Bewusstsein – Leben – Form

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Steiner

Rudolf Steiner

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RUDOLF  STEINER  GES AMTAUSG ABE 

VORTRAGE 

VORTRAGE  VOR  MITGLIEDERN 
DER  ANTHROPOSOPHISCHEN  GESELLSCHAFT 


RUDOLF  STEINER 


Bewufitsein  -  Leben  -  Form 

Grundprinzipien  der 
geisteswissenschaftlichen  Kosmologie 


Niederschriften  und  Vortrage 
aus  den  Jahren  1903  -  1906 


2001 


RUDOLF  STEINER  VERLAG 
DORNACH  /  SCHWEIZ 


Herausgegeben  von  der  Rudolf  Steiner-Nachlafiverwaltung 
Die  Herausgabe  besorgten  Hella  Wiesberger  und  Ulla  Trapp 


1.  Auflage,  Gesamtausgabe  Dornach  2001 


Friihere  Veroffentlichungen 
siehe  zu  Beginn  der  Hinweise 


Bibliographie-Nr.  89 

Alle  Rechte  bei  der  Rudolf  Steiner-Nachlaftverwaltung,  Dornach/Schweiz 
©  2001  by  Rudolf  Steiner-Nachlafiverwaltung,  Dornach/Schweiz 
Satz:  Rudolf  Steiner  Verlag  /  Bindung:  Spinner  GmbH,  Ottersweier 
Printed  in  Germany  by  Konkordia  Druck,  Buhl 

ISBN  3-7274-0890-1 


Zu  den  Veroffentlichungen 
aus  dem  Vortragswerk  von  Rudolf  Steiner 


Die  Gesamtausgabe  der  Werke  Rudolf  Steiners  (1861-1925)  gliedert 
sich  in  die  drei  groften  Abteilungen:  Schriften  -  Vortrage  -  Kiinst- 
lerisches  Werk  (siehe  die  Ubersicht  am  Schlufi  des  Bandes). 

Urspriinglich  wollte  Rudolf  Steiner  nicht,  daft  seine  frei  gehal- 
tenen  Vortrage  -  sowohl  die  offentlichen  als  auch  die  fur  die  Mit- 
glieder  der  Theosophischen,  spater  Anthroposophischen  Gesell- 
schaft  -  schriftlich  festgehalten  wiirden,  da  sie  von  ihm  als  «mund- 
liche,  nicht  zum  Druck  bestimmte  Mitteilungen»  gedacht  waren. 
Nachdem  aber  zunehmend  unvollstandige  und  fehlerhafte  Horer- 
nachschriften  angefertigt  und  verbreitet  wurden,  sah  er  sich  veran- 
lafit,  das  Nachschreiben  zu  regeln.  Mit  dieser  Aufgabe  betraute  er 
Marie  Steiner-von  Sivers.  Ihr  oblag  die  Bestimmung  der  Stenogra- 
fierenden,  die  Verwaltung  der  Nachschriften  und  die  fur  die  Her- 
ausgabe  notwendige  Durchsicht  der  Texte.  Da  Rudolf  Steiner  nur 
in  ganz  wenigen  Fallen  die  Nachschriften  selbst  korrigiert  hat, 
mufi  gegenuber  alien  Vortragsveroffentlichungen  sein  Vorbehalt 
beriicksichtigt  werden:  «Es  wird  eben  nur  hingenommen  werden 
miissen,  dafi  in  den  von  mir  nicht  nachgesehenen  Vorlagen  sich 
Fehlerhaftes  findet.» 

Uber  das  Verhaltnis  der  Mitgliedervortrage,  welche  zunachst 
nur  als  interne  Manuskriptdrucke  zuganglich  waren,  zu  seinen 
offentlichen  Schriften  aufiert  sich  Rudolf  Steiner  in  seiner  Selbst- 
biographie  «Mein  Lebensgang»  (35.  Kapitel).  Der  entsprechende 
Wortlaut  ist  am  Schlufi  dieses  Bandes  wiedergegeben.  Das  dort 
Gesagte  gilt  gleichermafien  auch  fur  die  Kurse  zu  einzelnen  Fach- 
gebieten,  welche  sich  an  einen  begrenzten,  mit  den  Grundlagen 
der  Geisteswissenschaft  vertrauten  Teilnehmerkreis  richteten. 

Nach  dem  Tode  von  Marie  Steiner  (1867-1948)  wurde  gemaft 
ihren  Richtlinien  mit  der  Herausgabe  einer  Rudolf  Steiner  Ge- 
samtausgabe begonnen.  Der  vorliegende  Band  bildet  einen  Be- 
standteil  dieser  Gesamtausgabe.  Soweit  erforderlich,  finden  sich 
nahere  Angaben  zu  den  Textunterlagen  am  Beginn  der  Hinweise. 


INHALT 


Zu  dieser  Ausgabe  13 

Leitworte   17 

I 

GEISTESWISSENSCHAFTLICHE  KOSMOLOGIE 
Niederschriften  und  Vortrage 

Niedersch  riften 

Entwurf  zur  Darstellung  der  geisteswissenschaftlichen 

Kosmologie  21 

Fragment  aus  dem  Jahre  1903/04 

Die  Entwicklung  der  Erde  67 

Aufzeichnung  fur  Marie  von  Sivers,  6./7.  Januar  1906 

Das  Wesen  des  Christus  als  der  umgekehrte 

makrokosmische  Mensch     .    .    .  71 

Aus  einem  Brief  an  Marie  von  Sivers  vom  13.  Januar  1906 

Die  Namen  der  Wochentage  und  die  Evolution 

des  Menschen  73 

Beilage  zu  einem  Brief  an  Marie  von  Sivers  vom  25.  November 
1905 

Theosophische  Kosmologie 
Drei  Vortrage 

Erster  Vortrag,  Berlin,  26.  Mai  1904    81 

Schwierigkeiten  in  der  Darstellung  der  kosmologischen  Entwick- 
lung bei  theosophischen  Schriftstellern  (Blavatsky,  Sinnett).  Theo- 
sophische Kosmologie  und  heutige  Wissenschaft.  Was  ist  ein  Ein- 
geweihter?  Zuriickhalten  des  okkulten  Wissens  in  friiherer  Zeit. 


Aufgabe  der  theosophischen  Bewegung:  Mitteilen  der  okkulten 
Weisheiten  in  Gedankenformen  des  modernen  Lebens. 

Zweiter  Vortrag,  2.  Juni  1904   

Die  geistige  Natur  des  menschlichen  Selbstes;  das  physische  Ge- 
hirn  als  Werkzeug.  Bewuikseinszustand  des  geistigen  Selbstes  zu 
Beginn  der  Erdenentwicklung.  Die  Entwicklung  der  Erde  in  sieben 
Stufen  («Runden»):  Arupa-Runde,  Rupa-Runde,  astralische  und 
mineralische  Runde;  die  Zukunft  der  Erde.  Der  Mensch  als  Mit- 
schopfer  der  Naturreiche 

Dritter  Vortrag,  9.  Juni  1904   

Stufen  der  Erdenentwicklung.  Manvantara  und  Pralaya.  Entste- 
hung  der  Materie.  Die  ersten  drei  «Runden».  Die  Erde  im  Zustan- 
de  des  Feuers,  des  Athers,  der  Nebelgebilde.  Die  vierte  «Runde»: 
unsere  heutige  Erde.  Der  Mensch  in  der  lemurischen,  der  atlanti- 
schen  und  der  gegenwartigen  Zeitepoche.  Die  Schopfungstage  der 
Genesis. 


Die  planetarische  Entwicklung 
Zwolf  Vortrdge 

Erster  Vortrag,  Berlin  17.  Oktober  1904   

Der  Mensch  als  korperlich-seelisches  und  als  geistiges  Wesen. 
Seele  und  Korper  als  Hiillen  des  sich  entwickelnden  Geistes.  Das 
Wirken  der  «Herren  der  Weisheit»  und  der  «Herren  der  Liebe». 
Luzifer  als  Fiihrer  des  menschlichen  Intellektes.  Zukunft  der  Er- 
denentwicklung: Verwandeln  der  Weisheit  in  Liebe.  Aufsteigende 
und  absteigende  Evolution. 

Zweiter  Vortrag,  19.  Oktober  1904   

Dhyanische  Wesenheiten,  die  an  der  Ausgestaltung  des  physischen 
Menschen  beteiligt  sind.  Gefahren  einseitiger  Entwicklung  durch 
verhartende  oder  vergeistigende  Stromung.  Christus,  der  Herr  der 
Liebe.  Die  Menschwerdung  des  Christus  als  kosmisches  Ereignis. 
Ubersicht  iiber  die  Unterrassen  der  funften  Wurzelrasse. 

Dritter  Vortrag,  22.  Oktober  1904   

Bewufksein,  Leben,  Form.  Dhyanis,  Substanzen  und  Elementar- 
wesen  in  ihrer  Beziehung  zu  Bewuiksein,  Leben  und  Form.  Der 
Hiiter  der  Schwelle.  Notwendigkeit  moralischer  Erziehung. 


Vierter  Vortrag,  25.  Oktober  1904   

Drei  Prinzipien  des  Evolutionsverlaufes:  Bewulksein,  Leben, 
Form.  Die  sieben  Zustande  des  Bewufksein,  die  sieben  Etappen 
des  Lebens  und  die  sieben  Stadien  der  Form.  Der  Durchgang  der 
sich  entwickelnden  Wesen  durch  diese  Zustande.  Die  drei  Logoi. 

Fiinfter  Vortrag,  29.  Oktober  1904   

7  Entwicklungsstufen  des  Bewufkseins  =  Planeten;  7  Lebensstufen 
-  Runden;  7  Formstufen  =  Globen.  Der  Durchgang  des  Menschen 
durch  die  verschiedenen  Bewufitseins-,  Lebens-  und  Formzu- 
stande. 

Sechster  Vortrag,  31.  Oktober  1904   

Entwicklung  des  Menschen  und  der  Naturreiche  auf  dem  alten 
Mond  und  auf  der  Erde.  Hoherentwicklung  des  Menschen  und 
Zuriicklassen  der  Naturreiche.  Erlosung  der  Naturreiche  auf 
spateren  Entwicklungsstufen.  Bruderlogen  und  dhyanische  We- 
senheiten. 

Siebenter  Vortrag,  1.  November  1904   

Die  Metamorphose  von  Nehmen  und  Geben,  von  Wahrnehmen 
und  Tatigkeit  in  der  Entwicklung  des  Menschen.  Ordnen  der  Welt 
nach  Mafi,  Zahl  und  Gewicht.  Das  Wirken  der  Dhyanis  und  der 
sieben  Klassen  von  Pitris.  Die  grofien  Lehrer  der  Menschheit. 

Achter  Vortrag,  2.  November  1904   

Begabung  des  physischen  Korpers  mit  der  Kraft  des  Denkens. 
Entstehung  der  zwei  Geschlechter.  Intentionen  der  Jahve-Elohim 
und  der  luziferischen  Wesenheiten.  Urspriingliche  Verehrung  Lu- 
zifers  in  esoterischen  Schulen.  Evolution  und  Involution  bei  der 
Bildung  der  Sinne:  Gehor  in  der  polarischen  Zeit,  Gefuhl  in  der 
hyperboraischen,  Gesicht  in  der  lemurischen  und  Geschmack  in 
der  atlantischen  Zeit.  Umwandlung  der  alten  Sinne  zu  zukiinf- 
tigen,  spirituellen  Sinnen. 

Neunter  Vortrag,  3.  November  1904   

Erde  und  Mensch  in  der  lemurischen  Zeit.  Bildung  von  Sinnesor- 
ganen  in  der  sich  verdichtenden  Materie.  Wechselwirkung  von 
Innen  und  Aufien,  von  Aktivitat  und  Passivitat.  Sein  als  Ergebnis 
von  Tatigkeit.  Aktives  und  passives  Denken.  Leben  und  Sein.  Uber 
die  Herren  des  Karma. 


Zehnter  Vortrag,  5.  November  1904     .   176 

Entwicklung  der  Zahlenverhaltnisse  im  universellen  Raum.  Die 
Prajapatis  des  Bewufitseins,  des  Lebens  und  der  Form.  Die  Bedeu- 
tung  der  Zahl  1065.  Uber  die  Chakrams  des  Astralkorpers.  Der 
erste  «menschliche»  Manu. 


Elfter  Vortrag,  9.  November  1904    186 

Geistige,  seelische  und  korperliche  Wirkensformen  -  Budhi, 
Kama,  Prana  -  und  ihre  Grenzen;  das  Ich-Bewufitsein.  Offenba- 
rungen  der  Planetengeister.  EinzelbewufStsein  und  gemeines  Ideal; 
die  Entstehung  einer  Bruderloge.  Gesetz  der  Form:  Geburt  und 
Tod;  Gesetz  des  Lebens:  Wiedergeburt;  Gesetz  des  Geistes:  Kar- 
ma. 

Zwolfter  Vortrag,  10.  November  1904    194 

Die  Weltschopfung  als  freie  Tat  des  Logos.  Der  drei  Logoi.  Drei 
Teile  (Gunas)  des  dritten  Logos  -  Tamas  (geistige  Finsternis), 
Rajas  (das  absolute  Verlangen),  Sattwa  (ein  einfache  Spiegelbild  des 
ersten  Logos).  Die  sieben  schopferischen  Krafte  und  das  Hervor- 
gehen  der  Prajapatis  des  BewufStseins,  des  Lebens  und  der  Form 
aus  diesen  Kraften.  Bewufitsein  und  Nirwana-Plan. 


II 

LOGOSOPHIE  -  KOSMOSOPHIE 
Niederschriften  und  Vortragsnotizen 

Vorbemerkungen  207 

Niederschriften 

Die  erste,  zweite  und  dritte  Sohnschaft  Gottes  209 

Undatierte  Aufzeichnung,  ca.  1903/1904 

Die  Gottheit  offenbart  sich  als  All-Seele  und  All-Leben     .  213 
Niederschrift  fur  Jan  Peelen,  27.  April  1905 

Zeichen  und  Entwicklung  der  drei  Logoi  in  der  Menschheit  223 
Niederschrift  fur  Edouard  Schure,  Mai  1906 


Private  Lebrstunden,  Berlin/ Schlachtensee 


Der  erste,  zweite  und  dritte  Logos,  Sommer  1903      .    .    .  230 
aufgezeichnet  von  Marie  von  Sivers 

Die  Logoi,  2.  Juli  1904    236 

aufgezeichnet  von  Marie  von  Sivers 

Evolution  und  Involution,  3.  Juli  1904  (mit  Faksimile)       .  241 


aufgezeichnet  von  Marie  von  Sivers 

Sein  [Form],  Leben,  Bewufksein  I.,  4.  Juli  1904     ....  245 
aufgezeichnet  von  Marie  von  Sivers 

Sein  [Form],  Leben,  Bewufksein  II.,  7.  Juli  1904    ....  251 


aufgezeichnet  von  Marie  von  Sivers 

Uber  die  Logoi,  vermutlich  1904    255 

Undatierte  Aufzeichnungen  von  Mathilde  Scholl 

Anhctng:  Vortragsausziige 

Aus  Vortrag  Berlin,  30.  Oktober  1905    259 

Aus  Vortrag  Stuttgart,  15.  September  1907    264 

Aus  Vortrag  Berlin,  17.  Juni  1909    268 

III 

EINZELVORTRAGE 
Notizen 

Vortrag  Berlin,  18.  Marz  1904   273 

Uber  die  Kabbala 

mit  4  Notizblattern  zum  Sephirot-Kategorien-Problem 

Vortrag  Berlin,  27.  Marz  1905    280 

Symbole  als  Ausdruck  der  Urweisheit 

Vortrag  Berlin,  3.  April  1905    288 

Uber  das  zehnblattrige  Buch 


Hinweise  zum  Text   299 

Faksimile  Verlags-Vertrag  -  Entwurf  zu  dem  geplanten 

Fortsetzungsband  der  «Theosophie»   316 

Sonderhinweis   318 

Personenregister   325 

Erklarungen  indisch-theosophischer  Ausdriicke   327 

Rudolf  Steiner  uber  die  Vortragsnachschriften   331 

Ubersicht  iiber  die  Rudolf  Steiner  Gesamtausgabe     .    .    .  333 


Faksimiles  von  Aufzeichnungen  Rudolf  Steiners 

72,  77,  184/185,  239,  276/277,  278/279,  286/287,  322 


ZU  DIESER  AUSGABE 


Die  in  diesem  Band  vereinigten  Texte  aus  den  Jahren  1903  bis  1906 
sind  Vorarbeiten  zur  Darstellung  der  Evolutionsgeschichte  von 
Mensch  und  Welt,  wie  sie  in  dem  zu  Beginn  des  Jahres  1910  er- 
schienenen  Werk  «Die  Geheimwissenschaft  im  Umrifi»  veroffentlicht 
wurde.  Dieses  Werk  war  von  Anfang  an  angekiindigt  als  Fortsetzung 
der  im  Juni  1904  erschienenen  Schrift  «Theosophie.  Einfiihrung  in 
iibersinnliche  Weltbestimmung  und  Menschenerkenntnis».  Urspriing- 
lich  -  also  im  Jahre  1903,  in  dem  die  «Theosophie»  verfafk  worden  war 
(Dornach,  29.  April  1921  in  GA  204)  -  hatte  Rudolf  Steiner  beabsich- 
tigt,  auch  die  kosmologischen  Zusammenhange  als  letztes  Kapitel  der 
«Theosophie»  anzufiigen.  Er  berichtet  das  in  der  mit  10.  Januar  1925 
datierten  Vorrede  zur  16.-20.  Auflage  der  «Geheimwissenschaft».  Die- 
se  urspriingliche  Absicht  mufi  sich  aber  bald  zu  dem  Plan  eines 
eigenstandigen  Bandes  gewandelt  haben.  Denn  im  Vortrag  Berlin,  9. 
Juni  1904,  heifk  es:  «ein  zweiter  Band  meiner  <Theosophie>,  der  bald 
erscheinen  wird,  soil  von  der  Kosmologie  handeln»  (siehe  S.  107). 
Vermutlich  war  mit  der  Niederschrift  damals  schon  begonnen  worden, 
da  am  5.  Dezember  1904  dariiber  mit  dem  Verleger  Max  Altmann  aus 
Leipzig,  der  an  diesem  Tag  in  Berlin  war,  ein  Gesprach  stattfand, 
worauf  dieser  mit  Brief  vom  9.  Dezember  1904  einen  entsprechend 
vorbereiteten  Verlagsvertrag  sandte  (siehe  S.  107).  Von  diesem  Plan 
eines  Bandes  liber  Kosmologie  zeugt  das  im  vorliegenden  Band  erst- 
mals  veroffentlichte  Manuskript-Fragment. 

Unabhangig  davon  begann  gleichzeitig,  ab  Juli  1904,  in  der  Zeit- 
schrift  «Luzifer-Gnosis»  eine  Darstellung  der  geisteswissenschaftlichen 
Kosmologie  mit  der  Aufsatzreihe  «Aus  der  Akasha-Chronik»  (GA  11), 
bis  die  Zeitschrift  wegen  Uberbeanspruchung  Rudolf  Steiners  im  Jahre 
1908  eingestellt  werden  mufke.*  Damals  wurden  diese  Aufsatze,  eben- 
so  wie  diejenigen  «Wie  erlangt  man  Erkenntnisse  der  hoheren 
Welten?»,  als  Sonderdruck-Sammelhefte  herausgegeben  und  in  einzel- 

*  In  jenen  Jahren  entstanden  noch  zwei  weitere  Niederschriften  zur  Kosmologie. 
Siehe  «Zur  Geschichte  und  aus  den  Inhalten  der  erkenntniskultischen  Abteilung 
der  Esoterischen  Schule  1904-1914»,  GA  265,  S.  250ff  und  S.  372ff. 


ne  Kapitel  mit  Uberschriften  gegliedert.  1909  wurden  die  Aufsatze 
«Wie  erlangt  man  Erkenntnisse  der  hoheren  Welten?»  als  Buchausgabe 
herausgegeben  -  das  Vorwort  ist  gezeichnet  mit  Berlin,  12.  Oktober 
1909  -,  jedoch  nicht  die  Aufsatze  «Aus  der  Akasha-Chronik».  Ganz 
offensichtlich  deshalb  nicht,  weil  inzwischen  die  Arbeit  an  dem  lange 
schon  angekiindigten  kosmologischen  Hauptwerk  «Die  Geheimwis- 
senschaft  im  Umrif?»  beendet  war.  Das  Vorwort  ist  datiert  «Geschrie- 
ben  Dezember  1909»  . 

In  der  schon  erwahnten,  mit  10.  Januar  1925  datierten  Vorrede  zur 
16.-20.  Auflage,  begriindet  Rudolf  Steiner,  riickblickend  auf  den  Plan 
von  1903/04,  warum  dieser  damals  nicht  realisiert  wurde,  so: 

«Dieser  Inhalt  rundete  sich  damals,  als  die  <Theosophie>  ausgefiihrt 
wurde,  nicht  in  der  Art  in  mir  ab  wie  derjenige  der  <Theosophie>.  Ich 
hatte  in  meinen  Imaginationen  das  geistige  Wesen  des  Einzelmenschen 
vor  meiner  Seele  stehen  und  konnte  es  darstellen,  nicht  aber  standen 
damals  schon  die  kosmischen  Zusammenhange,  die  in  der  <Geheimwis- 
senschaft>  darzulegen  waren,  ebenso  vor  mir.  Sie  waren  im  einzelnen 
da;  nicht  aber  im  Gesamtbild.  Deshalb  entschlofi  ich  mich,  die  <Theo- 
sophie>  mit  dem  Inhalte  erscheinen  zu  lassen,  den  ich  als  das  Wesen  im 
Leben  eines  einzelnen  Menschen  erschaut  hatte,  und  die  <Geheimwis- 
senschaft>  in  der  nachsten  Zeit  in  aller  Ruhe  durchzufiihren.» 

Dabei  kann  es  sich  nicht  so  sehr  um  das  eigentlich  Inhaltliche 
gehandelt  haben,  sondern  viel  mehr  um  die  Art  der  Darstellung,  wie  sie 
von  ihm  fur  die  Offentlichkeit  als  notwendig  erachtet  wurde.  Es  ergibt 
sich  das  aus  dem  sich  an  das  Vorige  unmittelbar  anschliefienden  Satz: 
«Der  Inhalt  dieses  Buches  mulke  nach  meiner  damaligen  Seelenstim- 
mung  in  Gedanken  gegeben  werden,  die  fur  die  Darstellung  des  Gei- 
stigen  geeignete  weitere  Fortbildungen  der  in  der  Naturwissenschaft 
angewendeten  Gedanken  sind.»  Ebenso  heifit  es  auf  die  Ausarbeitung 
der  «Theosophie»  zuriickblickend  in  seiner  Autobiographic  «Mein 
Lebensgang»  (33.  Kap.):  «Es  war  bei  jedem  Schritt  mein  Bestreben,  nur 
ja  im  Zusammenhang  mit  dem  wissenschaftlichen  Denken  zu  bleiben.» 
(Vgl.  hierzu  auch  Vortrag  Torquay,  20.  August  1924,  in  GA  243). 

Da  gleichwohl  von  1903  an  in  den  Vortragen  damit  begonnen 
wurde,  auch  die  kosmische  Evolutionsgeschichte  zu  schildern,  so  stellt 
sich  die  Frage,  in  welchem  Verhaltnis  die  Darstellungsweise  in  dem 
Fragment  von  1903/04  und  in  den  Vortragen  der  friihen  Jahre  zu  jener 


in  der  «Geheimwissenschaft»  stent?  Die  Frage  klart  sich,  wenn  zwi- 
schen  ideeller  und  imaginativer  Darsteliungsart  unterschieden  und  jede 
als  Aspekt  einer  schwierig  darzustellenden  Thematik  verstanden  wird. 

Fur  die  Darsteliungsart  der  friihen  Jahre  gilt  eindeutig  ein  ideeller 
Aspekt.  Es  ist  jener,  der  in  dem  Vortragszyklus  «Die  Apokalypse  des 
Johannes»  bezeichnet  wird  als  «Grundrift  der  Weltentwicklung»,  die 
durchaus  in  Gemafiheit  «ganz  bestimmter  Zahlenverhaltnisse»  verlaufe. 
(Niirnberg,  27.  Juni  1908,  GA  104).  Dieser  Grundrifi- Aspekt  stent  in 
enger  Verbindung  mit  den  sogenannten  sieben  grossen  Geheimnissen, 
insbesondere  mit  dem  zweiten  derselben,  dem  Geheimnis  der  Zahl.  Es 
geht  dies  aus  den  hier  vorliegenden  Texten  deutlich  hervor.  Das  Ge- 
heimnis der  Zahl  gehorte  immer  zu  den  wichtigsten  Geheimnissen  aller 
Geheimschulen,  da  in  der  Urweisheit  alles  auf  die  Zahl  gebaut  war. 
(Dornach,  21.  November  1907,  in  GA  100,  und  Dornach,  15.  Novem- 
ber 1919,  in  GA  191).  Denn  der  Forschungsweg  des  Okkultisten  geht 
in  die  Geistigkeit  der  Aufienwelt.  Dort  trifft  man  auf  eine  unendliche 
Mannigfaltigkeit  von  Wesen  und  Verhaltnissen.  Darum  braucht  es,  um 
wieder  zunickzufinden,  einen  Ariadnefaden.  Das  ist  die  Zahl  (Kopen- 
hagen,  4.  Juni  1910,  in  GA  125).  Von  altersher  ist  die  Ordnung  der 
Welt  daher  auf  die  Zahl  gebaut:  Zahl  im  geheimwissenschaftlichen 
Sinne  gleichbedeutend  mit  Kategorien,  Ur-Ideen,  Weltgedanken. 

Die  kategoriale  Darstellung  der  kosmischen  Evolution  fur  weniger 
bedeutsam  einzustufen,  als  die  imaginative,  ware  also  keineswegs  zu- 
treffend.  Hat  doch  Rudolf  Steiner  selbst  noch  am  Ende  seiner  Vor- 
tragstatigkeit  im  Jahre  1924  von  diesen  Kategorien  oder  Weltgedanken 
als  dem  Alphabet  der  Weltenschrift  gesprochen,  auf  dem  die  Ergebnis- 
se  seiner  Geistesforschung  beruhen.  (Siehe  den  Sonderhinweis  S.  318). 


H.  W. 


Leitworte 


So  wie  man  von  einer  aufteren  naturwissenschaftlichen  Wissen- 
scbaft  aus  liber  die  Aussenseite  der  Welt  spricht,  so  kann  man 
[durch  Geistesforschung]  iiber  die  Innenseite  der  Welt  sprechen.1 

Konnen  wir,  auf  uns  selbst  zuruckschauend  uns  selbst  erkennen, 
dann  konnen  wir  auch  im  Kosmos  beobacbten  und  dann  ergeben 
sich  solche  Beobachtungen,  die  uns  eine  wirkliche  Kosmologie, 
eine  Kosmosophie  lie  fern.2 

Ich  babe  zu  zeigen  versucht,  daft  es  andere  Methoden  und  Mittel 
gibt,  um  iiber  die  Vorzeiten  etwas  zu  erfahren,  als  die  sind,  auf 
welche  sich  die  Naturwissenschaft  verlassen  muft,  andere  als  die 
Erforschung  der  Resultate,  die  in  der  Erde  zuriickgelassen  wor- 
den  sind.  Sie  finden  in  meinen  Darstellungen  der  Menschbeits- 
geschicbte  in  den  Aufsatzen  «Aus  der  Akasba-Cbronik»,  aus  der 
inneren,  mystischen  Erfabrung  heraus,  alles,  was  in  den  soge- 
nannten  Geheimschulen  iiber  des  Menschen  Herkunft  und  seine 
Gliederung  in  verschiedene  Rassen  von  jeher  gelehrt  worden  ist.3 

Es  wird  im  Kosmos  iiberhaupt  nichts  betracbtet,  obne  daft  man 
gleichzeitig  den  Menschen  darinnen  hat.  Es  bekommt  alles  nur 
dadurch  Sinn  und  zu  gleicher  Zeit  Erkenntnisboden,  daft  man  es 
in  bezug  auf  den  Menschen  betracbtet.  Nirgends  wird  der  Mensch 
ausgeschlossen.  Diese  anthroposophisch  orientierte  Geisteswissen- 
schaft  fubrt  unsere  Weltbetrachtung  wiederum  zu  einer  Betracb- 
tung  des  menschlichen  Wesens  zurilck.4 


1  Basel,  4.  Mai  1920,  in  GA  334 

2  Berlin,  11.  April  1922,  in  GA  171 

3  Berlin,  9.  November  1905,  in  GA  54 

4  Stuttgart,  4.  Februar  1921  (nachmittags),  in  GA  334 


I 


GEISTESWISSENSCHAFTLICHE 
KOSMOLOGIE 

Niederschriften  und  Vortrage 


Entwurf  zur  Darstellung 
der  geisteswissenschaftlichen  Kosmologie 

Fragment  aus  dem  Jahre  1903/04 

Das  Dasein  des  gegenwartigen  Menschen  verlauft  nicht  bloft  in 
einem,  sondern  in  mehreren  Bewulkseinszustanden.  Der  gewohn- 
liche  [Zustand]  ist  derjenige,  in  dem  sich  der  Mensch  befindet  von 
dem  Erwachen  bis  zum  Einschlafen.  Er  nimmt  in  diesem  Zustande 
die  Dinge  durch  seine  Sinne  wahr  und  bildet  sich  aus  den  Sinnes- 
wahrnehmungen  Vorstellungen.  Dadurch  ist  fur  ihn  die  physische 
Welt  vorhanden.  Und  auf  sie  beziehen  sich  auch  die  Krafte  seiner 
Seele,  sein  Denken,  Fuhlen,  Wollen  und  Handeln. 

Mit  diesem  Zustand  des  Bewufitseins  wechseln  nun  zwei  andere 
ab:  der  traumerfullte  Schlaf  und  der  tiefe,  traumlose  Schlaf.  Man 
bezeichnet  diese  Zustande  oftmals  mit  dem  Worte  «unbewulk». 
Doch  ist  diese  Bezeichnung  eine  solche,  die  den  hier  in  Betracht 
kommenden  Tatbestand  verschleiert.  Sie  sind  in  Wahrheit  nur 
andere  Arten  des  Bewufitseins.  Man  konnte  sie  dumpfere  Arten 
desselben  nennen. 

Der  traumerfullte  Schlaf  zeigt  nicht  Gegenstande  wie  das  wache 
Tagesbewulksein,  sondern  in  der  Seele  aufsteigende  und  ver- 
schwindende  Bilder.  So  sinnverwirrend  sich  diese  Bilder  dem  ge- 
wohnlichen  Bewufksein  gegeniiber  auch  ausnehmen:  die  Aufhel- 
lung  ihrer  Wesenheit  ist  geeignet,  tiefer  in  die  Natur  der  Welt  hin- 
einzufuhren.  Das,  als  was  sie  sich  im  nachtlichen  Seelenleben  dar- 
stellen,  kann  keine  rechte  Grundlage  fiir  ihre  Erkenntnis  abgeben. 
Eine  solche  ist  erst  fiir  denjenigen  Menschen  vorhanden,  der  im 
Sinne  einer  solchen  Schulung,  wie  sie  in  diesem  Buche  beschrieben 
wird,  seine  hoheren  Erkenntniskrafte  ausbildet,  die  ihn  zu  einem 
Einblick  in  die  iibersinnlichen  Welten  fiihren.  In  diesem  Kapitel 
soli  eine  Beschreibung  der  Tatsachen  gegeben  werden,  die  fiir  diese 
hoheren  Welten  gelten.  Wer  den  Erkenntnispfad  in  diese  Gebiete 
selbst  antritt,  wird  dann  auch  diese  Tatsachen  bewahrheitet  finden. 


Was  an  der  Traumwelt  zunachst  auffallen  mufi,  ist  der  in  ihren 
Bildern  auftretende  sinnbildliche  Charakter.  Bei  einer  einigermaften 
subtilen  Aufmerksamkeit  auf  die  bunte  Mannigfaltigkeit  der 
Traumerlebnisse  kann  dieser  Charakter  klar  werden.  Von  ein- 
fachen  Sinnbildern  bis  zu  dramatischen  Vorgangen  finden  sich  alle 
Zwischenstufen  in  dieser  durch  die  Seele  huschenden  Welt.  -  Man 
traumt  von  einer  Feuersbrunst;  man  wacht  auf  und  merkt,  dafi  man 
neben  der  Lampe  eingeschlafen  war.  Das  Licht  der  Lampe  hat  man 
da  im  Traume  wahrgenommen,  aber  nicht  so,  wie  es  sich  in  der 
gewohnlichen  Welt  den  Sinnen  darstellt,  sondern  im  Sinnbild,  als 
Feuersbrunst.  Oder  man  traumt  von  einer  Reiterschar,  die  man 
voriibertrampeln  hort;  man  wacht  auf,  und  das  Pferdegetrampel 
setzt  sich  unmittelbar  fort  als  das  Schlagen  der  Uhr,  das  sich  auf 
diese  Art  versinnbildlicht  hat.  -  Man  traumt  von  einem  Tiere,  das 
einem  an  der  Gesichtsseite  kratzt;  beim  Aufwachen  zeigt  sich,  daft 
man  an  der  betreffenden  Stelle  einen  Schmerz  fiihlt,  der  auf  die 
angegebene  Art  sein  Traum-Sinnbild  gefunden  hat.  -  Ein  langer 
ausgesponnener  Traum  konnte  etwa  der  folgende  sein.  Jemand 
traumt,  er  gehe  durch  einen  Wald.  Er  vernimmt  ein  Gerausch. 
Beim  Weitergehen  tritt  aus  einem  Gebiische  ein  Mensch  auf  ihn  zu. 
Dieser  geht  zum  Angriffe  iiber.  Ein  Kampf  entspinnt  sich,  der 
Angreifer  schiefit.  In  diesem  Augenblicke  wacht  der  Trimmer  auf, 
und  er  merkt,  dafi  er  eben  den  Stuhl  neben  seinem  Bette  umgewor- 
fen  habe.  Der  Aufschlag  des  Stuhles  ist  durch  das  Traumbewulk- 
sein  in  die  geschilderte  sinnbildliche  Handlung  umgewandelt  wor- 
den.  So  konnen  aufiere  Vorgange  oder  auch  innere  Tatsachen,  wie 
in  dem  oben  gegebenen  Beispiele  von  dem  kratzenden  Tiere,  durch 
den  Traum  als  Sinnbilder  wahrgenommen  werden.  Auch  Affekte, 
Stimmungen  konnen  sich  so  darstellen.  Jemand  leidet  zum  Beispiel 
unter  dem  bedriickenden  Gefuhle,  dafi  fiir  ihn  in  den  nachsten 
Tagen  ein  unangenehmes  Ereignis  eintreten  werde.  Im  Traume 
stellt  sich  dieses  Gefiihl  so  dar,  dafi  er  sich  in  der  Gefahr  des 
Ertrinkens  befindet. 

Durch  das  in  Beispielen  Geschilderte  sind  zwei  Eigenschaften 
des  Traumbewufitseins  charakterisiert:  erstens  sein  bildartiger, 


sinnbildlicher  Charakter  und  zweitens  etwas  Schopferisches  in  dem- 
selben.  -  Dem  Tagesbewufttsein  ist  dieses  Schopferische  nicht 
eigen.  Dieses  gibt  die  Dinge  der  Umgebung  so,  wie  sie  in  der 
physischen  Auftenwelt  sind.  Das  Traumbewufttsein  fiigt  aus  einer 
andern  Quelle  etwas  hinzu. 

Wodurch  wird  diese  Quelle  eroffnet?  Durch  nichts  anderes  als 
dadurch,  daft  jene  Sinnestatigkeit,  von  der  das  Tagesbewufttsein 
abhangt,  im  Schlafe  aufgehort  hat.  Das  Schweigen  dieser  Sinnesta- 
tigkeit driickt  sich  dadurch  aus,  daft  das  Selbstbewufttsein  des 
Menschen  entschwindet.  Dieses  Selbstbewufttsein  ist  eben  an  die 
Tatigkeit  der  aufteren  Sinne  gebunden;  schweigen  diese,  so  versinkt 
es  in  einen  Abgrund.  Man  bezeichnet  diese  Tatsache  in  der  soge- 
nannten  Geheimwissenschaft  dadurch,  daft  man  sagt:  die  Seele  des 
Menschen  hat  sich  aus  der  physischen  Welt  zuriickgezogen.  Wer 
nun  nicht  behaupten  will,  der  Mensch  hore  beim  Einschlafen  auf 
zu  sein  und  entstehe  beim  Aufwachen  von  neuem,  dem  wird  die 
Erkenntnis  nicht  schwerfallen,  daft  der  Mensch  wahrend  des  Schla- 
fes  in  einer  andern  als  der  physischen  Welt  vorhanden  ist.  Man 
nennt  diese  Welt  die  astrale.  Der  Leser  nehme  diesen  Ausdruck 
zunachst  als  eine  Bezeichnung  fur  jene  Welt  hin,  von  der  der 
Mensch  eine  Ahnung  erhalt  durch  seine  Traume.  Die  Berechtigung 
dieses  Ausdruckes  wird  aus  anderen  Kapiteln  dieses  Buches  sich 
ergeben. 

Wahrend  des  Traumes  weilt  der  Mensch  in  der  astralen  Welt. 
Die  Tatsachen  und  Wesen  dieser  Welt  stellen  sich  in  Bildern  dar. 
Das  Bewufttsein  nimmt  diese  Bilder  wahr;  aber  das  Selbstbewuftt- 
sein  des  Menschen  fehlt.  -  Eine  Vergleichung  mit  dem  Alltagsleben 
kann  eine  Vorstellung  davon  geben,  was  eigentlich  hier  vorliegt. 
Der  Mensch  nimmt  eine  Auftenwelt  nur  wahr,  insoferne  er  Organe 
dazu  hat.  Ohne  Ohr  gabe  es  fur  ihn  keine  Tonwelt,  ohne  Auge 
keine  Welt  des  Lichtes  und  der  Farben  und  so  weiter.  Konnte  der 
Mensch  ein  neues  Organ  seines  Leibes  entwickeln,  so  trate  in  seiner 
Umwelt  ebenso  etwas  ganz  Neues  auf,  wie  fur  den  Blindgeborenen 
nach  seiner  Operation  Licht  und  Farben  als  etwas  ganz  Neues 
auftreten. 


So  wie  nun  der  physische  Leib  des  Menschen  durch  seine  Orga- 
ne  die  physische  Welt  wahrnimmt,  so  nimmt  wahrend  des  Traumes 
ein  anderer  Leib  -  ein  seelischer  -  durch  die  ihm  eigenen  Organe 
die  andere  Welt,  die  astrale,  wahr.  Nur  ist  mit  diesem  Leibe  kein 
Selbstbewulksein  verbunden.  Dieses  ist  in  diesem  Zustande  auEer- 
halb  des  Bereiches  des  Menschen. 

Ware  es  nun  unmoglich,  daft  das  Selbstbewufttsein  des  Men- 
schen auch  in  diesem  Zustande  ins  Dasein  trete,  so  konnte  er  die 
hier  in  Betracht  kommenden  Verhaltnisse  niemals  durchschauen. 
Dies  ist  aber  moglich  durch  die  obenerwahnte  und  in  diesem  Buche 
beschriebene  hohere  Schulung,  die  man  auch  die  Einweihung 
nennt.  Durch  sie  lernt  der  Mensch  im  Traumzustande  an  seinem 
astralischen  Leibe  ahnliche  Organe  entwickeln,  wie  sie  sein  physi- 
scher  Leib  hat  zur  Wahrnehmung  der  physischen  Welt.  Und  sind 
diese  Organe  entwickelt,  dann  tritt  wahrend  des  Traumes  ein 
Selbstbewufitsein  auf,  das  auch  ahnlich  dem  ist,  welches  er  wahrend 
des  wachen  Tageslebens  hat.  -  Ist  eine  solche  Daseinsstufe  erreicht, 
dann  verwandelt  sich  allerdings  auch  die  ganze  Traumwelt  in  er- 
heblichem  Mafie.  Sie  verliert  die  sinnverwirrende  Buntheit,  die  sie 
beim  gewohnlichen  Schlafer  hat,  und  an  die  Stelle  tritt  eine  innere 
Ordnung  und  Harmonie,  welche  der  gewohnlichen  physischen 
Welt  nicht  nur  nicht  nachsteht,  sondern  diese  in  hohem  Grade  in 
bezug  auf  diese  Eigenschaften  iiberragt.  Der  Mensch  wird  gewahr, 
daf?  immer  um  ihn  herum  noch  eine  andere  Welt  war,  in  demselben 
Sinne,  wie  um  den  Blinden  herum  die  Welt  des  Lichtes  und  der 
Farben  ist.  Er  konnte  sie  nur  aus  Mangel  an  Wahrnehmungsorga- 
nen  nicht  sehen,  wie  der  Blinde  vor  seiner  Operation  die  Welt  des 
Lichtes  und  der  Farben  nicht  sehen  kann.  Der  bedeutungsvolle 
Moment,  in  dem  die  astralen  Wahrnehmungsorgane  anfangen  am 
Menschen  tatig  zu  sein,  wird  in  der  Geheimwissenschaft  die 
Erweckung  oder  Wiedergeburt  genannt. 

In  diesem  Augenblicke  der  Erweckung  erfahrt  der  Mensch,  daft 
er  von  einer  hoheren  Welt  umgeben  ist,  in  welcher  nicht  nur  die 
ihm  vorher  bekannten  Dinge  der  sinnlichen  Welt  andere  Eigen- 
schaften haben,  sondern  in  der  es  Tatsachen  und  Wesenheiten  gibt, 


die  ihm  vorher  unbekannt  waren.  -  Und  jetzt  wird  ihm  auch  klar, 
daft  in  dieser  anderen  Welt  die  Bilder  vorhanden  sind,  aus  denen 
sich  die  Dinge  der  sinnlichen  Welt  heraus  formen.  Es  ist  keine 
unzutreffende  Vorstellung,  wenn  man  die  Art,  wie  die  physische 
Welt  aus  der  astralen  heraus  entsteht,  vergleicht  mit  der  Bildung 
des  Eises  aus  dem  Wasser.  Wie  das  Eis  umgeformtes  Wasser  ist,  so 
ist  die  physische  Welt  die  umgeformte  astrale.  Und  wie  das  Wasser 
ein  verflieftendes  Element  ist,  so  stent  im  Hintergrunde  der  physi- 
schen  Welt  die  astrale  als  eine  sich  stets  wandelnde  Bilderwelt. 
Nichts  Festbegrenztes,  Abgeschlossenes  findet  sich  in  ihren  For- 
men wie  in  der  gewohnlichen  Welt.  Alles  flieftt  ineinander  iiber, 
formt  sich  um.  Und  ein  physisches  Ding  oder  ein  physisches 
Wesen  entsteht  nur  so,  wie  wenn  ein  solches  verflieftendes  Bild  im 
Augenblicke  erstarrte.  Wer  die  Vorstellungen  der  physischen  Welt 
mit  ihren  festen  Umgrenzungen  auf  das  Gebiet  des  Astralen  an- 
wenden  wollte,  der  verriete  dadurch  nur,  daft  ihm  ein  wirklicher 
Einblick  in  diese  ganz  andersartige  Welt  fehlt. 

So  wie  nun  die  Wesen  der  physischen  Welt  in  dem  physischen 
Leibe  verkorpert  sind,  so  sind  die  astralen  Bilder  der  Ausdruck  fur 
Wesenheiten,  die  die  physische  Welt  nicht  betreten.  Sie  finden  die- 
sen  Ausdruck  eben  in  einem  andern  Stoff  als  der  im  Physischen 
lebende  Mensch,  der  den  seinigen  in  Fleisch  und  Blut  findet. 

Welches  ist  nun  dieser  astrale  Stoff?  Es  ist  kein  anderer  als  der, 
welchen  der  Mensch  tatsachlich  auch  in  sich  hat.  Er  wird  nur  in 
ihm  wahrend  des  wachen  Alltagslebens  von  den  sinnlichen  Vorstel- 
lungen gleichsam  iiberdeckt.  -  An  diese  sinnlichen  Vorstellungen 
kniipfen  sich  die  menschlichen  Begierden,  Wiinsche  und  Verab- 
scheuungen,  seine  Sympathien  und  Antipathien.  Er  wunscht  den 
einen  Gegenstand,  den  andern  lehnt  er  ab.  In  nichts  anderem  als  in 
diesen  Begierden,  Wiinschen  und  Verabscheuungen  ist  die  Quelle 
zu  suchen,  aus  welcher  auch  das  Traumbewufttsein  herausschopft, 
wenn  es  die  Dinge  zu  Sinnbildern  umwandelt.  Das  Selbstbewuftt- 
sein  des  Tageslebens  gibt  mit  den  aufteren  Wahrnehmungen  den 
Begierden  und  Wiinschen  eine  ihnen  entsprechende  Nahrung. 
Schweigen  die  Tatigkeiten  der  aufteren  Sinne,  dann  tritt  eine  andere 


schopferische  Kraft  ein  und  formt  in  dem  Stoffe  der  Wiinsche  und 
Begierden  die  Bilder.  Die  Geheimwissenschaft  sagt  nun,  dafi  der 
traumende  Mensch  sich  in  dem  aus  Wiinschen  und  Begierden 
gewobenen  astralischen  Leibe  befinde  und  daft  der  physische  Leib 
von  dem  Selbstbewufitsein  verlassen  sei.  Beim  Eingeweihten  oder 
Erweckten  ist  die  Sache  so,  daft  er  ebenfalls  seinen  physischen  Leib 
verlassen  hat,  daft  aber  sein  Selbstbewufttsein  in  seinem  astralischen 
Leibe  wohnt.  Wie  nun  der  physische  Leib  die  Wahrnehmung  der 
physischen  Dinge  vermitteln  kann,  weil  seine  Organe  aus  dem- 
selben  Stoffe  gebildet  sind  wie  die  physische  Welt,  so  kann  der 
Eingeweihte  die  Wesen  der  astralen  Welt  wahrnehmen,  weil  er 
Organe  hat  aus  dem  Stoffe  der  Wiinsche  und  Begierden,  in  dem  sie 
ihren  Ausdruck  finden. 

Der  Unterschied  zwischen  dem  uneingeweihten  und  dem  einge- 
weihten Menschen  besteht  darin,  daft  dem  ersteren  die  astrale  Welt 
nicht  als  Auftenwelt  sichtbar  wird  und  fur  den  letzteren  das  der 
Fall  ist.  Diese  astrale  Welt  bleibt  namlich  fiir  den  Unerweckten  eine 
blofte  Innenwelt;  er  erlebt  sie  in  seinen  Wiinschen  und  Begehrun- 
gen;  aber  er  sieht  sie  nicht.  Der  Eingeweihte  fuhlt  nicht  nur  seinen 
Wunsch;  er  nimmt  ihn  als  ein  Ding  der  Auftenwelt  wahr,  wie  der 
Unerweckte  Tische  und  Stuhle  wahrnimmt. 

Von  dieser  Welt  des  Eingeweihten  ist  nun  allerdings  die  ge- 
wohnliche  Traumwelt  nur  ein  schwacher  Nachklang.  Sie  kann  dies 
ja  auch  nur  sein,  weil  das  Selbstbewufttsein  nicht  an  ihr  beteiligt  ist. 
Wo  aber  ist  dieses  Selbstbewufttsein  wahrend  des  Traumes?  Es  hat 
sich  zuriickgezogen  in  eine  hohere  Welt,  in  welcher  der  Mensch 
zunachst  nicht  als  solcher  vorhanden  ist.  Welches  Verhaltnis  er  zu 
dieser  Welt  hat,  kann  zunachst  ein  Vergleich  klarmachen.  Man 
denke  an  eine  Hand  des  Menschen  und  an  ein  Werkzeug,  das  von 
ihr  gehalten  wird.  Solange  die  Hand  das  Werkzeug  halt,  bilden 
beide  gleichsam  ein  Ganzes.  Das  letztere  fiihrt  die  Tatigkeiten  aus, 
welche  von  der  ersteren  bestimmt  werden.  Sobald  aber  die  Hand 
das  Werkzeug  weglegt,  ist  dieses  sich  selbst  iiberlassen;  und  die 
Bewegungen  der  Hand  sind  nur  Ausdriicke  des  Willens  im  Men- 
schen, dem  sie  angehort.  So  muft  der  physische  Leib  wahrend  des 


wachen  Tageslebens  als  ein  Werkzeug  des  Gliedes  einer  hoheren 
Wesenheit  angesehen  werden.  Streckt  diese  hohere  Wesenheit 
gleichsam  ein  Glied  in  den  physischen  Leib  hinein,  so  tritt  in  die- 
sem  die  Sinnestatigkeit  und  damit  das  Selbstbewufksein  auf.  Ver- 
lafit  dieses  Glied  den  Leib,  so  h6rt  das  Selbstbewulksein  auf.  So  ist 
die  innerste  Wesenheit  des  Menschen,  die  Selbstbewufitsein  haben 
kann,  ein  Glied  einer  hoheren  Wesenheit,  aus  der  es  zeitweilig 
gewissermafien  hervorgestreckt  und  mit  dem  physischen  Leibe 
iiberzogen  wird.  Noch  besser  wird  man  die  entsprechende  Vorstel- 
lung  aber  gestalten,  wenn  man  das  Vorstrecken  zugleich  als  ein 
Abschniiren  ansieht,  wie  wenn  wahrend  des  Wachens  sich  ein 
Tropfen  losloste  aus  dem  betreffenden  hoheren  Wesen,  der  wah- 
rend des  Schlafes  wieder  aufgesogen  wird.  Denn  der  Mensch  ist 
sich  wahrend  des  Wachens  seines  Zusammenhanges  mit  einer 
hoheren  Wesenheit  nicht  bewufit;  er  ist  also  von  ihr  tatsachlich 
abgeschnurt.  Wahrend  des  Schlafes  mufi  ihm  das  Selbstbewulksein 
fehlen,  denn  es  zieht  sich  da  in  die  hohere  Wesenheit  zuriick;  diese 
saugt  es  auf,  und  er  ruht  also  in  derselben  eingeschlossen. 

Tritt  der  traumlose  Schlaf  ein,  so  verschwindet  die  Bilderwelt. 
Scheinbar  liegt  nun  der  physische  Leib  ganz  bewufitlos  da;  in 
Wahrheit  ist  aber  sein  Bewufttseinszustand  nur  ein  noch  dumpferer 
als  im  traumerfullten  Schlaf.  Es  ist  auch  die  bildererzeugende  Kraft 
aus  dem  physischen  Leib  ausgetreten.  Daher  konnen  nur  die  Ein- 
sichten  des  Erweckten  Aufklarung  iiber  diesen  Zustand  bringen. 
Dem  Nichterweckten  fehlen  die  Wahrnehmungen  iiber  denselben. 
Fur  den  Erweckten  aber  erscheint  der  bildererzeugende  Leib,  der 
vorher  mit  dem  physischen  noch  locker  verbunden  war,  aus  dem- 
selben  herausgehoben.  Und  er  ist  jetzt  nicht  tatenlos,  sondern  er 
hat  die  Aufgabe,  die  durch  Ermiidung  sich  als  erschopft  darstellen- 
den  Krafte  des  physischen  Leibes  wieder  in  der  angemessenen  Star- 
ke herzustellen.  Das  Erfrischende  eines  gesunden  Schlafes  erklart 
sich  dadurch.  Ermattet  sinkt  der  physische  Leib  in  Schlaf.  Sein 
Selbstbewufksein  gibt  er  in  diesem  Augenblicke  an  hohere  Wesen 
ab.  In  dem  Zwischenzustand  des  Traumschlafes  bleibt  die  Seele 
noch  in  einer  losen  Verbindung  mit  dem  physischen  Leib.  Das 


Charakteristische  dieser  Seele  ist  ihr  Schopferisches.  Sie  beginnt  mit 
dem  Augenblicke  des  Aufwachens  ihre  schopferische  Kraft  darauf 
zu  wenden,  dafi  sie  die  durch  die  Sinne  vermittelnden  Wahrneh- 
mungen  zum  menschlichen  Innenleben  verarbeitet.  Im  Momente 
des  Einschlafens  fallen  die  aufSeren  Sinneswahrnehmungen  weg.  Im 
Zwischenzustand  des  Traumens  gestaltet  sich  das  Schopferische 
noch  zu  den  geschilderten  Sinnbildern  um;  dann  fallen  auch  diese 
Sinnbilder  weg;  die  Seele  wendet  ihre  ganze  Schopferkraft  auf  den 
Leib,  den  sie  nun  von  aufien  bearbeitet.  -  Wer  ganz  von  den  Mit- 
teilungen  der  Geheimwissenschaft  absehen  wollte,  der  konnte 
schon  aus  der  Tatsache  der  Erfrischung  am  Morgen  beim  Er- 
wachen  entnehmen,  wodurch  sich  die  nachtliche  Tatigkeit  der  Seele 
kennzeichnet.  Das  Leben  des  Tages  hat  etwas  Unharmonisches, 
Chaotisches.  Von  alien  Seiten  wirken  die  Dinge  der  physischen 
Umgebung  auf  den  Menschen.  Bald  findet  dies,  bald  jenes  Einlaft  in 
sein  Inneres.  Das  bringt  die  inneren  Bildungskrafte  aufter  die  Ord- 
nung,  die  ihnen  durch  ihre  urspriingliche  Natur  zukommt.  In  der 
Nacht  wird  das  wieder  ausgeglichen.  Die  Seele  stellt  die  Ordnung 
und  Harmonie  her.  Durch  das  Tagesleben  sieht  allmahlich  der 
physische  Leib  aus  wie  eine  Luftmasse,  welche  von  alien  Seiten  von 
Windstromungen  durchzogen  wird  und  deren  Teile  sich  in  un- 
regelmafiiger  Art  durcheinanderbewegen.  Beim  Erwachen  aber  ist 
er  einer  solchen  Luftmasse  zu  vergleichen,  die  von  dem  Rhythmus 
und  der  Harmonie  eines  Musikstiickes  in  regelmaftige  Schwingun- 
gen  versetzt  ist.  Und  in  der  Tat  stellt  sich  die  Arbeit  der  Seele  am 
Leibe  wahrend  des  Schlafes  fur  den  Eingeweihten  wie  ein  Durch- 
tonen  desselben  dar.  Der  Mensch  taucht  wahrend  des  Schlafes 
unter  in  die  Harmonie  des  Seelenlebens.  Und  es  ist  dies  dieselbe 
Harmonie,  aus  welcher  er  heraus  gebildet  worden  ist.  Bevor  sich 
der  physische  Leib  zum  erstenmale  durch  die  Sinnesorgane  der 
AufSenwelt  aufgeschlossen  hat,  stand  er  ganz  unter  dem  Einflusse 
dieser  Harmonie,  die  ihn  gegliedert  hat.  Diese  Harmonie  durch- 
zieht  als  Seelenharmonie,  als  Seelentonen  die  ganze  Welt.  Der 
Mensch  ist  von  ihren  Klangen  so  umgeben,  wie  er  von  den  vorhin 
geschilderten  Bildern  umgeben  ist.  Wie  dem  Erweckten  durch  die 


Schulung  diese  Bilderwelt  als  wirkliche  Umgebung'  wahrnehmbar 
wird,  so  auf  einer  noch  hoheren  Stufe  diese  dritte  Welt.  Es  fangt 
urn  ihn  herum  an  zu  klingen  und  zu  tonen.  Und  in  diesen  Tonen 
erschlieftt  sich  ihm  der  Sinn  der  Welt.  Wie  die  Form  der  physischen 
Welt  aus  den  Bildern  heraus  entstanden  ist,  so  erhielten  diese  For- 
men  ihre  innere  Bedeutung  und  Wesenheit  aus  den  geschilderten 
Tonen  heraus.  Alle  Dinge  sind  von  diesem  Gesichtspunkte  aus 
formgewordene  Tone. 

Wahrend  des  Wachens  ist  also  der  Mensch  ein  Wesen,  das  sich 
aus  drei  Gliedern  zusammensetzt:  dem  physischen  Leib,  der 
durch  die  ihm  aus  der  aufteren  Welt  eingepflanzten  Organe  die 
physische  Welt  wahrnimmt  und  das  Selbstbewufttsein  umschlieftt; 
einen  Leib,  der  in  sich  beweglichen  Bildcharakter  hat;  seine  Bilder 
sind  zugleich  die  Urbilder  des  physischen  Leibes,  dessen  festum- 
rissene  Formen  gleichsam  durch  Erstarrung  aus  den  wechselvollen 
Bildern  des  zweiten  Leibes  heraus  entstanden  sind;  und  ferner  ist 
sowohl  physischer  wie  Bilderleib  von  einer  Tonharmonie  durch- 
zogen,  einem  dritten  Leibe.  -  Im  Traumschlafe  zieht  sich  die 
Seele  zuriick  von  dem  physischen  Leibe;  sie  bleibt  noch  in  Ver- 
bindung  mit  den  beiden  andern  Leibern,  durchtont  den  Tonleib 
und  durchsetzt  den  Bilderleib  mit  Bildern.  Diese  letzteren  wirken 
in  den  physischen  Leib  herein  und  teilen  ihm  die  schattenhaften 
Traumbilder  mit.  Im  traumlosen  Schlafe  ist  die  Seele  nur  noch 
mit  dem  Tonleib  verbunden;  was  im  Wachen  von  ihr  in  dem 
physischen  Leibe  war,  ist  jetzt  aufterhalb  desselben  und  bearbeitet 
ihn  von  auften.  Diese  von  ihr  in  ihn  einstromende  Tatigkeit  er- 
zeugt  in  ihm  nur  ein  so  dumpfes  Bewufttsein,  daft  es  von  dem 
Menschen  nicht  wahrgenommen  wird. 

In  der  Tat  stellen  sich  damit  drei  Bewufttseinszustande  des  phy- 
sischen Leibes  dar:  das  wache  Tagesbewufttsein,  das  Traum- 
bewufttsein  und  das  traumlose  Schlafbewufttsein.  Fur  den  Einge- 
weihten  hellt  sich  die  Dumpfheit  der  beiden  letzten  Bewufttseins- 
zustande auf;  er  lebt  durch  diese  Aufhellung  so  in  hoheren  Welten, 
wie  der  Unerweckte  wahrend  des  wachen  Tageslebens  in  der  phy- 
sischen Auftenwelt  lebt.  Man  hat  damit  fiinf  Bewufttseinszustande 


gegeben,  welche  sich  nach  ihrer  zunehmenden  Helligkeit  in  die 
folgende  Reihe  gliedern: 

1.  das  traumlose  Schlafbewufitsein 

2.  den  Traumschlaf 

3.  das  wache  Tagesbewulksein 

4.  das  Bilderbewulksein  des  Eingeweihten 

5.  das  Tonbewufitsein  des  Eingeweihten. 

Wenn  man  bedenkt,  dafi  durch  geheimwissenschaftliche  Schu- 
lung  die  beiden  letzten  Bewulkseinszustande  von  dem  Eingeweih- 
ten als  eine  hohere  Entwicklungsstufe  der  Menschheit  erreicht 
werden,  so  wird  ohne  weiteres  einleuchtend  sein,  dafi  auch  das 
wache  Tagesbewufksein  eine  hohere  Stufe  der  beiden  untergeord- 
neten  Bewufitseinszustande  darstellt,  sich  also  aus  ihnen  entwickelt 
hat.  Dies  ist  es,  was  von  der  Geheimwissenschaft  dargestellt  wird. 
Sie  erklart,  dafi  der  Mensch  in  urferner  Vergangenheit  durch  eine 
Entwickelungsstufe  durchgegangen  ist,  im  welcher  er  nur  ein 
dumpfes,  von  keinem  Traumbild  durchsetztes  Schlafbewufksein 
hatte;  dann  stieg  er  hinauf  zu  einem  dumpfen  Traumbewufksein, 
urn  endlich  anzukommen  beim  wachen  Tagesbewufksein  von 
heute.  Der  Einzuweihende  setzt  diese  Entwickelungslinie  fort.  Er 
bildet  die  beiden  hoheren  Bewufkseinsformen  aus. 

Nun  ist  aber  diesem  Eingeweihten  eine  noch  hohere  Bewufk- 
seinsart  erreichbar.  Es  ist  aus  dem  Vorhergehenden  namlich  er- 
sichtlich,  dafi  auch  im  Tonbewufksein  die  Seele  noch  mit  dem 
Menschenleibe  verbunden  ist.  Diese  Verbindung  kann  ganz  auf- 
horen.  Die  Seele  kann  den  Leib  vollig  verlassen.  Dies  lernt  der 
Eingeweihte.  Und  dann  mufi  er  Organe  noch  hoherer  Art  als  vor- 
her  ausgebildet  haben,  wenn  er  noch  etwas  wahrnehmen  will.  Ist 
das  der  Fall,  dann  driickt  sich  in  seiner  Umgebung  der  Sinn  der 
Welt  unmittelbar  aus,  ohne  die  Vermittelung  des  Tones.  Man  nennt 
diese  zunachst  hochste  Bewufkseinsstufe  das  spirituelle  oder  rein- 
geistige  Bewufttsein.  Im  Sinne  der  vorhergehenden  Aufzahlung  der 
Bewufkseinsstufen  miifite  im  gegenwartigen  Menschen  dem  ein 
Zustand  entsprechen,  der  ein  noch  dumpferes  Bewufitsein  darstellt 
als  das  traumlose  Schlafbewufksein.  Dem  Sinne  nach  ist  das  aller- 


dings  der  Fall.  Doch  kann  der  gegenwartige  Mensch  diesen  Zu- 
stand  in  der  Wirklichkeit  nicht  darleben.  Es  miiftte  dann  seine  Seele 
ganz  aufierhalb  des  Leibes  sein;  der  traumlose  Schlaf  rniifke  unter- 
brochen  sein  von  einem  ganz  seelenlosen  Zustande.  Das  kame  in 
der  Tat  einem  zeitweiligen  Hingegebensein  des  physischen  Leibes 
an  sich  selbst  gleich,  das  heilk  einer  voriibergehenden  Totung. 
Dieser  darf  der  physische  Leib  nicht  ausgesetzt  werden,  wenn  er 
nicht  Gefahr  laufen  soli,  nicht  mehr  aufnahmefahig  fur  die  Seele  zu 
werden. 

In  der  Entwickelung  ist  aber  dieser  Zustand  in  der  Tat  dem 
traumlosen  Schlafbewufitsein  vorangegangen,  so  daft  die  vollstandi- 
ge  Reihe  der  Bewufkseinsstufen  des  Menschen  diese  ist: 

1.  ein  niedriges  dumpfestes  Bewufitsein 

2.  ein  traumloses  Schlafbewufitsein 

3.  ein  Traumbewufitsein 

4.  das  helle  Tagesbewulksein 

5.  das  Bilderbewulksein 

6.  das  Tonbewulksein 

7.  das  spirituelle  Bewufttsein. 

Nur  bis  zu  der  vierten  Bewufkseinsstufe  ist  der  Leib  des  Men- 
schen in  der  Gegenwart  vorgedrungen.  Die  hoheren  Bewulkseins- 
arten  kann  der  Eingeweihte  erreichen.  Sie  fiihren  ihn  aber  auch  in 
hohere  Welten.  Die  Entwickelung  des  Menschen  ist  aber  so  vorzu- 
stellen,  dafi  sich  der  physische  Leib  selbst  durch  die  drei  ersten 
Stufen  hindurch  gebildet  hat  und  gegenwartig  eine  solche  Bildung 
angenommen  hat,  daft  er  im  Schlaf  zwei  andere  Bewufitseinsformen 
noch  zeigt  als  Reste  vorangegangener  Stufen.  Die  erste  Stufe  ist 
durch  die  Entwickelung  vollstandig  verwischt  worden.  -  Die  drei 
hoheren  Bewufkseinsstufen  des  Eingeweihten  konnen  gegenwartig 
sich  noch  nicht  im  physischen  Menschenleibe  zum  Ausdrucke 
bringen,  weil  dieser  keine  Organe  fur  sie  entwickeln  kann.  Sie  sind 
prophetische  Vorausverkiindigungen  von  Formen,  welche  dieser 
physische  Leib  noch  annehmen  wird. 

Will  man  sich,  von  diesen  Auseinandersetzungen  ausgehend,  die 
gegenwartige  Welt  richtig  vorstellen,  so  stellt  sie  sich  dar  als  eine 


vierfache:  zuerst  die  physische  Welt  der  leiblichen  Sinne,  dann  die- 
se  umhiillend  und  durchdringend  eine  Bilderwelt,  ferner  eine  beide 
durchsetzende  Tonwelt  und  endlich  eine  ihnen  alien  zum  Grunde 
liegende  spirituelle  Welt. 

Dieser  Welt  ist  eine  andere  vorangegangen,  in  welcher  der 
Mensch  wie  ein  traumendes  Wesen  lebte.  Sein  physischer  Leib  war 
damals  in  dem  Zustande,  in  dem  er  sich  gegenwartig  wahrend  des 
traumerfullten  Schlafes  befindet.  Die  Umgebung  glich  einem  Pan- 
orama von  Wandelbildern.  Keine  festen  Umrisse  der  Dinge  waren 
da.  Dieser  Zustand  war  damals  unterbrochen  von  einem  andern, 
der  dem  gegenwartigen  traumlosen  Schlaf  gleichkommt.  Und  die- 
ser wieder  von  einem  solchen,  der  heute  nicht  mehr  verwirklicht 
werden  kann  und  der  durch  die  erste  der  oben  charakterisierten 
Bewufkseinsformen  ausgefullt  war. 

In  einer  noch  friiheren  Welt  konnte  sich  der  Mensch  auch  nicht 
bis  zu  einem  Erleben  von  Traumbildern  erheben.  Sein  hochstes 
Bewufitsein  war  das  des  traumlosen  Schlafens,  und  dieser  Zustand 
wurde  von  dem  niederen,  dumpfesten  Bewufttsein,  das  gegenwartig 
schon  verwischt  ist,  unterbrochen;  dieses  wieder  von  einem  Zu- 
stand, der  fur  die  gegenwartige  Entwickelung  alle  Bedeutung  ver- 
loren  hat. 

In  der  ersten  Welt,  auf  welche  die  Geheimwissenschaft  zuriick- 
deutet,  fehlt  dem  Menschen  auch  das  dumpfe  Schlafbewufitsein; 
der  erste  der  geschilderten  Zustande  ist  sein  hochster;  zwei  andere, 
welche  heute  nicht  in  Betracht  kommen,  wechselten  damit  ab. 

So  blickt  man  zuriick  in  eine  urferne  Vergangenheit  der  Entwik- 
kelung;  man  iiberschaut  vier  Stufen,  durch  welche  der  physische 
Menschenleib  hindurchgegangen  ist.  Man  blickt  aber  auch  in  die 
Zukunft,  in  welcher  die  drei  heute  fur  die  Eingeweihten  in  hoheren 
Welten  erreichbaren  Bewufkseinsformen  in  der  physischen  Welt 
ihre  Verwirklichung  finden  werden.  Unsere  Welt  wird  von  einer 
zukiinftigen  abgelost  werden,  in  welcher  physische  Menschenleiber 
Organe  haben  werden,  durch  die  ein  selbstbewufker  Mensch  eine 
ewig  bewegliche  Bilderwelt  wahrnehmen,  ja  sich  selbst  als  eine 
solche  anschauen  wird.  -  Und  weiter  blickt  man  auf  eine  solche 


Welt,  in  welcher  die  Bilder  durchdrungen  sein  werden  von  harmo- 
nischen  Klangen,  die  ihr  inneres  Wesen  zum  Ausdrucke  bringen 
werden.  Zuletzt  auf  eine  Welt  mit  Geistnatur,  die  aber  ihren  Geist 
in  die  physische  Natur  wird  ausgegossen  haben. 

So  stellt  die  Geheimwissenschaft  die  Entwickelung  der  Welt  dar, 
in  welcher  der  Mensch  seine  aufeinanderfolgenden  Stufen  durch- 
lauft.  Und  sie  bezeichnet  diese  Entwickelungsstufen  mit  Namen, 
welche  dann  auf  die  die  Erde  umgebenden  Planeten  als  Bezeich- 
nungen  iibergegangen  sind.  Die  Entwickelungsstufe,  auf  welcher 
der  Mensch  mit  dem  noch  dumpfesten  Bewufksein  stand,  wird 
Saturnentwickelung  genannt;  die  zweite,  in  welcher  der  Mensch 
mit  dem  traumlosen  Schlafbewufttsein  lebte,  als  Sonnenentwicke- 
lung;  die  dritte,  in  der  ein  Traumbewufttsein  auftrat,  als  Mondstufe; 
die  vierte,  die  gegenwartige,  auf  welcher  der  Mensch  sich  zum 
hellen  Tagesbewufksein  durchgerungen  hat,  als  Erdentwickelung. 
Und  die  Stufen  der  Zukunft,  auf  denen  die  heute  von  den  Einge- 
weihten  in  hoheren  Welten  erreichbaren  Bewufttseinsstufen  ihre 
physische  Ausgestaltung  finden  werden,  benennt  man  aufeinander- 
folgend  als  Jupiter-,  Venus-  und  Vulkanentwickelung. 

Das  Unterscheidende  der  Bewufttseinsarten  des  Eingeweihten 
von  den  Bewufitseinszustanden  des  Menschen  wahrend  der  kiinf- 
tigen  Jupiter-,  Venus-  und  Vulkanentwickelung  liegt  darinnen,  dafi 
der  erstere  sich  zu  hoheren  Welten  erheben  mull,  um  in  den  ent- 
sprechenden  Bewufkseinen  zu  leben,  der  zukiinftige  Mensch  sie 
dagegen  in  der  physischen  Welt  haben  wird.  Das  ruhrt  davon  her, 
daft  beim  Eingeweihten  in  der  Gegenwart  aus  den  Kraften  der 
hoheren  Welten  heraus  entsprechende  Wahrnehmungsorgane  ge- 
bildet  werden;  ihnen  gleichwertige  werden  in  der  Zukunft  am 
physischen  Menschenleibe  aus  der  physischen  Umwelt  heraus  ent- 
stehen.  Der  Mensch  kann  eben  diejenige  Welt  als  seine  Umwelt 
wahrnehmen,  die  ihm  den  Stoff  zu  seinen  Organen  gibt.  In  der 
Zukunft  wird  die  physische  Umwelt  Bildungskrafte  haben,  die 
gegenwartig  noch  den  hoheren  Welten  allein  angehoren.  Man  kann 
also  den  Werdegang  der  Welt  so  darstellen,  dafi  sich  aufeinander- 
folgend  immer  hohere  Welten  physisch  verkorpern.  Die  Erde  ist 


die  vierte  Verkorperung.  Sie  hat  in  ihrer  physischen  Gliederung  die 
Fahigkeit,  dem  Menschenleibe  die  Organe  zum  hellen  Tagesbe- 
wulksein  einzupragen.  Im  Sinne  der  Geheimwissenschaft  entwik- 
kelte  sie  sich  aus  einem  andern  physischen  Zustande,  in  dem  sie 
dem  Leibe  nur  Organe  fur  ein  Traumbewufitsein  einpragen  konnte, 
Dieser  Zustand  wird  mit  dem  Namen  «Mond»  belegt.  Aus  diesem 
«Monde»  bildet  sich  also  die  Erde,  indem  sie  eine  neue  Fahigkeit 
erwirbt,  eben  die  Organe  fur  das  wache  Tagesbewufitsein  zu  ent- 
wickeln.  Der  «Mond»  ist  aus  der  «Sonne»  entstanden.  Das,  was 
jetzt  «Erde»  geworden  ist,  war  also  damals  «Sonne».  Die  Geheim- 
wissenschaft bezeichnet  eben  als  «Sonnenzustand»  denjenigen,  wo 
der  Weltkorper,  der  sich  in  ihm  befindet,  in  einem  Menschenleibe 
nur  die  Organe  fur  das  traumlose  Schlafbewufksein  erzeugen  kann. 
Und  bevor  die  Erde  in  diesem  Sinne  «Sonne»  war,  stand  sie  auf  der 
Stufe  des  «Saturn». 

Wodurch  erlangt  nun  ein  solcher  Weltkorper  die  Kraft,  die  ent- 
sprechenden  Organe  im  Menschenleibe  zu  bilden?  Er  konnte  es 
nimmermehr,  wenn  diese  Organe  nicht  in  bezug  auf  hohere  Welten 
von  voraneilenden  Menschenwesen  vorgebildet  wiirden.  Indem  die 
Eingeweihten  gegenwartig  in  hoheren  Welten  die  Jupiterorgane 
vorbilden,  schaffen  sie  die  Moglichkeit,  dafi  die  umliegende  Bilder- 
welt  physischen  Charakter  annimmt.  Die  Erstarrung  zum  Phy- 
sisch-Korperlichen  wird  dadurch  bewirkt,  daft  die  Formen,  welche 
dieses  annehmen  soli,  zuerst  da  seien  auf  geistige  Art.  So  werden 
die  Eingeweihten  zu  den  Umbildnern  des  Weltkorpers,  den  sie 
bewohnen.  Von  ihnen  strahlen  gleichsam  die  Bildungskrafte  aus, 
welche  nachher  die  Dinge  der  physischen  Menschenumgebung  ins 
Dasein  rufen. 

So  haben  die  Eingeweihten  der  Mondstufe  geistig  die  physische 
Gestalt  der  Erde  vorgebildet.  Die  heutige  Erdenumgebung  des 
Menschen  bildete  den  Inhalt  ihrer  Seelenerlebnisse.  Sie  nahmen  die 
Erde  wahr  als  ihren  Gegenstand  einer  hoheren  Welt. 

In  diesem  Sinne  erkennt  die  Geheimwissenschaft  sieben  grofte 
Weltkreislaufe  oder  Weltperioden,  durch  die  jenes  Wesen  hin- 
durchgeht,  das  auf  seiner  vierten  Stufe  die  Erde  darstellt.  Jede  sol- 


che  Periode  ist  mit  einer  Hohergestaltung  des  Menschenleibes  ver- 
kniipft.  -  Aus  dieser  Erkenntnis  heraus  sieht  diese  Wissenschaft  in 
der  «Vierheit»  dasjenige,  was  die  gegenwartige  Weltentwickelungs- 
stufe  charakterisiert.  Was  zura  Beispiel  Pythagoras  und  seine  S  chu- 
le  mit  der  «Vierheit»  bezeichnete,  ist  damit  gekennzeichnet.  Die 
«Vier»  ist  die  Zahi  der  «grofien  Welt»,  das  heifit  der  Welt,  welche 
der  Mensch  gegenwartig  bewohnt.  Sie  hat  ihn  auf  die  vierte  Stufe 
seines  Bewufkseins  erhoben. 

Den  Menschen  selbst  stellt  die  Geheimwissenschaft  als  die  «klei- 
ne  Welt»  dieser  «grofien  Welt»  gegeniiber.  Er  hat  in  seinen  Anlagen 
gegenwartig  schon  das  als  Seele  in  sich,  was  die  «grofie  Welt»  phy- 
sisch  werden  soil.  Er  ist  also  auf  dem  Wege,  seine  innere  «kleine 
Welt»  zur  «grofien  Welt»  zu  erweitern.  In  ihm  ist  der  schopferische 
MutterschoE  der  letzteren.  In  diesem  Sinne  sieht  die  Geheim- 
wissenschaft in  der  Seele  eine  schopferische  Keimanlage  fiir  die 
Zukunft,  ein  «Inneres»,  das  darnach  strebt,  sich  in  einem  Aufieren 
zu  verwirklichen. 

Um  aber  im  Aufteren  schopferisch  sein  zu  konnen,  mufi  diese 
Seele  selbst  erst  reif  werden.  Sie  mufi  zuerst  innerlich  erleben,  was 
sie  spater  im  Aufierlichen  ausgestalten  soil.  Bis  die  Seele  zum  Bei- 
spiel die  Fahigkeit  besaft,  dem  physischen  Leibe  Organe  fiir  das 
wache  Tagesbewufitsein  einzupragen,  muftte  sie  selbst  erst  durch 
eine  Reihe  von  Entwickelungsstufen  hindurchgehen,  auf  denen  sie 
sich  diese  Fahigkeit  allmahlich  erwarb.  So  mufite  die  Seele  erst  in 
sich  den  ersten  Bewufitseinszustand  erleben,  bevor  sie  ihn  schaffen 
konnte;  und  so  entsprechend  fur  die  anderen  Bewufitseinsformen. 
Diese  Entwickelungsstufen  der  Seele,  die  in  ihr  der  Schopfung  der 
Bewulkseinsarten  vorangehen,  fuhren  in  der  Geheimwissenschaft 
den  Namen  Lebensstufen.  Es  gibt  demnach  ebenso  sieben  Le- 
bensstufen,  wie  es  sieben  Bewufkseinsstufen  gibt.  Leben  unter- 
scheidet  sich  von  Bewufitsein  dadurch,  dafi  das  erstere  einen  inner- 
lichen  Charakter  tragt,  das  letztere  auf  einem  Verhaltnisse  zur 
AufSenwelt  beruht. 

Auf  die  Erde  angewendet  kann  man  sagen:  bevor  der  helle  Ta- 
gesbewufkseinszustand  des  Menschenleibes  auf  ihr  auftrat,  mufite 


dieser  Weltkorper  durch  vier  Zustande  hindurchgehen,  die  als  vier 
Lebenszustande  aufzufassen  sind. 


Die  Stufen  des  Seelenerlebens  ergeben  sich,  wenn  man  das  verin- 
nerlicht  denkt,  was  in  den  Bewufkseinszustanden  als  Aufienwelt 
wahrgenommen  wird.  Da  hat  man  zunachst  jenen  dumpfesten 
Bewulkseinszustand,  welcher  dem  traumlosen  Schlafe  vorangeht. 
In  diesem  letzteren  schafft  die  Seele  harmonisierend  am  Leibe;  ihr 
entsprechender  Lebenszustand  ist  die  Harmonisierung  des  eigenen 
Innern.  Sie  durchdringt  sich  also  mit  einer  Welt  tonender  Be- 
wegung.  Vorher,  in  dem  dumpfesten  Erlebenszustand,  war  sie  in 
einem  eigenen,  bewegungslosen  Innern.  Sie  fiihlte  dieses  Innere  in 
unterschiedloser  Gleichgultigkeit  allseitig  durch.  Man  bezeichnet 
diesen  niedersten  Lebenszustand  als  das  erste  Elementarreich.  Es 
ist  ein  Erleben  des  Stoffes  in  seiner  urspriinglichen  Eigenschaft. 
Der  Stoff  kommt  nach  den  verschiedensten  Richtungen  hin  in  Er- 
regung  und  Bewegung.  Und  sein  Selbsterleben  dieser  Beweglich- 
keit  ist  als  erste  Lebensstufe  das  erste  Elementarreich.  -  Die  zweite 
Stufe  wird  erreicht,  wenn  Rhythmus  und  Harmonie  aus  diesen 
Bewegungen  wird.  Die  entsprechende  Lebensstufe  ist  das  innerli- 
che  Gewahrwerden  des  Rhythmus  als  Klang.  Das  ist  das  zweite 
Elementarreich.  -  Die  dritte  Stufe  bildet  sich  aus,  indem  die  Bewe- 
gungen sich  zu  Bildern  umformen.  Dann  lebt  die  Seele  in  sich  als 
in  einer  Welt  sich  gestaltender  und  sich  wieder  auflosender  Bilder. 
Das  ist  das  dritte  Elementarreich.  -  Auf  der  vierten  Stufe  nehmen 
die  Bilder  feste  Formen  an;  es  tritt  Einzelnes  aus  dem  Wandelpan- 
orama  heraus.  Dadurch  kann  es  nicht  mehr  bloft  innerlich  erlebt, 
sondern  aufierlich  wahrgenommen  werden.  Dieses  Reich  ist  das 
Reich  der  aufieren  Leiber. 

Man  mufi  in  diesem  Reiche  unterscheiden  zwischen  der  Gestalt, 
die  es  hat  fur  das  helle  Tagesbewulksein  des  Menschen,  und  der 
Gestalt,  die  es  in  sich  selbst  erlebt.  Der  Leib  erlebt  tatsachlich  in 
sich  seine  Form,  also  den  in  regelma£ige  Gestalten  sich  formenden 


Stoff.  -  Auf  der  nachsten  Stufe  wird  dieses  bloEe  Formerleben 
iiberwunden;  es  tritt  dafiir  das  Erleben  des  Formwandels  ein.  Die 
Gestalt  bildet  sich  selbst  und  bildet  sich  um.  Man  kann  sagen,  daft 
auf  dieser  Stufe  das  dritte  Elementarreich  in  einer  hoheren  Gestalt 
erscheint.  Im  dritten  Elementarreich  kann  die  Bewegung  von  Ge- 
stalt zu  Gestalt  nur  als  Bild  erlebt  werden;  in  diesem  fiinften  Reich 
geht  das  Bild  bis  zur  Verfestigung  im  aufieren  Gegenstande  iiber, 
aber  dieser  auftere  Gegenstand  erstirbt  nicht  in  der  Form,  sondern 
er  behalt  seine  Wandelfahigkeit.  Dies  Reich  ist  das  [der]  wachsen- 
den  und  sich  fortpflanzenden  Leiber.  Und  seine  Umwandlungs- 
fahigkeit  kommt  eben  in  Wachstum  und  Fortpflanzung  zum  Vor- 
schein.  -  Im  nachsten  Reiche  tritt  die  Fahigkeit  hinzu,  daft  AuEere 
in  seiner  Wirkung  auf  das  Innere  zu  erleben.  Es  ist  das  Reich  der 
empfindenden  Wesen.  -  Das  letzte  Reich,  das  in  Betracht  kommt, 
ist  dasjenige,  welches  nicht  nur  die  Wirkung  der  aufieren  Dinge  in 
sich  erlebt,  sondern  deren  Inneres  miterlebt.  Es  ist  dies  das  Reich 
der  mitfiihlenden  Wesen.  Somit  gliedert  sich  die  Stufenfolge  des 
Lebens  in  der  folgenden  Art: 

1.  dumpfes  Stoff  erleben 

2.  Erleben  innerer  Bewegung 

3.  Erleben  innerer  Gestaltung 

4.  Erleben  einer  festen  Umgrenzung 

5.  Erleben  des  Umgestaltens 

6.  Erleben  der  Wirkungen  der  Auftenwelt  als  Empfindung 

7.  Miterleben  der  Aufienwelt. 

*»    %*  %p 

Dem  innerlichen  Erleben  der  Seele  mufi  erst  das  Schaffen  dieses 
Lebens  vorangehen.  Denn  nichts  kann  erlebt  werden,  was  nicht 
erst  ins  Dasein  getreten  ist.  Bezeichnet  die  Geheimwissenschaft 
das  innere  Erleben  als  Seelisches,  so  benennt  sie  das  Schopferische 
als  Geistiges.  Der  [physische  Leib]  nimmt  durch  Organe  wahr;  die 
Seele  erlebt  sich  im  Innern;  der  Geist  schafft  nach  aufien.  So  wie 
den  sieben  Stufen  des  Bewufkseins  sieben  Seelenerlebnisse  voran- 


gehen,  so  gehen  diesen  Seelenerlebnissen  entsprechend  sieben  Ar- 
ten  schopferischer  Tatigkeit  voran.  Dem  dumpfen  Erleben  des 
Stoffes  entspricht  im  Gebiete  des  Schopferischen  das  Hervorbrin- 
gen  dieses  Stoffes.  Der  Stoff  stromt  da  in  gleichgiiltiger  Art  in  die 
Welt.  Man  bezeichnet  dieses  Gebiet  als  dasjenige  der  Formlosig- 
keit.  Auf  der  nachsten  Stufe  gliedert  sich  der  Stoff,  und  seine  Glie- 
der  treten  zueinander  in  Beziehung.  Man  hat  es  also  da  mit  ver- 
schiedenen  Stoffen  zu  tun,  die  sich  verbinden,  trennen.  Dieses 
Gebiet  wird  als  das  der  Form  bezeichnet.  Auf  der  dritten  Stufe 
braucht  nicht  mehr  Stoff  zu  Stoff  selbst  in  Beziehung  zu  treten, 
sondern  es  gehen  von  dem  Stoffe  die  Krdfte  aus,  die  Stoffe  ziehen 
sich  an,  stofien  sich  ab  und  so  weiter.  Man  hat  es  mit  dem  astralen 
Gebiet  zu  tun.  Auf  der  vierten  Stufe  erscheint  ein  Stoffliches,  ge- 
staltet  von  den  Kraften  der  Umwelt,  die  auf  der  dritten  Stufe  blofi 
die  aufieren  Beziehungen  geregelt  haben  und  die  jetzt  in  das  Inne- 
re  der  Wesen  hineinarbeiten.  Es  ist  dies  das  Gebiet  des  Physischen. 
Ein  Wesen,  das  auf  dieser  Stufe  stent,  ist  ein  Spiegel  seiner  Um- 
welt; es  arbeiten  die  Krafte  der  letzteren  an  seiner  Gliederung.  - 
Der  weitere  Fortschritt  besteht  darinnen,  dafi  das  Wesen  nicht  nur 
sich  in  sich  so  gliedert,  wie  es  im  Sinne  der  Krafte  in  der  Umwelt 
ist,  sondern  daft  es  sich  auch  eine  aufiere  Physiognomie  gibt,  wel- 
che  das  Geprage  dieser  Umwelt  tragt.  Stellt  ein  Wesen  der  vierten 
Stufe  einen  Spiegel  seiner  Umwelt  dar,  so  driickt  ein  solches  der 
fiinften  Stufe  diese  Umwelt  physiognomisch  aus.  Man  nennt  diese 
Stufe  daher  in  der  Geheimwissenschaft  die  physiognomisch e.  Auf 
der  sechsten  Stufe  wird  die  Physiognomie  zur  Ausstromung  ihrer 
selbst.  Ein  Wesen,  das  auf  dieser  Stufe  steht,  bildet  die  Dinge 
seiner  Umwelt  so,  wie  es  sich  erst  selbst  gebildet  hat.  Es  ist  dies 
die  Stufe  des  Gestaltens.  Und  auf  der  siebenten  Stufe  geht  das 
Gestalten  uber  in  Schaffen.  Das  Wesen,  das  da  angekommen  ist, 
erschafft  in  seiner  Umwelt  solche  Formen,  welche  im  Kleinen 
nachbilden  das,  was  seine  Umwelt  im  GrofSen  ist.  Es  ist  die  Stufe 
des  Schopferischen. 

Die  Entwickelung  des  Geistigen  gliedert  sich  demnach  in  fol- 
gende  Stufenreihe: 


1.  die  Formlosigkeit 

2.  die  Formgebung 

3.  die  Einverleibung  von  Kraft 

4.  die  Gestaltung  im  Sinne  der  Krafte  der  Umwelt 

5.  die  physiognomische  Ausdrucksfahigkeit 

6.  die  gestaltende  Macht 

7.  die  schopferische  Fahigkeit. 


Als  die  Saturnentwickelung  begann,  war  der  Menschenleib  auf  der 
Stufe  der  Formlosigkeit.  Er  mulke  sich  erst  bis  zur  schopferischen 
Fahigkeit  hindurchringen,  bevor  eine  Seele  in  ihm  ihr  erstes  Stoff- 
erleben  erfahren  konnte.  Das  heifk,  dafi  sich  der  Leib  erst  durch  die 
sieben  Stufen  der  Schopfertatigkeit  hindurchentwickeln  mulke, 
dann  konnte  seine  Seele  ihn  durchleben.  Diese  Seele  mufi  nun  wie- 
der  so  weit  kommen,  daft  sie  jeder  der  sieben  Formen  des  Leibes 
ihre  innere  Bewegung  mitteilen  kann.  Das  erste  Mai,  wenn  der  Leib 
durch  seine  sieben  Formen  hindurchgeht,  ist  sie  selbst  noch  ganz 
leblos.  Erst  auf  der  siebenten  Stufe,  wenn  der  Leib  schopferisch 
wird,  erwacht  ihr  Leben.  Und  es  muS  jetzt  erwachen,  denn  der 
Leib  gibt  Stoff  aus  in  seinem  Schaffen.  Diesen  mull  ihm  die  Seele 
ersetzen.  Und  nun  beginnt  ein  zweiter  Kreislauf.  Der  Stoff,  der  als 
Ersatz  einstromt  in  den  Leib,  macht  selbst  die  sieben  Stufen  von 
der  Formlosigkeit  bis  zur  schopferischen  Fahigkeit  durch.  Ist  er  da 
angelangt,  so  beschrankt  sich  die  Seele  nicht  mehr  auf  die  Erlebnis- 
se,  welche  ihr  die  Bewegung  des  einstromenden  Stoffes  bewirkt, 
sondern  sie  beginnt  eine  neue  Lebensstufe.  Dadurch  dafi  der  ein- 
stromende  Stoff  selbst  schopferisch  geworden  ist,  beginnt  er  den 
Leib  innerlich  zu  fullen.  Vorher  hat  er  immer  nur  Ersatz  fur  den 
Abgang  geleistet;  jetzt  lagert  er  sich  dem  Leibe  ein.  Und  wieder 
macht  er  da  alle  Formen  von  der  Formlosigkeit  bis  zur  schopferi- 
schen Fahigkeit  durch.  Erst  lagert  er  sich  formlos  im  Leibe  ab, 
dann  geht  er  allmahlich  iiber  zu  Formen,  entwickelt  Krafte,  gestal- 
tet  Gebilde  aus,  gibt  ihnen  einen  physiognomischen  Ausdruck  und 


so  weiter.  Wahrend  dieses  ganzen  Kreislaufes  macht  die  Seele  ihre 
dritte  Lebensstufe  durch.  Sie  harmonisiert  diese  innere  Gliederung 
und  gleicht  das  durch  die  inneren  Vorgange  in  Unordnung  Ge- 
kommene  aus.  -  1st  so  der  Stoff  im  Innern  gestaltend  gewesen,  so 
geht  er  auf  einer  vierten  Stufe  dazu  iiber,  die  Auftenwelt  auf  sich 
wirken  zu  lassen.  Er  kann  dieses,  denn  die  ihn  bewohnende  Seele 
ist  nunmehr  reif  geworden,  die  Eindriicke  der  Umgebung  dumpf 
zu  erleben  und  so  die  durch  die  Auftenwelt  bewirkten  Unordnun- 
gen  immer  wieder  in  Ordnung  zu  bringen.  Im  nachsten  Kreislauf 
bleibt  der  Leib  nicht  mehr  dabei  stehen,  sich  selbst  zu  gliedern;  er 
gestaltet  sich  unter  dem  Einflusse  der  Auftenwelt  um.  Die  Seele  ist 
dazu  reif  geworden,  diese  Umgestaltung  zu  regeln.  Dann  beginnt 
fur  den  Leib  ein  Kreislauf,  in  dem  er  die  Wirkungen  der  Auftenwelt 
als  Empfindungen  wahrnimmt.  Die  Seele  bildet  wieder  den  Regu- 
lator dieser  Daseinsstufe.  Endlich  ist  der  Leib  auf  seiner  letzten 
Stufe  angelangt;  er  kann  die  Auftenwelt  miterleben.  Die  Seele  ist 
jetzt  so  weit,  daft  sie  eine  nachste  Stufe  vorerlebt,  namlich  die  nach- 
ste  Bewufitseinsstufe  in  einer  fur  das  Saturndasein  hoheren  Welt. 
Sie  macht  dadurch  wahrend  dieses  letzten  Saturnkreislaufes  den 
traumlosen  Schlafzustand  durch.  Und  diesen  iibertragt  sie  nun 
beim  ersten  Sonnenkreislauf  auf  den  physischen  Leib. 

Es  ist  ersichtlich,  daft  der  physische  Menschenleib  wahrend  der 
Saturnperiode  siebenmal  durch  ein  physisches  Stadium  gegangen 
ist.  Jedesmal,  wenn  er  bei  einem  solchen  angelangt  war,  erreichte 
die  Seele  eine  hohere  Stufe  ihres  Erlebens.  Beim  siebenten  Stadium 
schritt  sie  iiber  die  Saturnentwickelung  hinaus  und  wies  in  ihrem 
Erleben  auf  das  Sonnenstadium  hin. 

Wenn  nun  der  Sonnenkreislauf  beginnt,  so  ist  der  physische 
Leib  so  weit,  daft  er  seine  eigene  Gestaltung  ubernehmen  kann. 
War  friiher  die  Seele  der  Regulator  dieser  Gestaltung,  so  hat  er  nun 
einen  eigenen  Gestalter  in  sich.  Man  nennt  diesen  den  Atherleib. 
Die  Seele  steht  jetzt  nicht  mehr  in  unmittelbarer  Verbindung  mit 
dem  physischen  Leib;  zwischen  ihr  und  ihm  steht  der  Atherleib  als 
Vermittler.  Ihre  Erlebnisse  gehen  auf  diesen  Atherleib  iiber,  wie  sie 
vorher  auf  den  physischen  Leib  iibergegangen  sind.  Nun  miissen 


zunachst  wieder  von  diesem  Atherleib  die  sieben  Formzustande 
durchgemacht  werden,  von  der  Formlosigkeit  bis  zur  schopferi- 
schen  Tatigkeit,  Indem  der  Atherleib  auf  den  physischen  Leib  ge- 
staltend  einwirkt,  verliert  er  seine  Spannung  fortlaufend.  Und  diese 
wird  immer  wieder  durch  die  Seele  geregelt.  In  solcher  Art  durch- 
lauft  auch  die  Sonnenentwickelung  sieben  physische  Stadien.  Und 
in  jedem  derselben  erscheint  die  Seele  auf  einer  hoheren  Stufe;  auf 
der  siebenten  bildet  sie  einen  neuen  Bewufkseinszustand  vor.  Wah- 
rend  sie  noch  miterlebt,  wie  der  Atherleib  zum  Schopfer  neuer 
Gebilde  wird,  die  die  ganze  Sonnenwelt  nachbilden,  spurt  sie  in 
sich  bereits  eine  Bilderwelt,  die  auf-  und  abwogt  in  ihr. 

Diese  Bilderwelt  iibertragt  sie  beim  ersten  Mondenkreislauf  auf 
den  Atherleib,  der  nun  den  physischen  Leib  nach  Mafigabe  dieser 
Seelenbilder  gestaltet.  Wie  sich  auf  der  Sonnenstufe  zwischen  den 
physischen  Leib  und  die  Seele  der  gestaltende  Atherleib  geschoben 
hat,  so  gliedert  sich  jetzt  zwischen  diesen  und  die  Seele  der  charak- 
terisierte  Bilderleib.  Man  nennt  ihn  in  der  Geheimwissenschaft  den 
Empfindungsleib.  Denn  wie  die  menschlichen  Empfindungen  von 
der  Aufienwelt  gleichsam  in  das  Innere  einstromen  und  so  den 
Inhalt  der  Aufienwelt  zum  Besitztum  der  Innenwelt  machen,  so 
wirken  die  Bilder  des  Bilderleibes  von  innen  nach  auften  und 
pragen  ihren  Inhalt  dem  Atherleib  ein,  der  ihn  wieder  iibertragt 
auf  den  physischen  Leib. 

Wieder  durchlauft  der  Mensch  wahrend  der  Mondenentwicke- 
lung  siebenmal  alle  Formzustande,  um  in  jedem  derselben  die  Seele 
zu  einer  hoheren  Stufe  heranreifen  zu  lassen.  Wahrend  der  sieben- 
ten Stufe  hat  die  Seele  die  Fahigkeit,  ihren  Bildern  die  vollkommen- 
ste  Form  zu  geben;  sie  kann  da  miterleben  alles,  was  auf  dem 
Weltkorper  um  sie  herum  vorgeht,  so  dafi  ihre  Bilderwelt  ein  Aus- 
druck  ist  der  ganzen  Mondenwelt.  Dabei  hat  sie  zugleich  als  Vor- 
erlebnis  den  erhohten  Bewufkseinszustand  der  nachsten  Stufe;  sie 
beginnt  innerhalb  ihrer  Bilder- Wandelwelt  feste  Formen  zu  schau- 
en.  Dadurch  wird  sie  reif,  auch  auf  den  Atherleib  so  zu  wirken,  dafi 
dieser  Organe  in  sich  ausbildet,  die  etwas  Bleibendes  haben.  -  Und 
damit  kann  der  Ubergang  gemacht  werden  zum  ersten  Erdenkreis- 


lauf.  Innerhalb  desselben  nimmt  der  physische  Leib  die  festen  Bil- 
derformen  in  sich  auf;  diese  werden  seine  Organe.  Damit  beginnt 
sich  ein  viertes  Glied  am  Menschen  zu  entwickeln.  Zwischen  den 
Bilderleib  und  die  Seele  schieben  sich  die  Wahrnehmungen  aufterer 
Gegenstande  ein.  Der  Leib  ist  jetzt  in  einer  gewissen  Weise  der 
Seele  entwachsen;  er  ist  selbstandig  geworden.  Was  vorher  in  ihm 
auftrat,  waren  die  Ergebnisse  jener  Bilder,  welche  die  Seele  aus  der 
Auftenwelt  sich  angeeignet  hat.  Jetzt  bewirkt  die  Auftenwelt  in  ihm 
unmittelbar  die  Wahrnehmungen.  Und  das  Innenleben  der  Seele 
verlauft  als  ein  Miterleben  dieser  Wahrnehmungen.  Der  Ausdruck 
dieser  Eigentatigkeit  des  Leibes  ist  das  Selbstbewufttsein.  Doch  nur 
allmahlich  reift  das  Selbstbewufttsein  heran.  Erst  muft  der  Mensch 
einen  Kreislauf  der  Formen  durchmachen,  in  dem  in  seinen  Orga- 
nen  nur  dumpfes  Stoffleben  verspiirt  wird;  in  einem  zweiten  Kreis- 
lauf bewirkt  der  Stoffeinfluft  eine  innere  Bewegung;  der  Atherleib 
erlebt  dadurch  die  Auftenwelt  mit  und  gestaltet  die  Organe  zu  le- 
bendigen  Werkzeugen  des  physischen  Organismus  um.  In  einem 
dritten  Kreislaufe  wird  auch  der  Bilderleib  fahig,  die  Auftenwelt 
nachzubilden.  Er  erregt  nun  die  Organe  so,  daft  sie  selbst  Bilder 
hervorbringen,  die  in  ihnen  leben,  aber  noch  nicht  Abbilder  aufte- 
rer  Dinge  sind.  Erst  im  vierten  Kreislaufe  wird  die  Seele  selbst 
fahig,  die  Leibesorgane  zu  durchsetzen;  damit  lost  sie  die  Bilder 
von  diesen  Leibesorganen  los  und  iiberzieht  mit  ihnen  die  aufteren 
Dinge,  Damit  steht  eine  Auftenwelt  vor  ihr,  zu  der  sie  als  ein  inne- 
res  selbstandiges  Wesen  in  Gegensatz  tritt.  -  Jetzt  ist  es  aber  auch, 
wo  von  Zeit  zu  Zeit  die  Leibesorgane,  deren  sie  sich  bedient,  in 
Erschopfung  verfallen.  Dann  hort  die  Moglichkeit  auf,  mit  der 
Auftenwelt  in  Verbindung  zu  sein.  Der  Schlaf  tritt  ein,  in  dem  die 
Seele  wieder  auf  ihre  friihere  Art  durch  Bilder-  und  Atherleib  auf 
den  physischen  Korper  ausgleichend  einwirkt.  So  erscheint  der 
Schlaf  fur  die  Geheimwissenschaft  als  ein  zuriickgebliebener  Rest 
friiherer  Entwickelungsstufen.  In  der  Gegenwart  hat  der  Mensch 
die  Mitte  des  vierten  Erdenkreislaufes  um  ein  Stuck  iiberschritten. 
Dies  driickt  sich  darinnen  aus,  daft  er  nicht  bloft  im  hellen  Tages- 
bewufttsein  die  aufteren  Gegenstande  wahrnimmt,  sondern  dariiber 


hinaus  die  ihnen  zugrundeliegenden  Gesetze.  Die  Seele  hat  mit 
ihrem  Erleben  des  inneren  Umgestaltens  der  Dinge  begonnen. 

Wahrend  der  Saturnentwickelung  stand  der  Menschenleib  auf 
der  Stufe  des  dumpfesten  Bewulkseins.  Man  darf  aber  deshalb 
nicht  etwa  voraussetzen,  daft  andere  Stufen  des  Bewufitseins  nicht 
bei  Wesen  vorhanden  gewesen  waren,  die  zu  jener  Zeit  ihr  Dasein 
in  Verbindung  mit  dieser  friiheren  Verkorperung  der  Erde  hatten. 
So  war  vor  allem  ein  Wesen  damals  vorhanden,  welches  ein  Be- 
wufitsein  hatte,  das  dem  gegenwartigen  wachen  Tagesbewufksein 
des  Menschen  gleichwertig  war.  Da  aber  die  Verhaknisse  der 
Saturnumgebung  ganz  andere  waren,  als  sie  auf  der  Erde  sind, 
so  mulke  auch  diese  Bewufttseinsstufe  sich  in  einer  wesentlich 
anderen  Art  betatigen. 

Der  Erdenmensch  hat  urn  sich  herum  als  Gegenstande  der 
Wahrnehmung  Mineralien,  Pflanzen  und  Tiere.  Diese  Wesen- 
heit[en]  betrachtet  er  als  unter  ihm  stehend,  sich  selbst  ihnen 
gegemiber  als  ein  hoheres  Wesen.  Bei  jenem  Saturnwesen  war  das 
Umgekehrte  der  Fall.  Es  hatte  drei  Gruppen  von  Wesenheiten  iiber 
sich  und  mufite  sich  selbst  als  das  unterste  Glied  im  Bereiche  des- 
sen  halten,  was  ihm  wahrnehmbar  war.  Diese  drei  hoheren  Grup- 
pen von  Wesenheiten  bezeichnete  man  in  der  Geheimwissenschaft 
mit  verschiedenen  Namen,  je  nach  der  Sprache  des  Volkes  und  der 
Zeit,  denen  die  Geheimlehrer  angehorten.  Die  Bezeichnungen  der 
christlichen  Geheimwissenschaft  sind,  von  oben  nach  unten  aufge- 
zahlt:  Herrschaften  (Kyriotetes),  Machte  (Dynamis)  und  Gewalten 
(Exusiai).  Als  viertes  unterstes  Glied  reiht  sich  jenes  charakterisier- 
te  Wesen  an,  wie  sich  der  Erden-Mensch  als  oberstes  Glied  an  das 
Mineral-,  Pflanzen-  und  Tierreich  anreiht.  -  Diesen  ganz  anders- 
artigen  Verhaltnissen  entsprechend  war  auch  die  Natur  der  Wahr- 
nehmung selbst  anders.  Aus  der  Erfahrung  heraus  kennt  diese 
Natur  der  Eingeweihte.  Denn  sie  kommt  dem  gleich,  was  er  als 
seine  dritte  Stufe,  iiber  das  wache  Tagesbewulksein  hinaus,  er- 
reicht,  dem  spirituellen  Bewufksein.  Es  ist  da,  als  ob  die  Eindriicke 
nicht  von  aufieren  Gegenstanden  an  die  Sinne  herankamen,  son- 
dern  als  ob  sie  sich  von  innen  heraus  nach  den  Sinnen  zudrangten, 


von  diesen  nach  aufien  stromten  und  da  draufien  an  die  Gegenstan- 
de  und  Wesen  aufstiefien,  urn  sich  an  ihnen  zu  spiegeln  und  dann 
in  ihrem  Abglanz  dem  Bewufitsein  zu  erscheinen.  -  So  war  es  bei 
jenem  Saturnwesen.  Es  stromte  seine  Lebenskraft  auf  die  Dinge  des 
Planeten,  und  von  alien  Seiten  wurde  ihm  in  der  mannigfaltigsten 
Weise  der  Widerschein  zuriickgeworfen.  Es  nahm  das  eigene  Leben 
von  alien  Seiten  im  Spiegelbilde  wahr.  Und  die  Dinge,  welche  ihm 
dieses  sein  Wesen  zuriickstrahlten,  waren  die  Anfange  des  phy- 
sischen  Menschenleibes.  Denn  aus  ihnen  bestand  der  Planet.  Was 
sonst  wahrgenommen  wurde,  erschien  nicht  am  Planeten,  sondern 
in  dessen  Umkreis.  Die  Wesen,  welche  Exusiai  (Gewalten)  genannt 
werden,  erschienen  als  strahlende  Wesen,  die  von  alien  Seiten  her 
den  Weltkorper  beleuchteten.  Der  Saturn  selbst  war  ein  an  sich 
dunkler  Korper;  er  empfing  sein  Licht  nicht  von  toten  Lichtquel- 
len,  sondern  von  diesen  Wesen,  die  seinen  Umkreis  bewohnten  und 
als  Leuchtwesen  ihn  erhellten.  Ihr  Licht  offenbarte  sich  der  Wahr- 
nehmung  des  Saturnwesens,  wie  sich  gegenwartig  der  tierische  Leib 
dem  Menschen  wahrnehmbar  macht.  Die  Wesen,  welche  Dynamis 
(Machte)  hei£en,  offenbarten  sich  in  ahnlicher  Art  vom  Umkreise 
her  durch  geistiges  Tonen  und  die  Kyriotetes  (Herrschaften)  durch 
das,  was  man  in  der  Geheimwissenschaft  das  Weltaroma  nennt, 
eine  Art  von  Eindruck,  den  man  mit  dem  gegenwartigen  Geruch 
vergleichen  kann. 

So  wie  der  Erdenmensch  sich  tiber  die  Wahrnehmungen  der 
aufieren  Dinge  hinaus  zu  Vorstellungen  erhebt,  die  nur  in  seinem 
Innern  leben,  so  erkannte  jenes  Saturnwesen  aufier  den  genannten 
Wesenheiten,  welche  sich  ihm  wie  von  innen  offenbarten,  noch 
Wesenheiten,  die  es  von  aufien  wahrnahm;  sie  werden  in  der  christ- 
lichen  Geheimwissenschaft  Serafine,  Cherubine  und  Throne  ge- 
nannt. Es  gibt  im  Umkreise  der  Erfahrung  des  Erdenmenschen 
nichts,  was  sich  mit  den  erhabenen  Merkmalen  vergleichen  lafit,  in 
denen  sie  damals  auftraten.  -  Endlich  war  diesem  Saturnwesen 
noch  eine  dritte  Art  von  Mitbewohnern  bekannt.  Sie  bevolkerten 
das  Innere  des  Planeten.  Dieser  bestand  ja  nur  als  eine  Zusammen- 
setzung  aus  den  Menschenleibern,  so  weit  sie  damals  gediehen 


waren.  Will  man  sich  eine  Vorstellung  von  diesen  Leibern  machen, 
so  kann  man  dies  dadurch,  daft  man  sie  fur  die  Zeiten,  in  denen  sie 
in  physischer  Form  auftraten,  mit  Automaten  vergleicht,  die  aus 
feinstem  atherischen  Stoff  bestehen.  Als  solche  spiegelten  sie  das 
Leben  jenes  Saturnwesens  wider;  sie  selbst  aber  waren  ganzlich 
ohne  Leben  und  ohne  alle  Empfindung.  Aber  sie  wurden  von 
zweierlei  Arten  von  Wesen  bewohnt,  welche  ihr  Leben  und  ihre 
Empfindungsfahigkeit  in  ihnen  entwickelten.  Diese  brauchten  dazu 
eine  gewisse  Unterlage.  Denn  ihnen  fehlte  ein  eigener  physischer 
Leib,.  und  dennoch  waren  sie  so  veranlagt,  dafi  sie  ihre  hoheren 
Fahigkeiten  nur  in  einem  solchen  zur  Entfaltung  bringen  konnten. 
Sie  bedienten  sich  deswegen  des  menschlichen  physischen  Leibes. 

So  war  auf  dem  Saturn  in  einer  ahnlichen  Art  das  leibliche,  see- 
lische  und  geistige  Element  vorhanden,  wie  es  auf  der  Erde  vor- 
kommt.  Nur  findet  es  sich  auf  der  Erde  so,  dafi  es  die  dreifache 
Natur  des  Menschen  bildet:  seinen  Leib,  seine  Seele  und  seinen 
Geist.  Jedes  dieser  Glieder  des  Menschen  besteht  wieder  aus  drei 
Untergliedern:  der  Leib  aus  dem  physischen,  dem  Atherleib  und 
dem  Empfindungsleib;  die  Seele  aus  der  Empfindungsseele,  der 
Verstandesseele  und  [der]  Bewulkseinsseele;  der  Geist  aus  Geist- 
selbst,  Lebensgeist  und  Geistesmensch.  Auf  dem  Saturn  sind  Leib- 
liches,  Seelisches  und  Geistiges  nicht  als  Glieder  einer  Wesenheit, 
sondern  als  selbstandige  Wesenheiten  vorhanden;  das  Physisch- 
Leibliche  als  die  erste  Anlage  des  Menschenleibes  und  die  eigent- 
liche  Stoffgrundlage  des  Planeten  selbst;  der  Atherleib  als  Engel, 
der  Empfindungsleib  als  Erzengel;  die  Empfindungsseele  wird  re- 
prasentiert  von  jenem  charakterisierten  Saturnwesen  selbst,  die 
Verstandesseele  von  den  Gewalten,  die  Bewulkseinsseele  von  den 
Machten,  das  Geistselbst  von  den  Herrschaften,  der  Lebensgeist 
von  den  Thronen,  der  Geistesmensch  von  den  Cherubinen;  iiber 
alien  stehen  die  Serafine. 

Der  Saturn  stellte  also  in  den  Zeiten,  in  denen  er  auf  seiner 
physischen  Stufe  war,  einen  Gliederleib  dar,  bestehend  aus  feinen 
Atherleibern;  darinnen  walteten  die  Engel  und  Erzengel  wie  die 
Lebens-  und  Nervenkrafte  gegenwartig  im  menschlichen  Leibe. 


Und  wie  dieser  aufien  die  Sinneswerkzeuge  hat,  so  war  der  Saturn 
selbst  an  seiner  Oberflache  wie  mit  lauter  Sinnen  bedeckt;  nur 
waren  diese  Sinne  nicht  empfangende,  sondern  riickstrahlende.  Sie 
spiegelten  alles,  was  von  dem  Umkreise  des  Weltkorpers  herein 
einen  Eindruck  machte,  wider.  Da  bestrahlten  die  leuchtenden 
Gewalten  die  Saturnoberflache,  und  ihr  Licht  wurde  vielfaltig  von 
der  Oberflache  desselben  zuriickgeworfen.  Da  klang  es  heran  von 
den  Machten,  und  diese  Klange  drangen  wieder  als  mannigfaches 
Echo  in  den  Raum  hinaus;  endlich  wurde  die  Saturnoberflache  von 
dem  Aroma  der  Herrschaften  bestrahlt,  und  sie  gab  dieses  wieder 
in  vielfach  veranderter  Form  zuriick.  Und  in  der  Wahrnehmung  all 
dieser  Widerstrahlungen  bestand  das  Seelenleben  jenes  gekenn- 
zeichneten  Saturnwesens.  -  Man  kann  dieses  Wesen  den  eigent- 
lichen  Planetengeist  des  Saturn  nennen.  Denn  es  war  in  der  Tat  nur 
eines  in  seiner  Art  vorhanden,  sowie  im  Erdenmenschen  eine  Man- 
nigfaltigkeit  von  Gliedern,  Sinnen  und  so  weiter,  aber  nur  ein 
Selbstbewulksein  vorhanden  ist.  Der  ganze  Saturn  war  der  Korper 
dieses  Planetengeistes. 

Die  Entwickelung  des  Saturn  bestand  nun  in  sieben  Kreislaufen, 
welche  die  Seelen-Lebensentfaltung  darstellen.  In  jedem  dieser  sie- 
ben Kreislaufe  geht  der  Planet  durch  die  sieben  Formen  hindurch, 
von  der  Formlosigkeit  zur  schopferischen  Fahigkeit.  -  Beim  ersten 
Kreislauf  bilden  die  Throne  das  dirigierende  Seelenelement,  beim 
zweiten  die  Herrschaften,  beim  dritten  die  Machte,  beim  vierten 
die  Gewalten,  beim  fiinften  der  Saturn-Planetengeist  selbst.  Dieser 
hat  nicht  sogleich  vom  Anfang  der  Saturnentwickelung  das  voile 
helle  Bewulksein  gehabt,  sondern  dieses  sich  erst  im  vierten  Kreis- 
lauf erworben.  Er  ist  also  erst  da  zu  einem  eigentlichen  seelischen 
Erleben  der  planetarischen  Vorgange  gelangt.  So  kann  er  im  fiinf- 
ten Kreislaufe  selbst  als  Seele  wirken.  Wahrend  des  fiinften  Kreis- 
laufes  bilden  sich  nun  die  Erzengel  zu  einem  inneren  Seelenleben 
heran,  dessen  Inhalt  den  Saturnvorgangen  entnommen  ist.  Sie  kon- 
nen  dies,  indem  sie  sich  der  bis  dahin  zu  entsprechenden  Instru- 
menten  fur  sie  entwickelten  Menschenleiber  bedienen.  Dadurch 
werden  sie  im  sechsten  Kreislauf  befahigt,  diesen  als  selbsttatige 


Seelen  zu  leiten.  Dasselbe  ist  entsprechend  fur  den  siebenten  Kreis- 
lauf  mit  den  Engeln  der  Fall. 

Im  fiinften  Kreislauf  konnte  der  Planetengeist  des  Saturn  nicht 
in  der  charakterisierten  Art  als  Seele  wirken,  wenn  er  innerhalb  des 
Saturnkorpers  verbliebe.  Denn  dieser  lafit  solches  durch  seine  Be- 
schaffenheit  nicht  zu.  Der  Saturngeist  mu£  daher  aus  dem  Saturn- 
leibe  heraustreten  und  von  auften  auf  den  letzteren  wirken.  Es  fin- 
det  also  in  diesem  Kreislauf  eine  Trennung  des  Saturn  in  zwei 
Weltenkorper  statt.  Von  diesen  ist  allerdings  die  eine,  die  heraus- 
getretene,  als  Saturnseele  zu  bezeichnen.  Sie  ist  gleichsam  die  pro- 
phetische  Vorherverkiindigung  der  nachsten  planetarischen  Ver- 
korperung:  der  Sonne.  So  wird  wahrend  seines  fiinften,  sechsten 
und  siebenten  Kreislaufes  der  Saturn  von  einer  Art  Sonne  umkreist, 
wie  gegenwartig  die  Erde  von  ihrem  Monde. 

Ein  Ahnliches  mull  im  sechsten  Kreislauf  fur  die  Erzengel  ein- 
treten.  Sie  verlassen  die  Saturnmasse  und  umkreisen  sie  als  ein 
neuer  Planet,  den  man  in  der  Geheimwissenschaft  als  Jupiter  be- 
zeichnet.  Und  im  siebenten  Kreislauf  geschieht  ein  Ahnliches  mit 
Bezug  auf  die  Engel.  Sie  ziehen  ihre  Masse  aus  derjenigen  des 
Saturn  heraus  und  umkreisen  diesen  als  selbstandiger  Planet.  Man 
nennt  diesen  in  der  Geheimwissenschaft  Mars.  -  Das  sind  Vorgan- 
ge,  wie  sie  sich  ahnlich  aber  schon  wahrend  der  vorhergehenden 
Saturnkreislaufe  abgespielt  haben.  Im  dritten  Kreislauf  leiteten  die 
Gewalten  die  seelische  Entwicklung.  Wahrend  des  vierten  ver- 
lieften  sie  den  Planeten  und  umkreisten  ihn  als  helleuchtender 
selbstandiger  Planet,  der  in  der  Geheimwissenschaft  den  Namen 
Merkur  fuhrt.  Im  dritten  Kreislauf  war  dasselbe  mit  den  Machten 
geschehen,  die  sich  als  Planet  Venus  verselbstandigten. 

Innerhalb  der  Sonnenentwickelung  wird  der  vorher  automati- 
sche  Leib  des  Menschen  in  sich  lebendig.  Dies  geschieht  dadurch, 
dafi  das  Licht,  welches  vorher  als  Ausfluft  der  Leuchtwesen  den 
Saturn  aus  dem  Umkreise  bestrahlte,  nunmehr  von  den  Bestandtei- 
len  des  Sonnenkorpers  selbst  aufgenommen  wird.  Die  Sonne  wird 
ein  leuchtender  Planet.  Die  vervollkommneten  Menschenleiber 
entwickeln  leuchtendes  Leben.  Aus  dem  Umkreise  tont  es  jetzt 


herein,  und  es  stromt  das  Weltaroma  von  den  entsprechenden 
Wesen. 

Mit  dem  Saturn-Planetengeist  hat  sich  eine  Umwandlung  voll- 
zogen.  Er  hat  sich  vervielfaltigt.  Aus  einem  sind  sieben  geworden. 
Wie  das  Samenkorn  eines  ist  und  in  der  Ahre,  die  aus  ihm  sich 
bildet,  viele  stehen,  die  gleichen  Wesens  sind  mit  jenem  einen,  so 
keimen  aus  dem  einen  Saturn-Planetengeist  sieben  Sprossen  hervor 
beim  Ubergang  zur  Sonnenstufe.  Und  sein  Leben  wird  jetzt  ein 
anderes.  Er  erlangt  die  Fahigkeit,  Wahrnehmungen  von  einem 
Gebiete,  das  um  eine  Stufe  tiefer  steht  als  er,  zu  erlangen.  Dies  wird 
dadurch  moglich,  dafi  eine  Anzahl  von  Menschenleibern  in  ihrer 
Entwickelung  zunickgeblieben,  auf  der  Saturnstufe  stehengeblie- 
ben  sind.  Sie  sind  dadurch  unfahig,  das  leuchtende  Leben  der  Son- 
ne zu  empfangen.  Sie  bilden  dunkle  Stellen  innerhalb  des  strahlen- 
den  Sonnenplaneten.  Sie  nehmen  die  aus  dem  Saturn-Planetengeist 
entstandenen  sieben  Sonnengeister  als  ein  unter  ihnen  stehendes 
Naturreich  wahr.  So  leben  auf  der  Sonnenoberflache  diese  sieben 
Wesenheiten;  unter  ihnen  schauen  sie  ein  Reich,  dessen  Wesen 
Leiber  haben,  nur  eine  Stufe  tiefer  stehend  als  die  Sonnen-Men- 
schenleiber.  Diese  Leiber  selbst  aber  geben  ihnen  in  dem  von  ihnen 
ausstrahlenden  Licht  die  Nahrung,  welche  sie  brauchen.  Wahrend 
die  Saturnleiber  dem  Saturngeist  nur  die  Ruckstrahler  seiner  We- 
senheit  waren,  nehmen  die  Sonnenleiber  den  Sonnengeistern  ge- 
geniiber  die  Stelle  ein,  welche  gegenwartig  die  Sonne  mit  ihrem 
Lichte  den  Wesen  des  Pflanzenreiches  gegeniiber  einnimmt.  In 
bezug  auf  die  Leibesorganisation  steht  der  Mensch  wahrend  der 
Sonnenentwickelung  auf  der  Stufe  eines  Pflanzenwesens.  Es  ware 
nicht  richtig  zu  sagen,  er  sei  damals  selbst  durch  das  Pflanzenreich 
hindurchgegangen.  Denn  ein  Pflanzenreich,  wie  es  heute  ist,  kann 
sich  nur  unter  den  eigenartigen  Verhaltnissen  der  Erde  entwickeln. 
Will  man  einen  Vergleich  diesbezuglich  gebrauchen,  so  miifite  man 
sich  den  Sonnen-Menschenleib  als  ein  Pflanzenwesen  vorstellen, 
das  ahnliche  Organe  wie  gegenwartig  die  Pflanze  als  Blute  entwik- 
kelt,  dem  eigenen  Planeten  zuwendet.  Und  wie  die  gegenwartige 
Pflanze  ihr  Licht  von  einer  aufieren  Sonne  erhalt,  so  erhielt  die 


Menschensonnenpflanze  das  ihre  von  dem  eigenen  Planeten,  der  ja 
Sonne  war.  Das,  was  heute  die  Pflanze  als  Wurzel  in  die  Erde 
senkt,  war  am  Sonnenleibe  den  einstromenden  Tonen  und  Gerii- 
chen  zugewendet;  er  nahm  sie  auf  und  verarbeitete  sie  in  seinem 
Innern.  Man  konnte  die  gegenwartige  Pflanze  einen  auf  der  Son- 
nenstufe  stehengebliebenen  Menschenleib  nennen,  der  sich  voll- 
standig  umgewendet  hat.  Er  streckt  deshalb  die  Organe  des  Wachs- 
tums  und  der  Fortpflanzung,  welche  der  Mensch  verhiillt  und  nach 
unten  gewendet  hat,  keusch  der  Sonne  zu  nach  oben. 

In  dieser  Art  war  der  Menschenleib  erst  wahrend  des  vierten 
Sonnenlaufes  vollstandig  entwickelt.  Drei  vorhergehende  Kreislau- 
fe  waren  eine  Vorbereitung  dazu.  Der  erste  Kreislauf  gestaltet  sich 
eigentlich  nur  als  eine  Wiederholung  des  Saturndaseins.  Und  seine 
sieben  Formstufen  sind  sieben  Wiederhohmgen  der  Lebensstufen 
des  Saturnkreislaufes.  Aber  erst  beim  zweiten  Sonnenkreislauf 
blitzt  Leben  auf  im  Menschenleib.  Dasselbe  ist  noch  nicht  so  voll- 
entwickelt,  daft  die  Erzengel,  welche  auf  der  Sonne  in  die  Stellung 
eintreten,  welche  auf  dem  Saturn  der  Planetengeist  eingenommen 
hat,  in  diesem  Leben  ihre  Befriedigung  finden  konnen.  Es  saugen 
vielmehr  jetzt  die  Kraft,  welche  aus  diesem  Leben  flieften  kann,  die 
Gewalten;  wahrend  des  dritten  Kreislaufes  treten  die  sieben  aus 
dem  Saturngeist  entstandenen  Wesenheiten  an  die  Stelle;  und  wah- 
rend des  vierten  Sonnenlaufes  leben  in  dem  Leben  der  Erdenleiber 
die  Erzengel,  wie  sich  der  Planetengeist  in  den  Leibern  des  Saturn 
gespiegelt  hat.  Wahrend  des  fiinften  Sonnenlaufes  steigen  die  Erz- 
engel zu  einer  hoheren  Daseinsstufe  auf,  und  die  Engel  treten  auf 
dem  Planeten  an  ihre  Stelle.  Wahrend  des  sechsten  Sonnenlaufes 
haben  sich  auch  die  Engel  so  hoch  entwickelt,  daft  sie  des  physi- 
schen  Teiles  des  Menschenleibes  nicht  bediirfen;  sie  bedienen  sich 
nur  noch  fur  ihre  Zwecke  des  aus-  und  einstromenden  Lichtes,  um 
darin  zu  leben.  Der  physische  Menschenleib  ist  eine  selbstandige 
Wesenheit  geworden,  das  Vorbild  des  gegenwartigen  physischen 
Korpers  des  Menschen.  Und  er  verhalt  sich  auf  dieser  Stufe  auch 
ganz  wie  ein  physischer  Apparat;  nur  wie  ein  solcher,  dessen  Teile 
eben  leben.  Er  ist  gewissermaften  ein  lebendes  Sinnesinstrument, 


dessen  Wahrnehmungen  aber  nicht  von  ihm  selbst  aufgenommen 
werden.  Ihm  selbst  fehlt  dazu  der  notige  Bewufitseinsgrad.  Er  ist  in 
einem  pflanzenartigen  Schlaf,  der  seine  hochste  Bewufitseinsstufe 
ausmacht.  Was  in  ihm  als  Wahrnehmungen  entworfen  wird,  geht  in 
das  Bewufitsein  der  Engel,  Erzengel  und  so  weiter  iiber,  je  nach  der 
Folge  der  verschiedenen  Sonnenkreislaufe.  Diese  hoheren  Wesen 
wachen  iiber  dem  schlafenden  Menschenleib. 

Welches  sind  nun  die  Ursachen,  unter  deren  Einflufi  sich  die 
Sonne  aus  dem  Saturn  entwickelt  hat?  Man  erkennt  sie,  wenn  man 
einen  Blick  wirft  auf  die  letzten  Zustande  der  Saturnentwickelung. 
Man  nehme  an,  der  siebente  Kreislauf  sei  auf  der  vierten  Formstu- 
fe,  der  physischen,  angelangt.  Der  Menschenleib  ist  da  so  weit,  dafi 
er  den  Engeln  als  die  ihr  Wesen  spiegelnden  Sinnesorgane  dienen 
kann.  Diese  haben  auf  dieser  Stufe  eine  Art  Menschenbewufitsein, 
das  ihnen  allerdings  nur  mit  den  beniitzten  Sinnen  des  Menschen- 
leibes  zuteil  wird.  Hohere  Wesen  wirken  aus  dem  Umkreise  des 
Planeten  auf  denselben.  Sie  entwickeln  aufeinanderfolgend  die 
hoheren  Bewufitseinsstufen.  In  dem  Augenblicke,  in  dem  auch  die 
Engel  sich  zu  solch  hoheren  Bewufitseinsarten  entwickeln,  konnen 
sie  sich  nicht  mehr  des  Menschenleibes  bedienen.  Die  Folge  davon 
ist,  dafi  sie  ihn  verlassen.  Er  mufi  sterben.  Das  heifit  aber  nichts 
anderes,  als  dafi  der  physische  Saturnleib  zerfallt,  bevor  sich  die 
physiognomische  Form  des  siebenten  Umlaufes  entwickelt.  Diese 
physiognomische  Stufe  ist  also  iiberhaupt  nicht  mehr  physisch.  Der 
Planet  ist  nur  noch  als  Seelenplanet  vorhanden.  Die  physische 
Form  versinkt  in  den  Abgrund,  In  dem  Seelenplaneten  leben  die 
Engel  in  einem  iiberphysischen  Bilderbewufitsein.  Und  die  hohe- 
ren Wesen  sind  an  ihm  tatig  mit  entsprechenden  hoheren  Bewufit- 
seinsformen.  In  dem  Zeitpunkte,  wo  auch  die  Engel  iiber  das  Bil- 
derbewufitsein hinausgewachsen  sind,  mufi  auch  der  Seelenplanet 
zerfallen.  An  seine  Stelle  tritt  ein  anderer,  auf  dem  die  gestaltende 
Form  entwickelt  wird.  Er  schwebt  aber  nur  in  jener  Welt,  in  wel- 
cher  sich  der  irdische  Eingeweihte  befindet,  wenn  er  in  dem  hohe- 
ren Tonbewufitsein  verweilt.  Aus  denselben  Griinden  entwickelt 
sich  aus  diesem  Planeten  ein  anderer,  der  einer  noch  hoheren  Welt 


angehort  am  Ende  des  siebenten  Saturnkreislaufes.  In  demselben  ist 
die  schdpferische  Form  des  Daseins  verwirklicht.  -  Es  ist  gezeigt 
worden,  daft  mit  dem  Aufsteigen  der  hoheren  Wesen  in  entspre- 
chende  Bewufitseinsformen  sich  immer  Nebenplaneten  des  Saturn 
absondern,  die  in  hoheren  Welten  schweben  miissen,  weil  die 
Hauptform  des  Saturn  solche  Bewufitseinsarten  nicht  beherbergen 
kann.  Nun  aber  steigt  ja  der  Saturn  selbst  zu  solchen  hoheren 
Welten  auf.  Das  hat  zur  Folge,  da$  er  jedes  Mai,  wenn  er  in  einer 
solch  hoheren  Welt  angekommen  ist,  sich  mit  jenem  Nebenplane- 
ten vereinigt,  der  in  der  gleichen  Welt  vorhanden  ist.  Am  Ende  des 
siebenten  Saturnkreislaufes  sind  aus  diesem  Grunde  Jupiter,  Mars, 
Venus,  Merkur  und  Sonne  wieder  mit  dem  Saturn  vereinigt.  Alles 
bildet  wieder  eine  Welt.  -  In  dieser  einen  Welt  findet  sich  aber  die 
schopferische  Form  der  Saturnlebenskraft.  Durch  sie  wird  die 
Welt,  die  sich  auf  die  angegebene  Art  vergeistigt  hat,  wieder  auf  die 
niederen  Stufen  des  Daseins  zuriickgefuhrt.  Das  geschieht  eben  mit 
der  Entwickelung  der  Sonne.  Im  Verlaufe  ihrer  Kreislaufe  treten 
die  aus  dem  Saturn  herausgebildeten  Planeten  wieder  hervor.  Ein 
jeglicher  erscheint  jetzt  nur  um  eine  Stufe  mehr  dem  physischen 
Dasein  angenahert. 

Konnte  ein  menschlicher  Beobachter  mit  Sinnen  in  der  gegenwar- 
tigen  Form  der  Entwickelung  des  geschilderten  Planeten  zusehen,  so 
wiirde  er  nur  in  gewissen  Zeitraumen  aus  dem  Dunkel  heraus  den 
Weltkorper  aufgehen  sehen;  in  langen  Zwischenzeiten,  in  denen  die- 
ser nur  ein  Dasein  in  hoheren  Welten  fuhrt,  wiirde  er  einem  solchen 
Beobachter  entschwinden.  Er  bliebe  da  nur  fur  einen  Beobachter 
erkennbar,  dessen  Bewufksein  in  hoheren  Welten  verweilen  kann. 
Man  unterscheidet  deshalb  zwischen  den  physischen  Zustanden  des 
planetarischen  Daseins  Dammerungs-  oder  Nachtzustande.  Nur 
darf  man  sich  nicht  vorstellen,  daft  in  solchen  Zwischenzeiten  der 
Planet  mit  seinen  Wesenheiten  in  Untatigkeit  verfallt.  Diese  [Tatig- 
keit]  fallt  da  nur  in  hohere  Welten  und  driickt  sich  so  in  einem  viei 
wirklicheren  Dasein  als  dem  bloften  physischen  aus. 


Wenn  nun  die  Sonne  ihre  sieben  Kreislaufe  vollendet  hat,  dann 
beginnt  die  Zeit,  in  welcher  der  Menschenleib  so  weit  ist,  daft  er 
nicht  nur  die  Einstromungen  des  Lichtes  aufnehmen  und  dadurch 
belebt  sein  kann,  sondern  er  erlangt  die  Fahigkeit,  die  ihn  umflu- 
tende  Tonwelt,  die  aus  den  «Machten»  gebildet  wird,  in  sich  wei- 
terwirken  zu  lassen  und  sie  selbst  als  Tone  wiederzugeben.  Der 
Menschenleib  wird  auf  dieser  Daseinsstufe,  die  man  die  Mond- 
entwickelung  nennt,  eine  tonende  Wesenheit.  Wahrend  der  auf  der 
Saturnstufe  vom  Planeten  in  die  Umwelt  zuriickgeworfene  Ton  nur 
ein  Echo  der  Umgebung  war,  tont  er  jetzt  verandert  in  diese 
Umgebung  hinaus.  Er  ist  so  verandert,  dafi  er  in  der  mannigfaltig- 
sten  Art  wiedergibt,  was  in  den  Menschenleibern  vorgeht.  Diese 
Menschenleiber  haben  damit  ein  drittes  Glied  in  ihre  Wesenheit 
aufgenommen,  den  Empfindungsleib.  Denn  es  ist  ihre  innere  Na- 
tur:  ihre  Gefuhlswelt,  die  da  nach  auflen  tont.  -  Aus  den  sieben 
Wesenheiten  aber,  welche  sich  wahrend  der  Sonnenentwickelung 
aus  dem  Saturngeiste  heraus  entwickelt  haben,  sind  siebenmal  sie- 
ben geworden.  Deren  Umwelt  ist  jetzt  so  geworden,  dafi  sie  ihre 
eigene  Gefuhlswelt  in  den  Empfindungsleibern,  welche  sich  gebil- 
det haben,  erleben.  Diese  Empfindungsleiber  sind  die  Trager  ihres 
hellen  Tagesbewufkseins.  Sie  fuhlen  sich  nunmehr  umgeben  von 
zwei  Reichen,  die  unter  ihnen  stehen,  und  einem,  das  iiber  ihnen 
ist.  Dieses  iiber  ihnen  schwebende  Reich  macht  sich  ihnen  aus  dem 
Weltraum  heraus  als  das  Weltaroma  fiihlbar;  sich  selbst  erleben  sie 
als  tonende  Wesen,  und  die  beiden  Reiche,  welche  unter  ihnen  ste- 
hen, sind  dadurch  geworden,  daft  ein  Gebiet  von  Menschenleibern 
auf  der  Saturn-,  ein  zweites  auf  der  Sonnenstufe  stehengeblieben 
ist.  So  sind  diese  Mondwesen  umgeben  von  den  automatenhaften 
Wesen,  die  ihre  Saturnreife  auf  dem  Monde  unter  ganz  andersar- 
tigen  Verhaltnissen  fortsetzen,  als  sie  auf  dem  Saturn  selbst  bestan- 
den  haben,  und  ferner  von  pflanzenhaften  Sonnenleibern,  die  in 
einer  ahnlichen  Lage  sind.  In  der  eigentlichen  Mondenmasse  sind 
also  dreierlei  Wesen  vorhanden.  Jene  automatenhaften  Wesen,  die 
in  sich  selbst  dunkel  sind  und  welche  sich  vom  Saturn  her  die 
Fahigkeit  noch  bewahrt  haben,  Leben  um  sich  herumzustrahlen. 


Sie  sind  nicht  leblose  Wesen  in  dem  Sinne  der  gegenwartigen 
Mineralien.  Eine  mineralische  Grundlage,  wie  sie  die  Erde  hat,  gab 
es  auf  dem  Monde  iiberhaupt  noch  nicht.  An  ihrer  Stelle  war  eine 
solche,  welche  aus  dem  charakterisierten  Wesen  bestand.  Man  be- 
kommt  eine  Vorstellung  von  ihr,  wenn  man  sich  sie  mit  einem 
durch  sie  ganz  durchgehenden  Leben  begabt  vorstellt,  so  dafi  auf 
dem  Monde  zum  Beispiel  statt  der  mineralischen  Ackererde  unse- 
res  Planeten  eine  lebendige,  breiartige  Masse  ist;  in  dieser  sind  ein- 
gefugt  verholzte  Teile  wie  die  Felsenmassen  in  das  weichere  Ge- 
stein  unserer  Erde.  In  dieser  lebenden  Grundlage,  die  man  in  ihren 
Teilen  Pflanzenmineralien  nennen  kann,  wurzelten  die  gekenn- 
zeichneten  Sonnenwesen,  auf  einer  Stufe  stehend  zwischen  dem 
gegenwartigen  Tier  und  der  gegenwartigen  Pflanze.  Und  die  be- 
weglichen  Wesen,  welche  den  Mond  bewohnten,  waren  die  Men- 
schenleiber,  zwischen  Tier  und  Mensch  in  bezug  auf  ihre  Entwik- 
kelung  mitten  drinnen  stehend.  Sie  waren  die  Beherberger  der 
Abkommlinge  des  Saturn-Planetengeistes.  Doch  hatte  dieser  ein 
waches  Tagesbewufitsein  nicht  in  ihnen  entwickeln  konnen.  Um  in 
einem  solchen  zu  leben,  mufken  diese  Wesen  jedesmal  aus  dem 
Leibe  heraustreten.  Waren  sie  innerhalb  desselben,  das  heifit  lebten 
sie  sein  Leben  mit,  dann  waren  sie  nur  mit  einem  von  Traum- 
bildern  erfiillten  Bewufitsein  durchdrungen.  In  diesem  Bewufitsein 
sahen  sie  nichts  von  ihrer  physischen  Umgebung;  aber  sie  tonten 
ihr  inneres  Erleben  in  die  Umgebung  hinaus.  Was  da  in  Klangen 
sich  auslebte  wahrend  des  Schlafes  der  Mondwesen,  waren  deren 
Leidenschaften  und  Begierden.  Um  aus  dem  Umkreis  dieses  Er- 
lebens  nur  eines  hervorzuheben,  sei  darauf  hingewiesen,  daft  zum 
Beispiel  dasjenige,  was  man  jetzt  Liebesleben  nennt  und  was  der 
Fortpflanzung  zugrundeliegt,  auf  dem  Monde  sich  wahrend  des 
traumerfullten  Schlafes  abspielte.  Das  wache  Tagesleben  war  be- 
gierde-  und  allerdings  auch  liebelos,  ganz  nur  dem  Anschauen  der 
Umwelt  hingegeben.  Der  Menschenvorfahr  auf  dem  Monde  wulke 
noch  nichts  von  geschlechtlichen  Beziehungen  in  seinem  Tages- 
leben. Fiir  das,  was  heute  der  Mensch  in  der  geschlechtlichen  Liebe 
fiihlt,  spielten  sich  auf  dem  Monde  Traumbilder  ab,  welche  nur  im 


Sinnbild  zum  Ausdrucke  brachten,  was  heute  gegenstandliche 
Wirklichkeit  ist.  -  Nicht  der  Menschenvorfahr  erlebte  also  auf  dem 
Monde  die  Bilderwelt  im  wachen  Zustande;  in  ihr  lebten  vielmehr 
die  zunachst  iiber  dem  Menschen  stehenden  Wesen,  die  Engel.  Fur 
sie  spielte  sich  gewissermafien  die  Traumwelt  des  Menschen  als 
helle  Tageswirklichkeit  ab.  Sie  wachten  iiber  der  traumenden  Men- 
schenwelt,  wie  die  Erzengel  iiber  der  in  pflanzenartigem  Schlaf 
lebenden  Sonnenwelt  wachten. 

Die  ersten  beiden  Mondkreislaufe  waren  nur  Wiederholungen 
der  friiheren  Entwickelungszustande.  Die  sieben  Formen  des  er- 
sten Kreislaufes  wiederholten  die  sieben  Saturnkreislaufe,  und  die 
sieben  Formen  des  zweiten  die  sieben  Sonnenkreislaufe. 

Im  dritten  Mondenkreislauf  ist  der  Menschenleib  so  weit,  dafi 
die  auf  der  Erzengelstufe  stehenden  Wesen  seine  Traumbilder  als 
ihre  Umgebung  erleben;  im  vierten  Kreislauf  ist  das  bei  den  Engeln 
der  Fall.  Die  Abkommlinge  des  Saturn-Planetengeistes  konnen  in 
diesem  Kreislauf  den  Menschenleib  so  weit  benutzen,  dafi  sie, 
wenn  sie  ihn  von  au£en  umhullen  und  sich  seiner  bedienen,  durch 
ihn  ein  helles  Tagesbewufitsein  erlangen.  Im  fiinften  Kreislauf  sind 
diese  Wesen  zu  einer  solchen  Hohe  hinaufgestiegen,  dafi  sie  nicht 
mehr  des  physischen  Menschenleibes  bediirfen;  dieser  nimmt  nun 
fur  sich  seine  Umgebung  wahr,  aber  er  bringt  es  nur  zu  einer  nie- 
dern  Bewufttseinsstufe  in  bezug  auf  diese  Wahrnehmungen.  Nur 
noch  des  Atherleibes  und  des  Empfindungsleibes  bediirfen  diese 
Wesen  in  dieser  Zeit.  Im  sechsten  Kreislauf  iiberlassen  sie  auch  den 
Atherleib,  im  siebenten  den  Empfindungsleib  sich  selbst. 

Der  Mond  ist  eine  Wiederverkorperung  des  Sonnenplaneten.  In 
der  Zeit  nun,  in  welcher  auf  dem  Monde  sich  die  Stufe  der  Sonnen- 
entwickelung  wiederholt,  also  im  zweiten  Kreislaufe,  tritt  aus  sei- 
ner Masse  der  Sonnenkorper  heraus.  Innerhalb  dieses  herausgetre- 
tenen  Sonnenkorpers  leben  dann  jene  Wesen,  welche  eine  Bewufk- 
seins-  und  Lebensstufe  angenommen  haben,  fur  welche  sich  auf 
dem  Monde  selbst  keine  Bedingungen  finden.  Das  sind  wahrend 
des  zweiten  Kreislaufes  die  Gewalten;  sie  haben  wahrend  des  Son- 
nenlebens  das  Leben  des  physischen  Menschenleibes  mitgelebt. 


Jetzt  auf  dem  Monde  fiihrt  diese  Sonnenstufe  nur  ein  verkiimmer- 
tes,  zuriickgebliebenes  Dasein  in  den  oben  geschilderten  Tierpflan- 
zen.  In  ihnen  konnen  die  Gewalten  nicht  leben.  Sie  beleben  diese 
Wesen  vielmehr  von  aufien,  indem  sie  ihnen  von  ihrer  Sonne  aus 
das  Licht  zusenden,  das  sie  brauchen.  Wahrend  des  dritten  Mon- 
denkreislaufes  haben  sich  auch  die  Abkommlinge  des  Saturn-Pla- 
netengeistes  zu  einer  Stufe  erhoben,  daft  sie  auf  dem  Monde  kein 
Dasein  mehr  finden  konnen.  Und  entsprechend  verlassen  wahrend 
des  vierten  Kreislaufes  die  Erzengel  den  Mond,  welcher  in  diesem 
seinem  Zeitraum  ebenso  der  Wohnplatz  der  Engel  ist,  wie  spater 
die  Erde  in  ihrem  vierten  Kreislaufe  derjenige  der  Menschen. 

Wie  wahrend  der  Sonnenentwickelung  die  anderen  Planeten  stu- 
fenweise  hervorgetreten  sind,  so  geschieht  dies  mit  ihnen  auch  jetzt 
wahrend  der  Mondentwickelung.  Nur  sind  sie  wieder  um  eine  Stu- 
fe dem  physischen  Dasein  naher,  in  dem  Zeitpunkte,  in  dem  der 
Mond  auf  der  Hohe  seiner  Entwickelung  stent,  das  heifit  von  der 
physischen  Form  seines  vierten  Kreislaufes  an.  Mit  dem  fiinften 
Kreislauf  erlangt  in  der  Mondumgebung  der  Mars,  den  dann  die 
Engel  bewohnen,  eine  feine,  atherisch-physische  Form;  mit  dem 
sechsten  Kreislauf  vollzieht  sich  ein  solches  in  bezug  auf  den  Jupi- 
ter, den  Wohnplatz  der  Erzengel.  Wahrend  des  siebenten  Monden- 
laufes  endlich  geschieht  ein  gleiches  mit  dem  Merkur.  Mars  und 
Jupiter  sind  mittlerweile  noch  dichter  geworden;  der  erstere  hat  da 
eine  Dichtigkeit,  welche  es  ihm  moglich  macht,  durch  die  Be- 
wegungen  seiner  Bestandteile  Warme  zu  entwickeln  und  in  den 
Weltenraum  hinauszustromen. 


Die  Erdenentwickelung  ubernimmt  die  Friichte,  die  auf  dem 
Monde  gereift  sind.  Der  Menschenleib  hat  drei  Stufen  seiner  Ent- 
wickelung hinter  sich.  Auf  der  ersten  ist  er  fahig  gewesen,  wie  ein 
physikalisches  Instrument  jenen  Wesen  als  Wahrnehmungsorgan 
zu  dienen,  welche  schon  auf  der  Sonnenstufe  so  weit  vorgeriickt 
waren,  dafi  sie  eines  jeglichen  solchen  Apparates  entraten  konnten. 


Sie  gehorten  also  bereits  damals  zu  jenen  Wesen,  die  dem  Sonnen- 
planeten  von  aufien  her  als  Schopfer  ihre  Tatigkeit  widmen  konn- 
ten.  Die  Stelle,  die  sie  auf  dem  Saturn  inne  hatten,  nahmen  auf  der 
Sonne  die  Erzengel  ein.  Nicht  im  Sonnenplaneten  hatten  die  Sa- 
turn-Planetengeister  ihre  Leiblichkeit,  sondern  in  den  schopferi- 
schen  Kraften,  von  denen  das  Sonnenleben  unterhalten  worden  ist. 
-  Auf  dem  Monde  waren  dann  die  Erzengel  die  schopferischen 
Machte  geworden.  Ihre  Leiblichkeit  konnten  die  Engel  des  Mon- 
des,  die  damals  helles  Tagesbewufksein  hatten,  bewundern,  wenn 
sie  zu  ihren  Schopfern  aufblickten. 

Diese  drei  planetarischen  Entwickelungsstufen  wurden  nun  zu- 
nachst  in  den  ersten  drei  Erdenkreislaufen  wiederholt.  Der  Men- 
schenleib  sollte  sich  wahrend  derselben  vorbereiten,  in  sich  selbst 
die  Bilder,  die  sich  wahrend  des  Mondenbewulkseins  gebildet  hat- 
ten, zu  Erlebnissen  zu  machen.  Er  mulke  fahig  werden,  in  sich 
nicht  nur  einen  Lebens-  und  Bilderleib  zu  beherbergen,  sondern  in 
seinen  Bildern  die  Umwelt  innerlich  abzuspiegeln.  Er  war  auf  dem 
Monde  so  weit,  dafi  seine  Bilder  die  Engel  betrachten  konnten.  Der 
Mondenleib  des  Menschen  war  die  Umgebung  der  Engel.  Und  sie 
waren  in  der  Betrachtung  des  Mondmenschen  zugleich  selbst  vor- 
geriickt;  sie  hatten  sich  hindurchgerungen,  so  da£  sie  nun  auf  einer 
hoheren  Stufe  das  schaffen  konnten,  was  sie  auf  dem  Monde  wahr- 
genommen  hatten.  Sie  hatten  ja  da  aufier  den  beiden  Reichen,  die 
unter  ihnen  standen,  in  ihrer  Umgebung  noch  die  Wesen  ihres 
Gleichen.  Deren  Natur  konnten  sie,  nachdem  die  Mondentwicke- 
lung  zu  Ende  gegangen  war,  dem  Menschenleibe  einpragen.  Die 
Erdenmenschen  konnten  dann  das  in  ihrer  physischen  Umgebung 
sehen,  wahrend  sie  ihren  Leib  bewohnten,  was  die  Engel  auf  dem 
Monde  nur  schauen  konnten,  wenn  sie  in  eine  hohere  Welt  aufstie- 
gen:  ihresgleichen. 

Aber  nur  stufenweise  konnte  der  Menschenleib  zu  solcher  Fa- 
higkeit  hinaufgelenkt  werden.  Und  das  geschah  eben  wahrend  der 
drei  Erdenkreislaufe.  Im  ersten  konnte  er  sich  so  wahrnehmen,  wie 
er  auf  dem  Saturn,  im  zweiten,  wie  er  auf  der  Sonne,  im  dritten,  wie 
er  auf  dem  Monde  beschaffen  war.  Wahrend  des  ersten  Erdenkreis- 


laufes  waren  die  Nebenmenschen  fiir  ihn  noch  durchaus  wandelnde 
Automaten;  wahrend  des  zweiten  erschienen  sie  ihm  als  pflanzen- 
artige  Wesen;  und  wahrend  des  dritten  mit  Tiercharakter. 

Als  der  vierte  Kreislauf  begann,  war  der  Mensch  fahig  gewor- 
den,  die  Schopfungen  der  Engel,  seinesgleichen,  um  sich  herum 
wahrzunehmen.  Die  Engel  aber  standen  um  drei  Bewulkseinsstu- 
fen  iiber  ihm.  Sie  konnten  schaffen,  was  er  wahrnahm.  -  Der  Men- 
schenleib  erlangte  jetzt  vier  Glieder:  das  physische  [Glied],  welches 
der  Spiegel  der  Umgebung  wurde,  das  lebendige  [Glied],  welches 
die  Wahrnehmungen  der  Umgebung  in  innerliche  Bewegung  um- 
setzen  konnte,  der  Bilderleib,  welcher  die  inneren  Bewegungen 
zum  Charakter  von  Sinnbildern  umzusetzen  vermochte,  und  end- 
lich  den  Leib,  welcher  Trager  des  hellen  Tagesbewufkseins  wurde, 
der  die  innerlichen  Bilder  in  Einklang  bringt  mit  den  Eindriicken 
der  Umgebung  und  damit  den  Zusammenhang  schafft  zwischen 
innerlichem  Erleben  und  den  Vorgangen  der  Umgebung.  -  Aber 
das  helle  Tagesbewufksein  bleibt  beschrankt  auf  die  Aufienwelt  des 
Physischen;  die  Vorgange  des  Lebens  und  die  Bilder  des  Bilder- 
leibes  werden  innerlich  belebt,  aber  nicht  als  Umgebung  wahrge- 
nommen.  Sein  Bilderleib  bleibt  der  Gegenstand  der  nachsthoheren 
Wesensstufe,  der  Engel,  sein  Lebensleib  sogar  derjenige  der  Erz- 
engel.  Alles,  was  im  Menschen  mit  dem  Lebensleib  zusammen- 
hangt,  die  Gesetze  seines  Wachstums  und  der  Fortpflanzung,  steht 
daher  fiir  ihn  selbst  im  Verborgenen;  er  hat  davon  nur  das  Bewulk- 
sein,  das  im  traumlosen  Schlaf  vorhanden  ist.  Fiir  die  Erzengel  aber 
sind  diese  Vorgange  solche  Dinge  der  Auftenwelt  und  ihres  Wir- 
kens,  wie  fiir  den  Menschen  es  seine  Arbeit  an  einer  physischen 
Maschine  gegenwartig  ist.  Und  alles,  was  mit  dem  Bilderbewulk- 
sein  zusammenhangt,  die  fiir  den  Menschen  mehr  geheimnisvollen 
Gesetze,  die  seinem  Antlitz  ein  bestimmtes  Geprage  und  Mienen- 
spiel,  seinem  Gange  und  so  weiter  bestimmte  Formen  geben,  also 
was  sich  in  seinem  Charakter,  Temperament  und  so  weiter  aus- 
driickt,  das  steht  unter  der  Herrschaft  der  Engel.  Nur  das,  was 
er  in  seiner  Umgebung  bewirkt,  das  steht  unter  seiner  eigenen 
Gesetzmafiigkeit. 


Zu  einem  Wesen,  das  man  so  kennzeichnen  kann,  hat  sich  der 
Mensch  in  dem  vierten  Erdenkreislaufe  herangebildet.  -  Die  Engel 
aber,  welche  wahrend  der  Mondenstufe  sich  zum  Bewufitsein  von 
Schopfern  hinaufentwickelt  hatten,  konnten  in  dem  Augenblicke 
auf  der  Erde  fiir  sich  selbst  keine  Statte  mehr  finden,  in  dem  der 
Bilderleib  anfing,  dem  Menschen  selbst  anzugehoren,  das  heifk  von 
dem  Zeitpunkte  an,  in  dem  der  zweite  Kreislauf  seine  Mitte  iiber- 
schritten  hatte.  Da  zogen  sie  sich  zu  einer  hoheren  Gemeinschaft 
mit  neuen  Lebensbedingungen  zuriick;  die  Sonne  trennte  sich  vom 
neuen  von  der  Erde  und  schickte  dieser  fortan  von  aufien  ihre 
Krafte  zu. 

Im  dritten  Erdenkreislaufe  mufken  dann  diejenigen  Menschen- 
leiber,  die  im  zweiten  nicht  so  weit  gekommen  waren,  daft  sie  den 
Bilderleib  durch  die  auf  der  Sonne  versammelten  Krafte  versorgen 
lassen  konnten,  zu  einem  untergeordneten  Dasein  verfallen.  Sie 
sanken  auf  die  tierische  Stufe  von  der  tierisch-menschlichen  herab. 
Woher  konnten  sie  nun  die  Krafte  fur  ihren  Bilderleib  erhalten? 
Fiir  die  Sonnenkrafte  der  vollendeten  Engel  waren  sie  nicht  emp- 
fanglich.  Nun  bleiben  aber  auf  einer  jeden  Stufe  Wesen  in  ihrer 
Entwickelung  zuriick.  Es  waren  bis  zum  dritten  Kreislauf  Engel 
zuriickgeblieben  in  ihrer  Entwickelung,  die  daher  eine  Stelle  auf 
der  Sonne  nicht  finden  konnten.  Sie  konnten  wahrend  der  zweiten 
Halfte  des  dritten  Erdenkreislaufes  noch  nicht  die  Anlage  finden, 
zur  Sonne  aufzusteigen.  Sie  waren  aber  auch  nicht  dazu  beschaffen, 
weiter  auf  die  Bilderleiber  des  sich  vervollkommnenden  Menschen 
zu  wirken.  Sie  hatten  nur  die  Gabe,  auf  solche  Bilderleiber  zu 
wirken,  welche  auf  der  Stufe  des  Mondendaseins  geblieben  waren. 
Daher  zogen  sie  sich  aus  der  Erdenmasse  heraus  als  der  gegenwar- 
tige  Mond.  Dieser  ist  also  ein  Weltenkorper,  welcher  ein  friiheres 
Stiick  der  Erdenentwickelung  in  einem  gleichsam  verharteten  Zu- 
stande  darstellt.  Er  ist  der  Wohnplatz  jener  Wesenheiten,  welche 
nicht  haben  Schopfer  des  vollkommenen  Menschenleibes  werden 
wollen.  Man  findet  deren  Wirksamkeit  in  den  Bilderleibern  der 
Tiere;  sie  richten  aber  ihre  Angriffe  auch  noch  fortwahrend  auf  den 
Bilderleib  des  Menschen,  welcher  ja  das  ihnen  entwachsene  Gebiet 


ist.  Sobald  der  Mensch  nur  ein  wenig  abirrt  von  der  Hingabe  an 
seine  hohere  Natur,  die  ihm  durch  die  Eindriicke  seiner  Sinne  wird, 
sobald  er  den  Machten  verfallt,  die  in  seinem  Bilderleib  wirken, 
gewinnen  diese  Wesen  Einflufi  auf  ihn.  Ihr  Wirken  zeigt  sich  in 
wiisten  Traumen,  in  denen  sich  die  aus  seiner  niederen  Natur  kom- 
menden  tierischen  Begierden  spiegeln. 

Wenn  der  dritte  Erdenkreislauf  iiber  seine  Mitte  hinausgelangt, 
wo  die  Erde  also  zum  dritten  Male  physisch  geworden  ist,  so  sind 
zunachst  fur  die  Form  des  physischen  Menschenleibes,  der  aufiere 
Wahrnehmungen  empfangen  kann,  keine  Daseinsbedingungen  vor- 
handen.  Das  Physische  stirbt  ab.  Die  Folge  davon  ist,  dafi  die 
Unterlassungssiinde  der  zuriickgebliebenen  Engel  nicht  mehr  so 
schmerzlich  empfunden  wird  von  den  zum  Sonnendasein  aufgestie- 
genen  Wesen.  Der  Mond  wird  daher  wieder  dem  Erdenkorper  ein- 
verleibt.  Und  bei  Fortsetzung  des  Kreislaufes,  wenn  die  ganze  Erde 
iiber  das  Bilderdasein  in  eine  hohere  Welt  aufgestiegen  ist,  vereinigt 
sie  sich  auch  wieder  mit  der  Sonne.  Dadurch  erlangen  die  Krafte  im 
Menschenleibe,  welche  im  dritten  Kreislauf  erst  den  bilderbelebten 
Leib  in  ihrer  Umgebung  sehen  konnten,  die  schopferische  Fahig- 
keit.  Sie  konnen  dadurch  in  den  vierten  Kreislauf  eintreten.  Sie  sind 
da  zunachst  noch  in  der  Welt,  die  nur  fur  ein  spirituelles  Bewufit- 
sein  wahrnehmbar  ist,  steigen  aber  stufenweise  zu  immer  tieferen 
Welten  herab.  Endlich  ist  der  Menschenleib  so  weit,  dafi  er  Wahr- 
nehmungsorgane  fur  seinesgleichen  in  einer  feinen  atherischen 
Form  ausbilden  kann.  Der  physische  Leib  erlangt  also  die  Fahig- 
keiten  seiner  Erdenform.  Das  ist  auch  der  Zeitpunkt,  in  dem  die 
Erde  den  vollendeten  Engeln  wieder  kein  Schauplatz  sein  kann;  die 
Sonne  tritt  mit  ihnen  aus  der  Erde  heraus  und  bescheint  diese  von 
aufien.  Immer  weiter  gelangt  der  physische  Leib.  Die  Bilder  des 
Bilderleibes  erlangen  eine  ihnen  vorher  nicht  eigene  Lebhaftigkeit; 
die  Organe  des  physischen  Leibes  geben  ihnen  in  den  Spiegel- 
bildern  der  aufteren  Gegenstande  Nahrung.  Es  ist  der  Zeitpunkt 
gekommen,  wo  die  aufiere  Erdenumgebung  diese  Bilder  den  zu- 
riickgebliebenen Engeln  entreilk.  Diese  miissen  den  Teil  der  Erde, 
der  ihnen  Wohnplatz  sein  kann,  aus  der  Erde  herausziehen.  Der 


Mond  trennt  sich  abermals  von  der  Erde  und  umkreist  sie  als  ihr 
Nebenplanet. 

Wie  weit  ist  in  diesem  Zeitpunkte  der  Menschenleib?  Er  hat 
seine  vierfache  Natur  entwickelt.  Er  ist  so  organisiert,  dafi  er  Tra- 
ger  sein  kann  eines  Ather-  oder  Lebensleibes,  dafi  er  einen  Bilder- 
leib  beherbergen  kann.  Und  aufierdem  lassen  seine  Sinnesorgane 
zu,  dafi  die  Erdenumgebung  sich  in  diesen  Bildern  abspiegelt.  Es 
hat  der  physische  Menschenleib  jetzt  also  eine  ganz  neue  Stufe 
erlangt.  Er  spiegelt  nach  innen,  wie  er  auf  dem  Saturn  nach  aufien 
die  Wesenheit  des  Saturn-Planetengeistes  gespiegelt  hat.  Dadurch 
kann  jetzt  in  ihm  jener  Teil  dieses  Geistes  leben,  der  damals  das 
niedrigste  Glied  desselben  war.  Es  schnurt  sich  dieser  Teil  deshalb 
von  dem  Saturn-Planetengeist  ab;  er  verliert  die  Fahigkeit,  die 
Offenbarungen  der  oberen  Reiche  zu  erhalten  und  wird  Trager  des 
menschlichen  Selbstbewufitseins.  Der  Mensch  lernt  sich  als  «Ich» 
zu  empfinden.  Er  tragt  von  jetzt  ab  die  Natur  in  sich,  welche  auf 
dem  Saturn  der  planetarische  Geist  wie  ein  Umkreis  des  Planeten 
offenbarte. 

So  hat  der  Mensch  die  Stufe  erlangt,  auf  der  sich  in  seinem 
Atherleib  die  Erzengel,  in  seinem  Bilderleib  die  Engel,  in  seinem 
Selbstbewufksein  der  planetarische  Saturngeist  offenbart.  Er  kann 
nun  zu  der  Stufe  aufsteigen,  auf  welcher  der  Saturngeist  in  ihm 
fahig  wird,  zu  dem  Bilderleib  ein  ahnliches  Verhaltnis  zu  haben, 
wie  es  der  Saturngeist  selbst  erlangte,  als  er  allmahlich  dem  eigenen 
planetarischen  Dasein  entwuchs  und  zum  Jupiterbewohner  wurde. 
Da  aber  der  Mensch  doch  Erdenbewohner  bleibt,  so  konnen  solche 
Krafte  nur  von  auEen  auf  ihn  wirken.  Das  heilk,  die  Erde  gelangt 
in  den  Einfluft  der  Jupiterkrafte.  Auf  einer  spateren  Stufe  geschieht 
es  ahnlich  in  bezug  auf  diejenigen  Wesenheiten,  welche  auf  einer 
Stufe  waren,  auf  der  sie  nur  von  aufien,  vom  Mars  aus  auf  den 
Atherleib  wirken.  Der  Erdenmensch  gelangt  unter  den  Einflufi  des 
Mars. 

Als  Sonne,  Erde  und  Mond  noch  einen  Korper  bildeten,  war  auf 
diesem  Planeten  der  Menschenleib  aus  einem  Stoffe  gebildet,  der 
luftartigen  Zustand  hatte.  Aufier  den  Menschenleibern  waren  nur 


vorhanden  mit  einem  Leibe  in  einem  fliissigen  Zustande  die  Nach- 
kommen  der  Menschentiere  des  Mondes.  Den  festen  Zustand  hat- 
ten  erreicht  die  Sproftlinge  derjenigen  Mond  wesen,  welche  dort  als 
Pflanzenmineralien  lebten.  Aufier  den  fliissigen  Menschentieren 
aber  gab  es  noch  tierpflanzenartige  Wesen  in  diesem  [Zeitpunkt], 
die  aus  den  Pflanzentieren  des  Mondes  entstanden  waren.  Wahrend 
aber  die  ersteren  ein  mehr  wasseriges  Aussehen  hatten,  bestanden 
die  tierpflanzenahnlichen  Wesen  aus  einer  dichten,  breiartigen 
Masse,  die,  wenn  sie  derb  wurde,  dem  Stoffe  naherte,  der  gegen- 
wartig  die  Pilze  bildet. 

Als  nun  die  Sonne  ihre  Materie  aus  der  Erde  herauszog,  so  daft 
die  letztere  nur  noch  die  Mondmasse  in  sich  hatte,  da  anderten  sich 
alle  Verhaltnisse  auf  dem  Planeten.  Der  Stoff  der  Menschenleiber 
verdichtete  sich  zu  einer  fliissigen  Substanz,  welche  sich  dem  heu- 
tigen  Blute  vergleichen  lafit.  Die  vorher  fliissigen  Wesen  nahmen 
eine  feste  Form  an,  und  die  festen  Pflanzenmineralien  erhielten  eine 
ganz  dichte  Stofflichkeit.  Vor  dem  Auszug  der  Sonne  war  das 
Leben  des  Menschenleibes  im  wesentlichen  eine  Art  Atmung,  ein 
Aufnehmen  und  Abgeben  von  luftartigem  Stoff.  Nach  demselben 
bildete  sich  eine  Weise  der  Ernahrung  aus  der  fliissigen  Umwelt 
heraus.  Und  mit  dieser  Ernahrung  war  auch  die  Fortpflanzung 
verbunden.  Der  zahfliissige  Menschenleib  wurde  aus  dem  Fort- 
pflanzungsstoff  seiner  Umgebung  befruchtet  und  spaltete  sich  un- 
ter  solchem  befruchtenden  Einflusse.  Seine  Entwickelung,  wahrend 
noch  die  Mondensubstanz  innerhalb  der  Erde  war,  ging  so  vor 
sich,  dafi  er  innerhalb  seiner  fliissigen  Masse  halbfeste  Teile  ausbil- 
dete,  die  sich  bis  zur  Knorpelhaftigkeit  verdichteten.  Feste  kno- 
chenartige  Gliedeinlagerungen  konnte  er  in  dieser  Zeit  noch  nicht 
bilden,  denn  dazu  war  die  Erdmasse  nicht  geeignet,  solange  sie  den 
Mond  in  sich  enthielt.  Erst  mit  dem  Auszug  des  Mondes,  als  die 
derbste  Stofflichkeit  entfernt  war,  entstand  im  Menschenleibe  eine 
feste  Geriistanlage.  Und  dies  war  auch  die  Zeit,  in  welcher  die 
Moglichkeit  aufhorte,  die  Befruchtungsstoffe  aus  der  Umgebung 
zu  nehmen.  Mit  der  Mondenmasse  ging  auch  den  Erdensubstanzen 
die  Fahigkeit  verloren,  auf  den  Menschenleib  befruchtend  zu  wir- 


ken.  In  der  Zeit  vorher  gab  es  nicht  zwei  Geschlechter  des  Men- 
schenleibes.  Der  Mensch  war  ein  Wesen  weiblicher  Natur,  zu  dem 
die  mannliche  Wesenheit  in  der  Erdenumwelt  selbst  war.  Die  ganze 
Monderde  hatte  einen  mannlichen  Charakter. 

Mit  dem  Auszug  des  Mondes  verwandelte  sich  ein  Teil  der 
Menschenleiber  in  solche  mit  mannlichem  Charakter.  Er  nahm  also 
die  befruchtenden  Krafte  in  sich  auf,  die  vorher  gleichsam  in  dem 
Safte  der  Erde  selbst  enthalten  waren.  Die  weibliche  Natur  des 
Menschenleibes  erfuhr  eine  solche  Umbildung,  dafi  sie  von  dem 
entstandenen  Mannlichen  befruchtet  werden  konnte.  -  Dies  alles 
geschah  dadurch,  daft  eine  Art  doppelgeschlechtiger  Menschenleib 
in  einen  eingeschlechtigen  uberging.  Der  friihere  Menschenleib 
befruchtete  mit  aufgenommenen  Stoffen  sich  selbst.  Nun  erhielt  die 
eine  Form  des  Menschenleibes,  die  weibliche,  nur  die  Kraft,  das 
Befruchtete  auszureifen.  Dies  geschah  so,  dafi  in  ihr  die  mannliche 
Kraft  die  Fahigkeit  der  Zubereitung  des  Fruchtstoffes  verlor.  Es 
bleibt  diese  Kraft  nur  dem  Ather-  oder  Lebensleib,  welcher  die 
Reifung  zu  bewirken  hat.  Der  mannlichen  Form  des  Menschen- 
leibes ging  die  Moglichkeit  verloren,  mit  dem  Fruchtstoff  in  sich 
etwas  anzufangen.  Das  Weibliche  blieb  in  ihr  auf  den  Atherleib 
beschrankt.  So  kommt  es,  daft  in  dem  gegenwartigen  Menschen  die 
Sache  so  steht,  dafi  im  Manne  der  Atherleib  weiblich,  in  der  Frau 
aber  mannlich  ist.  -  Die  Erwerbung  dieser  Fahigkeiten  fallt  zeitlich 
mit  der  Ausbildung  eines  festen  Knochengeriistes  zusammen. 

Nun  ging  dem  aber  noch  ein  anderer  wichtiger  Vorgang  voraus. 
Als  der  Menschenleib  uberging  von  der  luftformigen  in  die  fliissige 
Stofflichkeit,  entstand  zugleich  die  Anlage,  um  die  luftformige 
Materie  in  einem  besonderen  Organ  aufzunehmen.  Die  abgeson- 
derte  Atmung  nahm  damit  den  Anfang.  Man  mull  sich  nur  klar- 
machen,  dafi  in  dieser  Zeit  die  Erde  noch  nicht  einen  abgesonderten 
Luftkreis  fur  sich  hatte.  Die  Stoffe,  die  spater  sich  als  fliissige  und 
feste  aus  der  gemeinsamen  Masse  herausgliederten,  waren  damals 
noch  selbst  luftartig,  waren  eingeschlossen  in  der  Luft.  Und  als 
dann  die  Verfliissigung  begann,  lebte  der  Menschenleib  ja  nicht  auf 
einem  festen  Grunde,  sondern  im  fliissigen  Elemente.  Eine  Art 


schwimmendes  Schweben  war  seine  Fortbewegung.  Und  die  iiber 
dem  fliissigen  Elemente  befindliche  Luft  war  wesentlich  dichter  als 
die  spatere.  Sie  enthielt  nicht  nur  noch  alles  spatere  Wasser,  son- 
dern  viele  andere  Substanzen  in  Auflosung.  Dem  entsprechend  war 
der  ganze  Atmungsapparat  des  Menschenleibes  ein  anderer. 

Vor  dem  Auszug  der  Sonne  hatte  der  ganze  Atmungsvorgang 
noch  einen  andern  Sinn  als  in  der  Folgezeit.  Er  bestand  in  einem 
Aufnehmen  und  Abgeben  von  Warme  aus  der  Umgebung  und  in 
dieselbe.  Man  kann  sagen,  daft  die  Warme,  welche  der  Mensch 
heute  in  sich  durch  seinen  Blutkreislauf  bereitet,  vom  ihm  damals 
aus  der  Umgebung  ein-  und  ausgeatmet  wurde.  Erst  nach  dem 
Sonnenauszug  gestaltete  sich  der  Prozefi  so  um,  daft  die  Luft  erst, 
nachdem  sie  aufgenommen  ist,  durch  ihre  Wirkung  im  Leibe  die 
Warme  erzeugt.  -  So  war  mit  der  Luftatmung  in  der  gegenwartigen 
Form  der  Menschenleib  zu  einem  Warmeerzeuger  in  seinem  Innern 
geworden. 

Dieser  Umschwung  im  Menschenleibe  hangt  mit  einem  kos- 
mischen  Ereignisse  zusammen,  das  in  der  Geheimwissenschaft  das 
Zuriickziehen  des  Mars  von  der  Erde  genannt  wird.  Der  Mars  ist 
derjenige  Planet,  welcher  durch  die  ihm  innewohnenden  Krafte  im 
Menschenleibe  vor  diesem  Zuriickziehen  das  bewirkte,  was  der 
Blutkreislauf  nachher  in  dem  Menschenleibe  selbst  ubernahm.  In- 
dem  so  das  Blut  auf  der  Erde  die  Tatigkeit  des  Mars  ubernahm, 
konnten  die  geistigen  Wesen  sich  aus  der  Erde  herausheben,  so  dafi 
dann  der  Einflufi  des  Mars  auf  den  Menschen  ein  solcher  wurde, 
der  von  aufien  her  wirkte.  Physisch  kam  das  dadurch  zustande,  daft 
das  Eisen  ein  wichtiger  Bestandteil  des  Blutes  wurde;  und  Eisen  ist 
der  Stoff,  auf  welchen  die  Marskrafte  eine  besondere  Wirkung 
haben.  So  hangt  die  gegenwartige  Form  der  Atmung  mit  diesem 
Zuriickziehen  des  Mars  zusammen.  Der  Mensch  aber  erhielt  da- 
durch alles,  was  man  die  innere  Kraft  seines  Blutes  nennen  kann. 
Die  Beseelung  war  damit  gegeben.  In  der  Tat  hauchte  der  Mensch 
mit  der  Luftatmung  seine  lebendige  Seele  ein. 

So  lange  die  Erde  mit  der  Sonne  im  Zusammenhange  war,  war 
die  Sonnenkraft  dasjenige,  was  die  andern  Wirkungen  im  Men- 


schenleibe  regelte.  In  der  Sonnenkraft  war  das  enthalten,  was  im 
Menschenleibe  als  Mannliches  und  Weibliches  zugleich  wirkte. 
Und  unter  ihrem  Einflufi  bekam  auch  die  Aufnahme  und  Abgabe 
der  Warme,  die  vom  Mars  ausging,  Gesetz  und  Ordnung.  Als  nun 
die  Sonne  ausgezogen  war,  fingen  gewisse  Menschenleiber  an,  sich 
so  umzubilden,  dafi  sie  unfruchtbar  wurden.  Das  waren  die  Vor- 
laufer  der  spateren  mannlichen  Naturen.  So  lange  nun  die  Monden- 
krafte  noch  mit  der  Erde  verkniipft  waren,  behielt  der  andere  Teil 
die  Fahigkeit  der  Selbstbefruchtung.  Durch  den  Mondauszug  ver- 
lor  er  sie.  Von  jetzt  ab  wirkte  die  Sonne,  und  zwar  [wirkten]  die- 
jenigen  Wesen,  welche  sie  nunmehr  bewohnten,  die  Engel,  auf  die 
Fortpflanzungsfahigkeit.  Der  mannliche  Atherleib  kam  unter  den 
Einflufi  dieser  Sonnenwesen.  Der  weibliche  Atherleib,  der  mann- 
lich  ist,  behielt  sein  Verhaltnis  zu  denjenigen  Wesen,  deren  Schau- 
platz  der  Mond  geworden  war.  Dem  entsprechend  kam  der  phy- 
sische  Leib  der  Frau  unter  den  Einflufi  der  Sonnenkrafte.  Er  hatte 
ja  die  ihm  jetzt  entsprechende  Form  ausgebildet,  als  die  Sonne 
schon  von  aufien  die  Erde  beschien.  Der  mannliche  physische 
Korper  kam  dagegen  unter  Mondeinflufi,  weil  er  unter  dem  Ein- 
flufi  des  noch  mit  der  Erde  vereinten  Planeten  seine  in  bezug  auf 
die  Fortpflanzung  unfruchtbare  Form  angenommen  hat.  Neben 
alien  diesen  Vorgangen  lauft  die  Ausbildung  der  Sinne  gleichzeitig, 
welche  die  Bilderwelt  des  Empfindungsleibes  unter  den  Einflufi  der 
Erdenumgebung  bringen  und  damit  den  Menschen  unter  den  Ein- 
flufi  der  Abkommlinge  des  Saturn-Planetenleibes.  Weiter  wird  die 
pulsierende  Gewalt  des  Blutes  im  Innern  entwickelt,  wodurch 
sich  die  Beseelung  bildet  und  sich  mit  den  Sinneswahrnehmungen 
ein  inneres  Leben,  Sympathie  und  Antipathie  mit  der  Umgebung 
bilden  kann. 

Auf  der  dadurch  gekennzeichneten  Stufe  ist  der  Mensch  an- 
gelangt,  als  die  Erde  als  selbstandiger  physischer  Planet  in  ihrem 
vierten  Kreislaufe  herausgetreten  [war]  und  sich  von  Sonne,  Mond 
und  Mars  losgelost  hatte. 

Der  Mensch  hatte  also  damals  die  Trennung  in  zwei  Geschlech- 
ter  vollzogen.  Er  blickte  durch  seine  Sinne  in  die  Umgebung.  Er 


empfand  Neigung  und  Abneigung  gegenuber  dieser  Umgebung. 
Und  er  war  dadurch,  daft  er  sich  von  dieser  Umgebung  unter- 
schied,  mit  dem  beginnenden  Selbstgefuhl  ausgestattet.  Der  Men- 
schenleib  war  ein  viergliedriges  Wesen  geworden.  Und  innerhalb 
des  vierten  Gliedes  war  durch  das  Blut,  das  den  Marskraften  den 
Zugang  gewahrte,  Seeleninnerlicheit  entstanden. 

Der  Mensch  hatte  also  alles  in  sich  ausgebildet,  was  er  haben 
konnte  als  Frucht  der  drei  ersten  planetarischen  Entwickelungs- 
stufen.  Und  er  hatte  ein  viertes  Glied  seines  Leibes,  das  entstanden 
war,  weil  andere  Einfliisse,  welche  mit  dessen  Entwickelung  nichts 
zu  tun  haben  konnten,  sich  von  der  Erde  zurtickgezogen  hatten. 

Man  nennt  in  der  Geheimwissenschaft  diese  Menschheit  die 
dritte  Haupt-Erdenrasse.  Eigentlich  kann  man  von  Rassenbildung 
erst  von  diesem  Zeitpunkte  an  reden.  Denn  jetzt  erst  gab  es  eine 
menschliche  Fortpflanzung  und  damit  Unterschiede  innerhalb  der 
Menschheit,  welche  durch  das  Aufeinanderwirken  von  Menschen 
selbst  hervorgebracht  werden.  Es  trat  dasjenige  auf,  was  Ver- 
erbung,  Verwandtschaft  genannt  werden  kann.  Nun  hatte  aber  die 
Erde,  die  vierte  planetarische  Form  der  Entwickelung,  noch  keinen 
Einfluft.  Die  Wahrnehmungen  der  Umgebung  hatten  sich  erst  der 
Bilder  des  Empfindungsleibes  bemachtigt.  Der  Atherleib  stand 
noch  nicht  unter  dem  Einflusse  der  Erdenumgebung.  Der  vierte 
Planet  hatte  noch  keinen  Einflufi  auf  die  Vererbungsverhaltnisse. 
Erst  die  drei  ersten  [planetarischen  Formen].  Deshalb  bezeichnet 
man  die  Rasse,  bei  der  dies  der  Fall  war,  als  die  dritte. 

Ihr  folgte  die  vierte,  innerhalb  welcher  die  Erdenumgebung 
selbst  auf  den  Atherleib  eine  Wirkung  bekam.  Das  konnte  nur 
geschehen,  wenn  Wesen  auf  den  Menschen  Einfluft  erhielten,  wel- 
che in  ihrer  Entwickelung  auf  einer  solchen  Stufe  standen,  dafi 
ihnen  die  schopferische  Fahigkeit  fehlte,  auf  den  Atherleib  im 
Sinne  der  Befruchtung  zu  wirken,  die  aber  doch  dariiber  hinaus 
waren,  um  so  wie  der  Mensch  selbst  nur  Wahrnehmungseindnicke 
aus  der  physischen  Umgebung  zu  erhalten.  Solche  Wesen  waren 
diejenigen,  welche  auf  dem  Monde,  also  wahrend  der  vorhergehen- 
den  Verkorperung  der  Erde,  nicht  bis  zu  schopferischen  Wesen 


aufgestiegen  waren,  welche  die  Sonne  bevolkern  konnen,  die  aber 
doch  iiber  die  Stufe  hinausgelangt  waren,  auf  der  man  blo£  ein 
Innenleben  durch  die  Bilder  des  Menschenleibes  fuhren  kann.  Sie 
haben  innerhalb  der  Erdenentwickelung  die  Fahigkeit,  schon  durch 
die  Sinne  des  Menschen  wahrzunehmen,  aber  nicht  auch  die,  diese 
Sinne  zu  schaffen.  Diese  Wesen  konnen  dem  Menschen  da  ... 


[Das  Manuskript  bricht  hier  ab.] 


Die  Entwicklung  der  Erde 
Beilage  zum  Brief  an  Marie  von  Sivers  vom  6./7.  Januar  1906 


Die  Erde  ist  der  vierte  der  sieben  Planeten,  auf  denen  der  Mensch 
aufeinanderfolgend  seine  sieben  Bewulkseinszustande  entwickelt. 
Es  ist  gezeigt  worden,  daft  der  Mond  der  Schauplatz  zur  Entfaltung 
des  Bilderbewufkseins  ist.  Ein  «Bild»  ist  nur  ahnlich,  nicht  gleich 
seinem  Gegenstande.  Das  Bewufksein  aber,  das  auf  der  Erde  aus- 
gebildet  wird,  erzeugt  Vorstellungen,  die  in  einer  gewissen  Bezie- 
hung  «gleich»  sind  dem  Gegenstande,  zu  dem  sie  gehoren.  Deshalb 
wird  das  Erdenbewufksein  auch  das  «Gegenstandsbewufksein»  ge- 
nannt.  Doch  entwickelt  sich  dieses  Gegenstandsbewufitsein  erst 
wahrend  des  vierten  kleineren  Erdenkreislaufes  (Runde).  Wahrend 
der  drei  ersten  werden  die  fruher  auf  Saturn,  Sonne  und  Mond 
durchgemachten  Zustande  kurz  wiederholt.  Doch  mufi  auch  hier 
wieder  gesagt  werden,  dafi  man  es  nicht  mit  einer  blofien  Wieder- 
holung  zu  tun  hat,  sondern  es  gestalten  sich  wahrend  dieser  Wieder- 
holung  der  physische  Korper,  der  Ather-  und  der  Astralleib  so  um, 
dafi  sie  Trager  des  «Ich»  werden  konnen,  von  dessen  Entwickelung 
in  der  vierten  Runde  ja  das  Gegenstandsbewufksein  abhangt. 

Wenn  also  nach  der  dritten  Wiederholungsrunde  der  Erde 
wieder  eine  Art  Schlafzustand  durchgemacht  ist  -  zwischen  dem 
sogenannten  archetypischen  und  dem  arupischen  Globus  -  dann 
tritt,  beim  Beginn  der  vierten  Runde  alles  das  -  zunachst  arupisch 
-  hervor,  was  als  Ergebnis  der  Saturn-,  Sonnen-  und  Mondentwik- 
kelung  zu  betrachten  ist.  Man  hat  es  also  da  zu  tun  mit  den  Nach- 
kommlingen  der  drei  Mondenreiche:  dem  Mineralreich,  das  noch 
in  gewissem  Sinne  pflanzlich  ist,  mit  dem  Pflanzenreiche,  das  etwas 
wie  tierisches  Leben  hat,  und  mit  einem  Tierreiche,  das  hoher  steht 
als  das  gegenwartige  Tierreich.  Diese  drei  Reiche  bilden  zusammen 
den  von  Neuem  aus  dem  Dammerzustand  hervortretenden  Plane- 
ten:  die  Erde.  Doch  ist  festzuhalten,  dafi  in  dieser  Erde  noch  die 
ehemalige  Sonne  und  der  ehemalige  Mond  mitenthalten  sind.  Wah- 
rend die  Mondmanvantara  zu  Ende  ging,  haben  sich  ja  Sonne  und 


Mond  wieder  vereinigt  und  sind  als  ein  Korper  ins  Pralaya  hin- 
iibergegangen.  Sie  treten  dann  auch  hier  wieder  als  ein  Korper 
heraus,  obwohl  sich  schon  in  der  dritten  Erdenrunde  die  Tendenz 
zur  Spaltung  deutlich  gezeigt  hat.  Nun  macht  die  Erde  -  wahrend 
der  vierten  Runde  -  den  Rupa-  und  Astral-Zustand  durch,  und 
schickt  sich  dann  an,  wieder  physisch  zu  werden. 

Die  Herausbildung  dieses  physischen  Zustandes  bei  den  drei  ge- 
nannten  Reichen  obliegt  den  «Geistern  der  Form».  Sie  bilden  na- 
mentlich  bei  dem  hochsten  Reiche,  dem  Tier-Menschenreiche  die 
fruheren  «Sinneskeime»  zu  wirklich  geformten  Sinnesorganenum.  In 
alien  fruheren  physischen  Zustanden,  welche  der  Mensch  durchge- 
macht  hat,  hatten  die  Sinnesorgane  noch  nicht  die  festgefugte  Form. 

Nun  horen  diese  Organe  dadurch,  daft  sie  eine  feste  Form  erhal- 
ten,  auf,  aktiv  zu  sein;  sie  verlieren  ihre  Produktivitat,  sie  werden 
rein  passiv,  geeignet  zum  bloften  Wahrnehmen  des  von  auften  als 
Gegenstande  Dargebotenen.  Die  Produktionskraft  zieht  sich  also 
von  den  Sinnesorganen  zurtick;  sie  geht  mehr  nach  innen;  sie  bildet 
das  Verstandesorgan.  -  Dieses  Organ  kann  aber  nicht  gebildet 
werden,  ohne  daft  wieder  ein  Hinabstoften  eines  gewissen  Teiles 
der  menschlichen  Genossen  auf  eine  tiefere  Stufe  stattfindet.  Jetzt 
aber  stoftt  der  Mensch  einen  Teil  seines  Wesens  selbst  in  eine  un- 
tergeordnete  Region  hinab.  Er  sondert  einen  Teil  seines  Wesens  als 
die  eigene  niedere  Natur  ab.  Und  diese  niedere  Natur  behalt  die 
Produktionskraft,  welche  die  Sinnesorgane  haben  abgeben  miissen. 
Diese  in  eine  niedrigere  Sphare  hinabgestoftene  Produktionskraft 
wird  zur  geschlechtlichen  Hervorbringungskraft,  wie  sie  auf  der 
Erde  auftritt.  Die  «Geister  der  Form»  wiirden  alle  Hervorbrin- 
gungskraft und  damit  alles  Leben  erstarren  machen,  zur  bloften 
Form  erharten,  wenn  sie  nicht  diese  Kraft  auf  einen  Teil  des  Men- 
schenwesens  konzentrierten.  Daher  bewirken  die  Geister  der  Form 
die  Geschlechtsbildung.  Ohne  diese  miiftten  statt  lebender  Men- 
schen  Statuen  entstehen. 

Nun  ist  der  ganze  Vorgang  mit  einer  volligen  Umbildung  der 
Erde  verkniipft.  Es  entstehen  solche  Verhaltnisse,  daft  die  geschil- 
derten  Wesen  leben  konnen.  Das  wird  moglich  dadurch,  daft  die 


Erde  -  jetzt  noch  mit  dem  Monde  vereint  -  aus  dem  sich  abspaltet, 
was  als  Sonne  zuriickbleibt.  Dadurch  tritt  die  Sonne  eben  als  selb- 
standiger  Korper  der  Erde  entgegen.  Das  ist  die  aufiere  physische 
Bedingung  fur  das  Entstehen  der  aufieren  Wahrnehmung,  des  Ge- 
genstandsbewufkseins,  und  fur  die  Herausbildung  der  geschlecht- 
lichen  Anlagen.  Doch  hat  man  es  zu  dieser  Zeit  noch  durchaus  mit 
einer  Doppelgeschlechtigkeit  zu  tun.  Das  ruhrt  davon  her,  daft  die 
Mondenkrafte  noch  alle  in  der  Erde  darinnen  stecken.  Nur  ist 
wahrend  dieser  Zeit  das  Verstandesorgan,  obwohl  vorhanden,  noch 
ganz  untatig.  Es  wird  erst  seine  Aktivitat  entfalten  konnen,  wenn 
die  Geschlechts-Produktionskraft  sich  um  die  Halite  vermindert 
hat,  so  dafi  ein  jedes  Wesen  nur  die  Halfte  der  friiheren  Produkti- 
onskraft  sein  eigen  nennt.  Damit  ist  dann  die  Zweigeschlechtigkeit 
gegeben.  Aufterlich  wird  das  bewirkt  durch  das  Heraustreten  der- 
jenigen  Krafte  aus  der  Erde,  welche  diese  dann  als  der  gegenwartige 
Mond  umkreisen.  Ware  nun  diese  Abtrennung  nicht  erfolgt,  dann 
hatte  die  ganze  Erde  zu  einer  starren  Masse,  zur  blofien  Form 
werden  mussen.  So  aber  hat  sich  nur  das  aus  ihr  entfernt,  was 
unbedingt  fest  werden  mufke,  und  dies  ist  eben  Mond  geworden, 
auf  dem  eben  das  menschliche  Leben  nicht  sich  entfalten  konnte. 
So  hat  sich,  aus  der  gemeinsamen  planetarischen  Materie  heraus, 
die  Erde  das  gerettet,  was  produktiv  sein  konnte,  wenn  auch  nur 
auf  dem  niederen  Gebiete  des  geschlechtlichen  Lebens.  Der  Re- 
prasentant  der  «Geister  der  Form»  ist  Jehova.  Er  bewirkt  somit 
die  Formung  der  Sinnesorgane;  aber  er  bewirkte  auch,  wenn  er  nun 
mehr  allein  wirksam  ware,  die  vollstandige  Erstarrung  in  der 
blofien  Form. 

Nun  werden  fiir  den  weiteren  Fortgang  zwei  Ereignisse  bedeut- 
sam.  Das  Eine  ist  die  Entstehung  der  beiden  Geschlechter  aus  dem 
oben  angegebenen  Grunde.  Die  Form  des  Geschlechtlichen  riihrt 
von  den  Formgeistern  her.  Aber  damit  ist  nicht  auch  schon  der  Zug 
der  beiden  Geschlechter  fiireinander,  die  Neigung  derselben  zuein- 
ander  gegeben.  Diese  kommt  davon,  dafi  sich  in  dem  Leben  der 
beiden  Geschlechter  besondere  Wesen  verkorpern,  welche  von 
einem  fremden  Schauplatze  herabsteigen:  von  der  Venus.  Durch  sie 


wird  jetzt  die  Liebe  in  ihrer  untergeordnetsten  Form,  als  Neigung 
der  Geschlechter  [zueinander],  der  Erde  einverleibt.  Diese  Liebe  ist 
dazu  berufen,  sich  immer  mehr  zu  veredeln,  und  spater  die  hoch- 
sten  Formen  anzunehmen. 

So  wie  nun  die  Venuswesen  das  Element  [der  Neigung]  der  ge- 
trennten  Geschlechter  [zueinander]  abgeben,  so  bewirken  sie  and- 
rerseits  auch,  daft  der  Verstand  fruchtbar  werden  kann.  Er  erhalt 
die  Halfte  der  an  der  Geschlechtskraft  ersparten  Produktionsfahig- 
keit.  Aus  diesem  Grunde  konnen  sich  jetzt  die  Monaden  -  zu- 
nachst  ihr  Manasteil  -,  die  sich,  wie  gezeigt,  wahrend  Saturn-,  Son- 
ne- und  Mond-Zyklus  gebildet  haben,  in  das  Verstandesorgan  her- 
absenken.  Doch  ware  das  Wirken  der  Monaden  kalt  und  trocken 
geblieben,  wenn  nicht  der  Astralleib  einen  solchen  Einschlag  erhal- 
ten  hatte,  daft  der  Mensch  die  Tatigkeit  seines  Verstandes  mit  einer 
gewissen  hoheren  Leidenschaftlichkeit  betriebe.  Dieser  Einschlag 
kam  dem  Menschen  vom  Mars  her.  Und  diejenigen,  welche  ihn 
vermittelten,  sind  die  luziferischen  Wesenheiten,  welche  auf  dem 
Monde  zwar  iiber  die  Stufe  des  spateren  Erd-Menschendaseins  hin- 
ausgekommen  sind,  es  aber  doch  nicht  so  weit  gebracht  haben,  daft 
sie  wie  die  Lunar-Pitris  ihre  Mondentwickelung  mit  dem  Mond- 
manvantara  hatten  abschliefien  konnen.  Sie  bringen,  als  Eingeweih- 
te,  jetzt  die  Mars-Astralkrafte  in  den  Astralleib  des  Menschen  und 
fachen  damit  in  diesem  die  Leidenschaft  fur  die  Betatigung  des 
Intellektes  an.  Damit  beleben  sie  die  Erkenntnis  des  Menschen;  sie 
fachen  ihn  zur  Selbstandigkeit  an.  Das  ist  die  Hilfe  in  der  Fortent- 
wickelung  des  Menschen,  welche  durch  das  luziferische  Prinzip 
geleistet  wird.  Allerdings  verbanden  sie  mit  der  Erkenntnis  auch 
den  Eigennutz.  Denn  sie  entfachen  ja  das  Denken  durch  die  Lei- 
denschaft, und  diese  bewirkt  den  Eigennutz.  Aber  nur  dadurch  ist 
es  moglich  geworden,  daft  der  Mensch  die  Erde  seinen  Zwecken 
dienstbar  gemacht  hat,  sie  in  seinen  Nutzen  genommen  hat.  Jehova 
hatte  bloft  die  Form  des  Verstandesorgans  gegeben,  und  die  Geister 
von  der  Venus  hatten  blofi  in  diesem  einen  leidenschaftslosen  Sinn 
erweckt;  denn  was  von  ihnen  nach  dieser  Richtung  gegeben  werden 
konnte,  ist  ja  an  die  Fortpflanzungskraft  abgeliefert  worden. 


Das  Wesen  des  Christus  als  der 
umgekehrte  makrokosmische  Mensch 

Aus  einem  Brief  an  Marie  von  Sivers 
vom  13.  Januar  1906 


Man  hat  sich  das  «Wesen»  Christus  als  den  umgekehrten  makro- 
kosmischen  Menschen  vorzustellen,  der  aber  gleich  ist  dem  zweiten 
Aspekt  der  Gottheit,  oder  des  Logos.  -  Denke  Dir  den  Augenblick, 
bevor  die  sogenannte  «Monade»  (die  Gesamtheit  der  Monaden) 
herabsteigt,  um  in  die  bis  dahin  praparierten  Tiermenschenkorper 
sich  zu  inkarnieren.  Das  Tierreich  bis  dahin,  soweit  es  entstanden 
war,  also  mit  Ausnahme  der  Saugetiere,  hatte  physisch  ausgebreitet 
alles,  was  fur  den  niederen  Menschen  in  ein  Wesen  zusammenge- 
zogen  werden  mufke.  In  diesen  lemurischen  Tiermenschen  steigt 
die  Monadenwelt  herab,  indem  sich  Manas  von  Budhi  zunachst 
abtrennt.  In  dem  lemurischen  Menschen  ist  so  inkarniert  Manas, 
das  sich  mit  Kama  zu  Kama-Manas  vereinigt,  und  Budhi-Atma 
bleibt  nur  als  Anlage  mit  Manas  noch  verkniipft.  Christus  ist  nun 
diejenige  Wesenheit,  welche  die  «Budhi»  zunachst  als  ersten  Fun- 
ken  erweckt.  Dazu  ist  notwendig,  dafi  das  Christuswesen  Besitz 
ergreift  von  einem  Chela  im  dritten  Grade  (Jesus).  So  also  haben 
wir  das  Christusereignis  auf  Erden  anzusehen,  als  die  Umkehrung 
des  Prozesses  innerhalb  der  Monadenwelt,  von  dem,  was  sich  bei 
«Adam»  vollzogen  hat.  Paulus  spricht  das  ja  ganz  deutlich  aus, 
wenn  er  den  «Christus»  den  «umgekehrten  Adam»  nennt.  Der 
auEere  historische  Vorgang  ist  nur  das  tatsachliche  Symbol  fur  den 
inneren  geistigen  Vorgang. 

Man  hat  also  die  Sache  sich  etwa  nach  dem  folgenden  Schema  zu 
versinnlichen: 


Die  Namen  der  Wochentage 
und  die  Evolution  des  Menschen 

Beilage  zu  einem  Brief  an  Marie  von  Sivers 
vom  25.  November  1905 


In  der  Reihenfolge  der  Wochentage  kommt  die  Evolution  unseres 
Planetensystems  zum  Ausdrucke.  Man  mufi  sich  dabei  nur  ganz 
klar  sein,  dafi  esoterisch  die  Erde  durch  die  beiden  Planeten  Mars 
und  Merkur  zu  ersetzen  ist.  Es  steht  namlich  die  erste  Halfte  der 
Erdentwickelung,  vom  Anfang  bis  zur  Mitte  des  atlantischen  Zeit- 
alters  (1.  2.  3.  und  halbe  4.  Rasse)  mit  dem  Mars,  die  zweite  Halfte 
(halbe  4.  5.  6.  7.  Rasse)  mit  dem  Merkur  in  einem  esoterischen 
Verhaltnis.  Als  die  Wesen,  die  sich  auf  dem  Monde  entwickelt 
hatten,  aus  dem  Praiayadunkel  (1.  Runde  der  Erde)  auftauchten, 
war  vom  Menschen  folgendes  in  der  Anlage  entwickelt:  1.  Der 
physische  Leib  (vom  Saturn  her).  2.  Der  Ather-Doppelleib  (von 
der  Sonne  her).  3.  Der  Empfindungsleib  (vom  Monde  her).  Nach 
allem,  was  vom  Monde  her  veranlagt  war,  konnte  sich  nun  -  ohne 
aufteren  EinflufS  -  in  der  ersten  Erdenhalfte  (1.  2.  3.  Runde)  die 
Empfindungsseele  hinzuentwickeln,  die  selbst  mit  dem  Empfin- 
dungsleib verschmilzt.  Der  Mensch  war  also,  vermoge  der  in  der 
geraden  Evolutionslinie  liegenden  Tendenz  veranlagt  als  ein  Wesen 
zu  erstarren,  das  nach  folgendem  Schema  aufgebaut  gewesen  ware: 


Sollte  nun  der  Mensch  sich  weiter  entwickeln,  dann  brauchte  er 
einen  neuen  Einschlag.  Es  mulken  auf  die  Erde  wahrend  der  ersten 
Halfte  ihrer  Evolution  Krafte  gepflanzt  werden,  welche  von  den 
drei  vorhergehenden  Weltkorpern  noch  nicht  da  waren.  Die  leiten- 


den  Wesen  der  Erdentwickelung  entnahraen  solche  Krafte  wahrend 
der  ersten  Halfte  dieser  Entwickelung  vom  Mars;  sie  nehmen  sie 
wahrend  der  zweiten  vom  Merkur.  Durch  die  Marskrafte  erfahrt 
die  Empfindungsseele  (Astralkorper)  eine  Auffrischung.  Sie  wird 
zu  dem,  was  in  meiner  «Theosophie»  Verstandesseele  genannt 
wird.  Durch  die  vom  Merkur  geholten  Krafte  wird  diese  Verstan- 
desseele wieder  so  aufgefrischt,  daft  sie  bei  ihrer  eigenen  Evoluti- 
onsstufe  nicht  stehenbleibt,  sondern  sich  zur  Bewufttseinsseele  auf- 
schlieftt.  Und  innerhalb  der  Bewufttseinsseele  wird  das  «Geist- 
selbst»  (Manas)  geboren.  Dieses  wird  auf  dem  Jupiter  das  den 
Menschen  beherrschende  Prinzip  sein.  In  gleicher  Art  wird  das  mit 
dem  Lebensgeist  (Budhi)  auf  der  Venus  und  mit  Atma  auf  dem 
Vulkan  sein.  Parallelisiert  man  somit  die  Glieder  der  menschlichen 
Wesenheit  mit  den  Planeten  und  ihren  Kraften,  soweit  die  letzteren 
Anteil  an  der  Ausbildung  dieser  Glieder  haben,  so  erhalt  man  das 
folgende  Schema. 


Der  Mensch  war  nicht  auf  dem  Mars;  aber  seine  Verstandesseele 
steht  so  in  einer  esoterischen  Beziehung  zu  diesem  Planeten,  daft 
ihre  Krafte  von  ihm  heruntergeholt  sind.  Rdumlicb  hat  man  sich 
das  so  vorzustellen,  daft  die  Erde,  bevor  sie  in  ihrer  vierten  Runde 
selbst  atherisch  (also  physisch)  geworden  ist,  durch  den  Mars  -  der 
damals  atherisch  war,  hindurchgegangen  ist.  Schematisch  hat  man 
sich  das  so  vorzustellen: 


IX- 


O 


/viars  (^) 


j^y\/>5trai 

plastijcl; 


o 


Dieser  Durchgang  dauerte  sogar  noch  herein  in  die  physische 
Erdenzeit;  und  w'dhrend  er  sich  vollzog,  entnahmen  die  leitenden 
Wesen  dem  Mars  die  zur  Verstandesseele  notwendige  Kamamate- 
rie,  und  da  diese  ihr  physisches  Vehikel  im  warmen  Blut  hat  (im 
Aresblut  des  Kampfmenschen),  so  wurde  damals  das  Eisen  der 
Erde  eingefiigt,  das  ein  Bestandteil  des  Blutes  ist.  - 

Ebenso  wenig  wird  der  Mensch  jemals  den  Merkur  wirklich 
bewohnen,  wohl  aber  steht  er  seit  der  Mitte  der  Atlantischen  Welt 
mit  der  Kamamaterie  (eigentlich  Kama-Manas-Materie)  des  Mer- 
kur in  Verbindung,  und  aus  ihr  haben  die  leitenden  Wesen  die 
menschliche  Bewulkseinsseele  mit  Kraften  versehen.  Als  phy- 
sisches Vehikel  ist  durch  diese  Einwirkung  des  Merkur  das  Queck- 
silber  (Merkur)  auf  die  Erde  gekommen.  Nach  der  Entwickelung 
der  Erde  zum  plastischen  Zustand  wird  raumlich  die  Erde  durch 
den  Merkur  durchgehen.  Die  Erde  selbst  wird  dann  astral  sein,  der 
Merkur  aber  atherisch.  -  Schematisch  ist  das  so: 


Diese  ganze  Evolutionsbahn  der  Erde  haben  nun  die  Eingeweihten 
in  der  Reihenfolge  der  Wochentage  festgelegt: 

1.  Sonnabend  =  Saturntag:  Saturday 

2.  Sonntag 

3.  Montag 

4.  Marstag  -  mardi  =  diustag  (diu  ist  der  deutsche  Ares,  Mars 
od.  Kriegsgott) 

5.  Merkurtag  =  mercredi  =  Wotanstag  (Wotan  ist  der  deutsche 
Merkur;  siehe  Tacitus  Germania) 

6.  Jupitertag  =  jeudi  =  Donarstag  (donar  ist  der  deutsche 
Jupiter) 

7.  Venustag  -  vendredi  =  Frejatag  (freja  ist  die  deutsche  Venus) 

8.  Vulkantag  wird  nicht  gebildet,  weil  Wiederholung,  wie  Oktav 
Wiederholung  der  Prim  ist. 

Nun  wird  in  den  Geheimschulen  noch  eine  andere  Gesetzmafiig- 
keit  der  Wochentage  gelehrt,  welche  nicht  etwa  mit  der  ersten  in 
Widerspruch  stent,  sondern  ganz  mit  ihr  vereinbar  ist.  Sie  beruht 
darauf,  daft  ein  Tag  in  4  Teile  zerlegt  wird  und  jedem  Teil  ein 
Planet  zuerteilt  wird.  Das  ganze  hat  dann  die  Planetenfolge  im 
Abstande  von  der  Erde  zur  Grundlage;  namlich 


Man  hat  somit: 


Vormittag         Nachmittag      Vormitternacht  Nachmitternacht 


I.  Tag 

Mond  1 
Montag 

Venus 
[Merkur] 

2 

Merkur 
[Venus]  * 

3 

Sonne 

4 

II.  Tag 

Mars  5 
Marstag 

Jupiter 

6 

Saturn 

7 

Mond 

8 

III.  Tag 

Merkur  9 
Merkurtag 

Venus 

10 

Sonne 

11 

Mars 

12 

IV.  Tag 

Jupiter  13 
Jupitertag 

Saturn 

14 

Mond 

15 

Merkur 

16 

V.Tag 

Venus  17 
Venustag 

Sonne 

18 

Mars 

19 

Jupiter 

20 

VI.  Tag 

Saturn  21 
Saturntag 

Mond 

22 

Merkur 

23 

Venus 

24 

VII.  Tag 

Sonne  25 
Sonntag 

Mars 

26 

Jupiter 

27 

Saturn 

28 

In  der  Rubrik  «I.  Tag»  mu(5  sich  Rudolf  Steiner  verschrieben  haben:  Venus  und 
Merkur  miissen  umgestellt  werden.  Vgl.  auch  die  davorstehende  Skizze  (Faksimile 
der  Handschrift). 


Man  schreibe  also  die  Planeten  zu  den  Tagesvierteln  in  der  Reihen- 
folge  Mond,  Merkur,  Venus,  Sonne,  Mars,  Jupiter,  Saturn,  dann 
fange  man  wieder  an:  Mond,  Merkur  usw.  ist  man  dann  so  oft 
herum,  daft  man  wieder  den  Mond  an  erster  Stelle  hatte,  dann  sind 
7  Tage  erschopft. 

Dieser  Einteilung  liegt  das  Verhaltnis  von  4  (Tetragramm)  zu  7 
zu  Grunde.  Es  hat  dies  den  Sinn,  daft  am  ersten  Teil  des  Tages  einer 


der  Grundteile  dem  Planeten  zugeordnet  ist,  zu  dem  er  nach  seinen 
Kraften  gehort: 


•3 


Durch  eine  solche  Gesetzmafiigkeit  ersieht  man,  wie  der  Mensch 
aus  dem  Makrokosmos  heraus  gebaut  ist  und  dadurch  die  mannig- 
faltigsten  Beziehungen  zu  den  Konstellationen  der  Korper  des 
Makrokosmos  hat. 


Theosophische  Kosmologie 

Drei  Vortrage,  gehalten  im  Berliner  Zweig 
am  26.  Mai,  2.  und  9.  Juni  1904 


An  den  Donnerstagen  der  nachsten  Zeit  werde 
ich  sprechen  iiber  theosophische  Kosmologie, 
iiber  Vorstellungen,  die  die  Theosophie  zu  ge- 
ben  hat  iiber  die  Bildung  des  Weltgebaudes. 
Diejenigen,  welche  sich  fur  diese  Fragen  interes- 
sieren,  werden  mannigfaltiges  zu  horen  bekom- 
men,  was  sie  vielleicht  noch  nicht  aus  der  ge- 
brauchlichen  theosophischen  Literatur  kennen. 
Die  Vortrage  iiber  die  Elemente  der  Theosophie 
mochte  ich  zu  einem  spateren  Zeitpunkt  halten. 


(Berlin,  23.  Mai  1904,  Pfingstmontag,  in  GA  93,  S.  21) 


Erster  Vortrag 
Berlin,  26.  Mai  1904 


Der  Zyklus  iiber  die  Grundelemente  der  Theosophie,  den  ich  vor 
einiger  Zeit  angekiindigt  habe,  wird  erst  spater  gehalten  werden 
konnen,  wenn  vielleicht  mehr  Zuspruch  sein  wird.  Ich  habe  diese 
Vortrage  verschoben  und  mich  entschlossen,  die  Donnerstage  der 
nachsten  Zeit  damit  auszufullen,  daft  ich  einiges  entwickele  iiber 
die  Kosmologie,  die  Weltentwicklung,  das  heiftt  iiber  die  Lehre  von 
der  Entstehung  der  Welt  und  von  der  Bildung  des  Menschen  inner- 
halb  dieser  Welt  im  theosophischen  Sinne. 

Nun  bin  ich  mir  wohl  bewuftt,  daft  ich  damit  eines  der  aller- 
schwierigsten  Kapitel  der  theosophischen  Lehre  zu  behandeln  ge- 
denke,  und  ich  kann  Ihnen  ja  wohl  mitteilen,  daft  man  in  manchen 
unserer  Logen  beschlossen  hat,  dieses  Kapitel  vorlaufig  iiberhaupt 
nicht  zu  behandeln,  weil  es  zu  schwierig  ist.  Dennoch  habe  ich 
mich  dazu  entschlossen,  weil  ich  glaube,  daft  mit  den  Andeutun- 
gen,  die  zu  geben  ich  in  der  Lage  bin,  manchem  doch  gedient  sein 
konnte.  Wenn  wir  nun  eine  so  schwierige  Sache  auch  nicht  gleich 
ganz  durchdringen  konnen,  so  werden  wir  doch  immerhin  An- 
regungen  erhalten  konnen,  die  uns  zu  spaterer  Zeit  dazu  dienen 
konnen,  in  diese  Materie  tiefer  einzudringen. 

Diejenigen,  die  schon  langere  Zeit  in  der  theosophischen  Bewe- 
gung  stehen,  werden  wissen,  daft  die  Fragen:  Wie  ist  die  Welt  ei- 
gentlich  entstanden?  Wie  hat  sie  sich  allmahlich  bis  zu  dem  Zeit- 
punkt  heraufentwickelt,  in  welchem  Wesen  solcher  Art,  wie  wir  es 
sind,  diese  Welt  bewohnen  konnen?  daft  diese  Fragen  zu  den 
allerersten  gehoren,  die  in  der  theosophischen  Bewegung  behandelt 
worden  sind.  Nicht  nur  eines  der  ersten  Biicher,  welche  im  Abend- 
lande  aufmerksam  gemacht  haben  auf  die  uralten  Weltanschau- 
ungen,  die  «Entschleierte  Isis»  von  H.  P.  Blavatsky,  hat  solche 
Weltentstehungs-  und  -entwicklungsfragen  behandelt,  sondern 
auch  das  Buch,  dem  wir  vielleicht  den  groftten  Teil  unserer  altesten 
Anhanger  verdanken,  der  «Esoterische  Buddhismus»  von  Sinnett. 


Wie  bildet  sich  ein  Sonnensystem,  wie  die  Planeten  und  die  Ster- 
nengruppen?  Wie  hat  unsere  Erde  sich  entwickelt,  welche  Stufen 
hat  sie  durchgemacht  und  welche  konnen  ihr  noch  bevorstehen? 
Das  sind  Fragen,  die  in  aller  Breite  in  diesem  «Esoterischen  Bud- 
dhismus»  behandelt  werden.  Dann  erschien  Ende  der  achtziger 
Jahre  die  «Geheimlehre»  von  Blavatsky,  und  sie  behandelt  im 
ersten  Bande  wieder  die  Frage:  Wie  hat  sich  das  Weltsystem  ent- 
wickelt? -  und  im  zweiten  Bande  die  Frage:  Wie  hat  sich  das 
Menschengeschlecht  innerhalb  unserer  Erde  entwickelt? 

Nun  brauche  ich  nur  auf  einen  einzigen  Punkt  hinzuweisen,  um 
die  ganze  Schwierigkeit  zu  zeigen.  Wenn  Sie  den  ersten  Band  der 
«Geheimlehre»  von  Blavatsky  aufschlagen,  so  werden  Sie  finden, 
dafi  dort  ein  gewisser  Teil  der  Behauptungen,  die  in  dem  Sin- 
nettschen  «Buddhismus»  stehen,  als  irrig  bezeichnet  und  teilweise 
richtiggestellt  werden.  Von  den  theosophischen  Schriftstellern  wa- 
ren  diese  Dinge  zum  Teil  mifiverstanden,  zum  Teil  mifiverstandlich 
dargestellt  worden.  Frau  Blavatsky  hatte  diese  Anschauungen  da- 
her  richtigzustellen.  Sie  sagte,  daft  in  bezug  auf  die  theosophische 
Kosmologie  eine  Art  babylonischer  Sprachverwirrung  bestanden 
habe  und  dafi  sich  die  fuhrenden  Personlichkeiten  [der  Theosophi- 
schen Gesellschaft]  in  diesen  Fragen  durchaus  nicht  glei'ch  aus- 
gekannt  hatten. 

Sie  alle  wissen,  dafi  die  Lehren  der  «Secret  Doctrine»,  der  «Ge- 
heimlehre»,  von  grofien  erhabenen  Meistern  mitgeteilt  worden 
sind,  die  unserer  Durchschnittsentwicklung  weit  vorausgeschritten 
sind.  Es  war  ja  schon  vor  der  «Secret  Doctrine»  ein  Buch  erschie- 
nen,  in  dem  Sinnett,  der  Verfasser  des  «Esoterischen  Buddhismus», 
eine  Reihe  von  Briefen  eines  Mahatmas  veroffentlicht  hat.  Wir  se- 
hen  daraus  die  Schwierigkeiten,  welche  dem  Verstandnis  dieser 
Geheimlehre  entgegenstehen,  und  wir  verstehen,  wie  diejenigen, 
die,  wie  Sinnett  und  Blavatsky,  beflissen  waren,  diese  Lehren  ent- 
gegenzunehmen,  geradezu  seufzten  unter  der  Schwierigkeit,  die 
Lehren,  die  ihnen  entgegengebracht  wurden,  zu  verstehen.  Oh,  so 
sagte  ein  Lehrer,  ihr,  die  ihr  gewohnt  seid,  zu  begreifen  mit  einem 
anderen  Verstand,  ihr  konnt  das,  was  wir  zu  sagen  haben,  nicht 


verstehen,  obgleich  ihr  euch  die  groftte  Miihe  macht,  urn  es  euch 
zum  Verstandnis  zu  bringen.  -  Wenn  wir  uns  diese  Aussage  vor- 
halten,  dann  miissen  uns  die  Schwierigkeiten  vor  Augen  treten. 
Uberall,  wo  iiber  Kosmoiogie  vorgetragen  wurde,  sind  miftver- 
standliche  Ansichten  entstanden.  Nun,  das  ist  wohl  begriindet,  so 
dafi  ich  um  einige  Nachsicht  bitten  darf,  wenn  ich  nun  versuche, 
einiges  zu  dieser  Lehre  beizutragen. 

Nun  mochte  ich  etwas  vorausschicken,  was  die  Stellung  der  theo- 
sophischen  Kosmoiogie  zu  der  heutigen  Wissenschaft  und  ihren 
Methoden  klarlegt.  Es  konnte  ja  jemand  kommen  und  sagen:  Seht  die 
Fortschritte  an,  die  unsere  Astronomen  gemacht  haben;  das  verdan- 
ken  wir  den  Fernrohren,  den  mathematischen  und  den  photographi- 
schen  Methoden,  die  uns  zur  Kenntnis  von  fernen  Sternen  gefuhrt 
haben.  -  Die  heutige  Wissenschaft  mit  ihren  sorgfaltigen  Methoden 
scheint  -  nach  ihrer  Meinung  -  einzig  und  allein  Anspruch  zu  haben, 
etwas  iiber  die  Entwicklung  des  Weltsystems  auszumachen.  Sie 
scheint  ein  Recht  darauf  zu  haben,  zu  verponen,  was  von  andrer  Seite 
iiber  die  Entwicklung  und  Entstehung  des  Weltsystems  gesagt  wird. 
Mancher  Astronom  wird  uns  einwenden:  Was  ihr  Theosophen  uns 
da  sagt  von  Kosmoiogie,  das  sind  ja  uralte  Lehren,  die  die  Chaldaer 
oder  die  Vedenpriester  gelehrt  haben  und  die  zum  altesten  Weis- 
heitsbestand  des  Menschengeschlechts  gehoren;  aber  was  kann  das 
fur  eine  Bedeutung  haben,  was  vor  Jahrtausenden  gesagt  worden  ist, 
da  doch  erst  seit  Kopernikus  die  Lehre  der  Astronomie  eine  einiger- 
mafien  sichere  Gestalt  erhalten  hat.  -  Also,  was  im  ersten  Band  der 
«Geheimlehre»  von  Blavatsky  steht,  scheint  nur  dasjenige  zu  storen, 
was  uns  die  mit  Fernrohren  und  so  weiter  bewaffneten  Astronomen 
klarmachen.  Aber  der  Theosoph  mufi  gar  nicht  in  irgendeinen  Wi- 
derspruch  kommen  zu  dem,  was  der  Astronom  behauptet.  Das  ist 
nicht  notig,  obgleich  es  Theosophen  gibt,  die  glauben,  die  heutige 
Astronomie  bekampfen  zu  miissen,  um  fiir  die  eigenen  Lehren  Platz 
zu  bekommen.  Ich  weiE  sehr  gut,  dafi  die  fuhrenden  Geister  der 
theosophischen  Bewegung  glauben,  die  Astronomen  belehren  zu 
konnen.  Durch  ein  einfaches  Beispiel  wollen  wir  den  Standpunkt  der 
Theosophen  gegeniiber  dem  der  Astronomen  beleuchten. 


Nehmen  Sie  eineri  Dichter,  an  dessen  Werk  wir  uns  erfreuen 
und  erbauen.  Dieser  Dichter  wird  vielleicht  in  einer  anderen  Per- 
sonlichkeit  einen  Biographen  finden,  und  dieser  Biograph  wird  ver- 
suchen,  uns  das  Seelisch-Geistige,  das  der  Dichter  in  seinem  Innern 
hat,  begreiflich  zu  machen  und  zu  erklaren.  Es  gibt  aber  noch  eine 
andere  Betrachtungsmoglichkeit,  das  ist  die  physiologische,  die 
naturwissenschaftliche.  Nehmen  wir  an,  ein  Naturforscher  studiert 
den  Dichter.  Er  studiert  natiirlich  nur  die  fur  ihn  interessanten 
physiologischen  und  physiognomischen  Verhaltnisse  des  Dichters; 
er  studiert  ihn  vom  naturwissenschaftlichen  Standpunkte  aus,  und 
was  er  sehen  und  mit  dem  naturwissenschaftlichen  Verstande  kom- 
binieren  kann,  das  wird  er  uns  von  dem  Dichter  sagen.  Wir  als 
Theosophen  wiirden  sagen,  der  Naturforscher  beschreibt  und  er- 
klart  den  Dichter  vom  Standpunkt  des  physischen  Planes.  -  Dieser 
Naturforscher  wird  Ihnen  aber  kein  Sterbenswortchen  sagen  iiber 
das,  was  wir  die  Biographie  des  Dichters  nennen,  iiber  sein  See- 
lisch-Geistiges.  So  haben  wir  zwei  nebeneinanderlaufende  Betrach- 
tungsweisen,  die  aber  durchaus  nicht  miteinander  kollidieren  miis- 
sen.  Warum  sollte  nicht  die  naturwissenschaftliche  Betrachtung 
stattfinden  und  daneben  die  geistig-seelische  Betrachtung  und  jede 
in  ihrer  Art  gelten?  Das  ist  ja  kein  Eingriff  des  einen  in  das  andere. 

So  ist  es  auch  mit  der  naturwissenschaftlichen  Kosmologie,  mit 
dem,  was  uns  unsere  Astronomen  von  dem  Weltgebaude  und  von 
der  Entwicklung  des  Weltsystems  sagen.  Sie  werden  das  sagen,  was 
sich  den  aufieren  Sinnen  erschliefien  kann.  Daneben  ist  aber  auch 
eine  geistig-seelische  Betrachtungsweise  moglich,  und  wenn  man 
das  Weltgebaude  so  erfafk,  dann  wird  man  nie  mit  der  Astronomie 
kollidieren;  beide  Betrachtungsweisen  werden  sich  im  Gegenteil 
manchmal  stiitzen,  denn  sie  gehen  nebeneinander  her,  sie  sind  un- 
abhangig  voneinander.  Als  die  naturwissenschaftliche  Gehirnphy- 
siologie  zum  Beispiel  noch  lange  nicht  so  weit  war  wie  heute, 
waren  doch  schon  Leute  da,  die  Biographien  bedeutender  Geister 
lieferten.  Der  Astronom  kann  daher  nicht  einwenden,  daft  die  ok- 
kulte  Betrachtungsweise  uberholt  und  unmoglich  sei,  weil  Koper- 
nikus  die  Astronomie  auf  eine  andere  Basis  gestellt  hat.  Die  okkul- 


ten  Quellen  sind  ja  ganz  andere;  sie  waren  schon  lange  vorher  da, 
bevor  das  Auge  geschult  war,  den  Himmel  durch  Fernrohre  zu 
betrachten,  und  bevor  die  Photographie  soweit  war,  um  Sterne  zu 
photographieren.  Die  kopernikanische  Forschung  hat  etwas  ganz 
anderes  zu  sagen  als  die  okkulte  Forschung;  und  die  eine  Kraft  in 
der  menschlichen  Seele  ist  von  der  anderen  durchaus  nicht  abhan- 
gig.  Die  Kraft,  die  uns  iiber  das  Geistig-Seelische  AufschluE  gibt, 
geht  so  weit  zuriick,  daft  kein  Geschichtsschreiber  uns  sagen  kann, 
wo  eigentlich  diese  Art  der  Betrachtung  des  Weltgebaudes  anfangt. 
Es  ist  nicht  moglich,  ausfindig  zu  machen,  wie  die  fiihrenden 
Geister  zu  diesen  okkulten  Anschauungen  gekommen  sind. 

Okkulte  Schulen  hat  es  auch  in  Europa  schon  vor  der  Begriin- 
dung  der  Theosophischen  Gesellschaft  im  Jahre  1875  gegeben. 
Allerdings  wurde  damals  das  Wissen,  von  dem  wir  heute  in  popu- 
larer  Weise  sprechen,  nur  in  engen  Zirkeln  mitgeteilt.  Es  war  ein 
strenges  Gesetz,  das  Wissen  nicht  iiber  den  Bereich  dieser  Schulen 
hinaus  wirken  zu  lassen.  Wenn  man  eintreten  wollte  in  eine  Schule, 
so  mufke  man  streng  an  sich  arbeiten,  bevor  einem  die  ersten 
Wahrheiten  iibermittelt  wurden.  Man  ging  durchaus  von  der  An- 
sicht  aus,  dafi  der  Mensch  sich  erst  reif  machen  muE  zum  Empfang 
dieser  Wahrheiten.  Es  gab  in  den  Schulen  viele  Grade,  durch  die 
man  aufstieg,  Priifungsgrade;  und  wer  als  nicht  reif  genug  erkannt 
wurde,  muftte  sich  weiter  vorbereiten.  Wenn  ich  Ihnen  diese  Grade 
beschreiben  wollte,  so  wiirde  es  Ihnen  schwindeln  vor  der  Strenge 
dieses  Weges.  Die  Dinge  iiber  die  Weltentwicklung  wurden  zu  den 
allerwichtigsten  gezahlt,  und  erst  auf  den  hochsten  Stufen  wurden 
sie  den  Menschen  mitgeteilt.  Im  17.  Jahrhundert,  das  einen  groften 
Einflufi  auf  die  Kultur  hatte,  war  dieses  Wissen  in  den  Handen  der 
Rosenkreuzerbewegung.  Diese  ging  urspriinglich  von  morgenlan- 
disch-orientalischem  Wissen  aus,  und  dieses  Wissen  wurde  damals 
der  europaischen  Anhangerschaft  in  den  verschiedensten  Graden 
mitgeteilt.  Am  Ende  des  18.  und  namentlich  zum  Beginn  des  19. 
Jahrhunderts  verschwanden  diese  okkulten  Schulen  aus  der  Kultur 
Europas  und  die  letzten  Rosenkreuzer  zogen  sich  zuriick  nach  dem 
Orient.  Es  war  das  Zeitalter,  in  welchem  die  Menschen  die  Lebens- 


verhaltnisse  nach  dem  aufteren  Wissen  zu  ordnen  hatten;  die  Erfin- 
dung  der  Dampfmaschine,  die  naturwissenschaftliche  Erforschung 
der  Zellen  und  so  weiter  kamen  herauf.  Dabei  hatte  die  okkulte 
Weisheit  nichts  mitzusprechen,  und  diejenigen,  welche  an  der 
hochsten  Spitze  dieser  Weisheit  angelangt  waren,  die  Hochstgradu- 
ierten,  zogen  sich  zuriick  nach  dem  Orient.  Es  gab  zwar  auch  spa- 
ter  noch  okkulte  Schulen,  doch  die  konnen  uns  jetzt  wenig  inter- 
essieren;  ich  mull  sie  aber  erwahnen,  weil  Frau  Blavatsky  und  Herr 
Sinnett,  als  sie  das  kosmologische  Wissen  aus  den  buddhistisch- 
tibetanischen  Geheimschulen  empfingen,  dazumal  an  die  Grund- 
quellen  gingen. 

Eine  lange  geistige  Entwicklung  in  Europa  hat  das  europaische 
Gehirn,  das  europaische  Denkvermogen  so  weit  gebracht,  daft  fur 
das  Erfassen  okkulter  Wahrheiten  Schwierigkeiten  bestanden.  Nur 
noch  schwer  wurden  diese  Wahrheiten  begriffen.  Als  nun  dieses 
erste  Wissen  iiber  die  theosophische  Kosmologie  teils  durch  den 
«Esoterischen  Buddhismus»  und  teils  durch  die  «Geheimlehre»  in 
die  Offentlichkeit  drang,  da  horchten  die  Anhanger  der  okkulten 
Schulen  auf,  und  es  schien  ihnen  verkehrt  zu  sein,  daft  die  strenge 
Regel,  nichts  hinausdringen  zu  lassen  iiber  die  Grenzen  ihrer  Schu- 
len, gebrochen  worden  war.  Die  Anhanger  der  theosophischen 
Bewegung  aber  wuftten,  daft  es  notwendig  war,  etwas  davon  mit- 
zuteilen.  Die  Wissenschaft  des  Westens  konnte  aber  mit  dem  Ge- 
sagten  nichts  anfangen,  denn  niemand  war  imstande  zu  priifen,  was 
Frau  Blavatsky  und  Sinnett  geschrieben  hatten.  Namentlich  wuftte 
man  nichts  anzufangen  mit  jenem  herrlichen  kosmologischen  Lied, 
das  aus  den  sogenannten  Dzyan-Strophen  besteht  und  den  beiden 
Banden  von  Frau  Blavatskys  «Geheimlehre»  vorangestellt  ist.  Die- 
se Strophen,  welche  uns  die  Geschichte  des  Weltalls  erzahlen, 
wurden  in  bezug  auf  ihre  Echtheit  angezweifelt;  kein  Naturfor- 
scher  konnte  damit  etwas  anfangen;  es  schien  zunachst  allem  ins 
Gesicht  zu  schlagen,  was  die  europaischen  Gelehrten  wuftten.  Es 
gab  einen  Forscher,  einen  Orientalisten,  den  ich  aufs  hochste  ver- 
ehre,  Max  Miiller,  der  in  energischer  Weise  sich  fur  die  orienta- 
lischen  Weisheiten  einsetzte.  Alles,  was  an  orientalischer  Weisheit 


ihm  erreichbar  war,  ist  von  Max  Miiller  den  Europaern  zuganglich 
gemacht  worden.  Aber  weder  Max  Miiller  noch  andere  europaische 
Forscher  wuftten  mit  dem  etwas  anzufangen,  was  Frau  Blavatsky 
verkiindete.  Es  war  damals  nur  die  Rede,  das  sei  reine  Phantasie, 
was  in  der  «Geheimlehre»  stehe.  Die  Gelehrten  hatten  namlich  in 
den  Biichern  der  Inder  nirgends  etwas  davon  gefunden. 

Frau  Blavatsky  sagte,  daft  da,  wo  sie  ihre  Geheimnisse  her  habe, 
noch  grofte  Schatze  von  alter  Literatur  lagen,  daft  jedoch  das  Aller- 
wichtigste  iiber  diese  Weisheiten  vor  den  Augen  der  europaischen 
Gelehrten  verborgen  gehalten  worden  sei.  Es  wurde  ja  selbst  das 
Wenige,  was  davon  mitgeteilt  werden  konnte,  wegen  der  euro- 
paischen Denkweise  nicht  einmal  verstanden;  es  fehlten  die  Kom- 
mentare,  die  den  Schliissel  zum  Verstandnis  enthielten.  Die  Biicher, 
die  zeigten,  wie  die  einzelnen  Satze  aufgefaftt  werden  sollten,  wiir- 
den  in  sorgfaltigster  Weise  von  den  unterrichteten  eingeborenen 
Tibetanern  verwahrt,  wenigstens  sagte  das  Frau  Blavatsky.  Aber 
auch  andere  Vorgeschrittene  behaupten,  daft  durch  diese  Literatur 
auch  geschichtlich  bezeugt  ist,  daft  es  eine  Urweisheit  gegeben  hat, 
welche  in  spirituellen,  in  geistigen  Dingen  weit  erhaben  war  iiber 
alles  dasjenige,  was  heute  die  Welt  weift.  Die  orientalischen  Weisen 
sagen,  daft  diese  Urweisheit  in  denjenigen  Biichern  gegeben  ist,  die 
sie  sorgfaltig  verwahrt  haben,  und  daft  diese  Urweisheit  uns  nicht 
uberliefert  worden  ist  von  Menschen  unseresgleichen,  sondern  daft 
sie  von  Wesen  hoherer  Art  herriihrt,  daft  sie  herriihrt  aus  gottlichen 
Quellen.  Von  einer  gottlichen  Urweisheit  sprechen  die  Orientalen. 
Nun  sagte  aber  Max  Miiller  in  einer  Vorlesung  vor  seinen  Studen- 
ten,  die  Forschung  mache  es  nicht  moglich  zu  behaupten,  daft  es 
eine  solche  Urweisheit  gegeben  hat.  Darauf  sagte  ein  grofter  brah- 
manischer  Sanskritgelehrter,  als  ihm  dieses  Urteil  Max  Miillers 
durch  Frau  Blavatsky  zu  Ohren  gekommen  war:  Oh,  ware  Max 
Miiller  ein  Brahmane  und  konnte  ich  ihn  fuhren  zu  einer  Tempel- 
statte,  da  konnte  er  sich  iiberzeugen,  daft  es  eine  uralte  gottliche 
Weisheit  gibt. 

Diejenigen  Dinge,  die  Blavatsky  durch  die  Dzyan-Strophen  mit- 
teilt,  sind  zum  Teil  aus  solchen  verborgenen  und  von  ihr  erschlos- 


senen  Quellen  mit  geschopft  worden.  Wenn  Frau  Blavatsky  diese 
Strophen  selbst  erfimden  hatte,  dann  stiinden  wir  nur  vor  einem 
noch  viel  hoheren  Wunder. 

Wir  sind  aber  nicht  darauf  angewiesen,  die  okkulten  Mitteilun- 
gen  iiber  die  Weltentstehung  aus  den  alten  Schriften  zu  nehmen.  Es 
gibt  im  Menschen  Krafte,  die  ihn  befahigen,  die  Wahrheiten  selbst 
zu  schauen  und  zu  erforschen,  wenn  er  diese  Krafte  in  der  richtigen 
Weise  ausbildet.  Und  was  man  auf  diese  Weise  erfahren  kann,  das 
stimmt  iiberein  mit  dem,  was  Frau  Blavatsky  aus  dem  Fernen 
Orient  heriiberbrachte.  Es  stellte  sich  heraus,  daft  auch  in  Europa 
die  Okkultisten  ein  Wissen  bewahrt  haben,  das  von  Generation  zu 
Generation  der  Lehrer  dem  Schuler  iiberlieferte  und  niemals 
Biichern  anvertraut  hat.  Die  Okkultisten  konnten  daher  das,  was 
Blavatsky  in  der  «Geheimlehre»  mitgeteilt  hat,  an  ihrem  eigenen 
Wissen  priifen,  vor  alien  Dingen  an  demjenigen,  das  sie  durch  die 
eigenen  Fahigkeiten  erworben  hatten.  Auch  derjenige,  der  auf 
europaische  Weise  geschult  ist,  kann  sich  dazu  aufschwingen,  das 
nachzupriifen,  was  in  Blavatskys  «Geheimlehre»  steht.  Es  ist  auch 
nachgepnift  und  bestatigt  worden,  aber  es  ist  fur  die  europaischen 
Okkultisten  trotzdem  schwer,  sich  damit  zurechtzufinden.  Nur 
eines  sei  erwahnt:  Das  europaische  okkulte  Wissen  ist  in  ganz  be- 
stimmter  Weise  von  christlichen  und  kabbalistischen  Einfliissen  be- 
stimmt  worden  und  hat  daher  einen  einseitigen  Charakter  ange- 
nommen.  Wenn  man  dies  aber  abrechnet  und  auf  den  Grund  dieses 
Wissens  zuriickgeht,  dann  ist  eine  vollige  Ubereinstimmung  mit 
dem  moglich,  was  uns  durch  Frau  Blavatsky  erschlossen  worden  ist. 

Obwohl  also  eine  Art  Prufung  dessen  moglich  war,  was  Frau 
Blavatsky  als  Kosmologie  uns  gebracht  hat,  ist  es  schwierig,  den 
Gelehrten  verstandlich  zu  machen,  was  damit  gemeint  ist,  wenn  aus 
dem  okkulten  Wissen  heraus  iiber  die  Weltentstehung  gesprochen 
wird.  Es  ist  natiirlich  erstaunlich,  was  die  Gelehrten  an  Entziffe- 
rungen  der  alten  Urkunden  leisten,  wie  sie  sich  abmiihen,  babylo- 
nische  Keilschriften  und  agyptische  Hieroglyphen  zu  entziffern; 
aber  Max  Miiller  selbst  sagt,  dafi  das,  was  sie  aus  diesen  Inschriften 
gefunden  haben,  noch  kein  Bild  iiber  die  Weltentstehungsgeschich- 


te  gibt.  Wir  sehen,  wie  die  Gelehrten  gewissermafien  an  der  Schale 
herumarbeken,  aber  nicht  zum  Kern  vordringen.  Es  soil  nichts 
gesagt  werden  gegen  die  grofie  Sorgfalt  und  die  feine  Mosaikarbeit 
der  Gelehrten.  Ich  will  nur  hinweisen  auf  die  Biicher,  die  erschie- 
nen  sind  anlafilich  des  Bibel-Babel-Streites.  Das  alles  sind  Mosaik- 
arbeiten;  aber  die  Gelehrten  bleiben  an  der  Schale  haften.  Man 
fiihlt,  dafi  sie  keine  Ahnung  haben  von  den  Wegen,  die  zum  Schliis- 
sel  zu  diesen  Geheimnissen  fiihren.  Es  ist  so,  wie  wenn  einer  damit 
anfangt,  ein  fremdsprachiges  Buch  in  seine  Sprache  zu  iibersetzen. 
Zunachst  ist  es  unvollkommen.  So  ist  es  mit  den  Ubersetzungen 
alter  Schopfungsmythen  durch  unsere  heutigen  Gelehrten.  Es  sind 
Verstummelungen  der  uralten  Weisheitslehren,  wie  sie  uns  in  den 
Geheimschulen  von  Generation  zu  Generation  mitgeteilt  worden 
sind.  Nur  diejenigen,  welche  bis  zu  einem  gewissen  Grade  der 
Einweihung  gekommen  waren,  konnten  etwas  dariiber  wissen.  Am 
Schlufi  dieser  Vortrage  werde  ich  darauf  nochmals  zuriickkommen. 

Eingeweihte  sind  es  also,  die  durch  eigene  Erfahrung  zu  diesen 
Dingen  kommen  konnen.  Sie  werden  fragen:  Was  ist  eigentlich  ein 
Eingeweihter;  es  wird  in  der  Theosophie  und  in  okkulten  Gesell- 
schaften  so  viel  gesprochen  von  sogenannten  Eingeweihten?  -  Ein 
Eingeweihter  ist  derjenige,  der  in  hohem  Grade  Krafte  in  sich  ent- 
wickelt  hat,  die  in  jedem  Menschen  schlummern,  die  von  ihm  aber 
entwickelt  werden  konnen.  Der  Eingeweihte  hat  sie  ausgebildet 
und  sie  bis  zu  einem  solchen  Grade  sich  angeeignet,  daft  er  verste- 
hen  kann,  welcher  Art  im  Kosmos,  im  Weltgebaude  die  Krafte 
sind,  die  fur  das  in  Betracht  kommen,  was  ich  auseinandersetzen 
will.  Nun,  Sie  werden  sagen:  Es  wird  uns  immer  gesagt,  daft  es 
solche  okkulten  Krafte  gibt,  die  im  Menschen  schlummern,  aber 
gewift  wird  uns  das  nicht.  -  Das  liegt  nur  an  einem  Miftverstandnis. 
Nichts,  gar  nichts  behauptet  der  Mystiker,  der  Okkultist,  als  was 
jeder  Gelehrte  auf  seinem  Felde  auch  behaupten  kann.  Denken  Sie 
sich,  jemand  sagt  Ihnen  eine  mathematische  Wahrheit.  Wenn  Sie 
selbst  niemals  Mathematik  gelernt  haben,  dann  haben  Sie  nicht  die 
Kenntnisse,  um  diese  Wahrheit  zu  priifen.  Kein  Mensch  wird  be- 
streiten,  daft  man  zu  der  Beurteilung  einer  mathematischen  Wahr- 


heit  die  notigen  Fahigkeiten  sich  erst  aneignen  mufi.  Keine  Auto- 
ritat  kann  entscheiden  iiber  eine  solche  Wahrheit,  nur  der  einzelne, 
der  sie  erfahren  hat,  kann  allein  dariiber  urteilen.  So  kann  audi 
iiber  eine  okkulte  Wahrheit  nur  derjenige  entscheiden,  der  eine 
solche  Wahrheit  selbst  erfahren,  selbst  erlebt  hat.  Unsere  heutigen 
Zeitgenossen  verlangen  aber  von  dem  Okkultisten,  er  solle  unmit- 
telbar  und  fur  jeden  Durchschnittsverstand  das  beweisen,  was  er  zu 
sagen  hat.  Man  beruft  sich  dabei  auf  den  Satz:  Was  wahr  ist,  mufi 
sich  beweisen  lassen,  und  jeder  mufi  es  einsehen  konnen.  -  Der 
Okkultist  behauptet  aber  nichts  anderes,  als  was  jeder  andere  Ge- 
lehrte  auf  seinem  Gebiete  auch  behauptet,  und  er  verlangt  nichts, 
was  nicht  jeder  Mathematiker  auch  verlangt. 

Nun  kann  man  fragen:  Warum  werden  heute  uberhaupt  okkulte 
Wahrheiten  vorgetragen?  Der  Weg,  den  die  bisherigen  okkulten 
Schulen  gegangen  sind,  war  ja  eben  der,  das  Wissen  in  engen  Kreisen 
zu  bewahren.  Diesen  Weg  gehen  die  Okkultisten  der  «Rechten» 
immer  noch.  Wer  aber  Erfahrung  hat  und  die  Zeichen  unserer  Zeit 
erkennt,  der  weifi,  dafi  dies  heute  nicht  mehr  richtig  ist.  Und  gerade 
diesem  Umstand,  dafi  dies  heute  nicht  mehr  richtig  ist,  verdankt  die 
theosophische  Weltbewegung  ihre  Entstehung.  Was  in  der  gegen- 
wartigen  Zeit  am  meisten  ausgebildet  ist,  das  ist  der  Verstand.  Unse- 
rem  kombinierenden  Denken,  in  Verbindung  mit  den  Sinnen,  ver- 
danken  wir  die  Erfolge  in  der  Industrie  und  in  der  Technik.  Dieser 
Verstand,  diese  Intellektualitat  hat  im  19.  Jahrhundert  ihre  grofiten 
Triumphe  gefeiert.  Das  aufiere,  verstandesmafiige  Denken  ist  noch 
niemals  so  beherrscht  worden  wie  heute.  Wenn  ich  sagte,  dafi  die 
orientalischen  Weisen  eine  Urweisheit  besafien,  so  haben  sie  diese  in 
einer  ganz  anderen  Form  als  in  der  Form  des  heutigen  Denkens  be- 
sessen.  Auch  die  grofiten  Meister  des  Orients  hatten  nicht  diesen 
Scharfsinn  des  logischen  Denkens,  diese  reine  Logizitat;  sie  hatten  sie 
auch  nicht  notig.  Es  war  deshalb  auch  schwierig,  sie  zu  verstehen.  Sie 
hatten  Intuition,  inneres  Schauen.  Wahre  Intuition  wird  nicht  durch 
logisches  Denken,  nicht  durch  kombinierendes  Denken  erhalten, 
sondern  eine  Wahrheit  steht  unmittelbar  vor  dem  Geiste  des  Betref- 
fenden.  Er  weifi  sie.  Man  braucht  sie  ihm  nicht  zu  beweisen. 


Jetzt  haben  die  Lehrer  der  theosophischen  Bewegung  das  Recht, 
einen  gewissen  Teil  der  okkulten  Weisheit  mitzuteilen,  Wir  haben 
das  Recht,  die  Weisheit,  die  uns  iibermittelt  wurde  in  der  Form  der 
Intuition,  einzukleiden  in  die  Gedankenformen  des  modernen  Le- 
bens.  Der  Gedanke  ist  eine  Kraft  wie  die  Elektrizitat,  eine  Kraft 
wie  die  Dampfkraft,  wie  die  Warmekraft;  und  wer  diese  Gedanken 
aufnimmt,  die  innerhalb  der  theosophischen  Bewegung  vorgetra- 
gen  werden,  wer  sich  ihnen  hingibt  und  ihnen  nicht  von  vornherein 
mifkrauisch  begegnet,  in  dem  sind  diese  Gedanken  eine  Kraft.  Die 
Zuhorer  merken  es  zunachst  nicht,  der  Same  geht  erst  spater  auf. 
Kein  theosophischer  Lehrer  verlangt  etwas  anderes,  als  dafi  ihm 
zugehort  wird.  Er  verlangt  nicht  blinden  Glauben,  sondern  nur 
Zuhoren.  Weder  das  glaubige  Annehmen  noch  das  unglaubige 
Abweisen  ist  der  richtige  Standpunkt.  Der  Zuhorer  soli  die  Gedan- 
ken, die  ihm  mitgeteilt  werden,  nur  nachdenken,  frei  von  Glauben 
und  Zweifel,  frei  von  Ja  und  Nein.  Er  mufi  sich  «neutral»  einstellen 
und  «probeweise»  die  Lehren  im  Geiste  wirken  lassen.  Wer  die 
theosophischen  Gedanken  so  auf  sich  wirken  lafk,  der  hat  nicht  nur 
Gedanken,  sondern  es  ergiefk  sich  in  ihn  eine  spirituelle  Kraft,  die 
auf  ihn  wirkt  und  ihn  befruchtet. 

Weil  die  westeuropaische  Kultur  das  Denken  so  weit  ausgebildet 
hat,  deshalb  finden  die  Menschen  am  leichtesten  Zugang  durch  das 
Denken.  Auch  die  glaubigsten  Kirchenchristen  konnen  sich  heute 
keine  Vorstellung  mehr  davon  machen,  in  welcher  Weise  man  frii- 
her  geglaubt  hat.  Diese  Quelle  der  Uberzeugung  fliefk  heute  nicht 
mehr.  Wir  miissen  unsere  Gedanken  heute  ganz  anders  befruchten. 
Weil  friiher  das  Denken  nicht  gepflegt  worden  ist,  deshalb  konnten 
die  spirituellen  Mitteilungen  nur  in  geheimen  Schulen  gegeben 
werden.  Heute  miissen  wir  uns  mit  dem  Spirituellen  an  die  Kraft 
des  Gedankens  wenden,  dann  entziinden  wir  die  Gedanken  so,  dafi 
sie  in  uns  leben.  Der  spirituelle  Redner  spricht  in  ganz  anderer 
Weise  zu  seinen  Zuhorern  als  der  gewohnliche  Redner.  Er  spricht 
so,  dafi  eine  Art  spirituelles  Fluidum,  spirituelle  Krafte  von  ihm 
ausstromen.  Der  Zuhorer  soil  ohne  ausgesprochenes  Ja  oder  Nein 
einen  Gedanken  wie  etwas  ganz  Objektives  hinnehmen,  mit  diesem 


Gedanken  leben,  iiber  ihn  meditieren  und  ihn  auf  sich  wirken 
lassen.  Dann  wird  durch  den  Gedanken  Kraft  in  uns  angefacht 
werden. 

Wir  mussen  heute  die  okkulten  Wahrheiten  iiber  die  Weltentste- 
hung  und  Weltbildung  in  der  Form  europaischer  Gedanken  und 
moderner  Wissenschaftlichkeit  verkiindigen.  In  dieser  Richtung 
werden  diese  Vortrage  handeln  von  den  Zustanden,  welche  der 
Bildung  unserer  Erde  vorangegangen  sind.  Wir  werden  zuriickge- 
fuhrt  in  uralte  Zeiten,  wo  sich  aus  grauestem  Dammerdunkel  her- 
aus  diejenige  Wesenheit  gebildet  hat,  die  dann  zum  Menschen  ge- 
worden  ist.  Wir  werden  auf  diejenige  Stufe  gefiihrt,  wo  dieser 
Mensch  empfangen  worden  ist  von  irdischen  Kraften,  wo  er  umge- 
ben  worden  ist  mit  irdischer  Materie,  bis  zu  dem  Punkte,  wo  er 
heute  steht.  Wir  werden  die  vorirdische  und  die  irdische  Entwick- 
lung  unseres  Weltgebaudes  kennenlernen  und  sehen,  wie  die  Theo- 
sophie  uns  einen  Ausblick  gibt  auf  die  Zukunft,  wir  werden  sehen, 
wohin  unsere  Weltentwicklung  weitergeht.  Alles  das  wollen  wir 
zeigen,  ohne  dafi  wir  uns  den  Vorstellungen  der  heutigen  Astrono- 
men  entgegenstellen.  Wir  werden,  wenn  wir  die  in  uns  schlum- 
mernden  Krafte  entwickeln,  selbst  das  groEe  Ziel  einsehen,  dem 
wir  zusteuern:  der  Erringung  kosmologischer  Weisheit.  Diese 
kosmologische  Weisheit  lassen  Sie  uns  in  den  nachsten  Stunden 
betrachten. 


Zweiter  Vortrag 
Berlin,  2.  Juni  1904 


Nach  den  einleitenden  Bemerkungen  vom  letzten  Donnerstag 
mochte  ich  nun  damit  beginnen,  Ihnen  eine  Skizze  der  Weltent- 
wicklung  zu  geben,  so  wie  wir  sie  nach  unseren  theosophischen 
Erkenntnissen  geben  konnen.  Ich  bitte  Sie  zu  beriicksichtigen,  daft 
ich,  weil  wir  nur  ein  paar  Stunden  zur  Verfugung  haben,  nur  eine 
kurze  Skizze  geben  kann,  in  der  manches  nur  angedeutet  werden 
kann.  Es  wird  sich  vielleicht  eine  Gelegenheit  ergeben,  dies  spater 
weiter  auszufuhren. 

Bevor  wir  im  theosophischen  Sinne  die  Entwicklungsgeschichte 
des  Weltalls  und  vor  alien  Dingen  die  Bildung  unseres  irdischen 
Planeten  verfolgen,  miissen  wir  uns  einige  Begriffe  aneignen,  wel- 
che  der  abendlandische  Mensch  dadurch,  daft  er  so  lange  Zeit  hin- 
durch  sich  ausschlieftlich  mit  physischen  Erscheinungen  befaftt  hat, 
gar  nicht  mehr  hat.  In  jedem  Buche,  das  von  Kosmologie  handelt, 
wird  ja  immer  wieder  darauf  hingewiesen,  daft  wir  nur  einen  Blick 
in  den  Weltenraum  zu  senden  brauchen,  um  zu  sehen,  wie  Tausen- 
de  und  Abertausende  von  Welten  vor  unseren  Blicken  sich  ausbrei- 
ten,  die  so  wie  unser  eigenes  Sonnensystem  sind,  und  daft  unsere 
Erde,  der  Planet,  auf  dem  unser  Leben  seit  Millionen  von  Jahren 
sich  abspielte,  sich  wie  ein  kleines  Staubkornchen  innerhalb  dieser 
vielen  Welten  ausnehme;  und  wie  ein  winziges  Lebewesen  auf  die- 
sem  Staubkornchen  im  Weltenall  nehme  sich  der  Mensch  dabei  aus. 
Das  alles  hatte  die  Naturwissenschaft  seit  dem  Heraufkommen  der 
kopernikanischen  Theorie  erkannt.  Es  wird  uns  gesagt  von  der 
Wissenschaft,  wie  falsch  es  gewesen  sei,  daE  der  Mensch  in  alten 
Zeiten  die  Erde  als  Mittelpunkt  der  Welt  angesehen  und  geglaubt 
habe,  das,  was  kosmisch  geschehen  sei,  sei  nur  eine  Vorbereitung 
fur  das  eigene  menschliche  Dasein.  Es  wurde  uns  eingescharft  von 
der  Wissenschaft,  wie  klein  der  Mensch  ist  gegemiber  dem  Welten- 
all. Es  sei  eine  Uberheblichkeit  des  Menschen  zu  glauben,  daft  die 
Welt  um  seinetwillen  so  gestaltet  sei,  wie  sie  gestaltet  ist.  Schon 


Schiller  hat  ja  gegen  diese  Anschauung  und  Empfindungsweise  die 
schonen  Worte  «An  die  Astronomen»  gerichtet: 

Schwatzet  mir  nicht  so  viel  von  Nebelflecken  und  Sonnen! 
1st  die  Natur  nur  gro£,  weil  sie  zu  zahlen  euch  gibt? 
Euer  Gegenstand  ist  der  erhabenste  freilich  im  Raume; 
Aber,  Freunde,  im  Raum  wohnt  das  Erhabene  nicht. 

Und  Goethe,  von  dem  Sie  ja  aus  anderen  Vortragen  wissen,  dafi 
er  okkultes  Wissen  hatte,  driickt  seine  Gedanken  iiber  diesen 
Punkt  etwa  so  aus:  Wozu  ware  doch  endlich  die  ganze  Welt  mit 
ihren  Sonnensystemen  und  Sternen,  wenn  sie  nicht  auf  den  Men- 
schen  hinzielt,  dafi  er  sich  an  alldem  erbauen  und  erfreuen  konnte? 

-  Sie  sehen,  Menschen  mit  einer  wahren  geistigen  Weltanschauung 
wie  diese  beiden,  konnten  sich  nicht  begniigen  mit  der  Idee  von  der 
Winzigkeit  des  Menschen  und  der  Staubkornchenhaftigkeit  der 
Welt. 

Lassen  Sie  uns  jetzt  im  Sinne  der  Theosophie  die  Kosmologie 
und  den  Menschen  in  seinem  Verhaltnis  zur  ganzen  Entwicklungs- 
geschichte  betrachten.  Einige  Vorstellungen  mufi  ich  da  voraus- 
schicken.  Sehen  wir  uns  einmal  an,  welche  Stellung  der  gegen- 
wartige  Mensch  vom  kosmologischen  Standpunkt  aus  in  der  Welt 
einnimmt.  Alles  das,  was  der  Mensch  mit  den  Sinnen  erfassen  kann 

-  seien  es  die  groben  Sinne  des  Alltags  oder  die  feineren,  die  die 
Naturwissenschaft  mit  ihren  Mikroskopen  und  Zergliederungsme- 
thoden  uns  bieten  kann  -,  alles  das,  was  uns  da  am  Menschen  ent- 
gegentritt,  ist  schliefilich  nur  der  aufiere,  physische  Mensch.  Die- 
jenigen,  die  schon  haufiger  theosophische  Vortrage  gehort  haben, 
wissen,  dafi  dieser  aufiere  Mensch  nur  die  Hiille,  die  au$ere  Offen- 
barung  des  eigentlichen,  inneren  Menschen  ist.  Was  ist  nun  der 
physische  Mensch?  Wenn  Sie  anatomisch  den  physischen  Men- 
schen studieren,  dann  werden  Sie  finden,  dafi  er  aus  verschiedenen 
Systemen  besteht:  aus  dem  Knochen-  und  dem  Muskelsystem,  aus 
dem  Nervensystem,  das  sich  zu  einem  Gehirn  geformt  hat,  und  so 
weiter.  Sie  wissen  auch,  daE  das  Gehirn  das  Organ  des  Denkens  ist. 


Als  Theosophen  wissen  Sie  auch,  dafi  nicht  das  Gehirn  es  ist,  das 
denkt,  sondern  dafi  das  Gehirn  nur  Werkzeug  ist,  also  da£  das 
eigentliche  Wesen  des  Menschen  sich  des  Gehirns  nur  als  eines 
Denkwerkzeuges  bedient.  Dieses  Wesen,  das  im  Menschen  denkt, 
kann  man  nicht  mit  physischen  Sinneswerkzeugen  wahrnehmen; 
das  kann  sogar  derjenige  noch  nicht  sehen,  dessen  astrale  Sinne 
erschlossen  sind.  Es  gehort  schon  ein  sehr  ausgebildeter  Hellse- 
hersinn  dazu,  urn  wirklich  wahrnehmen  zu  konnen,  was  da  eigent- 
lich  im  Menschen  denkt.  Im  theosophischen  Sinne  bezeichnen  wir 
das,  was  im  Menschen  denkt,  als  das  wahre  Selbst  des  Menschen. 
Dieser  innere  Wesenskern,  dieses  wahre  Selbst  des  Menschen,  ist 
geistiger  Natur.  Es  ist  nicht  etwas,  das  sich  im  Raume  ausdehnt  und 
nicht  etwas,  das  in  der  Zeit  dahinflielk.  Es  ist  zeitlos  und  raumlos, 
es  besteht  iiber  Zeit  und  Raum  hinaus,  es  ist  ewig.  Sie  haben  von 
diesem  Selbst  eine  Beschreibung  in  meinen  Vortragen  iiber  das 
Devachan  erhalten,  und  Sie  werden  eine  genaue  Beschreibung  fin- 
den  konnen  in  meinem  in  den  nachsten  Tagen  herauskommenden 
Buche  iiber  «Theosophie». 

Um  in  dieser  gegenwartigen  Entwicklungsepoche  der  Mensch- 
heit  leben  und  denken  zu  konnen,  braucht  das  geistige  Selbst  ein 
physisches  Gehirn.  Wir  konnten  mit  diesem  geistigen  Selbst  in  der 
astralen  Welt  und  in  der  devachanischen  oder  mentalen  Welt  wahr- 
nehmen ohne  physisches  Gehirn,  aber  in  dieser  au£eren,  phy- 
sischen Welt  konnen  wir  nur  mit  dem  physischen  Gehirn  wahrneh- 
men. Wenn  wir  den  gegenwartigen  Menschen  richtig  verstehen 
wollen,  so  miissen  wir  sagen:  Der  gegenwartige  Mensch  ist  ein 
Geistesselbst,  verkorpert  in  einem  physischen  Gehirn.  Dieses  phy- 
sische  Gehirn  mulke  aber  erst  entstehen,  es  mufite  sich  erst  entwik- 
keln,  es  ist  nicht  ewig  wie  das  geistige  Selbst.  Das  Geistesselbst 
konnen  wir  zuriickverfolgen  bis  in  unendlich  feme  Zeiten  der 
Vergangenheit  und  auch  verfolgen  bis  in  unendlich  feme  Zeiten  der 
Zukunft.  Ab  einem  bestimmten  Zeitpunkt  hat  sich  dieses  Geistes- 
selbst umkleidet  mit  dem  Gehirn,  es  hat  sich  das  Gehirn  anerschaf- 
fen,  es  hat,  seiner  eigenen  Wesenheit  entsprechend,  dieses  Gehirn 
gebildet.  Man  kann  ein  solches  Organ  in  der  physischen  Natur 


nicht  so  ohne  weiteres  bilden.  Das  ware  ganz  unmoglich,  dafi 
durch  irgendeinen  Prozefi  der  Welt  jetzt  jemand  ein  lebensfahiges 
Gehirn  in  den  Raum  hinein  erschaffen  wiirde.  Es  wiirde  ein  kiinst- 
liches  Ding  sein,  aber  kein  lebensfahiges  Gehirn,  dessen  sich  ein 
Geist  als  Werkzeug  bedienen  konnte.  Dazu,  dafi  ein  solches  Gehirn 
entstehen  konnte,  mufken  sich  zuvor  andere  Organe  entwickeln. 
Ein  Gehirn  kann  nur  in  einem  solchen  physischen  Leib,  wie  der 
Menschenleib  es  ist,  sich  entwickeln.  Deshalb  war  es  notwendig, 
dafi  der  Entwicklung  unseres  Gehirnwerkzeuges  die  Entwicklung 
des  iibrigen  Menschenleibes  vorausging.  Wenn  wir  zuruckblicken 
auf  die  Entwicklungsstadien,  die  unseren  jetzigen  vorangegangen 
sind,  so  sehen  wir,  wie  langsam  und  allmahlich  sich  das  erst  heraus- 
gebildet  hat,  was  heute  der  Mensch  als  sein  Werkzeug  besitzt, 
durch  das  er  sich  mit  seiner  Umwelt  verstandigt.  Das,  verehrte 
Anwesende,  daft  der  Mensch  mit  seinem  geistigen  Selbst  solche 
Organe  bekam,  die  ihn  in  dieser  Art  zum  Verstandnis  der  Welt 
fuhren  konnten,  das  ist  Ziel  und  Zweck  unserer  gegenwartigen 
irdischen  Entwicklung.  Alles,  was  auf  dieser  Erde  seit  Jahrmillio- 
nen  geschehen  ist,  ist  zu  dem  Ziele  geschehen,  daft  die  Entwicklung 
den  Punkt  erreichen  kann,  in  dem  ein  Geistesselbst  sich  eines 
Gehirns  bedienen  kann. 

Versetzen  Sie  sich  einmal  einen  Augenblick  mit  mir  zuriick  an 
den  Anfangspunkt  unserer  irdischen  Entwicklung.  Derjenige,  des- 
sen mentales  Schauen  ausgebildet  ist,  wird  folgende  Wahrnehmung 
vor  sich  haben:  Am  Beginn  unserer  planetarischen  Entwicklung 
hatte  unser  Geistesselbst  eine  bestimmte  Stufe  seines  Daseins  er- 
reicht.  Jeder  von  uns  war  damals,  als  die  Erde  in  ihrem  Keimzu- 
stand  war,  auf  einer  bestimmten  Stufe  der  Entwicklung.  Sie  konnen 
sich  alle  die  geistigen  Selbste,  die  auf  unserer  Erde  heute  verkorpert 
sind,  waren  oder  sein  werden,  zuriickversetzt  denken  in  den  Zeit- 
punkt,  wo  unsere  irdische  Entwicklung  begonnen  hat.  Sie  alle 
waren  damals  schon  vorhanden,  allerdings  nicht  so,  wie  Sie  heute 
sind,  sondern  in  einem  ganz  anderen  Zustande.  In  der  irdischen 
Entwicklung  haben  wir  eine  ganz  bestimmte  Aufgabe;  der  Mensch 
mufi  durch  diese  irdische  Entwicklung  etwas  werden.  Lassen  Sie 


mich  in  erzahlender  Form  mit  wenigen  Worten  andeuten,  was  das 
Geistesselbst  war,  als  es  eintrat  in  die  irdische  Entwicklung.  Als  es 
vor  den  Toren  unseres  irdischen  Daseins  stand,  da  hatte  unser 
Geistesselbst  ein  ganz  anderes  Bewufttsein,  als  wir  es  heute  haben. 
Wir  konnen  uns  das  begreiflich  machen,  wenn  wir  uns  in  die  Lage 
eines  dumpf  Traumenden  versetzen,  der  nicht  imstande  ist,  uber 
die  Bilder,  welche  vor  seinem  Bewufttsein  vorbeihuschen,  in  Be- 
griffen  nachzudenken,  sondern  sie  einfach  vor  sich  hingestellt  hat 
und  sie  wie  ein  Panorama  vor  sich  abspielen  sieht.  Jedes  einzelne 
Geistesselbst  hatte  dieses  Traumbewufitsein,  und  das  muftte  durch 
die  irdische  Entwicklung  hindurchgehen  und  mull  auch  durch  fer- 
nere  Entwicklungen  hindurchgehen,  um  sich  aus  dem  dumpfen 
Bewufttsein  des  bildhaften  Anschauens  zu  entwickeln  zum  hellen, 
klaren,  begrifflichen  Tagesbewufttsein.  Der  traumartige-  Bewuftt- 
seinszustand,  in  dem  das  geistige  Selbst  am  Anfang  der  irdischen 
Entwicklung  war,  ist  vergleichbar  dem  des  Tieres,  aber  die  Be- 
wufttseinshohe  ist  nicht  dieselbe.  Das  ist  die  Aufgabe,  die  unser 
geistiges  Selbst  wahrend  des  Ganges  dieser  planetarischen  Periode 
zu  leisten  hat,  daft  das  Bewufttsein  immer  heller  und  heller  wird; 
und  wenn  wir  in  ferner  Zukunft  herausgehen  werden  aus  dieser 
irdischen  Entwicklung,  werden  wir  dieses  helle,  klare  Bewufttsein 
bis  zum  hochsten  Gipfel  gebracht  haben. 

Die  Wesenheiten,  die  damals  in  die  irdische  Entwicklung  einge- 
treten  sind,  nennen  wir  «Pitris»,  das  heiftt  «Vater».  Solche  Pitris 
waren  wir  damals;  diese  Natur  haben  wir  uns  angeeignet  gehabt  in 
dem  friiheren  Zustande  der  Entwicklung.  Bevor  wir  in  die  irdische 
Entwicklung  eingetreten  sind,  haben  wir  schon  Vorstufen  durchge- 
macht,  und  wir  haben  uns  heraufgearbeitet  bis  zum  traumhaften 
Zustande  des  Pitri.  Nun  wissen  wir  also,  wo  wir  selbst  gestanden 
haben,  als  die  irdische  Entwicklung  begann.  Die  Pitris  muftten  sich 
stufenweise  mit  all  denjenigen  Organen  umgeben,  die  sie  brauch- 
ten,  um  mittels  eines  physischen  Gehirns  innerhalb  derjenigen 
physischen  Korperlichkeit,  die  wir  heute  kennen,  sich  mit  der 
Umwelt,  die  auch  eine  physische  ist,  verstandigen  zu  konnen.  Das 
letzte,  was  der  Mensch  erreichen  muftte  -  das  geht  aus  den  vorher- 


gehenden  Betrachtungen  hervor  -,  war:  er  muftte,  damit  sein  Selbst 
im  Physischen  denken  kann,  selbst  ein  physisches  Denkwesen 
werden. 

Und  nun  komme  ich  zu  der  zweiten  Vorstellung,  die  ich  voraus- 
schicken  raufi.  Wenn  Sie  das  Gehirn  priifen,  wenn  Sie  es  in  wissen- 
schaftlicher  Weise  nach  alien  Seiten  untersuchen,  dann  werden 
Sie  finden,  dafi  dieses  menschliche  Gehirn,  wenn  es  blofi  mit  den 
Sinnen  untersucht  wird,  aus  denselben  Stoffen  besteht  und  durch 
dieselben  Krafte  gelenkt  wird  wie  die  iibrigen  physischen  Wesen 
auf  der  Erde.  Wenn  Sie  einen  Bergkristall,  ein  Stuck  Kalkspat,  ein 
Stuck  Steinsalz,  eine  Pflanze,  ein  Tier  ansehen  und  sie  chemisch 
und  physikalisch  untersuchen,  so  werden  Sie  finden,  dafi  die  ganze 
physische  Natur,  insofern  sie  mit  Augen  gesehen,  mit  Handen  ge- 
griffen  werden  kann,  in  gleichartiger  Weise  aus  denselben  chemi- 
schen  und  physikalischen  Kraften  besteht,  die  eben  im  Mineral- 
reich,  im  Pflanzen-  und  im  Tierreich  wirken.  Deshalb  sagen  wir  in 
der  Theosophie:  Damit  der  Mensch  seine  gegenwartige  Stufe  der 
Entwicklung  erreichen  konnte,  mulke  er  sein  spirituelles  Selbst 
umkleiden  mit  einem  mineralischen  Korper.  Das  geistige  Selbst  hat 
sich  einen  mineralischen  Korper  anerschaffen.  Das  brauchte  eine 
lange  Zeit,  und  dieser  Prozefi  ist  auch  heute  noch  nicht  abgeschlos- 
sen.  Der  Mensch  wird  in  der  Zukunft  noch  weiter  in  dieser  mine- 
ralischen Hulle  sich  entwickeln.  Es  gibt  noch  keimhafte  Organe  in 
unserem  Korper,  die  sich  erst  ausbilden  miissen,  neue  Sinne,  die 
heute  erst  andeutungsweise  vorhanden  sind.  Sie  sehen,  eine  lange 
Zeit  brauchte  der  Mensch  -  sein  geistiges  Selbst  -,  um  sich  zu 
umkleiden  mit  dem  physischen  Korper,  den  er  heute  hat. 

Versetzen  Sie  sich  nun  in  den  Zeitpunkt,  wo  das  geistige  Selbst 
des  Menschen  begonnen  hat  mit  der  Arbeit,  sich  diesen  minerali- 
schen Korper  zu  bilden,  der  gehen  und  stehen  kann,  der  alle 
Wachstums-  und  Fortpflanzungsverrichtungen  hat,  wie  sie  fur  den 
Menschen  eine  Notwendigkeit  sind,  der  ein  Nervensystem  hat  und 
ein  Gehirn,  wie  der  Mensch  es  braucht.  Versetzen  Sie  sich  zuriick 
in  die  Zeit,  wo  das  alles  in  einem  ersten  Keimzustand  war,  und 
dann  versetzen  Sie  sich  in  eine  Zeit,  wo  der  Mensch  den  hochsten 


Punkt  seiner  Entwicklung  erreicht  haben  wird,  wo  in  der  Mitte 
seines  Kopfes  ein  Organ  sich  entwickelt  haben  wird,  durch  das  er 
andere  Wahrnehmungen  wird  machen  konnen,  als  wir  es  heute 
konnen.  In  dem  Zeitabschnitt  zwischen  diesen  beiden  Punkten 
verlauft  die  ganze  mineralische  Entwicklung  des  gegenwartigen 
Menschen.  Einen  solchen  Zeitabschnitt  nennen  wir  in  der  theoso- 
phischen  Ausdrucksweise  eine  «Runde».  Die  Runde,  die  ich  Ihnen 
jetzt  beschrieben  habe,  diesen  Entwicklungsabschnitt,  nennen  wir 
die  «mineralische  Runde».  Bevor  der  Mensch  aber  diesen  Korper 
so  ausbildete,  urn  sich  das  Werkzeug  des  Gehirns  zu  schaffen, 
mufite  er  erst  andere  Teile  seines  Wesens  vorbereiten.  Das  geistige 
Selbst,  dieses  rein  spirituelle  Wesen,  hatte  nicht  einfach  einen  sol- 
chen mineralischen  Korper  dirigieren  konnen.  Denken  Sie  sich  das 
geistige  Selbst  meinetwillen  als  einen  Punkt,  und  denken  Sie  sich 
den  Punkt  im  Innern  eines  Mechanismus,  wie  es  unser  Korper  ist; 
dieser  Punkt  wurde  nimmermehr  den  Mechanismus  bewegen  kon- 
nen, er  wurde  nimmermehr  imstande  sein,  durch  ein  physisches 
Gehirn  zu  denken. 

Somit  haben  wir  zweierlei:  Wir  wissen,  daft  unser  geistiges 
Selbst  im  Anfang  ein  traumhaftes  Bewufitsein  hatte,  niemals  aber 
hatte  es  den  mineralischen  Korper  dirigieren  konnen.  Es  mulke 
sich  einen  Vermittler  schaffen,  um  den  Korper  bewegen  zu  konnen. 
Wodurch  bewege  ich  meine  Hand?  Ich  fasse  zuerst  den  Gedanken: 
Ich  will  die  Hand  bewegen.  -  Hatte  ich  blofi  den  Gedanken,  so 
wurde  der  Gedanke  zwar  in  mir  leben,  aber  er  wurde  nie  eine 
physische  Hand  in  die  Hohe  bewegen  konnen,  geradesowenig,  wie 
der  blofie  Gedanke  zum  Beispiel  eine  Flasche  in  die  Hohe  heben 
konnte.  Wollen  Sie  die  Flasche  bewegen,  so  miifite  zu  dem  Gedan- 
ken noch  eine  Kraft  hinzukommen,  die  der  Vermittler  ist  zwischen 
dem  Gedanken  und  meinem  physischen  Korper.  Und  diese  Kraft 
nennen  wir  eine  astralische  Kraft.  Das  ist  eine  Kraft,  wie  es  sie  in 
der  astralen  Welt  gibt.  Ich  wurde  meinen  Arm  nicht  bewegen  kon- 
nen, wenn  nicht  zwischen  meinem  Gedanken  und  meinem  phy- 
sischen Korper,  zu  dem  mein  Arm  gehort,  in  mir  eine  astrale  Kraft 
ware,  die  den  Vermittler  bildet  zwischen  meinem  Gedanken  und 


meinem  physischen  Korper,  meinem  physischen  Arm.  Es  mufi 
zwischen  meinem  geistigen  Selbst  und  meinem  physischen  Korper 
ein  Vermittler  da  sein,  und  dieser  Vermittler  ist  von  astralischer 
Wesenheit.  Ob  ich  mein  Bein,  meine  Hand  bewege,  ob  ich  mein 
Gehirn  in  Bewegung  bringe,  urn  Gedanken  auszuhecken  -  mein 
physischer  Korper  muE  durch  den  astralischen  Organismus  ver- 
bunden  sein  mit  meinem  Gedanken. 

Sie  wissen  aus  friiheren  Vortragen,  daft  der  Mensch  einen  sol- 
chen  Astralkorper  hat,  den  der  Hellseher  in  einer  astralen  Wolke 
sieht,  die  wir  seine  Aura  nennen,  in  der  seine  Wiinsche,  sein  Wollen 
und  seine  Begierden  leben.  Fasse  ich  einen  Gedanken,  so  ist  der 
Gedanke  allein  ohnmachtig,  etwas  zu  tun.  Tritt  dazu  der  Wunsch, 
der  Wille, 
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