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RUDOLF STEINER GES AMTAUSG ABE
VORTRAGE
VORTRAGE VOR MITGLIEDERN
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT
RUDOLF STEINER
Bewufitsein - Leben - Form
Grundprinzipien der
geisteswissenschaftlichen Kosmologie
Niederschriften und Vortrage
aus den Jahren 1903 - 1906
2001
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH / SCHWEIZ
Herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung
Die Herausgabe besorgten Hella Wiesberger und Ulla Trapp
1. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 2001
Friihere Veroffentlichungen
siehe zu Beginn der Hinweise
Bibliographie-Nr. 89
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaftverwaltung, Dornach/Schweiz
© 2001 by Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
Satz: Rudolf Steiner Verlag / Bindung: Spinner GmbH, Ottersweier
Printed in Germany by Konkordia Druck, Buhl
ISBN 3-7274-0890-1
Zu den Veroffentlichungen
aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner
Die Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners (1861-1925) gliedert
sich in die drei groften Abteilungen: Schriften - Vortrage - Kiinst-
lerisches Werk (siehe die Ubersicht am Schlufi des Bandes).
Urspriinglich wollte Rudolf Steiner nicht, daft seine frei gehal-
tenen Vortrage - sowohl die offentlichen als auch die fur die Mit-
glieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Gesell-
schaft - schriftlich festgehalten wiirden, da sie von ihm als «mund-
liche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht waren.
Nachdem aber zunehmend unvollstandige und fehlerhafte Horer-
nachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich veran-
lafit, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute er
Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Stenogra-
fierenden, die Verwaltung der Nachschriften und die fur die Her-
ausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner nur
in ganz wenigen Fallen die Nachschriften selbst korrigiert hat,
mufi gegenuber alien Vortragsveroffentlichungen sein Vorbehalt
beriicksichtigt werden: «Es wird eben nur hingenommen werden
miissen, dafi in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich
Fehlerhaftes findet.»
Uber das Verhaltnis der Mitgliedervortrage, welche zunachst
nur als interne Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu seinen
offentlichen Schriften aufiert sich Rudolf Steiner in seiner Selbst-
biographie «Mein Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende
Wortlaut ist am Schlufi dieses Bandes wiedergegeben. Das dort
Gesagte gilt gleichermafien auch fur die Kurse zu einzelnen Fach-
gebieten, welche sich an einen begrenzten, mit den Grundlagen
der Geisteswissenschaft vertrauten Teilnehmerkreis richteten.
Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemaft
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Ge-
samtausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Be-
standteil dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich
nahere Angaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise.
INHALT
Zu dieser Ausgabe 13
Leitworte 17
I
GEISTESWISSENSCHAFTLICHE KOSMOLOGIE
Niederschriften und Vortrage
Niedersch riften
Entwurf zur Darstellung der geisteswissenschaftlichen
Kosmologie 21
Fragment aus dem Jahre 1903/04
Die Entwicklung der Erde 67
Aufzeichnung fur Marie von Sivers, 6./7. Januar 1906
Das Wesen des Christus als der umgekehrte
makrokosmische Mensch . . . 71
Aus einem Brief an Marie von Sivers vom 13. Januar 1906
Die Namen der Wochentage und die Evolution
des Menschen 73
Beilage zu einem Brief an Marie von Sivers vom 25. November
1905
Theosophische Kosmologie
Drei Vortrage
Erster Vortrag, Berlin, 26. Mai 1904 81
Schwierigkeiten in der Darstellung der kosmologischen Entwick-
lung bei theosophischen Schriftstellern (Blavatsky, Sinnett). Theo-
sophische Kosmologie und heutige Wissenschaft. Was ist ein Ein-
geweihter? Zuriickhalten des okkulten Wissens in friiherer Zeit.
Aufgabe der theosophischen Bewegung: Mitteilen der okkulten
Weisheiten in Gedankenformen des modernen Lebens.
Zweiter Vortrag, 2. Juni 1904
Die geistige Natur des menschlichen Selbstes; das physische Ge-
hirn als Werkzeug. Bewuikseinszustand des geistigen Selbstes zu
Beginn der Erdenentwicklung. Die Entwicklung der Erde in sieben
Stufen («Runden»): Arupa-Runde, Rupa-Runde, astralische und
mineralische Runde; die Zukunft der Erde. Der Mensch als Mit-
schopfer der Naturreiche
Dritter Vortrag, 9. Juni 1904
Stufen der Erdenentwicklung. Manvantara und Pralaya. Entste-
hung der Materie. Die ersten drei «Runden». Die Erde im Zustan-
de des Feuers, des Athers, der Nebelgebilde. Die vierte «Runde»:
unsere heutige Erde. Der Mensch in der lemurischen, der atlanti-
schen und der gegenwartigen Zeitepoche. Die Schopfungstage der
Genesis.
Die planetarische Entwicklung
Zwolf Vortrdge
Erster Vortrag, Berlin 17. Oktober 1904
Der Mensch als korperlich-seelisches und als geistiges Wesen.
Seele und Korper als Hiillen des sich entwickelnden Geistes. Das
Wirken der «Herren der Weisheit» und der «Herren der Liebe».
Luzifer als Fiihrer des menschlichen Intellektes. Zukunft der Er-
denentwicklung: Verwandeln der Weisheit in Liebe. Aufsteigende
und absteigende Evolution.
Zweiter Vortrag, 19. Oktober 1904
Dhyanische Wesenheiten, die an der Ausgestaltung des physischen
Menschen beteiligt sind. Gefahren einseitiger Entwicklung durch
verhartende oder vergeistigende Stromung. Christus, der Herr der
Liebe. Die Menschwerdung des Christus als kosmisches Ereignis.
Ubersicht iiber die Unterrassen der funften Wurzelrasse.
Dritter Vortrag, 22. Oktober 1904
Bewufksein, Leben, Form. Dhyanis, Substanzen und Elementar-
wesen in ihrer Beziehung zu Bewuiksein, Leben und Form. Der
Hiiter der Schwelle. Notwendigkeit moralischer Erziehung.
Vierter Vortrag, 25. Oktober 1904
Drei Prinzipien des Evolutionsverlaufes: Bewulksein, Leben,
Form. Die sieben Zustande des Bewufksein, die sieben Etappen
des Lebens und die sieben Stadien der Form. Der Durchgang der
sich entwickelnden Wesen durch diese Zustande. Die drei Logoi.
Fiinfter Vortrag, 29. Oktober 1904
7 Entwicklungsstufen des Bewufkseins = Planeten; 7 Lebensstufen
- Runden; 7 Formstufen = Globen. Der Durchgang des Menschen
durch die verschiedenen Bewufitseins-, Lebens- und Formzu-
stande.
Sechster Vortrag, 31. Oktober 1904
Entwicklung des Menschen und der Naturreiche auf dem alten
Mond und auf der Erde. Hoherentwicklung des Menschen und
Zuriicklassen der Naturreiche. Erlosung der Naturreiche auf
spateren Entwicklungsstufen. Bruderlogen und dhyanische We-
senheiten.
Siebenter Vortrag, 1. November 1904
Die Metamorphose von Nehmen und Geben, von Wahrnehmen
und Tatigkeit in der Entwicklung des Menschen. Ordnen der Welt
nach Mafi, Zahl und Gewicht. Das Wirken der Dhyanis und der
sieben Klassen von Pitris. Die grofien Lehrer der Menschheit.
Achter Vortrag, 2. November 1904
Begabung des physischen Korpers mit der Kraft des Denkens.
Entstehung der zwei Geschlechter. Intentionen der Jahve-Elohim
und der luziferischen Wesenheiten. Urspriingliche Verehrung Lu-
zifers in esoterischen Schulen. Evolution und Involution bei der
Bildung der Sinne: Gehor in der polarischen Zeit, Gefuhl in der
hyperboraischen, Gesicht in der lemurischen und Geschmack in
der atlantischen Zeit. Umwandlung der alten Sinne zu zukiinf-
tigen, spirituellen Sinnen.
Neunter Vortrag, 3. November 1904
Erde und Mensch in der lemurischen Zeit. Bildung von Sinnesor-
ganen in der sich verdichtenden Materie. Wechselwirkung von
Innen und Aufien, von Aktivitat und Passivitat. Sein als Ergebnis
von Tatigkeit. Aktives und passives Denken. Leben und Sein. Uber
die Herren des Karma.
Zehnter Vortrag, 5. November 1904 . 176
Entwicklung der Zahlenverhaltnisse im universellen Raum. Die
Prajapatis des Bewufitseins, des Lebens und der Form. Die Bedeu-
tung der Zahl 1065. Uber die Chakrams des Astralkorpers. Der
erste «menschliche» Manu.
Elfter Vortrag, 9. November 1904 186
Geistige, seelische und korperliche Wirkensformen - Budhi,
Kama, Prana - und ihre Grenzen; das Ich-Bewufitsein. Offenba-
rungen der Planetengeister. EinzelbewufStsein und gemeines Ideal;
die Entstehung einer Bruderloge. Gesetz der Form: Geburt und
Tod; Gesetz des Lebens: Wiedergeburt; Gesetz des Geistes: Kar-
ma.
Zwolfter Vortrag, 10. November 1904 194
Die Weltschopfung als freie Tat des Logos. Der drei Logoi. Drei
Teile (Gunas) des dritten Logos - Tamas (geistige Finsternis),
Rajas (das absolute Verlangen), Sattwa (ein einfache Spiegelbild des
ersten Logos). Die sieben schopferischen Krafte und das Hervor-
gehen der Prajapatis des BewufStseins, des Lebens und der Form
aus diesen Kraften. Bewufitsein und Nirwana-Plan.
II
LOGOSOPHIE - KOSMOSOPHIE
Niederschriften und Vortragsnotizen
Vorbemerkungen 207
Niederschriften
Die erste, zweite und dritte Sohnschaft Gottes 209
Undatierte Aufzeichnung, ca. 1903/1904
Die Gottheit offenbart sich als All-Seele und All-Leben . 213
Niederschrift fur Jan Peelen, 27. April 1905
Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Menschheit 223
Niederschrift fur Edouard Schure, Mai 1906
Private Lebrstunden, Berlin/ Schlachtensee
Der erste, zweite und dritte Logos, Sommer 1903 . . . 230
aufgezeichnet von Marie von Sivers
Die Logoi, 2. Juli 1904 236
aufgezeichnet von Marie von Sivers
Evolution und Involution, 3. Juli 1904 (mit Faksimile) . 241
aufgezeichnet von Marie von Sivers
Sein [Form], Leben, Bewufksein I., 4. Juli 1904 .... 245
aufgezeichnet von Marie von Sivers
Sein [Form], Leben, Bewufksein II., 7. Juli 1904 .... 251
aufgezeichnet von Marie von Sivers
Uber die Logoi, vermutlich 1904 255
Undatierte Aufzeichnungen von Mathilde Scholl
Anhctng: Vortragsausziige
Aus Vortrag Berlin, 30. Oktober 1905 259
Aus Vortrag Stuttgart, 15. September 1907 264
Aus Vortrag Berlin, 17. Juni 1909 268
III
EINZELVORTRAGE
Notizen
Vortrag Berlin, 18. Marz 1904 273
Uber die Kabbala
mit 4 Notizblattern zum Sephirot-Kategorien-Problem
Vortrag Berlin, 27. Marz 1905 280
Symbole als Ausdruck der Urweisheit
Vortrag Berlin, 3. April 1905 288
Uber das zehnblattrige Buch
Hinweise zum Text 299
Faksimile Verlags-Vertrag - Entwurf zu dem geplanten
Fortsetzungsband der «Theosophie» 316
Sonderhinweis 318
Personenregister 325
Erklarungen indisch-theosophischer Ausdriicke 327
Rudolf Steiner uber die Vortragsnachschriften 331
Ubersicht iiber die Rudolf Steiner Gesamtausgabe . . . 333
Faksimiles von Aufzeichnungen Rudolf Steiners
72, 77, 184/185, 239, 276/277, 278/279, 286/287, 322
ZU DIESER AUSGABE
Die in diesem Band vereinigten Texte aus den Jahren 1903 bis 1906
sind Vorarbeiten zur Darstellung der Evolutionsgeschichte von
Mensch und Welt, wie sie in dem zu Beginn des Jahres 1910 er-
schienenen Werk «Die Geheimwissenschaft im Umrifi» veroffentlicht
wurde. Dieses Werk war von Anfang an angekiindigt als Fortsetzung
der im Juni 1904 erschienenen Schrift «Theosophie. Einfiihrung in
iibersinnliche Weltbestimmung und Menschenerkenntnis». Urspriing-
lich - also im Jahre 1903, in dem die «Theosophie» verfafk worden war
(Dornach, 29. April 1921 in GA 204) - hatte Rudolf Steiner beabsich-
tigt, auch die kosmologischen Zusammenhange als letztes Kapitel der
«Theosophie» anzufiigen. Er berichtet das in der mit 10. Januar 1925
datierten Vorrede zur 16.-20. Auflage der «Geheimwissenschaft». Die-
se urspriingliche Absicht mufi sich aber bald zu dem Plan eines
eigenstandigen Bandes gewandelt haben. Denn im Vortrag Berlin, 9.
Juni 1904, heifk es: «ein zweiter Band meiner <Theosophie>, der bald
erscheinen wird, soil von der Kosmologie handeln» (siehe S. 107).
Vermutlich war mit der Niederschrift damals schon begonnen worden,
da am 5. Dezember 1904 dariiber mit dem Verleger Max Altmann aus
Leipzig, der an diesem Tag in Berlin war, ein Gesprach stattfand,
worauf dieser mit Brief vom 9. Dezember 1904 einen entsprechend
vorbereiteten Verlagsvertrag sandte (siehe S. 107). Von diesem Plan
eines Bandes liber Kosmologie zeugt das im vorliegenden Band erst-
mals veroffentlichte Manuskript-Fragment.
Unabhangig davon begann gleichzeitig, ab Juli 1904, in der Zeit-
schrift «Luzifer-Gnosis» eine Darstellung der geisteswissenschaftlichen
Kosmologie mit der Aufsatzreihe «Aus der Akasha-Chronik» (GA 11),
bis die Zeitschrift wegen Uberbeanspruchung Rudolf Steiners im Jahre
1908 eingestellt werden mufke.* Damals wurden diese Aufsatze, eben-
so wie diejenigen «Wie erlangt man Erkenntnisse der hoheren
Welten?», als Sonderdruck-Sammelhefte herausgegeben und in einzel-
* In jenen Jahren entstanden noch zwei weitere Niederschriften zur Kosmologie.
Siehe «Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung
der Esoterischen Schule 1904-1914», GA 265, S. 250ff und S. 372ff.
ne Kapitel mit Uberschriften gegliedert. 1909 wurden die Aufsatze
«Wie erlangt man Erkenntnisse der hoheren Welten?» als Buchausgabe
herausgegeben - das Vorwort ist gezeichnet mit Berlin, 12. Oktober
1909 -, jedoch nicht die Aufsatze «Aus der Akasha-Chronik». Ganz
offensichtlich deshalb nicht, weil inzwischen die Arbeit an dem lange
schon angekiindigten kosmologischen Hauptwerk «Die Geheimwis-
senschaft im Umrif?» beendet war. Das Vorwort ist datiert «Geschrie-
ben Dezember 1909» .
In der schon erwahnten, mit 10. Januar 1925 datierten Vorrede zur
16.-20. Auflage, begriindet Rudolf Steiner, riickblickend auf den Plan
von 1903/04, warum dieser damals nicht realisiert wurde, so:
«Dieser Inhalt rundete sich damals, als die <Theosophie> ausgefiihrt
wurde, nicht in der Art in mir ab wie derjenige der <Theosophie>. Ich
hatte in meinen Imaginationen das geistige Wesen des Einzelmenschen
vor meiner Seele stehen und konnte es darstellen, nicht aber standen
damals schon die kosmischen Zusammenhange, die in der <Geheimwis-
senschaft> darzulegen waren, ebenso vor mir. Sie waren im einzelnen
da; nicht aber im Gesamtbild. Deshalb entschlofi ich mich, die <Theo-
sophie> mit dem Inhalte erscheinen zu lassen, den ich als das Wesen im
Leben eines einzelnen Menschen erschaut hatte, und die <Geheimwis-
senschaft> in der nachsten Zeit in aller Ruhe durchzufiihren.»
Dabei kann es sich nicht so sehr um das eigentlich Inhaltliche
gehandelt haben, sondern viel mehr um die Art der Darstellung, wie sie
von ihm fur die Offentlichkeit als notwendig erachtet wurde. Es ergibt
sich das aus dem sich an das Vorige unmittelbar anschliefienden Satz:
«Der Inhalt dieses Buches mulke nach meiner damaligen Seelenstim-
mung in Gedanken gegeben werden, die fur die Darstellung des Gei-
stigen geeignete weitere Fortbildungen der in der Naturwissenschaft
angewendeten Gedanken sind.» Ebenso heifit es auf die Ausarbeitung
der «Theosophie» zuriickblickend in seiner Autobiographic «Mein
Lebensgang» (33. Kap.): «Es war bei jedem Schritt mein Bestreben, nur
ja im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Denken zu bleiben.»
(Vgl. hierzu auch Vortrag Torquay, 20. August 1924, in GA 243).
Da gleichwohl von 1903 an in den Vortragen damit begonnen
wurde, auch die kosmische Evolutionsgeschichte zu schildern, so stellt
sich die Frage, in welchem Verhaltnis die Darstellungsweise in dem
Fragment von 1903/04 und in den Vortragen der friihen Jahre zu jener
in der «Geheimwissenschaft» stent? Die Frage klart sich, wenn zwi-
schen ideeller und imaginativer Darsteliungsart unterschieden und jede
als Aspekt einer schwierig darzustellenden Thematik verstanden wird.
Fur die Darsteliungsart der friihen Jahre gilt eindeutig ein ideeller
Aspekt. Es ist jener, der in dem Vortragszyklus «Die Apokalypse des
Johannes» bezeichnet wird als «Grundrift der Weltentwicklung», die
durchaus in Gemafiheit «ganz bestimmter Zahlenverhaltnisse» verlaufe.
(Niirnberg, 27. Juni 1908, GA 104). Dieser Grundrifi- Aspekt stent in
enger Verbindung mit den sogenannten sieben grossen Geheimnissen,
insbesondere mit dem zweiten derselben, dem Geheimnis der Zahl. Es
geht dies aus den hier vorliegenden Texten deutlich hervor. Das Ge-
heimnis der Zahl gehorte immer zu den wichtigsten Geheimnissen aller
Geheimschulen, da in der Urweisheit alles auf die Zahl gebaut war.
(Dornach, 21. November 1907, in GA 100, und Dornach, 15. Novem-
ber 1919, in GA 191). Denn der Forschungsweg des Okkultisten geht
in die Geistigkeit der Aufienwelt. Dort trifft man auf eine unendliche
Mannigfaltigkeit von Wesen und Verhaltnissen. Darum braucht es, um
wieder zunickzufinden, einen Ariadnefaden. Das ist die Zahl (Kopen-
hagen, 4. Juni 1910, in GA 125). Von altersher ist die Ordnung der
Welt daher auf die Zahl gebaut: Zahl im geheimwissenschaftlichen
Sinne gleichbedeutend mit Kategorien, Ur-Ideen, Weltgedanken.
Die kategoriale Darstellung der kosmischen Evolution fur weniger
bedeutsam einzustufen, als die imaginative, ware also keineswegs zu-
treffend. Hat doch Rudolf Steiner selbst noch am Ende seiner Vor-
tragstatigkeit im Jahre 1924 von diesen Kategorien oder Weltgedanken
als dem Alphabet der Weltenschrift gesprochen, auf dem die Ergebnis-
se seiner Geistesforschung beruhen. (Siehe den Sonderhinweis S. 318).
H. W.
Leitworte
So wie man von einer aufteren naturwissenschaftlichen Wissen-
scbaft aus liber die Aussenseite der Welt spricht, so kann man
[durch Geistesforschung] iiber die Innenseite der Welt sprechen.1
Konnen wir, auf uns selbst zuruckschauend uns selbst erkennen,
dann konnen wir auch im Kosmos beobacbten und dann ergeben
sich solche Beobachtungen, die uns eine wirkliche Kosmologie,
eine Kosmosophie lie fern.2
Ich babe zu zeigen versucht, daft es andere Methoden und Mittel
gibt, um iiber die Vorzeiten etwas zu erfahren, als die sind, auf
welche sich die Naturwissenschaft verlassen muft, andere als die
Erforschung der Resultate, die in der Erde zuriickgelassen wor-
den sind. Sie finden in meinen Darstellungen der Menschbeits-
geschicbte in den Aufsatzen «Aus der Akasba-Cbronik», aus der
inneren, mystischen Erfabrung heraus, alles, was in den soge-
nannten Geheimschulen iiber des Menschen Herkunft und seine
Gliederung in verschiedene Rassen von jeher gelehrt worden ist.3
Es wird im Kosmos iiberhaupt nichts betracbtet, obne daft man
gleichzeitig den Menschen darinnen hat. Es bekommt alles nur
dadurch Sinn und zu gleicher Zeit Erkenntnisboden, daft man es
in bezug auf den Menschen betracbtet. Nirgends wird der Mensch
ausgeschlossen. Diese anthroposophisch orientierte Geisteswissen-
schaft fubrt unsere Weltbetrachtung wiederum zu einer Betracb-
tung des menschlichen Wesens zurilck.4
1 Basel, 4. Mai 1920, in GA 334
2 Berlin, 11. April 1922, in GA 171
3 Berlin, 9. November 1905, in GA 54
4 Stuttgart, 4. Februar 1921 (nachmittags), in GA 334
I
GEISTESWISSENSCHAFTLICHE
KOSMOLOGIE
Niederschriften und Vortrage
Entwurf zur Darstellung
der geisteswissenschaftlichen Kosmologie
Fragment aus dem Jahre 1903/04
Das Dasein des gegenwartigen Menschen verlauft nicht bloft in
einem, sondern in mehreren Bewulkseinszustanden. Der gewohn-
liche [Zustand] ist derjenige, in dem sich der Mensch befindet von
dem Erwachen bis zum Einschlafen. Er nimmt in diesem Zustande
die Dinge durch seine Sinne wahr und bildet sich aus den Sinnes-
wahrnehmungen Vorstellungen. Dadurch ist fur ihn die physische
Welt vorhanden. Und auf sie beziehen sich auch die Krafte seiner
Seele, sein Denken, Fuhlen, Wollen und Handeln.
Mit diesem Zustand des Bewufitseins wechseln nun zwei andere
ab: der traumerfullte Schlaf und der tiefe, traumlose Schlaf. Man
bezeichnet diese Zustande oftmals mit dem Worte «unbewulk».
Doch ist diese Bezeichnung eine solche, die den hier in Betracht
kommenden Tatbestand verschleiert. Sie sind in Wahrheit nur
andere Arten des Bewufitseins. Man konnte sie dumpfere Arten
desselben nennen.
Der traumerfullte Schlaf zeigt nicht Gegenstande wie das wache
Tagesbewulksein, sondern in der Seele aufsteigende und ver-
schwindende Bilder. So sinnverwirrend sich diese Bilder dem ge-
wohnlichen Bewufksein gegeniiber auch ausnehmen: die Aufhel-
lung ihrer Wesenheit ist geeignet, tiefer in die Natur der Welt hin-
einzufuhren. Das, als was sie sich im nachtlichen Seelenleben dar-
stellen, kann keine rechte Grundlage fiir ihre Erkenntnis abgeben.
Eine solche ist erst fiir denjenigen Menschen vorhanden, der im
Sinne einer solchen Schulung, wie sie in diesem Buche beschrieben
wird, seine hoheren Erkenntniskrafte ausbildet, die ihn zu einem
Einblick in die iibersinnlichen Welten fiihren. In diesem Kapitel
soli eine Beschreibung der Tatsachen gegeben werden, die fiir diese
hoheren Welten gelten. Wer den Erkenntnispfad in diese Gebiete
selbst antritt, wird dann auch diese Tatsachen bewahrheitet finden.
Was an der Traumwelt zunachst auffallen mufi, ist der in ihren
Bildern auftretende sinnbildliche Charakter. Bei einer einigermaften
subtilen Aufmerksamkeit auf die bunte Mannigfaltigkeit der
Traumerlebnisse kann dieser Charakter klar werden. Von ein-
fachen Sinnbildern bis zu dramatischen Vorgangen finden sich alle
Zwischenstufen in dieser durch die Seele huschenden Welt. - Man
traumt von einer Feuersbrunst; man wacht auf und merkt, dafi man
neben der Lampe eingeschlafen war. Das Licht der Lampe hat man
da im Traume wahrgenommen, aber nicht so, wie es sich in der
gewohnlichen Welt den Sinnen darstellt, sondern im Sinnbild, als
Feuersbrunst. Oder man traumt von einer Reiterschar, die man
voriibertrampeln hort; man wacht auf, und das Pferdegetrampel
setzt sich unmittelbar fort als das Schlagen der Uhr, das sich auf
diese Art versinnbildlicht hat. - Man traumt von einem Tiere, das
einem an der Gesichtsseite kratzt; beim Aufwachen zeigt sich, daft
man an der betreffenden Stelle einen Schmerz fiihlt, der auf die
angegebene Art sein Traum-Sinnbild gefunden hat. - Ein langer
ausgesponnener Traum konnte etwa der folgende sein. Jemand
traumt, er gehe durch einen Wald. Er vernimmt ein Gerausch.
Beim Weitergehen tritt aus einem Gebiische ein Mensch auf ihn zu.
Dieser geht zum Angriffe iiber. Ein Kampf entspinnt sich, der
Angreifer schiefit. In diesem Augenblicke wacht der Trimmer auf,
und er merkt, dafi er eben den Stuhl neben seinem Bette umgewor-
fen habe. Der Aufschlag des Stuhles ist durch das Traumbewulk-
sein in die geschilderte sinnbildliche Handlung umgewandelt wor-
den. So konnen aufiere Vorgange oder auch innere Tatsachen, wie
in dem oben gegebenen Beispiele von dem kratzenden Tiere, durch
den Traum als Sinnbilder wahrgenommen werden. Auch Affekte,
Stimmungen konnen sich so darstellen. Jemand leidet zum Beispiel
unter dem bedriickenden Gefuhle, dafi fiir ihn in den nachsten
Tagen ein unangenehmes Ereignis eintreten werde. Im Traume
stellt sich dieses Gefiihl so dar, dafi er sich in der Gefahr des
Ertrinkens befindet.
Durch das in Beispielen Geschilderte sind zwei Eigenschaften
des Traumbewufitseins charakterisiert: erstens sein bildartiger,
sinnbildlicher Charakter und zweitens etwas Schopferisches in dem-
selben. - Dem Tagesbewufttsein ist dieses Schopferische nicht
eigen. Dieses gibt die Dinge der Umgebung so, wie sie in der
physischen Auftenwelt sind. Das Traumbewufttsein fiigt aus einer
andern Quelle etwas hinzu.
Wodurch wird diese Quelle eroffnet? Durch nichts anderes als
dadurch, daft jene Sinnestatigkeit, von der das Tagesbewufttsein
abhangt, im Schlafe aufgehort hat. Das Schweigen dieser Sinnesta-
tigkeit driickt sich dadurch aus, daft das Selbstbewufttsein des
Menschen entschwindet. Dieses Selbstbewufttsein ist eben an die
Tatigkeit der aufteren Sinne gebunden; schweigen diese, so versinkt
es in einen Abgrund. Man bezeichnet diese Tatsache in der soge-
nannten Geheimwissenschaft dadurch, daft man sagt: die Seele des
Menschen hat sich aus der physischen Welt zuriickgezogen. Wer
nun nicht behaupten will, der Mensch hore beim Einschlafen auf
zu sein und entstehe beim Aufwachen von neuem, dem wird die
Erkenntnis nicht schwerfallen, daft der Mensch wahrend des Schla-
fes in einer andern als der physischen Welt vorhanden ist. Man
nennt diese Welt die astrale. Der Leser nehme diesen Ausdruck
zunachst als eine Bezeichnung fur jene Welt hin, von der der
Mensch eine Ahnung erhalt durch seine Traume. Die Berechtigung
dieses Ausdruckes wird aus anderen Kapiteln dieses Buches sich
ergeben.
Wahrend des Traumes weilt der Mensch in der astralen Welt.
Die Tatsachen und Wesen dieser Welt stellen sich in Bildern dar.
Das Bewufttsein nimmt diese Bilder wahr; aber das Selbstbewuftt-
sein des Menschen fehlt. - Eine Vergleichung mit dem Alltagsleben
kann eine Vorstellung davon geben, was eigentlich hier vorliegt.
Der Mensch nimmt eine Auftenwelt nur wahr, insoferne er Organe
dazu hat. Ohne Ohr gabe es fur ihn keine Tonwelt, ohne Auge
keine Welt des Lichtes und der Farben und so weiter. Konnte der
Mensch ein neues Organ seines Leibes entwickeln, so trate in seiner
Umwelt ebenso etwas ganz Neues auf, wie fur den Blindgeborenen
nach seiner Operation Licht und Farben als etwas ganz Neues
auftreten.
So wie nun der physische Leib des Menschen durch seine Orga-
ne die physische Welt wahrnimmt, so nimmt wahrend des Traumes
ein anderer Leib - ein seelischer - durch die ihm eigenen Organe
die andere Welt, die astrale, wahr. Nur ist mit diesem Leibe kein
Selbstbewulksein verbunden. Dieses ist in diesem Zustande auEer-
halb des Bereiches des Menschen.
Ware es nun unmoglich, daft das Selbstbewufttsein des Men-
schen auch in diesem Zustande ins Dasein trete, so konnte er die
hier in Betracht kommenden Verhaltnisse niemals durchschauen.
Dies ist aber moglich durch die obenerwahnte und in diesem Buche
beschriebene hohere Schulung, die man auch die Einweihung
nennt. Durch sie lernt der Mensch im Traumzustande an seinem
astralischen Leibe ahnliche Organe entwickeln, wie sie sein physi-
scher Leib hat zur Wahrnehmung der physischen Welt. Und sind
diese Organe entwickelt, dann tritt wahrend des Traumes ein
Selbstbewufitsein auf, das auch ahnlich dem ist, welches er wahrend
des wachen Tageslebens hat. - Ist eine solche Daseinsstufe erreicht,
dann verwandelt sich allerdings auch die ganze Traumwelt in er-
heblichem Mafie. Sie verliert die sinnverwirrende Buntheit, die sie
beim gewohnlichen Schlafer hat, und an die Stelle tritt eine innere
Ordnung und Harmonie, welche der gewohnlichen physischen
Welt nicht nur nicht nachsteht, sondern diese in hohem Grade in
bezug auf diese Eigenschaften iiberragt. Der Mensch wird gewahr,
daf? immer um ihn herum noch eine andere Welt war, in demselben
Sinne, wie um den Blinden herum die Welt des Lichtes und der
Farben ist. Er konnte sie nur aus Mangel an Wahrnehmungsorga-
nen nicht sehen, wie der Blinde vor seiner Operation die Welt des
Lichtes und der Farben nicht sehen kann. Der bedeutungsvolle
Moment, in dem die astralen Wahrnehmungsorgane anfangen am
Menschen tatig zu sein, wird in der Geheimwissenschaft die
Erweckung oder Wiedergeburt genannt.
In diesem Augenblicke der Erweckung erfahrt der Mensch, daft
er von einer hoheren Welt umgeben ist, in welcher nicht nur die
ihm vorher bekannten Dinge der sinnlichen Welt andere Eigen-
schaften haben, sondern in der es Tatsachen und Wesenheiten gibt,
die ihm vorher unbekannt waren. - Und jetzt wird ihm auch klar,
daft in dieser anderen Welt die Bilder vorhanden sind, aus denen
sich die Dinge der sinnlichen Welt heraus formen. Es ist keine
unzutreffende Vorstellung, wenn man die Art, wie die physische
Welt aus der astralen heraus entsteht, vergleicht mit der Bildung
des Eises aus dem Wasser. Wie das Eis umgeformtes Wasser ist, so
ist die physische Welt die umgeformte astrale. Und wie das Wasser
ein verflieftendes Element ist, so stent im Hintergrunde der physi-
schen Welt die astrale als eine sich stets wandelnde Bilderwelt.
Nichts Festbegrenztes, Abgeschlossenes findet sich in ihren For-
men wie in der gewohnlichen Welt. Alles flieftt ineinander iiber,
formt sich um. Und ein physisches Ding oder ein physisches
Wesen entsteht nur so, wie wenn ein solches verflieftendes Bild im
Augenblicke erstarrte. Wer die Vorstellungen der physischen Welt
mit ihren festen Umgrenzungen auf das Gebiet des Astralen an-
wenden wollte, der verriete dadurch nur, daft ihm ein wirklicher
Einblick in diese ganz andersartige Welt fehlt.
So wie nun die Wesen der physischen Welt in dem physischen
Leibe verkorpert sind, so sind die astralen Bilder der Ausdruck fur
Wesenheiten, die die physische Welt nicht betreten. Sie finden die-
sen Ausdruck eben in einem andern Stoff als der im Physischen
lebende Mensch, der den seinigen in Fleisch und Blut findet.
Welches ist nun dieser astrale Stoff? Es ist kein anderer als der,
welchen der Mensch tatsachlich auch in sich hat. Er wird nur in
ihm wahrend des wachen Alltagslebens von den sinnlichen Vorstel-
lungen gleichsam iiberdeckt. - An diese sinnlichen Vorstellungen
kniipfen sich die menschlichen Begierden, Wiinsche und Verab-
scheuungen, seine Sympathien und Antipathien. Er wunscht den
einen Gegenstand, den andern lehnt er ab. In nichts anderem als in
diesen Begierden, Wiinschen und Verabscheuungen ist die Quelle
zu suchen, aus welcher auch das Traumbewufttsein herausschopft,
wenn es die Dinge zu Sinnbildern umwandelt. Das Selbstbewuftt-
sein des Tageslebens gibt mit den aufteren Wahrnehmungen den
Begierden und Wiinschen eine ihnen entsprechende Nahrung.
Schweigen die Tatigkeiten der aufteren Sinne, dann tritt eine andere
schopferische Kraft ein und formt in dem Stoffe der Wiinsche und
Begierden die Bilder. Die Geheimwissenschaft sagt nun, dafi der
traumende Mensch sich in dem aus Wiinschen und Begierden
gewobenen astralischen Leibe befinde und daft der physische Leib
von dem Selbstbewufitsein verlassen sei. Beim Eingeweihten oder
Erweckten ist die Sache so, daft er ebenfalls seinen physischen Leib
verlassen hat, daft aber sein Selbstbewufttsein in seinem astralischen
Leibe wohnt. Wie nun der physische Leib die Wahrnehmung der
physischen Dinge vermitteln kann, weil seine Organe aus dem-
selben Stoffe gebildet sind wie die physische Welt, so kann der
Eingeweihte die Wesen der astralen Welt wahrnehmen, weil er
Organe hat aus dem Stoffe der Wiinsche und Begierden, in dem sie
ihren Ausdruck finden.
Der Unterschied zwischen dem uneingeweihten und dem einge-
weihten Menschen besteht darin, daft dem ersteren die astrale Welt
nicht als Auftenwelt sichtbar wird und fur den letzteren das der
Fall ist. Diese astrale Welt bleibt namlich fiir den Unerweckten eine
blofte Innenwelt; er erlebt sie in seinen Wiinschen und Begehrun-
gen; aber er sieht sie nicht. Der Eingeweihte fuhlt nicht nur seinen
Wunsch; er nimmt ihn als ein Ding der Auftenwelt wahr, wie der
Unerweckte Tische und Stuhle wahrnimmt.
Von dieser Welt des Eingeweihten ist nun allerdings die ge-
wohnliche Traumwelt nur ein schwacher Nachklang. Sie kann dies
ja auch nur sein, weil das Selbstbewufttsein nicht an ihr beteiligt ist.
Wo aber ist dieses Selbstbewufttsein wahrend des Traumes? Es hat
sich zuriickgezogen in eine hohere Welt, in welcher der Mensch
zunachst nicht als solcher vorhanden ist. Welches Verhaltnis er zu
dieser Welt hat, kann zunachst ein Vergleich klarmachen. Man
denke an eine Hand des Menschen und an ein Werkzeug, das von
ihr gehalten wird. Solange die Hand das Werkzeug halt, bilden
beide gleichsam ein Ganzes. Das letztere fiihrt die Tatigkeiten aus,
welche von der ersteren bestimmt werden. Sobald aber die Hand
das Werkzeug weglegt, ist dieses sich selbst iiberlassen; und die
Bewegungen der Hand sind nur Ausdriicke des Willens im Men-
schen, dem sie angehort. So muft der physische Leib wahrend des
wachen Tageslebens als ein Werkzeug des Gliedes einer hoheren
Wesenheit angesehen werden. Streckt diese hohere Wesenheit
gleichsam ein Glied in den physischen Leib hinein, so tritt in die-
sem die Sinnestatigkeit und damit das Selbstbewufksein auf. Ver-
lafit dieses Glied den Leib, so h6rt das Selbstbewulksein auf. So ist
die innerste Wesenheit des Menschen, die Selbstbewufitsein haben
kann, ein Glied einer hoheren Wesenheit, aus der es zeitweilig
gewissermafien hervorgestreckt und mit dem physischen Leibe
iiberzogen wird. Noch besser wird man die entsprechende Vorstel-
lung aber gestalten, wenn man das Vorstrecken zugleich als ein
Abschniiren ansieht, wie wenn wahrend des Wachens sich ein
Tropfen losloste aus dem betreffenden hoheren Wesen, der wah-
rend des Schlafes wieder aufgesogen wird. Denn der Mensch ist
sich wahrend des Wachens seines Zusammenhanges mit einer
hoheren Wesenheit nicht bewufit; er ist also von ihr tatsachlich
abgeschnurt. Wahrend des Schlafes mufi ihm das Selbstbewulksein
fehlen, denn es zieht sich da in die hohere Wesenheit zuriick; diese
saugt es auf, und er ruht also in derselben eingeschlossen.
Tritt der traumlose Schlaf ein, so verschwindet die Bilderwelt.
Scheinbar liegt nun der physische Leib ganz bewufitlos da; in
Wahrheit ist aber sein Bewufttseinszustand nur ein noch dumpferer
als im traumerfullten Schlaf. Es ist auch die bildererzeugende Kraft
aus dem physischen Leib ausgetreten. Daher konnen nur die Ein-
sichten des Erweckten Aufklarung iiber diesen Zustand bringen.
Dem Nichterweckten fehlen die Wahrnehmungen iiber denselben.
Fur den Erweckten aber erscheint der bildererzeugende Leib, der
vorher mit dem physischen noch locker verbunden war, aus dem-
selben herausgehoben. Und er ist jetzt nicht tatenlos, sondern er
hat die Aufgabe, die durch Ermiidung sich als erschopft darstellen-
den Krafte des physischen Leibes wieder in der angemessenen Star-
ke herzustellen. Das Erfrischende eines gesunden Schlafes erklart
sich dadurch. Ermattet sinkt der physische Leib in Schlaf. Sein
Selbstbewufksein gibt er in diesem Augenblicke an hohere Wesen
ab. In dem Zwischenzustand des Traumschlafes bleibt die Seele
noch in einer losen Verbindung mit dem physischen Leib. Das
Charakteristische dieser Seele ist ihr Schopferisches. Sie beginnt mit
dem Augenblicke des Aufwachens ihre schopferische Kraft darauf
zu wenden, dafi sie die durch die Sinne vermittelnden Wahrneh-
mungen zum menschlichen Innenleben verarbeitet. Im Momente
des Einschlafens fallen die aufSeren Sinneswahrnehmungen weg. Im
Zwischenzustand des Traumens gestaltet sich das Schopferische
noch zu den geschilderten Sinnbildern um; dann fallen auch diese
Sinnbilder weg; die Seele wendet ihre ganze Schopferkraft auf den
Leib, den sie nun von aufien bearbeitet. - Wer ganz von den Mit-
teilungen der Geheimwissenschaft absehen wollte, der konnte
schon aus der Tatsache der Erfrischung am Morgen beim Er-
wachen entnehmen, wodurch sich die nachtliche Tatigkeit der Seele
kennzeichnet. Das Leben des Tages hat etwas Unharmonisches,
Chaotisches. Von alien Seiten wirken die Dinge der physischen
Umgebung auf den Menschen. Bald findet dies, bald jenes Einlaft in
sein Inneres. Das bringt die inneren Bildungskrafte aufter die Ord-
nung, die ihnen durch ihre urspriingliche Natur zukommt. In der
Nacht wird das wieder ausgeglichen. Die Seele stellt die Ordnung
und Harmonie her. Durch das Tagesleben sieht allmahlich der
physische Leib aus wie eine Luftmasse, welche von alien Seiten von
Windstromungen durchzogen wird und deren Teile sich in un-
regelmafiiger Art durcheinanderbewegen. Beim Erwachen aber ist
er einer solchen Luftmasse zu vergleichen, die von dem Rhythmus
und der Harmonie eines Musikstiickes in regelmaftige Schwingun-
gen versetzt ist. Und in der Tat stellt sich die Arbeit der Seele am
Leibe wahrend des Schlafes fur den Eingeweihten wie ein Durch-
tonen desselben dar. Der Mensch taucht wahrend des Schlafes
unter in die Harmonie des Seelenlebens. Und es ist dies dieselbe
Harmonie, aus welcher er heraus gebildet worden ist. Bevor sich
der physische Leib zum erstenmale durch die Sinnesorgane der
AufSenwelt aufgeschlossen hat, stand er ganz unter dem Einflusse
dieser Harmonie, die ihn gegliedert hat. Diese Harmonie durch-
zieht als Seelenharmonie, als Seelentonen die ganze Welt. Der
Mensch ist von ihren Klangen so umgeben, wie er von den vorhin
geschilderten Bildern umgeben ist. Wie dem Erweckten durch die
Schulung diese Bilderwelt als wirkliche Umgebung' wahrnehmbar
wird, so auf einer noch hoheren Stufe diese dritte Welt. Es fangt
urn ihn herum an zu klingen und zu tonen. Und in diesen Tonen
erschlieftt sich ihm der Sinn der Welt. Wie die Form der physischen
Welt aus den Bildern heraus entstanden ist, so erhielten diese For-
men ihre innere Bedeutung und Wesenheit aus den geschilderten
Tonen heraus. Alle Dinge sind von diesem Gesichtspunkte aus
formgewordene Tone.
Wahrend des Wachens ist also der Mensch ein Wesen, das sich
aus drei Gliedern zusammensetzt: dem physischen Leib, der
durch die ihm aus der aufteren Welt eingepflanzten Organe die
physische Welt wahrnimmt und das Selbstbewufttsein umschlieftt;
einen Leib, der in sich beweglichen Bildcharakter hat; seine Bilder
sind zugleich die Urbilder des physischen Leibes, dessen festum-
rissene Formen gleichsam durch Erstarrung aus den wechselvollen
Bildern des zweiten Leibes heraus entstanden sind; und ferner ist
sowohl physischer wie Bilderleib von einer Tonharmonie durch-
zogen, einem dritten Leibe. - Im Traumschlafe zieht sich die
Seele zuriick von dem physischen Leibe; sie bleibt noch in Ver-
bindung mit den beiden andern Leibern, durchtont den Tonleib
und durchsetzt den Bilderleib mit Bildern. Diese letzteren wirken
in den physischen Leib herein und teilen ihm die schattenhaften
Traumbilder mit. Im traumlosen Schlafe ist die Seele nur noch
mit dem Tonleib verbunden; was im Wachen von ihr in dem
physischen Leibe war, ist jetzt aufterhalb desselben und bearbeitet
ihn von auften. Diese von ihr in ihn einstromende Tatigkeit er-
zeugt in ihm nur ein so dumpfes Bewufttsein, daft es von dem
Menschen nicht wahrgenommen wird.
In der Tat stellen sich damit drei Bewufttseinszustande des phy-
sischen Leibes dar: das wache Tagesbewufttsein, das Traum-
bewufttsein und das traumlose Schlafbewufttsein. Fur den Einge-
weihten hellt sich die Dumpfheit der beiden letzten Bewufttseins-
zustande auf; er lebt durch diese Aufhellung so in hoheren Welten,
wie der Unerweckte wahrend des wachen Tageslebens in der phy-
sischen Auftenwelt lebt. Man hat damit fiinf Bewufttseinszustande
gegeben, welche sich nach ihrer zunehmenden Helligkeit in die
folgende Reihe gliedern:
1. das traumlose Schlafbewufitsein
2. den Traumschlaf
3. das wache Tagesbewulksein
4. das Bilderbewulksein des Eingeweihten
5. das Tonbewufitsein des Eingeweihten.
Wenn man bedenkt, dafi durch geheimwissenschaftliche Schu-
lung die beiden letzten Bewulkseinszustande von dem Eingeweih-
ten als eine hohere Entwicklungsstufe der Menschheit erreicht
werden, so wird ohne weiteres einleuchtend sein, dafi auch das
wache Tagesbewufksein eine hohere Stufe der beiden untergeord-
neten Bewufitseinszustande darstellt, sich also aus ihnen entwickelt
hat. Dies ist es, was von der Geheimwissenschaft dargestellt wird.
Sie erklart, dafi der Mensch in urferner Vergangenheit durch eine
Entwickelungsstufe durchgegangen ist, im welcher er nur ein
dumpfes, von keinem Traumbild durchsetztes Schlafbewufksein
hatte; dann stieg er hinauf zu einem dumpfen Traumbewufksein,
urn endlich anzukommen beim wachen Tagesbewufksein von
heute. Der Einzuweihende setzt diese Entwickelungslinie fort. Er
bildet die beiden hoheren Bewufkseinsformen aus.
Nun ist aber diesem Eingeweihten eine noch hohere Bewufk-
seinsart erreichbar. Es ist aus dem Vorhergehenden namlich er-
sichtlich, dafi auch im Tonbewufksein die Seele noch mit dem
Menschenleibe verbunden ist. Diese Verbindung kann ganz auf-
horen. Die Seele kann den Leib vollig verlassen. Dies lernt der
Eingeweihte. Und dann mufi er Organe noch hoherer Art als vor-
her ausgebildet haben, wenn er noch etwas wahrnehmen will. Ist
das der Fall, dann driickt sich in seiner Umgebung der Sinn der
Welt unmittelbar aus, ohne die Vermittelung des Tones. Man nennt
diese zunachst hochste Bewufkseinsstufe das spirituelle oder rein-
geistige Bewufttsein. Im Sinne der vorhergehenden Aufzahlung der
Bewufkseinsstufen miifite im gegenwartigen Menschen dem ein
Zustand entsprechen, der ein noch dumpferes Bewufitsein darstellt
als das traumlose Schlafbewufksein. Dem Sinne nach ist das aller-
dings der Fall. Doch kann der gegenwartige Mensch diesen Zu-
stand in der Wirklichkeit nicht darleben. Es miiftte dann seine Seele
ganz aufierhalb des Leibes sein; der traumlose Schlaf rniifke unter-
brochen sein von einem ganz seelenlosen Zustande. Das kame in
der Tat einem zeitweiligen Hingegebensein des physischen Leibes
an sich selbst gleich, das heilk einer voriibergehenden Totung.
Dieser darf der physische Leib nicht ausgesetzt werden, wenn er
nicht Gefahr laufen soli, nicht mehr aufnahmefahig fur die Seele zu
werden.
In der Entwickelung ist aber dieser Zustand in der Tat dem
traumlosen Schlafbewufitsein vorangegangen, so daft die vollstandi-
ge Reihe der Bewufkseinsstufen des Menschen diese ist:
1. ein niedriges dumpfestes Bewufitsein
2. ein traumloses Schlafbewufitsein
3. ein Traumbewufitsein
4. das helle Tagesbewulksein
5. das Bilderbewulksein
6. das Tonbewulksein
7. das spirituelle Bewufttsein.
Nur bis zu der vierten Bewufkseinsstufe ist der Leib des Men-
schen in der Gegenwart vorgedrungen. Die hoheren Bewulkseins-
arten kann der Eingeweihte erreichen. Sie fiihren ihn aber auch in
hohere Welten. Die Entwickelung des Menschen ist aber so vorzu-
stellen, dafi sich der physische Leib selbst durch die drei ersten
Stufen hindurch gebildet hat und gegenwartig eine solche Bildung
angenommen hat, daft er im Schlaf zwei andere Bewufitseinsformen
noch zeigt als Reste vorangegangener Stufen. Die erste Stufe ist
durch die Entwickelung vollstandig verwischt worden. - Die drei
hoheren Bewufkseinsstufen des Eingeweihten konnen gegenwartig
sich noch nicht im physischen Menschenleibe zum Ausdrucke
bringen, weil dieser keine Organe fur sie entwickeln kann. Sie sind
prophetische Vorausverkiindigungen von Formen, welche dieser
physische Leib noch annehmen wird.
Will man sich, von diesen Auseinandersetzungen ausgehend, die
gegenwartige Welt richtig vorstellen, so stellt sie sich dar als eine
vierfache: zuerst die physische Welt der leiblichen Sinne, dann die-
se umhiillend und durchdringend eine Bilderwelt, ferner eine beide
durchsetzende Tonwelt und endlich eine ihnen alien zum Grunde
liegende spirituelle Welt.
Dieser Welt ist eine andere vorangegangen, in welcher der
Mensch wie ein traumendes Wesen lebte. Sein physischer Leib war
damals in dem Zustande, in dem er sich gegenwartig wahrend des
traumerfullten Schlafes befindet. Die Umgebung glich einem Pan-
orama von Wandelbildern. Keine festen Umrisse der Dinge waren
da. Dieser Zustand war damals unterbrochen von einem andern,
der dem gegenwartigen traumlosen Schlaf gleichkommt. Und die-
ser wieder von einem solchen, der heute nicht mehr verwirklicht
werden kann und der durch die erste der oben charakterisierten
Bewufkseinsformen ausgefullt war.
In einer noch friiheren Welt konnte sich der Mensch auch nicht
bis zu einem Erleben von Traumbildern erheben. Sein hochstes
Bewufitsein war das des traumlosen Schlafens, und dieser Zustand
wurde von dem niederen, dumpfesten Bewufttsein, das gegenwartig
schon verwischt ist, unterbrochen; dieses wieder von einem Zu-
stand, der fur die gegenwartige Entwickelung alle Bedeutung ver-
loren hat.
In der ersten Welt, auf welche die Geheimwissenschaft zuriick-
deutet, fehlt dem Menschen auch das dumpfe Schlafbewufitsein;
der erste der geschilderten Zustande ist sein hochster; zwei andere,
welche heute nicht in Betracht kommen, wechselten damit ab.
So blickt man zuriick in eine urferne Vergangenheit der Entwik-
kelung; man iiberschaut vier Stufen, durch welche der physische
Menschenleib hindurchgegangen ist. Man blickt aber auch in die
Zukunft, in welcher die drei heute fur die Eingeweihten in hoheren
Welten erreichbaren Bewufkseinsformen in der physischen Welt
ihre Verwirklichung finden werden. Unsere Welt wird von einer
zukiinftigen abgelost werden, in welcher physische Menschenleiber
Organe haben werden, durch die ein selbstbewufker Mensch eine
ewig bewegliche Bilderwelt wahrnehmen, ja sich selbst als eine
solche anschauen wird. - Und weiter blickt man auf eine solche
Welt, in welcher die Bilder durchdrungen sein werden von harmo-
nischen Klangen, die ihr inneres Wesen zum Ausdrucke bringen
werden. Zuletzt auf eine Welt mit Geistnatur, die aber ihren Geist
in die physische Natur wird ausgegossen haben.
So stellt die Geheimwissenschaft die Entwickelung der Welt dar,
in welcher der Mensch seine aufeinanderfolgenden Stufen durch-
lauft. Und sie bezeichnet diese Entwickelungsstufen mit Namen,
welche dann auf die die Erde umgebenden Planeten als Bezeich-
nungen iibergegangen sind. Die Entwickelungsstufe, auf welcher
der Mensch mit dem noch dumpfesten Bewufksein stand, wird
Saturnentwickelung genannt; die zweite, in welcher der Mensch
mit dem traumlosen Schlafbewufttsein lebte, als Sonnenentwicke-
lung; die dritte, in der ein Traumbewufttsein auftrat, als Mondstufe;
die vierte, die gegenwartige, auf welcher der Mensch sich zum
hellen Tagesbewufksein durchgerungen hat, als Erdentwickelung.
Und die Stufen der Zukunft, auf denen die heute von den Einge-
weihten in hoheren Welten erreichbaren Bewufttseinsstufen ihre
physische Ausgestaltung finden werden, benennt man aufeinander-
folgend als Jupiter-, Venus- und Vulkanentwickelung.
Das Unterscheidende der Bewufttseinsarten des Eingeweihten
von den Bewufitseinszustanden des Menschen wahrend der kiinf-
tigen Jupiter-, Venus- und Vulkanentwickelung liegt darinnen, dafi
der erstere sich zu hoheren Welten erheben mull, um in den ent-
sprechenden Bewufkseinen zu leben, der zukiinftige Mensch sie
dagegen in der physischen Welt haben wird. Das ruhrt davon her,
daft beim Eingeweihten in der Gegenwart aus den Kraften der
hoheren Welten heraus entsprechende Wahrnehmungsorgane ge-
bildet werden; ihnen gleichwertige werden in der Zukunft am
physischen Menschenleibe aus der physischen Umwelt heraus ent-
stehen. Der Mensch kann eben diejenige Welt als seine Umwelt
wahrnehmen, die ihm den Stoff zu seinen Organen gibt. In der
Zukunft wird die physische Umwelt Bildungskrafte haben, die
gegenwartig noch den hoheren Welten allein angehoren. Man kann
also den Werdegang der Welt so darstellen, dafi sich aufeinander-
folgend immer hohere Welten physisch verkorpern. Die Erde ist
die vierte Verkorperung. Sie hat in ihrer physischen Gliederung die
Fahigkeit, dem Menschenleibe die Organe zum hellen Tagesbe-
wulksein einzupragen. Im Sinne der Geheimwissenschaft entwik-
kelte sie sich aus einem andern physischen Zustande, in dem sie
dem Leibe nur Organe fur ein Traumbewufitsein einpragen konnte,
Dieser Zustand wird mit dem Namen «Mond» belegt. Aus diesem
«Monde» bildet sich also die Erde, indem sie eine neue Fahigkeit
erwirbt, eben die Organe fur das wache Tagesbewufitsein zu ent-
wickeln. Der «Mond» ist aus der «Sonne» entstanden. Das, was
jetzt «Erde» geworden ist, war also damals «Sonne». Die Geheim-
wissenschaft bezeichnet eben als «Sonnenzustand» denjenigen, wo
der Weltkorper, der sich in ihm befindet, in einem Menschenleibe
nur die Organe fur das traumlose Schlafbewufksein erzeugen kann.
Und bevor die Erde in diesem Sinne «Sonne» war, stand sie auf der
Stufe des «Saturn».
Wodurch erlangt nun ein solcher Weltkorper die Kraft, die ent-
sprechenden Organe im Menschenleibe zu bilden? Er konnte es
nimmermehr, wenn diese Organe nicht in bezug auf hohere Welten
von voraneilenden Menschenwesen vorgebildet wiirden. Indem die
Eingeweihten gegenwartig in hoheren Welten die Jupiterorgane
vorbilden, schaffen sie die Moglichkeit, dafi die umliegende Bilder-
welt physischen Charakter annimmt. Die Erstarrung zum Phy-
sisch-Korperlichen wird dadurch bewirkt, daft die Formen, welche
dieses annehmen soli, zuerst da seien auf geistige Art. So werden
die Eingeweihten zu den Umbildnern des Weltkorpers, den sie
bewohnen. Von ihnen strahlen gleichsam die Bildungskrafte aus,
welche nachher die Dinge der physischen Menschenumgebung ins
Dasein rufen.
So haben die Eingeweihten der Mondstufe geistig die physische
Gestalt der Erde vorgebildet. Die heutige Erdenumgebung des
Menschen bildete den Inhalt ihrer Seelenerlebnisse. Sie nahmen die
Erde wahr als ihren Gegenstand einer hoheren Welt.
In diesem Sinne erkennt die Geheimwissenschaft sieben grofte
Weltkreislaufe oder Weltperioden, durch die jenes Wesen hin-
durchgeht, das auf seiner vierten Stufe die Erde darstellt. Jede sol-
che Periode ist mit einer Hohergestaltung des Menschenleibes ver-
kniipft. - Aus dieser Erkenntnis heraus sieht diese Wissenschaft in
der «Vierheit» dasjenige, was die gegenwartige Weltentwickelungs-
stufe charakterisiert. Was zura Beispiel Pythagoras und seine S chu-
le mit der «Vierheit» bezeichnete, ist damit gekennzeichnet. Die
«Vier» ist die Zahi der «grofien Welt», das heifit der Welt, welche
der Mensch gegenwartig bewohnt. Sie hat ihn auf die vierte Stufe
seines Bewufkseins erhoben.
Den Menschen selbst stellt die Geheimwissenschaft als die «klei-
ne Welt» dieser «grofien Welt» gegeniiber. Er hat in seinen Anlagen
gegenwartig schon das als Seele in sich, was die «grofie Welt» phy-
sisch werden soil. Er ist also auf dem Wege, seine innere «kleine
Welt» zur «grofien Welt» zu erweitern. In ihm ist der schopferische
MutterschoE der letzteren. In diesem Sinne sieht die Geheim-
wissenschaft in der Seele eine schopferische Keimanlage fiir die
Zukunft, ein «Inneres», das darnach strebt, sich in einem Aufieren
zu verwirklichen.
Um aber im Aufteren schopferisch sein zu konnen, mufi diese
Seele selbst erst reif werden. Sie mufi zuerst innerlich erleben, was
sie spater im Aufierlichen ausgestalten soil. Bis die Seele zum Bei-
spiel die Fahigkeit besaft, dem physischen Leibe Organe fiir das
wache Tagesbewufitsein einzupragen, muftte sie selbst erst durch
eine Reihe von Entwickelungsstufen hindurchgehen, auf denen sie
sich diese Fahigkeit allmahlich erwarb. So mufite die Seele erst in
sich den ersten Bewufitseinszustand erleben, bevor sie ihn schaffen
konnte; und so entsprechend fur die anderen Bewufitseinsformen.
Diese Entwickelungsstufen der Seele, die in ihr der Schopfung der
Bewulkseinsarten vorangehen, fuhren in der Geheimwissenschaft
den Namen Lebensstufen. Es gibt demnach ebenso sieben Le-
bensstufen, wie es sieben Bewufkseinsstufen gibt. Leben unter-
scheidet sich von Bewufitsein dadurch, dafi das erstere einen inner-
lichen Charakter tragt, das letztere auf einem Verhaltnisse zur
AufSenwelt beruht.
Auf die Erde angewendet kann man sagen: bevor der helle Ta-
gesbewufkseinszustand des Menschenleibes auf ihr auftrat, mufite
dieser Weltkorper durch vier Zustande hindurchgehen, die als vier
Lebenszustande aufzufassen sind.
Die Stufen des Seelenerlebens ergeben sich, wenn man das verin-
nerlicht denkt, was in den Bewufkseinszustanden als Aufienwelt
wahrgenommen wird. Da hat man zunachst jenen dumpfesten
Bewulkseinszustand, welcher dem traumlosen Schlafe vorangeht.
In diesem letzteren schafft die Seele harmonisierend am Leibe; ihr
entsprechender Lebenszustand ist die Harmonisierung des eigenen
Innern. Sie durchdringt sich also mit einer Welt tonender Be-
wegung. Vorher, in dem dumpfesten Erlebenszustand, war sie in
einem eigenen, bewegungslosen Innern. Sie fiihlte dieses Innere in
unterschiedloser Gleichgultigkeit allseitig durch. Man bezeichnet
diesen niedersten Lebenszustand als das erste Elementarreich. Es
ist ein Erleben des Stoffes in seiner urspriinglichen Eigenschaft.
Der Stoff kommt nach den verschiedensten Richtungen hin in Er-
regung und Bewegung. Und sein Selbsterleben dieser Beweglich-
keit ist als erste Lebensstufe das erste Elementarreich. - Die zweite
Stufe wird erreicht, wenn Rhythmus und Harmonie aus diesen
Bewegungen wird. Die entsprechende Lebensstufe ist das innerli-
che Gewahrwerden des Rhythmus als Klang. Das ist das zweite
Elementarreich. - Die dritte Stufe bildet sich aus, indem die Bewe-
gungen sich zu Bildern umformen. Dann lebt die Seele in sich als
in einer Welt sich gestaltender und sich wieder auflosender Bilder.
Das ist das dritte Elementarreich. - Auf der vierten Stufe nehmen
die Bilder feste Formen an; es tritt Einzelnes aus dem Wandelpan-
orama heraus. Dadurch kann es nicht mehr bloft innerlich erlebt,
sondern aufierlich wahrgenommen werden. Dieses Reich ist das
Reich der aufieren Leiber.
Man mufi in diesem Reiche unterscheiden zwischen der Gestalt,
die es hat fur das helle Tagesbewulksein des Menschen, und der
Gestalt, die es in sich selbst erlebt. Der Leib erlebt tatsachlich in
sich seine Form, also den in regelma£ige Gestalten sich formenden
Stoff. - Auf der nachsten Stufe wird dieses bloEe Formerleben
iiberwunden; es tritt dafiir das Erleben des Formwandels ein. Die
Gestalt bildet sich selbst und bildet sich um. Man kann sagen, daft
auf dieser Stufe das dritte Elementarreich in einer hoheren Gestalt
erscheint. Im dritten Elementarreich kann die Bewegung von Ge-
stalt zu Gestalt nur als Bild erlebt werden; in diesem fiinften Reich
geht das Bild bis zur Verfestigung im aufieren Gegenstande iiber,
aber dieser auftere Gegenstand erstirbt nicht in der Form, sondern
er behalt seine Wandelfahigkeit. Dies Reich ist das [der] wachsen-
den und sich fortpflanzenden Leiber. Und seine Umwandlungs-
fahigkeit kommt eben in Wachstum und Fortpflanzung zum Vor-
schein. - Im nachsten Reiche tritt die Fahigkeit hinzu, daft AuEere
in seiner Wirkung auf das Innere zu erleben. Es ist das Reich der
empfindenden Wesen. - Das letzte Reich, das in Betracht kommt,
ist dasjenige, welches nicht nur die Wirkung der aufieren Dinge in
sich erlebt, sondern deren Inneres miterlebt. Es ist dies das Reich
der mitfiihlenden Wesen. Somit gliedert sich die Stufenfolge des
Lebens in der folgenden Art:
1. dumpfes Stoff erleben
2. Erleben innerer Bewegung
3. Erleben innerer Gestaltung
4. Erleben einer festen Umgrenzung
5. Erleben des Umgestaltens
6. Erleben der Wirkungen der Auftenwelt als Empfindung
7. Miterleben der Aufienwelt.
*» %* %p
Dem innerlichen Erleben der Seele mufi erst das Schaffen dieses
Lebens vorangehen. Denn nichts kann erlebt werden, was nicht
erst ins Dasein getreten ist. Bezeichnet die Geheimwissenschaft
das innere Erleben als Seelisches, so benennt sie das Schopferische
als Geistiges. Der [physische Leib] nimmt durch Organe wahr; die
Seele erlebt sich im Innern; der Geist schafft nach aufien. So wie
den sieben Stufen des Bewufkseins sieben Seelenerlebnisse voran-
gehen, so gehen diesen Seelenerlebnissen entsprechend sieben Ar-
ten schopferischer Tatigkeit voran. Dem dumpfen Erleben des
Stoffes entspricht im Gebiete des Schopferischen das Hervorbrin-
gen dieses Stoffes. Der Stoff stromt da in gleichgiiltiger Art in die
Welt. Man bezeichnet dieses Gebiet als dasjenige der Formlosig-
keit. Auf der nachsten Stufe gliedert sich der Stoff, und seine Glie-
der treten zueinander in Beziehung. Man hat es also da mit ver-
schiedenen Stoffen zu tun, die sich verbinden, trennen. Dieses
Gebiet wird als das der Form bezeichnet. Auf der dritten Stufe
braucht nicht mehr Stoff zu Stoff selbst in Beziehung zu treten,
sondern es gehen von dem Stoffe die Krdfte aus, die Stoffe ziehen
sich an, stofien sich ab und so weiter. Man hat es mit dem astralen
Gebiet zu tun. Auf der vierten Stufe erscheint ein Stoffliches, ge-
staltet von den Kraften der Umwelt, die auf der dritten Stufe blofi
die aufieren Beziehungen geregelt haben und die jetzt in das Inne-
re der Wesen hineinarbeiten. Es ist dies das Gebiet des Physischen.
Ein Wesen, das auf dieser Stufe stent, ist ein Spiegel seiner Um-
welt; es arbeiten die Krafte der letzteren an seiner Gliederung. -
Der weitere Fortschritt besteht darinnen, dafi das Wesen nicht nur
sich in sich so gliedert, wie es im Sinne der Krafte in der Umwelt
ist, sondern daft es sich auch eine aufiere Physiognomie gibt, wel-
che das Geprage dieser Umwelt tragt. Stellt ein Wesen der vierten
Stufe einen Spiegel seiner Umwelt dar, so driickt ein solches der
fiinften Stufe diese Umwelt physiognomisch aus. Man nennt diese
Stufe daher in der Geheimwissenschaft die physiognomisch e. Auf
der sechsten Stufe wird die Physiognomie zur Ausstromung ihrer
selbst. Ein Wesen, das auf dieser Stufe steht, bildet die Dinge
seiner Umwelt so, wie es sich erst selbst gebildet hat. Es ist dies
die Stufe des Gestaltens. Und auf der siebenten Stufe geht das
Gestalten uber in Schaffen. Das Wesen, das da angekommen ist,
erschafft in seiner Umwelt solche Formen, welche im Kleinen
nachbilden das, was seine Umwelt im GrofSen ist. Es ist die Stufe
des Schopferischen.
Die Entwickelung des Geistigen gliedert sich demnach in fol-
gende Stufenreihe:
1. die Formlosigkeit
2. die Formgebung
3. die Einverleibung von Kraft
4. die Gestaltung im Sinne der Krafte der Umwelt
5. die physiognomische Ausdrucksfahigkeit
6. die gestaltende Macht
7. die schopferische Fahigkeit.
Als die Saturnentwickelung begann, war der Menschenleib auf der
Stufe der Formlosigkeit. Er mulke sich erst bis zur schopferischen
Fahigkeit hindurchringen, bevor eine Seele in ihm ihr erstes Stoff-
erleben erfahren konnte. Das heifk, dafi sich der Leib erst durch die
sieben Stufen der Schopfertatigkeit hindurchentwickeln mulke,
dann konnte seine Seele ihn durchleben. Diese Seele mufi nun wie-
der so weit kommen, daft sie jeder der sieben Formen des Leibes
ihre innere Bewegung mitteilen kann. Das erste Mai, wenn der Leib
durch seine sieben Formen hindurchgeht, ist sie selbst noch ganz
leblos. Erst auf der siebenten Stufe, wenn der Leib schopferisch
wird, erwacht ihr Leben. Und es muS jetzt erwachen, denn der
Leib gibt Stoff aus in seinem Schaffen. Diesen mull ihm die Seele
ersetzen. Und nun beginnt ein zweiter Kreislauf. Der Stoff, der als
Ersatz einstromt in den Leib, macht selbst die sieben Stufen von
der Formlosigkeit bis zur schopferischen Fahigkeit durch. Ist er da
angelangt, so beschrankt sich die Seele nicht mehr auf die Erlebnis-
se, welche ihr die Bewegung des einstromenden Stoffes bewirkt,
sondern sie beginnt eine neue Lebensstufe. Dadurch dafi der ein-
stromende Stoff selbst schopferisch geworden ist, beginnt er den
Leib innerlich zu fullen. Vorher hat er immer nur Ersatz fur den
Abgang geleistet; jetzt lagert er sich dem Leibe ein. Und wieder
macht er da alle Formen von der Formlosigkeit bis zur schopferi-
schen Fahigkeit durch. Erst lagert er sich formlos im Leibe ab,
dann geht er allmahlich iiber zu Formen, entwickelt Krafte, gestal-
tet Gebilde aus, gibt ihnen einen physiognomischen Ausdruck und
so weiter. Wahrend dieses ganzen Kreislaufes macht die Seele ihre
dritte Lebensstufe durch. Sie harmonisiert diese innere Gliederung
und gleicht das durch die inneren Vorgange in Unordnung Ge-
kommene aus. - 1st so der Stoff im Innern gestaltend gewesen, so
geht er auf einer vierten Stufe dazu iiber, die Auftenwelt auf sich
wirken zu lassen. Er kann dieses, denn die ihn bewohnende Seele
ist nunmehr reif geworden, die Eindriicke der Umgebung dumpf
zu erleben und so die durch die Auftenwelt bewirkten Unordnun-
gen immer wieder in Ordnung zu bringen. Im nachsten Kreislauf
bleibt der Leib nicht mehr dabei stehen, sich selbst zu gliedern; er
gestaltet sich unter dem Einflusse der Auftenwelt um. Die Seele ist
dazu reif geworden, diese Umgestaltung zu regeln. Dann beginnt
fur den Leib ein Kreislauf, in dem er die Wirkungen der Auftenwelt
als Empfindungen wahrnimmt. Die Seele bildet wieder den Regu-
lator dieser Daseinsstufe. Endlich ist der Leib auf seiner letzten
Stufe angelangt; er kann die Auftenwelt miterleben. Die Seele ist
jetzt so weit, daft sie eine nachste Stufe vorerlebt, namlich die nach-
ste Bewufitseinsstufe in einer fur das Saturndasein hoheren Welt.
Sie macht dadurch wahrend dieses letzten Saturnkreislaufes den
traumlosen Schlafzustand durch. Und diesen iibertragt sie nun
beim ersten Sonnenkreislauf auf den physischen Leib.
Es ist ersichtlich, daft der physische Menschenleib wahrend der
Saturnperiode siebenmal durch ein physisches Stadium gegangen
ist. Jedesmal, wenn er bei einem solchen angelangt war, erreichte
die Seele eine hohere Stufe ihres Erlebens. Beim siebenten Stadium
schritt sie iiber die Saturnentwickelung hinaus und wies in ihrem
Erleben auf das Sonnenstadium hin.
Wenn nun der Sonnenkreislauf beginnt, so ist der physische
Leib so weit, daft er seine eigene Gestaltung ubernehmen kann.
War friiher die Seele der Regulator dieser Gestaltung, so hat er nun
einen eigenen Gestalter in sich. Man nennt diesen den Atherleib.
Die Seele steht jetzt nicht mehr in unmittelbarer Verbindung mit
dem physischen Leib; zwischen ihr und ihm steht der Atherleib als
Vermittler. Ihre Erlebnisse gehen auf diesen Atherleib iiber, wie sie
vorher auf den physischen Leib iibergegangen sind. Nun miissen
zunachst wieder von diesem Atherleib die sieben Formzustande
durchgemacht werden, von der Formlosigkeit bis zur schopferi-
schen Tatigkeit, Indem der Atherleib auf den physischen Leib ge-
staltend einwirkt, verliert er seine Spannung fortlaufend. Und diese
wird immer wieder durch die Seele geregelt. In solcher Art durch-
lauft auch die Sonnenentwickelung sieben physische Stadien. Und
in jedem derselben erscheint die Seele auf einer hoheren Stufe; auf
der siebenten bildet sie einen neuen Bewufkseinszustand vor. Wah-
rend sie noch miterlebt, wie der Atherleib zum Schopfer neuer
Gebilde wird, die die ganze Sonnenwelt nachbilden, spurt sie in
sich bereits eine Bilderwelt, die auf- und abwogt in ihr.
Diese Bilderwelt iibertragt sie beim ersten Mondenkreislauf auf
den Atherleib, der nun den physischen Leib nach Mafigabe dieser
Seelenbilder gestaltet. Wie sich auf der Sonnenstufe zwischen den
physischen Leib und die Seele der gestaltende Atherleib geschoben
hat, so gliedert sich jetzt zwischen diesen und die Seele der charak-
terisierte Bilderleib. Man nennt ihn in der Geheimwissenschaft den
Empfindungsleib. Denn wie die menschlichen Empfindungen von
der Aufienwelt gleichsam in das Innere einstromen und so den
Inhalt der Aufienwelt zum Besitztum der Innenwelt machen, so
wirken die Bilder des Bilderleibes von innen nach auften und
pragen ihren Inhalt dem Atherleib ein, der ihn wieder iibertragt
auf den physischen Leib.
Wieder durchlauft der Mensch wahrend der Mondenentwicke-
lung siebenmal alle Formzustande, um in jedem derselben die Seele
zu einer hoheren Stufe heranreifen zu lassen. Wahrend der sieben-
ten Stufe hat die Seele die Fahigkeit, ihren Bildern die vollkommen-
ste Form zu geben; sie kann da miterleben alles, was auf dem
Weltkorper um sie herum vorgeht, so dafi ihre Bilderwelt ein Aus-
druck ist der ganzen Mondenwelt. Dabei hat sie zugleich als Vor-
erlebnis den erhohten Bewufkseinszustand der nachsten Stufe; sie
beginnt innerhalb ihrer Bilder- Wandelwelt feste Formen zu schau-
en. Dadurch wird sie reif, auch auf den Atherleib so zu wirken, dafi
dieser Organe in sich ausbildet, die etwas Bleibendes haben. - Und
damit kann der Ubergang gemacht werden zum ersten Erdenkreis-
lauf. Innerhalb desselben nimmt der physische Leib die festen Bil-
derformen in sich auf; diese werden seine Organe. Damit beginnt
sich ein viertes Glied am Menschen zu entwickeln. Zwischen den
Bilderleib und die Seele schieben sich die Wahrnehmungen aufterer
Gegenstande ein. Der Leib ist jetzt in einer gewissen Weise der
Seele entwachsen; er ist selbstandig geworden. Was vorher in ihm
auftrat, waren die Ergebnisse jener Bilder, welche die Seele aus der
Auftenwelt sich angeeignet hat. Jetzt bewirkt die Auftenwelt in ihm
unmittelbar die Wahrnehmungen. Und das Innenleben der Seele
verlauft als ein Miterleben dieser Wahrnehmungen. Der Ausdruck
dieser Eigentatigkeit des Leibes ist das Selbstbewufttsein. Doch nur
allmahlich reift das Selbstbewufttsein heran. Erst muft der Mensch
einen Kreislauf der Formen durchmachen, in dem in seinen Orga-
nen nur dumpfes Stoffleben verspiirt wird; in einem zweiten Kreis-
lauf bewirkt der Stoffeinfluft eine innere Bewegung; der Atherleib
erlebt dadurch die Auftenwelt mit und gestaltet die Organe zu le-
bendigen Werkzeugen des physischen Organismus um. In einem
dritten Kreislaufe wird auch der Bilderleib fahig, die Auftenwelt
nachzubilden. Er erregt nun die Organe so, daft sie selbst Bilder
hervorbringen, die in ihnen leben, aber noch nicht Abbilder aufte-
rer Dinge sind. Erst im vierten Kreislaufe wird die Seele selbst
fahig, die Leibesorgane zu durchsetzen; damit lost sie die Bilder
von diesen Leibesorganen los und iiberzieht mit ihnen die aufteren
Dinge, Damit steht eine Auftenwelt vor ihr, zu der sie als ein inne-
res selbstandiges Wesen in Gegensatz tritt. - Jetzt ist es aber auch,
wo von Zeit zu Zeit die Leibesorgane, deren sie sich bedient, in
Erschopfung verfallen. Dann hort die Moglichkeit auf, mit der
Auftenwelt in Verbindung zu sein. Der Schlaf tritt ein, in dem die
Seele wieder auf ihre friihere Art durch Bilder- und Atherleib auf
den physischen Korper ausgleichend einwirkt. So erscheint der
Schlaf fur die Geheimwissenschaft als ein zuriickgebliebener Rest
friiherer Entwickelungsstufen. In der Gegenwart hat der Mensch
die Mitte des vierten Erdenkreislaufes um ein Stuck iiberschritten.
Dies driickt sich darinnen aus, daft er nicht bloft im hellen Tages-
bewufttsein die aufteren Gegenstande wahrnimmt, sondern dariiber
hinaus die ihnen zugrundeliegenden Gesetze. Die Seele hat mit
ihrem Erleben des inneren Umgestaltens der Dinge begonnen.
Wahrend der Saturnentwickelung stand der Menschenleib auf
der Stufe des dumpfesten Bewulkseins. Man darf aber deshalb
nicht etwa voraussetzen, daft andere Stufen des Bewufitseins nicht
bei Wesen vorhanden gewesen waren, die zu jener Zeit ihr Dasein
in Verbindung mit dieser friiheren Verkorperung der Erde hatten.
So war vor allem ein Wesen damals vorhanden, welches ein Be-
wufitsein hatte, das dem gegenwartigen wachen Tagesbewufksein
des Menschen gleichwertig war. Da aber die Verhaknisse der
Saturnumgebung ganz andere waren, als sie auf der Erde sind,
so mulke auch diese Bewufttseinsstufe sich in einer wesentlich
anderen Art betatigen.
Der Erdenmensch hat urn sich herum als Gegenstande der
Wahrnehmung Mineralien, Pflanzen und Tiere. Diese Wesen-
heit[en] betrachtet er als unter ihm stehend, sich selbst ihnen
gegemiber als ein hoheres Wesen. Bei jenem Saturnwesen war das
Umgekehrte der Fall. Es hatte drei Gruppen von Wesenheiten iiber
sich und mufite sich selbst als das unterste Glied im Bereiche des-
sen halten, was ihm wahrnehmbar war. Diese drei hoheren Grup-
pen von Wesenheiten bezeichnete man in der Geheimwissenschaft
mit verschiedenen Namen, je nach der Sprache des Volkes und der
Zeit, denen die Geheimlehrer angehorten. Die Bezeichnungen der
christlichen Geheimwissenschaft sind, von oben nach unten aufge-
zahlt: Herrschaften (Kyriotetes), Machte (Dynamis) und Gewalten
(Exusiai). Als viertes unterstes Glied reiht sich jenes charakterisier-
te Wesen an, wie sich der Erden-Mensch als oberstes Glied an das
Mineral-, Pflanzen- und Tierreich anreiht. - Diesen ganz anders-
artigen Verhaltnissen entsprechend war auch die Natur der Wahr-
nehmung selbst anders. Aus der Erfahrung heraus kennt diese
Natur der Eingeweihte. Denn sie kommt dem gleich, was er als
seine dritte Stufe, iiber das wache Tagesbewulksein hinaus, er-
reicht, dem spirituellen Bewufksein. Es ist da, als ob die Eindriicke
nicht von aufieren Gegenstanden an die Sinne herankamen, son-
dern als ob sie sich von innen heraus nach den Sinnen zudrangten,
von diesen nach aufien stromten und da draufien an die Gegenstan-
de und Wesen aufstiefien, urn sich an ihnen zu spiegeln und dann
in ihrem Abglanz dem Bewufitsein zu erscheinen. - So war es bei
jenem Saturnwesen. Es stromte seine Lebenskraft auf die Dinge des
Planeten, und von alien Seiten wurde ihm in der mannigfaltigsten
Weise der Widerschein zuriickgeworfen. Es nahm das eigene Leben
von alien Seiten im Spiegelbilde wahr. Und die Dinge, welche ihm
dieses sein Wesen zuriickstrahlten, waren die Anfange des phy-
sischen Menschenleibes. Denn aus ihnen bestand der Planet. Was
sonst wahrgenommen wurde, erschien nicht am Planeten, sondern
in dessen Umkreis. Die Wesen, welche Exusiai (Gewalten) genannt
werden, erschienen als strahlende Wesen, die von alien Seiten her
den Weltkorper beleuchteten. Der Saturn selbst war ein an sich
dunkler Korper; er empfing sein Licht nicht von toten Lichtquel-
len, sondern von diesen Wesen, die seinen Umkreis bewohnten und
als Leuchtwesen ihn erhellten. Ihr Licht offenbarte sich der Wahr-
nehmung des Saturnwesens, wie sich gegenwartig der tierische Leib
dem Menschen wahrnehmbar macht. Die Wesen, welche Dynamis
(Machte) hei£en, offenbarten sich in ahnlicher Art vom Umkreise
her durch geistiges Tonen und die Kyriotetes (Herrschaften) durch
das, was man in der Geheimwissenschaft das Weltaroma nennt,
eine Art von Eindruck, den man mit dem gegenwartigen Geruch
vergleichen kann.
So wie der Erdenmensch sich tiber die Wahrnehmungen der
aufieren Dinge hinaus zu Vorstellungen erhebt, die nur in seinem
Innern leben, so erkannte jenes Saturnwesen aufier den genannten
Wesenheiten, welche sich ihm wie von innen offenbarten, noch
Wesenheiten, die es von aufien wahrnahm; sie werden in der christ-
lichen Geheimwissenschaft Serafine, Cherubine und Throne ge-
nannt. Es gibt im Umkreise der Erfahrung des Erdenmenschen
nichts, was sich mit den erhabenen Merkmalen vergleichen lafit, in
denen sie damals auftraten. - Endlich war diesem Saturnwesen
noch eine dritte Art von Mitbewohnern bekannt. Sie bevolkerten
das Innere des Planeten. Dieser bestand ja nur als eine Zusammen-
setzung aus den Menschenleibern, so weit sie damals gediehen
waren. Will man sich eine Vorstellung von diesen Leibern machen,
so kann man dies dadurch, daft man sie fur die Zeiten, in denen sie
in physischer Form auftraten, mit Automaten vergleicht, die aus
feinstem atherischen Stoff bestehen. Als solche spiegelten sie das
Leben jenes Saturnwesens wider; sie selbst aber waren ganzlich
ohne Leben und ohne alle Empfindung. Aber sie wurden von
zweierlei Arten von Wesen bewohnt, welche ihr Leben und ihre
Empfindungsfahigkeit in ihnen entwickelten. Diese brauchten dazu
eine gewisse Unterlage. Denn ihnen fehlte ein eigener physischer
Leib,. und dennoch waren sie so veranlagt, dafi sie ihre hoheren
Fahigkeiten nur in einem solchen zur Entfaltung bringen konnten.
Sie bedienten sich deswegen des menschlichen physischen Leibes.
So war auf dem Saturn in einer ahnlichen Art das leibliche, see-
lische und geistige Element vorhanden, wie es auf der Erde vor-
kommt. Nur findet es sich auf der Erde so, dafi es die dreifache
Natur des Menschen bildet: seinen Leib, seine Seele und seinen
Geist. Jedes dieser Glieder des Menschen besteht wieder aus drei
Untergliedern: der Leib aus dem physischen, dem Atherleib und
dem Empfindungsleib; die Seele aus der Empfindungsseele, der
Verstandesseele und [der] Bewulkseinsseele; der Geist aus Geist-
selbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Auf dem Saturn sind Leib-
liches, Seelisches und Geistiges nicht als Glieder einer Wesenheit,
sondern als selbstandige Wesenheiten vorhanden; das Physisch-
Leibliche als die erste Anlage des Menschenleibes und die eigent-
liche Stoffgrundlage des Planeten selbst; der Atherleib als Engel,
der Empfindungsleib als Erzengel; die Empfindungsseele wird re-
prasentiert von jenem charakterisierten Saturnwesen selbst, die
Verstandesseele von den Gewalten, die Bewulkseinsseele von den
Machten, das Geistselbst von den Herrschaften, der Lebensgeist
von den Thronen, der Geistesmensch von den Cherubinen; iiber
alien stehen die Serafine.
Der Saturn stellte also in den Zeiten, in denen er auf seiner
physischen Stufe war, einen Gliederleib dar, bestehend aus feinen
Atherleibern; darinnen walteten die Engel und Erzengel wie die
Lebens- und Nervenkrafte gegenwartig im menschlichen Leibe.
Und wie dieser aufien die Sinneswerkzeuge hat, so war der Saturn
selbst an seiner Oberflache wie mit lauter Sinnen bedeckt; nur
waren diese Sinne nicht empfangende, sondern riickstrahlende. Sie
spiegelten alles, was von dem Umkreise des Weltkorpers herein
einen Eindruck machte, wider. Da bestrahlten die leuchtenden
Gewalten die Saturnoberflache, und ihr Licht wurde vielfaltig von
der Oberflache desselben zuriickgeworfen. Da klang es heran von
den Machten, und diese Klange drangen wieder als mannigfaches
Echo in den Raum hinaus; endlich wurde die Saturnoberflache von
dem Aroma der Herrschaften bestrahlt, und sie gab dieses wieder
in vielfach veranderter Form zuriick. Und in der Wahrnehmung all
dieser Widerstrahlungen bestand das Seelenleben jenes gekenn-
zeichneten Saturnwesens. - Man kann dieses Wesen den eigent-
lichen Planetengeist des Saturn nennen. Denn es war in der Tat nur
eines in seiner Art vorhanden, sowie im Erdenmenschen eine Man-
nigfaltigkeit von Gliedern, Sinnen und so weiter, aber nur ein
Selbstbewulksein vorhanden ist. Der ganze Saturn war der Korper
dieses Planetengeistes.
Die Entwickelung des Saturn bestand nun in sieben Kreislaufen,
welche die Seelen-Lebensentfaltung darstellen. In jedem dieser sie-
ben Kreislaufe geht der Planet durch die sieben Formen hindurch,
von der Formlosigkeit zur schopferischen Fahigkeit. - Beim ersten
Kreislauf bilden die Throne das dirigierende Seelenelement, beim
zweiten die Herrschaften, beim dritten die Machte, beim vierten
die Gewalten, beim fiinften der Saturn-Planetengeist selbst. Dieser
hat nicht sogleich vom Anfang der Saturnentwickelung das voile
helle Bewulksein gehabt, sondern dieses sich erst im vierten Kreis-
lauf erworben. Er ist also erst da zu einem eigentlichen seelischen
Erleben der planetarischen Vorgange gelangt. So kann er im fiinf-
ten Kreislaufe selbst als Seele wirken. Wahrend des fiinften Kreis-
laufes bilden sich nun die Erzengel zu einem inneren Seelenleben
heran, dessen Inhalt den Saturnvorgangen entnommen ist. Sie kon-
nen dies, indem sie sich der bis dahin zu entsprechenden Instru-
menten fur sie entwickelten Menschenleiber bedienen. Dadurch
werden sie im sechsten Kreislauf befahigt, diesen als selbsttatige
Seelen zu leiten. Dasselbe ist entsprechend fur den siebenten Kreis-
lauf mit den Engeln der Fall.
Im fiinften Kreislauf konnte der Planetengeist des Saturn nicht
in der charakterisierten Art als Seele wirken, wenn er innerhalb des
Saturnkorpers verbliebe. Denn dieser lafit solches durch seine Be-
schaffenheit nicht zu. Der Saturngeist mu£ daher aus dem Saturn-
leibe heraustreten und von auften auf den letzteren wirken. Es fin-
det also in diesem Kreislauf eine Trennung des Saturn in zwei
Weltenkorper statt. Von diesen ist allerdings die eine, die heraus-
getretene, als Saturnseele zu bezeichnen. Sie ist gleichsam die pro-
phetische Vorherverkiindigung der nachsten planetarischen Ver-
korperung: der Sonne. So wird wahrend seines fiinften, sechsten
und siebenten Kreislaufes der Saturn von einer Art Sonne umkreist,
wie gegenwartig die Erde von ihrem Monde.
Ein Ahnliches mull im sechsten Kreislauf fur die Erzengel ein-
treten. Sie verlassen die Saturnmasse und umkreisen sie als ein
neuer Planet, den man in der Geheimwissenschaft als Jupiter be-
zeichnet. Und im siebenten Kreislauf geschieht ein Ahnliches mit
Bezug auf die Engel. Sie ziehen ihre Masse aus derjenigen des
Saturn heraus und umkreisen diesen als selbstandiger Planet. Man
nennt diesen in der Geheimwissenschaft Mars. - Das sind Vorgan-
ge, wie sie sich ahnlich aber schon wahrend der vorhergehenden
Saturnkreislaufe abgespielt haben. Im dritten Kreislauf leiteten die
Gewalten die seelische Entwicklung. Wahrend des vierten ver-
lieften sie den Planeten und umkreisten ihn als helleuchtender
selbstandiger Planet, der in der Geheimwissenschaft den Namen
Merkur fuhrt. Im dritten Kreislauf war dasselbe mit den Machten
geschehen, die sich als Planet Venus verselbstandigten.
Innerhalb der Sonnenentwickelung wird der vorher automati-
sche Leib des Menschen in sich lebendig. Dies geschieht dadurch,
dafi das Licht, welches vorher als Ausfluft der Leuchtwesen den
Saturn aus dem Umkreise bestrahlte, nunmehr von den Bestandtei-
len des Sonnenkorpers selbst aufgenommen wird. Die Sonne wird
ein leuchtender Planet. Die vervollkommneten Menschenleiber
entwickeln leuchtendes Leben. Aus dem Umkreise tont es jetzt
herein, und es stromt das Weltaroma von den entsprechenden
Wesen.
Mit dem Saturn-Planetengeist hat sich eine Umwandlung voll-
zogen. Er hat sich vervielfaltigt. Aus einem sind sieben geworden.
Wie das Samenkorn eines ist und in der Ahre, die aus ihm sich
bildet, viele stehen, die gleichen Wesens sind mit jenem einen, so
keimen aus dem einen Saturn-Planetengeist sieben Sprossen hervor
beim Ubergang zur Sonnenstufe. Und sein Leben wird jetzt ein
anderes. Er erlangt die Fahigkeit, Wahrnehmungen von einem
Gebiete, das um eine Stufe tiefer steht als er, zu erlangen. Dies wird
dadurch moglich, dafi eine Anzahl von Menschenleibern in ihrer
Entwickelung zunickgeblieben, auf der Saturnstufe stehengeblie-
ben sind. Sie sind dadurch unfahig, das leuchtende Leben der Son-
ne zu empfangen. Sie bilden dunkle Stellen innerhalb des strahlen-
den Sonnenplaneten. Sie nehmen die aus dem Saturn-Planetengeist
entstandenen sieben Sonnengeister als ein unter ihnen stehendes
Naturreich wahr. So leben auf der Sonnenoberflache diese sieben
Wesenheiten; unter ihnen schauen sie ein Reich, dessen Wesen
Leiber haben, nur eine Stufe tiefer stehend als die Sonnen-Men-
schenleiber. Diese Leiber selbst aber geben ihnen in dem von ihnen
ausstrahlenden Licht die Nahrung, welche sie brauchen. Wahrend
die Saturnleiber dem Saturngeist nur die Ruckstrahler seiner We-
senheit waren, nehmen die Sonnenleiber den Sonnengeistern ge-
geniiber die Stelle ein, welche gegenwartig die Sonne mit ihrem
Lichte den Wesen des Pflanzenreiches gegeniiber einnimmt. In
bezug auf die Leibesorganisation steht der Mensch wahrend der
Sonnenentwickelung auf der Stufe eines Pflanzenwesens. Es ware
nicht richtig zu sagen, er sei damals selbst durch das Pflanzenreich
hindurchgegangen. Denn ein Pflanzenreich, wie es heute ist, kann
sich nur unter den eigenartigen Verhaltnissen der Erde entwickeln.
Will man einen Vergleich diesbezuglich gebrauchen, so miifite man
sich den Sonnen-Menschenleib als ein Pflanzenwesen vorstellen,
das ahnliche Organe wie gegenwartig die Pflanze als Blute entwik-
kelt, dem eigenen Planeten zuwendet. Und wie die gegenwartige
Pflanze ihr Licht von einer aufieren Sonne erhalt, so erhielt die
Menschensonnenpflanze das ihre von dem eigenen Planeten, der ja
Sonne war. Das, was heute die Pflanze als Wurzel in die Erde
senkt, war am Sonnenleibe den einstromenden Tonen und Gerii-
chen zugewendet; er nahm sie auf und verarbeitete sie in seinem
Innern. Man konnte die gegenwartige Pflanze einen auf der Son-
nenstufe stehengebliebenen Menschenleib nennen, der sich voll-
standig umgewendet hat. Er streckt deshalb die Organe des Wachs-
tums und der Fortpflanzung, welche der Mensch verhiillt und nach
unten gewendet hat, keusch der Sonne zu nach oben.
In dieser Art war der Menschenleib erst wahrend des vierten
Sonnenlaufes vollstandig entwickelt. Drei vorhergehende Kreislau-
fe waren eine Vorbereitung dazu. Der erste Kreislauf gestaltet sich
eigentlich nur als eine Wiederholung des Saturndaseins. Und seine
sieben Formstufen sind sieben Wiederhohmgen der Lebensstufen
des Saturnkreislaufes. Aber erst beim zweiten Sonnenkreislauf
blitzt Leben auf im Menschenleib. Dasselbe ist noch nicht so voll-
entwickelt, daft die Erzengel, welche auf der Sonne in die Stellung
eintreten, welche auf dem Saturn der Planetengeist eingenommen
hat, in diesem Leben ihre Befriedigung finden konnen. Es saugen
vielmehr jetzt die Kraft, welche aus diesem Leben flieften kann, die
Gewalten; wahrend des dritten Kreislaufes treten die sieben aus
dem Saturngeist entstandenen Wesenheiten an die Stelle; und wah-
rend des vierten Sonnenlaufes leben in dem Leben der Erdenleiber
die Erzengel, wie sich der Planetengeist in den Leibern des Saturn
gespiegelt hat. Wahrend des fiinften Sonnenlaufes steigen die Erz-
engel zu einer hoheren Daseinsstufe auf, und die Engel treten auf
dem Planeten an ihre Stelle. Wahrend des sechsten Sonnenlaufes
haben sich auch die Engel so hoch entwickelt, daft sie des physi-
schen Teiles des Menschenleibes nicht bediirfen; sie bedienen sich
nur noch fur ihre Zwecke des aus- und einstromenden Lichtes, um
darin zu leben. Der physische Menschenleib ist eine selbstandige
Wesenheit geworden, das Vorbild des gegenwartigen physischen
Korpers des Menschen. Und er verhalt sich auf dieser Stufe auch
ganz wie ein physischer Apparat; nur wie ein solcher, dessen Teile
eben leben. Er ist gewissermaften ein lebendes Sinnesinstrument,
dessen Wahrnehmungen aber nicht von ihm selbst aufgenommen
werden. Ihm selbst fehlt dazu der notige Bewufitseinsgrad. Er ist in
einem pflanzenartigen Schlaf, der seine hochste Bewufitseinsstufe
ausmacht. Was in ihm als Wahrnehmungen entworfen wird, geht in
das Bewufitsein der Engel, Erzengel und so weiter iiber, je nach der
Folge der verschiedenen Sonnenkreislaufe. Diese hoheren Wesen
wachen iiber dem schlafenden Menschenleib.
Welches sind nun die Ursachen, unter deren Einflufi sich die
Sonne aus dem Saturn entwickelt hat? Man erkennt sie, wenn man
einen Blick wirft auf die letzten Zustande der Saturnentwickelung.
Man nehme an, der siebente Kreislauf sei auf der vierten Formstu-
fe, der physischen, angelangt. Der Menschenleib ist da so weit, dafi
er den Engeln als die ihr Wesen spiegelnden Sinnesorgane dienen
kann. Diese haben auf dieser Stufe eine Art Menschenbewufitsein,
das ihnen allerdings nur mit den beniitzten Sinnen des Menschen-
leibes zuteil wird. Hohere Wesen wirken aus dem Umkreise des
Planeten auf denselben. Sie entwickeln aufeinanderfolgend die
hoheren Bewufitseinsstufen. In dem Augenblicke, in dem auch die
Engel sich zu solch hoheren Bewufitseinsarten entwickeln, konnen
sie sich nicht mehr des Menschenleibes bedienen. Die Folge davon
ist, dafi sie ihn verlassen. Er mufi sterben. Das heifit aber nichts
anderes, als dafi der physische Saturnleib zerfallt, bevor sich die
physiognomische Form des siebenten Umlaufes entwickelt. Diese
physiognomische Stufe ist also iiberhaupt nicht mehr physisch. Der
Planet ist nur noch als Seelenplanet vorhanden. Die physische
Form versinkt in den Abgrund, In dem Seelenplaneten leben die
Engel in einem iiberphysischen Bilderbewufitsein. Und die hohe-
ren Wesen sind an ihm tatig mit entsprechenden hoheren Bewufit-
seinsformen. In dem Zeitpunkte, wo auch die Engel iiber das Bil-
derbewufitsein hinausgewachsen sind, mufi auch der Seelenplanet
zerfallen. An seine Stelle tritt ein anderer, auf dem die gestaltende
Form entwickelt wird. Er schwebt aber nur in jener Welt, in wel-
cher sich der irdische Eingeweihte befindet, wenn er in dem hohe-
ren Tonbewufitsein verweilt. Aus denselben Griinden entwickelt
sich aus diesem Planeten ein anderer, der einer noch hoheren Welt
angehort am Ende des siebenten Saturnkreislaufes. In demselben ist
die schdpferische Form des Daseins verwirklicht. - Es ist gezeigt
worden, daft mit dem Aufsteigen der hoheren Wesen in entspre-
chende Bewufitseinsformen sich immer Nebenplaneten des Saturn
absondern, die in hoheren Welten schweben miissen, weil die
Hauptform des Saturn solche Bewufitseinsarten nicht beherbergen
kann. Nun aber steigt ja der Saturn selbst zu solchen hoheren
Welten auf. Das hat zur Folge, da$ er jedes Mai, wenn er in einer
solch hoheren Welt angekommen ist, sich mit jenem Nebenplane-
ten vereinigt, der in der gleichen Welt vorhanden ist. Am Ende des
siebenten Saturnkreislaufes sind aus diesem Grunde Jupiter, Mars,
Venus, Merkur und Sonne wieder mit dem Saturn vereinigt. Alles
bildet wieder eine Welt. - In dieser einen Welt findet sich aber die
schopferische Form der Saturnlebenskraft. Durch sie wird die
Welt, die sich auf die angegebene Art vergeistigt hat, wieder auf die
niederen Stufen des Daseins zuriickgefuhrt. Das geschieht eben mit
der Entwickelung der Sonne. Im Verlaufe ihrer Kreislaufe treten
die aus dem Saturn herausgebildeten Planeten wieder hervor. Ein
jeglicher erscheint jetzt nur um eine Stufe mehr dem physischen
Dasein angenahert.
Konnte ein menschlicher Beobachter mit Sinnen in der gegenwar-
tigen Form der Entwickelung des geschilderten Planeten zusehen, so
wiirde er nur in gewissen Zeitraumen aus dem Dunkel heraus den
Weltkorper aufgehen sehen; in langen Zwischenzeiten, in denen die-
ser nur ein Dasein in hoheren Welten fuhrt, wiirde er einem solchen
Beobachter entschwinden. Er bliebe da nur fur einen Beobachter
erkennbar, dessen Bewufksein in hoheren Welten verweilen kann.
Man unterscheidet deshalb zwischen den physischen Zustanden des
planetarischen Daseins Dammerungs- oder Nachtzustande. Nur
darf man sich nicht vorstellen, daft in solchen Zwischenzeiten der
Planet mit seinen Wesenheiten in Untatigkeit verfallt. Diese [Tatig-
keit] fallt da nur in hohere Welten und driickt sich so in einem viei
wirklicheren Dasein als dem bloften physischen aus.
Wenn nun die Sonne ihre sieben Kreislaufe vollendet hat, dann
beginnt die Zeit, in welcher der Menschenleib so weit ist, daft er
nicht nur die Einstromungen des Lichtes aufnehmen und dadurch
belebt sein kann, sondern er erlangt die Fahigkeit, die ihn umflu-
tende Tonwelt, die aus den «Machten» gebildet wird, in sich wei-
terwirken zu lassen und sie selbst als Tone wiederzugeben. Der
Menschenleib wird auf dieser Daseinsstufe, die man die Mond-
entwickelung nennt, eine tonende Wesenheit. Wahrend der auf der
Saturnstufe vom Planeten in die Umwelt zuriickgeworfene Ton nur
ein Echo der Umgebung war, tont er jetzt verandert in diese
Umgebung hinaus. Er ist so verandert, dafi er in der mannigfaltig-
sten Art wiedergibt, was in den Menschenleibern vorgeht. Diese
Menschenleiber haben damit ein drittes Glied in ihre Wesenheit
aufgenommen, den Empfindungsleib. Denn es ist ihre innere Na-
tur: ihre Gefuhlswelt, die da nach auflen tont. - Aus den sieben
Wesenheiten aber, welche sich wahrend der Sonnenentwickelung
aus dem Saturngeiste heraus entwickelt haben, sind siebenmal sie-
ben geworden. Deren Umwelt ist jetzt so geworden, dafi sie ihre
eigene Gefuhlswelt in den Empfindungsleibern, welche sich gebil-
det haben, erleben. Diese Empfindungsleiber sind die Trager ihres
hellen Tagesbewufkseins. Sie fuhlen sich nunmehr umgeben von
zwei Reichen, die unter ihnen stehen, und einem, das iiber ihnen
ist. Dieses iiber ihnen schwebende Reich macht sich ihnen aus dem
Weltraum heraus als das Weltaroma fiihlbar; sich selbst erleben sie
als tonende Wesen, und die beiden Reiche, welche unter ihnen ste-
hen, sind dadurch geworden, daft ein Gebiet von Menschenleibern
auf der Saturn-, ein zweites auf der Sonnenstufe stehengeblieben
ist. So sind diese Mondwesen umgeben von den automatenhaften
Wesen, die ihre Saturnreife auf dem Monde unter ganz andersar-
tigen Verhaltnissen fortsetzen, als sie auf dem Saturn selbst bestan-
den haben, und ferner von pflanzenhaften Sonnenleibern, die in
einer ahnlichen Lage sind. In der eigentlichen Mondenmasse sind
also dreierlei Wesen vorhanden. Jene automatenhaften Wesen, die
in sich selbst dunkel sind und welche sich vom Saturn her die
Fahigkeit noch bewahrt haben, Leben um sich herumzustrahlen.
Sie sind nicht leblose Wesen in dem Sinne der gegenwartigen
Mineralien. Eine mineralische Grundlage, wie sie die Erde hat, gab
es auf dem Monde iiberhaupt noch nicht. An ihrer Stelle war eine
solche, welche aus dem charakterisierten Wesen bestand. Man be-
kommt eine Vorstellung von ihr, wenn man sich sie mit einem
durch sie ganz durchgehenden Leben begabt vorstellt, so dafi auf
dem Monde zum Beispiel statt der mineralischen Ackererde unse-
res Planeten eine lebendige, breiartige Masse ist; in dieser sind ein-
gefugt verholzte Teile wie die Felsenmassen in das weichere Ge-
stein unserer Erde. In dieser lebenden Grundlage, die man in ihren
Teilen Pflanzenmineralien nennen kann, wurzelten die gekenn-
zeichneten Sonnenwesen, auf einer Stufe stehend zwischen dem
gegenwartigen Tier und der gegenwartigen Pflanze. Und die be-
weglichen Wesen, welche den Mond bewohnten, waren die Men-
schenleiber, zwischen Tier und Mensch in bezug auf ihre Entwik-
kelung mitten drinnen stehend. Sie waren die Beherberger der
Abkommlinge des Saturn-Planetengeistes. Doch hatte dieser ein
waches Tagesbewufitsein nicht in ihnen entwickeln konnen. Um in
einem solchen zu leben, mufken diese Wesen jedesmal aus dem
Leibe heraustreten. Waren sie innerhalb desselben, das heifit lebten
sie sein Leben mit, dann waren sie nur mit einem von Traum-
bildern erfiillten Bewufitsein durchdrungen. In diesem Bewufitsein
sahen sie nichts von ihrer physischen Umgebung; aber sie tonten
ihr inneres Erleben in die Umgebung hinaus. Was da in Klangen
sich auslebte wahrend des Schlafes der Mondwesen, waren deren
Leidenschaften und Begierden. Um aus dem Umkreis dieses Er-
lebens nur eines hervorzuheben, sei darauf hingewiesen, daft zum
Beispiel dasjenige, was man jetzt Liebesleben nennt und was der
Fortpflanzung zugrundeliegt, auf dem Monde sich wahrend des
traumerfullten Schlafes abspielte. Das wache Tagesleben war be-
gierde- und allerdings auch liebelos, ganz nur dem Anschauen der
Umwelt hingegeben. Der Menschenvorfahr auf dem Monde wulke
noch nichts von geschlechtlichen Beziehungen in seinem Tages-
leben. Fiir das, was heute der Mensch in der geschlechtlichen Liebe
fiihlt, spielten sich auf dem Monde Traumbilder ab, welche nur im
Sinnbild zum Ausdrucke brachten, was heute gegenstandliche
Wirklichkeit ist. - Nicht der Menschenvorfahr erlebte also auf dem
Monde die Bilderwelt im wachen Zustande; in ihr lebten vielmehr
die zunachst iiber dem Menschen stehenden Wesen, die Engel. Fur
sie spielte sich gewissermafien die Traumwelt des Menschen als
helle Tageswirklichkeit ab. Sie wachten iiber der traumenden Men-
schenwelt, wie die Erzengel iiber der in pflanzenartigem Schlaf
lebenden Sonnenwelt wachten.
Die ersten beiden Mondkreislaufe waren nur Wiederholungen
der friiheren Entwickelungszustande. Die sieben Formen des er-
sten Kreislaufes wiederholten die sieben Saturnkreislaufe, und die
sieben Formen des zweiten die sieben Sonnenkreislaufe.
Im dritten Mondenkreislauf ist der Menschenleib so weit, dafi
die auf der Erzengelstufe stehenden Wesen seine Traumbilder als
ihre Umgebung erleben; im vierten Kreislauf ist das bei den Engeln
der Fall. Die Abkommlinge des Saturn-Planetengeistes konnen in
diesem Kreislauf den Menschenleib so weit benutzen, dafi sie,
wenn sie ihn von au£en umhullen und sich seiner bedienen, durch
ihn ein helles Tagesbewufitsein erlangen. Im fiinften Kreislauf sind
diese Wesen zu einer solchen Hohe hinaufgestiegen, dafi sie nicht
mehr des physischen Menschenleibes bediirfen; dieser nimmt nun
fur sich seine Umgebung wahr, aber er bringt es nur zu einer nie-
dern Bewufttseinsstufe in bezug auf diese Wahrnehmungen. Nur
noch des Atherleibes und des Empfindungsleibes bediirfen diese
Wesen in dieser Zeit. Im sechsten Kreislauf iiberlassen sie auch den
Atherleib, im siebenten den Empfindungsleib sich selbst.
Der Mond ist eine Wiederverkorperung des Sonnenplaneten. In
der Zeit nun, in welcher auf dem Monde sich die Stufe der Sonnen-
entwickelung wiederholt, also im zweiten Kreislaufe, tritt aus sei-
ner Masse der Sonnenkorper heraus. Innerhalb dieses herausgetre-
tenen Sonnenkorpers leben dann jene Wesen, welche eine Bewufk-
seins- und Lebensstufe angenommen haben, fur welche sich auf
dem Monde selbst keine Bedingungen finden. Das sind wahrend
des zweiten Kreislaufes die Gewalten; sie haben wahrend des Son-
nenlebens das Leben des physischen Menschenleibes mitgelebt.
Jetzt auf dem Monde fiihrt diese Sonnenstufe nur ein verkiimmer-
tes, zuriickgebliebenes Dasein in den oben geschilderten Tierpflan-
zen. In ihnen konnen die Gewalten nicht leben. Sie beleben diese
Wesen vielmehr von aufien, indem sie ihnen von ihrer Sonne aus
das Licht zusenden, das sie brauchen. Wahrend des dritten Mon-
denkreislaufes haben sich auch die Abkommlinge des Saturn-Pla-
netengeistes zu einer Stufe erhoben, daft sie auf dem Monde kein
Dasein mehr finden konnen. Und entsprechend verlassen wahrend
des vierten Kreislaufes die Erzengel den Mond, welcher in diesem
seinem Zeitraum ebenso der Wohnplatz der Engel ist, wie spater
die Erde in ihrem vierten Kreislaufe derjenige der Menschen.
Wie wahrend der Sonnenentwickelung die anderen Planeten stu-
fenweise hervorgetreten sind, so geschieht dies mit ihnen auch jetzt
wahrend der Mondentwickelung. Nur sind sie wieder um eine Stu-
fe dem physischen Dasein naher, in dem Zeitpunkte, in dem der
Mond auf der Hohe seiner Entwickelung stent, das heifit von der
physischen Form seines vierten Kreislaufes an. Mit dem fiinften
Kreislauf erlangt in der Mondumgebung der Mars, den dann die
Engel bewohnen, eine feine, atherisch-physische Form; mit dem
sechsten Kreislauf vollzieht sich ein solches in bezug auf den Jupi-
ter, den Wohnplatz der Erzengel. Wahrend des siebenten Monden-
laufes endlich geschieht ein gleiches mit dem Merkur. Mars und
Jupiter sind mittlerweile noch dichter geworden; der erstere hat da
eine Dichtigkeit, welche es ihm moglich macht, durch die Be-
wegungen seiner Bestandteile Warme zu entwickeln und in den
Weltenraum hinauszustromen.
Die Erdenentwickelung ubernimmt die Friichte, die auf dem
Monde gereift sind. Der Menschenleib hat drei Stufen seiner Ent-
wickelung hinter sich. Auf der ersten ist er fahig gewesen, wie ein
physikalisches Instrument jenen Wesen als Wahrnehmungsorgan
zu dienen, welche schon auf der Sonnenstufe so weit vorgeriickt
waren, dafi sie eines jeglichen solchen Apparates entraten konnten.
Sie gehorten also bereits damals zu jenen Wesen, die dem Sonnen-
planeten von aufien her als Schopfer ihre Tatigkeit widmen konn-
ten. Die Stelle, die sie auf dem Saturn inne hatten, nahmen auf der
Sonne die Erzengel ein. Nicht im Sonnenplaneten hatten die Sa-
turn-Planetengeister ihre Leiblichkeit, sondern in den schopferi-
schen Kraften, von denen das Sonnenleben unterhalten worden ist.
- Auf dem Monde waren dann die Erzengel die schopferischen
Machte geworden. Ihre Leiblichkeit konnten die Engel des Mon-
des, die damals helles Tagesbewufksein hatten, bewundern, wenn
sie zu ihren Schopfern aufblickten.
Diese drei planetarischen Entwickelungsstufen wurden nun zu-
nachst in den ersten drei Erdenkreislaufen wiederholt. Der Men-
schenleib sollte sich wahrend derselben vorbereiten, in sich selbst
die Bilder, die sich wahrend des Mondenbewulkseins gebildet hat-
ten, zu Erlebnissen zu machen. Er mulke fahig werden, in sich
nicht nur einen Lebens- und Bilderleib zu beherbergen, sondern in
seinen Bildern die Umwelt innerlich abzuspiegeln. Er war auf dem
Monde so weit, dafi seine Bilder die Engel betrachten konnten. Der
Mondenleib des Menschen war die Umgebung der Engel. Und sie
waren in der Betrachtung des Mondmenschen zugleich selbst vor-
geriickt; sie hatten sich hindurchgerungen, so da£ sie nun auf einer
hoheren Stufe das schaffen konnten, was sie auf dem Monde wahr-
genommen hatten. Sie hatten ja da aufier den beiden Reichen, die
unter ihnen standen, in ihrer Umgebung noch die Wesen ihres
Gleichen. Deren Natur konnten sie, nachdem die Mondentwicke-
lung zu Ende gegangen war, dem Menschenleibe einpragen. Die
Erdenmenschen konnten dann das in ihrer physischen Umgebung
sehen, wahrend sie ihren Leib bewohnten, was die Engel auf dem
Monde nur schauen konnten, wenn sie in eine hohere Welt aufstie-
gen: ihresgleichen.
Aber nur stufenweise konnte der Menschenleib zu solcher Fa-
higkeit hinaufgelenkt werden. Und das geschah eben wahrend der
drei Erdenkreislaufe. Im ersten konnte er sich so wahrnehmen, wie
er auf dem Saturn, im zweiten, wie er auf der Sonne, im dritten, wie
er auf dem Monde beschaffen war. Wahrend des ersten Erdenkreis-
laufes waren die Nebenmenschen fiir ihn noch durchaus wandelnde
Automaten; wahrend des zweiten erschienen sie ihm als pflanzen-
artige Wesen; und wahrend des dritten mit Tiercharakter.
Als der vierte Kreislauf begann, war der Mensch fahig gewor-
den, die Schopfungen der Engel, seinesgleichen, um sich herum
wahrzunehmen. Die Engel aber standen um drei Bewulkseinsstu-
fen iiber ihm. Sie konnten schaffen, was er wahrnahm. - Der Men-
schenleib erlangte jetzt vier Glieder: das physische [Glied], welches
der Spiegel der Umgebung wurde, das lebendige [Glied], welches
die Wahrnehmungen der Umgebung in innerliche Bewegung um-
setzen konnte, der Bilderleib, welcher die inneren Bewegungen
zum Charakter von Sinnbildern umzusetzen vermochte, und end-
lich den Leib, welcher Trager des hellen Tagesbewufkseins wurde,
der die innerlichen Bilder in Einklang bringt mit den Eindriicken
der Umgebung und damit den Zusammenhang schafft zwischen
innerlichem Erleben und den Vorgangen der Umgebung. - Aber
das helle Tagesbewufksein bleibt beschrankt auf die Aufienwelt des
Physischen; die Vorgange des Lebens und die Bilder des Bilder-
leibes werden innerlich belebt, aber nicht als Umgebung wahrge-
nommen. Sein Bilderleib bleibt der Gegenstand der nachsthoheren
Wesensstufe, der Engel, sein Lebensleib sogar derjenige der Erz-
engel. Alles, was im Menschen mit dem Lebensleib zusammen-
hangt, die Gesetze seines Wachstums und der Fortpflanzung, steht
daher fiir ihn selbst im Verborgenen; er hat davon nur das Bewulk-
sein, das im traumlosen Schlaf vorhanden ist. Fiir die Erzengel aber
sind diese Vorgange solche Dinge der Auftenwelt und ihres Wir-
kens, wie fiir den Menschen es seine Arbeit an einer physischen
Maschine gegenwartig ist. Und alles, was mit dem Bilderbewulk-
sein zusammenhangt, die fiir den Menschen mehr geheimnisvollen
Gesetze, die seinem Antlitz ein bestimmtes Geprage und Mienen-
spiel, seinem Gange und so weiter bestimmte Formen geben, also
was sich in seinem Charakter, Temperament und so weiter aus-
driickt, das steht unter der Herrschaft der Engel. Nur das, was
er in seiner Umgebung bewirkt, das steht unter seiner eigenen
Gesetzmafiigkeit.
Zu einem Wesen, das man so kennzeichnen kann, hat sich der
Mensch in dem vierten Erdenkreislaufe herangebildet. - Die Engel
aber, welche wahrend der Mondenstufe sich zum Bewufitsein von
Schopfern hinaufentwickelt hatten, konnten in dem Augenblicke
auf der Erde fiir sich selbst keine Statte mehr finden, in dem der
Bilderleib anfing, dem Menschen selbst anzugehoren, das heifk von
dem Zeitpunkte an, in dem der zweite Kreislauf seine Mitte iiber-
schritten hatte. Da zogen sie sich zu einer hoheren Gemeinschaft
mit neuen Lebensbedingungen zuriick; die Sonne trennte sich vom
neuen von der Erde und schickte dieser fortan von aufien ihre
Krafte zu.
Im dritten Erdenkreislaufe mufken dann diejenigen Menschen-
leiber, die im zweiten nicht so weit gekommen waren, daft sie den
Bilderleib durch die auf der Sonne versammelten Krafte versorgen
lassen konnten, zu einem untergeordneten Dasein verfallen. Sie
sanken auf die tierische Stufe von der tierisch-menschlichen herab.
Woher konnten sie nun die Krafte fur ihren Bilderleib erhalten?
Fiir die Sonnenkrafte der vollendeten Engel waren sie nicht emp-
fanglich. Nun bleiben aber auf einer jeden Stufe Wesen in ihrer
Entwickelung zuriick. Es waren bis zum dritten Kreislauf Engel
zuriickgeblieben in ihrer Entwickelung, die daher eine Stelle auf
der Sonne nicht finden konnten. Sie konnten wahrend der zweiten
Halfte des dritten Erdenkreislaufes noch nicht die Anlage finden,
zur Sonne aufzusteigen. Sie waren aber auch nicht dazu beschaffen,
weiter auf die Bilderleiber des sich vervollkommnenden Menschen
zu wirken. Sie hatten nur die Gabe, auf solche Bilderleiber zu
wirken, welche auf der Stufe des Mondendaseins geblieben waren.
Daher zogen sie sich aus der Erdenmasse heraus als der gegenwar-
tige Mond. Dieser ist also ein Weltenkorper, welcher ein friiheres
Stiick der Erdenentwickelung in einem gleichsam verharteten Zu-
stande darstellt. Er ist der Wohnplatz jener Wesenheiten, welche
nicht haben Schopfer des vollkommenen Menschenleibes werden
wollen. Man findet deren Wirksamkeit in den Bilderleibern der
Tiere; sie richten aber ihre Angriffe auch noch fortwahrend auf den
Bilderleib des Menschen, welcher ja das ihnen entwachsene Gebiet
ist. Sobald der Mensch nur ein wenig abirrt von der Hingabe an
seine hohere Natur, die ihm durch die Eindriicke seiner Sinne wird,
sobald er den Machten verfallt, die in seinem Bilderleib wirken,
gewinnen diese Wesen Einflufi auf ihn. Ihr Wirken zeigt sich in
wiisten Traumen, in denen sich die aus seiner niederen Natur kom-
menden tierischen Begierden spiegeln.
Wenn der dritte Erdenkreislauf iiber seine Mitte hinausgelangt,
wo die Erde also zum dritten Male physisch geworden ist, so sind
zunachst fur die Form des physischen Menschenleibes, der aufiere
Wahrnehmungen empfangen kann, keine Daseinsbedingungen vor-
handen. Das Physische stirbt ab. Die Folge davon ist, dafi die
Unterlassungssiinde der zuriickgebliebenen Engel nicht mehr so
schmerzlich empfunden wird von den zum Sonnendasein aufgestie-
genen Wesen. Der Mond wird daher wieder dem Erdenkorper ein-
verleibt. Und bei Fortsetzung des Kreislaufes, wenn die ganze Erde
iiber das Bilderdasein in eine hohere Welt aufgestiegen ist, vereinigt
sie sich auch wieder mit der Sonne. Dadurch erlangen die Krafte im
Menschenleibe, welche im dritten Kreislauf erst den bilderbelebten
Leib in ihrer Umgebung sehen konnten, die schopferische Fahig-
keit. Sie konnen dadurch in den vierten Kreislauf eintreten. Sie sind
da zunachst noch in der Welt, die nur fur ein spirituelles Bewufit-
sein wahrnehmbar ist, steigen aber stufenweise zu immer tieferen
Welten herab. Endlich ist der Menschenleib so weit, dafi er Wahr-
nehmungsorgane fur seinesgleichen in einer feinen atherischen
Form ausbilden kann. Der physische Leib erlangt also die Fahig-
keiten seiner Erdenform. Das ist auch der Zeitpunkt, in dem die
Erde den vollendeten Engeln wieder kein Schauplatz sein kann; die
Sonne tritt mit ihnen aus der Erde heraus und bescheint diese von
aufien. Immer weiter gelangt der physische Leib. Die Bilder des
Bilderleibes erlangen eine ihnen vorher nicht eigene Lebhaftigkeit;
die Organe des physischen Leibes geben ihnen in den Spiegel-
bildern der aufteren Gegenstande Nahrung. Es ist der Zeitpunkt
gekommen, wo die aufiere Erdenumgebung diese Bilder den zu-
riickgebliebenen Engeln entreilk. Diese miissen den Teil der Erde,
der ihnen Wohnplatz sein kann, aus der Erde herausziehen. Der
Mond trennt sich abermals von der Erde und umkreist sie als ihr
Nebenplanet.
Wie weit ist in diesem Zeitpunkte der Menschenleib? Er hat
seine vierfache Natur entwickelt. Er ist so organisiert, dafi er Tra-
ger sein kann eines Ather- oder Lebensleibes, dafi er einen Bilder-
leib beherbergen kann. Und aufierdem lassen seine Sinnesorgane
zu, dafi die Erdenumgebung sich in diesen Bildern abspiegelt. Es
hat der physische Menschenleib jetzt also eine ganz neue Stufe
erlangt. Er spiegelt nach innen, wie er auf dem Saturn nach aufien
die Wesenheit des Saturn-Planetengeistes gespiegelt hat. Dadurch
kann jetzt in ihm jener Teil dieses Geistes leben, der damals das
niedrigste Glied desselben war. Es schnurt sich dieser Teil deshalb
von dem Saturn-Planetengeist ab; er verliert die Fahigkeit, die
Offenbarungen der oberen Reiche zu erhalten und wird Trager des
menschlichen Selbstbewufitseins. Der Mensch lernt sich als «Ich»
zu empfinden. Er tragt von jetzt ab die Natur in sich, welche auf
dem Saturn der planetarische Geist wie ein Umkreis des Planeten
offenbarte.
So hat der Mensch die Stufe erlangt, auf der sich in seinem
Atherleib die Erzengel, in seinem Bilderleib die Engel, in seinem
Selbstbewufksein der planetarische Saturngeist offenbart. Er kann
nun zu der Stufe aufsteigen, auf welcher der Saturngeist in ihm
fahig wird, zu dem Bilderleib ein ahnliches Verhaltnis zu haben,
wie es der Saturngeist selbst erlangte, als er allmahlich dem eigenen
planetarischen Dasein entwuchs und zum Jupiterbewohner wurde.
Da aber der Mensch doch Erdenbewohner bleibt, so konnen solche
Krafte nur von auEen auf ihn wirken. Das heilk, die Erde gelangt
in den Einfluft der Jupiterkrafte. Auf einer spateren Stufe geschieht
es ahnlich in bezug auf diejenigen Wesenheiten, welche auf einer
Stufe waren, auf der sie nur von aufien, vom Mars aus auf den
Atherleib wirken. Der Erdenmensch gelangt unter den Einflufi des
Mars.
Als Sonne, Erde und Mond noch einen Korper bildeten, war auf
diesem Planeten der Menschenleib aus einem Stoffe gebildet, der
luftartigen Zustand hatte. Aufier den Menschenleibern waren nur
vorhanden mit einem Leibe in einem fliissigen Zustande die Nach-
kommen der Menschentiere des Mondes. Den festen Zustand hat-
ten erreicht die Sproftlinge derjenigen Mond wesen, welche dort als
Pflanzenmineralien lebten. Aufier den fliissigen Menschentieren
aber gab es noch tierpflanzenartige Wesen in diesem [Zeitpunkt],
die aus den Pflanzentieren des Mondes entstanden waren. Wahrend
aber die ersteren ein mehr wasseriges Aussehen hatten, bestanden
die tierpflanzenahnlichen Wesen aus einer dichten, breiartigen
Masse, die, wenn sie derb wurde, dem Stoffe naherte, der gegen-
wartig die Pilze bildet.
Als nun die Sonne ihre Materie aus der Erde herauszog, so daft
die letztere nur noch die Mondmasse in sich hatte, da anderten sich
alle Verhaltnisse auf dem Planeten. Der Stoff der Menschenleiber
verdichtete sich zu einer fliissigen Substanz, welche sich dem heu-
tigen Blute vergleichen lafit. Die vorher fliissigen Wesen nahmen
eine feste Form an, und die festen Pflanzenmineralien erhielten eine
ganz dichte Stofflichkeit. Vor dem Auszug der Sonne war das
Leben des Menschenleibes im wesentlichen eine Art Atmung, ein
Aufnehmen und Abgeben von luftartigem Stoff. Nach demselben
bildete sich eine Weise der Ernahrung aus der fliissigen Umwelt
heraus. Und mit dieser Ernahrung war auch die Fortpflanzung
verbunden. Der zahfliissige Menschenleib wurde aus dem Fort-
pflanzungsstoff seiner Umgebung befruchtet und spaltete sich un-
ter solchem befruchtenden Einflusse. Seine Entwickelung, wahrend
noch die Mondensubstanz innerhalb der Erde war, ging so vor
sich, dafi er innerhalb seiner fliissigen Masse halbfeste Teile ausbil-
dete, die sich bis zur Knorpelhaftigkeit verdichteten. Feste kno-
chenartige Gliedeinlagerungen konnte er in dieser Zeit noch nicht
bilden, denn dazu war die Erdmasse nicht geeignet, solange sie den
Mond in sich enthielt. Erst mit dem Auszug des Mondes, als die
derbste Stofflichkeit entfernt war, entstand im Menschenleibe eine
feste Geriistanlage. Und dies war auch die Zeit, in welcher die
Moglichkeit aufhorte, die Befruchtungsstoffe aus der Umgebung
zu nehmen. Mit der Mondenmasse ging auch den Erdensubstanzen
die Fahigkeit verloren, auf den Menschenleib befruchtend zu wir-
ken. In der Zeit vorher gab es nicht zwei Geschlechter des Men-
schenleibes. Der Mensch war ein Wesen weiblicher Natur, zu dem
die mannliche Wesenheit in der Erdenumwelt selbst war. Die ganze
Monderde hatte einen mannlichen Charakter.
Mit dem Auszug des Mondes verwandelte sich ein Teil der
Menschenleiber in solche mit mannlichem Charakter. Er nahm also
die befruchtenden Krafte in sich auf, die vorher gleichsam in dem
Safte der Erde selbst enthalten waren. Die weibliche Natur des
Menschenleibes erfuhr eine solche Umbildung, dafi sie von dem
entstandenen Mannlichen befruchtet werden konnte. - Dies alles
geschah dadurch, daft eine Art doppelgeschlechtiger Menschenleib
in einen eingeschlechtigen uberging. Der friihere Menschenleib
befruchtete mit aufgenommenen Stoffen sich selbst. Nun erhielt die
eine Form des Menschenleibes, die weibliche, nur die Kraft, das
Befruchtete auszureifen. Dies geschah so, dafi in ihr die mannliche
Kraft die Fahigkeit der Zubereitung des Fruchtstoffes verlor. Es
bleibt diese Kraft nur dem Ather- oder Lebensleib, welcher die
Reifung zu bewirken hat. Der mannlichen Form des Menschen-
leibes ging die Moglichkeit verloren, mit dem Fruchtstoff in sich
etwas anzufangen. Das Weibliche blieb in ihr auf den Atherleib
beschrankt. So kommt es, daft in dem gegenwartigen Menschen die
Sache so steht, dafi im Manne der Atherleib weiblich, in der Frau
aber mannlich ist. - Die Erwerbung dieser Fahigkeiten fallt zeitlich
mit der Ausbildung eines festen Knochengeriistes zusammen.
Nun ging dem aber noch ein anderer wichtiger Vorgang voraus.
Als der Menschenleib uberging von der luftformigen in die fliissige
Stofflichkeit, entstand zugleich die Anlage, um die luftformige
Materie in einem besonderen Organ aufzunehmen. Die abgeson-
derte Atmung nahm damit den Anfang. Man mull sich nur klar-
machen, dafi in dieser Zeit die Erde noch nicht einen abgesonderten
Luftkreis fur sich hatte. Die Stoffe, die spater sich als fliissige und
feste aus der gemeinsamen Masse herausgliederten, waren damals
noch selbst luftartig, waren eingeschlossen in der Luft. Und als
dann die Verfliissigung begann, lebte der Menschenleib ja nicht auf
einem festen Grunde, sondern im fliissigen Elemente. Eine Art
schwimmendes Schweben war seine Fortbewegung. Und die iiber
dem fliissigen Elemente befindliche Luft war wesentlich dichter als
die spatere. Sie enthielt nicht nur noch alles spatere Wasser, son-
dern viele andere Substanzen in Auflosung. Dem entsprechend war
der ganze Atmungsapparat des Menschenleibes ein anderer.
Vor dem Auszug der Sonne hatte der ganze Atmungsvorgang
noch einen andern Sinn als in der Folgezeit. Er bestand in einem
Aufnehmen und Abgeben von Warme aus der Umgebung und in
dieselbe. Man kann sagen, daft die Warme, welche der Mensch
heute in sich durch seinen Blutkreislauf bereitet, vom ihm damals
aus der Umgebung ein- und ausgeatmet wurde. Erst nach dem
Sonnenauszug gestaltete sich der Prozefi so um, daft die Luft erst,
nachdem sie aufgenommen ist, durch ihre Wirkung im Leibe die
Warme erzeugt. - So war mit der Luftatmung in der gegenwartigen
Form der Menschenleib zu einem Warmeerzeuger in seinem Innern
geworden.
Dieser Umschwung im Menschenleibe hangt mit einem kos-
mischen Ereignisse zusammen, das in der Geheimwissenschaft das
Zuriickziehen des Mars von der Erde genannt wird. Der Mars ist
derjenige Planet, welcher durch die ihm innewohnenden Krafte im
Menschenleibe vor diesem Zuriickziehen das bewirkte, was der
Blutkreislauf nachher in dem Menschenleibe selbst ubernahm. In-
dem so das Blut auf der Erde die Tatigkeit des Mars ubernahm,
konnten die geistigen Wesen sich aus der Erde herausheben, so dafi
dann der Einflufi des Mars auf den Menschen ein solcher wurde,
der von aufien her wirkte. Physisch kam das dadurch zustande, daft
das Eisen ein wichtiger Bestandteil des Blutes wurde; und Eisen ist
der Stoff, auf welchen die Marskrafte eine besondere Wirkung
haben. So hangt die gegenwartige Form der Atmung mit diesem
Zuriickziehen des Mars zusammen. Der Mensch aber erhielt da-
durch alles, was man die innere Kraft seines Blutes nennen kann.
Die Beseelung war damit gegeben. In der Tat hauchte der Mensch
mit der Luftatmung seine lebendige Seele ein.
So lange die Erde mit der Sonne im Zusammenhange war, war
die Sonnenkraft dasjenige, was die andern Wirkungen im Men-
schenleibe regelte. In der Sonnenkraft war das enthalten, was im
Menschenleibe als Mannliches und Weibliches zugleich wirkte.
Und unter ihrem Einflufi bekam auch die Aufnahme und Abgabe
der Warme, die vom Mars ausging, Gesetz und Ordnung. Als nun
die Sonne ausgezogen war, fingen gewisse Menschenleiber an, sich
so umzubilden, dafi sie unfruchtbar wurden. Das waren die Vor-
laufer der spateren mannlichen Naturen. So lange nun die Monden-
krafte noch mit der Erde verkniipft waren, behielt der andere Teil
die Fahigkeit der Selbstbefruchtung. Durch den Mondauszug ver-
lor er sie. Von jetzt ab wirkte die Sonne, und zwar [wirkten] die-
jenigen Wesen, welche sie nunmehr bewohnten, die Engel, auf die
Fortpflanzungsfahigkeit. Der mannliche Atherleib kam unter den
Einflufi dieser Sonnenwesen. Der weibliche Atherleib, der mann-
lich ist, behielt sein Verhaltnis zu denjenigen Wesen, deren Schau-
platz der Mond geworden war. Dem entsprechend kam der phy-
sische Leib der Frau unter den Einflufi der Sonnenkrafte. Er hatte
ja die ihm jetzt entsprechende Form ausgebildet, als die Sonne
schon von aufien die Erde beschien. Der mannliche physische
Korper kam dagegen unter Mondeinflufi, weil er unter dem Ein-
flufi des noch mit der Erde vereinten Planeten seine in bezug auf
die Fortpflanzung unfruchtbare Form angenommen hat. Neben
alien diesen Vorgangen lauft die Ausbildung der Sinne gleichzeitig,
welche die Bilderwelt des Empfindungsleibes unter den Einflufi der
Erdenumgebung bringen und damit den Menschen unter den Ein-
flufi der Abkommlinge des Saturn-Planetenleibes. Weiter wird die
pulsierende Gewalt des Blutes im Innern entwickelt, wodurch
sich die Beseelung bildet und sich mit den Sinneswahrnehmungen
ein inneres Leben, Sympathie und Antipathie mit der Umgebung
bilden kann.
Auf der dadurch gekennzeichneten Stufe ist der Mensch an-
gelangt, als die Erde als selbstandiger physischer Planet in ihrem
vierten Kreislaufe herausgetreten [war] und sich von Sonne, Mond
und Mars losgelost hatte.
Der Mensch hatte also damals die Trennung in zwei Geschlech-
ter vollzogen. Er blickte durch seine Sinne in die Umgebung. Er
empfand Neigung und Abneigung gegenuber dieser Umgebung.
Und er war dadurch, daft er sich von dieser Umgebung unter-
schied, mit dem beginnenden Selbstgefuhl ausgestattet. Der Men-
schenleib war ein viergliedriges Wesen geworden. Und innerhalb
des vierten Gliedes war durch das Blut, das den Marskraften den
Zugang gewahrte, Seeleninnerlicheit entstanden.
Der Mensch hatte also alles in sich ausgebildet, was er haben
konnte als Frucht der drei ersten planetarischen Entwickelungs-
stufen. Und er hatte ein viertes Glied seines Leibes, das entstanden
war, weil andere Einfliisse, welche mit dessen Entwickelung nichts
zu tun haben konnten, sich von der Erde zurtickgezogen hatten.
Man nennt in der Geheimwissenschaft diese Menschheit die
dritte Haupt-Erdenrasse. Eigentlich kann man von Rassenbildung
erst von diesem Zeitpunkte an reden. Denn jetzt erst gab es eine
menschliche Fortpflanzung und damit Unterschiede innerhalb der
Menschheit, welche durch das Aufeinanderwirken von Menschen
selbst hervorgebracht werden. Es trat dasjenige auf, was Ver-
erbung, Verwandtschaft genannt werden kann. Nun hatte aber die
Erde, die vierte planetarische Form der Entwickelung, noch keinen
Einfluft. Die Wahrnehmungen der Umgebung hatten sich erst der
Bilder des Empfindungsleibes bemachtigt. Der Atherleib stand
noch nicht unter dem Einflusse der Erdenumgebung. Der vierte
Planet hatte noch keinen Einflufi auf die Vererbungsverhaltnisse.
Erst die drei ersten [planetarischen Formen]. Deshalb bezeichnet
man die Rasse, bei der dies der Fall war, als die dritte.
Ihr folgte die vierte, innerhalb welcher die Erdenumgebung
selbst auf den Atherleib eine Wirkung bekam. Das konnte nur
geschehen, wenn Wesen auf den Menschen Einfluft erhielten, wel-
che in ihrer Entwickelung auf einer solchen Stufe standen, dafi
ihnen die schopferische Fahigkeit fehlte, auf den Atherleib im
Sinne der Befruchtung zu wirken, die aber doch dariiber hinaus
waren, um so wie der Mensch selbst nur Wahrnehmungseindnicke
aus der physischen Umgebung zu erhalten. Solche Wesen waren
diejenigen, welche auf dem Monde, also wahrend der vorhergehen-
den Verkorperung der Erde, nicht bis zu schopferischen Wesen
aufgestiegen waren, welche die Sonne bevolkern konnen, die aber
doch iiber die Stufe hinausgelangt waren, auf der man blo£ ein
Innenleben durch die Bilder des Menschenleibes fuhren kann. Sie
haben innerhalb der Erdenentwickelung die Fahigkeit, schon durch
die Sinne des Menschen wahrzunehmen, aber nicht auch die, diese
Sinne zu schaffen. Diese Wesen konnen dem Menschen da ...
[Das Manuskript bricht hier ab.]
Die Entwicklung der Erde
Beilage zum Brief an Marie von Sivers vom 6./7. Januar 1906
Die Erde ist der vierte der sieben Planeten, auf denen der Mensch
aufeinanderfolgend seine sieben Bewulkseinszustande entwickelt.
Es ist gezeigt worden, daft der Mond der Schauplatz zur Entfaltung
des Bilderbewufkseins ist. Ein «Bild» ist nur ahnlich, nicht gleich
seinem Gegenstande. Das Bewufksein aber, das auf der Erde aus-
gebildet wird, erzeugt Vorstellungen, die in einer gewissen Bezie-
hung «gleich» sind dem Gegenstande, zu dem sie gehoren. Deshalb
wird das Erdenbewufksein auch das «Gegenstandsbewufksein» ge-
nannt. Doch entwickelt sich dieses Gegenstandsbewufitsein erst
wahrend des vierten kleineren Erdenkreislaufes (Runde). Wahrend
der drei ersten werden die fruher auf Saturn, Sonne und Mond
durchgemachten Zustande kurz wiederholt. Doch mufi auch hier
wieder gesagt werden, dafi man es nicht mit einer blofien Wieder-
holung zu tun hat, sondern es gestalten sich wahrend dieser Wieder-
holung der physische Korper, der Ather- und der Astralleib so um,
dafi sie Trager des «Ich» werden konnen, von dessen Entwickelung
in der vierten Runde ja das Gegenstandsbewufksein abhangt.
Wenn also nach der dritten Wiederholungsrunde der Erde
wieder eine Art Schlafzustand durchgemacht ist - zwischen dem
sogenannten archetypischen und dem arupischen Globus - dann
tritt, beim Beginn der vierten Runde alles das - zunachst arupisch
- hervor, was als Ergebnis der Saturn-, Sonnen- und Mondentwik-
kelung zu betrachten ist. Man hat es also da zu tun mit den Nach-
kommlingen der drei Mondenreiche: dem Mineralreich, das noch
in gewissem Sinne pflanzlich ist, mit dem Pflanzenreiche, das etwas
wie tierisches Leben hat, und mit einem Tierreiche, das hoher steht
als das gegenwartige Tierreich. Diese drei Reiche bilden zusammen
den von Neuem aus dem Dammerzustand hervortretenden Plane-
ten: die Erde. Doch ist festzuhalten, dafi in dieser Erde noch die
ehemalige Sonne und der ehemalige Mond mitenthalten sind. Wah-
rend die Mondmanvantara zu Ende ging, haben sich ja Sonne und
Mond wieder vereinigt und sind als ein Korper ins Pralaya hin-
iibergegangen. Sie treten dann auch hier wieder als ein Korper
heraus, obwohl sich schon in der dritten Erdenrunde die Tendenz
zur Spaltung deutlich gezeigt hat. Nun macht die Erde - wahrend
der vierten Runde - den Rupa- und Astral-Zustand durch, und
schickt sich dann an, wieder physisch zu werden.
Die Herausbildung dieses physischen Zustandes bei den drei ge-
nannten Reichen obliegt den «Geistern der Form». Sie bilden na-
mentlich bei dem hochsten Reiche, dem Tier-Menschenreiche die
fruheren «Sinneskeime» zu wirklich geformten Sinnesorganenum. In
alien fruheren physischen Zustanden, welche der Mensch durchge-
macht hat, hatten die Sinnesorgane noch nicht die festgefugte Form.
Nun horen diese Organe dadurch, daft sie eine feste Form erhal-
ten, auf, aktiv zu sein; sie verlieren ihre Produktivitat, sie werden
rein passiv, geeignet zum bloften Wahrnehmen des von auften als
Gegenstande Dargebotenen. Die Produktionskraft zieht sich also
von den Sinnesorganen zurtick; sie geht mehr nach innen; sie bildet
das Verstandesorgan. - Dieses Organ kann aber nicht gebildet
werden, ohne daft wieder ein Hinabstoften eines gewissen Teiles
der menschlichen Genossen auf eine tiefere Stufe stattfindet. Jetzt
aber stoftt der Mensch einen Teil seines Wesens selbst in eine un-
tergeordnete Region hinab. Er sondert einen Teil seines Wesens als
die eigene niedere Natur ab. Und diese niedere Natur behalt die
Produktionskraft, welche die Sinnesorgane haben abgeben miissen.
Diese in eine niedrigere Sphare hinabgestoftene Produktionskraft
wird zur geschlechtlichen Hervorbringungskraft, wie sie auf der
Erde auftritt. Die «Geister der Form» wiirden alle Hervorbrin-
gungskraft und damit alles Leben erstarren machen, zur bloften
Form erharten, wenn sie nicht diese Kraft auf einen Teil des Men-
schenwesens konzentrierten. Daher bewirken die Geister der Form
die Geschlechtsbildung. Ohne diese miiftten statt lebender Men-
schen Statuen entstehen.
Nun ist der ganze Vorgang mit einer volligen Umbildung der
Erde verkniipft. Es entstehen solche Verhaltnisse, daft die geschil-
derten Wesen leben konnen. Das wird moglich dadurch, daft die
Erde - jetzt noch mit dem Monde vereint - aus dem sich abspaltet,
was als Sonne zuriickbleibt. Dadurch tritt die Sonne eben als selb-
standiger Korper der Erde entgegen. Das ist die aufiere physische
Bedingung fur das Entstehen der aufieren Wahrnehmung, des Ge-
genstandsbewufkseins, und fur die Herausbildung der geschlecht-
lichen Anlagen. Doch hat man es zu dieser Zeit noch durchaus mit
einer Doppelgeschlechtigkeit zu tun. Das ruhrt davon her, daft die
Mondenkrafte noch alle in der Erde darinnen stecken. Nur ist
wahrend dieser Zeit das Verstandesorgan, obwohl vorhanden, noch
ganz untatig. Es wird erst seine Aktivitat entfalten konnen, wenn
die Geschlechts-Produktionskraft sich um die Halite vermindert
hat, so dafi ein jedes Wesen nur die Halfte der friiheren Produkti-
onskraft sein eigen nennt. Damit ist dann die Zweigeschlechtigkeit
gegeben. Aufterlich wird das bewirkt durch das Heraustreten der-
jenigen Krafte aus der Erde, welche diese dann als der gegenwartige
Mond umkreisen. Ware nun diese Abtrennung nicht erfolgt, dann
hatte die ganze Erde zu einer starren Masse, zur blofien Form
werden mussen. So aber hat sich nur das aus ihr entfernt, was
unbedingt fest werden mufke, und dies ist eben Mond geworden,
auf dem eben das menschliche Leben nicht sich entfalten konnte.
So hat sich, aus der gemeinsamen planetarischen Materie heraus,
die Erde das gerettet, was produktiv sein konnte, wenn auch nur
auf dem niederen Gebiete des geschlechtlichen Lebens. Der Re-
prasentant der «Geister der Form» ist Jehova. Er bewirkt somit
die Formung der Sinnesorgane; aber er bewirkte auch, wenn er nun
mehr allein wirksam ware, die vollstandige Erstarrung in der
blofien Form.
Nun werden fiir den weiteren Fortgang zwei Ereignisse bedeut-
sam. Das Eine ist die Entstehung der beiden Geschlechter aus dem
oben angegebenen Grunde. Die Form des Geschlechtlichen riihrt
von den Formgeistern her. Aber damit ist nicht auch schon der Zug
der beiden Geschlechter fiireinander, die Neigung derselben zuein-
ander gegeben. Diese kommt davon, dafi sich in dem Leben der
beiden Geschlechter besondere Wesen verkorpern, welche von
einem fremden Schauplatze herabsteigen: von der Venus. Durch sie
wird jetzt die Liebe in ihrer untergeordnetsten Form, als Neigung
der Geschlechter [zueinander], der Erde einverleibt. Diese Liebe ist
dazu berufen, sich immer mehr zu veredeln, und spater die hoch-
sten Formen anzunehmen.
So wie nun die Venuswesen das Element [der Neigung] der ge-
trennten Geschlechter [zueinander] abgeben, so bewirken sie and-
rerseits auch, daft der Verstand fruchtbar werden kann. Er erhalt
die Halfte der an der Geschlechtskraft ersparten Produktionsfahig-
keit. Aus diesem Grunde konnen sich jetzt die Monaden - zu-
nachst ihr Manasteil -, die sich, wie gezeigt, wahrend Saturn-, Son-
ne- und Mond-Zyklus gebildet haben, in das Verstandesorgan her-
absenken. Doch ware das Wirken der Monaden kalt und trocken
geblieben, wenn nicht der Astralleib einen solchen Einschlag erhal-
ten hatte, daft der Mensch die Tatigkeit seines Verstandes mit einer
gewissen hoheren Leidenschaftlichkeit betriebe. Dieser Einschlag
kam dem Menschen vom Mars her. Und diejenigen, welche ihn
vermittelten, sind die luziferischen Wesenheiten, welche auf dem
Monde zwar iiber die Stufe des spateren Erd-Menschendaseins hin-
ausgekommen sind, es aber doch nicht so weit gebracht haben, daft
sie wie die Lunar-Pitris ihre Mondentwickelung mit dem Mond-
manvantara hatten abschliefien konnen. Sie bringen, als Eingeweih-
te, jetzt die Mars-Astralkrafte in den Astralleib des Menschen und
fachen damit in diesem die Leidenschaft fur die Betatigung des
Intellektes an. Damit beleben sie die Erkenntnis des Menschen; sie
fachen ihn zur Selbstandigkeit an. Das ist die Hilfe in der Fortent-
wickelung des Menschen, welche durch das luziferische Prinzip
geleistet wird. Allerdings verbanden sie mit der Erkenntnis auch
den Eigennutz. Denn sie entfachen ja das Denken durch die Lei-
denschaft, und diese bewirkt den Eigennutz. Aber nur dadurch ist
es moglich geworden, daft der Mensch die Erde seinen Zwecken
dienstbar gemacht hat, sie in seinen Nutzen genommen hat. Jehova
hatte bloft die Form des Verstandesorgans gegeben, und die Geister
von der Venus hatten blofi in diesem einen leidenschaftslosen Sinn
erweckt; denn was von ihnen nach dieser Richtung gegeben werden
konnte, ist ja an die Fortpflanzungskraft abgeliefert worden.
Das Wesen des Christus als der
umgekehrte makrokosmische Mensch
Aus einem Brief an Marie von Sivers
vom 13. Januar 1906
Man hat sich das «Wesen» Christus als den umgekehrten makro-
kosmischen Menschen vorzustellen, der aber gleich ist dem zweiten
Aspekt der Gottheit, oder des Logos. - Denke Dir den Augenblick,
bevor die sogenannte «Monade» (die Gesamtheit der Monaden)
herabsteigt, um in die bis dahin praparierten Tiermenschenkorper
sich zu inkarnieren. Das Tierreich bis dahin, soweit es entstanden
war, also mit Ausnahme der Saugetiere, hatte physisch ausgebreitet
alles, was fur den niederen Menschen in ein Wesen zusammenge-
zogen werden mufke. In diesen lemurischen Tiermenschen steigt
die Monadenwelt herab, indem sich Manas von Budhi zunachst
abtrennt. In dem lemurischen Menschen ist so inkarniert Manas,
das sich mit Kama zu Kama-Manas vereinigt, und Budhi-Atma
bleibt nur als Anlage mit Manas noch verkniipft. Christus ist nun
diejenige Wesenheit, welche die «Budhi» zunachst als ersten Fun-
ken erweckt. Dazu ist notwendig, dafi das Christuswesen Besitz
ergreift von einem Chela im dritten Grade (Jesus). So also haben
wir das Christusereignis auf Erden anzusehen, als die Umkehrung
des Prozesses innerhalb der Monadenwelt, von dem, was sich bei
«Adam» vollzogen hat. Paulus spricht das ja ganz deutlich aus,
wenn er den «Christus» den «umgekehrten Adam» nennt. Der
auEere historische Vorgang ist nur das tatsachliche Symbol fur den
inneren geistigen Vorgang.
Man hat also die Sache sich etwa nach dem folgenden Schema zu
versinnlichen:
Die Namen der Wochentage
und die Evolution des Menschen
Beilage zu einem Brief an Marie von Sivers
vom 25. November 1905
In der Reihenfolge der Wochentage kommt die Evolution unseres
Planetensystems zum Ausdrucke. Man mufi sich dabei nur ganz
klar sein, dafi esoterisch die Erde durch die beiden Planeten Mars
und Merkur zu ersetzen ist. Es steht namlich die erste Halfte der
Erdentwickelung, vom Anfang bis zur Mitte des atlantischen Zeit-
alters (1. 2. 3. und halbe 4. Rasse) mit dem Mars, die zweite Halfte
(halbe 4. 5. 6. 7. Rasse) mit dem Merkur in einem esoterischen
Verhaltnis. Als die Wesen, die sich auf dem Monde entwickelt
hatten, aus dem Praiayadunkel (1. Runde der Erde) auftauchten,
war vom Menschen folgendes in der Anlage entwickelt: 1. Der
physische Leib (vom Saturn her). 2. Der Ather-Doppelleib (von
der Sonne her). 3. Der Empfindungsleib (vom Monde her). Nach
allem, was vom Monde her veranlagt war, konnte sich nun - ohne
aufteren EinflufS - in der ersten Erdenhalfte (1. 2. 3. Runde) die
Empfindungsseele hinzuentwickeln, die selbst mit dem Empfin-
dungsleib verschmilzt. Der Mensch war also, vermoge der in der
geraden Evolutionslinie liegenden Tendenz veranlagt als ein Wesen
zu erstarren, das nach folgendem Schema aufgebaut gewesen ware:
Sollte nun der Mensch sich weiter entwickeln, dann brauchte er
einen neuen Einschlag. Es mulken auf die Erde wahrend der ersten
Halfte ihrer Evolution Krafte gepflanzt werden, welche von den
drei vorhergehenden Weltkorpern noch nicht da waren. Die leiten-
den Wesen der Erdentwickelung entnahraen solche Krafte wahrend
der ersten Halfte dieser Entwickelung vom Mars; sie nehmen sie
wahrend der zweiten vom Merkur. Durch die Marskrafte erfahrt
die Empfindungsseele (Astralkorper) eine Auffrischung. Sie wird
zu dem, was in meiner «Theosophie» Verstandesseele genannt
wird. Durch die vom Merkur geholten Krafte wird diese Verstan-
desseele wieder so aufgefrischt, daft sie bei ihrer eigenen Evoluti-
onsstufe nicht stehenbleibt, sondern sich zur Bewufttseinsseele auf-
schlieftt. Und innerhalb der Bewufttseinsseele wird das «Geist-
selbst» (Manas) geboren. Dieses wird auf dem Jupiter das den
Menschen beherrschende Prinzip sein. In gleicher Art wird das mit
dem Lebensgeist (Budhi) auf der Venus und mit Atma auf dem
Vulkan sein. Parallelisiert man somit die Glieder der menschlichen
Wesenheit mit den Planeten und ihren Kraften, soweit die letzteren
Anteil an der Ausbildung dieser Glieder haben, so erhalt man das
folgende Schema.
Der Mensch war nicht auf dem Mars; aber seine Verstandesseele
steht so in einer esoterischen Beziehung zu diesem Planeten, daft
ihre Krafte von ihm heruntergeholt sind. Rdumlicb hat man sich
das so vorzustellen, daft die Erde, bevor sie in ihrer vierten Runde
selbst atherisch (also physisch) geworden ist, durch den Mars - der
damals atherisch war, hindurchgegangen ist. Schematisch hat man
sich das so vorzustellen:
IX-
O
/viars (^)
j^y\/>5trai
plastijcl;
o
Dieser Durchgang dauerte sogar noch herein in die physische
Erdenzeit; und w'dhrend er sich vollzog, entnahmen die leitenden
Wesen dem Mars die zur Verstandesseele notwendige Kamamate-
rie, und da diese ihr physisches Vehikel im warmen Blut hat (im
Aresblut des Kampfmenschen), so wurde damals das Eisen der
Erde eingefiigt, das ein Bestandteil des Blutes ist. -
Ebenso wenig wird der Mensch jemals den Merkur wirklich
bewohnen, wohl aber steht er seit der Mitte der Atlantischen Welt
mit der Kamamaterie (eigentlich Kama-Manas-Materie) des Mer-
kur in Verbindung, und aus ihr haben die leitenden Wesen die
menschliche Bewulkseinsseele mit Kraften versehen. Als phy-
sisches Vehikel ist durch diese Einwirkung des Merkur das Queck-
silber (Merkur) auf die Erde gekommen. Nach der Entwickelung
der Erde zum plastischen Zustand wird raumlich die Erde durch
den Merkur durchgehen. Die Erde selbst wird dann astral sein, der
Merkur aber atherisch. - Schematisch ist das so:
Diese ganze Evolutionsbahn der Erde haben nun die Eingeweihten
in der Reihenfolge der Wochentage festgelegt:
1. Sonnabend = Saturntag: Saturday
2. Sonntag
3. Montag
4. Marstag - mardi = diustag (diu ist der deutsche Ares, Mars
od. Kriegsgott)
5. Merkurtag = mercredi = Wotanstag (Wotan ist der deutsche
Merkur; siehe Tacitus Germania)
6. Jupitertag = jeudi = Donarstag (donar ist der deutsche
Jupiter)
7. Venustag - vendredi = Frejatag (freja ist die deutsche Venus)
8. Vulkantag wird nicht gebildet, weil Wiederholung, wie Oktav
Wiederholung der Prim ist.
Nun wird in den Geheimschulen noch eine andere Gesetzmafiig-
keit der Wochentage gelehrt, welche nicht etwa mit der ersten in
Widerspruch stent, sondern ganz mit ihr vereinbar ist. Sie beruht
darauf, daft ein Tag in 4 Teile zerlegt wird und jedem Teil ein
Planet zuerteilt wird. Das ganze hat dann die Planetenfolge im
Abstande von der Erde zur Grundlage; namlich
Man hat somit:
Vormittag Nachmittag Vormitternacht Nachmitternacht
I. Tag
Mond 1
Montag
Venus
[Merkur]
2
Merkur
[Venus] *
3
Sonne
4
II. Tag
Mars 5
Marstag
Jupiter
6
Saturn
7
Mond
8
III. Tag
Merkur 9
Merkurtag
Venus
10
Sonne
11
Mars
12
IV. Tag
Jupiter 13
Jupitertag
Saturn
14
Mond
15
Merkur
16
V.Tag
Venus 17
Venustag
Sonne
18
Mars
19
Jupiter
20
VI. Tag
Saturn 21
Saturntag
Mond
22
Merkur
23
Venus
24
VII. Tag
Sonne 25
Sonntag
Mars
26
Jupiter
27
Saturn
28
In der Rubrik «I. Tag» mu(5 sich Rudolf Steiner verschrieben haben: Venus und
Merkur miissen umgestellt werden. Vgl. auch die davorstehende Skizze (Faksimile
der Handschrift).
Man schreibe also die Planeten zu den Tagesvierteln in der Reihen-
folge Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn, dann
fange man wieder an: Mond, Merkur usw. ist man dann so oft
herum, daft man wieder den Mond an erster Stelle hatte, dann sind
7 Tage erschopft.
Dieser Einteilung liegt das Verhaltnis von 4 (Tetragramm) zu 7
zu Grunde. Es hat dies den Sinn, daft am ersten Teil des Tages einer
der Grundteile dem Planeten zugeordnet ist, zu dem er nach seinen
Kraften gehort:
•3
Durch eine solche Gesetzmafiigkeit ersieht man, wie der Mensch
aus dem Makrokosmos heraus gebaut ist und dadurch die mannig-
faltigsten Beziehungen zu den Konstellationen der Korper des
Makrokosmos hat.
Theosophische Kosmologie
Drei Vortrage, gehalten im Berliner Zweig
am 26. Mai, 2. und 9. Juni 1904
An den Donnerstagen der nachsten Zeit werde
ich sprechen iiber theosophische Kosmologie,
iiber Vorstellungen, die die Theosophie zu ge-
ben hat iiber die Bildung des Weltgebaudes.
Diejenigen, welche sich fur diese Fragen interes-
sieren, werden mannigfaltiges zu horen bekom-
men, was sie vielleicht noch nicht aus der ge-
brauchlichen theosophischen Literatur kennen.
Die Vortrage iiber die Elemente der Theosophie
mochte ich zu einem spateren Zeitpunkt halten.
(Berlin, 23. Mai 1904, Pfingstmontag, in GA 93, S. 21)
Erster Vortrag
Berlin, 26. Mai 1904
Der Zyklus iiber die Grundelemente der Theosophie, den ich vor
einiger Zeit angekiindigt habe, wird erst spater gehalten werden
konnen, wenn vielleicht mehr Zuspruch sein wird. Ich habe diese
Vortrage verschoben und mich entschlossen, die Donnerstage der
nachsten Zeit damit auszufullen, daft ich einiges entwickele iiber
die Kosmologie, die Weltentwicklung, das heiftt iiber die Lehre von
der Entstehung der Welt und von der Bildung des Menschen inner-
halb dieser Welt im theosophischen Sinne.
Nun bin ich mir wohl bewuftt, daft ich damit eines der aller-
schwierigsten Kapitel der theosophischen Lehre zu behandeln ge-
denke, und ich kann Ihnen ja wohl mitteilen, daft man in manchen
unserer Logen beschlossen hat, dieses Kapitel vorlaufig iiberhaupt
nicht zu behandeln, weil es zu schwierig ist. Dennoch habe ich
mich dazu entschlossen, weil ich glaube, daft mit den Andeutun-
gen, die zu geben ich in der Lage bin, manchem doch gedient sein
konnte. Wenn wir nun eine so schwierige Sache auch nicht gleich
ganz durchdringen konnen, so werden wir doch immerhin An-
regungen erhalten konnen, die uns zu spaterer Zeit dazu dienen
konnen, in diese Materie tiefer einzudringen.
Diejenigen, die schon langere Zeit in der theosophischen Bewe-
gung stehen, werden wissen, daft die Fragen: Wie ist die Welt ei-
gentlich entstanden? Wie hat sie sich allmahlich bis zu dem Zeit-
punkt heraufentwickelt, in welchem Wesen solcher Art, wie wir es
sind, diese Welt bewohnen konnen? daft diese Fragen zu den
allerersten gehoren, die in der theosophischen Bewegung behandelt
worden sind. Nicht nur eines der ersten Biicher, welche im Abend-
lande aufmerksam gemacht haben auf die uralten Weltanschau-
ungen, die «Entschleierte Isis» von H. P. Blavatsky, hat solche
Weltentstehungs- und -entwicklungsfragen behandelt, sondern
auch das Buch, dem wir vielleicht den groftten Teil unserer altesten
Anhanger verdanken, der «Esoterische Buddhismus» von Sinnett.
Wie bildet sich ein Sonnensystem, wie die Planeten und die Ster-
nengruppen? Wie hat unsere Erde sich entwickelt, welche Stufen
hat sie durchgemacht und welche konnen ihr noch bevorstehen?
Das sind Fragen, die in aller Breite in diesem «Esoterischen Bud-
dhismus» behandelt werden. Dann erschien Ende der achtziger
Jahre die «Geheimlehre» von Blavatsky, und sie behandelt im
ersten Bande wieder die Frage: Wie hat sich das Weltsystem ent-
wickelt? - und im zweiten Bande die Frage: Wie hat sich das
Menschengeschlecht innerhalb unserer Erde entwickelt?
Nun brauche ich nur auf einen einzigen Punkt hinzuweisen, um
die ganze Schwierigkeit zu zeigen. Wenn Sie den ersten Band der
«Geheimlehre» von Blavatsky aufschlagen, so werden Sie finden,
dafi dort ein gewisser Teil der Behauptungen, die in dem Sin-
nettschen «Buddhismus» stehen, als irrig bezeichnet und teilweise
richtiggestellt werden. Von den theosophischen Schriftstellern wa-
ren diese Dinge zum Teil mifiverstanden, zum Teil mifiverstandlich
dargestellt worden. Frau Blavatsky hatte diese Anschauungen da-
her richtigzustellen. Sie sagte, daft in bezug auf die theosophische
Kosmologie eine Art babylonischer Sprachverwirrung bestanden
habe und dafi sich die fuhrenden Personlichkeiten [der Theosophi-
schen Gesellschaft] in diesen Fragen durchaus nicht glei'ch aus-
gekannt hatten.
Sie alle wissen, dafi die Lehren der «Secret Doctrine», der «Ge-
heimlehre», von grofien erhabenen Meistern mitgeteilt worden
sind, die unserer Durchschnittsentwicklung weit vorausgeschritten
sind. Es war ja schon vor der «Secret Doctrine» ein Buch erschie-
nen, in dem Sinnett, der Verfasser des «Esoterischen Buddhismus»,
eine Reihe von Briefen eines Mahatmas veroffentlicht hat. Wir se-
hen daraus die Schwierigkeiten, welche dem Verstandnis dieser
Geheimlehre entgegenstehen, und wir verstehen, wie diejenigen,
die, wie Sinnett und Blavatsky, beflissen waren, diese Lehren ent-
gegenzunehmen, geradezu seufzten unter der Schwierigkeit, die
Lehren, die ihnen entgegengebracht wurden, zu verstehen. Oh, so
sagte ein Lehrer, ihr, die ihr gewohnt seid, zu begreifen mit einem
anderen Verstand, ihr konnt das, was wir zu sagen haben, nicht
verstehen, obgleich ihr euch die groftte Miihe macht, urn es euch
zum Verstandnis zu bringen. - Wenn wir uns diese Aussage vor-
halten, dann miissen uns die Schwierigkeiten vor Augen treten.
Uberall, wo iiber Kosmoiogie vorgetragen wurde, sind miftver-
standliche Ansichten entstanden. Nun, das ist wohl begriindet, so
dafi ich um einige Nachsicht bitten darf, wenn ich nun versuche,
einiges zu dieser Lehre beizutragen.
Nun mochte ich etwas vorausschicken, was die Stellung der theo-
sophischen Kosmoiogie zu der heutigen Wissenschaft und ihren
Methoden klarlegt. Es konnte ja jemand kommen und sagen: Seht die
Fortschritte an, die unsere Astronomen gemacht haben; das verdan-
ken wir den Fernrohren, den mathematischen und den photographi-
schen Methoden, die uns zur Kenntnis von fernen Sternen gefuhrt
haben. - Die heutige Wissenschaft mit ihren sorgfaltigen Methoden
scheint - nach ihrer Meinung - einzig und allein Anspruch zu haben,
etwas iiber die Entwicklung des Weltsystems auszumachen. Sie
scheint ein Recht darauf zu haben, zu verponen, was von andrer Seite
iiber die Entwicklung und Entstehung des Weltsystems gesagt wird.
Mancher Astronom wird uns einwenden: Was ihr Theosophen uns
da sagt von Kosmoiogie, das sind ja uralte Lehren, die die Chaldaer
oder die Vedenpriester gelehrt haben und die zum altesten Weis-
heitsbestand des Menschengeschlechts gehoren; aber was kann das
fur eine Bedeutung haben, was vor Jahrtausenden gesagt worden ist,
da doch erst seit Kopernikus die Lehre der Astronomie eine einiger-
mafien sichere Gestalt erhalten hat. - Also, was im ersten Band der
«Geheimlehre» von Blavatsky steht, scheint nur dasjenige zu storen,
was uns die mit Fernrohren und so weiter bewaffneten Astronomen
klarmachen. Aber der Theosoph mufi gar nicht in irgendeinen Wi-
derspruch kommen zu dem, was der Astronom behauptet. Das ist
nicht notig, obgleich es Theosophen gibt, die glauben, die heutige
Astronomie bekampfen zu miissen, um fiir die eigenen Lehren Platz
zu bekommen. Ich weiE sehr gut, dafi die fuhrenden Geister der
theosophischen Bewegung glauben, die Astronomen belehren zu
konnen. Durch ein einfaches Beispiel wollen wir den Standpunkt der
Theosophen gegeniiber dem der Astronomen beleuchten.
Nehmen Sie eineri Dichter, an dessen Werk wir uns erfreuen
und erbauen. Dieser Dichter wird vielleicht in einer anderen Per-
sonlichkeit einen Biographen finden, und dieser Biograph wird ver-
suchen, uns das Seelisch-Geistige, das der Dichter in seinem Innern
hat, begreiflich zu machen und zu erklaren. Es gibt aber noch eine
andere Betrachtungsmoglichkeit, das ist die physiologische, die
naturwissenschaftliche. Nehmen wir an, ein Naturforscher studiert
den Dichter. Er studiert natiirlich nur die fur ihn interessanten
physiologischen und physiognomischen Verhaltnisse des Dichters;
er studiert ihn vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus, und
was er sehen und mit dem naturwissenschaftlichen Verstande kom-
binieren kann, das wird er uns von dem Dichter sagen. Wir als
Theosophen wiirden sagen, der Naturforscher beschreibt und er-
klart den Dichter vom Standpunkt des physischen Planes. - Dieser
Naturforscher wird Ihnen aber kein Sterbenswortchen sagen iiber
das, was wir die Biographie des Dichters nennen, iiber sein See-
lisch-Geistiges. So haben wir zwei nebeneinanderlaufende Betrach-
tungsweisen, die aber durchaus nicht miteinander kollidieren miis-
sen. Warum sollte nicht die naturwissenschaftliche Betrachtung
stattfinden und daneben die geistig-seelische Betrachtung und jede
in ihrer Art gelten? Das ist ja kein Eingriff des einen in das andere.
So ist es auch mit der naturwissenschaftlichen Kosmologie, mit
dem, was uns unsere Astronomen von dem Weltgebaude und von
der Entwicklung des Weltsystems sagen. Sie werden das sagen, was
sich den aufieren Sinnen erschliefien kann. Daneben ist aber auch
eine geistig-seelische Betrachtungsweise moglich, und wenn man
das Weltgebaude so erfafk, dann wird man nie mit der Astronomie
kollidieren; beide Betrachtungsweisen werden sich im Gegenteil
manchmal stiitzen, denn sie gehen nebeneinander her, sie sind un-
abhangig voneinander. Als die naturwissenschaftliche Gehirnphy-
siologie zum Beispiel noch lange nicht so weit war wie heute,
waren doch schon Leute da, die Biographien bedeutender Geister
lieferten. Der Astronom kann daher nicht einwenden, daft die ok-
kulte Betrachtungsweise uberholt und unmoglich sei, weil Koper-
nikus die Astronomie auf eine andere Basis gestellt hat. Die okkul-
ten Quellen sind ja ganz andere; sie waren schon lange vorher da,
bevor das Auge geschult war, den Himmel durch Fernrohre zu
betrachten, und bevor die Photographie soweit war, um Sterne zu
photographieren. Die kopernikanische Forschung hat etwas ganz
anderes zu sagen als die okkulte Forschung; und die eine Kraft in
der menschlichen Seele ist von der anderen durchaus nicht abhan-
gig. Die Kraft, die uns iiber das Geistig-Seelische AufschluE gibt,
geht so weit zuriick, daft kein Geschichtsschreiber uns sagen kann,
wo eigentlich diese Art der Betrachtung des Weltgebaudes anfangt.
Es ist nicht moglich, ausfindig zu machen, wie die fiihrenden
Geister zu diesen okkulten Anschauungen gekommen sind.
Okkulte Schulen hat es auch in Europa schon vor der Begriin-
dung der Theosophischen Gesellschaft im Jahre 1875 gegeben.
Allerdings wurde damals das Wissen, von dem wir heute in popu-
larer Weise sprechen, nur in engen Zirkeln mitgeteilt. Es war ein
strenges Gesetz, das Wissen nicht iiber den Bereich dieser Schulen
hinaus wirken zu lassen. Wenn man eintreten wollte in eine Schule,
so mufke man streng an sich arbeiten, bevor einem die ersten
Wahrheiten iibermittelt wurden. Man ging durchaus von der An-
sicht aus, dafi der Mensch sich erst reif machen muE zum Empfang
dieser Wahrheiten. Es gab in den Schulen viele Grade, durch die
man aufstieg, Priifungsgrade; und wer als nicht reif genug erkannt
wurde, muftte sich weiter vorbereiten. Wenn ich Ihnen diese Grade
beschreiben wollte, so wiirde es Ihnen schwindeln vor der Strenge
dieses Weges. Die Dinge iiber die Weltentwicklung wurden zu den
allerwichtigsten gezahlt, und erst auf den hochsten Stufen wurden
sie den Menschen mitgeteilt. Im 17. Jahrhundert, das einen groften
Einflufi auf die Kultur hatte, war dieses Wissen in den Handen der
Rosenkreuzerbewegung. Diese ging urspriinglich von morgenlan-
disch-orientalischem Wissen aus, und dieses Wissen wurde damals
der europaischen Anhangerschaft in den verschiedensten Graden
mitgeteilt. Am Ende des 18. und namentlich zum Beginn des 19.
Jahrhunderts verschwanden diese okkulten Schulen aus der Kultur
Europas und die letzten Rosenkreuzer zogen sich zuriick nach dem
Orient. Es war das Zeitalter, in welchem die Menschen die Lebens-
verhaltnisse nach dem aufteren Wissen zu ordnen hatten; die Erfin-
dung der Dampfmaschine, die naturwissenschaftliche Erforschung
der Zellen und so weiter kamen herauf. Dabei hatte die okkulte
Weisheit nichts mitzusprechen, und diejenigen, welche an der
hochsten Spitze dieser Weisheit angelangt waren, die Hochstgradu-
ierten, zogen sich zuriick nach dem Orient. Es gab zwar auch spa-
ter noch okkulte Schulen, doch die konnen uns jetzt wenig inter-
essieren; ich mull sie aber erwahnen, weil Frau Blavatsky und Herr
Sinnett, als sie das kosmologische Wissen aus den buddhistisch-
tibetanischen Geheimschulen empfingen, dazumal an die Grund-
quellen gingen.
Eine lange geistige Entwicklung in Europa hat das europaische
Gehirn, das europaische Denkvermogen so weit gebracht, daft fur
das Erfassen okkulter Wahrheiten Schwierigkeiten bestanden. Nur
noch schwer wurden diese Wahrheiten begriffen. Als nun dieses
erste Wissen iiber die theosophische Kosmologie teils durch den
«Esoterischen Buddhismus» und teils durch die «Geheimlehre» in
die Offentlichkeit drang, da horchten die Anhanger der okkulten
Schulen auf, und es schien ihnen verkehrt zu sein, daft die strenge
Regel, nichts hinausdringen zu lassen iiber die Grenzen ihrer Schu-
len, gebrochen worden war. Die Anhanger der theosophischen
Bewegung aber wuftten, daft es notwendig war, etwas davon mit-
zuteilen. Die Wissenschaft des Westens konnte aber mit dem Ge-
sagten nichts anfangen, denn niemand war imstande zu priifen, was
Frau Blavatsky und Sinnett geschrieben hatten. Namentlich wuftte
man nichts anzufangen mit jenem herrlichen kosmologischen Lied,
das aus den sogenannten Dzyan-Strophen besteht und den beiden
Banden von Frau Blavatskys «Geheimlehre» vorangestellt ist. Die-
se Strophen, welche uns die Geschichte des Weltalls erzahlen,
wurden in bezug auf ihre Echtheit angezweifelt; kein Naturfor-
scher konnte damit etwas anfangen; es schien zunachst allem ins
Gesicht zu schlagen, was die europaischen Gelehrten wuftten. Es
gab einen Forscher, einen Orientalisten, den ich aufs hochste ver-
ehre, Max Miiller, der in energischer Weise sich fur die orienta-
lischen Weisheiten einsetzte. Alles, was an orientalischer Weisheit
ihm erreichbar war, ist von Max Miiller den Europaern zuganglich
gemacht worden. Aber weder Max Miiller noch andere europaische
Forscher wuftten mit dem etwas anzufangen, was Frau Blavatsky
verkiindete. Es war damals nur die Rede, das sei reine Phantasie,
was in der «Geheimlehre» stehe. Die Gelehrten hatten namlich in
den Biichern der Inder nirgends etwas davon gefunden.
Frau Blavatsky sagte, daft da, wo sie ihre Geheimnisse her habe,
noch grofte Schatze von alter Literatur lagen, daft jedoch das Aller-
wichtigste iiber diese Weisheiten vor den Augen der europaischen
Gelehrten verborgen gehalten worden sei. Es wurde ja selbst das
Wenige, was davon mitgeteilt werden konnte, wegen der euro-
paischen Denkweise nicht einmal verstanden; es fehlten die Kom-
mentare, die den Schliissel zum Verstandnis enthielten. Die Biicher,
die zeigten, wie die einzelnen Satze aufgefaftt werden sollten, wiir-
den in sorgfaltigster Weise von den unterrichteten eingeborenen
Tibetanern verwahrt, wenigstens sagte das Frau Blavatsky. Aber
auch andere Vorgeschrittene behaupten, daft durch diese Literatur
auch geschichtlich bezeugt ist, daft es eine Urweisheit gegeben hat,
welche in spirituellen, in geistigen Dingen weit erhaben war iiber
alles dasjenige, was heute die Welt weift. Die orientalischen Weisen
sagen, daft diese Urweisheit in denjenigen Biichern gegeben ist, die
sie sorgfaltig verwahrt haben, und daft diese Urweisheit uns nicht
uberliefert worden ist von Menschen unseresgleichen, sondern daft
sie von Wesen hoherer Art herriihrt, daft sie herriihrt aus gottlichen
Quellen. Von einer gottlichen Urweisheit sprechen die Orientalen.
Nun sagte aber Max Miiller in einer Vorlesung vor seinen Studen-
ten, die Forschung mache es nicht moglich zu behaupten, daft es
eine solche Urweisheit gegeben hat. Darauf sagte ein grofter brah-
manischer Sanskritgelehrter, als ihm dieses Urteil Max Miillers
durch Frau Blavatsky zu Ohren gekommen war: Oh, ware Max
Miiller ein Brahmane und konnte ich ihn fuhren zu einer Tempel-
statte, da konnte er sich iiberzeugen, daft es eine uralte gottliche
Weisheit gibt.
Diejenigen Dinge, die Blavatsky durch die Dzyan-Strophen mit-
teilt, sind zum Teil aus solchen verborgenen und von ihr erschlos-
senen Quellen mit geschopft worden. Wenn Frau Blavatsky diese
Strophen selbst erfimden hatte, dann stiinden wir nur vor einem
noch viel hoheren Wunder.
Wir sind aber nicht darauf angewiesen, die okkulten Mitteilun-
gen iiber die Weltentstehung aus den alten Schriften zu nehmen. Es
gibt im Menschen Krafte, die ihn befahigen, die Wahrheiten selbst
zu schauen und zu erforschen, wenn er diese Krafte in der richtigen
Weise ausbildet. Und was man auf diese Weise erfahren kann, das
stimmt iiberein mit dem, was Frau Blavatsky aus dem Fernen
Orient heriiberbrachte. Es stellte sich heraus, daft auch in Europa
die Okkultisten ein Wissen bewahrt haben, das von Generation zu
Generation der Lehrer dem Schuler iiberlieferte und niemals
Biichern anvertraut hat. Die Okkultisten konnten daher das, was
Blavatsky in der «Geheimlehre» mitgeteilt hat, an ihrem eigenen
Wissen priifen, vor alien Dingen an demjenigen, das sie durch die
eigenen Fahigkeiten erworben hatten. Auch derjenige, der auf
europaische Weise geschult ist, kann sich dazu aufschwingen, das
nachzupriifen, was in Blavatskys «Geheimlehre» steht. Es ist auch
nachgepnift und bestatigt worden, aber es ist fur die europaischen
Okkultisten trotzdem schwer, sich damit zurechtzufinden. Nur
eines sei erwahnt: Das europaische okkulte Wissen ist in ganz be-
stimmter Weise von christlichen und kabbalistischen Einfliissen be-
stimmt worden und hat daher einen einseitigen Charakter ange-
nommen. Wenn man dies aber abrechnet und auf den Grund dieses
Wissens zuriickgeht, dann ist eine vollige Ubereinstimmung mit
dem moglich, was uns durch Frau Blavatsky erschlossen worden ist.
Obwohl also eine Art Prufung dessen moglich war, was Frau
Blavatsky als Kosmologie uns gebracht hat, ist es schwierig, den
Gelehrten verstandlich zu machen, was damit gemeint ist, wenn aus
dem okkulten Wissen heraus iiber die Weltentstehung gesprochen
wird. Es ist natiirlich erstaunlich, was die Gelehrten an Entziffe-
rungen der alten Urkunden leisten, wie sie sich abmiihen, babylo-
nische Keilschriften und agyptische Hieroglyphen zu entziffern;
aber Max Miiller selbst sagt, dafi das, was sie aus diesen Inschriften
gefunden haben, noch kein Bild iiber die Weltentstehungsgeschich-
te gibt. Wir sehen, wie die Gelehrten gewissermafien an der Schale
herumarbeken, aber nicht zum Kern vordringen. Es soil nichts
gesagt werden gegen die grofie Sorgfalt und die feine Mosaikarbeit
der Gelehrten. Ich will nur hinweisen auf die Biicher, die erschie-
nen sind anlafilich des Bibel-Babel-Streites. Das alles sind Mosaik-
arbeiten; aber die Gelehrten bleiben an der Schale haften. Man
fiihlt, dafi sie keine Ahnung haben von den Wegen, die zum Schliis-
sel zu diesen Geheimnissen fiihren. Es ist so, wie wenn einer damit
anfangt, ein fremdsprachiges Buch in seine Sprache zu iibersetzen.
Zunachst ist es unvollkommen. So ist es mit den Ubersetzungen
alter Schopfungsmythen durch unsere heutigen Gelehrten. Es sind
Verstummelungen der uralten Weisheitslehren, wie sie uns in den
Geheimschulen von Generation zu Generation mitgeteilt worden
sind. Nur diejenigen, welche bis zu einem gewissen Grade der
Einweihung gekommen waren, konnten etwas dariiber wissen. Am
Schlufi dieser Vortrage werde ich darauf nochmals zuriickkommen.
Eingeweihte sind es also, die durch eigene Erfahrung zu diesen
Dingen kommen konnen. Sie werden fragen: Was ist eigentlich ein
Eingeweihter; es wird in der Theosophie und in okkulten Gesell-
schaften so viel gesprochen von sogenannten Eingeweihten? - Ein
Eingeweihter ist derjenige, der in hohem Grade Krafte in sich ent-
wickelt hat, die in jedem Menschen schlummern, die von ihm aber
entwickelt werden konnen. Der Eingeweihte hat sie ausgebildet
und sie bis zu einem solchen Grade sich angeeignet, daft er verste-
hen kann, welcher Art im Kosmos, im Weltgebaude die Krafte
sind, die fur das in Betracht kommen, was ich auseinandersetzen
will. Nun, Sie werden sagen: Es wird uns immer gesagt, daft es
solche okkulten Krafte gibt, die im Menschen schlummern, aber
gewift wird uns das nicht. - Das liegt nur an einem Miftverstandnis.
Nichts, gar nichts behauptet der Mystiker, der Okkultist, als was
jeder Gelehrte auf seinem Felde auch behaupten kann. Denken Sie
sich, jemand sagt Ihnen eine mathematische Wahrheit. Wenn Sie
selbst niemals Mathematik gelernt haben, dann haben Sie nicht die
Kenntnisse, um diese Wahrheit zu priifen. Kein Mensch wird be-
streiten, daft man zu der Beurteilung einer mathematischen Wahr-
heit die notigen Fahigkeiten sich erst aneignen mufi. Keine Auto-
ritat kann entscheiden iiber eine solche Wahrheit, nur der einzelne,
der sie erfahren hat, kann allein dariiber urteilen. So kann audi
iiber eine okkulte Wahrheit nur derjenige entscheiden, der eine
solche Wahrheit selbst erfahren, selbst erlebt hat. Unsere heutigen
Zeitgenossen verlangen aber von dem Okkultisten, er solle unmit-
telbar und fur jeden Durchschnittsverstand das beweisen, was er zu
sagen hat. Man beruft sich dabei auf den Satz: Was wahr ist, mufi
sich beweisen lassen, und jeder mufi es einsehen konnen. - Der
Okkultist behauptet aber nichts anderes, als was jeder andere Ge-
lehrte auf seinem Gebiete auch behauptet, und er verlangt nichts,
was nicht jeder Mathematiker auch verlangt.
Nun kann man fragen: Warum werden heute uberhaupt okkulte
Wahrheiten vorgetragen? Der Weg, den die bisherigen okkulten
Schulen gegangen sind, war ja eben der, das Wissen in engen Kreisen
zu bewahren. Diesen Weg gehen die Okkultisten der «Rechten»
immer noch. Wer aber Erfahrung hat und die Zeichen unserer Zeit
erkennt, der weifi, dafi dies heute nicht mehr richtig ist. Und gerade
diesem Umstand, dafi dies heute nicht mehr richtig ist, verdankt die
theosophische Weltbewegung ihre Entstehung. Was in der gegen-
wartigen Zeit am meisten ausgebildet ist, das ist der Verstand. Unse-
rem kombinierenden Denken, in Verbindung mit den Sinnen, ver-
danken wir die Erfolge in der Industrie und in der Technik. Dieser
Verstand, diese Intellektualitat hat im 19. Jahrhundert ihre grofiten
Triumphe gefeiert. Das aufiere, verstandesmafiige Denken ist noch
niemals so beherrscht worden wie heute. Wenn ich sagte, dafi die
orientalischen Weisen eine Urweisheit besafien, so haben sie diese in
einer ganz anderen Form als in der Form des heutigen Denkens be-
sessen. Auch die grofiten Meister des Orients hatten nicht diesen
Scharfsinn des logischen Denkens, diese reine Logizitat; sie hatten sie
auch nicht notig. Es war deshalb auch schwierig, sie zu verstehen. Sie
hatten Intuition, inneres Schauen. Wahre Intuition wird nicht durch
logisches Denken, nicht durch kombinierendes Denken erhalten,
sondern eine Wahrheit steht unmittelbar vor dem Geiste des Betref-
fenden. Er weifi sie. Man braucht sie ihm nicht zu beweisen.
Jetzt haben die Lehrer der theosophischen Bewegung das Recht,
einen gewissen Teil der okkulten Weisheit mitzuteilen, Wir haben
das Recht, die Weisheit, die uns iibermittelt wurde in der Form der
Intuition, einzukleiden in die Gedankenformen des modernen Le-
bens. Der Gedanke ist eine Kraft wie die Elektrizitat, eine Kraft
wie die Dampfkraft, wie die Warmekraft; und wer diese Gedanken
aufnimmt, die innerhalb der theosophischen Bewegung vorgetra-
gen werden, wer sich ihnen hingibt und ihnen nicht von vornherein
mifkrauisch begegnet, in dem sind diese Gedanken eine Kraft. Die
Zuhorer merken es zunachst nicht, der Same geht erst spater auf.
Kein theosophischer Lehrer verlangt etwas anderes, als dafi ihm
zugehort wird. Er verlangt nicht blinden Glauben, sondern nur
Zuhoren. Weder das glaubige Annehmen noch das unglaubige
Abweisen ist der richtige Standpunkt. Der Zuhorer soli die Gedan-
ken, die ihm mitgeteilt werden, nur nachdenken, frei von Glauben
und Zweifel, frei von Ja und Nein. Er mufi sich «neutral» einstellen
und «probeweise» die Lehren im Geiste wirken lassen. Wer die
theosophischen Gedanken so auf sich wirken lafk, der hat nicht nur
Gedanken, sondern es ergiefk sich in ihn eine spirituelle Kraft, die
auf ihn wirkt und ihn befruchtet.
Weil die westeuropaische Kultur das Denken so weit ausgebildet
hat, deshalb finden die Menschen am leichtesten Zugang durch das
Denken. Auch die glaubigsten Kirchenchristen konnen sich heute
keine Vorstellung mehr davon machen, in welcher Weise man frii-
her geglaubt hat. Diese Quelle der Uberzeugung fliefk heute nicht
mehr. Wir miissen unsere Gedanken heute ganz anders befruchten.
Weil friiher das Denken nicht gepflegt worden ist, deshalb konnten
die spirituellen Mitteilungen nur in geheimen Schulen gegeben
werden. Heute miissen wir uns mit dem Spirituellen an die Kraft
des Gedankens wenden, dann entziinden wir die Gedanken so, dafi
sie in uns leben. Der spirituelle Redner spricht in ganz anderer
Weise zu seinen Zuhorern als der gewohnliche Redner. Er spricht
so, dafi eine Art spirituelles Fluidum, spirituelle Krafte von ihm
ausstromen. Der Zuhorer soil ohne ausgesprochenes Ja oder Nein
einen Gedanken wie etwas ganz Objektives hinnehmen, mit diesem
Gedanken leben, iiber ihn meditieren und ihn auf sich wirken
lassen. Dann wird durch den Gedanken Kraft in uns angefacht
werden.
Wir mussen heute die okkulten Wahrheiten iiber die Weltentste-
hung und Weltbildung in der Form europaischer Gedanken und
moderner Wissenschaftlichkeit verkiindigen. In dieser Richtung
werden diese Vortrage handeln von den Zustanden, welche der
Bildung unserer Erde vorangegangen sind. Wir werden zuriickge-
fuhrt in uralte Zeiten, wo sich aus grauestem Dammerdunkel her-
aus diejenige Wesenheit gebildet hat, die dann zum Menschen ge-
worden ist. Wir werden auf diejenige Stufe gefiihrt, wo dieser
Mensch empfangen worden ist von irdischen Kraften, wo er umge-
ben worden ist mit irdischer Materie, bis zu dem Punkte, wo er
heute steht. Wir werden die vorirdische und die irdische Entwick-
lung unseres Weltgebaudes kennenlernen und sehen, wie die Theo-
sophie uns einen Ausblick gibt auf die Zukunft, wir werden sehen,
wohin unsere Weltentwicklung weitergeht. Alles das wollen wir
zeigen, ohne dafi wir uns den Vorstellungen der heutigen Astrono-
men entgegenstellen. Wir werden, wenn wir die in uns schlum-
mernden Krafte entwickeln, selbst das groEe Ziel einsehen, dem
wir zusteuern: der Erringung kosmologischer Weisheit. Diese
kosmologische Weisheit lassen Sie uns in den nachsten Stunden
betrachten.
Zweiter Vortrag
Berlin, 2. Juni 1904
Nach den einleitenden Bemerkungen vom letzten Donnerstag
mochte ich nun damit beginnen, Ihnen eine Skizze der Weltent-
wicklung zu geben, so wie wir sie nach unseren theosophischen
Erkenntnissen geben konnen. Ich bitte Sie zu beriicksichtigen, daft
ich, weil wir nur ein paar Stunden zur Verfugung haben, nur eine
kurze Skizze geben kann, in der manches nur angedeutet werden
kann. Es wird sich vielleicht eine Gelegenheit ergeben, dies spater
weiter auszufuhren.
Bevor wir im theosophischen Sinne die Entwicklungsgeschichte
des Weltalls und vor alien Dingen die Bildung unseres irdischen
Planeten verfolgen, miissen wir uns einige Begriffe aneignen, wel-
che der abendlandische Mensch dadurch, daft er so lange Zeit hin-
durch sich ausschlieftlich mit physischen Erscheinungen befaftt hat,
gar nicht mehr hat. In jedem Buche, das von Kosmologie handelt,
wird ja immer wieder darauf hingewiesen, daft wir nur einen Blick
in den Weltenraum zu senden brauchen, um zu sehen, wie Tausen-
de und Abertausende von Welten vor unseren Blicken sich ausbrei-
ten, die so wie unser eigenes Sonnensystem sind, und daft unsere
Erde, der Planet, auf dem unser Leben seit Millionen von Jahren
sich abspielte, sich wie ein kleines Staubkornchen innerhalb dieser
vielen Welten ausnehme; und wie ein winziges Lebewesen auf die-
sem Staubkornchen im Weltenall nehme sich der Mensch dabei aus.
Das alles hatte die Naturwissenschaft seit dem Heraufkommen der
kopernikanischen Theorie erkannt. Es wird uns gesagt von der
Wissenschaft, wie falsch es gewesen sei, daE der Mensch in alten
Zeiten die Erde als Mittelpunkt der Welt angesehen und geglaubt
habe, das, was kosmisch geschehen sei, sei nur eine Vorbereitung
fur das eigene menschliche Dasein. Es wurde uns eingescharft von
der Wissenschaft, wie klein der Mensch ist gegemiber dem Welten-
all. Es sei eine Uberheblichkeit des Menschen zu glauben, daft die
Welt um seinetwillen so gestaltet sei, wie sie gestaltet ist. Schon
Schiller hat ja gegen diese Anschauung und Empfindungsweise die
schonen Worte «An die Astronomen» gerichtet:
Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
1st die Natur nur gro£, weil sie zu zahlen euch gibt?
Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;
Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.
Und Goethe, von dem Sie ja aus anderen Vortragen wissen, dafi
er okkultes Wissen hatte, driickt seine Gedanken iiber diesen
Punkt etwa so aus: Wozu ware doch endlich die ganze Welt mit
ihren Sonnensystemen und Sternen, wenn sie nicht auf den Men-
schen hinzielt, dafi er sich an alldem erbauen und erfreuen konnte?
- Sie sehen, Menschen mit einer wahren geistigen Weltanschauung
wie diese beiden, konnten sich nicht begniigen mit der Idee von der
Winzigkeit des Menschen und der Staubkornchenhaftigkeit der
Welt.
Lassen Sie uns jetzt im Sinne der Theosophie die Kosmologie
und den Menschen in seinem Verhaltnis zur ganzen Entwicklungs-
geschichte betrachten. Einige Vorstellungen mufi ich da voraus-
schicken. Sehen wir uns einmal an, welche Stellung der gegen-
wartige Mensch vom kosmologischen Standpunkt aus in der Welt
einnimmt. Alles das, was der Mensch mit den Sinnen erfassen kann
- seien es die groben Sinne des Alltags oder die feineren, die die
Naturwissenschaft mit ihren Mikroskopen und Zergliederungsme-
thoden uns bieten kann -, alles das, was uns da am Menschen ent-
gegentritt, ist schliefilich nur der aufiere, physische Mensch. Die-
jenigen, die schon haufiger theosophische Vortrage gehort haben,
wissen, dafi dieser aufiere Mensch nur die Hiille, die au$ere Offen-
barung des eigentlichen, inneren Menschen ist. Was ist nun der
physische Mensch? Wenn Sie anatomisch den physischen Men-
schen studieren, dann werden Sie finden, dafi er aus verschiedenen
Systemen besteht: aus dem Knochen- und dem Muskelsystem, aus
dem Nervensystem, das sich zu einem Gehirn geformt hat, und so
weiter. Sie wissen auch, daE das Gehirn das Organ des Denkens ist.
Als Theosophen wissen Sie auch, dafi nicht das Gehirn es ist, das
denkt, sondern dafi das Gehirn nur Werkzeug ist, also da£ das
eigentliche Wesen des Menschen sich des Gehirns nur als eines
Denkwerkzeuges bedient. Dieses Wesen, das im Menschen denkt,
kann man nicht mit physischen Sinneswerkzeugen wahrnehmen;
das kann sogar derjenige noch nicht sehen, dessen astrale Sinne
erschlossen sind. Es gehort schon ein sehr ausgebildeter Hellse-
hersinn dazu, urn wirklich wahrnehmen zu konnen, was da eigent-
lich im Menschen denkt. Im theosophischen Sinne bezeichnen wir
das, was im Menschen denkt, als das wahre Selbst des Menschen.
Dieser innere Wesenskern, dieses wahre Selbst des Menschen, ist
geistiger Natur. Es ist nicht etwas, das sich im Raume ausdehnt und
nicht etwas, das in der Zeit dahinflielk. Es ist zeitlos und raumlos,
es besteht iiber Zeit und Raum hinaus, es ist ewig. Sie haben von
diesem Selbst eine Beschreibung in meinen Vortragen iiber das
Devachan erhalten, und Sie werden eine genaue Beschreibung fin-
den konnen in meinem in den nachsten Tagen herauskommenden
Buche iiber «Theosophie».
Um in dieser gegenwartigen Entwicklungsepoche der Mensch-
heit leben und denken zu konnen, braucht das geistige Selbst ein
physisches Gehirn. Wir konnten mit diesem geistigen Selbst in der
astralen Welt und in der devachanischen oder mentalen Welt wahr-
nehmen ohne physisches Gehirn, aber in dieser au£eren, phy-
sischen Welt konnen wir nur mit dem physischen Gehirn wahrneh-
men. Wenn wir den gegenwartigen Menschen richtig verstehen
wollen, so miissen wir sagen: Der gegenwartige Mensch ist ein
Geistesselbst, verkorpert in einem physischen Gehirn. Dieses phy-
sische Gehirn mulke aber erst entstehen, es mufite sich erst entwik-
keln, es ist nicht ewig wie das geistige Selbst. Das Geistesselbst
konnen wir zuriickverfolgen bis in unendlich feme Zeiten der
Vergangenheit und auch verfolgen bis in unendlich feme Zeiten der
Zukunft. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hat sich dieses Geistes-
selbst umkleidet mit dem Gehirn, es hat sich das Gehirn anerschaf-
fen, es hat, seiner eigenen Wesenheit entsprechend, dieses Gehirn
gebildet. Man kann ein solches Organ in der physischen Natur
nicht so ohne weiteres bilden. Das ware ganz unmoglich, dafi
durch irgendeinen Prozefi der Welt jetzt jemand ein lebensfahiges
Gehirn in den Raum hinein erschaffen wiirde. Es wiirde ein kiinst-
liches Ding sein, aber kein lebensfahiges Gehirn, dessen sich ein
Geist als Werkzeug bedienen konnte. Dazu, dafi ein solches Gehirn
entstehen konnte, mufken sich zuvor andere Organe entwickeln.
Ein Gehirn kann nur in einem solchen physischen Leib, wie der
Menschenleib es ist, sich entwickeln. Deshalb war es notwendig,
dafi der Entwicklung unseres Gehirnwerkzeuges die Entwicklung
des iibrigen Menschenleibes vorausging. Wenn wir zuruckblicken
auf die Entwicklungsstadien, die unseren jetzigen vorangegangen
sind, so sehen wir, wie langsam und allmahlich sich das erst heraus-
gebildet hat, was heute der Mensch als sein Werkzeug besitzt,
durch das er sich mit seiner Umwelt verstandigt. Das, verehrte
Anwesende, daft der Mensch mit seinem geistigen Selbst solche
Organe bekam, die ihn in dieser Art zum Verstandnis der Welt
fuhren konnten, das ist Ziel und Zweck unserer gegenwartigen
irdischen Entwicklung. Alles, was auf dieser Erde seit Jahrmillio-
nen geschehen ist, ist zu dem Ziele geschehen, daft die Entwicklung
den Punkt erreichen kann, in dem ein Geistesselbst sich eines
Gehirns bedienen kann.
Versetzen Sie sich einmal einen Augenblick mit mir zuriick an
den Anfangspunkt unserer irdischen Entwicklung. Derjenige, des-
sen mentales Schauen ausgebildet ist, wird folgende Wahrnehmung
vor sich haben: Am Beginn unserer planetarischen Entwicklung
hatte unser Geistesselbst eine bestimmte Stufe seines Daseins er-
reicht. Jeder von uns war damals, als die Erde in ihrem Keimzu-
stand war, auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung. Sie konnen
sich alle die geistigen Selbste, die auf unserer Erde heute verkorpert
sind, waren oder sein werden, zuriickversetzt denken in den Zeit-
punkt, wo unsere irdische Entwicklung begonnen hat. Sie alle
waren damals schon vorhanden, allerdings nicht so, wie Sie heute
sind, sondern in einem ganz anderen Zustande. In der irdischen
Entwicklung haben wir eine ganz bestimmte Aufgabe; der Mensch
mufi durch diese irdische Entwicklung etwas werden. Lassen Sie
mich in erzahlender Form mit wenigen Worten andeuten, was das
Geistesselbst war, als es eintrat in die irdische Entwicklung. Als es
vor den Toren unseres irdischen Daseins stand, da hatte unser
Geistesselbst ein ganz anderes Bewufttsein, als wir es heute haben.
Wir konnen uns das begreiflich machen, wenn wir uns in die Lage
eines dumpf Traumenden versetzen, der nicht imstande ist, uber
die Bilder, welche vor seinem Bewufttsein vorbeihuschen, in Be-
griffen nachzudenken, sondern sie einfach vor sich hingestellt hat
und sie wie ein Panorama vor sich abspielen sieht. Jedes einzelne
Geistesselbst hatte dieses Traumbewufitsein, und das muftte durch
die irdische Entwicklung hindurchgehen und mull auch durch fer-
nere Entwicklungen hindurchgehen, um sich aus dem dumpfen
Bewufttsein des bildhaften Anschauens zu entwickeln zum hellen,
klaren, begrifflichen Tagesbewufttsein. Der traumartige- Bewuftt-
seinszustand, in dem das geistige Selbst am Anfang der irdischen
Entwicklung war, ist vergleichbar dem des Tieres, aber die Be-
wufttseinshohe ist nicht dieselbe. Das ist die Aufgabe, die unser
geistiges Selbst wahrend des Ganges dieser planetarischen Periode
zu leisten hat, daft das Bewufttsein immer heller und heller wird;
und wenn wir in ferner Zukunft herausgehen werden aus dieser
irdischen Entwicklung, werden wir dieses helle, klare Bewufttsein
bis zum hochsten Gipfel gebracht haben.
Die Wesenheiten, die damals in die irdische Entwicklung einge-
treten sind, nennen wir «Pitris», das heiftt «Vater». Solche Pitris
waren wir damals; diese Natur haben wir uns angeeignet gehabt in
dem friiheren Zustande der Entwicklung. Bevor wir in die irdische
Entwicklung eingetreten sind, haben wir schon Vorstufen durchge-
macht, und wir haben uns heraufgearbeitet bis zum traumhaften
Zustande des Pitri. Nun wissen wir also, wo wir selbst gestanden
haben, als die irdische Entwicklung begann. Die Pitris muftten sich
stufenweise mit all denjenigen Organen umgeben, die sie brauch-
ten, um mittels eines physischen Gehirns innerhalb derjenigen
physischen Korperlichkeit, die wir heute kennen, sich mit der
Umwelt, die auch eine physische ist, verstandigen zu konnen. Das
letzte, was der Mensch erreichen muftte - das geht aus den vorher-
gehenden Betrachtungen hervor -, war: er muftte, damit sein Selbst
im Physischen denken kann, selbst ein physisches Denkwesen
werden.
Und nun komme ich zu der zweiten Vorstellung, die ich voraus-
schicken raufi. Wenn Sie das Gehirn priifen, wenn Sie es in wissen-
schaftlicher Weise nach alien Seiten untersuchen, dann werden
Sie finden, dafi dieses menschliche Gehirn, wenn es blofi mit den
Sinnen untersucht wird, aus denselben Stoffen besteht und durch
dieselben Krafte gelenkt wird wie die iibrigen physischen Wesen
auf der Erde. Wenn Sie einen Bergkristall, ein Stuck Kalkspat, ein
Stuck Steinsalz, eine Pflanze, ein Tier ansehen und sie chemisch
und physikalisch untersuchen, so werden Sie finden, dafi die ganze
physische Natur, insofern sie mit Augen gesehen, mit Handen ge-
griffen werden kann, in gleichartiger Weise aus denselben chemi-
schen und physikalischen Kraften besteht, die eben im Mineral-
reich, im Pflanzen- und im Tierreich wirken. Deshalb sagen wir in
der Theosophie: Damit der Mensch seine gegenwartige Stufe der
Entwicklung erreichen konnte, mulke er sein spirituelles Selbst
umkleiden mit einem mineralischen Korper. Das geistige Selbst hat
sich einen mineralischen Korper anerschaffen. Das brauchte eine
lange Zeit, und dieser Prozefi ist auch heute noch nicht abgeschlos-
sen. Der Mensch wird in der Zukunft noch weiter in dieser mine-
ralischen Hulle sich entwickeln. Es gibt noch keimhafte Organe in
unserem Korper, die sich erst ausbilden miissen, neue Sinne, die
heute erst andeutungsweise vorhanden sind. Sie sehen, eine lange
Zeit brauchte der Mensch - sein geistiges Selbst -, um sich zu
umkleiden mit dem physischen Korper, den er heute hat.
Versetzen Sie sich nun in den Zeitpunkt, wo das geistige Selbst
des Menschen begonnen hat mit der Arbeit, sich diesen minerali-
schen Korper zu bilden, der gehen und stehen kann, der alle
Wachstums- und Fortpflanzungsverrichtungen hat, wie sie fur den
Menschen eine Notwendigkeit sind, der ein Nervensystem hat und
ein Gehirn, wie der Mensch es braucht. Versetzen Sie sich zuriick
in die Zeit, wo das alles in einem ersten Keimzustand war, und
dann versetzen Sie sich in eine Zeit, wo der Mensch den hochsten
Punkt seiner Entwicklung erreicht haben wird, wo in der Mitte
seines Kopfes ein Organ sich entwickelt haben wird, durch das er
andere Wahrnehmungen wird machen konnen, als wir es heute
konnen. In dem Zeitabschnitt zwischen diesen beiden Punkten
verlauft die ganze mineralische Entwicklung des gegenwartigen
Menschen. Einen solchen Zeitabschnitt nennen wir in der theoso-
phischen Ausdrucksweise eine «Runde». Die Runde, die ich Ihnen
jetzt beschrieben habe, diesen Entwicklungsabschnitt, nennen wir
die «mineralische Runde». Bevor der Mensch aber diesen Korper
so ausbildete, urn sich das Werkzeug des Gehirns zu schaffen,
mufite er erst andere Teile seines Wesens vorbereiten. Das geistige
Selbst, dieses rein spirituelle Wesen, hatte nicht einfach einen sol-
chen mineralischen Korper dirigieren konnen. Denken Sie sich das
geistige Selbst meinetwillen als einen Punkt, und denken Sie sich
den Punkt im Innern eines Mechanismus, wie es unser Korper ist;
dieser Punkt wurde nimmermehr den Mechanismus bewegen kon-
nen, er wurde nimmermehr imstande sein, durch ein physisches
Gehirn zu denken.
Somit haben wir zweierlei: Wir wissen, daft unser geistiges
Selbst im Anfang ein traumhaftes Bewufitsein hatte, niemals aber
hatte es den mineralischen Korper dirigieren konnen. Es mulke
sich einen Vermittler schaffen, um den Korper bewegen zu konnen.
Wodurch bewege ich meine Hand? Ich fasse zuerst den Gedanken:
Ich will die Hand bewegen. - Hatte ich blofi den Gedanken, so
wurde der Gedanke zwar in mir leben, aber er wurde nie eine
physische Hand in die Hohe bewegen konnen, geradesowenig, wie
der blofie Gedanke zum Beispiel eine Flasche in die Hohe heben
konnte. Wollen Sie die Flasche bewegen, so miifite zu dem Gedan-
ken noch eine Kraft hinzukommen, die der Vermittler ist zwischen
dem Gedanken und meinem physischen Korper. Und diese Kraft
nennen wir eine astralische Kraft. Das ist eine Kraft, wie es sie in
der astralen Welt gibt. Ich wurde meinen Arm nicht bewegen kon-
nen, wenn nicht zwischen meinem Gedanken und meinem phy-
sischen Korper, zu dem mein Arm gehort, in mir eine astrale Kraft
ware, die den Vermittler bildet zwischen meinem Gedanken und
meinem physischen Korper, meinem physischen Arm. Es mufi
zwischen meinem geistigen Selbst und meinem physischen Korper
ein Vermittler da sein, und dieser Vermittler ist von astralischer
Wesenheit. Ob ich mein Bein, meine Hand bewege, ob ich mein
Gehirn in Bewegung bringe, urn Gedanken auszuhecken - mein
physischer Korper muE durch den astralischen Organismus ver-
bunden sein mit meinem Gedanken.
Sie wissen aus friiheren Vortragen, daft der Mensch einen sol-
chen Astralkorper hat, den der Hellseher in einer astralen Wolke
sieht, die wir seine Aura nennen, in der seine Wiinsche, sein Wollen
und seine Begierden leben. Fasse ich einen Gedanken, so ist der
Gedanke allein ohnmachtig, etwas zu tun. Tritt dazu der Wunsch,
der Wille,
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