Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt. Tierkreis, Planeten, Kosmos

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Steiner

Rudolf Steiner

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RUDOLF  STEINER  GES AMT AUSG ABE 

VORTRAGE 

VORTRAGE  VOR  MITGLIEDERN 
DER  ANTHROPOSOPHISCHEN  GESELLSCHAFT 


RUDOLF  STEINER 


Geistige  Hierarchien 
und  ihre  Widerspiegelung  in 
physischen  Welt 

Tierkreis,  Planeten,  Kosmos 


Zehn  Vortrage,  gehalten  in  Diisseldorf 
vom  12.  bis  18.  April  1909 
und  zwei  Fragenbeantwortungen 
vom  21.  und  22.  April  1909 


1991 


RUDOLF  STEINER  VERLAG 
DORNACH/SCHWEIZ 


Nach  vom  Vortragenden  nicht  durchgesehenen  Nachschriften 
Herausgegeben  von  der  Rudolf  Stemer-Nachlafiverwaltung 


Die  Herausgabe  dieser  Auflage  besorgte  Hella  Wiesberger 
unter  Mitarbeit  von  Dr.  G.  A.  Balaster 


1.  Auflage  (Zyklus  7)  Berlin  1910 

2.  Auflage  (Zyklus  7,  Zweitdruck)  Berlin  1929 

3.  Auflage  (erste  Buchausgabe)  Dornach  1936 

4.  Auflage  (bezeichnet  als  3.),  erweitert  um  die  Fragenbeantwortungen 

vom  21.  und  22.  4.  1919.  Gesamtausgabe  Dornach  1960 

5.  Auflage  (im  wesentlichen  unveranderter  Nachdruck  der  4.  Auflage) 

Gesamtausgabe  Dornach  1972 

6.,  neu  durchgesehene  Auflage 
Gesamtausgabe  Dornach  1981 

7.  Auflage,  Gesamtausgabe  Dornach  1991 


Bibliographie-Nr.  110 

Zeichen  und  Schrift  des  Einbandes  von  Assja  Turgenieff. 
Zeichnungen  im  Text  aufgrund  der  1.  Auflage  von  1910  ausgefiihrt  von 
Assja  Turgenieff,  fur  den  VI.  Vortrag  der  7.  Auflage  von  Leonore  Uhlig. 

Alle  Rechte  bei  der  Rudolf  Steiner-Nachlafiverwaltung,  Dornach/Schweiz 
©  1981  by  Rudolf  Steiner-Nachlafiverwaltung,  Dornach/Schweiz 
Printed  in  Germany  by  Konkordia  Druck,  Buhl 

ISBN  3-7274-1100-7 


2«  den  Veroffentlichungen 
aus  dem  Vortragswerk  von  Rudolf  Steiner 


Die  Grundlage  der  anthroposophisch  orientiertetx  Geisteswissen- 
schaft  bilden  die  von  Rudolf  Steiner  (1 861  - 1 925)  geschriebenen  und 
veroffentlichten  Werke.  Daneben  hielt  er  in  den  Jahren  1900  bis 
1924  zahlreiche  Vortrage  und  Kurse,  sowohl  offentlich  wie  auch 
fiir  die  Mitglieder  der  Theosophischen,  spater  Anthroposophischen 
Gesellschaft.  Er  selbst  wollte  urspninglich,  dafi  seine  durchwegs  frei 
gehaltenen  Vortrage  nicht  schriftlich  festgehalten  wiirden,  da  sie  als 
«mundliche,  nicht  zum  Druck  bestimmte  Mitteilungen»  gedacht 
waren.  Nachdem  aber  zunehmend  unvollstandige  und  fehlerhafte 
Horernachschriften  angefertigt  und  verbreitet  wurden,  sah  er  sich 
veranlafit,  das  Nachschreiben  zu  regeln.  Mit  dieser  Aufgabe  betraute 
er  Marie  Steiner-von  Sivers.  Ihr  oblag  die  Bestimmung  der  Stenogra- 
phierenden,  die  Verwaltung  der  Nachschriften  und  die  fur  die  Her- 
ausgabe  notwendige  Durchsicht  der  Texte.  Da  Rudolf  Steiner  aus 
Zeitmangel  nur  in  ganz  wenigen  Fallen  die  Nachschriften  selbst 
korrigieren  konnte,  mufi  gegeniiber  alien  Vortragsveroffentlichun- 
gen  sein  Vorbehalt  beriicksichtigt  werden:  «Es  wird  eben  nur  hinge- 
nommen  werden  miissen,  dafi  in  den  von  mir  nicht  nachgesehenen 
Vorlagen  sich  Fehlerhaftes  findet.» 

Uber  das  Verhaltnis  der  Mitgliedervortrage,  welche  zunachst 
nur  als  interne  Manuskriptdrucke  zuganglich  waren,  zu  seinen  6f- 
f  entlichen  Schrif  ten  aufiert  sich  Rudolf  Steiner  in  seiner  Selbstbiogra- 
phie  «Mein  Lebensgang»  (35.  Kapitel).  Der  entsprechende  Wortlaut 
ist  am  Schlufi  dieses  Bandes  wiedergegeben.  Das  dort  Gesagte  gilt 
gleichermafien  auch  fur  die  Kurse  zu  einzelnen  Fachgebieten,  welche 
sich  an  einen  begrenzten,  mit  den  Grundlagen  der  Geisteswissen- 
schaft  vertrauten  Teilnehmerkreis  richteten. 

Nach  dem  Tode  von  Marie  Steiner  (1867-1948)  wurde  gemafi 
ihren  Richtlinien  mit  der  Herausgabe  einer  Rudolf  Steiner  Gesamt- 
ausgabe  begonnen.  Der  vorliegende  Band  bildet  einen  Bestandteil 
dieser  Gesamtausgabe.  Soweit  erforderlich,  finden  sich  nahere  An- 
gaben  zu  den  Textunterlagen  am  Beginn  der  Hinweise. 


INHALT 


Erster  Vortrag,  Diisseldorf,  12.  April  1909,  nachmittags   .  .  13 

Urweltweisheit  und  Menschenratsel.  Heilige  Geheimnisse  der  lebendi- 
gen  Weisheit.  Neuer  Impuls  durch  die  Erscheinung  des  Christus.  Die 
Verkiindigung  der  Evangelien.  B  ruder schaften  der  verschiedenen  Ge- 
heimschulen  des  Westens  als  Behiiter  der  neueren  Mysterien,  in  denen 
die  Weisheit  des  Ostens  restlos  bewahrt  wird,  beleuchtet  von  dem 
Lichte  der  Christus-Tat.  Die  Weisen  der  alten  Erkenntnisstatten  und 
das  aUmahliche  Auseinandergehen  der  spirtuellen  und  der  materiellen 
Stromung.  Die  Lehren  Dionysius  des  Areopagiten  iiber  Hierarchien 
und  Weltenkorper.  Aufgabe  der  Anthroposophie,  wiederum  das  Band 
zu  ziehen  zwischen  Physis  und  Geist,  der  Erde  und  den  Hierarchien. 


Zweiter  Vortrag,  12.  April  1909,  abends   30 

Die  Lehre  der  heiligen  Rishis  erlautert  an  einem  Beispiel  aus  der 
Bhagavad  Gita.  Die  vier  Elemente.  Die  geistige  Forschung  iiber  das 
Feuer  als  dem  Tor,  wodurch  wir  von  aufien  nach  innen  dringen,  in 
das  Seelische.  Rauch  und  Licht.  Die  Hineinverzauberung  geistiger 
Wesenheiten  in  die  dicht  werdende  Triibung.  Entstehung  der  Elemen- 
tarwesen;  ihre  Arbeit  und  ihre  aUmahliche  Erlosung  durch  die  Vergei- 
stigung  des  Menschen.  Der  Mensch  mufi  aus  dem  Rauch  geistig  wieder- 
um das  Feuer  herausbilden.  Tiefer  Sinn  der  alten  Opfergebrauche. 
Elementarwesen  von  Tag  und  Nacht,  von  zunehmendem  und  abneh- 
mendem  Mond,  vom  Sonnenlauf. 


Dritter  Vortrag,  13.  April  1909,  vormittags   47 

Die  Wiederverkorperung  der  Erde  in  neuen  planetarischen  Zustanden. 
Aufgabe  der  Erde  ist,  eine  Menschwerdung  als  Ichwesenheit  zu  bewir- 
ken.  Stufenfolge  der  gottlichen  Wesenheiten.  Wege  des  Saturn  von 
innerlich  seelischer  Warme  zu  aufierlich  wahrnehmbarer  Warme;  seine 
Feuer-Ein-  und  Ausatmung.  Objektivierung  eines  Teiles  des  ausgeat- 
meten  Warme-Elementes  durch  die  Geister  der  Personlichkeit.  Sie 
gelangen  zu  ihrem  Ich  durch  die  Zuriicklassung  ihres  Spiegelbildes. 
Auflosung  des  Planeten  durch  das  Reich  der  Throne.  Planetennacht, 
Planetenmorgen.  Sonnenzustand.  Menschwerdung  der  Erzengel  auf 
der  alten  Sonne  in  einem  Seelenleib  aus  Licht,  in  einem  aufieren  Leib 
'  aus  Luft.  Die  Ein-  und  Ausatmung  des  ganzen  Feuernebels  der  Umge- 
bung  durch  die  Erzengel  bewirkt  Licht  und  Rauch  -  Sonnennacht 
und  Sonnentag  -,  den  Atmungsprozefi  des  ganzen  Sonnenleibes. 


Vierter  Vortrag,  13.  April  1909,  abends  

Durch  die  vorstellende  Kraft  der  Geister  der  Personlichkeit  hatten 
sich  auf  dem  alten  Saturn  in  der  Feuersubstanz  der  Throne  linsenformi- 
ge  Warmekugeln  gebildet,  Formen,  die  bis  zum  nachsten  Dasein  ver- 
zaubert  sind.  Auf  der  alten  Sonne  haben  die  Erzengel  dem  Weltenraum 
das  Licht  geben  konnen:  daneben  bildete  sich  Rauch  aus  dem  Sonnen- 
nebel.  Mitwirken  der  Gewalten,  Machte  und  Herrschaften  fur  Form, 
Bewegung  und  Lebensregelung.  Beim  Hinausstreben  der  Erzengel  in 
den  Weltenraum  kommen  ihnen  aus  dem  geistigen  Raum  von  vier 
Seiten  entgegen  und  nehmen  sie  auf,  ihr  Dasein  im  Licht  erweiternd 
-  die  Cherubim.  Durch  ihre  sich  spiegelnden  Gestalten  bildet  sich  aus 
dem  Rauche  die  erste  Anlage  zum  Tierreich,  wie  sich  auf  dem  alten 
Saturn  die  erste  Anlage  zum  Menschenleib  aus  der  von  den  Thronen 
geopferten  Warme-Substanz  gebildet  hatte.  In  dem  zum  Nebel  ver- 
dichteten  Warmestoff  sind  die  Tiere  zunachst  Sonnenabbilder  des 
Tierkreises,  als  welchen  man  den  Reigen  der  Cherubim  bezeichnet, 
der  da  kommt  aus  den  vier  Richtungen  der  Weltenraume  mit  je 
zwei  begleitenden  Gestaltungen. 


Funfter  Vortrag,  14.  April  1909,  abends  

Entwicklung  unseres  Sonnensystems  bis  zum  Vulkan,  der  die  Reife 
erlangt  zum  Opf er  des  sich  Auflosens  zu  neuem  Weltenschaffen.  Wenn 
die  Sonne  sich  mit  den  von  ihr  herausgesetzten  Planeten  wiederverei- 
nigt,  wird  sie  selbst  Umkreis,  wird  zum  Reigen  von  solchen  Wesenhei- 
ten  wie  die  Seraphim,  Cherubim,  Throne,  die  ihre  Sonnensystem- 
Entwicklung  bereits  durchgemacht  haben  und  ein  neues  System  aus 
sich  schaffen  konnen.  Erst  jenseits  der  Seraphim  haben  wir  die  hochste 
dreifaltige  Gottlichkeit  zu  sehen,  die  gleichsam  die  Plane  entwirft  zu 
jedem  neuen  Weltensystem.  Die  Seraphim  nehmen  die  hochsten  Ideen 
aus  der  Trinitat  entgegen,  die  Cherubim  bauen  sie  in  Weisheit  aus, 
die  Throne  geben  ihre  Feuersubstanz  zu  ihrer  Verwirklichung  her. 
Aus  der  Umgebung  und  im  Innern  arbeiten  geistige  Kraft- Wesenheiten 
von  hochster  Intelligenz,  ordnen  innerhalb  des  Saturn  (der  die  Grenz- 
marke  ist  fur  die  Throne)  alles  an,  was  geschieht,  arbeiten  es  um, 
erhalten  es,  fiihren  es  himiber  in  den  Sonnenzustand  (Grenzmarke  fur 
die  Herrschaften:  Jupiter),  der  das  Feinere  und  Dichtere  schon  in  sich 
scheidet.  Der  Reigen  der  Herrschaften,  Machte,  Gewalten:  zweite 
Hierarchic  Weitere  Zusammenziehung  und  Verdichtung.  Der  dritte 
Zustand  unseres  Planetensystems  entsteht  durch  die  Krafte  der 
Machte  (Dynamis),  welche  die  Masse  der  alten  Sonne,  die  sich  nun 
bis  zum  Wasserigen  verdichtet  hat,  zum  Mondzustand  zusammen- 
drangen  (bis  zur  Grenze  des  heutigen  Mars);  dann  spaltet  sich  der 


Weltenkorper.  Dies  Auseinanderzerren  des  alten  Mondes  durch  die 
Krafte  der  fortgeschritteneren  und  normalen  oder  zuriickgebliebenen 
Machte  nennt  man  in  der  Esoterik  «den  Streit  am  Himmel». 

Sechster  Vortrag,  15.  April  1909,  abends  

Das  Wirkungsgebiet  der  dritten  Hierarchie:  Die  Engel  halten  Wache 
iiber  den  Menschen,  bewahren  sein  Gedachtnis  von  einer  Inkarnation 
zur  anderen,  solange  er  es  selber  nicht  kann;  die  Erzengel  bringen  in 
harmonische  Ordnung  das  Leben  des  Einzelnen  und  das  Leben  gro- 
fierer  Menschheitszusammenhange;  die  Urkrafte  regeln  die  irdischen 
Verhaltnisse  des  ganzenMenschengeschlechtes  auf  Erden.  -Diejenigen 
Geister,  die  dafiir  sorgen,  da6  die  Menschen  von  einem  planetarischen 
Zustand  zum  andern  gefuhrt  werden,  das  sind  die  Gewalten,  Geister 
der  zweiten  Hierarchie.  -  Raumliche  Charakterisierung  der  Herr- 
schaftsgebiete  in  unserem  Sonnensystem.  Ptolemaisches  und  Koper- 
nikanisches  Weltensystem.  Das  allmahliche  Vorriicken  der  Sonne. 
System  des  Zarathustra  mit  den  Zwillingen  als  Friihlings-Tierkreisge- 
stirn.  Schematische  Zeichnung  der  Planetengrenzmarken  fur  die  Herr- 
schaftsbereiche  der  Hierarchien.  Perspektiven-Anderungen  durch  die 
verschiedenen  Konstellationen.  -  Das  Herrschaftsgebiet  der  Gewalten 
geht  liber  die  einzelnen  Planeten  hinaus  bis  zur  Sonne,  da  sie  die 
Menschheitsmission  von  einem  Planeten  zum  anderen  hiniiberleiten. 
Der  Mond  ist  die  raumliche  Grenzmarke  fur  die  Engel.  Merkur  fur 
die  Erzengel,  Venus  fur  die  Urkrafte.  Raumwirksamkeiten  der  die 
Menschheit  lenkenden  Wesenheiten,  die  in  den  ersten  Zeken  sich  auch 
in  Menschenleibern  als  Lehrer  der  Menschen  verkorpern:  die  Venus- 
und  Merkursohne  (Bodhisattva  und  Dhyani-Buddhas). 

Siebenter  Vortrag,  16.  April  1909,  abends  

Die  sieben  Prinzipien  des  Menschen  konnen  nicht  schematisch  auf  ein 
Engelwesen  angewendet  werden.  Sein  Ich  handelt  nicht  in  einem  be- 
grenzten  Leib,  sein  Physisches  ist  ein  Spiegelbild  geistiger  Prinzipien, 
ist  verschwebend  in  Wasser,  Luft  und  Feuer.  Beim  Erzengel  ist  auch 
der  astralische  Leib  nicht  verbunden  mit  dem  Atherleib,  rein  Oberes, 
Geistiges,  spiegelt  sich  nur  unten  in  "Wind  und  Feuer.  Der  physische 
Leib  der  Urkrafte  kann  nur  als  Spiegelung  im  Feuer  wahrgenommen 
werden,  alles  andere  ist  oben  in  der  geistigen  Welt.  Die  in  der  Sonne 
lebenden  Wesenheiten  machen  zu  ihren  unteren  Organen  die  Venus- 
geister  in  Feuerflammen  und  die  Merkurgeister  im  Windesbrausen. 
Indem  diese  Menschenform  annehmen,  werden  sie  zu  Fiihrern  der 
Menschheit  in  der  lemurischen  und  zu  Lehrern  in  der  atlantischen 
Zeit,  wirken  als  Priester  in  den  Orakelstatten  der  Atlantier,  wo  die 
nicht  sich  auflosenden  Atherleiber  solcher  Fiihrer  auch  weiter  auf- 


bewahrt  werden.  -  Der  Manu  und  die  sieben  Rishis.  Einige  solche 
inspirierte  Personlichkeiten  ragen  in  die  nachatlantische  Zeit  hinein. 
Je  nach  der  Inspiration  durch  einen  Geist  der  Personlichkeit,  einen 
Erzengel  oder  Engel,  nennt  man  sie  Dhyani-Buddha,  Bodhisattva  oder 
Buddha.  Die  Durchseelung  geht  nicht  immer  herunter  bis  in  den 
physischen  Leib,  sondern  manchmal  mir  bis  zur  Beseelung  des  Ather- 
leibes.  Eine  Personlichkeit  kann  von  den  verschiedensten  Individuali- 
taten  der  hoheren  Hierarchien  durchseelt  und  beseelt  werden. 


Achter  Vortrag,  17.  April  1909,  abends  

Der  alte  Saturn  als  Beispiel  fur  die  Entstehung  eines  Weltenkdrpers. 
Zusammenwirken  der  Wesenheiten  von  aufien  und  von  innen,  von 
seelischer  und  neutraler  Warme.  Erste  Anlage  zu  den  spateren  Organen 
des  menschlichen  physischen  Leibes  (das  Herz  -  aus  der  Region  des 
Lowen  usw.).  Auf  der  alten  Sonne  geben  die  Herrschaften  den  Ather- 
leib  dazu,  indem  sie  jetzt  auch  aus  dem  Umkreis  wirken.  Die  von 
atherischer  Leiblichkeit  durchzogene  Warmesubstanz  wird  nun  ein 
innerlich  lebendiges  Wesen.  Dies  Leben  wird,  wie  die  fruhere  Beweg- 
lichkeit  des  Saturn,  an  einem  gewissen  Punkte  zum  Stillstand  gebracht 
(Adler  und  Skorpion).  Auf  der  bis  zur  Wassrigkeit  abgekuhlten  Kugel 
des  Mars  wird  der  Astralleib  dem  Menschen  eingefugt  -  das  erste 
Bewufitsein.  (Stillstand  der  Bewegung  beim  Wassermann.)  Die  Erde 
und  die  Anregung  zum  Ich.  (Stillstand  und  Umdrehung  beim  Stier.) 


Netjnter  Vortrag,  18.  April  1909,  vormittags  

Bewegungs-Impulse  und  Umdrehungen  der  Planeten  langs  der  Zei- 
chen  des  Tierkreises;  allmahliche  Bildung  der  Anlage  zu  den  Gliedern 
des  Menschenleibes.  Der  wahre  kosmische  Mensch.  Das  Karma  der 
Weltenkorper,  das  deren  Fuhrer  auf  sich  nehmen.  Arbeit  des  Ich  an 
den  Leibern  und  deren  Umgestaltung.  Aufglanzen  der  schopferischen 
Tatigkeit;  die  Entwicklung  vom  Geschopf  zum  Schopfer. 


Zehnter  Vortrag,  18.  April  1909,  abends  

Die  Evolution  der  Individuality.  Das  Schicksal  der  Erdenmaterie:  Sie 
zieht  sich  zusammen  nach  dem  Mittelpunkte  hin  und  verschwindet 
dort.  Was  im  Mittelpunkt  verschwindet,  tritt  im  Umkreise  wieder  auf, 
mit  dem  umgewandelten  Ergebnis  dessen,  was  durch  die  Wesen  in  sie 
eingepragt  worden  ist.  Der  Kristallhimmel.  Uranus  und  Neptun.  Das 
Gebiet  der  gottlichen  Trinitat.  Gotteranschauung  und  -gefolgschaft. 
Der  Streit  am  Himmel.  Die  Gotter  der  Hindernisse.  Durch  deren 
Einschleichen  in  den  menschlichen  Astralleib  entsteht  die  Moglich- 


keit  des  Bosen.  Michaels  Streit  mit  dem  Drachen.  Das  Symbolum  des 
Stierbesiegers.  Die  Freiheit  des  Ich  als  Wirkung  des  Todes  Christi. 
Das  menschliche  Ich  mufi  sich  frei  entschiiefien,  den  Christus  aufzu- 
nehmen  und  erlost  dadurch  den  Luzifer.  Den  Geist  der  Freiheit  und 
der  Liebe  zu  entwickeln,  ist  Bestimmung  der  zehnten  Hierarchic  Dies 
ist  der  Sinn  des  Menschen,  ergriindet  aus  dem  Sinn  des  Kosmos. 


Frageitoeantwortung,  21.  April  1909,  abends  176 

Der  Raum,  eine  Schopfung  der  Trinitat.  Die  Entstehung  der  Zeit.  Die 
ahrimanischen  Geister.  Die  Elohim  sind  Exusiai,  ihr  Ftihrer  der  Chri- 
stus. Die  Asuras.  Schutz  vor  schwarzmagischen  Einfliissen  durch  die 
Vernunft.  Die  Gruppenseelen  der  Bienen,  Ameisen,  Korallen.  Die 
griechischen  und  germanischen  Gotter  sind  Engel  in  Atlantis.  Das 
Schicksal  der  tierischen  Gruppenseelen  auf  dem  Jupiter.  Vorgeburt- 
liche  Erziehung.  Blutsverwandtschaft  und  Karma.  Leiden  ist  notig 
zur  Erkenntnis. 


Fragenbeantwortung,  22.  April  1909,  vormittags   184 

Aus  dem  Buch  Hiob.  Okkulte  Tonlehre.  Der  Atlantier  konnte  die 
Samenkraft  technisch  benutzen.  Okkulte  Zahlenlehre.  Die  Marskanale. 

Hinweise 

Zu  dieser  Ausgabe   191 

Hinweise  zum  Text   192 

Namenregister   197 

Textkorrekturen   198 

Rudolf  Steiner  iiber  die  Vortragsnachschriften   199 


ERSTER  VORTRAG 


Dusseldorf,  12.  April  1909,  vormittags 


Dieser  Vortragszyklus  wird  uns  in  hohe  Gebiete  des  geistigen  Lebens 
fiihren,  wird  uns  sozusagen  von  unserem  Wohnplatze  der  Erde  nicht 
nur  hinausftihren  in  die  physischen  Raumeswelten,  sondern  er  wird 
uns  auch  hinauf fiihren  in  die  geistigen  Wei  ten,  aus  denen  ja  die 
physische  Raumeswelt  ihren  Ursprung  genommen  hat.  Aber  gerade 
ein  solcher  Vortragszyklus  wird  Ihnen  zeigen,  dafi  alles  Wissen  und 
alle  Weisheit  im  Grunde  genommen  darauf  abzielt,  uns  das  grofie, 
das  grofite  der  Ratsel  zu  losen,  das  Menschenratsel.  Denn  um  den 
Menschen  verstandlich  zu  machen,  miissen  die  Dinge  weit,  weit 
hergeholt  werden.  Nun  ist  es  ja  allerdings  notwendig,  daft  derjenige, 
der  diesen  Kursus  verfolgen  will,  mit  einigen  geisteswissenschaftli- 
chen  Grundbegriffen  bereits  ausgeriistet  ist,  aber  das  sind  ja  im  Grun- 
de genommen  alle  die  verehrten  Zuhorer.  Und  so  durfen  wir  denn 
in  diesem  Zyklus  einmal  vielleicht  den  Geistesflug  ganz  besonders 
hoch  ges talten,  wenn  auch  immer  die  Bemiihung  vorliegen  soli,  die 
Dinge,  die  ja  so  weit  hergeholt  werden  miissen,  so  verstandlich  wie 
moglich  zu  machen. 

Wenn  wir  zu  sprechen  haben  von  dem,  was  man  geistige  Hierar- 
chien  nennt,  so  bedeutet  das  ja,  dafi  unsere  Seelenaugen  hinaufsteigen 
sollen  zu  denjenigen  Wesenheiten,  welche  ihr  Dasein  iiber  dem  Men- 
schen haben  hier  auf  unserer  Erde.  Wir  konnen  sozusagen  fur  sichtba- 
re  Augen  nur  durch  Wesenheiten  aufsteigen,  welche  vier  Stufen  einer 
Hierarchie  darstellen:  die  mineralische  Welt,  die  pflanzliche  Welt, 
die  tierische  Welt,  die  menschliche  Welt.  Und  iiber  dem  Menschen 
beginnt  eine  Welt  von  unsichtbaren  Wesenheiten,  und  es  ist  dem 
Menschen  durch  die  Erkenntnisse  des  Ubersinnlichen,  soweit  sie 
ihm  moglich  sind,  gegeben,  eine  Strecke  hinaufzusteigen  zu  denjeni- 
gen Machten  und  Wesenheiten,  die  in  der  ubersinnlichen,  in  der 
unsichtbaren  Welt  die  Fortsetzung  dieser  innerhalb  der  Erde  befind- 
lichen  viergliedrigen  Stufenfolge  sind.  Dasjenige  Wissen  und  die 
Forschung,  die  uns  in  diese  Gebiete  fiihren,  sie  sind  ja,  wie  Sie  alle 


wissen,  nicht  etwas,  was  etwa  erst  in  unserer  Zeit  hereintritt  in  die 
menschliche  Entwickelung;  es  gibt  eine  -  wir  konnen  sie  so  nennen 
-  Urweltweisheit.  Denn  dasjenige,  was  der  Mensch  ergrunden  kann, 
was  der  Mensch  wissen  und  erkennen  kann,  was  er  sich  erringt  an 
Begriffen  und  Ideen,  was  er  sich  erringt  an  Imaginationen  und  Inspi- 
rationen  und  Intuitionen  des  Hellsehens,  alles  das  wird  ja  sozusagen 
vom  Menschen  nur  nacherlebt,  und  vorgelebt  und  vorgewulk  haben 
es  eben  die  liber  dem  Menschen  stehenden  Wesenheiten.  Wenn  wir 
einen  trivialen  Vergleich  gebrauchen  diirfen,  so  konnten  wir  sagen: 
Erst  hat  der  Uhrmacher  die  Idee,  den  Gedanken  der  Uhr,  dann 
verfertigt  er  danach  die  Uhr.  Die  Uhr  ist  gebildet  nach  den  Gedanken 
des  Uhrmachers,  die  vorangegangen  sind,  und  hinterher  kann  jemand 
die  Uhr  zergliedern,  analysieren  und  nachstudieren,  welchen  Gedan- 
ken des  Uhrmachers  diese  Uhr  entsprungen  ist.  Ein  solcher  denkt 
dann  die  Gedanken  des  Uhrmachers  nach.  So  nur  kann  sich  der 
Mensch  im  Grunde  genommen  in  seinem  heutigen  Entwickelungssta- 
dium  verhalten  gegeniiber  der  Urweltweisheit  -  der  iiber  ihm  stehen- 
den geistigen  Wesenheiten.  Sie  haben  sie  zuerst  gehabt:  die  Imagina- 
tionen, die  Inspirationen,  die  Intuitionen,  die  Ideen  und  Gedanken, 
nach  denen  unsere  Welt,  wie  sie  um  uns  herum  uns  vorliegt,  gebildet 
ist.  Und  der  Mensch  wiederum  findet  in  dieser  Welt  diese  Gedanken, 
Ideen;  und  wenn  er  sich  emporhebt  zum  hellseherischen  Schauen, 
so  findet  er  auch  die  Imaginationen,  Inspirationen,  Intuitionen,  durch 
die  er  eindringt  wiederum  in  die  Welt  der  geistigen  Wesenheiten. 
Daher  konnen  wir  sagen:  Ehe  denn  unsere  Welt  war,  war  diejenige 
Weisheit,  von  der  wir  eigentlich  zu  sprechen  haben.  Sie  ist  der  Plan 
der  Welt. 

Also  bis  wohin  mussen  wir,  wenn  wir  innerhalb  der  Wirklichkeit 
bleiben,  zuriickgehen,  wenn  wir  diese  Urweltweisheit  antreffen  wol- 
len?  Mussen  wir  zuriickgehen  bis  in  irgendeine  geschichtliche  Zeit- 
periode,  wo  dieser  oder  jener  grofie  Lehrer  gelehrt  hat?  Gewifi,  wir 
konnen  viel  lernen,  wenn  wir  da-  oder  dorthin  zuriickgehen  in  die 
geschichtlichen  Zeitepochen  und  bei  den  grofien  Lehrern  Schiller 
werden.  Aber  um  in  ihrer  wahren,  hochsten  Gestalt  die  Urweltweis- 
heit anzutreffen,  mussen  wir  zuriickgehen  bis  zu  jener  Zeit,  da  noch 


keine  aufiere  sichtbare  Erde,  keine  fur  die  Sinne  urn  uns  herum 
existierende  Welt  war;  denn  aus  der  Weisheit  selber  heraus  ist  die 
Welt  entsprungen.  Aber  diese  Weisheit,  nach  der  die  gottlich-geisti- 
gen  Wesenheiten  unsere  Welt  gebildet  haben,  sie  wurde  auch  dem 
Menschen  nachher  zuteil.  Der  Mensch  konnte  in  seinem  Denken 
hinterher  die  Gedanken  schauen,  die  Gedanken  wahrnehmen,  nach 
denen  die  Gotter  die  Welt  gebildet  haben.  Und  nachdem  diese  Ur- 
weltweisheit,  diese  Weisheit  der  Weltenschopfer,  mancherlei  Gestal- 
ten  durchgemacht  hat,  kam  sie  in  einer  Art,  wie  es  ja  vielen  von 
Ihnen  bekannt  ist,  nach  der  grofien  atlantischen  Epoche  zu  den  alten 
heiligen  Rishis  unserer  ersten  nachatlantischen  Kultur,  zu  den  gro- 
fien  Lehrern  Indiens. 

Diese  Urweltweisheit  war  damals  bei  den  grofien,  erhabenen  Rishis 
in  einer  Gestalt  vorhanden,  von  der  sich  die  heutige  Menschheit  nur 
sehr,  sehr  wenig  vorstellen  kann.  Denn  die  menschlichen  Denkfahig- 
keiten,  die  menschlichen  Empfindungsfahigkeiten  haben  sich  sehr 
geandert,  seit  Indiens  grofie  Lehrer  zuerst  die  nachatlantische 
Menschheit  belehrt  haben;  und  wenn  ohne  weiteres  viel  von  dem 
heute  ausgesprochen  wurde,  was  aus  dem  Munde  der  heiligen  Rishis 
geklungen  hat,  die  meisten  Seelen  von  heute  wiirden  auf  der  ganzen 
Erde  kaum  etwas  anderes  horen  als  Worte  und  wieder  Worte.  Es 
gehoren  eben  noch  andere  Empfindungsfahigkeiten,  als  sie  die 
Menschheit  jetzt  hat,  dazu,  um  das  wirklich  zu  verstehen,  was  zuerst 
als  Weisheit  zu  der  nachatlantischen  Menschheit  gekommen  ist.  Denn 
alles  das,  was  aufgezeichnet  worden  ist  von  dieser  Weisheit,  alles, 
was  in  den  schonsten  und  besten  Buchern  von  dieser  Urweltweisheit 
aufgezeichnet  worden  ist,  das  ist  doch  alles  nur  ein  schwacher  Nach- 
klang  der  Urweltweisheit  selber.  Das  ist  in  vieler  Beziehung  getriibte, 
verdunkelte  Weisheit.  Und  wenn  sie  noch  so  schon,  noch  so  erhaben 
sind,  die  Veden,  wenn  noch  so  schon  die  Lieder  des  Zarathustra 
klingen,  wenn  noch  so  herrlich  zu  uns  spricht  Agyptens  uralte 
Weisheit  -  alles,  alles  das,  wir  konnen  es  gewifi  nicht  genug  bewun- 
dern,  aber  was  aufgeschrieben  ist,  das  gibt  nur  in  einem  getriibten 
Lichte  die  grofie  Weisheit  des  Hermes,  die  grofie  Weisheit  des  Zara- 
thustra oder  gar  die  erhabenen  Erkenntnisse,  welche  die  alten 


Rishis  verkundet  haben.  Doch  diese  erhabene  Weisheit,  sie  ist  der 
Menschheit  aufbewahrt  geblieben,  sie  war  immer  vorhanden  in  ge- 
wissen,  allerdings  engen  Kreisen,  welche  die  heiligen  Geheimnisse, 
wie  man  diese  Erkenntnisse  nennt,  behiiteten.  In  den  Mysterien  In- 
diens,  Persiens,  Agyptens,  Chaldaas,  in  den  christlichen  Mysterien 
und  so  weiter  bis  herauf  in  unsere  Zeit  ist  aufbewahrt  geblieben  alles 
das,  was  Urweltweisheit  der  Menschen  ist.  Bis  vor  kiirzester  Zeit 
war  es  eigentlich  nur  moglich,  in  diesen  engsten  Kreisen  selber  nicht 
die  Buchweisheit,  sondern  die  lebendige  Weisheit  zu  vernehmen. 
Aus  Griinden,  die  gerade  in  diesem  Vortragszyklus  klar  werden 
konnen,  ist  in  unserer  Zeit  die  Epoche  gegeben,  in  welcher  in  grofie- 
rem  Umfang  herausdringen  soil  in  grofiere  Massen  der  Menschheit 
dasjenige,  was  in  kleinen  Kreisen  als  Lebendiges  aufbewahrt  worden 
ist.  Denn  versiegt  ist  sie  niemals,  die  Urweltweisheit  der  heiligen 
Rishis  zum  Beispiel.  Sie  ist  durchgegangen  wie  durch  einen  Jungbrun- 
nen  in  der  Zeit,  die  wir  erkennen  als  den  Beginn  unserer  Zeit.  Diese 
uralt-heilige  Weisheit,  die  damals  der  Menschheit  erflossen  ist,  sie 
wurde  fortgesetzt  von  Zarathustra  und  seinen  Schulern,  von  den 
chaldaischen,  agyptischen  Lehrern,  sie  flofi  aber  auch  ein  in  die  Ver- 
kiindigung des  Moses,  und  sie  trat  sozusagen  eben  gerade  wie  aus 
einem  Jungbrunnen  neu  hervor  mit  vollig  neuem  Impuls  durch  die 
Erscheinung  des  Christus  auf  der  Erde.  Aber  sie  wurde  damit  zu- 
nachst  auch  so  tief,  sie  wurde  so  innerlich,  dafi  sie  wiederum  nur 
allmahlich  in  die  Menschheit  einfliefien  kann.  Und  so  sehen  wir  denn, 
dafi  seit  den  Zeiten  der  christlichen  Verkiindigung  aufierlich  in  der 
Welt  die  Urweltweisheit  einflielk  in  die  Menschheit  langsam  und 
allmahlich,  im  elementarsten  Anfang. 

Die  Botschaften  sind  dagewesen,  sie  liegen  vor  in  den  Evangelien, 
in  den  anderen  christlichen  Schriften,  welche  in  erneuerter  Gestalt 
die  Weisheit  der  heiligen  Rishis  enthielten,  enthielten  so  wie  neugebo- 
ren  aus  dem  Jungbrunnen.  Aber  wie  konnten  diese  Botschaften  vom 
Anfange  an  gerade  in  dem  Zeitalter,  fur  dessen  Lauterung  das  Chri- 
stentum  geschaffen  war,  verstanden  werden?  Das  aller-,  allerwenigste 
wurde  verstanden  von  der  Verkiindigung  durch  die  Evangelien,  und 
nach  und  nach  arbeiten  diese  Evangelien  sich  erst  durch  zu  einem 


weiteren  Verstandnis  -  in  vieler  Beziehung  zu  einer  weiteren  Ver- 
dunkelung.  Und  heute  sind  gerade  die  Evangelien  im  Grunde  ge- 
nommen  diejenigen  Biicher,  die  sozusagen  fur  die  Menschheit  noch 
in  ihren  weitesten  Kreisen  die  versiegeltsten  sind;  die  erst  eine  Zu- 
kunft,  die  sich  erfrischen  kann  an  der  Urweltweisheit,  wiederum 
verstehen  wird.  Bewahrt  aber  wurden  die  Schatze,  die  in  den  Schach- 
ten  der  christlichen  Offenbarung  liegen  -  und  die  keine  anderen 
Schatze  sind  als  die  Schatze  der  ostlichen  Weisheit  auch,  aber  eben 
aus  neuen  Kraften  wieder  herausgeboren  -  bewahrt  wurden  sie 
wiederum  in  engeren  Kreisen,  in  jenen  engeren  Kreisen,  die  ihre 
Fortsetzung  dann  finden  in  verschiedenen  Mysteriengesellschaften 
wie  zum  Beispiel  in  der  Bruderschaft  vom  heiligen  Gral,  in  der 
Bruderschaft  endlich  der  Rosenkreuzer.  Bewahrt  wurden  da  diese 
Wahrheitsschatze,  zuganglich  gemacht  nur  denjenigen,  die  sich 
durch  scharfe  Erprobungen  fur  die  lebendige  Weisheit  vorbereitet 
hatten.  Und  so  waren  die  Weisheitsschatze  des  Ostens  und  Westens 
durch  Jahrhunderte  und  Jahrhunderte  der  Entwickelung  vom  Beginn 
unserer  Zeitrechnung  hindurch  den  grofien  Menschenmassen  drau- 
fien  in  der  Welt  ziemlich  unzuganglich.  Nur  einzelnes  rieselte  da 
und  dort  in  die  grofle  Welt  hinein;  das  meiste  blieb  Geheimnis  der 
neueren  Mysterien. 

Da  kam  die  Zeit,  in  welcher  sozusagen  von  dem  Inhalt  der 
Urweltweisheit  in  einer  fur  die  grofiere  Menge  verstandlichen  Spra- 
che  gesprochen  werden  durfte.  Das  letzte  Drittel  des  19.  Jahrhun- 
derts  etwa  ist  es,  in  dem  in  einer  mehr  oder  weniger  unverhullten 
Gestalt  xiber  die  Urweltweisheit  gesprochen  werden  kann.  Nur  da- 
durch,  dafi  gewisse  Dinge  gerade  in  den  geistigen  Welten  vorgegan- 
gen  sind,  ist  sozusagen  den  Behutern  der  Mysterien  die  Moglichkeit 
gegeben  worden,  einiges  hinausdringen  zu  lassen  von  der  Urwelt- 
weisheit. Sie  alle  kennen  ja  den  Hergang  der  theosophischen  Entwik- 
kelung;  Sie  wissen,  dafi  sozusagen  das  Eis  der  theosophischen  Ent- 
wickelung zuerst  gebrochen  worden  ist  durch  diejenigen  Weisheiten, 
die  geoffenbart  worden  sind  auf  eine  Weise,  die  ich  heute  nicht  zu 
beschreiben  brauche,  in  den  sogenannten  Dzyan-Strophen.  Diese 
Dzyan-Strophen  der  «Geheimlehre»  enthalten  in  der  Tat  tiefste, 


bedeutsamste  Weisheit,  enthalten  vieles  von  dem,  was,  ausgehend 
von  der  Lehre  der  heiligen  Rishis,  heruntergeflossen  ist  durch  die 
Weistiimer  des  Orients.  Vieles  von  dem  enthalten  sie  auch,  was  dann 
eingeflossen  ist  nach  der  christlichen  Verjiingung  in  den  europaischen 
Westen,  Denn  nicht  blofi  solche  Weisheit  ist  in  den  Dzyan-Strophen 
enthalten,  die  etwa  blofi  im  Osten  bewahrt  geblieben  ware,  sondern 
auch  vieles,  was  sozusagen  in  einem  hellen  Lichte  erstrahlt  durch  die 
Jahrhunderte  unserer  Zeitrechnung  hindurch,  durch  das  Mittelalter, 
in  den  Geheimschulen  des  Westens.  Und  auch  mancherlei  von  dem, 
was  in  den  Dzyan-Strophen  steht,  es  wird  erst  allmahlich  in  seiner 
Tiefe  verstanden  werden.  Denn  hier  darf  es  wohl  einmal  gesagt  wer- 
den:  In  den  Dzyan-Strophen  ist  solche  Weisheit  enthalten,  dafi  sie 
in  weitesten  theosophischen  Kreisen  heute  noch  gar  nicht  verstan- 
den werden  kann,  ja  solche  Weisheit,  dafi  heute  noch  gar  nicht  mit 
exoterischen  Fahigkeiten  die  Moglichkeit  gegeben  ist,  die  Tiefen 
auszuschopfen;  dafi  Aussichtslosigkeit  vorliegt  fur  alle  exoterischen 
Fahigkeiten,  die  Untergriinde  dieser  bedeutsamen  Welt  offenbaren 
zu  konnen. 

Nachdem  auf  diese  Art  sozusagen  das  erste  Eis  gebrochen  war, 
kam  auch  die  Zeit,  in  der  gesprochen  werden  durfte  aus  den  Quellen 
des  westlichen  Okkultismus  heraus,  der  aber  kein  anderer  ist  als  der 
ostliche,  wie  er  sich  nur  kontinuierlich  und  alle  Vorgange  des  geistigen 
und  physischen  Lebens  beriicksichtigend  fortgepflanzt  hat,  wo  auch 
aus  den  Quellen  des  lebendigen  Okkultismus  heraus,  der  treu  behiitet 
worden  ist  in  den  Rosenkreuzermysterien,  gesprochen  werden  kann. 
Es  gibt  keine  Weisheit  des  Ostens,  die  nicht  eingeflossen  ware  in  den 
Okkultismus  des  Westens,  und  in  der  rosenkreuzerischen  Lehre  und 
Forschung  finden  Sie  restlos  alles,  was  die  grofien  Weisen  des  Ostens 
jemals  bewahrt  haben.  Nichts,  nichts  von  dem,  was  man  wissen  kann 
aus  der  Weisheit  des  Ostens,  fehlt  in  der  Weisheit  des  Westens.  Es 
ist  der  Unterschied,  wenn  man  von  einem  solchen  Unterschied  spre- 
chen  will,  nur  der,  dafi  die  Weisheit  des  Westens  die  gesamte  ostliche 
Lehre,  die  gesamte  ostliche  Weisheit,  die  gesamte  ostliche  Forschung 
zusammennehmen  mufi  und,  ohne  irgend  etwas  von  ihr  verlorenge- 
hen  zu  lassen,  sie  zu  beleuchten  hat  mit  dem  Lichte,  das  durch  den 


Christus-Impuls  in  der  Menschheit  entziindet  worden  ist.  So  sage 
niemand,  wenn  von  westlichem  Okkultismus  gesprochen  wird,  von 
demjenigen,  der  in  gewisser  Beziehung  herriihrt  von  den  verborgenen 
Rishis  des  Westens,  die  freilich  die  Augen  nicht  sehen,  es  sage  nie- 
mand, dafi  in  ihm  auch  nur  ein  Jota,  ein  Hakchen  f ehle  vom  ostlichen 
Okkultismus.  Nichts,  aber  auch  gar  nichts  fehlt.  Er  hat  nur  alle  Dinge 
neu  herauszugebaren  aus  dem  Jungbrunnen  des  Christus-Impulses. 
Alle  die  grofien  Weistiimer,  die  zuerst  von  dem  Munde  der  heiligen 
Rishis  geklungen  haben  zur  Menschheit  iiber  die  iibermenschlichen 
Welten,  iiber  das  iibersinnliche  Dasein,  sie  miissen  wiederum  herein- 
klingen  in  das,  was  iiber  die  geistigen  Hierarchien  und  ihre  Abschat- 
tung  in  der  physischen  Welt  zu  sagen  ist.  Geradesowenig  wie  die 
Geometrie  des  alten  Euklid  etwas  anderes  geworden  ist,  als  was  sie 
war,  trotzdem  man  sie  mit  den  neueren  menschlichen  Fahigkeiten 
heute  lehrt  und  lernt,  ebensowenig  ist  die  Weisheit  der  heiligen  Rishis 
etwas  anderes  geworden  dadurch,  dafi  wir  sie  lehren  und  lernen  mit 
den  durch  den  Christus-Impuls  angefachten  Fahigkeiten.  So  also 
konnten  wir  einen  grofien  Teil  dessen,  was  wir  iiber  die  geistigen 
Welten  zu  sagen  haben,  ohne  weiteres  ostliche  Weisheit  nennen. 
Denn  man  darf  in  diesen  Dingen  nichts  mifiverstehen,  und  das  Mifi- 
verstandnis  liegt  so  nahe. 

Diejenigen,  welche  von  den  Mifiverstandnissen  nicht  zum  Ver- 
standnis  aufriicken  wollen,  konnen  zum  Beispiel  etwas,  was  gestern 
in  dem  osterlichen  Festvortrag  gesagt  worden  ist,  sehr  leicht  mifiver- 
stehen.  Es  konnten  da  -  wir  miissen  das  erwahnen  zu  unserer  Verstan- 
digung  -  solche  kommen,  die  nicht  vorriicken  wollen  zum  vollen 
Verstandnis,  und  konnten  sagen:  Du  hast  gestern  gesprochen  von 
den  grofien  sogenannten  heiligen  Wahrheiten  des  Buddha.  Du  hast 
gesagt,  dafi  der  Buddha  gelehrt  und  geoffenbart  hatte  die  heiligen 
Wahrheiten  vom  Leiden  im  Leben:  Geburt  ist  Leid,  Krankheit  ist 
Leid,  Alter  ist  Leid,  Tod  ist  Leid,  von  demjenigen  getrennt  sein,  was 
man  liebt,  ist  Leid,  vereint  sein  mit  dem,  was  man  nicht  liebt,  ist  Leid, 
nicht  erhalten,  was  man  begehrt,  ist  Leid.  Und  du  hast,  so  konnte 
mancher  sprechen,  uns  gestern  gesagt:  Blicken  wir  einmal  in  die  nach- 
christliche  Zeit  zu  denjenigen,  die  den  Christus-Impuls  wirklich 


verstanden  haben  -  da  sollen  wir  uns  dann  zura  Bewufksein  bringen, 
dafi  durch  das  Verstandnis  und  die  Durchdringung  dieses  Christus  - 
Impulses  die  alten  heiligen  Wahrheiten  des  Buddha  vom  Leiden  des 
Lebens  nicht  mehr  ihre  voile  Giiltigkeit  hatten,  dafi  sozusagen  mit  dem 
Christus-Impuls  etwas  geschaffen  worden  ist  wie  ein  Heilmittel  gegen 
das  Leid  des  Lebens.  Du  hast  gesagt,  so  konnte  jemand  sprechen,  der 
Buddha  lehrt:  Geburt  ist  Leid;  aber  die  Christus-Versteher  antworten: 
Durch  die  Geburt  treten  wir  ein  in  ein  Leben,  das  wir  mit  Christus 
teilen,  und  durch  den  Anteil  an  Christus  wird  das  Leid  des  Lebens 
ausgeloscht;  ebenso  wird  durch  die  Heilkraft  des  Christus-Impulses 
die  Krankheit  ausgeloscht,  und  die  Krankheit  ist  nicht  mehr  Leid  fur 
den  Christus-Versteher,  und  Tod  ist  nicht  mehr  Leid  fur  den  Christus- 
Versteher  und  so  weiter.  Dann  aber  konnte  jemand  erwidern:  Ja,  aber 
ich  weise  dir  aus  dem  Evangelium  nach,  dafi  in  den  Evangelien  diesel- 
ben  Satze  stehen  wie  in  den  heiligen  Schriften  des  Buddha;  auch  im 
Evangelium  konnen  wir  nachweisen,  dafi  da  steht:  Leben  sei  Leid, 
Krankheit  sei  Leid  und  so  weiter.  Und  so  konnte  man  aufierlich  sagen: 
Nun  haben  wir  diese  modernen  religiosen  Urkunden,  doch  wir  finden 
ihren  Inhalt  schon  im  Buddhismus,  es  gibt  also  keinen  Fortschritt  in 
den  Religionen,  keine  Entwickelung;  alle  Religionen  enthalten  dassel- 
be.  Du  aber  hast  von  einem  Fortschritt  gesprochen,  du  hast  dargestellt, 
wie  sozusagen  die  alten  heiligen  Wahrheiten  des  Buddhismus  durch 
das  Christentum  nicht  mehr  wahr  sein  sollen.  -  Wer  so  spricht,  wiirde 
aber  doch  nur  das  grausamste  Mifiverstandnis  aussprechen.  Denn  das 
wurde  nicht  gesagt;  alles,  alles,  nur  nicht  der  letzte  Satz  wurde  gesagt. 
Und  es  ist  wichtig,  dafi  man  gerade  in  diesem  subtilen  Gebiete  ganz 
genau  versteht.  Niemals  kann  der  Fanatiker  genau  verstehen,  nur  der 
objektive  Mensch  kann  genau  verstehen. 

Niemals  wird  von  irgendeinem,  der  aus  dem  Quell  der  Rosenkreu- 
zer-Weisheit  und  -Forschung  heraus  spricht,  gesagt  werden,  dafi 
irgend  etwas  bekampft  werden  soli  vom  Inhalt  der  Schriften  des  gro- 
fien  Buddha,  dafi  irgend  etwas  nicht  wahr  sei  in  den  Schriften  des 
grofien  Buddha.  Jeder,  der  aus  dem  Quell  der  Rosenkreuzerei  heraus 
spricht,  teilt  die  Uberzeugung  Buddhas  und  der  gesamten  ostlichen 
Weisheit,  keine  negiert  er.  Er  sagt:  Jawohl,  was  du,  grofier  Buddha, 


durch  deine  Erleuchtung  in  deinem  Innern  geschaut  hast  von  den 
grofien  Wahrheiten  vom  Leide  des  Lebens,  es  ist  restlos  wahr;  wahr 
ist  es  bis  zum  letzten  Hakchen  und  Jota.  -  Nichts,  aber  auch  gar 
nichts  wird  davon  genommen.  Es  bleibt  alles  stehen.  Und  gerade  aus 
dem  Grunde,  weil  alles  stehenbleibt,  weil  es  wahr  ist,  was  Buddha 
gesagt  hat,  dafi  Geburt  Leid,  Krankheit  Leid,  Alter  Leid,  Tod  Leid 
und  so  weiter  ist,  deshalb  ist  uns  der  Christus-Impuls  jenes  machtige 
und  wichtige  Heilmittel  -  weil  er  es  ist,  der  dieses  Leid  aufhebt,  weil 
es  eben  wahr  ist,  dafi  die  Leiden  da  sind,  wenn  nicht  ein  grofier 
Impuls  die  Welt  dariiber  hinaushebt.  Warum  hat  Christus  gewirkt? 
Weil  Buddha  die  Wahrheit  gesprochen  hat.  Die  Menschheit  mufite 
heruntergefuhrt  werden  aus  geistigen  Hohen,  wo  die  Urweltweisheit 
in  reiner  Gestalt  gewirkt  hat;  zur  Selbstandigkeit  mufite  die  Mensch- 
heit gefuhrt  werden,  herunter  ins  physische  Dasein,  und  damit  wurde 
Leben  Leid  und  Krankheit  Leid;  aber  ebenso  mufke  in  der  Fortent- 
wickelung  das  grofie  Heilmittel  kommen  gegen  diese  unumstofilichen 
Tatsachen.  Leugnet  derjenige  irgendeine  Wirklichkeit,  der  da  sagt:  Ja, 
wahr  ist  es,  was  uber  diese  Wirklichkeit  gesagt  wird,  aber  zu  gleicher 
Zeit  wird  uns  das  Heilmittel  gegeben,  um  die  Tatsachen,  die  durch 
diese  Wahrheiten  ausgedriickt  sind,  zu  einer  gesunden  Entwickelung 
zu  bringen.  -  Oh,  in  den  Hohen  des  Daseins,  wo  wir  sie  aufsuchen 
rmissen,  die  Spharen  der  geistigen  Hierarchien,  da  heifit  es  nicht:  Bud- 
dhismus  gegen  Christentum,  Christentum  gegen  Buddhismus,  da 
reicht  der  Buddha  dem  Christus  und  der  Christus  dem  Buddha  die 
Hand.  Aber  jedes  Verkennen  der  menschlichen  Entwickelung,  jedes 
Verkennen  des  Aufstieges  ist  zu  gleicher  Zeit  ein  Verkennen  der 
geistigsten  Tat,  die  in  unserer  Erdenentwickelung  geschehen  ist,  der 
Christus-Tat.  Und  so  wird  es  nichts  geben,  was  irgend  negiert  wurde 
von  der  Weisheit  des  Ostens,  die  in  so  langen  Zeitraumen  herunterge- 
bracht  hat  die  Weisheit  der  heiligen  Rishis  und  damit  die  Urweltweis- 
heit, aber  in  diesen  langen,  langen  Zeitraumen,  in  denen  die  Weisheit 
immer  geflossen  ist  in  die  Menschheit,  wurde  sozusagen  in  den  grofien 
Massen  der  Menschen,  die  nicht  in  der  Lage  waren,  vorzudringen  zu 
den  Quellen  der  heiligen  Mysterien,  die  Verstandigung  uber  diese 
Weisriimer  schwer.  Gerade  die  Verstandigung  wurde  schwer. 


Oh,  in  den  voratlantischen  Zeiten,  in  den  Zeiten  vor  der  grofien 
Katastrophe,  als  die  grojften  Massen  der  Menschen  hellseherisch  noch, 
in  altem,  dumpfem  Hellsehen,  hinausschauten  in  die  Himmelsraume, 
hinaufschauten  zu  den  geistigen  Hierarchien,  da  sahen  sie  anders  als 
spater  in  den  nachatlantischen  Zeiten,  als  das  alte  Hellsehen  ver- 
schwunden  war  fur  die  grofien  Massen  der  Menschen  und  nur  das 
physische  Auge  hinaussehen  konnte  in  die  physischen  Himmelswei- 
ten!  Daher  hatte  es  auch  keinen  Sinn  gehabt,  in  der  Zeit  vor  der 
atlantischen  Katastrophe  etwa  zu  sprechen  von  denjenigen  Himmels- 
korpern,  die  heute  im  Raume  verteilt  sind.  Es  sah  ja  das  hellseherische 
Menschenauge  hinaus  in  die  Himmelsweiten,  und  diese  waren  geisti- 
ge  Welten.  Sinnlos  ware  es  gewesen,  in  jenen  Zeiten  so  etwa  zu 
sprechen  von  Merkur  oder  Neptun  oder  Saturn  und  so  weiter,  wie 
unsere  Astronomie  spricht;  denn  so  wie  unsere  Astronomie  von  dem 
Weltenraum  und  seinem  Inhalt  spricht,  so  gibt  sie  nur  dasjenige 
wieder,  was  das  sinnlich-physische  Auge  sieht,  wenn  es  hinaufsieht 
in  die  Himmelsweiten.  Das  war  gar  nicht  da  in  den  atlantischen 
Zeiten  bei  der  alten  hellseherischen  Menschheit;  da  sah  man  gar  nicht, 
wenn  man  hinaufschaute,  physisch  begrenzte  Lichtsterne.  Dasjenige, 
was  heute  das  physische  Auge  sieht,  ist  sozusagen  nur  ein  aufierer 
Ausdruck  von  Geistigem,  das  man  damals  sah.  Wenn  heute  das  physi- 
sche Auge  hinaufblickt,  meinetwillen  durch  Fernrohre,  an  die  Stelle, 
wo  der  Jupiter  steht,  sieht  es  sozusagen  eine  physische  Weltenkugel, 
umgeben  von  ihren  Monden.  So  das  heutige  physische  Auge.  Was 
war  es  fur  den  Menschen  der  alten  atlantischen  Zeit  noch,  wenn  er 
sein  damals  noch  hellseherisches  Auge  hinaufrichtete  nach  demselben 
Punkt,  wohin  heute  des  Menschen  physisches  Auge  schaut?  Was  das 
physische  Auge  sieht,  hatte  damals  das  alte  atlantische  Auge  eben- 
sowenig  gesehen,  wie  heute  Ihr  physisches  Auge  das  Einzellicht 
sieht,  wenn  es  hineinsieht  in  einen  dichten  Herbstnebel.  Es  sieht 
etwas  wie  eine  Nebelaura  urn  das  Licht,  und  das  Licht  verschwindet 
in  den  farbigen  Ringen  um  das  Licht.  Ebenso  hatte  das  Auge  des 
Atlantiers  nicht  gesehen  den  physischen  Stern  Jupiter,  aber  es  hatte 
das  gesehen,  was  heute  auch  mit  dem  Jupiter  verbunden  ist,  was 
aber  nur  die  Menschen  nicht  sehen  konnen:  die  Aura  des  Jupiter, 


eine  Summe  von  geistigen  Wesenheiten,  fur  die  der  physische  Jupiter 
nur  der  Ausdruck  ist.  Und  so  schweifte  das  geistige  Auge  des  Men- 
schen  vor  der  atlantischen  Katastrophe  herum  in  den  Weltenraumen, 
iiberall  Geistiges  sehend.  Man  konnte  nur  von  dies  em  Geistigen 
sprechen,  denn  sinnlos  ware  es  gewesen,  damals,  als  das  physische 
Auge  noch  nicht  so  geoffnet  war  wie  heute,  von  physischen  Sternen 
zu  sprechen.  Man  sah  in  den  Weltenraum  hinaus  und  sah  geistige 
Wesenheiten,  geistige  Hierarchien.  Wesenheiten  sah  man. 

Und  in  der  Fortentwickelung  war  es  so,  dafi  wir  es  wieder  mit 
folgendem  vergleichen  konnen:  Wir  denken  uns,  wir  treten  hinaus 
in  dichten  Nebel.  Wir  sehen  nicht  die  einzelnen  Lichter.  Alles  ist 
umflort  von  dieser  Nebelaura.  Dann  zerteilt  sich  der  Nebel,  physisch 
sichtbar  werden  die  einzelnen  Lichter.  Aber  die  Auren  sind  unsicht- 
bar.  -  Hier  ist  nur  ein  physischer  Vorgang,  der  zum  Vergleich  dienen 
soli.  Beim  Jupiter  war  es  aber  so,  dafi  das  alte  Auge  die  Aura  sah. 
Es  sah  die  geistigen  Wesenheiten  in  der  Aura,  die  aus  einer  gewissen 
Entwickelungsstufe  heraus  zum  Jupiter  gehorten.  Die  Menschheit 
entwickelte  sich  dann  zum  physischen  Schauen.  Die  Aura  blieb.  Die 
Menschen  konnten  sie  nicht  mehr  sehen,  aber  der  physische  Mittel- 
korper  wurde  immer  deutlicher  und  deutlicher;  es  verlor  sich,  was 
geistig  dazugehort,  und  es  wurde  sichtbar,  was  korperlich  an  ihm 
ist.  Und  das  Wissen  von  diesem  Geistigen  um  die  Sterne  herum,  das 
Wissen  von  jenen  Wesenheiten,  die  um  die  Sterne  herum  sind,  es 
wurde  aufbewahrt  in  den  heiligen  Mysterien.  Von  diesem  Wissen 
sprechen  alle  die  heiligen  Rishis.  In  den  Zeiten,  wo  die  Menschen 
bereits  nur  physisch  sahen,  sprachen  die  heiligen  Rishis  von  den 
geistigen  Atmospharen,  von  den  geistigen  Bewohnerschaften  dieser 
Weltenkugeln,  die  im  Raume  verteilt  sind. 

Und  jetzt  nehmen  Sie  einmal  die  Situation,  die  eintrat.  In  den  Stat- 
ten  des  Wissens  sprach  man  von  den  geistigen  Wesenheiten  um  die 
Weltenkugeln.  Draufien,  wo  das  sinnliche  Auge  immer  scharfer  und 
scharfer  wurde,  draufien  sprach  man  immer  mehr  und  mehr  blofi  von 
der  dichten  physischen  Materie.  Wenn  die  alten  heiligen  Rishis  das 
Wort  Merkur  gesprochen  hatten  -  das  sie  ja  nicht  gesprochen  haben, 
aber  nehmen  wir  das  Wort,  damit  wir  uns  verstandigen  konnen  -, 


haben  sie  dann  diesen  physischen  Weltenkorper  gemeint?  Nein,  nicht 
einmal  die  alten  Griechen  haben,  wenn  sie  von  dem  Merkur  gespro- 
chen  haben,  diesen  physischen  Korper  gemeint,  sondern  die  Gesamt- 
heit  der  geistigen  Wesenheiten  dieses  Korpers.  Geistige  Welten,  gei- 
stige  Wesenheiten  waren  es,  wovon  man  sprach,  wenn  man  in  den 
Statten  der  Erkenntnis,  sagen  wir,  das  Wort  Merkur  aussprach.  Es 
sprachen  diejenigen,  die  die  Junger  der  Lehrer  der  Erkenntnisstatten 
waren,  die  Worte  aus:  Mond,  Merkur,  Venus,  Sonne,  Mars,  Jupiter, 
Saturn,  und  indem  sie  in  den  verschiedenen  Sprachen  solche  Worte 
aussprachen,  bezeichneten  sie  eine  Stufenfolge  von  geistigen  Wesen- 
heiten. Wer  das  Wort  in  der  heutigen  Weise  ausspricht  und  einen 
physischen  Korper  bezeichnet,  bezeichnet  nur  das  Grobste  dessen, 
was  ursprunglich  unter  Mond,  Merkur,  Venus  und  so  weiter  verstan- 
den  worden  ist.  Die  Hauptsache  bezeichnet  er  gerade  nicht.  So  sagte 
der  alte  Weisheitslehrer  «Mond»,  und  er  schlug  an  mit  diesem  Worte 
die  Vorstellung  von  einer  grofien  geistigen  Welt.  Und  wenn  er  das 
Wort  «Mond»  aussprach  und  an  die  Stelle  des  Himmels  wies,  wo 
der  Mond  ist,  und  in  seinem  Bewufksein  hatte:  Da  ist  die  unterste 
Stufe  von  geistigen  Hierarchien  -,  dann  sah  derjenige,  der  sich  durch 
die  immer  und  immer  zunehmende  Versinnlichung  der  Menschheit 
weit  entfernt  hatte  von  dieser  geistigen  Anschauung,  hinauf,  sah  aber 
den  physischen  Mond  und  nannte  das  «Mond».  Ein  Wort  fur  zwei 
Dinge,  die  allerdings  zusammengehorten,  die  aber  ganz  verschiedene 
Vorstellungen  im  Menschen  hervorrufen.  Und  ebenso  war  es,  wenn 
die  Weisen  der  Erkenntnisstatten  zu  Merkur,  Sonne,  Mars  und  so 
weiter  hinaufblickten.  Die  spirituelle  Stromung  bezeichnete  mit  ihren 
Worten  etwas  ganz  anderes  als  die  andere,  die  materielle  Stromung. 

So  sehen  wir,  dafi  die  beiden  Stromungen  immer  mehr  und  mehr 
auseinandergingen  in  der  Menschheit.  In  den  Mysterien  hat  man  mit 
diesen  Worten,  die  dann  zu  den  Bezeichnungen  unserer  aufieren 
Weltkorper  geworden  sind,  immer  geistige  Welten,  Stufenfolgen  von 
geistigen  Welten  verstanden.  Die  aufiere  Welt  hat  immer  Materielles 
darunter  verstanden  bis  auf  unsere  heutige  Mythologie  -  ich  spreche 
das  Wort  bewufit  aus  -,  die  man  moderne  Astronomie  nennt;  und 
da  die  Geisteswissenschaft  die  anderen  Mythologien  in  ihrem  vollen 


Werte  anerkannt  hat,  werden  Sie  verstehen,  daft  auch  die  moderne 
Mythologie  von  der  Geisteswissenschaft  gewiirdigt  wird  -  bis  zu 
jener  Mythologie,  die  man  die  moderne  Astronomie  nennt,  die  nur 
mehr  einen  Raum  sieht  und  darin  physische  Weltenkugeln.  Aber  diese 
moderne  Mythologie  ist  fur  denjenigen,  der  erkennt,  nichts  anderes 
als  eine  besondere  Phase  aller  Mythologien.  Eine  gerade  Linie  geht 
von  dem,  was  die  alten  europaischen  Bewohner  in  ihren  Gotter-  und 
Sternen-  und  Weltensagen  gesagt  haben,  was  die  Griechen,  die  Romer 
in  ihren  Mythologien  gegeben  haben,  was  das  Mittelalter  in  seinen 
mehr  oder  weniger  getriibten  Mythologien  gegeben  hat,  bis  herauf 
zu  jener  Mythologie,  welche,  voll  geeignet  und  vollstandig  zur  Be- 
wunderung  berechtigt,  Kopernikus,  Kepler  und  Galilei  gestiftet  ha- 
ben. Es  wird  eine  Zeit  kommen,  wo  man  iiber  diese  moderne  Mytho- 
logie so  etwa  sprechen  wird:  Es  gab  einmal  Menschen,  die  haben  es 
fur  richtig  befunden,  eine  materielle  Sonne  in  den  Mittelpunkt  einer 
Ellipse  zu  stellen,  in  Ellipsen  Planeten  herumkreisen  zu  lassen,  diese 
in  verschiedener  Weise  rotieren  zu  lassen;  sie  haben  sich  da  ein  Wel- 
tensystem  zurechtgeriickt  wie  friihere  Zeiten  eben  auch.  Heute,  so 
wird  natiirlich  eine  zukiinftige  Zeit  sprechen,  ist  das  alles  nur  mehr 
Sage  und  Marchen.  -  Ja,  diese  Zeit  wird  auch  kommen,  wenn  auch 
der  Moderne  noch  so  sehr  die  alten  Mythologien  verachtet  und  auf 
seine  schwort  und  wenn  es  ihn  auch  noch  so  unmoglich  diinkt,  dafi 
von  einer  kopernikanischen  Mythologie  gesprochen  werden  kann. 
Aber  das  wird  es  uns  gerade  verstandlich  machen,  wie  sozusagen  bei 
den  Worten  immer  anderes  und  anderes  vorgestellt  worden  ist. 

Trotzdem  aber  wurde  das,  was  Urweltweisheit  ist,  immer  und 
immer  fortgepflanzt,  fortgesetzt.  Nur  wurde  diese  Urweltweisheit 
gerade  exoterisch  immer  weniger  und  weniger  verstanden,  weil  sie 
materieller  interpretiert,  erklart  worden  ist,  weil  weniger  das  Spiri- 
tuelle  gesehen  worden  ist.  Und  so  kam  es  denn,  daft,  um  die  Mensch- 
heit  sozusagen  nicht  verlieren  zu  lassen  den  Zusammenhang  mit 
der  urspriinglichen,  spirituellen  Weisheit,  bei  der  Verjiingung  der 
Urweltweisheit  im  Beginne  unserer  Zeitrechnung  in  scharfen  Wor- 
ten wiederum  hingewiesen  werden  mufite  darauf,  dafi  da,  wo  das 
menschliche  Auge  sich  hinausrichtet  und  als  physisches  Auge  nur 


Physisches  sieht,  dafi  da  Geistiges  den  Raum  geistig  erfiillt.  Und  so 
wies  mit  den  allerscharfsten  Worten  derjenige,  der  der  intimste  Schil- 
ler des  Apostels  Paulus  war,  so  wies  in  Athen  Dionysius  der  Areopa- 
gite  darauf  hin:  Es  gibt  nicht  nur  Materielles  draufien  im  Raume,  es 
gibt,  wenn  die  menschliche  Seele  ahnend  aufsteigt  in  die  Raume  des 
Weltendaseins,  Geistiges  da  draufien  in  der  Welt,  das  iiber  dem  Men- 
schen  steht  in  der  Entwickelung  des  Daseins.  -  Und  er  gebrauchte 
jetzt  Worte,  die  allerdings  anders  lauten  mufiten,  denn  hatte  er  die 
alten  Worte  gebraucht,  niemand  hatte  darin  anderes  als  Materielles 
gesehen.  Die  Rishis  haben  gesprochen  von  den  geistigen  Hierarchien, 
so  dafi  sie  in  ihren  Worten  ausgedriickt  haben,  was  auch  griechische 
und  romische  Weisheit  noch  ausgedriickt  hat,  wenn  sie  gesprochen 
hat  von  der  vor  ihr  aufsteigenden  Welt  des  Mondes,  des  Merkur, 
des  Mars,  der  Venus,  des  Jupiter,  des  Saturn.  Dionysius,  der  Schuler 
des  Apostels  Paulus,  hat  ganz  dieselben  Welten  im  Auge  wie  die 
Rishis;  nur  betonte  er  scharf,  dafi  man  es  mit  Geistigem  zu  tun  hat, 
und  er  nahm  Worte,  von  denen  er  sicher  war,  dafi  sie  geistig  genom- 
men  wurden:  Er  sprach  von  Engeln,  Erzengeln,  Urkraften,  Gewalten, 
Machten,  Herrschaften,  Thronen,  Cherubim,  Seraphim.  Und  jetzt 
wurde  wiederum  von  den  Menschen  vergessen,  richtig  vergessen 
dasjenige,  was  die  Menschheit  einmal  gewufit  hat.  Hatte  man  im 
Zusammenhang  verstehen  konnen,  was  Dionysius  der  Areopagite 
und  was  die  alten  heiligen  Rishis  gesehen  haben,  so  hatte  man  sozusa- 
gen  gehort  von  der  einen  Seite  den  Mond  benennen,  von  den  anderen 
Mysterien  hatte  man  die  Welt  der  Engel  benennen  horen,  und  man 
hatte  gewufit:  Das  ist  dasselbe.  Man  hatte  das  Wort  Merkur  von  der 
einen  Seite  gehort  und  von  der  anderen  das  Wort  Erzengel  und  ge- 
wufit:  Das  ist  dasselbe.  Man  hatte  gehort  das  Wort  Archai  auf  der 
einen  Seite  und  das  Wort  Venus  auf  der  anderen,  und  man  hatte 
gewufit:  Das  ist  dasselbe.  Man  hatte  gehort  das  Wort  Sonne  auf  der 
einen  Seite  und  Gewalten  auf  der  anderen  und  hatte  gewufit:  Diesel- 
ben Welten  sind  mit  diesen  Worten  bezeichnet.  Hatte  man  gehort 
das  Wort  Mars  auf  der  einen  Seite,  man  hatte  gefuhlt:  Hier  steigt  man 
auf  zu  den  Machten.  Hatte  man  gehort  das  Wort  Jupiter  auf  der  einen 
Seite,  so  ware  es  dasselbe  gewesen,  was  in  der  Schule  des  Dionysius 


angeschlagen  wurde,  wenn  von  Herrschaften  die  Rede  war.  Dem 
Wort  Saturn  entspricht  hier  das  Wort  Throne. 

Aber  man  hat  es  eben  in  weiteren  Kreisen  nicht  mehr  gewufit, 
nicht  mehr  wissen  konnen.  So  war  auf  der  einen  Seite  eine  Wissen- 
schaft  des  Materiellen,  die  materieller  und  materieller  wurde,  die  die 
alten  Namen,  die  einstmals  auch  Geistiges  bedeutet  haben,  fur  das 
MaterieUe  beibehalten  hat.  Und  so  war  auf  der  anderen  Seite  ein 
spirituelles  Leben,  das  gesprochen  hat  von  Geistigem,  von  Erzengeln, 
Engeln  und  so  weiter,  und  das  den  Zusammenhang  verloren  hat  mit 
den  physischen  Ausdriicken  dieser  geistigen  Wesenheiten.  Und  so 
sehen  wir,  wie  Urweltweisheit  hineindringt  in  die  Schule,  die  Paulus 
gestiftet  hatte  durch  Dionysius,  und  wie  es  sich  nur  darum  handelt, 
das  neu  Gestiftete  mit  dem  alten  spirituellen  Geiste  zu  durchdringen. 
Das  aber  ist  die  Aufgabe  der  modernen  Geisteswissenschaft  oder 
Anthroposophie,  wiederum  zu  ziehen  das  Band,  das  da  laufen  soil 
zwischen  dem  Physischen  und  dem  Geistigen,  zwischen  der  Welt, 
der  Erde  und  den  geistigen  Hierarchien.  Unverstandlich  ist  daher 
denjenigen,  die  nicht  wissen,  woher  eigentlich  die  Vorstellungen  iiber 
die  aufiere  sinnliche  Welt  kommen,  unverstandlich  ist  es  fur  sie,  zu 
erkennen  die  andere  Seite,  die  spirituelle  Seite  des  Wissens. 

Das  aber  wird  besonders  auffallig,  wenn  wir  herantreten  an  jene 
Schriften,  die  aus  den  Urweltweisheiten  hervorgegangen  sind  und 
welche,  wenn  sie  auch  einen  schwachen  Nachklang  enthalten,  doch 
nur  aus  dieser  Urweltweisheit  heraus  wirklich  verstanden  werden 
konnen.  Lassen  Sie  uns  gerade  in  bezug  auf  die  Schwierigkeit  des 
Verstandnisses  jener  Schriften,  die  aus  der  Urweltweisheit  hervor- 
gegangen sind,  als  Beispiel  eine  Stelle  anfiihren,  eine  Stelle  aus  dem 
gottlichen  Liede,  der  Bhagavad  Gita,  eine  Stelle,  die  bedeutungsvoll 
tief  das  Menschenleben  in  seinem  Zusammenhange  mit  den  Hierar- 
chien beleuchtet.  Diese  Stelle  aus  der  Bhagavad  Gita,  sie  steht  im  8. 
Kapitel,  beginnt  beim  23.  Vers,  lautet:  «Ich  will  dir  erklaren,  o  wahr- 
heitforschender  Mensch»  -  so  wird  es  gewohnlich  iibersetzt  -  «unter 
welchen  Umstanden  die  Gotterhabenen,  wenn  sie  die  Erde  durch 
das  Tor  des  Todes  verlassen,  um  wiedergeboren  zu  werden  oder 
nicht,  gehen.  Ich  will  dir  sagen:  Sieh  Feuer,  sieh  den  Tag,  sieh  die  Zeit 


des  zunehmenden  Mondes,  sieh  das  halbe  Jahr,  in  dem  die  Sonne 
hoch  stent.  Diejenigen,  welche  zu  der  Zeit  sterben,  dafi  sie  sterben 
im  Feuer,  im  Tag,  in  der  Zeit  des  zunehmenden  Mondes,  der  hoch 
stehenden  Sonne,  die  gehen  durch  das  Tor  des  Todes  in  Brahma  ein; 
diejenigen  aber,  die  da  sterben  im  Zeichen  des  Rauches,  in  der  Nacht, 
in  der  Zeit  des  abnehmenden  Mondes,  in  dem  halben  Jahr,  wenn  die 
Sonne  tief  stent,  die  gehen,  wenn  sie  von  der  Welt  scheiden,  durch 
das  Tor  des  Todes  nur  ein  in  das  Licht  des  Mondes  und  kehren 
wieder  zuriick  auf  diese  Welt.» 

Meine  lieben  Freunde,  hier  haben  Sie  eine  Stelle  in  der  Bhagavad 
Gita,  in  der  Ihnen  gesagt  wird:  Es  hangt  die  Art  und  Weise  des 
Vorwartsschreitens  des  Menschen,  seiner  Wiedergeburt  davon  ab,  ob 
er  stirbt  im  Zeichen  des  Lichtes,  beim  Tag,  beim  zunehmenden  Mon- 
de, im  Halbjahr,  wo  die  Sonne  hoch  steht,  oder  ob  er  stirbt  im  Zeichen 
des  Rauches,  in  der  Nacht,  wenn  der  Mond  abnimmt  oder  wenn  die 
Sonne  tief  steht.  Das  wird  gesagt,  das  ist  der  materielle  Sinn.  Und  von 
denjenigen,  die  eingehen  durch  das  Tor  des  Todes  im  Zeichen  des 
Feuers,  bei  Tag,  bei  zunehmendem  Monde,  da,  wo  die  Sonne  hoch 
steht,  von  denen  wird  gesagt,  dafi  sie  nicht  wieder  zuriickzukehren 
brauchen.  Von  den  anderen,  die  da  sterben  im  Zeichen  des  Rauches, 
in  der  Nacht,  bei  abnehmendem  Mond  oder  in  dem  Halbjahr,  in 
welchem  die  Sonne  tief  steht,  von  ihnen  wird  gesagt,  dafi  sie  nicht  zu 
den  Hohen  des  Brahma  aufsteigen  konnen,  sondern  nur  zu  der  Hohe 
des  Mondes  und  wieder  zuriickkehren  miissen.  Es  ist  eine  Stelle  in 
dem  gottlichen  Liede  des  Ostens,  die  alien,  fast  alien,  die  sie  erklaren 
wollen  innerhalb  des  exoterischen  Lebens,  die  grofiten  Schwierigkei- 
ten  macht.  Nur  dann  ist  sie  zu  erklaren,  wenn  sie  beleuchtet  wird  mit 
dem  Lichte  spiritueller  Erkenntnis,  mit  dem  Lichte,  aus  dem  heraus 
sie  im  Grunde  genommen  geschrieben  worden  ist,  mit  dem  Lichte, 
das  erstrahlt  in  den  Geheimschulen,  das  sich  fortpflanzt,  das  seine 
Verjiingung  erfahren  hat  durch  das  Christentum,  wenn  sie  beleuchtet 
wird  mit  dem  Lichte,  das  uns  das  Band  finden  lafit  zu  den  Namen: 
Mond  -  Engel,  Merkur  -  Erzengel,  Venus  -  Archai  und  so  weiter. 
Und  wir  werden  den  Schlussel  finden  zu  solchen  Stellen,  wir  wol- 
len diese  eine  Stelle  als  Beispiel  wahlen,  wenn  wir  sie  in  das  alte 


spirituelle  Licht  riicken.  Von  dem  Erklaren  dieser  Stelle  im  gottlichen 
Liede,  von  der  Erklarung  dieser  Stelle  der  Bhagavad  Gita,  die  im 
exoterischen  Leben  unmoglich  ist,  soil  unsere  Betrachtung  heute 
abend  ausgehen,  und  dann  werden  wir,  nachdem  wir  den  Schliissel 
gefunden  haben,  aufsteigen  in  die  geistigen  Hierarchien. 


ZWEITER  VORTRAG 


Diisseldorf,  12.  April  1909,  abends 


Es  war  eine  Erkenntnis,  welche  durchaus  auf  die  geistigen  Quellen 
des  Daseins  zuriickgeht,  die  Lehre,  die  von  den  heiligen  Rishis  ver- 
kiindet  worden  ist  in  der  ersten  Kulturperiode  der  nachatiantischen 
Zeit.  Und  das  ist  das  Bedeutsame  gerade  an  dieser  Lehre,  an  dieser 
Forschung  vom  Aufgange  unserer  nachatiantischen  Zeit,  dalS  sie  so 
tief  in  alle  Naturprozesse  eindrang,  dafi  sie  in  diesen  Naturprozessen 
das  Geistig-Wirksame  erkennen  konnte.  Im  Grunde  genommen  sind 
wir  immer  umgeben  von  geistigen  Geschehnissen  und  geistigen  We- 
senheiten.  Alles,  was  materiell  geschieht,  ist  ja  nur  der  Ausdruck  von 
geistigen  Tatsachen,  und  alle  Dinge,  die  uns  materiell  entgegentreten, 
sind  nur  die  au£ere  Hulle  von  geistigen  Wesenheiten.  Wenn  nun  in 
der  genannten  uralten  heiligen  Lehre  von  den  uns  umgebenden  Er- 
scheinungen  gesprochen  wurde,  die  wir  wahrnehmen  in  unserer  Um- 
gebung,  so  wurde  da  immer  auf  eine  Erscheinung  besonders  hinge- 
wiesen,  auf  die  wichtigste,  die  bedeutsamste  Naturerscheinung,  die 
den  Menschen  auf  der  Erde  umgibt.  Und  als  diese  bedeutsamste 
Naturerscheinung  wurde  angesehen  von  jener  Geisteswissenschaft 
die  Tatsache  des  Feuers.  Bei  alien  Erklarungen  dessen,  was  auf  der 
Erde  vorgeht,  wurde  in  den  Mittelpunkt  gestellt  die  geistige  For- 
schung iiber  das  Feuer.  Wollen  wir  aber  verstehen  diese,  wir  konnen 
sagen,  ostliche  Lehre  vom  Feuer,  die  so  weittragend  war  in  alten 
Zeiten  fur  alle  Erkenntnis  und  auch  fur  alles  Leben,  wollen  wir  ver- 
stehen diese  Lehre  vom  Feuer,  dann  mussen  wir  uns  ein  wenig  um- 
schauen  unter  den  anderen  Naturerscheinungen  und  Naturgegen- 
standen,  wie  sie  angesehen  wurden  von  jener  uralten,  aber  heute 
noch  durchaus  fur  die  Geisteswissenschaft  gultigen  Lehre. 

Da  wurde  alles,  was  zunachst  in  der  physischen  Welt  den  Menschen 
umgibt,  zuriickgefuhrt  auf  die  sogenannten  vier  Elemente.  Diese  vier 
Elemente  werden  heute  von  unserer  modernen  materialistischen  Wis- 
senschaft  allerdings  nicht  mehr  respektiert.  Sie  wissen  ja  alle,  dafi 
diese  vier  Elemente  heifien:  Erde,  Wasser,  Luft  und  Feuer.  Unter  der 


Erde  hat  man  aber  da,  wo  Geisteswissenschaft  bliihte,  nicht  dasjenige 
verstanden,  was  heute  mit  dem  Worte  Erde  bezeichnet  wird.  Mit  Erde 
wurde  ein  Zustand  des  materiellen  Daseins  bezeichnet,  der  Zustand 
des  Festen.  Alles  das,  was  wir  heute  fest  nennen,  das  wurde  erdig 
genannt  in  der  Geisteswissenschaft.  Also,  ob  wir  feste  Ackererde 
haben  oder  ob  wir  ein  Stuck  Bergkristall,  ein  Stuck  Blei  oder  Gold 
haben,  alles  was  fest  ist,  wurde  als  Erde  bezeichnet.  Alles  das,  was 
flussig  ist,  nicht  nur  das  heutige  Wasser,  wurde  bezeichnet  als  wasse- 
rig  oder  als  Wasser.  Wenn  Sie  also  meinetwillen  Eisen  haben,  und  Sie 
bringen  es  zum  Gluhen,  so  dafi  es  nach  und  nach  durch  die  Hitze 
hinschmilzt  und  hinrinnt,  so  ist  dasjenige, was  da  als  Eisen  hinrinnt,  fur 
die  Geisteswissenschaft  Wasser.  Alle  Metalle,  wenn  sie  flussig  sind, 
wurden  als  Wasser  bezeichnet.  Alles  das,  was  wir  heute  luftformig 
nennen,  dieser  Zustand,  den  wir  heute  auch  als  gasig  bezeichnen,  das 
wurde,  gleichgultig  welcher  Stoff  in  Betracht  kam,  ob  Sauerstoffgas, 
Wasserstoffgas  oder  andere  Gase,  das  wurde  alles  als  Luft  bezeichnet. 

Als  viertes  Element  wurde  das  Feuer  angesehen.  Die  heutige  Wis- 
senschaft,  das  wissen  diejenigen,  die  sich  an  die  physikalischen 
Grundbegriffe  erinnern,  sieht  im  Feuer  kein  Ding,  das  man  verglei- 
chen  kann  mit  Erde  oder  Luft  oder  Wasser,  sondern  die  heutige 
Physik  sieht  darinnen  nur  einen  Bewegungszustand.  Die  Geisteswis- 
senschaft sieht  in  der  Warme  oder  in  dem  Feuer  nichts  anderes  als 
etwas,  was  eine  noch  feinere  Substantiality  hat  als  die  Luft.  Gerade 
wie  Erde  oder  das  Feste  sich  in  das  Fliissige  verwandelt,  so  geht  das 
Luftformige  allmahlich  iiber  fur  die  Geisteswissenschaft  in  den  Feu- 
erzustand,  und  das  Feuer  ist  ein  so  feines  Element,  dafi  es  alle  ubrigen 
Elemente  durchdringt.  Feuer  durchdringt  die  Luft  und  macht  sie 
warm,  ebenso  das  Wasser,  ebenso  die  Erde.  Wahrend  also  sozusagen 
die  anderen  drei  Elemente  verteilt  sind,  sehen  wir  das  Element  des 
Feuers  alles,  alles  durchdringen. 

Nun  sagte  die  alte  und  mit  ihr  auch  die  neue  Geisteswissenschaft: 
Es  ist  noch  ein  anderer,  ein  betrachtlicher  Unterschied  zwischen  dem, 
was  wir  Erde,  Wasser,  Luft  und  dem,  was  wir  Feuer  oder  Warme 
nennen.  -  Wie  kann  Erde  oder  Festes  wahrgenommen  werden?  Nun, 
sagen  wir,  indem  wir  es  beriihren.  Wir  nehmen  das  Feste  wahr,  indem 


wir  es  beriihren  und  es  einen  Widerstand  ausiibt.  Ebenso  ist  es  noch 
beim  Wasserigen.  Dieses  gibt  zwar  leichter  nach,  der  Widerstand  ist 
nicht  so  grofi,  aber  wir  nehmen  es  doch  wahr  als  etwas  uns  Aufier- 
liches,  als  einen  Widerstand.  Und  so  ist  es  auch  mit  dem  Elemente 
der  Luft.  Wir  nehmen  auch  sie  nur  aufSerlich  wahr.  Anders  ist  es  mit 
der  Warme.  Es  mull  da  etwas  hervorgehoben  werden,  was  die  heutige 
Weltanschauung  nicht  als  bedeutsam  ansieht,  was  aber  als  bedeutsam 
angesehen  werden  mufi,  wenn  man  hineinblicken  will  in  die  wirkli- 
chen  Ratsel  des  Daseins.  Warme  nehmen  wir  namlich  auch  wahr, 
ohne  dafi  wir  sie  aufierlich  beriihren.  Das  ist  das  Wesentliche:  Wir 
konnen  Warme  wahrnehmen,  indem  wir  einen  Korper,  der  einen 
bestimmten  Grad  von  Warme  hat,  beriihren;  wir  konnen  Warme 
aufierlich  wahrnehmen  wie  die  drei  anderen  Elemente,  aber  wir  fuh- 
len  Warme  auch  in  unseren  eigenen  inneren  Zustanden.  Daher  hat 
die  alte  Wissenschaft,  schon  bei  den  Indern,  hervorgehoben:  Erde, 
Wasser,  Luft  nimmst  du  in  der  Aufienwelt  allein  wahr,  Warme  ist 
das  erste  Element,  das  auch  innerlich  wahrgenommen  werden  kann. 
Warme  oder  Feuer  hat  also  sozusagen  zwei  Seiten:  eine  Aufienseite, 
die  sich  uns  zeigt,  wenn  wir  sie  aufierlich  wahrnehmen,  eine  innerliche 
Seite,  wenn  wir  uns  selbst  in  einem  bestimmten  Warmezustand  fiih- 
len.  Nicht  wahr,  der  Mensch  fuhlt  seinen  inneren  Warmezustand,  es 
ist  ihm  heifi,  es  friert  ihn;  dagegen  kummert  er  sich  bewufit  nicht 
viel  um  dasjenige,  was  in  ihm  luftformige,  wasserige,  feste  Substanzen 
sind,  was  also  Luft,  Wasser,  Erde  in  ihm  ist.  Er  fangt  erst  sozusagen 
an,  sich  zu  fuhlen  im  Elemente  der  Warme.  Eine  innerliche  und 
aufierliche  Seite  hat  das  Element  der  Warme.  Daher  sagt  die  alte 
Geisteswissenschaft  und  mit  ihr  die  neue  Geisteswissenschaft:  Die 
Warme  oder  das  Feuer  ist  dasjenige,  wo  das  Materielle  beginnt  see- 
lisch  zu  werden.  Wir  konnen  daher  im  wahren  Sinne  des  Wortes 
sprechen  von  einem  aufieren  Feuer,  das  wir  gleich  den  anderen  Ele- 
menten  wahrnehmen,  und  einem  innerlichen,  seelischen  Feuer  in  uns. 

So  bildete  das  Feuer  fur  die  Geisteswissenschaft  immer  die  Briicke 
zwischen  dem  aufierlich  Materiellen  und  dem  Seelischen,  das  nur 
innerlich  wahrgenommen  wird  vom  Menschen.  Man  stellte  das  Feuer 
oder  die  Warme  in  den  Mittelpunkt  von  aller  Naturbetrachtung,  weil 


das  Feuer  sozusagen  das  Tor  ist,  wodurch  wir  von  aufien  nach  innen 
dringen.  Es  ist  wirklich  dieses  Feuer  wie  eine  Tiir,  vor  der  man  stehen 
kann;  man  sieht  sie  von  aufien  an,  macht  sie  auf  und  kann  sie  von  innen 
anschauen.  So  ist  das  Feuer  unter  den  Naturerscheinungen.  Man  beta- 
stet  einen  aufieren  Gegenstand  und  lernt  kennen  das  Feuer,  das  von 
aufien  zustromt  wie  die  anderen  drei  Elemente;  man  nimmt  die  innere 
Warme  wahr  und  fuhlt  sie  als  etwas,  was  einem  selbst  angehort:  Man 
steht  innerhalb  des  Tores,  man  tritt  hinein  in  das  Seelische.  So  sprach 
man  die  Wissenschaft  vom  Feuer  aus.  Daher  aber  auch  sah  man  in 
dem  Feuer  etwas,  wo  zusammenspielt  Seelisches  und  Materielles. 

Es  ist  wirklich  eine  Elementarlektion  der  ersten  menschlichen 
Weisheit,  was  wir  jetzt  einmal  vor  unsere  Seele  hinstellen  wollen. 
Da  haben  die  Lehrer  etwa  so  gesagt:  Sieh  dir  an  einen  brennenden 
Gegenstand,  der  durch  Feuer  verzehrt  wird!  Zweierlei  siehst  du  in 
diesem  brennenden  Gegenstand.  Das  eine  nannte  man  in  dieser  alten 
Zeit,  und  konnte  es  noch  heute  so  nennen,  Rauch,  und  das  andere 
nannte  man  Licht.  Denn  diese  beiden  Naturerscheinungen  treten  vor 
uns  auf,  wenn  ein  Gegenstand  durch  das  Feuer  verzehrt  wird:  Licht 
auf  der  einen  Seite,  Rauch  auf  der  anderen.  So  also  sah  der  Geisteswis- 
senschafter  das  Feuer  mitten  drinnen  stehen  zwischen  Licht  und 
Rauch.  Der  Lehrer  sagte:  Gleichsam  wird  geboren  aus  der  Flamme 
auf  der  einen  Seite  das  Licht,  auf  der  anderen  der  Rauch. 

Nun  aber  miissen  wir  uns  einmal  in  bezug  auf  das  Licht,  das  vom 
Feuer  geboren  ist,  eine  hochst  einfache,  aber  weittragende  Tatsache 
klar  vor  Augen  legen.  Es  ist  hochstwahrscheinlich,  dafi  sehr  viele 
Menschen,  wenn  man  sie  fragen  wiirde:  Siehst  du  das  Licht?  antwor- 
ten  wiirden:  Nun  gewifi  seh  ich  das  Licht!  —  Aber  doch  ist  diese 
Antwort  so  falsch  wie  irgend  moglich,  denn  in  Wahrheit  sieht  kein 
physisches  Auge  das  Licht.  Es  ist  absolut  unrichtig,  wenn  man  sagt, 
man  sieht  das  Licht.  Man  sieht  durch  das  Licht  die  Gegenstande, 
welche  fest,  flussig,  luftformig  sind,  aber  das  Licht  selber  sieht  man 
nicht.  Denken  Sie  sich  einmal  den  ganzen  Weltenraum  vom  Licht 
durchleuchtet,  und  die  Quelle  des  Lichtes  ware  irgendwo,  wo  Sie 
sie  nicht  sehen  konnten,  hinter  Ihnen,  und  Sie  schauen  nun  in  den 
Weltenraum  hinein,  der  durchleuchtet  ist  vom  Lichte  -  wiirden  Sie 


das  Licht  sehen?  Sie  wiirden  dann  iiberhaupt  nichts  sehen.  Sie  wiirden 
erst  dann  etwas  sehen,  wenn  irgendein  Gegenstand  in  den  durch- 
leuchteten  Raum  hineingestellt  wird.  Man  sieht  nicht  das  Licht,  son- 
dern  nur  Festes,  Wasseriges,  Gasiges  durch  das  Licht.  Also  in  Wahr- 
heit  wird  das  physische  Licht  iiberhaupt  nicht  mit  den  physischen 
Augen  gesehen.  Das  ist  nun  etwas,  was  sich  mit  einer  besonderen 
Klarheit  vor  das  geistige  Auge  stellt.  Die  Geisteswissenschaft  sagt 
deshalb:  Das  Licht  macht  zwar  alles  sichtbar,  aber  das  Licht  selber 
ist  unsichtbar.  Und  das  ist  ein  wichtiger  Satz:  Es  ist  unwahrnehmbar 
das  Licht.  Man  kann  es  nicht  durch  aufiere  Sinne  wahrnehmen.  Man 
kann  wahrnehmen  Festes,  Fliissiges,  Gasformiges,  man  kann  gerade 
noch  als  letztes  Element  die  Warme  oder  das  Feuer  aufierlich  wahr- 
nehmen; das  kann  man  aber  auch  schon  anfangen  innerlich  wahrzu- 
nehmen.  Das  Licht  selber  aber  kann  man  nicht  mehr  aufierlich  wahr- 
nehmen. Wenn  Sie  etwa  glauben,  dafi,  wenn  man  die  Sonne  sieht, 
man  Licht  sieht,  so  ist  das  falsch:  Man  sieht  einen  flammenden  Kor- 
per,  eine  brennende  Substanz,  von  der  das  Licht  ausstromt.  Wiirden 
Sie  es  priif  en,  so  wiirden  Sie  sehen,  dafi  Sie  Gasiges,  Fliissiges,  Erdiges 
haben.  Das  Licht  sehen  Sie  nicht,  sondern  das,  was  brennt. 

Also  wir  treten,  wenn  wir  aufsteigen  -  so  sagt  die  Geisteswissen- 
schaft -  von  Erde  durch  Wasser,  durch  Luft  zum  Feuer  und  dann 
zum  Licht,  wir  treten  da  von  aufierlich  Wahrnehmbarem,  Sichtbarem 
ins  Unsichtbare  hinein,  ins  Atherisch-Geistige.  Oder,  wie  man  auch 
sagt:  Das  Feuer  steht  an  der  Grenze  zwischen  dem  aufierlich  Wahr- 
nehmbaren,  Materiellen  und  dem,  was  atherisch-geistig  ist,  was  nicht 
mehr  aufierlich  wahrnehmbar  ist.  Was  tut  also  ein  durch  die  Flamme, 
das  heilk  durch  das  Feuer  aufgezehrter  Korper?  Was  geschieht,  wenn 
etwas  brennt?  Wenn  etwas  brennt,  so  sehen  wir  auf  der  einen  Seite 
entstehen  das  Licht.  Das  erste  aufierlich  Unwahrnehmbare,  dasjeni- 
ge,  was  in  die  geistige  Welt  hineinwirkt,  was  nicht  mehr  blofi  aufier- 
lich  materiell  ist  sozusagen,  gibt  die  Warme,  wenn  sie  so  stark  ist, 
dafi  sie  eine  Lichtquelle  wird.  Sie  gibt  an  das  Unsichtbare,  an  das, 
was  nicht  mehr  aufierlich  wahrgenommen  werden  kann,  etwas  ab, 
aber  sie  muE  das  bezahlen  durch  den  Rauch.  Sie  mufi  aus  dem,  was 
vorher  durchsichtig  durchleuchtet  war,  sich  herausbilden  lassen  das 


Undurchsichtige,  das  Rauchige.  Und  so  sehen  wir,  wie  in  der  Tat 
die  Warme  oder  das  Feuer  sich  differenziert,  sich  teilt.  Sie  teilt  sich 
nach  der  einen  Seite  in  Licht,  und  damit  eroffnet  sie  einen  Weg  in 
die  iibersinnliche  Welt  hinein.  Dafiir,  dafi  sie  etwas  hinaufsendet  als 
Licht  in  die  iibersinnliche  Welt,  dafiir  muE  sie  etwas  hinuntersenden 
in  die  materielle  Welt,  in  die  Welt  des  Undurchsichtigen,  aber  Sicht- 
baren.  Nichts  entsteht  einseitig  in  der  Welt.  Alles,  was  entsteht,  hat 
zwei  Seiten:  Wenn  durch  Warme  Licht  entsteht,  so  entsteht  auf  der 
anderen  Seite  Triibung,  finstere  Materie.  Das  ist  uralte  geisteswissen- 
schaftliche  Lehre. 

Nun  aber  ist  der  Vorgang,  wie  wir  ihn  jetzt  beschrieben  haben, 
nur  die  Aufienseite,  nur  der  physisch-materielle  Vorgang.  Diesem 
physisch-materiellen  Vorgang  liegt  nun  etwas  wesentlich  anderes 
noch  zugrunde.  Wenn  Sie  blofie  Warme  vor  sich  haben,  also  etwas, 
was  noch  nicht  leuchtet,  dann  ist  darinnen  in  gewisser  Beziehung 
die  Warme  selbst,  die  Sie  wahrnehmen,  das  aufierlich  Physische,  aber 
es  ist  ein  Geistiges  darinnen.  Wenn  diese  Warme  nun  so  stark  wird, 
dafi  Leuchten  entsteht  und  Rauch  sich  bildet,  dann  mufi  etwas  von 
dem  Geistigen,  das  in  der  Warme  war,  in  den  Rauch  hinein.  Und 
dieses  Geistige,  das  in  der  Warme  war,  das  in  den  Rauch,  in  ein 
Luftformiges  ubergeht,  also  in  etwas,  was  unter  der  Warme  steht, 
das  ist  jetzt  in  dem  Rauch,  in  dem,  was  als  Triibung  erscheint,  verzau- 
bert.  Geistige  Wesenheiten,  die  mit  der  Warme  sind,  miissen  sich 
sozusagen  herbeilassen,  in  das  Dichtwerdende,  in  das  Rauchigwer- 
dende  sich  hineinverzaubern  zu  lassen.  Und  so  ist  denn  mit  allem, 
was  sozusagen  wie  eine  Triibung,  wie  eine  Materialisierung  herausf  allt 
aus  der  Warme,  eine  Verzauberung  geistiger  Wesen  verbunden.  Wir 
konnen  das  noch  krasser  hinstellen.  Denken  wir  uns  einmal,  wir  brin- 
gen,  was  ja  heute  schon  moglich  ist,  die  Luft  zur  Verfliissigung.  Die 
Luft  selber  ist  nichts  anderes  als  verdichtete  Warme,  sie  ist  entstanden 
aus  der  Warme,  indem  sich  Rauch  gebildet  hat.  Das  vom  Geistigen 
ist  hineingezaubert  worden  in  den  Rauch,  was  eigentlich  im  Feuer 
sein  mochte.  Geistige  Wesenheiten,  die  man  nun  auch  Elementarwe- 
sen  nennt,  sind  verzaubert  in  aller  Luft,  und  sie  werden  noch  weiter 
verzaubert,  sozusagen  zu  einem  noch  niedrigeren  Dasein  verbannt, 


wenn  die  Luft  in  Wasser  ubergefiihrt  wird.  Daher  sieht  die  Geistes- 
wissenschaft  iiberhaupt  in  dem,  was  aufierlich  wahrnehmbar  ist,  et- 
was, was  aus  einem  Urzustande  des  Feuers  oder  der  Warme  hervorge- 
gangen  ist  auf  die  Weise,  dafi  es  erst  Luft  oder  Rauch  oder  Gas 
wurde,  indem  die  Warme  sich  zu  Gas  verdichtete,  das  Gas  zu  Fliissi- 
gem,  das  Flussige  zum  Festen.  Seht  zuriick,  so  sagt  der  Geheimwis- 
senschafter,  seht  euch  an  irgend  etwas  Festes:  Es  war  einmal  fliissig, 
es  ist  erst  im  Verlaufe  der  Entwickelung  zum  Festen  geworden;  und 
das  Flussige  war  einmal  gasformig,  und  das  Gasformige  bildete  sich 
als  Rauch  heraus  aus  dem  Feuer.  Aber  mit  dieser  Verdichtung,  mit 
diesem  Gasformig-  und  Festwerden  ist  immer  eine  Verzauberung 
von  geistigen  Wesenheiten  verbunden. 

Blicken  wir  also  jetzt  in  unsere  Umwelt,  sehen  wir  uns  an  die 
festen  Steine,  die  Strome  von  Wasser,  welche  hinrinnen,  sehen  wir 
das,  was  an  Wasser  verdunstet,  als  Nebel  emporsteigt,  sehen  wir  die 
Luft,  sehen  wir  alles  Feste,  Flussige,  Luftformige  und  Feuer:  so  haben 
wir  im  Grunde  nichts  als  Feuer.  Alles  ist  Feuer,  nur  eben  verdichte- 
tes  Feuer.  Gold,  Silber,  Kupf er  ist  verdichtetes  Feuer.  Alles  war  einst- 
mals  Feuer,  alles  ist  aus  dem  Feuer  geboren  -  aber  in  all  diesem  Ver- 
dichteten  uberall  ein  Geistiges,  das  darin  verzaubert  ruht! 

Womit  erreichen  es  also  die  geistig-gottlichen  Wesenheiten,  die 
um  uns  herum  sind,  dafi,  wie  es  auf  unserem  Planeten  ist,  ein  Festes 
entsteht,  dafi  ein  Flussiges,  ein  Luftformiges  entsteht?  Sie  schicken 
ihre  Elementargeister,  die  im  Feuer  leben,  hinunter,  sie  sperren  sie 
ein  in  Luft,  Wasser  und  Erde.  Das  sind  die  Boten,  die  Elementarboten 
der  geistigen  schopferischen  Bildnerwesen.  Erst  hat  man  diese  Ele- 
mentargeister im  Feuer.  Im  Feuer  fuhlen  sie  sich,  wenn  wir  bildlich 
sprechen,  noch  wohl,  und  nun  werden  sie  sozusagen  verdammt,  in 
Verzauberung  zu  leben.  Und  wir  blicken  um  uns  herum  und  sagen 
uns:  Diese  Wesenheiten,  denen  wir  alles  das  verdanken,  was  um  uns 
herum  ist,  sie  haben  aus  dem  Elemente  des  Feuers  heruntersteigen 
muss  en,  sie  sind  in  den  Dingen  verzaubert. 

Konnen  wir  als  Menschen  fur  diese  Elementargeister  etwas  tun?  Das 
ist  die  grofie  Frage,  die  sich  die  heiligen  Rishis  aufwarfen.  Konnen  wir 
etwas  tun,  um  das,  was  da  verzaubert  ist,  zu  erlosen?  Ja,  wir  konnen 


etwas  tun!  Denn  das,  was  wir  Menschen  tun  hier  in  der  physischen 
Welt,  ist  auch  nichts  anderes  als  der  aufiere  Ausdruck  geistiger  Pro- 
zesse.  Alles,  was  wir  tun,  hat  zu  gleicher  Zeit  seine  Bedeutung  in  der 
geistigen  Welt.  Nehmen  wir  einmal  folgendes  an:  Ein  Mensch  stent 
gegeniiber  irgendeinem,  sagen  wir,  Bergkristall  oder  einem  Snick 
Gold  oder  dergleichen.  Er  schaut  das  an.  Was  geschieht,  wenn  ein 
Mensch  einfach  anglotzt,  anschaut  mit  seinem  sinnlichen  Auge  irgen- 
deinen  aufieren  Gegenstand,  was  geschieht  da?  Da  ist  ein  fortwahren- 
des  Wechselspiel  zwischen  dem  verzauberten  Elementargeist  und 
dem  Menschen.  Dasjenige,  was  da  in  der  Materie  drinnen  verzaubert 
ist,  und  der  Mensch,  sie  haben  etwas  miteinander  zu  tun.  Nehmen 
wir  nun  an,  der  Mensch  glotzt  nur  den  Gegenstand  an,  so  dafi  ihm  nur 
auffallt,  was  ans  Auge  herandringt;  da  geht  immer  etwas  von  diesen 
Elementarwesen  in  den  Menschen  herein.  Fortwahrend  geht  etwas  von 
den  verzauberten  Elementarwesen  in  den  Menschen  herein,  von  friih 
bis  abends.  Indem  Sie  wahrnehmen,  geht  von  Ihrer  Umgebung  fort- 
wahrend eine  Schar  von  Elementarwesenheiten,  die  verzaubert  war 
und  die  fortwahrend  verzaubert  wird  durch  die  Verdichtungsprozesse 
der  Welt,  fortwahrend  geht  eine  solche  Schar  von  Wesenheiten  in  Sie 
hinein.  Nehmen  wir  nun  einmal  an,  der  Mensch,  der  so  die  Gegenstan- 
de  anglotzt,  hatte  gar  nicht  die  Neigung,  nachzudenken  iiber  die  Ge- 
genstande,  in  seiner  Seele  irgend  etwas  leben  zu  lassen  vom  Geist  der 
Dinge.  Er  macht  sich's  bequem,  geht  nur  so  durch  die  Welt,  verarbeitet 
es  aber  geistig  nicht,  nicht  mit  Ideen,  nicht  mit  Gefuhlen,  mit  gar  nichts, 
er  bleibt  sozusagen  ein  blofier  Anschauer  dessen,  was  ihm  materiell 
in  der  Welt  entgegentritt.  Da  gehen  diese  Elementargeister  in  ihn 
herein  und  sitzen  nun  in  ihm,  sind  in  ihm  drinnen  und  haben  nichts 
anderes  gewonnen  im  Weltprozefi,  als  dafi  sie  hereingestiegen  sind 
aus  der  Aufienwelt  in  den  Menschen.  Nehmen  wir  aber  an,  der 
Mensch  sei  ein  solcher,  der  die  Eindnicke  der  Aufienwelt  geistig  verar- 
beitet, der  mit  seinen  Ideen,  Begriffen  sich  Vorstellungen  macht  iiber 
die  geistigen  Grundlagen  der  Welt,  der  also  ein  Stuck  Metall  nicht 
einfach  anglotzt,  sondern  iiber  das  Wesen  nachdenkt,  die  Schonheit 
der  Sache  nachfuhlt,  der  seinen  Eindruck  vergeistigt;  was  tut  der?  Der 
erlost  durch  seinen  eigenen  geistigen  Prozefi  das  Elementarwesen,  das 


uberstromt  von  der  Aufienwelt  zu  ihm;  der  hebt  es  herauf  zu  dem, 
was  es  war,  der  befreit  das  Elementarwesen  aus  seiner  Verzauberung. 
So  konnen  wir  durch  unsere  eigene  Vergeistigung  diejenigen  Wesen- 
heiten,  die  in  Luft,  Wasser  und  Erde  verzaubert  sind,  wir  konnen 
sie  entweder  einsperren  in  unser  Inneres,  ohne  sie  zu  verandern,  oder 
aber  wir  konnen  sie  dadurch,  dafi  wir  uns  selber  immer  mehr  und 
mehr  vergeistigen,  befreien,  erlosen,  sie  wiederum  zu  ihrem  Elemen- 
te  zuruckfuhren.  Sein  ganzes  Leben  hindurch  auf  der  Erde  liifit  der 
Mensch  aus  der  Aufienwelt  Elementargeister  in  sich  hereinfliefien. 
In  demselben  Mafie,  in  dem  er  die  Dinge  blofi  anglotzt,  in  demselben 
Mafie  lafit  er  diese  Geister  einfach  in  sich  hineinwandern  und  veran- 
dert  sie  nicht;  in  demselben  Mafie,  in  dem  er  die  Dinge  der  Aufien- 
welt  in  seinem  Geist  zu  verarbeiten  sucht  durch  Ideen,  Begriffe,  Ge- 
fuhle  der  Schonheit  und  so  weiter,  in  demselben  Mafie  erlost  und 
befreit  er  diese  geistigen  Elementarwesen. 

Und  was  geschieht  also  jetzt  mit  diesen  Elementarwesen,  die  sozu- 
sagen  von  den  Dingen  aus  in  den  Menschen  eingetreten  sind,  was 
geschieht  mit  ihnen?  Sie  sind  zunachst  im  Menschen.  Auch  die  erld- 
sten  miissen  zunachst  im  Menschen  bleiben,  aber  nur  bis  zum  physi- 
schen  Tod  des  Menschen.  Wenn  der  Mensch  durch  die  Pforte  des 
Todes  tritt,  dann  tritt  ein  Unterschied  ein  zwischen  denjenigen  Ele- 
mentarwesen, die  blofi  hereingewandert  sind  und  die  der  Mensch 
nicht  wiederum  hinaufgefuhrt  hat  zu  einem  hoheren  Elemente,  und 
zwischen  jenen,  die  der  Mensch  durch  seine  eigene  Vergeistigung  zu 
ihrem  fruheren  Element  zuruckgebracht  hat.  Die  Elementarwesen, 
die  der  Mensch  nicht  verandert  hat,  die  haben  zunachst  gar  nichts 
gewonnen  dadurch,  dafi  sie  heriibergewandert  sind  von  den  Dingen 
zum  Menschen;  die  anderen  aber,  die  haben  das  gewonnen,  dafi  sie 
mit  dem  Tode  des  Menschen  wiederum  in  ihre  ursprungliche  Welt 
zuriickkehren  konnen.  Der  Mensch  ist  in  seinem  Leben  ein  Durch- 
gangspunkt  fur  diese  Elementarwesenheiten.  Und  wenn  nun  der 
Mensch  durch  die  geistige  Welt  durchgegangen  ist  und  in  einer  nach- 
sten  Verkorperung  wiedergeboren  wird,  da  kommen  bei  der  Wieder- 
verkorperung  des  Menschen,  indem  der  Mensch  durchgeht  durch 
die  Pforte  der  Geburt,  alle  die  Elementarwesen,  die  der  Mensch 


vorher  nicht  befreit  hat,  wieder  zuriick  in  die  physische  Welt;  die 
aber,  die  er  befreit  hat,  die  bringt  er  nicht  wieder  mit,  wenn  er  herun- 
tersteigt,  die  sind  zuriickgekehrt  zu  ihrem  urspriinglichen  Elemente. 

So  sehen  wir,  wie  der  Mensch  es  in  der  Hand  hat,  durch  seine 
Entwickelung,  durch  die  Art  und  Weise,  wie  er  sich  zur  aufieren 
Natur  verhalt,  die  zur  Entstehung  unseres  Erdendaseins  notwendig 
verzauberten  Elementarwesen  entweder  zu  befreien  oder  aber  sie 
noch  mehr  an  die  Erde  zu  fesseln,  als  sie  es  schon  vorher  waren.  Was 
tut  ein  Mensch,  der  also  irgendeinen  aufieren  Gegenstand  anschaut 
und,  indem  er  ihn  erlautert,  den  Elementargeist  daraus  erlost?  Geistig 
macht  er  das  Gegenteil  von  dem,  was  friiher  geschehen  ist.  Wahrend 
friiher  sozusagen  aus  dem  Feuer  Rauch  gebildet  worden  ist,  bildet 
der  Mensch  wiederum  aus  dem  Rauch  geistig  das  Feuer;  er  entlafit 
nur  dieses  Feuer  erst  nach  seinem  Tode.  Nun  denken  Sie  sich  einmal, 
wie  unendlich  tief  und  wie  unendlich  geistvoll  alte  Opfergebrauche 
sind,  wenn  Sie  sie  im  Lichte  uralt-heiliger  Geisteswissenschaft  be- 
trachten:  Denken  Sie  sich  einmal  den  Priester  am  Opferaltar  in  denje- 
nigen  Zeiten,  in  denen  Religion  gebaut  war  auf  wirkliche  Erkenntnis 
der  geistigen  Gesetze,  denken  Sie  sich,  dafi  der  Priester  die  Flamme 
entziindet  und  Rauch  aufsteigt  und  das  Aufsteigen  des  Rauches  nun 
wirklich  zum  Opfer  gemacht  wird,  das  heifit  durch  Gebete  verfolgt 
wird,  was  geschieht  da?  Was  geschieht  mit  solchem  Opfer  iiberhaupt? 
Der  Priester  steht  am  Altar,  wo  Rauch  erzeugt  wird.  Wo  das  Feste 
herausgeht  aus  der  Warme,  wird  ein  Geist  verzaubert,  gleichzeitig 
wird  aber  dadurch,  dafi  der  Mensch  mit  den  Gebeten  den  ganzen 
Vorgang  verfolgt,  dieser  Geist  als  ein  solcher  in  die  Menschen  aufge- 
nommen,  dafi  er  nach  dem  Tode  wiederum  aufsteigt  in  die  hohere 
Welt.  Was  sagte  daher  der  Angehorige  der  alten  Weisheit  zu  denen, 
die  solches  verstehen  sollten?  Er  sagte:  Wenn  du  die  Aufienwelt  so 
ansiehst,  dafi  dein  geistiger  Prozefi  nicht  ein  Hangenbleiben  am 
Rauch  ist,  sondern  ein  Hinaufheben  des  Geistigen  zum  Feuerelement, 
dann  befreist  du  nach  dem  Tode  den  im  Rauch  verzauberten  Geist. 
-  Und  nun  sprach  der  Mensch,  der  das  verstand  von  dem  in  den 
Menschen  ubergegangenen,  aus  dem  Rauch  verzauberten  Geist:  Hast 
du  den  Geist  so  gelassen,  wie  er  im  Rauch  war,  dann  mufi  er  mit  dir 


wiedergeboren  werden,  dann  kann  er  nach  deinem  Tod  nicht  zuriick- 
gehen  in  die  geistige  Welt;  hast  du  ihn  aber  befreit,  hast  du  ihn 
zuriickgefuhrt  zum  Feuer,  dann  wird  er  nach  deinem  Tod  in  die 
geistigen  Welten  hinaufgehen  und  braucht  mit  deiner  Geburt  nicht 
wieder  zuriickzukehren  auf  die  Erde. 

Und  nun  haben  Sie  einen  Teil  dieser  tiefen  Satze  aus  der  Bhagavad 
Gita,  die  im  vorigen  Vortrag  angefiihrt  worden  sind.  Es  ist  da  gar  nicht 
die  Rede  vom  menschlichen  Ich,  es  ist  die  Rede  von  jenen  Naturwe- 
senheiten,  von  jenen  Elementarwesen,  die  aus  der  Aufienwelt  in  den 
Menschen  hereingehen,  und  es  wird  gesagt:  Sieh  das  Feuer,  sieh  den 
Rauch!  Das,  was  der  Mensch  durch  seine  geistigen  Prozesse  zum 
Feuer  macht,  das  sind  Geister,  die  er  befreit  mit  seinem  Tod.  Was  er 
lafit,  wie  es  im  Rauch  ist,  das  mufi  bei  seinem  Tod  mit  ihm  vereinigt 
bleiben  und  mufi  wiedergeboren  werden,  wenn  er  geboren  wird.  - 
Das  Schicksal  der  Elementargeister  ist  uns  zunachst  damit  gekenn- 
zeichnet:  Durch  Weisheit,  die  der  Mensch  in  sieh  entwickelt,  befreit 
der  Mensch  fortwahrend  bei  seinem  Tode  Elementargeister;  durch 
Unweisheit,  durch  blofies  materielles  Hangenbleiben  am  Sinnenschein 
klammert  er  Elementargeister  an  sieh  und  zwingt  sie,  immer  wieder 
mitzugehen  in  diese  Welt,  immer  wieder  mit  ihm  geboren  zu  werden. 

Aber  nicht  nur  mit  dem  Feuer  und  demjenigen,  was  mit  ihm  zu- 
sammenhangt,  sind  solche  Elementarwesenheiten  verkmipft.  Solche 
Elementarwesenheiten  sind  die  Boten  fur  die  hoheren  gottlich-gei- 
stigen  Wesenheiten  bei  allem,  was  aufterlich  sinnlich  geschieht.  Nie- 
mals  hatte  zum  Beispiel  in  der  Welt  das  Zusammenspiel  derjenigen 
Krafte  eintreten  konnen,  welche  Tag  und  Nacht  bewirkt  haben,  wenn 
nicht  solche  Elementarwesenheiten  in  grofien  Scharen  arbeiteten,  um 
die  Planeten  in  entsprechender  Weise  herumzukugeln  in  der  Welt, 
eben  damit  dieser  Wechsel  von  Tag  und  Nacht  geschieht.  Alles,  was 
geschieht,  wird  von  Scharen  von  geistigen  Unter-  und  Oberwesenhei- 
ten  der  geistigen  Hierarchien  bewirkt.  Wir  sind  bei  den  allerunter- 
geordnetsten  Wesenheiten,  bei  den  Boten.  Wenn  aus  Nacht  Tag  und 
aus  Tag  Nacht  entsteht,  da  leben  darinnen  nun  auch  Elementarwesen- 
heiten. Und  so  ist  es,  dafi  der  Mensch  nun  wieder  in  einer  innigen 
Beziehung  steht  mit  den  Wesenheiten  der  Elementarreiche,  die  Tag 


und  Nacht  mit  zu  erarbeiten  haben.  Wenn  der  Mensch  trage,  faul 
ist,  wenn  er  sich  gehen  lafit,  dann  wirkt  er  auf  diese  Elementarwesen- 
heiten,  die  es  mit  Tag  und  Nacht  zu  tun  haben,  anders,  als  wenn  er 
schaffenskraftig,  arbeitsam,  fleifiig,  produktiv  ist.  Wenn  der  Mensch 
namlich  trage  ist,  so  verbindet  er  sich  wiederum  mit  ganz  bestimmten 
Elementarwesen,  ebenso  wie  wenn  er  fleifiig  ist,  aber  in  ganz  eigen- 
tiimlicher  Weise.  Diejenigen  der  jetzt  genannten  zweiten  Klasse  von 
Elementarwesen,  die  ihr  Leben  entfalten  wahrend  des  Tages,  die  den 
Tag  sozusagen  herumwalzen,  sind  wiederum  in  ihrem  hoheren  Ele- 
mente.  Aber  wie  die  Elementarwesen  der  ersten  Klasse  des  Feuers 
gebunden  sind  in  Luft,  Wasser  und  in  der  Erde,  so  sind  durch  die 
Finsternis  gewisse  Elementarwesen  gebunden,  und  es  konnte  nicht 
der  Tag  von  der  Nacht  sich  scheiden,  wenn  nicht  diese  Elementar- 
wesenheiten  sozusagen  eingekerkert  wiirden  in  die  Nacht.  Dafi  der 
Mensch  den  Tag  geniefien  kann,  das  verdankt  er  dem  Umstande, 
dafi  die  gottlich-geistigen  Wesenheiten  herausgetrieben  haben  die 
Elementarwesen  und  sie  gefesselt  haben  in  der  Nachtzeit.  Wenn  der 
Mensch  nun  trage  ist,  so  fliefien  fortwahrend  diese  Elementarwesen- 
heiten  in  ihn  herein,  aber  er  lafit  sie,  wie  sie  sind.  Die  Elementarwesen- 
heiten,  die  in  der  Nacht  angekettet  sind  an  die  Finsternis,  die  lafit  der 
Mensch  durch  seine  Faulheit,  wie  sie  sind;  die  Elementarwesen,  die 
in  ihn  einziehen,  indem  er  fleifiig,  arbeitskraftig  ist,  indem  er  etwas 
tut,  diese  fuhrt  er  geistig  wiederum  zuriick  zum  Tag.  Er  entfesselt 
also  fortwahrend  diese  Elementarwesen  der  zweiten  Klasse.  Das  gan- 
ze  Leben  hindurch  tragen  wir  in  uns  alle  die  Elementarwesen,  die 
eingezogen  sind  wahrend  unseres  Tragheitszustandes  und  die  einge- 
zogen  sind  wahrend  unseres  Fleifizustandes.  Indem  wir  durch  die 
Pf  orte  des  Todes  gehen,  konnen  wiederum  die  Wesen,  die  wir  zum  Tag 
zuruckgebracht  haben,  in  die  geistige  Welt  gehen;  die  Wesen,  die  wir 
in  der  Nacht  gelassen  haben  durch  unsere  Tragheit,  bleiben  an  uns 
gefesselt,  und  wir  bringen  sie  zuriick  bei  der  neuen  Wiederverkorpe- 
rung.  Das,  was  wir  durch  den  blofien  Sinnentrug  an  aufieren  Elemen- 
tarwesen einfliefien  lassen  in  uns,  was  wir  durch  Faulheit  und  Tragheit 
von  den  Nachtwesenheiten  in  uns  einfliefien  lassen,  das  wird  wie- 
dergeboren  mit  unserer  Wiederverkorperung.  Und  jetzt  haben  Sie 


den  zweiten  Punkt  in  der  Bhagavad  Gita.  Wiederum  ist  es  nicht 
das  menschliche  Ich,  sondern  diese  Sorte  von  Elementarwesen,  auf 
die  hingewiesen  wird  mit  den  Worten:  Sieh  dir  an  Tag  und  Nacht; 
was  du  selbst  dadurch  erlost,  dafi  du  es  durch  deinen  Fleifi  aus 
einem  Nachtwesen  zum  Tagwesen  machst:  Das,  was  aus  dem  Tag 
herausgeht,  wenn  du  stirbst,  das  tritt  in  die  hohere  Welt  ein;  was 
du  als  Nachtwesen  mitnimmst,  das  verdammst  du  dazu,  mit  dir 
wiedergeboren  zu  werden. 

Und  nun  werden  Sie  wohl  ahnen,  wie  die  Sache  sich  fortsetzt. 
Wie  bei  den  Erscheinungen,  die  eben  besprochen  worden  sind,  so 
ist  es  auch  bei  umfassenderen  Naturerscheinungen,  so  zum  Beispiel 
bei  dem,  was  unsere  28  Monatstage  hervorbringt,  dem  Wechsel  im 
zunehmenden  und  abnehmenden  Mond.  Da  mufite  eine  ganze  Schar 
von  Elementarwesen  mitwirken,  um  den  Mond  so  in  Bewegung  zu 
bringen,  dafi  diese  unsere  Mondzeit  entstehen  konnte,  dafi  alles  das, 
was  mit  dem  Mondwechsel  zusammenhangt,  sich  auf  unserer  sicht- 
baren  Erde  wirklich  entfalten  konnte.  Und  dazu  mufiten  wiederum 
von  den  hoheren  Wesenheiten  gewisse  Wesenheiten  verzaubert,  ver- 
dammt,  gefesselt  werden.  Dem  hellseherischen  Blick  zeigt  es  sich 
immer,  dafi,  wenn  der  Mond  zunimmt,  immer  geistige  Wesenheiten 
aus  einem  unteren  Reich  in  ein  iibergeordnetes  Reich  kommen.  Damit 
aber  Ordnung  ist,  miissen  auch  andere  geistige  Elementarwesenheiten 
in  untergeordnetere  Reiche  hinunter  verzaubert  werden.  Auch  diese 
Elementarwesen  eines  dritten  Reiches  stehen  in  Wechselwirkung  mit 
dem  Menschen.  Wenn  der  Mensch  heiter  ist,  wenn  er  mit  der  Welt 
zufrieden  ist,  wenn  er  die  Welt  so  versteht,  dafi  er  in  einem  heiteren 
Gemiite  alle  Dinge  umfafit,  dann  befreit  er  fortwahrend  die  Wesen- 
heiten, die  durch  den  abnehmenden  Mond  gefesselt  werden.  Die 
Wesenheiten  kommen  in  ihn  herein  und  werden  durch  seine  Seelen- 
ruhe,  durch  die  innere  Zufriedenheit,  durch  die  harmonische  Welt- 
empfindung  und  Weltanschauung  fortwahrend  befreit.  Diejenigen 
Wesenheiten,  welche  einziehen  in  den  Menschen,  wenn  er  mifimutig 
ist,  wenn  er  griesgramig  ist,  wenn  er  mit  nichts  zufrieden  ist,  wenn 
er  durch  alles  mogliche  verstimmt  wird,  sie  bleiben  im  Zustande  der 
Verzauberung,  in  dem  sie  waren  durch  den  abnehmenden  Mond.  Oh, 


es  gibt  Menschen,  die  dadurch,  dafi  sie  zu  einer  harmonischen  Welt- 
empfindung  gekommen  sind,  heiteren  Gemiites  sind,  unendlich  be- 
freiend  wirken  auf  eine  ganz  grofie  Summe  von  Elementarwesen,  die 
eben  so  entstanden  sind,  wie  geschildert  worden  ist.  Der  Mensch  ist 
durch  eine  harmonische  Weltempfindung,  durch  innerliches  Befrie- 
digtsein  iiber  die  Welt,  ein  Befreier  geistiger  Elementarwesen.  Der 
Mensch  ist  durch  seine  Griesgramigkeit,  Verstimmtheit,  durch  seinen 
Mifimut  ein  Fefiler  von  Elementarwesen,  die  befreit  werden  konnten 
durch  seine  Heiterkeit.  So  sehen  Sie,  wie  des  Menschen  Gemutsstim- 
mung  nicht  blofi  fur  diesen  Menschen  selbst  eine  Bedeutung  hat,  wie 
des  Menschen  Heiterkeit  oder  Griesgramigkeit  etwas  ist,  was  wie 
Befreiung  oder  wie  Fesselung  ausstromt  aus  seiner  Wesenheit.  Es  geht 
nach  alien  Windrichtungen  in  das  Geistige  hinaus,  was  der  Mensch 
tut  durch  seine  blofien  Gemutsstimmungen.  Da  haben  wir  den  dritten 
Punkt  jener  wichtigen  Lehre  der  Bhagavad  Gita:  Sieh  hin,  wenn  ein 
Mensch  so  wirkt  durch  seine  Gemutsstimmung,  dafi  er  Geister  befreit, 
wie  bei  dem  zunehmenden  Monde  Geister  befreit  werden,  dann  kon- 
nen  diese  befreiten  Geister,  wenn  der  Mensch  durch  die  Pforte  des 
Todes  geht,  zuruckgehen  in  die  hohere  Welt.  Wenn  der  Mensch  durch 
seinen  Mifimut,  seine  Hypochondrie,  die  Geister,  die  um  ihn  herum 
sind,  in  sich  hereinruft  und  sie  lafk,  wie  sie  sind,  wie  sie  da  sein 
mufiten,  damit  die  Ordnung  des  Mondes  herbeigefiihrt  werden  kann, 
dann  bleiben  diese  Geister  an  ihn  gefesselt  und  miissen  wiedergebo- 
ren  werden,  wenn  er  in  ein  neues  Dasein  tritt.  So  haben  wir  eine 
dritte  Stufe  von  Elementargeistern,  die  entweder  mit  dem  Tod  des 
Menschen  befreit  werden,  zuruckgehen  in  ihr  Heimatland  oder  die 
wiedergeboren  werden  miissen  in  dieser  Welt  mit  dem  Menschen. 

Und  endlich  haben  wir  eine  vierte  Art  von  Elementargeistern.  Es 
sind  diejenigen,  die  den  Sonnenlauf  des  Jahres  mitzubewirken  haben, 
damit  die  Sonne  des  Sommers  weekend  und  befruchtend  auf  die  Erde 
herniederscheinen  kann,  damit  das,  was  vom  Fruhling  bis  Herbst 
gedeiht,  eben  gedeihen  kann.  Dazu  miissen  gewisse  Geister  im  Winter 
gefesselt  sein,  miissen  verzaubert  sein  wahrend  der  Zeit  der  Winter- 
sonne.  Und  in  derselben  Weise  wirkt  der  Mensch,  wie  es  friiher  ge 
schildert  worden  ist,  fiir  die  anderen  Stufen  der  geistigen  Wesenhei- 


ten  des  Elementarreiches.  Nehmen  Sie  einen  Menschen  an,  der  eintritt 
in  die  Winterzeit,  der  sich  sagt:  Die  Nachte  werden  langer,  die  Tage 
werden  kiirzer,  wir  kommen  zu  dem  Teil  des  Jahressonnenlaufes,  wo 
sozusagen  die  Sonne  ihre  befruchtenden  Krafte  der  Erde  entzieht. 
Die  aufiere  Erde  stirbt,  aber  mit  dieser  absterbenden  Erde  fuhle  ich 
mich  um  so  mehr  verpflichtet,  geistig  aufzuleben.  Ich  mufi  jetzt  sozu- 
sagen den  Geist  immer  mehr  und  mehr  in  mich  aufnehmen.  -  Nehmen 
wir  einen  Menschen,  der  gegen  das  Weihnachtsfest  zu  immer  fromme- 
re  Festesstimmung  in  sich  aufnimmt,  der  das  Weihnachtsfest  verste- 
hen  lernt  in  der  Bedeutung,  dafi  die  aufiere  sinnliche  Welt  am  meisten 
abgestorben  ist,  der  Geist  dafiir  am  meisten  leben  mufi;  nehmen  wir 
an,  es  durchlebt  der  Mensch  die  Winterzeit  bis  Ostern  hin,  er  erinnert 
sich,  dafi  mit  dem  Aufleben  des  Aufieren  verkmipft  ist  der  Tod  des 
Geistigen,  er  durchlebt  das  Osterfest  mit  Verstandnis.  Solch  ein 
Mensch  hat  nicht  blofi  aufierliche  Religion,  sondern  Religionsver- 
standnis  fur  Naturprozesse,  fur  den  Geist,  der  in  der  Natur  waltet, 
und  er  befreit  durch  diese  Art  seiner  Frommigkeit,  seiner  Geistigkeit 
jene  vierte  Klasse  von  Elementarwesenheiten,  die  immer  aus-  und 
einstromen  in  den  Menschen,  die  mit  dem  Laufe  der  Sonne  zusam- 
menhangen.  Und  ein  Mensch,  der  unfromm  in  diesem  Sinn  ist,  der 
den  Geist  leugnet  oder  nicht  empfindet,  der  im  materialistischen 
Chaos  dahinsumpft,  in  den  stromen  ein  die  Elementargeister  dieser 
vierten  Stufe  und  bleiben,  wie  sie  sind.  Und  durch  den  Tod  tritt  nun 
wieder  das  ein,  dafi  diese  Elementargeister  der  vierten  Stufe  entweder 
befreit  werden  zu  ihrem  Elemente  oder  aber  an  den  Menschen  gefes- 
selt  bleiben  und  wieder  erscheinen  mussen,  wenn  er  zu  einer  neuen 
Verkorperung  schreitet.  So  wird  der  Mensch,  wenn  er  sich  verbindet 
mit  den  Wintergeistern,  ohne  sie  zu  Sommergeistern  zu  machen, 
ohne  sie  durch  seine  Geistigkeit  zu  erlosen,  so  wird  er  diese  Geister 
verurteilen  wiedergeboren  zu  werden,  wahrend  sie  sonst  nicht  wie- 
dergeboren  werden,  nicht  wiederkehren  mussen  mit  ihm. 

Sieh  das  Feuer  und  den  Rauch!  Verbindest  du  dich  so  mit  der 
aufieren  Welt,  dafi  dein  geistig-seelischer  Prozefi  etwas  ist,  wie  wenn 
Feuer  und  Rauch  entstehen,  dafi  du  selbst  die  Dinge  vergeistigst  in 
deinem  Erkennungs-  oder  Empfindungsprozefi,  dann  verhilfst  du 


gewissen  geistigen  Elementarwesen  zura  Aufsteigen.  Verbindest  du 
dich  mit  dem  Rauch,  dann  verurteilst  du  sie  zur  Wiedergeburt.  Ver- 
bindest du  dich  mit  dem  Tag,  dann  befreist  du  wiederum  die  entspre- 
chenden  Geister  des  Tages.  Sieh  auf  das  Licht,  sieh  auf  den  Tag,  sieh 
auf  den  zunehmenden  Mond,  auf  die  Sonnenhalfte  des  Jahres:  Wirkst 
du  so,  dafi  du  die  Elementarwesen  zuruckfuhrst  zum  Licht,  zum 
Tag,  zum  zunehmenden  Mond,  zur  Sommerszeit  des  Jahres,  dann 
befreist  du  diese  Elementarwesen,  die  dir  so  notwendig  sind,  mit 
deinem  Tode,  sie  steigen  auf  in  die  geistige  Welt.  Verbindest  du  dich 
mit  dem  Rauch,  glotzt  du  das  Feste  nur  an,  verbindest  du  dich  mit 
der  Nacht  durch  Tragheit,  verbindest  du  dich  mit  den  Geistern  des 
abnehmenden  Mondes  durch  deinen  Mifimut,  verbindest  du  dich  mit 
den  Geistern,  die  gefesselt  worden  sind  in  der  Wintersonnenzeit 
durch  deine  Gottlosigkeit  oder  Geistlosigkeit,  dann  verurteilst  du 
diese  Elementarwesenheiten  dazu,  dafi  sie  wiedergeboren  werden 
miissen  mit  dir. 

Jetzt  wissen  wir  erst,  von  was  eigentlich  an  dieser  Stelle  der  Bhaga- 
vad  Gita  die  Rede  ist.  Derjenige,  der  glaubt,  es  ware  die  Rede  vom 
Menschen,  der  versteht  die  Bhagavad  Gita  nicht;  derjenige  aber,  der 
weifi,  dafi  alles  menschliche  Leben  ein  fortwahrendes  Wechselspiel 
ist  zwischen  ihm  und  Geistern,  die  in  unserer  Umgebung  verzaubert 
leben  und  entzaubert  werden  miissen,  der  blickt  auf  ein  Aufsteigen 
oder  auf  ein  Wiederverkorpertwerden  von  vier  Gruppen  von  Ele- 
mentarwesen. Das  Geheimnis  dieser  niedersten  Art  von  Hierarchie 
ist  uns  in  dieser  Stelle  der  Bhagavad  Gita  erhalten  geblieben.  Ja,  wenn 
man  aus  der  Urweltweisheit  herausholen  mufi,  was  uns  in  den  grofien 
Religionsurkunden  iiberliefert  ist,  da  merkt  man,  was  Grofies  in 
diesen  Religionsurkunden  liegt  und  wie  unrecht  die  haben,  die  sie 
oberflachlich  verstehen  oder  sie  nicht  in  ihrer  Tief e  verstehen  wollen. 
Man  verhalt  sieh  erst  dann  richtig  zu  ihnen,  wenn  man  sieh  sagt:  Es 
ist  keine  Weisheit  hoch  genug,  um  das  herauszufinden,  was  in  sie 
hineingeheimnifit  ist.  Dann  erst  durchdringen  sieh  diese  Urkunden 
mit  dem  Zauberhauch  echt  frommer  Gefuhle,  dann  erst  werden  sie 
im  wahren  Sinne  des  Wortes  das,  was  sie  sein  sollen:  selber  veredelnde 
und  lauternde  Mittel  der  menschlichen  Entwickelung.  Sie  weisen  uns 


oftmals  noch  hin  in  ungeheure  Abgriinde  menschlicher  Weisheit. 
Und  was  aus  den  Quellen  der  Geheimschulen  und  der  Mysterien 
von  jetzt  ab  in  die  allgemeine  Menschheit  hineinfliefien  kann,  das 
erst  wird  diese  Abglanze  -  denn  solche  sind  sie  doch  nur  -  der  Ur- 
weltweisheit  in  ihrer  Grofie  und  in  ihrem  Lichte  erscheinen  lass  en. 

Wir  mufiten  einmal  an  einem  verhaltnismafiig  schwierigen  Beispiel 
zeigen,  wie  man  in  der  Urweltweisheit  das  Zusammenwirken  aller 
jener  Geister  gewufit  hat,  die  uns  umgeben,  die  iiberall  da  sind,  die 
aus-  und  einstromen  in  den  Menschen,  und  wie  man  auch  gewulk 
hat,  dafi  des  Menschen  Taten  eine  Wechselwirkung  darstellen  zwi- 
schen  der  geistigen  Welt  und  seiner  eigenen  inneren  Welt.  Da  wird 
uns  das  Menschenratsel  erst  wichtig,  wenn  wir  gewahr  werden,  dafi 
wir  mit  allem,  was  wir  tun,  selbst  mit  dem,  wie  wir  gestimmt  sind, 
auf  einen  ganzen  Kosmos  zuriickwirken,  dafi  diese  unsere  kleine 
Welt  von  einer  unendlich  weittragenden  Bedeutung  fur  alles  Wer- 
den im  Makrokosmos  ist.  Gerade  die  Erhohung  des  Verantwortlich- 
keitsgefuhls  ist  das  Schonste  und  Bedeutsamste,  was  wir  gewinnen 
konnen  aus  der  Geisteswissenschaft.  Es  lehrt  uns  das  Leben  im  wah- 
ren  Sinne  ergreifen  und  es  so  wichtig  nehmen,  dafi  dieses  Leben,  das 
wir  hineinzuwerfen  haben  in  den  Entwickelungsstrom  des  Le- 
bens,  als  etwas  Bedeutungs voiles  hineingeworfen  wird. 


DRITTER  VORTRAG 


Diisseldorf,  13.  April  1909,  vormittags 


Es  werden  gestern  am  Ende  des  Vortrages  iiber  das  sozusagen  unter- 
ste  Reich  der  geistigen  Hierarchien  in  mancher  Seele  Gedanken 
aufgestiegen  sein,  mancherlei  Fragen  sich  aufgedrangt  haben.  Und 
das  ist  nur  natiirlich,  denn  gegemiber  dem  Denken  und  Vorstellen, 
das  der  Mensch  heute  haben  kann,  erscheint  sehr  vieles  von  dem, 
was  gesagt  worden  ist,  zunachst  fragwiirdig  und  unerklarlich.  Der 
Lauf  der  Vortrage  wird  von  selbst  iiber  mancherlei  Licht  verbreiten. 
Eines  aber  mufi  schon  heute  gesagt  werden,  damit  Sie  sozusagen 
eine  Direktive  haben  fur  die  ganze  Gesinnung,  die  man  einer  solchen 
Sache  entgegenzubringen  hat.  Heute  kann  sich  der  Mensch  zum 
Beispiel  die  naheliegende  Frage  vorlegen:  Ja,  wenn  du  nun  wirklich 
ein  verzaubertes  Wesen  aus  einem  Stein  heraushebst,  indem  du  iiber 
den  Stein  nachdenkst  und  nachsinnst  und  indem  du  nachher  dieses 
verzauberte  Wesen  sozusagen  befreist,  was  bleibt  denn  dann  im 
Stein  noch  drinnen?  Ist  denn  noch  dieses  Wesen  im  Stein  drinnen, 
oder  was  ist  eigentlich  im  Stein  geschehen?  Der  Zweite,  der  nun 
nachkommt  und  denselben  Prozefi  durchmacht,  wie  ist  es  mit  dem? 
-  Diese  Frage  konnte  also  bei  sehr  vielen  entstehen.  Wie  gesagt,  im 
Laufe  der  Vortrage  wird  sich  manche  solche  Frage  beantworten, 
aber  gesagt  werden  mufi,  dafi  mit  demjenigen,  was  die  Erde  dem 
Menschen  gibt  zum  Denken,  diese  Dinge  iiberhaupt  gar  noch  nicht 
erfafit  werden  konnen.  Denn  auf  der  Erde  ist  alles  verhiillt,  alles 
in  Maja  gekleidet,  und  die  Dinge  sehen  fur  den  Gedanken  ganz 
anders  aus,  als  sie  in  Wirklichkeit  sind.  Es  ist  nicht  Schuld  der 
Tatsachen,  daft  die  Fragen  unbeantwortet  bleiben.  Die  Fragen  sind 
falsch  gestellt,  aber  wir  werden  den  Mafistab  fur  die  richtige  Frage- 
stellung  schon  mit  der  Zeit  gewinnen.  Wesentlich  anders  nehmen 
sich  die  Dinge  schon  aus,  wenn  wir  in  Zustande  Einblick  erhalten, 
die  eben  die  ganze  Sache  noch  nicht  so  in  Illusion  gehullt  enthalten. 
Auf  der  Erde  ist  alles  ineinandergeschoben;  dadurch  wird  das  Den- 
ken der  Menschen  fortwahrend  getauscht.  Wir  bekommen  reine- 


re  Vorstellungen  von  den  Sachen,  wenn  wir  zuriickgehen  in  altere 
Zeiten. 

Geradeso  wie  der  Mensch  Verkorperung  nach  Verkorperung 
durchmacht,  Metamorphose  nach  Metamorphose,  so  machen  alle 
Wesen  der  Welt  Verkorperungen  und  Wiederverkdrperungen  durch, 
vom  kleinsten  bis  zum  grofken,  und  auch  ein  solches  Wesen,  wie 
unsere  Erde  selber  ist,  also  ein  planetarisches  Wesen,  macht  Wieder- 
verkorperungen durch.  Unsere  Erde  war  nicht  etwa  schon  als  Erde 
entstanden,  sondern  ihr  ging  voran  ein  anderer  Zustand.  Dariiber  ist 
ja  gerade  in  unseren  Kreisen  immer  besonders  viel  gesprochen  wor- 
den,  dafi  ebenso  wie  der  Mensch  in  diesem  Dasein  die  Wiederverkor- 
perung  eines  vorhergehenden  Lebens  ist,  auch  die  Erde  eine  Wieder- 
verkorperung  eines  alten  Planeten  darstellt,  der  ihr  vorangegangen 
ist.  Wir  bezeichnen  als  diesen  vorangegangenen  Planeten  den  Mond 
und  meinen  damit  nicht  den  heutigen  Mond,  der  nur  ein  Stuck,  ein 
Rest  ist  vom  alten  Mond,  sondern  einen  vorhergehenden  Zustand 
unserer  Erde,  der  einmal  da  war  und  ebenso  durch  ein  geistiges  Leben 
hindurchgegangen  ist,  das  man  gewohnlich  Pralaya  nennt,  wie  der 
Mensch  nach  dem  Tode  durch  einen  geistigen  Zustand  durchgeht. 
Dieser  Mondplanet  ist  wiedergeboren  worden,  wie  der  Mensch  wie- 
dergeboren  wird.  Was  wir  aber  so  als  den  planetarischen  Zustand 
des  Mondes  bezeichnet  haben,  das  ist  wiederum  nur  die  Verkorpe- 
rung eines  vorhergehenden  planetarischen  Zustandes,  den  wir  als 
Sonne  bezeichnen.  Diese,  also  nicht  die  heutige  Sonne,  sondern  ein 
ganz  anderes  Wesen,  diese  Sonne  ist  die  Wiederverkorperung  des 
letzten  Planeten,  auf  den  wir  zunachst  zuruckzuschauen  haben,  wenn 
wir  von  den  Verkorperungen  unserer  Erde  sprechen,  des  uralten 
Saturn.  So  haben  wir  also  vier  aufeinanderfolgende  Verkorperungen: 
den  Saturn,  die  Sonne,  den  Mond,  die  Erde. 

Wir  haben  auch  ofter  erwahnt,  dafi  jeder  planetarische  Zustand  eine 
bestimmte  Aufgabe  hat.  Was  hat  unsere  Erde  fur  eine  Aufgabe?  Die 
Aufgabe  unserer  Erde  ist,  dem  Menschen,  wie  wir  ihn  heute  Mensch 
nennen,  eben  sein  Menschendasein  moglich  zu  machen.  Alle  Wirkun- 
gen  der  Erde  sind  so,  dafi  durch  sie  der  Mensch  eine  Ich-Wesenheit 
wird.  Das  war  in  fruheren  Zustanden,  die  er  mitgemacht  hat,  nicht  der 


Fall.  Der  Mensch  ist  also  sozusagen  Mensch  im  heutigen  Sinne  erst 
auf  der  Erde  geworden.  Eine  ahnliche  Aufgabe  hatten  die  fruheren 
planetarischen  Zustande,  die  die  Erde  durchgemacht  hat.  Andere 
Wesenheiten  sind  auf  diesen  anderen  Planeten  Mensch  geworden, 
Wesenheiten,  die  heute  eben  hoher  stehen  als  der  Mensch.  Sie  erin- 
nern  sich  vielleicht  aus  meinem  Buche  «Das  Christentum  als  mysti- 
sche  Tatsache»,  daft  ein  agyptischer  Weiser  dem  Griechen  Solon 
einmal  eine  merkwiirdige  Andeutung  gemacht  hat  iiber  eine  Myste- 
rienwahrheit;  dafi  er  ihm  gesagt  hat,  es  sei  eine  wichtige  Wahrheit, 
dafi  die  Gotter  einstmals  Menschen  waren.  Das  gehorte  geradezu  zu 
jenen  Wahrheiten,  die  der  Mysterienschuler  schon  im  Altertum  emp- 
fangen  muiRte,  dafi  die  Gotter,  die  heute  oben  stehen  in  den  geistigen 
Hdhen,  nicht  immer  Gotter  waren,  sondern  dafi  sie  hinaufgestiegen 
sind  und  dafi  sie  auch  einmal  Menschen  gewesen  sind,  auch  einmal 
die  Menschheitsstufen  durchgemacht  haben.  Naturlich  folgt  daraus 
unmittelbar  eine  gefahrliche  Wahrheit,  die  die  Mysterienschuler  auch 
daraus  ziehen  muiSten  als  Konsequenz:  dafi  namlich  die  Menschen 
einmal  Gotter  werden.  Und  gerade  um  dieser  Konsequenz  willen 
betrachtete  man  diese  Wahrheit  als  etwas  Gefahrliches;  denn  notwen- 
dig  ist,  dafi  man  sich  zu  gleicher  Zeit  sagt:  Der  Mensch  kann  erst 
Gott  werden,  wenn  er  dazu  reif  ist;  und  wenn  er  sich  jemals  in  einem 
Augenblick  einbildet,  den  Gott  in  sich  zu  finden,  bevor  er  reif  dazu 
ist,  so  wird  er  eben  nicht  ein  Gott,  sondern  ein  Tor.  -  Und  dem 
Menschen  stehen  daher  diese  zwei  Wege  offen:  in  Geduld  seiner, 
wie  es  Dionysius  nennt,  Deifikation  entgegenzuleben,  seiner  Gott- 
werdung,  oder  aber  sich  vorher  einzubilden,  er  sei  schon  Gott.  Der 
eine  Weg  fuhrt  wirklich  zur  Vergottung,  der  andere  zur  Torheit,  zur 
Narrheit. 

In  den  Ausdriicken  des  Altertums  wird  sehr  haufig  deshalb  etwas 
Mifiverstandliches  gesehen,  weil  in  unserer  Gegenwart  nicht  mehr 
unterschieden  wird  zwischen  den  verschiedenen  Stufen  gottlich-gei- 
stiger  Wesenheiten.  Der  agyptische  Weise,  der  also  von  Gottern 
gesprochen  hat,  der  hat  damit  nicht  etwa  nur  eine  Stufe  von  Gottern 
oder  von  Gott  gemeint,  sondern  ganze  Stufenfolgen  gottlich-geistiger 
Wesenheiten.  Dionysius  der  Areopagite  und  auch  die  ostlichen 


Weisen,  sie  haben  immer  diese  Stufen  gottlich-geistiger  Wesenheiten 
unterschieden.  Ob  wir  nun  sprechen  von  Engeln  oder  von  Dhyan- 
Chohans,  das  ist  gleich,  denn  diejenigen,  die  wirklich  die  Einheit  der 
Weltenweisheit  erkennen,  wissen,  dafi  das  nur  verschiedene  Namen 
sind  fur  eine  Sache.  Aber  auch  in  diesem  Reich  mufi  man  wiederum 
unterscheiden.  Diejenigen  Wesenheiten,  die  zunachst  unsichtbar  sind 
und  welche  unmittelbar  iiber  dem  Menschen  stehen,  das  heifit  eine 
Stufe  hoher  stehen  als  der  Mensch,  die  nennt  man  in  der  christlichen 
Esoterik  Engel,  Angeloi,  Boten,  das  heifit  Boten  der  gottlich-geistigen 
Welt.  Diejenigen  Wesenheiten,  die  wiederum  eine  Stufe  hoher  stehen, 
also  zwei  Stufen  hoher  als  der  Mensch,  nennt  man  Erzengel,  Archan- 
geloi,  auch  Feuergeister.  Diejenigen  Wesenheiten,  die  wiederum, 
wenn  sie  ihre  normale  Entwickelung  durchmachen,  eine  Stufe  hoher 
stehen  als  die  Erzengel,  das  sind  die  Wesenheiten,  die  man  nennt 
Geister  der  Personlichkeit  oder  Urbeginne,  Urkrafte,  Archai.  So  ha- 
ben wir  also  zunachst  drei  Stufen  iiber  dem  Menschen  stehender 
Wesenheiten.  Diese  drei  Arten  von  Wesenheiten  haben  alle  ihre 
Menschheit  durchgemacht,  sie  waren  einmal  Menschen.  Wesen,  die 
heute  Engel  sind,  haben  sogar,  wenn  man  nach  Weltenzeiten  die 
Sache  ansieht,  ihr  Menschentum  gar  nicht  so  weit  hinter  sich,  sie 
waren  auf  dem  Monde  Menschen;  und  so  wie  Sie  durch  die  Erdenver- 
haltnisse  auf  der  Erde  als  Menschen  herumwandeln  konnen,  so  konn- 
ten  die  Engel  in  ihrer  Menschheitsstufe  eben  den  Mond  bewohnen. 
Die  Erzengel  machten  ihre  Menschheitsstufe  auf  der  Sonne  durch, 
und  die  Urbeginne,  die  Geister  der  Personlichkeit,  auf  dem  alten 
Saturn.  So  also  sind  diese  Wesenheiten  vom  Menschentum  stufenwei- 
se  aufgeschritten,  sind  heute  hohere  Wesenheiten  in  hoheren  Stufen 
der  Hierarchie  als  der  Mensch,  und  wir  konnen  einfach  sagen,  wenn 
wir  nun  die  Stufenlage  der  Weltreiche  im  geistigen  Sinne  aufzahlen: 
Wir  haben  auf  der  Erde  sichtbar  das  mineralische  Reich,  das  Pflanzen- 
reich,  das  Tierreich,  das  menschliche  Reich,  und  nun  geht  es  ins  Un- 
sichtbare  hinauf,  ins  Reich  der  Engel,  der  Feuergeister  oder  Erzengel, 
der  Urkrafte  oder  Geister  der  Personlichkeit  oder  Archai.  Wahrend 
so  diese  Wesenheiten  nun  in  bezug  auf  ihr  inneres  Werden  und  Wesen 
vorwartsschritten,  sozusagen  von  Menschen  zu  Gottern  wurden 


oder  zu  Gotterboten  -  was  sogar  eine  richtige  Bezeichnung  ist  fur 
diese  Wesenheiten  -,  wahrend  so  diese  Wesenheiten  in  ein  geistiges 
Dasein  aufstiegen,  veranderten  sich  die  Zustande  des  Planeten,  auf 
dem  und  fur  den  sie  lebten.  Wenn  wir  zuriickblicken  auf  den  alten 
Saturn,  auf  dem  die  Archai  Menschen  waren,  so  finden  wir  ihn  noch 
ganz  anders  aussehend  als  unsere  Erde. 

Wir  haben  gestern  davon  gesprochen,  dafi  wir  auf  unserer  Erde 
vier  Elemente  unterscheiden:  Erde,  Wasser,  Luft,  Feuer  oder  Warme. 
Von  den  drei  erstgenannten  Elementen  war  auf  dem  alten  Saturn 
uberhaupt  noch  nichts  vorhanden.  Von  diesen  vier  Elementen  gab  es 
auf  dem  Saturn  nur  das  Feuer  oder  die  Warme.  Der  heutige  materiali- 
stische  Philosoph  wird  sagen:  Aber  Warme  kann  doch  nur  an  aufieren 
Gegenstanden  uns  entgegentreten,  es  kann  warme  feste  Korper, 
warmes  Wasser  geben,  aber  es  kann  nicht  Warme  fiir  sich  geben.  Das 
glaubt  eben  der  materialistische  Philosoph;  das  ist  aber  nicht  wahr. 
Wenn  Sie  mit  heutigen  Sinnen  schon  den  Saturn  hatten  beobachten 
konnen,  wie  wiirde  er  sich  dargestellt  haben?  Nehmen  Sie  an  -  wir 
setzen  das  als  Hypothese  voraus  -,  Sie  waren  in  der  alten  Saturnzeit 
durch  den  Weltenraum  geflogen.  Gesehen  hatten  Sie  nichts  da,  wo 
der  alte  Saturn  war;  eines  aber  wiirden  Sie  gewahr  geworden  sein:  da 
ist  es  ja  warm!  Wie  wenn  Sie  durch  den  erwarmten  Raum  eines  Back- 
ofens  geflogen  waren,  so  ware  es  Ihnen  vorgekommen,  wenn  Sie  den 
Saturn  durchflogen  hatten.  Sie  hatten  nicht  etwa  einen  Luf tzug  spiiren 
konnen,  hatten  nicht  schwimmen  konnen,  denn  Luft,  Wasser  gab  es 
noch  nicht;  auftreten  hatten  Sie  auch  nicht  konnen,  denn  Erde  gab 
es  noch  nicht.  Ihre  Hand  hatte  nichts  beriihren  konnen;  es  war  eben 
die  ganze  Kugel  nur  Warme.  Also  der  alte  Saturn  bestand  lediglich 
zunachst  aus  dem  Elemente  der  Warme  oder  des  Feuers.  Unser  Erden- 
dasein  fing  in  seiner  ersten  Metamorphose  an  als  ein  Planet  der  War- 
me, und  daraus  konnen  Sie  schon  entnehmen,  wie  es  richtig  ist,  wenn 
zum  Beispiel  der  alte  Heraklit  sagt:  Alles  ist  aus  dem  Feuer  entsprun- 
gen.  -  Ja  selbstverstandlich!  Weil  die  Erde  nur  der  verwandelte  alte 
Saturn  ist,  so  ist  auch  alles  auf  der  Erde  aus  diesem  Feuer  herausge- 
kommen.  Das  war  eine  Wahrheit,  die  Heraklit  aus  den  alten  Mysterien 
hatte.  Das  wird  auch  angedeutet,  indem  gesagt  wird,  dafi  er 


das  Buch,  in  dem  er  diese  Wahrheit  niedergeschrieben  hatte,  der  Gottin 
zu  Ephesus  geweiht,  auf  dem  Altar  dort  niedergelegt  hat.  Das  bedeutet, 
dafi  er  sich  bewufit  war,  daft  er  diese  Weisheit  den  Mysterien,  den  ephe- 
sischen  Mysterien  verdankt,  wo  in  ihrer  Reinheit  diese  Lehre  vom  Ur- 
f  euer  Saturn  noch  immer  verkiindet  worden  ist.  Nun  konnen  Sie  auch 
daraus  entnehmen,  dafi  diejenigen  Wesen,  die  wir  Urbeginne,  Archai, 
Geister  der  Personlichkeit  nennen,  unter  ganz  anderen  Verhaltnissen 
ihr  Menschentum  durchgemacht  haben  als  der  heutige  Mensch.  Der 
Mensch  heute  hat  die  Moglichkeit,  in  seine  Korperlichkeit,  in  sein 
Knochen-  und  Blutsystem  das  Feste,  das  Fliissige,  das  Gasformige 
hereinzunehmen.  Der  Mensch  des  Saturn,  der  Geist  der  Personlich- 
keit, mulke  sich  seinen  ganzen  Leib  aus  Warme,  aus  Feuer  bilden.  Und 
das  tat  er  auch:  Er  hatte  nur  einen  Feuerleib,  der  Geist  der  Personlich- 
keit auf  dem  alten  Saturn.  Sein  Leib  bestand  nur  aus  Warme. 

Ich  habe  Ihnen  gestern  gesagt,  dafi  die  Warme  sozusagen  zwei  Seiten 
hat.  Die  eine  Seite  ist  diese,  dafi  sie  eigentlich  innerlich  wahrgenommen 
wird  als  innerliche  Warme,  wir  fuhlen  uns  warm  oder  kalt,  ohne  dalS 
wir  die  Umgebung  betasten  wie  beim  Festen;  aber  wir  konnen  die  War- 
me auch  aufierlich  fuhlen,  wenn  wir  einen  warmen  Korper  angreifen. 
Das  ist  das  Eigenartige  in  der  Entwickelung  des  Saturn,  dafi  sozusagen 
die  Warme  iibergeht  nach  und  nach  vom  Anfang  des  Saturn,  wo  sie 
eine  blofi  innerliche  war,  bis  zum  Ende,  wo  sie  aufierlicher,  wahrnehm- 
barer  wird.  Wenn  Sie  also  im  Anfangszustand  des  Saturn  diese  Reise 
durch  die  Welt  gemacht  hatten,  dann  wiirden  Sie,  wenn  Sie  den  Raum 
des  Saturn  betreten  hatten,  auf  Ihrer  Haut  keine  Warmebewegung 
gespiirt  haben,  aber  innerlich  wiirden  Sie  sich  gesagt  haben:  Es  ist  so 
behaglich  warm.  Etwas,  was  Sie  heute  nur  noch  als  Seelenwarme 
kennen,  das  wiirde  Sie  uberkommen  haben,  wenn  Sie  in  den  allerer- 
sten  Stadien  des  Saturn  diese  Reise  gemacht  hatten.  Sie  konnen  sich 
eine  Vorstellung  bilden  der  Erlebnisse,  die  Sie  gehabt  hatten,  wenn 
Sie  f olgendes  betrachten.  Sie  wissen,  dafi  ein  Unterschied  besteht,  wenn 
Sie  eine  rote  oder  eine  blaue  Flache  betrachten.  Wenn  Sie  sich  der  roten 
Farbe  gegeniiberstellen,  so  sagen  Sie  sich:  Das  gibt  ein  warmes  Gefuhl; 
stellen  Sie  sich  dem  Blauen  gegeniiber,  so  haben  Sie  das  Gefuhl  des 
Kalten.  Denken  Sie  sich  diese  Gefuhle,  die  in  der  menschlichen  Seele 


ausgelost  werden  durch  den  Eindruck  des  Roten,  den  Sie  damals  ja 
nicht  gehabt  hatten,  aber  Sie  hatten  so  etwas  behaglich  Warmes  ge- 
fiih.lt,  wie  wenn  Sie  sich  heute  dem  Roten  gegeniiberstellen.  Am  Ende 
der  Saturnzeit  wiirden  Sie  nicht  nur  diesen  innerlich  behaglichen  Zu- 
stand  gefiihlt  haben,  sondern  etwas,  wie  wenn  von  aufien  an  Sie  heran- 
getreten  ware  Warme.  Innerliche  Warme  hatte  sich  allmahlich  ver- 
wandelt  in  aufiere  Warmewahrnehmung.  Das  ist  der  Weg,  den  der 
Saturn  durchmachte:  von  einer  innerlich  seelischen  Warme  zu  einer 
aufterlich  wahrnehmbaren  Warme,  zu  dem,  was  wir  aufierliche  War- 
me oder  Feuer  nennen.  Und  man  mochte  sagen:  Geradeso  wie  das 
Kind  heranwachst  zum  grofien  Menschen  und  verschiedenes  durch- 
macht,  so  wuchsen  auf  dem  alten  Saturn  die  Geister  der  Personlichkeit 
heran.  Sie  fiihlten  sich  zuerst  wie  innerlich  warm,  sozusagen  innerlich 
behaglich  warm,  und  nach  und  nach  fiihlten  sie  diese  Warme  auch 
veraufierlicht,  verwirklicht,  ja  verkorperlicht,  konnten  wir  sagen.  Und 
was  entstand  da?  Wenn  Sie  sich  vor  die  Seele  rufen  wollen,  was  da 
entstand,  dann  miissen  Sie  sich's  so  vorstellen:  Vorerst  haben  wir  die 
innerliche  Erwarmung  der  Saturnkugel;  da  finden  die  Geister  der 
Personlichkeit  die  Moglichkeit,  sich  zuerst  zu  verkorpern.  Wahrend 
sie  sich  verkorpern,  bildet  sich  dasjenige,  was  man  aufiere  Warme 
nennt.  Und  wenn  Sie  die  Reise  in  einem  spaterenSaturnzustand  hatten 
machen  konnen,  so  hatten  Sie  auch  unterscheiden  konnen  zwischen 
aufierlich  warmen  und  kalten  Stellen  im  Saturn.  Und  wenn  Sie  jetzt 
das  nachgezeichnet  hatten,  was  Sie  als  eingeschlossene  Warmekorper 
gefunden,  dann  hatte  sich  folgende  Zeichnung  ergeben:  Im  Umkreise 
ist  es,  wie  wenn  lauter  solche  Warme-Eier  eine  Oberflache  des  Saturn 
gebildet  hatten.  Von  aufien  wiirde  das  ausgesehen  haben,  wenn  man 
es  hatte  sehen  konnen,  wie  eine  Brombeere  oder  Himbeere.  Was 
waren  diese  Eier?  Es  waren  die  Korper  der  Geister  der  Personlichkeit, 
und  diese  Geister  der  Personlichkeit  bildeten  gerade  durch  ihre  innere 
Warme  die  aufiere  Warme  dieser  Saturn-Eier.  Von  diesem  Zustande 
kann  man  so  recht  sagen:  Und  die  Geister  briiteten  iiber  der  Warme, 
und  sie  briiteten  wirklich  die  ersten  Feuerleiber  aus.  Vom  Welten- 
raum  herein  wurden  die  ersten  Feuerleiber  ausgebriitet.  Wenn  wir 
den  Ausdruck  gebrauchen  diirfen,  es  koagulierten  im  Warme- 


raum  die  aufieren  Warme-Eier  aus  dem  Innern  heraus.  Also,  auf  dem 
alten  Saturn  waren  die  Geister  der  Personlichkeit,  die  Archai,  man 
nennt  sie  auch  Asuras,  in  diesen  Feuerleibern  verkorpert.  Es  bestand 
der  Saturn  nur  aus  diesem  Elemente  des  Feuers. 


Nun  gab  es  in  dieser  alten  Saturnentwickelung  fur  die  Geister  der 
Personlichkeit  die  Moglichkeit,  die  aufiere  Warme  wiederum  in  inne- 
re  zu  verwandeln.  Der  Vorgang  war  namlich  nicht  steif  und  hart, 
sondern  innerlich  beweglich.  Tatsachlich  erzeugten  diese  Geister  der 
Personlichkeit  fortwahrend  diese  Warme-Eier  und  liefien  sie  wieder 
verschwinden.  Und  jetzt  konnen  Sie  sich  diesen  Vorgang  noch  ge- 
nauer  vorstellen.  Denken  Sie  sich,  Sie  hatten  eine  Zeitlang  diese  Reise 
hin  und  her  gemacht,  da  wiirden  Sie  gemerkt  haben,  es  gibt  auf  diesem 
Saturn  jetzt  Zeiten,  in  denen  aufierlich  gar  keine  Warme  wahrnehmbar 
ist,  in  denen  nur  das  behagliche  innere  Feuer  da  ist;  dann  wiederum 
Zeiten,  in  denen  diese  Warme-Eier  auftreten.  Sie  hatten  etwas  wahr- 
genommen  wie  das  Atmen  des  ganzen  alten  Saturn,  aber  ein  Feuer- 
Atmen.  Sie  hatten  sich  gesagt:  Ich  bin  manchmal  in  diesem  alten 
Saturn  so  drinnen,  wie  wenn  alle  aufierliche  Warme  verinnerlicht, 
weggenommen  ware,  wie  wenn  alles  nur  innerliche  Behaglichkeit 
ware,  und  Sie  hatten  sich  gesagt:  Jetzt  hat  der  Saturn  die  Warme 
eingeatmet.  -  Und  dann  waren  Sie  ein  anderes  Mai  durchgekom- 


men  und  hatten  diese  vielen  Warme-Eier  gefunden,  und  Sie  hatten 
gesagt:  Jetzt  hat  der  Saturn  seine  innere  Warme  ausgeatmet,  sie  ist 
aufieres  Feuer. 

Sehen  Sie,  diese  Vorstellung  haben  die  alten  heiligen  Rishis  bei 
ihren  Schiilern  hervorgerufen.  Sie  haben  sie  sozusagen  im  Geiste  zu- 
riickversetzt  in  die  alte  Saturnzeit  und  haben  sie  empfinden  lassen, 
wie  ein  ganzer  Planet  etwas  vollzieht,  das  ahnlich  ist  wie  unser  heuti- 
ges  Aus-  und  Einatmen.  Sie  haben  in  ihnen  die  Vorstellung  hervorge- 
rufen: Das  Feuer  fliefit  heraus  und  wird  zu  unzahligen  Warmeleibern, 
das  Feuer  wird  eingesogen  und  wird  innerliche  Ichheit  der  Geister 
der  Personlichkeit.  Daher  haben  sie  dieses  Leben  eines  Planeten  ver- 
glichen  mit  einem  Aus-  und  Einatmen,  aber  es  ist  zunachst  auf  dem 
alten  Saturn  nur  ein  Feuer-Atmen.  Luft  ist  noch  nicht  vorhanden. 
Nehmen  wir  nun  an,  es  ware  folgendes  geschehen:  alle  diese  Geister 
der  Personlichkeit  auf  dem  Saturn  hatten  sozusagen  immer  Warme 
eingeatmet  und  ausgeatmet.  Da  wiirden  sie  ihre  regelmafiige  Saturn- 
entwickelung  durchgemacht  haben,  und  die  Folge  ware  gewesen,  dafi 
nach  der  entsprechenden  Zeit  alles  wiederum  hereingenommen  wor- 
den  ware  in  innere  Warme,  und  der  Saturn  ware  als  aufierer  Feuerpla- 
net  verschwunden,  ware  wieder  aufgenommen  worden  in  die  Reiche 
der  geistigen  Welt.  So  hatte  es  geschehen  konnen.  Dann  hatten  wir 
allerdings  niemals  den  Sonnen-,  den  Mond-  und  den  Erdenzustand 
gehabt,  denn  es  ware  alles,  was  hatte  ausgeatmet  werden  konnen, 
wiederum  zuruckgenommen  worden  in  innere  Warme,  ware  zuriick- 
gekehrt  in  die  geistige  Welt.  Aber  nun  wollen  wir  einen  trivialen 
Ausdruck  gebrauchen,  der  uns  verstandlicher  werden  wird:  Es  gefiel 
sozusagen  gewissen  Geistern  der  Personlichkeit  besser,  nur  einen 
Teil  der  ausgeatmeten  Warme  wieder  zuruckzunehmen  und  immer 
etwas  zuriickzulassen,  so  dafi  also  beim  Einatmen  alle  diese  Saturn- 
Eier  draufien  nicht  verschwanden,  sondern  dafi  sie  blieben.  Und  so 
stellte  sich  allmahlich  eine  Zweiheit  heraus  auf  dem  Saturn:  innerliche 
Warme  und  daneben  die  aufiere  Warme,  in  den  Saturn-Eiern  verkor- 
pert.  Es  wurde  nicht  alles  wieder  zuruckgenommen.  Sozusagen  uber- 
liefien  die  Geister  der  Personlichkeit  einen  Teil  der  ausgeatmeten 
Warme  sich  selber,  sie  liefien  sie  da  draufien.  Warum  taten  sie  das 


eigentlich?  Das  mufiten  sie  tun;  wenn  sie  es  nicht  getan  hatten,  dann 
waren  sie  auf  dem  Saturn  gar  nicht  Menschen  geworden. 

Denn  was  heifit  Mensch  werden?  Das  heifit:  zum  Ich-Bewufitsein 
kommen.  Sie  konnen  das  nicht,  wenn  Sie  sich  als  Ich  nicht  von  einem 
Aufieren  unterscheiden.  Nur  dadurch  sind  Sie  ein  Ich.  Der  Blumen- 
straufi  ist  hier,  ich  bin  da,  ich  unterscheide  mich  als  Ich  von  dem 
Objekte.  Die  Geister  der  Personlichkeit  hatten  ewig  nur  ihr  Ich 
ausgestromt,  wenn  sie  nicht  etwas  draufien  gelassen  hatten,  was  ihnen 
Widerstand  geleistet  hatte:  Das  andere  ist  draufien,  ich  unterscheide 
mich  von  dem  objektiv  gemachten  Warme-Element.  Dadurch  sind 
die  Geister  der  Personlichkeit  zu  ihrem  Ich,  zum  Selbstbewufitsein 
gekommen,  dafi  sie  einen  Teil  der  Saturnwesenheiten  hinabgedrangt 
haben  in  ein  blofi  aufieres  Warmedasein.  Sie  sagten  sich:  Ich  mufi 
etwas  von  mir  nach  aufien  stromen  lassen  und  draufien  lassen,  damit 
ich  mich  davon  unterscheiden  kann,  damit  mein  Ich-Bewufitsein  sich 
entziindet  an  diesem  Aufieren.  So  hatten  sie  also  ein  Reich  neben 
sich  geschaffen,  sie  hatten  sich  gleichsam  ein  Spiegelbild  ihres  Innern 
in  dem  Aufieren  geschaffen.  Dadurch  kam  es  auch,  dafi,  als  sozusagen 
das  Leben  des  Saturn  abgelaufen  war,  die  Geister  der  Personlichkeit 
gar  nicht  in  der  Lage  waren,  den  Saturn  verschwinden  zu  lassen.  Er 
ware,  wenn  sie  alles  Feuer  eingeatmet  hatten,  verschwunden;  so  aber 
waren  sie  nicht  imstande,  das,  was  sie  hinausgesetzt  hatten  aus  sich 
selbst,  zuriickzuatmen.  Sie  mufiten  das  Feld,  das  ihnen  die  Moglich- 
keit  geboten  hatte,  zum  Selbstbewufitsein  zu  kommen,  sich  selbst 
iiberlassen. 

Fur  den  Saturn  hatte  kein  Pralayazustand  eintreten  konnen  durch 
die  Geister  der  Personlichkeit  allein.  Da  mufiten  hohere  Geister  ein- 
treten, die  mufiten  sozusagen  das  wieder  auflosen,  damit  ein  Pralaya, 
ein  Zwischenzustand,  ein  Zustand  des  Verschwindens,  des  Schlafes 
eintrat.  Hohere  Geister,  von  denen  wir  jetzt  nur  den  Namen  anfiih- 
ren,  die  Throne,  mufiten  eintreten  und  mufiten  alles  das  wieder  auflo- 
sen. So  dafi,  als  das  Leben  des  Saturn  zu  Ende  ging,  sich  folgender 
Prozefi  abspielte:  Die  Geister  der  Personlichkeit  hatten  Selbstbe- 
wufitsein  erlangt,  hatten  einen  Teil  der  Warme  wiederum  in  sich 
aufgesogen,  hatten  in  ihren  Mittelpunkt  das  Selbstbewufitsein  aufge- 


nommen  und  hatten  dafiir  zuriickgelassen  ein  niederes  Reich.  Jetzt 
kam  das  Reich  der  Throne,  und  diese  losten,  was  jene  iibriggelassen 
hatten,  auf,  und  der  Saturn  ging  in  eine  Art  Planetennacht  ein.  Nun 
kam  der  Planetenmorgen.  Das  Ganze  sollte  durch  Gesetze,  die  wir 
noch  kennenlernen  werden,  sozusagen  wiederum  aufwachen.  Ware 
der  alte  Saturn  verschwunden  durch  das  Einatmen  der  gesamten 
Warme,  so  ware  alles  Saturndasein  in  die  geistige  Welt  auf  genommen 
worden.  Ein  Aufwachen  ware  uberhaupt  nicht  geschehen.  Nun 
konnten  die  Throne  zwar  fur  eine  Zeitlang  auflosen,  was  die  Geister 
der  Personlichkek  als  Eier  herausgesetzt  hatten,  aber  sie  konnten  es 
nur  fur  eine  Zeit.  Es  mufite  das  gewissermafien  zu  einer  weiteren 
Entwickelung  wiederum  einem  niedrigeren  Dasein  iibergeben  wer- 
den. Dadurch  kam  ein  Planetenmorgen;  der  zweite  Verwandlungszu- 
stand  des  Saturn  trat  ein,  der  Sonnenzustand.  Was  wurde  denn  da 
eigentlich  herausgeboren  jetzt  in  diesem  Sonnenzustand?  Heriiber 
kamen  nach  dem  Schlafzustand  des  Planeten  vom  alten  Saturn  die 
Geister  der  Personlichkek,  die  jetzt  ihr  Selbstbewufitsein  hatten,  die 
also  nicht  mehr  darauf  angewiesen  waren,  ahnliches  durchzumachen, 
wie  sie  schon  durchgemacht  hatten.  Aber  sie  hatten  gewisse  Warme- 
Eier  ausgeatmet,  die  kamen  wiederum  nach  und  nach  heraus,  die 
differenzierten  sich  heraus  aus  der  allgemeinen  Masse.  Und  die  Folge 
war,  dafi  jetzt  diese  Geister  der  Personlichkek  sozusagen  gebunden 
waren  an  dasjenige,  was  sie  von  sich  hinterlassen  hatten.  Hatten  sie 
alles  in  die  geistige  Welt  hinaufgenommen,  so  waren  sie  nicht  sonnen- 
gebunden  gewesen,  sie  hatten  nicht  heruntersteigen  miissen;  so  mufi- 
ten  sie  es,  denn  sie  hatten  einen  Teil  ihres  friiheren  eigenen  Wesens 
zuriickgelassen.  Darum  mulken  sie  sich  kiimmern,  der  zog  sie  jetzt 
hinunter  zu  einem  neuen  planetarischen  Dasein. 

Das  war  Karma  des  Saturn,  das  war  Weltenkarma,  kosmisches 
Karma.  Weil  die  Geister  der  Personlichkek  auf  dem  alten  Saturn 
nicht  alles  in  sich  hineingenommen  hatten,  hatten  sie  sich  das  Karma 
bereitet,  zuriickkehren  zu  miissen:  Sie  fanden  unten  dasjenige,  was 
sie  angerichtet  hatten,  als  eine  Erbschaft  des  alten  Saturn.  Und  was 
geschah  nun,  indem  sich  die  Geister  der  Personlichkek  jetzt  befafiten, 
abgaben  mk  ihrem  geschaffenen  Karma?  Dadurch  geschah  das,  was 


ich  gestern  im  allgemeinen  charakterisiert  habe:  Die  Warme  spaltete 
sich  auf  der  einen  Seite  in  Licht,  auf  der  anderen  in  Rauch.  Und  so 
entstand  im  wiedererstandenen  Saturn  aus  diesen  Warme-Eiern  auf 
der  einen  Seite  der  neue  Planet  wie  Gas,  wie  Luft  oder  wie  Rauch, 
wie  man  es  genannt  hat,  und  auf  der  anderen  Seite  entstand  Licht, 
indem  die  Warme  sozusagen  wiederum  zuriickkehrte  in  hohere  Zu- 
stande.  Innerlich  im  verwandelten  Saturn  Rauch,  Gas,  Luft,  auf  der 
anderen  Seite  Licht!  Und  waren  Sie  jetzt  auf  einer  Reise  durch  die 
Welt  an  den  Ort  gekommen,  wo  diese  alte  Sonne  war,  dann  wurden 
Sie  schon  von  weitem  dasjenige,  was  sich  da  als  Licht  gebildet  hatte, 
gespiirt  haben,  weil  ja  dahinter  der  Rauch  war.  Sie  hatten,  wenn  auch 
nicht  das  Licht,  aber  eine  leuchtende  Kugel  wahrgenommen,  wie 
beim  Saturn  eine  Warmekugel.  Eine  leuchtende  Kugel  ware  es  gewe- 
sen,  an  die  Sie  herangetreten  waren,  und  waren  Sie  an  die  Oberflache 
gekommen,  hineingedrungen  in  diese  Kugel,  so  wurden  Sie  nicht  nur 
Warme  wahrgenommen  haben,  sondern  Winde,  Luft,  stromendes 
Gas  nach  alien  Seiten  hin.  So  hat  sich  die  Warmekugel  zu  einer 
Leuchtekugel  verwandelt:  Es  ist  eine  Sonne  entstanden.  Mit  volligem 
Rechte  nennt  man  das  eine  Sonne.  Und  was  heute  Sonnen  sind,  die 
machen  heute  noch  diesen  Prozefi  durch:  Die  sind  heute  innerlich 
stromendes  Gas,  und  nach  der  anderen  Seite  bewirken  sie,  dafi  dieses 
Gas  zum  Licht  wird;  sie  verbreiten  Licht  in  den  Weltenraum.  Jetzt 
war  also  eigentlich  erst  das  Licht  in  dem  Verwandlungszustande  der 
Erde  gebildet,  jetzt  war  erst  Licht  entstanden.  In  der  Warme,  in  der 
alten  Saturnwarme,  da  konnten  zunachst  die  Geister  der  Personlich- 
keit  Mensch  werden;  in  dem  Licht,  das  jetzt  von  der  Sonne  ausstrahl- 
te,  da  konnten  Mensch  werden  diejenigen  Wesenheiten  der  geistigen 
Hierarchien,  die  wir  Erzengel  oder  Archangeloi  nennen.  Und  Sie 
wurden  in  der  Tat,  wenn  Sie  nicht  nur  wie  ein  heutiger  Mensch  sich 
der  Sonne  genahert  hatten,  sondern  wie  ein  hellseherischer,  Sie  wiir- 
den  nicht  nur  Leuchten  wahrgenommen  haben,  das  von  der  Sonne 
ausgeht,  nicht  blofi  Licht,  sondern  es  waren  Ihnen  entgegengestromt 
im  Lichte  die  Taten  der  Erzengel. 

Aber  es  haben  sozusagen  diese  Erzengel  etwas  mit  in  Kauf  nehmen 
mussen.  Die  alten  Geister  der  Personlichkeit  haben  auf  dem  Saturn 


noch  das  reine  Feuer  gefunden.  Die  Erzengel,  die  erst  auf  der  Sonne 
Mensch  werden  konnten,  haben  jetzt  auf  der  Sonne,  die  sie  bewoh- 
nen  mufiten,  Rauch,  Gas  gefunden.  Was  mufiten  sie  nun  tun,  um 
mit  der  Sonne  in  festem  Zusammenhange  zu  bleiben,  um  da  ihren 
Wohnplatz  aufzuschlagen?  Sie  bildeten  sich  ihre  Seele,  ihr  Inneres 
aus  dem  Licht,  sie  woben  sich  ihren  Seelenleib  aus  Licht,  gliederten 
aber  diesem  Seelenleibe  dasjenige,  was  als  Gas  da  war,  als  den 
aufieren  Leib  ein.  Wie  Sie  heute  also  Leib  und  Seele  haben,  so  hatten 
diese  Erzengel  als  Menschen  auf  der  Sonne  ein  Inneres,  das  imstande 
war,  Licht  auszustromen,  und  ein  Aufieres,  einen  physischen  Leib, 
der  aus  Gas,  aus  Luft  bestand.  Wie  heute  der  Mensch  in  seinem 
Leib  aus  Erde,  Wasser,  Luft  und  Feuer  besteht,  so  bestanden  diese 
Erzengel  aus  Luft,  und  innerlich  hatten  sie  Licht.  Aber  es  war 
naturlich  das  Element  des  Feuers  mit  herubergenommen  worden, 
denn  gerade  das  war  es,  was  sich  zu  Rauch  und  Licht  entwickelte. 
Daher  hatten  diese  Erzengel  auch  Feuer  in  sich.  Ihre  gesamte  Wesen- 
heit  bestand  also  aus  Licht,  Rauch  und  Feuer.  Sie  hatten  die  Erzengel 
angetroffen  in  Leibern,  gewoben  aus  Gas,  Feuer  und  Licht.  Durch 
das  Licht  lebten  sie  ein  Leben  nach  aufien,  stromten  sie  in  den 
Weltenraum  hinaus  die  leuchtende  Kraft.  Durch  das  Feuer  lebten 
sie  ein  Leben  in  ihrem  eigenen  Innern,  die  Behaglichkeit  der  Warme. 
Durch  das  Leben  im  Gas-Leib  lebten  sie  ein  Leben  im  Sonnenplane- 
ten  selber.  Sie  konnten  jetzt  sozusagen  im  Sonnenplaneten  von  der 
allgemeinen  Sonnensubstanz  ihren  eigenen  Gas-Leib  unterscheiden. 
Sie  stiefien  mit  dem  anderen  zusammen:  dadurch  entziindete  sich  fur 
sie  eine  Art  Selbstbewufitsein.  Aber  nur  dadurch  konnte  sich  dieses 
Selbstbewufitsein  hoher  und  hoher  gestalten,  dafi  es  nun  auch  diesen 
Erzengeln,  wenn  wir  so  sagen  diirfen,  besser  gefiel,  in  diesem  Gas- 
Leib,  im  Rauch-Leib  in  gewisser  Beziehung  zu  verbleiben  oder  ihn 
wenigstens  zu  belassen  in  der  Sonnensubstanz.  Denn  diese  Erzengel 
auf  der  alten  Sonne  hatten  in  wechselndem  Zustand  wiederum  den 
ganzen  Rauch,  das  ganze  Gas,  das  sozusagen  in  der  Umgebung  war, 
in  sich  aufnehmen  konnen.  Jetzt  haben  Sie  einen  wirklichen  At- 
mungsprozefi!  Auf  der  alten  Sonne  wurden  Sie  diese  Stromungen 
im  Gas  wie  einen  Atmungsprozefi  wahrgenommen  haben.  Sie  wiir- 


den  gewisse  Zustande  gefunden  haben,  wo  absolute  Windstille  war, 
und  Sie  hatten  sich  gesagt:  Jetzt  haben  die  Erzengel  alles  stromende 
Gas  eingeatmet.  -Dann  aber  begannen  die  Erzengel  wieder  herauszu- 
atmen:  Es  fing  an,  innerlich  zu  strdmen  und  damit  zu  gleicher  Zeit 
sich  Licht  zu  entwickeln.  Das  war  der  Wechselzustand  der  Sonne:  Es 
atmeten  die  Erzengel  ein  das  gesamte  Gas  -  Windstille  war  da,  dafur 
auch  Dunkelheit,  Sonnennacht.  Sie  atmeten  aus  -  die  Sonne  erfiillte 
sich  mit  stromendem  Rauch,  dafur  auch  erglanzte  sie  nach  aufien,  es 
wurde  Sonnentag.  Und  so  gab  es  einen  wirklichen  Atmungsprozefi  des 
ganzen  Sonnenleibes:  Ausatmen  -  Sonnentag,  Beleuchten  der  Um- 
welt;  Einatmen-  Sonnennacht,  Dunkelwerden  in  der  ganzen  Umwelt. 

Hier  haben  Sie  die  alte  Sonne  zugleich  in  ihrem  Unterschied  ge- 
schildert  von  unserer  jetzigen  Sonne.  Unsere  jetzige  Sonne  leuchtet 
immer,  und  die  Dunkelheit  wird  nur  bewirkt,  wenn  sich  etwas  vor 
ihr  Licht  hinstellt.  Das  war  bei  der  alten  Sonne  eben  nicht  so.  Sie 
hatte  in  sich  selbst  die  Kraft,  in  abwechselnden  Zustanden  hell  und 
dunkel  zu  werden,  aufzuleuchten  und  sich  zu  verfinstern,  denn  das 
war  ihr  Ausatmen  und  Einatmen.  Nun  stellen  wir  uns  so  ganz  leb- 
haft  vor,  was  da  eigentlich,  nun  sagen  wir,  aufierlich,  sichtbarlich 
geschehen  war. 


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Nehmen  wir  diesen  Zustand  des  Ausatmens:  Licht  verbreitet  sich, 
dafiir  aber  auch  erfiillt  sich  die  Sonne  mit  Rauch.  Diese  Rauchgestal- 
ten,  diese  Rauchstromungen  sind  regelmafiige  Gebilde.  Es  ist  also 


sozusagen  eingeschaltet  in  der  Sonnensubstanz  beim  jedesmaligen 
Ausatmen  eine  Summe  von  regelmafiigen  Gebilden.  Dasjenige,  was 
friiher  blofi  Eiform  hatte,  Warme-Ei  war,  hatte  sich  zu  allerlei  regel- 
mafiigen  Gebilden  umgestaltet.  Ganz  sonderbare  Rauchgebilde  mit 
innerem  Leben  und  innerer  Regelmafiigkeit  waren  entstanden.  Wenn 
ich  mich  des  Ausdruckes  bedienen  darf:  Die  Eier  sind  ausgebriitet 
worden.  Es  war  wirklich  etwas,  was  sich  vergleichen  lafit  mit  diesem 
verfestigenden  Prozefi.  So  wie  das  Huhnchen  herauskommt  aus  dem 
Huhnerei,  so  war  das  Warme-Ei  entzweigegangen  und  heraus  waren 
gekommen  regelmafiige  Rauchgestalten,  und  diese  regelmafiigen 
Rauchgestalten  waren  die  dichtesten  Leiber,  welche  die  Erzengel 
hatten.  In  Rauch-,  in  Gas-,  in  Luft-Leibern  belebten  sie  die  Sonne; 
so  wandelten  sie  als  Menschen  sozusagen  auf  der  Sonne  herum. 
Jetzt  haben  wir  also  den  geistigen  Begriff  eines  Fixsternes,  den 
geistigen  Begriff  einer  Weltensonne,  die  sozusagen  durch  ihre  eigene 
Macht  Sonne  ist,  die  Tag  und  Nacht  wechseln  lafit  durch  ihre  eigene 
Macht.  Wie  Aus-  und  Einatmen  lafit  sie  wechseln  Helligkeit  und 
Dunkelheit,  denn  die  Sonne  war  dazumal  eine  Art  Fixstern.  Alles, 
was  selbstleuchtend  ist  in  unserem  Weltenraum,  das  sendet  in  den 
Weltenraum  mit  dem  Licht  auch  hinaus  das  Leben  von  geistigen 
Boten:  Archangeloi. 

Was  hatten  also  die  urspriinglichen  Archai,  die  Urbeginne,  die  Gei- 
ster  der  Personlichkeit  durch  ihre  eigene  Entwickelung  bewirkt,  was 
hatten  sie  hergestellt?  Dafi  uberhaupt  eine  Sonne  hat  hervortreten 
konnen.  Wahrend  sich  sonst  nur  ein  Saturndasein  in  der  Evolution 
angekundigt  hatte,  wahrend  sonst  nur  die  den  Saturn  mit  Warme 
erfiillenden  Archai  gewesen  waren,  ist  dadurch,  dafi  die  Archai  die 
aufieren  Warme-Eier  dem  Saturn  tiberlassen  haben,  der  Saturn  zur 
Sonne  geworden.  Und  auf  der  Sonne  f  anden  die  Erzengel  die  Moglich- 
keit,  die  Menschheitsstufe  durchzumachen.  Sie  wurden  fur  die  Welt 
die  Verkiindiger,  die  sagen  konnten:  Uns  sind  die  Urbeginne,  die 
Geister  der  Personlichkeit,  vorangegangen.  Wir  verkiinden  als  die 
Boten  dem  Universum  im  strahlenden  Lichte  das  ehemalige  Dasein 
des  warmen,  des  innerlich  durchwarmten  Saturn.  Wir  sind  die  Boten, 
die  Verkiindiger  der  Archai.  -  Bote  heifit  Angelos,  Archai  heifit  die 


Anfange;  es  waren  also  diese  Erzengel  nichts  anderes  als  die  Boten 
von  den  Taten  der  Urbeginne  oder  Archai  in  friiherer  Zeit.  Und 
daher  heifien  sie  die  Engel  des  Anfanges,  Archai- Angeloi,  was  dann 
zum  deutschen  Wort  Erzengel  geworden  ist.  So  sind  sie,  diese 
Erzboten,  die  Menschen  der  Sonne  gewesen. 


VIERTER  VORTRAG 


Diisseldorf,  13.  April  1909,  abends 


Wenn  wir  nunmehr  etwas  zuriickblicken  auf  das  heute  vormittag 
Gesagte,  dann  wird  uns  an  den  noch  durchsichtigeren  und  weniger 
in  Maja  oder  Illusion  getauchten  Verhaltnissen  des  Saturn  klarer  sein 
konnen,  wie  sich  vollzieht  die  Erlosung  oder  die  weitere  Fesselung 
von  gewissen  Wesenheiten,  die  wir  gestern  in  Ankniipfung  an  jene 
tief  einschneidende,  bedeutungsvolle  Stelle  der  Gottlichen  Gita  er- 
kannt  haben.  Erinnern  Sie  sich  daran,  dafi  gesagt  worden  ist:  Wenn 
die  Geister  der  Personlichkeit  auf  dem  alten  Saturn  jedesmal  diese 
eiformigen  Warmekorper  aufsaugen  und  nichts  zuriicklassen  wiir- 
den,  dann  rmifite  der  ganze  Saturn,  wenn  er  seine  Entwickelung 
vollendet  hat,  eigentlich  in  die  geistige  Welt  aufgesogen  werden.  Nun 
geschieht  das  aber  nicht,  wie  ausgefuhrt  worden  ist,  sondern  die 
Geister  der  Personlichkeit  auf  dem  alten  Saturn,  die  driicken  sozusa- 
gen  intensiver,  als  sie  es  tun  sollten,  dem  ganzen  Saturn  ihren  Stempel 
dadurch  auf,  dafi  sie  etwas  von  sich  zuriicklassen,  dafi  sie  nicht  alles 
wiederum  in  sich  aufnehmen;  dafi  sie  also  die  aufierlich  wahrnehm- 
baren  Warmekorper  zuriicklassen. 

Welche  Kraft  ist  es  denn  eigentlich,  die  da  in  den  Geistern  der 
Personlichkeit  auf  dem  alten  Saturn  waltet?  Das  ist  keine  andere  Kraft 
als  diejenige,  die  wir  heute  kennen  am  Menschen  als  die  Denkkraft. 
Denn  im  Grunde  genommen  tun  die  Geister  der  Personlichkeit  auf 
dem  alten  Saturn  nichts  anderes,  als  die  Kraft  ihrer  Gedanken  ausiiben. 
Dafi  diese  Warme-Eier  sich  bilden,  das  bewirken  sie  dadurch,  dafi  sie 
in  sich  die  Vorstellung  dieser  Warme-Eier  hervorrufen.  Also  es  ist  die 
vorstellende  Kraft  bei  den  Geistern  der  Personlichkeit,  die  nur  erne 
viel  starkere  Macht  hat,  als  es  beim  heutigen  Menschen  der  Fall  ist. 
Was  hat  die  vorstellende  Kraft  des  heutigen  Menschen  fur  eine  Macht? 
Wenn  Sie  heute  eine  Vorstellung  sich  bilden,  meine  lieben  Freunde, 
dann  bildet  sich  blofi  im  Astralischen  eine  Form,  die  Vorstellung  setzt 
sich  blofi  bis  ins  Astralische  hinein  fort.  Daher  kann  auch  nicht 
aufierlich-physisch  das  Bleiben  dieser  Form  konstatiert  werden.  Auf 


dem  alten  Saturn  waren  die  Geister  der  Personlichkeit  gewaltige 
Magier.  Sie  haben  durch  ihre  Gedankenkraft  diese  Saturn- Warme- 
Eier  geformt  und  sie  durch  ihre  Gedankenkraft  also  auch  zuriickge- 
lassen.  So  war  es  im  Grunde  genommen  die  Kraft  dieser  Geister  der 
Personlichkeit  selber,  welche  Reste  vom  alten  Saturn  zuriickgelassen 
hat,  und  diese  Reste  erscheinen  nun  immer  wieder  und  wieder  und 
zuletzt  sogar  wahrend  der  Sonnenentwickelung. 

Da  haben  wir  es  also  sehr  greifbar,  dafi  eine  Wesenheit,  die  eigent- 
lich  Mensch  ist,  aus  der  Umgebung  heraus  Formen  entnimmt  -  denn 
was  als  Eier  da  geformt  wird,  das  ist  aus  der  Umgebung  des  Saturn 
heraus  gebildet  -  und  dafi  diese  Eier  verzaubert,  gefesselt  werden 
bis  zu  einem  nachsten  Dasein. 

Also  hier  tritt  es  uns  schon,  weil  die  Verhaltnisse  noch  nicht  so 
verwickelt  sind,  in  umfassenderem  Mafie  vor  Augen,  was  wir  gestern 
gesagt  haben.  Hier  konnten  wir  sagen:  Sieh  an  das  Saturnfeuer,  sieh 
an  dasjenige,  was  von  dem  alten  Saturnfeuer  immer  wiederum  vergei- 
stigt  wird,  was  immer  wiederum  zuruckgenommen  wird  als  inneres 
Feuer,  als  Seelenfeuer,  als  Warmebehaglichkeit,  das  steigt  auf  in  ho- 
here  Welten.  Und  ware  nur  das  da,  so  wiirde  der  Saturn  in  hohere 
Welten  verschwinden.  Das,  was  wahrnehmbare  aufiere  Warme  ist, 
was  zur  aufieren  Warme  sieh  verdichtet,  das  mufi  wiedergeboren 
werden,  wiedererscheinen  und  erscheint  zunachst,  wie  beschrieben 
worden  ist,  auf  der  Sonne. 

Nun  blicken  wir  zuriick  auf  das  iibrige,  das  wir  heute  beschrieben 
haben.  Wir  haben  uns  da  klargemacht,  dafi  auf  dieser  alten  Sonne  dieje- 
nigen  Wesenheiten  der  geistigen  Hierarchien,  die  wir  Erzengel,  Ar- 
changeloi  oder  Feuergeister  nennen,  ihre  Menschheitsstufe  durchma- 
chen,  dafi  das  Warme-Element  bereits  auf  der  einen  Seite  sieh  zu  Rauch 
verdichtet,  zu  Gas,  so  dafi  die  Sonne  bereits  eine  Gaskugel  ist,  und 
dafi  auf  der  anderen  Seite  dieses  Gas  so  verbrennt,  dafi  Licht  in  den 
Weltenraum  hinausstromt.  Und  es  sind  eben  gerade  die  Erzengel  oder 
Feuergeister,  welche  in  diesem  Ausstromen  des  Lichtes  leben,  welche 
Licht  einsaugen  und  ausstromen  und  darinnen  ihr  Leben  haben.  Und 
ich  habe  Ihnen  schon  gesagt,  dafi,  wenn  Sie  damals  eine  Reise  durch 
den  Weltenraum  hatten  unternehmen  konnen,  Sie  die  alte  Sonne 


gesehen  haben  wiirden  von  feme  Ihnen  entgegenleuchten.  Im  Innern 
der  alten  Sonne  wiirden  Sie  die  verschiedenen  Gasstromungen  wie 
einen  Atmungsprozefi  des  ganzen  Sonnenleibes  wahrgenommen 
haben. 

Nun  halten  wir  uns  noch  einmal  vor  die  Seele  diesen  alten  Saturn, 
diese  alte  Sonne.  Wir  haben  gesehen,  dafi  in  diesen  beiden  planetari- 
schen  Korpern  Leben  und  Regsamkeit  herrscht,  dafi  da  etwas  ge- 
schieht.  Wir  haben  ja  den  alten  Saturn  so  beschreiben  konnen,  dafi 
sich  auf  ihm  diese  Eierbildungen  neu  formen  und  wiederum  auflosen 
mit  Ausnahme  der  Reste,  die  zuriickbleiben.  Daher  wiirde  jemand, 
der  diese  innere  Regsamkeit  des  alten  Saturn  beobachtete,  sich  sagen: 
Eigentlich  ist  dieser  Saturn  ein  einziges  Lebewesen.  Es  ist  wirklich 
so,  wie  wenn  er  vollig  ein  Lebewesen  ware.  Er  lebt;  er  lebt  in  sich 
selber,  er  bildet  aus  seinem  eigenen  Leben  heraus  fortwahrend  For- 
men und  so  weiter.  Und  in  noch  hoherem  Mafie  ist  das  bei  der  alten 
Sonne  der  Fall.  Sie  stellt  sich  dar  als  eine  Gesamtheit  in  den  Wechsel- 
zustanden  von  Sonnentag  und  Sonnennacht,  von  Einatmen  und  Aus- 
atmen  des  Lichtes.  Das  alles  wiirde,  wenn  es  eben  beobachtet  werden 
konnte,  den  Eindruck  von  nicht  toten,  sondern  von  lebensvollen 
Weltenkorpern  machen. 

Nun  ist  alles  dasjenige,  was  lebt,  was  uberhaupt  in  einer  solchen 
Tatigkeit  ist,  deshalb  innerlich  belebt  und  bewegt,  weil  geistige  We- 
senheiten  diese  Bewegung  lenken  und  leiten.  Zwar  haben  wir  gesagt, 
dafi  die  Geister  der  Personlichkeit  durch  ihre  Gedankenkraft  diese 
Eiformen  bilden.  Ja,  aber  erst,  das  werden  Sie  begreiflich  finden,  erst 
raufi  etwas  da  sein,  woraus  der  Stoff  zu  diesen  Eiern  genommen  wer- 
den kann.  Den  Stoff  konnen  die  Geister  der  Personlichkeit,  die  Urbe- 
ginne  oder  Archai,  nicht  schaffen.  Das  ist  das  erste,  was  wir  uns  vor 
die  Seele  fuhren  miissen,  dafi  etwas  da  sein  mufi,  was  den  Stoff  hergibt, 
also  die  undifferenzierte  Warme,  das  Feuer  selber.  Die  Geister  der 
Personlichkeit  sind  nur  diejenigen,  die  es  formen,  aber  die  Warme 
miissen  sie  erst  von  anderswoher  empfangen.  Woher  empfangt  nun 
die  gesamte  Welt  des  Saturn,  also  vor  allem  die  Geister  der  Personlich- 
keit, woher  empfangen  sie  diesen  Warmestoff,  das  Warme-  oder 
Feuerelement?  Das  kommt  nun  von  wesentlich  hoheren  Geistern,  von 


geistigen  Wesenheiten,  welche  ihre  Menschheitsstufe  so  weit  zuriick 
durchgemacht  haben,  dafi  sie  auf  dem  alten  Saturn  schon  langst  iiber 
diese  Menschheitsstufe  hinaus  waren.  Wir  imissen  uns,  um  uns  eine 
Vorstellung  zu  machen  von  solch  erhabenen  Wesenheiten,  wie  sie 
notwendig  waren,  um  das  Warme-Feuer  des  alten  Saturn  herzugeben, 
wir  miissen  uns  vergleichsweise  die  Entwickelung  des  Menschen 
selber  ein  wenig  vor  die  Seele  riicken,  denn  der  Mensch  wird  ja 
einstmals  auch  ein  gottliches  Wesen. 

Wir  wissen,  dafi  der  Mensch,  wie  er  heute  vor  uns  steht,  aus  den 
vier  Gliedern  der  menschlichen  Natur  besteht,  die  wir  oft  erwahnt 
haben,  die  aber  der  Schhissel  sind  zu  aller  Geisteswissenschaft:  dafi 
der  Mensch  besteht  aus  physischem  Leib,  Atherleib,  astralischem  Leib 
und  Ich.  Wir  wissen  dann,  wie  sich  der  Mensch  weiter  entwickelt; 
dafi  das  Ich  von  innen  heraus  arbeitet,  dafi  es  zunachst  den  astralischen 
Leib  umgestaltet,  um  ihn  ganz  unter  die  Herrschaft  des  Ich  zu  brin- 
gen.  Wenn  nun  dieser  astralische  Leib  so  weit  umgestaltet  ist,  dafi 
das  Ich  ihn  in  voller  Gewalt  hat,  dann  sagen  wir:  Dieser  astralische 
Leib  ist  so  geworden,  dafi  er  das  Geistselbst  oder  Manas  in  sich 
enthalt.  Ein  Astralleib  also,  der  vom  Ich  beherrscht  wird,  ist  Geist- 
selbst oder  Manas.  Ebenso  ist  es  mit  dem  Atherleib.  Wenn  das  Ich 
noch  bedeutsamer  arbeitet,  so  iiberwindet  es  auch  die  widerstreben- 
den  Krafte  des  Atherleibes,  und  der  umgewandelte  Atherleib  ist  der 
Lebensgeist  oder  die  Budhi.  Und  endlich,  wenn  das  Ich  Herr  wird 
iiber  den  physischen  Leib,  wenn  es  die  am  starksten  widerstrebenden 
Krafte,  die  des  physischen  Leibes,  iiberwindet,  dann  hat  der  Mensch 
in  sich  auch  noch  den  Geistesmenschen  oder  Atma.  So  dafi  wir  dann 
einen  siebengliedrigen  Menschen  haben,  der  seinen  physischen  Leib 
umgewandelt  hat  zu  Atma  oder  Geistesmenschen.  Nach  aufien  hin 
erscheint  der  physische  Leib  als  physischer  Leib,  innerlich  ist  er  ganz 
beherrscht  und  durchgluht  vom  Ich;  da  ist  der  physische  Leib  zu- 
gleich  physischer  Leib  und  Atma.  Der  Atherleib  ist  zugleich  Ather- 
leib und  Lebensgeist  oder  Budhi,  und  der  astralische  Leib  ist  zugleich 
astralischer  Leib  und  Geistselbst  oder  Manas,  und  das  Ich  ist  nun 
der  Herrscher  in  alien  geworden.  So  riickt  der  Mensch  auf  zu  hoheren 
Stufen  seiner  Entwickelung,  so  gestaltet  er  sich  selber  um,  so  arbeitet 


er  seiner  Vergottung  entgegen,  der  Deifikation,  wie  Dionysius  der 
Areopagite,  der  Freund  und  Schiller  des  Apostels  Paulus,  sagt.  Aber 
mit  diesem  Punkt  ist  die  Entwickelung  noch  nicht  abgeschlossen. 
Wenn  der  Mensch  so  weit  auf  geriickt  ist,  dafi  er  sich  ganz  bezwungen 
hat,  dafi  er  ganz  diesen  physischen  Leib  unter  seine  Herrschaft  ge- 
bracht  hat,  dann  hat  er  noch  hohere  Stufen  der  Entwickelung  vor 
sich.  Es  geht  immer  hoher  und  hoher  hinauf,  und  da  blicken  wir  in 
geistige  Hohen,  zu  iibermenschlichen  Wesenheiten  hinauf,  und  im- 
mer machtiger  werden  diese  Wesenheiten,  immer  gewaltiger  und 
gewaltiger.  Und  worin  besteht  es  denn  eigentlich,  dafi  Wesenheiten 
immer  machtiger  werden?  Das  besteht  darin,  dafi  sie  zuerst  sozusagen 
bedurftig  sind  und  etwas  brauchen;  dafi  sie  etwas  verlangen  miissen 
von  der  Welt  und  dafi  sie  spater  sich  dazu  entwickeln,  etwas  geben 
zu  konnen.  Darin  beruht  im  Grunde  genommen  der  Geist  und  Sinn 
der  Entwickelung,  dafi  man  vom  Nehmen  zum  Geben  hinschreitet. 
Sie  haben  ja  ein  Analogon  an  der  menschlichen  Entwickelung  schon 
hier  zwischen  Geburt  und  Tod:  Das  Kind  ist  hilflos,  mufi  nehmen 
die  Hilfe  derjenigen,  die  in  seiner  Umgebung  sind.  Immer  mehr  und 
mehr  wachst  es  heraus  aus  dieser  Unbeholfenheit  und  wird  endlich 
selber  ein  Heifer  in  seinem  Kreis.  So  ist  es  auch  mit  der  grofien 
Menschheitsentwickelung  im  Universum. 

Der  Mensch  war  auf  dem  alten  Saturn  als  erste  physische  Men- 
schenanlage  vorhanden.  Da  mufite  er  noch  sozusagen  sich  geben 
lassen  die  erste  Anlage  zur  Menschheit.  So  ging  es  aber  auch  wahrend 
der  Sonnen-  und  der  Mondenzeit.  Auf  der  Erde  bekam  er  sein  Ich, 
und  jetzt  bereitet  er  sich  allmahlich  vor,  sein  Ich  wirken  zu  lassen 
in  den  Astralleib,  Atherleib  und  physischen  Leib  hinein.  Dadurch 
wird  er  allmahlich  ein  Wesen,  das  kosmisch  geben  kann.  Es  wachst 
das  Wesen  allmahlich  hinein  in  das  kosmische,  in  das  universelle 
Geben,  aus  dem  Nehmen  in  das  Geben.  Ein  Beispiel  haben  Sie  ja 
auch  an  jenen  Wesenheiten,  von  denen  wir  heute  gesprochen  haben, 
an  den  Erzengeln  oder  Archangeloi.  Sie  haben  sich  in  einer  gewissen 
Beziehung  schon  auf  der  Sonne  dazu  heranentwickelt,  dafi  sie  dem 
Weltenraum  das  Licht  geben  konnen.  Also,  die  Entwickelung  geht 
vom  Nehmen  zum  Geben.  In  bezug  auf  das  Geben  geht  aber  die  Sache 


sehr  weit.  Wenn  irgendwelche  Wesenheiten,  nehmen  wir  an,  blofi 
ihre  Gedanken  geben  konnen,  so  ist  das  im  Grunde  genommen  noch 
nicht  viel  des  Gebens,  denn  wer  Gedanken  gibt  -  nun,  wenn  er  noch 
so  viel  Gedanken  gegeben  hat  und  er  geht  hinweg,  so  ist  es  so  wie 
friiher.  Er  hat  sozusagen  nichts  Sichtbarliches,  nichts  Substantielles 
im  hoheren  Sinne  gegeben.  Aber  es  kommt  dann  eine  Zeit,  wo  die 
Wesen  nicht  nur  so  etwas  wie  Gedanken  oder  dergleichen  geben 
konnen,  sondern  wo  sie  viel  mehr  geben  konnen,  wo  sie  zum  Beispiel 
das  geben  konnen,  was  gerade  die  Geister  der  Personlichkeit  brauch- 
ten  auf  dem  alten  Saturn:  den  Stoff  des  Warme-Feuers. 

Wer  war  denn  nun  auf  einer  so  hohen  Stufe  der  Entwickelung, 
dafi  er  aus  seinem  eigenen  Leib  ausstromen  konnte  diesen  Warme- 
Feuer- Stoff  des  alten  Saturn?  Das  waren  jene  Wesenheiten,  die  wir 
als  die  Throne  bezeichnen. 

So  also  sehen  wir,  dafi  der  alte  Saturn  sich  bildet,  indem  aus  dem 
Umkreis  des  Universums  sich  zusammenziehen  an  einem  Punkt  des 
Weltenalls  die  Throne  und,  ich  mochte  sagen,  im  grofien  Mafistabe 
das  tun,  was  in  einer  niedrigeren  Sphare  der  Seidenspinner  tut,  wenn 
er  seinen  eigenen  Leib  ausspinnt  in  den  Seidenfaden.  Sie  spinnen  den 
Warmestoff  heraus,  opfern  ihn  hin  am  Altar  des  alten  Saturn,  die 
Throne.  Wir  haben  das  Leben  der  Geister  der  Personlichkeit  auf 
dem  alten  Saturn  so  anzusehen,  dafi  diese  Geister  der  Personlichkeit 
oder  Archai  im  Grunde  genommen  eben  blofi  die  Personlichkeit, 
das  Ich-Bewufitsein  geben  dieser  Warme.  Die  Substanz  des  Warme- 
Feuers,  die  stromt  zusammen  aus  dem  Universum,  aus  dem  Kosmos, 
sie  entstromt  hohen,  erhabenen  geistigen  Wesenheiten,  den  Thronen. 
Wir  wissen  also  jetzt  schon  sozusagen,  woraus  diese  Eier  bestehen, 
die  da  auf  dem  Saturn  vorhanden  sind.  Sie  sind  aus  dem  sich  hin- 
opfernden  Leib  der  Throne  gesponnen. 

Aber  das  wiirde  noch  nicht  geniigen,  damit  wiirde  der  Saturn  noch 
immer  nicht  jene  innere  Lebendigkeit  und  Regsamkeit  haben,  wenn 
blofi  die  Geister  der  Personlichkeit  und  die  Throne  da  zusammenar- 
beiten  wiirden.  Die  Geister  der  Personlichkeit  haben  die  Kraft,  den 
Warmestoff  zu  formen,  aber  sie  konnen  das  nicht  allein  machen. 
Damit  diese  ganze  innere  Regsamkeit,  diese  innere  Lebendigkeit  des 


alten  Saturn  zustande  kommt,  mufi  der  alte  Saturn  noch  bewohnt 
sein  von  anderen  geistigen  Wesenheiten,  die  niedriger  sind  als  die 
Throne,  aber  hoher  als  die  Geister  der  Personlichkeit  oder  Archai. 
Diesen  fallt  die  Auf  gabe  zu,  den  Geistern  der  Personlichkeit  zu  helf en. 
Auch  iiber  diese  Hilf e  konnen  wir  uns  eine  Vorstellung  machen,  wenn 
wir  daran  denken,  dafi  wir  iiber  uns  haben  zunachst  Engelwesen  oder 
Angeloi,  Erzengelwesen  oder  Archangeloi  und  Urbeginne  oder  Gei- 
ster der  Personlichkeit,  Archai.  Diese  Wesenheiten  sind  der  Hierar- 
chie  angehorig,  die  zunachst  iiber  uns  steht.  Die  Throne  sind  nicht 
die  allernachsten  iiber  den  Geistern  der  Personlichkeit.  Zwischen  den 
Geistern  der  Personlichkeit  und  den  Thronen  gibt  es  Zwischenstuf  en, 
und  das  sind  die  Wesenheiten,  die  wir  nennen  die  Gewalten  oder 
Exusiai  nach  Dionysius  dem  Areopagiten.  Gewalten  also,  das  ist  der 
Name,  den  wir  im  Deutschen  gebrauchen  diirfen.  Die  Gewalten  sind 
um  eine  Stufe  hoher  als  die  Geister  der  Personlichkeit.  Sie  verhielten 
sich  dazumal  zu  diesen  Geistern  der  Personlichkeit,  wie  sich  zu  uns 
verhalten  die  Engel.  Wiederum  eine  Stufe  hoher  als  diese  Gewalten 
sind  diejenigen  Wesenheiten,  die  wir  die  Machte  nennen,  Dynamis. 
Sie  verhielten  sich  zu  den  Geistern  der  Personlichkeit  auf  dem  alten 
Saturn,  wie  sich  heute  zu  uns  die  Erzengel  verhalten.  Und  eine  Stufe 
hoher  als  die  Machte  sind  diejenigen  Wesenheiten,  die  wir  Herrschaf- 
ten,  Kyriotetes  nennen.  Sie  verhielten  sich  zu  den  Geistern  der  Per- 
sonlichkeit auf  dem  alten  Saturn,  wie  sich  zu  uns  die  Urkrafte  oder  Gei- 
ster der  Personlichkeit  verhalten.  Dann  erst  kommen  die  Throne. 

So  haben  wir  auf  dem  alten  Saturn  eine  Stufenfolge  von  Wesenhei- 
ten: Die  Geister  der  Personlichkeit,  die  das  Ich-Bewufitsein  anregen 
und  durchfuhren.  Wir  haben  die  Throne,  die  um  vier  Stufen  hoher 
stehen  als  die  Geister  der  Personlichkeit,  die  den  Feuerstoff  hergeben. 
Und  zwischen  drinnen,  damit  alles  Leben  auf  dem  Saturn  geregelt 
und  gelenkt  werden  kann,  haben  wir  stehen,  von  unten  nach  oben, 
die  Gewalten,  die  Machte  und  die  Herrschaften  -  Exusiai,  Dynamis 
und  Kyriotetes.  Das  ist,  wenn  so  gesagt  werden  darf,  die  Bevolkerung 
des-  alten  Saturn. 

Indem  nun,  wie  das  heute  vormittag  geschildert  worden  ist,  der 
alte  Saturn  sich  fortentwickelt  zur  Sonne,  da  entwickeln  sich  diese 


Wesenheiten,  die  jetzt  aufgezahlt  worden  sind,  um  eine  Stufe  hoher, 
und  in  die  Menschheitsstufe  treten  ein  die  Erzengel.  Aufierlich,  wir 
konnten  sagen  physisch,  verdichtet  sich  die  Warme  zum  Gas.  Die 
Sonne  ist  ein  gasiger  Korper.  Und  wahrend  der  alte  Saturn  ein  dunkler 
Warmekorper  war,  fangt  die  Sonne  an,  nach  aufien  zu  leuchten,  aber 
sie  wechselt  sozusagen  ab  in  Sonnentagen  und  Sonnennachten.  Und 
das  zu  beachten,  dafi  sie  abwechselt  zwischen  Sonnentagen  und  Son- 
nennachten, das  ist  von  ganz  besonderer  Wichtigkeit.  Denn  es 
herrscht  auf  dieser  alten  Sonne  ein  gewaltiger  Unterschied  im  Leben 
zwischen  Sonnentagen  und  Sonnennachten.  Wenn  nichts  anderes 
eintreten  wurde  als  das,  was  ich  im  letzten  Vortrag  und  jetzt  beschrie- 
ben  habe,  dann  wiirden  die  Erzengel,  die  da  Menschen  sind  auf  der 
alten  Sonne,  in  den  Sonnentagen  mit  den  Lichtstrahlen  hinauseilen 
in  das  Universum,  wxirden  sich  verbreiten  im  Universum,  und  sie 
miifiten  in  den  Sonnennachten  wiederum  zuriickkehren  zur  Sonne. 
Ein  Aus-  und  Einatmen  des  Lichtes  und  damit  auch  der  im  Licht 
webenden  und  wesenden  Geschopfe  wurde  da  sein.  Aber  so  ist  es 
nicht.  Und  ich  mochte  jetzt  wiederum  in  einer  einfachen  Weise,  ich 
mochte  sagen,  fast  trivial  charakterisieren  das  Wesen  dieser  Erzengel 
oder  Archangeloi.  Es  gefallt  ihnen  sozusagen  zu  gut,  wenn  sie  da 
hinausschweben  in  das  Universum;  es  gefallt  ihnen  besser  das  Hinaus- 
schweben  und  Aufgehen  in  dem  Geist  des  Universums  als  das  Wieder- 
sichzusammenziehen.  Das  ist  ihnen  wie  ein  sie  beengendes  Dasein, 
ein  niedrigeres  Dasein.  Das  Leben  im  Lichtather  gefallt  ihnen  also 
besser.  Nun  konnten  sie  dieses  Leben  im  Lichtather  nimmermehr 
iiber  eine  gewisse  Grenze  hinaus  ausdehnen,  wenn  ihnen  nicht  irgend 
etwas  zu  Hilfe  kame  dabei.  Wenn  diese  Wesenheiten  auf  der  alten 
Sonne  allein  auf  sich  angewiesen  waren,  ganz  unmoglich  konnten  sie 
etwas  anderes  tun  als,  sagen  wir,  brav  wieder  zuriickkehren  zur  Sonne 
in  den  Sonnennachten.  Dennoch  haben  sie  es  nicht  getan,  sondern 
sie  haben  sozusagen  die  Zeit  ihres  Verweilens  in  der  Welt  draufien 
immer  langer  und  langer  ausgedehnt,  haben  sich  immer  mehr  und 
mehr  aufgehalten  in  der  geistigen  Welt.  Was  kam  ihnen  da  zu  Hilfe? 

Wenn  wir  uns  vorstellen,  dieser  Kreis  sei  der  alte  Sonnenball,  so 
streben  nach  alien  Seiten  hinaus  von  diesem  alten  Sonnenball  in  den 


Weltenraum  die  Erzengel,  es  verbreitet  sich  geistig  das  Wesen  der 
Erzengel  in  das  Universum.  Zu  Hilfe  kam  den  Erzengeln  bei  dieser 
Ausbreitung  der  Umstand,  dafi  ihnen  Wesen  aus  dem  Universum 
entgegenkamen.  So  wie  f riiher  bei  dem  alten  Saturn  eingestromt  sind 
aus  dem  Universum  die  Feuerelemente  der  Throne,  so  kommen  jetzt 
den  Erzengeln,  die  da  hinausgehen,  andere  Wesenheiten  entgegen, 
Wesenheiten,  die  noch  hoher  sind  als  die  Throne;  und  sie  helfen 
ihnen,  so  dafi  sie  langer  da  draufien  in  der  geistigen  Welt  bleiben 
konnen,  als  sie  es  sonst  hatten  konnen. 


Diese  Wesenheiten,  die  den  Erzengeln  aus  dem  geistigen  Raum 
entgegengekommen  sind  und  die  Erzengel  aufgenommen  haben, 
nennen  wir  Cherubim.  Das  ist  eine  besonders  erhabene  Art  von 
geistigen  Wesenheiten,  denn  sie  haben  die  Macht,  sozusagen  mit 
offenen  Armen  aufzunehmen  die  Erzengelwesen.  Wenn  diese  Erz- 
engelwesen  hinaus  sich  verbreiten,  kommen  ihnen  die  Cherubim 
aus  dem  Weltenall  entgegen.  Also  wir  haben  rings  um  den  alten 
Sonnenball  herum  die  sich  nahenden  Cherubim.  Wie,  wenn  ich 
den  Vergleich  gebrauchen  darf,  unsere  Erde  von  ihrer  Atmosphare 


umgeben  ist,  so  ist  die  alte  Sonne  umgeben  gewesen  von  dem  Reich 
der  Cherubim  zur  Wohltat  der  Erzengel.  Diese  Erzengel  schauten 
also,  wenn  sie  hinausgingen  in  den  Weltenraum,  sie  schauten  ihre 
grofien  Heifer  an. 

Und  wie  kamen  ihnen  diese  grofien  Heifer  entgegen,  wie  sahen  sie 
aus?  Das  kann  ja  naturlich  nur  das  in  der  Akasha-Chronik  lesende 
hellseherische  Bewufitsein  konstatieren.  In  ganz  bestimmten  atheri- 
schen  Gestalten  stellten  sich  dar  diese  groften  universellen  Heifer. 
Und  unsere  Vorfahren,  die  noch  ein  Bewufitsein  gehabt  haben  durch 
ihre  Tradition  von  dieser  bedeutungsvollen  Tatsache,  die  haben  die 
Cherubim  abgebildet  als  jene  eigentumlich  gefliigelten  Tiere  mit  den 
verschieden  gestalteten  Kopfen:  den  gefliigelten  Lowen,  den  gefliigel- 
ten Adler,  den  gefliigelten  Stier,  den  gefliigelten  Menschen.  Denn  in 
der  Tat:  Von  vier  Seiten  haben  sich  zunachst  genahert  die  Cherubim. 
Und  sie  nahten  sich  in  solchen  Gestalten,  dafi  sie  in  der  Tat  nachher 
so  abgebildet  werden  konnten,  wie  sie  uns  als  die  Gestalten  der  Cheru- 
bim bekannt  geworden  sind.  Und  deshalb  haben  die  Schulen  der 
ersten  Eingeweihten  der  nachatlantischen  Zeit  diese  von  vier  Seiten 
an  die  alte  Sonne  heranriickenden  Cherubim  mit  Namen  bezeichnet, 
die  dann  geworden  sind  zu  den  Namen  Stier,  Lowe,  Adler,  Mensch. 

Wir  werden  noch  manches  genauer  dariiber  horen;  heute  wollen 
wir  einmal  diese  vier  Arten  von  Cherubim,  die  da  den  Erzengeln 
entgegenkommen,  ins  Auge  fassen.  Das  war  also  der  Anblick  auf  der 
alten  Sonne,  dafi,  als  die  eigentlich  die  Sonne  belebenden  Menschen, 
namlich  die  Erzengel,  sich  da  hinaus  begaben  in  den  Weltenraum, 
daft  ihnen  da  von  vier  Seiten  die  Cherubim,  und  zwar  vier  Arten  von 
Cherubim,  entgegenkamen.  Dadurch  also  war  es  den  Erzengelwesen 
moglich,  langer  im  Reich  des  Geistes,  das  die  alte  Sonne  umgab,  zu 
verweilen,  als  es  ihnen  sonst  moglich  gewesen  ware.  Denn  belebend 
im  hochsten  Grade,  im  geistigen  Sinn  belebend,  wirkte  auf  die  alten 
Erzengel  der  Einflufi  dieser  Cherubim.  Aber  da  diese  Cherubim  in 
die  Nahe  der  Sonne  kamen,  mufite  sich  ja  ihre  Wirkung,  die  Wirkung 
dieser  Cherubim,  auch  sonst  geltend  machen.  Nicht  wahr,  etwas,  was 
irgendwo  ist,  macht  sich  ja  nicht  immer  blofi  in  einer  Beziehung 
geltend.  Sagen  wir,  in  einem  Zimmer  seien  zwei  Menschen;  der  eine 


wiinscht  etwas  stark  geheizt  zu  haben,  aber  der  zweite,  der  das  nicht 
wiinscht,  mufi  auch  drinnen  sein:  Es  wird  auch  dem  anderen  warm. 
So  war  es  auch  bei  diesen  aus  dem  Weltenraum  hereinstrahlenden 
Cherubim.  Auf  diejenigen  Wesenheiten  der  alten  Sonne,  die  sozusa- 
gen  sich  J>is  zum  Licht-Element  auf geschwungen  hatten,  die  im  Licht- 
Element  zu  leben  wufiten,  auf  die  wirkten  sie  in  der  geschilderten 
Weise.  Aber  auf  dieses  Licht-Element  konnte  ja  nur  gewirkt  werden 
wahrend  eines  Sonnentages,  wahrend  Licht  hinausstromte  in  den 
Weltenraum.  Es  gab  aber  auch  Sonnennachte,  wo  Licht  nicht  hinaus- 
stromte, da  waren  die  Cherubim  doch  auch  am  Himmel.  In  dieser 
Zeit,  wo  sich  der  Sonnenplanet  verfinsterte,  da  war  er  also  blofi 
Warme- Gas,  nicht  leuchtend;  da  stromten  Warme-Gase  innerhalb 
des  Sonnenballs.  Ringsherum  waren  nun  die  Cherubim  und  sandten 
ihre  Wirkung  herunter:  Jetzt  wirkten  sie  in  das  finstere  Gas  hinein. 
Wenn  also  diese  Cherubim  nicht  auf  die  Erzengel  in  normaler  Weise 
einwirken  konnten,  dann  wirkten  sie  herein  auf  den  dunklen  Rauch 
der  Sonne,  auf  das  dunkle  Gas.  Wahrend  also  auf  dem  alten  Saturn 
Wirkungen  geubt  wurden  auf  die  Warme,  wurden  jetzt  vom  Welten- 
raum herein  Wirkungen  geiibt  auf  die  verdichtete  Warme,  auf  das 
Gas  der  alten  Sonne.  Dieser  Wirkung  ist  es  zuzuschreiben,  dafi  auf 
der  alten  Sonne  aus  dem  Sonnennebel  heraus  sich  die  erste  Anlage 
bildete  zu  demjenigen,  was  wir  heute  das  Tierreich  nennen.  So  wie 
auf  dem  alten  Saturn  die  erste  Anlage  des  Menschenreiches  im  physi- 
schen  Menschenleib  entstanden  ist,  so  wird  auf  der  Sonne  aus  dem 
Rauch,  aus  dem  Gas  die  erste  Anlage  des  Tierreiches  gebildet.  Aus 
der  Warme  bildete  sich  auf  dem  alten  Saturn  die  erste  Anlage  des 
Menschenleibes;  auf  der  alten  Sonne  bilden  sich  durch  die  sich  in 
diesen  Sonnengasen  spiegelnden  Gherubimgestalten  die  ersten  rauch- 
artig  sich  bewegenden  physischen  Tierkorper-Anlagen. 

So  ist  das,  was  sich  da  als  Cherubimgestalten  rings  herum  um  die 
Sonne  ausbreitet,  jene  Gesamtheit  hoher  Wesenheiten,  die  auf  der 
einen  Seite  mit  offenen  Armen  sozusagen  den  Erzengeln  entgegen- 
kommt  und  auf  der  anderen  Seite  in  den  Sonnennachten  herauszau- 
bert  aus  dem  Sonnengas  die  ersten  physischen  Anlagen  zum  Tierreich. 
Es  wachst  aus  dem  Sonnennebel  heraus  das  Tierreich  in  seiner  ersten 


physischen  Anlage.  Deshalb  haben  diejenigen  unserer  Vorfahren,  die 
aus  den  Mysterien  heraus  Bekanntschaft  hatten  mit  diesen  tief  be- 
deutsamen  Sachen  der  geistigen  Kosmologie,  sie  haben  diese  Wesen- 
heiten,  die  von  den  verschiedenen  Seiten  des  Weltenraums  herein- 
wirkten  auf  die  alte  Sonne,  den  Tierkreis  genannt.  Das  ist  die 
urspriingliche  Bedeutung  des  Tierkreises.  Auf  dem  alten  Saturn  wird 
zuerst  die  Menschheit  veranlagt,  indem  der  Stoff,  den  sie  heute  im 
physischen  Leib  hat,  von  den  Thronen  ausgegossen,  hingeopfert 
wird.  Auf  der  Sonne  wird  die  erste  Anlage  zum  Tierreich  gebildet, 
indem  aus  dem  zum  Gas  verdichteten  Warmestoff  durch  die  sich 
spiegelnden  Gestalten  der  Cherubim  herausgezaubert  werden  die 
ersten  Tierformen.  Und  so  werden  die  Tiere  zunachst  Sonnenabbilder 
des  Tierkreises.  Das  ist  eine  wirkliche  innere  Beziehung  zwischen 
dem  Tierkreis  und  den  auf  der  Sonne  werdenden  Tieren.  Unsere 
Tiere  sind  karikaturenhafte  Nachfolger  jener  auf  der  Sonne  werden- 
den Tiere.  Wahrhaftig,  man  hat  nicht  umsonst  den  Dingen  solche 
Namen  gegeben.  Man  darf  niemals  glauben,  dafi  in  jenen  alten  Zeiten 
die  Namen  in  beliebiger  Weise  ausgedacht  wurden.  Heute,  wenn  ein 
neuer  Stern  aus  der  Planetoidenkette  entdeckt  wird,  was  macht  da 
der  betreffende  Astronom,  der  das  Gliick  gehabt  hat,  den  Stern  zu 
erspahen?  Er  schlagt  ein  Lexikon  auf  und  sucht  einen  Namen  aus 
der  griechischen  Mythologie,  der  noch  freigeblieben  ist,  und  legt  ihn 
dem  Stern  beL  So  hat  man  in  den  Zeiten,  wo  man  in  den  Namen 
den  Ausdruck  gesucht  hat  fur  die  Sache,  so  hat  man  in  den  Zeiten, 
wo  die  Mysterien  machtig  waren,  niemals  Namen  gegeben;  sondern 
in  den  Namen,  die  damals  gegeben  wurden,  konnen  Sie  iiberall  die 
tiefe  Bedeutung  der  Sache  drinnen  finden. 

Die  Formen  unserer  Tiere,  wenn  sie  heute  auch  zu  Karikaturen 
verzerrt  sind,  sind  heruntergeholt  aus  dem  Umkreis  des  Universums, 
aus  der  Gestalt  des  Tierkreises,  die  damals  vorhanden  war.  Nun  kann 
es  Ihnen  auffallen,  dafi  hier  zunachst  nur  vier  Namen  des  Tierkreises 
hingeschrieben  sind.  Das  sind  eben  nur  die  hauptsachlichsten  Aus- 
driicke  fur  die  Cherubim,  denn  im  Grunde  genommen  hat  jede  solche 
Cherubimgestalt  nach  links  und  rechts  eine  Art  Nachkommen  oder 
Begleiter.  Denken  Sie  sich  jede  der  vier  Cherub imgestalten  mit  zwei 


Begleitern  ausgestattet,  dann  haben  Sie  zwolf  Krafte  und  Machte  im 
Umkreis  der  Sonne,  die  in  einer  gewissen  Andeutung  auch  schon 
beim  alten  Saturn  vorhanden  waren.  Wir  haben  zwolf  solcher  Machte, 
die  angehoren  dem  Reich  der  Cherubim  und  die  in  der  Weise  ihre 
Aufgabe,  ihre  Mission  im  Universum  zu  erfiillen  haben,  wie  wir  es 
jetzt  gesagt  haben. 

Nun  konnten  Sie  noch  fragen,  wie  verhalt  es  sich  aber  mit  den 
gewohnlichen  Tierkreisnamen?  Davon  werden  wir  noch  ein  Wort 
in  den  nachsten  Tagen  sprechen.  Denn  in  der  Reihenf  olge  der  Namen 
hat  sich  einiges  geandert.  Man  fangt  gewohnlich  an  zu  zahlen  mit 
Widder,  Stier,  Zwillinge,  Krebs,  Lowe,  dann  kommt  Jungfrau,  Waa- 
ge.  Der  Adler  hat  durch  eine  spatere  Verwandlung  sich  die  Benen- 
nung  Skorpion  gef  alien  lassen  miissen  -  aus  ganz  bestimmten  Griin- 
den.  Und  dann  die  zwei  Begleiter  Schiitze,  Steinbock.  Der  Mensch 
heifit  aus  gewissen  Griinden,  die  wir  auch  noch  kennenlernen  werden, 
Wassermensch  oder  Wassermann.  Und  dann  die  Fische.  —  Sie  sehen 
also  sozusagen  die  wirkliche  Gestalt,  aus  der  der  Tierkreis  entsprun- 
gen  ist,  nur  noch  durchleuchten  in  dem  Stier,  in  dem  Lowen,  ein 
wenig  noch  im  Menschen,  der  in  der  gewohnlichen  exoterischen 
Benennung  der  Wassermensch  oder  Wassermann  heifit.  Warum  der 
Tierkreis  die  Umwandlung  erfahren  hat,  wird  noch  zu  besprechen 
sein  in  den  nachsten  Tagen. 

So  also  sehen  Sie,  dafi  hohe  geistige  Wesenheiten,  hohe  Hierar- 
chien,  die  Throne  zunachst,  aus  ihrer  eigenen  Substanz  die  Feuerma- 
terie  heraussondern  auf  dem  alten  Saturn.  Und  Sie  sehen,  wie  noch 
hohere  Geister,  die  wir  bezeichnen  als  Cherubim,  das  was  gleichsam 
als  Licht  entspringt  aus  dieser  Feuermaterie,  in  sich  aufnehmen  kon- 
nen  und  ihm  sein  Lichtdasein  verklaren,  erhohen  konnen.  Aber  jedes- 
mal,  wenn  im  Universum  eine  Erhohung  eintritt,  mufi  auch,  um  den 
entsprechenden  Ausgleich  zu  schaffen,  eine  Erniedrigung  eintreten. 
Damit  bei  Tag  die  Erzengel  die  Gelegenheit  finden,  ihr  geistiges 
Dasein  auszudehnen,  miissen  die  Cherubim  in  der  Nacht  fortwirken 
und  die  unter  der  Menschheit  stehenden  tierischen  Wesenheiten, 
tierische  Formen  in  dem  zum  Nebel,  zum  Rauch,  zum  Gas  verdich- 
teten  Warmestoff  zum  Ausdruck  bringen. 


Damit  haben  wir  im  Sinne  der  Urweltweisheit  sozusagen  die  erste 
Vorstellung  gewonnen  von  dem  Zusammenwirken  gewisser  geistiger 
Wesenheiten  des  Universums  mit  unserem  eigenen  Weltenkorper, 
und  wir  haben  damit  zugleich  gesehen,  wie  das,  was  uns  aufierlich 
physisch  entgegentritt,  immer  auf  geistige  Wesenheiten  zuriickzu- 
fuhren  ist.  Was  man  heute  so  materiell  den  Tierkreis  nennt,  ist  zu- 
ruckzufuhren  auf  den  Reigen  der  Cherubim,  die  vom  Weltenum- 
kreis  herunterwirkten  auf  die  alte  Sonne,  die  ihre  Kraft  als  Leuchte- 
kraft  in  dieses  Universum  hinausstrahlte. 

Damit  haben  wir  also  den  einen  wichtigen  Begriff,  den  Begriff  des 
Tierkreises,  abgeleitet,  und  wir  werden  morgen  in  dieser  Betrachtung 
fortfahren,  wir  werden  zu  den  anderen  Begriffen  der  Weltenkorper 
allmahlich  auf  steigen  konnen  und  den  Zusammenhang  mit  den  geisti- 
gen  Hierarchien  immer  mehr  und  mehr  beleuchten. 


FUNFTER  VORTRAG 


Diisseldorf,  14.  April  1909,  abends 


Wir  haben  das  Wirken  hoherer  geistiger  Wesenheiten  innerhalb  unse- 
res  Kosmos  an  zwei  Beispielen  uns  vor  die  Seele  gefuhrt,  an  dem 
Beispiel  des  alten  Saturn  und  an  der  aus  ihm  als  seine  Wiederverkor- 
perung  hervorgehenden  Sonne.  Es  wird  nunmehr  notwendig  sein, 
dafi  wir  zunachst  heute  in  das  geistige  Reich  selber  eindringen,  in 
dem  diese  hoheren  geistigen  Wesenheiten  sind,  und  uns  noch  von 
einer  anderen  Seite  ihre  Wirkungsweise  vor  Augen  fuhren.  Es  wird 
im  Laufe  der  ersten  Halfte  der  Vortrage  manches  gesagt  werden 
miissen,  was  ein  grofier  Teil  von  Ihnen,  meine  lieben  Freunde,  schon 
da  oder  dort  gehort  hat.  Aber  abgesehen  davon,  dafi  wiederum  viele 
Zuhorer  da  sind,  die  von  dem,  was  Voraussetzung  ist,  mancherlei 
noch  nicht  gehort  haben,  so  ist  es  doch  auch  notwendig,  gerade  weil 
wir  in  diesem  Vortragszyklus  hoch  hinaufsteigen  miissen  in  die  Re- 
gionen  des  Geisteslebens,  manches  wieder  zu  erwahnen,  was  schon 
einmal  eine  solche  Voraussetzung  ist. 

Aus  dem  bisher  Gesagten  werden  Sie  erkannt  haben,  dafi  innerhalb 
eines  sich  entwickelnden  Weltsystems  in  der  mannigfaltigsten  Art 
geistige  Wesenheiten  tatig  sind.  Was  ist  eigentlich  im  Grunde  genom- 
men  dieser  alte  Saturn?  Machen  wir  uns  davon  einmal  eine  genaue 
Vorstelliing.  Naturlich  hat  der  alte  Saturn  zunachst  nichts  zu  tun  mit 
dem  gegenwartigen  Saturn.  Sie  konnen  sich  vielmehr  vorstellen,  dafi 
in  dem  alten  Saturn  alles  schon  im  Keime  darinnen  war,  was  heute 
unserem  ganzen  Sonnensystem  angehort:  unsere  Sonne,  unser  Mond, 
unser  Merkur,  unsere  Venus,  unser  Mars,  unser  Jupiter,  alle  diese 
Weltenkorper  waren  im  alten  Saturn  drinnen  und  haben  sich  aus  ihm 
herausgebildet.  Denken  Sie  sich  also  einen  Weltenkorper,  der  heute 
die  Sonne  zu  seinem  Mittelpunkt  hatte  und  hinausreichen  wiirde  so, 
dafi  der  heutige  Saturn  noch  drinnen  ware,  dann  wiirden  Sie  diesen, 
unser  heutiges  Sonnensystem  an  Grofie  iibertreffenden  alten  Saturn 
erst  richtig  in  der  Vorstellung  haben.  Also,  aus  diesem  alten  Saturn  ist 
sozusagen  unser  ganzes  Sonnensystem  hervorgegangen.  Man  konnte 


ihn  sogar  vergleichen,  zwar  nicht  vollstandig,  doch  annahernd,  mit 
dem  gesamten  Kant-Laplaceschen  Welten-Urnebel,  woraus  nach  der 
Ansicht  vieler  moderner  Menschen  unser  Sonnensystem  sich  heraus- 
gebildet  hat.  Doch  stimmt  der  Vergleich  nicht  vollstandig,  da  die 
meisten  sich  eine  Art  von  Gas  als  Ausgangspunkt  unseres  Sonnen- 
systems  denken,  wahrend  wir  gesehen  haben,  dafi  es  nicht  ein 
Gas-,  sondern  ein  Warmeleib  war.  Ein  Riesenwarmeleib,  das  ist 
der  alte  Saturn. 

Und  nun  haben  wir  gestern  gesagt:  Da,  wo  dieser  alte  Saturn  sich 
schon  umgewandelt  hat  in  die  spatere  Sonne,  wirken  aus  dem  Umfan- 
ge,  aus  dem  Universum  herein  die  Cherubim.  Nun  haben  Sie  sich 
vorzustellen,  dafi  diese  Cherubim,  die  da  im  Umkreis  der  alten  Sonne 
wirken,  auch  schon  vorhanden  waren  im  Umkreis  des  alten  Saturn. 
Nur  waren  sie  sozusagen  noch  nicht  aufgerufen  zu  ihrer  Wirksam- 
keit;  sie  waren,  wenn  es  trivial  gesagt  werden  darf,  noch  nicht  daran 
gekommen,  etwas  Erhebliches  zu  tun,  aber  vorhanden  waren  sie 
schon  im  Umkreis  des  alten  Saturn.  Und  auch  noch  andere  Wesenhei- 
ten  waren  im  Umkreis  des  alten  Saturn  vorhanden,  eine  Klasse  noch 
erhabenerer  Wesenheiten  als  die  Cherubim:  Das  sind  die  Seraphim. 
Und  aus  derselben  Region  her  kommen  ja  auch  die  Throne.  Nur 
fliefit  sozusagen  die  Substanz  der  Throne,  die  einen  Grad  niedriger 
sind  als  die  Cherubim,  herunter  und  bildet  die  Warmesubstanz  des 
Saturn,  wie  wir  das  ausgefuhrt  haben.  So  also  konnen  wir  uns  vorstel- 
len  diesen  Saturn  als  Riesen-Warmekugel,  umgeben  von  einem  Rei- 
gen  geistiger  Wesenheiten,  die  aufierordentlich  erhabener  Natur  sind. 
Man  nennt  sie  im  Sinne  der  christlichen  Esoterik  Throne,  Cherubim, 
Seraphim.  Es  sind  die  dhyanischen  Wesenheiten  der  ostlichen  Lehre. 

Nun  fragen  wir  uns  einmal:  Woher  kommt  denn  dieser  Reigen 
erhabener  Wesenheiten?  Alles  in  der  Welt,  alles  im  Universum  hat 
sich  entwickelt.  Und  wenn  wir  uns  eine  Vorstellung  machen  wollen 
davon,  woher  diese  Cherubim,  Seraphim  und  Throne  kommen,  so 
tun  wir  gut,  uns  auf  unser  eigenes  Sonnensystem  zunachst  einmal  ein- 
zulassen  und  uns  zu  fragen,  was  wird  denn  aus  unserem  Sonnensystem 
einstmals  werden?  Wir  wollen  die  Entwickelung  unseres  Sonnensy- 
stems  einmal  kurz  zeichnen.  Wir  wissen,  es  ist  ausgegangen  von  dem 


alten  Saturn,  dann  hat  sich  dieser  alte  Saturn  umgewandelt  zur  alten 
Sonne,  diese  wandelt  sich  um  zum  alten  Mond.  In  der  Zeit,  in  welcher 
die  alte  Sonne  Mond  wird,  tritt  eine  besondere  Entwickelung  ein. 
Dieser  Mond  geht  aus  der  Sonne  zum  erstenmal  heraus,  und  wir 
haben  in  dem  alten  Mond  zuerst  einen  Weltenkorper,  der  aufierhalb 
der  Sonne  ist.  Dadurch  kann  die  Sonne  sich  hoher  entwickeln,  dafi 
sie  das  Grobste  aus  sich  herausgesetzt  hat.  Nun  entwickelt  sich  das 
ganze  System  zum  System  unserer  heutigen  Erde.  Unsere  Erde 
kommt  dadurch  zustande,  dafi  sich  wiederum  aufier  allem  iibrigen 
Mond  und  Erde  als  die  groberen  Substanzen  und  die  Trager  der  grobe- 
ren  Wesenheiten  von  der  Sonne  heraussondern.  Aber  die  Entwicke- 
lung geht  weiter.  Die  Wesenheiten,  die  jetzt  auf  der  Erde  abgesondert 
wohnen  miissen,  die  aus  der  Sonne  sozusagen  herausgeworfen  sind, 
diese  Wesenheiten  entwickeln  sich  in  ihrer  Sonnenabgesondertheit 
immer  hoher  und  hoher.  Sie  miissen  noch  einen  Zustand  durchma- 
chen,  den  Jupiterzustand.  Aber  dadurch  reifen  sie  allmahlich  heran, 
sich  wiederum  mit  der  Sonne  zu  vereinigen.  Und  wenn  der  Zustand 
der  Venusentwickelung  gekommen  sein  wird,  dann  werden  alle  die 
Wesen,  die  heute  auf  unserer  Erde  wogen  und  leben,  sozusagen  wie- 
derum aufgenommen  worden  sein  in  die  Sonne,  und  die  Sonne  wird 
selbst  eine  hohere  Stufe  der  Entwickelung  erreicht  haben,  eben  da- 
durch, dafi  sie  alle  ihre  Wesenheiten,  die  sie  aus  sich  herausgesetzt 
hat,  wieder  zuriickerlost  hat.  Und  dann  kommt  die  Vulkanentwik- 
kelung,  die  hochste  Stufe  der  Entwickelung  unseres  Systems.  Denn 
das  sind  die  sieben  Entwickelungsstufen  unseres  Systems:  Saturn, 
Sonne,  Mond,  Erde,  Jupiter,  Venus  und  Vulkan.  In  der  Vulkanentwik- 
kelung  sind  alle  die  Wesenheiten,  die  sozusagen  aus  kleinen  Anfangen 
des  Saturndaseins  hervorgegangen  sind,  im  hochsten  Sinne  vergeistigt, 
sie  sind  zusammen  nicht  nur  Sonne,  sondern  Uber-Sonne  geworden. 
Der  Vulkan  ist  mehr  als  Sonne  und  damit  hat  er  erlangt  die  Reife 
zum  Opfer,  die  Reife  dazu,  sich  aufzulosen. 

Das  ist  die  nachste  Stufe  der  Entwickelung,  dafi  ein  solches  System, 
in  welchem  von  einem  Ausgangspunkte  aus  eine  Sonne  entsteht,  diese 
Sonne  sozusagen  zuerst  schwach  ist  und  ihre  Planeten  hinauswerfen 
mufi,  damit  sie  sich  selbst  weiterentwickeln  kann.  Sie  wird  stark, 


nimmt  ihre  Planeten  wieder  auf,  wird  zum  Vulkan.  Und  nun  lost 
sich  das  Ganze  auf,  und  es  wird  aus  der  Vulkankugel  nachher  eine 
Hohlkugel,  es  wird  dann  eben  etwas  Ahnliches,  wie  es  dieser  Reigen 
der  Throne,  Cherubim  und  Seraphim  ist.  Es  wird  also  die  Sonne  sich 
auflosen,  ins  Universum  hinaus  sich  hinopfern,  ausstrahlen  ihre  We- 
senheit.  Und  dadurch  wird  sie  selbst  ein  Reigen  von  solchen  Wesen- 
heiten,  wie  die  Seraphim,  Cherubim  und  Throne  es  sind,  der  nun 
zum  neuen  Schaffen  im  Weltall  fortschreitet. 

Warum  konnen  die  Throne  aus  ihrer  Substanz  heraus  dasjenige 
abgeben,  was  der  Saturn  braucht?  Weil  die  Throne  sich  vorbereitet 
haben  in  einem  fruheren  System  durch  solche  sieben  Zustande  hin- 
durch,  wie  unser  Sonnensystem  es  jetzt  durchmacht.  Bevor  etwas 
ein  System  wird  von  Thronen,  Cherubim,  Seraphim,  muE  es  ein 
Sonnensystem  gewesen  sein;  das  heifit,  wenn  eine  Sonne  so  weit  ist, 
dafi  sie  sich  mit  ihren  Planeten  wieder  vereinigt  hat,  dann  wird  sie 
Umkreis,  dann  wird  sie  selber  ein  Tierkreis.  Das,  was  wir  im  Tierkreis 
kennengelernt  haben,  diese  erhabenen  Wesenheiten,  sind  die  Reste, 
die  uns  herubergekommen  sind  aus  einem  alten  Sonnensystem.  Was 
fruher  innerhalb  eines  Sonnensystems  sich  entwickelt  hat,  das  kann 
jetzt  herunterwirken  aus  dem  Weltenraum  und  kann  selber  ein  neues 
Sonnensystem  aus  sich  gebaren  und  schaffen.  Deshalb  sind  diese 
Wesenheiten,  die  Seraphim,  Cherubim,  Throne,  fur  uns  zunachst  die 
hochste  Hierarchie  unter  den  gottlichen  Wesenheiten,  weil  sie  ihre 
Sonnensystem-Entwickelung  bereits  durchgemacht  haben  und  zum 
grofien  kosmischen  Opferdienst  aufgestiegen  sind. 

Diese  Wesenheiten  sind  dadurch  erst  in  wirklich  unmittelbare 
Nahe  gekommen  der  hochsten  Gottlichkeit,  von  der  wir  zunachst 
uberhaupt  sprechen  konnen,  der  Trinitat,  der  dreif  achen  Gottlichkeit. 
Jenseits  also  der  Seraphim  haben  wir  zu  sehen  jene  hochste  Gottlich- 
keit, welche  Sie  bei  fast  alien  Volkern  finden  als  die  dreifache  Gott- 
lichkeit, ausgedriickt  als  Brahma,  Shiva,  Vishnu,  als  Vater,  Wort  und 
Heiliger  Geist.  Dieser  hochsten  Gottlichkeit,  der  obersten  Dreieinig- 
keit,  entspringen  gleichsam  die  Plane  zu  einem  jeden  neuen  Welten- 
system.  Blicken  wir  zuriick  zum  alten  Saturn,  so  sagen  wir  uns: 
Bevor  irgend  etwas  ins  Dasein  getreten  ist  von  diesem  alten  Saturn, 


ist  in  der  gottlichen  Dreieinigkeit  der  Plan  erwachsen.  Aber  diese  Drei- 
einigkeit  braucht  Wesenheiten  zur  Ausfiihrung  des  Planes.  Diese 
Wesenheiten  mxissen  sich  erst  reif  machen  dazu.  Die  ersten  Wesenhei- 
ten, die  urn  die  Gottheit  sozusagen  selber  sind,  die,  wie  man  es  schon 
ausgedriickt  hat  in  der  christlichen  abendlandischen  Esoterik,  «un- 
mittelbar  den  Anblick  Gottes  geniefien»,  das  sind  die  Seraphim,  Che- 
rubim, Throne.  Die  nehmen  nun  die  Plane  eines  neuen  Weltensy- 
stems  entgegen  von  der  gottlichen  Dreieinigkeit,  der  sie  entspringen. 
Es  ist  das  naturlich,  Sie  verstehen,  meine  lieben  Freunde,  mehr  bild- 
lich  gesprochen  als  wirklich,  denn  wir  miissen  mit  menschlichen 
Worten  solch  erhabene  Tatigkeiten  ausdriicken,  fiir  die  menschliche 
Worte  wahrhaftig  nicht  geschaffen  sind.  Menschliche  Worte  sind 
nicht  da,  um  solch  hohe  Tatigkeit  auszudriicken,  durch  die  zum 
Beispiel  am  Beginn  unseres  Sonnensystems  die  Seraphim  entgegen- 
nahmen  die  hochsten  Plane  der  gottlichen  Dreieinigkeit,  die  da  ent- 
halten,  wie  sich  unser  Sonnensystem  durch  Saturn,  Sonne,  Mond, 
Erde,  Jupiter,  Venus  und  Vulkan  hindurchentwickeln  soli.  Seraphim 
ist  ein  Name,  der  von  all  denen,  die  ihn  richtig  im  Sinne  der  alten 
hebraischen  Esoterik  selbst  verstanden  haben,  immer  so  gedeutet 
worden  ist,  daft  die  Seraphim  die  Aufgabe  haben,  die  hochsten  Ideen, 
die  Ziele  eines  Weltensystems  entgegenzunehmen  aus  der  Trinitat. 
Die  Cherubim,  die  nachstniedrige  Stufe  der  Hierarchie,  haben  die 
Aufgabe,  in  Weisheit  nunmehr  auszubauen  die  Ziele,  die  Ideen,  die 
von  den  hochsten  Gottern  entgegengenommen  werden.  Die  Cheru- 
bim sind  also  Geister  hochster  Weisheit,  die  in  ausfuhrbare  Plane 
dasjenige  umzusetzen  verstehen,  was  ihnen  angegeben  wird  von  den 
Seraphim.  Und  die  Throne  hinwiederum,  der  dritte  Grad  der  Hierar- 
chie von  oben,  der  hat  die  Aufgabe,  nunmehr,  naturlich  sehr  bildlich 
gesprochen,  Hand  anzulegen,  damit  das,  was  in  Weisheit  ausgedacht 
ist,  damit  diese  hehren  Weltengedanken,  die  die  Seraphim  von  den 
Gottern  empfangen,  die  die  Cherubim  durchgedacht  haben,  in 
Wirklichkeit  umgesetzt  werden. 

Wir  sehen  formlich,  wenn  wir  nur  mit  der  Seele  sehen  wollen,  wie 
durch  das  Herunterfliefien  der  Feuersubstanz  durch  die  Throne  die 
erste  Stufe  der  Verwirklichung  der  gottlichen  Plane  geschieht.  So 


stellen  uns  die  Throne  diejenigen  Wesenheiten  dar,  die  die  Kraft 
haben,  das  zunachst  durch  die  Cherubim  Ausgedachte  umzusetzen 
in  eine  erste  Wirklichkeit.  Das  geschieht,  indem  diese  Throne  hinein- 
fliefien  lassen  in  den  Raum,  der  sozusagen  in  Aussicht  genommen 
worden  ist  fur  ein  neues  Weltensystem,  ihre  eigene  Substanz,  die 
Substanz  des  urspriinglichen  Weltenfeuers.  Wenn  wir  uns  das  recht 
bildlich  vorstellen  wollen,  so  konnen  wir  sagen:  Ein  altes  Sonnensy- 
stem  ist  verschwunden  und  verklungen;  innerhalb  dieses  alten  Son- 
nensystems  sind  herangereift  zur  hochsten  Reif e  der  Reigen  der  Sera- 
phim, Cherubim,  Throne.  Nun  suchen  sich  diese  nach  den  Angaben 
der  hochsten  Dreieinigkeit  einen  Kugelraum  im  Weltenraum  aus  und 
sagen  sich,  hier  wollen  wir  beginnen.  Und  jetzt  nehmen  die  Seraphim 
die  Ziele  des  Weltensystems  entgegen,  die  Cherubim  arbeiten  dieses 
Ziel  aus,  und  in  diesen  Kugelraum  lassen  fliefien  aus  ihrer  eigenen 
Wesenheit  heraus  die  Throne  das  Urf euer.  So  haben  wir  den  Anfang 
unseres  Weltensystems  erfafk. 


Aber  es  sind  nun  auch  noch  andere  Wesenheiten  in  einer  gewissen 
Weise  schon  dabeigewesen  bei  dem  friiheren  Sonnensystem,  dessen 


Nachfolger  das  unsrige  ist.  Diese  Wesenheiten  sind  nur  nicht  so  hoch 
gestiegen  wie  die  Seraphim,  Cherubim,  Throne;  sie  sind  auf  niedrige- 
rer  Stufe  stehengeblieben,  sind  so  herubergekommen,  da!5  sie  selber 
noch  eine  gewisse  Entwickelung  durchmachen  miissen,  bevor  sie 
schopferisch  tatig  sein  konnen,  bevor  sie  Opfer  bringen  konnen. 
Diese  Wesenheiten  sind  nun  die  Wesenheiten  der  zweiten  dreigliede- 
rigen  Hierarchic  Die  erste  dreigliederige  Hierarchie  haben  wir  so- 
eben  betrachtet.  Die  Wesenheiten  der  zweiten  sind  diejenigen,  deren 
Namen  wir  auch  schon  angefuhrt  haben:  die  Kyriotetes  oder  Herr- 
schaften  oder  Dominationes  oder  auch  Geister  der  Weisheit,  dann 
die  sogenannten  Machte  oder  Dynamis,  wie  sie  Dionysius  der  Areo- 
pagite  nennt  und  nach  ihm  die  Lehrer  des  Abendlandes  Virtutes, 
Tugenden.  Das  ist  die  zweite  Stufe  der  zweiten  Hierarchie.  Und  die 
dritte  Stufe  sind  die  sogenannten  Gewalten.  Es  sind  die  Geister  der 
Form,  die  auch  genannt  werden  von  den  Lehrern  des  Abendlandes 
Potestates,  das  ist  Gewalten. 

Nun  wollen  wir  uns  einmal  fragen:  Wenn  wir  auf  den  alten  Saturn 
zuriickblicken,  wo  sind  denn  nun,  nachdem  wir  gesehen  haben,  dafi 
die  erste  Hierarchie  im  Umkreis  des  Saturn  ist,  die  Wesenheiten 
dieser  zweiten  Hierarchie?  Wo  haben  wir  die  Herrschaften,  die 
Machte,  die  Gewalten  zu  suchen?  Wir  haben  sie  innerhalb  des  alten 
Saturn  zu  suchen.  Wenn  die  Throne  sozusagen  gerade  bis  an  die 
Grenze  heranreichen,  so  haben  wir  innerhalb  des  alten  Saturn  die 
Herrschaften,  Machte  und  Gewalten.  Also  im  alten  Saturn,  in  seiner 
Masse  drinnen,  wirken  wiederum  wie  drei  Reigen  die  Gewalten,  die 
Machte,  die  Herrschaften.  Sie  sind  innerhalb  der  Saturnsubstanz 
wirkende  geistige  Wesenheiten. 

Jetzt  wollen  wir  uns  einmal  ein  wenig  verstandigen  mit  der  so 
aufierordentlich  phantastischen  modernen  Weltentstehungstheorie, 
indem  wir  uns  noch  einmal  vor  Augen  fiihren,  was  diese  als  Kant- 
Laplacesche  Theorie  hingestellt  hat.  Eine  Nebelmasse  hat  sie  hinge- 
stellt  als  Ausgangspunkt  fur  unser  Sonnensystem,  und  nun  stellt  sich 
ja  diese  Kant-Laplacesche  Theorie  vor,  dafi  diese  ganze  Riesengasmas- 
se  anfangt,  sich  herumzudrehen,  herumzuwirbeln.  Bekanntlich  findet 
sie  das  aufierordentlich  einleuchtend,  dafi,  wenn  sich  das  herumdreht, 


sich  nach  und  nach  die  aufieren  Planeten  abspalten.  Zuerst  werden 
es  Ringe,  die  ziehen  sich  dann  zusammen;  in  der  Mitte  bleibt  die 
Sonne  und  die  anderen  rotieren  urn  sie  herum.  Sie  stellt  sich  das  ganz 
mechanisch  vor.  Nun,  nicht  wahr,  es  wird  ein  sehr  niedliches  Schulex- 
periment  zur  Verdeutlichung  dieser  Sache  gemacht.  Man  zeigt,  wie 
im  kleinen  ein  solches  Sonnensystem  gebildet  wird.  Man  nimmt  ein 
Gefafi  mit  Wasser,  nimmt  einen  grofien  Oltropfen,  dann  schneidet 
man,  so  dafi  man  die  Grofie  des  Aquators  ins  Auge  falk,  ein  Karten- 
blatt,  steckt  es  in  der  Aquatorrichtung  durch  und  von  oben  eine  Steck- 
nadel  hinein.  Dann  bringt  man  diesen  Oltropfen  zur  Rotation.  Es 
spalten  sich  kleine  Tropfchen  ab  und  kreisen  herum,  und  da  sagt 
derjenige,  der  das  den  Schulern  vorgefuhrt  hat,  manchmal  recht  alten 
Schulern:  Nun  seht  einmal,  da  habt  ihr  die  Entstehung  eines  Welten- 
systems  im  kleinen!  -  Und  es  leuchtet  das  sofort  ein.  Denn  was  sollte 
mehr  einleuchten,  als  wenn  man  mit  seinen  Augen  sieht,  wie  ein 
solches  Sonnensystem  entsteht?  Warum  sollte  man  nicht  begreifen, 
dafi  da  draufien  einmal  ein  Riesenweltennebel  war  und  sich  gedreht 
hat  und  dafi  sich  Planeten  abgetrennt  haben  wie  die  Tropfchen,  die 
Miniatur-Merkure  und  -Saturne  von  dem  grofien  Oltropfen?  Man 
mufi  allerdings  ein  wenig  uber  die  Naivitat,  mit  der  da  vorgegangen 
wird,  staunen.  Denn  die  Betreffenden,  die  also  das  Kant-Laplacesche 
System  recht  begreiflich  zu  machen  versuchen,  die  vergessen  dabei 
nur  eins,  was  sonst  ja  ganz  gut  ist  zu  vergessen,  aber  in  diesem  Falle 
geht  es  halt  nicht  -  sie  vergessen  namlich  sich  seibst,  sie  vergessen,  dafi 
sie  dagestanden  und  erst  gedreht  haben.  Das  ist  naturlich  eine  unglaub- 
liche  Naivitat,  aber  die  Naivitat  der  modernen  materialistischen  My- 
thologie  ist  eben  sehr  grofi,  grofier  als  die  irgendeiner  anderen  Mytho- 
logie  war.  Das  werden  erst  zukunftige  Zeiten  einsehen.  Also,  es  ist  da 
einer,  der  veranstaltet  das  Ganze,  der  dreht  das  Ganze.  Es  mufi  also 
notwendig,  wenn  man  iiberhaupt  denken  kann,  wenn  man  nicht  ver- 
lassen  ist  von  alien  guten  Geistern  der  Logik,  vorausgesetzt  werden, 
dafi  geistige  Machte  beteiligt  sind  da  draufien  bei  der  Drehung  der 
Weltenkorper.  Wenn  man  also  schon  absehen  will  von  dem  Fehler,  dafi 
ein  Urgas  an  die  Stelle  des  Urfeuers  gesetzt  wird,  so  darf  man  doch 
nicht  voraussetzen,  dafi  diese  Gasmasse  von  selber  anfangt  herumzu- 


wirbeln.  Man  mull  fragen:  Wo  sind  die  geistigen  Krafte  und  Machte, 
die  diese  Masse,  also  fur  uns  die  Masse  des  Urfeuers,  in  Bewegung 
versetzen,  so  dafi  drinnen  etwas  geschieht?  Wir  haben  sie  jetzt  aufge- 
zahlt:  Aus  der  Umgebung  und  im  Innern  arbeiten  die  geistigen  Krafte. 
Die  da  ringsherum  sind,  die  Wesenheiten,  die  ihre  Fahigkeiten  erwor- 
ben  haben  in  friiheren  Systemen,  die  arbeiten  von  aufien;  da  drinnen 
sind  Wesenheiten  von  geringerer  Reife,  die  nun  im  Innern  die  Masse 
differenzieren,  die  das  hervorbringen,  was  wir  im  Auge  hatten,  als 
wir  sagten,  dafi  da  drinnen  Gebilde  von  Warme  entstehen  und  so 
weiter.  Es  sind  das  Wesenheiten  von  hochster  Intelligenz,  die  alles 
das  anordnen,  was  da  geschieht. 

Was  fur  eine  Auf gabe  haben  zunachst  die  ersten  Wesenheiten  dieser 
zweiten  Hierarchie?  Die  Herrschaften  oder  Dominationes  nehmen 
dasjenige,  was  die  Throne  sozusagen  aus  dem  Universum  herunter- 
bringen,  zunachst  auf  und  ordnen  es  so  an,  dafi  eine  Zusammenstim- 
mung  stattfinden  kann  zwischen  dem  einzelnen  Weltenkorper,  der 
da  entsteht,  zwischen  dem  Saturn  und  dem  ganzen  Universum.  Es 
mufi  ja  im  Innern  des  Saturn  alles  so  angeordnet  werden,  dafi  drinnen 
alles  dem  entspricht,  was  draufien  ist.  Es  mufi  also  das,  was  die  Sera- 
phim, Cherubim  und  Throne  aus  der  Hand  Gottes  herunterbringen 
auf  den  Saturn,  so  geordnet  werden,  dafi  drinnen  diese  Befehle  ausge- 
fuhrt  und  diese  Impulse  auch  verwirklicht  werden.  Also  es  empfangen 
die  Herrschaften  oder  Kyriotetes  aus  dem  Umfang  des  Saturn  dasjeni- 
ge, was  durch  die  Vermittelung  der  hochsten  Hierarchie  herunter- 
kommt,  um  es  umzugestalten,  dafi  es  in  den  Saturn  hineinpafit. 

In  einer  weiteren  Art  wird  das  umgearbeitet,  was  die  Herrschaften 
entgegennehmen,  durch  die  Machte,  Dynamis.  Und  zwar  geschieht 
das  so,  daft,  wenn  die  Herrschaften  innerhalb  des  Saturn  gleichsam 
die  obersten  Anordnungen  treff en,  die  Machte  nunmehr  die  nachste 
Ausfuhrung  dieser  Anordnungen  ubernehmen.  Die  Gewalten  dage- 
gen,  die  sorgen  dafur  -  wir  werden  noch  genauer  dariiber  sprechen, 
wir  wollen  jetzt  nur  im  grofien  die  Sache  charakterisieren  -,  dafi 
dasjenige,  was  also  gebaut  worden  ist  nach  der  Absicht  des  Univer- 
sums,  Bestand  hat,  solange  es  notwendig  ist,  dafi  es  also  nicht  sogleich 
wieder  zugrunde  geht.  Sie  sind  die  Erhalter.  So  haben  wir  in  den 


Herrschaften  die  Anordner  innerhalb  des  Saturn,  in  den  Machten 
haben  wir  diejenigen,  die  diese  Anordnungen  zunachst  ausfiihren, 
und  die  Gewalten  sind  die  Erhalter  dessen,  was  die  Machte  also 
gebaut  haben. 

Nun  wollen  wir  heute  einmal  davon  absehen,  wie  die  nachste 
Hierarchie,  von  der  wir  ja  auch  schon  gesprochen  haben,  arbeitet, 
die  Geister  der  Personlichkeit,  die  Feuergeister  und  die  Engel.  Wir 
wollen  aber  heute  noch  mit  den  neu  gewonnenen  Erkenntnissen  den 
Ubergang  vom  alten  Saturn  zur  alten  Sonne  einmal  in  Betracht  ziehen. 
Ich  habe  Ihnen  ja  die  wesentlichen  Vorgange  bereits  gestern  beschrie- 
ben.  Was  da  geschieht,  wenn  der  alte  Saturn  Sonne  wird,  ist,  dafi  das 
Urfeuer  nun  iibergeht  in  den  Gas-  oder  Luftzustand,  so  dafi  also  die 
alte  Sonne  aus  dem  besteht,  was  man  nennt  den  Rest  des  gebliebenen 
Urfeuers.  Hineingemischt  und  untermischt  ist  dieses  Urfeuer  jetzt 
mit  dem,  was  sich  verdichtet  hat  zu  Gas  oder  Rauch.  Also  zwei 
Substanzen  sind  da  vorhanden:  Urfeuer  und  ein  Teil  des  Urfeuers, 
verdichtet  zu  Gas  oder  Rauch  oder  Luft  -  wie  Sie  es  nennen  wollen. 
Das  gilt  im  wesentlichen  fur  die  alte  Sonne.  Wir  werden  schon  sehen, 
dafi  es  anders  geworden  ist  bei  unserer  Sonne;  die  hat  sich  bis  heute 
durch  Zwischenzustande  zu  etwas  anderem  entwickelt,  obwohl  es 
Leute  gibt,  die  da  behaupten,  dafi  das  Innere  unserer  Sonne  heute 
auch  blofi  eine  Art  von  Gas  sei. 

Wenn  Sie  aber  sich  iiberhaupt  ein  klein  wenig  einlassen  auf  allerlei 
Theorien,  zu  denen  unsere  materialistische  Naturwissenschaft 
kommt,  da  werden  Sie,  wenn  Sie  das  denkend  tun,  iiberhaupt  rechte 
Wunder  erleben.  So  findet  sich  ein  populares  Buchelchen,  das  durch 
seine  Billigkeit  viel  gekauft  wird,  worin  behauptet  wird  von  der  heuti- 
gen  Sonne,  sie  musse  in  der  Mitte  nicht  etwas  Festes  haben,  sondern 
eben  Gas.  Nur  sei  dieses  Gas  -  man  sollte  es  eigentlich  nicht  glauben, 
aber  es  steht  in  einem  popularen  Schriftchen  -  so  dick  wie  Honig 
oder  Teer.  Nun,  demjenigen,  der  sich  zu  der  Anschauung  auf- 
schwingt,  dafi  ein  Gas  unter  Druckverhaltnissen  wie  Honig  oder  Teer 
aussieht,  dem  will  ich  zwar  gerne  gonnen,  dafi  er  in  einem  solchen 
Schlaraffenland  wandeln  kann,  wo  er  sich  in  einer  Luft  bewegt,  die 
aus  Honig  besteht,  und  will  ihm  nicht  wunschen,  sich  in  einer  Luft 


bewegen  zu  miissen,  die  so  dick  ist  wie  Teer.  Solche  Auswiichse  der 
materialistischen  Theorie  gibt  es. 

Also  wir  sprechen  nicht  von  unserer  heutigen  Sonne,  sondern  von 
jener  alten  Sonne,  die  wirklich  besteht  aus  dem  Urfeuer  und  aus 
dem,  was  man  nennt  Feuernebel  oder  Feuerluf t.  Sie  finden  im  «Faust» 
den  Ausdruck,  weil  Goethe  ihn  sehr  gut  kannte,  und  in  der  theosophi- 
schen  Literatur  finden  Sie  den  Ausdruck  Feuernebel  durchaus  vertre- 
ten.  Also  aus  einem  Gemisch  dieser  beiden  Substanzen  miissen  wir 
uns  diese  alte  Sonne  denken.  Das  ist  aber  nicht  von  selbst 
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