen, man ist niemals so hungrig, als wenn man durch Bilder- 



galerien gegangen ist, das geschieht offenbar auch so bei anthropo- 
sophischen Vortragen. Da hat es sich in den Tagen zusammen- 
gesammelt. Aber das Schonste war das, daB die Anthroposophen einen 
groBen Appetit hatten, dreihundertsiebzig an der Zahl waren, und 
daB noch eine ganze Menge iibriggeblieben ist. 

Diese Vortrage bildeten also den SchluB des Tages, so daB vom 
landwirtschaftlichen Kursus und von den anthroposophischen Mit- 
gliederversammlungen die ganze Veranstaltung eingerahmt war. 

Zwischendrinnen war ein Kursus iiber kunstlerische Sprachgestal- 
tung von Frau Dr. Steiner; es waren zwei Versammlungen fur die 
Breslauer Jugendgruppe; es waren zwei Klassenstunden. Und am 
letzten Sonntag kam noch etwas dazu. Da fand sich Herr Kugelmann 
mit seiner Schauspielertruppe ein, die neue kunstlerische Buhnen- 
spiele begriindet haben unter den Anregungen des Sprachkursus, der 
vorzwei Jahren hier am Goetheanum war, und die uns die «Iphigenie » 
vorfuhren wollten, was tatsachlich mit Bezug auf alles dasjenige, was 
aus dem Sprachkursus hervorgegangen ist, eine ganz vielverspre- 
chende, zunachst vielversprechende Sache war. 

Die Zeit war reichlich, wirklich reichlich ausgefullt, aber es war 
eben auch moglich, mancherlei zu bringen fur Mitglieder, die lange 
Zeit entbehrt haben, uberhaupt an einer anthroposophischen Ver- 
anstaltung teilnehmen zu konnen. 

Zwischen diesen Dingen waren dann die Begehungen der Giiter. 
Man schaute sich dasjenige an, was auf dem Gute zu sehen war, wobex 
naturlich immer in alle diese Dinge in Mitteleuropa dasjenige hinein- 
spielt heute, was sich so deutlich bemerkbar macht in der absolut 
zusammenbrechenden Wirtschaft. Ich meine das Wirtschaftsleben im 
allgemeinen. Das Gut Koberwitz ist ja in ausgezeichneter Weise be- 
wirtschaftet, die Land wirtschaft muB ja naturlich fortgehen, aber das 
Wirtschaftsleben ist schon in einem furchtbaren Zustande in Deutsch- 
land. Nun, am Montag waren dann, ich glaube um elf Uhr abends, 
die Veranstaltungen zu Ende. 

Dann konnte ich am Dienstag heruberfahren nach Jena-Lauenstein, 
wo eine Anzahl unserer jungeren Freunde mit Frl. Dr. Use Knauer 
zusammen eine Heil- und Erziehungsstatte begriinden fur nicht nur 



schwach begabte, sondern wirklich konstitutionell kranke Kinder, die 
er2ogen werden und so weit gebracht werden sollen, als es eben geht. 
Dieses Institut ist wie gesagt in Begriindung begriffen. Ich konnte die 
Sache etwas inaugurieren und konnte die ersten aufgenommenen 
Kinder sehen. So daft wir die Sache in Lauenstein, in der Nahe von 
Jena, sozusagen haben auf die Beine bringen konnen. 

Dann bin ich eben iiber Stuttgart hierher gekommen. Nicht wahr, 
in Stuttgart ist ja vor alien Dingen dasjenige heute - von dem iibrigen 
abgesehen - das auBerordentlich Bedriickende, daB in der Waldorf- 
schule, die in padagogisch-didaktischer und in geistiger Beziehung 
so auBerordentliche Fortschritte macht, das Wirtschaftliche geradezu 
trostlos ist. Sie mussen nur bedenken, heute morgen zum Beispiel habe 
ich die funfte Klasse wiederum so einrichten mussen, daB aus zwei 
Klassen drei geworden sind, wir haben also jetzt die funfte Klasse a, 
die funfte Klasse b, die funfte Klasse c. Auch die sechste Klasse haben 
wir in drei Abteilungen. Die meisten Klassen haben wir in zwei Ab- 
teilungen, selbst bis in die hoheren Klassen hinauf. Wir haben iiber 
achthundert Schuler in der Waldorfschule. Die Sache geht auBer- 
ordentlich gut fort in padagogisch-didaktischer Beziehung und auch 
in geistiger Beziehung, aber das Wirtschaftliche der Waldorfschule 
ist geradezu trostlos, wirklich im tiefsten Sinne trostlos ! 

Sie mussen nur bedenken, wir hatten, sagen wir, in den Wochen 
vor Weihnachten noch einen Monatsetat in der Waldorfschule von 
etwa 6000-8000 Mark, was jetzt einem Monatsetat von 25000-27000 
Mark infolge des ungeheuren Hinaufschnellens der Lebensmittel- 
preise in Deutschland entspricht. Das sind naturlich Dinge, die ganz 
furchtbar sind. Und wir standen vor einiger Zeit vor der finanziellen 
Situation, daB wir von diesen 25000-27000 Mark Monatsetat etwa 
15000-17000 Mark nicht gedeckt haben, daB wir also mit einem Defi- 
zit im Monat werden zu rechnen haben in der nachsten Zeit von 
15000-17000 Goldmark. 

Das ist schon eine bedriickende Sache, die sehr schwer auf der 
Seele lastet, denn alles ist eingerichtet, ein Lehrerkollegium, das iiber 
vierzig Lehrer umfaBt, ist da, iiber achthundert Schuler sind da. Das 
alles geht naturlich auBerordentlich schwierig weiterzutragen unter 



solchen wirtschaftlichen Voraussetzungen, und namentlich unter den 
wirtschaftlichen Aussichten, die da bestehen in Deutschland. 

Nun ist es moglich gewesen, durch Opferwilligkeit von anthropo- 
sophischen Freunden zunachst fiir die nachsten drei, vier oder funf 
Monate von diesem monatlichen Manko 10000 Mark zu decken, so 
daB nur noch etwa 6000-7000 Mark monatlich etwa werden gedeckt 
werden miissen in den letzten Monaten. Die konnten ja auch gedeckt 
werden, aber es ist schon das wahr, meine lieben Freunde, daB eben in 
der anthroposophischen Gesellschaft doch, wenn es auf die Dinge 
ankommt, die etwas praktisch gehandhabt werden sollen, manche 
nichtpraktische Art des Verhaltens da ist. 

Man braucht sich nur zu iiberlegen, wie ich bei einer Versammlung 
des Waldorfschulvereins kiirzlich sagte, was hofFentlich recht weit 
hinausgetragen wird - denn diese Dinge weiter hinauszutragen ist viel 
wichtiger als dasjenige, was von Anthroposophen in der Gegenwart 
manchmal hinausgetragen wird ich sagte: wir haben in Deutsch- 
land ganz gering gerechnet 10000 Anthroposophen. Wenn in jeder 
Woche iiberall gesammelt wird, in jeder Woche jeder nur 50 Pfennige 
gibt, so sind das in jeder Woche von 10000 Anthroposophen 5000 
Mark, und es ist etwas, was mit Leichtigkeit zu handhaben ware, wenn 
man es eben nur tate. So daB ich sagte : In der Anthroposophischen 
Gesellschaft ist es vielfach so, daB unsere Einrichtungen so schwach 
fundiert sind, daB die Leute, die gern ihr Geld geben wiirden - das 
ist eine Erfahrung absolut nicht wissen, auf welche Weise sie es 
losbringen konnen. Ja, es bleibt aber immerhin doch eine sehr schwer 
ertragliche Sache, diese Situation der Waldorfschule, und ich darf bei 
dieser Gelegenheit ja erwahnen, daB gerade durch die Opferwilligkeit 
der Schweizer Freunde in der letzten Zeit ein gar nicht unbetracht- 
licher, sondern recht betrachtlicher Monatsetat teilweise durch direkte 
Beihilfe, aber namentlich durch Obernahme von Patenschaft fiir Kin- 
der - Pate ist derjenige, der fiir ein Kind der Waldorfschule den 
Monatsetat von 25-27 Mark bezahlt - geleistet worden ist. Aber es 
bleibt naturlich doch eine sehr trube Aussicht und etwas sehr, sehr 
Bedriickendes, diese Verhaltnisse in der Waldorfschule. 

Wenn sich etwa 250-300 Paten noch finden wiirden, und die Mit- 



gliedsbeitrage besser einlaufen wiirden, Sammlungen stattfinden wiir- 
den, so wiirde es aber gar nicht so schwierig sein. Nur natiirlich muB 
ja gesagt werden, daB gegenwartig in Deutschland eine gar nicht zu 
beschreibende Geldknappheit vorhanden ist. Nicht als ob keine Werte 
da waren, aber es ist eine solche Geldknappheit doch da, daB gar keine 
Zirkulation eigentlich moglich ist. Aiso das wirtschaftliche Leben ist 
schon in einer recht iiblen Verfassung in Mitteleuropa. 

Das ist so der Bericht, den ich Ihnen habe geben wollen. Alle diese 
Dinge zeigen, daB alles, was auf anthroposophischem Felde aus der 
anthroposophischen Bewegung heraus selber gemacht wird, eine sehr 
starke Kraft in der Gegenwart aufweist. Die ganze Gestalt, welche die 
Waldorfschule angenommen hat, zeigt schon eben eine sehr, sehr 
starke Kraft, die dem Anthroposophischen innewohnt. Und das tritt 
auch sonst hervor. 

Bediirfnis ist vorhanden nach demjenigen, was Anthroposophie 
geben kann. Es war ein Sprachkursus, also ein Kursus fur kiinstle- 
rische Sprachbehandlung angesetzt, der in wenigen Stunden absolviert 
werden muBte, weil ja wirklich gar nicht die Zeit vorhanden war fur 
so vieles. Aber da meldeten sich, ich glaube, 160 Leute oder so etwas, 
Man kann nicht in fiinf Stunden 160 Leuten Sprachunterricht geben, 
so daB die Sache so eingerichtet werden muBte, daB etwa 30 Leute 
vorne saBen, die bekamen einen wirklichen Sprachunterricht; die 
andern konnten nur zuhoren. Also Bediirfnis ist durchaus vorhanden, 
ein tiefes, ein intensives, ein weitgehendes Bediirfnis. Wir muBten nur 
in der Lage sein, die vorhandenen Krafte wirklich flottzumachen, 
und wir muBten eben tatsachlich im anthroposophischen Wirken 
weiterkommen. 

Es ist ja Tatsache, daB so etwas, wie es in Breslau der Fall war, hat 
zustande kommen konnen, eben durchaus dem Wirken, wie ich schon 
sagte, des eisernen Grafen und der eisernen Grafin Keyserlingk und 
unserem alten Freunde, der ja fast so lange, als die anthroposophische 
Bewegung wirkt, seinerseits auch wirkt, dem Rektor Bartsch, zu- 
zuschreiben, der als junger Mann begonnen hat, Anthroposoph zu 
sein, jetzt eben pensionierter Schulrektor geworden ist, aber noch 
immer so sehr jugendlich sich fiihlt mit andern zusammen, daB er bei 



seinen BegriiBungsworten, die er mir am ersten Abend der Mit- 
gliederversammlung, der Vortrage, gehalten hat, mich den Vater ge- 
nannt hat, was er ganz auBerordentlich stark wahrend der ganzen 
zehn Tage hat biiBen miissen! 

Das ist der Bericht, den ich Ihnen habe geben wollen, meine lieben 
Freunde, von jener Veranstaltung, die Sie zweifellos schon deshalb 
interessieren muB, weil es vielleicht nun doch gelingt, auf einem be- 
stimmten Gebiete, vom Anthroposophischen ausgehend, ins unmittel- 
bare Leben hinein auch etwas zu bringen. Denn man sieht, es kann 
auf anthroposophischem Gebiete von beiden Seiten her, von dem 
hochst Spirituellen und von dem ganz Praktischen, von beiden Seiten 
her kann mitgewirkt werden. Und eigentlich erst dann wird richtig 
gewirkt, wenn diese beiden Seiten etwas ineinander verweben und 
miteinander in vollste Harmonie gebracht werden. 

Die Fehler, die da im anthroposophischen Wirken sehr leicht ent- 
stehen konnen, die entstehen ja eben gerade dadurch, daB auf der 
einen Seite dasjenige, was spirituell ist, nicht ins wirkliche Leben 
ubergeht, daB es eine Art Theorie, oder eine Art, ich mochte sagen, 
Glaube an Worte bleibt, nicht einmal an Gedanken, sondern Glaube 
an Worte bleibt, daB auf der anderen Seite wiederum nicht die Ein- 
sicht in richtiger Weise beizubringen ist, daB in das unmittelbar prak- 
tische Handhaben das Spirituelle wirklich eingreifen kann. 

Sie miissen ja nur das eine bedenken, meine lieben Freunde, heute 
versteht eigentlich kein Mensch das Wesen des Diingens. GewiB, es 
wird instinktiv durch Tradition aus alten Zeiten gemacht. Aber das 
Wesen des Diingens verstehen, das tut heute eigentlich kein Mensch. 
Es weiB kein Mensch im Grunde genommen - auBer denjenigen, die 
das aus Geistigem heraus wissen konnen -, was eigentlich der Diinger 
fur den Acker bedeutet, und warum er in gewissen Gegenden un- 
erlaBlich und notwendig ist, und wie er zu handhaben ist. Es weiB zum 
Beispiel kein Mensch heute, daB alle die mineralischen Dungarten 
gerade diejenigen sind, die zu dieser Degenerierung, von der ich ge- 
sprochen habe, zu diesem Schlechterwerden der landwirtschaftlichen 
Produkte das Wesentliche beitragen. Denn heute denkt eben jeder 
einfach : nun ja, zum Pflanzenwachstum gehort eine bestimmte Menge 



Stickstoff, und die Leute finden einfach ganz gleichgiiltig, auf welche 
Weise dieser Stickstoff bereitet wird, wo er herkommt. Das ist aber 
nicht gleichgiiltig, wo er herkommt, sondern es handelt sich wirklich 
darum, daB zwischen Stickstoff und Stickstoff, zwischen dem Stick- 
stoff, wie er in der Luft mit dem Sauerstoff zusammen ist, zwischen 
diesem toten Stickstoff und dem anderen Stickstoff ein groBer Unter- 
schied ist. Sie werden es nicht leugnen, meine lieben Freunde, daB ein 
Unterschied ist zwischen einem Menschen, der lebendig herumgeht 
und einem Leichnam, einem menschlichen Leichnam. Das eine ist tot, 
das andere ist lebendig und beseelt. 

Dasselbe ist zum Beispiel fur den Stickstoff und die anderen Stoffe 
der Fall. Es gibt toten Stickstoff. Das ist derjenige, der in unserer 
Luftumgebung ist, der dem Sauerstoff beigemischt ist, und der eine 
Rolle spielt bei unserem ganzen AtmungsprozeB und bei dem ProzeB 
des Zusammenlebens mit der Luft. Der darf nicht lebendig sein, aus 
dem einfachen Grunde, weil, wenn wir in lebendiger Luft leben wiir- 
den, wir fortwahrend ohnmachtig sein wiirden. DaB die Luft tot ist, 
der Sauerstoff tot ist, der Stickstoff tot ist, das ist die Bedingung einer 
Luft, in der viele Menschen so atmen sollen, daB sie bewuBt, besonnen 
denken konnen. 

Der Stickstoff, der in der Erde ist, der mit dem Dung hineinkommen 
muB, der unter dem EinfluB des ganzen Himmels sich bilden muB, 
dieser Stickstoff muB ein lebendiger sein. 

Und das sind zwei verschiedene Stickstoffe: derjenige Stickstoff, 
der uber dem Niveau der Erde ist, und derjenige, der unter dem 
Niveau der Erde ist ; das eine ist toter Stickstoff ; das andere ist leben- 
diger Stickstoff. 

Und so ist es mit allem. Dasjenige, was fur eine Weiterpflege der 
Natur notwendig ist, das ist ja volistandig in das Nichtwissen hinein- 
gekommen im Laufe des materialistischen Zei takers. Man weiB ja 
die wichtigsten Dinge nicht. Und so werden die Dinge fort-gehand- 
habt, gewiB aus einem ganz guten Instinkte heraus, aber der ver- 
schwindet allmahlich. Die Traditionen verschwinden. Die Leute wer- 
den mit Wissenschaft die Acker dtingen. Die Kartoffeln, das Getreide, 
alles wird immer schlechter. 



Das wissen auch die Leute, daB es schlechter wird, konstatieren es 
statistisch. Es ist heute nur eben erst das Strauben vorhanden gegen 
praktische MaBregeln, welche ausgehen von demjenigen, was man in 
geistiger Anschauung gewinnen kann. 

DaB man in diesen Dingen einmal richtig schaut, richtig sieht, das 
ist von einer ungeheuren Bedeutung. Ich habe es auch hier ofter 
gesagt, wenn einer eine Magnetnadel hat, die immer eine ganz be- 
stimmte Richtung einnimmt, die eine Spitze nach dem magnetischen 
Nordpol, die andere Spitze nach dem magnetischen Siidpol, so wiirde 
man ihn fur kindisch halten, wenn er sagen wiirde, in der Magnet- 
nadel drinnen liegen die Griinde, warum die eine Spitze immer nach 
Norden, die andere Spitze immer nach dem Siiden zeigt. Man sagt, 
hier ist die Erde, da ist die Magnetnadel; warum zeigt die Magnet- 
nadel mit der einen Spitze nach Norden, mit der anderen Spitze nach 
Siiden? weil hier ein magnetischer Nordpol, hier ein magnetischer 
Siidpol ist ; der richtet die Richtung der Magnetnadel nach der einen 
und nach der anderen Seite. Die ganze Erde nimmt man zu Hilfe, um 
die Richtung der Magnetnadel zu erklaren. Man geht aus der Magnet- 
nadel heraus. Man wiirde den fur kindisch halten, der meinte, daB die 
Ursache dafur in der Magnetnadel liege. 

So kindisch ist man aber, wenn man glaubt, daB dasjenige, was die 
heutige Wissenschaft in unmittelbarer Nahe der Pflanzen oder in 
der unmittelbaren Umgebung konstatiert, von dem abhange, was man 
da anschaut. Am Pflanzenwachstum ist der eanze Himmel mit seinen 
Sternen beteiligt ! Das muB man wissen. Das muB in die Kopfe wirk- 
lich nun einmal hineinkommen. Man muB sich sagen konnen, es ist 
ebenso kindisch, in der heutigen Art Botanik zu treiben, wie es 
kindisch ware, iiber die Magnetnadel so zu reden, wie ich es heute 
angedeutet habe. 

Und gewisse Dinge kann jeder Gebildete sich heute aneignen, wenn 
er nur Sinn hat fiir die allereinfachsten Bedingungen des anthropo- 
sophischen Lebens. 

Dasjenige, was ich in Penmaenmawr zum allerersten Mai angedeutet 
habe im vorigen Jahre, das ist auBerordentlich wichtig. Die Leute 
wissen ja heute nicht einmal, wie Mensch und Tier sich ernahrt, 



geschweige denn eine Pflan2e. Die Leute glauben, Ernahrung besteht 
darinnen, daB der Mensch die Substanzen seiner Umgebung iBt. Er 
nimmt sie in den Mund herein ; sie kommen dann in den Magen. Da 
wird ein Teil abgelagert, ein Teil geht weg. Dann wird der verbraucht, 
der abgelagert worden ist. Dann geht der auch weg. Dann wird das 
wieder ersetzt. In einer ganz auBerlichen Weise stellt man sich heute 
die Ernahrung vor. So ist es aber nicht, dafi mit den Nahrungsmitteln, 
die der Mensch aufnimmt durch seinen Magen, aufgebaut werden 
Knochen, Muskeln, sonstige Gewebemasse, - das gilt ausgesprochen 
ja nur fur den menschlichen Kopf. Und alles dasjenige, was auf dem 
Umwege durch die Verdauungsorgane in weiterer Verarbeitung im 
Menschen sich ausbreitet, das bildet nur das Stoffmaterial fur seinen 
Kopf und fur alles dasjenige, was im Nerven-Sinnes- System und dem, 
was dazu gehort, sich ablagert, wahrenddem zum Beispiel fur das 
GliedmaBensystem oder fur die Organe des Stoffwechsels selber die 
Substanzen, die man braucht, also sagen wir, um Rohrenknochen zu 
gestalten fur die Beine oder fur die Arme, oder fur Darme zu gestal- 
ten fiir den Stoffwechsel, fiir die Verdauung, gar nicht durch die 
durch den Mund und Magen aufgenommene Nahrung gebildet wer- 
den, sondern sie werden durch die Atmung und sogar durch die Sin- 
nesorgane aus der ganzen Umgebung aufgenommen. Es findet fort- 
wahrend im Menschen ein solcher ProzeB statt, daB das durch den 
Magen Aufgenommene hinaufstromt und im Kopfe verwendet wird, 
daB dasjenige aber, was im Kopfe, beziehungsweise im Nerven-Sin- 
nes-System aufgenommen wird aus Luft und aus der anderen Um- 
gebung, wiederum hinunterstromt, und daraus werden die Organe des 
Verdauungssystems oder die GliedmaBen. 

Wenn Sie also wissen wollen^ woraus die Substanz der groBen Zehe 
besteht, miissen Sie nicht auf die Nahrungsmittel hinschauen. Wenn 
Sie Ihr Gehirn fragen: Woher kommt die Substanz? da miissen Sie auf 
die Nahrung sehen. Wenn Sie aber die Substanz Ihrer groBen Zehe, 
insofern sie nicht Sinnessubstanz, also mit Warme und so weiter aus- 
gekleidet ist - insofern wird sie auch durch den Magen ernahrt -, 
sondern dasjenige, was sie auBerdem an Geriistesubstanz und so wei- 
ter ist, kennen wollen, so wird das aufgenommen durch die Atmung, 



durch die Sinnesorgane, ein Teil sogar durch die Augen. Und das 
geht alles, wie ich es ja ofter hier ausgefuhrt habe, durch einen sieben- 
jahrigen Zyklus in die Organe hinein, so daB der Mensch substantiell 
in bezug auf sein GliedmaBen-Stoffwechsel-System, das heiBt die 
Organe, aufgebaut ist aus kosmischer Substanz. Nur das Nerven- 
Sinnes-System ist aus tellurischer, aus irdischer Substanz aufgebaut. 
Nun, sehen Sie, das ist eine so fundamental bedeutsame Tatsache, daB 
das physische Leben von Mensch und Tier iiberhaupt nur beurteilt 
werden kann, wenn das gewuBt wird. Und nichts, nicht einmal die 
Mittel und Wege, um so etwas zu wissen, nichts ist in der heutigen 
Wissenschaft gegeben. Man kann es gar nicht wissen mit der heutigen 
Wissenschaft. Es geht gar nicht, weil, wenn die heutige Wissenschaft 
mit ihren Mitteln arbeitet, sie gar nicht zu so etwas kommen kann. Es 
ist unmoglich, es ist aussichtslos. 

Das sind die Dinge, die eben durchaus bedacht werden miissen. 
Daher haben wir heute diese Trennung von Theorie und Praxis. Die 
heutige Praxis ist geistlos, ist eine bloBe Routine. 

Aber es hort auf dasjenige, was aus dem Geist kommt, unpraktisch 
zu sein, wenn es eben tatsachlich aus dem Geiste kommt. Es wird dann 
im eminentesten Sinne praktisch. 



ERSTER VORTRAG 
Koberwitz, 7.Juni 1924 



Vorrede und Einkitung %um Kursus 
Emancipation des menschlichen und tierischen 
Lebens von der aufteren Welt 



Mit tiefem Danke sehe ich auf die Worte zuriick, die eben der Herr 
Graf Keyserlingk gesprochen hat. Denn es ist ja durchaus nicht bloB 
die Empfindung des Dankes derjenigen, die aus der Anthroposophie 
etwas entgegennehmen konnen, berechtigt, sondern es ist sozusagen 
auch wirklich der Dank der anthroposophischen Sache, der in unserer 
heutigen schwierigen Zeit alien Teilnehmern an anthroposophischen 
Interessen gezollt werden muB, ein solcher, den man tief empfinden 
kann. Und so mochte ich gerade aus dem Geiste anthroposophischer 
Gesinnung heraus in allerherzlichster Weise danken fur die eben aus- 
gesprochenen Worte. 

Es ist ja eine tief befriedigende Tatsache, daB es moglich ist, diesen 
landwirtschaftlichen Kursus gerade hier im Hause des Grafen und der 
Grafin Keyserlingk abhalten zu konnen. Aus meinen fruheren Be- 
suchen weiB ich, welch wunderschon wirkende Atmosphare, ich 
meine vor allem auch die geistig-seelische Atmosphare, es hier in 
Koberwitz gibt, und wie gerade dasjenige, was hier an geistig-seeli- 
scher Atmosphare lebt, ja die schonste Vorbedingung ist fiir dasjenige, 
was innerhalb dieses Kurses gesprochen werden soil. 

Wenn der Graf darauf aufmerksam gemacht hat, daB es fiir den 
einen oder den anderen - in diesem Falle waren es die Eurythmie- 
damen, es konnen ja auch andere Besucher von aus warts davon be- 
troffen sein - vielleicht manches Unannehmliche geben kann, so muB 
auf der anderen Seite in bezug auf das, was uns eigentlich zusammen- 
gebracht hat, doch gesagt werden : Ich glaube, wir konnten fiir diesen 
landwirtschaftlichen Kursus kaum irgendwo besser untergebracht 
sein als gerade inrnitten einer so ausgezeichneten und so musterhaft 
betriebenen Landwirtschaft. Zu allem, was auf anthroposophischem 



Felde zutage tritt, gehort ja das, daB man auch sozusagen in der 
notigen Empfindungsumgebung drinnen stecken kann. Und das wird 
fur die Landwirtschaft ganz sicher hier der Fall sein konnen. 

Nun, das alles veranlaBt mich, dem Hause des Grafen Keyserlingk 
den allertiefgefuhltesten Dank auszusprechen, dem ja gewiB auch Frau 
Dr. Sterner beistimmen wird dafiir, daB wir diese Festes-, ich denke, 
es werden auch Arbeitstage sein, gerade hier werden verleben konnen. 
Ich muB ja dabei bedenken, daB, ich mochte sagen, gerade dadurch, 
daB wir hier in Koberwitz sind, ein schon mit der anthroposophischen 
Bewegung verbundener landwirtschaftlkher Geist in diesen Festes- 
tagen walten wird. War es doch der Graf Keyserlingk, der von An- 
fang den Bestrebungen, die wir, ausgehend vom «Kommenden Tag», 
fur die Landwirtschaft in Stuttgart entwickelten, mit Rat und Tat und 
aufopferungsvoller Arbeit zur Seite stand, der ja seinen aus einem so 
griindlichen Zusammengewachsensein mit der Landwirtschaft heran- 
gezogenen Geist in dem walten lieB, was wir in bezug auf die Land- 
wirtschaft tun konnten. Es war schon, ich mochte sagen, aus dem 
Innersten unserer Bewegung dadurch etwas an Kraften waltend, die 
wie mit einer gewissen Selbstverstandlichkeit uns hierher zogen nach 
Koberwitz in dem Augenblicke, wo uns der Graf hier haben wollte. 
Deshalb kann ich auch versichern, daB ich glauben kann, daB jeder 
eigentlich gerne hier nach Koberwitz fur die Abhaltung dieses Kursus 
gegangen ist. Das begriindet, daB wir, die wir gekommen sind, ebenso 
tief unseren Dank dafiir auszusprechen haben, ihn sehr gerne aus- 
sprechen dafiir, daB das Haus Keyserlingk sich bereit erklart hat, uns 
mit diesen Bestrebungen in diesen Tagen aufzunehmen. 

Was mich betrifft, so ist dieser Dank allerherzlichst gefuhlt, und ich 
bitte das Haus Keyserlingk, ihn von mir ganz besonders entgegen- 
zunehmen. Ich weiB, was es heiBt, durch langere Tage hindurch in 
einer solchen Weise, wie ich es fiihle, daB es geschehen wird, so viele 
Besucher aufzunehmen, und kann, glaube ich, daher auch in diesen 
Dank die notige Nuance legen, und bitte auch, diese durchaus so auf- 
zunehmen, daB ich auch die Schwierigkeiten durchaus bedenken kann, 
die der Abhaltung einer solchen Veranstaltung in einem Hause, das 
weit abliegt von der Stadt, entgegenstehen. Ich bin iiberzeugt davon, 



daB, wie auch jene Unannehmlichkeiten, von denen Graf Keyserlingk 
als in diesem Fall Vertreter selbstverstandlich nicht der inneren, son- 
dern der auswartigen Politik der hiesigen Vortragsveranstaltungen 
gesprochen hat, sich ausnehmen werden, unter alien Umstanden jeder 
von uns befriedigt hinweggehen wird, was anbetrifft die Bewirtung 
und die Aufnahme hier. 

Nun, ob Sie ebenso befriedigt hinweggehen konnen von dem Kur- 
sus selber, das ist natiirlich durchaus die Frage, die wahrscheinlich 
immer diskutabler werden wird, trotzdem wir ja alles tun wollen, um 
uns auch in den spateren Tagen in allerlei Diskussionen iiber das 
Gesagte zu verstandigen. Denn Sie miissen bedenken, es ist ja, obzwar. 
von vielen Seiten ein langgehegter Wunsch nach einem solchen Kur- 
sus bestand, zum erstenmal, daB ich aus dem SchoB des anthroposo- 
phischen Strebens heraus einen solchen Kursus ubernehme. Ein sol- 
cher Kursus erfordert gar mancherlei, denn er wird uns selber zeigen, 
wie die Interessen der Landwirtschaft nach alien Seiten hin mit dem 
groBten Umkreise des menschlichen Lebens verwachsen sind und wie 
eigentlich es kaum ein Gebiet des Lebens gibt, das nicht zu der Land- 
wirtschaft gehort. Von irgendeiner Seite, aus irgendeiner Ecke ge- 
horen alle Interessen des menschlichen Lebens in die Landwirtschaft 
hinein. Wir konnen selbstverstandlich hier nur das zentrale Gebiet des 
Landwirtschaftlichen benihren. Allein, das wird uns wie von selbst 
fiihren zu manchem Seitenwege, der vielleicht gerade deshalb, weil 
das, was hier gesagt ist, durchaus auf anthroposophischem Boden 
gesagt werden soli, sich gerade dadurch als notwendig ergibt. Ins- 
besondere werden Sie mir verzeihen miissen, wenn die heutige Ein- 
leitung zunachst so weit hergeholt werden muB, daB vielleicht nicht 
jeder gleich sieht, welche Verbindung zwischen der Einleitung be- 
stehen wird und dem, was wir speziell landwirtschaftlich zu verhan- 
deln haben. Trotzdem wird aber dasjenige, was da aufgebaut werden 
soil, auf diesem heute zu Sagenden, scheinbar etwas ferner Liegenden, 
fuBen miissen. 

Gerade die Landwirtschaft ist ja auch in einer gewissen Weise be- 
trofFen, in ernstlicher Weise betroffen worden durch das ganze neu- 
zeitliche Geistesleben. Sehen Sie, dieses ganze neuzeitliche Geistes- 



leben hat ja insbesondere in bezug auf wirtschaftlichen Charakter 
zerstorerische Formen angenommen, deren zerstorerische Bedeutung 
von vielen Leuten heute noch kaum geahnt wird. Und solchen Dingen 
hat entgegenarbeiten wollen dasjenige, was in den Absichten lag der 
wirtschaftlichen Unternehmungen aus unserer anthroposophischen 
Bewegung heraus. Diese wirtschaftlichen Unternehmungen sind von 
Wirtschaftern und Kommerziellen gescharTen worden ; allein sie haben 
es nicht vermocht, dasjenige, was eigentlich urspriingliche Intentionen 
waren, nach alien Seiten hin zu verwirklichen, einfach auch schon aus 
dem Grunde nicht, weil in unserer Gegenwart allzuviele wider- 
strebende Krafte da sind, um das rechte Verstandnis fur eine solche 
Sache hervorzurufen. Der einzelne Mensch ist vielfach den wirksamen 
Machten gegenuber machtlos, und dadurch ist eigentlich nicht einmal 
bis jetzt das Allerursprunglichste in diesen wirtschaftlichen Bestre- 
bungen, die aus dem SchoBe der anthroposophischen Bewegung her- 
vorgegangen sind, es ist das AllerwesentUchste nicht einmal zur Dis- 
kussion gekommen. Denn um was hat es sich praktisch gehandelt? 

Ich will es an dem Beispiel der Landwirtschaft einmal erortern, 
damit wir nicht im allgemeinen, sondern im konkreten sprechen. Es 
gibt heute zum Beispiel allerlei sogenannte nationalokonomische Bii- 
cher und Vortrage, die haben auch Kapitel iiber die Landwirtschaft 
vom sozialokonomischen Standpunkt aus. Man denkt nach, wie man 
die Landwirtschaft gestalten soil aus sozialokonomischen Prinzipien 
heraus. Es gibt Schriften heute, die handeln von den sozialokono- 
mischen Ideen, wie man die Landwirtschaft gestalten soli. Das Ganze, 
sowohl das Abhalten von nationalokonomischen Vortragen wie das 
Schreiben von solchen Biichern, ist ein offenbarer Unsinn. Aber offen- 
barer Unsinn wird heute in weitesten Kreisen geiibt. Denn selbst- 
verstandlich sollte jeder erkennen, daB man iiber die Landwirtschaft 
nur sprechen kann, auch in ihrer sozialen Gestaltung, wenn man die 
Sache der Landwirtschaft zuerst als Unterlage hat, wenn man wirklich 
weiB, was Riibenbau, Kartoffelbau, Getreidebau bedeuten. Ohne das 
kann man auch nicht iiber die nationalokonomischen Prinzipien spre- 
chen. Diese Dinge miissen aus der Sache heraus, nicht aus irgend- 
welchen theoretischen Erwagungen festgestellt werden. Wenn man 



so etwas spricht heute vor dcnjenigen Menschen, die an der Univer- 
sitat eine Anzahl von Kollegs gehort haben iiber Nationalokonomie 
in bezug auf die Landwirtschaft, dann kommt ihnen das ganz absurd 
vor, weil ihnen die Sache so festzustehen scheint. Das ist aber nicht 
der Fall; iiber die Landwirtschaft kann nur derjenige urteilen, der sein 
Urteil vom Feld, vom Wald, von der Tierzucht hernimmt. Es sollte 
einfach alles Gerede auf horen iiber Nationalokonomie, das nicht aus 
der Sache selber heraus genommen ist. Solange man das nicht ein- 
sehen wird, daB es ein bloBes Gerede ist, was iiber den Dingen schwe- 
bend in nationalokonomischer Beziehung gesagt wird, so lange wird 
es zu nichts Aussichtsvollem kommen, nicht auf diesem landwirt- 
schaftlichen, nicht auf anderem Gebiete. 

DaB es so ist, daB man glaubt, aus den verschiedensten Gesichts- 
punkten her iiber die Dinge reden zu konnen, auch wenn man von der 
Sache nichts versteht, das kommt nur davon her, daB man wiederum 
innerhalb der einzelnen Lebensgebiete selber nicht auf die Grund- 
lagen zuriickgehen kann. DaB man eine Rube ja als eine Rube ansieht, 
gewiB, sie schaut so und so aus, laBt sich leichter oder schwerer 
schneiden, hat diese Farbe und diese oder jene Bestandteile in sich, das 
alles kann man sagen. Aber damit ist die Rube noch lange nicht ver- 
standen und vor alien Dingen nicht das Zusammenleben der Rube mit 
dem Acker, mit der Jahreszeit, in der sie reift und so weiter, sondern 
man muB sich iiber folgendes klar sein. 

Ich habe ofters einen Vergleich gebraucht, um auf anderen Lebens- 
gebieten das klar zu machen. Ich sagte : Man sieht eine Magnetnadel, 
man entdeckt, daB diese Nadel immer mit dem einen Ende nahezu 
nach Norden, mit dem anderen nach Siiden zeigt. Man denkt nach, 
warum das ist, man sucht die Ursache dazu nicht in der Magnetnadel, 
sondern in der ganzen Erde, indem man ihrer einen Seite den magne- 
tischen Nordpol, ihrer anderen den magnetischen Siidpol gibt. Wurde 
jemand in der Magnetnadel selber die Ursache suchen, daB sie sich in 
einer so eigentumlichen Weise hinstellt, so wiirde er einen Unsinn 
reden. Denn in ihrer Lage kann man die Magnetnadel nur verstehen, 
wenn man weiB, in welcher Beziehung sie zur ganzen Erde steht. 

Alles das, was fur die Magnetnadel als ein Unsinn erscheint, das gilt 



fur viele andere Dinge den Menschen als Sinn. Wenn Sie die Rube 
in der Erde wachsen haben: sie so 2u nehmen, wie sie ist, in ihren 
engen Grenzen, ist in dem Augenblick ein Unding, wenn die Rube in 
ihrem Wachstum vielleicht abhangig ist von unzahligen Umstanden, 
die gar nicht auf der Erde, sondern in der kosmischen Umgebung der 
Erde vorhanden sind, Und so erklart man heute vieles, so richtet man 
vieles im praktischen Leben ein, als ob man es nur zu tun hatte mit 
den engumgrenzten Dingen und nicht mit den Wirkungen, die aus der 
ganzen Welt kommen. Die einzelnen Lebensgebiete haben furchtbar 
darunter gelitten und wiirden diese Leiden viel mehr zeigen, wenn 
nicht, ich mochte sagen, trotz aller Wissenschaft der neueren Zeit, 
noch ein gewisser Instinkt vorhanden ware aus derjenigen Zeit, wo 
man mit dem Instinkt und nicht mit der Wissenschaft gearbeitet hat, 
wenn diejenigen Menschen, die von ihren Arzten verschrieben haben, 
wieviel Gramm Fleisch sie essen sollen, wieviel Kohl, damit das zur 
richtigen menschlichen Physiologie stimmt - es haben manche Leute 
neben sich eine Waage und wiegen sich alles das zu, was da auf den 
Teller kommt; das ist ja schon selbstverstandlich, man soli so etwas 
wissen, aber ich muB immer wieder denken : Es ist doch gut, daB der 
Betreffende auch den Hunger spurt, wenn er mit dem Zugewogenen 
noch nicht genug hat, daB noch dieser Instinkt vorhanden ist. 

So war der Instinkt eigentlich allem zugrunde liegend, was Men- 
schen tun muBten, bevor eine Wissenschaft auf diesem Gebiete da war. 
Und diese Instinkte haben manchmal ganz sicher gewaltet, und man 
kann heute noch immer auBerordentlich uberrascht sein, wenn man 
in solchen alten Bauernkalendern die Bauernregeln liest, wie un- 
geheuer weise und verstandlich das ist, was sie ausdriicken. Denn, 
um in solchen Dingen nicht aberglaubisch zu sein, dazu hat doch auch 
der instinkthaft sichere Mensch die Moglichkeit. Ebenso wie man fur 
die Sache auBerordentlich tiefsinnige Ausspriiche hat, die fur die Aus- 
saat und Ernte gelten, findet man hin und wieder, um alle moglichen 
Firlefanzereien abzuweisen, solche Ausspriiche wie: «Kraht der Hahn 
auf dem Mist, so regnet es, oder es bleibt, wie es ist. » Der notige 
Humor ist auch in diesem Instinkthaften uberall darinnen, um Aber- 
glaubische abzuweisen. 



Es handelt sich, wenn hier vom anthroposophischen Gesichts- 
punkte aus gesprochen wird, wirklich darum, nicht zuriickzugehen zu 
den alten Instinkten, sondern aus einet tieferen geistigen Einsicht 
heraus das zu finden, was die unsicher gewordenen Instinkte immer 
weniger geben konnen. Dazu ist notwendig, daB wir uns einlassen auf 
eine starke Erweiterung der Betrachtung des Lebens der Pflanzen, der 
Tiere, aber auch des Lebens der Erde selbst, auf eine starke Erweite- 
rung nach der kosmischen Seite hin. 

Es ist ja doch so, daB gewiB von einer Seite her es ganz richtig ist, 
Regenwitterung in trivialer Weise nicht mit den Mondphasen in Be- 
ziehung zu bringen, aber auf der anderen Seite besteht auch wiederum 
das, was sich einmal zugetragen hat. Ich habe es schon ofter in anderen 
Kreisen erzahlt, daB in Leipzig zwei Professoren tatig waren, wovon 
der eine, Gustav Theodor Fechner y ein in geistigen Dingen mit so man- 
chen sicheren Einbiicken behafteter Mann, aus auBeren Beobachtun- 
gen heraus nicht so ganz nur mit Aberglauben hinblicken konnte 
darauf, daB gewisse Epochen des Regnens und Nichtregnens doch 
wiederum mit dem Monde und seinem Gange um die Erde zusammen- 
hangen. Es hat sich das fur ihn als eine Notwendigkeit aus statistischen 
Untersuchungen ergeben. Aber sein Koliege, der beriihmte Professor 
Schleiden^ der stellte in einer Zeit, in der man iiber solche Dinge hin- 
wegsah, aus wissenschaftlichen Vernunftgriinden alles das in Abrede. 
Nun hatten die beiden Professoren an der Leipziger Universitat auch 
Frauen. Und Gustav Theodor Fechner, der ein etwas humorvoll an- 
gelegter Mensch war, sagte : Es sollen mal unsere Frauen entscheiden. 
Nun war damals in Leipzig noch eine gewisse Sitte. Es war das Wasser, 
das man zum Waschen der Wasche brauchte, nicht so leicht zu er- 
halten. Man muBte es weit herholen. Man stellte also die Kruge und 
Bottiche auf und fing das Regenwasser auf. Das tat sowohl die Frau 
Professor Schleiden wie die Frau Professor Fechner. Aber sie hatten 
nicht geniigend Platz, um gleichzeitig die Bottiche aufzustellen. Da 
sagte der Professor Fechner: Wenn das ganz gleichgultig ist, wenn 
mein verehrter Koliege recht hat, dann soil einmal die Frau Professor 
Schleiden ihre Bottiche in der Zeit aufstellen, in der nach meinen 
Angaben nach der Mondphase weniger Regen kommt, und meine 



Frau wird den Bottich aufstellen in der Zeit, in der nach meiner Be- 
rechnung mehr Regenwasser kommt. Wenn das alles Unsinn ist, wird 
die Frau Professor Schleiden das ja gerne tun. -Und siehe da, die 
Frau Professor Schleiden lieB sich das nicht gefallen, sondern sie 
richtete sich lieber nach den Angaben von Professor Fechner, als nach 
ihrem eigenen Gatten. 

So ist es schon einmal. Die Wissenschaft kann ja richtig sein, aber 
die Praxis kann sich auf dieses Richtige der Wissenschaft nicht ein- 
lassen. Wir wollen nicht in dieser Weise sprechen, wir wollen ja ernst- 
haft sprechen. Es sollte das nur gesagt sein, um uns darauf hinzu- 
weisen, daB man etwas weiter sehen muB, als man heute gewohnt ist 
zu sehen, wenn man nach dem hinschaut, das dem Menschen das 
physische Leben auf der Erde allein mdglich macht, und das ist doch 
die Landwirtschaft. 

Ich kann nicht wissen, ob dasjenige, was heute schon aus Anthropo- 
sophie heraus gesagt werden kann, uns wird nach alien Seiten be- 
friedigen konnen. Aber es soil versucht werden, das zu sagen, was aus 
Anthroposophie heraus fur die Landwirtschaft gegeben werden kann. 

Damit mochte ich einleitungsweise beginnen, hinzuweisen auf Wich- 
tigstes in unserem irdischen Dasein fur die Landwirtschaft. Wir haben 
ja heute so die Gewohnheit, wenn wir von etwas reden, den haupt- 
sachlichsten Wert zu legen auf die chemisch-physikalischen Bestand- 
teile. Nun wollen wir einmal nicht ausgehen von den chemisch- 
physikalischen Bestandteilen, sondern wollen einmal ausgehen von 
etwas, was hinter den chemisch-physikalischen Bestandteilen steht 
und doch von einer ganz besonderen Wichtigkeit ist fur das Leben der 
Pflanze auf der einen Seite, des Tieres auf der anderen Seite. Sehen 
Sie, wenn wir das Leben des Menschen betrachten und in einem ge- 
wissen Grade auch das Leben des Tieres betrachten, so haben wir eine 
starke Emanzipation des menschlichen und tierischen Lebens von der 
auBeren Welt zu verzeichnen. Je mehr wir zum Menschen herauf- 
kommen, eine um so starkere Emanzipation haben wir zu verzeichnen. 
Wir finden Erscheinungen im menschlichen und tierischen Leben, die 
uns zunachst heute ganz unabhangig erscheinen von der auBerirdi- 



schen oder auch den unmittelbar die Erde umgebenden atmosphari- 
schen und dergleichen Einfliissen. Das scheint nicht nur so, sondern 
ist sogar in bezug auf vieles im menschlichen Leben auBerordentlich 
richtig. GewiB, wir wissen, daB durch gewisse atmospharische Ein- 
fliisse die Schmerzen gewisser Krankheiten starker werden. Wir wissen 
schon weniger, daB gewisse Krankheiten im Menschen so ablaufen, 
oder auch sonstige Lebenserscheinungen so ablaufen, daB sie in ihren 
Zeitverhaltnissen nachbilden auBere Naturvorgange. Aber sie stim- 
men in Anfang und Ende nicht mit diesen Naturvorgangen iiberein. 
Wir brauchen uns ja nur daran zu erinnern, daB eine der allerwichtig- 
sten Erscheinungen, die weiblichen Menses, in ihrem Verlaufe zeit- 
lich Nachbildungen sind des Verlaufes der Mondphasen, allein in 
Anfang und Ende stimmen sie nicht damit iiberein. Es gibt zahl- 
reiche andere feinere Erscheinungen, sowohl im mannlichen wie im 
weiblichen Organismus, welche Nachbildungen sind von natiirlichen 
Rhvthmen. 

Wenn man viel intimer auf die Dinge eingehen wiirde, wiirde man 
zum Beispiel vieles, was sich im sozialen Leben abspielt, besser ver- 
stehen, wenn man die Periodizitat der Sonnenflecken richtig verstehen 
wiirde. Man sieht aber auf solche Dinge nicht hin, weil das, was im 
menschlichen sozialen Leben der Periodizitat der Sonnenflecken ent- 
sprechen kann, nicht dann anfangt, wenn die Sonnenflecken anfangen, 
und dann auf hort, wenn die Sonnenflecken auf horen, sondern weil es 
sich davon emanzipiert hat. Es zeigt dieselbe Periodizitat, es zeigt den- 
selben Rhythmus, aber nicht das zeitliche Zusammenfallen. Es halt 
innerlich fest die Periodizitat und den Rhythmus, aber macht diese 
Periodizitat und diesen Rhythmus selbstandig, emanzipiert sich davon. 
Es kann nun jeder kommen, dem man sagt: Das menschliche Leben 
ist ein Mikrokosmos, es ahmt nach den Makrokosmos, und kann 
sagen: Das ist ja ein Unsinn. Wenn man nun behauptet, es gibt fur 
gewisse Krankheiten eine siebentagige Fieberperiode, so konnte er 
einwenden : Dann miiBte ja, wenn irgendwelche auBeren Erscheinun- 
gen eintreten, auch das Fieber erscheinen und den auBeren Erschei- 
nungen parallel laufen und dann auf horen, wenn die auBeren Erschei- 
nungen auf horen. - Das tut das Fieber zwar nicht, aber es halt den 



inneren Rhythmus fest, wenn auch nicht der zeitliche Anfang und das 
2eitliche Ende mit den auBeren Erscheinungen zusammenfallen. 

Diese Emanzipation ist fur das menschliche Leben fast vollstandig 
im Kosmos durchgefiihrt. Fur das Tierische schon etwas weniger, 
aber das Pflanzliche ist zu einem hohen Grade noch durchaus drinnen- 
stehend im allgemeinen Naturleben auch des auBeren Irdischen. Und 
daher wird es ein Verstandnis des Pflanzenlebens gar nicht geben 
konnen, ohne daB bei diesem Verstandnis berucksichtigt wird, wie 
alles das, was auf der Erde ist, eigentlich nur ein Abglanz dessen ist, 
was im Kosmos vor sich geht. Beim Menschen kaschiert sich das nur, 
weil er sich emanzipiert hat. Er tragt nur den inneren Rhythmus 
in sich. Beim Pflanzlichen ist es noch im eminentesten Sinne der 
Fall. Und darauf mochte ich in diesen Einleitungsworten heute hin- 
weisen. 

Sehen Sie, die Erde ist zunachst umgeben im Himmelsraum von 
dem Mond und dann den anderen Planeten unseres Planetensy stems. 
Man hat in einer alten instinktiven Wissenschaft, in der man die 
Sonne zu den Planeten gerechnet hat, diese Reihenfolge gehabt: 
Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn. Nun mochte 
ich ohne alle astronomischen Auseinandersetzungen auf das plane- 
tarische Leben hinweisen, auf das, was zusammenhangt in diesem 
planetarischen Leben mit dem Irdischen. Da haben wir zunachst, 
wenn wir hinschauen auf das irdische Leben im GroBen, die Tatsache 
zu berucksichtigen, wie in diesem irdischen Leben im GroBen wieder- 
um eine denkbar groBte Rolle spielt alles das, was ich nennen mochte 
das Leben der Kieselsubstanz in der Welt. Kieselsubstanz flnden Sie ja 
zum Beispiel in unserem schonen Quarz, in die Gestalt des Prisma und 
der Pyramide eingeschlossen. Sie finden diese Kieselsubstanz, ver- 
bunden mit SauerstofF, in unseren Quarzkristallen ; wenn man sich den 
SauerstofF wegdenkt, der im Quarz mit dem Kiesel verbunden ist, das 
sogenannte Silizium. So haben wir diese Substanz, die die Chemie 
heute zu den Elementen - SauerstofF, StickstofF, WasserstofF, Schwefel 
und so weiter - zahlt, dieses Silizium, das sich mit dem SauerstofF ver- 
bindet, so haben wir den Kiesel als ein chemisches Element. Aber wir 
diirfen nicht vergessen, daB das, was da im Quarz als Silizium lebt, zu 



siebenundzwanzig bis achtundzwanzig Prozent auf unserer Erdober- 
fiache verbreitet ist. Alle anderen Substanzen sind in weniger Prozent 
vorhanden, nur der SauerstofF in siebenundvierzig bis achtundvier- 
zig Prozent. Es ist ungeheuer viel Silizium vorhanden. 

Nun gewiB, dieses Silizium, wenn es sich findet in solchen Ge- 
steinen wie dem Quarz, so tritt es in einer solchen Form auf, die, 
wenn man das auBere Materielle, den Erdboden betrachtet mit seinem 
Pflanzenwachstum - den vergiBt man eben -, keine groBe Bedeutung 
zeigt. Denn es ist nicht loslich im Wasser. Es ist wasserundurchgangig. 
Also mit den allgemeinen banalen, trivialen Lebensbedingungen 
scheint es zunachst nicht viel zu tun zu haben. Wenn Sie aber wiederum 
nehmen den Ackerschachtelhalm, das Equisetum, so haben Sie in ihm 
zu neunzig Prozent Kieselsaure* drin, dasselbe, was im Quarz ist, in 
sehr feiner Verteilung. Aus alledem konnen Sie ersehen, welch unge- 
heure Bedeutung der Kiesel, das Silizium, haben muB. Es ist ja 
fast die Halfte dessen, dem wir auf der Erde begegnen, aus Kiesel 
bestehend. 

Nun liegt das Merkwiirdige vor, daB dieser Kiesel so wenig be- 
merkt wird, daB er sogar von den Dingen, in denen er auBerordent- 
lich wohltatig wirken kann, heute noch so ziemlich ausgeschlossen ist. 
In der aus der Anthroposophie hervorgehenden Medizin bildet die 
Kieselsubstanz einen wesentlichen Bestandteil sehr vieler Heilmittel. 
Ein ganzer Trakt von Krankheiten wird durch inneres Eingeben oder 
Baden mit Kieselsaure behandelt, weil fast alles das, was sich in 
Krankheitsfallen in abnormen Zustanden der Sinne zeigt, was nicht in 
den Sinnen selber liegt, sondern in den Sinnen zeigt, auch in den 
inneren Sinnen, was da oder dort in den Organen Schmerzen hervor- 
ruft, weil alles das in merkwiirdiger Weise beeinfluBt wird gerade 
von Silizium. Silizium spielt aber auch uberhaupt in dem, was man - 
man hat ja dieses althergebrachte Wort - den Haushalt der Natur 
nennt, die denkbar groBte Rolle. Denn das Silizium ist nicht nur da 
vorhanden, wo wir es finden, im Quarz oder in anderem Gestein, das 
Silizium ist in auBerordentlich feiner Verteilung auch in der Atmo- 
sphare, es ist iiberall eigentlich vorhanden. Die Halfte der uns zur 
* Siehe Hinweise auf Seite 247 



Verfugung stehenden Erde ist ja eigentlich Kiesel, denn achtund- 
vierzig Prozent sind es*. Sehen Sie: Was tut denn dieser Kiesel? Ja, 
das miissen wir uns fragen in einer hypothetischen Form. 

Nehmen wir einmal an, wir hatten nur die Halfte von Kiesel in 
unserer Erdenumgebung, da wurden wir Pflanzen haben, die alle 
mehr oder weniger pyramidale Formen hatten. Die Bliiten wurden 
alle verkiimmert sein, und wir wurden etwa die fur uns so abnorm 
erscheinenden Kakteenformen fast in alien Pflanzen haben. Die Ge- 
treideformen wurden ganz komisch ausschauen: die Halme wurden 
nach unten dick, sogar fleischig werden, die Ahren verkiimmern, 
wir wurden keine vollen Ahren haben. 

Nun sehen Sie, das ist auf der einen Seite. Wir finden auf der ande- 
ren Seite, daB, wenn auch nicht so ausgebreitet wie die Kieselsubstanz, 
Kalksubstanz und Verwandtes wiederum iiberall in der Erde sich 
finden muB, Kalk, Kali, Natriumsubstanz sich finden muB. Waren 
diese wiederum weniger vorhanden, als sie sind, dann wurden wir 
bekommen Pflanzen mit ausschlieBlich diinnem Stengel, Pflanzen, die 
etwa zum groBen Teil gewundene Stengel hatten, wir wurden lauter 
Schlingpflanzen bekommen. Die Bliiten wurden zwar auseinander- 
gehen, aber sie wurden taub sein, sie wurden auch keine besonderen 
NahrstofFe liefern. Nur in dem Equilibrium, in dem Zusammenwirken 
dieser beiden Krafte - wenn ich zwei Substanzen herausgreife -, in 
dem Zusammenwirken von kalkahnlichen und kieselahnlichen Sub- 
stanzen gedeiht das Pflanzenleben in der Form, wie wir es heute sehen. 

Nun aber wiederum weiter. Sehen Sie, das alles, was im Kieseligen 
lebt, hat Krafte, die nicht von der Erde stammen, sondern von den 
sogenannten sonnenfernen Planeten : Mars, Jupiter, Saturn. Dasjenige, 
was ausgeht von diesen Planeten, wirkt auf dem Umwege durch das 
Kieselige und Verwandtes auf das Pflanzenleben. Aber von all dem- 
jenigen, was erdennahe Planeten sind : Mond, Merkur, Venus, wirken 
die Krafte auf dem Umwege des Kalkigen auf das Pflanzliche, auch auf 
das tierische Leben der Erde herein. So konnen wir sprechen jedem 
Acker gegeniiber, der bebaut ist: da drinnen wirkt Kieseliges und 

* Siehe Hinweise auf Seite 247 



wirkt Kalkiges. Im Kieseligen wirken Saturn, Jupiter, Mars, im 
Kalkigen Mond, Venus, Merkur. 

Nun schauen wir uns demgegeniiber die Pflanzen selber an. Zweier- 
lei miissen wir am Pflanzenleben beobachten. Das erste ist dasjenige, 
daB das ganze Pflanzenwesen und auch die einzelne pflanzliche Art 
in sich selber sich erhalt, die Reproduktionskraft, die Fortpflanzungs- 
kraft entwickelt, daB also die Pflanze ihresgleichen hervorbringen 
kann und so weiter. Das ist das eine. Das andere ist, daB die Pflanze 
als ein Wesen eines verhaltnismaBig niederen Naturreiches den Wesen 
der hoheren Naturreiche zur Nahrung dient. Diese zwei Stromungen 
im Werden der Pflanze haben zunachst wenig miteinander zu tun. 
Denn in bezug auf den Vorgang der Entwickelung von der Pflanzen- 
mutter zur Pflanzentochter, Enkel und so weiter kann es den Bilde- 
kraften der Natur ganz gleichgultig sein, ob wir die Pflanze essen und 
uns dadurch ernahren oder nicht. Es sind zwei ganz verschiedene 
Interessen, die sich da drinnen auBern, und dennoch wirken in dem 
Kraftezusammenhange des Natiirlichen die Dinge so, daB alles das- 
jenige, was mit der inneren Reproduktionskraft, mit dem Wachstum 
zusammenhangt, was dazu beitragt, daB Pflanzengeneration auf Pflan- 
zengeneration folgt, in dem wirkt, was von Mond, Venus, Merkur 
auf dem Umwege des Kalkigen vom Kosmos auf die Erde herein- 
wirkt. Schauen wir einfach das an, was bei solchen Pflanzen zutage 
tritt, die wir nicht essen, die sich einfach immer erneuern, so sehen wir 
so hin, als ob uns nur interessieren wiirde, das kosmische Herein- 
wirken durch die Krafte von Venus, Merkur, Mond; die sind be- 
teiligt an dem, was auf der Erde im Pflanzenwesen sich reproduziert. 

Aber wenn Pflanzen im eminentesten Sinne Nahrungsmittel werden, 
wenn sie sich so entwickeln, daB sich in ihnen die Substanzen zum 
Nahrungsmittel ausgestalten fiir Tier und Mensch, dann sind daran 
beteiligt Mars, Jupiter, Saturn auf dem Umwege des Kieseligen. Das 
Kieselige schlieBt auf das Pflanzenwesen in die Weltenweiten hinaus 
und erweckt die Sinne des Pflanzenwesens so, daB aufgenommen wird 
aus allem Umkreise des Weltenalls dasjenige, was diese erdenfernen 
Planeten ausgestalten ; daran sind beteiligt Mars, Jupiter, Saturn. Aus 
dem Umkreise von Mond, Venus, Merkur hingegen wird dasjenige 



aufgenommen, was die Pflanze zur Fortpflanzung fahig macht. Nun, 
das erscheint zunachst nur wie ein Gegenstand des Wissens. Aber 
solche Dinge, die von einem etwas weiteren Horizont hergenommen 
sind, fiihren ganz von selbst vom Erkennen auch zum Praktischen hin. 

Sehen Sie, wir miissen uns nun fragen, da von Mond, Venus, Mer- 
kur Krafte auf die Erde hereingehen und diese Krafte zur Wirksam- 
keit kommen im Pflanzenleben : Wodurch wird das befordert oder 
mehr oder weniger gehemmt? Wodurch wird befordert, daB der 
Mond oder der Saturn auf das Pflanzenleben wirkt, und wodurch wird 
es gehemmt? 

Wenn man beobachtet den Lauf des Jahres, so verlauft dieses ja so, 
daB es Regentage und Nichtregentage gibt, Der Physiker von heute 
untersucht ja eigentlich am Regen nur dasjenige, daB eben beim 
Regen mehr Wasser auf die Erde fallt als beim Nichtregnen. Und das 
Wasser ist ihm ein abstrakter StofT, bestehend aus WasserstofF und 
Sauerstoff, und er kennt das Wasser nur als dasjenige, was aus Wasser- 
und Sauerstoff besteht. Wenn man das Wasser durch die Elektrolyse 
zerlegt, zerfallt es in zwei Stoffe, von denen sich der eine so, der andere 
so betatigt. Aber damit hat man noch nichts Umfassendes uber das 
Wasser gesagt. Das Wasser birgt vieles andere noch als bloB dasjenige, 
was dann chemisch als Sauerstoff und WasserstofF erscheint. Wasser ist 
im eminentesten Sinne dazu geeignet, denjenigen Kraften, die zum Bei- 
spiel vom Monde kommen, die Wege zu weisen im Erdenbereiche, so 
daB das Wasser die Verteilung der Mondenkrafte im Erdenbereiche 
bewirkt. Zwischen Mond und Wasser auf der Erde besteht eine 
gewisse Art von Zusammenhang. Nehmen wir also an, es sind eben 
Regentage vergangen, auf diese Regentage folgt Vollmond. Ja, mit 
den Kraften, die vom Monde kommen in Vollmondtagen, geht ja auf 
der Erde etwas Kolossales vor. Die schieBen herein in das ganze 
Pflanzenwachstum. Sie konnen nicht hereinschieBen, wenn die Regen- 
tage nicht vorangegangen sind. Wir werden also zu sprechen haben 
davon, ob es eine Bedeutung hat, wenn wir Samen aussaen, nachdem 
in einer gewissen Beziehung Regen gefallen ist und darauf Vollmond- 
schein kommt, oder ob man gedankenlos zu einer jeden Zeit aus- 
saen darf. GewiB, herauskommen wird auch dann etwas, aber die 



Frage ist aufgeworfen : 1st es gut, sich zu richten mit der Aussaat nach 
Regenund Vollmondschein? - weileben dasjenige, was der Vollmond 
tun soil, bei gewissen Pflanzen wuchtig und stark nach Regentagen, 
schwach und sparlich nach Sonnenscheintagen vor sich geht. Solche 
Dinge lagen in den alten Bauernregeln. Da sagte man einen Spruch 
und wuBte, was zu tun ist. Spruche sind heute alter Aberglaube, und 
eine Wissenschaft iiber diese Dinge gibt es noch nicht, zu der will man 
sich nicht bequemen. 

Weiter: Wir finden um unsere Erde herum die Atmosphare. Ja, 
die Atmosphare hat vor alien Dingen auBer demjenigen, daB sie 
luftartig ist, die Eigentiimlichkeit, manchmal warmer, manchmal 
kalter zu sein. Zu gewissen Zeiten zeigt sie eine betrachtliche Warme- 
anhaufung, die sich dann sogar, wenn die Spannung zu stark ist, in 
Gewittern entladt. Nun, wie ist es denn mit der Warme? Da zeigt die 
geistige Beobachtung, daB, wahrend das Wasser keinen Bezug zum 
Kiesel hat, diese Warme dennoch einen ungeheuer starken Bezug zum 
Kiesel hat, geradezu diejenigen Krafte, die durch das Kieselige wirken 
konnen, zu besonderer Wirksamkeit bringt, und das sind die Krafte, 
die von Saturn, Jupiter, Mars ausgehen. Diese Krafte, die von Saturn, 
Jupiter, Mars ausgehen, miissen in einem ganz anderen Stile betrachtet 
werden als die Krafte des Mondes. Denn wir miissen bedenken : Der 
Saturn braucht dreiBig Jahre in seiner Umdrehung um die Sonne, der 
Mond nur dreiBig oder achtundzwanzig Tage zu seinen Phasen. Saturn 
ist also nur fiinfzehn Jahre sichtbar. Er muB in ganz anderer Weise 
zusammenhangen mit dem Pflanzenwachstum. Nun allerdings, er ist 
nicht bloB wirkend, wenn er auf die Erde herunterscheint, er ist auch 
wirksam, wenn seine Strahlen durch die Erde durchgehen miissen. 

Wenn er in dreiBig Jahren so langsam herumgeht, so werden wir, 
wenn wir die Sache zeichnen, da den Saturngang haben und finden 
(Zeichnung S. 40), daB er zuweilen direkt auf einen Fleck Erde scheint ; 
aber dann auch durch die Erde hindurch diesen Fleck bearbeiten kann. 
Da ist es immer abhangig von dem Warmezustand in der Luft, wie 
stark die Saturnkrafte an das Pflanzenleben der Erde herankonnen. Bei 
kalter Luft konnen sie nicht heran, bei warmer Luft konnen sie heran. 
Und dasjenige, was sie tun, worin sehen wir das im Pflanzenleben? Das 



sehen wir, wenn nun nicht einjahrige Pflanzen entstehen, die im 
Jahreslaufe entstehen und wiederum vergehen, nur Samen hinter- 
lassen, sondern was der Saturn tut mit Hilfe der Warmekrafte unserer 
Erde, das sehen wir, wenn Dauerpflanzen entstehen. Denn diese 
Krafte, die auf dem Umwege durch die Warme ins Pflanzliche gehen, 
deren Wirkungen sehen wir in der Rinde und der Borke der Baume, 
in alledem, was die Pflanze zu einer Dauerpflanze macht. 



Tafel 1* 



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Das riihrt davon her, weil eben zusammenhangt das einjahrige 
Leben der Pflanze und das Beschranktsein der Pflanze auf kurze 
Lebensfrist mit den Planeten, die kurze Umlaufzeiten haben. Dagegen 
dasjenige, was sich herausreiBt aus diesem Voriibergehenden, was 
die Baume mit Borke, mit Rinde umgibt, was sie dauernd macht, das 
hangt zusammen mit den Planetenkraften, die auf dem Umwege mit 
den Kraften von Warme und Kalte wirken und die eine lange Um- 
laufzeit haben, wie der Saturn dreiBig, der Jupiter zwolf Jahre. Es ist 
daher schon von Bedeutung, wenn einer einen Eichbaum pflanzen 
will und er sich gut versteht auf Marsperioden. Denn ein Eichbaum, 
richtig angepflanzt in der entsprechenden Marsperiode, wird ja anders 
gedeihen, als wenn man ihn gedankenlos, einfach wenn es einem 
paBt, in die Erde hineinversetzt. Oder haben Sie Anlagen von Nadel- 



40 



* Zu den Tafelzeichnungen siehe S. 247. 



holzwaldern, wo die Saturnkrafte eine so groBe Rolle spielen, wird 
ganz anderes entstehen, wenn man in einer sogenannten Aufgangs- 
periode des Saturn oder in einer anderen Periode den Nadelwald an- 
pflanzt. Und derjenige, der solche Dinge durchschaut, der kann gan2 
genau sagen, in den Dingen, die wachsen wollen oder nicht wachsen 
wollen, ob man das mit dem Verstandnis des Kraftezusammenhanges 
gemacht hat oder nicht. Denn dasjenige, was nicht so often furs Auge 
zutage tritt, das tritt in den intimeren Verhaltnissen des Lebens doch 
recht zutage. 

Nehmen wir zum Beispiel an, wir verwenden Holz von Baumen, 
die unverstandig in bezug auf die Weltperioden auf die Erde gepflanzt 
sind, zum Brennen, so gibt uns das keine so gesunde Warme, als wenn 
wir Holzer verwenden, die mit Verstandnis gepflanzt sind. Gerade in 
den intimeren Verhaltnissen des taglichen Lebens, in das diese Dinge 
so hineinspielen, gerade da zeigt sich die ungeheuer groBe Bedeutung 
einer solchen Sache, aber das Leben ist heute fur die Leute schon fast 
ganz gedankenlos geworden. Man ist froh, wenn man an solche Dinge 
nicht zu denken braucht. Man denkt sich, die ganze Sache muB so vor 
sich gehen wie eine Maschine; da hat man die entsprechenden Vor- 
richtungen, zieht man die Maschine auf, so geht sie. So stellt man sich 
vor, nach materialistischer Art, daB es in der ganzen Natur auch geht. 
Aber dadurch kommt man schon zu solchen Dingen, die sich dann im 
praktischen Leben ungeheuerlich ausmachen. Da kommen dann die 
groBen Ratsel. Warum ist es heute unmoglich, solche Kartoffeln zu 
essen, wie ich sie noch in meiner Jugend gegessen habe? Es ist so, 
ich habe dies iiberall probiert. Man kann nicht mehr solche Kartoffeln 
essen, auch da nicht, wo ich sie damals gegessen habe. Es ist im Laufe 
der Zeit manches durchaus zuriickgegangen in seiner inneren Nahr- 
kraft. Die letzten Jahrzehnte zeigen das im eminentesten Sinne. Weil 
man gar nicht mehr versteht die intimeren Wirkungen, die im Welten- 
all wirkend sind und die doch wiederum gesucht werden miissen auf 
einem solchen Wege, wie ich ihn heute einlekend nur angedeutet 
habe. Ich wollte nur hinweisen, wo Fragen sind, die weit iiber heutige 
Gesichtskreise hinausgehen. Wir werden das nicht nur fortsetzen, 
sondern auch vertieft auf die Praxis anwenden. 



Die Bedingungen zum Gedeihen der Landwirtschaft 



ZWEITER VORTRAG 
Koberwitz, lO.Juni 1924 

Die Krdfte der Erde und des Kosmos 



Wir werden in den ersten Stunden das zusammentragen aus der Er- 
kenntnis der Bedingungen zum Gedeihen der Landwirtschaft, was 
an solcher Erkenntnis notwendig ist, um daraus dann die wirklichen 
praktischen Schliisse zu Ziehen, die in der unmittelbaren Anwendung 
eben verwirklicht werden sollen und nur in dieser unmittelbaren 
Anwendung ihre Bedeutung haben. Sie werden also schon in den 
ersten Stunden sich damit befassen miissen, hinzuschauen, wie das- 
jenige, was landwirtschaftlich hervorgebracht wird, eigentlich ent- 
steht und wie es im gesamten Gebiete der Welt drinnen lebt. Nun, 
eine Landwirtschaft erfullt eigentlich ihr Wesen im besten Sinne des 
Wortes, wenn sie aufgefaBt werden kann als eine Art Individuality 
fur sich, eine wirklich in sich geschlossene Individualitat. Und jede 
Landwirtschaft miiBte eigentlich sich nahern - ganz kann das nicht 
erreicht werden, aber sie miiBte sich nahern - diesem Zustand, eine 
in sich geschlossene Individualitat zu sein. Das heiBt, es sollte die 
Moglichkeit herbeigefuhrt werden, alles dasjenige, was man braucht 
zur Hervorbringung, innerhalb der Landwirtschaft selbst zu haben, 
wobei zur Landwirtschaft der entsprechende Viehstand selbstver- 
standlich hinzugerechnet werden muB. Im Grunde genommen miiBte 
eigentlich dasjenige, was in die Landwirtschaft hereingebracht wird 
an Dungemitteln und ahnlichem von aus warts, das miiBte in einer ideal 
gestalteten Landwirtschaft angesehen werden schon als ein Heilmittel 
fur eine erkrankte Landwirtschaft. 

Eine gesunde Landwirtschaft miiBte dasjenige, was sie selber 
braucht, in sich selber eben auch hervorbringen konnen. Wir werden 
sehen, warum dies ein Naturliches ist. Solange man die Dinge nicht 
ihrer Wesenheit und ihrer Wirklichkeit nach ansieht, sondern nur 



auBerlich stofflich, solange kann in ganz berechtigter Weise die Frage 
entstehen: 1st es nun nicht einerlei, ob man den Kuhmist von der 
Nachbarschaft, oder ob man ihn aus der eigenen Landwirtschaft ent- 
nimmt? Wie gesagt, die Dinge konnen nicht in dieser Weise streng 
durchgefiihrt werden, aber man muB doch einen Begriff haben von 
dem notwendigen Geschlossensein einer Landwirtschaft, wenn man 
eigentlich die Dinge sachgemaB ordnen will. 

Daft diese eben aufgestellte Behauptung eine gewisse Berechtigung 
hat, wird Ihnen hervorgehen aus einer Betrachtung auf der einen 
Seite der Erde, aus der unsere Landwirtschaft aufsprieBt, und auf der 
anderen Seite desjenigen, was von auBerhalb unserer Erde auf diese 
Erde hereinwirkt. Da spricht man ja eigentlich heute zumeist in recht 
abstrakter Weise von den Dingen, die von auBerhalb der Erde auf die 
Erde hereinwirken. Man ist sich ja dessen bewuBt, daB Sonnenlicht 
und Sonnenwarme und alles das, was meteorologisch mit Sonnen- 
warme und Sonnenlicht in Verbindung steht, einen gewissen Bezug 
hat zu einer gewissen Gestaltung des mit Produkten bewachsenen 
Bodens. Aber wie die Dinge genauer liegen, dariiber kann die heutige 
Anschauung einen wirklichen AufschluB gar nicht geben, weil sie 
nicht in die Realitaten, in die Tatsachen eindringt. Gehen wir heute 
einmal - wir werden auch von anderen Gesichtspunkten die Dinge zu 
betrachten haben - von dem Gesichtspunkt aus, der zunachst den 
Blick wirft darauf, daB wir zur Grundlage der Landwirtschaft den 
Erdboden haben. 

Dieser Erdboden - ich will ihn hier schematisch durch diesen Strich 
anzeigen (Zeichnung S. 44) - wird gewohnlich angesehen als etwas 
bloB Mineralisches, in den hochstens dadurch, daB sich Humus bildet, 
oder dadurch, daB Diinger in ihn versenkt wird, etwas Organisches 
hineinkommt, so daB der Erdboden als solcher nicht nur so ein ge- 
wisses Leben in sich hat, daB er schon von selbst etwas Pflanzenhaftes 
in sich birgt und daB sogar etwas astralisch Wirksames im Erdboden 
ist. Das ist ja etwas, was heute nicht einmal bedacht, viel weniger 
irgendwie zugegeben wird. Und wenn man gar dann weitergeht und 
darauf sieht, wie dieses innere Leben des Erdbodens in feiner, ich 
mochte sagen, Dosierung ganz verschieden ist im Sommer und im 



Winter, dann kommt man auf Gebiete, die 2war fur die Praxis von 
einer ungeheuren Bedeutung sind, die aber heute eben gar nicht be- 
riicksichtigt werden. Man muB schon, wenn man von der Betrachtung 
des Erdbodens ausgeht, sein Augenmerk darauf lenken, daB der Erd- 
boden eine Art Organ ist in dem Organismus, der sich im Natur- 
wachstum uberall zeigt, wo eben ein solches Naturwachstum ist. 



TafeJ 2 




Der Erdboden ist ein wirkliches Organ, er ist ein Organ, das wir 
etwa vergleichen konnen, wenn wir wollen, mit dem menschlichen 
Zwerchfell. Und wir bekommen eine richtige Vorstellung von dem- 
jenigen, was da eigentlich vorliegt - es ist nicht ganz genau ge- 
sprochen, sondern es soil nur verdeutlichen und geniigt dazu -, wir 
gelangen zu einer Vorstellung, wenn wir uns sagen : iiber dem Zwerch- 
fell sind beim Menschen gewisse Organe, vor allem der Kopf und 
dasjenige, was ihn aus Atmung und Zirkulation heraus versorgt, und 
unter dem Zwerchfell sind andere Organe. Wenn wir nun von diesem 
Gesichtspunkte aus vergleichen sozusagen den Erdboden mit dem 
menschlichen Zwerchfell, so miissen wir sagen: Der Kopf ist dann 
unter dem Erdboden fur diejenige Individualitat, die da in Betracht 
kommt, und wir mit alien Tieren zusammen leben im Bauch dieser 
Individualitat. Das, was iiber der Erde ist, ist eigentlich durchaus das- 
jenige, was zum Eingeweide der - um ein Wort zu haben - landwirt- 
schaftlichen Individualitat gehort. Auf einer Landwirtschaft gehen wir 



eigentlich im Bauche der Landwirtschaft herum, und die Pflanzen 
wachsen in den Bauch der Landwirtschaft herauf. Also wir haben es 
durchaus mit einer Individualitat zu tun, die auf dem Kopfe stent und 
die wir auch nur richtig anschauen, wenn wir sie als auf dem Kopfe 
stehend betrachten, auch auf dem Kopfe stehend in bezug auf den 
Menschen. In bezug auf das Tier werden wir im Laufe der Vortrage 
sehen, ist das etwas anderes. Nun, warum sage ich das, daB die land- 
wirtschaftliche Individualitat auf dem Kopfe steht? 

Ich sage es aus dem Grunde, weil alles dasjenige, was in unmittel- 
barer Nahe der Erde ist, an Luft, an Wasserdiinsten, auch an Warme, 
wo wir drinnen sind, wo wir selber drinnen atmen, wo das herkommt, 
wovon die Pflanzen mit uns diese AuBenwarme, AuBenluft, auch ihr 
AuBenwasser bekommen, in der Tat entspricht demjenigen, was im 
Menschen Unterleibsorgan ist. Dagegen alles dasjenige, was im Innern 
der Erde, unter der Oberflache der Erde geschieht, wirkt auf das ge- 
samte Pflanzen wachstum so, wie unser Kopf auf unseren Organismus 
namentlich in der Kindheit, aber auch wahrend des ganzen Lebens 
wirkt. Wir haben eine fortwahrende, eine ganz lebendige Wechsel- 
wirkung von Uber-der-Erde und Unter-der-Erde, und das iiber der 
Erde befindliche Wirken ist abhangig zugleich - betrachten Sie es 
zunachst als Lokalisierung des Wirkens - unmittelbar von Mond, 
Merkur, Venus, welche die Sonne in ihrer Wirkung unterstiitzen und 
modifizieren, so daB also die sogenannten erdennahen Planeten ihre 
Wirksamkeit entfalten mit Bezug auf alles dasjenige, was iiber der 
Erde ist, dagegen die fernen Planeten, die auBerhalb des Umkreises 
der Sonne herumgehen, auf alles dasjenige wirken, was unterhalb der 
Erde ist, und die Sonne unterstiitzen in denjenigen Wirkungen, die 
sie von unterhalb der Erde ausiibt. So daB wir sozusagen mit Bezug 
auf unser Pflanzenwachstum den fernen Himmel in seiner Wirksam- 
keit unter der Erde, die nahere Erdumgebung iiber der Erde zu 
suchen haben. 

Alles dasjenige also, was gerade aus den Weiten des Kosmos in das 
Pflanzenwachstum hereinwirkt, das wirkt nicht direkt, wirkt nicht 
durch unmittelbare Bestrahlung, sondern wirkt dadurch, daB es zu- 
nachst von der Erde aufgenommen wird und von der Erde zuriick- 



gestrahlt wird nach oben. Was also von dem Erdboden an fur das 
Pflanzenwachstum wohltatigen oder schadlichen Wirkungen von unten 
herankommt, das ist eigentlich das zuriickgestrahlte Kosmische. Was 
direkt wirkt unmittelbar in Luft und Wasser, die iiber der Erde sind, 
die direkte Bestrahlung, wird da gelagert und wirkt von da aus. Damit 
hangt dann zusammen, wie der Erdboden in seiner inneren Be- 
schaffenheit, sagen wir, zunachst auf das Pflanzenwachstum wirkt. 
Wir miissen es dann auch auf die Tiere ausdehnen. 

Wenn wir den Erdboden nehmen, so haben wir in ihm zunachst 
alles das noch als Wirkung, was von den auBersten Fernen des Kos- 
mos, die fur die Erdenwirkung in Betracht kommen, abhangt. Das 
ist das, was man gewohnlich Sand und Gestein nennt. Sand und Ge- 
stein, das Wasserundurchlassige, dasjenige, was, wie man im gewohn- 
lichen Leben sagt, keinerlei NahrstofTe enthalt, was aber nicht weniger 
als das andere, was noch in Betracht kommt, auBerordentlich wichtig 
ist fur die Entfaltung des Wachstums, das hangt ab durchaus von den 
Wirkungen fernster kosmischer Krafte. Und auf dem Umwege - so 
sehen wir - des kieselhaltigen Sandes kommt ja vorzugsweise - so 
unwahrscheinlich es zunachst erscheint - in den Erdboden hinein, um 
dann bei der Ruckstrahlung zu wirken, dasjenige, was wir ansprechen 
konnen als das Lebensatherische des Erdbodens und das Chemisch- 
wirksame des Erdbodens. Wie der Erdboden selber innerlich lebendig 
wird, wie der Erdboden einen eigenen Chemismus ausiibt, das hangt 
durchaus ab davon, wie der sandige Teil dieses Erdbodens beschaffen 
ist. Und dasjenige, was die Wurzeln der Pflanzen erleben im Erdboden, 
ist zum gar nicht geringen Teil eben davon abhangig, inwiefern das 
kosmische Leben und der kosmische Chemismus auf dem Umwege 
durch das Gestein - was daher auch durchaus in gewissen Tiefen der 
Erde sein kann - aufgefangen werden, Man muBte sich also bei jeder 
Gelegenheit, die in Betracht kommt, um Pflanzenwachstum zu stu- 
dieren, ganz klar sein iiber die geologische Grundlage, uber der sich 
das Pflanzenwachstum aufrichtet, und man sollte unter keinen Ver- 
haltnissen auBer acht lassen, daB man fur Pflanzen, bei denen man 
auf das eigentliche Wurzelwesen sieht, im Grunde einen kieseligen 
Boden, wenn auch nur in Tiefen, nicht entbehren kann. 



Nun ist ja, man mochte sagen, Gott sei Dank, Kiesel in Form von 
Kieselsaure und anderen Kieselverbindungen eben zu siebenund- 
vierzig bis achtundvierzig Prozent auf der Erde verbreitet, und man 
kann fiir die Mengen, die man braucht, fast uberall auf die Wirkung 
des Kiesels rechnen. Nun handelt es sich aber auch darum, daB das- 
jenige, was auf diese Art durch den Kiesel mit dem Wurzelhaften zu- 
sammenhangt, daB das auch durch die Pflanze nach oben geleitet wer- 
den kann. Es muB ja nach oben stromen, es mufi eine fortwahrende 
Wechselwirkung da sein dessen, was aus dem Kosmos durch den 
Kiesel hereingeholt wird, mit dem, was sich oben - verzeihen Sie - im 
«Bauche» abspielt und mit dem unten der «Kopf» versorgt werden 
muB. Denn der Kopf muB versorgt werden aus dem Kosmos. Das 
aber muB in wirklicher Wechselwirkung stehen mit demjenigen, was 
sich oben iiber dem Erdboden, im Bauche, abspielt. Es muB immer 
dasjenige, was aus dem Kosmos herein von unten aufgefangen wird, 
nach aufwarts stromen konnen. Und dazu, daB das nach aufwarts 
stromen kann, dazu ist da im Boden das Tonige. Alles Tonige ist 
eigentlich das Forderungsmittel der kosmischen Entitatswirkungen 
im Erdboden von unten nach aufwarts. 

Das schon wird uns dann, wenn wir zu den praktischen Dingen 
iibergehen, eine Handhabe dafiir geben, wie wir uns zu einem tonigen, 
zu einem kieseligen Boden zu verhalten haben, je nachdem wir mit der 
einen oder mit der anderen Pflanzenform den tonigen oder kieseligen 
Boden zu bebauen haben, Aber zuerst muB man wissen, was da 
eigentlich geschieht. Wie man auch sonst den Ton beschreibt, wie 
man ihn sonst bearbeiten muB, damit er iiberhaupt tragfahig wird, das 
alles kommt gewiB in zweiter Linie auBerordentlich stark in Betracht. 
Aber was man erst wissen muB, ist, daB er der Forderer der kosmi- 
schen Aufwartsstromung ist. 

Nun muB aber nicht nur vorhanden sein dieses Nach-aufwarts- 
Stromen des Kosmischen, sondern es muB auch - und ich will das 
andere das Terrestrische, das Irdische nennen - es muB auch dasjenige, 
was noch im Bauche gewissermaBen einer Art auBerer Verdauung 
unterliegt - auch alles dasjenige, was durch Sommer und Winter in 
der Luft vor sich geht iiber dem Erdboden, ist eben fiir das Pflanzen- 



wachstum durchaus eine Art Verdauung -, alles, was in dieser Weise 
durch eine Art von Verdauung vor sich geht, das muB wiederum 
hineingezogen werden in den Erdboden, so daB tatsachlich eine 
Wechselwirkung entsteht. Dasjenige, was durch Wasser, Luft, die 
iiber der Erde sich befinden, an Kraften erzeugt wird, auch an feinen 
homoopathisch ausgebildeten Substanzen erzeugt wird, das wird nun 
hereingezogen in den Boden durch den groBeren oder geringeren 
Kalkgehalt des Bodens. Der Kalkgehalt des Bodens und die Zer- 
streuung der Kalksubstanzen in homoopathischer Dosis unmittelbar 
iiber dem Boden, das alles ist dazu da, um wiederum das unmittelbare 
Terrestrische dem Erdboden zuzufiihren. 

Sehen Sie, diese Dinge werden einmal, wenn man iiber sie eine 
wirkliche Wissenschaft haben wird, nicht bloB das wissenschaftliche 
Gefasel von heute, sich eben ganz anders ausnehmen. Man wird 
exakte Angaben dariiber machen konnen. Man wird dann auch zum 
Beispiel wissen, daB ein groBer, gewaltiger Unterschied ist zwischen 
der Warme, die iiber dem Erdboden ist, also der Warme, die im Be- 
reiche von Sonne, Venus, Merkur und Mond steht, und derjenigen 
Warme, die innerhalb des Erdbodens sich geltend macht, die also 
unter dem EinfluB von Jupiter, Saturn und Mars steht. Diese zwei 
Warmen, wovon wir die eine auch bezeichnen konnen als die Bliiten- 
und Blattwarme fur die Pflanzen, die andere als die Wurzelwarme fur 
die Pflanzen, diese zwei Warmen sind durchaus voneinander ver- 
schieden, und zwar so voneinander verschieden, daB wir ganz gut 
die Warme iiber der Erde tot, die Warme unter der Erde lebendig 
nennen konnen. Die Warme unter der Erde hat durchaus etwas an 
sich, und zwar im Winter am allermeisten, von demjenigen, was ein 
innerliches Lebensprinzip, etwas Lebendiges ist. Wiirde dieselbe 
Warme, die in der Erde wirkt, von uns Menschen erlebt werden 
miissen, dann wiirden wir alle riesig dumm werden, weil wir, um 
gescheit zu sein, tote Warme an unsere Korper herangefiihrt haben 
miissen. Aber in dem Augenblick, wo durch den Kalkgehalt des Erd- 
bodens die Warme in die Erde hineingezogen wird, wo durch die 
anderen Substantialitaten der Erde diese Warme hereingezogen wird, 
wo uberhaupt iibergeht auBere Warme in innere Warme, geht die 



Warme in einen gewissen Zustand leiser Lebendigkeit iiber. Man 
weiB heute, daft ein Unterschied ist zwischen der Luft, die iiber der 
Erde ist, und der Luft, die unter der Erde ist. Aber man beriicksichtigt 
nicht, daB schon ein Unterschied ist zwischen der Warme iiber der 
Erde und der Warme unter der Erde. Man weiB, daB die Luft unter 
der Erde mehr Kohlensaure, die Luft iiber der Erde mehr Sauerstoff 
enthalt Aber man weiB wiederum nicht, was der Grund dafiir ist. 
Der Grund dafiir ist derjenige, daB die Luft wiederum mit einem 
leisen Zug von Lebendigkeit durchzogen ist, wenn sie in die Erde 
hinein absorbiert und aufgesogen wird. So ist es mit Warme und Luft. 
Sie bekommen einen leisen Zug von Lebendigkeit, wenn sie in die 
Erde hinein aufgenommen werden. 

Anders ist es mit dem Wasser und mit dem Erdigen, Festen selber. 
Die werden in der Erde toter noch, als sie auBen sind, mehr tot. Die 
verlieren etwas von ihrem auBeren Leben, aber gerade nun dadurch 
werden sie fahig, ausgesetzt zu werden den kosmischen fernsten Kraf- 
ten, Und die mineralischen Substanzen miissen sich emanzipieren von 
demjenigen, was unmittelbar iiber dem Erdboden ist, wenn sie den 
fernsten kosmischen Kraften ausgesetzt sein wollen. Sie konnen sich 
am leichtesten emanzipieren von der Erdnahe und in den EinfluB des 
fernsten Kosmischen in der Erde drinnen kommen, in unserem heu- 
tigen Weltalter, man konnte sagen, in der Zeit zwischen dem 15.Ja- 
nuar und 15.Februar, also in dieser Winterzeit. Das sind eben Dinge, 
die man einmal als exakte Angaben anerkennen wird. Und das ist 
die Zeit, wo in der Erde die groBte Kristallisationskraft, die groBte 
Formkraft entwickelt werden kann fur die mineralischen Substanzen. 
Die ist mitten im Winter. Da ist es dem Innern der Erde eigentiimlich, 
von sich selbst am wenigsten abhangig zu sein in ihren Mineral- 
massen, und unter den EinfluB der kristallbildenden Krafte, die in den 
Weiten des Kosmos sind, zu kommen. 

Nun denken Sie, das liegt also vor: Wenn der Januar zu Ende 
geht, haben die mineralischen Substanzen der Erde die groBte Sehn- 
sucht, kristallisiert zu werden, und je tiefer man kommt, desto mehr 
haben sie diese Sehnsucht, kristallisch rein zu werden im Haushalte der 
Natur. Fur das Pflanzenwachstum ist das am meisten neutral, was da 



mit den Mineralien geschieht. Da sind die Pflanzen am meisten sich 
selbst hingegeben in der Erde, am wenigsten den mineralischen Sub- 
stanzen ausgesetzt; dagegen eine Zeitlang vorher und nachher, wenn 
sozusagen die Mineralien sich eben anschicken - namentlich vorher - 
in das Gestaltete, Kristallinische iiberzugehen, da sind sie von einer 
ganz besonderen Wichtigkeit fur das Pflanzenwachstum. Da strahlen 
sie die Krafte aus, die fiir das Pflanzenwachstum ganz besonders 
wichtig sind. So daB wir sagen konnen : etwa im Monat November bis 
Dezember gibt es einen Zeitpunkt, wo das unter der Erdoberflache 
ganz besonders wirksam wird fiir das Pflanzenwachstum. Da ergibt 
sich dann die Forderung : Wie konnen wir das fiir das Pflanzenwachs- 
tum wirklich ausniitzen? Denn man wird einmal sehen, wie die Aus- 
niitzung von solchen Dingen ganz besonders wichtig ist, urn das 
Pflanzenwachstum dirigieren zu konnen. 

Ich will gleich hier bemerken, wenn wir es zu tun haben mit einem 
Boden, der nicht durch sich selbst das leicht nach oben tragt, was in 
dieser Winterszeit eben nach oben wirken soil, so ist es gut, diesem 
Boden in einer entsprechenden Dosierung, die ich spater noch an- 
geben werde, etwas Ton beizubringen. Damit macht man den Boden 
dann bereit, dasjenige, was schon gesehen werden kann an kristalli- 
scher Kraft, wenn man einfach hinsieht auf den sich kristallisierenden 
Schnee-aber diese Kristallisationskraft wird intensiver, starker, je wei- 
ter man ins Innere der Erde kommt - das, was noch nicht an seinem 
Ende angekommen ist - das wird erst im Januar, Februar sein - dieses, 
was zunachst im Erdboden ist, nun hinaufzutragen iiber die Erde, so 
daB es innerhalb des Pflanzenwachstums Verwendung finden kann. 

Sehen Sie, auf diese Art ergeben sich gerade aus den scheinbar 
abgelegensten Erkenntnissen die allerpositivsten Winke, die einem 
radikal helfen, wahrenddem es sonst eben durchaus bei einem bloBen 
Probieren bleibt. Wir miissen uns iiberhaupt dariiber klar sein, daB 
das landwirtschaftliche Gebiet mit dem zusammen, was unterhalb des 
Erdbodens liegt, durchaus eine auch in der Zeit fortlebende Indivi- 
dualist darstellt und daB das Leben der Erde ein besonders starkes 
gerade zur Winterzeit ist, wahrend es zur Sommerzeit in einer ge- 
wissen Weise erstirbt. 



Nun handelt es sich darum, gerade fur die Bebauung des Bodens 
ein Allerwichtigstes zu durchschauen. Sehen Sie, dieses Allerwich- 
tigste - ich habe es ja unter Anthroposophen oftmals erwahnt - be- 
steht darinnen, daB man weiB, unter welchen Bedingungen der Welten- 
raum mit seinen Kraften auf das Irdische wirken kann. Gehen wir, um 
das einzusehen, einmal aus von der Samenbildung. Den Samen, aus 
dem sich das Embryonale entwickelt, sieht man gewohnlich an als ein 
auBerordentlich kompliziertes molekulares Gebilde. Und man legt 
den groBten Wert darauf, diese Samenbildung aufzufassen in ihrer 
komplizierten Molekularstruktur. Man sagt sich: Molekiile haben 
eine gewisse Struktur, bei den einfachen Molekiilen eine einfache; 
dann wird es immer komplizierter, bis man heraufkommt in die un- 
geheuer komplizierte Struktur des EiweiBmolektiles. Man steht nun 
bewundernd und staunend vor demjenigen, was man sich da denkt als 
die komplizierte Struktur des EiweiBes im Samen, weil man sich ja 
folgendes denkt: 

Man denkt sich, wenn da das EiweiBmolekiil ist, so muB das un- 
geheuer kompliziert sein. Denn aus dieser Kompliziertheit heraus 
wachst ja der nachste Organismus. Und dieser nachste Organismus 
ist ungeheuer kompliziert, war schon veranlagt in der embryonalen 
Samenanlage, also muB diese mikroskopische oder hypermikrosko- 
pische Substanz auch ungeheuer kompliziert aufgebaut sein. Das ist in 
gewissem Grade zunachst der Fall. Indem sich das irdische EiweiB 
aufbaut, wird auch die Molekularstruktur bis zur hochsten Kom- 
pliziertheit getrieben. Aber aus dieser hochsten Kompliziertheit wxirde 
niemals ein neuer Organismus hervorgehen, niemals. 

Denn der Organismus geht eben nicht auf die Art aus den Samen 
hervor, daB sich dasjenige, was sich als Samen gebildet hat, aus der 
Mutterpflanze oder dem Muttertier nur fortsetzt in demjenigen, was 
als Kinderpflanze oder Kindertier entsteht. Das ist eben gar nicht 
wahr. Wahr ist vielmehr, daB, wenn nun dieses Komplizierte des Auf- 
baues aufs hochste getrieben ist, so zerfallt dies, und man hat zuletzt 
in demjenigen, was erst im Bereiche des Irdischen zu groBter Kompli- 
ziertheit getrieben worden ist, ein kleines Chaos. Es zerfallt, man 
konnte sagen, in den Weltenstaub, und wenn dasjenige, was da in 



den Weltenstaub zerfallt, wenn der Same bis zur hochsten Kompli- 
ziertheit gebracht, in den Weltenstaub zerfallen ist und das kleine 
Chaos da ist, dann beginnt das ganze umliegende Weltenall auf den 
Samen zu wirken und driickt sich in ihm ab und baut aus dem kleinen 
Chaos das auf, was von alien Seiten durch die Wirkungen aus dem 
Weltenall in ihm aufgebaut werden kann (Zeichnung). Und wir 
bekommen in dem Samen ein Abbild des Weltenalls. Jedesmal wird 
der irdische OrganisationsprozeB in der Samenbildung zu Ende ge- 
fuhrt bis zum Chaos. Jedesmal baut sich in dem Samenchaos aus dem 
ganzen Weltenall heraus der neue Organismus auf. Der alte Orga- 
nismus hat nur die Tendenz, den Samen in diejenige Weltenlage 
hineinzubringen, durch seine Affinitat zu dieser Weltenlage, daB aus 
den richtigen Richtungen her die Krafte wirken, und daB aus einem 
Lowenzahn nicht eine Berberitze, sondern wieder ein Lowenzahn 



Aber, was in der einzelnen Pflanze abgebildet wird, ist immer das 
Abbild irgendeiner kosmischen Konstellation, wird aus dem Kosmos 
heraus aufgebaut. Wenn wir iiberhaupt den Kosmos zur Wirkung 
bringen wollen in seinen Kraften innerhalb unseres Irdischen, dann 
ist dazu notwendig, daB wir das Irdische moglichst stark ins Chaos 
hineintreiben. Uberall, wo wir den Kosmos zur Wirkung bringen, 
miissen wir das Irdische moglichst stark ins Chaos hineintreiben. Fur 



wird. 



Tafel 2 




das Pflanzenwachstum besorgt das in einer gewissen Beziehung schon 
die Natur selber. Aber es ist allerdings notwendig, daB wir, weil ja 
jeder neue Organismus aus dem Kosmos heraus aufgebaut wird, im 
Organismus dieses Kosmische solange erhalten, bis wiederum die 
Samenbildung da ist. 

Sagen wir, wir pflanzen einen Samen irgendeiner Pflanze in die 
Erde herein, so haben wir in diesem Samen den Abdruck, die Aus- 
pragung des ganzen Kosmos von irgendeiner Weltrichtung her. Darin 
kommt die Konstellation zur Wirkung, dadurch bekommt er seine 
bestimmte Form. Und in dem Augenblicke, wo er in das Erdgebiet 
verpflanzt wird, wirkt das AuBere der Erde sehr stark auf ihn ein, 
und er ist in jenem Augenblick von der Sehnsucht durchdrungen, das 
Kosmische zu verleugnen, zu wuchern, nach alien moglichen Rich- 
tungen auszuwachsen, denn dasjenige, was iiber der Erde wirkt, will 
diese Form eigentlich nicht festhalten. Es ist die Notwendigkeit da 
gegeniiber dem Ins-Chaos-Treiben - den Samen miissen wir bis zum 
Chaos treiben -, wenn nun aus dem Samen schon die erste Pflanzen- 
anlage sich entwickelt und die weiteren Sprossen, das Irdische, 
gegeniiber dem Kosmischen, das als Form der Pflanze im Samen 
lebt, in die Pflanze hineinzubringen. Wir miissen die Pflanze der 
Erde annahern in ihrem Wachstum, Das aber kann nur dadurch 
geschehen, daB wir wirklich das schon auf der Erde vorhandene 
Leben, das also noch nicht in das vollige Chaos hineingekommen ist, 
das nicht bis zur Samenbildung vorgedrungen ist, sondern in der 
Organisation der Pflanze vorher aufgehort hatte, bevor es zur Samen- 
bildung gekommen ist, daB wir das auf der Erde befindliche Leben 
doch in das Pflanzenleben hineinbringen. Und da kommt ja wiederum 
in den Gegenden, die vom Gliicke besonders begiinstigt sind, die 
reiche Humusbildung im Haushalte der Natur dem Menschen sehr 
zugute. Denn der Mensch kann im Grunde genommen dasjenige, was 
die Erde an Fruchtbarkeit leisten kann durch eine natiirliche Humus- 
bildung, kiinstlich doch nur mangelhaft ersetzen. 

Aber worauf beruht diese Humusbildung? Sie beruht darauf, daB 
dasjenige, was aus dem Pflanzenleben kommt, aufgenommen wird von 
dem NaturprozeB. Das noch nicht bis zum Chaos Gekommene, das 



weist zuriick in einer gewissen Weise das Kosmische. Wird das mit- 
verwendet im Pflanzenwachstum, dann halten wir das eigentlich 
Irdische in der Pflanze drinnen fest, und es wirkt das Kosmische nur 
in dem Strom, der dann wiederum hinaufgeht bis zur Samenbildung. 
Dagegen wirkt das Irdische in der Blatt- und Blutenentfaltung und so 
weiter. In das alles strahlt nur das Kosmische seine Wirkungen herein. 
Das kann man eigentlich recht genau verfolgen. 

Nehmen Sie an, Sie haben eine Pflanze, die aus der Wurzel herauf 
wachst. Am Ende des Stengels bildet sich das Samenkornchen. Es 
breiten sich aus die Blatter, die Bliiten. Nun sehen Sie : Im Blatt und 
in der Bliite ist dasjenige irdisch, was Gestaltung, was auch eine Aus- 
fiillung mit irdischer Materie ist, so daB der Grund, warum ein Blatt 
oder ein Korn sich dick entwickelt, die inneren Substantialitaten auf- 
nimmt und so weiter, in demjenigen liegt, was wir als Irdisches der 
Pflanze beibringen, was noch nicht bis zum Chaos gekommen ist, 

Tafel 2 ,'>,, 



Dagegen der Same, der seine ganze Kraft durch den Stengel, aber 
in vertikaler Richtung, nicht im Umkreis entwickelt, der durchstrahlt 
Pflanzenblatt und Pflanzenbliite mit der Kraft des Kosmos. Das kann 
man unmittelbar sehen. 

Denn schauen Sie sich die griinen Pflanzenblatter an (Zeichnung). 
Die griinen Pflanzenblatter tragen in ihrer Form, in ihrer Dicke, in 




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ihrer grunen Farbe Irdisches. Sie wiirden aber nicht griin sein, wenn 
nicht in ihnen auch die kosmische Kraft der Sonne lebte. Kommen 
Sie zur gefarbten Bliite, dann lebt nicht nur die kosmische Kraft der 
Sonne, sondern jene Unterstiitzung, die die kosmischen Krafte der 
Sonne durch die fernen Planeten Mars, Jupiter, Saturn erhalten. Nur 
wenn man in dieser Beziehung das Pflanzenwachstum sieht, dann 



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schaut man sich die Rose an, und in ihrer roten Farbe schaut man die 
Marskraft. Man schaut sich die gelbe Sonnenblume an : sie wird nicht 
ganz mit Recht Sonnenblume genannt, sie wird nur wegen ihrer Form 
so genannt, wegen ihrer Gelbheit muBte sie eigentlich genannt wer- 
den Jupiterblume, denn die Kraft des Jupiter, die die kosmische 
Sonnenkraft unterstutzt, bringt in den Bliiten die weiBe und die gelbe 
Farbe hervor. Treten wir an eine Wegwarte, die Zichorie mit ihrer 
blaulichen Farbe heran, so mussen wir in dieser blaulichen Farbe die 
Saturnwirkung ahnen, die die Sonnenwirkung unterstutzt. Wir haben 
also die Moglichkeit, durchaus in der roten Bliite den Mars zu sehen. 
Wir haben die Moglichkeit, in der weiBen, in der gelben Bliite den 
Jupiter zu sehen, und wir sehen in der blauen Bliite den Saturn, und 
in dem grunen Blatt sehen wir die eigentliche Sonne. 

Das aber, was da in der Farbung der Bliite erscheint, das wirkt als 
Kraft nun ganz besonders stark in der Wurzel. Denn da wirkt dieses 
in den fernen Planeten Lebende, Kraftende, eben wiederum in dem 
Erdboden darinnen. Es ist durchaus so, daft wir uns sagen mussen: 



ReiBen wir eine Pflanze aus der Erde, haben unten die Wurzel, so ist 
in der Wurzel das Kosmische, in der Bliite ist am meisten das Irdische, 
nur in der feinsten Nuancierung mit der Farbe ware das Kosmische. 

Dagegen, wenn das Irdische in der Wurzel leben soli, wenn stark 
in der Wurzel leben soil das Irdische, dann schieBt es in die Form. 
Denn die Pflanze hat ihre Form von demjenigen, was im irdischen 
Bereiche entstehen kann. Das, was die Form ausbreitet, ist irdisch. 
Wenn aber die Wurzel zerteilt, verzweigt wird als Wurzel, sich aus- 
bildet, so wirkt, wie in der Farbe das Kosmische nach oben wirkt, das 
Irdische nach unten. So daB wir gerade kosmische Wurzeln haben in 
denjenigen Wurzeln, die einheitlich gestaltet sind. Dagegen in den 
verzweigten Wurzeln haben wir ein Hereinwirken des Irdischen in 
den Erdboden, so wie wir in dem Farbigen ein Heraufwirken des 
Kosmischen in die Bluten haben, und das Sonnenhafte steht mitten 
drinnen. Das Sonnenhafte wirkt vorzugsweise in dem griinen Blatte, 
und es wirkt in der Wechselbeziehung zwischen Bliite und Wurzel mit 
allem, was dazwischen ist. Das Sonnenhafte also ist eigentlich das, 
was als dieses Zwerchfell dem Erdboden selber zugeordnet ist, wah- 
rend das Kosmische dem Innern der Erde zugeordnet ist und herauf- 
wirkt in das Obere der Pflanze. Das Irdische aber iiber dem Erdboden 
wirkt auch herunter und wird in die Pflanze mit Hilfe des Kalkigen 
heruntergezogen. Schauen Sie sich daher die Pflanzen an, bei denen 
das Irdische durch das Kalkige stark bis in die Wurzel gezogen wird : 
Es sind Pflanzen, welche ihre Wurzel zweigformig nach alien Seiten 
schieBen lassen wie etwa die guten Futterkrauter - nicht die Ruben -, 
wie etwa die Esparsette; so daB wir sagen konnen, man muB es der 
Form der Pflanze ansehen, wenn man die Pflanzen verstehen will, 
der Form und der Bliitenfarbe der Pflanze ansehen, wie weit in ihnen 
das Kosmische und das Irdische wirken. 

Nun nehmen Sie an, wir erreichen durch irgend etwas, daB in der 
Pflanze das Kosmische aufgehalten wird, stark zuriickgehalten wird ; 
dann wird es nicht sehr sich offenbaren, in Bliite schieBen, sondern 
sich in etwas Stengeligem ausleben. Ja, worinnen lebt denn nach den 
gemachten Angaben das Kosmische in der Pflanze? Es lebt im Kiese- 
ligen. Nun schauen Sie sich einmal die Equisetumpflanze an: die hat 



die Eigentumlichkeit, daB sie gerade das Kosmische heranzieht an 
sich, sich mit dem Kieseligen durchsetzt. Sie hat ja neunzig Prozent 
Kieselsaure in sich drin. In dieser Equisetumpflanze ist sozusagen das 
Kosmische in einem ungeheuren UbermaBe vorhanden, aber so vor- 
handen, daB es nicht in die Blute hinein sich offenbart, daB es gerade im 
unteren Wachstum zum Vorschein kommt. Nehmen wir etwas anderes. 

Nehmen wir an, daB wir dasjenige, was hinauf will, in das Blatt 
durch den Stengel hinauf will, zunickhalten wollen im Wurzelhaften 
bei einer Pflanze. Nicht wahr, fur unsere heutige Erdenzeit kommt 
ja das nicht mehr so stark in Betracht, weil wir schon so festgelegt 
haben durch die verschiedenen Verhaltnisse die Gattungen der Pflan- 
zen. In fruheren Zeiten, in Urzeiten war das anders, wo man noch 
leicht eine Pflanze in die andere hat verwandeln konnen. Damals kam 
das sehr stark in Betracht. Heute kommt es auch noch in Betracht, 
weil man die Bedingungen aufsuchen muB, die giinstig sind einer 
bestimmten Pflanze. 

Worauf haben wir derm heute zu sehen, wie miissen wir hinschauen 
auf eine Pflanze, bei der wir wollen, daB nicht die kosmische Kraft 
ganz hinaufschieBt in das Bliitenhafte und in das Fruchtende, sondern 
unten bleibt, daB gewissermaBen Stamm- und Blattbildung in der 
Wurzelbildung aufgehalten werden, was miissen wir dann tun? Wir 
miissen eine solche Pflanze in einen sandigen Boden geben. Denn im 
kieseligen Boden wird das Kosmische zuriickgehalten, geradezu auf- 
gcfangen. Man wird daher die KartofTel, bei der wir ja das erreichen 
miissen, daB wir unten in der KartofTel selber aufhalten die Bliiten- 
bildung, daB wir sie zuriickhalten - denn die KartofTel ist ein Wurzel- 
stock, da wird die blatt- und stengelbildende Kraft in der KartofTel 
selber festgehalten, die KartofTel ist nicht die Wurzel, sondern ein 
zuriickgehaltener Stengel -, man wird die KartofTel in einen sandigen 
Boden hineinbringen miissen, sonst erreichen wir das nicht, daB die 
kosmische Kraft in ihr zuriickgehalten wird. 

Nun, aus alledem geht hervor, daB fur die Beurteilung des ganzen 
Pflanzenwachstums sozusagen das ABC dieses ist, daB man immer 
sagen kann : was ist an einer Pflanze kosmisch, was ist an einer Pflanze 
terrestrisch, irdisch? Wie kann man den Erdboden durch seine be- 



sondere BeschafTenheit geneigt machen, das Kosmische, ich mochte 
sagen, dichter zu machen und es dadurch mehr an der Wurzel und 
dem Blatte zu erhalten? Wie kann man es diinner machen, so daB es in 
seiner Diinnheit hinaufgesogen wird bis in die Bluten und diese farbt 
oder bis in die Fruchtbildung und diese mit einem feinen Geschmack 
durchzieht? Denn wenn Sie Aprikosen oder Pflaumen mit feinem 
Geschmack haben, so ist dieser feine Geschmack, ebenso wie die 
Farbe der Bluten, das bis in die Frucht heraufgekommene Kosmische. 
Im Apfel essen Sie tatsachlich den Jupiter, in der Pflaume essen Sie 
tatsachlich den Saturn. Und wenn die Menschheit mit ihrer heutigen 
Kenntnis vor die Notwendigkeit versetzt ware, aus mancherlei, aber 
wenigen Pflanzen der irdischen Urzeit die Mannigfaltigkeit unserer 
Obstsorten zu erzeugen, sie wurde nicht weit kommen, wenn die 
Formen unserer Obstsorten nicht schon vererbt waren und erzeugt 
worden waren in einer Zeit, wo man aus einer instinktiven Urweisheit 
in der Menschheit noch etwas gewuBt hat tiber die Erzeugung der 
Obstsorten aus primitiven Sorten, die da waren. Wenn man nicht die 
Obstsorten schon hatte und sie immer wieder durch Vererbung fort- 
pflanzte, heute wiirde man, wenn man mit der heutigen Gescheitheit 
in dieselbe Lage kame und das noch einmal nachmachen sollte, in 
bezug auf die Erzeugung der Obstsorten nicht viel ausrichten konnen. 
Denn man macht ja alles durch Probieren, man dringt nicht rationell 
in den ProzeB ein. Das ist aber nun die Grundbedingung, die sich 
wiederum ergeben muB, wenn wir auf der Erde iiberhaupt fortwirt- 
schaften wollen. 

Es war ganz auBerordentlich treffend, was unser Freund Stegemann 
gesagt hat, daB zu konstatieren ist ein Minderwertigwerden der Pro- 
dukte. Dieses Minderwertigwerden hangt namlich - nehmen Sie mir 
meinetwegen die Bemerkung ubel oder nicht - ebenso wie die Um- 
wandlung der menschlichen Seelenbildung mit dem Ablauf des Kali 
Yuga im Weltenall zusammen in den letzten Jahrzehnten und in den 
Jahrzehnten, die kommen werden. Wir stehen auch vor einer groBen 
Umwandlung des Innern der Natur. Das, was aus alten Zeiten zu uns 
herubergekommen ist, was wir auch immer fortgepflanzt haben, so- 
wohl an Naturanlagen, an naturvererbten Kenntnissen und der- 



gleichen, wie auch dasjenige, was wir von Heilmitteln heriiberbekom- 
men haben, verliert seine Bedeutung. Wir miissen wiederum neue 
Kenntnisse erwerben, um in den ganzen Natarzusammenhang solcher 
Dinge hineinzukommen. Die Menschheit hat keine andere Wahl, als 
entweder auf den verschiedensten Gebieten aus dem ganzen Natur- 
zusammenhang, aus dem Weltenzusammenhang heraus wieder etwas 
zu lernen, oder die Natur ebenso wie das Menschenleben absterben, 
degenerieren zu lassen. Wie in alten Zeiten es notwendig war, daB 
man Kenntnisse hatte, die wirklich hineingingen in das Gefuge der 
Natur, so brauchen auch wir heute wieder Kenntnisse, die wirklich 
hineingehen in das Gefuge der Natur. 

Der Mensch weiB heute notdurftig, wie sich die Luft - ich habe ja 
davon gesprochen - im Innern der Erde benimmt, aber er weiB fast 
gar nichts davon, wie sich das Licht im Innern der Erde benimmt. Er 
weiB nicht, daft das, was gerade das kosmische Gestein, das Kieselige 
ist, das Licht aufnimmt in die Erde und da das Licht zur Wirksamkeit 
bringt, dagegen dasjenige, was dem Irdisch-Lebendigen nahesteht, die 
Humusbildung, das Licht nicht aufnimmt, nicht zur Wirkung bringt 
in der Erde und daher lichtloses Wirken erzeugt. Aber das sind Dinge, 
die gewufit werden, durchschaut werden miissen. 

Nun aber dasjenige, was auf der Erde als Pflanzenwachstum ist, 
ist noch nicht alles, sondern zu einem bestimmten Erdgebiete gehort 
ebenso ein bestimmtes Tierisches. Vom Menschen konnen wir aus 
Griinden, die auch noch zutage treten werden, absehen. Aber vom 
Tierischen konnen wir nicht absehen; denn es besteht das Eigentiim- 
liche, daB die beste, wenn ich so sagen soli, kosmische qualitative 
Analyse sich selber vollzieht im Zusammenleben eines gewissen mit 
Pflanzen bewachsenen Gebietes mit dem, was an Tieren in diesem 
Gebiete lebt. Es besteht das Eigentumliche - und ich ware froh, wenn 
die Dinge eben nachgepruft wiirden, weil die Nachprufung ja sicher 
die Bestatigung ergeben wiirde -, es besteht die Beziehung, daB, wenn 
man das richtige MaB von Kiihen, Pferden und anderen Tieren auf 
irgendeiner Landwirtschaft hat, diese Tiere alle miteinander gerade so 
viel Mist geben, als man braucht fur die Landwirtschaft, als man 
braucht, um dem Chaosgewordenen noch etwas dazuzusetzen. Und 



zwar, wenn man die rechte Anzahl Pferde, Kiihe, Schweine hat, so ist 
auch das Mischungsverhaltnis im Mist das Richtige. Das hangt zu- 
sammen damit, daB die Tiere das richtige MaB dessen, was ihnen da 
kommt vom Pflanzenwachstum, verzehren, fressen, weil die Tiere 
das richtige MaB dessen, was die Erde hergeben kann an Pflanzen, 
fressen. Aus dem Grande entwickeln sie auch im Verlaufe ihres orga- 
nischen Prozesses soviel Mist, als notwendig ist, um wieder der Erde 
zuriickgegeben zu werden. Eigentlich gilt da das - man kann es nicht 
ganz durchfiihren, aber in idealem Sinne ist das richtig -, daB man, 
wenn man genotigt ist, irgendwelchen Mist von auBen zu beziehen, 
diesen nur zu benutzen, zu behandeln hat als ein Heilmittel fur eine 
schon erkrankte Landwirtschaft. Gesund ist sie nur insofern, als sie 
sich den Mist durch ihren Tierbestand selber gibt. Das erfordert 
naturlich, daB man eine richtige Wissenschaft davon entwickelt, wie- 
viel Tiere man von einer gewissen Sorte in einer bestimmten Land- 
wirtschaft braucht. 

Aber das wird sich, sobald nur wieder uberhaupt Kenntnisse da 
sind von den inneren Kraften, die da wirken, das wird sich schon er- 
geben. Denn naturlich gehort zu dem, was wir angefuhrt haben iiber 
das Bauchsein iiber dem Erdboden, das Kopfsein unter dem Erd- 
boden, gehort wiederum auch das Verstehen des tierischen Orga- 
nismus. Der tierische Organismus lebt ja im ganzen Zusammenhang 
des Naturhaushalts drinnen. So daB er mit Bezug auf seine Form- und 
Farbengestalt, auch mit Bezug auf die Struktur und Konsistenz seiner 
Substanz von vorne nach hinten zu, also von der Schnauze gegen das 
Herz zu, die Saturn-, Jupiter-, Marswirkungen hat, in dem Herz die 
Sonnenwirkung und hinter dem Herzen, gegen den Schwanz zu, die 
Venus-, Merkur-, Mondenwirkungen (Zeichnung S.61). In dieserBe- 
ziehung sollten eigentlich diejenigen, die interessiert sind an diesen 
Dingen, in Zukunft nun wirklich die Erkenntnisse nach dem An- 
schauen der Form hin ausbilden. 

Denn diese Ausbildung der Erkenntnisse nach der Form, nach dem 
Anschauen der Form, ist von einer ungeheuren Bedeutung. Gehen Sie 
einmal in ein Museum und schauen Sie sich das Skelett von irgend- 
einem Saugetier an, und gehen Sie mit dem BewuBtsein hin: In der 



Kopf biidung ist vorzugsweise wirkend in der Gestaltung die Sonnen- 
bestrahlung, wie sie so ins Maul hineinstromt, die direkt strahlende 
Sonnenwirkung; und je nachdem aus anderen Untergriinden heraus, 
wie wir auch hier besprechen werden - das Tier sich so oder so der 
Sonne exponiert - ein Lowe exponiert sich anders als ein Pferd 
je nachdem ist der Kopf gestaltet und dasjenige, was sich unmittelbar 
an den Kopf anschlieBt. So haben wir es beim Vorne des Tieres mit 
der direkten Sonnenbestrahlung zu tun, und damit der Ausbildung 
des Kopfes. 



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Tafrl 1 



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Nun denken Sie, das Sonnenlicht kommt noch auf einem anderen 
Wege in den Umkreis der Erde hinein, indem es vom Monde zuruck- 
geworfen wird. Und wir haben es nicht nur mit dem Sonnenlicht zu 
tun, sondern wir haben es mit dem vom Mond zuriickgeworfenen 
Sonnenlicht zu tun. Dieses vom Mond zuriickgeworfene Sonnenlicht 
ist ganz unwirksam, wenn es auf den Kopf eines Tieres scheint. Da 
entfaltet es keine Wirkung. Diese Dinge gelten namentlich fur das 
Embryonalleben. Aber das vom Monde zuriickgestrahlte Licht ent- 
wickelt seine hochste Wirkung, wenn es auf den hinteren Teil des 
Tieres fallt. Und sehen Sie sich die Skelettbildung im hinteren Teil an, 
in ihrer eigentumlichen Beziehung zu der Kopf biidung. Entwickeln 
Sie ein Formgefuhl fur diesen Gegensatz, fur die Art und Weise, wie 
da die Schenkel sich ansetzen, wie der Verdauungsauslauf da ge- 
staltet ist im Gegensatz zu dem, was ganz als Gegenpol vom Kopf 



herein gestaltet wird. Dann haben Sie beim Vorderen und Hinteren 
des Tieres den Gegensatz von Sonne und Mond. Und wenn Sie 
weitergehen, so finden Sie, daB die Sonnenwirkung bis zum Herzen 
geht, vor dem Herzen zuriickbleibt, daB fiir die Kopf- und Blutbildung 
Mars, Jupiter, Saturn, wirkt, daB dann vom Herz weiter zuriick unter- 
stiitzt wird die Mondenwirkung durch die Merkur- und Venus- 
wirkung, so daB, wenn Sie das Tier so aufstellen, drehen, und derart 
aufrichten, daB es den Kopf in die Erde steckt und das Hintere nach 
oben streckt, Sie dann die Einstellung haben, die unsichtbar die land- 
wirtschaftliche Individualitat hat. 

Damit haben Sie die Moglichkeit, jetzt aus dieser Formgestalt des 
Tieres heraus eine Beziehung zu finden zwischen demjenigen, was das 
Tier an Mist zum Beispiel liefert im Verhaltnis zu demjenigen, was die 
Erde braucht, deren Pflanzen das Tier friBt. Denn Sie miissen ja 
wissen, daB zum Beispiel die kosmischen Wirkungen, die in einer 
Pflanze zur Geltung kommen, die vom Innern der Erde heraus kom- 
men, hinaufgeleitet werden. 1st also eine Pflanze besonders reich an 
solchen kosmischen Wirkungen und friBt diese ein Tier, das nun 
seinerseits gleichzeitig Mist liefert aus seiner Organisation heraus auf 
Grundlage eines solchen Futters, so liefert dieses Tier den besonders 
geeigneten Mist fiir diesen Boden, wo die Pflanze wachst. 

Sie sehen also, durchschaut man formhaft die Dinge, dann kommt 
man auf alles, was gebraucht wird in dieser in sich geschlossenen 
Individualitat, die eine Landwirtschaft ist. Nur muB man den Tier- 
stand dazurechnen. 



DRITTER VORTRAG 
Koberwitz, ll.Juni 1924 

Exkurs in die Tdtigkeit der Natur: 
Die Wirkung des Geistes in der Natur 

Die Krafte der Erde und des Kosmos, von denen ich Ihnen ge- 
sprochen habe, sie wirken ja innerhalb des Landwirtschaftlichen durch 
die Stoffe der Erde. Und es wird daher nur moglich sein, zvt allerlei 
praktischen Gesichtspunkten in den nachsten Tagen den Obergang 
zu linden, wenn wir heute uns auch mit der Frage etwas genauer 
noch beschaftigen : Wie wirken durch die Stoffe der Erde die Krafte, 
von denen wir gesprochen haben? Nun werden wir da gewisser- 
maBen einen Exkurs machen miissen in die Tatigkeit der Natur iiber- 
haupt. 

Eine der allerwichtigsten Fragen, welche aufgeworfen werden kon- 
nen, wenn es sich um die Produktion auf landwirtschaftlichem Ge- 
biete handelt, war schon diejenige nach der Bedeutung und dem Ein- 
flusse des Stickstoffes auf die gesamte landwirtschaftliche Produktion. 
Allein gerade diese Frage nach dem Wesen der Wirksamkeit des 
Stickstoffs ist ja heute jn eine groBe Verwirrung hineingeraten. Man 
sieht sozusagen iiberall, wo Stickstoff tatig ist, nur die Auslaufer seiner 
Wirkungen, das Alleroberflachlichste, worin er sich auBert. Man sieht 
aber nicht hinein in die Naturzusammenhange, in denen der Stick- 
stoff wirkt, und das kann man auch nicht, wenn man innerhalb eines 
Naturgebiets stehenbleibt; das kann man nur, wenn man in die Weiten 
des Naturgebiets hinausschaut und sich um die Betatigung des Stick- 
stoffs im Weltenall dabei bekummert. Man kann sogar sagen - und das 
wird aus meinen Ausfuhrungen hervorgehen -, der Stickstoff als 
solcher spielt vielleicht nicht einmal die allererste Rolle im pflanzlichen 
Leben; allein seine Rolle kennenzulernen, ist dennoch in erster Linie 
notwendig fur das Verstandnis des pflanzlichen Lebens. 

Der Stickstoff hat aber, indem er wirkt im Naturwesen, ich mochte 
sagen, vier Geschwister, deren Wirkungen man zugleich kennen- 



lernen muB, wenn man seine Funktionen, seine Bedeutung im so- 
genannten Haushalte der Natur begreifen will. Und diese vier Ge- 
schwister sind diejenigen, die mit ihm verbunden sind auf eine ja auch 
heute der auBeren Wissenschaft noch geheimnisvolle Weise, ver- 
bunden sind in dem pflanzlichen und tierischen EiweiB. Es sind die 
vier Geschwister: Kohlenstoff, Sauerstoff, WasserstofT und Schwefel. 

Wenn man die vollstandige Bedeutung des EiweiBes kennenlernen 
will, so darf man namlich nicht bloB unter den bedeutenden Ingredien- 
zien des EiweiBes auffuhren WasserstofF, SauerstofF, StickstofF und 
Kohlenstoff, sondern man muB den fur das EiweiB in einer tief bedeut- 
samen Weise tatigen StofF, den Schwefel mit anfuhren. Denn der 
Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des EiweiBes, was den Ver- 
mittler darstellt zwischen dem iiberall in der Welt ausgebreiteten 
Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem 
Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der mate- 
riellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muB 
die Tatigkeit. des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tatigkeit 
nicht so ofFen liegt, wie diejenige anderer StofFe, so ist sie darum doch 
gewiB von der allergroBten Bedeutung, weil auf dem Wege des 
Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel 
ist geradezu der Trager des Geistigen. Er hat seinen alten Namen 
Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen 
alten Namen, weil man in alteren Zeiten in dem Licht, in dem sich 
ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich aus- 
breitende Geistige. Und man nannte deshalb diese StofFe, die mit dem 
Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel 
und Phosphor, die Lichttrager. 

Nun wird uns aber gerade deshalb, weil die Tatigkeit des Schwefels 
im Haushalt der Natur eine so feine ist, am besten dadurch, daB wir 
die anderen vier Geschwister, Kohlenstoff, WasserstofF, Stickstoff, 
Sauerstoff, einmal ins Auge fassen und nun wirklich verstehen lernen, 
vor Augen treten, was eigentlich diese Stoffe im ganzen Weltenwesen 
sind. Denn der Chemiker weiB ja heute nicht viel von diesen Stoffen. 
Er weiB, wie sie auBerlich ausschauen, wenn er sie im Laboratorium 
hat, er kennt aber die innere Bedeutung dieser StofFe im Ganzen der 



Weltenwirksamkeiten eigentlich gar nicht. Und die Kenntnis, die man 
heute durch die Chemie hat von diesen StofFen, ist eigentlich keine 
viel groBere als diejenige, die man von einem Menschen hat, den man 
seiner auBeren Gestalt nach beim Vorbeigehen auf der StraBe gesehen 
hat, den man vielleicht abgeknipst hat mit einem photographischen 
Apparate, und an den man sich erinnert mit Hilfe des photographi- 
schen Bildes. Denn was die Wissenschaft tut mit diesen StofFen, deren 
tieferes Wesen man eben kennen muB, ist nicht viel mehr als ein Ab- 
knipsen mit dem photographischen Apparat, und was in unseren 
Biichern steht, in unseren Vortragen vorkommt iiber diese Stoffe, das 
enthalt eigentlich nicht viel mehr. 

Gehen wir daher - die Anwendung auf das Pflanzliche wird sich 
schon ergeben - zunachst von dem KohlenstofF aus. Dieser Kohlen- 
stofF, sehen Sie, der ist ja aus einer sehr aristokratischen Position in 
der neuen Zeit heruntergesunken - Gott, diese Wege haben ja dann 
spater viele andere Weltenwesen gemacht - zu einer sehr, sehr ple- 
bejischen Situation. Man sieht halt in dem KohlenstofF dasjenige, was 
man in die Ofen tut, die Kohle. Man sieht in dem KohlenstofF das- 
jenige, womit man schreibt, den Graphit. Man schatzt ja eine be- 
stimmte Modification des KohlenstofFes noch immer als aristokra- 
tisch, den Demant; aber man kann ihn ja nicht mehr sehr schatzen, 
weil man ihn nicht kaufen kann. Und so ist dasjenige, was iiber den 
KohlenstofF gewuBt wird, eigentlich gegeniiber der ungeheuren Be- 
deutung des KohlenstofFs im Weltall ein auBerordentlich Geringes. 
Dieser - sprechen wir ihn als Kerl an - schwarze Kerl gait namlich 
bis vor einer verhaltnismaBig sehr kurzen Zeit, bis vor ein paar Jahr- 
hunderten, als dasjenige, was man mit einem sehr edlen Namen be- 
zeichnete, mit dem Namen des « Steins der Weisen ». 

Man hat ja viel herumgeschwatzt iiber dasjenige, was der Stein der 
Weisen sein soil; aber aus diesem Herumschwatzen ist nicht viel 
herausgekommen. Denn wenn die alten Alchemisten und dergleichen 
Leute vom Stein der Weisen gesprochen haben, meinten sie den 
KohlenstofF in seinen verschiedenen Vorkommnissen. Und sie hielten 
seinen Namen nur deshalb fur so geheim, weil ja, wenn sie diesen 
nicht geheim gehalten hatten, eigentlich jeder den Stein der Weisen 



naturlich gehabt hatte. Aber es war schon der KohlenstofF. Und 
warum war es der KohlenstofF? 

Wir konnen dabei beantworten mit einer alteren Anschauung zu- 
gleich etwas, was man heute aber wissen sollte vom Kohlenstoff. 
Sehen Sie, wenn man absieht von der zerbrockelten Form, in der 
wir durch gewisse Vorgange, durch die er durchgegangen ist, den 
Kohlenstoff in der Natur haben als Steinkohle oder auch als Graphit, 
wenn wir den Kohlenstoff auffassen in seiner lebendigen Tatigkeit, 
wie er durchgeht durch den Menschen, durch den Tierkorper, wie 
er aufbaut aus seinen Verhaltnissen heraus den Pflanzenkorper, so 
erscheint uns das Amorphe, Gestaltlose, das man sich als Kohlenstoff 
vorstellt, nur als der letzte Auslaufer, als der Leichnam desjenigen, 
was die Kohle, der Kohlenstoff, im Haushalte der Natur eigentlich ist. 

Der Kohlenstoff ist namlich der Trager aller Gestaltungsprozesse in 
der Natur. Was auch gestaltet werden mag, ob die verhaltnismaBig 
kurz bleibende Gestalt der Pflanze, ob die in ewigem Wechsel be- 
griffene Gestalt des tierischen Organismus ins Auge gefaBt wird, der 
Kohlenstoff ist da der groBe Plastiker, der nicht bloB seine schwarze 
Substantialitat in sich tragt, sondern der, wenn er in voller Tatigkeit, 
in innerer Beweglichkeit ist, die gestaltenden Weltenbilder, die groBen 
Weltenimaginationen iiberall in sich tragt, aus denen alles dasjenige, 
was in der Natur gestaltet wird, eben hervorgehen muB. Ein geheimer 
Plastiker waltet in dem Kohlenstoff, und dieser geheime Plastiker, 
indem er die verschiedensten Formen aufbaut, die in der Natur auf- 
gebaut werden, bedient sich dabei des Schwefels. So daB wir an- 
schauen mussen, wenn wir auf den Kohlenstoff in der Natur hin- 
schauen wollen im richtigen Sinne, wie die Geisttatigkeit des Welten- 
alls sozusagen sich mit dem Schwefel befeuchtet, als Plastiker tatig 
ist, und mit Hilfe des Kohlenstoffs die festere Pflanzenform aufbaut, 
dann aber auch wiederum die im Entstehen schon vergehende Form 
des Menschen aufbaut, der gerade dadurch Mensch ist, nicht Pflanze, 
daB er die eben entstehende Form immer wiederum sogleich ver- 
nichten kann, indem er den Kohlenstoff, als Kohlensaure an den 
Sauerstoff gebunden, absondert. Eben weil der Kohlenstoff im mensch- 
lichen Korper uns Menschen zu steif, zu fest formt, wie eine Palme 



macht - er schickt sich an, uns so fest zu machen -, da baut die 
Atmung sogleich ab, reiBt diesen Kohlenstoff aus der Festigkeit 
heraus, verbindet ihn mit dem Sauerstoff, befordert ihn nach auBen, 
und wir werden so gestaltet in einer Beweglichkeit, die wir als Men- 
schenwesen brauchen. 

Aber in der Pfianze ist er so drinnen, daB er in einer gewissen Weise 
in einer festen Gestalt auch bei den einjahrigen Pflanzen in einem 
gewissen Grade festgehalten wird. Ein alter Spruch sagt in bezug auf 
den Menschen: «Blut ist ein ganz besonderer Saft», und man muB 
mit Recht sagen, daB das menschliche Ich im Blute pulsiert, auf 
physische Weise sich auBert. Aber eigentlich ist es im Genaueren 
gesprochen der webende, waltende, sich gestaltende und seine Gestalt 
wieder auflosende Kohlenstoff, auf dessen Bahnen, befeuchtet mit dem 
Schwefel, dieses Geistige des Menschen im Blute sich bewegt, das wir 
Ich nennen, und so wie das menschliche Ich als der eigentliche Geist 
des Menschen im Kohlenstoff lebt, so lebt wiederum gewissermaBen 
das Welten-Ich im Weltengeist auf dem Umwege durch den Schwefel 
in dem sich gestaltenden und immer wieder auflosenden Kohlenstoff. 

Es ist so, daB in fruheren Epochen unserer Erdentwickelung der 
Kohlenstoff dasjenige war, was iiberhaupt abgeschieden worden ist. 
Erst spater kam dann dasjenige dazu, was zum Beispiel das Kalkige 
ist, das der Mensch dann beniitzt, um als Unterlage nun auch ein 
Festeres zu schaffen, ein festeres Geriiste fur sich zu schaffen. Damit 
dasjenige, was im Kohlenstoff lebt, bewegt sein kann, schafft der 
Mensch in seinem kalkigen Knochengeriiste ein unterliegendes Festes, 
das Tier auch, wenigstens das hohere Tier. Damit hebt sich der Mensch 
heraus in seiner beweglichen Kohlenstoffbildung aus der bloB minera- 
lischen, festen Kalkbildung, die die Erde hat, und die er auch sich 
eingliedert, um feste Erde in sich zu haben. Im Kalk in der Knochen- 
bildung hat er die feste Erde in sich. 

Nun sehen Sie : dabei konnen Sie die Vorstellung haben, daB allem 
Lebendigen ein entweder mehr oder weniger festes oder mehr oder 
weniger fluktuierendes kohlenstoffartiges Geriiste zugrunde liegt, auf 
dessen Bahnen sich das Geistige bewegt durch die Welt, Lassen Sie 
mich das nur ganz schematisch einmal hinzeichnen, damit wir die 



Sache recht anschaulich haben. Ich will so ein Geriiste, das der Geist 
mit Hilfe des Schwefels irgendwie aufbaut, so hinzeichnen (Zeich- 
nung, blau). Das ist also entweder fortwahrend wechselnder Kohlen- 
stoff, der in dem Schwefel in sehr feiner Dosierung sich bewegt, oder 
es ist auch wie bei den Pflanzen ein mehr oder weniger fest geworde- 
nes, mit andern Substanzen, Ingredienzien vermengtes, festgeworde- 
nes Kohlenstoffgeriist. 



Tafel 3 




Nun sehen Sie : wenn wir den Menschen oder auch schlieBlich ein 
anderes Lebewesen betrachten, so muB - das ist ja gerade in unserem 
Zusammensein schon des ofteren hervorgehoben worden - dieses 
Lebendige von einem Atherischen, das der eigentliche Trager des 
Lebens ist, durchzogen sein. Das also, was da darstellt das kohlenstoff- 
artige Geriiste eines Lebendigen, das muB durchzogen sein von dem 
Atherischen wiederum, so daB sich das Atherische an diesen Geriist- 
balken mehr still festhalt, oder daB es mehr oder weniger fluktuierend 
in Bewegung ist. Aber es muB das Atherische ganz ausgebreitet sein, 



wo das Geriiste ist (Zeichnung, griin). Wir konnen also sagen: ein 
Atherisches muB iiberall da sein, wo dieses Geriiste ist. 

Nun, dieses Atherische, das wiirde etwas sein, was zunachst als 
Atherisches innerhaib unserer physischen Erdenwelt nicht existieren 
konnte, wenn es fur sich bliebe. Es wiirde sozusagen wie ein Nichts 
iiberall hindurchschliipfen, wiirde nicht angreifen konnen dasjenige, 
was es anzugreifen hat in der physisch-irdischen Welt, wenn es nicht 
einen physischen Trager hatte. Das ist ja das eigentumliche bei allem, 
was wir auf der Erde haben, daB das Geistige immer physische 
Trager haben muB. Die Materialisten nehmen dann nur die physischen 
Trager und vergessen das Geistige. Sie haben immer recht, weil ja 
das Nachste, was uns entgegentritt, der physische Trager ist. Aber sie 
lassen eben durchaus auBer acht, daB Geistiges iiberall einen physi- 
schen Trager haben muB. Und dieser physische Trager des Geistigen, 
das im Atherischen wirkt - wir konnen sagen, im Atherischen wirkt 
das niederste Geistige dieser physische Trager, der von dem Athe- 
rischen durchzogen wird, also so durchzogen wird, daB der Ather sich 
gewissermaBen wiederum befeuchtet mit dem Schwefel und nun in 
das Physische hineinfiihrt dasjenige, was es nun nicht in Gestaltung, 
nicht im Geriiste-Bauen, sondern in einer ewigen Beweglichkeit, 
Lebendigkeit, in dieses Geriistwesen hineinzutragen hat, dieses Phy- 
sische, das da aus dem Ather mit Hilfe des Schwefels die Lebens- 
wirkungen hineintragt, das ist der Sauerstoff. So daB Sie also das- 
jenige, was ich hier griin skizziert habe, sich auch vorstellen konnen, 
wenn Sie es als physischen Aspekt betrachten, daB das den Sauerstoff 
und auf dem Wege des SauerstofFs die wallende, vibrierende, webende 
Wesenheit des Atherischen darstellt. 

Auf diesem Wege des Sauerstoffes bewegt sich das Atherische mit 
Hilfe des Schwefels. Dadurch wird der AtmungsprozeB erst sinnvoll. 
Wir nehmen durch den AtmungsprozeB den Sauerstoff auf. Der 
heutige Materialist spricht nur von diesem Sauerstoff, den er in der 
Retorte hat, wenn er die Elektrolyse von Wasser macht. Aber in 
diesem Sauerstoff lebt iiberall das niederste Obersinnliche, das Athe- 
rische, wenn es nicht daraus getotet ist, wie es in der Luft getotet sein 
muB, die wir um uns haben. In der Atmungsluft ist das Lebendige des 



Sauerstoffs getotet, damit wir nicht ohnmachtig werden durch den 
lebendigen Sauerstoff. Wir werden, wenn sich ein hoheres Lebendiges 
in uns hineinbegibt, dadurch ohnmachtig. Schon eine gewohnliche 
Wachstumswucherung, die in uns auftritt, wenn sie lebt an einem 
Orte, wo es nicht sein soli, macht uns ohnmachtig und noch viel 
mehr als das. Und so wiirden wir, wenn wir von einer lebendigen 
Luft, in der lebendiger Sauerstoff ist, umgeben waren, ganz betaubt 
herumgehen. Der Sauerstoff um uns herum muB getotet sein. Aber 
ich mochte sagen, von Geburt an ist er der Trager des Lebens, des 
Atherischen. Er wird auch hier gleich der Trager des Lebens, wenn 
er aus der Aufgabensphare herauskommt, die ihm zugeteilt ist da- 
durch, daB er uns Menschen auBerlich um die Sinne herum umgeben 
muB. Kommt er durch die Atmung in uns hinein, wo er lebendig sein 
darf, so wird er wiederum lebendig. Es ist nicht derselbe Sauerstoff, 
der da in uns zirkuliert, wie er auBerlich ist, wo er uns umgibt. Er ist in 
uns lebendiger Sauerstoff, und so wird er auch gleich lebendiger 
Sauerstoff, wenn er aus der Atmungsluft in den Erdboden hinein- 
dringt, wenn auch sein Leben da ein geringergradiges ist wie in uns 
Menschen oder Tieren. Aber er wird da lebendiger Sauerstoff. Der 
Sauerstoff unter der Erde ist nicht derselbe wie derjenige, der iiber 
der Erde ist. 

Es ist ja schwer, sich uber diese Sache mit den Physikern, den 
Chemikern zu verstandigen. Denn nach den Methoden, die sie an- 
wenden, muB immer schon der Sauerstoff herausgezogen werden aus 
dem Irdischen; daher haben sie nur toten Sauerstoff vor sich. Es kann 
gar nicht anders sein. Aber dem ist ja jede Wissenschaft ausgesetzt, die 
nur auf das Physische gehen will. Sie kann nur Leichname verstehen. 
In Wirklichkeit ist der Sauerstoff der Trager des lebendigen Athers, 
und dieser lebendige Ather bemachtigt sich des Sauerstoffs, beherrscht 
ihn, indem er das auf dem Umwege durch den Schwefel tut. 

Nun aber habe ich jetzt - gewissermaBen noch nebeneinander - 
auf der einen Seite das Kohlenstoffgeriist, in dem das Hochste auf 
Erden uns zugangliche Geistige seine Wirksamkeit zeigt, das mensch- 
liche Ich, oder das in den Pflanzen wirkende Weltengeistige. Und wir 
haben, wenn wir auf den menschlichen ProzeB hinschauen, die At- 



mung, den in dem Menschen auftretenden lebendigen Sauerstoff, der 
den Ather tragt; und dann das Geriist aus Kohlenstoff, das da da- 
hintersteht und beim Menschen bewegt ist. Die miissen zueinander. 
Der Sauerstoff muB sich auf die Wege begeben konnen, die durch 
das Geriist vorgezeichnet sind, und mu8 dahin gehen konnen, wo 
irgendeine Linie oder so etwas hingezeichnet ist vom Kohlenstoff, 
vom Geiste des Kohlenstoffs, und iiberall in der Natur muB das 
Atherisch-Sauerstoffliche den Weg finden konnen zu dem Geistig- 
Kohlenstofflichen. Wie macht es das? Wer ist da der Vermittler? 

Da ist der Vermittler der Stickstoff. Der Stickstoff leitet das Leben 
hinein in die Gestaltung, die im Kohlenstoff verkorpert ist. Uberall, 
wo der Stickstoff auftritt, hat er die Aufgabe, das Leben zu vermitteln 
mit dem Geistigen, das zunachst geformt ist im Kohlenstofflichen. Die 
Briicke zwischen dem Sauerstoff und dem Kohlenstoff wird uberall 
im Tier-, im Pflanzenreich, auch im Innern der Erde bewirkt durch 
den Stickstoff. Und diejenige Geistigkeit, die wiederum mit Hilfe des 
Schwefels da im Stickstoff herumwirtschaftet, diese Geistigkeit ist 
dieselbe, die wir als die astralische bezeichnen. Es ist die astralische 
Geistigkeit im menschlichen Astralleibe, es ist die astralische Geistig- 
keit im Umkreis der Erde, wo ja auch das Astralische wirkt im Leben 
der Pflanzen, im Leben der Tiere und so weiter. 

Und so haben wir, geistig gesprochen, zwischen den Sauerstoff und 
Kohlenstoff hineingestellt das Astralische, aber dieses Astralische 
pragt sich im Physischen dadurch aus, daB es den Stickstoff beniitzt, 
um physisch wirken zu konnen. Uberall, wo Stickstoff ist, breitet sich 
Astralisches aus. Denn das Atherisch-Lebendige wiirde wolkenartig 
uberall hinfluten, wiirde gar nicht beriicksichtigen dieses Kohlenstoff- 
geriist, wenn der Stickstoff nicht eine so ungeheure Anziehung zu dem 
Kohlenstoffgeriist hatte. Uberall, wo Linien und Wege gebahnt sind 
im Kohlenstoff, da schleppt der Stickstoff den Sauerstoff, da schleppt 
das Astralische im Stickstoff das Atherische hin (siehe Zeichnung, 
gelb). Das ist der groBe Schlepper, dieser Stickstoff, des Lebendigen 
zu dem Geistigen hin. Daher ist dieser Stickstoff im Menschen das 
Wesentliche fur das Seelische im Menschen, das ja der Vermittler ist 
zwischen dem bloBen Leben und dem Geiste. 



Dieser Stickstoff ist eigentlich etwas sehr Wunderbares. Wenn wir 
seinen Weg im menschlichen Organismus verfolgen, so ist er wieder 
ein ganzer Mensch. Es gibt so einen Stickstoffmenschen. Konnten wir 
ihn herausschalen, so wiirde er das schonste Gespenst sein, das es 
geben konnte. Denn er ahmt vollstandig nach dasjenige, was im festen 
Geriist des Menschen ist. Auf der anderen Seite verflieBt er auch gleich 
wieder in das Leben. Da sehen Sie hinein in den AtmungsprozeB. Da 
nimmt der Mensch durch den AtmungsprozeB den Sauerstoff, das 
heiBt, das atherische Leben in sich auf. Da kommt der innere Stick- 
stoff, der nun den Sauerstoff hinschleppt iiberall da, wo Kohlenstoff, 
das heiBt Gestaltetes, webendes, wandelndes Gestaltetes ist; da bringt 
er den Sauerstoff hin, damit er sich dieses Kohlige holt und hinaus- 
befordert. Aber der Stickstoff ist doch derjenige, der das vermittelt, 
daB aus Sauerstoff Kohlensaure wird, die Kohlensaure ausgeatmet 
wird. 

Dieser Stickstoff umgibt uns iiberall. Es ist ja nur ein geringer Teil 
Sauerstoff, das heiBt Lebenstrager, um uns herum, und ein groBer 
Teil astralischer Geisttrager, Stickstoff. Bei Tage ist fur uns ungeheuer 
notwendig der Sauerstoff, bei Nacht auch, der Sauerstoff in der Um- 
gebung. Wir respektieren bei Tag und Nacht vielleicht weniger den 
Stickstoff, weil wir meinen, daB wir - ich meine den Stickstoff der 
Atmungsluft - ihn weniger brauchen. Aber der Stickstoff ist das- 
jenige, was einen geistigen Bezug zu uns hat. Sie konnten folgendes 
Experiment machen. 

Sie konnten einmal versuchen, mit dem Menschen, der in einem 
gewissen Luftraume ist, zu experimentieren, und konnten der Luft, 
die in diesem Raume ist, entziehen ein kleines Quantum Stickstoff, so 
daB die Luft um den Menschen herum etwas stickstoffarmer ware, als 
in gewohnlicher Weise die Luft um den Menschen herum ist. Sie wiir- 
den sich iiberzeugen, wenn das Experiment vorsichtig ausgefiihrt 
werden konnte, der Stickstoff ersetzt sich sogleich wiederum, wenn 
auch nicht von auBen, sondern es zeigt sich, daB er sich ersetzt vom 
Innern des Menschen. Der Mensch muB abgeben seinen Stickstoff, 
um den Stickstoff wieder in denjenigen quantitativen Zustand zuriick- 
zufiihren, den er eben gewdhnt ist. Wir sind als Menschen darauf an- 



gewiesen, das richtige Prozentverhaltnis herzustellen zwischen un- 
serem ganzen inneren Wesen und dem uns umgebenden Stickstoff; 
es geht gar nicht, daB der Stickstoff auBen weniger ist. Er wiirde zwar 
noch immer taugen, wir brauchen ja nicht den Stickstoff zu atmen, er 
wiirde ja noch immer hinreichen, aber der geistige Bezug, der da ist, 
fiir den reicht nur diejenige Stickstoffmenge hin, die man in der Luft 
gewohnt ist. 

Sie sehen also, der Stickstoff spielt stark ins Geistige hinein, und 
dann werden Sie auch jetzt, ich mochte sagen, einen Gedanken, eine 
Vorstellung haben konnen, daB ja dieser Stickstoff fiir das Leben der 
Pflanzen notwendig sein muB. Die Pflanze hat ja, so wie sie zunachst 
auf dem Boden steht, nur ihren physischen Leib und ihren Atherleib, 
nicht den astralischen Leib in sich darinnen wie das Tier; aber das 
Astralische von auBen muB sie iiberall umgeben. Die Pflanze wiirde 
nicht bliihen, wenn das Astralische sie nicht von auBen beriihrte. Sie 
nimmt nur nicht das Astralische auf wie das Tier und der Mensch, 
aber sie muB von auBen davon beriihrt werden. 

Das Astralische ist iiberall, und der Stickstoff, der Trager des Astra- 
lischen, ist iiberall, er webt in der Luft als Leichnam, aber in dem 
Augenblicke, wo er in die Erde kommt, wird er wiederum lebendig. 
Geradeso wie der Sauerstoff lebendig wird, wird der Stickstoff 
lebendig. Dieser Stickstoff in der Erde wird nicht bloB lebendig, 
sondern er ist dasjenige - was man besonders auf land wirtschaftlichem 
Gebiete berucksichtigen soil -, was, so paradox es heute erscheint dem 
materialistisch vertrackten Gehirn, was nicht bloB lebendig, sondern 
empfindlich wird. Er wird richtig ein Trager einer geheimnisvollen 
Empfindlichkeit, die iiber das ganze Erdenleben ausgegossen ist. Er 
ist derjenige, der empfindet, ob das richtige Quantum Wasser in 
irgendeinem Erdgebiete ist. Er empfindet das als sympathisch, er 
empfindet es als antipathisch, wenn zu wenig Wasser da ist. Er emp- 
findet es als sympathisch, wenn fiir irgendeinen Boden die richtigen 
Pflanzen da sind und so weiter. Und so gieBt dieser Stickstoff iiber 
alles eine Art empfindendes Leben aus. 

Man kann sagen : Von alledem, was ich erzahlt habe gestern und die 
vorigen Stunden, daB da die Planeten Saturn, Sonne, Mond und so 



weiter einen EinfluB haben auf die Pflanzengestalt und auf das Pflan- 
zenleben: Ja, das weiB man nicht. Ja, sehen Sie, so fur das gewohnliche 
Leben kann man das sagen, man weiB es nicht. Aber der Stickstoff, 
der iiberall ist, der weiB das namlich, der weiB das ganz richtig. Der 
Stickstoff ist nicht unbewuBt iiber das, was von den Sternen ausgeht 
und im Leben der Pflanzen und im Leben der Erde weiterwirkt. Er 
ist der empfindende Vermittler, wie auch der Stickstoff im mensch- 
lichen Nerven-Sinnes-System dasjenige ist, was die Empfindung ver- 
mittelt; er ist in Wahrheit derjenige, der Trager der Empfindung ist. 

Nun sehen Sie, da konnen Sie eigentlich in das feme Leben der 
Natur hineinblicken, indem Sie den iiberall wie die fluktuierenden 
Empfindungen sich herumbewegenden Stickstoff ins Auge fassen. 
Und es wird sich uns ergeben, daB gerade in der Behandlung des 
Stickstoffs fur das Pflanzenleben etwas ungeheuer Wichtiges liegt. 
Solches wird dann Gegenstand der weiteren Betrachtungen natiirlich 
sein. Nun ist aber etwas anderes gerade noch notwendig. 

Sie sehen also, daB da in einem lebendigen Zusammenwirken des- 
jenigen, was aus dem Geiste heraus im Kohlenstofflichen Geriist- 
gestalt annimmt, mit demjenigen, was aus dem Astralischen heraus 
im Stickstoffartigen das Geriist durchsetzt mit Leben und es emp- 
findend macht, daB da Leben drinnen wirksam ist im Sauerstofflichen. 

Das aber alles wirkt dadurch im Irdischen zusammen, daB es sich 
noch durchdringt mit anderem, mit etwas, was nun fur die physische 
Welt die Verbindung herstellt mit den Wei ten des Kosmos. Denn es 
darf natiirlich nicht so sein fur unser Irdisches, daB die Erde da so als 
Festes hinwandert im Weltenall und sich absondert von der iibrigen 
Welt. Wenn das die Erde tate, dann ware sie in der Lage, in der ein 
Mensch ware, der innerhalb einer Landwirtschaft lebte, aber selb- 
standig bleiben will, das, was da drauBen auf dem Acker wachst, auBer 
sich lassen will. Das tut er verniinftigerweise nicht. Wir finden man- 
ches heute auf den Ackern. In der nachsten Zeit finden wir es in dem 
Magen der verehrten Herrschaften drinnen. Dann wiederum nimmt 
es den Weg zuriick auf die Acker in irgendeiner Weise. Wir konnen 
gar nicht sagen, daB wir uns als Menschen absondern konnen, sondern 
wir sind verbunden mit unserer Umgebung, wir gehoren schlieBlich 



dazu. Ebenso, wie mein kleiner Finger zu mir gehort, so gehoren die 
Dinge, die drum herum sind, naturlich zu dem ganzen Menschen dazu. 
Es muB ein fortwahrender Stoffaustausch da sein. Es muB auch zwi- 
schen der Erde mit alien ihren Wesen und dem ganzen Weltenall so 
sein. Alles dasjenige, was auf der Erde in physischen Gestalten lebt, 
muB zuruckgefiihrt werden konnen in das Weltenall, gewissermaBen 
gereinigt und gelautert werden konnen in dem Weltenall. 

So daB wir also folgendes haben (Zeichnung S. 68) : Wir haben zu- 
nachst dasjenige, was ich vorhin blau hingezeichnet habe : das Kohlen- 
stoffgeriist, und was Sie da grtin sehen, das atherische Sauerstoffwesen; 
und wir haben dann, uberall vom Sauerstoff ausgehend, durch den 
StickstofT vermittelt hin zu den verschiedenen Linien dasjenige, was 
sich ausbildet als das Astralische (gelb), was da eben den Ubergang 
bildet zwischen dem Kohlenstoffartigen und dem Sauerstoffartigen. 
Uberall konnte ich zeigen, wie da in die blauen Linien hinein der 
Stickstoff schleppt dasjenige, was in den griinen Linien schematisch 
angedeutet ist. 

Aber alles dasjenige, was so in den Lebewesen ganz strukturhaft in 
feiner Zeichnung ausgebildet ist, das muB namlich wiederum auch ver- 
schwinden konnen. Nicht der Geist verschwindet, aber dasjenige, was 
da der Geist in den Kohlenstoff hineingebaut hat, wofiir er sich das 
Leben aus dem Sauerstoff heranzieht. Alles das muB wieder ver- 
schwinden konnen. Nicht nur so weit, als es auf der Erde verschwin- 
det, sondern es muB in den Kosmos, in das Weltenall hinaus ver- 
schwinden konnen. Das macht ein StofF, der, so nahe es nur moglich 
ist, verwandt ist mit dem Physischen, und wiederum, so nahe es nur 
moglich ist, verwandt ist mit dem Geistigen, das macht der Wasser- 
stoff, in dem eigentlich, wenn wir richtig sprechen - trotzdem er selber 
das feinste ist, was physisch ist -, das Physische ganz zersplittert, vom 
Schwefel getragen hineinflutet in das Ununterscheidbare des Welten- 
alls. 

Man konnte sagen: der Geist ist ja in solchen Gebilden physisch 
geworden, er lebt da drinnen im Leibe astralisch, in seinem Abbild als 
Geist, als Ich. Da lebt er auf physische Art als ins Physische ver- 
wandelter Geist. Da ist ihm nicht wohl nach einiger Zeit, Er will sich 



aufldsen. Er braucht jetzt, indem er sich wiederum mit dem Schwefel 
benetzt, wiederum einen Stoff, innerhalb dessen er nun alle Bestimmt- 
heit, alle Struktur verlaBt und ins allgemeine Unbestimmte, Chaotische 
des Weltenalls sich herausbegibt, wo nichts mehr von dieser oder jener 
Organisation ist. Und das Stoffliche, das so nahe ist dem Geistigen auf 
der einen Seite, so nahe dem Stofflichen auf der anderen Seite, ist der 
Wasserstoff. Er tragt alles dasjenige, was irgendwie gestaltetes, be- 
lebtes Astralisches ist, wiederum in die Weiten des Weltenalls hinauf, 
so daB es so wird, daB es aus dem Weltenall wieder aufgenommen 
werden kann, wie wir das beschrieben haben. Der Wasserstoff lost 
eigentlich alles auf. 

Und sehen Sie, so haben wir diese fiinf Stoffe, die eigentlich zunachst 
darstellen dasjenige, was da wirkt und webt im Lebendigen und auch 
im scheinbar Toten, das ja nur vonibergehendes Totes ist: Schwefel, 
Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, alle diese Stoffe stehen 
in innerer Beziehung zu einem ganz bestimmt gearteten Geistigen, 
sind also etwas ganz anderes als dasjenige, von dem unsere Chemie 
spricht. Unsere Chemie spricht nur von den Leichnamen der Stoffe. 
Sie spricht nicht von den wirklichen Stoffen. Die muB man als emp- 
findende, lebendige kennenlernen. Nur just im Wasserstoff gerade, 
weil er zunachst der scheinbar diinnste mit dem geringsten Atom- 
gewicht ist, ist eigentlich dasjenige, was am wenigsten Geist ist. 

Sehen Sie, wenn man meditiert - ich muB das schon einfiigen, damit 
Sie sehen, daB solche Dinge nicht im blauen Dunst des Geistes gefaBt 
werden -, was tut man denn da eigentlich? Der Orientale hat es auf 
seine Art getan. Wir im mitteleuropaischen Okzident, wir machen es 
auf unsere Weise. Wir vollbringen eine Meditation, die sich nur mittel- 
bar anlehnt an den AtmungsprozeB, wir weben und leben in Konzen- 
tration und Meditation. Aber das alles, was wir da tun, indem wir uns 
den seelischen Ubungen hingeben, hat doch, wenn auch nur eine ganz 
leise, subtile, korperliche Gegenseite. Es wird immer, wenn auch nur 
eben in ganz subtiler Weise, durch das Meditieren der regelmaBige 
Gang des Atmens, dasjenige, was mit dem menschlichen Leben so eng 
zusammenhangt, etwas abgeandert. Wir behalten meditierend immer 
die Kohlensaure etwas mehr in uns als beim gewohnlichen, wachen 



BewuBtseinsprozeB. Immer bleibt etwas mehr Kohlensaure in uns. 
Dadurch stoBen wir nicht so, wie man es im gewohnlichen stierhaften 
Leben macht, stets immer gleich die ganze Wucht der Kohlensaure 
ab. Wir behalten noch etwas zuriick. Wir stoBen nicht die ganze 
Wucht der Kohlensaure da hinaus, wo uns iiberall der Stickstoff um- 
gibt. Wir behalten etwas zuriick. 

Nun sehen Sie, wenn Sie an etwas mit dem Schadel anstoBen wie 
an einen Tisch, so werden Sie nur Ihres eigenen Schmerzes dabei 
bewuBt, wenn Sie aber sanfter reiben, werden Sie sich der Oberflache 
des Tisches bewuBt und so weiter. So ist es auch, wenn Sie meditieren. 
Sie wachsen allmahlich herein in ein Erleben des StickstofTes rings 
um Sie herum. Das ist der reale Vorgang beim Meditieren. Alles 
wird Erkenntnis, auch dasjenige, was in dem Stickstoff lebt. Denn 
dieser ist ein sehr gescheiter Kerl, er unterrichtet einen iiber das- 
jenige, was Merkur, Venus und so weiter tun, weil er das weiB, es eben 
empfindet. Alle diese Dinge beruhen auf durchaus realen Vorgangen. 
Und da ist dasjenige, wo nun - ich werde davon einiges noch genauer 
beriihren - in der Tat beginnt das Geistige in dem inneren Tun schon 
einen gewissen Bezug zu der Landwirtschaft zu gewinnen. Da ist denn 
dasjenige, was insbesondere immer so das Interesse unseres lieben 
Freundes Stegemann erregt hat, dieses Zusammenwirken des Seelisch- 
Geistigen mit demjenigen, was das um uns herum ist. Denn, sehen 
Sie, es ist nun nicht schlecht, wenn derjenige, der Landwirtschaft zu 
besorgen hat, meditieren kann. Er macht sich dadurch empfanglich 
fur die Offenbarungen des Sticks toffs. Er wird immer empfanglicher 
fur die Offenbarungen des Stickstoffs. Und man geht dazu iiber, die 
Landwirtschaft in einem ganz anderen Stil und Sinne zu betreiben, 
wenn man sich so empfanglich gemacht hat fur die Offenbarungen 
des Stickstoffs, als wenn man es nicht tut. Da weiB man dann allerlei 
plotzlich. Es taucht auf. Da weiB man allerlei von den Geheimnissen, 
die auf den Giitern und auf den Bauernhofen waken. 

Und sehen Sie, man kann ja das nicht wiederholen, was ich eben 
vor einer Stunde hier gesagt habe, aber ich kann es doch in einer 
gewissen Weise wiederum charakterisieren. Nehmen wir nun einen 
Bauern, den der Gelehrte nicht fur gelehrt halt; der geht iiber seinen 



Acker. Ja, der gelehrte Mann sagt, der Bauer sei dumm, aber in Wirk- 
lichkeit ist das nicht wahr, einfach aus dem Grunde nicht wahr, well 
der Bauer - verzeihen Sie, es ist das so - eigentlich ein Meditant ist. 
Was er in seinen Winternachten durchmeditiert, das ist sehr, sehr 
vieles. Und er eignet sich das schon an, was eine Art Erwerben geisti- 
ger Erkenntnis ist. Er kann es dann nur nicht aussprechen. Und das ist 
so, daB es plotzlich da ist. Man geht durch die Felder, und plotzlich 
ist es da. Man weiB etwas, man probiert es nachher. Ich habe das 
wenigstens in meiner Jugend immer wiederum erfahren, wo ich mit 
Bauern gelebt habe, durchaus, es ist so. 

Und an solche Dinge muB eigentlich angekniipft werden. Das bloB 
Tntellektualistische macht es nicht aus. Das fuhrt uns nicht in solche 
Tiefen hinein. An solche Dinge muB angekniipft werden. Es ist 
schlieBlich das Leben und Weben in der Natur ein so feines, daB es 
sich mit den grobmaschigen VerstandesbegrifTen nicht erfassen laBt. 
Diese Fehler hat in neuerer Zeit die Wissenschaft gemacht. Die will 
mit den grobmaschigen Verstandesbegriffen die Dinge so durch- 
schauen, die eben viel feiner gewoben sind. 

Sehen Sie, es sind alle diese StofTe, Schwefel, KohlenstofT, Sauerstoff, 
Stickstoff, WasserstorT, nun im EiweiB vereinigt. Und jetzt werden 
wir noch genauer begreifen die Samenbildung, als wir sie bisher 
begreifen konnten. Sehen Sie, wenn irgendwie KohlenstofT, Wasser- 
storT, Stickstoff in Blatt, Bliite, Kelch, Wurzel vorkommt, so sind 
sie iiberall an andere Stoffe gebunden in irgendeiner Form. Sie sind 
abhangig von diesen anderen StofTen, sind nicht selbstandig. Auf 
zweifachem Wege werden sie nur selbstandig, entweder indem der 
WasserstorT das alles hinaustragt in die Weiten des Weltenalls und 
alle Besonderheit der Sache nimmt, es wegzieht, alles in einem all- 
gemeinen Chaos aufgehen laBt, oder aber indem das Wasserstoffliche 
hineintreibt in die kleine Samenbildung die EiweiBurstoffe und sie 
dort selbstandig macht, so daB sie empfanglich werden fur die Ein- 
wirkung des Kosmos. In der kleinen Samenbildung ist Chaos, und 
ganz im Umkreis ist wiederum Chaos. Und da muB aufeinanderwirken 
Chaos im Samen auf Chaos im weitesten Umkreis der Welt. Dann 
entsteht das neue Leben. 



Und nun sehen wir uns einmal an, wie die Wirkungsweise dieser 
sogenannten Stoffe, die aber eigentlich Geisttrager sind, in der Natur 
zustande kommt. Sehen Sie, auch dasjenige, was da meinetwillen im 
Innern des Menschen wirkt als Sauerstoff und wiederum als Stickstoff, 
das betragt sich ja eigentlich ziemlich ordentlich; da drinnen leben 
eben die Eigenschaften des Sauerstoffes und des StickstofFes. Man 
kommt nur mit der gewohnlichen Wissenschaft nicht darauf, weil es 
sich eben im Innern der Natur scheinbar verbirgt. Aber die Auslaufer 
des Kohlenstoffartigen und des Wasserstoffartigen konnen sich nicht 
so ordentlich betragen. Nehmen wir zunachst das KohlenstofTartige, 
wenn es herankommt in seiner Wirksamkeit aus dem Pflanzenreich an 
das Tier- und Menschenreich, da muB eben das KohlenstofTartige 
erst beweglich werden, voriibergehend. Um nun die feste Gestalt 
darzustellen, da muB es sich auf ein tiefer liegendes Geriiste auf- 
bauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Geriist 
in unserem kalkartigen Knochengeriist enthalten ist, was aber auch 
enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, so 
daB der KohlenstofF im Menschen und auch im Tier bis zu einem 
gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf 
an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die 
irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft. Und da erklart er 
sich im Menschen selber und auch im Tier nicht immer fur ganz 
allein maBgebend, sondern er lehnt sich an an dasjenige, was Kalk 
und Kiesel gestalten. 

Aber Kalk und Kiesel finden wir nun auch als die Grundlage des 
Pflanzenwachstums. Und wir miissen nun eine Erkenntnis entwickeln 
desjenigen, was da der KohlenstofF im ganzen menschlichen Ver- 
dauungs-, Atmungs- und ZirkulationsprozeB entwickelt im Verhaltnis 
zum Knochenbau und zum kieseligen Bau, desjenigen, was da drinnen 
vorgeht, was wir gewissermaBen sehen wiirden, wenn wir hinein- 
kriechen konnten, und von dem ZirkulationsprozeB im Menschen uns 
zeigen lassen konnten, wie da ausstrahlt die KohlenstofTgestaltung in 
das Kalkige und Kieselige. Diesen Blick miissen wir entfalten, wenn 
wir hinschauen iiber eine Erdflache, die mit Pflanzen bedeckt ist und 
die unter sich Kalk und Kiesel hat. In den Menschen kann man nicht 



hineinschauen. Aber da muB man diese Erkenntnis entwickeln, da 
muB man hinschauen konnen, wie das Sauerstoffliche eingefangen 
wird von dem Stickstofflichen und da hinuntergetragen wird in das 
Kohlenstoffliche, aber in das Kohlenstoffliche, insofern es sich an- 
lehnt an das Kalkige und an das Kieselige. Wir konnen auch sagen: 
Weil es durch den Kohlenstoff nur durchgeht. Wir konnen auch 
sagen: Da muB in die Erde hineingetragen werden dasjenige, was in 
der Umgebung lebt, was belebt wird als Sauerstoffliches. Das muB 
hereingetragen werden mit Hilfe des Stickstoffs in die Tiefe der Erde, 
damit es sich dort an das Kieselige, im Kalkigen sich gestaltend, an- 
lehnen kann. 

Und dieser ProzeB, der kann, wenn man iiberhaupt nur Empfindung 
und Empfanglichkeit dafiir hat, in der wunderbarsten Weise be- 
obachtet werden bei den Schmetterlingsbliitlern, bei den Legumi- 
nosen, bei alle demjenigen, was man in der Landwirtschaft nennen 
kann die Stickstoffsammler, die in der Tat darauf angewiesen sind, 
den Stickstoff heranzuziehen, um ihn mitzuteilen demjenigen, was 
unter ihnen ist. Und wenn man auf diese Leguminosen hinschaut, so 
kann man schon sagen : Da unten in der Erde ist etwas, was bedurftig 
ist, wie etwa die menschliche Lunge des SauerstofTs bedurftig ist, aber 
bedurftig ist des Stickstoffs ; und das ist das Kalkige. Da unten in der 
Erde, das Kalkige in der Erde ist tatsachlich, man mochte sagen, 
ebenso auf eine Art StickstofTeinatmung angewiesen, wie die mensch- 
liche Lunge auf die Sauerstoffeinatmung angewiesen ist. Und die 
Schmetterlingsbliitler, diese Pflanzen stellen eigentlich dar etwas Ahn- 
liches wie dasjenige, was auf unseren Epithelzellen geschieht. Auf dem 
Wege der Einatmung, da geht es herunter. Und es sind dies eigentlich 
im wesentlichen die einzigen Pflanzen solcher Art. Alle anderen 
stehen nicht der Einatmung nahe, sondern der Ausatmung. Und so 
lost sich denn auseinander fur unsere Betrachtung, ich mochte sagen, 
der gesamte Organismus der Pflanzenwelt, wenn wir das Stickstoff- 
liche heranziehen, als eine Art Stickstoffatmung betrachten, es lost 
sich auseinander der gesamte Organismus der Pflanzenwelt. Denn 
iiberall da, wo wir Schmetterlingsbliitler antrefTen, sehen wir gewisser- 
maBen auf die Atmungswege, und wo wir andere Pflanzen finden, 



sehen wir auf die anderen Organe hin, die die Atmung in viel ge- 
heimerem Sinne treiben und eigentlich andere Funktionen zur Auf- 
gabe haben. 

Das ist die Aufgabe, daB man das Pflanzenwesen so ansehen lernt, 
daB jede Pflanzenart hineingestellt erscheint in einen Gesamtorganis- 
mus der Pflanzenwelt, wie das einzelne menschliche Organ in den 
gesamten Organismus des Menschen hereingestellt erscheint. Man 
muB die einzelnen Pflanzen als Teile eines Ganzen ansehen konnen. 
Und wenn man diese Sache so ansieht, dann wird man eben auf die 
groBe Bedeutung gerade der Schmetterlingsblutler kommen. Man 
wird darauf kommen - gewiB, man kennt ja diese Dinge; aber es ist 
notwendig, sie aus diesen geistigen Untergninden heraus zu erkennen, 
weil sonst die groBe Gefahr besteht, daB man demnachst, wo man 
noch mehr verlieren wird von der Tradition, in der Anwendung des 
Neuen auf ganz falsche Bahnen kommen wird. 

Man kann sehen, wie diese Schmetterlingsblutler eigentlich wirken : 
Sie haben alle den Zug, daB sie das Fruchtende, das sich bei den 
anderen Pflanzen mehr nach oben hinzieht, mehr in der Region des 
Blattartigen erhalten. Es will fruchten, bevor es zur Bliite kommt. 
Sie haben iiberall das bei den Schmetterlingsbliitlern, daB es fruchten 
will, bevor es zur Bliite kommt. Das riihrt davon her, weil eben viel 
mehr der Erde zu bei diesen Pflanzen das gehalten wird, was sich im 
StickstoffmaBigen auslebt - sie tragen ja das StickstofFmaBige zur Erde 
hin - ; es lebt sich alles das StickstofTmaBige bei diesen Pflanzen weiter 
der Erde zugeneigt aus als bei anderen Pflanzen, wo es sich im weiteren 
Abstand von der Erde entwickelt. Sie sehen, wie diese Pflanzen die 
Neigung haben, die Blatter nicht in dem gewohnlichen Griin, sondern 
auch etwas dunkler zu farben. Sie sehen auch, wie eine Art Verkumme- 
rung der eigentlichen Frucht bei diesen Pflanzen vorliegt, wie die 
Samen dieser Pflanzen nur eine kurze Zeit samenfahig sind und dann 
die Samenfahigkeit verlieren. Diese Pflanzen sind namlich darauf hin 
organisiert, daB sie dasjenige, was die Pflanzenwelt vom Winter hat, 
nicht vom Sommer, daB sie das ganz besonders zur Ausbildung 
bringen. Daher mochte man sagen : In diesen Pflanzen liegt immer die 
Tendenz, auf den Winter zu warten, sie wollen eigentlich warten auf 



den Winter mit demjenigen, was sie entwickeln. Es wird verzogert 
das Wachsen, wenn sie geniigend das finden, was sie eigentlich brau- 
chen: geniigenden Stickstoff in der Luft, den sie auf ihre Art nach 
unten befordern konnen. 

Ja, sehen Sie, das sind so die Arten, wie man hineinschauen kann 
in das Werden und Leben dessen, was in und iiber dem Erdboden 
vorgeht. Und wenn Sie zu dem noch hinzunehmen das Folgende, 
daB das Kalkige eigentlich eine wunderbare Verwandtschaft hat mit 
der menschlichen Begierdenwelt, so sehen Sie ja, wie da alles orga- 
nisch, lebendig wird. Der Kalk, wenn er noch sein Element, das 
Kalzium, ist, dann gibt er schon gar keine Ruhe, da will er durchaus 
sich erfuhlen, Kalk werden, verbinden das Kalzium mit Sauerstoff; 
aber er ist dann noch immer nicht zufrieden, hat Begierde nach allem 
Moglichen, alle moglichen mineralischen Sauren, bis zu dem nicht mehr 
mineralischen Bitumen hin, will er aufnehmen. Er will alles an sich 
heranziehen; er entwickelt im Boden die rechte Begierdennatur. Wer 
eine Empfindung hat, wird den Unterschied, den man gegeniiber 
einem anderen Stoffe hat, finden. Der Kalk saugt einen ja aus. Man hat 
da die deutliche Empfindung, es ist dasjenige, was wirklich Begierden- 
natur zeigt, iiberall ausgebreitet, wo das Kalkige ist, was eigentlich 
das PflanzUche auch heranzieht. Denn alles das, was der Kalk haben 
will, lebt in dem Pflanzlichen. Es muB ihm nur immer wieder ent- 
rissen werden. Womit wird es ihm entrissen? Durch das ungeheuer 
Vornehme, das gar nichts mehr will. 

Es gibt ein solches Vornehmes, das eigentlich gar nichts mehr will, 
das in sich ruht. Das ist das Kieselige. Das ist zur Ruhe in sich selber 
gekommen. Und wenn die Menschen glauben, sie konnten das Kie- 
selige nur sehen in demjenigen, was feste mineralische Konturen hat, 
so ist das nicht so. Das Kieselige ist in homoopathischer Dosis iiberall 
herum, und das ruht in sich selber, das macht keinen Anspruch. Der 
Kalk beansprucht alles, das Kieselige beansprucht eigentlich gar nichts 
mehr. Das ist, wie unsere Sinnesorgane, die auch von sich selbst nicht 
wahrgenommen werden, sondern die das AuBere wahrnehmen. Das 
Kieselige ist der allgemeine auBere Sinn im Irdischen, das Kalkige ist 
die allgemeine auBere Begierde im Irdischen, und der Ton vermittelt 



beides. Ton steht dem Kieseligen etwas naher, aber er vermittelt doch 
hin nach dem Kalk. 

Nun sehen Sie, das sollte man einmal so durchschauen, damit man 
zu einem empfindenden Erkennen kommt. Man sollte den Kalk auch 
wiederum fiihlen als den Begierdenkerl, denn er ist derjenige, der alles 
gerade an sich reifien will, und den Kiesel als denjenigen vornehmen 
Herrn, der nun alles dasjenige, was von dem Kalk entrissen wird, ihm 
entreiBt, hineintragt in das Atmospharische und die Formen der Pflan- 
zen ausbildet. Da lebt er entweder so, dafi er sich wie in einer Burg 
verschanzt, wie im Schachtelhalm, oder er lebt iiberall in einer feinen 
Weise in einem schwachen Grade, wenn auch manchmal in sehr ho- 
moopathischer Dosis verteilt, und bewirkt eigentlich dasjenige, was 
da dem Kalk entrissen werden muB. Sehen Sie, da tritt einem auch 
wiederum das entgegen, was da als eine ungeheuer intime Natur- 
wirkung vorhanden ist. 

Der Kohlenstoff ist der eigentlich Gestaltende in alien Pflanzen, 
der Gestalter des Geriistartigen. Aber im Laufe der Erdenentwicke- 
lung wurde ihm das schwierig gemacht. Der Kohlenstoff konnte alle 
Pflanzen gestalten, wenn unter ihm nur Wasser ware. Da ware alles 
gewachsen, aber nun ist der Kalk unten, der stdrt ihn, und darum 
verbindet er sich mit dem Kiesel, und Kiesel und Kohlenstoff zu- 
sammen nun im Verein mit dem Ton, sie gestalten wiederum, eben 
weil der Widerstand des Kalkigen liberwunden werden muB. Wie 
lebt denn nun da drinnen eine solche Pflanze? 

Da unten will mit Fangarmen das Kalkige sie ergreifen, da oben 
will das Kieselige sie so ganz fein und schlank und fasrig machen, 
wie die Wasserpflanzen sind, aber mitten drinnen steht, unsere wirk- 
lichen Pflanzenformen bildend, der Kohlenstoff, der das alles ordnet. 
Und geradeso wie unser astralischer Leib zwischen Ich und Atherleib 
Ordnung schafft, so wirkt der Stickstoff, als das Astralische, da- 
zwischen. Das muB man verstehen lernen, wie da der Stickstoff drin- 
nen wirtschaftet zwischen dem Kalkigen, dem Tonigen und dem 
Kieseligen, und zwischen alle demjenigen, was das Kalkige sonst noch 
fortwahrend nach unten verlangt, das Kieselige fortwahrend aus- 
strahlen mochte nach oben. 



Da entsteht die Frage: wie in der richtigen Weise das Stickstoff- 
artige eben in die Pflanzenwelt hineinzubringen ist. Mit dieser Frage 
werden wir uns morgen beschaftigen und damit den Obergang finden 
zu den Diingungsarten. 



VIERTER VORTRAG 
Koberwitz, 12.Juni 1924 

Krdfte unci Substation, die in das 
Geistige hereingehen: Die Diingungsfrage 



Sie haben ja gesehen, es handelt sich bei der Auffindung von geistes- 
wissenschaftlichen Methoden auch fur die Landwirtschaft darum, ge- 
wissermaBen die Natur und die Wirkung des Geistes in der Natur im 
GroBen anzuschauen, in seinem umfassenden Kreise, wahrend die 
materialistisch gefarbte Wissenschaft immer mehr und mehr dazu ge- 
kommen ist, in die kleinen Kreise, in das Kleine, hineinzugehen. Wenn 
man es auch bei so etwas wie der Landwirtschaft nicht immer gleich 
mit dem Allerkleinsten, dem mikroskopisch Kleinen, zu tun hat, wo- 
mit man es in den anderen Naturwissenschaften so oft zu tun hat, so 
hat man es doch zu tun mit demjenigen, was in kleinen Kreisen wirkt 
und aus der Wirkung der kleinen Kreise erschlossen werden kann. 
Aber die Welt, in der der Mensch und andere Erdenwesen leben, sie 
ist ja durchaus nicht etwas, was man nur von kleinen Kreisen aus 
beurteilen kann. So zu verfahren gegeniiber dem, was eigentlich in 
Betracht kommt gerade zum Beispiel bei der Landwirtschaft, wie 
heute die landlaufige Wissenschaft verfahrt, wiirde ebenso sein, wie 
wenn man die ganze Wesenheit des Menschen erkennen wollte, sagen 
wir, aus seinem kleinen Finger und aus dem Ohrzipfel, und von da 
aus sich auf bauen wollte dasjenige, was im groBen und ganzen in Be- 
tracht kommt. Demgegeniiber miissen wir stellen wiederum - und das 
ist heute so notwendig wie nur irgend moglich - eine wirkliche Wis- 
senschaft, die auf die groBen Weltzusammenhange geht. 

Wie sehr stark Wissenschaft im heutigen landlaufigen Sinne oder in 
dem landlaufigen Sinn von vor einigen Jahren sich selber korrigieren 
muB, das geht hervor aus den wissenschaftlichen Torheiten, die vor 
gar nicht langer Zeit zum Beispiel in bezug auf die Ernahrung des 
Menschen geherrscht hatten. Die Dinge waren alle ganz wissenschaft- 
lich, sie waren auch wissenschaftlich bewiesen, und man konnte gegen 



den Beweis, wenn man sich nur darauf verlegte, was da eben in Be- 
tracht gezogen wurde, auch gar nichts einwenden. Es war als wissen- 
schaftlich bewiesen, daB ein Mensch, der da ein mittleres Korper- 
gewicht von siebzig bis fiinfundsiebzig Kilogramm hat, daB ein sol- 
cher Mensch etwa hundertzwanzig Gramm EiweiB als Nahrung 
braucht. Nun, wie gesagt, das war sozusagen wissenschaftlich be- 
wiesen. Heute glaubt kein Mensch, der wissenschaftliche Ansichten 
hat, mehr an diesen Satz. Denn die Wissenschaft hat sich selber korri- 
giert. Heute weiB jeder Mensch, daB hundertzwanzig Gramm EiweiB- 
nahrung nicht nur nicht notwendig, sondern direkt schadlich sind, 
und daB der Mensch eigentlich am gesiindesten bleibt, wenn er nur 
funfzig Gramm taglich in sich aufnimmt. Da hat sich die Wissenschaft 
selber korrigiert. Heute weiB man, daB es wirklich so ist, daB, wenn 
iiberflussiges EiweiB aufgenommen wird, das EiweiB im Darm Zwi- 
schenprodukte erzeugt, die Giftwirkungen haben. Und wenn man 
nicht nur die unmittelbaren Lebensepochen des Menschen, worin man 
ihm das EiweiB verabreicht, bloB untersucht, sondern das ganze Leben 
des Menschen, so erkennt man, daB von diesen Giftwirkungen des 
iiberfliissigen EiweiBes hauptsachlich die Arterienverkalkung im Alter 
herruhrt. So sind die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Bei- 
spiel in bezug auf den Menschen oftmals dadurch irrig, daB sie nur 
auf den Augenblick sehen. Aber ein Menschenleben dauert doch eben, 
wenn es normal ist, langer als zehn Jahre, und die schadlichen Wir- 
kungen von den so herbeigesehnten scheinbar giinstigen Ursachen, 
die stellen sich oftmals sehr spat ein. 

Geisteswissenschaft kann in einen solchen Fehler eben weniger ver- 
f alien. GewiB, ich will gar nicht einstimmen in die billige Kritik, die 
ja sehr haufig geubt wird aus dem Grunde, weil die landlaufige Wissen- 
schaft sich in solcher Art korrigieren muB, wie ich es eben aus- 
gesprochen habe. Man kann gut einsehen, daB das nicht anders sein 
kann und daB es notwendig ist. Aber auf der anderen Seite ist es 
ebenso billig, iiber Geisteswissenschaft herzufallen, wenn sie ins prak- 
tische Leben eingreifen will, weil sie nun eben einmal genotigt ist, auf 
die groBeren Zusammenhange des Lebens zu sehen, und weil ihr da in 
die Augen fallen diejenigen Krafte und Substanzen, die dann in das 



Geistige hereingehen, nicht bloB die grobmateriellen Krafte und Sub- 
stantialitaten. Das gilt durchaus auch fur die Landwirtschaft, und es 
gilt insbesondere dann, wenn in der Landwirtschaft in Frage kommt 
die Diingungsfrage. 

Schon wie so haufig, ich mochte sagen, die Worte gesetzt werden 
heute gerade von den Wissenschaftern, wenn die Diingungsfrage in 
Betracht kommt, schon das zeigt, daft man eigentlich wenig wirkliche 
Anschauung davon hat, was das Diingen im Haushalt der Natur 
eigentlich wirklich bedeutet. Man hort heute sehr oft die Phrase: 
der Diinger enthalte die Futterstoffe fur die Pflanzen. Nun ja, ich 
habe die paar Satze, die ich vorausgeschickt habe, aus dem Grunde 
gesagt, um Ihnen zu zeigen, wie in bezug auf das Futter beim Men- 
schen gerade in der neuesten Zeit, in der unmittelbaren Gegenwart, 
die Wissenschaft sich korrigieren muBte. Da muBte sie sich korri- 
gieren, weil sie eben von einer ganz falschen Anschauung ausgeht in 
bezug auf die Ernahrung irgendeines Wesens. 

Sehen Sie, man glaubte namlich, das Allerwichtigste in der Ernah- 
rung - nehmen Sie nicht iibel, daft ich die Dinge so unbefangen sage - 
sei dasjenige, was man taglich iBt. Nun, das ist schon wichtig, was 
man taglich iBt. Aber der meiste Teil dessen, was man taglich iBt, 
ist gar nicht dazu da, um als Substanz in den Korper aufgenommen zu 
werden und im Korper abgelagert zu werden. Sondern der meiste 
Teil ist da, damit er die Krafte, die er in sich enthalt, an den Korper 
abgibt, den Korper in Regsamkeit bringt, Und der meiste Teil des- 
jenigen, was man auf diese Weise in sich aufnimmt, wird eigentlich 
wieder ausgeschieden, so daB man sagen muB, nicht um eine gewichts- 
maBige Anordnung im Stoffwechsel handelt es sich hauptsachlich, 
sondern darum handelt es sich, ob wir mit den Nahrungsmitteln die 
Lebendigkeit der Krafte in der richtigen Weise in uns aufnehmen 
konnen. Denn diese Lebendigkeit brauchen wir zum Beispiel, wenn 
wir gehen oder wenn wir arbeiten, iiberhaupt, wenn wir die Arme 
bewegen. 

Dagegen dasjenige, was der Korper in der Weise braucht, um die 
Substanzen in sich abzulagern, um sich sozusagen zu bereichern mit 
Substanzen - jenen Substanzen, die man dann wiederum abstoBt, 



wenn man alle sieben bis acht Jahre seine Korpersubstanz erneuert 
das wird zum allergroBtenTeile aufgenommen durch die Sinnesorgane, 
durch die Haut, durch die Atmung. So daB dasjenige, was der Korper 
eigentlich substantiell in sich aufnehmen, was er ablagern muB, das 
nimmt er in auBerst feiner Dosierung auf, fortwahrend, und verdichtet 
es erst im Organismus. Er nimmt es aus der Luft auf, verhartet und 
verdichtet dann das so weit, daB man es dann in Nageln, Haaren und 
so weiter abschneiden muB. Es ist ganz falsch, die Formel aufzusteilen : 
Aufgenommene Nahrung, Durchgang durch den Korper, Nagel- und 
Hautabschuppung und dergleichen, sondern man muB formulieren: 
Atmung, feinste Aufnahme durch die Sinnesorgane, sogar durch die 
Augen, Durchgang durch den Organismus, AusstoBen. Wahrend in 
der Tat dasjenige, was wir durch den Magen aufnehmen, wichtig ist 
dadurch, daB es innere Regsamkeit hat wie ein Heizmaterial, die 
Krafte zum Willen, der im Korper wirkt, in den Korper einfuhrt. 

Nun sehen Sie : man wird ja ganz verzweifelt, wenn man an dieses, 
was die Wahrheit ist, was sich einfach ergibt aus geistiger Forschung, 
herankommen sieht die Ansichten der heutigen Wissenschaft, die ge- 
nau das Umgekehrte davon verficht. Man wird deshalb verzweifelt, 
weil man sich sagt, daB es so schwierig ist, mit dieser heutigen Wissen- 
schaft in den wichtigsten Fragen sich iiberhaupt zu verstandigen. Und 
ein solches Verstandnis muB kommen; denn die heutige Wissenschaft 
wurde absolut in eine Sackgasse fiihren gerade gegeniiber dem prak- 
tischen Leben. Und sie kann auf ihren Wegen einfach gewisse Dinge, 
auf die sie fast mit der Nase gestoBen wird, nicht verstehen. Ich rede 
gar nicht von den Experimenten. Das ist in der Regel wahr, was die 
Wissenschaft sagt dariiber. Die Experimente kann man ganz gut brau- 
chen; was dann theoretisiert wird, ist schlimm. Aus dem gehen die 
praktischen Winke fur die verschiedenen Gebiete des Lebens leider 
hervor. Wenn man auf das alles sieht, sieht man die Schwierigkeit der 
Verstandigung. Aber auf der anderen Seite muB diese Verstandigung 
kommen auf den allerpraktischsten Gebieten des Lebens, zu denen die 
Landwirtschaft gehort. 

Sehen Sie, man muB schon Einsichten haben auf den verschieden- 
sten Gebieten des landwirtschaftlichen Lebens iiber die Wirkungs- 



weise des Stofflichen, der Krafte und auch iiber die Wirkungsweise 
des Geistigen, wenn man die Dinge in der richtigen Weise behandeln 
will. Das Kind, solange es nicht weifi, wozu ein Kamm ist, beifit 
hinein, verwendet ihn ganz im stillosen, unmoglichen Sinne. Und so 
wird man auch die Dinge im stillosen, unmoglichen Sinne verwenden, 
wenn man nicht weiB, was ihr Wesen ist, wie sich eigentlich die Sache 
bei denen verhalt, auf die es ankommt. 

Betrachten wir da einmal, um zu einer Vorstellung 2u kommen, 
einen Baum. Sehen Sie, ein Baum unterscheidet sich von einer ganz 
gewohnlichen jahresmafiigen Pflanze, die bloB Kraut bleibt. Er um- 
gibt sich mit der Rinde, mit der Borke und so weiter. Was ist nun 
eigentlich das Wesen dieses Baumes im Gegensatz zur einjahrigen 
Pflanze? Vergleichen wir einmal einen solchen Baum mit einem Erd- 
hiigel, der aufgeworfen ist und der aufierordentlich humusreich ist, 
der auBerordentlich viel, mehr oder weniger in Zersetzung begrirTene 
Pflanzenstoffe in sich halt, vielleicht auch tierische Zersetzungsstoffe 
in sich enthalt (Zeichnung). 



(/A a I I 



f/rS I' A I § 



Nehmen wir an, das ware der Erdhugel, in den ich eine krater- 
formige Vertiefung hineinmachen will, humusreicher Erdhugel, und 
das ware der Baum. AuBen das mehr oder weniger Feste, und inner- 



lich wachst das, was dann zur Ausgestaltung des Baumes fiihrt. Es 
wird Ihnen sonderbar erscheinen, daB ich diese zwei Dinge neben- 
einander stelle. Aber sie haben mehr Verwandtschaft miteinander, als 
Sie meinen. Denn Erdiges, das in dieser Weise, wie ich es beschrieben 
habe, von humusartigen Substanzen durchzogen ist, die in Zersetzung 
begrifTen sind, solches Erdiges hat Atherisch-Lebendiges in sich. Und 
darauf kommt es an. Wenn wir ein solches Erdiges haben, das in 
seiner besonderen BeschafTenheit uns zeigt, daB es Atherisch-Leben- 
diges in sich hat, so ist es eigentlich auf dem Wege, die Pflanzen- 
umhullung zu werden. Es bleibt nur nicht, es kommt nicht dazu, die 
Pflanzenumhiillung zu werden, die sich hineinzieht in die Rinde, in 
die Borke des Baumes. Und Sie konnen sich vorstellen, es kommt in 
der Natur nicht dazu. Es ist so, daB einfach, start daB ein solcher Erd- 
hiigel gebildet wird und da Humusartiges hineinkommt, das durch die 
besonderen charakteristischen Eigentiimlichkeiten wirktimErdboden, 
die vom Atherisch-Lebendigen ausgehen, sich einfach der Hiigel in 
einer hoheren Entwickelungsform um die Pflanze herumschlieBt. 

Wenn namlich fur irgendeinen Ort der Erde ein Niveau, das Obere 
der Erde, vom Inneren der Erde sich abgrenzt, so wird alles das- 
jenige, was sich iiber diesem normalen Niveau einer bestimmten Ge- 
gend erhebt, eine besondere Neigung zeigen zum Lebendigen, eine 
besondere Neigung zeigen, sich mit Atherisch-Lebendigem zu durch- 
dringen. Sie werden es daher leichter haben, gewohnliche Erde, un- 
organische, mineralische Erde, fruchtbar zu durchdringen mit humus- 
artiger Substanz oder uberhaupt mit einer in Zersetzung begriffenen 
Abfallsubstanz, wenn Sie Erdhugel aufrichten und diese damit durch- 
dringen. Dann wird das Erdige selber die Tendenz bekommen, inner- 
lich lebendig, pflanzenverwandt zu werden. Derselbe ProzeB geht vor 
bei der Baumbildung. Die Erde stiilpt sich auf, umgibt die Pflanze, 
gibt ihr Atherisch-Lebendiges um den Baum herum. Warum? 

Sehen Sie, ich sage das alles aus dem Grunde, um Ihnen eine Vor- 
stellung davon zu erwecken, daB eine innige Verwandtschaft besteht 
zwischen demjenigen, was in die Konturen dieser Pflanze einbeschlos- 
sen ist, und demjenigen, was der Boden um die Pflanze herum ist. Es 
ist gar nicht wahr, daB das Leben mit der Kontur, mit dem Umkreis 



>der Pflanze auf hort. Das Leben als solches setzt sich fort namentlich 
von den Wurzeln der Pflanze aus in den Erdboden hinein, und es ist 
fur viele Pflanzen gar keine scharfe Grenze zwischen dem Leben 
innerhalb der Pflanze und dem Leben im Umkreise, in dem die Pflanze 
lebt. Vor alien Dingen muB man von diesem durchdrungen sein, muB 
dieses griindlich verstehen, um das Wesen einer gediingten Erde oder 
einer sonstwie ahnlich bearbeiteten Erde wirklich verstehen zu 
konnen. 

Man muB wissen, daB das Diingen in einer Verlebendigung der 
Erde bestehen muB, damit die Pflanze nicht in die tote Erde kommt 
und es schwer hat, aus ihrer Lebendigkeit heraus das zu vollbringen, 
was bis zur Fruchtbildung notwendig ist. Sie vollbringt leichter das, 
was zur Fruchtbildung notwendig 1st, wenn sie schon ins Leben 
hineingesenkt wird. Im Grunde genommen hat alles Pflanzenwachs- 
tum dieses leise Parasitare, daB es sich eigentlich auf der lebendigen 
Erde wie ein Parasit entwickelt. Und das muB sein, Wir miissen, da 
wir in vielen Gegenden der Erde nicht darauf rechnen konnen, daB 
die Natur selber geniigend organische Abfalle in die Erde hinein- 
versenkt, die sie dann so weit zersetzt, daB wirklich die Erde geniigend 
durchlebt wird, wir miissen dem Pflanzenwachstum mit der Diingung 
zu Hilfe kommen in gewissen Gegenden der Erde. Am wenigsten in 
den Gegenden, wo sogenannte Schwarzerde ist. Denn diese ist eigent- 
lich so, daB die Natur selber das besorgt, daB die Erde geniigend 
lebendig ist, wenigstens in gewissen Gegenden. 

Sie sehen, daB man also wirklich verstehen muB, um was es sich 
da handelt. Nun muB man aber noch etwas anderes verstehen, man 
muB verstehen - es ist ein hartes Wort -, eine Art personliches Ver- 
haltnis zu all dem zu gewinnen, was in der Landwirtschaft in Betracht 
kommt, vor alien Dingen ein personliches Verhaltnis zum Diinger 
und namentlich zu dem Arbeiten mit dem Diinger. Das erscheint als 
eine unangenehme Aufgabe; aber ohne dieses personliche Verhaltnis 
geht es nicht. Warum? Sehen Sie, es wird Ihnen das sogleich ersicht- 
lich sein, wenn Sie auf das Wesen irgendeines Lebendigen iiberhaupt 
eingehen konnen. Wenn Sie auf das Wesen eingehen, so hat das 
Lebendige immer eine AuBenseite und eine Innenseite. Die Innenseite 



liegt innerhalb kgendeiner Haut, die AuBenseite liegt auBerhalb der 
Haut. Jetzt fassen Sie einmal die Innenseite ins Auge. 



Die Innenseite hat nicht nur Kraftstrome, die nach auGen gehen, 
in der Richtung dieser Pfeile (Zeichnung), sondern das innere 
Leben eines Organischen hat auch Kraftstrome, die von der Haut 
nach innen gehen, die zuriickgedrangt werden. Nun ist das Orga- 
nische umgeben auBen von alien moglichen Kraftstromungen. Nun 
gibt es etwas, was in ganz exakter Weise, aber in einer Art person- 
licher Weise zum Ausdruck bringt, wie sich das Organische das Ver- 
haltnis seines Inneren und AuBeren gestalten muB. Alles dasjenige, 
was da an Kraftwirkungen im Innern des Organischen vor sich geht 
und eigentlich im Innern des Organismus, also innerhalb seiner Haut- 
konturen, das Leben anregt und erhalt, alles das muB - verzeihen Sie 
wieder den harten Ausdruck - in sich riechen, man konnte auch sagen 
stinken. Und darin besteht im wesentlichen das Leben, daB dieses, 
was sonst, wenn es verduftet, den Geruch verbreitet, statt dessen zu- 
sammengehalten wird, daB die Dinge nicht nach auBen zu stark aus- 
strahlen, die duften, sondern daB die Dinge im Innern zuriickgehalten 
werden, die da duften. Nach auBen hin muB der Organismus in der 
Weise leben, daB er moglichst wenig von dem, was dufterregendes 
Leben in ihm erzeugt, durch seine begrenzende Haut nach auBen laBt, 
so daB man sagen konnte, ein Organisches ist um so gesiinder, je mehr 
es im Innern und je weniger es nach auBen riecht (Zeichnung). 

Denn nach auBen hin ist der Organismus, namentlich der Pflanzen- 



Tafei 4 




organismus, dazu pradestiniert, Geruch nicht abzugeben, sondern 
aufzunehmen. Und wenn man durchschaut das Fordernde einer aroma- 
tisch riechenden Wiese, die von aromatisch riechenden Pflanzen 
durchsetzt ist, so wird man aufmerksam auf das gegenseitig im Leben 
sich Unterstiitzende. Dieses Duftende, das sich da ausbreitet und das 
anders ist als der bloBe Lebensduft, duftet aus Griinden, die wir wohl 
noch werden beibringen konnen, und ist das, was von auBen jetzt auf 
die Pflanze wirkt. Alle diese Dinge muB man lebendig im person- 
lichen Verhaltnis eigentlich haben, dann steckt man drinnen in der 
wirklichen Natur. 

Nun wird es sich darum handeln, eben einzusehen, daB das Diingen 
und alles Ahnliche darin bestehen muB, dem Boden einen gewissen 
Grad von Lebendigkeit zu erteilen, aber nicht nur einen gewissen 
Grad von Lebendigkeit zu erteilen, sondern ihm auch die Moglichkeit 
zu geben, daB in ihm auch das bewirkt werde, worauf ich gestern 
besonders hingedeutet habe, daB in ihm der StickstofT sich so ver- 
breiten kann, daB an gewisse Kraftlinien hin, wie ich es Ihnen gezeigt 
habe, das Leben getragen werde gerade mit Hilfe des Stickstoffs. Wir 
miissen also, wenn wir diingen, soviel StickstofT an das Erdreich heran- 
bringen, daB das Lebendige hingetragen werde eben zu den Struk- 
turen, zu denen es im Erdreich, da wo Pflanzenboden sein soil, unter 
der Pflanze getragen werden muB. Das ist die Aufgabe nun. Diese Auf- 
gabe muB aber in exakt sachlicher Weise verrichtet werden. 

Nun sehen Sie, einen starken Fingerzeig kann das schon geben, 
daB Sie, wenn Sie Mineralisches, rein Mineralisches, als DungstofT 
anwenden, niemals in Wirklichkeit an das Erdige herankommen, 
sondern im auBersten Fall an das WaBrige der Erde. Sie konnen 
eine Wirkung mit mineralischen Dungmitteln im WaBrigen der Erde 
erzeugen, aber Sie dringen nicht vor zur Belebung des Erdigen selber. 
Daher werden Ihnen Pflanzen, welche unter dem EinfluB irgend- 
welchen mineralischen Dungers stehen, ein solches Wachstum zeigen, 
das verrat, wie es nur unterstiitzt wird von angeregter WaBrigkeit, 
nicht von belebter Erdigkeit. 

Wir konnen, wenn wir diese Dinge wirklich studieren wollen, am 
besten das vornehmen, daB wir uns zunachst an das anspruchsloseste 



Diingemittel wenden, an den Kompost, der ja sogar zuweilen ver- 
achtet wird. Da haben wir ein Belebungsmittel der Erde, in das 
hineinversetzt wird eigentlich alles dasjenige, was irgendwie Abfalle 
sind, die man wenig achtet, die von der Landwirtschaft, vom Garten 
herkommen, von demjenigen, was man als Gras hat verfallen lassen, 
bis zu demjenigen, was sich bildet aus abfallenden Blattern und der- 
gleichen, sogar bis zu demjenigen, was von verendeten Tieren kommt 
und so weiter. Nun sehen Sie, man sollte solche Dinge eigentlich 
durchaus nicht verachten, sie enthalten noch etwas bewahrt nicht nur 
von Atherischem, sondern sogar von Astralischem. Das ist wichtig. 
In dem Komposthaufen haben wir tatsachlich von alle demjenigen, 
was da hereinkommt, Atherisches, Atherisch-Wesendes, Lebendes, 
aber auch Astralisches. Und zwar haben wir ein wesendes Atherisches 
und Astralisches darinnen in einem nicht so starken Grade wie im 
Diinger oder der Jauche, aber wir haben es gewissermaBen stand- 
hafter; es macht sich seBhaft darinnen, namentlich das Astralische 
macht sich seBhafter. Und es handelt sich nur darum, daB wir diese 
SeBhaftigkeit in entsprechender Weise beriicksichtigen. Es wird das 
Astralische in seiner Wirkung auf den Stickstoff sogleich beeintrach- 
tigt, wenn ein zu stark wucherndes Atherisches vorhanden ist. Ein zu 
stark wucherndes Leben im Atherischen laBt sozusagen das Astra- 
lische im Komposthaufen nicht auf kommen. 

Nun gibt es ja etwas in der Natur, dessen Vorzuglichkeit fur diese 
Natur ich Ihnen schon von den verschiedensten Gesichtspunkten an- 
gefuhrt habe. Das ist das Kalkige. Bringen Sie daher Kalkiges etwa 
in Form von Atzkalk in den Komposthaufen, so entsteht das Eigen- 
tumliche, daB, ohne daB man zu stark wirkt auf das Verduften des 
Astralischen, das Atherische aufgenommen wird von dem Atzkalk, 
damit auch der SauerstofT aufgesogen und das Astralische in einer 
schonen Weise zur Wirkung gebracht wird. Damit erreicht man etwas 
ganz Bestimmtes. Damit erreicht man, daB man, wenn man mit Kom- 
post diingt, dem Boden etwas mitteilt, was die Neigung hat, sehr 
stark das Astralische mit dem Erdigen ohne den Umweg des Atheri- 
schen zu durchdringen. 

Also denken Sie sich, es wird das Astralische, ohne erst den Umweg 



zu machen durch das Atherische, sehr stark eindringen in das Erdige, 
so daB das Erdige dadurch ganz besonders, ich mochte sagen, astrali- 
siert wird, und auf dem Umweg des Astralisierten in der Weise durch 
das Stkkstoff haltige durchdrungen wird, so daB, was da entsteht, wirk- 
lich sehr ahnlich ist einem gewissen ProzeB im menschlichen Orga- 
nismus, der pflanzenahnlich im menschlichen Organismus ist, aber 
so pflanzenahnlich ist, daB er wenig Wert darauf legt, es zur Frucht- 
bildung kommen zu lassen, es gleichsam bei der Blattbildung, Stengel- 
bildung bleiben laBt. Namentlich miissen wir diesen ProzeB, den wir 
da der Erde mitteilen, deshalb in uns haben, damit wir in der ent- 
sprechenden Weise die Nahrungsmittel zu der Regsamkeit anleiten, 
von der ich Ihnen gesprochen habe, daB sie da sein muB. Zu dieser 
Regsamkeit regen wir aber auch den Boden an, wenn wir ihn in der 
beschriebenen Weise behandeln. Und wir bereiten dadurch den Boden 
so, daB er uns das erzeugen kann, bei dem es besonders gut ist, wenn 
es aufgezehrt wird zum Beispiel von den Tieren, so daB sie unter 
seiner weiteren Einwirkung innere Regsamkeit entwickeln, den Kor- 
per innerlich rege machen. Das heiBt mit anderen Worten : Wir werden 
gut tun, mit diesem Kompost unsere Wiesen und Weiden zu diingen, 
und werden, wenn wir das streng durchfiihren, dazu gelangen, gerade 
dadurch - namentlich dann, wenn wir die anderen Prozeduren 
machen, um die es sich handelt -, ein gutes Weidefutter zu erzielen, ein 
solches Weidefutter, das auch noch, wenn es abgesenst wird, als Trok- 
kenfutter brauchbar ist. Aber ich mochte sagen, um bei solchen Din- 
gen in der richtigen Weise vorzugehen, muB man eben in die ganze 
Sache hineinsehen. Denn was man da im einzelnen tun muB, das hangt 
doch vielfach vom Gefiihl natiirlich ab. Aber dieses Gefuhl entwickelt 
sich, wenn man in die ganze Natur dieses Prozesses richtig hineinsieht. 

Nun wiederum, wenn man den Komposthaufen einfach so laBt, wie 
ich es bisher beschrieben habe, so kann es sehr leicht sein, daB er sein 
Astrales nach alien Seiten hin verbreitet. Und es wird sich darum han- 
deln, daB man jetzt entwickelt das personliche Verhaltnis zu diesen 
Dingen, daB man moglichst solch einen Haufen dazu bringt, moglichst 
wenig zu riechen, was man leicht dadurch erreichen kann, daB man 
zunachst versucht, diinne Schichten zu legen, dann etwas, sagen wir, 



Torfmull darauf legt, wiederum eine Schichte und so weiter. Dadurch 
wird zusammengehalten, was sonst verduften wiirde. Denn der Stick- 
stoff" ist ja wirklich dasjenige, was sehr gerne in alien moglichen Form- 
verbindungen das Weite sucht. Der wird nun zuriickgehalten. Was 
ich dadurch andeuten will, ist hauptsachlich das, daB man das ganze 
landwirtschaftliche Wesen eben mit der Uberzeugung behandeln muB, 
daB man das Leben uberallhin, ja sogar das Astralische iiberallhin 
ergieBen muB, damit die ganze Sache wirke. 

Nun aber von da ausgehend kann sich Ihnen etwas anderes er- 
geben. Haben Sie schon einmal nachgedacht, warum die Kiihe Horner 
haben, oder gewisse Here Geweihe haben? Das ist eine auBerordent- 
lich wichtige Frage. Aber dasjenige, was die Wissenschaft dariiber 
bietet, ist gewohnlich etwas auBerordentlich Einseitiges und AuBer- 
liches. Beantworten wir uns die Frage, warum die Kiihe Horner 
haben. Sehen Sie, ich habe gesagt, das Organische, das Lebendige, 
muB nicht immer nur nach auBen gerichtete Kraftstrome haben, son- 
dern kann auch nach innen gerichtete Kraftstromungen haben. Nun 
stellen Sie sich einmal so ein Organisches vor, das klumpig gebildet 
ist, nach auBen gehende Kraftstromungen, nach innen gehende Kraft- 
stromungen hat. Die Sache wiirde recht unregelmaBig sein, und es 
wiirde zustandekommen ja ein Organisch-Klumpiges, so ein klum- 
piges Lebewesen. Wir wiirden ganz sonderbar aussehende Kiihe 
haben, wenn das nur der Fall ware. Die waren alle klumpig, mit 
kleinen FuBansatzen, wie sie es im ersten Embryonalstadium noch 
sind. So wiirden sie bleiben, sie wiirden grotesk aussehen. Aber so ist 
die Kuh ja nicht eingerichtet, sondern die Kuh hat Horner, hat 
Klauen. Was geschieht an den Stellen, wo die Klaue, das Horn 
wachst? Da wird ein Ort gebildet, der in besonders starker Weise die 
Stromungen nach inn
…[truncated]