Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte

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Rudolf Steiner

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RUDOLF  STEINER  GESAMTAUSGABE 

VORTRAGE 

vortrAge  vor  mitgliedern 
DER  ANTHROPOSOPHISCHEN  gesellschaft 


RUDOLF  STEINER 

Die  Geheimnisse 
der  biblischen  Schopfungsgeschichte 

Das  Sechstagewerk  im  l.Buch  Moses 

Ein  Zyklus  von  zehn  Vortragen  und  ein  einleitender  Vortrag 
Miinchen,  16.  bis  26.  August  1910 


1984 

RUDOLF  STEINER  VERLAG 
DORNACH/SCHWEIZ 


Nach  vom  Vortragenden  nicht  durchgesehenen  Nachschriften 
herausgegeben  von  der  Rudolf  Steiner-Nachlaflverwaltung 


Die  Herausgabe  besorgten  Johann  Waeger  und  Hans  Arenson 


1.  Auflage  (Zyklus  14)  Berlin  1911 
2.  Auflage  Dornach  1932 
3.  Auflage  Freiburg  i.  Br.  1954 

4.  Auflage,  Gesamtausgabe  Dornach  1961 

5.  Auflage  (fotomechanischer  Nachdruck) 

Gesamtausgabe  Dornach  1976 

6.  Auflage  (fotomechanischer  Nachdruck) 

Gesamtausgabe  Dornach  1984 


Bibliographie-Nr.  122 

Siegel  auf  dem  Umschlag  nach  einem  Entwurf  von  Rudolf  Steiner 

Alle  Rechte  bei  der  Rudolf  Steiner-NachlafJverwaltung,  Dornach/Schweiz 
©  1961  by  Rudolf  Stein er-Nachlaftverwaltung,  Dornach/Schweiz 
Printed  in  Switzerland  by  Meier  +  Cie  AG,  Schaffhausen 

ISBN  3-7274-1220-8 


Zu  den  Veroffentlichungen 
aus  dem  Vortragswerk  von  Rudolf  Steiner 


Die  Grundlage  der  anthroposophisch  orientierten  Geisteswissenschaft 
bilden  die  von  Rudolf  Steiner  (1861-1925)  geschriebenen  und  veroffent- 
lichten  Werke.  Daneben  hielt  er  in  den  Jahren  1900  bis  1924  zahlreiche 
Vortrage  und  Kurse,  sowohl  offentlich  wie  auch  fiir  die  Mitglieder  der 
Theosophischen,  spater  Anthroposophischen  Gesellschaft.  Er  selbst 
wollte  urspriinglich,  daft  seine  durchwegs  frei  gehaltenen  Vortrage  nicht 
schriftlich  festgehalten  wurden,  da  sie  als  «miindliche,  nicht  zum  Druck 
bestimmte  Mitteilungen*  gedacht  waren.  Nachdem  aber  zunehmend  un- 
vollstandige  und  fehlerhafte  Horernachschriften  angefertigt  und  verbrei- 
tet  wurden,  sah  er  sich  veranlaflt,  das  Nachschreiben  zu  regeln.  Mit  dieser 
Aufgabe  betraute  er  Marie  Steiner-von  Sivers.  Ihr  oblag  die  Bestimmung 
der  Stenographierenden,  die  Verwaltung  der  Nachschriften  und  die  fiir 
die  Herausgabe  notwendige  Durchsicht  der  Texte.  Da  Rudolf  Steiner  aus 
Zeitmangel  nur  in  ganz  wenigen  Fallen  die  Nachschriften  selbst  korrigie- 
ren  konnte,  mud  gegeniiber  alien  Vortragsveroffentlichungen  sein  Vor- 
behalt  beriicksichtigt  werden:  «Es  wird  eben  nur  hingenommen  werden 
miissen,  dafi  in  den  von  mir  nicht  nachgesehenen  Vorlagen  sich  Fehler- 
haftes  findet.* 

Uber  das  Verhaltnis  der  Mitgliedervortrage,  welche  zunachst  nur  als 
interne  Manuskriptdrucke  zuganglich  waren,  zu  seinen  offentlichen 
Schriften  aufiert  sich  Rudolf  Steiner  in  seiner  Selbstbiographie  «Mein 
Lebensgang*  (35.  Kapitel).  Der  entsprechende  Wortlaut  ist  am  Schlufi 
dieses  Bandes  wiedergegeben.  Das  dort  Gesagte  gilt  gleichermafSen  auch 
fiir  die  Kurse  zu  einzelnen  Fachgebieten,  welche  sich  an  einen  begrenz- 
ten,  mit  den  Grundlagen  der  Geisteswissenschaft  vertrauten  Teilnehmer- 
kreis  richteten. 

Nach  dem  Tode  von  Marie  Steiner  (1867-1948)  wurde  gemafi  ihren 
Richtlinien  mit  der  Herausgabe  einer  Rudolf  Steiner  Gesamtausgabe  be- 
gonnen.  Der  vorliegende  Band  bildet  einen  Bestandteil  dieser  Gesamt- 
ausgabe. Soweit  erforderlich,  finden  sich  nahere  Angaben  zu  den  Text- 
unterlagen  am  Beginn  der  Hinweise. 


INHALT 


Erster  Vortrag,  Miinchen,  16.  August  1910  

Einleitung 

Schures  « Kinder  des  Luzifer*  und  «Die  grofien  Eingeweihten». 
Dank  an  die  Mitarbeiter  und  Mitwirkenden  bei  der  dem  Vortrags- 
zyklus  vorangegangenen  Auffiihrung  des  Rosenkreuzermyste- 
riums  «Die  Pforte  der  Einweihung*.  Riickblick  auf  dasselbe  als 
Versuch,  den  Weg  in  die  geistigen  Hohen  in  einem  kiinsder- 
ischen  Bilde  hinzustellen. 

Zweiter  Vortrag,  1 7.  August  1910  

Das  Mysterium  der  Urworte 

Die  Einleitungsworte  der  Bibel:  B'reschit  bara  elohim  et  hascha- 
majim  w'et  ha'arez.  Die  schopferische  Macht  der  hebraischen 
Sprache  und  die  Bedeutung  ihrer  Schriftzeichen.  Die  Offen- 
barung  des  Ursprungs  der  Menschheit  in  den  Anfangsworten  der 
Genesis.  Die  Deutung  dieser  Urworte:  Im  webenden  Elementa- 
rischen  ersinnen  die  Elohim  das  nach  aufienhin  Erscheinende, 
das  nach  innen  Regsame. 

Dritter  Vortrag,  18.  August  1910   

Ha'arez  und  Haschamajim 

Der  Vorstellungscharakter  des  «haschamajim»,  der  Begierden- 
oder  Willenscharakter  des  «ha'arez».  Der  Zustand  des  tohu 
wabohu.  Die  Elohim.  Die  Trennung  der  Sonne  von  der  Erde.  Das 
Herausgehen  des  haschamajim,  des  Geistig-Lichthaften,  Klang- 
haften  und  Wortbildenden  aus  dem  ha'arez,  dem  Warmehaften, 
Gasigen,  Wafirigen  und  Erdigen.  Die  Organisierung  des  ha'arez 
aus  den  Kraftstrahlungen  des  haschamajim.  Die  Schdpfung  der 
menschlichen  Gestalt  aus  dem  Lauthaften. 

Vierter  Vortrag,  19.  August  1910  

Die  sieben  Schopfungstage 

Das  Sechstagewerk  als  ein  Wiedererwecken  der  vorhergegangenen 
planetarischen  Zustande  der  Erde,  der  Einschlag  des  Lichthaften. 
Die  Scheidung  des  durcheinanderwirbelnden,  elementarischen 
Wasser-,  Gas-  und  Warmehaften  in  ein  Luft-  und  Wasserhaftes. 


Die  Ausscheidung  des  Festen  aus  dem  Wafirigen  und  das  Hervor- 
sprielten  des  Gruppenseelenhaften,  des  Pflanzlichen.  Die  Hinzu- 
fiigung  der  aufieren  kosmischen  Krafte  zum  irdischen  Dasein. 
Die  Herausbildung  des  Tierischen  in  Luft  und  Wasser. 


FUNFTER  VORTRAG,  2  0.  August  1910  

Die  Elohim,  ihr  Wesen-Gestalten  und  Wesen-Schaffen 
Die  Aonen  oder  Zeitgeister 

Die  drei  ersten  Schopfungstage  als  sich  aus  der  Warme,  einem 
mittleren  Zustand,  entfaltende  Wirksamkeit  von  Verdunnungszu- 
standen:  Licht,  Schall,  Ather,  Lebensather  und  von  Verdichtungs- 
zustanden:  Luft,  Wasser,  Erde.  Diese  Zustande  als  Offenbarungs- 
weisen  seelisch-geistiger  Wesenheiten.  Die  Elohim  in  der  Hierar- 
chienordnung:  Geister  der  Form  (Exusiai,  Gewalten).  Die  Archai 
oder  Geister  der  Personlichkeit  als  Diener  der  Elohim.  Die  Gei- 
ster der  Personlichkeit  =  «Jom»  oder  «Tag»  in  der  Genesis.  Der 
«erste  Tag» :  Beginn  der  Wirksamkeit  des  ersten  der  Zeitgeister. 


Sechster  Vortrag,  2 1 .  August  1910  

Licht  und  Finsternis.  Jom  und  Laj'lah 

Licht  und  Finsternis  als  zwei  polarische  Entitaten.  Die  fortge- 
schrittenen  Archai  Qom)  offenbaren  sich  als  Heifer  der  Elohim 
im  Lichte,  die  zuriickgebliebenen  Archai  (Laj'lah)  als  Finsternis. 
Die  Wechselzustande  des  Wachens  und  Schlafens  als  Zersto- 
rungs-  und  Aufbauprozesse  und  ihr  Zusammenhang  mit  dem 
Sonnenwesen  (Jom)  und  Saturnwesen  (Laj'lah).  Die  Tatigkeit  der 
Hierarchien  und  ihre  Darstellung  in  der  Schopfungsgeschichte. 


Siebenter  Vortrag,  2  2 .  August  1910  

Das  elementarische  Dasein  und  die  hinter  ihm  wirkenden 
geistigen  Wesenheiten.  Jahve-Elohim. 

Die  Manifestation  hierarchischer  Tatigkeit,  innerhaib  der  Erde: 
Geister  des  Willens  oder  Throne  im  Erdigen;  Geister  der  Weis- 
heit  oder  Kyriotetes  im  Wafirigen;  Geister  der  Bewegung  oder 
Dynamis  im  Luftigen;  Geister  der  Form  oder  Exusiai  (Elohim)  im 
Warmehaften.  Im  Erdenumkreis:  Cherubim  in  der  Wolkenbil- 
dung;  Seraphim  in  Blitz  und  Donner.  Jahve-Elohim  =  die  sieben 
Elohim,  die  sich  zur  Einheit  entwickelt  haben. 


Achter  Vortrag,  23.  August  1910  127 

Die  Komposition  des  ersten  und  zweiten  Schopfungstages 
Die  Arbeit  des  elementarischen  Daseins  an  den  Organen 
des  Menschen 

Die  Bilder  des  alten  Mondes.  Das  Gegenstandsbewufitsein  als 
eigentliches  Erdenbewufttsein.  Das  Bewufltsein  der  Hierarchien 
auf  dem  alten  Mond  und  auf  der  Erde.  Tatigkeit  und  Bewufltsein 
der  Elohim  am  ersten  Schopfungstage  der  Genesis. 


Neunter  Vortrag,  24.  August  1910  142 

Das  Vorriicken  der  Menschwerdung  bis  zum  sechsten 
Schopfungstage 

Der  Mensch  als  Erstling  der  Schopfung.  Die  Veranlagung  seines 
Seelisch-Geistigen  an  den  ersten  fiinf  Schopfungstagen:  Der 
Empfindungsseele  am  ersten,  ihr  Vorschreiten  zur  Verstandes- 
oder  Gemiitsseele  am  zweiten,  zur  Bewufitseinsseele  am  dritten 
Schopfungstag,  das  Umkleiden  mit  dem  Astralleib  am  vierten 
und  dem  Atherleib  am  funften  Schopfungstag.  Die  Entwicklung 
des  physischen  Menschen  (als  Warmewesen)  am  sechsten  Schop- 
fungstag. Die  Entwicklung  zum  Luftwesen  durch  Jahve-Elohim 
erst  nach  dem  sechsten  Schopfungstag.  Das  Herabsinken  des 
Menschen  aus  dem  Erdenumkreis  durch  den  luziferischen  Ein- 
flufi.  Die  weitere  Verdichtung  zum  WaJ&rigen  und  Erdigen  und 
die  Entstehung  des  Fleischesmenschen. 


Zehnter  Vortrag,  2 5 .  August  1910  159 

Das  Mondhafte  im  Menschen 

Die  Trennung  der  Sonne  von  der  Erde.  Das  Zuriickziehen  der 
Menschenseelengeister  auf  die  Planeten  bis  auf  ein  Hauptpaar, 
Adam  und  Eva.  Die  Trennung  des  Mondes  von  der  Erde.  Das 
Wiederherabstromen  der  Menschenseelengeister.  Das  Uberein- 
stimmen  der  Genesis  mit  den  Tatsachen  der  «Geheimwissen- 
schaft*.  Das  Mondenhafte  in  Erde  und  Mensch.  Kosmische 
Mondsubstantialitat  und  menschliche  Selbstandigkeit.  Zukiinf- 
tige  Zerkliiftung  der  Erdenmaterie  in  Erdenstaub  durch  die  Mon- 
denkrafte.  Die  Einpragung  des  mondhaften  Erdenstaubes  in  die 
Leiblichkeit  des  Menschen  durch  Jahve-Elohim. 


ElfterVortrag,  26.  August  1910  175 

Der  Zusammenklang  der  Bibel  mit  der  hellseherischen 
Forschung 

Die  Erschaffung  des  mannlich-weiblichen  Menschen  am  sechsten 
Schopfungstag.  Der  sechste  Schopfungstag  zeitlich  dasselbe  wie 
die  lemurische  Zeit  in  der  Geisteswissenschaft.  Die  Einpragung 
der  Ich-Natur  durch  Jahve-Elohim.  Die  Differenzierung  in  dich- 
tere  physische  Leiblichkeit  nach  auften  und  diinnere  atherische 
Leiblichkeit  nach  innen.  Der  Sinn  des  «Ruhens»  am  siebenten 
Schopfungstag:  Das  Aufsteigen  der  Elohim  zu  Jahve-Elohim.  Der 
Obergang  vom  atherischen  Elohim-Menschen  der  lemurischen 
Zeit  zum  physischen  Jahve-Menschen  der  Atlantis.  Der  Mensch 
steigt  nach  alien  anderen  Geschopfen  als  letzter  aus  dem  Geisti- 
gen  ins  Physische  herunter. 


Hinweise  

Rudolf  Steiner  iiber  die  Vortragsnachschriften 
Ubersicht  iiber  die  Rudolf  Steiner  Gesamtausgabe 


193 
197 
199 


ERSTER  VORTRAG 
Miinchen,  16.  August  1910 


Wir  stehen  vor  einem  wichtigen  Vortragszyklus,  und  es  darf  wohl 
vorausgeschickt  werden,  daB  dieser  Vortragszyklus  erst  jetzt  unter- 
nommen  werden  kann,  da  wir  Jahre  hindurch  gearbeitet  haben  auf 
dem  geisteswissenschaftlichen  Felde.  Und  es  darf  weiter  gesagt  wer- 
den, daB  die  groBen  Ideen,  denen  wir  uns  in  den  n'achsten  Tagen 
werden  hinzugeben  haben,  in  einer  gewissen  Beziehung  jene  Stim- 
mung  brauchen,  die  uns  werden  konnte  durch  die  beiden  in  den 
letzten  Tagen  erfolgten  Auffiihrungen.  Diese  Auffiihrungen  sollten 
ja  unser  Herz  hineinfuhren  in  jene  Stimmung,  in  jene  Gefiihlsver- 
fassung,  welche  notwendig  ist,  damit  das,  was  uns  auf  anthropo- 
sophischem  Gebiete  entgegentreten  soil,  durchdrungen  werde  von 
der  richtigen  Warme  und  von  der  richtigen  Innigkeit.  Oftmals 
durfte  es  ja  betont  werden,  wie  die  abstrakten  Gedanken,  die  Ideen 
selbst,  die  uns  auf  unserem  Felde  entgegentreten,  ihre  voile  Wir- 
kungskraft  erst  dann  in  unserer  Seele  entfalten  konnen,  wenn  sie 
eintauchen  in  diese  warme  Innigkeit  des  Erlebens.  Sie  erst  laBt 
unsere  Seele  empfinden,  daB  wir  uns  durch  unsere  anthroposophi- 
schen  Ideen  Gebieten  des  Daseins  nahern,  nach  denen  wir  nicht  nur 
eine  gewisse  Erkenntnissehnsucht  haben  sollen,  sondern  denen  auch 
unser  Herz  sich  zuwendet,  denen  gegenuber  wir  die  Stimmung 
haben  konnen,  die  wit  im  vollsten  Sinn  des  Wortes  als  eine  heilige 
Stimmung  bezeichnen.  Und  vielleicht  war  es  mir  selber  die  ganzen 
Jahre  her  nicht  so  urns  Herz  als  gerade  in  diesem  Augenblick,  da 
wir  vor  einem  Vortragszyklus  stehen,  von  dem  man  vielleicht  nicht 
mit  Unrecht  sagen  darf,  daB  er  sich  vermiBt,  menschliche  Gedanken 
ein  wenig  dem  zu  nahern,  was  wie  Urworte  seit  Jahrtausenden  durch 
Menschenherzen  gezogen  ist  und  Menschengeister  beschaftigt  hat, 
Menschenherzen  und  Menschengeister  hinaufzulenken  zu  dem,  was 
der  Mensch  als  das  Hochste,  als  das  Gewaltigste,  was  es  fur  ihn  geben 
kann,  empfinden  soli:  den  eigenen  Ursprung  in  seiner  GroBe. 


Bevor  dieser  Vortragszyklus  beginnen  soli,  darf  ich  heute  nach 
den  beiden  vorangegangenen  Tagen  vielleicht  etwas  Anthropo- 
sophisch-Familiares  beruhren,  eben  weil  wir  die  Vorbereitung  zu 
diesem  Zyklus  an  uns  haben  voriibergehen  lassen  konnen.  Schon 
am  Beginne  des  vorjahrigen  Zyklus  durfte  ich  darauf  hinweisen, 
wie  symbolisch  bedeutsam  gerade  diese  unsere  Miinchener  Ver- 
anstaltungen  fiir  unser  anthroposophisches  Leben  sind.  Und  ich 
durfte  darauf  hinweisen,  wie  uns  durch  Jahre  hindurch  dasjenige 
getragen  hat,  was  wir  in  echt  anthroposophischem  Sinn  nennen 
konnten  die  Geduld  des  Wartens,  bis  uns  zu  irgendeiner  Arbeit  die 
Krafte  herangereift  sind.  Und  noch  einmal  lassen  Sie  mich  daran 
erinnern,  daB  die  Vorstellung  der  « Kinder  des  Luzifer»,  die  wir  im 
vorigen  Jahr  haben  zustande  bringen  durfen  und  die  wir  so  gliick- 
lich  waren,  in  diesen  Tagen  zu  wiederholen,  sieben  Jahre  in  Ge- 
duld von  uns  muBte  erwartet  werden.  Die  Arbeit  der  sieben  Jahre 
auf  dem  anthroposophischen  Felde  muBte  dieser  Darstellung  vor- 
angehen.  Im  vorigen  Jahre  durfte  ich  daran  erinnern,  daB  am  Aus- 
gangspunkte  unserer  deutschen  Sektionsgriindung  in  Berlin  von 
mir  ein  Vortrag  gehalten  worden  ist,  ankniipfend  an  dieses  Drama 
«Die  Kinder  des  Luzifer»,  und  daB  es  mir  dazumal  wie  ein  Ideal 
vor  der  Seele  schwebte,  dieses  Drama  einmal  auf  der  Buhne  zeigen 
zu  durfen.  Nach  siebenjahriger  anthroposophischer  Arbeit  ist  dies 
gelungen,  und  wir  durfen  sagen:  Diese  Darstellung  im  vorigen 
Jahre  bedeutete  in  gewisser  Beziehung  einen  Markstein  in  unserem 
anthroposophischen  Leben.  Wir  durften  eine  kiinstlerische  Aus- 
gestaltung  anthroposophischen  Fiihlens  und  anthroposophischen 
Denkens  vor  das  geistige  Auge  unserer  lieben  Freunde  hinstellen. 
Und  wir  fiihlen  uns  ja  gerade  in  solchen  Augenblicken  so  recht  in 
unserem  anthroposophischen  Milieu,  wenn  wir  empfinden  das  Uns- 
Ubergreifen  und  Uns-Durchdringen  anthroposophischen  Lebens. 
Der  Verfasser  der  «Kinder  des  Luzifer»,  den  wir  schon  im  vorigen 
Jahre  das  Gliick  hatten,  hier  zu  sehen  bei  jener  Auffiihrung  und 
bei  dem  vorjahrigen  Zyklus,  und  dessen  Gegenwart  wir  uns  auch  in 
diesem  Jahre  wiederum  erfreuen,  er  hat  fiir  das  geistige  Leben  der 
Gegenwart  in  seinem  epochalen  Werke  «Die  groBen  Eingeweih- 


ten»  ein  Ideengefiige  geschaffen,  dessen  Wirkung  fiir  Seelen  und 
Gemiiter  der  Gegenwart  erst  die  Zukunft  in  das  richtige  Licht  wird 
stellen  konnen. 

Sie  wiirden  sich  gewiB  vielfach  wundern,  wenn  Sie  die  Schat- 
zung,  die  man  heute  geistigen  Kraften  und  geistigen  Arbeiten  der 
Vergangenheit  in  dieser  oder  jener  Zeit  angedeihen  laBt,  ver- 
gleichen  wiirden  mit  derjenigen,  welche  in  dem  BewuBtsein  der 
damaligen  Zeitgenossen  geherrscht  hat.  Man  verwechselt  so 
leicht  die  Art,  wie  man  selber  iiber  Goethe,  iiber  Shakespeare, 
iiber  Dante  denkt,  mit  dem,  was  die  Zeitgenossen  fahig  waren  zu 
durchschauen  und  zu  iiberblicken  von  den  geistigen  Kraften,  die 
durch  solche  Personlichkeiten  dem  fortschreitenden  Menschengeist 
einverleibt  worden  sind.  Und  wir  miissen  uns  insbesondere  als  An- 
throposophen  zum  BewuBtsein  bringen,  daB  der  Mensch  in  seiner 
eigenen  Gegenwart  am  allerwenigsten  ermessen  kann,  wie  bedeut- 
sam,  wie  kraftigend  die  geistigen  Arbeiten  der  Zeitgenossen  fiir  die 
Seelen  sind.  Wenn  man  sich  besinnt,  wie  eine  Zukunft  die  Dinge 
ganz  anders  beurteilen  wird,  als  es  die  Gegenwart  vermag,  dann 
darf  es  wohl  gesagt  werden,  daB  das  Erscheinen  der  «GroBen  Ein- 
geweihten»  fiir  den  geistigen  Inhalt  und  fiir  die  geistigc  Vertiefung 
unserer  Zeit  einstmals  als  etwas  ungeheuer  Bedeutungsvolles  ange- 
sehen  werden  wird.  Denn  es  strahlen  heute  schon  aus  vielen  Seelen 
im  weitesten  Umkreise  der  Kultur  unserer  Gegenwart  die  Seelen- 
echos,  die  dadurch  moglich  wurden,  daB  diese  Ideen  in  die  Herzen 
unserer  Zeitgenossen  Eingang  gefunden  haben.  Und  diese  Echos  sind 
wahrhaft  bedeutsam  fiir  unsere  Zeitgenossen,  denn  unzahligen  be- 
deuten  sie  Sicherheit  im  Leben,  Trost  und  HofFnung  in  den  schwie- 
rigsten  Augenblicken  dieses  Lebens.  Und  nur  dann,  wenn  wir  uns 
in  der  richtigen  Weise  an  solcher  groBen  Geistestat  der  Gegenwart 
zu  erfreuen  verstehen,  dann  diirfen  wir  sagen,  daB  wir  anthroposo- 
phisches  Empfinden  und  anthroposophische  Stimmung  in  einem 
etwas  grofieren  Stile  in  unserer  Brust  tragen.  Und  aus  jener  Seelen- 
tiefe  heraus,  aus  welcher  die  Ideen  der  « GroBen  Eingeweihten» 
leuchteten,  sind  auch  geformt  und  gepragt  die  Gestalten  der  « Kinder 
des  Luzifer»,  die  uns  eine  groBe  Zeit  der  Menschheit  vor  das  Seelen- 


auge  fuhren,  eine  Zeit,  in  welcher  Altgewordenes  und  Neuerblii- 
hendes  im  Weltenwerden  zusammenstoBen.  Und  Anthroposophen 
sollten  es  verstehen,  wie  in  diesem  Drama  zweierlei  zusammen- 
strahlt:  menschliches  Leben,  menschliche  Arbeit  und  menschliches 
Wirken  auf  dem  physischen  Plan,  wie  es  ausgefiihrt  wird  durch  die 
Gestalten,  die  uns  in  den  «Kindern  des  Luzifer»  entgegentreten,  und 
in  dieses  Arbeiten,  in  dieses  Wirken  hinein  leuchtet  dasjenige,  was 
wir  die  Erleuchtung  aus  den  hoheren  Welten  nennen.  Und  indem 
wir  ein  Drama  auf  die  Biihne  stellten,  in  dem  nicht  nur  gezeigt 
wird,  wie  Menschenstreben  und  Menschenkrafte  im  Herzen  und  im 
Kopfe  wurzeln,  sondern  wie  hereindringen  die  Inspirationen  aus 
den  heiligen  Statten,  aus  den  Weihestatten  der  Tempel,  wie  die 
unsichtbaren  Machte  die  menschlichen  Herzen  durchgluhen  und 
durchgeisten  —  indem  wir  dieses  j  Ineinander-sich-Verweben  iiber- 
sinnlicher  Welten  mit  unserer  Sinneswelt  zeigten,  haben  wir  einen 
Markstein  hinstellen  diirfen  in  unserer  anthroposophischen  Bewe- 
gung. 

Denn  das  darf  ich  auch  in  diesem  Jahre  beim  Ausgangspunkte 
unseres  Vortragszyklus  wiederholen:  Das  Allerwichtigste,  das  Aller- 
wesentlichste  bei  einer  solchen  Unternehmung,  das  sind  die  Herzen 
derer,  die  Verstandnis  haben,  ein  solches  Werk  aufzunehmen.  Das 
ist  der  grofie  Irrtum  unserer  Zeit,  daJ3  man  glauben  kann,  ein  Werk 
konne  geschaffen  werden  und  es  miisse  wirken.  Es  kommt  nicht  nur 
darauf  an,  daB  die  gewaltigen  Werke  Raffaels  oder  Michelangelos 
in  der  Welt  sind;  es  kommt  darauf  an,  daB  in  der  Welt  Herzen 
leben,  Seelen  existieren,  welche  den  Zauber  aus  diesen  Werken  in 
sich  beleben  konnen.  RafFael  und  Michelangelo  haben  nicht  fur  sich 
allein  geschaffen,  sie  haben  geschaffen  im  Widerhall  mit  denen,  die 
von  jener  Kultur  erfullt  waren,  die  fahig  waren  entgegenzunehmen, 
was  sie  der  Leinwand  anvertrauten.  Unsere  Gegenwartskultur  ist 
chaotisch,  unsere  Gegenwartskultur  hat  keine  Einheitlichkeit  der 
Empfindung.  Lassen  Sie  die  groBten  Werke  auf  eine  solche  Kultur 
wirken:  sie  werden  die  Herzen  unberiihrt  lassen.  Das  muB  das 
Eigenartige  unserer  anthroposophischen  Bewegung  sein,  daB  wir  als 
ein  Kreis  von  Menschen  uns  versammeln,  in  denen  gleichartige 


Empfindungen  leben,  die  beseelt  sind  von  gleichartigen  Gedanken, 
in  denen  moglich  wird  eine  gleichartige  Begeisterung.  Auf  den  Bret- 
tern  spielt  sich  ein  Drama  im  Bilde  ab;  in  den  Herzen  der  Zu- 
schauer  spielt  sich  ab  ein  Drama,  dessen  Krafte  der  Zeit  angehoren. 
Das,  was  die  Herzen  im  Zuschauerraum  fuhlten,  was  in  jedem  Her- 
zen wurzelte,  das  ist  ein  Keim  fur  das  Leben  der  Zukunft.  Fuhlen 
wir  das,  meine  lieben  Freunde,  und  fuhlen  wir  vor  alien  Dingen 
nicht  allein  eine  Befriedigung  dariiber,  das  ware  vielleicht  billig, 
fuhlen  wir  die  Verantwortung,  die  wir  damit  auf  unsere  Seele  laden. 
Jene  Verantwortung,  die  uns  sagt:  Seid  vorbildlich  fiir  das,  was 
geschehen  muB,  fiir  das,  was  moglich  werden  muB,  daB  die  Zeit- 
kultur  der  Menschheit  impr'agniert  wird  von  dem  Bewufitsein,  daB 
der  Mensch  hier  auf  dem  physischen  Plan  der  Mittler  ist  zwischen 
physischen  Taten,  physischem  Werden  und  dem,  was  nur  durch  ihn 
einstromen  kann  aus  den  ubersinnlichen  Welten  in  diese  Welten 
des  physischen  Planes  herunter. 

So  sind  wir  in  gewissem  Sinne  erst  eine  geistige  Familie  dadurch, 
daB  wir  uns  zuneigen  dem  gemeinsamen  vaterlichen  Urprinzip,  das 
in  unseren  Herzen  lebt  und  das  eben  in  diesem  Augenblick  von  mir 
versucht  worden  ist  zu  charakterisieren.  Und  wenn  wir  in  dieser 
Weise  mit  unserem  Herzen,  mit  unserer  ganzen  Seelenstimmung 
auffassen,  was  wir  erleben,  wenn  wir  es  auffassen,  indem  wir  es  als 
Zugehorige  unserer  anthroposophischen  Familie  fuhlen,  dann  emp- 
finden  wir  audi  im  rechten  Sinn  das  Gliick  und  sehen  es  mit  innig- 
ster  Befriedigung,  daB  wir  den  Autor  der  «Kinder  des  Luzifer» 
nunmehr  bei  den  beiden  Auffuhrungen  und  in  den  darauffolgenden 
Tagen  unter  uns  haben  durften. 

Nehmen  Sie  das  so  auf,  daB  wir  dadurch  in  der  Tat  fuhlen  kon- 
nen:  Es  leben  die  lebendigen  anthroposophischen  Krafte  der  Gegen- 
wart  in  dem  Kreise,  aus  dem  heraus  dasjenige  erflieBen  durfte,  was 
wir  in  den  letzten  Tagen  durch  unsere  Seele  haben  Ziehen  lassen. 

Meine  lieben  Freunde,  mir  ist  es  schon  im  vorigen  Jahre  eine 
liebe  Pflicht  gewesen,  hinzuweisen  gerade  auf  diejenige  Arbeits- 
statte,  auf  welcher  wir  soldi  einen  Markstein  unserer  anthroposo- 
phischen Tatigkeit  entwickeln  durften.  Und  es  war  mir  eine  liebe 


Pflicht  —  und  ich  betone  dabei  das  Wort  «liebe»  und  mochte  aus- 
driicklich  bemerken,  daB  Sie  «Pflicht»  nicht  in  trivialem  Alltags- 
sinn  nehmen  diirfen  —  es  war  mir  und  es  ist  mir  eine  liebe  Pflicht, 
auch  in  dieser  Stunde  darauf  hinzuweisen,  wie  hier  zum  Zustande- 
kommen  dieser  unserer  anthroposophischen  Veranstaltungen  unsere 
Freunde  nicht  nur  mit  Eifer,  sondern  mit  Hingebung  aller  ihrer 
Krafte  arbeiteten. 

Wer  solche  Auffuhrungen  sieht,  denkt  vielleicht  nicht  irnmer 
daran,  daB  es  lange  dauert,  bis  das,  was  zuletzt  sich  dem  Auge  in 
wenigen  Stunden  darbietet,  wirklich  auf  der  Biihne  steht.  Und  die 
Art  und  Weise,  wie  unsere  lieben  Freunde  hier  an  diesem  Orte  zu- 
sammenarbeiteten,  um  das  Werk  zustande  zu  bringen,  sie  darf  in 
einer  gewissen  Beziehung  immer  wieder  fur  die  anthroposophische 
Arbeit,  vielleicht  auch  fur  das  menschliche  Zusammenwirken,  als 
Vorbild  bezeichnet  werden.  Insbesondere  deshalb,  weil  es  einem 
richtigen  anthroposophischen  Empfinden  widerstreben  wiirde,  bei 
dieser  Arbeit  in  irgendeiner  Weise  zu  kommandieren.  Da  ist  ein 
Fortschritt  nur  dann  moglich,  wenn  die  einzelnen  Freunde  mit 
ihrem  Herzen  voll  dabei  sind,  in  ganz  anderer  Weise,  als  das  auf 
einem  ahnlichen  kiinstlerischen  Felde  jemals  der  Fall  sein  konnte. 
Und  dieses  Voll-dabei-Sein,  nicht  nur  in  den  wenigen  Wochen,  die 
uns  zur  Verfiigung  stehen,  um  die  Auffuhrungen  vorzubereiten, 
sondern  dieses  Voll-dabei-Sein,  dieses  freie  herzliche  Zusammen- 
wirken, es  dauerte  Jahre  hindurch.  Und  da  wir  ja  bei  dieser  Gele- 
genheit  aus  den  verschiedensten  Gegenden  uns  versammelt  haben 
und  die  Anthroposophen  sich  nicht  nur  dadurch  kennenlernen  sol- 
len,  daB  sie  sozusagen  ein  paar  Worte  miteinander  wechseln,  son- 
dern daB  sie  voneinander  wissen,  was  einem  jeden  in  der  Arbeit 
heilig  ist,  deshalb  darf  wohl  gerade  bei  dieser  Gelegenheit  mit 
einigen  Worten  darauf  hingewiesen  werden,  wie  Jahre  hindurch 
hier  gearbeitet  worden  ist,  um  im  entsprechenden  Augenblick  zu- 
sammenzugruppieren,  was  notwendig  war,  um  eine  anthroposo- 
phische Leistung  auf  die  FiiBe  zu  stellen,  wie  wir  sie  in  den  letzten 
Tagen  geben  durften.  Und  wenn  es  auch  nicht  allein  durch  auBere 
Umstande  geboten  ware,  so  wiirde  mein  Herz  mich  drangen,  in 


dieser  Stunde  hinzuweisen  auf  die  hingebungsvolle  Arbeit  unserer 
Fr eunde,  die  uns  das  ermoglicht  hat,  was  wir  erleben  dur ften.  Denn 
Sie  diirfen  es  glauben:  nur  durch  diese  hingebungsvolle  Arbeit  ist 
es  moglich  geworden. 

Ich  sagte,  ich  will  den  Vortragszyklus  beginnen  mit  einer  Art 
familiarer  Besprechung  dessen,  was  uns  auf  dem  Herzen  liegen 
kann.  Da  diirfen  wir  vor  alien  Dingen  der  jahrelangen  hingebungs- 
vollen  Arbeit  der  beiden  Damen  gedenken,  die  hier  zielbewuBt  und 
in  innigem  Einklang  wirken  mit  dem,  was  man  auf  anthroposo- 
phischem  Felde  nur  wollen  kann.  Seit  vielen  Jahren  haben  Fraulein 
Stinde  und  die  Grafin  Kalckreuth  ihre  Gesamtkrafte  der  anthropo- 
sophischen  Arbeit  hier  an  diesem  Orte  gewidmet.  Und  daB  nur 
durch  dieses  hingebungsvolle,  zielbewuBte  Wirken  im  innigen  Ein- 
klang mit  den  anthroposophischen  Impulsen  das  moglich  geworden 
ist,  was  wir  zu  unserer  Befriedigung  geben  durften,  das  weiB  vor 
alien  Dingen  ich  am  allerbesten.  Und  daher  werden  Sie  es  um  so 
begreiflicher  linden,  daB  ich  bei  dieser  Gelegenheit  aus  dankerfiill- 
tem  Herzen  heraus  diese  Worte  fiir  die  beiden  Mitarbeiterinnen  hier 
in  Miinchen  spreche.  Dann  kommen  dazu  die  hingebungsvollen 
Arbeiten  derer,  die  sozusagen  unmittelbar  ihre  Kr'afte  exponieren 
in  denjenigen  Wochen,  die  unseren  Arbeiten  gewidmet  sind. 

Wir  versuchten  gestern  in  einem  kiinstlerischen  Bilde  vor  Ihre 
Augen  hinzustellen  den  Weg  zu  den  Hohen,  auf  denen  der  Mensch 
erfahren  kann  das,  was  durch  die  anthroposophische  Entwickelung 
flieBen  soli,  das,  was  sozusagen  der  Seelenforscher  erleben  muB.  Es 
wird  sich  vielleicht  in  Ankniipfung  an  mancherlei,  was  in  diesem 
Vortragszyklus  zu  sagen  ist,  Gelegenheit  finden,  auf  dieses  oder 
jenes  hinzuweisen,  was  gestern  vor  Ihr  Seelenauge  gefiihrt  werden 
sollte.  Es  muBte  das  Leben  dessen,  der  zu  der  geistigen  Erkenntnis 
hinaufstrebt,  gezeigt  werden,  es  muBte  gezeigt  werden,  wie  er  aus 
dem  physischen  Plan  herauswachst,  wie  schon  hier  auf  dem  phy- 
sischen  Plan  alles  das,  was  um  ihn  herum  geschieht  und  was  viel- 
leicht einem  anderen  Menschen  als  etwas  recht  Alltagliches  erschei- 
nen  konnte,  ihm  bedeutsam  wird.  Herauswachsen  muB  die  Seele 
des  Geistsuchers  aus  Ereignissen  des  physischen  Planes.  Und  dann 


muBte  gezeigt  werden,  was  diese  Seele  erleben  mnJ3  in  sich  selber, 
wenn  sich  in  sie  ergieBt  alles,  was  an  Menschenschicksal,  an  Men- 
schenleid,  an  Menschenlust,  an  Menschenstreben  und  an  Menschen- 
illusionen  um  uns  hemm  vorgeht;  wie  diese  Seele  zermalmt  und 
zerschmettert  werden  kann,  wie  die  Kraft  der  Weisheit  sich  hin- 
durchringen  kann  durch  diese  Zerschmetterung,  und  wie  dann  erst, 
wenn  der  Mensch  glaubt,  in  einer  gewissen  Beziehung  fremd  ge- 
worden  zu  sein  der  sinnlichen  Welt,  die  groBen  Tauschungen  an 
ihn  herantreten. 

Ja,  mit  den  Worten,  die  Welt  sei  Maja  oder  Illusion,  oder: 
« Durch  die  Erkenntnis  dringen  wir  zur  Wahrheit»,  mit  diesen  Wor- 
ten ist  vieles  und  doch  auch  wieder  recht  wenig  gesagt.  Das,  was 
damit  gesagt  wird,  muJ3  jeder  auf  indrviduelle  Weise  erleben.  Da- 
her  konnte  auch  das,  was  im  allgemeinen  gilt,  so  recht,  man  mochte 
sagen,  seelisch  bluterfullt  nur  gezeigt  werden,  indem  man  es  im 
Durchleben  einer  einzelnen  Gestalt  zeigte.  Nicht  wie  ein  jeder  zur 
Initiation  hinauf  sich  nahert,  sondern  wie  die  ganz  individuelle 
Gestalt  des  Johannes  Thomasius  aus  ihren  Bedingungen  heraus  der 
Pforte  der  Erkenntnis  sich  nahern  kann,  das  sollte  gezeigt  werden. 
Und  es  ware  durchaus  unrichtig,  wenn  jemand  glauben  wollte,  daJ3 
er  das  Ereignis,  das  im  Meditationszimmer  gezeigt  ist,  den  Aufstieg 
der  Maria  aus  dem  irdischen  Leib  heraus  in  das  Devachan,  als  ein 
allgemeines  Ereignis  hinstellen  diirfte.  Das  Ereignis  ist  absolut  real, 
spirituell-real,  aber  es  ist  ein  Ereignis,  durch  das  gerade  eine  so 
geartete  Personlichkeit,  wie  der  Johannes  Thomasius  sie  darstellt, 
den  Impuls  erhalten  sollte,  hinaufzusteigen  in  die  geistigen  Welten. 

Und  ich  mochte  Ihre  Aufmerksamkeit  insbesondere  auf  den 
Augenblick  hinlenken,  wo  gezeigt  wird,  wie  die  Seele  dann,  wenn 
sie  im  Grande  genommen  schon  die  Kraft  gefunden  hat,  iiber  die 
gewohnliche  Illusion  hinwegzugehen,  wie  sie  dann  erst  der  Mog- 
lichkeit  der  groBen  Tauschungen  gegenubersteht.  Nehmen  Sie  an, 
daB  Johannes  Thomasius  nicht  in  der  Lage  ware,  zu  durchschauen 
—  wenn  er  es  auch  gar  nicht  bewuBt  tut,  sondern  es  nur  mit  einem 
inneren  Auge  durchfiihlt  — ,  daB  in  der  Gestalt,  die  im  Meditations- 
zimmer zuriickbleibt  und  dem  Hierophanten  den  Fluch  entgegen- 


schleudert,  nicht  mehr  dieselbe  Individuality  enthalten  ist,  der  er 
zu  folgen  hat.  Nehmen  Sie  an,  es  konnte  der  Hierophant  oder  auch 
Johannes  Thomasius  einen  Augenblick  dariiber  in  Unruhe  kom- 
men.  Dann  ware  es  fur  unabsehbare  Zeiten  unmoglich,  den  Er- 
kenntnispf ad  fur  Johannes  Thomasius  in  irgendeiner  Weise  weiter- 
zufiihren.  Dann  wiirde  in  diesem  Augenblicke  das  Ganze  aus  sein, 
und  nicht  nur  fur  Johannes  Thomasius,  sondern  auch  fur  den 
Hierophanten,  der  dann  nicht  imstande  gewesen  ware,  die  starken 
Krafte  in  Johannes  Thomasius  zu  entfalten,  welche  ihn  iiber  diese 
Klippe  hinwegfiihren  konnen.  Abtreten  miiBte  der  Hierophant  von 
seinem  Amte,  und  verloren  w'aren  ungeheure  Zeitraume  fiir  Johan- 
nes Thomasius  in  seinem  Aufstiege.  Wenn  Sie  versuchen,  die 
Szenen,  die  gerade  diesem  Momente  vorangehen,  und  die  Gefuhle, 
die  in  der  Seele  des  Johannes  Thomasius  gewirkt  haben,  sich  vor 
Augen  zu  riicken,  die  besondere  Art  der  Schmerzen,  die  besondere 
Art  der  Erlebnisse:  dann  werden  Sie  vielleicht  zu  dem  Urteil  gelan- 
gen,  daB  die  Kraft  der  Weisheit,  ohne  daB  er  selbst  es  vielleicht 
weiB,  so  stark  in  ihm  geworden  ist,  daB  er  diesen  gewaltigen  Ruck 
in  seinem  Leben  uberstehen  kann.  All  diese  Erlebnisse,  die  sich  ab- 
spielen,  ohne  daB  vor  dem  Seelenauge  etwas  sichtbar  schwebt,  die 
miissen  vorausgehen,  bevor  in  einer  richtigen  Weise  das  folgen  darf , 
was  uns  objektiv  vor  die  Seele,  zunachst  in  bildhafter  Art,  die  gei- 
stige  Welt  vor  das  geistige  Auge  stellt.  Das  geschieht  dann  in  den 
nachsten  Szenen.  Der  Schmerz  ist  es,  der  zunachst  den  Menschen 
ganz  durchriittelt;  die  Gewalt  des  Impulses  ist  es,  die  davon  her- 
riihrt,  daB  er  der  Moglichkeit  einer  groBten  Tauschung  widersteht. 
Das  alles  entwickelt  sich  zu  einer  Spannkraft  in  der  Seele,  welche 
unser  Schauen,  wenn  wir  so  sagen  diirfen,  umkehrt  und  das,  was 
vorher  nur  subjektiv  war,  mit  der  Gewalt  des  Objektiven  vor  unsere 
Seele  hintreten  laBt. 

Das,  was  Sie  in  den  nachsten  Szenen  sehen,  was  mit  spirituell- 
realistischer  Art  zu  schildern  versucht  ist,  stellt  dar,  was  der  nach 
und  nach  in  die  hoheren  Welten  Hinaufwachsende  fuhlt  als  das 
auBere  Spiegelbild  dessen,  was  er  zuerst  in  seiner  Seele  selber  an 
Gefiihlen  durchlebt  hat,  und  was  wahr  ist,  ohne  daB  derjenige,  der 


es  erlebt,  schon  voll  wissen  kann,  wieviel  davon  wahr  ist.  Da  wird 
der  Mensch  zunachst  hinaufgefiihrt,  zu  sehen,  wie  die  Zeit,  in  der 
wir  als  Sinnesmenschen  leben,  in  bezug  auf  ihre  Ursachen  und 
Wirkungen  iiberall  angrenzt  an  anderes.  Da  sieht  man  nicht  bloB 
jenen  kleinen  Ausschnitt,  den  die  Sinneswelt  vorfiihrt,  sondern  da 
lernt  man  begreifen,  daB  das,  was  uns  in  der  Sinneswelt  vor  Augen 
tritt,  nur  der  Ausdruck  eines  Geistigen  ist.  Daher  sieht  Johannes 
Thomasius  mit  seinem  geistigen  Auge  den  Mann,  der  ihm  zuerst 
auf  dem  physischen  Plan  entgegengetreten  ist,  Capesius,  nicht  wie 
er  jetzt  ist,  sondern  wie  er  Jahrzehnte  vorher  war  als  junger  Mann. 
Und  er  sieht  den  anderen,  den  Strader,  nicht  in  der  Gestalt,  die  er 
in  der  Gegenwart  hat,  sondern  er  sieht  ihn  prophetisch  voraus,  wie 
er  werden  muB,  wenn  er  sich  in  derselben  Art  weiterentwickelt,  wie 
er  eben  in  jener  Gegenwart  ist.  Erst  dann  verstehen  wir  den  Augen- 
blick,  wenn  wir  diesen  Augenblick  iiber  die  Gegenwart  hinauszu- 
dehnen  verstehen  in  die  Vergangenheit  und  in  die  Zukunft  hinein. 
Dann  aber  tritt  uns  entgegen  dasjenige,  woran  wie  mit  Geistesfaden 
alles  Geschehen  der  Gegenwart  hangt:  dann  tritt  uns  entgegen  die 
geistige  Welt,  mit  der  der  Mensch  immer  in  Beziehung  ist,  wenn  er 
es  auch  mit  seinem  auBeren  physischen  Verstand,  mit  seiner  auBeren 
Sinnlichkeit  nicht  zu  durchschauen  vermag. 

Glauben  Sie  es  mir,  es  ist  nicht  etwa  ein  Bild,  nicht  etwa  ein 
Symbol,  es  ist  realistisch  geschildert,  wenn  in  der  Szene,  wo  der 
junge  Capesius  aus  voller,  fur  die  Sinneswelt  berechtigter  Herzens- 
empfindung  heraus  seine  Ideale  entwickelt  —  die  aber  gegeniiber 
der  geistigen  Welt  das  eine  haben,  daB  sie  eben  bloB  in  der  auBeren, 
durch  die  Sinne  wahrnehmbaren  Welt  wurzeln  — ,  wenn  da  gezeigt 
wird,  daB  das,  was  er  und  was  Strader  sagen,  die  Elemente  aufriit- 
telt,  den  Blitz  und  Donner  entfesselt.  Der  Mensch  ist  kein  isoliertes 
Wesen.  Das,  was  der  Mensch  in  seinem  Worte  ausspricht,  in  seinem 
Gedanken  wirksam  hat,  was  in  des  Menschen  Gefiihlen  lebt,  das 
steht  mit  dem  ganzen  Kosmos  im  Zusammenhang,  und  jedes  Wort, 
jedes  Gefiihl,  jeder  Gedanke  setzt  sich  fort.  Ohne  daB  es  der  Mensch 
weiB,  ist  sein  Irrtum,  sein  falsches  Gefiihl  zerstorerisch  in  den  Ele- 
mentarreichen  unseres  Daseins.  Und  was  sich  dem,  der  den  Weg 


zur  Erkenntnis  geht,  vor  alien  Dingen  auf  die  Seele  legt  aus  diesen 
ersten  Erfahrungen  in  der  geistigen  Welt  heraus,  das  ist  das  groBe 
Verantwortlichkeitsgefiihl,  das  uns  sagt:  « Was  du  als  Mensch  tust, 
das  ist  nicht  bloB  auf  dem  isolierten  Platze  getan,  auf  dem  sich 
deine  Lippen  bewegen,  auf  dem  du  denkst,  auf  dem  dein  Herz 
schlagt:  das  gehort  der  ganzen  Welt  an.  Ist  es  fruchtbar,  so  ist  es 
fruchtbar  in  der  ganzen  Welt;  ist  es  ein  zerstorender  Irrtum,  so  ist 
es  eine  zerstdrende  Kraft  in  der  ganzen  Welt.» 

Alles  das,  was  wir  in  dieser  Weise  durchleben  konnen  beim  Auf- 
stieg,  das  wirkt  wiederum  weiter  in  unserer  Seele.  Hat  es  in  der 
richtigen  Weise  gewirkt,  dann  drangt  es  uns  hinauf  in  hohere  Re- 
gionen  des  geistigen  Lebens,  wie  sie  versucht  worden  sind  zu  schil- 
dern  in  dem  devachanischen  Gebiete,  in  das  die  Seele  der  Maria  mit 
ihren  Genossinnen  dem  Johannes  Thomasius  vorausgegangen  ist. 
Nehmen  Sie  es  nicht  als  abstrakten  Gedanken,  sondern  als  eine 
spirituelle  Realitat,  wenn  ich  sage,  daB  diese  drei  Helferinnen, 
Philia,  Astrid  und  Luna,  die  Krafte  sind,  die  wir  in  abstracto,  wenn 
wir  fiir  den  physischen  Plan  reden,  als  Empfindungsseele,  Verstan- 
desseele  und  BewuBtseinsseele  bezeichneri.  Aber  geben  Sie  sich 
nicht  jener  Illusion  hin,  daB  damit  etwas  getan  ist,  wenn  man  in 
einem  kiinstlerisch  gedachten  Werk  die  einzelnen  Gestalten  mit 
abstrakten  BegrifTen  zu  symbolisieren  versucht.  So  sind  sie  nicht 
gemeint.  Sie  sind  als  reale  Gestalten,  als  wirksame  Krafte  gedacht. 
Sie  finden  im  Devachan  nicht  etwa  Tafeln,  auf  denen  steht  Emp- 
findungsseele, Verstandesseele,  BewuBtseinsseele;  Sie  finden  dort 
wirkliche  Wesenheiten,  so  real  fiir  die  Geisteswelt,  wie  nur  immer 
ein  Mensch  in  Fleisch  und  Blut  auf  dem  physischen  Plan  sein  kann. 
Der  Mensch  sollte  sich  bewuBt  sein,  daB  er  den  Dingen  ihren  Reich- 
turn  nimmt,  wenn  er  alles  mit  symbolischen  Abstraktionen  zu  be- 
legen  versucht.  Johannes  Thomasius  hat  in  der  Welt,  die  er  bis  da- 
hin  durchschritten  hat,  nur  das  durchlebt,  was  man  nennen  konnte: 
in  Bildform  breitete  sich  vor  seinem  Seelenauge  aus  die  geistige 
Welt.  Ob  er  nun  selbst  als  subjektive  Wesenheit  der  Veranlasser  ist 
dieser  Welt,  ob  sie  eine  in  sich  begriindete  Wahrheit  hat,  das  konnte 
er  bis  dahin  nicht  entscheiden.  Wieviel  von  dieser  Welt  Illusion, 


wieviel  Wirklichkeit  ist,  das  muBte  er  erst  in  jenem  hoheren  Ge- 
biete,  in  dem  er  der  Seele  der  Maria  begegnete,  zur  Entscheidung 
bringen. 

Denken  Sie  sich  einmal,  Sie  wiirden  in  einer  Nacht,  wenn  Sie 
eingeschlafen  sind,  plotzlich  in  eine  ganz  andere  Welt  versetzt  und 
Sie  konnten  nichts,  aber  auch  gar  nichts  in  dieser  anderen  Welt 
finden,  was  Ihnen  einen  Ankniipfungspunkt  bote  an  das,  was  Sie 
vorher  schon  erlebt  haben.  Da  waren  Sie  iiberhaupt  nicht  derselbe 
Mensch,  dasselbe  Wesen.  Sie  miissen  die  Moglichkeit  haben,  irgend 
etwas  hiniiberzunehmen  in  die  andere  Welt  und  es  dort  wiederzu- 
schauen,  so  daB  Ihnen  die  Wahrheit  verbiirgt  ist.  Das  kann  man  fur 
die  Geisteswelt  nur  dadurch,  daB  man  sich  schon  in  dieser  Welt 
einen  festen  Stiitzpunkt  erwirbt,  der  einem  Wahrheks-Sicherheit 
gibt.  In  dramatischer  Darstellung  sollte  das  so  gegeben  werden,  daB 
Johannes  Thomasius  auf  dem  physischen  Plane  nicht  nur  mit  seinen 
Aifekten,  mit  seinen  Leidenschaften,  sondern  mit  seinen  Herzens- 
tiefen  verbunden  ist  der  Wesenheit  der  Maria,  so  daB  er  ein  Geistig- 
stes  in  dieser  Verbindung  erlebt  schon  auf  dem  physischen  Plan. 
Nur  daher  konnte  das  jener  Schwerpunkt  auch  in  der  geistigen  Welt 
sein,  von  dem  aus  sich  alles  iibrige  in  der  geistigen  Welt  bewahr- 
heitet.  Dadurch  stromt  Wahrheits-Sicherheit  iiber  alles  iibrige  in 
der  geistigen  Welt  aus,  daB  Johannes  Thomasius  einen  Stiitzpunkt 
findet,  den  er  schon  in  der  physischen  Welt  anders  als  durch  die 
bloBen  Trugbilder  der  Sinnlichkek  oder  des  Verstandes  kennen- 
gelernt  hat.  Dadurch  verkniipfen  sich  ihm  die  beiden  Welten,  da- 
durch wird  er  reif,  in  realer  Weise  sein  Gedachtnis  auszudehnen 
iiber  verflossene  Lebenslaufe  und  damit  seelisch  hinauszuwachsen 
iiber  die  Sinneswelt,  wie  sie  uns  umgibt. 

Deshalb  tritt  an  diesem  Punkte  etwas  auf,  was,  wenn  man  so 
sagen  darf,  ein  gewisses  Mysterium  der  geistigen  Welt  umschlieBt. 
Theodora,  die  auf  dem  physischen  Plan  in  die  Zukunft  sieht  und 
das  bedeutsame  Ereignis,  vor  dem  wir  stehen,  die  neue  Erscheinung 
der  Christus-Gestalt,  vorauszusehen  in  der  Lage  ist  —  auf  dem  gei- 
stigen Plane  ist  sie  fahig,  die  Bedeutung  des  Vergangenen  vor  die 
Seele  zu  rufen.  Alles  muB,  wenn  es  realistisch  dargestellt  wird,  in 


der  spirituellen  Welt  so  dargestellt  werden,  wie  es  wirklich  ver- 
lauft.  Die  Vergangenheit  wird  mit  ihren  Kraften  in  ihrer  Bedeu- 
tung  fiir  die  Wesen,  die  im  Devachan  leben,  dadurch  bedeutsam, 
daB  die  entgegengesetzten  Krafte  dort  entfaltet  werden,  die  wir  hier 
auf  dem  physischen  Plan  als  prophetische  Krafte  wahrnehmen.  Es 
ist  eine  realistische  Schilderung,  daB  die  Theodora  auf  dem  phy- 
sischen Plan  die  Seherin  in  die  Zukunft,  auf  dem  geistigen  Plan  das 
Gewissen  und  die  Gedachtnis-Erweckerin  fiir  das  Vergangene  ist 
und  so  jenen  Moment  herbeifiihrt,  durch  den  Johannes  Thomasius 
in  seine  eigene  Vergangenheit  zuriickschaut,  in  der  er  schon  verbun- 
den  war  mit  der  Individualist  der  Maria.  So  ist  er  vorbereitet,  dann 
in  seinem  weiteren  Leben  alles  das  durchzumachen,  was  ihn  zu 
einem  bewuBten  Erkennen  der  geistigen  Welt  fuhrt.  Und  Sie  sehen, 
wie  auf  der  einen  Seite  die  Seele  zu  etwas  ganz  anderem  wird,  wenn 
sie  durchjSossen,  durchstrdmt  ist  mit  den  Erfahrungen  der  geistigen 
Welten,  wie  alle  Dinge  in  einem  neuen  Licht  erscheinen.  Wie  das, 
was  uns  sonst  Qualen  und  Schmerzen  verursacht,  wenn  wir  es  als 
anderes  Selbst  im  eigenen  Selbst  erleben,  uns  Trost  und  Hoffnung 
gibt,  wie  das  Ausgeflossensein  in  die  Welt  uns  groB  und  bedeutsam 
macht;  und  wir  sehen,  wie  der  Mensch  sozusagen  hineinwachst  in 
jene  Teile  des  Weltenalls.  Wir  sehen  aber  auch,  wie  der  Mensch 
durchaus  nicht  hochmiitig  werden  darf ,  wie  der  Irrtum,  die  Irrtums- 
moglichkeit  durchaus  noch  nicht  von  seiner  Seite  gewichen  ist  und 
wie  es  moglich  ist,  daB  Johannes  Thomasius,  der  schon  vieles,  vieles 
erkannt  hat  von  den  geistigen  Welten,  dennoch  in  dem  Augenblick 
geistig  so  empfinden  konnte,  als  wenn  der  leibhafte  Teufel  zur 
Tiir  hereinkame,  wahrend  ihm  sich  nahert  sein  groBter  Wohltater, 
Benedictus. 

Wie  das  moglich  ist,  so  sind  auf  dem  geistigen  Plane  unzahlige 
Tauschungen  der  verschiedensten  Art  moglich.  Das  darf  niemanden 
kleinmiitig  machen;  das  muB  aber  jeden  so  stimmen,  daB  er  auf  der 
einen  Seite  die  Vorsicht  gebrauchen  muB  gegemiber  der  geistigen 
Welt,  daB  er  auf  der  anderen  Seite  mutvoll  und  kiihn  auch  der 
Moglichkeit  eines  Irrtums  entgegenschauen  muB  und  keineswegs 
kleinmiitig  werden  darf,  wenn  irgendwie  sich  etwas  darbietet,  was 


wie  ein  irrtiimlkher  Bericht  aus  einer  geistigen  Welt  heraus  sich 
zeigt.  Durch  alle  diese  Dinge  muB  der  Mensch  ganz  real  durch- 
gehen,  wenn  er  sich  wirklich  dem  nahern  will,  was  man  nennen 
kann  den  Tempel  der  Erkenntnis,  wenn  er  zum  wirklichen  Ver- 
standnis  derjenigen  vier  groBen  Gewalten  der  Welt  aufsteigen  will, 
welche  das  Weltenschicksal  in  einer  gewissen  Beziehung  lenken 
und  leiten  und  die  reprasentiert  sind  durch  die  vier  Hierophanten 
des  Tempels. 

Wenn  wir  ein  Gefiihl  davon  erhalten,  daB  die  Seele  solches 
durchmachen  muB,  ehe  sie  fahig  ist,  zu  schauen,  wie  aus  der  gei- 
stigen, aus  der  spirituellen  Welt  heraus  die  sinnliche  flieBt,  und 
wenn  wir  uns  so  stimmen,  daB  wir  die  Urgriinde  der  Welt  nicht  in 
banaler  Weise  mit  alltaglichen  Worten  bezeichnen  wollen,  sondern 
daB  wir  den  inneren  Wert  der  Worte  uns  erst  aneignen  wollen, 
dann  nur  konnen  wir  eine  Ahnung  davon  erhalten,  wie  die  Urworte 
gemeint  sind,  mit  denen  uns  im  Beginn  der  Bibel  die  Schopfung 
charakterisiert  wird.  Wir  miissen  fuhlen,  daB  wir  uns  abgewohnen 
mussen  die  gewohnliche  Bedeutung,  die  wir  in  unserer  Seele  tragen 
von  den  Worten  «Himmel  und  Erde»,  «scha£Fen»,  «Licht  und  Fin- 
sternis»  und  all  den  anderen  Worten.  Wir  mussen  uns  abgewohnen 
die  Empfindungen,  die  wir  im  Alltage  gegeniiber  diesen  Worten 
hegen,  und  wir  mussen  uns  ein  wenig  entschlieBen,  fur  diesen  Vor- 
tragszyklus  neue  Empfindungsnuancen,  neue  Wortwerte  in  unsere 
Seele  zu  legen,  damit  wir  nicht  bloB  das  horen,  was  in  den  Ideen 
liegt,  sondern  damit  wir  es  so  horen  konnen,  wie  es  gemeint  ist  und 
wie  es  nur  aufgefaBt  werden  kann,  wenn  wir  dem,  was  aus  dunklen 
Weltgebieten  zu  uns  hereinspricht,  mit  einer  eigens  dazu  gestimm- 
ten  Seele  begegnen. 

In  einer  ganz  kurzen  Wortskizze  versuchte  ich  Ihnen  zu  sagen, 
was  wir  Ihnen  gestern  gezeigt  hatten.  DaB  wir  das  unter  verhaltnis- 
maBig  schwierigen  Umstanden  zeigen  konnten,  das  war  wiederum 
nur  moglich  durch  die  treue,  hingebungsvolle  Arbeit  vieler  unserer 
anthroposophischen  Freunde.  Und  lassen  Sie  mich  es  auch  ausspre- 
chen,  was  mir  das  tiefste  Herzensbediirfnis  ist,  daB  ich  selbst  und 
wohl  alle,  die  etwas  davon  wissen,  nicht  genug  danken  konnen 


alien,  welche  mit  uns  zusammen  gearbeitet  haben,  um  diesen  Ver- 
such,  denn  ein  Versuch  sollte  es  nur  sein,  einmal  wagen  zu  diirfen. 
Er  wurde  wirklich  nicht  unter  den  leichtesten  Verhaltnissen  gewagt; 
es  muBten  diejenigen,  die  mitarbeiteten,  dutch  Wochen  hindur  ch  und 
insbesondere  noch  in  der  letzten  Woche  mit  vollem  Einsatz  ihrer 
Krafte  arbeiten,  hingebungsvoll  arbeiten.  Und  wir  diirfen  es  als 
eine  schone  Errungenschaft  unseres  anthroposophischen  Lebens  be- 
zeichnen,  daB  wir  in  unserer  Mitte  Kiinstler  haben,  welche  uns  jetzt 
schon  durch  zwei  Jahre  hindurch  txeu  mit  ihrer  kiinstlerischen 
Kraft  zur  Seite  stehen.  Da  lassen  Sie  mich  vor  alien  Dingen  unseres 
lieben  Freundes  Doser  gedenken,  der  nicht  nur  im  vorigen  und  in 
diesem  Jahre  sich  der  schwierigen  Aufgabe  unterzogen  hat,  den 
Phosphoros  auf  die  Buhne  zu  bringen,  sondern  der  es  auch  izber- 
nommen  hat,  in  diesem  Jahre  diejenige  Gestalt  darzustellen,  die 
mir  ganz  besonders  auf  dem  Herzen  lag  und  die  fiir  das,  was  wir 
gestern  zu  zeigen  versuchten,  unendlich  wichtig  ist:  die  Gestalt  des 
Capesius.  Vielleicht  werden  Sie  erst  nach  und  nach  spiiren,  warum 
gerade  diese  Capesiusgestalt  eine  ganz  besonders  wichtige  ist.  Und 
auch  die  andere  Gestalt,  die  Gestalt  des  Strader,  die  unser  lieber 
Seiling  brachte,  der  uns  nun  schon  zwei  Jahre  treu  zur  Seite  steht, 
auch  diese  Gestalt  ist  insbesondere  in  diesem  Zusammenhang  von 
groBer  Wichtigkeit.  Dabei  darf  ich  nicht  unerwahnt  lassen,  wie 
unser  lieber  Herr  Seiling  durch  seine  ganz  eigenartige  Stimm- 
begabung,  ich  kann  sie  nicht  anders  nennen,  uns  da  zur  Seite  steht, 
wo  es  sich  darum  handelt,  sinnbildlich  hereinspielen  zu  lassen  die 
geistige  Welt  in  die  physische.  All  das  Liebe  und  herrlich  Be- 
friedigende,  das  Sie  in  den  Geisterstimmen  vernehmen  konnten, 
verdanken  wir  ja  dieser  ganz  auBerordentlichen  Begabung  insbeson- 
dere nach  dieser  Richtung  hin. 

Und  es  obliegt  mir,  vor  alien  Dingen  zu  danken  denjenigen,  die 
in  den  Hauptrollen  ihre  voile  Kraft  eingesetzt  haben,  trotzdem  sie 
auf  dem  anthroposophischen  Felde  noch  mancherlei  anderes  in 
dieser  Zeit  und  iiberhaupt  die  ganzen  Jahre  hindurch  zu  tun  hatten. 
Es  darf  gesagt  werden,  daB  vielleicht  nur  auf  anthroposophischem 
Felde  die  Kraft  so  erwachsen  kann,  die  Fraulein  von  Sivers  instand 


setzte,  in  zwei  aufeinanderfolgenden  Tagen  zwei  so  groBe  Rollen, 
wie  die  Kleonis  und  die  Maria  es  sind,  auf  die  Bretter  zu  bringen. 
Derlei  ist  nur  moglich  bei  Einsetzung  der  vollen  Krafte,  die  ein 
Mensch  einzusetzen  hat.  Und  mit  ganz  besonders  dankerfulltem 
Herzen  mochte  ich  der  Darstellerin  des  Johannes  Thomasius  selbst 
an  diesem  Orte  gedenken,  und  es  wird  mir  insbesondere  eine  tiefe 
Befriedigung  gewahren,  wenn  diese  Gestalt  des  Johannes  Thoma- 
sius, in  der  ja  sehr,  sehr  viel  von  dem,  was  wir  anthroposophisches 
Leben  nennen,  liegt,  wenn  diese  Gestalt  ein  wenig  verkniipft  bleibt 
mit  der  ersten  Darstellerin  dieses  Johannes  Thomasius.  DaB  das 
iiberhaupt  moglich  geworden  ist  unter  den  hier  nicht  weiter  zu 
charakterisierenden  schwierigen  Umstanden,  das  ist  nur  der  ganz 
intensiven,  hingebungsvoilen  Art  zu  verdanken,  welche  unser  liebes 
Fraulein  Waller  fiir  die  anthroposophische  Sache  empfindet.  Und 
wenn  ich  Ihnen  erzahlen  wiirde,  unter  welchen  Schwierigkeiten, 
wegen  der  Kiirze  der  Zeit,  Fraulein  Waller  sich  in  diese  Rolle  des 
Johannes  Thomasius  hineinleben  muBte,  Sie  wiirden  wahrschein- 
lich  recht  sehr  erstaunen.  Alle  diese  Dinge,  die  unter  uns  passieren, 
die  in  unserer  anthroposophischen  Arbeit  sich  vollziehen,  sie  gehen 
uns  an,  da  wir  in  geistigem  Sinn  eine  anthroposophische  Familie 
sind.  Daher  sollen  wir  uns  denen  zu  Dank  verpflichtet  fuhlen,  die 
sich  fiir  uns  alle  in  einer  so  hingebungsvoilen  Weise  soldier  Auf- 
gabe  widmeten,  einer  Aufgabe,  die  in  dieser  Weise  zu  losen  viel- 
leicht  —  ich  bitte  immer  wieder  zu  beriicksichtigen,  daB  der  AuBen- 
stehende  die  schwierigen  Verhaltnisse  gar  nicht  zu  beurteilen  ver- 
mag  —  einer  anderen  Personlichkeit  iiberhaupt  nicht  moglich  gewe- 
sen  ware.  Und  an  diesen  Worten  mogen  Sie  die  ganze  GroBe,  die 
Hingebung,  die  die  Darsteller  in  den  letzten  Tagen  und  Wochen 
entwickelt  haben,  erkennen  und  ermessen,  wie  berechtigt  es  ist, 
auch  von  einem  tiefen  Danke  gerade  in  diesem  Augenblick  hier  zu 
sprechen. 

Ich  wiirde  lange,  lange  sprechen  miissen,  wenn  ich  all  derer  im 
einzelnen  gedenken  wollte,  die  zu  dieser  Arbeit  des  gestrigen  Tages 
sich  mit  uns  vereint  haben.  Lassen  Sie  einmal  vor  alien  Dingen  uns 
des  Mannes  gedenken,  der  da,  wo  es  in  unseren  Reihen  gilt,  etwas 


im  Sinne  der  Anthroposophie  zu  tun,  immer  mit  dem,  worauf  es 
ankommt,  mit  dem  vollsten  Herzen  und  seinem  ganzen  Konnen 
auf  dem  Platze  ist,  lassen  Sie  uns  unseres  lieben  Freundes  Arenson 
gedenken,  der  uns  sowohl  im  vorigen  Jahre  wie  auch  diesmal  mit 
seinem  schonen  musikalischen  Konnen  unterstutzt  hat  und  der  es 
moglich  gemacht  hat,  da6  wir  sowohl  «Die  Kinder  des  Luzifer» 
wie  auch  das,  was  wir  gestern  versuchten,  an  den  entsprechenden 
Stellen  in  wiirdiger  Weise  uberleiten  konnten  in  etwas,  was  nur  aus 
der  Tonwelt  heraus  zu  empfinden  ist.  Und  lassen  Sie  mich  gedenken 
unserer  lieben  kunstlerischen  Freunde  hier  in  Miinchen.  Sie  hatten 
reichlich  Gelegenheit,  in  den  beiden  Tagen  zu  sehen,  wie  versucht 
worden  ist,  alles  auch  fur  das  auBere  Auge  in  Einklang  zu  bringen 
mit  dem  gesprochenen  Worte  und  der  gehorten  Musik.  Sie  haben 
gesehen,  wie  bis  auf  den  letzten  Farbenfleck  hin,  bis  auf  die  letzte 
Form  hin  versucht  worden  ist,  alles  zu  einer  Einheit  zu  gestalten. 
Wenn  das  in  irgendeiner  Weise  moglich  geworden  ist,  so  danken 
wir  es  der  verstandnisvollen  Art,  mit  welcher  unsere  kunstlerischen 
Freunde  hier,  Herr  Volkert,  Herr  Linde,  unser  lieber  Herr  HaJ3, 
herzlichst  bei  allem,  um  was  es  sich  handelte,  mitarbeiteten,  um 
das,  was  getan  werden  sollte,  in  einer  wiirdigen  Art  geschehen  zu 
lassen. 

Und  solche  Dinge  sind  ja  nur  dann  moglich,  wie  ich  schon  im 
Eingang  sagte,  wenn  jeder  aus  freiem  hingebungsvollem  Herzen 
arbeitet.  Auch  in  diesem  Jahre  darf  in  ganz  besonderer  Weise  ge- 
dacht  werden  der  Arbeit,  die  kaum  leicht  uberschaut  werden  kann, 
die  aber  durch  Wochen  einen  ganzen  Menschen,  eine  ganze  Seele 
und  ein  ganzes  Herz  in  Anspruch  nahm,  der  Arbeit,  all  das,  was  an 
Kostiimen  erf orderlich  war,  in  der  richtigen  Weise  zu  erstellen.  Und 
das  hat  ebenso  wie  im  vorigen  Jahre  auch  diesmal  ganz  allein  auf 
unserem  lieben  Fraulein  von  Eckardtstein  gelastet.  Dem  hat  sie 
sich  gewidmet,  und  nicht  nur  mit  Hingebung,  sondern,  worauf  es 
ankommt,  auch  mit  intensivstem  Verst'andnis  fur  alles  einzelne  und 
fur  alles  GroBe,  das  man  dabei  niemals  aus  dem  Auge  verlieren  darf. 

Das  alles  sind  aber  nur  kleine  Andeutungen  dessen,  was,  wie 
gesagt,  aus  dem  anthroposophischen  Familiengefuhl  heraus  heute 


einmal  gesagt  werden  muBte,  damit  jeder  einzelne  von  uns  weiB, 
wie  dieses  Zusammenarbeken  und  dieses  Zusammenwirken  gemeint 
ist.  Und  wenn  Sie  vorgestern  und  gestern  einige  Befriedigung  fur 
Ihre  Seele  und  fur  Ihr  Gemiit  empfunden  haben,  dann  lassen  Sie 
die  Empfindungen,  die  Ihre  Seele  durchdringen,  ein  wenig  hinstro- 
men  zu  denen,  deren  Namen  jetzt  genannt  worden  sind,  und  zu 
denjenigen,  die  Sie  als  Ihnen  wohlbekannte  Freunde  auf  der  Biihne 
gesehen  haben. 

Wir  wollten  mit  diesem,  wenn  ich  so  sagen  darf,  Markstein 
unseres  anthroposophischen  Wirkens  gleichsam  sagen,  wie  zu  den- 
ken  ist  das  HineinflieBen  der  anthroposophischen  Ideen,  des  anthro- 
posophischen Lebens  in  die  Kultur.  Und  ist  die  heutige  Menschheit 
audi  noch  nicht  geneigt,  in  die  iibrige  auBere  Kultur  aufzunehmen 
das,  was  aus  dem  spirituellen  Leben  flieBen  kann,  so  mochten  wir 
wenigstens  im  kunstlerischen  Bilde  zeigen,  wie  Leben  werden  kann, 
was  uns  an  Gedanken,  an  innerem  Leben  in  der  Seele  stromt  und 
uns  in  der  Seele  durchdringt.  Entzunden  konnen  sich  solche  Ge- 
fuhle  an  dem  Vorgefiihle,  daB  die  Menschheit  dennoch  aus  ihrer 
Gegenwart  einer  Zukunft  entgegengehen  wird,  in  der  sie  wird  fuh- 
len  konnen  das  Herabstromen  spirituellen  Lebens  durch  die  gei- 
stigen  und  seelischen  Adern  des  Menschen  auf  dem  physischen 
Plan;  daB  diese  Menschheit  entgegengehen  wird  einer  Zeit,  in  der 
sich  der  Mensch  empfinden  wird  als  Vermittler  zwischen  der  gei- 
stigen  Welt  und  der  physischen  Welt.  Und  daB  dieses  Vorgefiihl 
erwachen  konne,  dazu  waren  die  Veranstaltungen  gemacht. 

Und  wenn  wir  ein  solches  Vorgefiihl  haben,  dann  werden  wir 
auch  die  Moglichkeit  finden,  abgebrauchte  Worte,  die  den  Men- 
schen heute  mit  Empfindungswerten  vor  die  Seele  treten,  die  es  ihm 
unmoglich  machen,  ihren  vollen  Hinweis  zu  verstehen,  wieder  zu- 
riickzuversetzen  in  ihr  urspriingliches  Licht,  in  ihren  urspriinglichen 
Glanz.  Aber  niemand  wird  verstehen  das  Monumentale,  das  in  den 
Worten  liegt,  die  den  Ausgangspunkt  der  Bibel  bilden,  wenn  er  den 
Worten  jene  Pragung  gibt,  die  sie  heute  haben.  Wir  werden  selbst 
in  Gedanken  hinaufsteigen  miissen  in  die  Hohen,  zu  denen  wir 
Johannes  Thomasius  versuchten  hinaufsteigen  zu  lassen,  dorthin, 


wo  spirituelles  Leben  pulst,  wenn  wir  das  physische  Leben  auf  der 
Erde  verstehen  wollen.  In  gewisser  Beziehung  muB  in  diesen  gei- 
stigen  Welten  in  einer  ganz  anderen  Sprache  gesprochen  werden. 
Wir  Menschen  aber  miissen  den  Worten,  die  uns  hier  zur  Verfu- 
gung  stehen,  wenigstens  neue  Werte,  neue  Empfindungsnuancen 
geben  konnen,  etwas  anderes  verspiiren  konnen,  wenn  sie  bedeuten 
sollen  das,  wovon  uns  die  ersten  Satze  der  Bibel  sprechen,  wenn 
wir  verstehen  wollen  den  geistigen  Ursprung  unserer  physischen 
Welt. 


ZWEITER  VORTRAG 
Miinchen,  17.  August  1910 


Wenn  derjenige,  welcher  auf  dem  Boden  der  Geisteswissenschaft 
steht  und  einiges  von  dem  aufgenommen  hat,  was  aus  der  Anthro- 
posophie  heraus  iiber  die  Entwickelung  unserer  Welt  gesagt  werden 
kann,  vorzudringen  vermag  zu  jenen  gewaltigen  Worten,  die  am 
Ausgangspunkte  unserer  Bibel  stehen,  so  sollte  ihm  etwas  aufgehen 
konnen  wie  eine  vollig  neue  geistige  Welt.  Es  ist  wohl  kaum  irgend- 
einem  Dokumente  der  Menschheitsentwickelung  gegeniiber  die 
Moglichkeit,  sich  von  dem  wahren  Sinn  zu  entfernen,  eine  so  groBe 
wie  bei  diesem  Dokumente,  das  man  gewohnlich  die  Genesis,  die 
Beschreibung  des  sogenannten  Sechs-  oder  Siebentagewerks  nennt. 

Wenn  der  moderne  Mensch  in  irgendeiner  Sprache,  die  jetzt  dem 
Menschen  gelaufig  sein  kann,  Worte  in  seiner  Seele  wachruft,  wie 
etwa,  sagen  wir  in  der  deutschen  Sprache,  «Im  Urbeginne  schufen 
die  Gotter  die  Himmel  und  die  Erde»,  so  ist  das,  was  in  diesen 
Worten  liegt,  kaum  ein  schwacher  Abglanz,  kaum  ein  Schattenbild 
zu  nennen  von  dem,  was  lebendig  war  in  den  Seelen  derer,  die  im 
hebraischen  Altertum  die  Eingangsworte  der  Bibel  auf  sich  haben 
wirken  lassen.  Denn  es  kommt  diesem  Dokumente  gegeniiber  wahr- 
lich  zum  allergeringsten  Teil  darauf  an,  daB  wir  imstande  sind, 
moderne  Worte  an  die  Stelle  der  alten  zu  setzen.  Es  kommt  viel- 
mehr  darauf  an,  daB  wir  uns  durch  unsere  anthroposophische  Vor- 
bereitung  in  den  Stand  setzen,  wenigstens  einiges  von  dem  Stim- 
mungsgehalt  nachzufiihlen,  der  bei  einem  alten  hebraischen  Schiiler 
im  Herzen  und  in  der  Seele  lebte,  wenn  er  die  Worte  in  sich  leben- 
dig machte:  B'reschit  bara  elohim  et  haschamajim  w'et  ha'arez. 

Eine  ganze  Welt  lebte  in  den  Augenblicken,  da  ihm  solche  Worte 
durch  die  Seele  zuckten.  Was  fur  eine  Welt?  Womit  konnen  wir  die 
Innenwelt,  die  in  der  Seele  eines  solchen  Schiilers  lebte,  verglei- 
chen?  Nur  mit  dem  konnen  wir  sie  vergleichen,  was  in  der  Seele 
des  Menschen  vorgehen  kann,  der  jene  Bilder  geschildert  erhalt,  die 


der  Seher  erlebt,  wenn  er  in  die  geistigen  Welten  selber  hineinschaut. 

Was  wird  uns  denn  schlieBlich  geschildert  in  dem,  was  wir  die 
geisteswissenschaftliche  Lehre  nennen?  Wir  wissen,  die  Quellen 
dieser  Lehre  sind  die  Ergebnisse  des  Sehertums,  sind  die  lebendigen 
Anschauungen,  die  der  Seher  empfangt,  wenn  er  sich  in  seiner  gan- 
zen  Auffassung  freimacht  von  den  Bedingungen  der  sinnlichen 
Wahrnehmung  und  des  an  den  physischen  Leib  gebundenen  Ver- 
standes,  wenn  er  mit  geistigen  Organen  in  die  geistige  Welt  hinein- 
schaut. Das,  was  er  da  schaut  in  der  geistigen  Welt,  er  kann  es, 
wenn  er  es  in  die  Sprachen  der  physischen  Welt  iibersetzen  will,  nur 
in  Bildern  ausdriicken,  aber  in  Bildern,  welche,  wenn  die  Fahigkeit 
des  seherhaften  Darstellers  hinreicht,  in  entsprechender  Weise  eine 
Vorstellung  davon  hervorrufen  konnen,  was  der  Seher  selbst  er- 
schaut  in  den  geistigen  Welten.  Dann  kommt  allerdings  etwas  zu- 
stande,  was  nicht  verwechselt  werden  darf  mit  irgendeiner  Beschrei- 
bung  von  Dingen  oder  Ereignissen  der  physisch-sinnlichen  Welt, 
es  kommt  etwas  zustande,  bei  dem  man  sich  fortdauernd  bewuBt 
sein  muB,  daB  man  es  mit  einer  ganz  anderen  Welt  zu  tun  hat,  mit 
einer  Welt,  die  der  sinnlichen  zwar  zugrunde  liegt,  die  aber  im 
eigentlichen  Sinne  sich  in  keiner  Art  deckt  mit  den  Vorstellungen, 
Eindrucken  und  Wahrnehmungen  der  gewohnlichen  Sinneswelt. 

Will  man  sich  den  Ursprung  dieser  unserer  Sinneswelt  ein- 
schlieBlich  des  Menschen  vor  die  Seele  hinmalen,  dann  kann  man 
mk  seinem  Vorstellen  nicht  innerhalb  der  Sinneswelt  verbleiben. 
Alle  Wissenschaften,  welche  zu  den  Urspriingen  gehen  wollen  und 
nichts  mitbringen  als  Vorstellungen,  die  aus  der  Sinneswelt  entnom- 
men  sind,  konnen  nicht  zu  den  Urspriingen  des  sinnlichen  Daseins 
gelangen.  Denn  das  sinnliche  Dasein  wurzelt  in  dem  ubersinnlkhen 
Dasein,  und  wir  konnen  zwar  geschichtlich  oder  meinetwillen  geo- 
logisch  eine  lange  Strecke  weiter  und  immer  weiter  zuriickgehen; 
wollen  wir  aber  bis  zu  den  Urspriingen  dringen,  dann  miissen  wir 
uns  bewuBt  sein,  daB  wir  von  einem  bestimmten  Punkte  ab  in  ur- 
ferner  Vergangenheit  das  Feld  des  Sinnlichen  verlassen  und  hinauf- 
dringen  miissen  in  Gebiete,  die  nur  ubersinnlich  zu  fassen  sind. 
Dasjenige,  was  man  die  Genesis  nennt,  beginnt  nicht  mit  der  Dar- 


stellung  irgendeines  Sinnlichen,  nicht  mit  der  Darstellung  von 
irgend  etwas,  was  Augen  sehen  konnten  in  der  aufieren  physischen 
Welt.  Und  wir  werden  im  Verlaufe  der  Vortrage  uns  hinlanglich 
davon  iiberzeugen,  wie  irrtiimlich  es  ware,  wenn  man  die  Worte  der 
ersten  Partien  der  Genesis  auf  Dinge  oder  Ereignisse  beziehen 
wollte,  die  ein  auBerliches  Auge  sehen  kann,  die  wir  erleben  kon- 
nen,  wenn  wir  mit  den  aufieren  Sinnesorganen  unseren  Umblick  in 
der  Welt  halten.  Solange  man  daher  mit  den  Worten  «Himmel  und 
Erde»  noch  irgend  etwas  verbindet,  was  einen  Rest  enthalt  von 
sinnlich  Sichtbarem,  so  lange  ist  man  nicht  da  angekommen,  wohin 
die  ersten  Partien  der  Genesis  zielen.  In  der  Gegenwart  ist  es  kaum 
moglich,  anders  hineinzuleuchten  in  die  Welt,  auf  die  hiermit  hin- 
gedeutet  wird,  als  durch  die  Geisteswissenschaft.  Aber  durch  diese 
Geisteswissenschaft  gibt  es  in  gewissem  Sinne  auch  eine  Moglich- 
keit,  heranzutreten  an  das,  was  man  nennen  mochte  das  Mysterium 
der  Urworte,  mit  denen  die  Bibel  beginnt,  und  etwas  nachzufuhlen 
von  dem,  was  in  diesen  Urworten  liegt. 

Worin  besteht  denn  eigentlich  das  ganz  Eigenartige  dieser  Ur- 
worte? Wenn  ich  mich  zunachst  abstrakt  ausdriicken  darf,  so  mufi 
ich  sagen,  es  besteht  darin,  daB  sie  in  hebraischer  Sprache  geschrie- 
ben  sind,  in  einer  Sprache,  die  ganz  anders  auf  die  Seele  wirkt,  als 
irgendeine  moderne  Sprache  wirken  kann.  Wenn  diese  Sprache,  in 
der  die  ersten  Partien  der  Bibel  uns  zunachst  vorliegen,  heute  auch 
nkht  mehr  so  wirkt,  einstmals  hat  sie  so  gewirkt,  daB,  wenn  ein 
Buchstabe  durch  die  Seele  lautete,  ein  Bild  in  ihr  wachgerufen 
wurde.  Vor  der  Seele  dessen,  der  mit  lebendigem  Anteil  die  Worte 
auf  sich  wirken  lieB,  tauchten  in  einer  gewissen  Harmonie,  ja  in 
einer  organischen  Form  Bilder  auf,  die  sich  vergleichen  lassen  mit 
dem,  was  der  Seher  heute  noch  sehen  kann,  wenn  er  von  dem  Sinn- 
lichen  zum  Ubersinnlichen  vorschreitet.  Man  mochte  sagen,  die 
hebraische  Sprache,  oder  besser  gesagt  die  Sprache  der  ersten  Par- 
tien der  Bibel,  war  eine  Art  von  Mittel,  aus  der  Seele  herauszurufen 
bildhafte  Vorstellungen,  welche  nahe  heranriickten  an  die  Gesichte, 
die  der  Seher  erhalt,  wenn  er  fahig  wird,  leibfrei  zu  schauen  in  die 
ubersinnlichen  Partien  des  Daseins. 


Deshalb  wird,  urn  diese  gewaltigen  Urworte  der  Menschheit 
einigermaBen  lebendig  vor  die  Seele  hinzustellen,  notwendig  sein, 
daB  man  absieht  von  allem  Schattenhaften,  von  allem  Blassen,  das 
irgendeine  moderne  Spr ache  in  ihren  Wirkungen  auf  die  Seele  hat, 
und  daB  man  sich  einen  Begriff  verschafft  von  dem  gewaltig  Lebens- 
vollen,  dem  Aufriittelnden  und  Schopferischen,  das  irgendeine  Laut- 
folge  in  dieser  alten  Sprache  hatte.  Und  so  ist  es  von  unendlicher 
Wichtigkeit,  daB  wir  im  Verlaufe  dieser  Vortrage  auch  versuchen, 
ein  wenig  vor  unsere  Seele  hinzustellen  jene  Bilder,  die  da  auf- 
tauchten  in  dem  althebraischen  Schiiler,  wenn  der  betreffende  Laut 
schopferisch  in  seiner  Seele  wirkte  und  ein  Bild  vor  diese  Seele  hin- 
stellte.  Sie  sehen  daraus,  daB  es  einen  ganz  anderen  Weg  geben 
muB,  in  diese  Urkunde  einzudringen,  als  alle  die  Wege,  die  heute 
gewahlt  werden,  um  irgendwelche  alte  Urkunden  zu  verstehen. 

Damit  habe  ich  einiges  von  den  Gesichtspunkten  angegeben, 
welche  uns  leiten  werden.  Wir  werden  nur  langsam  und  allmah- 
lich  vordringen  konnen  zu  dem,  was  uns  eine  lebendige  Vorstel- 
lung  dessen  geben  kann,  was  in  dem  althebraischen  Weisen  gelebt 
hat,  wenn  er  jene  gewaltigsten  Worte  auf  sich  wirken  lieB,  die  wir 
als  Worte  wenigstens  noch  in  der  Welt  haben.  So  wird  es  unsere 
nachste  Aufgabe  sein,  so  wenig  wie  moglich  an  Bekanntes  anzu- 
kniipfen  und  so  viel  wie  moglich  uns  freizumachen  von  alledem, 
was  wir  bisher  uns  vorstellten,  wenn  wir  von  Himmel  und  Erde, 
von  Gottern,  von  Erschaffen  und  Schaffen  und  von  einem  Ur- 
beginne  sprechen.  Und  je  mehr  wir  uns  freimachen  konnen  von 
dem,  was  wir  bisher  gefiihlt  haben  bei  solchen  Worten,  desto  besser 
werden  wir  in  den  Geist  eines  Dokumentes  eindringen,  das  aus  ganz 
anderen  Seelenbedingungen  heraus  sich  entwickelt  hat,  als  sie  in  der 
Gegenwart  herrschen.  Vor  alien  Dingen  aber  miissen  wir  uns  dar- 
iiber  verstandigen,  wovon  wir  denn  eigentlich  geisteswissenschaft- 
lich  reden,  wenn  wir  von  den  Einleitungsworten  der  Bibel  sprechen. 

Sie  wissen  ja,  aus  dem,  was  heute  der  seherischen  Forschung  mog- 
lich ist,  konnen  wir  den  Hergang,  die  Entwickelung  unserer  Erde 
und  des  Menschendaseins  in  gewissem  Sinn  beschreiben.  Und  es  ist 
von  mir  versucht  worden  in  meinem  Buche  «Die  Geheimwissen- 


schaft»,  aus  den  drei  unserem  Erdendasein  vorausgehenden  Stufen 
der  Entwickelung,  aus  dem  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondendasein, 
nach  und  nach  das  Erdendasein,  die  Erde,  als  den  Schauplatz,  als 
den  planetarischen  Schauplatz  des  Menschen  zu  beschreiben.  Und 
Sie  haben  gewiB  gegenwartig,  wenigstens  in  groBen  Ziigen,  was  da 
beschrieben  worden  ist.  Es  fragt  sich  nun:  Wohin  sollen  wir  das 
stellen,  was  mit  dem  gewaltigen  B'reschit  an  unsere  Seele  heran- 
riickt?  Wohin  sollen  wir  das  stellen  in  unserer  geisteswissenschaft- 
lichen  Beschreibung?  Wohin  gehort  es? 

Machen  wir  uns  einmal  klar  in  bezug  auf  einen  gewissen  Ge- 
sichtspunkt,  wie  wir  uns  das  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondendasein 
vor  Augen  malen  konnen.  Wenn  wir  kurz  den  Blick  zuriickwenden 
auf  den  alten  Saturn,  dann  steht  er  vor  unserer  Seele  bildhaft  als 
ein  Weltenkorper,  der  noch  nichts  von  dem  hat,  was  wir  gewohnt 
sind,  das  stoffliche  Dasein  urn  uns  herum  zu  nennen.  Er  ist  ein 
Weltenkorper,  der  von  alledem,  was  wir  in  unserer  Umgebung 
haben,  eigentlich  nur  das  Element  der  Warme  in  sich  hat.  Warme 
oder  Feuer,  in  sich  webendes  Warmeelement,  noch  nichts  von  Luft, 
nichts  von  Wasser,  nichts  von  fester  Erde  ist  zu  finden  auf  dem 
alten  Saturn,  so  daB  da,  wo  er  am  dichtesten  ist,  er  lebende,  we- 
bende  Warme  ist.  Und  wir  wissen,  daB  dann  das  Dasein  vordringt 
zum  sogenannten  Sonnendasein.  Da  haben  wir  dann  zu  der  weben- 
den,  lebenden  Warme  eine  Art  luft-  oder  gasformiges  Element 
hinzukommend,  und  wir  stellen  uns  bildhaft  den  planetarischen 
Zustand  der  Sonne  richtig  vor,  wenn  wir  uns  ihn,  soweit  er  als 
elementarischer  Zustand  in  Betracht  kommt,  denken  als  ein  Inein- 
anderweben  und  Ineinanderleben  gasiger,  luftformiger  Elemente 
und  Warmeelemente.  Wir  haben  dann  als  dritten  Zustand  in  der 
Entwickelung  unseres  Erdendaseins  den  sogenannten  Monden- 
zustand  zu  betrachten.  Bei  diesem  kommt  zur  Warme  und  zur  Luft 
dasjenige  hinzu,  was  wir  den  wasserigen  elementarischen  Zustand 
nennen  konnen.  Noch  nichts  von  dem,  was  wir  in  unserem  heutigen 
irdischen  Dasein  das  erdige,  das  feste  Element  nennen,  ist  wahrend 
dieses  alten  Mondenzustandes  vorhanden.  Aber  ein  Eigentiimliches 
tritt  auf  wahrend  dieses  alten  Mondendaseins:  es  teilt  sich  die  frii- 


here  Einheit,  in  der  unser  planetarisches  Dasein  verlaufen  ist.  Wenn 
wir  auf  den  alten  Saturn  blicken,  so  erscheint  er  uns  als  eine  Einheit 
von  in  sich  webender  Warme,  Noch  die  alte  Sonne  erscheint  uns 
als  in  sich  webende  Gas-  und  Warmeelemente.  Wahrend  des  Mon- 
dendaseins  tritt  eine  Spaltung  eines  Sonnenhaften  und  eines  Mond- 
haften  auf.  Und  erst  dann,  wenn  wir  zu  der  vierten  Stufe  unserer 
planetarischen  Entwkkelung  kommen,  sehen  wir,  wie  zu  den  frii- 
heren  elementarischen  Zustanden,  zu  dem  feurigen  oder  warme- 
haften,  zu  dem  luftformigen,  zu  dem  wasserigen  Elemente  das  in 
sich  feste,  das  erdhafte  Element  hinzutritt.  Damit  dieses  feste  Ele- 
ment in  unserem  planetarischen  Dasein  auftreten  konnte,  mufite 
sich  die  Spaltung,  die  schon  wahrend  des  Mondendaseins  statt- 
gefunden  hatte,  wiederholen.  Das  Sonnenhafte  muBte  noch  einmal 
herausgehen  aus  unserem  planetarischen  Erdenhaften.  So  daB  wir 
einen  gewissen  Zeitpunkt  in  der  Entwkkelung  unseres  Planeten 
haben,  wo  aus  einem  gemeinsamen  planetarischen  Zustande,  in  dem 
noch  ineinander  verwoben  sind  die  Elemente  des  Feuers,  der  Luft 
und  des  Wassers,  auseinandertreten  das  dichtere  erdige  Element  und 
das  feinere  luftartige  Sonnenelement.  Und  nur  in  diesem  Erdhaften 
konnte  sich  das  bilden,  das  sich  verdichten,  was  wir  heute  als  das 
Feste  bezeichnen. 

Halten  wir  einmal  diesen  Moment  fest,  wo  aus  einem  gemein- 
samen planetarischen  Verhaltnis  das  Sonnenhafte  heraustritt  und 
fortan  von  auBen  seine  Krafte  unserem  Erdhaften  zusendet.  Halten 
wir  daran  fest,  daB  damals  auch  die  Moglichkeit  gegeben  war,  daB 
sich  in  dem  Erdhaften  das  Feste,  das,  was  wir  heute  im  stofflichen 
Sinne  das  Feste  nennen,  vorbereitete,  sich  in  dem  Erdhaften  gleich- 
sam  verdichtete.  Halten  wir  diesen  Moment  fest,  dann  haben  wir 
denjenigen  Zeitpunkt,  in  dem  die  Genesis,  die  Bibel,  einsetzt.  Von 
diesem  Zustand  spricht  sie.  Wir  diirfen  mit  dem  ersten  Worte  der 
Genesis  durchaus  nicht  verbinden  jenes  Abstrakte,  Schattenhafte, 
was  man  heute  im  Auge  hat,  wenn  man  etwa  das  Wort  «Im  An- 
fang»  oder  «Im  Urbeginne»  ausspricht.  Damit  wiirde  man  gegen- 
iiber  dem,  was  der  alte  hebraische  Weise  empfand,  etwas  unsaglich 
Armseliges  zum  Ausdruck  bringen.  Alles  das,  was  man  sich  nur 


vorstellen  kann  in  jener  Zweiheit,  welche  entstand  durch  die  Aus- 
einandergliederung  des  Sonnenhaften  und  des  Erdhaften,  alles  das, 
was  sozusagen  im  Moment  dieser  Trennung  vorhanden  war,  was 
sich  eben  in  die  Zweiheit  gliederte,  alles  das  muB  vor  unserer  Seele 
auftauchen,  wenn  wir  B'reschit,  das  «Im  Anfang»,  «Im  Urbeginn» 
in  der  richtigen  Weise  vor  unsere  Seele  hinstellen  wollen.  Und 
nicht  nur  das  allein  darf  in  unserer  Seele  auftauchen,  sondern  wir 
miissen  uns  bewuBt  sein,  daB  in  dieser  ganzen  Entwickelung,  die 
wir  die  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenentwickelung  nennen,  geistige 
Wesenheiten  die  Lenker  und  Leiter  und  auch  die  Trager  der  ganzen 
Entwickelung  waren,  und  daB  dasjenige,  was  wir  das  Warme-,  das 
Luft-,  das  Wasserelement  nennen,  immer  nur  der  auBere  Ausdruck, 
das  auBere  Kleid  ist  fur  die  geistigen  Wesenheiten,  die  die  Wirk- 
lichkeit  der  Entwickelung  sind.  Auch  dann,  wenn  wir  hinblicken 
auf  jenen  Zustand,  der  bei  der  Trennung  des  Sonnenhaften  von 
dem  Erdenhaften  vorhanden  war,  und  uns  ihn  in  einem  von  Stoffes- 
vorstellungen  erfullten  Bilde  denken,  auch  dann  miissen  wir  uns 
bewuBt  sein,  daB  wir  in  alledem,  was  wir  da  unter  dem  Bilde  des 
elementarischen  Wassers,  der  Luft,  des  Feuers  vor  unsere  Seele  hin- 
malen,  nur  das  Ausdrucksmittel  fur  webende  Geistigkeit  haben,  fiir 
webende  Geistigkeit,  die  durch  die  vorangehenden  drei  Stufen, 
durch  die  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenstufe,  gestiegen  ist  und  an 
diesem  Zeitpunkt,  den  ich  eben  charakterisiert  habe,  auf  einer  ge- 
wissen  Entwickelungsstufe  ihres  Daseins  angelangt  ist. 

Stellen  wir  einmal  vor  unsere  Seele  dieses  Bild  von  in  sich  weben- 
dem  wasserigem,  luft-  oder  gasformigem  und  feurigem  Elemente  wie 
eine  gewaltige  Weltenkugel,  die  sich  auseinanderspaltet  in  ein  son- 
nenhaftes  und  in  ein  erdenhaftes  Element;  stellen  wir  uns  aber  vor, 
daB  alles  das,  was  wir  in  diesem  Elementarisch-Stofflichen  in  der 
Vorstellung  haben,  nur  das  Ausdrucksmittel  fiir  Geistiges  ist.  Stel- 
len wir  uns  vor,  daB  aus  diesem  Stoffgehause,  das  gewoben  ist  aus 
einem  wasserigen,  luftformigen  und  einem  Warmeelement,  uns  an- 
blicken  die  Antlitze  von  geistigen  Wesenheiten,  die  da  drinnen 
weben,  die  in  diesem  durch  Stoffesvorstellungen  fiir  unsere  Seele 
reprasentierten  Element  sich  manifestieren,  sich  offenbaren.  Stellen 


wir  uns  vor,  daB  wir  geistige  Wesenheiten  vor  uns  haben,  die  uns 
gleichsam  ihr  Antlitz  zuwenden  und  die  da  arbeiten  mit  Hilfe  von 
Warme,  Luft  und  Wasser,  um  Weltenkdrper  durch  die  Kraft  ihres 
Geistig-Seelischen  zu  organisieren.  Stellen  wir  uns  einmal  dieses 
Bild  vor! 

Da  haben  wir  das  Bild  einer  elementarischen  Hiille,  einer  Hiille, 
die  wir  uns  etwa  vorstellen  konnen  wie  ein  Schneckenhaus,  wenn 
wir  uns  eine  fecht  grobe  sinnliche  Vorstellung  bilden  wollen,  einer 
Hiille  aber,  die  nicht  aus  den  festen  Stoffen  geformt  ist  wie  das 
Schneckenhaus,  sondern  die  aus  feinsten  waBrigen,  luft-  oder  gas- 
formigen  und  feurigen  Elementen  gewoben  ist.  Da  drinnen  denken 
wir  uns  ein  Geistiges,  das  uns  anblickt  wie  Antlitze,  die  gerade 
durch  diese  Hiille  sich  offenbaren  und  eine  Kraft  der  Offenbarung 
selber  sind,  eine  Kraft,  die  sozusagen  aus  dem  ubersinnlich  Verbor- 
genen  in  das  OfTenbare  sich  herausstachelt,  wenn  ich  das  Wort 
gebrauchen  darf. 

Rufen  Sie  sich  dieses  Bild,  das  ich  eben  zu  malen  versuchte,  vor 
die  Seele,  dieses  lebendige  Weben  eines  Geistigen  in  einem  Stoff- 
lichen,  und  rufen  Sie  sich  vor  die  Seele  die  innere  seelische  Kraft, 
welche  das  Weben  im  Stoffe,  das  Organisieren  im  Stoffe  bewirkt, 
und  sehen  Sie  einen  Augenblick  ab  von  allem  iibrigen:  dann  haben 
Sie  vor  sich  das,  was  etwa  in  der  Seele  eines  althebraischen  Weisen 
lebte,  wenn  die  Laute  B'reschit  diese  Seele  durchdrangen.  Bet,  der 
erste  Buchstabe,  rief  hervor  das  stoffliche  Weben  des  Gehauses, 
Resch,  der  zweite  Mitlaut,  rief  hervor  das  Antlitzhafte  der  geistigen 
Wesenheiten,  die  in  diesem  Gehause  drinnen  woben,  und  Schin, 
der  dritte  Laut,  rief  hervor  die  stachelige  Kraft,  die  aus  dem  Inne- 
ren  sich  emporarbeitet,  um  sich  zu  offenbaren. 

So  ungefahr  kommen  wir  zu  dem  Prinzip,  das  solch  einer  Be- 
schreibung  zugrunde  liegt.  Und  wenn  wir  zu  diesem  Prinzip  vor- 
dringen,  dann  konnen  wir  zugleich  etwas  empfinden  von  dem 
Geiste  dieser  Sprache,  die,  wie  gesagt,  etwas  Schopferisches  in  der 
Seele  hatte,  wovon  der  moderne  Mensch  bei  seinen  abstrakten  Spra- 
chen  gar  keine  Ahnung  mehr  hat. 

Stellen  wir  uns  jetzt  einmal  so  recht  in  den  Moment  hinein,  der 


sozusagen  vor  der  physischen  Koagulierung,  vor  der  physischen 
Verdichtung  unseres  Erdendaseins  liegt,  denn  so  war  der  Moment, 
den  ich  im  Auge  habe.  Stellen  wir  uns  diesen  Moment  recht  leben- 
dig  vor,  dann  werden  wir  sagen  miissen:  Wollen  wir  das,  was  da 
geschieht,  beschreiben,  dann  diirfen  wir  nichts  verwenden  von  all 
den  Vorstellungen,  die  wir  anwenden,  wenn  wir  heute  die  auBeren 
Sinnesvorgange  beschreiben  wollen.  —  Daher  ist  es  unendlich 
dilettantisch,  wenn  man  das  zweite  der  Worte,  mit  denen  wir  es  zu 
tun  haben  in  der  Genesis,  so  auffaBt,  daB  man  irgendeine  auBere 
Tatsache,  und  sei  sie  noch  so  sehr  anklingend  an  das,  was  wir  heute 
unter  «Schaffen»  und  «Sch6pfen»  verstehen,  an  das  Wort  heran- 
bringt.  Damit  kommen  wir  nicht  an  das  zweite  Wort  der  Genesis 
heran.  Wohin  konnen  wir  uns  nun  wenden?  Es  ist  mit  diesem  Worte 
etwas  gemeint,  was  in  der  Tat  hart  an  die  Grenze  herantritt,  wo  das 
Sinnlkhe  unmittelbar  schon  in  das  Ubersinnlich-Geistige  hinein 
ubergeht.  Und  der  Mensch,  der  sich  eine  Vorstellung  von  dem 
machen  will,  was  man  so  gewohnlich  mit  «schuf»  ubersetzt:  «Im 
Urbeginne  schufen  die  Gotter»,  der  darf  in  keiner  Weise  dieses 
Wort  an  irgend  etwas  heranbringen,  was  mit  Augen,  mit  gewohn- 
lichen  sinnlichen  Augen  als  eine  schopferische  Betatigung,  als  eine 
hervorbringende  Betatigung  geschaut  werden  kann. 

Schauen  Sie,  meine  lieben  Freunde,  in  Ihr  Inneres.  Versuchen 
Sie  sich  einmal  in  eine  Lage  zu  versetzen,  so  daB  Sie  etwa,  sagen 
wir,  eine  Weile  geschlafen  haben,  dann  aufwachen  und,  ohne  daB 
Sie  den  Blick  auf  eine  auBere  Tatsache  richten,  in  sich  auferwecken 
durch  die  innere  Seelentatigkeit  gewisse  Vorstellungen  in  Ihrer 
Seek.  Vergegenwartigen  Sie  sich  diese  innere  Tatigkeit,  dieses  pro- 
duktive  Sinnen,  das  aus  dem  Seeleninneren  einen  Seeleninhalt  her- 
vorzaubert.  Gebrauchen  Sie  meinetwillen  das  Wort  «Ersinnen»  fur 
dieses  Hervorzaubern  eines  Seeleninhaltes  aus  den  Seelenunter- 
griinden  in  das  bewuBte  Blickfeld  Ihrer  Seele  hinein,  und  denken 
Sie  sich  jetzt  das,  was  der  Mensch  nur  kann  mit  semen  Vorstellun- 
gen, als  eine  Tatigkeit,  die  nun  wirklich  kosmisch-schopferisch  ist. 
Denken  Sie  sich  statt  Ihres  Sinnens,  statt  Ihres  innerlichen  denkeri- 
schen  Erlebens  ein  kosmisches  Denken,  dann  haben  Sie  das,  was  in 


diesem  zweiten  Worte  der  Genesis,  bara,  drinnen  liegt.  So  geistig, 
als  Sie  es  nur  denken  konnen,  so  nahe  Sie  es  nur  heranbringen  kon- 
nen  an  das  GedankenmaBige,  das  Sie  sich  in  Ihrem  eigenen  Sinnen 
vor  Augen  fiihren,  so  nahe  Sie  das  nur  heranbringen  konnen! 

Und  jetzt  stellen  Sie  sich  vor,  daB  Sie  wahrend  dieses  Sinnens  in 
der  Seele  gleichsam  zweierlei  Vorstellungsgruppen  vor  Ihre  Seele  hin- 
leiten.  Nehmen  wir  einmal,  um  moglichst  deutlich  eine  solche  fernlie- 
gende  Sache  zu  schildern,  einen  Menschen,  der  aufwacht  und  dem 
zweierlei  einfallt,  der  also  zweierlei  ersinnt.  Das  eine,  was  er  ersinnt, 
sei  das  Bild  von  irgendeiner  Tatigkeit  oder  einem  auBeren  Ding  oder 
Wesen;  das  tritt  nicht  durch  auBere  Anschauung,  nicht  durch  Wahr- 
nehmung,  sondern  durch  Sinnen,  durch  schopferische  Tatigkeit  der 
Seele  in  das  Blickfeld  des  BewuBtseins.  Das  aber,  was  als  zwei- 
ter  Vorstellungskomplex  auftreten  soil  bei  einem  so  Aufwachenden, 
das  sei  eine  Begierde,  irgend  etwas,  was  der  Mensch  wollen  kann 
nach  seiner  ganzen  Anlage  und  Seelenverfassung.  So  haben  wir  ein 
vorstellungsmaBiges  und  ein  begierdenhaftes  Element,  das  auftaucht 
vor  unserer  Seele  durch  inneres  Sinnen.  Nunmehr  stellen  Sie  sich 
statt  der  Menschenseele,  die  also  in  sich  sinnt,  dasjenige  vor,  was 
in  der  Genesis  die  Elohim  genannt  wird.  Denken  Sie  sich  statt  der 
Einheit  der  Menschenseele  eine  Mehrheit  sinnender  geistiger  Wesen- 
heken,  die  aber  in  einer  ahnlichen  Weise  aus  ihrem  Inneren  her- 
vorrufen  durch  Ersinnen  zwei  Komplexe,  die  ich  vergleichen  mochte 
mit  dem,  was  ich  Ihnen  eben  beschrieben  habe,  mit  einem  rein  vor- 
stellungsm'aBigen  und  einem  begierdenhaften  Komplex.  Wir  den- 
ken uns  also  statt  der  sinnenden  Menschenseele  eine  kosmische 
Organisation  von  Wesenheiten,  die  in  sich  in  ahnlicher  Weise  wach- 
rufen,  nur  daB  ihr  Sinnen  ein  kosmisches  ist,  zwei  solche  Komplexe, 
einen  vorstellungsartigen,  das  heiBt  einen  solchen,  der  irgend  etwas 
offenbart,  der  also  nach  auBen  hin  sich  auslebt,  der  nach  auBen  hin 
erscheint,  und  einen  anderen  Komplex,  der  begierdenhaft  ist,  der 
durch  innerliche  Regsamkeit  lebt,  ein  innerlich  sich  Regendes,  ein 
innerlich  von  Regsamkeit  Durchsetztes.  Wir  denken  uns  also  jene 
kosmischen  Wesenheiten,  die  als  die  Elohim  bezeichnet  werden,  wir 
denken  sie  uns  so  sinnend,  und  dieses  Sinnen  vergegenwartigen  wir 


uns  bei  dem  Worte  «sie  schufen»,  bara.  Und  dann  denken  wir  uns, 
daB  durch  dieses  schopferische  Sinnen  zwei  solche  Komplexe  ent- 
stehen,  ein  Komplex,  der  mehr  darauf  hingeht,  ein  sich  auBerlich 
Offenbarendes,  ein  nach  auBen  sich  Kundgebendes  zu  sein,  und  ein 
anderer  Komplex,  ein  innerlich  Regsames,  ein  innerlich  Leben- 
diges;  dann  haben  wir  ungefahr  jene  zwei  Vorstellungskomplexe, 
welche  auftauchten  in  der  Seele  des  althebraischen  Weisen,  wenn 
die  Worte,  fur  die  heute  «die  Himmel  und  die  Erde»  stehen,  seine 
Seele  durchklangen,  haschamajim  und  ha'arez.  Suchen  wir  womog- 
lich  zu  vergessen,  was  der  moderne  Mensch  unter  Himmel  und 
Erde  sich  denkt,  versuchen  wir  die  beiden  Vorstellungskomplexe 
vor  die  Seele  zu  fuhren,  den  Komplex  des  nach  auBen  sich  Kund- 
gebenden,  des  sich  Offenbarenden,  den  Komplex  dessen,  was  da 
drangt,  nach  auBen  irgendwelche  Wirkung  hervorzurufen,  und 
jenen  anderen  Komplex  des  innerlich  Regsamen,  dessen,  was  sich 
selbst  im  Inneren  erleben  will,  was  sich  im  Inneren  lebendig  regt, 
dann  haben  wir  das  haschamajim  und  das  andere  Wort,  ha'arez. 

Und  die  Elohim  selber  —  wir  werden  sie  im  Verlaufe  der  Vor- 
trage  noch  genauer  kennenlernen  und  sie  ubersetzen  in  unsere 
geisteswissenschaftliche  Sprache,  jetzt  aber  wollen  wir  versuchen, 
einigermaBen  an  den  Sinn  der  Urworte  heranzudringen  — ,  die  Elo- 
him selber,  was  sind  sie  fur  Wesenheiten?  Wer  sich  eine  Vorstel- 
lung  machen  will,  was  in  der  Seele  des  althebraischen  Weisen  lebte, 
wenn  er  dieses  Wort  gebrauchte,  der  muB  sich  klar  sein,  daB  in 
jener  Zeit  ganz  lebendig  der  Sinn  dafiir  vorhanden  war,  daB  unsere 
Erdenentwickelung  eben  einen  bestimmten  Sinn,  ein  bestimmtes 
Ziel  hat.  Welches  ist  dieser  Sinn,  welches  ist  dieses  Ziel  unserer 
Erdenentwickelung? 

Unsere  Erdenentwickelung  hat  einen  Sinn,  ein  Ziel  nur  dann, 
wenn  innerhalb  ihrer  etwas  auftritt,  was  vorher  nicht  da  war.  Eine 
ewige  Wiederholung,  eine  Wiederkehr  dessen,  was  schon  da  war, 
ware  ein  sinnloses  Dasein,  und  als  ein  solches  sinnloses  E>asein 
hatte  vor  alien  Dingen  der  althebraische  Weise  die  Erdengenesis 
empfunden,  wenn  er  nicht  hatte  denken  konnen,  daB  die  Erde, 
nachdem  sie  sich  herausentwickelt  hat  aus  anderen  Zustanden, 


etwas  Neues,  gegeniiber  allem  Friiheren  Neues  bringen  musse. 
Durch  dieses  Erdendasein  wurde  ein  Neues  moglich:  daB  namlich 
der  Mensch  gerade  so  wurde,  wie  er  innerhalb  des  Erdendaseins  sich 
zeigt.  So  wie  der  Mensch  innerhalb  des  Erdendaseins  auftritt  als  das 
Wesen,  das  er  heute  schon  ist,  als  das  Wesen,  zu  dem  er  sich  ent- 
wickeln  wird  in  immer  weiter  und  weitergehender  Zukunft,  so  war 
dieser  Mensch  in  alien  friiheren  Entwickelungsstadien  nicht  vor- 
handen,  so  war  er  auch  in  den  friiheren  Entwickelungsstadien  nicht 
moglich.  Und  anders  geartet  als  der  Mensch  —  wir  wollen  jetzt 
nicht  den  Begriff  des  Niederen  und  des  Hoheren  einfuhren  —  waren 
diejenigen  geistigen  Wesenheiten,  welche  die  auBere  Entwickelung 
fiihrten  und  trugen,  die  wir  als  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenent- 
wickelung  bezeichnen.  Jene  Wesenheiten,  die  da  woben  in  den 
elementarischen  Daseinsstufen  des  Feurigen,  Gasigen,  WaBrigen, 
die  da  woben  ein  Saturn-,  ein  Sonnen-,  ein  Mondendasein,  die  da 
woben  an  dem  Beginn  des  Erdendaseins,  wie  lernen  wir  sie  am 
besten  in  bezug  auf  ihre  Wesenheit  kennen?  Wie  kommen  wir 
ihnen  nahe? 

Wir  miiBten  allerdings  vieles,  vieles  beschreiben,  wenn  wir  die- 
sen  Wesenheiten  einigermaBen  nahekommen  wollten.  Wir  konnen 
sie  aber  nach  einer  Seite  hin  zunachst  kennen  lernen,  und  das  wird 
geniigen,  urn  uns  wenigstens  einen  Schritt  naher  zu  bringen  dem 
gewaltigen  Sinn  der  biblischen  Urworte.  Wir  wollen  sie  einmal 
betrachten,  diese  Wesenheiten,  die  dem  Menschen  in  gewisser  Be- 
ziehung  am  nachsten  standen,  als  er  selbst  herausgebildet  wurde 
aus  dem,  was  sich  heranentwickelt  hatte  aus  dem  alten  Saturn-, 
Sonnen-  und  Mondendasein.  Wir  wollen  sie  einmal  befragen,  diese 
Wesenheiten,  nach  dem,  was  sie  eigentlich  wollten.  Wir  wollen  sie 
nach  ihrem  Willen  befragen,  nach  ihrer  Absicht  gleichsam.  Dann 
werden  wir  wenigstens  eine  kleine  Vorstellung  von  ihrer  Wesenheit 
erhalten  konnen.  Was  wollten  sie,  diese  Wesenheiten?  —  Sie  konn- 
ten  vieles,  sie  hatten  sich  ein  Konnen  im  Verlaufe  der  Entwicke- 
lung, die  sie  durchgemacht  hatten,  nach  der  einen  oder  anderen 
Richtung  erworben.  Der  eine  konnte  dies,  der  andere  jenes.  Aber 
wir  stellen  uns  ihr  Wesen  am  besten  vor,  wenn  wir  uns  sagen:  In 


jenem  Zeitpunkt,  den  wir  eben  ins  Auge  gefaBt  haben,  wirkte  in 
einer  Gruppe  von  solchen  Wesenheiten  ein  gemeinsames  Ziel,  ein 
gemeinsames  Motiv.  —  Es  ist  auf  einer  hoheren  Stufe  etwa  so,  wie 
wenn  eine  Gruppe  von  Menschen  heute  zusammenkame,  von  denen 
jeder  eine  bestimmte  Geschicklichkeit  hat.  Ein  jeder  von  ihnen 
kann  etwas,  und  nun  sagen  sie  sich  gegenseitig:  Du  kannst  dies,  ich 
kann  das,  der  dritte  jenes.  Wir  wollen  alle  unsere  Tatigkeiten  jetzt 
2usammenflieJ3en  lassen,  urn  ein  gemeinsames  Werk  zu  tun,  wo 
eines  jeden  Tatigkeit  angebracht  werden  kann.  —  Nehmen  wir  also 
eine  solche  Gruppe  von  Menschen  an,  von  denen  ein  jeder  etwas 
anderes  kann,  die  aber  ein  gemeinsames  Ziel  haben.  Das,  was  da 
entstehen  soil,  ist  noch  nicht  da.  Die  Einheit,  an  der  sie  arbeiten, 
lebt  zunachst  iiberhaupt  erst  als  Ziel,  sie  ist  noch  gar  nicht  vorhan- 
den.  Es  ist  eine  Vielheit  da,  die  Einheit  lebt  zunachst  als  ein  Ideal. 
Nun  denken  Sie  sich  eine  Gruppe  von  geistigen  Wesenheiten,  die 
sich  entwickelt  haben  durch  Saturn,  Sonne  und  Mond,  von  denen 
eine  jede  etwas  ganz  Bestimmtes  kann,  und  die  in  dem  Moment, 
den  ich  charakterisiert  habe,  den  EntschluB  fassen:  Wir  wollen 
unsere  Tatigkeiten  gruppieren  zu  einem  gemeinsamen  Ziel,  wir 
wollen  uns  eine  einheitliche  Richtung  geben.  —  Und  vor  dem  Blick 
eines  jeden  tauchte  das  Bild  dieses  Zieles  auf.  Und  was  war  das 
Ziel?  Der  Mensch,  der  Erdenmensch. 

So  lebte  der  Erdenmensch  als  Ziel  in  einer  Gruppe  von  gottlich- 
geistigen  Wesenheiten,  die  beschlossen  hatten,  ihre  verschiedenen 
Kiinste  zusammenwirken  zu  lassen,  um  das  zu  erreichen,  was  sie 
selber  gar  nicht  hatten,  was  ihnen  selber  nicht  eignete,  was  sie  aber 
hervorbringen  konnten  durch  gemeinschaftliche  Arbeit.  Wenn  Sie 
das  alles  nehmen,  was  ich  Ihnen  beschrieben  habe  als  elementa- 
rische  Hulle,  als  darin  wirkende,  kosmisch  sinnende,  geistige  Wesen- 
heiten, als  zwei  Komplexe,  einen  begierdenhaften,  innerlich  reg- 
samen  und  einen  nach  auBen  sich  off enbarenden,  wenn  Sie  das  alles 
nehmen  und  dann  jenen  geistigen  Wesenheiten,  die  gleichsam  aus 
dem  Elementarischen  heraus  mit  ihrem  Antlitz  blicken,  dieses  ge- 
meinsame  Ziel  zuschreiben,  das  ich  soeben  charakterisiert  habe, 
dann  haben  Sie  das,  was  da  lebte  in  dem  Herzen  eines  althebraischen 


Weisen  bei  dem  Worte  Elohim.  Und  jetzt  haben  wir  in  bildhafter 
Weise  zusammengetragen,  was  in  diesen  allgewaltigen  Urworten  lebt. 

Vergessen  wir  also  zunachst  einmal  alles  das,  was  ein  moderner 
Mensch  fuhlen  und  denken  kann,  wenn  er  ausspricht  die  Worte 
«Im  Urbeginne  schufen  die  Gotter  die  Himmel  und  die  Erde».  Ver- 
suchen  wir  unter  Beriicksichtigung  alles  dessen,  was  heute  gesagt 
worden  ist,  vor  unser  Auge  folgendes  Bild  hinzustellen:  Da  ist 
webendes  elementarisches  Element,  darinnen  webt  Feuriges,  Gas- 
formiges,  Wasseriges.  Innerhalb  dieses  Elementarischen,  Wirk- 
samen,  Webenden  leben  geistige  Wesenheiten,  eine  Gruppe  von 
geistigen  Wesenheiten,  die  sinnen.  Im  produktiven  Sinnen  sind  sie 
begriffen,  und  durch  ihr  produktives  Sinnen  hindurch  dringt  das 
Ziel,  zum  Menschenbild  hin  die  ganze  Wirksamkeit  zu  lenken.  Und 
als  erstes  tritt  auf  aus  diesem  Sinnen  die  Vorstellung  eines  sich  nach 
aufien  OfTenbarenden,  sich  Kundgebenden,  und  eines  innerlich  Reg- 
samen,  eines  innerlich  in  sich  Belebten:  In  dem  elementarischen 
Gehause  ersannen  die  Urgeister  das  nach  aui3en  hin  Erscheinende, 
das  nach  innen  Regsame. 

Versuchen  Sie  einmal,  in  diesen  Worten  sich  zu  vergegenw'arti- 
gen,  was  in  der  ersten  Zeile  der  Bibel  gesagt  wird,  dann  werden 
Sie  die  Grundlage  haben  fur  das,  was  wir  in  den  weiteren  Tagen 
uns  vor  die  Seele  zu  fiihren  haben  als  den  wahren  Sinn  dieser  all- 
gewaltigen Urworte,  durch  die  der  Menschheit  ein  GroBtes,  nam- 
lich  ihr  eigener  Ursprung,  geoffenbart  ist. 


DRITTER  VORTRAG 
Miinchen,  18.  August  1910 


Bei  mancherlei  von  dem,  was  in  diesem  Vortragszyklus  gesagt  wer- 
den  muB  und  was  iiberhaupt  im  Verlaufe  unserer  anthroposophi- 
schen  Unterredungen  zur  Sprache  kommt,  konnte  es  scheinen, 
namentlich  der  AuBenwelt,  die  noch  wenig  bekannt  ist  mit  den 
Empfmdungen,  die  in  unseren  Kreisen  herrschen,  als  ob  es  mir 
eine  gewisse  Befriedigung  und  Freude  machte,  wenn  ich  gedrangt 
bin,  dieses  oder  jenes  scheinbar  im  Gegensatz  zu  der  modernen 
Wissenschaft  zu  sagen.  Ich  mochte  wirklich  gerade  in  diesem  Punkt 
nicht  gern  mifiverstanden  sein.  Sie  diirfen  alle  iiberzeugt  davon 
sein,  daJ3  es  mich  stets  eine  harte  Uberwindung  kostet,  mich  in 
Gegensatz  zu  stellen  zu  dem,  was  man  heute  wissenschaftliche  Be- 
hauptung  nennt,  und  daB  ich  es  an  keinem  anderen  Punkte  jemals 
tun  wiirde  ais  da,  wo  es  mir  genau  moglkh  ist,  selbst  das  wirklich 
zu  entwickeln,  was  Wissenschaft  heute  zu  sagen  hat  in  bezug  auf 
das  jeweilig  in  Rede  Stehende.  Ich  futile  das  Verantwortlichkeits- 
gefiihl,  nichts  vorzubringen  im  Gegensatz  zur  modernen  Wissen- 
schaft, wo  es  mir  nicht  auch  moglich  ware,  uberall  anzufiihren, 
was  diese  moderne  Wissenschaft  in  dem  betreffenden  Punkte  zu 
sagen  hat.  Und  man  kann  sich,  wenn  man  von  diesem  Gesichts- 
punkte  ausgeht,  solch  wichtigen  Kapiteln  wie  das,  was  wir  in  die- 
sen  Tagen  zu  besprechen  haben,  nur  nahern,  wenn  man  es  tut  mit 
einer  gewissen  heiligen  Scheu  und  eben  mit  einem  entsprechenden 
Verantwortlichkeitsgefuhl. 

Es  muB  ja  leider  gesagt  werden,  daB  in  bezug  auf  Fragen,  die 
dabei  beriicksichtigt  werden  miissen,  moderne  Wissenschaft  ganz 
und  gar  versagen  muB,  daB  moderne  Wissenschafter  nicht  einmal 
in  der  Lage  sind,  zu  wissen,  warum  ihre  Ausgangspunkte  versagen 
miissen,  daB  sie  nicht  in  der  Lage  sind  einzusehen,  warum  den  wirk- 
lichen,  groBen  Fragen  des  Lebens  und  des  Daseins  gegeniiber  ge- 
rade moderne  Wissenschaft  so  intensiv  dilettantisch  sein  muB,  wie 


nur  irgend  moglich  ist.  Also  ich  bitte  Sie  recht  sehr,  das,  was  gesagt 
wird,  immer  so  aufzunehmen,  daB  im  Hintergrunde  ein  voiles  Be- 
wuBtsein  von  alledem  steht,  was  in  dem  betreffenden  Punkte 
moderne  Wissenschaft  zu  sagen  hatte.  Nur  kann  natiirlkh  in  einer 
kurzen  Vortragsreihe  nicht  verlangt  werden,  daB  etwa  polemisch 
in  den  Einzelheken  alles  beriicksichtigt  werde,  was  zur  Wider- 
legung  dieser  oder  jener  modernen  Anschauung  iiber  den  betreffen- 
den  Punkt  zu  sagen  ware.  Ich  muB  mich  so  viel  als  irgend  moglich 
auf  das  Positive  beschranken  und  darauf  vertrauen,  daB  in  einem 
Kreise  von  Anthroposophen  die  Voraussetzung,  die  ich  eben  ge- 
macht  habe,  wirklich  auch  in  alien  Einzelheiten  gemacht  wird. 

Ich  versuchte  Ihnen  gestern  zu  zeigen,  wie  jene  urgewaltigen 
Worte,  die  am  Ausgangspunkte  der  Bibel  stehen  und  die  uns  in 
einer  Sprache  vorliegen,  die  ganz  anderer  Natur  ist  als  die  moder- 
nen Sprachen,  wie  diese  urgewaltigen  Worte  nur  dann  richtig  ge- 
deutet  werden  konnen,  wenn  wir  versuchen,  alles  das  zu  vergessen, 
was  in  unseren  Empflndungen,  in  unseren  Gefiihlen  auflebt  bei  den 
gebrauchlichen  Ubersetzungen  und  Ubertragungen  dieser  Worte  in 
moderne  Sprache.  Denn  die  Sprache,  in  der  urspriinglich  diese  ur- 
gewaltigen Schopfungsworte  uns  gegeben  sind,  hat  wirklich  die 
Eigentiimlichkeit,  daB  sie  durch  den  Charakter  ihrer  Laute  Herz 
und  Sinn  hinlenkt  zu  den  Bildern,  die  vor  dem  Seherauge  auftau- 
chen,  wenn  es  sich  hinrichtet  auf  den  Punkt,  wo  aus  dem  Ubersinn- 
lichen  das  Sinnliche  unserer  Welt  hervorquillt.  Und  es  liegt  eine 
Gewalt  und  eine  Kraft  in  alien  einzelnen  Lauten,  in  denen,  wenn 
wir  so  sagen  durfen,  der  Urbeginn  unseres  Erdendaseins  vor  uns 
hingestellt  wird.  Wir  werden  noch  ofter  im  Verlaufe  dieser  Vor- 
trage  gerade  auf  den  Charakter  dieser  Sprache  hinzuweisen  haben. 
Heute  aber  mochte  ich  auf  einiges  fur  uns  zunachst  notwendige 
Sachliche  eingehen. 

Sie  wissen  ja,  daB  in  der  Bibel  nach  den  Worten,  die  ich  gestern 
versuchte  ein  wenig  im  Bilde  vor  Ihre  Seele  hinzumalen,  Eigen- 
schaften  von  dem  einen  Komplex  stehen,  der  da  auftauchte  aus 
dem  gottlichen  Sinnen,  aus  dem  produktiven  Sinnen  heraus.  Ich 
sagte  Ihnen,  daB  wir  uns  vorzustellen  haben,  daB  wie  aus  einer  kos- 


mischen  Erinnerung  heraus  zwei  Komplexe  auftauchten.  Der  eine 
war  ein  Komplex,  der  sich  etwa  vergleichen  laJ3t  mit  dem  Vorstel- 
lungscharakter,  der  in  uns  auftauchen  kann,  der  andere  war  ein 
Komplex,  der  mit  einem  Begierden-  oder  Willenscharakter  ver- 
glichen  werden  kann.  Der  eine  enthalt  alles  das,  was  sich  nach 
auBen  offenbaren,  ankiindigen  will,  gleichsam  nach  auBen  hin  kraf- 
ten  will,  haschamajim.  Der  andere  Komplex,  ha'arez,  enthalt  das 
innerlich  Regsame,  das  innerlich  von  Begehren  Durchdrungene,  das 
innerlich  Belebende,  sich  Regende.  Von  diesem  innerlich  Beleben- 
den,  sich  Regenden  werden  uns  dann  Eigenschaften  angefiihrt,  und 
diese  Eigenschaften  werden  in  der  Bibel  angedeutet  mit  charakteri- 
stischen  Lautcharakteren.  Es  wird  uns  gesagt,  daB  dieses  sich  inner- 
lich Regende  in  einem  Zustand  war,  der  bezeichnet  wird  als  tohu 
wabohu,  was  in  der  deutschen  Sprache  gewohnlich  ja  wieder- 
gegeben  wird  mit  «wiiste  und  wkr».  Verstehen  aber  konnen  wir  es 
nur  dann,  wenn  wir  uns  wiederum  genau  den  bildhaften  Charakter 
dessen  vor  Augen  malen,  was  eigentlich  mit  dem  tohu  wabohu  ge- 
meint  ist.  Und  wir  kommen  nur  darauf,  was  gemeint  ist,  wenn  wir 
aus  unserer  geisteswissenschaftlichen  Erkenntnis  heraus  uns  ver- 
gegenwartigen,  was  da  eigentlich,  sagen  wir,  im  Raume  durch- 
einanderwogte,  als  alles  das,  was  friiher  durchschritten.  hatte  das 
Saturn-,  Sonnen-  und  Mondendasein,  als  das  Erdendasein,  als  plane- 
tarischer  Erdenzustand  wieder  auftauchte. 

Ich  machte  Sie  gestern  darauf  aufmerksam,  daB  das,  was  wir  den 
festen  Zustand  nennen,  also  was  einen  Widerstand  auf  unsere  Sinne 
ausiibt,  wahrend  des  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenzustandes  noch 
nicht  vorhanden  war,  daB  da  nur  das  Element  des  Feurigen  oder  der 
Warme,  das  Element  des  Gasigen  oder  Luftformigen  und  das  Ele- 
ment des  Wasserigen  vorhanden  war.  Und  im  Grunde  genommen 
fiigt  sich  erst  mit  dem  Aufgehen  des  planetarischen  Erdenzustan- 
des  das  Feste  zu  den  friiheren  elementarischen  Zustanden  hinzu. 
Also  in  jenem  Moment,  wo  das  ins  Dasein  trat,  was  wir  gestern 
charakterisiert  haben,  wo  auch  sozusagen  die  Tendenz  auftritt,  daB 
sich  das  Sonnenhafte  von  dem  Erdhaften  abspaltet,  da  haben  wir, 
wenn  wir  das  elementarische  Weben  ins  Auge  fassen,  es  mit  einem 


sich  gegehseitig  Durchdringen  der  Elemente  Warme,  Luf t  und  Was- 
ser  zu  tun.  Das  wogte  und  webte  durcheinander.  Wie  das  zunachst 
durcheinanderwogte  und  -webte,  wie  wir  es  uns  vorzustellen  haben, 
wenn  wir  es  uns  vor  den  geistigen  Sinn  hinmalen,  das  deuten  uns 
diese  Worte  an,  die  im  Deutschen  etwa  wiedergegeben  werden  mit 
«wiiste  und  wirr»,  aber  natiirlich  nur  in  ganz  ungenauer  Weise, 
und  die  pragnant  bezeichnet  werden  durch  das,  was  die  Lautzusam- 
menfiigung  ist  tohu  wabohu.  Denn  was  bedeutet  dieses  tohu  wabohu? 
Wenn  wir  uns  bildhaft  vor  die  Seele  fuhren,  was  in  der  Seele  an- 
geregt  werden  kann  durch  diese  Laute,  dann  ist  es  etwa  das  Folgende. 

Der  Laut,  der  da  unserem  T  sich  vergleichen  lafit,  der  regt  an  ein 
Bild  des  Auseinanderkraftens  von  einem  Mittelpunkt  nach  alien 
Seiten  des  Raumes,  nach  alien  Richtungen  des  Raumes.  Also  in 
dem  Augenblick,  wo  man  den  T-Laut  anschlagt,  wird  angeregt  das 
Bild  von  einem  aus  dem  Mittelpunkt  nach  alien  Richtungen  des 
Raumes  Auseinanderkraften,  ins  Unbegrenzte  hin  Auseinanderkraf- 
ten.  So  da!3  wir  uns  also  vorzustellen  haben  das  Ineinandergewoben- 
sein  der  Elemente  Warme,  Luft  und  Wasser  und  da  drinnen  ein 
Auseinanderkraften  wie  von  einem  Mittelpunkt  aus  nach  alien  Sei- 
ten, und  wir  wiirden  dieses  Auseinanderkraften  haben,  wenn  nur 
der  erste  Teil  des  Lautgefiiges  da  ware,  tohu.  Der  zweite  Teil,  was 
soil  er  ergeben?  Er  ergibt  nun  genau  das  Entgegengesetzte  von 
dem,  was  ich  eben  gesagt  habe.  Der  regt  an  durch  semen  Laut- 
charakter  —  durch  alles  das,  was  wach  wird  in  der  Seele  bei  dem 
Buchstaben,  der  sich  mit  unserem  B  vergleichen  laBt,  Bet  — ,  der 
regt  an  alles  das,  was  Sie  im  Bilde  bekommen,  wenn  Sie  sich  eine 
m'achtig  groBe  Kugel,  eine  Hohlkugel  denken,  sich  selbst  im  Inne- 
ren  vorstellen  und  nun  von  alien  Punkten,  von  alien  inneren  Punk- 
ten  dieser  Hohlkugel  wiederum  Strahlen  nach  innen  sich  denken, 
nach  dem  Mittelpunkt  hereinstrahlend.  Also  Sie  denken  sich  dieses 
Bild,  einen  Punkt  inmitten  des  Raumes,  von  da  aus  Krafte  nach 
alien  Richtungen  des  Raumes  ausstrahlend,  tohu;  diese  Strahlen 
sich  gleichsam  an  einem  auBeren  Kugelgehause  verfangend,  zu- 
riickstrahlend  in  sich  selber,  von  alien  Richtungen  des  Raumes  wie- 
der  zuriick,  dann  haben  Sie  das  bohu.  Dann,  wenn  Sie  sich  diese 


Vorstellung  machen  und  sich  all  die  Kraftstrahlen  erfiillt  denken 
von  dem,  was  gegeben  ist  in  den  drei  elementarischen  Wesenheiten 
Warme,  Luft  und  Wasser,  wenn  Sie  sich  diese  Kraftstrahlen  den- 
ken, wie  sie  sich  gleichsam  in  diesen  drei  durcheinanderwogenden 
Elementen  bilden,  dann  haben  Sie  die  Charakteristik  dessen,  was 
das  innerlich  Regsame  ist.  So  also  wird  uns  durch  diese  Lautzusam- 
menstellung  die  Art  angedeutet,  wie  das  elementarische  Dasein 
dirigiert  wird  durch  die  Elohim. 

Was  ist  denn  aber  mit  dem  Ganzen  jetzt  iiberhaupt  gesagt?  Wir 
werden  nicht  den  ganzen  groBartigen  dramatischen  Vorgang  der 
sieben  Schopfungstage  verstehen,  wenn  wir  uns  diese  Einzelheiten 
nicht  vor  die  Seele  fiihren.  Fiihren  wir  sie  uns  vor  die  Seele,  dann 
wird  uns  das  Ganze  als  ein  wunderbares,  gewaltiges  kosmisches 
Drama  erscheinen.  Was  soil  eigentlkh  gesagt  werden?  Da  erinnern 
wir  uns  noch  einmal  daran,  daB  wir  es  in  all  dem,  was  zum  Bei- 
spiel  durch  das  Zeitwort  bara  gemeint  ist  —  in  den  Urbeginnen 
«schufen»  die  Gotter  —  mit  einer  seelisch-geistigen  Tatigkeit  zu 
tun  haben.  Ich  verglich  das  gestern  damit,  daB  innerhalb  der  Seele 
Vorstellungskomplexe  heraufgerufen  werden.  So  denken  wir  uns  in 
den  Raum  hineingelagert  die  Elohim,  und  wir  denken  uns  das,  was 
angedeutet  ist  mit  «schuf»,  bara,  als  eine  kosmisch-seelische  Tatig- 
keit eines  Ersinnens.  Was  sie  ersinnen,  das  ist  dann  angegeben  mit 
haschamajim  und  ha'arez,  das  nach  aufien  Strahlende  und  das  inner- 
lich Regsame.  Aber  jetzt  wird  auf  etwas  anderes  Bedeutsames  hin- 
gewiesen.  Versetzen  Sie  sich,  damit  Sie  einen  moglichst  guten  Ver- 
gleich  haben,  in  den  Zustand  des  Aufwachens.  Es  dringen  in  Ihre 
Seele  herauf  Vorstellungskomplexe.  So  dringen  in  der  Seele  der 
Elohim  herauf  haschamajim  und  ha'arez. 

Nun  wissen  wir  aber,  das  haben  wir  ja  schon  gestern  hervor- 
gehoben,  daB  diese  Elohim  heriiberkamen  in  ihrer  eigenen  Ent- 
wickelung  von  dem  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenzustand.  So  war 
das,  was  sie  ersannen,  wirklich  in  einer  ahnlichen  Lage  wie  Ihre 
Vorstellungskomplexe,  wenn  Sie  aufwachen  und  sie  in  Ihre  Seele 
heraufrufen.  Dann  konnen  Sie  sie  gleichsam  seelisch-geistig  an- 
schauen,  Sie  konnen  sagen,  wie  sie  sind.  Sie  konnen  sagen:  Wenn 


ich  am  Morgen  aufwache  und  wiederfinde,  was  friiher  in  meiner 
Seele  sich  gelagert  hat  und  was  ich  mir  heraufrufe,  dann  kann  ich 
beschreiben,  wie  es  ist.  —  So  konnte  fur  die  Elohim  beschrieben  wer- 
den,  was  sich  jetzt  ergab,  nachdem  sie  etwa,  wenn  ich  es  sehr  grob 
ausdriicken  wiirde,  sich  sagten:  Wir  wollen  jetzt  einmal  ersinnen, 
was  in  unsere  Seele  tritt,  wenn  wir  uns  alies  das  zuruckrufen,  was 
wahrend  des  alten  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenzustandes  sich  zu- 
getragen  hat.  Wir  wollen  sehen,  wie  das  in  der  Erinnerung  sich 
ausnimrnt.  —  Und  es  nahm  sich  so  aus,  daB  es  bezeichnet  wird  mit 
den  Worten  tohu  wabohu,  daJ3  es  bezeichnet  werden  konnte  durch 
ein  Bild,  wie  ich  es  eben  jetzt  schilderte  mit  den  Strahlen,  die  von 
einem  Mittelpunkt  ausgehen  in  den  Raum  hinaus  und  wieder 
zuriick,  so  daB  die  Elemente  in  diesen  Kraftstrahlen  ineinander- 
wogen.  Also  konnten  die  Elohim  etwa  sagen:  So  also  nimmt  es  sich 
aus,  nachdem  wir  es  bis  zu  diesem  Punkt  gefiihrt  haben.  So  hat  es 
sich  wieder  hergestellt. 

Nun  aber,  um  das  Folgende  zu  verstehen,  was  in  den  modernen 
Sprachen  gewohnlich  so  ausgedriickt  wird:  «Finsternis  war  iiber 
den  flutenden  Stoffen»  oder  «iiber  den  Wassern»,  um  das  zu  ver- 
stehen, miissen  wir  uns  noch  ein  anderes  vor  Augen  fiihren.  Wir 
miissen  den  Blick  wiederum  zuriickwenden  auf  den  Hergang  der 
Entwickelung,  bevor  das  Erdendasein  gekommen  war. 

Da  haben  wir  zuerst  das  Saturndasein  hereinwebend  im  feuri- 
gen  Element.  Dann  kommt  dazu  das  Sonnendasein  mit  dem  luft- 
artigen  Element.  Sie  konnen  es  aber  in  meiner  «Geheimwissen- 
schaft»  nachlesen,  daB  mit  diesem  Hinzukommen  der  Luft  noch 
ein  anderes  verkniipft  ist.  Es  kommt  ja  nicht  nur  zu  dem  Warme- 
element  das  gasige  oder  luftformige  Element  hinzu.  Das  ist  sozu- 
sagen  die  Vergroberung  des  Warmeelementes.  Das  feine  Warme- 
element  des  alten  Saturn  vergrobert  sich  zu  dem  gasigen  Elemente. 
Aber  ein  jedes  solches  Vergrobern  ist  verbunden  mit  dem  Hervor- 
gehen  eines  Feineren.  Wenn  das  Vergrobern  zu  dem  gasigen  Ele- 
ment gleichsam  ein  Heruntersteigen  ist,  so  ist  auf  der  anderen  Seke 
das  Hinaufsteigen  zu  dem  Lichtelement  gegeben.  So  daB,  wenn  wir 
von  dem  alten  Saturn  zur  alten  Sonne  heriiberkommen,  wir  sagen 


miissen:  Der  alte  Saturn  ist  noch  ganz  im  Warmeelement  webend; 
wahrend  des  Sonnenzustandes  kommt  dazu  etwas  Verdichtetes,  das 
Gasige,  dann  aber  auch  das  Lichtelement,  das  da  macht,  daB  sich 
die  Warme  und  das  Gasige  nach  auBen  hin  erstrahlend  offenbaren 
kann. 

Wenn  wir  nun  den  einen  der  Komplexe  nehmen,  die  da  auftreten, 
denjenigen,  der  angedeutet  wird  mit  ha'arez,  das,  was  gewohnlich 
iibersetzt  wird  mit  «Erde»,  und  beachten,  daB  die  Elohim,  nachdem 
sie  sich  erinnert  hatten,  ihn  ins  Seelenauge  faBten,  dann  miissen 
wir  uns  fragen:  Wie  muBten  sie  ihn  bezeichnen?  —  Sie  konnten  ihn 
nicht  so  bezeichnen,  daB  in  ihm  jetzt  wieder  aufgelebt  hat,  was 
schon  in  der  alten  Sonne  war.  Es  fehlte  das  Lichtelement.  Das 
hatte  sich  abgesondert.  Dadurch  war  ha'arez  einseitig  geworden.  Es 
hatte  das  Licht  nicht  mitgenommen,  sondern  nur  die  dichteren  Ele- 
mente, das  waBrige,  das  luftformige  und  das  Warmeelement.  Es 
fehlte  das  Licht  allerdings  nicht  in  dem,  was  mit  haschamajim  an- 
gedeutet wird,  aber  haschamajim  ist  das  Sonnenhafte,  das  sich  her- 
ausbewegt  aus  dem  anderen  Komplex.  In  diesem  anderen  Komplex 
fehltcri  die  Verfeinerungen  der  Elemente,  fehlte  das  Licht.  So  daB 
wir  sagen  konnen:  In  dem  einen  der  Komplexe  wogten  so,  wie  wir 
es  eben  mit  dem  tohu  wabohu  bezeichnet  haben,  durcheinander  die 
Warme-,  Luft-  und  Wasserelemente.  Und  sie  waren  entbloBt;  ihnen 
fehlte,  was  im  alten  Sonnendasein  in  die  Entwickelung  eingetreten 
ist,  das  Lichtelement.  Sie  waren  also  dunkel  geblieben,  sie  hatten 
nichts  Sonnenhaftes.  Das  war  mit  dem  haschamajim  herausgezogen 
aus  ihnen.  So  bedeutet  also  der  Fortschritt  zur  Erdenentwickelung 
nichts  anderes  als:  Dasjenige,  was  als  Licht  in  dem  alten  Sonnen- 
haften  enthalten  war,  solange  dieses  noch  mit  dem  verbunden  war, 
was  wir  Erde  nennen,  das  war  herausgezogen,  und  ein  dunkles  Ge- 
webe  der  Elemente  Warme,  Luft  und  Wasser  war  als  das  ha'arez 
zuriickgeblieben. 

Damit  haben  wir  also  das,  was  die  Elohim  ersannen,  noch  genauer 
vor  unsere  Seele  hingestellt.  Wir  werden  es  uns  aber  niemals  in  der 
richtigen  Weise  vorstellen  konnen,  wenn  wir  uns  nicht  immer 
bewuBt  bleiben,  daB  alles  das,  was  wir  als  elementarisches  Dasein 


bezeichnen,  Luft,  Wasser  und  auch  Warme,  im  Grunde  genommen 
auch  die  auBere  Ausdrucksform  von  geistigen  Wesenheiten  ist.  Es 
ist  nicht  ganz  richtig,  zu  sagen  das  Kleid,  man  muB  es  vielmehr  als 
eine  auBere  Kundgebung  auffassen.  Also  alles,  was  man  so  bezeich- 
net  als  Luft,  Wasser,  Warme,  ist  im  Grunde  genommen  Maja, 
Illusion,  ist  zunachst  nur  fur  den  auBeren  Anblick,  auch  des  Seelen- 
auges,  vorhanden.  In  Wahrheit,  wenn  man  auf  seine  eigentliche 
Wesenheit  eingeht,  ist  es  Seelisch-Geistiges,  ist  es  auBere  Ankiindi- 
gung  des  Seelisch-Geistigen  der  Elohim.  Wenn  wir  aber  diese  Elohim 
betrachten,  dann  diirfen  wir  sie  uns  noch  nicht  irgend  menschen- 
ahnlich  vorstellen,  denn  das  war  ja  gerade  ihr  Ziel,  den  Menschen 
zu  gestalten,  den  Menschen  ins  Dasein  zu  rufen  in  seiner  eigen- 
artigen  Organisation,  die  eben  jetzt  von  ihnen  ersonnen  ist.  Mensch- 
lich  also  diirfen  wir  sie  uns  nicht  denken.  Wohl  aber  miissen  wir  in 
gewisser  Beziehung  bei  diesen  Elohim  schon  eine  Art  von  Schei- 
dung  in  ihrer  Wesenheit  ins  Auge  fassen.  Wenn  wir  heute  vom 
Menschen  sprechen,  so  konnen  wir  ihn  ja  gar  nicht  verstehen,  wenn 
wir  seine  Wesenheit  nicht  scheiden  in  ein  Leibliches,  ein  Seelisches 
und  ein  Geistiges.  Und  Sie  wissen  ja,  wie  sehr  es  uns  gerade  auf 
dem  anthroposophischen  Felde  beschaftigt,  die  Wirksamkeit  und 
Wesenheit  dieser  Trinit'at  des  Menschen,  dieses  Leiblichen,  See- 
lischen  und  Geistigen,  genauer  kennen  zu  lernen.  So  zu  unterschei- 
den,  in  dieser  Dreiheit  eine  Wesenheit  zu  erkennen,  dazu  sind  wir 
allerdings  erst  beim  Menschen  genotigt,  und  wir  wiirden  natiirlich 
den  groBten  Fehler  machen,  wenn  wir  die  Wesenheit  der  Vor- 
menschheit,  die  also  in  der  Bibel  als  die  Elohim  bezeichnet  wird,  in 
ahnlicher  Weise  uns  denken  wiirden  wie  den  Menschen.  Aber  wir 
miissen  bei  ihnen  doch  schon  unterscheiden  eine  Art  Leibliches  und 
eine  Art  Geistiges. 

Nun  werden  Sie,  wenn  Sie  beim  Menschen  den  Unterschied 
machen  zwischen  seinem  Leiblichen  und  seinem  Geistigen,  sich  ja 
durchaus  bewuBt  sein,  daB  auch  in  der  auBeren  Gestalt,  als  die  sich 
Ihnen  der  Mensch  darbietet,  seine  Wesenheit  in  verschiedener  Weise 
wohnt.  Wir  werden  zum  Beispiel  nicht  versucht  sein,  in  der  Hand 
oder  in  den  Beinen  das  eigentlich  Geistige  des  Menschen  zu  lokali- 


sieren,  sondern  wir  sagen:  Im  wesentlichen  ist  das  Leibliche  zum 
Beispiel  im  Rumpfe,  in  den  Beinen,  in  den  Handen.  Das  Geistige 
hat  seine  Organe  im  Kopf ,  im  Gehirn;  da  hat  es  seine  Werkzeuge.  — 
Wir  unterscheiden  also  innerhalb  der  auBeren  Gestalt  des  Men- 
schen  so,  daB  wir  gewisse  Teile  mehr  als  den  Ausdruck  des  Leib- 
lichen,  gewisse  Teile  mehr  als  den  des  Geistigen  begreifen. 

Ein  solches  miissen  wir  nun  auch  in  bezug  auf  die  Elohim,  wenn 
audi  nicht  in  gleicher,  doch  in  ahnlicher  Weise  tun.  Im  Grunde 
genommen  ist  das  ganze  Gewebe  und  Gewoge,  von  dem  ich  gespro- 
chen  habe,  nur  dann  richtig  verstanden,  wenn  wir  es  auffassen  als 
die  Leiblichkeit  des  Geistig-Seelischen  der  Elohim.  Also  alles  das, 
was  sich  als  elementarisches  Weben  des  Luftigen,  des  Warmehaf- 
ten,  des  WaBrigen  dargestellt  hat,  ist  die  auBere  Leiblichkeit  der 
Elohim.  Aber  wir  miissen  die  Teile  der  Elohim  wieder  in  verschie- 
dener  Weise  an  diese  elementarischen  Glieder  verteilen,  wir  miissen 
an  das  WaBrige  und  an  das  Luftformige  mehr  das  Leibliche,  das 
Grobere  der  Elohim  gekniipft  denken.  Und  in  alledem,  was  als 
Warmeelement  das  Gasige  und  das  WaBrige  durchsetzte,  was  dieses 
tohu  wabohu  als  das  Warmeelement  durchdrang,  was  es  durch- 
wogte  als  wogende  Warme,  in  dem  wirkte  das,  was  wir  nennen 
konnen  das  Geistige  der  Elohim.  Ebenso  wie  wir  sagen,  im  Men- 
schen  wirkt  das  mehr  Leibliche  in  seinem  Rumpf,  in  den  Beinen 
und  den  Handen,  das  mehr  Geistige  in  seinem  Kopfe,  so  konnen 
wir  sagen,  wenn  wir  den  ganzen  Kosmos  auffassen  als  eine  Leib- 
lichkeit der  Elohim:  In  dem  Luft-  und  in  dem  Wasserelemente  lebte 
das  mehr  Leibliche  der  Elohim,  und  in  dem  Warmeelemente  webte 
das  Geistige.  —  Damit  haben  Sie  dann  den  Kosmos  selbst  aufgefaBt 
als  eine  Leiblichkeit  der  Elohim.  Und  nachdem  das  auBerlich  Leib- 
liche charakterisiert  ist  als  etwas,  was  ein  tohu  wabohu  der  elemen- 
tarischen Wesenheiten  war,  haben  Sie  in  dem,  was  als  Warme  diese 
elementarischen  Wesenheiten  durchdrang,  den  webenden  Geist  der 
Elohim  lokalisiert. 

Nun  gebraucht  die  Bibel  ein  merkwiirdiges  Wort,  um  das  Ver- 
haltnis  dieses  Geistigen  der  Elohim  zu  den  Elementen  auszudriicken: 
«Ruach  Elohim  m'rachephet.»  Ein  merkwiirdiges  Wort,  auf  das  wir 


n'aher  eingehen  miissen,  wenn  wir  verstehen  wollen,  wie  der  Geist 
der  Elohim  die  anderen  Elemente  durchwebte.  Dieses  Wort,  racheph, 
wir  konnen  es  nur  verstehen,  wenn  wir  sozusagen  alles  zu  Hilfe 
nehmen,  was  in  der  damaligen  Zeit  durch  die  Seele  zog,  wenn  dieses 
Wort  ausgesprochen  wurde.  Wenn  man  sagt:  «Und  der  Geist  der 
Gotter  webte  auf  sich  ausbreitenden  Stoffmassen»  oder  «auf  den 
Wassern»,  so  ist  damit  gar  nichts  gesagt.  Denn  zu  der  richtigen 
Deutung  dieses  Zeitwortes,  racheph,  kommen  wir  nur,  wenn  Sie 
sich  denken  —  ich  muB  es  durch  einen  etwas,  ich  mochte  sagen 
groben,  anschaulichen  Vergleich  charakterisieren  — ,  ein  Huhn  sitzt 
auf  den  Eiern,  und  die  Brutwarme  von  dem  Huhn  strahlt  aus  iiber 
die  Eier,  die  darunter  sind.  Und  wenn  Sie  sich  nun  denken  die 
Tatigkeit  dieser  Brutwarme,  die  von  dem  Huhn  in  die  Eier  strahlt, 
um  da  die  Eier  zum  Ausreifen  zu  bringen,  diese  Tatigkeit  der 
Warme,  dieses  Strahlen  der  Warme  von  dem  Huhn  in  die  Eier 
hinein,  dann  haben  Sie  einen  BegrifT  von  dem  Zeitwort,  das  da 
steht  und  uns  sagt,  was  der  Geist  im  Warmeelemente  tut.  Es  ware 
natiirlich  durchaus  ungenau  ausgedriickt,  wenn  man  sagen  wurde, 
der  Geist  der  Elohim  «brutet»,  weil  nicht  das  gemeint  ist,  was  man 
sich  heute  unter  der  sinnlichen  Tatigkeit  des  Briitens  vorstellt;  es 
ist  vielmehr  die  Aktivitat  der  ausstrahlenden  Warme  damit  ge- 
meint. So  wie  die  Warme  vom  Huhn  strahlt,  so  strahlte  in  die 
anderen  elementarischen  Zustande,  in  den  luftformigen  und  den 
waBrigen,  durch  das  Warmeelement  der  Geist  der  Elohim  hinein. 
Wenn  Sie  sich  das  denken,  dann  haben  Sie  das  Bild  dessen,  was 
gemeint  ist,  wenn  gesagt  wird:  «Und  der  Geist  der  Elohim  briitete 
iiber  den  Stofrmassen,  iiber  den  Wassern.» 

Nun  haben  wir  aber  auch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  uns  das 
Bild  konstruiert,  das  vor  der  Seele  des  althebraischen  Weisen 
schwebte,  wenn  er  an  diesen  Urzustand  dachte.  Wir  haben  uns 
konstruiert  einen  Komplex,  der  in  der  Art,  wie  ich  Ihnen  das  tohu 
wabohu  charakterisiert  habe,  sozusagen  kugelig  ineinanderwogende 
Warme,  Luft  und  Wasser  hatte,  von  dem  sich  abgesondert  hatte 
alles  lichtartige  Element  in  dem  haschamajim,  und  wir  haben  dieses 
Ineinanderwogen  der  elementarischen  drei  Zustande  von  Finsternis 


innerlich  durchsetzt.  Wir  haben  in  dem  einen  Element,  in  dem 
Warmehaften,  wogend  und  webend  das  Geisthafte  der  Elohim,  das 
nach  alien  Seiten  mit  der  sich  verbreitenden  Warme  wie  wogend 
skh  selber  verbreitet  und  zur  Reifung  bringt,  was  zunachst  unreif 
ist  in  dem  finsteren  Elemente. 

So  stehen  wir,  wenn  wir  bis  zum  Ende  dieses  Satzes  kommen, 
der  gewohnlich  angedeutet  wird  mit  den  Worten:  «Und  der  Geist 
der  Elohim  briitete  iiber  den  Wassern»,  sozusagen  innerhalb  einer 
Charakteristik  dessen,  was  im  ersten  Vers  der  Bibel  in  dem  ha'arez 
angedeutet  wird  mit  dem  Worte  «Erde».  Wir  haben  charakterisiert, 
was  da  sozusagen  zuriickgeblieben  ist,  nachdem  das  haschamajim 
abgezogen  war. 

Fassen  wir  jetzt  noch  einmal  die  friiheren  Zustande  ins  Auge. 
Wir  konnen  zuriickgehen  von  der  Erde  zum  Mondenzustand,  zum 
Sonnen-  und  zum  Saturnzustand.  Gehen  wir  einmal  zum  alten  Son- 
nenzustand  zuriick.  Wir  wissen,  daB  damals  von  einer  Trennung 
des  heute  Erdenhaften  von  dem  Sonnenhaften  noch  nicht  die  Rede 
sein  konnte,  also  auch  nicht  davon,  daB  das  Erdenhafte  von  auBen 
vom  Lichte  bestrahlt  wird.  Das  ist  ja  das  Wesentliche  unseres  Erden- 
lebens,  daB  das  Licht  von  auBen  kommt,  daB  die  Erde  von  auBen 
bestrahlt  wird.  Sie  miissen  sich  die  Erdkugel  eingeschlossen  in  die 
Sonne  denken,  einen  Teil  der  Sonne  selber  bildend  und  also  nicht 
Licht  empfangend,  sondern  selber  zu  demjenigen  Wesen  gehorend, 
das  Licht  in  den  Raum  hineinstrahlt,  dann  haben  Sie  den  alten  Son- 
nenzustand.  Dieser  alte  Sonnenzustand  ist  nur  dadurch  zu  charak- 
terisieren,  daB  man  sagt:  alles  Erdenhafte  ist  nicht  ein  Lichtempfan- 
gendes,  es  gehort  zu  dem  Lichtverbrekenden,  es  ist  selber  eine 
Lichtquelle. 

Fassen  Sie  jetzt  den  Unterschied  ins  Auge!  Der  alte  Sonnen- 
zustand: die  Erde  beteiligt  sich  an  der  Ausstrahlung  des  Lichtes; 
der  neue  Zustand,  der  Erdenzustand:  die  Erde  beteiligt  sich  nicht 
mehr  daran.  Die  Erde  hat  aus  sich  herausgehen  lassen  alles  das, 
was  lichtverbreitend  ist.  Sie  ist  darauf  angewiesen,  von  auBen  das 
Licht  zu  empfangen.  Das  Licht  muB  in  sie  einstrahlen.  Das  ist  der 
charakteristische  Unterschied  des  neuen  Erdenzustandes  im  Laufe 


der  Entwickelung  von  dem  alten  Sonnenzustand.  Mit  der  Abtren- 
nung  des  Sonnenhaften,  des  haschamajim,  ist  mitgegangen  das 
Lichthafte.  Das  ist  jetzt  auBerhalb  der  Erde.  Und  das  elementarische 
Dasein,  das  im  ha'arez  durcheinanderwogt  als  tohu  wabohu,  das 
hat  keinen  eigenen  Lichtzustand,  das  hat  nur  etwas,  was  man  nen- 
nen  kann  «durchbriitet  sein  von  dem  Geist  der  Elohim».  Aber  das 
machte  es  nicht  in  sich  selber  hell,  das  lieB  es  in  sich  dunkel. 

Fassen  wir  jetzt  das  Ganze  des  elementarischen  Daseins  noch  ein- 
mal  ins  Auge.  Sie  wissen  ja  aus  friiheren  Vortragen:  Wenn  wir  das, 
was  wir  die  elementarischen  Zustande  nennen,  innerhalb  unseres 
Erdendaseins  aufzahlen,  so  fangen  wir  mit  dem  Festen  an,  gehen 
dann  nach  dem  WaBrigen,  nach  dem  Gas-  oder  Luftformigen  und 
nach  dem  Warmeelemente.  Damit  haben  wir  sozusagen  die  dichte- 
sten  Stoffzustande  angegeben.  Aber  damit  sind  diese  Zustande  noch 
nicht  erschopft.  Wenn  wir  weiter  hinaufgehen,  so  finden  wir  feinere 
Zustande,  die  nicht  viel  charakterisiert  sind,  wenn  man  sie  als  « fei- 
nere Stofflichkeit»  bezeichnet.  Es  kommt  darauf  an,  daB  wir  sie  als 
feinere  Zustande  gegeniiber  den  groberen  des  Gasigen,  Warmehaf- 
ten  und  so  weiter  erkennen.  Man  nennt  sie  gewohnlich  atherische 
Zustande.  Und  wir  haben  ja  immer  unterschieden  in  diesen  feine- 
ren  Zustanden  als  erstes  das  Lichthafte.  Wenn  wir  also  von  der 
Warme  hinuntergehen  ins  Dichtere,  kommen  wir  zum  Gasigen, 
wenn  wir  weiter  hinaufgehen,  zum  Lichthaften.  Wenn  wir  noch 
weiter  hinaufgehen  von  dem  Lichthaften,  so  kommen  wir  zu  einem 
noch  feineren  Atherzustand;  dann  kommen  wir  schon  zu  etwas, 
was  eigentlich  in  der  gewohnlichen  Sinneswelt  nicht  unmittelbar 
gegeben  ist.  Es  ist  uns  in  der  Sinneswelt  nur  ein  auBerer  Abglanz 
gegeben  von  dem,  was  wir  bezeichnen  kdnnen  als  einen  feineren 
Atherzustand  gegeniiber  dem  Lichtather.  Okkultistisch  kann  man 
davon  sprechen,  daB  die  Krafte  in  diesem  feineren  Ather  dieselben 
sind,  welche  das  chemische  Anordnen,  das  Ineinanderfiigen  der 
Stoffe  dirigieren,  das  Organisieren  des  Stoffes  in  der  Art,  wie  man 
es  etwa  ausdriicken  kann,  wenn  man  auf  eine  Platte  feinen  Staub 
legt,  die  Platte  dann  mit  einem  Violinbogen  streicht  und  so  die  so- 
genannten  Chladnischen  Klangflguren  bekommt.  Was  der  grobe 


sinnliche  Ton  da  bewirkt  in  dem  Staub,  das  geschieht  iiberhaupt  im 
Raum.  Der  Raum  ist  in  sich  differenziert,  wird  durchwogt  von  sol- 
chen  Kraften,  die  feiner  sind  als  die  Lichtkrafte  und  die  im  Gei- 
stigen  das  darstellen,  was  im  Sinnlichen  der  Ton  ist.  So  daB  wir  von 
einem  chemischen  oder  Klangather  als  einem  feineren  Elemente 
sprechen  konnen,  wenn  wir  aufwartsgehen  von  der  Warme  zum 
Licht,  von  da  zu  diesem  feineren  Ather,  der  die  Krafte  enthalt,  die 
den  Stoff  differenzieren,  trennen  und  zusammenfiigen,  der  aber  in 
Wirklichkeit  tonartige,  klangartige  Wesenheit  hat,  von  dem  der 
sinnliche  Klang,  den  das  sinnliche  Ohr  hort,  nur  ein  'auBerer  Aus- 
druck,  namlich  ein  durch  die  Luft  hindurchgegangener  Ausdruck 
ist.  Das  bringt  uns  nahe  diesem  feineren  Elemente,  das  oberhalb 
des  Lichtes  liegt.  Wenn  wir  also  davon  sprechen,  daB  mit  dem 
haschamajim  das  sich  auBerlich  Offenbarende  herausgetreten  ist 
aus  dem  ha'arez,  dann  miissen  wir  uns  nicht  nur  das  durch  das 
Lichthafte  sich  Offenbarende  denken,  sondern  auch  das,  was  sich 
ofTenbart  durch  das  feinere  Atherhafte  des  Klanghaften,  des  Ton- 
haften,  das  dieses  Licht  wiederum  durchsetzt. 

Ebenso  wie  wir  von  der  Warme  abwartsgehen  zu  dem  Gasigen 
und  von  da  zum  Wasserigen,  so  konnen  wir  nach  aufwarts  von  der 
Warme  zum  Licht,  vom  Licht  zum  Tonhaften,  zum  chemisch  Ord- 
nenden  gehen.  Und  vom  Wasserigen  konnen  wir  nach  abwarts 
schreiten  zum  Erdigen.  Wohin  kommen  wir  nun,  wenn  wir  von 
dem  Klanghaften  zu  noch  feinerem,  hoherem  Atherischen  steigen, 
das  also  wiederum  mit  dem  haschamajim  hinausgegangen  ist?  Da 
kommen  wir  zu  etwas,  was  sozusagen  als  der  feinste  atherische  Zu- 
stand  wiederum  webt  in  dem  eben  beschriebenen  Ton-  oder  Klang- 
haften, in  dem  chemisch  Ordnenden.  Wenn  Sie  das  geistige  Ohr 
richten  nach  diesem  Atherzustand,  den  ich  eben  beschrieben  habe, 
dann  horen  Sie  natiirlich  nicht  einen  auBeren  Luftklang,  aber  Sie 
horen  den  Ton,  der  den  Raum  differenziert,  der  ihn  durchsetzt  und 
die  Materien  ordnet,  wie  der  Ton,  der  durch  den  Bogen  an  der 
Platte  hervorgerufen  wird,  die  Chladnischen  Klangflguren  ordnet. 
Aber  in  dieses  Dasein  hinein,  das  durch  den  Klangather  geordnet 
ist,  ergieBt  sich  eben  der  hohere  Atherzustand.  Der  durchdringt, 


durchsetzt  das  Klangatherische  so,  wie  in  uns  den  Klang,  den  unser 
Mund  ausspricht,  der  Sinn  des  Gedankens  durchdringt,  das  was 
den  Klang  zum  Wbrte  macht.  Das  fassen  Sie  ins  Auge,  was  den 
Klang  zum  sinnvollen  "Wbrte  macht,  dann  bekommen  Sie  eine  Vor- 
stellung  von  dem,  was  den  Klangather  durchwebt  als  das  feinere 
atherische  Element,  was  kosmisch  durchwebt  und  Sinn  gibt  dem 
ordnenden  Weltenklang:  das  den  Raum  durchwogende  Wort.  Und 
dieses  den  Raum  durchwogende  Wort,  das  sich  hineinergieBt  in  den 
Klangesather,  das  ist  zu  gleicher  Zek  der  Ursprung  des  Lebens,  das 
ist  wirklich  webendes,  wogendes  Leben.  Das  also,  was  mit  dem 
haschamajim  herausgezogen  ist  aus  dem  ha'arez,  was  in  das  Sonnen- 
hafte  gegangen  ist  gegemiber  dem  anderen,  Niederen,  dem  Erden- 
haften,  gegeniiber  dem  tohu  wabohu,  das  ist  etwas,  was  sich  auBer- 
lich  ankiindigen  kann  als  Lichthaftes.  Hinter  diesem  steht  aber  ein 
geistig  Klanghaftes,  hinter  diesem  das  kosmische  Sprechen.  Deshalb 
diirfen  wir  sagen:  In  der  briitenden  Warme  lebt  sich  zunachst  aus 
das  niedrige  Geistige  der  Elohim,  so  wie  etwa  unsere  Begierden  sich 
in  unserem  niederen  Seelenhaften  ausleben.  Das  hohere  Geistige  der 
Elohim,  das  ist  hinausgegangen  mit  dem  haschamajim,  das  lebt  im 
Lichthaften,  geistig  Klanghaften,  geistig  Worthaften,  in  dem  kosmi- 
schen  Wbrte.  Alles  das,  was  in  dieses  Sonnenhafte  hinausgegangen 
ist,  das  kann  allein  von  aufien  wieder  hereinstrahlen  in  das  tohu 
wabohu. 

Versuchen  wir  jetzt,  uns  das  Ganze  bildhaft  vor  Augen  zu  fiihren, 
was  vor  der  Seele  des  althebraischen  Weisen  schwebte  als  das 
ha'arez,  das  haschamajim.  Was  da  als  geistig  Lichthaftes,  Klang- 
haftes, Sprechendes,  Wortbildendes  hinausgezogen  ist,  wenn  das 
wiederum  hereinstrahlt,  wie  wirkt  es  dann?  Es  wirkt  wie  ein  aus 
dem  Sonnenhaften  heraus  sich  sprechendes  Licht,  als  ein  Licht,  hin- 
ter dem  das  kosmische  Sprechen  steht.  Also  denken  wir  uns  alles 
das,  was  wir  im  tohu  wabohu  gegeben  haben  in  seiner  Finsternis, 
in  seinem  Durcheinanderwogen  des  Warmehaften,  des  Gasigen,  des 
Wasserigen,  denken  wir  es  in  seiner  sozusagen  lichtverlorenen  Fin- 
sternis. Und  nun  denken  wir  uns  aus  der  Tatigkeit  der  Elohim  her- 
aus von  aufien  einstrahlen  durch  das  schopferische  Wort,  das  als  die 


hochste  Ather-Entitat  zugrunde  liegt,  von  auBen  hereinstrahlen  mit 
dem  Licht  das,  was  aus  dem  Wort  herausstromt.  Wie  soli  man  das 
bezeichnen,  was  da  vorgeht?  Man  kann  es  nicht  treffender  bezeich- 
nen,  als  wenn  man  das  monumentale  Wort  hmstellt,  das  besagt: 
Die  Wesenheiten,  die  mit  dem  haschamajim  ihr  Hochstes  in  das 
Atherische  hinausgetrieben  hatten,  erstrahlten  zuriicksprechendes 
Licht  aus  dem  Weltenraum  in  das  tohu  wabohu  hinein!  —  Damit 
haben  Sie  den  Tatbestand  dessen  gegeben,  was  in  den  monumenta- 
len  Worten  liegt:  Und  die  Gotter  sprachen:  Es  werde  Licht!  und  es 
ward  Licht  in  dem,  was  Finsternis  war,  in  tohu  wabohu.  —  Da  haben 
Sie  das  Bild,  das  dem  althebraischen  Weisen  vorschwebte. 

So  miissen  wir  uns  die  Wesenheit  der  Elohim  iiber  den  ganzen 
Kosmos  ausgedehnt  denken,  diesen  ganzen  Kosmos  uns  wie  den 
Leib  denken;  das,  was  das  elementarische  Dasein  ist  in  dem  tohu 
wabohu  als  die  niedrigste  Gestalt  des  Leiblichen,  das  Warmehafte 
als  etwas  hohere  Gestalt,  als  die  Gestalt  des  hochsten  Geistigen  das 
haschamajim,  das  hinausgegangen  ist  und  jetzt  von  auBen  herein 
schaffend  wirkt  in  die  ganze  Gestaltung  des  tohu  wabohu. 

Nun  konnen  Sie  sagen:  Damit  fuhrst  du  uns  eigentlich  vor,  daB 
durch  das  kosmisch  gesprochene  lichtstrahlende  Wort  das  tohu 
wabohu,  das  Durcheinanderwogen  des  Elementarischen,  geordnet 
wurde,  zu  dem  gemacht  wurde,  was  es  spater  wurde.  Von  wo  aus 
wird  nun  aber  die  menschliche  Gestalt  organisiert?  —  Es  kann  keine 
solche  menschliche  Gestalt  geben,  wie  wir  sie  haben,  die  auf  zwei 
Beinen  aufrecht  geht,  die  die  Hande  gebraucht,  wie  wir  sie  gebrau- 
chen,  ohne  daB  sie  von  den  im  Gehirn  veranlagten  und  von  dort 
ausstrahlenden  Kraften  organisiert  wird.  Von  den  hochsten  gei- 
stigen Kraften,  die  da  ausstrahlen  von  unserem  Geistigen,  wird 
unsere  Gestalt  organisiert.  Immer  wird  das  Niedrige  von  dem  H6- 
heren  organisiert.  So  wurde  das  ha'arez  gleichsam  als  der  Leib  der 
Elohim,  als  das  Niedrige,  von  dem  hoheren  Leiblichen,  von  dem 
haschamajim  und  dem  darin  wirkenden  Geistigen  der  Elohim  orga- 
nisiert. Also  von  dem,  was  hinausgegangen  ist,  nimmt  das  hochste 
Geistige  der  Elohim  Besitz  und  organisiert  es,  wie  es  sich  ausdriickt 
in  den  Worten:  «Das  durch  das  kosmische  Sprechen  sich  off  en- 


barende  Licht  stromt  ein  in  die  Finsternis.»  Dadurch  wird  das  tohu 
wabohu  organisiert,  aus  der  Unordnung  der  Elemente  herausgeho- 
ben.  Wenn  Sie  sich  also  denken  in  dem  haschamajim  gleichsam 
den  Kopf  der  Elohim  und  in  dem  Elementarischen,  das  zuriick- 
geblieben  ist,  den  Rumpf  und  die  GliedmaBen,  und  durch  die 
Macht  des  Kopfes  nunmehr  organisiert  Rumpf  und  GliedmaBen, 
das  Elementarische,  dann  haben  Sie  den  tatsachlichen  Vorgang, 
dann  haben  Sie  gleichsam  den  Menschen  vergroBert  zum  Kosmos; 
und  in  diesem  Kosmos  wirkt  er  organisierend  von  den  Organen  des 
Geistes  aus,  die  im  haschamajim  liegen.  Einen  sich  organisierenden 
makrokosmischen  Menschen,  das  diirfen  wir  uns  als  ein  Bild  vor 
die  Seele  malen,  wenn  wir  uns  all  die  Kraftestrahlungen  denken, 
die  von  dem  haschamajim  nach  dem  ha'arez  herunterstromen. 

Und  jetzt  fassen  wir  einmal  unseren  heutigen  Menschen  auf,  um 
uns  das  Bild  noch  genauer  vor  die  Seele  malen  zu  konnen.  Fragen 
wir  uns  einmal:  Ja,  wodurch  ist  denn  der  Mensch  fur  die  Geistes- 
wissenschaft  —  nicht  fur  die  dilettantische  Wissenschaft  von  heute  — 
so  geworden,  wie  er  heute  ist?  Wodurch  hat  er  denn  die  bestimmte 
Gestalt,  die  ihn  ja  doch  unterscheidet  von  alien  iibrigen  Lebewesen 
in  seiner  Umgebung;  was  macht  ihn  denn  eigentlich  zum  Men- 
schen? Was  webt  denn  da  durch  diese  menschliche  Gestalt  hin- 
durch?  —  Es  ist  ungeheuer  leicht,  wenn  man  sich  keine  Binde  vor 
die  Augen  legt,  zu  sagen,  was  den  Menschen  zum  Menschen  macht. 
Dasjenige,  was  er  hat  und  alle  iibrigen  Wesen  um  ihn  herum  im 
irdischen  Dasein  nicht  haben,  die  Sprache,  die  in  Lauten  zum  Vor- 
schein  kommt,  das  macht  ihn  zum  Menschen.  Denken  Sie  sich  die 
tierische  Gestalt.  Wodurch  kann  sie  zur  Menschengestalt  herauf- 
organisiert  werden?  Was  muB  hineinschlagen  in  sie,  damit  sie  zur 
menschlichen  Gestalt  wird?  Stellen  wir  die  Frage  so:  Denken  wir 
uns  eine  tierische  Gestalt,  und  wir  muBten  sie  mit  etwas  durch- 
stromen,  mit  einem  Hauch  durchstromen  —  was  miiBte  dieser 
Hauch  enthalten,  daB  dadurch  diese  Gestalt  anfangen  wiirde  zu 
sprechen?  —  Sie  miiBte  innerlich  sich  so  organisiert  fiihlen,  daB  sie 
Lauthaftes  von  sich  ausstrahlte!  Das  Lauthafte  schafft  aus  der  tie- 
rischen  Gestalt  die  menschliche  Gestalt. 


Wie  kann  man  daher  den  Kosmos  sich  bildhaft  vorstellen,  inner- 
lich  erfiihlen?  Wie  kann  man  alles  das,  was  ich  Ihnen  in  Bildern 
vor  die  Seele  geschrieben  habe,  in  umstandlicher  Weise  Bild  fiir 
Bild  aus  dem  Elementarischen  herauskonstruiert  habe,  wie  kann 
man  das  erfiihlen,  wie  kann  man  die  Gestalt  des  makrokosmischen 
Menschen  gleichsam  innerlich  erfiihlen?  Wenn  man  anfangt  zu 
fiihlen,  wie  der  Laut  in  die  Gestalt  schieBt!  Man  lerne  fiihlen  am 
Laut  A,  wenn  er  dahinsaust  durch  die  Luft,  nicht  bloB  den  Ton, 
man  lerne  fiihlen,  wie  sich  dieser  Laut  gestaltet,  so  wie  sich  der 
Staub  gestaltet  durch  den  Ton  des  Fiedelbogens,  der  die  Platte 
streicht.  Man  lerne  fiihlen  das  A  und  lerne  fiihlen  das  B,  wie  sie 
durch  den  Raum  hinweben!  Man  lerne  sie  nicht  bloB  als  Lautstrahl 
fiihlen,  sondern  als  sich  Gestaltendes,  dann  fiihlt  man  so,  wie  der 
althebraische  Weise  fiihlte,  wenn  er  sich  in  Lauten  anregen  lieB  zu 
den  Gestalten  der  Bilder,  die  ich  Ihnen  hingestellt  habe  vor  das 
geistige  Auge.  So  wirkte  der  Laut  Deshalb  muBte  ich  sagen:  Das 
Bet  regte  an  etwas  sich  UmschlieBendes,  etwas  wie  ein  Gehaus- 
haftes,  etwas  sich  AbschlieBendes  und  im  Inneren  einen  Inhalt  Ein- 
schlieBendes.  Dasjenige,  was  mit  dem  Resch  angedeutet  wurde,  das 
regte  an  etwas,  was  man  fiihlte,  wie  man  sich  fiihlt,  wenn  man  sein 
Haupt  fiihlt.  Und  das  Schin  regte  etwas  an,  was  ich  bezeichnete 
mit  dem  Aufstacheln.  —  D?s  ist  eine  durchaus  objektive  Sprache, 
eine  Sprache,  die  in  ihrer  Lauthervorbringung  sich  zum  Bilde  kri- 
stallisiert,  wenn  die  Seele  sich  von  ihr  anregen  laBt.  Daher  Uegt 
auch  in  diesen  Lauten  selber  die  hohe  Schule,  die  den  Weisen  hin- 
fiihrte  zu  den  Bildern,  die  sich  vor  die  Seele  des  Sehers  drangen, 
wenn  er  ins  Ubersinnliche  hineintritt.  So  setzt  sich  Laut  in  Geist- 
gestalt  um  und  zaubert  vor  die  Seele  Bilder,  welche  sich  so  zusam- 
menfugen,  wie  ich  es  Ihnen  beschrieben  habe.  Das  ist  das  unge- 
heuer  Bedeutsame  an  dieser  alten  Urkunde,  daB  sie  in  einer  Sprache 
erhalten  ist,  welche  in  ihren  Lauten  gestaltenschaffend  ist,  deren 
Laute  sich  in  der  Seele  kristallisieren  zu  Gestalten.  Und  diese  Ge- 
stalten sind  die  Bilder,  die  man  gewinnt,  wenn  man  zum  Uber- 
sinnlichen  vordringt,  aus  dem  sich  das  Sinnliche  unseres  physischen 
Erdenplanes  herausentwickelt  hat.  Wenn  man  das  ins  Auge  faBt, 


dann  gelangt  man  dazu,  jene  tiefe,  ungeheure  Scheu  und  Ehrfurcht 
zu  empfinden  vor  dem,  wie  die  Welt  sich  entwickelt,  und  man  lernt 
empfin^en,  wie  es  wahrhaft  kein  Zufall  ist,  dafi  dieses  groJ3e,  dieses 
urgewaltige  Dokument  des  Menschendaseins  gerade  in  dieser  Schrift 
uns  iibermittelt  ist,  in  einer  Schrift,  die  in  ihren  Charakteren  selber 
imstande  ist,  den  Geist  in  der  Seeie  bildhaft  zu  erwecken  und  uns 
hinzufuhren  zu  dem,  was  der  Seher  in  unserer  Zeit  wiederum  her- 
ausholen  soil.  Das  ist  die  Empfindung,  die  der  Anthroposoph  sich 
aneignen  sollte,  wenn  er  sich  dieser  alten  Urkunde  nahert,  die  am 
Ausgangspunkte  des  Alten  Testamentes  steht. 


VIERTER  VORTRAG 
Miinchen,  19.  August  1910 


Wir  haben  gestern  vor  unsere  Seele  bildhaft  hingemalt  denjenigen 
Augenblick,  der  mit  den  bedeutsamen  Worten  der  Bibel  angedeutet 
wird:  «Und  die  Gotter  sprachen:  Es  werde  Licht!  Und  es  ward 
Licht.»  Damit  haben  wir  auf  ein  Ereignis  hingewiesen,  das  fur  uns 
ja  auf  einer  hoheren  Stufe  eine  Wiederholung  vorhergehender  Ent- 
wickelungszustande  unseres  Erdenwerdens  darstellt.  Immer  wieder 
muB  ich  Sie  verweisen  auf  das  Bild  von  einem  Menschen,  der  da 
aufwacht  und  aus  der  Seele  heraufholt  einen  gewissen  seelischen 
Inhalt.  So  etwa  sollen  wir  uns  vorstellen,  wie  aus  der  Seele  der 
Elohim  hervorsprieBt  in  einer  neuen  Gestalt,  in  einer  abgeanderten 
Gestalt  das,  was  sich  langsam  und  allmahlich  im  Verlauf  der  Ent- 
wickelung  herangebildet  hat  durch  die  Saturn-,  Sonnen-  und  Mon- 
denzeit.  Und  im  Grunde  genommen  ist  alles  das,  was  im  soge- 
nannten  Sechs-  oder  Siebentagewerk  der  Bibel  berichtet  wird,  ein 
Wiedererwecken  vorhergehender  Zustande,  nicht  aber  ein  Wieder- 
erwecken  in  derselben  Form,  sondern  in  einer  neuen  Form,  in  einer 
neuen  Gestalt.  Und  die  nachste  Frage,  die  wir  uns  werden  stellen 
diirfen,  ist  diese:  Wie  haben  wir  uberhaupt  die  Realitat  dessen,  was 
uns  da  erzahlt  wird  im  Verlauf  des  Sechs-  oder  Siebentagewerks, 
aufzufassen? 

Wir  werden  uns  iiber  diese  Frage  am  besten  verstandigen,  wenn 
wir  sie  so  stellen:  Konnte  ein  Auge,  wie  die  gewohnlichen  Augen 
sind,  konnten  uberhaupt  Sinnesorgane,  wie  die  heutigen  Sinnes- 
organe  sind,  auBerlich  sinnengemaB  verfolgen,  was  im  Sechstage- 
werk  berichtet  wird?  —  Das  konnten  sie  nicht.  Denn  die  Ereignisse, 
die  Tatsachen,  die  uns  da  berichtet  werden,  verlaufen  im  wesent- 
lichen  in  der  Sph'are  dessen,  was  wir  das  elementarische  Dasein 
nennen  konnen.  So  daB  also,  um  diese  Vorgange  anzuschauen,  ein 
gewisser  Grad  hellseherischer  Erkenntnis,  hellseherischer  Wahrneh- 
mung  notig  ware.  Es  ist  eben  durchaus  wahr,  daB  die  Bibel  uns 


erz'ahlt  von  dem  Hervorgehen  des  Sinnlkhen  aus  dem  Ubersinn- 
lichen  und  daB  die  Tatsachen,  die  sie  an  die  Spitze  stellt,  iibersinn- 
liche  Tatsachen  sind,  wenn  auch  nur  um  einen  Grad  hdher  liegend 
als  unsere  gewohnlichen  sinnlichen  Tatsachen,  die  ja  aus  diesen 
anderen  eben  charakterisierten  hervorgegangen  sind.  Wir  blicken 
also  in  gewisser  Beziehung  in  ein  hellseherisches  Gebiet  hinein  mit 
all  dem,  was  wir  da  im  Sinne  des  Sechstagewerks  eigentlich  be- 
schreiben.  In  Atherform  und  in  elementarischer  Form  tauchte  wie- 
der  auf,  was  friiher  da  war.  Halten  wir  das  nur  recht  genau  fest, 
sonst  werden  wir  uns  nicht  in  geniigender  Weise  orientieren  uber 
all  das,  was  mit  den  monumentalen  Worten  der  Genesis  eigentlich 
gemeint  ist.  So  diirfen  wir  also  erwarten,  daB  wir  in  einer  neuen 
Art  auftauchen  sehen  alles  das,  was  wahrend  des  alten  Saturn-,  Son- 
nen-  und  Mondendaseins  sich  nach  und  nach  entwkkelt  hat. 

Fragen  wir  uns  deshalb  zuerst  einmal:  Wie  waren  denn  die  eigen- 
artigen  Zustande,  in  welche  die  Entwickelung  durch  diese  drei 
planetarischen  Formen  eingetaucht  war?  —  Wir  konnen  sagen:  Auf 
dem  alten  Saturn,  das  konnen  Sie  ja  in  meiner  «Geheimwissen- 
schaft»  nachlesen,  war  alles  in  einer  Art  mineralischen  Zustandes. 
Das,  was  dort  als  erste  Anlage  vom  Menschen  vorhanden  war,  was 
iiberhaupt  die  gesamte  Masse  des  alten  Saturn  ausmachte,  war  in 
einer  Art  mineralischen  Zustandes.  Dabei  diirfen  Sie  nicht  an  die 
mineralische  Form  von  heute  denken,  denn  der  alte  Saturn  war 
durchaus  noch  nicht  im  Element  des  Wassers  oder  des  Festen  vor- 
handen; er  war  nur  ineinanderwebende  Warme.  Aber  die  Gesetze, 
welche  in  diesem  Warmeplaneten  herrschten,  das  also,  was  da  die 
Differenzierung  bewirkte,  was  das  Ineinanderweben  organisierte, 
das  waren  die  gleichen  Gesetze,  die  heute  in  dem  dichten,  in  dem 
festen  Mineralreich  herrschen.  Wenn  wir  also  sagen,  der  alte  Saturn 
und  auch  der  Mensch  waren  im  mineralischen  Zustande,  dann  miis- 
sen  wir  uns  dessen  bewuBt  sein,  daB  es  nicht  ein  mineralischer  Zu- 
stand  wie  der  heutige  war,  mit  festen  Formen,  sondern  ein  Zustand 
innerhalb  der  webenden  Warme,  aber  mit  mineralischen  Gesetzen. 

Dann  kommt  der  Sonnenzustand.  Diesen  miissen  wir  noch  im- 
mer  so  auffassen,  daB  von  der  Sonnenmasse  noch  keine  Abtrennung 


dessen  stattgefunden  hat,  was  spater  das  Erdenhafte  wurde.,  Ein 
gemeinsamer  Leib  sozusagen  ist  alles  das,  was  heute  zur  Erde  und 
zur  Sonne  gehort,  ein  kosmischer  Leib  ist  das  zur  alten  Sonnenzeit. 
Innerhalb  dieser  alten  Sonne  hat  sich  gegeniiber  dem  fruheren 
Saturnzustand  als  Verdichtung  herausgebildet  ein  Gasiges,  so  daB 
wir  auBer  dem  ineinanderwebenden  Warmehaften  ein  durchein- 
anderstromendes,  gesetzmafiig  sich  ineinanderfiigendes  Gas-  oder 
Luftformiges  haben.  Aber  zu  gleicher  Zeit  haben  wir  eine  Neubil- 
dung  nach  oben  hin,  gleichsam  eine  Verdiinnung  des  Warmehaften 
nach  dem  Lkhthaften,  ein  Ausstrahlen  eines  Lichthaften  in  den 
Weltenraum.  Dasjenige,  was  wir  nun  als  die  Wesen  unserer  plane- 
tarischen  Entwickelung  bezeichnen  konnen,  ist  wahrend  dieses  alten 
Sonnenzustandes  fortgeschritten  bis  zum  Pflanzenhaften.  Wieder 
diirfen  wir  uns  nicht  denken,  daB  wahrend  des  alten  Sonnenzustan- 
des Pflanzen  in  der  heutigen  Form  vorhanden  waren,  sondern  wir 
miissen  uns  klar  sein  dariiber,  daB  nur  die  Gesetze,  die  im  heutigen 
Pflanzenreich  wirken,  jene  Gesetze,  die  da  bedingen,  daB  ein  Wur- 
zelhaftes  nach  abwarts  und  ein  Blutenhaftes  nach  aufwarts  treibt, 
innerhalb  des  alten  Sonnenzustandes  in  dem  Element  des  Luft- 
formigen  und  des  Warmehaften  sich  geltend  machen.  Nariirlich 
konnte  keine  feste  Pflanzenform  entstehen,  sondern  die  Kr'afte,  die 
die  Bliite  nach  oben  und  die  Wurzeln  nach  unten  trieben,  muB 
man  sich  denken  in  einem  luftartigen  Gebilde  webend,  so  daB  man 
den  alten  Sonnenzustand  sich  vorzustellen  hat  als  ein  lichtartiges 
Aufblitzen  von  Bliitenformen  nach  oben.  Denken  Sie  sich  eine  Gas- 
kugel  und  da  drinnen  webendes  Licht,  lebendiges  Licht,  das  auf- 
sprieBt,  das  nach  oben  im  AufsprieBen  das  Gasige  wie  Lichtbliiten- 
formen  aufschieBen  laBt  und  wiederum  das  Bestreben  hat,  nach 
unten  zu  halten,  was  da  aufblitzen  will,  das  wiederum  die  alte 
Sonne  nach  dem  Mittelpunkte  zusammenhalt:  dann  haben  Sie  das 
innere  Weben  von  Licht,  Warme  und  Luft  im  alten  Sonnenzustande. 
Das  mineralische  Gesetzm'aBige  wiederholt  sich,  das  pflanzliche  Ge- 
setzmaBige  kommt  dazu,  und  das,  was  vom  Menschen  vorhanden 
ist,  ist  selbst  erst  in  einem  Zustand  des  Pflanzenhaften. 

Wo  wiirden  wir  denn  heute  etwas  finden,  was  sich,  wenn  auch 


nicht  ganz,  doch  in  einer  gewissen  Beziehung  vergleichen  lieBe  mit 
diesem  pflanzenhaften  Weben  in  der  alten  Gas-Warme-Lichtkugel 
der  Sonne?  Wenn  man  die  Sinne,  die  der  Mensch  heute  hat,  in  dem 
Weltenraum  herumschweifen  lieBe,  wiirde  man  freilich  nichts  fin- 
den,  was  sich  damit  vergleichen  lieBe.  Zu  einer  gewissen  Zeit  der 
alten  Sonne  war  das  alles  audi  physisch  vorhanden,  das  heiBt  phy- 
sisch  bis  zur  Gasdichtigkeit.  Heute  kann  es  iiberhaupt  physisch  nicht 
vorhanden  sein.  Die  Gestalt  des  Wirkens,  die  dazumal  auch  phy- 
sisch vorhanden  war,  heute  ist  sie  fur  den  Menschen  nur  vorhan- 
den, wenn  das  hellseherische  Wahrnehmungsvermogen  sich  in  das 
Gebiet  der  iibersinnlichen  Welt  richtet,  da  wo  heute  die  geistigen 
Grundwesenheiten  unserer  auBeren  physischen  Pflanzen  sind,  das, 
was  wir  im  Laufe  der  Jahre  als  die  Gruppenseele  der  Pflanzen 
kennen  gelernt  haben.  Wir  wissen  ja,  daB  diesem  auBeren  Pflanz- 
lichen,  das  heute  dem  physischen  Sinne  sich  vorstellt,  etwas  zu- 
grunde  liegt,  was  wir  die  Gruppenseelen  nennen  konnen.  Heute 
konnen  sie  nur  durch  das  hellseherische  BewuBtsein  im  Geistgebiete 
gefunden  werden.  Da  sind  diese  Gruppenseelen  der  Pflanzen  nicht 
in  einzelnen  Pflanzenindividuen  vorhanden  wie  die  auBerlichen 
Pflanzen,  die  aus  dem  Erdboden  herauswachsen,  sondern  da  ist  un- 
gefahr  fiir  jede  Art,  also  fur  die  Rosenart,  fiir  die  Veilchenart,  fiir 
die  Eichenart,  eine  Gruppenseele  vorhanden.  Wir  haben  also  im 
Geistgebiete  nicht  irgendein  geistiges  Wesen  fiir  jede  einzelne 
Pflanze  zu  suchen,  sondern  fiir  die  Arten  haben  wir  die  Gruppen- 
seelen zu  suchen.  Diese  Arten  von  Pflanzen  sind  fiir  das  heutige 
Denken,  fiir  dieses  arme,  abstrakte  Denken  der  Gegenwart  eben 
Abstraktionen,  BegrifFe.  Sie  waren  es  schon  im  Mittelalter,  und  weil 
man  auch  damals  schon  nichts  mehr  wuBte  von  dem,  was  im  Gei- 
stigen webt  und  lebt  als  Grundlage  des  Physischen,  kam  der  be- 
riihmte  Streit  auf  zwischen  Realismus  und  Nominalismus,  das  heiBt, 
ob  das,  was  als  Arten  existiert,  bloBer  Name  ist  oder  etwas  real 
Geistiges.  Fiir  das  hellseherische  BewuBtsein  hat  dieser  ganze  Streit 
nicht  den  allergeringsten  Sinn,  denn  wenn  es  sich  richtet  iiber  die 
Pflanzendecke  unserer  Erde  hin,  so  dringt  es  durch  die  auBere  phy- 
sische  Pflanzenform  in  ein  geistiges  Gebiet,  und  in  diesem  geistigen 


Gebiete,  da  leben  als  wirkliche  reale  Wesen  die  Gruppenseelen  der 
Pflanzen.  Und  diese  Gruppenseelen  sind  einerlei  Realitat  mit  dem, 
was  wir  die  Arten  der  Pflanzen  nennen.  Zu  der  Zeit,  als  die  Luft- 
Warme-Lichtkugel  der  alten  Sonne  in  ihrer  vollen  Bliite  war,  als 
das  dort  spielende  Licht  an  die  Gasoberflache  herauswarf  die  licht- 
funkelnden  Bliitenformen  des  Pflanzendaseins,  damals  warerl  diese 
Formen  dasselbe,  und  zwar  in  physischer  Gasgestalt,  was  heute  nur 
noch  im  Geistgebiete  als  die  Arten  der  Pflanzen  zu  finden  ist.  Hal- 
ten  wir  dieses  nur  recht  gut  fest,  daJ3  dazumal  wahrend  des  alten 
Sonnendaseins  die  Arten  der  Pflanzen,  die  Arten  dessen,  was  heute 
als  Griinendes,  als  Bliihendes,  als  Baum-  und  Strauchformiges  unsere 
Erde  bedeckt,  die  alte  Sonne  durchsetzte  ganz  im  Sinne  der  Grup- 
penseelenhaftigkeit,  im  Sinne  der  Arten. 

Soweit  der  Mensch  damals  war,  befand  er  sich  auch  in  einem 
pflanzenhaften  Zustand.  Er  war  nicht  imstande,  in  seinem  Inneren 
als  Vorstellungen  wachzurufen,  in  BewuBtseinszustanden  zu  erwek- 
ken,  was  um  ihn  herum  vorging,  ebensowenig  wie  heute  die  Pflanze 
in  BewuBtseinszustanden  wiedererwecken  kann,  was  um  sie  herum 
vorgeht.  Der  Mensch  war  selber  in  einem  pflanzenhaften  Dasein, 
und  zu  den  auf-  und  abspielenden  Lichtformen,  welche  in  dem 
gasigen  Sonnenball  spielten,  gehorte  auch  die  Leiblichkeit  des  da- 
maligen  Menschen.  Zu  der  Entstehung  der  primitivsten  Form  des 
BewuBtseins  gehort  namlich  im  Kosmos  etwas  ganz  Besonderes. 
Solange  unser  Erdenhaftes  noch  mit  dem  Sonnenhaften  verbunden 
war,  solange  also  nicht,  sagen  wir,  grob  gesprochen,  das  Licht  der 
Sonne  von  auBen  auf  den  Erdball  fiel,  so  lange  konnte  sich  das, 
was  man  ein  BewuBtsein  nennen  kann,  nicht  bilden  innerhalb  der 
Wesen  des  Erdenhaften.  So  lange  konnte  auch  nicht  den  physischen 
und  den  Atherleib  durchdringen  ein  astralischer  Leib,  der  die 
Grundlage  des  BewuBthaften  ist.  Soil  ein  BewuBthaftes  auftreten, 
dann  muB  eine  Trennung,  eine  Spaltung  stattfinden,  dann  muB  sich 
aus  dem  Sonnenhaften  ein  anderes  absondern.  Und  das  geschah 
wahrend  des  dritten  Entwickelungszustandes  unserer  Erde,  wahrend 
des  alten  Mondenzustandes.  Als  der  alte  Sonnenzustand  voriiber 
war,  durch  eine  Art  kosmischer  Nacht  durchgegangen  war,  da 


tauchte  von  neuem  auf  das  ganze  Gebilde,  jetzt  aber  so,  daB  es  reif 
geworden  war,  als  eine  Zweiheit  zu  erscheinen,  daB  alles  Sonnen- 
hafte  sich  herausgliederte  als  ein  Weltenkorper,  und  der  alte  Mond, 
auf  dem  sich  von  unseren  elementarischen  Zustanden  nur  das  Was- 
serige,  Luf  t-  und  Warmehaf  te  bef  and,  als  ein  auBerhalb  des  Sonnen- 
haften  Befindliches  zuriickblieb.  Der  alte  Mond  war  das  damalige 
Erdenhafte,  und  nur,  weil  die  Wesen  auf  ihm  von  auBen  her  die 
Kraft  der  Sonne  empfangen  konnten,  nur  dadurch  konnten  sie  in 
sich  aufnehmen  einen  astralischen  Leib  und  in  sich  entwickeln  das 
BewuBthafte,  das  heiBt,  widerspiegeln  in  innerem  Erleben,  was 
um  sie  herum  vorging.  Ein  Tierhaftes,  ein  innerlich  lebendig  Tier- 
haftes,  ein  Wesenhaftes,  das  BewuBtsein  in  sich  tragt,  ist  also  daran 
gebunden,  daB  innerhalb  des  Erden-  und  des  Sonnenhaften  eine 
Trennung  eintritt.  Das  Tierhafte  trat  wahrend  der  alten  Monden- 
zeit  auf,  und  der  Mensch  selbst  war  heraufgebildet  in  bezug  auf 
seine  Leiblichkek  bis  zum  Tierhaften.  Das  Genauere  dariiber  haben 
Sie  ja  in  meiner  «Geheimwissenschaft»  beschrieben. 

So  sehen  wir  also,  wie  diese  drei  Zustande,  die  unserem  Erden- 
werden  vorangegangen  sind  und  die  die  Bedingungen  dieses  Erden- 
werdens  sind,  gesetzmaBig  zusammenhangen.  Und  im  Monden- 
zustand  ist  hinzugekommen  zum  Gasigen  ein  Fliissiges,  ein  Wasse- 
riges  auf  der  einen  Seite  und  ein  Tonhaftes,  ein  Klanghaftes  nach 
der  anderen  Seite,  ein  Klanghaftes,  wie  ich  es  Ihnen  gestern  charak- 
terisiert  habe  als  eine  Verfeinerung  des  Lichtzustandes.  Das  ist  un- 
gefahr  eine  Wiedergabe  der  Entwickelung.  Das,  was  da  geschehen 
war  durch  diese  drei  Zustande  hindurch,  tauchte  nun  wie  die  Erin- 
nerung  der  Elohim  wieder  auf,  tauchte  auf,  wie  wir  gestern  gesehen 
haben,  zunachst  in  einem  verworrenen  Zustand,  der  bezeichnet  wird 
in  der  Bibel  mit  den  Worten,  die  ich  gestern  genauer  charakterisiert 
habe,  mit  den  Worten  tohu  wabohu.  In  den  Kraftstrahlen,  die  von 
einem  Mittelpunkt  nach  auswarts  und  vom  Umfange  her  nach  ein- 
warts  strahlten,  schlossen  sich  ein  in  einem  Ineinanderwirken  zu- 
nachst die  drei  elementarischen  Zustande,  die  Luft,  die  Warme  und 
das  Wasserige.  Sie  waren  jetzt  ungeschieden;  friiher  waren  sie  schon 
geschieden  gewesen.  Auf  der  Sonne  schon  waren  sie  geschieden,  als 


ein  Gasformiges  von  dem  Warmehaften  sich  abgetrennt  hatte,  und 
auch  wahrend  des  alten  Mondenzustandes,  wo  die  drei  Formen  des 
Warmehaften,  des  Gashaften  und  des  Wasserhaften  voneinander 
geschieden  waren.  Jetzt  waren  sie  in  buntem  Durcheinander  wah- 
rend des  tohu  wabohu,  sprudelten  ineinander,  so  daB  man  in  jener 
ersten  Zeit  des  Erdenwerdens  nicht  unterscheiden  konnte  zwischen 
dem  Wasserhaften,  Gashaften  und  Warmehaften.  Das  wirkte  alles 
ineinander. 

Das  erste,  was  nun  eintrat,  war,  daB  in  dieses  Durcheinander 
hineinschlug  das  Lichthafte.  Und  dann  entwickelte  sich  aus  jener 
seelenhaften,  geisthaften  Tatigkeit,  die  ich  Ihnen  wie  ein  kosmi- 
sches  Sinnen  beschrieben  habe,  eine  Tatigkeit  heraus,  die  zuerst  in 
dem  Durcheinander  des  Elementarischen  das  alte  Gasformige  von 
dem  alten  Fliissigen  schied.  Diesen  Moment,  der  sozusagen  auf  die 
Lichtwerdung  folgte,  bitte  ich  ganz  genau  festzuhalten.  Wiirden 
wir  es  in  niichterne  Prosa  iibersetzen,  was  da  geschehen  ist,  so  muB- 
ten  wir  sagen:  Nachdem  eingeschlagen  hat  das  Licht  in  das  tohu 
wabohu,  da  schieden  die  Elohim  das,  was  schon  friiher  ein  Gasiges 
war,  von  dem,  was  friiher  ein  WaBriges  war,  so,  daB  man  wieder 
unterscheiden  konnte  das,  was  gasformigen  Zustand  hatte,  von  dem, 
was  im  friiheren  Sinne  in  waBrigem  Zustand  war.  Also  in  der 
Masse,  welche  ein  Durcheinander  war  aller  drei  elementarischen 
Zust'ande,  wurde  jetzt  geschieden,  und  zwar  so,  daB  zweierlei  auf- 
trat,  eines  mit  dem  Charakter  des  Luftigen,  mit  dem  Charakter,  sich 
nach  alien  Seiten  hin  zu  verbreiten,  und  ein  anderes  mit  dem  Cha- 
rakter des  Zusammenhaltens,  des  Sichzusammendrangens.  Das  ist 
das  WaBrige.  Nun  waren  aber  die  beiden  Zustande  in  der  Zeit,  von 
der  hier  gesprochen  wird,  noch  nicht  so,  daB  wir  sie  mit  dem,  was 
wir  heute  Gas-  oder  Luftformiges  und  Wasser  nennen,  vergleichen 
konnten.  Das  Wasser  war  ein  wesentlich  dichteres;  wir  werden 
gleich  sehen  warum.  Dagegen  war  aber  auch  das,  was  luftformig 
war,  so,  daB,  wenn  wir  genau  den  Sinn  seiner  damaligen  BeschafFen- 
heit  treffen  wollen,  wir  kein  besseres  Beispiel  finden  konnen,  als 
wenn  wir  heute  den  Blick  von  der  Erde  aufwarts  richten,  wo  sich 
im  Luftformigen  das  WaBrige  zu  Gasigem,  Dampfformigem  bildet 


und  das  Bestreben  hat,  in  Wolkenform  aufzusteigen,  urn  dann  als 
Regen  wieder  niederzufallen;  also  das  eine  Element  als  ein  auf- 
steigendes,  das  andere  als  ein  absteigendes.  WaBriges  haben  wir  in 
beiden,  nur  hat  das  eine  WaBrige  die  Tendenz,  dampfformig  zu 
werden,  als  Wolken  nach  aufwarts  zu  gehen,  und  das  andere  die 
Tendenz,  abwarts  skh  zu  ergieBen,  sich  in  Oberflachengestalt  nieder- 
zuschlagen.  Das  ist  natiirlich  nur  ein  Vergleich,  denn  was  ich  da 
schildere,  spielte  sich  ja  im  Elementarischen  ab. 

Wollen  wir  also  das,  was  weiter  geschah,  charakterisieren,  so 
miissen  wir  sagen:  Die  Elohim  bewirkten  durch  ihr  kosmisches 
Sinnen,  daB  in  dem  tohu  wabohu  eine  Scheidung  eintrat  von  zwei 
elementarischen  Zustanden.  Der  eine  hatte  die  Tendenz,  nach  auf- 
warts zu  dringen,  dampfformig  zu  werden,  das  ist  WaBriges  in 
Gasiges  sich  umbildend.  Der  andere  hatte  die  Tendenz,  nach  unten 
sich  zu  ergieBen,  das  ist  WaBriges,  das  immer  dichter  und  dichter 
sich  zusammenschlieBt.  —  Das  ist  der  Tatbestand,  der  gewohnlich  in 
den  modernen  Sprachen  dadurch  ausgedriickt  wird,  daB  man  zum 
Beispiel  im  Deutschen  sagt:  «Die  Gotter  machten  etwas  zwischen 
den  Wassern  oben  und  den  Wassern  unten. »  Ich  habe  Ihnen  eben 
jetzt  geschildert,  was  die  Gotter  machten.  Sie  bewirkten  innerhalb 
der  Wasser,  daB  das  eine  Elementare  die  Tendenz  hatte,  nach  auf- 
warts zu  kommen,  und  das  andere  die  Tendenz,  nach  innen  zum 
Mittelpunkt  zu  gelangen.  Mit  dem,  was  dazwischen  ist,  ist  nichts 
gemeint,  was  man  mit  der  Hand  anfassen  kann,  sondern  es  ist  eine 
Scheidung  vollzogen  in  bezug  auf  zwei  Kraftcharaktere,  die  ich 
Ihnen  eben  charakterisiert  habe.  Will  man  einen  auBeren  Vergleich 
dafiir  haben,  so  kann  man  sagen:  Die  Elohim  bewirkten,  daB  die 
Wasser  nach  der  einen  Seite  nach  aufwarts  gingen,  nach  Wolken- 
form strebten,  in  den  Weltenraum  hinausstrahlen  wollten,  und  daB 
sie  nach  der  anderen  Seite  sich  sammeln  wollten  auf  der  Erdober- 
flache.  —  Die  Scheidung  war  also  eine  Art  ideelle.'Deshalb  ist  das 
Wort,  das  in  der  Genesis  steht  fur  diese  Scheidung,  auch  ideell  auf- 
zufassen.  Sie  wissen  ja,  daB  die  lateinische  Bibei  das  Wort  Firma- 
mentum  an  dieser  Stelle  hat.  Dafiir  steht  in  der  Genesis  das  Wort 
rakia.  Dieses  Wort  bezeichnet  durchaus  nicht  etwas,  was  man  in 


auBerer  sinnenfalliger  Weise  deuten  soil,  sondern  es  bezeichnet 
eben  die  Auseinanderscheidung  zweier  Kraftrichtungen. 

Damit  haben  wir  das  getroffen,  was  als  ein  zweiter  Moment  in 
der  Genesis  geschildert  wird.  So  daJ3  wir,  wenn  wir  es  in  unsere 
Sprache  iibersetzen  wollten,  sagen  miiBten:  Die  Elohim  trennten 
zunachst  innerhalb  der  durcheinanderwirbelnden  elementarischen 
Zustande  die  Luft  von  dem  Wasserhaften.  —  Das  ist  auch  die  ganz 
genaue  Wiedergabe  dessen,  was  gemeint  ist.  Das  in  die  Luft  Stre- 
bende,  das  natiirlich  das  Gasig-WaBrige  in  sich  begreift,  und  das 
zum  Festeren  sich  Hinballende,  das  trennten  die  Elohim.  Das  ist 
der  zweite  Moment  in  der  Schopfungsgeschichte. 

Nun  schreiten  wir  zu  dem  nachsten  Momente  vor.  Was  geschieht 
da?  Dasjenige,  was  da  hinausgeschickt  worden  ist,  was  da  hinaus- 
strahlt,  was  nach  Wolkenbildung  drangt,  das  hat  einen  Zustand 
erreicht,  der  in  gewisser  Weise  die  Wiederholung  eines  friiheren 
Zustandes  ist,  eines  Zustandes  in  einer  groberen  Form,  als  er  auf  der 
alten  Sonne  war.  Das,  was  nach  innen  gestrebt  hat,  was  in  gewisser 
Beziehung  wiedergibt  das  zum  WaBrigen  Verdichtete  des  alten 
Mondenhaften,  wird  jetzt  weiter  dijfferenziert,  und  diese  weitere 
Scheidung  bildet  das,  was  als  der  dritte  Moment  im  Erdenwerden 
auftritt.  Wir  konnen  sagen,  daB  im  zweiten  Momente  die  Elohim 
geschieden  haben  das  Luftformige  vom  WaBrigen.  So  scheiden  sie 
im  dritten  Momente  innerhalb  des  Wasserhaften  das,  was  wir  jetzt 
als  Wasser  kennen,  und  etwas,  was  vorher  noch  nicht  da  war,  eine 
neue  Verdichtung,  das  Feste.  Jetzt  erst  ist  das  Feste  gegeben.  Wah- 
rend  des  alten  Mondenzustandes  war  dieses  Feste,  dieses  Erdenhafte 
noch  nicht  vorhanden.  Jetzt  wird  es  ausgeschieden  aus  dem  Wasser- 
haften. Wir  haben  also  im  dritten  Momente  des  Erdenwerdens  einen 
VerdichtungsprozeB  und  miiBten  sagen:  So  wie  die  Elohim  im  zwei- 
ten Momente  geschieden  haben  die  Luftelemente  von  den  wasse- 
rigen,  so  scheiden  sie  jetzt  im  dritten  Momente  innerhalb  der  alten 
Mondensubstanz  das  neue  Wasserhafte  ab  von  dem  Erdenhaften, 
das  jetzt  als  etwas  ganz  Neues  auftritt.  —  Alles  das  im  Grunde  ge- 
nommen,  was  ich  Ihnen  bisher  geschildert  habe,  war  schon  fruher 
vorhanden,  wenn  auch  in  anderer  Gestalt.  Ein  Neues  ist  erst  das 


Erdenhafte,  das  Feste,  das  jetzt  im  dritten  Momente  der  Genesis 
auftritt.  Das  aus  dem  Wasserhaften  herausgesonderte  Erdenhafte, 
das  ist  das  Neue.  Das  erst  gibt  die  Moglichkeit,  daB  sich  das  vorher 
Vorhandene  in  einer  erneuer ten  Gestait  zeigt. 

Was  bildet  sich  nun  zuerst?  Es  ist  das,  was  sich  schon  in  der  alten 
Sonne  gebildet  hatte,  was  wir  beschrieben  haben  in  dem  diinnen 
gasigen  Elemente  des  Sonnenhaften  als  aufsprieBendes  Pflanzen- 
haftes,  was  sich  dann  im  WaBrigen  auf  dem  alten  Monde  wieder- 
holt  hat,  wo  ja  die  Pflanzenformen  im  heutigen  Sinne  auch  noch 
nicht  vorhanden  waren.  Und  erst  im  dritten  Momente  wiederholt 
es  sich  eben  in  dem  Erdenhaften  selber.  Das  Pflanzenhafte  wieder- 
holt sich  innerhalb  des  Erdenhaften  zunachst.  Das  wird  nun  in  der 
Bibel  in  wunderbarer  Weise  geschildert.  Was  die  Tage  zu  gelten 
haben,  werde  ich  spater  schildern;  jetzt  spreche  ich  von  dem  Licht- 
einschlag,  von  dem  Lufteinschlag,  von  der  Sonderung  des  Wassers 
von  dem  Festen.  Das  Feste  bringt  jetzt  aus  sich  selbst  eine  Wieder- 
holung  des  Pflanzenhaften  hervor.  In  wunderbar  anschaulicher 
Art  wird  uns  das  geschildert,  indem  uns  gesagt  wird,  daB  Pflanzen- 
haftes  hervorsprieBt  aus  dem  Erdenhaften,  nachdem  die  Elohim  das 
Erdenhafte  abgetrennt  haben  von  dem  Wasserhaften.  Das  Hervor- 
sprieBen  des  Pflanzenhaften  am  sogenannten  dritten  Schopfungs- 
tage  ist  also  im  Festen  eine  Wiederholung  dessen,  was  schon  w'ah- 
rend  des  alten  Sonnenzustandes  vorhanden  war,  gleichsam  eine  kos- 
mische  Erinnerung.  In  dem  kosmischen  Sinnen  der  Elohim  tauchte 
auf,  was  in  der  alten  Sonne  im  gasigen  Zustand  als  Pflanzenhaftes 
vorhanden  war,  jetzt  aber  im  festen  Zustande. 

Alles  wiederholt  sich  in  einer  anderen  Form.  Noch  immer  ist  es 
in  einem  Zustande,  wo  es  noch  nicht  individuell  ist  wie  auf  unserer 
heutigen  Erde.  Ich  habe  deshalb  ausdriicklich  darauf  aufmerksam 
gemacht,  daB  die  einzelnen  individuellen  Pflanzenformen,  die  wir 
heute  in  der  Sinneswelt  drauBen  ergreifen,  wahrend  des  alten  Son- 
nenzustandes noch  nicht  da  waren,  auch  noch  nicht  wahrend  des 
alten  Mondenzustandes  und  auch  jetzt  im  Erdenzustand  nicht,  da, 
wo  sich  dieses  Pflanzenhafte  im  Erdenhaften  wiederholt.  Was  da 
vorhanden  war,  das  waren  die  Gruppenseelen  der  Pflanzen,  das,  was 


wir  heute  die  Arten  der  Pflanzen  nennen,  was  fur  das  seherische 
BewuBtsein  nichts  Abstraktes  ist,  sondern  etwas  im  Geistgebiete  Vor- 
handenes.  Dazumal  zeigte  es  sich  in  einem  iibersinnlichen  Gebiete 
als  Wiederholung.  Daher  wird  es  utis  audi  so  geschildert.  Es  ist 
merkwiirdig,  wie  wenig  die  Bibelausleger  mit  dem  Worte  anzufan- 
gen  wissen,  das  gewohnlich  in  der  deutschen  Sprache  so  iibersetzt 
ist:  «Die  Erde  brachte  hervor  allerlei  Kraut  und  Sprossen  nach 
ihrer  Art.»  Man  miiBte  sagen:  artgemaB!  Hier  haben  Sie  die  Erkla- 
rung  dafiir.  Es  war  in  der  Gestalt  der  Gruppenseelen,  artgemaB 
vorhanden,  noch  nicht  individuell  wie  heute.  Die  ganze  Schilderung 
des  HervorsprieBens  des  Pflanzlichen  am  sogenannten  dritten 
Schopfungstage  werden  Sie  nicht  verstehen,  wenn  Sie  nicht  diese 
Gruppenseelenhaftigkeit  zu  Hilfe  nehmen.  Sie  miissen  sich  klar 
sein  dariiber,  daB  da  keine  Pflanzen  im  heutigen  Sinn  hervorspros- 
sen,  sondern  daB  aus  einer  seelischen,  kosmisch  sinnenden  Tatigkeit 
heraussprossen  die  Artformen,  mit  anderen  Worten,  daB  ein  Grup- 
penseelenhaftes  des  Pflanzlichen  heraussproB.  So  finden  wir  also, 
daB  in  dem  Momente,  wo  uns  am  sogenannten  dritten  Schopfungs- 
tage geschildert  wird,  wie  die  Elohim  aus  dem  WaBrigen  heraus  das 
Feste,  den  vierten  elementarischen  Zustand  absondern,  in  diesem 
festen  Zustande,  der  allerdings  in  seiner  elementarischen  Grund- 
form  fur  ein  auBeres  Auge  noch  nicht  sichtbar  gewesen  ware,  son- 
dern nur  fur  das  hellseherische  Auge,  wiederholen  die  Artformen 
des  Pflanzlichen. 

Das  Tierische  kann  sich  noch  nicht  wiederholen.  Wir  haben  es 
ja  charakterisiert,  daB  es  erst  auftreten  konnte  wahrend  des  alten 
Mondenzustandes,  als  eine  Zweiheit  eingetreten  war,  als  das  Son- 
nenhafte  von  auBen  hereinwirkte.  Eine  Wiederholung  dieses  Vor- 
ganges  der  Mondentrennung  muBte  also  erst  eintreten,  bevor  die 
Entwickelung  von  dem  Pflanzenhaften  zum  Tierischen  hinaufstei- 
gen  konnte.  Daher  wird  jetzt  nach  dem  dritten  Schopfungstag  dar- 
auf  hingedeutet,  wie  im  Umkreis  des  Erdenhaften  das  auBere  Son- 
nenhafte,  Mondenhafte,  Sternenhafte  zu  wirken  beginnt,  wie  das, 
was  von  auBen  hereinstrahlt,  was  seine  Krafte  von  auBen  herein- 
sendet,  zu  wirken  beginnt.  Wahrend  wir  fruher  die  Wirkung  zu 


sehen  haben  als  ein  HeraussprieBen  aus  dem  planetarischen  Zu- 
stand  selber,  haben  wir  jetzt,  zu  dieser  Wirkung  hinzutretend,  von 
auBen  hereinstrahlend  etwas,  was  aus  dem  Himmelsraume  kommt. 
Mit  anderen  Wbrten,  der  entsprechende  Vorgang  muBte  nun  weiter 
etwa  so  geschildert  werden:  Zu  den  Kraften  des  Erdballs  selber,  der 
nur  soviel  wiederholen  konnte  aus  seiner  Einheit  heraus,  als  er  friiher 
als  Einheit  hervorgebracht  hatte,  machten  die  Elohim  wirksam  in 
ihrem  kosmischen  Sinnen  die  Krafte,  die  vom  "auBeren  Weltenraume 
auf  den  Planeten  niederstromten.  Zum  irdischen  Dasein  ward  das 
kosmische  hinzugefiigt.  Sehen  wir  vorlaufig  nichts  anderes  in  dem, 
was  im  sogenannten  vierten  Schopfungstag  geschildert  wird. 

Was  war  nun  durch  dieses  von  aufien  Bestrahltwerden  gesche- 
hen?  Nun,  es  konnten  sich  naturgemaB  die  Vorgange  wiederholen, 
die  schon  wahrend  des  alten  Mondenzustandes  da  waren,  nur  in 
veranderter  Form.  Wahrend  des  alten  Mondenzustandes  hatte  sich 
ja  herausgebildet,  was  an  Tierischem  moglich  war  im  luftformigen 
und  wasserigen  Elemente.  Was  in  Luft  und  Wasser  leben  konnte, 
das  hatte  sich  als  Tierisches  herausgebildet;  das  konnte  sich  jetzt 
zunachst  wiederholen.  In  wunderbar  sachgemaBer  Weise  wird  des- 
halb  am  sogenannten  funften  Schopfungstage  in  der  Genesis  er- 
zahlt,  wie  das  Gewimmel  beginnt  in  Luft  und  Wasser.  Da  haben 
wir  die  Wiederholung  der  alten  Mondenzeit,  nur  auf  einer  hoheren 
Stufe,  aus  dem  Erdenhaften  heraus,  in  einer  neuen  Form. 

Sehen  Sie,  solche  Dinge  gehoren  zu  denjenigen,  wo  sich  unser 
anthroposophisches  Streben  umwandelt  in  eine  ungeheure  Ehr- 
furcht  gegeniiber  diesen  alten  Urkunden,  wo  man  so  ganz  aus  den 
anthroposophischen  Anschauungen  heraus  zum  Gefiihl  iibergehen 
mochte  der  innigen  Verehrung  und  Anbetung  gegeniiber  diesen 
alten  Urkunden.  Das,  was  das  hellseherische  Bewufitsein  findet,  es 
wird  in  einer  grandiosen,  in  einer  urgewaltigen  Sprache  wieder- 
gegeben  in  diesen  alten  Urkunden.  Wir  finden  es  wieder,  was  wir 
zuerst  hellseherisch  gewuBt  haben;  daB,  nachdem  die  Bestrahlung 
von  auBen  eingetreten  ist,  sich  wiederholen  kann,  was  im  alten 
Mondenzustande  in  dem  luftformigen  und  wasserigen  Elemente 
vorhanden  war.  Was  bedeuten  gegeniiber  solch  einer  Erkenntnis, 


die  alle  unsere  Seelenkrafte  aufriittelt,  all  die  verstandesmaBigen 
Einwande,  die  so  oft  gegen  diese  Dinge  gemacht  werden!  Was  be- 
deutet  vor  alien  Dingen  der  Einwand,  der  darauf  hinauszielt,  daB 
diese  Urkunden  in  primitiven  Zeitaltern  geschaffen  worden  seien 
und  daB  eigentlich  die  Menschenerkenntnis  damals  auf  kindlichem 
Standpunkte  stand?  Schoner  kindlicher  Standpunkt,  wenn  wir  das 
Hochste,  wozu  wir  uns  aufschwingen  konnen,  wiederfinden  in 
diesen  Urkunden!  Miissen  wir  nicht  dieselbe  Geistigkeit,  die  heute 
einzig  und  allein  sich  hinauffinden  kann  zu  dieser  Offenbarung, 
auch  denen  zuschreiben,  die  uns  diese  Urkunden  gegeben  haben? 
Sprechen  nicht  die  alten  Hellseher  eine  deutliche  Sprache,  indem 
sie  uns  diese  Dokumente  hinterlassen  haben?  Die  Erkenritnis  des- 
sen,  was  in  diesen  Dokumenten  liegt,  gibt  uns  selber  den  Beweis 
dafiir,  daJ3  alte  inspirierte  Hellseher  die  Verfasser  dieser  Urkunden 
waren.  Wir  brauchen  wahrhaft  keinen  historischen  Beweis.  Wir 
konnen  den  Beweis  nur  dadurch  liefern,  daB  wir  erkennen  lernen, 
was  in  diesen  Urkunden  steht. 

Wenn  wir  die  Sache  so  auffassen,  dann  sagen  wir  uns:  In  alle- 
dem,  was  nun  auf  diesen  fiinften  Moment,  den  sogenannten  fiinften 
Schopfungstag,  folgte,  da  erst  konnte  etwas  Neues  eintreten.  Denn 
das,  was  sich  wiederholen  muBte,  hatte  sich  nun  wiederholt.  Das 
Erdenhafte  selber,  das  als  ein  neues  Element  hervorgetreten  war, 
konnte  jetzt  mit  dem  Tierischen  und  alledem,  was  sich  als  Neu- 
bildung  herausentfaltete,  bevolkert  werden.  Daher  sehen  wir  mit 
einer  grandiosen  Sachlichkeit  geschildert,  wie  im  sogenannten  sech- 
sten  Schopfungstage  dasjenige  auftritt,  was  sozusagen  mit  seinem 
Dasein  an  das  Erdenhafte  gebunden  ist  als  ein  neues  Element.  Jenes 
Tierische,  von  dem  wieder  gesagt  wird,  daB  es  am  sechsten  Schop- 
fungstage in  der  Welt  seine  Entstehung  hat,  das  ist  an  das  Erden- 
hafte gebunden,  das  tritt  als  ein  neues  Element  auf.  So  sehen  wir, 
daB  wir  bis  zum  fiinften  Schopfungstage  eine  Wiederholung  des 
Friiheren  auf  einer  hoheren  Stufe  haben,  in  einer  neuen  Gestalt,  daB 
aber  mit  dem  sechsten  Schopfungstage  erst  eigentlich  das  Wesen- 
hafte  des  Erdigen  eintritt,  daB  da  hinzukommt,  was  erst  durch  die 
Bedingungen  des  Erdenhaften  moglich  ist. 


Damit  habe  ich  Ihnen  sozusagen  einen  GrundriB  gegeben  der 
sechs  Schopfungstage.  Ich  habe  Ihnen  gezeigt,  wie  denen,  die  ihre 
groBe  Weisheit  in  diese  sechs  Schopfungstage  hineingeheimniBt 
haben,  wirklich  bewuBt  sein  muBte,  was  als  ein  Neues  aufsproB. 
Und  bewuBt  war  ihnen  auch  ferner,  wie  erst  innerhalb  dieses  Erden- 
haften  einschlagen  konnte  das,  was  die  Wesenhaftigkeit  des  Men- 
schen  ausmacht.  Wir  wissen,  daB  alles  das,  was  der  Mensch  durch- 
machte  wahrend  des  alten  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondenzustandes, 
Vorbereitungsstadien  waren  fur  die  eigentliche  Menschwerdung. 
Wir  wissen,  daB  wahrend  des  alten  Saturndaseins  am  Menschen 
erst  die  Anlage  zum  physischen  Leib  ausgebildet  worden  ist.  Wah- 
rend des  alten  Sonnenzustandes  kam  hinzu  die  Anlage  zum  Ather- 
oder  Lebensleib,  wahrend  des  alten  Mondenzustandes  die  des  astra- 
lischen  Leibes.  Was  sich  wiederholte  bis  zum  Ende  des  sogenannten 
fiinften  Schopfungstages  hin,  das  hatte  Astralisches  an  sich.  Alles 
Wesenhafte  hatte  Astralisches  an  sich.  Das  Ich,  das  vierte  Glied  der 
menschlichen  Wesenheit,  einzugieBen  einem  Wesen  in  diesem  gan- 
zen  Entwickelungskomplex,  das  war  erst  moglich,  nachdem  die  Be- 
dingungen  des  Erdenhaften  voll  geschaffen  waren.  So  wiederholten 
die  Elohim  durch  die  fiinf  sogenannten  Schopfungstage  hindurch 
auf  einer  hoheren  Stufe  die  friiheren  Zustande  und  bereiteten  in 
dieser  Wiederholung  das  Erdenhafte  vor.  Dann  erst  hatten  sie,  weil 
die  Wiederholung  eben  in  neuer  Form  war,  ein  WesensgefaB,  in  das 
sie  hineinpragen  konnten  die  Menschenform,  und  das  war  die  Kro- 
nung  der  ganzen  Entwickelung. 

Ware  eine  bloBe  Wiederholung  erfolgt,  so  hatte  das  Ganze  nur 
vorschreiten  konnen  bis  zum  Astralisch-Tierischen.  Da  aber  immer, 
vom  Anfang  an,  in  die  wiederholenden  Momente  etwas  hinein- 
gegossen  wurde,  was  sich  schlieBlich  als  Erdenhaftes  enthiillte,  so 
kam  zuletzt  etwas  heraus,  in  das  die  sieben  Elohim  hineingieBen 
konnten  alles  das,  was  in  ihnen  lebte.  Ich  habe  schon  charakteri- 
siert,  wie  es  in  ihnen  lebte:  so,  wie  wenn  man  etwa  sieben  Men- 
schen in  einer  Gruppe  hat;  die  haben  alle  etwas  anderes  gelernt,  sind 
in  dem,  was  sie  konnen,  verschieden,  arbeiten  aber  alle  auf  ein  Ziel 
hin.  Eine  einzige  Sache  wollen  sie  machen.  Ein  jeder  soli  das  geben, 


was  er  am  besten  kann.  Dadurch  entsteht  ein  gemeinsames  Werk. 
Der  einzelne  fur  sich  allein  hat  nicht  die  Kraft,  dieses  Werk  zu 
machen;  zusammen  haben  sie  die  Kraft.  Was  konnten  wir  von  sol- 
chen  sieben  Menschen  sagen,  die  irgendein  gemeinsames  Produkt 
formen?  Man  konnte  sagen:  sie  pragen  dieses  Produkt  so  aus,  daB 
es  im  Sinne  des  Bildes  ist,  das  sie  sich  von  ihrem  Werke  gemacht 
haben.  —  Das  miissen  wir  uns  auch  als  ein  durchaus  Charakteristi- 
sches  vor  Augen  halten,  daB  die  sieben  Elohim  zusammenwirkten, 
um  zuletzt  die  Kronung  dieses  Wirkens  zustande  zu  bringen:  hin- 
einzugieBen  menschliche  Form  in  das,  was  entstehen  konnte  aus  der 
Wiederholung  des  Friiheren,  weil  allem  ein  Neues  eingepragt  war. 
Daher  wird  plotzlich  in  der  Genesis  eine  ganz  andere  Sprache  ge- 
sprochen.  Friiher  ist  alles  in  ganz  bestimmter  Weise  ausgedriickt: 
«die  Elohim  schufen»,  «die  Elohim  sprachen»,  und  so  weiter.  Wir 
haben  es  zu  tun  mit  etwas,  von  dem  man  das  Gefiihl  hat:  es  ist  von 
vorneherein  bestimmt.  Jetzt  wird  eine  neue  Sprache  gesprochen  da, 
wo  die  Kronung  des  Erdenwerdens  auftreten  soil:  «Lasset  uns»  — 
wenn  wir  es  in  der  gewohnlichen  Ubersetzung  geben  —  «lasset  uns 
den  Menschen  machen. »  Das  klingt  wie  eine  Beratung  der  Sieben 
zusammen,  wie  man  es  eben  macht,  wenn  man  ein  gemeinsames 
Werk  vollbringen  will.  So  ergibt  sich,  daB  wir  in  dem,  was  zuletzt 
als  die  Kronung  des  Entwickelungswerkes  auftritt,  ein  Produkt  des 
Zusammenwirkens  der  Elohim  zu  sehen  haben;  daB  sie  dasjenige, 
was  einzeln  ein  jeder  kann,  beisteuern  zu  diesem  gemeinsamen 
Werke  und  daB  zuletzt  die  menschliche  atherische  Form  erscheint 
als  ein  Ausdruck  dessen,  was  die  Elohim  sich  an  Fahigkeiten  und 
Kraften  angeeignet  haben  w'ahrend  der  alten  Saturn-,  Sonnen-  und 
Mondenzeit. 

Damit  haben  wir  etwas  auBerordentlich  Wichtiges  angedeutet. 
Damit  haben  wir  sozusagen  geruhrt  an  das,  was  als  die  menschliche 
Wurde  zu  bezeichnen  ist.  Das  religiose  BewuBtsein  mancherlei  Epo- 
chen  hat  in  den  Empfindungen,  die  es  bei  gewissen  Worten  hatte, 
viel  genauer  als  heute  gefiihlt,  wie  die  Sache  eigentlich  steht.  Und 
auch  der  althebraische  Weise  hat  das  gefiihlt.  Wenn  er  seine  Emp- 
findungen hingerichtet  hatte  zu  den  sieben  Elohim,  so  war  es  ihm 


so,  als  ob  er  in  aller  Demut  und  Verehrung,  mit  der  man  da  auf- 
blickt,  doch  sich  sagen  muBte:  Der  Mensch  ist  etwas  Gewaltiges  in 
der  Welt,  weil  sieben  Tatigkeiten  zu  einer  Gruppe  zusammenflieBen 
muBten,  um  ihn  zustande  zu  bringen.  Ein  Ziel  fur  Gotter  ist  die 
Menschenform  auf  der  Erde.  —  Fuhlen  Sie  das  ganze  Gewicht  dieser 
Worte:  Ein  Ziel  fur  Gotter  ist  die  Menschenform  auf  der  Erde! 
Denn  wenn  Sie  das  ganze  Gewicht  dieses  Wortes  fuhlen,  dann  wer- 
den  Sie  sich  sagen:  Diese  Menschenform  ist  etwas,  demgegeniiber 
die  einzelne  Seele  eine  ungeheure  Verantwortung  hat,  eine  Ver- 
pflichtung,  es  so  vollkommen  als  moglich  zu  machen.  —  Die  Mog- 
lichkeit  der  Vervollkommnung  war  in  dem  Momente  gegeben,  als 
die  Elohim  den  gemeinsamen  EntschluB  f  aBten,  alles,  was  sie  konn- 
ten,  in  ein  Ziel  zusammenstromen  zu  lassen.  Das,  was  ein  Erbe  von 
Gottern  ist,  das  ist  dem  Menschen  iibertragen  worden,  daB  er  es 
immer  hoher  und  hoher  ausbilde  in  feme  Zukunftszeiten  hinein. 
Dieses  Ziel  zu  fuhlen  in  Geduld  und  Demut,  aber  auch  in  Kraft, 
das  muB  eines  der  Resultate  sein,  die  aus  der  kosmischen  Betrach- 
tung  flieBen,  die  wir  ankniipfen  konnen  an  die  monumentalen 
Worte  am  Anfang  der  Bibel.  Unseren  Ursprung  enthiillen  uns  diese 
Worte,  unser  Ziel,  unser  hochstes  Ideal  weisen  sie  uns  zugleich.  Wir 
fuhlen,  daB  wir  gottlichen  Ursprungs  sind,  wir  fuhlen  aber  auch 
das,  was  anzudeuten  versucht  worden  ist  im  Rosenkreuzerdrama, 
da  wo  der  Eingeweihte  eine  gewisse  Stufe  iiberschritten  hat,  wo  er 
sich  sozusagen  in  dem  «Mensch,  erlebe  dich»  fiihlt.  Wohl  fiihlt  er 
da  seine  menschliche  Schwachhek,  aber  vor  sich  sein  gottliches  Ziel. 
Er  vergeht  nicht  mehr,  er  verdorrt  nicht  mehr  innerlich,  sondern 
gehoben,  innerlich  erlebt  fiihlt  er  sich,  indem  er  sich  erlebt,  wenn 
er  sich  erleben  kann  in  dem  andern  Selbst,  das  ihm  durchstrdmt  ist 
von  etwas,  was  seiner  Seele  verwandt  ist,  weil  es  sein  eigenes 
Gottesziel  ist. 


FtJNFTER  VORTRAG 
Miinchen,  20.  August  1910 


Wir  haben  darauf  hingewiesen,  wie  in  der  Schilderung  des  Erden- 
werdens  durch  die  sogenannte  Genesis  zunachst  eine  Wiederholung 
jener  friiheren  Zustande  der  Entwickelung  gegeben  ist,  die  heute 
nur  durch  die  hellseherische  Forschung,  also  das,  was  wir  als  die 
Quelle  der  anthroposophischen  Weltanschauung  bezeichnen,  ge- 
wonnen  werden  konnen.  Wenn  wir  uns  noch  einmal  vor  die  Seele 
riicken,  was  wir  so  uber  die  Entwickelungszustande  gewonnen 
haben,  in  Zeitlaufen,  da  von  unserem  Erdenhaften  noch  nichts  vor- 
handen  war,  dann  weisen  wir  darauf  hin,  daB  das,  was  spater  unser 
Sonnensystem  geworden  ist,  dazumal  beschlossen  war  in  einem 
planetarischen  Dasein,  das  wir  als  den  alten  Saturn  bezeichnen. 
Und  wir  halten  recht  fest  im  Auge,  daB  dieser  alte  Saturn  ein  In- 
einanderweben  von  bloBen  Warmezustanden  war,  ein  Ineinander- 
weben  von  Warmeverhaltnissen.  Derjenige,  welcher  nach  unseren 
gegenwartigen  physikalischen  BegrirTen  etwa  AnstoB  daran  neh- 
men  konnte,  daB  von  einem  Weltenwesen  geredet  wird,  das  nur  in 
Warme  ist,  den  verweise  ich  auf  das,  was  ich  vorgestern  gesagt 
habe,  daB  namlich  alle  Einwande  sogenannter  moderner  Wissen- 
schaftlichkeit,  die  gegen  das,  was  heute  und  auch  sonst  hier  gesagt 
wird,  erhoben  werden  konnen,  von  mir  selbst  erhoben  werden 
konnten.  Nur  ist  nicht  die  Zeit,  in  diesen  Vortragen  alles  das,  was 
gutglaubige  moderne  Wissenschaft  sagen  kann,  auch  wirklich  zu 
beriihren.  Den  Quellen  der  geisteswissenschaftlichen  Forschung 
gegeniiber  nimmt  sich  das,  was  aus  diesem  ganzen  Umfange  der 
modernen  Wissenschaft  gesagt  werden  konnte,  recht  dilettantisch 
aus.  Ich  werde  ja,  um  gerade  mancherlei,  was  von  dieser  Seite  auf- 
taucht,  zu  beriicksichtigen,  einmal  damit  beginnen,  und  zwar  zu- 
nachst wohl  von  meinem  Prager  Zyklus  an,  der  im  Verlaufe  des 
nachsten  Friihlings  gehalten  werden  soli,  nicht  nur  von  all  dem  zu 
sprechen,  womit  man  Anthroposophie  begriinden  kann,  sondern, 


damk  die  modernen  Gemiiter  sich  dann  beruhigen  konnen,  auch 
von  dem,  womit  man  Anthroposophie  widerlegen  kann.  Deshalb 
werden  meinem  Prager  Vortragszyklus  zwei  offentliche  Vortrage 
vorangehen,  von  denen  der  erste  heiBt  «Wie  widerlegt  man  An- 
throposophie?»  und  der  zweite  «Wie  begriindet  man  Anthropo- 
sophie? »  Und  diese  Vortrage  werde  kh  dann  an  anderen  Orten  hal- 
ten,  und  es  werden  dann  die  Menschen  schon  sehen,  daB  von  uns 
selbst  alles  das  gesagt  werden  kann,  daB  uns  selbst  voll  bewuBt 
ist,  was  etwa  von  dieser  oder  jener  Seite  eingewendet  werden  kann 
gegen  das,  was  auf  anthroposophischem  Boden  gelehrt  wird.  An- 
throposophie ist  in  sich  ganz  fest  begriindet,  und  diejenigen,  die 
da  glauben  sie  widerlegen  zu  konnen,  die  kennen  sie  eben  noch 
nicht.  Das  wird  im  Laufe  der  Zeit  hinlanglich  gezeigt  werden.  In 
bezug  auf  jenen  Warmezustand  des  alten  Saturn  darf  ich  auch  noch 
auf  einige  Bemerkungen  verweisen,  die  ich  in  meiner  «Geheim- 
wissenschaft»  gemacht  habe,  durch  die  sich  auch  diejenigen  einiger- 
maBen  beruhigen  konnen,  die  sich  gezwungen  fiihlen,  nach  ihrer 
wissenschaftlichen  Erziehung  Einwendungen  dagegen  zu  machen. 

Nach  Voraussetzung  dieser  Worte  will  ich  also  wiederum  ganz 
frank  und  frei  von  anthroposophischem  Gesichtspunkte  aus  spre- 
chen  ohne  Riicksicht  auf  das,  was  etwa,  gut  gemeint,  gegen  diese 
Dinge  vorgebracht  werden  kann. 

Ein  Ineinanderweben  also  von  Warmezustanden  war  im  alten 
Saturndasein  vorhanden.  Das  wollen  wir  einmal  ganz  fest  ins  Auge 
fassen.  Im  Sinne  der  Genesis  wiederholt  sich  innerhalb  des  Erden- 
werdens  dieser  alte  Saturnzustand,  der,  wie  gesagt,  ein  Ineinander- 
weben von  Warme-  oder  Feuerverhaltnissen  ist.  Das  ist  das  erste, 
was  wir  festhalten  wollen  im  elementarischen  Dasein.  Und  ich  bitte 
Sie,  dabei  durchaus  zu  beriicksichtigen,  in  welchem  Sinne  wir  bei 
eiriem  so  hohen  Daseinszustand,  wie  es  der  des  alten  Saturn  ist,  von 
Warme  oder  Feuer  sprechen.  Dem,  was  wir  da  als  Warme  oder 
Feuer  bezeichnen,  kommen  wir  nicht  nahe,  wenn  wir  etwa  ein 
Streichholz  oder  eine  Kerze  anziinden  und  die  Warme  oder  das 
Feuer  im  physischen  Dasein  studieren.  Wir  miissen  uns  vielmehr 
das,  was  wir  hier  Warme,  was  wir  hier  Feuer  nennen,  viel  geistiger 


oder,  besser  gesagt,  seelischer  denken.  Wenn  Sie  sich  durchfiihlen 
als  ein  in  sich  Warme  tragendes  Wesen,  wenn  Sie  sozusagen 
Eigenwarme  fiihlen,  seelisch  Eigenwarme  erleben,  dann  wird  es 
gut  sein,  wenn  Sie  dieses  Eigenerlebnis,  dieses  Gefiihlserlebnis 
als  etwas  betrachten,  was  Ihnen  eine  ungefahre  Vorstellung  von 
dem  Ineinanderweben  der  Warmeverhaltnisse  im  alten  Saturn 
geben  kann. 

Dann  dringen  wir  vorwarts  bis  zum  alten  Sonnenzustand,  dem 
zweiten  der  Entwickelungszustande  unseres  Planeten,  und  sprechen 
innerhalb  des  elementarischen  Daseins  davon,  daB  sich  die  Warme 
verdichtet  hat  zu  dem,  was  wir  gasig  oder  luftformig  nennen  kon- 
nen.  Wir  haben  also  im  elementarischen  Dasein  der  alten  Sonne 
Warme  und  Gas-  oder  Luftformiges  zu  unterscheiden.  Wir  haben 
aber  schon  darauf  hingewiesen,  daB  mk  der  Verdichtung  der  Warme 
in  das  Luftformige  hinein,  also  mit  einem  Hinuntersteigen  der  ele- 
mentarischen Zustande  nach  dem  Dichteren,  verkniipft  ist  ein  Hin- 
aufsteigen,  wenn  wir  es  so  nennen  diirfen,  nach  dem  Diinneren, 
nach  dem  mehr  Atherischen,  so  daB,  wenn  wir  den  nachsten  ele- 
mentarischen Zustand  unterhalb  der  Warme  als  luftartig  bezeich- 
nen,  wir  den  nachsten  Zustand  oberhalb  der  Warme  als  lichtartig 
bezeichnen  mussen,  als  lichtartigen  Ather.  Wenn  wir  also  die  gesam- 
ten  elementarischen  Verhaltnisse  wahrend  des  alten  Sonnenzustan- 
des  ins  Auge  fassen,  dann  wollen  wir  sagen:  Es  ist  in  der  alten 
Sonne  vorhanden  gewesen  ein  Durcheinanderweben  von  Warme, 
Licht  und  Luft,  und  alles  das,  was  da  gelebt  hat  wahrend  dieses 
alten  Sonnenzustandes,  das  offenbarte  sich  innerhalb  dieser  Zu- 
stande von  Warme,  Licht  und  Luft.  Nun  mussen  wir  uns  noch  ein- 
mal  klarmachen,  daB  wenn  wir  den  Blick  bloB  auf  diese  elemen- 
tarischen Offenbarungen  von  Warme,  Licht  und  Luft  richten,  daB 
wir  dann  sozusagen  nur  die  AuBenseite,  die  Maja,  die  Illusion  des- 
sen  haben,  was  eigentlich  vorhanden  ist.  In  Wahrheit  sind  es  gei- 
stige  Wesenheiten,  die  sich  mittels  der  Warme,  des  Lichtes  und  der 
Luft  nach  auBen  hin  kundgeben.  Es  ware  etwa  so,  wie  wenn  wir 
unsere  Hand  in  einen  erwarmten  Raum  hineinstreckten  und  uns 
sagten:  daB  da  Warme  ist  in  diesem  Raum,  hat  seinen  Grund  darin, 


daB  da  ein  Wesen  ist,  das  Warme  verbreitet  und  in  der  Warmever- 
breitung  ein  Mittel  der  Qffenbarung  hat. 

Wenn  wir  nun  zum  alten  Monde  vorschreiten,  dann  haben  wir 
den  mittleren  Zustand  wiederum  als  die  Warme,  nach  unten  die 
Verdichtung  der  Warme  in  Luft-  oder  Gasf  ormiges  und  noch  weiter 
unten  die  Verdichtung  ins  WaBrige.  Das  Licht  wird  wiederum 
heriibergenommen.  Wir  haben  dann  gleichsam  iiber  dem  Licht  lie- 
gend  als  einen  feineren,  mehr  atherischen  Zustand  das,  was  ich 
schon  charakterisiert  habe,  indem  ich  sagte:  Was  innerhalb  unserer 
Materien  als  jenes  ordnende  Prinzip  wirkt,  das  die  chemischen  Ver- 
bindungen  und  die  chemischen  Zerspaltungen  zustande  bringt,  das, 
was  der  Mensch  mit  seinen  auBeren  Sinnen  nur  dann  erkennt,  wenn 
es  sich  durch  das  Instrument  der  Luft  iibertragt,  was  aber  in  einer 
geistigen  Art  allem  Dasein  zugrunde  liegt,  das  konnen  wir  als  einen 
Klang-  oder  Schallather  bezeichnen  oder  auch,  weil  ja  dieser  gei- 
stige  Schall  das  materielle  Dasein  ordnet  nach  MaB  und  Zahl,  als 
den  Zahienather.  —  Wir  sagen  also:  Wir  steigen  auf  vom  Licht  zum 
Schall,  verwechseln  diesen  Schall  aber  nicht  mit  dem  auBeren  Schall, 
der  durch  die  Luft  vermittelt  wird,  sondern  sehen  in  ihm  etwas,  das 
nur  wahrnehmbar  ist,  wenn  der  hellseherische  Sinn  des  Menschen 
in  gewisser  Weise  erweckt  ist.  —  Innerhalb  dieses  alten  Mondes  also, 
in  allem,  was  da  ist  im  alten  Monde  selbst  und  was  da  wirkt  von 
auBen  her,  in  all  dem  haben  wir  zu  sehen  an  elementarischen  Zu- 
standen  Warme,  Luft,  Wasser,  Licht,  Schall. 

Indem  wir  dann  zum  vierten  Zustand  aufsteigen,  zum  eigent- 
lichen  Erdenwerden,  da  fiigen  sich  hinzu  als  neue  Verdichtungen 
und  Verdiinnungen  dieser  elementarischen  Zustande  nach  unten 
und  nach  oben  das  Erdige  oder  das  Feste  und  das,  was  wir  den 
eigentlichen  Lebensather  nennen,  einen  noch  feineren  Ather  als  den 
Tonather.  So  daB  wir  das  elementarische  Dasein  des  Erdenhaften 
so  schildern  konnen:  Die  Warme  ist  wiederum  als  der  mittlere  Zu- 
stand vorhanden,  als  Verdichtungszustande  haben  wir  Luftformiges, 
WaBriges  und  Festes,  als  Verdunnungszustande  aber  Licht-,  Schall- 
und  Lebensather.  —  Ich  mache  ausdriicklich  noch  einmal,  damit  gar 
nichts  undeutlich  bleibt  in  dieser  Auseinandersetzung,  klar,  daB  das, 


was  als  Erdiges  oder  als  Festes  bezeichnet  wird,  nicht  verwechselt 
werden  darf  mit  dem,  was  die  heutige  Wissenschaft  als  Erdiges 
bezeichnet.  Was  hier  in  unseren  Auseinandersetzungen  so  bezeich- 
net wird,  das  ist  etwas,  was  in  unserer  Umgebung  nicht  unmittel- 
bar  zu  sehen  ist.  Im  Sinne  des  Okkultismus  ist  allerdings  das,  wor- 
auf  wir  schreiten,  wenn  wir  den  Boden  unserer  Erde  iiberschreiten, 
Erde,  insofern  es  fest  ist,  aber  audi  Gold  und  Silber  und  Kupfer 
und  Zinn  sind  Erde.  Alles  das,  was  Fest-Stoffliches  ist,  ist  im  Sinne 
des  Okkultismus  Erde.  Der  heutige  Physiker  wird  natiirlich  von 
seinem  Gesichtspunkt  aus  sagen:  Diese  ganze  Unterscheidung  ist 
nichts;  wir  unterscheiden  unsere  verschiedenen  Elemente,  aber  von 
dem,  was  diesen  Elementen  gleichsam  wie  ein  Urstoff,  wie  ein 
Erdiges  zugrunde  liegen  soil,  davon  wissen  wir  nichts.  —  Erst  wenn 
der  seherische  Blick  dasjenige  durchdringt,  was  in  den  auBeren  Ele- 
menten der  Wissenschaft,  in  den  etlichen  siebzig  Elementen  ge- 
geben  ist,  und  nach  dem  Grunde  der  festen  Elemente  sucht,  nach 
den  Kraften,  die  die  Materie  in  den  festen  Zustand  fiigen,  erst  wenn 
man  also  hinter  das  sinnliche  Dasein  dringt,  dann  findet  man  jene 
Krafte,  die  das  Feste,  das  Flussige,  das  Luftformige  im  Sinne  des 
Okkultismus  konstruieren,  bilden,  zusammensetzen.  Und  von  dem 
ist  hier  die  Rede.  Und  davon  ist  auch  die  Rede  in  der  Genesis,  wenn 
man  sie  recht  versteht.  Von  diesen  vier  Zustanden  miissen  wir  also 
dann  sagen,  zurn  Verstandnis  der  Genesis,  daB  sich  die  drei  ersten 
in  unserem  Erdendasein  in  irgendeiner  Weise  wiederholen  miissen, 
der  vierte  aber  als  ein  neuer  auftritt  innerhalb  unseres  Erdendaseins. 

Versuchen  wir  einmal,  daraufhin  unsere  Genesis  zu  priifen.  Ver- 
suchen  wir  sie  zu  priifen  mit  den  Mitteln,  die  wir  uns  schon  an- 
geeignet  haben  in  den  vorangegangenen  Tagen.  Wir  miiBten  also 
in  unserem  Erdenwerden  eine  Art  Wiederholung  des  alten  Saturn- 
zustandes  finden.  Wir  miiBten,  mit  anderen  Worten,  die  alte  Saturn- 
warme  wiederfinden,  wie  sie  wirkt  als  Ausdruck  eines  Geistig- 
Seelischen.  Und  wir  finden  sie,  wenn  wir  die  Genesis  in  richtiger 
Weise  verstehen.  Ich  habe  Ihnen  gesagt,  daB  die  Worte,  die  da 
gewohnlich  iibersetzt  werden  «Der  Geist  der  Elohim  briitete  iiber 
den  Wassern»,  eigentlich  bedeuten,  daB  das  Geistig-Seelische  der 


Elohim  sich  ausbreitet  und  daB  jenes  warmehafte  Element,  das  wir 
im  Briiten  hinunterstrahlend  uns  denken  miissen  vom  Huhn  in  die 
Eier  hinein,  daB  dieses  Element  durchzieht,  was  damals  vom  ele- 
mentarischen  Dasein  vorhanden  war.  In  den  Worten  «Der  Geist 
der  Elohim  durchstrahlte  w'armebriitend  das  elementarische  Dasein, 
oder  die  Wasser»  haben  Sie  angedeutet  die  Wiederholung  der  alten 
Saturnwarme. 

Gehen  wir  weiter.  Der  nachste  Zustand  miiBte  derjenige  sein, 
der  eine  Wiederholung  des  alten  Sonnendaseins  darstellt.  Nehmen 
wir  jetzt  zunachst  nicht  Riicksicht  auf  das,  was  wir  im  elementari- 
schen  Sonnendasein  als  einen  Verdichtungszustand  haben,  was  von 
der  Warme  zur  Luft  wurde,  sondern  auf  das,  was  als  Verdiinnung 
auftrat,  auf  das  Lichtelement.  Nehmen  wir  also  die  Tatsache,  daB 
wahrend  des  Sonnenhaften  das  Licht  in  unseren  kosmischen  Raum 
einschlagt,  dann  wird  die  Wiederholung  dieses  alten  Sonnenzustan- 
des  im  Erdenwerden  das  Einschlagen  des  Lichtes  sein.  Das  ist  ge- 
geben  in  den  urgewaltigen  Worten  «Und  die  Elohim  sprachen:  Es 
werde  Licht!  Und  es  ward  Licht. » 

Die  dritte  Wiederholung  wird  dadurch  gegeben  werden  miissen, 
daB  in  bezug  auf  die  feineren  elementarischen  Zustande  das,  was 
wir  ordnenden  Schall-  oder  Klangather  nennen,  unser  Erdenwerden 
durchstrahlt.  Fragen  wir  uns  also,  ob  auch  dieser  Mondenzustand 
in  irgendeiner  Weise  in  seiner  Wiederholung  angedeutet  ist.  Wie 
miiBte  er  denn  angedeutet  sein  in  der  Genesis?  Etwa  so,  daB  in  die 
elementarischen  Stoffverhaltnisse  des  Erdenwerdens  der  Schall  in 
ahnlicher  Weise  ordnend  eingreift,  wie  wir  es  sehen,  wenn  wir  mit 
dem  Violinbogen  eine  Platte  streichen,  die  mit  feinem  Staub 
bestreut  ist,  und  dann  die  sogenannten  Chladnischen  Klangfiguren 
entstehen.  Es  miiBte  so  etwas  im  Wiederholungszustand  auftreten, 
was  uns  sagte:  Es  griff  der  Ton-  oder  Klangather  ein  und  ordnete 
die  Materie  in  einer  gewissen  Weise.  —  Was  aber  wird  uns  von 
jenem  Momente  unseres  Erdenwerdens  gesagt,  der  auf  die  Licht- 
werdung  folgt?  Da  wird  uns  gesagt,  daB  etwas  erregt  wurde  durch 
die  Elohim  inmitten  der  stofflichen  elementarischen  Massen,  wo- 
durch  sich  diese  elementarischen  Massen,  wie  ich  Ihnen  gestern 


charakterisiert  habe,  ordneten,  indem  sie  nach  oben  stromten  und 
nach  unten  sich  sammelten.  Ein  ordnendes  Kraftelement  dringt  ein 
und  ordnet  die  elementarischen  Massen,  geradeso,  wie  der  Schall 
hineindringt  in  die  Staubmassen  und  die  Chladnischen  Klangfigu- 
ren  bewirkt.  Wie  da  der  Staub  sich  ordnet,  so  ordnen  sich  die  ele- 
mentarischen Massen,  indem  sie  nach  oben  strahlen  und  sich  nach 
unten  sammeln.  Das  Wort  rakia,  das  da  steht,  um  zu  bezeichnen, 
was  die  Elohim  da  hineinfiigten  in  die  elementarischen  Stoffmassen, 
ist  ein  schwer  zu  iibersetzendes  Wort,  und  die  gebrauchlichen  Uber- 
setzungen  reichen  nicht  hin,  es  in  der  richtigen  Weise  wiederzu- 
geben.  Wenn  man  alles  zusammennimmt,  auch  rein  philologisch, 
was  heute  zusammengetragen  werden  kann,  um  dieses  Wort  zu 
erklaren,  so  muJ3  man  sagen:  Es  ist  mit  der  Ubersetzung  Firmament 
oder  auch  Gezelt  oder  auch  Ausdehnung  nicht  viel  getan,  denn  in 
diesem  Worte  liegt  etwas  Aktives,  etwas  Erregendes.  Und  eine 
genauere  Philologie  wiirde  finden,  daB  in  diesem  Worte  gerade  das 
liegt,  was  hier  angedeutet  worden  ist:  Die  Elohim  erregten  in  den 
elementarischen  Stoffmassen  etwas,  was  sich  vergleichen  laBt  mit 
dem,  was  in  den  Staubmassen  der  Chladnischen  Klangfiguren  er- 
regt  wird,  wenn  der  Klang  ordnend  eingreift.  Wie  da  der  Staub 
sich  ordnet,  so  wird  nach  aufwarts  und  nach  abwarts  die  elemen- 
tarische  Stoffmasse  geordnet  am  sogenannten  zweiten  Schopfungs- 
tage.  —  So  sehen  wir  also  das  Eingreifen  des  Klangathers  nach  dem 
Lichtather  innerhalb  der  Genesis,  und  wir  haben  ganz  sachgemaB 
mit  dem  sogenannten  zweiten  Schopfungstage  dasjenige  vor  uns, 
was  wir  in  einer  gewissen  Beziehung  als  eine  Wiederholung  des 
Mondendaseins  auffassen  miissen, 

Sie  werden  schon  sehen,  wie  die  Wiederholungen  nicht  in  ganz 
eindeutiger  Weise  geschehen  konnen,  sondern  wie  sie  gleichsam 
iibereinandergreifen.  Und  was  in  scheinbarem  Widerspruch  in  den 
heutigen  Auseinandersetzungen  zu  den  gestrigen  erscheinen  konnte, 
das  wird  sich  schon  klaren.  Die  Wiederholungen  geschehen  so,  daB 
zunachst  eine  Wiederholung  stattfindet,  wie  ich  sie  jetzt  erzahle, 
und  dann  eine  umfassendere,  wie  ich  sie  schon  gestern  charakteri- 
siert habe. 


Wir  miissen  nun  erwarten,  daB  nach  dem  Moment  des  Erden- 
werdens,  wo  also  der  Schallather  die  Materien  so  geordnet  hat,  daB 
die  einen  nach  oben  strahlen  und  die  anderen  nach  unten  sich 
sammeln,  nun  etwas  eingreift,  was  wir  als  einen  feineren  Zustand, 
als  den  eigentlichen  erdenhaften,  bezeichnet  haben,  das  was  wir 
das  Leben,  den  Lebensather  genannt  haben.  Es  miiBte  also  auf  den 
sogenannten  zweiten  Schopfungstag  etwas  folgen,  was  uns  anzeigen 
wiirde,  daB  in  die  elementarischen  Massen  unserer  Erde  Lebens- 
ather einstromte,  so  wie  zuerst  Licht  und  ordnender  Schallather  ein- 
gestromt  sind.  Wir  miiBten  etwas  haben  in  der  Genesis,  was  uns 
andeutete:  da  zuckte  hinein  Lebensather  und  brachte  das  Leben  zur 
Erregung,  zur  Entfaltung.  —  Sehen  Sie  sich  den  dritten  Moment  an 
im  Erdenwerden  in  der  Genesis.  Da  wird  Ihnen  erzahlt,  wie  die 
Erde  hervorsprossen  laBt  das  Griine,  das  Lebende,  das  Kraut-  und 
Baumartige  —  wie  ich  gestern  gessigt  habe:  artgemaB.  Da  haben  Sie 
lebendig  dargestellt  das  Hineinstromen  des  Lebensathers,  der  das 
alles  hervorruft,  was  fiir  den  dritten  Tag  gesagt  wird. 

So  haben  Sie  in  der  Genesis  alles,  was  der  Okkultismus  durch  die 
seherischen  Krafte  zutage  fordern  kann  und  was  wir  erwarten  miis- 
sen, wenn  die  Genesis  wirklich  von  einem  solchen  okkulten  Wis- 
sen  stammt.  Das  sehen  wir  bestatigt,  wenn  wir  sie  nur  richtig  ver- 
stehen  wollen.  Es  ist  wunderbar,  wie  wir  dasjenige,  was  wir  zuerst 
unabhangig  von  jeder  Urkunde  erforschen,  bestatigt  linden  durch 
die  Genesis.  Ich  kann  Ihnen  die  Versicherung  geben,  daB  in  der 
Art,  wie  das  Erdenwerden  dargestellt  worden  ist  als  eine  Wieder- 
holung  des  alten  Saturn,  der  alten  Sonne,  des  alten  Mondes  in 
meiner  «Geheimwissenschaft»,  ganz  absichtlich  und  gewissenhaft 
alles  ferngehalten  worden  ist,  was  irgend  aus  der  Genesis  hatte  ent- 
nommen  werden  konnen.  Da  sind  nur  diejenigen  Resultate  ver- 
zeichnet,  welche  unabhangig  von  jeder  auBeren  Urkunde  gefunden 
werden  konnen.  Wenn  Sie  aber  dann  dieses  so  unabhangig  von  den 
Urkunden  Gefundene  mit  der  Genesis  vergleichen,  dann  finden  Sie, 
daB  diese  Genesis  uns  als  ein  Dokument  entgegentritt,  das  uns  das- 
selbe  sagt,  was  wir  aus  unserer  Forschung  heraus  uns  haben  sagen 
konnen.  Das  ist  jener  wunderbare  Zusammenklang,  auf  den  ich 


schon  gestern  hindeutete,  wo  gleichsam  das,  was  wir  selber  sagen 
konnen,  uns  entgegentont  von  Seherorganen,  die  vor  Jahrtausenden 
zu  uns  gesprochen  haben. 

Wenn  wir  also  die  mehr  feineren  Elemente  unseres  Erdenwesens 
betrachten,  so  sehen  wir  in  dem,  was  die  drei  ersten  Schopfungs- 
tage  genannt  wird,  eine  aufeinanderfolgende  Wirksamkeit  von 
Warme,  Licht,  Schallather  und  Lebensather,  und  in  dem  in  sich 
Erregten,  in  sich  Belebten  sehen  wir  gleichzeitig  die  Verdichtungs- 
zustande  sich  entfalten,  aus  der  Warme  die  Luft,  dann  das  Wasser 
und  das  Feste,  das  Erdige,  in  der  Art,  wie  ich  es  Ihnen  dargestellt 
habe.  So  weben  ineinander  die  Verdichtungs-  und  Verdiinnungs- 
zustande,  und  ein  einheitliches  Weltbild  unseres  Erdenwerdens 
erringen  wir  uns  so.  Und  wenn  wir  so  von  den  dichteren  Zustan- 
den,  von  Warme,  Luft,  Wasser,  Erde,  oder  von  den  dunneren  Zu- 
standen,  von  Licht-,  Schall-,  Lebensather,  sprechen,  dann  haben  wir 
es  zu  tun  mit  OfTenbarungsweisen,  mit  auBeren  Kleidern  seelisch- 
geistiger  Wesenheiten.  Von  diesen  seelisch-geistigen  Wesenheiten 
treten  uns  im  Sinne  der  Genesis  zunachst  vor  das  seelische  Auge 
die  Elohim,  und  da  muB  uns  im  Sinne  unserer  anthroposophischen 
Weisheit  die  Frage  aufstofien:  Welcher  Art  waren  denn  eigentlich 
die  Elohim,  was  waren  das  fur  Wesenheiten?  —  Wir  miissen,  urn  uns 
vollstandig  zu  orientieren,  diese  Wesenheiten  sozusagen  in  unsere 
Hierarchienordnung  einreihen  konnen.  Sie  erinnern  sich  wohl  alle 
aus  dem,  was  im  Verlaufe  der  Jahre  Ihnen  vorgetragen  worden  ist 
oder  was  Sie  in  meiner  «Geheimwissenschaft»  lesen  konnen,  daB 
wir  in  der  hierarchischen  Ordnung,  wenn  wir  von  oben  anfangen, 
zunachst  eine  Dreiheit  unterscheiden,  die  wir  bezeichnen  als  Sera- 
phime,  Cherubime,  Throne.  Sie  wissen,  daB  wir  dann  eine  nachste 
Dreiheit  anerkennen,  die  wir  bezeichnen  als  Kyriotetes  oder  Herr- 
schaften,  Dynamis  oder  Machte,  und  Exusiai  oder  Offenbarungen, 
Gewalten.  Wenn  wir  dann  die  niederste  Dreiheit  nehmen  und  die 
christlichen  Ausdriicke  gebrauchen,  so  sprechen  wir  von  Archai 
oder  Urkraften,  Urbeginnen  oder  Geistern  der  Personlichkeit,  von 
Archangeloi  oder  Erzengeln,  von  Angeloi  oder  Engeln,  das  heiBt 
von  denjenigen  geistigen  Wesenheiten,  die  dem  Menschen  am  aller- 


nachsten  stehen.  Dann  erst  kommen  wir  in  der  Ordnung  der  Hier- 
archien  zum  Menschen  selber  als  dem  zehnten  Gliede  innerhalb 
unserer  hierarchischen  Ordnung.  Und  wir  mussen  uns  fragen:  An 
welche  Stelle  dieser  Ordnung  gehoren  denn  die  Elohim? 

Da  mussen  wir  unseren  Blick  auf  die  zweite  der  Dreiheiten  rich- 
ten,  auf  diejenigen  Wesenheiten,  die  wir  Exusiai  oder  Gewalten, 
Geister  der  Form  nennen.  Dann  haben  wir  die  Rangordnung  der 
Elohim.  Wir  wissen  aus  dem,  was  wir  im  Laufe  der  Jahre  dargestellt 
haben,  daB  wahrend  des  alten  Saturndaseins  die  Archai,  die  Geister 
der  Personlichkeit,  auf  jener  Menschheitsstufe  standen,  auf  der  wir 
heute  stehen.  Wahrend  des  alten  Sonnenzustandes  standen  die  Erz- 
engel  oder  Archangeloi  auf  der  Menschheitsstufe,  wahrend  des 
alten  Mondendaseins  die  Engel  oder  Angeloi,  und  wahrend  des 
Erdendaseins  steht  der  Mensch  auf  der  Menschheitsstufe.  Einen 
Grad  iiber  den  Geistern  der  Personlichkeit  haben  wir  die  Geister 
der  Form,  die  Exusiai,  dieselben,  die  wir  die  Elohim  nennen.  Das 
sind  also  geistige  Wesenheiten,  die,  als  unser  planetarisches  Da- 
sein  mit  dem  alten  Saturn  begonnen  hat,  schon  i
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