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RUDOLF STEINER GES AMT AUSG ABE
VORTRAGE
VORTRAGE VOR MITGLIEDERN
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT
RUDOLF STEINER
Geistige Hierarchien
und ihre Widerspiegelung in
physischen Welt
Tierkreis, Planeten, Kosmos
Zehn Vortrage, gehalten in Diisseldorf
vom 12. bis 18. April 1909
und zwei Fragenbeantwortungen
vom 21. und 22. April 1909
1991
RUDOLF STEINER VERLAG
DORNACH/SCHWEIZ
Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften
Herausgegeben von der Rudolf Stemer-Nachlafiverwaltung
Die Herausgabe dieser Auflage besorgte Hella Wiesberger
unter Mitarbeit von Dr. G. A. Balaster
1. Auflage (Zyklus 7) Berlin 1910
2. Auflage (Zyklus 7, Zweitdruck) Berlin 1929
3. Auflage (erste Buchausgabe) Dornach 1936
4. Auflage (bezeichnet als 3.), erweitert um die Fragenbeantwortungen
vom 21. und 22. 4. 1919. Gesamtausgabe Dornach 1960
5. Auflage (im wesentlichen unveranderter Nachdruck der 4. Auflage)
Gesamtausgabe Dornach 1972
6., neu durchgesehene Auflage
Gesamtausgabe Dornach 1981
7. Auflage, Gesamtausgabe Dornach 1991
Bibliographie-Nr. 110
Zeichen und Schrift des Einbandes von Assja Turgenieff.
Zeichnungen im Text aufgrund der 1. Auflage von 1910 ausgefiihrt von
Assja Turgenieff, fur den VI. Vortrag der 7. Auflage von Leonore Uhlig.
Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
© 1981 by Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz
Printed in Germany by Konkordia Druck, Buhl
ISBN 3-7274-1100-7
2« den Veroffentlichungen
aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner
Die Grundlage der anthroposophisch orientiertetx Geisteswissen-
schaft bilden die von Rudolf Steiner (1 861 - 1 925) geschriebenen und
veroffentlichten Werke. Daneben hielt er in den Jahren 1900 bis
1924 zahlreiche Vortrage und Kurse, sowohl offentlich wie auch
fiir die Mitglieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen
Gesellschaft. Er selbst wollte urspninglich, dafi seine durchwegs frei
gehaltenen Vortrage nicht schriftlich festgehalten wiirden, da sie als
«mundliche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht
waren. Nachdem aber zunehmend unvollstandige und fehlerhafte
Horernachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich
veranlafit, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute
er Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Stenogra-
phierenden, die Verwaltung der Nachschriften und die fur die Her-
ausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner aus
Zeitmangel nur in ganz wenigen Fallen die Nachschriften selbst
korrigieren konnte, mufi gegeniiber alien Vortragsveroffentlichun-
gen sein Vorbehalt beriicksichtigt werden: «Es wird eben nur hinge-
nommen werden miissen, dafi in den von mir nicht nachgesehenen
Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.»
Uber das Verhaltnis der Mitgliedervortrage, welche zunachst
nur als interne Manuskriptdrucke zuganglich waren, zu seinen 6f-
f entlichen Schrif ten aufiert sich Rudolf Steiner in seiner Selbstbiogra-
phie «Mein Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende Wortlaut
ist am Schlufi dieses Bandes wiedergegeben. Das dort Gesagte gilt
gleichermafien auch fur die Kurse zu einzelnen Fachgebieten, welche
sich an einen begrenzten, mit den Grundlagen der Geisteswissen-
schaft vertrauten Teilnehmerkreis richteten.
Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemafi
ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamt-
ausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil
dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nahere An-
gaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise.
INHALT
Erster Vortrag, Diisseldorf, 12. April 1909, nachmittags . . 13
Urweltweisheit und Menschenratsel. Heilige Geheimnisse der lebendi-
gen Weisheit. Neuer Impuls durch die Erscheinung des Christus. Die
Verkiindigung der Evangelien. B ruder schaften der verschiedenen Ge-
heimschulen des Westens als Behiiter der neueren Mysterien, in denen
die Weisheit des Ostens restlos bewahrt wird, beleuchtet von dem
Lichte der Christus-Tat. Die Weisen der alten Erkenntnisstatten und
das aUmahliche Auseinandergehen der spirtuellen und der materiellen
Stromung. Die Lehren Dionysius des Areopagiten iiber Hierarchien
und Weltenkorper. Aufgabe der Anthroposophie, wiederum das Band
zu ziehen zwischen Physis und Geist, der Erde und den Hierarchien.
Zweiter Vortrag, 12. April 1909, abends 30
Die Lehre der heiligen Rishis erlautert an einem Beispiel aus der
Bhagavad Gita. Die vier Elemente. Die geistige Forschung iiber das
Feuer als dem Tor, wodurch wir von aufien nach innen dringen, in
das Seelische. Rauch und Licht. Die Hineinverzauberung geistiger
Wesenheiten in die dicht werdende Triibung. Entstehung der Elemen-
tarwesen; ihre Arbeit und ihre aUmahliche Erlosung durch die Vergei-
stigung des Menschen. Der Mensch mufi aus dem Rauch geistig wieder-
um das Feuer herausbilden. Tiefer Sinn der alten Opfergebrauche.
Elementarwesen von Tag und Nacht, von zunehmendem und abneh-
mendem Mond, vom Sonnenlauf.
Dritter Vortrag, 13. April 1909, vormittags 47
Die Wiederverkorperung der Erde in neuen planetarischen Zustanden.
Aufgabe der Erde ist, eine Menschwerdung als Ichwesenheit zu bewir-
ken. Stufenfolge der gottlichen Wesenheiten. Wege des Saturn von
innerlich seelischer Warme zu aufierlich wahrnehmbarer Warme; seine
Feuer-Ein- und Ausatmung. Objektivierung eines Teiles des ausgeat-
meten Warme-Elementes durch die Geister der Personlichkeit. Sie
gelangen zu ihrem Ich durch die Zuriicklassung ihres Spiegelbildes.
Auflosung des Planeten durch das Reich der Throne. Planetennacht,
Planetenmorgen. Sonnenzustand. Menschwerdung der Erzengel auf
der alten Sonne in einem Seelenleib aus Licht, in einem aufieren Leib
' aus Luft. Die Ein- und Ausatmung des ganzen Feuernebels der Umge-
bung durch die Erzengel bewirkt Licht und Rauch - Sonnennacht
und Sonnentag -, den Atmungsprozefi des ganzen Sonnenleibes.
Vierter Vortrag, 13. April 1909, abends
Durch die vorstellende Kraft der Geister der Personlichkeit hatten
sich auf dem alten Saturn in der Feuersubstanz der Throne linsenformi-
ge Warmekugeln gebildet, Formen, die bis zum nachsten Dasein ver-
zaubert sind. Auf der alten Sonne haben die Erzengel dem Weltenraum
das Licht geben konnen: daneben bildete sich Rauch aus dem Sonnen-
nebel. Mitwirken der Gewalten, Machte und Herrschaften fur Form,
Bewegung und Lebensregelung. Beim Hinausstreben der Erzengel in
den Weltenraum kommen ihnen aus dem geistigen Raum von vier
Seiten entgegen und nehmen sie auf, ihr Dasein im Licht erweiternd
- die Cherubim. Durch ihre sich spiegelnden Gestalten bildet sich aus
dem Rauche die erste Anlage zum Tierreich, wie sich auf dem alten
Saturn die erste Anlage zum Menschenleib aus der von den Thronen
geopferten Warme-Substanz gebildet hatte. In dem zum Nebel ver-
dichteten Warmestoff sind die Tiere zunachst Sonnenabbilder des
Tierkreises, als welchen man den Reigen der Cherubim bezeichnet,
der da kommt aus den vier Richtungen der Weltenraume mit je
zwei begleitenden Gestaltungen.
Funfter Vortrag, 14. April 1909, abends
Entwicklung unseres Sonnensystems bis zum Vulkan, der die Reife
erlangt zum Opf er des sich Auflosens zu neuem Weltenschaffen. Wenn
die Sonne sich mit den von ihr herausgesetzten Planeten wiederverei-
nigt, wird sie selbst Umkreis, wird zum Reigen von solchen Wesenhei-
ten wie die Seraphim, Cherubim, Throne, die ihre Sonnensystem-
Entwicklung bereits durchgemacht haben und ein neues System aus
sich schaffen konnen. Erst jenseits der Seraphim haben wir die hochste
dreifaltige Gottlichkeit zu sehen, die gleichsam die Plane entwirft zu
jedem neuen Weltensystem. Die Seraphim nehmen die hochsten Ideen
aus der Trinitat entgegen, die Cherubim bauen sie in Weisheit aus,
die Throne geben ihre Feuersubstanz zu ihrer Verwirklichung her.
Aus der Umgebung und im Innern arbeiten geistige Kraft- Wesenheiten
von hochster Intelligenz, ordnen innerhalb des Saturn (der die Grenz-
marke ist fur die Throne) alles an, was geschieht, arbeiten es um,
erhalten es, fiihren es himiber in den Sonnenzustand (Grenzmarke fur
die Herrschaften: Jupiter), der das Feinere und Dichtere schon in sich
scheidet. Der Reigen der Herrschaften, Machte, Gewalten: zweite
Hierarchic Weitere Zusammenziehung und Verdichtung. Der dritte
Zustand unseres Planetensystems entsteht durch die Krafte der
Machte (Dynamis), welche die Masse der alten Sonne, die sich nun
bis zum Wasserigen verdichtet hat, zum Mondzustand zusammen-
drangen (bis zur Grenze des heutigen Mars); dann spaltet sich der
Weltenkorper. Dies Auseinanderzerren des alten Mondes durch die
Krafte der fortgeschritteneren und normalen oder zuriickgebliebenen
Machte nennt man in der Esoterik «den Streit am Himmel».
Sechster Vortrag, 15. April 1909, abends
Das Wirkungsgebiet der dritten Hierarchie: Die Engel halten Wache
iiber den Menschen, bewahren sein Gedachtnis von einer Inkarnation
zur anderen, solange er es selber nicht kann; die Erzengel bringen in
harmonische Ordnung das Leben des Einzelnen und das Leben gro-
fierer Menschheitszusammenhange; die Urkrafte regeln die irdischen
Verhaltnisse des ganzenMenschengeschlechtes auf Erden. -Diejenigen
Geister, die dafiir sorgen, da6 die Menschen von einem planetarischen
Zustand zum andern gefuhrt werden, das sind die Gewalten, Geister
der zweiten Hierarchie. - Raumliche Charakterisierung der Herr-
schaftsgebiete in unserem Sonnensystem. Ptolemaisches und Koper-
nikanisches Weltensystem. Das allmahliche Vorriicken der Sonne.
System des Zarathustra mit den Zwillingen als Friihlings-Tierkreisge-
stirn. Schematische Zeichnung der Planetengrenzmarken fur die Herr-
schaftsbereiche der Hierarchien. Perspektiven-Anderungen durch die
verschiedenen Konstellationen. - Das Herrschaftsgebiet der Gewalten
geht liber die einzelnen Planeten hinaus bis zur Sonne, da sie die
Menschheitsmission von einem Planeten zum anderen hiniiberleiten.
Der Mond ist die raumliche Grenzmarke fur die Engel. Merkur fur
die Erzengel, Venus fur die Urkrafte. Raumwirksamkeiten der die
Menschheit lenkenden Wesenheiten, die in den ersten Zeken sich auch
in Menschenleibern als Lehrer der Menschen verkorpern: die Venus-
und Merkursohne (Bodhisattva und Dhyani-Buddhas).
Siebenter Vortrag, 16. April 1909, abends
Die sieben Prinzipien des Menschen konnen nicht schematisch auf ein
Engelwesen angewendet werden. Sein Ich handelt nicht in einem be-
grenzten Leib, sein Physisches ist ein Spiegelbild geistiger Prinzipien,
ist verschwebend in Wasser, Luft und Feuer. Beim Erzengel ist auch
der astralische Leib nicht verbunden mit dem Atherleib, rein Oberes,
Geistiges, spiegelt sich nur unten in "Wind und Feuer. Der physische
Leib der Urkrafte kann nur als Spiegelung im Feuer wahrgenommen
werden, alles andere ist oben in der geistigen Welt. Die in der Sonne
lebenden Wesenheiten machen zu ihren unteren Organen die Venus-
geister in Feuerflammen und die Merkurgeister im Windesbrausen.
Indem diese Menschenform annehmen, werden sie zu Fiihrern der
Menschheit in der lemurischen und zu Lehrern in der atlantischen
Zeit, wirken als Priester in den Orakelstatten der Atlantier, wo die
nicht sich auflosenden Atherleiber solcher Fiihrer auch weiter auf-
bewahrt werden. - Der Manu und die sieben Rishis. Einige solche
inspirierte Personlichkeiten ragen in die nachatlantische Zeit hinein.
Je nach der Inspiration durch einen Geist der Personlichkeit, einen
Erzengel oder Engel, nennt man sie Dhyani-Buddha, Bodhisattva oder
Buddha. Die Durchseelung geht nicht immer herunter bis in den
physischen Leib, sondern manchmal mir bis zur Beseelung des Ather-
leibes. Eine Personlichkeit kann von den verschiedensten Individuali-
taten der hoheren Hierarchien durchseelt und beseelt werden.
Achter Vortrag, 17. April 1909, abends
Der alte Saturn als Beispiel fur die Entstehung eines Weltenkdrpers.
Zusammenwirken der Wesenheiten von aufien und von innen, von
seelischer und neutraler Warme. Erste Anlage zu den spateren Organen
des menschlichen physischen Leibes (das Herz - aus der Region des
Lowen usw.). Auf der alten Sonne geben die Herrschaften den Ather-
leib dazu, indem sie jetzt auch aus dem Umkreis wirken. Die von
atherischer Leiblichkeit durchzogene Warmesubstanz wird nun ein
innerlich lebendiges Wesen. Dies Leben wird, wie die fruhere Beweg-
lichkeit des Saturn, an einem gewissen Punkte zum Stillstand gebracht
(Adler und Skorpion). Auf der bis zur Wassrigkeit abgekuhlten Kugel
des Mars wird der Astralleib dem Menschen eingefugt - das erste
Bewufitsein. (Stillstand der Bewegung beim Wassermann.) Die Erde
und die Anregung zum Ich. (Stillstand und Umdrehung beim Stier.)
Netjnter Vortrag, 18. April 1909, vormittags
Bewegungs-Impulse und Umdrehungen der Planeten langs der Zei-
chen des Tierkreises; allmahliche Bildung der Anlage zu den Gliedern
des Menschenleibes. Der wahre kosmische Mensch. Das Karma der
Weltenkorper, das deren Fuhrer auf sich nehmen. Arbeit des Ich an
den Leibern und deren Umgestaltung. Aufglanzen der schopferischen
Tatigkeit; die Entwicklung vom Geschopf zum Schopfer.
Zehnter Vortrag, 18. April 1909, abends
Die Evolution der Individuality. Das Schicksal der Erdenmaterie: Sie
zieht sich zusammen nach dem Mittelpunkte hin und verschwindet
dort. Was im Mittelpunkt verschwindet, tritt im Umkreise wieder auf,
mit dem umgewandelten Ergebnis dessen, was durch die Wesen in sie
eingepragt worden ist. Der Kristallhimmel. Uranus und Neptun. Das
Gebiet der gottlichen Trinitat. Gotteranschauung und -gefolgschaft.
Der Streit am Himmel. Die Gotter der Hindernisse. Durch deren
Einschleichen in den menschlichen Astralleib entsteht die Moglich-
keit des Bosen. Michaels Streit mit dem Drachen. Das Symbolum des
Stierbesiegers. Die Freiheit des Ich als Wirkung des Todes Christi.
Das menschliche Ich mufi sich frei entschiiefien, den Christus aufzu-
nehmen und erlost dadurch den Luzifer. Den Geist der Freiheit und
der Liebe zu entwickeln, ist Bestimmung der zehnten Hierarchic Dies
ist der Sinn des Menschen, ergriindet aus dem Sinn des Kosmos.
Frageitoeantwortung, 21. April 1909, abends 176
Der Raum, eine Schopfung der Trinitat. Die Entstehung der Zeit. Die
ahrimanischen Geister. Die Elohim sind Exusiai, ihr Ftihrer der Chri-
stus. Die Asuras. Schutz vor schwarzmagischen Einfliissen durch die
Vernunft. Die Gruppenseelen der Bienen, Ameisen, Korallen. Die
griechischen und germanischen Gotter sind Engel in Atlantis. Das
Schicksal der tierischen Gruppenseelen auf dem Jupiter. Vorgeburt-
liche Erziehung. Blutsverwandtschaft und Karma. Leiden ist notig
zur Erkenntnis.
Fragenbeantwortung, 22. April 1909, vormittags 184
Aus dem Buch Hiob. Okkulte Tonlehre. Der Atlantier konnte die
Samenkraft technisch benutzen. Okkulte Zahlenlehre. Die Marskanale.
Hinweise
Zu dieser Ausgabe 191
Hinweise zum Text 192
Namenregister 197
Textkorrekturen 198
Rudolf Steiner iiber die Vortragsnachschriften 199
ERSTER VORTRAG
Dusseldorf, 12. April 1909, vormittags
Dieser Vortragszyklus wird uns in hohe Gebiete des geistigen Lebens
fiihren, wird uns sozusagen von unserem Wohnplatze der Erde nicht
nur hinausftihren in die physischen Raumeswelten, sondern er wird
uns auch hinauf fiihren in die geistigen Wei ten, aus denen ja die
physische Raumeswelt ihren Ursprung genommen hat. Aber gerade
ein solcher Vortragszyklus wird Ihnen zeigen, dafi alles Wissen und
alle Weisheit im Grunde genommen darauf abzielt, uns das grofie,
das grofite der Ratsel zu losen, das Menschenratsel. Denn um den
Menschen verstandlich zu machen, miissen die Dinge weit, weit
hergeholt werden. Nun ist es ja allerdings notwendig, daft derjenige,
der diesen Kursus verfolgen will, mit einigen geisteswissenschaftli-
chen Grundbegriffen bereits ausgeriistet ist, aber das sind ja im Grun-
de genommen alle die verehrten Zuhorer. Und so durfen wir denn
in diesem Zyklus einmal vielleicht den Geistesflug ganz besonders
hoch ges talten, wenn auch immer die Bemiihung vorliegen soli, die
Dinge, die ja so weit hergeholt werden miissen, so verstandlich wie
moglich zu machen.
Wenn wir zu sprechen haben von dem, was man geistige Hierar-
chien nennt, so bedeutet das ja, dafi unsere Seelenaugen hinaufsteigen
sollen zu denjenigen Wesenheiten, welche ihr Dasein iiber dem Men-
schen haben hier auf unserer Erde. Wir konnen sozusagen fur sichtba-
re Augen nur durch Wesenheiten aufsteigen, welche vier Stufen einer
Hierarchie darstellen: die mineralische Welt, die pflanzliche Welt,
die tierische Welt, die menschliche Welt. Und iiber dem Menschen
beginnt eine Welt von unsichtbaren Wesenheiten, und es ist dem
Menschen durch die Erkenntnisse des Ubersinnlichen, soweit sie
ihm moglich sind, gegeben, eine Strecke hinaufzusteigen zu denjeni-
gen Machten und Wesenheiten, die in der ubersinnlichen, in der
unsichtbaren Welt die Fortsetzung dieser innerhalb der Erde befind-
lichen viergliedrigen Stufenfolge sind. Dasjenige Wissen und die
Forschung, die uns in diese Gebiete fiihren, sie sind ja, wie Sie alle
wissen, nicht etwas, was etwa erst in unserer Zeit hereintritt in die
menschliche Entwickelung; es gibt eine - wir konnen sie so nennen
- Urweltweisheit. Denn dasjenige, was der Mensch ergrunden kann,
was der Mensch wissen und erkennen kann, was er sich erringt an
Begriffen und Ideen, was er sich erringt an Imaginationen und Inspi-
rationen und Intuitionen des Hellsehens, alles das wird ja sozusagen
vom Menschen nur nacherlebt, und vorgelebt und vorgewulk haben
es eben die liber dem Menschen stehenden Wesenheiten. Wenn wir
einen trivialen Vergleich gebrauchen diirfen, so konnten wir sagen:
Erst hat der Uhrmacher die Idee, den Gedanken der Uhr, dann
verfertigt er danach die Uhr. Die Uhr ist gebildet nach den Gedanken
des Uhrmachers, die vorangegangen sind, und hinterher kann jemand
die Uhr zergliedern, analysieren und nachstudieren, welchen Gedan-
ken des Uhrmachers diese Uhr entsprungen ist. Ein solcher denkt
dann die Gedanken des Uhrmachers nach. So nur kann sich der
Mensch im Grunde genommen in seinem heutigen Entwickelungssta-
dium verhalten gegeniiber der Urweltweisheit - der iiber ihm stehen-
den geistigen Wesenheiten. Sie haben sie zuerst gehabt: die Imagina-
tionen, die Inspirationen, die Intuitionen, die Ideen und Gedanken,
nach denen unsere Welt, wie sie um uns herum uns vorliegt, gebildet
ist. Und der Mensch wiederum findet in dieser Welt diese Gedanken,
Ideen; und wenn er sich emporhebt zum hellseherischen Schauen,
so findet er auch die Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen, durch
die er eindringt wiederum in die Welt der geistigen Wesenheiten.
Daher konnen wir sagen: Ehe denn unsere Welt war, war diejenige
Weisheit, von der wir eigentlich zu sprechen haben. Sie ist der Plan
der Welt.
Also bis wohin mussen wir, wenn wir innerhalb der Wirklichkeit
bleiben, zuriickgehen, wenn wir diese Urweltweisheit antreffen wol-
len? Mussen wir zuriickgehen bis in irgendeine geschichtliche Zeit-
periode, wo dieser oder jener grofie Lehrer gelehrt hat? Gewifi, wir
konnen viel lernen, wenn wir da- oder dorthin zuriickgehen in die
geschichtlichen Zeitepochen und bei den grofien Lehrern Schiller
werden. Aber um in ihrer wahren, hochsten Gestalt die Urweltweis-
heit anzutreffen, mussen wir zuriickgehen bis zu jener Zeit, da noch
keine aufiere sichtbare Erde, keine fur die Sinne urn uns herum
existierende Welt war; denn aus der Weisheit selber heraus ist die
Welt entsprungen. Aber diese Weisheit, nach der die gottlich-geisti-
gen Wesenheiten unsere Welt gebildet haben, sie wurde auch dem
Menschen nachher zuteil. Der Mensch konnte in seinem Denken
hinterher die Gedanken schauen, die Gedanken wahrnehmen, nach
denen die Gotter die Welt gebildet haben. Und nachdem diese Ur-
weltweisheit, diese Weisheit der Weltenschopfer, mancherlei Gestal-
ten durchgemacht hat, kam sie in einer Art, wie es ja vielen von
Ihnen bekannt ist, nach der grofien atlantischen Epoche zu den alten
heiligen Rishis unserer ersten nachatlantischen Kultur, zu den gro-
fien Lehrern Indiens.
Diese Urweltweisheit war damals bei den grofien, erhabenen Rishis
in einer Gestalt vorhanden, von der sich die heutige Menschheit nur
sehr, sehr wenig vorstellen kann. Denn die menschlichen Denkfahig-
keiten, die menschlichen Empfindungsfahigkeiten haben sich sehr
geandert, seit Indiens grofie Lehrer zuerst die nachatlantische
Menschheit belehrt haben; und wenn ohne weiteres viel von dem
heute ausgesprochen wurde, was aus dem Munde der heiligen Rishis
geklungen hat, die meisten Seelen von heute wiirden auf der ganzen
Erde kaum etwas anderes horen als Worte und wieder Worte. Es
gehoren eben noch andere Empfindungsfahigkeiten, als sie die
Menschheit jetzt hat, dazu, um das wirklich zu verstehen, was zuerst
als Weisheit zu der nachatlantischen Menschheit gekommen ist. Denn
alles das, was aufgezeichnet worden ist von dieser Weisheit, alles,
was in den schonsten und besten Buchern von dieser Urweltweisheit
aufgezeichnet worden ist, das ist doch alles nur ein schwacher Nach-
klang der Urweltweisheit selber. Das ist in vieler Beziehung getriibte,
verdunkelte Weisheit. Und wenn sie noch so schon, noch so erhaben
sind, die Veden, wenn noch so schon die Lieder des Zarathustra
klingen, wenn noch so herrlich zu uns spricht Agyptens uralte
Weisheit - alles, alles das, wir konnen es gewifi nicht genug bewun-
dern, aber was aufgeschrieben ist, das gibt nur in einem getriibten
Lichte die grofie Weisheit des Hermes, die grofie Weisheit des Zara-
thustra oder gar die erhabenen Erkenntnisse, welche die alten
Rishis verkundet haben. Doch diese erhabene Weisheit, sie ist der
Menschheit aufbewahrt geblieben, sie war immer vorhanden in ge-
wissen, allerdings engen Kreisen, welche die heiligen Geheimnisse,
wie man diese Erkenntnisse nennt, behiiteten. In den Mysterien In-
diens, Persiens, Agyptens, Chaldaas, in den christlichen Mysterien
und so weiter bis herauf in unsere Zeit ist aufbewahrt geblieben alles
das, was Urweltweisheit der Menschen ist. Bis vor kiirzester Zeit
war es eigentlich nur moglich, in diesen engsten Kreisen selber nicht
die Buchweisheit, sondern die lebendige Weisheit zu vernehmen.
Aus Griinden, die gerade in diesem Vortragszyklus klar werden
konnen, ist in unserer Zeit die Epoche gegeben, in welcher in grofie-
rem Umfang herausdringen soil in grofiere Massen der Menschheit
dasjenige, was in kleinen Kreisen als Lebendiges aufbewahrt worden
ist. Denn versiegt ist sie niemals, die Urweltweisheit der heiligen
Rishis zum Beispiel. Sie ist durchgegangen wie durch einen Jungbrun-
nen in der Zeit, die wir erkennen als den Beginn unserer Zeit. Diese
uralt-heilige Weisheit, die damals der Menschheit erflossen ist, sie
wurde fortgesetzt von Zarathustra und seinen Schulern, von den
chaldaischen, agyptischen Lehrern, sie flofi aber auch ein in die Ver-
kiindigung des Moses, und sie trat sozusagen eben gerade wie aus
einem Jungbrunnen neu hervor mit vollig neuem Impuls durch die
Erscheinung des Christus auf der Erde. Aber sie wurde damit zu-
nachst auch so tief, sie wurde so innerlich, dafi sie wiederum nur
allmahlich in die Menschheit einfliefien kann. Und so sehen wir denn,
dafi seit den Zeiten der christlichen Verkiindigung aufierlich in der
Welt die Urweltweisheit einflielk in die Menschheit langsam und
allmahlich, im elementarsten Anfang.
Die Botschaften sind dagewesen, sie liegen vor in den Evangelien,
in den anderen christlichen Schriften, welche in erneuerter Gestalt
die Weisheit der heiligen Rishis enthielten, enthielten so wie neugebo-
ren aus dem Jungbrunnen. Aber wie konnten diese Botschaften vom
Anfange an gerade in dem Zeitalter, fur dessen Lauterung das Chri-
stentum geschaffen war, verstanden werden? Das aller-, allerwenigste
wurde verstanden von der Verkiindigung durch die Evangelien, und
nach und nach arbeiten diese Evangelien sich erst durch zu einem
weiteren Verstandnis - in vieler Beziehung zu einer weiteren Ver-
dunkelung. Und heute sind gerade die Evangelien im Grunde ge-
nommen diejenigen Biicher, die sozusagen fur die Menschheit noch
in ihren weitesten Kreisen die versiegeltsten sind; die erst eine Zu-
kunft, die sich erfrischen kann an der Urweltweisheit, wiederum
verstehen wird. Bewahrt aber wurden die Schatze, die in den Schach-
ten der christlichen Offenbarung liegen - und die keine anderen
Schatze sind als die Schatze der ostlichen Weisheit auch, aber eben
aus neuen Kraften wieder herausgeboren - bewahrt wurden sie
wiederum in engeren Kreisen, in jenen engeren Kreisen, die ihre
Fortsetzung dann finden in verschiedenen Mysteriengesellschaften
wie zum Beispiel in der Bruderschaft vom heiligen Gral, in der
Bruderschaft endlich der Rosenkreuzer. Bewahrt wurden da diese
Wahrheitsschatze, zuganglich gemacht nur denjenigen, die sich
durch scharfe Erprobungen fur die lebendige Weisheit vorbereitet
hatten. Und so waren die Weisheitsschatze des Ostens und Westens
durch Jahrhunderte und Jahrhunderte der Entwickelung vom Beginn
unserer Zeitrechnung hindurch den grofien Menschenmassen drau-
fien in der Welt ziemlich unzuganglich. Nur einzelnes rieselte da
und dort in die grofle Welt hinein; das meiste blieb Geheimnis der
neueren Mysterien.
Da kam die Zeit, in welcher sozusagen von dem Inhalt der
Urweltweisheit in einer fur die grofiere Menge verstandlichen Spra-
che gesprochen werden durfte. Das letzte Drittel des 19. Jahrhun-
derts etwa ist es, in dem in einer mehr oder weniger unverhullten
Gestalt xiber die Urweltweisheit gesprochen werden kann. Nur da-
durch, dafi gewisse Dinge gerade in den geistigen Welten vorgegan-
gen sind, ist sozusagen den Behutern der Mysterien die Moglichkeit
gegeben worden, einiges hinausdringen zu lassen von der Urwelt-
weisheit. Sie alle kennen ja den Hergang der theosophischen Entwik-
kelung; Sie wissen, dafi sozusagen das Eis der theosophischen Ent-
wickelung zuerst gebrochen worden ist durch diejenigen Weisheiten,
die geoffenbart worden sind auf eine Weise, die ich heute nicht zu
beschreiben brauche, in den sogenannten Dzyan-Strophen. Diese
Dzyan-Strophen der «Geheimlehre» enthalten in der Tat tiefste,
bedeutsamste Weisheit, enthalten vieles von dem, was, ausgehend
von der Lehre der heiligen Rishis, heruntergeflossen ist durch die
Weistiimer des Orients. Vieles von dem enthalten sie auch, was dann
eingeflossen ist nach der christlichen Verjiingung in den europaischen
Westen, Denn nicht blofi solche Weisheit ist in den Dzyan-Strophen
enthalten, die etwa blofi im Osten bewahrt geblieben ware, sondern
auch vieles, was sozusagen in einem hellen Lichte erstrahlt durch die
Jahrhunderte unserer Zeitrechnung hindurch, durch das Mittelalter,
in den Geheimschulen des Westens. Und auch mancherlei von dem,
was in den Dzyan-Strophen steht, es wird erst allmahlich in seiner
Tiefe verstanden werden. Denn hier darf es wohl einmal gesagt wer-
den: In den Dzyan-Strophen ist solche Weisheit enthalten, dafi sie
in weitesten theosophischen Kreisen heute noch gar nicht verstan-
den werden kann, ja solche Weisheit, dafi heute noch gar nicht mit
exoterischen Fahigkeiten die Moglichkeit gegeben ist, die Tiefen
auszuschopfen; dafi Aussichtslosigkeit vorliegt fur alle exoterischen
Fahigkeiten, die Untergriinde dieser bedeutsamen Welt offenbaren
zu konnen.
Nachdem auf diese Art sozusagen das erste Eis gebrochen war,
kam auch die Zeit, in der gesprochen werden durfte aus den Quellen
des westlichen Okkultismus heraus, der aber kein anderer ist als der
ostliche, wie er sich nur kontinuierlich und alle Vorgange des geistigen
und physischen Lebens beriicksichtigend fortgepflanzt hat, wo auch
aus den Quellen des lebendigen Okkultismus heraus, der treu behiitet
worden ist in den Rosenkreuzermysterien, gesprochen werden kann.
Es gibt keine Weisheit des Ostens, die nicht eingeflossen ware in den
Okkultismus des Westens, und in der rosenkreuzerischen Lehre und
Forschung finden Sie restlos alles, was die grofien Weisen des Ostens
jemals bewahrt haben. Nichts, nichts von dem, was man wissen kann
aus der Weisheit des Ostens, fehlt in der Weisheit des Westens. Es
ist der Unterschied, wenn man von einem solchen Unterschied spre-
chen will, nur der, dafi die Weisheit des Westens die gesamte ostliche
Lehre, die gesamte ostliche Weisheit, die gesamte ostliche Forschung
zusammennehmen mufi und, ohne irgend etwas von ihr verlorenge-
hen zu lassen, sie zu beleuchten hat mit dem Lichte, das durch den
Christus-Impuls in der Menschheit entziindet worden ist. So sage
niemand, wenn von westlichem Okkultismus gesprochen wird, von
demjenigen, der in gewisser Beziehung herriihrt von den verborgenen
Rishis des Westens, die freilich die Augen nicht sehen, es sage nie-
mand, dafi in ihm auch nur ein Jota, ein Hakchen f ehle vom ostlichen
Okkultismus. Nichts, aber auch gar nichts fehlt. Er hat nur alle Dinge
neu herauszugebaren aus dem Jungbrunnen des Christus-Impulses.
Alle die grofien Weistiimer, die zuerst von dem Munde der heiligen
Rishis geklungen haben zur Menschheit iiber die iibermenschlichen
Welten, iiber das iibersinnliche Dasein, sie miissen wiederum herein-
klingen in das, was iiber die geistigen Hierarchien und ihre Abschat-
tung in der physischen Welt zu sagen ist. Geradesowenig wie die
Geometrie des alten Euklid etwas anderes geworden ist, als was sie
war, trotzdem man sie mit den neueren menschlichen Fahigkeiten
heute lehrt und lernt, ebensowenig ist die Weisheit der heiligen Rishis
etwas anderes geworden dadurch, dafi wir sie lehren und lernen mit
den durch den Christus-Impuls angefachten Fahigkeiten. So also
konnten wir einen grofien Teil dessen, was wir iiber die geistigen
Welten zu sagen haben, ohne weiteres ostliche Weisheit nennen.
Denn man darf in diesen Dingen nichts mifiverstehen, und das Mifi-
verstandnis liegt so nahe.
Diejenigen, welche von den Mifiverstandnissen nicht zum Ver-
standnis aufriicken wollen, konnen zum Beispiel etwas, was gestern
in dem osterlichen Festvortrag gesagt worden ist, sehr leicht mifiver-
stehen. Es konnten da - wir miissen das erwahnen zu unserer Verstan-
digung - solche kommen, die nicht vorriicken wollen zum vollen
Verstandnis, und konnten sagen: Du hast gestern gesprochen von
den grofien sogenannten heiligen Wahrheiten des Buddha. Du hast
gesagt, dafi der Buddha gelehrt und geoffenbart hatte die heiligen
Wahrheiten vom Leiden im Leben: Geburt ist Leid, Krankheit ist
Leid, Alter ist Leid, Tod ist Leid, von demjenigen getrennt sein, was
man liebt, ist Leid, vereint sein mit dem, was man nicht liebt, ist Leid,
nicht erhalten, was man begehrt, ist Leid. Und du hast, so konnte
mancher sprechen, uns gestern gesagt: Blicken wir einmal in die nach-
christliche Zeit zu denjenigen, die den Christus-Impuls wirklich
verstanden haben - da sollen wir uns dann zura Bewufksein bringen,
dafi durch das Verstandnis und die Durchdringung dieses Christus -
Impulses die alten heiligen Wahrheiten des Buddha vom Leiden des
Lebens nicht mehr ihre voile Giiltigkeit hatten, dafi sozusagen mit dem
Christus-Impuls etwas geschaffen worden ist wie ein Heilmittel gegen
das Leid des Lebens. Du hast gesagt, so konnte jemand sprechen, der
Buddha lehrt: Geburt ist Leid; aber die Christus-Versteher antworten:
Durch die Geburt treten wir ein in ein Leben, das wir mit Christus
teilen, und durch den Anteil an Christus wird das Leid des Lebens
ausgeloscht; ebenso wird durch die Heilkraft des Christus-Impulses
die Krankheit ausgeloscht, und die Krankheit ist nicht mehr Leid fur
den Christus-Versteher, und Tod ist nicht mehr Leid fur den Christus-
Versteher und so weiter. Dann aber konnte jemand erwidern: Ja, aber
ich weise dir aus dem Evangelium nach, dafi in den Evangelien diesel-
ben Satze stehen wie in den heiligen Schriften des Buddha; auch im
Evangelium konnen wir nachweisen, dafi da steht: Leben sei Leid,
Krankheit sei Leid und so weiter. Und so konnte man aufierlich sagen:
Nun haben wir diese modernen religiosen Urkunden, doch wir finden
ihren Inhalt schon im Buddhismus, es gibt also keinen Fortschritt in
den Religionen, keine Entwickelung; alle Religionen enthalten dassel-
be. Du aber hast von einem Fortschritt gesprochen, du hast dargestellt,
wie sozusagen die alten heiligen Wahrheiten des Buddhismus durch
das Christentum nicht mehr wahr sein sollen. - Wer so spricht, wiirde
aber doch nur das grausamste Mifiverstandnis aussprechen. Denn das
wurde nicht gesagt; alles, alles, nur nicht der letzte Satz wurde gesagt.
Und es ist wichtig, dafi man gerade in diesem subtilen Gebiete ganz
genau versteht. Niemals kann der Fanatiker genau verstehen, nur der
objektive Mensch kann genau verstehen.
Niemals wird von irgendeinem, der aus dem Quell der Rosenkreu-
zer-Weisheit und -Forschung heraus spricht, gesagt werden, dafi
irgend etwas bekampft werden soli vom Inhalt der Schriften des gro-
fien Buddha, dafi irgend etwas nicht wahr sei in den Schriften des
grofien Buddha. Jeder, der aus dem Quell der Rosenkreuzerei heraus
spricht, teilt die Uberzeugung Buddhas und der gesamten ostlichen
Weisheit, keine negiert er. Er sagt: Jawohl, was du, grofier Buddha,
durch deine Erleuchtung in deinem Innern geschaut hast von den
grofien Wahrheiten vom Leide des Lebens, es ist restlos wahr; wahr
ist es bis zum letzten Hakchen und Jota. - Nichts, aber auch gar
nichts wird davon genommen. Es bleibt alles stehen. Und gerade aus
dem Grunde, weil alles stehenbleibt, weil es wahr ist, was Buddha
gesagt hat, dafi Geburt Leid, Krankheit Leid, Alter Leid, Tod Leid
und so weiter ist, deshalb ist uns der Christus-Impuls jenes machtige
und wichtige Heilmittel - weil er es ist, der dieses Leid aufhebt, weil
es eben wahr ist, dafi die Leiden da sind, wenn nicht ein grofier
Impuls die Welt dariiber hinaushebt. Warum hat Christus gewirkt?
Weil Buddha die Wahrheit gesprochen hat. Die Menschheit mufite
heruntergefuhrt werden aus geistigen Hohen, wo die Urweltweisheit
in reiner Gestalt gewirkt hat; zur Selbstandigkeit mufite die Mensch-
heit gefuhrt werden, herunter ins physische Dasein, und damit wurde
Leben Leid und Krankheit Leid; aber ebenso mufke in der Fortent-
wickelung das grofie Heilmittel kommen gegen diese unumstofilichen
Tatsachen. Leugnet derjenige irgendeine Wirklichkeit, der da sagt: Ja,
wahr ist es, was uber diese Wirklichkeit gesagt wird, aber zu gleicher
Zeit wird uns das Heilmittel gegeben, um die Tatsachen, die durch
diese Wahrheiten ausgedriickt sind, zu einer gesunden Entwickelung
zu bringen. - Oh, in den Hohen des Daseins, wo wir sie aufsuchen
rmissen, die Spharen der geistigen Hierarchien, da heifit es nicht: Bud-
dhismus gegen Christentum, Christentum gegen Buddhismus, da
reicht der Buddha dem Christus und der Christus dem Buddha die
Hand. Aber jedes Verkennen der menschlichen Entwickelung, jedes
Verkennen des Aufstieges ist zu gleicher Zeit ein Verkennen der
geistigsten Tat, die in unserer Erdenentwickelung geschehen ist, der
Christus-Tat. Und so wird es nichts geben, was irgend negiert wurde
von der Weisheit des Ostens, die in so langen Zeitraumen herunterge-
bracht hat die Weisheit der heiligen Rishis und damit die Urweltweis-
heit, aber in diesen langen, langen Zeitraumen, in denen die Weisheit
immer geflossen ist in die Menschheit, wurde sozusagen in den grofien
Massen der Menschen, die nicht in der Lage waren, vorzudringen zu
den Quellen der heiligen Mysterien, die Verstandigung uber diese
Weisriimer schwer. Gerade die Verstandigung wurde schwer.
Oh, in den voratlantischen Zeiten, in den Zeiten vor der grofien
Katastrophe, als die grojften Massen der Menschen hellseherisch noch,
in altem, dumpfem Hellsehen, hinausschauten in die Himmelsraume,
hinaufschauten zu den geistigen Hierarchien, da sahen sie anders als
spater in den nachatlantischen Zeiten, als das alte Hellsehen ver-
schwunden war fur die grofien Massen der Menschen und nur das
physische Auge hinaussehen konnte in die physischen Himmelswei-
ten! Daher hatte es auch keinen Sinn gehabt, in der Zeit vor der
atlantischen Katastrophe etwa zu sprechen von denjenigen Himmels-
korpern, die heute im Raume verteilt sind. Es sah ja das hellseherische
Menschenauge hinaus in die Himmelsweiten, und diese waren geisti-
ge Welten. Sinnlos ware es gewesen, in jenen Zeiten so etwa zu
sprechen von Merkur oder Neptun oder Saturn und so weiter, wie
unsere Astronomie spricht; denn so wie unsere Astronomie von dem
Weltenraum und seinem Inhalt spricht, so gibt sie nur dasjenige
wieder, was das sinnlich-physische Auge sieht, wenn es hinaufsieht
in die Himmelsweiten. Das war gar nicht da in den atlantischen
Zeiten bei der alten hellseherischen Menschheit; da sah man gar nicht,
wenn man hinaufschaute, physisch begrenzte Lichtsterne. Dasjenige,
was heute das physische Auge sieht, ist sozusagen nur ein aufierer
Ausdruck von Geistigem, das man damals sah. Wenn heute das physi-
sche Auge hinaufblickt, meinetwillen durch Fernrohre, an die Stelle,
wo der Jupiter steht, sieht es sozusagen eine physische Weltenkugel,
umgeben von ihren Monden. So das heutige physische Auge. Was
war es fur den Menschen der alten atlantischen Zeit noch, wenn er
sein damals noch hellseherisches Auge hinaufrichtete nach demselben
Punkt, wohin heute des Menschen physisches Auge schaut? Was das
physische Auge sieht, hatte damals das alte atlantische Auge eben-
sowenig gesehen, wie heute Ihr physisches Auge das Einzellicht
sieht, wenn es hineinsieht in einen dichten Herbstnebel. Es sieht
etwas wie eine Nebelaura urn das Licht, und das Licht verschwindet
in den farbigen Ringen um das Licht. Ebenso hatte das Auge des
Atlantiers nicht gesehen den physischen Stern Jupiter, aber es hatte
das gesehen, was heute auch mit dem Jupiter verbunden ist, was
aber nur die Menschen nicht sehen konnen: die Aura des Jupiter,
eine Summe von geistigen Wesenheiten, fur die der physische Jupiter
nur der Ausdruck ist. Und so schweifte das geistige Auge des Men-
schen vor der atlantischen Katastrophe herum in den Weltenraumen,
iiberall Geistiges sehend. Man konnte nur von dies em Geistigen
sprechen, denn sinnlos ware es gewesen, damals, als das physische
Auge noch nicht so geoffnet war wie heute, von physischen Sternen
zu sprechen. Man sah in den Weltenraum hinaus und sah geistige
Wesenheiten, geistige Hierarchien. Wesenheiten sah man.
Und in der Fortentwickelung war es so, dafi wir es wieder mit
folgendem vergleichen konnen: Wir denken uns, wir treten hinaus
in dichten Nebel. Wir sehen nicht die einzelnen Lichter. Alles ist
umflort von dieser Nebelaura. Dann zerteilt sich der Nebel, physisch
sichtbar werden die einzelnen Lichter. Aber die Auren sind unsicht-
bar. - Hier ist nur ein physischer Vorgang, der zum Vergleich dienen
soli. Beim Jupiter war es aber so, dafi das alte Auge die Aura sah.
Es sah die geistigen Wesenheiten in der Aura, die aus einer gewissen
Entwickelungsstufe heraus zum Jupiter gehorten. Die Menschheit
entwickelte sich dann zum physischen Schauen. Die Aura blieb. Die
Menschen konnten sie nicht mehr sehen, aber der physische Mittel-
korper wurde immer deutlicher und deutlicher; es verlor sich, was
geistig dazugehort, und es wurde sichtbar, was korperlich an ihm
ist. Und das Wissen von diesem Geistigen um die Sterne herum, das
Wissen von jenen Wesenheiten, die um die Sterne herum sind, es
wurde aufbewahrt in den heiligen Mysterien. Von diesem Wissen
sprechen alle die heiligen Rishis. In den Zeiten, wo die Menschen
bereits nur physisch sahen, sprachen die heiligen Rishis von den
geistigen Atmospharen, von den geistigen Bewohnerschaften dieser
Weltenkugeln, die im Raume verteilt sind.
Und jetzt nehmen Sie einmal die Situation, die eintrat. In den Stat-
ten des Wissens sprach man von den geistigen Wesenheiten um die
Weltenkugeln. Draufien, wo das sinnliche Auge immer scharfer und
scharfer wurde, draufien sprach man immer mehr und mehr blofi von
der dichten physischen Materie. Wenn die alten heiligen Rishis das
Wort Merkur gesprochen hatten - das sie ja nicht gesprochen haben,
aber nehmen wir das Wort, damit wir uns verstandigen konnen -,
haben sie dann diesen physischen Weltenkorper gemeint? Nein, nicht
einmal die alten Griechen haben, wenn sie von dem Merkur gespro-
chen haben, diesen physischen Korper gemeint, sondern die Gesamt-
heit der geistigen Wesenheiten dieses Korpers. Geistige Welten, gei-
stige Wesenheiten waren es, wovon man sprach, wenn man in den
Statten der Erkenntnis, sagen wir, das Wort Merkur aussprach. Es
sprachen diejenigen, die die Junger der Lehrer der Erkenntnisstatten
waren, die Worte aus: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter,
Saturn, und indem sie in den verschiedenen Sprachen solche Worte
aussprachen, bezeichneten sie eine Stufenfolge von geistigen Wesen-
heiten. Wer das Wort in der heutigen Weise ausspricht und einen
physischen Korper bezeichnet, bezeichnet nur das Grobste dessen,
was ursprunglich unter Mond, Merkur, Venus und so weiter verstan-
den worden ist. Die Hauptsache bezeichnet er gerade nicht. So sagte
der alte Weisheitslehrer «Mond», und er schlug an mit diesem Worte
die Vorstellung von einer grofien geistigen Welt. Und wenn er das
Wort «Mond» aussprach und an die Stelle des Himmels wies, wo
der Mond ist, und in seinem Bewufksein hatte: Da ist die unterste
Stufe von geistigen Hierarchien -, dann sah derjenige, der sich durch
die immer und immer zunehmende Versinnlichung der Menschheit
weit entfernt hatte von dieser geistigen Anschauung, hinauf, sah aber
den physischen Mond und nannte das «Mond». Ein Wort fur zwei
Dinge, die allerdings zusammengehorten, die aber ganz verschiedene
Vorstellungen im Menschen hervorrufen. Und ebenso war es, wenn
die Weisen der Erkenntnisstatten zu Merkur, Sonne, Mars und so
weiter hinaufblickten. Die spirituelle Stromung bezeichnete mit ihren
Worten etwas ganz anderes als die andere, die materielle Stromung.
So sehen wir, dafi die beiden Stromungen immer mehr und mehr
auseinandergingen in der Menschheit. In den Mysterien hat man mit
diesen Worten, die dann zu den Bezeichnungen unserer aufieren
Weltkorper geworden sind, immer geistige Welten, Stufenfolgen von
geistigen Welten verstanden. Die aufiere Welt hat immer Materielles
darunter verstanden bis auf unsere heutige Mythologie - ich spreche
das Wort bewufit aus -, die man moderne Astronomie nennt; und
da die Geisteswissenschaft die anderen Mythologien in ihrem vollen
Werte anerkannt hat, werden Sie verstehen, daft auch die moderne
Mythologie von der Geisteswissenschaft gewiirdigt wird - bis zu
jener Mythologie, die man die moderne Astronomie nennt, die nur
mehr einen Raum sieht und darin physische Weltenkugeln. Aber diese
moderne Mythologie ist fur denjenigen, der erkennt, nichts anderes
als eine besondere Phase aller Mythologien. Eine gerade Linie geht
von dem, was die alten europaischen Bewohner in ihren Gotter- und
Sternen- und Weltensagen gesagt haben, was die Griechen, die Romer
in ihren Mythologien gegeben haben, was das Mittelalter in seinen
mehr oder weniger getriibten Mythologien gegeben hat, bis herauf
zu jener Mythologie, welche, voll geeignet und vollstandig zur Be-
wunderung berechtigt, Kopernikus, Kepler und Galilei gestiftet ha-
ben. Es wird eine Zeit kommen, wo man iiber diese moderne Mytho-
logie so etwa sprechen wird: Es gab einmal Menschen, die haben es
fur richtig befunden, eine materielle Sonne in den Mittelpunkt einer
Ellipse zu stellen, in Ellipsen Planeten herumkreisen zu lassen, diese
in verschiedener Weise rotieren zu lassen; sie haben sich da ein Wel-
tensystem zurechtgeriickt wie friihere Zeiten eben auch. Heute, so
wird natiirlich eine zukiinftige Zeit sprechen, ist das alles nur mehr
Sage und Marchen. - Ja, diese Zeit wird auch kommen, wenn auch
der Moderne noch so sehr die alten Mythologien verachtet und auf
seine schwort und wenn es ihn auch noch so unmoglich diinkt, dafi
von einer kopernikanischen Mythologie gesprochen werden kann.
Aber das wird es uns gerade verstandlich machen, wie sozusagen bei
den Worten immer anderes und anderes vorgestellt worden ist.
Trotzdem aber wurde das, was Urweltweisheit ist, immer und
immer fortgepflanzt, fortgesetzt. Nur wurde diese Urweltweisheit
gerade exoterisch immer weniger und weniger verstanden, weil sie
materieller interpretiert, erklart worden ist, weil weniger das Spiri-
tuelle gesehen worden ist. Und so kam es denn, daft, um die Mensch-
heit sozusagen nicht verlieren zu lassen den Zusammenhang mit
der urspriinglichen, spirituellen Weisheit, bei der Verjiingung der
Urweltweisheit im Beginne unserer Zeitrechnung in scharfen Wor-
ten wiederum hingewiesen werden mufite darauf, dafi da, wo das
menschliche Auge sich hinausrichtet und als physisches Auge nur
Physisches sieht, dafi da Geistiges den Raum geistig erfiillt. Und so
wies mit den allerscharfsten Worten derjenige, der der intimste Schil-
ler des Apostels Paulus war, so wies in Athen Dionysius der Areopa-
gite darauf hin: Es gibt nicht nur Materielles draufien im Raume, es
gibt, wenn die menschliche Seele ahnend aufsteigt in die Raume des
Weltendaseins, Geistiges da draufien in der Welt, das iiber dem Men-
schen steht in der Entwickelung des Daseins. - Und er gebrauchte
jetzt Worte, die allerdings anders lauten mufiten, denn hatte er die
alten Worte gebraucht, niemand hatte darin anderes als Materielles
gesehen. Die Rishis haben gesprochen von den geistigen Hierarchien,
so dafi sie in ihren Worten ausgedriickt haben, was auch griechische
und romische Weisheit noch ausgedriickt hat, wenn sie gesprochen
hat von der vor ihr aufsteigenden Welt des Mondes, des Merkur,
des Mars, der Venus, des Jupiter, des Saturn. Dionysius, der Schuler
des Apostels Paulus, hat ganz dieselben Welten im Auge wie die
Rishis; nur betonte er scharf, dafi man es mit Geistigem zu tun hat,
und er nahm Worte, von denen er sicher war, dafi sie geistig genom-
men wurden: Er sprach von Engeln, Erzengeln, Urkraften, Gewalten,
Machten, Herrschaften, Thronen, Cherubim, Seraphim. Und jetzt
wurde wiederum von den Menschen vergessen, richtig vergessen
dasjenige, was die Menschheit einmal gewufit hat. Hatte man im
Zusammenhang verstehen konnen, was Dionysius der Areopagite
und was die alten heiligen Rishis gesehen haben, so hatte man sozusa-
gen gehort von der einen Seite den Mond benennen, von den anderen
Mysterien hatte man die Welt der Engel benennen horen, und man
hatte gewufit: Das ist dasselbe. Man hatte das Wort Merkur von der
einen Seite gehort und von der anderen das Wort Erzengel und ge-
wufit: Das ist dasselbe. Man hatte gehort das Wort Archai auf der
einen Seite und das Wort Venus auf der anderen, und man hatte
gewufit: Das ist dasselbe. Man hatte gehort das Wort Sonne auf der
einen Seite und Gewalten auf der anderen und hatte gewufit: Diesel-
ben Welten sind mit diesen Worten bezeichnet. Hatte man gehort
das Wort Mars auf der einen Seite, man hatte gefuhlt: Hier steigt man
auf zu den Machten. Hatte man gehort das Wort Jupiter auf der einen
Seite, so ware es dasselbe gewesen, was in der Schule des Dionysius
angeschlagen wurde, wenn von Herrschaften die Rede war. Dem
Wort Saturn entspricht hier das Wort Throne.
Aber man hat es eben in weiteren Kreisen nicht mehr gewufit,
nicht mehr wissen konnen. So war auf der einen Seite eine Wissen-
schaft des Materiellen, die materieller und materieller wurde, die die
alten Namen, die einstmals auch Geistiges bedeutet haben, fur das
MaterieUe beibehalten hat. Und so war auf der anderen Seite ein
spirituelles Leben, das gesprochen hat von Geistigem, von Erzengeln,
Engeln und so weiter, und das den Zusammenhang verloren hat mit
den physischen Ausdriicken dieser geistigen Wesenheiten. Und so
sehen wir, wie Urweltweisheit hineindringt in die Schule, die Paulus
gestiftet hatte durch Dionysius, und wie es sich nur darum handelt,
das neu Gestiftete mit dem alten spirituellen Geiste zu durchdringen.
Das aber ist die Aufgabe der modernen Geisteswissenschaft oder
Anthroposophie, wiederum zu ziehen das Band, das da laufen soil
zwischen dem Physischen und dem Geistigen, zwischen der Welt,
der Erde und den geistigen Hierarchien. Unverstandlich ist daher
denjenigen, die nicht wissen, woher eigentlich die Vorstellungen iiber
die aufiere sinnliche Welt kommen, unverstandlich ist es fur sie, zu
erkennen die andere Seite, die spirituelle Seite des Wissens.
Das aber wird besonders auffallig, wenn wir herantreten an jene
Schriften, die aus den Urweltweisheiten hervorgegangen sind und
welche, wenn sie auch einen schwachen Nachklang enthalten, doch
nur aus dieser Urweltweisheit heraus wirklich verstanden werden
konnen. Lassen Sie uns gerade in bezug auf die Schwierigkeit des
Verstandnisses jener Schriften, die aus der Urweltweisheit hervor-
gegangen sind, als Beispiel eine Stelle anfiihren, eine Stelle aus dem
gottlichen Liede, der Bhagavad Gita, eine Stelle, die bedeutungsvoll
tief das Menschenleben in seinem Zusammenhange mit den Hierar-
chien beleuchtet. Diese Stelle aus der Bhagavad Gita, sie steht im 8.
Kapitel, beginnt beim 23. Vers, lautet: «Ich will dir erklaren, o wahr-
heitforschender Mensch» - so wird es gewohnlich iibersetzt - «unter
welchen Umstanden die Gotterhabenen, wenn sie die Erde durch
das Tor des Todes verlassen, um wiedergeboren zu werden oder
nicht, gehen. Ich will dir sagen: Sieh Feuer, sieh den Tag, sieh die Zeit
des zunehmenden Mondes, sieh das halbe Jahr, in dem die Sonne
hoch stent. Diejenigen, welche zu der Zeit sterben, dafi sie sterben
im Feuer, im Tag, in der Zeit des zunehmenden Mondes, der hoch
stehenden Sonne, die gehen durch das Tor des Todes in Brahma ein;
diejenigen aber, die da sterben im Zeichen des Rauches, in der Nacht,
in der Zeit des abnehmenden Mondes, in dem halben Jahr, wenn die
Sonne tief stent, die gehen, wenn sie von der Welt scheiden, durch
das Tor des Todes nur ein in das Licht des Mondes und kehren
wieder zuriick auf diese Welt.»
Meine lieben Freunde, hier haben Sie eine Stelle in der Bhagavad
Gita, in der Ihnen gesagt wird: Es hangt die Art und Weise des
Vorwartsschreitens des Menschen, seiner Wiedergeburt davon ab, ob
er stirbt im Zeichen des Lichtes, beim Tag, beim zunehmenden Mon-
de, im Halbjahr, wo die Sonne hoch steht, oder ob er stirbt im Zeichen
des Rauches, in der Nacht, wenn der Mond abnimmt oder wenn die
Sonne tief steht. Das wird gesagt, das ist der materielle Sinn. Und von
denjenigen, die eingehen durch das Tor des Todes im Zeichen des
Feuers, bei Tag, bei zunehmendem Monde, da, wo die Sonne hoch
steht, von denen wird gesagt, dafi sie nicht wieder zuriickzukehren
brauchen. Von den anderen, die da sterben im Zeichen des Rauches,
in der Nacht, bei abnehmendem Mond oder in dem Halbjahr, in
welchem die Sonne tief steht, von ihnen wird gesagt, dafi sie nicht zu
den Hohen des Brahma aufsteigen konnen, sondern nur zu der Hohe
des Mondes und wieder zuriickkehren miissen. Es ist eine Stelle in
dem gottlichen Liede des Ostens, die alien, fast alien, die sie erklaren
wollen innerhalb des exoterischen Lebens, die grofiten Schwierigkei-
ten macht. Nur dann ist sie zu erklaren, wenn sie beleuchtet wird mit
dem Lichte spiritueller Erkenntnis, mit dem Lichte, aus dem heraus
sie im Grunde genommen geschrieben worden ist, mit dem Lichte,
das erstrahlt in den Geheimschulen, das sich fortpflanzt, das seine
Verjiingung erfahren hat durch das Christentum, wenn sie beleuchtet
wird mit dem Lichte, das uns das Band finden lafit zu den Namen:
Mond - Engel, Merkur - Erzengel, Venus - Archai und so weiter.
Und wir werden den Schlussel finden zu solchen Stellen, wir wol-
len diese eine Stelle als Beispiel wahlen, wenn wir sie in das alte
spirituelle Licht riicken. Von dem Erklaren dieser Stelle im gottlichen
Liede, von der Erklarung dieser Stelle der Bhagavad Gita, die im
exoterischen Leben unmoglich ist, soil unsere Betrachtung heute
abend ausgehen, und dann werden wir, nachdem wir den Schliissel
gefunden haben, aufsteigen in die geistigen Hierarchien.
ZWEITER VORTRAG
Diisseldorf, 12. April 1909, abends
Es war eine Erkenntnis, welche durchaus auf die geistigen Quellen
des Daseins zuriickgeht, die Lehre, die von den heiligen Rishis ver-
kiindet worden ist in der ersten Kulturperiode der nachatiantischen
Zeit. Und das ist das Bedeutsame gerade an dieser Lehre, an dieser
Forschung vom Aufgange unserer nachatiantischen Zeit, dalS sie so
tief in alle Naturprozesse eindrang, dafi sie in diesen Naturprozessen
das Geistig-Wirksame erkennen konnte. Im Grunde genommen sind
wir immer umgeben von geistigen Geschehnissen und geistigen We-
senheiten. Alles, was materiell geschieht, ist ja nur der Ausdruck von
geistigen Tatsachen, und alle Dinge, die uns materiell entgegentreten,
sind nur die au£ere Hulle von geistigen Wesenheiten. Wenn nun in
der genannten uralten heiligen Lehre von den uns umgebenden Er-
scheinungen gesprochen wurde, die wir wahrnehmen in unserer Um-
gebung, so wurde da immer auf eine Erscheinung besonders hinge-
wiesen, auf die wichtigste, die bedeutsamste Naturerscheinung, die
den Menschen auf der Erde umgibt. Und als diese bedeutsamste
Naturerscheinung wurde angesehen von jener Geisteswissenschaft
die Tatsache des Feuers. Bei alien Erklarungen dessen, was auf der
Erde vorgeht, wurde in den Mittelpunkt gestellt die geistige For-
schung iiber das Feuer. Wollen wir aber verstehen diese, wir konnen
sagen, ostliche Lehre vom Feuer, die so weittragend war in alten
Zeiten fur alle Erkenntnis und auch fur alles Leben, wollen wir ver-
stehen diese Lehre vom Feuer, dann mussen wir uns ein wenig um-
schauen unter den anderen Naturerscheinungen und Naturgegen-
standen, wie sie angesehen wurden von jener uralten, aber heute
noch durchaus fur die Geisteswissenschaft gultigen Lehre.
Da wurde alles, was zunachst in der physischen Welt den Menschen
umgibt, zuriickgefuhrt auf die sogenannten vier Elemente. Diese vier
Elemente werden heute von unserer modernen materialistischen Wis-
senschaft allerdings nicht mehr respektiert. Sie wissen ja alle, dafi
diese vier Elemente heifien: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Unter der
Erde hat man aber da, wo Geisteswissenschaft bliihte, nicht dasjenige
verstanden, was heute mit dem Worte Erde bezeichnet wird. Mit Erde
wurde ein Zustand des materiellen Daseins bezeichnet, der Zustand
des Festen. Alles das, was wir heute fest nennen, das wurde erdig
genannt in der Geisteswissenschaft. Also, ob wir feste Ackererde
haben oder ob wir ein Stuck Bergkristall, ein Stuck Blei oder Gold
haben, alles was fest ist, wurde als Erde bezeichnet. Alles das, was
flussig ist, nicht nur das heutige Wasser, wurde bezeichnet als wasse-
rig oder als Wasser. Wenn Sie also meinetwillen Eisen haben, und Sie
bringen es zum Gluhen, so dafi es nach und nach durch die Hitze
hinschmilzt und hinrinnt, so ist dasjenige, was da als Eisen hinrinnt, fur
die Geisteswissenschaft Wasser. Alle Metalle, wenn sie flussig sind,
wurden als Wasser bezeichnet. Alles das, was wir heute luftformig
nennen, dieser Zustand, den wir heute auch als gasig bezeichnen, das
wurde, gleichgultig welcher Stoff in Betracht kam, ob Sauerstoffgas,
Wasserstoffgas oder andere Gase, das wurde alles als Luft bezeichnet.
Als viertes Element wurde das Feuer angesehen. Die heutige Wis-
senschaft, das wissen diejenigen, die sich an die physikalischen
Grundbegriffe erinnern, sieht im Feuer kein Ding, das man verglei-
chen kann mit Erde oder Luft oder Wasser, sondern die heutige
Physik sieht darinnen nur einen Bewegungszustand. Die Geisteswis-
senschaft sieht in der Warme oder in dem Feuer nichts anderes als
etwas, was eine noch feinere Substantiality hat als die Luft. Gerade
wie Erde oder das Feste sich in das Fliissige verwandelt, so geht das
Luftformige allmahlich iiber fur die Geisteswissenschaft in den Feu-
erzustand, und das Feuer ist ein so feines Element, dafi es alle ubrigen
Elemente durchdringt. Feuer durchdringt die Luft und macht sie
warm, ebenso das Wasser, ebenso die Erde. Wahrend also sozusagen
die anderen drei Elemente verteilt sind, sehen wir das Element des
Feuers alles, alles durchdringen.
Nun sagte die alte und mit ihr auch die neue Geisteswissenschaft:
Es ist noch ein anderer, ein betrachtlicher Unterschied zwischen dem,
was wir Erde, Wasser, Luft und dem, was wir Feuer oder Warme
nennen. - Wie kann Erde oder Festes wahrgenommen werden? Nun,
sagen wir, indem wir es beriihren. Wir nehmen das Feste wahr, indem
wir es beriihren und es einen Widerstand ausiibt. Ebenso ist es noch
beim Wasserigen. Dieses gibt zwar leichter nach, der Widerstand ist
nicht so grofi, aber wir nehmen es doch wahr als etwas uns Aufier-
liches, als einen Widerstand. Und so ist es auch mit dem Elemente
der Luft. Wir nehmen auch sie nur aufSerlich wahr. Anders ist es mit
der Warme. Es mull da etwas hervorgehoben werden, was die heutige
Weltanschauung nicht als bedeutsam ansieht, was aber als bedeutsam
angesehen werden mufi, wenn man hineinblicken will in die wirkli-
chen Ratsel des Daseins. Warme nehmen wir namlich auch wahr,
ohne dafi wir sie aufierlich beriihren. Das ist das Wesentliche: Wir
konnen Warme wahrnehmen, indem wir einen Korper, der einen
bestimmten Grad von Warme hat, beriihren; wir konnen Warme
aufierlich wahrnehmen wie die drei anderen Elemente, aber wir fuh-
len Warme auch in unseren eigenen inneren Zustanden. Daher hat
die alte Wissenschaft, schon bei den Indern, hervorgehoben: Erde,
Wasser, Luft nimmst du in der Aufienwelt allein wahr, Warme ist
das erste Element, das auch innerlich wahrgenommen werden kann.
Warme oder Feuer hat also sozusagen zwei Seiten: eine Aufienseite,
die sich uns zeigt, wenn wir sie aufierlich wahrnehmen, eine innerliche
Seite, wenn wir uns selbst in einem bestimmten Warmezustand fiih-
len. Nicht wahr, der Mensch fuhlt seinen inneren Warmezustand, es
ist ihm heifi, es friert ihn; dagegen kummert er sich bewufit nicht
viel um dasjenige, was in ihm luftformige, wasserige, feste Substanzen
sind, was also Luft, Wasser, Erde in ihm ist. Er fangt erst sozusagen
an, sich zu fuhlen im Elemente der Warme. Eine innerliche und
aufierliche Seite hat das Element der Warme. Daher sagt die alte
Geisteswissenschaft und mit ihr die neue Geisteswissenschaft: Die
Warme oder das Feuer ist dasjenige, wo das Materielle beginnt see-
lisch zu werden. Wir konnen daher im wahren Sinne des Wortes
sprechen von einem aufieren Feuer, das wir gleich den anderen Ele-
menten wahrnehmen, und einem innerlichen, seelischen Feuer in uns.
So bildete das Feuer fur die Geisteswissenschaft immer die Briicke
zwischen dem aufierlich Materiellen und dem Seelischen, das nur
innerlich wahrgenommen wird vom Menschen. Man stellte das Feuer
oder die Warme in den Mittelpunkt von aller Naturbetrachtung, weil
das Feuer sozusagen das Tor ist, wodurch wir von aufien nach innen
dringen. Es ist wirklich dieses Feuer wie eine Tiir, vor der man stehen
kann; man sieht sie von aufien an, macht sie auf und kann sie von innen
anschauen. So ist das Feuer unter den Naturerscheinungen. Man beta-
stet einen aufieren Gegenstand und lernt kennen das Feuer, das von
aufien zustromt wie die anderen drei Elemente; man nimmt die innere
Warme wahr und fuhlt sie als etwas, was einem selbst angehort: Man
steht innerhalb des Tores, man tritt hinein in das Seelische. So sprach
man die Wissenschaft vom Feuer aus. Daher aber auch sah man in
dem Feuer etwas, wo zusammenspielt Seelisches und Materielles.
Es ist wirklich eine Elementarlektion der ersten menschlichen
Weisheit, was wir jetzt einmal vor unsere Seele hinstellen wollen.
Da haben die Lehrer etwa so gesagt: Sieh dir an einen brennenden
Gegenstand, der durch Feuer verzehrt wird! Zweierlei siehst du in
diesem brennenden Gegenstand. Das eine nannte man in dieser alten
Zeit, und konnte es noch heute so nennen, Rauch, und das andere
nannte man Licht. Denn diese beiden Naturerscheinungen treten vor
uns auf, wenn ein Gegenstand durch das Feuer verzehrt wird: Licht
auf der einen Seite, Rauch auf der anderen. So also sah der Geisteswis-
senschafter das Feuer mitten drinnen stehen zwischen Licht und
Rauch. Der Lehrer sagte: Gleichsam wird geboren aus der Flamme
auf der einen Seite das Licht, auf der anderen der Rauch.
Nun aber miissen wir uns einmal in bezug auf das Licht, das vom
Feuer geboren ist, eine hochst einfache, aber weittragende Tatsache
klar vor Augen legen. Es ist hochstwahrscheinlich, dafi sehr viele
Menschen, wenn man sie fragen wiirde: Siehst du das Licht? antwor-
ten wiirden: Nun gewifi seh ich das Licht! — Aber doch ist diese
Antwort so falsch wie irgend moglich, denn in Wahrheit sieht kein
physisches Auge das Licht. Es ist absolut unrichtig, wenn man sagt,
man sieht das Licht. Man sieht durch das Licht die Gegenstande,
welche fest, flussig, luftformig sind, aber das Licht selber sieht man
nicht. Denken Sie sich einmal den ganzen Weltenraum vom Licht
durchleuchtet, und die Quelle des Lichtes ware irgendwo, wo Sie
sie nicht sehen konnten, hinter Ihnen, und Sie schauen nun in den
Weltenraum hinein, der durchleuchtet ist vom Lichte - wiirden Sie
das Licht sehen? Sie wiirden dann iiberhaupt nichts sehen. Sie wiirden
erst dann etwas sehen, wenn irgendein Gegenstand in den durch-
leuchteten Raum hineingestellt wird. Man sieht nicht das Licht, son-
dern nur Festes, Wasseriges, Gasiges durch das Licht. Also in Wahr-
heit wird das physische Licht iiberhaupt nicht mit den physischen
Augen gesehen. Das ist nun etwas, was sich mit einer besonderen
Klarheit vor das geistige Auge stellt. Die Geisteswissenschaft sagt
deshalb: Das Licht macht zwar alles sichtbar, aber das Licht selber
ist unsichtbar. Und das ist ein wichtiger Satz: Es ist unwahrnehmbar
das Licht. Man kann es nicht durch aufiere Sinne wahrnehmen. Man
kann wahrnehmen Festes, Fliissiges, Gasformiges, man kann gerade
noch als letztes Element die Warme oder das Feuer aufierlich wahr-
nehmen; das kann man aber auch schon anfangen innerlich wahrzu-
nehmen. Das Licht selber aber kann man nicht mehr aufierlich wahr-
nehmen. Wenn Sie etwa glauben, dafi, wenn man die Sonne sieht,
man Licht sieht, so ist das falsch: Man sieht einen flammenden Kor-
per, eine brennende Substanz, von der das Licht ausstromt. Wiirden
Sie es priif en, so wiirden Sie sehen, dafi Sie Gasiges, Fliissiges, Erdiges
haben. Das Licht sehen Sie nicht, sondern das, was brennt.
Also wir treten, wenn wir aufsteigen - so sagt die Geisteswissen-
schaft - von Erde durch Wasser, durch Luft zum Feuer und dann
zum Licht, wir treten da von aufierlich Wahrnehmbarem, Sichtbarem
ins Unsichtbare hinein, ins Atherisch-Geistige. Oder, wie man auch
sagt: Das Feuer steht an der Grenze zwischen dem aufierlich Wahr-
nehmbaren, Materiellen und dem, was atherisch-geistig ist, was nicht
mehr aufierlich wahrnehmbar ist. Was tut also ein durch die Flamme,
das heilk durch das Feuer aufgezehrter Korper? Was geschieht, wenn
etwas brennt? Wenn etwas brennt, so sehen wir auf der einen Seite
entstehen das Licht. Das erste aufierlich Unwahrnehmbare, dasjeni-
ge, was in die geistige Welt hineinwirkt, was nicht mehr blofi aufier-
lich materiell ist sozusagen, gibt die Warme, wenn sie so stark ist,
dafi sie eine Lichtquelle wird. Sie gibt an das Unsichtbare, an das,
was nicht mehr aufierlich wahrgenommen werden kann, etwas ab,
aber sie muE das bezahlen durch den Rauch. Sie mufi aus dem, was
vorher durchsichtig durchleuchtet war, sich herausbilden lassen das
Undurchsichtige, das Rauchige. Und so sehen wir, wie in der Tat
die Warme oder das Feuer sich differenziert, sich teilt. Sie teilt sich
nach der einen Seite in Licht, und damit eroffnet sie einen Weg in
die iibersinnliche Welt hinein. Dafiir, dafi sie etwas hinaufsendet als
Licht in die iibersinnliche Welt, dafiir muE sie etwas hinuntersenden
in die materielle Welt, in die Welt des Undurchsichtigen, aber Sicht-
baren. Nichts entsteht einseitig in der Welt. Alles, was entsteht, hat
zwei Seiten: Wenn durch Warme Licht entsteht, so entsteht auf der
anderen Seite Triibung, finstere Materie. Das ist uralte geisteswissen-
schaftliche Lehre.
Nun aber ist der Vorgang, wie wir ihn jetzt beschrieben haben,
nur die Aufienseite, nur der physisch-materielle Vorgang. Diesem
physisch-materiellen Vorgang liegt nun etwas wesentlich anderes
noch zugrunde. Wenn Sie blofie Warme vor sich haben, also etwas,
was noch nicht leuchtet, dann ist darinnen in gewisser Beziehung
die Warme selbst, die Sie wahrnehmen, das aufierlich Physische, aber
es ist ein Geistiges darinnen. Wenn diese Warme nun so stark wird,
dafi Leuchten entsteht und Rauch sich bildet, dann mufi etwas von
dem Geistigen, das in der Warme war, in den Rauch hinein. Und
dieses Geistige, das in der Warme war, das in den Rauch, in ein
Luftformiges ubergeht, also in etwas, was unter der Warme steht,
das ist jetzt in dem Rauch, in dem, was als Triibung erscheint, verzau-
bert. Geistige Wesenheiten, die mit der Warme sind, miissen sich
sozusagen herbeilassen, in das Dichtwerdende, in das Rauchigwer-
dende sich hineinverzaubern zu lassen. Und so ist denn mit allem,
was sozusagen wie eine Triibung, wie eine Materialisierung herausf allt
aus der Warme, eine Verzauberung geistiger Wesen verbunden. Wir
konnen das noch krasser hinstellen. Denken wir uns einmal, wir brin-
gen, was ja heute schon moglich ist, die Luft zur Verfliissigung. Die
Luft selber ist nichts anderes als verdichtete Warme, sie ist entstanden
aus der Warme, indem sich Rauch gebildet hat. Das vom Geistigen
ist hineingezaubert worden in den Rauch, was eigentlich im Feuer
sein mochte. Geistige Wesenheiten, die man nun auch Elementarwe-
sen nennt, sind verzaubert in aller Luft, und sie werden noch weiter
verzaubert, sozusagen zu einem noch niedrigeren Dasein verbannt,
wenn die Luft in Wasser ubergefiihrt wird. Daher sieht die Geistes-
wissenschaft iiberhaupt in dem, was aufierlich wahrnehmbar ist, et-
was, was aus einem Urzustande des Feuers oder der Warme hervorge-
gangen ist auf die Weise, dafi es erst Luft oder Rauch oder Gas
wurde, indem die Warme sich zu Gas verdichtete, das Gas zu Fliissi-
gem, das Flussige zum Festen. Seht zuriick, so sagt der Geheimwis-
senschafter, seht euch an irgend etwas Festes: Es war einmal fliissig,
es ist erst im Verlaufe der Entwickelung zum Festen geworden; und
das Flussige war einmal gasformig, und das Gasformige bildete sich
als Rauch heraus aus dem Feuer. Aber mit dieser Verdichtung, mit
diesem Gasformig- und Festwerden ist immer eine Verzauberung
von geistigen Wesenheiten verbunden.
Blicken wir also jetzt in unsere Umwelt, sehen wir uns an die
festen Steine, die Strome von Wasser, welche hinrinnen, sehen wir
das, was an Wasser verdunstet, als Nebel emporsteigt, sehen wir die
Luft, sehen wir alles Feste, Flussige, Luftformige und Feuer: so haben
wir im Grunde nichts als Feuer. Alles ist Feuer, nur eben verdichte-
tes Feuer. Gold, Silber, Kupf er ist verdichtetes Feuer. Alles war einst-
mals Feuer, alles ist aus dem Feuer geboren - aber in all diesem Ver-
dichteten uberall ein Geistiges, das darin verzaubert ruht!
Womit erreichen es also die geistig-gottlichen Wesenheiten, die
um uns herum sind, dafi, wie es auf unserem Planeten ist, ein Festes
entsteht, dafi ein Flussiges, ein Luftformiges entsteht? Sie schicken
ihre Elementargeister, die im Feuer leben, hinunter, sie sperren sie
ein in Luft, Wasser und Erde. Das sind die Boten, die Elementarboten
der geistigen schopferischen Bildnerwesen. Erst hat man diese Ele-
mentargeister im Feuer. Im Feuer fuhlen sie sich, wenn wir bildlich
sprechen, noch wohl, und nun werden sie sozusagen verdammt, in
Verzauberung zu leben. Und wir blicken um uns herum und sagen
uns: Diese Wesenheiten, denen wir alles das verdanken, was um uns
herum ist, sie haben aus dem Elemente des Feuers heruntersteigen
muss en, sie sind in den Dingen verzaubert.
Konnen wir als Menschen fur diese Elementargeister etwas tun? Das
ist die grofie Frage, die sich die heiligen Rishis aufwarfen. Konnen wir
etwas tun, um das, was da verzaubert ist, zu erlosen? Ja, wir konnen
etwas tun! Denn das, was wir Menschen tun hier in der physischen
Welt, ist auch nichts anderes als der aufiere Ausdruck geistiger Pro-
zesse. Alles, was wir tun, hat zu gleicher Zeit seine Bedeutung in der
geistigen Welt. Nehmen wir einmal folgendes an: Ein Mensch stent
gegeniiber irgendeinem, sagen wir, Bergkristall oder einem Snick
Gold oder dergleichen. Er schaut das an. Was geschieht, wenn ein
Mensch einfach anglotzt, anschaut mit seinem sinnlichen Auge irgen-
deinen aufieren Gegenstand, was geschieht da? Da ist ein fortwahren-
des Wechselspiel zwischen dem verzauberten Elementargeist und
dem Menschen. Dasjenige, was da in der Materie drinnen verzaubert
ist, und der Mensch, sie haben etwas miteinander zu tun. Nehmen
wir nun an, der Mensch glotzt nur den Gegenstand an, so dafi ihm nur
auffallt, was ans Auge herandringt; da geht immer etwas von diesen
Elementarwesen in den Menschen herein. Fortwahrend geht etwas von
den verzauberten Elementarwesen in den Menschen herein, von friih
bis abends. Indem Sie wahrnehmen, geht von Ihrer Umgebung fort-
wahrend eine Schar von Elementarwesenheiten, die verzaubert war
und die fortwahrend verzaubert wird durch die Verdichtungsprozesse
der Welt, fortwahrend geht eine solche Schar von Wesenheiten in Sie
hinein. Nehmen wir nun einmal an, der Mensch, der so die Gegenstan-
de anglotzt, hatte gar nicht die Neigung, nachzudenken iiber die Ge-
genstande, in seiner Seele irgend etwas leben zu lassen vom Geist der
Dinge. Er macht sich's bequem, geht nur so durch die Welt, verarbeitet
es aber geistig nicht, nicht mit Ideen, nicht mit Gefuhlen, mit gar nichts,
er bleibt sozusagen ein blofier Anschauer dessen, was ihm materiell
in der Welt entgegentritt. Da gehen diese Elementargeister in ihn
herein und sitzen nun in ihm, sind in ihm drinnen und haben nichts
anderes gewonnen im Weltprozefi, als dafi sie hereingestiegen sind
aus der Aufienwelt in den Menschen. Nehmen wir aber an, der
Mensch sei ein solcher, der die Eindnicke der Aufienwelt geistig verar-
beitet, der mit seinen Ideen, Begriffen sich Vorstellungen macht iiber
die geistigen Grundlagen der Welt, der also ein Stuck Metall nicht
einfach anglotzt, sondern iiber das Wesen nachdenkt, die Schonheit
der Sache nachfuhlt, der seinen Eindruck vergeistigt; was tut der? Der
erlost durch seinen eigenen geistigen Prozefi das Elementarwesen, das
uberstromt von der Aufienwelt zu ihm; der hebt es herauf zu dem,
was es war, der befreit das Elementarwesen aus seiner Verzauberung.
So konnen wir durch unsere eigene Vergeistigung diejenigen Wesen-
heiten, die in Luft, Wasser und Erde verzaubert sind, wir konnen
sie entweder einsperren in unser Inneres, ohne sie zu verandern, oder
aber wir konnen sie dadurch, dafi wir uns selber immer mehr und
mehr vergeistigen, befreien, erlosen, sie wiederum zu ihrem Elemen-
te zuruckfuhren. Sein ganzes Leben hindurch auf der Erde liifit der
Mensch aus der Aufienwelt Elementargeister in sich hereinfliefien.
In demselben Mafie, in dem er die Dinge blofi anglotzt, in demselben
Mafie lafit er diese Geister einfach in sich hineinwandern und veran-
dert sie nicht; in demselben Mafie, in dem er die Dinge der Aufien-
welt in seinem Geist zu verarbeiten sucht durch Ideen, Begriffe, Ge-
fuhle der Schonheit und so weiter, in demselben Mafie erlost und
befreit er diese geistigen Elementarwesen.
Und was geschieht also jetzt mit diesen Elementarwesen, die sozu-
sagen von den Dingen aus in den Menschen eingetreten sind, was
geschieht mit ihnen? Sie sind zunachst im Menschen. Auch die erld-
sten miissen zunachst im Menschen bleiben, aber nur bis zum physi-
schen Tod des Menschen. Wenn der Mensch durch die Pforte des
Todes tritt, dann tritt ein Unterschied ein zwischen denjenigen Ele-
mentarwesen, die blofi hereingewandert sind und die der Mensch
nicht wiederum hinaufgefuhrt hat zu einem hoheren Elemente, und
zwischen jenen, die der Mensch durch seine eigene Vergeistigung zu
ihrem fruheren Element zuruckgebracht hat. Die Elementarwesen,
die der Mensch nicht verandert hat, die haben zunachst gar nichts
gewonnen dadurch, dafi sie heriibergewandert sind von den Dingen
zum Menschen; die anderen aber, die haben das gewonnen, dafi sie
mit dem Tode des Menschen wiederum in ihre ursprungliche Welt
zuriickkehren konnen. Der Mensch ist in seinem Leben ein Durch-
gangspunkt fur diese Elementarwesenheiten. Und wenn nun der
Mensch durch die geistige Welt durchgegangen ist und in einer nach-
sten Verkorperung wiedergeboren wird, da kommen bei der Wieder-
verkorperung des Menschen, indem der Mensch durchgeht durch
die Pforte der Geburt, alle die Elementarwesen, die der Mensch
vorher nicht befreit hat, wieder zuriick in die physische Welt; die
aber, die er befreit hat, die bringt er nicht wieder mit, wenn er herun-
tersteigt, die sind zuriickgekehrt zu ihrem urspriinglichen Elemente.
So sehen wir, wie der Mensch es in der Hand hat, durch seine
Entwickelung, durch die Art und Weise, wie er sich zur aufieren
Natur verhalt, die zur Entstehung unseres Erdendaseins notwendig
verzauberten Elementarwesen entweder zu befreien oder aber sie
noch mehr an die Erde zu fesseln, als sie es schon vorher waren. Was
tut ein Mensch, der also irgendeinen aufieren Gegenstand anschaut
und, indem er ihn erlautert, den Elementargeist daraus erlost? Geistig
macht er das Gegenteil von dem, was friiher geschehen ist. Wahrend
friiher sozusagen aus dem Feuer Rauch gebildet worden ist, bildet
der Mensch wiederum aus dem Rauch geistig das Feuer; er entlafit
nur dieses Feuer erst nach seinem Tode. Nun denken Sie sich einmal,
wie unendlich tief und wie unendlich geistvoll alte Opfergebrauche
sind, wenn Sie sie im Lichte uralt-heiliger Geisteswissenschaft be-
trachten: Denken Sie sich einmal den Priester am Opferaltar in denje-
nigen Zeiten, in denen Religion gebaut war auf wirkliche Erkenntnis
der geistigen Gesetze, denken Sie sich, dafi der Priester die Flamme
entziindet und Rauch aufsteigt und das Aufsteigen des Rauches nun
wirklich zum Opfer gemacht wird, das heifit durch Gebete verfolgt
wird, was geschieht da? Was geschieht mit solchem Opfer iiberhaupt?
Der Priester steht am Altar, wo Rauch erzeugt wird. Wo das Feste
herausgeht aus der Warme, wird ein Geist verzaubert, gleichzeitig
wird aber dadurch, dafi der Mensch mit den Gebeten den ganzen
Vorgang verfolgt, dieser Geist als ein solcher in die Menschen aufge-
nommen, dafi er nach dem Tode wiederum aufsteigt in die hohere
Welt. Was sagte daher der Angehorige der alten Weisheit zu denen,
die solches verstehen sollten? Er sagte: Wenn du die Aufienwelt so
ansiehst, dafi dein geistiger Prozefi nicht ein Hangenbleiben am
Rauch ist, sondern ein Hinaufheben des Geistigen zum Feuerelement,
dann befreist du nach dem Tode den im Rauch verzauberten Geist.
- Und nun sprach der Mensch, der das verstand von dem in den
Menschen ubergegangenen, aus dem Rauch verzauberten Geist: Hast
du den Geist so gelassen, wie er im Rauch war, dann mufi er mit dir
wiedergeboren werden, dann kann er nach deinem Tod nicht zuriick-
gehen in die geistige Welt; hast du ihn aber befreit, hast du ihn
zuriickgefuhrt zum Feuer, dann wird er nach deinem Tod in die
geistigen Welten hinaufgehen und braucht mit deiner Geburt nicht
wieder zuriickzukehren auf die Erde.
Und nun haben Sie einen Teil dieser tiefen Satze aus der Bhagavad
Gita, die im vorigen Vortrag angefiihrt worden sind. Es ist da gar nicht
die Rede vom menschlichen Ich, es ist die Rede von jenen Naturwe-
senheiten, von jenen Elementarwesen, die aus der Aufienwelt in den
Menschen hereingehen, und es wird gesagt: Sieh das Feuer, sieh den
Rauch! Das, was der Mensch durch seine geistigen Prozesse zum
Feuer macht, das sind Geister, die er befreit mit seinem Tod. Was er
lafit, wie es im Rauch ist, das mufi bei seinem Tod mit ihm vereinigt
bleiben und mufi wiedergeboren werden, wenn er geboren wird. -
Das Schicksal der Elementargeister ist uns zunachst damit gekenn-
zeichnet: Durch Weisheit, die der Mensch in sieh entwickelt, befreit
der Mensch fortwahrend bei seinem Tode Elementargeister; durch
Unweisheit, durch blofies materielles Hangenbleiben am Sinnenschein
klammert er Elementargeister an sieh und zwingt sie, immer wieder
mitzugehen in diese Welt, immer wieder mit ihm geboren zu werden.
Aber nicht nur mit dem Feuer und demjenigen, was mit ihm zu-
sammenhangt, sind solche Elementarwesenheiten verkmipft. Solche
Elementarwesenheiten sind die Boten fur die hoheren gottlich-gei-
stigen Wesenheiten bei allem, was aufterlich sinnlich geschieht. Nie-
mals hatte zum Beispiel in der Welt das Zusammenspiel derjenigen
Krafte eintreten konnen, welche Tag und Nacht bewirkt haben, wenn
nicht solche Elementarwesenheiten in grofien Scharen arbeiteten, um
die Planeten in entsprechender Weise herumzukugeln in der Welt,
eben damit dieser Wechsel von Tag und Nacht geschieht. Alles, was
geschieht, wird von Scharen von geistigen Unter- und Oberwesenhei-
ten der geistigen Hierarchien bewirkt. Wir sind bei den allerunter-
geordnetsten Wesenheiten, bei den Boten. Wenn aus Nacht Tag und
aus Tag Nacht entsteht, da leben darinnen nun auch Elementarwesen-
heiten. Und so ist es, dafi der Mensch nun wieder in einer innigen
Beziehung steht mit den Wesenheiten der Elementarreiche, die Tag
und Nacht mit zu erarbeiten haben. Wenn der Mensch trage, faul
ist, wenn er sich gehen lafit, dann wirkt er auf diese Elementarwesen-
heiten, die es mit Tag und Nacht zu tun haben, anders, als wenn er
schaffenskraftig, arbeitsam, fleifiig, produktiv ist. Wenn der Mensch
namlich trage ist, so verbindet er sich wiederum mit ganz bestimmten
Elementarwesen, ebenso wie wenn er fleifiig ist, aber in ganz eigen-
tiimlicher Weise. Diejenigen der jetzt genannten zweiten Klasse von
Elementarwesen, die ihr Leben entfalten wahrend des Tages, die den
Tag sozusagen herumwalzen, sind wiederum in ihrem hoheren Ele-
mente. Aber wie die Elementarwesen der ersten Klasse des Feuers
gebunden sind in Luft, Wasser und in der Erde, so sind durch die
Finsternis gewisse Elementarwesen gebunden, und es konnte nicht
der Tag von der Nacht sich scheiden, wenn nicht diese Elementar-
wesenheiten sozusagen eingekerkert wiirden in die Nacht. Dafi der
Mensch den Tag geniefien kann, das verdankt er dem Umstande,
dafi die gottlich-geistigen Wesenheiten herausgetrieben haben die
Elementarwesen und sie gefesselt haben in der Nachtzeit. Wenn der
Mensch nun trage ist, so fliefien fortwahrend diese Elementarwesen-
heiten in ihn herein, aber er lafit sie, wie sie sind. Die Elementarwesen-
heiten, die in der Nacht angekettet sind an die Finsternis, die lafit der
Mensch durch seine Faulheit, wie sie sind; die Elementarwesen, die
in ihn einziehen, indem er fleifiig, arbeitskraftig ist, indem er etwas
tut, diese fuhrt er geistig wiederum zuriick zum Tag. Er entfesselt
also fortwahrend diese Elementarwesen der zweiten Klasse. Das gan-
ze Leben hindurch tragen wir in uns alle die Elementarwesen, die
eingezogen sind wahrend unseres Tragheitszustandes und die einge-
zogen sind wahrend unseres Fleifizustandes. Indem wir durch die
Pf orte des Todes gehen, konnen wiederum die Wesen, die wir zum Tag
zuruckgebracht haben, in die geistige Welt gehen; die Wesen, die wir
in der Nacht gelassen haben durch unsere Tragheit, bleiben an uns
gefesselt, und wir bringen sie zuriick bei der neuen Wiederverkorpe-
rung. Das, was wir durch den blofien Sinnentrug an aufieren Elemen-
tarwesen einfliefien lassen in uns, was wir durch Faulheit und Tragheit
von den Nachtwesenheiten in uns einfliefien lassen, das wird wie-
dergeboren mit unserer Wiederverkorperung. Und jetzt haben Sie
den zweiten Punkt in der Bhagavad Gita. Wiederum ist es nicht
das menschliche Ich, sondern diese Sorte von Elementarwesen, auf
die hingewiesen wird mit den Worten: Sieh dir an Tag und Nacht;
was du selbst dadurch erlost, dafi du es durch deinen Fleifi aus
einem Nachtwesen zum Tagwesen machst: Das, was aus dem Tag
herausgeht, wenn du stirbst, das tritt in die hohere Welt ein; was
du als Nachtwesen mitnimmst, das verdammst du dazu, mit dir
wiedergeboren zu werden.
Und nun werden Sie wohl ahnen, wie die Sache sich fortsetzt.
Wie bei den Erscheinungen, die eben besprochen worden sind, so
ist es auch bei umfassenderen Naturerscheinungen, so zum Beispiel
bei dem, was unsere 28 Monatstage hervorbringt, dem Wechsel im
zunehmenden und abnehmenden Mond. Da mufite eine ganze Schar
von Elementarwesen mitwirken, um den Mond so in Bewegung zu
bringen, dafi diese unsere Mondzeit entstehen konnte, dafi alles das,
was mit dem Mondwechsel zusammenhangt, sich auf unserer sicht-
baren Erde wirklich entfalten konnte. Und dazu mufiten wiederum
von den hoheren Wesenheiten gewisse Wesenheiten verzaubert, ver-
dammt, gefesselt werden. Dem hellseherischen Blick zeigt es sich
immer, dafi, wenn der Mond zunimmt, immer geistige Wesenheiten
aus einem unteren Reich in ein iibergeordnetes Reich kommen. Damit
aber Ordnung ist, miissen auch andere geistige Elementarwesenheiten
in untergeordnetere Reiche hinunter verzaubert werden. Auch diese
Elementarwesen eines dritten Reiches stehen in Wechselwirkung mit
dem Menschen. Wenn der Mensch heiter ist, wenn er mit der Welt
zufrieden ist, wenn er die Welt so versteht, dafi er in einem heiteren
Gemiite alle Dinge umfafit, dann befreit er fortwahrend die Wesen-
heiten, die durch den abnehmenden Mond gefesselt werden. Die
Wesenheiten kommen in ihn herein und werden durch seine Seelen-
ruhe, durch die innere Zufriedenheit, durch die harmonische Welt-
empfindung und Weltanschauung fortwahrend befreit. Diejenigen
Wesenheiten, welche einziehen in den Menschen, wenn er mifimutig
ist, wenn er griesgramig ist, wenn er mit nichts zufrieden ist, wenn
er durch alles mogliche verstimmt wird, sie bleiben im Zustande der
Verzauberung, in dem sie waren durch den abnehmenden Mond. Oh,
es gibt Menschen, die dadurch, dafi sie zu einer harmonischen Welt-
empfindung gekommen sind, heiteren Gemiites sind, unendlich be-
freiend wirken auf eine ganz grofie Summe von Elementarwesen, die
eben so entstanden sind, wie geschildert worden ist. Der Mensch ist
durch eine harmonische Weltempfindung, durch innerliches Befrie-
digtsein iiber die Welt, ein Befreier geistiger Elementarwesen. Der
Mensch ist durch seine Griesgramigkeit, Verstimmtheit, durch seinen
Mifimut ein Fefiler von Elementarwesen, die befreit werden konnten
durch seine Heiterkeit. So sehen Sie, wie des Menschen Gemutsstim-
mung nicht blofi fur diesen Menschen selbst eine Bedeutung hat, wie
des Menschen Heiterkeit oder Griesgramigkeit etwas ist, was wie
Befreiung oder wie Fesselung ausstromt aus seiner Wesenheit. Es geht
nach alien Windrichtungen in das Geistige hinaus, was der Mensch
tut durch seine blofien Gemutsstimmungen. Da haben wir den dritten
Punkt jener wichtigen Lehre der Bhagavad Gita: Sieh hin, wenn ein
Mensch so wirkt durch seine Gemutsstimmung, dafi er Geister befreit,
wie bei dem zunehmenden Monde Geister befreit werden, dann kon-
nen diese befreiten Geister, wenn der Mensch durch die Pforte des
Todes geht, zuruckgehen in die hohere Welt. Wenn der Mensch durch
seinen Mifimut, seine Hypochondrie, die Geister, die um ihn herum
sind, in sich hereinruft und sie lafk, wie sie sind, wie sie da sein
mufiten, damit die Ordnung des Mondes herbeigefiihrt werden kann,
dann bleiben diese Geister an ihn gefesselt und miissen wiedergebo-
ren werden, wenn er in ein neues Dasein tritt. So haben wir eine
dritte Stufe von Elementargeistern, die entweder mit dem Tod des
Menschen befreit werden, zuruckgehen in ihr Heimatland oder die
wiedergeboren werden miissen in dieser Welt mit dem Menschen.
Und endlich haben wir eine vierte Art von Elementargeistern. Es
sind diejenigen, die den Sonnenlauf des Jahres mitzubewirken haben,
damit die Sonne des Sommers weekend und befruchtend auf die Erde
herniederscheinen kann, damit das, was vom Fruhling bis Herbst
gedeiht, eben gedeihen kann. Dazu miissen gewisse Geister im Winter
gefesselt sein, miissen verzaubert sein wahrend der Zeit der Winter-
sonne. Und in derselben Weise wirkt der Mensch, wie es friiher ge
schildert worden ist, fiir die anderen Stufen der geistigen Wesenhei-
ten des Elementarreiches. Nehmen Sie einen Menschen an, der eintritt
in die Winterzeit, der sich sagt: Die Nachte werden langer, die Tage
werden kiirzer, wir kommen zu dem Teil des Jahressonnenlaufes, wo
sozusagen die Sonne ihre befruchtenden Krafte der Erde entzieht.
Die aufiere Erde stirbt, aber mit dieser absterbenden Erde fuhle ich
mich um so mehr verpflichtet, geistig aufzuleben. Ich mufi jetzt sozu-
sagen den Geist immer mehr und mehr in mich aufnehmen. - Nehmen
wir einen Menschen, der gegen das Weihnachtsfest zu immer fromme-
re Festesstimmung in sich aufnimmt, der das Weihnachtsfest verste-
hen lernt in der Bedeutung, dafi die aufiere sinnliche Welt am meisten
abgestorben ist, der Geist dafiir am meisten leben mufi; nehmen wir
an, es durchlebt der Mensch die Winterzeit bis Ostern hin, er erinnert
sich, dafi mit dem Aufleben des Aufieren verkmipft ist der Tod des
Geistigen, er durchlebt das Osterfest mit Verstandnis. Solch ein
Mensch hat nicht blofi aufierliche Religion, sondern Religionsver-
standnis fur Naturprozesse, fur den Geist, der in der Natur waltet,
und er befreit durch diese Art seiner Frommigkeit, seiner Geistigkeit
jene vierte Klasse von Elementarwesenheiten, die immer aus- und
einstromen in den Menschen, die mit dem Laufe der Sonne zusam-
menhangen. Und ein Mensch, der unfromm in diesem Sinn ist, der
den Geist leugnet oder nicht empfindet, der im materialistischen
Chaos dahinsumpft, in den stromen ein die Elementargeister dieser
vierten Stufe und bleiben, wie sie sind. Und durch den Tod tritt nun
wieder das ein, dafi diese Elementargeister der vierten Stufe entweder
befreit werden zu ihrem Elemente oder aber an den Menschen gefes-
selt bleiben und wieder erscheinen mussen, wenn er zu einer neuen
Verkorperung schreitet. So wird der Mensch, wenn er sich verbindet
mit den Wintergeistern, ohne sie zu Sommergeistern zu machen,
ohne sie durch seine Geistigkeit zu erlosen, so wird er diese Geister
verurteilen wiedergeboren zu werden, wahrend sie sonst nicht wie-
dergeboren werden, nicht wiederkehren mussen mit ihm.
Sieh das Feuer und den Rauch! Verbindest du dich so mit der
aufieren Welt, dafi dein geistig-seelischer Prozefi etwas ist, wie wenn
Feuer und Rauch entstehen, dafi du selbst die Dinge vergeistigst in
deinem Erkennungs- oder Empfindungsprozefi, dann verhilfst du
gewissen geistigen Elementarwesen zura Aufsteigen. Verbindest du
dich mit dem Rauch, dann verurteilst du sie zur Wiedergeburt. Ver-
bindest du dich mit dem Tag, dann befreist du wiederum die entspre-
chenden Geister des Tages. Sieh auf das Licht, sieh auf den Tag, sieh
auf den zunehmenden Mond, auf die Sonnenhalfte des Jahres: Wirkst
du so, dafi du die Elementarwesen zuruckfuhrst zum Licht, zum
Tag, zum zunehmenden Mond, zur Sommerszeit des Jahres, dann
befreist du diese Elementarwesen, die dir so notwendig sind, mit
deinem Tode, sie steigen auf in die geistige Welt. Verbindest du dich
mit dem Rauch, glotzt du das Feste nur an, verbindest du dich mit
der Nacht durch Tragheit, verbindest du dich mit den Geistern des
abnehmenden Mondes durch deinen Mifimut, verbindest du dich mit
den Geistern, die gefesselt worden sind in der Wintersonnenzeit
durch deine Gottlosigkeit oder Geistlosigkeit, dann verurteilst du
diese Elementarwesenheiten dazu, dafi sie wiedergeboren werden
miissen mit dir.
Jetzt wissen wir erst, von was eigentlich an dieser Stelle der Bhaga-
vad Gita die Rede ist. Derjenige, der glaubt, es ware die Rede vom
Menschen, der versteht die Bhagavad Gita nicht; derjenige aber, der
weifi, dafi alles menschliche Leben ein fortwahrendes Wechselspiel
ist zwischen ihm und Geistern, die in unserer Umgebung verzaubert
leben und entzaubert werden miissen, der blickt auf ein Aufsteigen
oder auf ein Wiederverkorpertwerden von vier Gruppen von Ele-
mentarwesen. Das Geheimnis dieser niedersten Art von Hierarchie
ist uns in dieser Stelle der Bhagavad Gita erhalten geblieben. Ja, wenn
man aus der Urweltweisheit herausholen mufi, was uns in den grofien
Religionsurkunden iiberliefert ist, da merkt man, was Grofies in
diesen Religionsurkunden liegt und wie unrecht die haben, die sie
oberflachlich verstehen oder sie nicht in ihrer Tief e verstehen wollen.
Man verhalt sieh erst dann richtig zu ihnen, wenn man sieh sagt: Es
ist keine Weisheit hoch genug, um das herauszufinden, was in sie
hineingeheimnifit ist. Dann erst durchdringen sieh diese Urkunden
mit dem Zauberhauch echt frommer Gefuhle, dann erst werden sie
im wahren Sinne des Wortes das, was sie sein sollen: selber veredelnde
und lauternde Mittel der menschlichen Entwickelung. Sie weisen uns
oftmals noch hin in ungeheure Abgriinde menschlicher Weisheit.
Und was aus den Quellen der Geheimschulen und der Mysterien
von jetzt ab in die allgemeine Menschheit hineinfliefien kann, das
erst wird diese Abglanze - denn solche sind sie doch nur - der Ur-
weltweisheit in ihrer Grofie und in ihrem Lichte erscheinen lass en.
Wir mufiten einmal an einem verhaltnismafiig schwierigen Beispiel
zeigen, wie man in der Urweltweisheit das Zusammenwirken aller
jener Geister gewufit hat, die uns umgeben, die iiberall da sind, die
aus- und einstromen in den Menschen, und wie man auch gewulk
hat, dafi des Menschen Taten eine Wechselwirkung darstellen zwi-
schen der geistigen Welt und seiner eigenen inneren Welt. Da wird
uns das Menschenratsel erst wichtig, wenn wir gewahr werden, dafi
wir mit allem, was wir tun, selbst mit dem, wie wir gestimmt sind,
auf einen ganzen Kosmos zuriickwirken, dafi diese unsere kleine
Welt von einer unendlich weittragenden Bedeutung fur alles Wer-
den im Makrokosmos ist. Gerade die Erhohung des Verantwortlich-
keitsgefuhls ist das Schonste und Bedeutsamste, was wir gewinnen
konnen aus der Geisteswissenschaft. Es lehrt uns das Leben im wah-
ren Sinne ergreifen und es so wichtig nehmen, dafi dieses Leben, das
wir hineinzuwerfen haben in den Entwickelungsstrom des Le-
bens, als etwas Bedeutungs voiles hineingeworfen wird.
DRITTER VORTRAG
Diisseldorf, 13. April 1909, vormittags
Es werden gestern am Ende des Vortrages iiber das sozusagen unter-
ste Reich der geistigen Hierarchien in mancher Seele Gedanken
aufgestiegen sein, mancherlei Fragen sich aufgedrangt haben. Und
das ist nur natiirlich, denn gegemiber dem Denken und Vorstellen,
das der Mensch heute haben kann, erscheint sehr vieles von dem,
was gesagt worden ist, zunachst fragwiirdig und unerklarlich. Der
Lauf der Vortrage wird von selbst iiber mancherlei Licht verbreiten.
Eines aber mufi schon heute gesagt werden, damit Sie sozusagen
eine Direktive haben fur die ganze Gesinnung, die man einer solchen
Sache entgegenzubringen hat. Heute kann sich der Mensch zum
Beispiel die naheliegende Frage vorlegen: Ja, wenn du nun wirklich
ein verzaubertes Wesen aus einem Stein heraushebst, indem du iiber
den Stein nachdenkst und nachsinnst und indem du nachher dieses
verzauberte Wesen sozusagen befreist, was bleibt denn dann im
Stein noch drinnen? Ist denn noch dieses Wesen im Stein drinnen,
oder was ist eigentlich im Stein geschehen? Der Zweite, der nun
nachkommt und denselben Prozefi durchmacht, wie ist es mit dem?
- Diese Frage konnte also bei sehr vielen entstehen. Wie gesagt, im
Laufe der Vortrage wird sich manche solche Frage beantworten,
aber gesagt werden mufi, dafi mit demjenigen, was die Erde dem
Menschen gibt zum Denken, diese Dinge iiberhaupt gar noch nicht
erfafit werden konnen. Denn auf der Erde ist alles verhiillt, alles
in Maja gekleidet, und die Dinge sehen fur den Gedanken ganz
anders aus, als sie in Wirklichkeit sind. Es ist nicht Schuld der
Tatsachen, daft die Fragen unbeantwortet bleiben. Die Fragen sind
falsch gestellt, aber wir werden den Mafistab fur die richtige Frage-
stellung schon mit der Zeit gewinnen. Wesentlich anders nehmen
sich die Dinge schon aus, wenn wir in Zustande Einblick erhalten,
die eben die ganze Sache noch nicht so in Illusion gehullt enthalten.
Auf der Erde ist alles ineinandergeschoben; dadurch wird das Den-
ken der Menschen fortwahrend getauscht. Wir bekommen reine-
re Vorstellungen von den Sachen, wenn wir zuriickgehen in altere
Zeiten.
Geradeso wie der Mensch Verkorperung nach Verkorperung
durchmacht, Metamorphose nach Metamorphose, so machen alle
Wesen der Welt Verkorperungen und Wiederverkdrperungen durch,
vom kleinsten bis zum grofken, und auch ein solches Wesen, wie
unsere Erde selber ist, also ein planetarisches Wesen, macht Wieder-
verkorperungen durch. Unsere Erde war nicht etwa schon als Erde
entstanden, sondern ihr ging voran ein anderer Zustand. Dariiber ist
ja gerade in unseren Kreisen immer besonders viel gesprochen wor-
den, dafi ebenso wie der Mensch in diesem Dasein die Wiederverkor-
perung eines vorhergehenden Lebens ist, auch die Erde eine Wieder-
verkorperung eines alten Planeten darstellt, der ihr vorangegangen
ist. Wir bezeichnen als diesen vorangegangenen Planeten den Mond
und meinen damit nicht den heutigen Mond, der nur ein Stuck, ein
Rest ist vom alten Mond, sondern einen vorhergehenden Zustand
unserer Erde, der einmal da war und ebenso durch ein geistiges Leben
hindurchgegangen ist, das man gewohnlich Pralaya nennt, wie der
Mensch nach dem Tode durch einen geistigen Zustand durchgeht.
Dieser Mondplanet ist wiedergeboren worden, wie der Mensch wie-
dergeboren wird. Was wir aber so als den planetarischen Zustand
des Mondes bezeichnet haben, das ist wiederum nur die Verkorpe-
rung eines vorhergehenden planetarischen Zustandes, den wir als
Sonne bezeichnen. Diese, also nicht die heutige Sonne, sondern ein
ganz anderes Wesen, diese Sonne ist die Wiederverkorperung des
letzten Planeten, auf den wir zunachst zuruckzuschauen haben, wenn
wir von den Verkorperungen unserer Erde sprechen, des uralten
Saturn. So haben wir also vier aufeinanderfolgende Verkorperungen:
den Saturn, die Sonne, den Mond, die Erde.
Wir haben auch ofter erwahnt, dafi jeder planetarische Zustand eine
bestimmte Aufgabe hat. Was hat unsere Erde fur eine Aufgabe? Die
Aufgabe unserer Erde ist, dem Menschen, wie wir ihn heute Mensch
nennen, eben sein Menschendasein moglich zu machen. Alle Wirkun-
gen der Erde sind so, dafi durch sie der Mensch eine Ich-Wesenheit
wird. Das war in fruheren Zustanden, die er mitgemacht hat, nicht der
Fall. Der Mensch ist also sozusagen Mensch im heutigen Sinne erst
auf der Erde geworden. Eine ahnliche Aufgabe hatten die fruheren
planetarischen Zustande, die die Erde durchgemacht hat. Andere
Wesenheiten sind auf diesen anderen Planeten Mensch geworden,
Wesenheiten, die heute eben hoher stehen als der Mensch. Sie erin-
nern sich vielleicht aus meinem Buche «Das Christentum als mysti-
sche Tatsache», daft ein agyptischer Weiser dem Griechen Solon
einmal eine merkwiirdige Andeutung gemacht hat iiber eine Myste-
rienwahrheit; dafi er ihm gesagt hat, es sei eine wichtige Wahrheit,
dafi die Gotter einstmals Menschen waren. Das gehorte geradezu zu
jenen Wahrheiten, die der Mysterienschuler schon im Altertum emp-
fangen muiRte, dafi die Gotter, die heute oben stehen in den geistigen
Hdhen, nicht immer Gotter waren, sondern dafi sie hinaufgestiegen
sind und dafi sie auch einmal Menschen gewesen sind, auch einmal
die Menschheitsstufen durchgemacht haben. Naturlich folgt daraus
unmittelbar eine gefahrliche Wahrheit, die die Mysterienschuler auch
daraus ziehen muiSten als Konsequenz: dafi namlich die Menschen
einmal Gotter werden. Und gerade um dieser Konsequenz willen
betrachtete man diese Wahrheit als etwas Gefahrliches; denn notwen-
dig ist, dafi man sich zu gleicher Zeit sagt: Der Mensch kann erst
Gott werden, wenn er dazu reif ist; und wenn er sich jemals in einem
Augenblick einbildet, den Gott in sich zu finden, bevor er reif dazu
ist, so wird er eben nicht ein Gott, sondern ein Tor. - Und dem
Menschen stehen daher diese zwei Wege offen: in Geduld seiner,
wie es Dionysius nennt, Deifikation entgegenzuleben, seiner Gott-
werdung, oder aber sich vorher einzubilden, er sei schon Gott. Der
eine Weg fuhrt wirklich zur Vergottung, der andere zur Torheit, zur
Narrheit.
In den Ausdriicken des Altertums wird sehr haufig deshalb etwas
Mifiverstandliches gesehen, weil in unserer Gegenwart nicht mehr
unterschieden wird zwischen den verschiedenen Stufen gottlich-gei-
stiger Wesenheiten. Der agyptische Weise, der also von Gottern
gesprochen hat, der hat damit nicht etwa nur eine Stufe von Gottern
oder von Gott gemeint, sondern ganze Stufenfolgen gottlich-geistiger
Wesenheiten. Dionysius der Areopagite und auch die ostlichen
Weisen, sie haben immer diese Stufen gottlich-geistiger Wesenheiten
unterschieden. Ob wir nun sprechen von Engeln oder von Dhyan-
Chohans, das ist gleich, denn diejenigen, die wirklich die Einheit der
Weltenweisheit erkennen, wissen, dafi das nur verschiedene Namen
sind fur eine Sache. Aber auch in diesem Reich mufi man wiederum
unterscheiden. Diejenigen Wesenheiten, die zunachst unsichtbar sind
und welche unmittelbar iiber dem Menschen stehen, das heifit eine
Stufe hoher stehen als der Mensch, die nennt man in der christlichen
Esoterik Engel, Angeloi, Boten, das heifit Boten der gottlich-geistigen
Welt. Diejenigen Wesenheiten, die wiederum eine Stufe hoher stehen,
also zwei Stufen hoher als der Mensch, nennt man Erzengel, Archan-
geloi, auch Feuergeister. Diejenigen Wesenheiten, die wiederum,
wenn sie ihre normale Entwickelung durchmachen, eine Stufe hoher
stehen als die Erzengel, das sind die Wesenheiten, die man nennt
Geister der Personlichkeit oder Urbeginne, Urkrafte, Archai. So ha-
ben wir also zunachst drei Stufen iiber dem Menschen stehender
Wesenheiten. Diese drei Arten von Wesenheiten haben alle ihre
Menschheit durchgemacht, sie waren einmal Menschen. Wesen, die
heute Engel sind, haben sogar, wenn man nach Weltenzeiten die
Sache ansieht, ihr Menschentum gar nicht so weit hinter sich, sie
waren auf dem Monde Menschen; und so wie Sie durch die Erdenver-
haltnisse auf der Erde als Menschen herumwandeln konnen, so konn-
ten die Engel in ihrer Menschheitsstufe eben den Mond bewohnen.
Die Erzengel machten ihre Menschheitsstufe auf der Sonne durch,
und die Urbeginne, die Geister der Personlichkeit, auf dem alten
Saturn. So also sind diese Wesenheiten vom Menschentum stufenwei-
se aufgeschritten, sind heute hohere Wesenheiten in hoheren Stufen
der Hierarchie als der Mensch, und wir konnen einfach sagen, wenn
wir nun die Stufenlage der Weltreiche im geistigen Sinne aufzahlen:
Wir haben auf der Erde sichtbar das mineralische Reich, das Pflanzen-
reich, das Tierreich, das menschliche Reich, und nun geht es ins Un-
sichtbare hinauf, ins Reich der Engel, der Feuergeister oder Erzengel,
der Urkrafte oder Geister der Personlichkeit oder Archai. Wahrend
so diese Wesenheiten nun in bezug auf ihr inneres Werden und Wesen
vorwartsschritten, sozusagen von Menschen zu Gottern wurden
oder zu Gotterboten - was sogar eine richtige Bezeichnung ist fur
diese Wesenheiten -, wahrend so diese Wesenheiten in ein geistiges
Dasein aufstiegen, veranderten sich die Zustande des Planeten, auf
dem und fur den sie lebten. Wenn wir zuriickblicken auf den alten
Saturn, auf dem die Archai Menschen waren, so finden wir ihn noch
ganz anders aussehend als unsere Erde.
Wir haben gestern davon gesprochen, dafi wir auf unserer Erde
vier Elemente unterscheiden: Erde, Wasser, Luft, Feuer oder Warme.
Von den drei erstgenannten Elementen war auf dem alten Saturn
uberhaupt noch nichts vorhanden. Von diesen vier Elementen gab es
auf dem Saturn nur das Feuer oder die Warme. Der heutige materiali-
stische Philosoph wird sagen: Aber Warme kann doch nur an aufieren
Gegenstanden uns entgegentreten, es kann warme feste Korper,
warmes Wasser geben, aber es kann nicht Warme fiir sich geben. Das
glaubt eben der materialistische Philosoph; das ist aber nicht wahr.
Wenn Sie mit heutigen Sinnen schon den Saturn hatten beobachten
konnen, wie wiirde er sich dargestellt haben? Nehmen Sie an - wir
setzen das als Hypothese voraus -, Sie waren in der alten Saturnzeit
durch den Weltenraum geflogen. Gesehen hatten Sie nichts da, wo
der alte Saturn war; eines aber wiirden Sie gewahr geworden sein: da
ist es ja warm! Wie wenn Sie durch den erwarmten Raum eines Back-
ofens geflogen waren, so ware es Ihnen vorgekommen, wenn Sie den
Saturn durchflogen hatten. Sie hatten nicht etwa einen Luf tzug spiiren
konnen, hatten nicht schwimmen konnen, denn Luft, Wasser gab es
noch nicht; auftreten hatten Sie auch nicht konnen, denn Erde gab
es noch nicht. Ihre Hand hatte nichts beriihren konnen; es war eben
die ganze Kugel nur Warme. Also der alte Saturn bestand lediglich
zunachst aus dem Elemente der Warme oder des Feuers. Unser Erden-
dasein fing in seiner ersten Metamorphose an als ein Planet der War-
me, und daraus konnen Sie schon entnehmen, wie es richtig ist, wenn
zum Beispiel der alte Heraklit sagt: Alles ist aus dem Feuer entsprun-
gen. - Ja selbstverstandlich! Weil die Erde nur der verwandelte alte
Saturn ist, so ist auch alles auf der Erde aus diesem Feuer herausge-
kommen. Das war eine Wahrheit, die Heraklit aus den alten Mysterien
hatte. Das wird auch angedeutet, indem gesagt wird, dafi er
das Buch, in dem er diese Wahrheit niedergeschrieben hatte, der Gottin
zu Ephesus geweiht, auf dem Altar dort niedergelegt hat. Das bedeutet,
dafi er sich bewufit war, daft er diese Weisheit den Mysterien, den ephe-
sischen Mysterien verdankt, wo in ihrer Reinheit diese Lehre vom Ur-
f euer Saturn noch immer verkiindet worden ist. Nun konnen Sie auch
daraus entnehmen, dafi diejenigen Wesen, die wir Urbeginne, Archai,
Geister der Personlichkeit nennen, unter ganz anderen Verhaltnissen
ihr Menschentum durchgemacht haben als der heutige Mensch. Der
Mensch heute hat die Moglichkeit, in seine Korperlichkeit, in sein
Knochen- und Blutsystem das Feste, das Fliissige, das Gasformige
hereinzunehmen. Der Mensch des Saturn, der Geist der Personlich-
keit, mulke sich seinen ganzen Leib aus Warme, aus Feuer bilden. Und
das tat er auch: Er hatte nur einen Feuerleib, der Geist der Personlich-
keit auf dem alten Saturn. Sein Leib bestand nur aus Warme.
Ich habe Ihnen gestern gesagt, dafi die Warme sozusagen zwei Seiten
hat. Die eine Seite ist diese, dafi sie eigentlich innerlich wahrgenommen
wird als innerliche Warme, wir fuhlen uns warm oder kalt, ohne dalS
wir die Umgebung betasten wie beim Festen; aber wir konnen die War-
me auch aufierlich fuhlen, wenn wir einen warmen Korper angreifen.
Das ist das Eigenartige in der Entwickelung des Saturn, dafi sozusagen
die Warme iibergeht nach und nach vom Anfang des Saturn, wo sie
eine blofi innerliche war, bis zum Ende, wo sie aufierlicher, wahrnehm-
barer wird. Wenn Sie also im Anfangszustand des Saturn diese Reise
durch die Welt gemacht hatten, dann wiirden Sie, wenn Sie den Raum
des Saturn betreten hatten, auf Ihrer Haut keine Warmebewegung
gespiirt haben, aber innerlich wiirden Sie sich gesagt haben: Es ist so
behaglich warm. Etwas, was Sie heute nur noch als Seelenwarme
kennen, das wiirde Sie uberkommen haben, wenn Sie in den allerer-
sten Stadien des Saturn diese Reise gemacht hatten. Sie konnen sich
eine Vorstellung bilden der Erlebnisse, die Sie gehabt hatten, wenn
Sie f olgendes betrachten. Sie wissen, dafi ein Unterschied besteht, wenn
Sie eine rote oder eine blaue Flache betrachten. Wenn Sie sich der roten
Farbe gegeniiberstellen, so sagen Sie sich: Das gibt ein warmes Gefuhl;
stellen Sie sich dem Blauen gegeniiber, so haben Sie das Gefuhl des
Kalten. Denken Sie sich diese Gefuhle, die in der menschlichen Seele
ausgelost werden durch den Eindruck des Roten, den Sie damals ja
nicht gehabt hatten, aber Sie hatten so etwas behaglich Warmes ge-
fiih.lt, wie wenn Sie sich heute dem Roten gegeniiberstellen. Am Ende
der Saturnzeit wiirden Sie nicht nur diesen innerlich behaglichen Zu-
stand gefiihlt haben, sondern etwas, wie wenn von aufien an Sie heran-
getreten ware Warme. Innerliche Warme hatte sich allmahlich ver-
wandelt in aufiere Warmewahrnehmung. Das ist der Weg, den der
Saturn durchmachte: von einer innerlich seelischen Warme zu einer
aufterlich wahrnehmbaren Warme, zu dem, was wir aufierliche War-
me oder Feuer nennen. Und man mochte sagen: Geradeso wie das
Kind heranwachst zum grofien Menschen und verschiedenes durch-
macht, so wuchsen auf dem alten Saturn die Geister der Personlichkeit
heran. Sie fiihlten sich zuerst wie innerlich warm, sozusagen innerlich
behaglich warm, und nach und nach fiihlten sie diese Warme auch
veraufierlicht, verwirklicht, ja verkorperlicht, konnten wir sagen. Und
was entstand da? Wenn Sie sich vor die Seele rufen wollen, was da
entstand, dann miissen Sie sich's so vorstellen: Vorerst haben wir die
innerliche Erwarmung der Saturnkugel; da finden die Geister der
Personlichkeit die Moglichkeit, sich zuerst zu verkorpern. Wahrend
sie sich verkorpern, bildet sich dasjenige, was man aufiere Warme
nennt. Und wenn Sie die Reise in einem spaterenSaturnzustand hatten
machen konnen, so hatten Sie auch unterscheiden konnen zwischen
aufierlich warmen und kalten Stellen im Saturn. Und wenn Sie jetzt
das nachgezeichnet hatten, was Sie als eingeschlossene Warmekorper
gefunden, dann hatte sich folgende Zeichnung ergeben: Im Umkreise
ist es, wie wenn lauter solche Warme-Eier eine Oberflache des Saturn
gebildet hatten. Von aufien wiirde das ausgesehen haben, wenn man
es hatte sehen konnen, wie eine Brombeere oder Himbeere. Was
waren diese Eier? Es waren die Korper der Geister der Personlichkeit,
und diese Geister der Personlichkeit bildeten gerade durch ihre innere
Warme die aufiere Warme dieser Saturn-Eier. Von diesem Zustande
kann man so recht sagen: Und die Geister briiteten iiber der Warme,
und sie briiteten wirklich die ersten Feuerleiber aus. Vom Welten-
raum herein wurden die ersten Feuerleiber ausgebriitet. Wenn wir
den Ausdruck gebrauchen diirfen, es koagulierten im Warme-
raum die aufieren Warme-Eier aus dem Innern heraus. Also, auf dem
alten Saturn waren die Geister der Personlichkeit, die Archai, man
nennt sie auch Asuras, in diesen Feuerleibern verkorpert. Es bestand
der Saturn nur aus diesem Elemente des Feuers.
Nun gab es in dieser alten Saturnentwickelung fur die Geister der
Personlichkeit die Moglichkeit, die aufiere Warme wiederum in inne-
re zu verwandeln. Der Vorgang war namlich nicht steif und hart,
sondern innerlich beweglich. Tatsachlich erzeugten diese Geister der
Personlichkeit fortwahrend diese Warme-Eier und liefien sie wieder
verschwinden. Und jetzt konnen Sie sich diesen Vorgang noch ge-
nauer vorstellen. Denken Sie sich, Sie hatten eine Zeitlang diese Reise
hin und her gemacht, da wiirden Sie gemerkt haben, es gibt auf diesem
Saturn jetzt Zeiten, in denen aufierlich gar keine Warme wahrnehmbar
ist, in denen nur das behagliche innere Feuer da ist; dann wiederum
Zeiten, in denen diese Warme-Eier auftreten. Sie hatten etwas wahr-
genommen wie das Atmen des ganzen alten Saturn, aber ein Feuer-
Atmen. Sie hatten sich gesagt: Ich bin manchmal in diesem alten
Saturn so drinnen, wie wenn alle aufierliche Warme verinnerlicht,
weggenommen ware, wie wenn alles nur innerliche Behaglichkeit
ware, und Sie hatten sich gesagt: Jetzt hat der Saturn die Warme
eingeatmet. - Und dann waren Sie ein anderes Mai durchgekom-
men und hatten diese vielen Warme-Eier gefunden, und Sie hatten
gesagt: Jetzt hat der Saturn seine innere Warme ausgeatmet, sie ist
aufieres Feuer.
Sehen Sie, diese Vorstellung haben die alten heiligen Rishis bei
ihren Schiilern hervorgerufen. Sie haben sie sozusagen im Geiste zu-
riickversetzt in die alte Saturnzeit und haben sie empfinden lassen,
wie ein ganzer Planet etwas vollzieht, das ahnlich ist wie unser heuti-
ges Aus- und Einatmen. Sie haben in ihnen die Vorstellung hervorge-
rufen: Das Feuer fliefit heraus und wird zu unzahligen Warmeleibern,
das Feuer wird eingesogen und wird innerliche Ichheit der Geister
der Personlichkeit. Daher haben sie dieses Leben eines Planeten ver-
glichen mit einem Aus- und Einatmen, aber es ist zunachst auf dem
alten Saturn nur ein Feuer-Atmen. Luft ist noch nicht vorhanden.
Nehmen wir nun an, es ware folgendes geschehen: alle diese Geister
der Personlichkeit auf dem Saturn hatten sozusagen immer Warme
eingeatmet und ausgeatmet. Da wiirden sie ihre regelmafiige Saturn-
entwickelung durchgemacht haben, und die Folge ware gewesen, dafi
nach der entsprechenden Zeit alles wiederum hereingenommen wor-
den ware in innere Warme, und der Saturn ware als aufierer Feuerpla-
net verschwunden, ware wieder aufgenommen worden in die Reiche
der geistigen Welt. So hatte es geschehen konnen. Dann hatten wir
allerdings niemals den Sonnen-, den Mond- und den Erdenzustand
gehabt, denn es ware alles, was hatte ausgeatmet werden konnen,
wiederum zuruckgenommen worden in innere Warme, ware zuriick-
gekehrt in die geistige Welt. Aber nun wollen wir einen trivialen
Ausdruck gebrauchen, der uns verstandlicher werden wird: Es gefiel
sozusagen gewissen Geistern der Personlichkeit besser, nur einen
Teil der ausgeatmeten Warme wieder zuruckzunehmen und immer
etwas zuriickzulassen, so dafi also beim Einatmen alle diese Saturn-
Eier draufien nicht verschwanden, sondern dafi sie blieben. Und so
stellte sich allmahlich eine Zweiheit heraus auf dem Saturn: innerliche
Warme und daneben die aufiere Warme, in den Saturn-Eiern verkor-
pert. Es wurde nicht alles wieder zuruckgenommen. Sozusagen uber-
liefien die Geister der Personlichkeit einen Teil der ausgeatmeten
Warme sich selber, sie liefien sie da draufien. Warum taten sie das
eigentlich? Das mufiten sie tun; wenn sie es nicht getan hatten, dann
waren sie auf dem Saturn gar nicht Menschen geworden.
Denn was heifit Mensch werden? Das heifit: zum Ich-Bewufitsein
kommen. Sie konnen das nicht, wenn Sie sich als Ich nicht von einem
Aufieren unterscheiden. Nur dadurch sind Sie ein Ich. Der Blumen-
straufi ist hier, ich bin da, ich unterscheide mich als Ich von dem
Objekte. Die Geister der Personlichkeit hatten ewig nur ihr Ich
ausgestromt, wenn sie nicht etwas draufien gelassen hatten, was ihnen
Widerstand geleistet hatte: Das andere ist draufien, ich unterscheide
mich von dem objektiv gemachten Warme-Element. Dadurch sind
die Geister der Personlichkeit zu ihrem Ich, zum Selbstbewufitsein
gekommen, dafi sie einen Teil der Saturnwesenheiten hinabgedrangt
haben in ein blofi aufieres Warmedasein. Sie sagten sich: Ich mufi
etwas von mir nach aufien stromen lassen und draufien lassen, damit
ich mich davon unterscheiden kann, damit mein Ich-Bewufitsein sich
entziindet an diesem Aufieren. So hatten sie also ein Reich neben
sich geschaffen, sie hatten sich gleichsam ein Spiegelbild ihres Innern
in dem Aufieren geschaffen. Dadurch kam es auch, dafi, als sozusagen
das Leben des Saturn abgelaufen war, die Geister der Personlichkeit
gar nicht in der Lage waren, den Saturn verschwinden zu lassen. Er
ware, wenn sie alles Feuer eingeatmet hatten, verschwunden; so aber
waren sie nicht imstande, das, was sie hinausgesetzt hatten aus sich
selbst, zuriickzuatmen. Sie mufiten das Feld, das ihnen die Moglich-
keit geboten hatte, zum Selbstbewufitsein zu kommen, sich selbst
iiberlassen.
Fur den Saturn hatte kein Pralayazustand eintreten konnen durch
die Geister der Personlichkeit allein. Da mufiten hohere Geister ein-
treten, die mufiten sozusagen das wieder auflosen, damit ein Pralaya,
ein Zwischenzustand, ein Zustand des Verschwindens, des Schlafes
eintrat. Hohere Geister, von denen wir jetzt nur den Namen anfiih-
ren, die Throne, mufiten eintreten und mufiten alles das wieder auflo-
sen. So dafi, als das Leben des Saturn zu Ende ging, sich folgender
Prozefi abspielte: Die Geister der Personlichkeit hatten Selbstbe-
wufitsein erlangt, hatten einen Teil der Warme wiederum in sich
aufgesogen, hatten in ihren Mittelpunkt das Selbstbewufitsein aufge-
nommen und hatten dafiir zuriickgelassen ein niederes Reich. Jetzt
kam das Reich der Throne, und diese losten, was jene iibriggelassen
hatten, auf, und der Saturn ging in eine Art Planetennacht ein. Nun
kam der Planetenmorgen. Das Ganze sollte durch Gesetze, die wir
noch kennenlernen werden, sozusagen wiederum aufwachen. Ware
der alte Saturn verschwunden durch das Einatmen der gesamten
Warme, so ware alles Saturndasein in die geistige Welt auf genommen
worden. Ein Aufwachen ware uberhaupt nicht geschehen. Nun
konnten die Throne zwar fur eine Zeitlang auflosen, was die Geister
der Personlichkek als Eier herausgesetzt hatten, aber sie konnten es
nur fur eine Zeit. Es mufite das gewissermafien zu einer weiteren
Entwickelung wiederum einem niedrigeren Dasein iibergeben wer-
den. Dadurch kam ein Planetenmorgen; der zweite Verwandlungszu-
stand des Saturn trat ein, der Sonnenzustand. Was wurde denn da
eigentlich herausgeboren jetzt in diesem Sonnenzustand? Heriiber
kamen nach dem Schlafzustand des Planeten vom alten Saturn die
Geister der Personlichkek, die jetzt ihr Selbstbewufitsein hatten, die
also nicht mehr darauf angewiesen waren, ahnliches durchzumachen,
wie sie schon durchgemacht hatten. Aber sie hatten gewisse Warme-
Eier ausgeatmet, die kamen wiederum nach und nach heraus, die
differenzierten sich heraus aus der allgemeinen Masse. Und die Folge
war, dafi jetzt diese Geister der Personlichkek sozusagen gebunden
waren an dasjenige, was sie von sich hinterlassen hatten. Hatten sie
alles in die geistige Welt hinaufgenommen, so waren sie nicht sonnen-
gebunden gewesen, sie hatten nicht heruntersteigen miissen; so mufi-
ten sie es, denn sie hatten einen Teil ihres friiheren eigenen Wesens
zuriickgelassen. Darum mulken sie sich kiimmern, der zog sie jetzt
hinunter zu einem neuen planetarischen Dasein.
Das war Karma des Saturn, das war Weltenkarma, kosmisches
Karma. Weil die Geister der Personlichkek auf dem alten Saturn
nicht alles in sich hineingenommen hatten, hatten sie sich das Karma
bereitet, zuriickkehren zu miissen: Sie fanden unten dasjenige, was
sie angerichtet hatten, als eine Erbschaft des alten Saturn. Und was
geschah nun, indem sich die Geister der Personlichkek jetzt befafiten,
abgaben mk ihrem geschaffenen Karma? Dadurch geschah das, was
ich gestern im allgemeinen charakterisiert habe: Die Warme spaltete
sich auf der einen Seite in Licht, auf der anderen in Rauch. Und so
entstand im wiedererstandenen Saturn aus diesen Warme-Eiern auf
der einen Seite der neue Planet wie Gas, wie Luft oder wie Rauch,
wie man es genannt hat, und auf der anderen Seite entstand Licht,
indem die Warme sozusagen wiederum zuriickkehrte in hohere Zu-
stande. Innerlich im verwandelten Saturn Rauch, Gas, Luft, auf der
anderen Seite Licht! Und waren Sie jetzt auf einer Reise durch die
Welt an den Ort gekommen, wo diese alte Sonne war, dann wurden
Sie schon von weitem dasjenige, was sich da als Licht gebildet hatte,
gespiirt haben, weil ja dahinter der Rauch war. Sie hatten, wenn auch
nicht das Licht, aber eine leuchtende Kugel wahrgenommen, wie
beim Saturn eine Warmekugel. Eine leuchtende Kugel ware es gewe-
sen, an die Sie herangetreten waren, und waren Sie an die Oberflache
gekommen, hineingedrungen in diese Kugel, so wurden Sie nicht nur
Warme wahrgenommen haben, sondern Winde, Luft, stromendes
Gas nach alien Seiten hin. So hat sich die Warmekugel zu einer
Leuchtekugel verwandelt: Es ist eine Sonne entstanden. Mit volligem
Rechte nennt man das eine Sonne. Und was heute Sonnen sind, die
machen heute noch diesen Prozefi durch: Die sind heute innerlich
stromendes Gas, und nach der anderen Seite bewirken sie, dafi dieses
Gas zum Licht wird; sie verbreiten Licht in den Weltenraum. Jetzt
war also eigentlich erst das Licht in dem Verwandlungszustande der
Erde gebildet, jetzt war erst Licht entstanden. In der Warme, in der
alten Saturnwarme, da konnten zunachst die Geister der Personlich-
keit Mensch werden; in dem Licht, das jetzt von der Sonne ausstrahl-
te, da konnten Mensch werden diejenigen Wesenheiten der geistigen
Hierarchien, die wir Erzengel oder Archangeloi nennen. Und Sie
wurden in der Tat, wenn Sie nicht nur wie ein heutiger Mensch sich
der Sonne genahert hatten, sondern wie ein hellseherischer, Sie wiir-
den nicht nur Leuchten wahrgenommen haben, das von der Sonne
ausgeht, nicht blofi Licht, sondern es waren Ihnen entgegengestromt
im Lichte die Taten der Erzengel.
Aber es haben sozusagen diese Erzengel etwas mit in Kauf nehmen
mussen. Die alten Geister der Personlichkeit haben auf dem Saturn
noch das reine Feuer gefunden. Die Erzengel, die erst auf der Sonne
Mensch werden konnten, haben jetzt auf der Sonne, die sie bewoh-
nen mufiten, Rauch, Gas gefunden. Was mufiten sie nun tun, um
mit der Sonne in festem Zusammenhange zu bleiben, um da ihren
Wohnplatz aufzuschlagen? Sie bildeten sich ihre Seele, ihr Inneres
aus dem Licht, sie woben sich ihren Seelenleib aus Licht, gliederten
aber diesem Seelenleibe dasjenige, was als Gas da war, als den
aufieren Leib ein. Wie Sie heute also Leib und Seele haben, so hatten
diese Erzengel als Menschen auf der Sonne ein Inneres, das imstande
war, Licht auszustromen, und ein Aufieres, einen physischen Leib,
der aus Gas, aus Luft bestand. Wie heute der Mensch in seinem
Leib aus Erde, Wasser, Luft und Feuer besteht, so bestanden diese
Erzengel aus Luft, und innerlich hatten sie Licht. Aber es war
naturlich das Element des Feuers mit herubergenommen worden,
denn gerade das war es, was sich zu Rauch und Licht entwickelte.
Daher hatten diese Erzengel auch Feuer in sich. Ihre gesamte Wesen-
heit bestand also aus Licht, Rauch und Feuer. Sie hatten die Erzengel
angetroffen in Leibern, gewoben aus Gas, Feuer und Licht. Durch
das Licht lebten sie ein Leben nach aufien, stromten sie in den
Weltenraum hinaus die leuchtende Kraft. Durch das Feuer lebten
sie ein Leben in ihrem eigenen Innern, die Behaglichkeit der Warme.
Durch das Leben im Gas-Leib lebten sie ein Leben im Sonnenplane-
ten selber. Sie konnten jetzt sozusagen im Sonnenplaneten von der
allgemeinen Sonnensubstanz ihren eigenen Gas-Leib unterscheiden.
Sie stiefien mit dem anderen zusammen: dadurch entziindete sich fur
sie eine Art Selbstbewufitsein. Aber nur dadurch konnte sich dieses
Selbstbewufitsein hoher und hoher gestalten, dafi es nun auch diesen
Erzengeln, wenn wir so sagen diirfen, besser gefiel, in diesem Gas-
Leib, im Rauch-Leib in gewisser Beziehung zu verbleiben oder ihn
wenigstens zu belassen in der Sonnensubstanz. Denn diese Erzengel
auf der alten Sonne hatten in wechselndem Zustand wiederum den
ganzen Rauch, das ganze Gas, das sozusagen in der Umgebung war,
in sich aufnehmen konnen. Jetzt haben Sie einen wirklichen At-
mungsprozefi! Auf der alten Sonne wurden Sie diese Stromungen
im Gas wie einen Atmungsprozefi wahrgenommen haben. Sie wiir-
den gewisse Zustande gefunden haben, wo absolute Windstille war,
und Sie hatten sich gesagt: Jetzt haben die Erzengel alles stromende
Gas eingeatmet. -Dann aber begannen die Erzengel wieder herauszu-
atmen: Es fing an, innerlich zu strdmen und damit zu gleicher Zeit
sich Licht zu entwickeln. Das war der Wechselzustand der Sonne: Es
atmeten die Erzengel ein das gesamte Gas - Windstille war da, dafur
auch Dunkelheit, Sonnennacht. Sie atmeten aus - die Sonne erfiillte
sich mit stromendem Rauch, dafur auch erglanzte sie nach aufien, es
wurde Sonnentag. Und so gab es einen wirklichen Atmungsprozefi des
ganzen Sonnenleibes: Ausatmen - Sonnentag, Beleuchten der Um-
welt; Einatmen- Sonnennacht, Dunkelwerden in der ganzen Umwelt.
Hier haben Sie die alte Sonne zugleich in ihrem Unterschied ge-
schildert von unserer jetzigen Sonne. Unsere jetzige Sonne leuchtet
immer, und die Dunkelheit wird nur bewirkt, wenn sich etwas vor
ihr Licht hinstellt. Das war bei der alten Sonne eben nicht so. Sie
hatte in sich selbst die Kraft, in abwechselnden Zustanden hell und
dunkel zu werden, aufzuleuchten und sich zu verfinstern, denn das
war ihr Ausatmen und Einatmen. Nun stellen wir uns so ganz leb-
haft vor, was da eigentlich, nun sagen wir, aufierlich, sichtbarlich
geschehen war.
'/V. a • ■
Nehmen wir diesen Zustand des Ausatmens: Licht verbreitet sich,
dafiir aber auch erfiillt sich die Sonne mit Rauch. Diese Rauchgestal-
ten, diese Rauchstromungen sind regelmafiige Gebilde. Es ist also
sozusagen eingeschaltet in der Sonnensubstanz beim jedesmaligen
Ausatmen eine Summe von regelmafiigen Gebilden. Dasjenige, was
friiher blofi Eiform hatte, Warme-Ei war, hatte sich zu allerlei regel-
mafiigen Gebilden umgestaltet. Ganz sonderbare Rauchgebilde mit
innerem Leben und innerer Regelmafiigkeit waren entstanden. Wenn
ich mich des Ausdruckes bedienen darf: Die Eier sind ausgebriitet
worden. Es war wirklich etwas, was sich vergleichen lafit mit diesem
verfestigenden Prozefi. So wie das Huhnchen herauskommt aus dem
Huhnerei, so war das Warme-Ei entzweigegangen und heraus waren
gekommen regelmafiige Rauchgestalten, und diese regelmafiigen
Rauchgestalten waren die dichtesten Leiber, welche die Erzengel
hatten. In Rauch-, in Gas-, in Luft-Leibern belebten sie die Sonne;
so wandelten sie als Menschen sozusagen auf der Sonne herum.
Jetzt haben wir also den geistigen Begriff eines Fixsternes, den
geistigen Begriff einer Weltensonne, die sozusagen durch ihre eigene
Macht Sonne ist, die Tag und Nacht wechseln lafit durch ihre eigene
Macht. Wie Aus- und Einatmen lafit sie wechseln Helligkeit und
Dunkelheit, denn die Sonne war dazumal eine Art Fixstern. Alles,
was selbstleuchtend ist in unserem Weltenraum, das sendet in den
Weltenraum mit dem Licht auch hinaus das Leben von geistigen
Boten: Archangeloi.
Was hatten also die urspriinglichen Archai, die Urbeginne, die Gei-
ster der Personlichkeit durch ihre eigene Entwickelung bewirkt, was
hatten sie hergestellt? Dafi uberhaupt eine Sonne hat hervortreten
konnen. Wahrend sich sonst nur ein Saturndasein in der Evolution
angekundigt hatte, wahrend sonst nur die den Saturn mit Warme
erfiillenden Archai gewesen waren, ist dadurch, dafi die Archai die
aufieren Warme-Eier dem Saturn tiberlassen haben, der Saturn zur
Sonne geworden. Und auf der Sonne f anden die Erzengel die Moglich-
keit, die Menschheitsstufe durchzumachen. Sie wurden fur die Welt
die Verkiindiger, die sagen konnten: Uns sind die Urbeginne, die
Geister der Personlichkeit, vorangegangen. Wir verkiinden als die
Boten dem Universum im strahlenden Lichte das ehemalige Dasein
des warmen, des innerlich durchwarmten Saturn. Wir sind die Boten,
die Verkiindiger der Archai. - Bote heifit Angelos, Archai heifit die
Anfange; es waren also diese Erzengel nichts anderes als die Boten
von den Taten der Urbeginne oder Archai in friiherer Zeit. Und
daher heifien sie die Engel des Anfanges, Archai- Angeloi, was dann
zum deutschen Wort Erzengel geworden ist. So sind sie, diese
Erzboten, die Menschen der Sonne gewesen.
VIERTER VORTRAG
Diisseldorf, 13. April 1909, abends
Wenn wir nunmehr etwas zuriickblicken auf das heute vormittag
Gesagte, dann wird uns an den noch durchsichtigeren und weniger
in Maja oder Illusion getauchten Verhaltnissen des Saturn klarer sein
konnen, wie sich vollzieht die Erlosung oder die weitere Fesselung
von gewissen Wesenheiten, die wir gestern in Ankniipfung an jene
tief einschneidende, bedeutungsvolle Stelle der Gottlichen Gita er-
kannt haben. Erinnern Sie sich daran, dafi gesagt worden ist: Wenn
die Geister der Personlichkeit auf dem alten Saturn jedesmal diese
eiformigen Warmekorper aufsaugen und nichts zuriicklassen wiir-
den, dann rmifite der ganze Saturn, wenn er seine Entwickelung
vollendet hat, eigentlich in die geistige Welt aufgesogen werden. Nun
geschieht das aber nicht, wie ausgefuhrt worden ist, sondern die
Geister der Personlichkeit auf dem alten Saturn, die driicken sozusa-
gen intensiver, als sie es tun sollten, dem ganzen Saturn ihren Stempel
dadurch auf, dafi sie etwas von sich zuriicklassen, dafi sie nicht alles
wiederum in sich aufnehmen; dafi sie also die aufierlich wahrnehm-
baren Warmekorper zuriicklassen.
Welche Kraft ist es denn eigentlich, die da in den Geistern der
Personlichkeit auf dem alten Saturn waltet? Das ist keine andere Kraft
als diejenige, die wir heute kennen am Menschen als die Denkkraft.
Denn im Grunde genommen tun die Geister der Personlichkeit auf
dem alten Saturn nichts anderes, als die Kraft ihrer Gedanken ausiiben.
Dafi diese Warme-Eier sich bilden, das bewirken sie dadurch, dafi sie
in sich die Vorstellung dieser Warme-Eier hervorrufen. Also es ist die
vorstellende Kraft bei den Geistern der Personlichkeit, die nur erne
viel starkere Macht hat, als es beim heutigen Menschen der Fall ist.
Was hat die vorstellende Kraft des heutigen Menschen fur eine Macht?
Wenn Sie heute eine Vorstellung sich bilden, meine lieben Freunde,
dann bildet sich blofi im Astralischen eine Form, die Vorstellung setzt
sich blofi bis ins Astralische hinein fort. Daher kann auch nicht
aufierlich-physisch das Bleiben dieser Form konstatiert werden. Auf
dem alten Saturn waren die Geister der Personlichkeit gewaltige
Magier. Sie haben durch ihre Gedankenkraft diese Saturn- Warme-
Eier geformt und sie durch ihre Gedankenkraft also auch zuriickge-
lassen. So war es im Grunde genommen die Kraft dieser Geister der
Personlichkeit selber, welche Reste vom alten Saturn zuriickgelassen
hat, und diese Reste erscheinen nun immer wieder und wieder und
zuletzt sogar wahrend der Sonnenentwickelung.
Da haben wir es also sehr greifbar, dafi eine Wesenheit, die eigent-
lich Mensch ist, aus der Umgebung heraus Formen entnimmt - denn
was als Eier da geformt wird, das ist aus der Umgebung des Saturn
heraus gebildet - und dafi diese Eier verzaubert, gefesselt werden
bis zu einem nachsten Dasein.
Also hier tritt es uns schon, weil die Verhaltnisse noch nicht so
verwickelt sind, in umfassenderem Mafie vor Augen, was wir gestern
gesagt haben. Hier konnten wir sagen: Sieh an das Saturnfeuer, sieh
an dasjenige, was von dem alten Saturnfeuer immer wiederum vergei-
stigt wird, was immer wiederum zuruckgenommen wird als inneres
Feuer, als Seelenfeuer, als Warmebehaglichkeit, das steigt auf in ho-
here Welten. Und ware nur das da, so wiirde der Saturn in hohere
Welten verschwinden. Das, was wahrnehmbare aufiere Warme ist,
was zur aufieren Warme sieh verdichtet, das mufi wiedergeboren
werden, wiedererscheinen und erscheint zunachst, wie beschrieben
worden ist, auf der Sonne.
Nun blicken wir zuriick auf das iibrige, das wir heute beschrieben
haben. Wir haben uns da klargemacht, dafi auf dieser alten Sonne dieje-
nigen Wesenheiten der geistigen Hierarchien, die wir Erzengel, Ar-
changeloi oder Feuergeister nennen, ihre Menschheitsstufe durchma-
chen, dafi das Warme-Element bereits auf der einen Seite sieh zu Rauch
verdichtet, zu Gas, so dafi die Sonne bereits eine Gaskugel ist, und
dafi auf der anderen Seite dieses Gas so verbrennt, dafi Licht in den
Weltenraum hinausstromt. Und es sind eben gerade die Erzengel oder
Feuergeister, welche in diesem Ausstromen des Lichtes leben, welche
Licht einsaugen und ausstromen und darinnen ihr Leben haben. Und
ich habe Ihnen schon gesagt, dafi, wenn Sie damals eine Reise durch
den Weltenraum hatten unternehmen konnen, Sie die alte Sonne
gesehen haben wiirden von feme Ihnen entgegenleuchten. Im Innern
der alten Sonne wiirden Sie die verschiedenen Gasstromungen wie
einen Atmungsprozefi des ganzen Sonnenleibes wahrgenommen
haben.
Nun halten wir uns noch einmal vor die Seele diesen alten Saturn,
diese alte Sonne. Wir haben gesehen, dafi in diesen beiden planetari-
schen Korpern Leben und Regsamkeit herrscht, dafi da etwas ge-
schieht. Wir haben ja den alten Saturn so beschreiben konnen, dafi
sich auf ihm diese Eierbildungen neu formen und wiederum auflosen
mit Ausnahme der Reste, die zuriickbleiben. Daher wiirde jemand,
der diese innere Regsamkeit des alten Saturn beobachtete, sich sagen:
Eigentlich ist dieser Saturn ein einziges Lebewesen. Es ist wirklich
so, wie wenn er vollig ein Lebewesen ware. Er lebt; er lebt in sich
selber, er bildet aus seinem eigenen Leben heraus fortwahrend For-
men und so weiter. Und in noch hoherem Mafie ist das bei der alten
Sonne der Fall. Sie stellt sich dar als eine Gesamtheit in den Wechsel-
zustanden von Sonnentag und Sonnennacht, von Einatmen und Aus-
atmen des Lichtes. Das alles wiirde, wenn es eben beobachtet werden
konnte, den Eindruck von nicht toten, sondern von lebensvollen
Weltenkorpern machen.
Nun ist alles dasjenige, was lebt, was uberhaupt in einer solchen
Tatigkeit ist, deshalb innerlich belebt und bewegt, weil geistige We-
senheiten diese Bewegung lenken und leiten. Zwar haben wir gesagt,
dafi die Geister der Personlichkeit durch ihre Gedankenkraft diese
Eiformen bilden. Ja, aber erst, das werden Sie begreiflich finden, erst
raufi etwas da sein, woraus der Stoff zu diesen Eiern genommen wer-
den kann. Den Stoff konnen die Geister der Personlichkeit, die Urbe-
ginne oder Archai, nicht schaffen. Das ist das erste, was wir uns vor
die Seele fuhren miissen, dafi etwas da sein mufi, was den Stoff hergibt,
also die undifferenzierte Warme, das Feuer selber. Die Geister der
Personlichkeit sind nur diejenigen, die es formen, aber die Warme
miissen sie erst von anderswoher empfangen. Woher empfangt nun
die gesamte Welt des Saturn, also vor allem die Geister der Personlich-
keit, woher empfangen sie diesen Warmestoff, das Warme- oder
Feuerelement? Das kommt nun von wesentlich hoheren Geistern, von
geistigen Wesenheiten, welche ihre Menschheitsstufe so weit zuriick
durchgemacht haben, dafi sie auf dem alten Saturn schon langst iiber
diese Menschheitsstufe hinaus waren. Wir imissen uns, um uns eine
Vorstellung zu machen von solch erhabenen Wesenheiten, wie sie
notwendig waren, um das Warme-Feuer des alten Saturn herzugeben,
wir miissen uns vergleichsweise die Entwickelung des Menschen
selber ein wenig vor die Seele riicken, denn der Mensch wird ja
einstmals auch ein gottliches Wesen.
Wir wissen, dafi der Mensch, wie er heute vor uns steht, aus den
vier Gliedern der menschlichen Natur besteht, die wir oft erwahnt
haben, die aber der Schhissel sind zu aller Geisteswissenschaft: dafi
der Mensch besteht aus physischem Leib, Atherleib, astralischem Leib
und Ich. Wir wissen dann, wie sich der Mensch weiter entwickelt;
dafi das Ich von innen heraus arbeitet, dafi es zunachst den astralischen
Leib umgestaltet, um ihn ganz unter die Herrschaft des Ich zu brin-
gen. Wenn nun dieser astralische Leib so weit umgestaltet ist, dafi
das Ich ihn in voller Gewalt hat, dann sagen wir: Dieser astralische
Leib ist so geworden, dafi er das Geistselbst oder Manas in sich
enthalt. Ein Astralleib also, der vom Ich beherrscht wird, ist Geist-
selbst oder Manas. Ebenso ist es mit dem Atherleib. Wenn das Ich
noch bedeutsamer arbeitet, so iiberwindet es auch die widerstreben-
den Krafte des Atherleibes, und der umgewandelte Atherleib ist der
Lebensgeist oder die Budhi. Und endlich, wenn das Ich Herr wird
iiber den physischen Leib, wenn es die am starksten widerstrebenden
Krafte, die des physischen Leibes, iiberwindet, dann hat der Mensch
in sich auch noch den Geistesmenschen oder Atma. So dafi wir dann
einen siebengliedrigen Menschen haben, der seinen physischen Leib
umgewandelt hat zu Atma oder Geistesmenschen. Nach aufien hin
erscheint der physische Leib als physischer Leib, innerlich ist er ganz
beherrscht und durchgluht vom Ich; da ist der physische Leib zu-
gleich physischer Leib und Atma. Der Atherleib ist zugleich Ather-
leib und Lebensgeist oder Budhi, und der astralische Leib ist zugleich
astralischer Leib und Geistselbst oder Manas, und das Ich ist nun
der Herrscher in alien geworden. So riickt der Mensch auf zu hoheren
Stufen seiner Entwickelung, so gestaltet er sich selber um, so arbeitet
er seiner Vergottung entgegen, der Deifikation, wie Dionysius der
Areopagite, der Freund und Schiller des Apostels Paulus, sagt. Aber
mit diesem Punkt ist die Entwickelung noch nicht abgeschlossen.
Wenn der Mensch so weit auf geriickt ist, dafi er sich ganz bezwungen
hat, dafi er ganz diesen physischen Leib unter seine Herrschaft ge-
bracht hat, dann hat er noch hohere Stufen der Entwickelung vor
sich. Es geht immer hoher und hoher hinauf, und da blicken wir in
geistige Hohen, zu iibermenschlichen Wesenheiten hinauf, und im-
mer machtiger werden diese Wesenheiten, immer gewaltiger und
gewaltiger. Und worin besteht es denn eigentlich, dafi Wesenheiten
immer machtiger werden? Das besteht darin, dafi sie zuerst sozusagen
bedurftig sind und etwas brauchen; dafi sie etwas verlangen miissen
von der Welt und dafi sie spater sich dazu entwickeln, etwas geben
zu konnen. Darin beruht im Grunde genommen der Geist und Sinn
der Entwickelung, dafi man vom Nehmen zum Geben hinschreitet.
Sie haben ja ein Analogon an der menschlichen Entwickelung schon
hier zwischen Geburt und Tod: Das Kind ist hilflos, mufi nehmen
die Hilfe derjenigen, die in seiner Umgebung sind. Immer mehr und
mehr wachst es heraus aus dieser Unbeholfenheit und wird endlich
selber ein Heifer in seinem Kreis. So ist es auch mit der grofien
Menschheitsentwickelung im Universum.
Der Mensch war auf dem alten Saturn als erste physische Men-
schenanlage vorhanden. Da mufite er noch sozusagen sich geben
lassen die erste Anlage zur Menschheit. So ging es aber auch wahrend
der Sonnen- und der Mondenzeit. Auf der Erde bekam er sein Ich,
und jetzt bereitet er sich allmahlich vor, sein Ich wirken zu lassen
in den Astralleib, Atherleib und physischen Leib hinein. Dadurch
wird er allmahlich ein Wesen, das kosmisch geben kann. Es wachst
das Wesen allmahlich hinein in das kosmische, in das universelle
Geben, aus dem Nehmen in das Geben. Ein Beispiel haben Sie ja
auch an jenen Wesenheiten, von denen wir heute gesprochen haben,
an den Erzengeln oder Archangeloi. Sie haben sich in einer gewissen
Beziehung schon auf der Sonne dazu heranentwickelt, dafi sie dem
Weltenraum das Licht geben konnen. Also, die Entwickelung geht
vom Nehmen zum Geben. In bezug auf das Geben geht aber die Sache
sehr weit. Wenn irgendwelche Wesenheiten, nehmen wir an, blofi
ihre Gedanken geben konnen, so ist das im Grunde genommen noch
nicht viel des Gebens, denn wer Gedanken gibt - nun, wenn er noch
so viel Gedanken gegeben hat und er geht hinweg, so ist es so wie
friiher. Er hat sozusagen nichts Sichtbarliches, nichts Substantielles
im hoheren Sinne gegeben. Aber es kommt dann eine Zeit, wo die
Wesen nicht nur so etwas wie Gedanken oder dergleichen geben
konnen, sondern wo sie viel mehr geben konnen, wo sie zum Beispiel
das geben konnen, was gerade die Geister der Personlichkeit brauch-
ten auf dem alten Saturn: den Stoff des Warme-Feuers.
Wer war denn nun auf einer so hohen Stufe der Entwickelung,
dafi er aus seinem eigenen Leib ausstromen konnte diesen Warme-
Feuer- Stoff des alten Saturn? Das waren jene Wesenheiten, die wir
als die Throne bezeichnen.
So also sehen wir, dafi der alte Saturn sich bildet, indem aus dem
Umkreis des Universums sich zusammenziehen an einem Punkt des
Weltenalls die Throne und, ich mochte sagen, im grofien Mafistabe
das tun, was in einer niedrigeren Sphare der Seidenspinner tut, wenn
er seinen eigenen Leib ausspinnt in den Seidenfaden. Sie spinnen den
Warmestoff heraus, opfern ihn hin am Altar des alten Saturn, die
Throne. Wir haben das Leben der Geister der Personlichkeit auf
dem alten Saturn so anzusehen, dafi diese Geister der Personlichkeit
oder Archai im Grunde genommen eben blofi die Personlichkeit,
das Ich-Bewufitsein geben dieser Warme. Die Substanz des Warme-
Feuers, die stromt zusammen aus dem Universum, aus dem Kosmos,
sie entstromt hohen, erhabenen geistigen Wesenheiten, den Thronen.
Wir wissen also jetzt schon sozusagen, woraus diese Eier bestehen,
die da auf dem Saturn vorhanden sind. Sie sind aus dem sich hin-
opfernden Leib der Throne gesponnen.
Aber das wiirde noch nicht geniigen, damit wiirde der Saturn noch
immer nicht jene innere Lebendigkeit und Regsamkeit haben, wenn
blofi die Geister der Personlichkeit und die Throne da zusammenar-
beiten wiirden. Die Geister der Personlichkeit haben die Kraft, den
Warmestoff zu formen, aber sie konnen das nicht allein machen.
Damit diese ganze innere Regsamkeit, diese innere Lebendigkeit des
alten Saturn zustande kommt, mufi der alte Saturn noch bewohnt
sein von anderen geistigen Wesenheiten, die niedriger sind als die
Throne, aber hoher als die Geister der Personlichkeit oder Archai.
Diesen fallt die Auf gabe zu, den Geistern der Personlichkeit zu helf en.
Auch iiber diese Hilf e konnen wir uns eine Vorstellung machen, wenn
wir daran denken, dafi wir iiber uns haben zunachst Engelwesen oder
Angeloi, Erzengelwesen oder Archangeloi und Urbeginne oder Gei-
ster der Personlichkeit, Archai. Diese Wesenheiten sind der Hierar-
chie angehorig, die zunachst iiber uns steht. Die Throne sind nicht
die allernachsten iiber den Geistern der Personlichkeit. Zwischen den
Geistern der Personlichkeit und den Thronen gibt es Zwischenstuf en,
und das sind die Wesenheiten, die wir nennen die Gewalten oder
Exusiai nach Dionysius dem Areopagiten. Gewalten also, das ist der
Name, den wir im Deutschen gebrauchen diirfen. Die Gewalten sind
um eine Stufe hoher als die Geister der Personlichkeit. Sie verhielten
sich dazumal zu diesen Geistern der Personlichkeit, wie sich zu uns
verhalten die Engel. Wiederum eine Stufe hoher als diese Gewalten
sind diejenigen Wesenheiten, die wir die Machte nennen, Dynamis.
Sie verhielten sich zu den Geistern der Personlichkeit auf dem alten
Saturn, wie sich heute zu uns die Erzengel verhalten. Und eine Stufe
hoher als die Machte sind diejenigen Wesenheiten, die wir Herrschaf-
ten, Kyriotetes nennen. Sie verhielten sich zu den Geistern der Per-
sonlichkeit auf dem alten Saturn, wie sich zu uns die Urkrafte oder Gei-
ster der Personlichkeit verhalten. Dann erst kommen die Throne.
So haben wir auf dem alten Saturn eine Stufenfolge von Wesenhei-
ten: Die Geister der Personlichkeit, die das Ich-Bewufitsein anregen
und durchfuhren. Wir haben die Throne, die um vier Stufen hoher
stehen als die Geister der Personlichkeit, die den Feuerstoff hergeben.
Und zwischen drinnen, damit alles Leben auf dem Saturn geregelt
und gelenkt werden kann, haben wir stehen, von unten nach oben,
die Gewalten, die Machte und die Herrschaften - Exusiai, Dynamis
und Kyriotetes. Das ist, wenn so gesagt werden darf, die Bevolkerung
des- alten Saturn.
Indem nun, wie das heute vormittag geschildert worden ist, der
alte Saturn sich fortentwickelt zur Sonne, da entwickeln sich diese
Wesenheiten, die jetzt aufgezahlt worden sind, um eine Stufe hoher,
und in die Menschheitsstufe treten ein die Erzengel. Aufierlich, wir
konnten sagen physisch, verdichtet sich die Warme zum Gas. Die
Sonne ist ein gasiger Korper. Und wahrend der alte Saturn ein dunkler
Warmekorper war, fangt die Sonne an, nach aufien zu leuchten, aber
sie wechselt sozusagen ab in Sonnentagen und Sonnennachten. Und
das zu beachten, dafi sie abwechselt zwischen Sonnentagen und Son-
nennachten, das ist von ganz besonderer Wichtigkeit. Denn es
herrscht auf dieser alten Sonne ein gewaltiger Unterschied im Leben
zwischen Sonnentagen und Sonnennachten. Wenn nichts anderes
eintreten wurde als das, was ich im letzten Vortrag und jetzt beschrie-
ben habe, dann wiirden die Erzengel, die da Menschen sind auf der
alten Sonne, in den Sonnentagen mit den Lichtstrahlen hinauseilen
in das Universum, wxirden sich verbreiten im Universum, und sie
miifiten in den Sonnennachten wiederum zuriickkehren zur Sonne.
Ein Aus- und Einatmen des Lichtes und damit auch der im Licht
webenden und wesenden Geschopfe wurde da sein. Aber so ist es
nicht. Und ich mochte jetzt wiederum in einer einfachen Weise, ich
mochte sagen, fast trivial charakterisieren das Wesen dieser Erzengel
oder Archangeloi. Es gefallt ihnen sozusagen zu gut, wenn sie da
hinausschweben in das Universum; es gefallt ihnen besser das Hinaus-
schweben und Aufgehen in dem Geist des Universums als das Wieder-
sichzusammenziehen. Das ist ihnen wie ein sie beengendes Dasein,
ein niedrigeres Dasein. Das Leben im Lichtather gefallt ihnen also
besser. Nun konnten sie dieses Leben im Lichtather nimmermehr
iiber eine gewisse Grenze hinaus ausdehnen, wenn ihnen nicht irgend
etwas zu Hilfe kame dabei. Wenn diese Wesenheiten auf der alten
Sonne allein auf sich angewiesen waren, ganz unmoglich konnten sie
etwas anderes tun als, sagen wir, brav wieder zuriickkehren zur Sonne
in den Sonnennachten. Dennoch haben sie es nicht getan, sondern
sie haben sozusagen die Zeit ihres Verweilens in der Welt draufien
immer langer und langer ausgedehnt, haben sich immer mehr und
mehr aufgehalten in der geistigen Welt. Was kam ihnen da zu Hilfe?
Wenn wir uns vorstellen, dieser Kreis sei der alte Sonnenball, so
streben nach alien Seiten hinaus von diesem alten Sonnenball in den
Weltenraum die Erzengel, es verbreitet sich geistig das Wesen der
Erzengel in das Universum. Zu Hilfe kam den Erzengeln bei dieser
Ausbreitung der Umstand, dafi ihnen Wesen aus dem Universum
entgegenkamen. So wie f riiher bei dem alten Saturn eingestromt sind
aus dem Universum die Feuerelemente der Throne, so kommen jetzt
den Erzengeln, die da hinausgehen, andere Wesenheiten entgegen,
Wesenheiten, die noch hoher sind als die Throne; und sie helfen
ihnen, so dafi sie langer da draufien in der geistigen Welt bleiben
konnen, als sie es sonst hatten konnen.
Diese Wesenheiten, die den Erzengeln aus dem geistigen Raum
entgegengekommen sind und die Erzengel aufgenommen haben,
nennen wir Cherubim. Das ist eine besonders erhabene Art von
geistigen Wesenheiten, denn sie haben die Macht, sozusagen mit
offenen Armen aufzunehmen die Erzengelwesen. Wenn diese Erz-
engelwesen hinaus sich verbreiten, kommen ihnen die Cherubim
aus dem Weltenall entgegen. Also wir haben rings um den alten
Sonnenball herum die sich nahenden Cherubim. Wie, wenn ich
den Vergleich gebrauchen darf, unsere Erde von ihrer Atmosphare
umgeben ist, so ist die alte Sonne umgeben gewesen von dem Reich
der Cherubim zur Wohltat der Erzengel. Diese Erzengel schauten
also, wenn sie hinausgingen in den Weltenraum, sie schauten ihre
grofien Heifer an.
Und wie kamen ihnen diese grofien Heifer entgegen, wie sahen sie
aus? Das kann ja naturlich nur das in der Akasha-Chronik lesende
hellseherische Bewufitsein konstatieren. In ganz bestimmten atheri-
schen Gestalten stellten sich dar diese groften universellen Heifer.
Und unsere Vorfahren, die noch ein Bewufitsein gehabt haben durch
ihre Tradition von dieser bedeutungsvollen Tatsache, die haben die
Cherubim abgebildet als jene eigentumlich gefliigelten Tiere mit den
verschieden gestalteten Kopfen: den gefliigelten Lowen, den gefliigel-
ten Adler, den gefliigelten Stier, den gefliigelten Menschen. Denn in
der Tat: Von vier Seiten haben sich zunachst genahert die Cherubim.
Und sie nahten sich in solchen Gestalten, dafi sie in der Tat nachher
so abgebildet werden konnten, wie sie uns als die Gestalten der Cheru-
bim bekannt geworden sind. Und deshalb haben die Schulen der
ersten Eingeweihten der nachatlantischen Zeit diese von vier Seiten
an die alte Sonne heranriickenden Cherubim mit Namen bezeichnet,
die dann geworden sind zu den Namen Stier, Lowe, Adler, Mensch.
Wir werden noch manches genauer dariiber horen; heute wollen
wir einmal diese vier Arten von Cherubim, die da den Erzengeln
entgegenkommen, ins Auge fassen. Das war also der Anblick auf der
alten Sonne, dafi, als die eigentlich die Sonne belebenden Menschen,
namlich die Erzengel, sich da hinaus begaben in den Weltenraum,
daft ihnen da von vier Seiten die Cherubim, und zwar vier Arten von
Cherubim, entgegenkamen. Dadurch also war es den Erzengelwesen
moglich, langer im Reich des Geistes, das die alte Sonne umgab, zu
verweilen, als es ihnen sonst moglich gewesen ware. Denn belebend
im hochsten Grade, im geistigen Sinn belebend, wirkte auf die alten
Erzengel der Einflufi dieser Cherubim. Aber da diese Cherubim in
die Nahe der Sonne kamen, mufite sich ja ihre Wirkung, die Wirkung
dieser Cherubim, auch sonst geltend machen. Nicht wahr, etwas, was
irgendwo ist, macht sich ja nicht immer blofi in einer Beziehung
geltend. Sagen wir, in einem Zimmer seien zwei Menschen; der eine
wiinscht etwas stark geheizt zu haben, aber der zweite, der das nicht
wiinscht, mufi auch drinnen sein: Es wird auch dem anderen warm.
So war es auch bei diesen aus dem Weltenraum hereinstrahlenden
Cherubim. Auf diejenigen Wesenheiten der alten Sonne, die sozusa-
gen sich J>is zum Licht-Element auf geschwungen hatten, die im Licht-
Element zu leben wufiten, auf die wirkten sie in der geschilderten
Weise. Aber auf dieses Licht-Element konnte ja nur gewirkt werden
wahrend eines Sonnentages, wahrend Licht hinausstromte in den
Weltenraum. Es gab aber auch Sonnennachte, wo Licht nicht hinaus-
stromte, da waren die Cherubim doch auch am Himmel. In dieser
Zeit, wo sich der Sonnenplanet verfinsterte, da war er also blofi
Warme- Gas, nicht leuchtend; da stromten Warme-Gase innerhalb
des Sonnenballs. Ringsherum waren nun die Cherubim und sandten
ihre Wirkung herunter: Jetzt wirkten sie in das finstere Gas hinein.
Wenn also diese Cherubim nicht auf die Erzengel in normaler Weise
einwirken konnten, dann wirkten sie herein auf den dunklen Rauch
der Sonne, auf das dunkle Gas. Wahrend also auf dem alten Saturn
Wirkungen geubt wurden auf die Warme, wurden jetzt vom Welten-
raum herein Wirkungen geiibt auf die verdichtete Warme, auf das
Gas der alten Sonne. Dieser Wirkung ist es zuzuschreiben, dafi auf
der alten Sonne aus dem Sonnennebel heraus sich die erste Anlage
bildete zu demjenigen, was wir heute das Tierreich nennen. So wie
auf dem alten Saturn die erste Anlage des Menschenreiches im physi-
schen Menschenleib entstanden ist, so wird auf der Sonne aus dem
Rauch, aus dem Gas die erste Anlage des Tierreiches gebildet. Aus
der Warme bildete sich auf dem alten Saturn die erste Anlage des
Menschenleibes; auf der alten Sonne bilden sich durch die sich in
diesen Sonnengasen spiegelnden Gherubimgestalten die ersten rauch-
artig sich bewegenden physischen Tierkorper-Anlagen.
So ist das, was sich da als Cherubimgestalten rings herum um die
Sonne ausbreitet, jene Gesamtheit hoher Wesenheiten, die auf der
einen Seite mit offenen Armen sozusagen den Erzengeln entgegen-
kommt und auf der anderen Seite in den Sonnennachten herauszau-
bert aus dem Sonnengas die ersten physischen Anlagen zum Tierreich.
Es wachst aus dem Sonnennebel heraus das Tierreich in seiner ersten
physischen Anlage. Deshalb haben diejenigen unserer Vorfahren, die
aus den Mysterien heraus Bekanntschaft hatten mit diesen tief be-
deutsamen Sachen der geistigen Kosmologie, sie haben diese Wesen-
heiten, die von den verschiedenen Seiten des Weltenraums herein-
wirkten auf die alte Sonne, den Tierkreis genannt. Das ist die
urspriingliche Bedeutung des Tierkreises. Auf dem alten Saturn wird
zuerst die Menschheit veranlagt, indem der Stoff, den sie heute im
physischen Leib hat, von den Thronen ausgegossen, hingeopfert
wird. Auf der Sonne wird die erste Anlage zum Tierreich gebildet,
indem aus dem zum Gas verdichteten Warmestoff durch die sich
spiegelnden Gestalten der Cherubim herausgezaubert werden die
ersten Tierformen. Und so werden die Tiere zunachst Sonnenabbilder
des Tierkreises. Das ist eine wirkliche innere Beziehung zwischen
dem Tierkreis und den auf der Sonne werdenden Tieren. Unsere
Tiere sind karikaturenhafte Nachfolger jener auf der Sonne werden-
den Tiere. Wahrhaftig, man hat nicht umsonst den Dingen solche
Namen gegeben. Man darf niemals glauben, dafi in jenen alten Zeiten
die Namen in beliebiger Weise ausgedacht wurden. Heute, wenn ein
neuer Stern aus der Planetoidenkette entdeckt wird, was macht da
der betreffende Astronom, der das Gliick gehabt hat, den Stern zu
erspahen? Er schlagt ein Lexikon auf und sucht einen Namen aus
der griechischen Mythologie, der noch freigeblieben ist, und legt ihn
dem Stern beL So hat man in den Zeiten, wo man in den Namen
den Ausdruck gesucht hat fur die Sache, so hat man in den Zeiten,
wo die Mysterien machtig waren, niemals Namen gegeben; sondern
in den Namen, die damals gegeben wurden, konnen Sie iiberall die
tiefe Bedeutung der Sache drinnen finden.
Die Formen unserer Tiere, wenn sie heute auch zu Karikaturen
verzerrt sind, sind heruntergeholt aus dem Umkreis des Universums,
aus der Gestalt des Tierkreises, die damals vorhanden war. Nun kann
es Ihnen auffallen, dafi hier zunachst nur vier Namen des Tierkreises
hingeschrieben sind. Das sind eben nur die hauptsachlichsten Aus-
driicke fur die Cherubim, denn im Grunde genommen hat jede solche
Cherubimgestalt nach links und rechts eine Art Nachkommen oder
Begleiter. Denken Sie sich jede der vier Cherub imgestalten mit zwei
Begleitern ausgestattet, dann haben Sie zwolf Krafte und Machte im
Umkreis der Sonne, die in einer gewissen Andeutung auch schon
beim alten Saturn vorhanden waren. Wir haben zwolf solcher Machte,
die angehoren dem Reich der Cherubim und die in der Weise ihre
Aufgabe, ihre Mission im Universum zu erfiillen haben, wie wir es
jetzt gesagt haben.
Nun konnten Sie noch fragen, wie verhalt es sich aber mit den
gewohnlichen Tierkreisnamen? Davon werden wir noch ein Wort
in den nachsten Tagen sprechen. Denn in der Reihenf olge der Namen
hat sich einiges geandert. Man fangt gewohnlich an zu zahlen mit
Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Lowe, dann kommt Jungfrau, Waa-
ge. Der Adler hat durch eine spatere Verwandlung sich die Benen-
nung Skorpion gef alien lassen miissen - aus ganz bestimmten Griin-
den. Und dann die zwei Begleiter Schiitze, Steinbock. Der Mensch
heifit aus gewissen Griinden, die wir auch noch kennenlernen werden,
Wassermensch oder Wassermann. Und dann die Fische. — Sie sehen
also sozusagen die wirkliche Gestalt, aus der der Tierkreis entsprun-
gen ist, nur noch durchleuchten in dem Stier, in dem Lowen, ein
wenig noch im Menschen, der in der gewohnlichen exoterischen
Benennung der Wassermensch oder Wassermann heifit. Warum der
Tierkreis die Umwandlung erfahren hat, wird noch zu besprechen
sein in den nachsten Tagen.
So also sehen Sie, dafi hohe geistige Wesenheiten, hohe Hierar-
chien, die Throne zunachst, aus ihrer eigenen Substanz die Feuerma-
terie heraussondern auf dem alten Saturn. Und Sie sehen, wie noch
hohere Geister, die wir bezeichnen als Cherubim, das was gleichsam
als Licht entspringt aus dieser Feuermaterie, in sich aufnehmen kon-
nen und ihm sein Lichtdasein verklaren, erhohen konnen. Aber jedes-
mal, wenn im Universum eine Erhohung eintritt, mufi auch, um den
entsprechenden Ausgleich zu schaffen, eine Erniedrigung eintreten.
Damit bei Tag die Erzengel die Gelegenheit finden, ihr geistiges
Dasein auszudehnen, miissen die Cherubim in der Nacht fortwirken
und die unter der Menschheit stehenden tierischen Wesenheiten,
tierische Formen in dem zum Nebel, zum Rauch, zum Gas verdich-
teten Warmestoff zum Ausdruck bringen.
Damit haben wir im Sinne der Urweltweisheit sozusagen die erste
Vorstellung gewonnen von dem Zusammenwirken gewisser geistiger
Wesenheiten des Universums mit unserem eigenen Weltenkorper,
und wir haben damit zugleich gesehen, wie das, was uns aufierlich
physisch entgegentritt, immer auf geistige Wesenheiten zuriickzu-
fuhren ist. Was man heute so materiell den Tierkreis nennt, ist zu-
ruckzufuhren auf den Reigen der Cherubim, die vom Weltenum-
kreis herunterwirkten auf die alte Sonne, die ihre Kraft als Leuchte-
kraft in dieses Universum hinausstrahlte.
Damit haben wir also den einen wichtigen Begriff, den Begriff des
Tierkreises, abgeleitet, und wir werden morgen in dieser Betrachtung
fortfahren, wir werden zu den anderen Begriffen der Weltenkorper
allmahlich auf steigen konnen und den Zusammenhang mit den geisti-
gen Hierarchien immer mehr und mehr beleuchten.
FUNFTER VORTRAG
Diisseldorf, 14. April 1909, abends
Wir haben das Wirken hoherer geistiger Wesenheiten innerhalb unse-
res Kosmos an zwei Beispielen uns vor die Seele gefuhrt, an dem
Beispiel des alten Saturn und an der aus ihm als seine Wiederverkor-
perung hervorgehenden Sonne. Es wird nunmehr notwendig sein,
dafi wir zunachst heute in das geistige Reich selber eindringen, in
dem diese hoheren geistigen Wesenheiten sind, und uns noch von
einer anderen Seite ihre Wirkungsweise vor Augen fuhren. Es wird
im Laufe der ersten Halfte der Vortrage manches gesagt werden
miissen, was ein grofier Teil von Ihnen, meine lieben Freunde, schon
da oder dort gehort hat. Aber abgesehen davon, dafi wiederum viele
Zuhorer da sind, die von dem, was Voraussetzung ist, mancherlei
noch nicht gehort haben, so ist es doch auch notwendig, gerade weil
wir in diesem Vortragszyklus hoch hinaufsteigen miissen in die Re-
gionen des Geisteslebens, manches wieder zu erwahnen, was schon
einmal eine solche Voraussetzung ist.
Aus dem bisher Gesagten werden Sie erkannt haben, dafi innerhalb
eines sich entwickelnden Weltsystems in der mannigfaltigsten Art
geistige Wesenheiten tatig sind. Was ist eigentlich im Grunde genom-
men dieser alte Saturn? Machen wir uns davon einmal eine genaue
Vorstelliing. Naturlich hat der alte Saturn zunachst nichts zu tun mit
dem gegenwartigen Saturn. Sie konnen sich vielmehr vorstellen, dafi
in dem alten Saturn alles schon im Keime darinnen war, was heute
unserem ganzen Sonnensystem angehort: unsere Sonne, unser Mond,
unser Merkur, unsere Venus, unser Mars, unser Jupiter, alle diese
Weltenkorper waren im alten Saturn drinnen und haben sich aus ihm
herausgebildet. Denken Sie sich also einen Weltenkorper, der heute
die Sonne zu seinem Mittelpunkt hatte und hinausreichen wiirde so,
dafi der heutige Saturn noch drinnen ware, dann wiirden Sie diesen,
unser heutiges Sonnensystem an Grofie iibertreffenden alten Saturn
erst richtig in der Vorstellung haben. Also, aus diesem alten Saturn ist
sozusagen unser ganzes Sonnensystem hervorgegangen. Man konnte
ihn sogar vergleichen, zwar nicht vollstandig, doch annahernd, mit
dem gesamten Kant-Laplaceschen Welten-Urnebel, woraus nach der
Ansicht vieler moderner Menschen unser Sonnensystem sich heraus-
gebildet hat. Doch stimmt der Vergleich nicht vollstandig, da die
meisten sich eine Art von Gas als Ausgangspunkt unseres Sonnen-
systems denken, wahrend wir gesehen haben, dafi es nicht ein
Gas-, sondern ein Warmeleib war. Ein Riesenwarmeleib, das ist
der alte Saturn.
Und nun haben wir gestern gesagt: Da, wo dieser alte Saturn sich
schon umgewandelt hat in die spatere Sonne, wirken aus dem Umfan-
ge, aus dem Universum herein die Cherubim. Nun haben Sie sich
vorzustellen, dafi diese Cherubim, die da im Umkreis der alten Sonne
wirken, auch schon vorhanden waren im Umkreis des alten Saturn.
Nur waren sie sozusagen noch nicht aufgerufen zu ihrer Wirksam-
keit; sie waren, wenn es trivial gesagt werden darf, noch nicht daran
gekommen, etwas Erhebliches zu tun, aber vorhanden waren sie
schon im Umkreis des alten Saturn. Und auch noch andere Wesenhei-
ten waren im Umkreis des alten Saturn vorhanden, eine Klasse noch
erhabenerer Wesenheiten als die Cherubim: Das sind die Seraphim.
Und aus derselben Region her kommen ja auch die Throne. Nur
fliefit sozusagen die Substanz der Throne, die einen Grad niedriger
sind als die Cherubim, herunter und bildet die Warmesubstanz des
Saturn, wie wir das ausgefuhrt haben. So also konnen wir uns vorstel-
len diesen Saturn als Riesen-Warmekugel, umgeben von einem Rei-
gen geistiger Wesenheiten, die aufierordentlich erhabener Natur sind.
Man nennt sie im Sinne der christlichen Esoterik Throne, Cherubim,
Seraphim. Es sind die dhyanischen Wesenheiten der ostlichen Lehre.
Nun fragen wir uns einmal: Woher kommt denn dieser Reigen
erhabener Wesenheiten? Alles in der Welt, alles im Universum hat
sich entwickelt. Und wenn wir uns eine Vorstellung machen wollen
davon, woher diese Cherubim, Seraphim und Throne kommen, so
tun wir gut, uns auf unser eigenes Sonnensystem zunachst einmal ein-
zulassen und uns zu fragen, was wird denn aus unserem Sonnensystem
einstmals werden? Wir wollen die Entwickelung unseres Sonnensy-
stems einmal kurz zeichnen. Wir wissen, es ist ausgegangen von dem
alten Saturn, dann hat sich dieser alte Saturn umgewandelt zur alten
Sonne, diese wandelt sich um zum alten Mond. In der Zeit, in welcher
die alte Sonne Mond wird, tritt eine besondere Entwickelung ein.
Dieser Mond geht aus der Sonne zum erstenmal heraus, und wir
haben in dem alten Mond zuerst einen Weltenkorper, der aufierhalb
der Sonne ist. Dadurch kann die Sonne sich hoher entwickeln, dafi
sie das Grobste aus sich herausgesetzt hat. Nun entwickelt sich das
ganze System zum System unserer heutigen Erde. Unsere Erde
kommt dadurch zustande, dafi sich wiederum aufier allem iibrigen
Mond und Erde als die groberen Substanzen und die Trager der grobe-
ren Wesenheiten von der Sonne heraussondern. Aber die Entwicke-
lung geht weiter. Die Wesenheiten, die jetzt auf der Erde abgesondert
wohnen miissen, die aus der Sonne sozusagen herausgeworfen sind,
diese Wesenheiten entwickeln sich in ihrer Sonnenabgesondertheit
immer hoher und hoher. Sie miissen noch einen Zustand durchma-
chen, den Jupiterzustand. Aber dadurch reifen sie allmahlich heran,
sich wiederum mit der Sonne zu vereinigen. Und wenn der Zustand
der Venusentwickelung gekommen sein wird, dann werden alle die
Wesen, die heute auf unserer Erde wogen und leben, sozusagen wie-
derum aufgenommen worden sein in die Sonne, und die Sonne wird
selbst eine hohere Stufe der Entwickelung erreicht haben, eben da-
durch, dafi sie alle ihre Wesenheiten, die sie aus sich herausgesetzt
hat, wieder zuriickerlost hat. Und dann kommt die Vulkanentwik-
kelung, die hochste Stufe der Entwickelung unseres Systems. Denn
das sind die sieben Entwickelungsstufen unseres Systems: Saturn,
Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus und Vulkan. In der Vulkanentwik-
kelung sind alle die Wesenheiten, die sozusagen aus kleinen Anfangen
des Saturndaseins hervorgegangen sind, im hochsten Sinne vergeistigt,
sie sind zusammen nicht nur Sonne, sondern Uber-Sonne geworden.
Der Vulkan ist mehr als Sonne und damit hat er erlangt die Reife
zum Opfer, die Reife dazu, sich aufzulosen.
Das ist die nachste Stufe der Entwickelung, dafi ein solches System,
in welchem von einem Ausgangspunkte aus eine Sonne entsteht, diese
Sonne sozusagen zuerst schwach ist und ihre Planeten hinauswerfen
mufi, damit sie sich selbst weiterentwickeln kann. Sie wird stark,
nimmt ihre Planeten wieder auf, wird zum Vulkan. Und nun lost
sich das Ganze auf, und es wird aus der Vulkankugel nachher eine
Hohlkugel, es wird dann eben etwas Ahnliches, wie es dieser Reigen
der Throne, Cherubim und Seraphim ist. Es wird also die Sonne sich
auflosen, ins Universum hinaus sich hinopfern, ausstrahlen ihre We-
senheit. Und dadurch wird sie selbst ein Reigen von solchen Wesen-
heiten, wie die Seraphim, Cherubim und Throne es sind, der nun
zum neuen Schaffen im Weltall fortschreitet.
Warum konnen die Throne aus ihrer Substanz heraus dasjenige
abgeben, was der Saturn braucht? Weil die Throne sich vorbereitet
haben in einem fruheren System durch solche sieben Zustande hin-
durch, wie unser Sonnensystem es jetzt durchmacht. Bevor etwas
ein System wird von Thronen, Cherubim, Seraphim, muE es ein
Sonnensystem gewesen sein; das heifit, wenn eine Sonne so weit ist,
dafi sie sich mit ihren Planeten wieder vereinigt hat, dann wird sie
Umkreis, dann wird sie selber ein Tierkreis. Das, was wir im Tierkreis
kennengelernt haben, diese erhabenen Wesenheiten, sind die Reste,
die uns herubergekommen sind aus einem alten Sonnensystem. Was
fruher innerhalb eines Sonnensystems sich entwickelt hat, das kann
jetzt herunterwirken aus dem Weltenraum und kann selber ein neues
Sonnensystem aus sich gebaren und schaffen. Deshalb sind diese
Wesenheiten, die Seraphim, Cherubim, Throne, fur uns zunachst die
hochste Hierarchie unter den gottlichen Wesenheiten, weil sie ihre
Sonnensystem-Entwickelung bereits durchgemacht haben und zum
grofien kosmischen Opferdienst aufgestiegen sind.
Diese Wesenheiten sind dadurch erst in wirklich unmittelbare
Nahe gekommen der hochsten Gottlichkeit, von der wir zunachst
uberhaupt sprechen konnen, der Trinitat, der dreif achen Gottlichkeit.
Jenseits also der Seraphim haben wir zu sehen jene hochste Gottlich-
keit, welche Sie bei fast alien Volkern finden als die dreifache Gott-
lichkeit, ausgedriickt als Brahma, Shiva, Vishnu, als Vater, Wort und
Heiliger Geist. Dieser hochsten Gottlichkeit, der obersten Dreieinig-
keit, entspringen gleichsam die Plane zu einem jeden neuen Welten-
system. Blicken wir zuriick zum alten Saturn, so sagen wir uns:
Bevor irgend etwas ins Dasein getreten ist von diesem alten Saturn,
ist in der gottlichen Dreieinigkeit der Plan erwachsen. Aber diese Drei-
einigkeit braucht Wesenheiten zur Ausfiihrung des Planes. Diese
Wesenheiten mxissen sich erst reif machen dazu. Die ersten Wesenhei-
ten, die urn die Gottheit sozusagen selber sind, die, wie man es schon
ausgedriickt hat in der christlichen abendlandischen Esoterik, «un-
mittelbar den Anblick Gottes geniefien», das sind die Seraphim, Che-
rubim, Throne. Die nehmen nun die Plane eines neuen Weltensy-
stems entgegen von der gottlichen Dreieinigkeit, der sie entspringen.
Es ist das naturlich, Sie verstehen, meine lieben Freunde, mehr bild-
lich gesprochen als wirklich, denn wir miissen mit menschlichen
Worten solch erhabene Tatigkeiten ausdriicken, fiir die menschliche
Worte wahrhaftig nicht geschaffen sind. Menschliche Worte sind
nicht da, um solch hohe Tatigkeit auszudriicken, durch die zum
Beispiel am Beginn unseres Sonnensystems die Seraphim entgegen-
nahmen die hochsten Plane der gottlichen Dreieinigkeit, die da ent-
halten, wie sich unser Sonnensystem durch Saturn, Sonne, Mond,
Erde, Jupiter, Venus und Vulkan hindurchentwickeln soli. Seraphim
ist ein Name, der von all denen, die ihn richtig im Sinne der alten
hebraischen Esoterik selbst verstanden haben, immer so gedeutet
worden ist, daft die Seraphim die Aufgabe haben, die hochsten Ideen,
die Ziele eines Weltensystems entgegenzunehmen aus der Trinitat.
Die Cherubim, die nachstniedrige Stufe der Hierarchie, haben die
Aufgabe, in Weisheit nunmehr auszubauen die Ziele, die Ideen, die
von den hochsten Gottern entgegengenommen werden. Die Cheru-
bim sind also Geister hochster Weisheit, die in ausfuhrbare Plane
dasjenige umzusetzen verstehen, was ihnen angegeben wird von den
Seraphim. Und die Throne hinwiederum, der dritte Grad der Hierar-
chie von oben, der hat die Aufgabe, nunmehr, naturlich sehr bildlich
gesprochen, Hand anzulegen, damit das, was in Weisheit ausgedacht
ist, damit diese hehren Weltengedanken, die die Seraphim von den
Gottern empfangen, die die Cherubim durchgedacht haben, in
Wirklichkeit umgesetzt werden.
Wir sehen formlich, wenn wir nur mit der Seele sehen wollen, wie
durch das Herunterfliefien der Feuersubstanz durch die Throne die
erste Stufe der Verwirklichung der gottlichen Plane geschieht. So
stellen uns die Throne diejenigen Wesenheiten dar, die die Kraft
haben, das zunachst durch die Cherubim Ausgedachte umzusetzen
in eine erste Wirklichkeit. Das geschieht, indem diese Throne hinein-
fliefien lassen in den Raum, der sozusagen in Aussicht genommen
worden ist fur ein neues Weltensystem, ihre eigene Substanz, die
Substanz des urspriinglichen Weltenfeuers. Wenn wir uns das recht
bildlich vorstellen wollen, so konnen wir sagen: Ein altes Sonnensy-
stem ist verschwunden und verklungen; innerhalb dieses alten Son-
nensystems sind herangereift zur hochsten Reif e der Reigen der Sera-
phim, Cherubim, Throne. Nun suchen sich diese nach den Angaben
der hochsten Dreieinigkeit einen Kugelraum im Weltenraum aus und
sagen sich, hier wollen wir beginnen. Und jetzt nehmen die Seraphim
die Ziele des Weltensystems entgegen, die Cherubim arbeiten dieses
Ziel aus, und in diesen Kugelraum lassen fliefien aus ihrer eigenen
Wesenheit heraus die Throne das Urf euer. So haben wir den Anfang
unseres Weltensystems erfafk.
Aber es sind nun auch noch andere Wesenheiten in einer gewissen
Weise schon dabeigewesen bei dem friiheren Sonnensystem, dessen
Nachfolger das unsrige ist. Diese Wesenheiten sind nur nicht so hoch
gestiegen wie die Seraphim, Cherubim, Throne; sie sind auf niedrige-
rer Stufe stehengeblieben, sind so herubergekommen, da!5 sie selber
noch eine gewisse Entwickelung durchmachen miissen, bevor sie
schopferisch tatig sein konnen, bevor sie Opfer bringen konnen.
Diese Wesenheiten sind nun die Wesenheiten der zweiten dreigliede-
rigen Hierarchic Die erste dreigliederige Hierarchie haben wir so-
eben betrachtet. Die Wesenheiten der zweiten sind diejenigen, deren
Namen wir auch schon angefuhrt haben: die Kyriotetes oder Herr-
schaften oder Dominationes oder auch Geister der Weisheit, dann
die sogenannten Machte oder Dynamis, wie sie Dionysius der Areo-
pagite nennt und nach ihm die Lehrer des Abendlandes Virtutes,
Tugenden. Das ist die zweite Stufe der zweiten Hierarchie. Und die
dritte Stufe sind die sogenannten Gewalten. Es sind die Geister der
Form, die auch genannt werden von den Lehrern des Abendlandes
Potestates, das ist Gewalten.
Nun wollen wir uns einmal fragen: Wenn wir auf den alten Saturn
zuriickblicken, wo sind denn nun, nachdem wir gesehen haben, dafi
die erste Hierarchie im Umkreis des Saturn ist, die Wesenheiten
dieser zweiten Hierarchie? Wo haben wir die Herrschaften, die
Machte, die Gewalten zu suchen? Wir haben sie innerhalb des alten
Saturn zu suchen. Wenn die Throne sozusagen gerade bis an die
Grenze heranreichen, so haben wir innerhalb des alten Saturn die
Herrschaften, Machte und Gewalten. Also im alten Saturn, in seiner
Masse drinnen, wirken wiederum wie drei Reigen die Gewalten, die
Machte, die Herrschaften. Sie sind innerhalb der Saturnsubstanz
wirkende geistige Wesenheiten.
Jetzt wollen wir uns einmal ein wenig verstandigen mit der so
aufierordentlich phantastischen modernen Weltentstehungstheorie,
indem wir uns noch einmal vor Augen fiihren, was diese als Kant-
Laplacesche Theorie hingestellt hat. Eine Nebelmasse hat sie hinge-
stellt als Ausgangspunkt fur unser Sonnensystem, und nun stellt sich
ja diese Kant-Laplacesche Theorie vor, dafi diese ganze Riesengasmas-
se anfangt, sich herumzudrehen, herumzuwirbeln. Bekanntlich findet
sie das aufierordentlich einleuchtend, dafi, wenn sich das herumdreht,
sich nach und nach die aufieren Planeten abspalten. Zuerst werden
es Ringe, die ziehen sich dann zusammen; in der Mitte bleibt die
Sonne und die anderen rotieren urn sie herum. Sie stellt sich das ganz
mechanisch vor. Nun, nicht wahr, es wird ein sehr niedliches Schulex-
periment zur Verdeutlichung dieser Sache gemacht. Man zeigt, wie
im kleinen ein solches Sonnensystem gebildet wird. Man nimmt ein
Gefafi mit Wasser, nimmt einen grofien Oltropfen, dann schneidet
man, so dafi man die Grofie des Aquators ins Auge falk, ein Karten-
blatt, steckt es in der Aquatorrichtung durch und von oben eine Steck-
nadel hinein. Dann bringt man diesen Oltropfen zur Rotation. Es
spalten sich kleine Tropfchen ab und kreisen herum, und da sagt
derjenige, der das den Schulern vorgefuhrt hat, manchmal recht alten
Schulern: Nun seht einmal, da habt ihr die Entstehung eines Welten-
systems im kleinen! - Und es leuchtet das sofort ein. Denn was sollte
mehr einleuchten, als wenn man mit seinen Augen sieht, wie ein
solches Sonnensystem entsteht? Warum sollte man nicht begreifen,
dafi da draufien einmal ein Riesenweltennebel war und sich gedreht
hat und dafi sich Planeten abgetrennt haben wie die Tropfchen, die
Miniatur-Merkure und -Saturne von dem grofien Oltropfen? Man
mufi allerdings ein wenig uber die Naivitat, mit der da vorgegangen
wird, staunen. Denn die Betreffenden, die also das Kant-Laplacesche
System recht begreiflich zu machen versuchen, die vergessen dabei
nur eins, was sonst ja ganz gut ist zu vergessen, aber in diesem Falle
geht es halt nicht - sie vergessen namlich sich seibst, sie vergessen, dafi
sie dagestanden und erst gedreht haben. Das ist naturlich eine unglaub-
liche Naivitat, aber die Naivitat der modernen materialistischen My-
thologie ist eben sehr grofi, grofier als die irgendeiner anderen Mytho-
logie war. Das werden erst zukunftige Zeiten einsehen. Also, es ist da
einer, der veranstaltet das Ganze, der dreht das Ganze. Es mufi also
notwendig, wenn man iiberhaupt denken kann, wenn man nicht ver-
lassen ist von alien guten Geistern der Logik, vorausgesetzt werden,
dafi geistige Machte beteiligt sind da draufien bei der Drehung der
Weltenkorper. Wenn man also schon absehen will von dem Fehler, dafi
ein Urgas an die Stelle des Urfeuers gesetzt wird, so darf man doch
nicht voraussetzen, dafi diese Gasmasse von selber anfangt herumzu-
wirbeln. Man mull fragen: Wo sind die geistigen Krafte und Machte,
die diese Masse, also fur uns die Masse des Urfeuers, in Bewegung
versetzen, so dafi drinnen etwas geschieht? Wir haben sie jetzt aufge-
zahlt: Aus der Umgebung und im Innern arbeiten die geistigen Krafte.
Die da ringsherum sind, die Wesenheiten, die ihre Fahigkeiten erwor-
ben haben in friiheren Systemen, die arbeiten von aufien; da drinnen
sind Wesenheiten von geringerer Reife, die nun im Innern die Masse
differenzieren, die das hervorbringen, was wir im Auge hatten, als
wir sagten, dafi da drinnen Gebilde von Warme entstehen und so
weiter. Es sind das Wesenheiten von hochster Intelligenz, die alles
das anordnen, was da geschieht.
Was fur eine Auf gabe haben zunachst die ersten Wesenheiten dieser
zweiten Hierarchie? Die Herrschaften oder Dominationes nehmen
dasjenige, was die Throne sozusagen aus dem Universum herunter-
bringen, zunachst auf und ordnen es so an, dafi eine Zusammenstim-
mung stattfinden kann zwischen dem einzelnen Weltenkorper, der
da entsteht, zwischen dem Saturn und dem ganzen Universum. Es
mufi ja im Innern des Saturn alles so angeordnet werden, dafi drinnen
alles dem entspricht, was draufien ist. Es mufi also das, was die Sera-
phim, Cherubim und Throne aus der Hand Gottes herunterbringen
auf den Saturn, so geordnet werden, dafi drinnen diese Befehle ausge-
fuhrt und diese Impulse auch verwirklicht werden. Also es empfangen
die Herrschaften oder Kyriotetes aus dem Umfang des Saturn dasjeni-
ge, was durch die Vermittelung der hochsten Hierarchie herunter-
kommt, um es umzugestalten, dafi es in den Saturn hineinpafit.
In einer weiteren Art wird das umgearbeitet, was die Herrschaften
entgegennehmen, durch die Machte, Dynamis. Und zwar geschieht
das so, daft, wenn die Herrschaften innerhalb des Saturn gleichsam
die obersten Anordnungen treff en, die Machte nunmehr die nachste
Ausfuhrung dieser Anordnungen ubernehmen. Die Gewalten dage-
gen, die sorgen dafur - wir werden noch genauer dariiber sprechen,
wir wollen jetzt nur im grofien die Sache charakterisieren -, dafi
dasjenige, was also gebaut worden ist nach der Absicht des Univer-
sums, Bestand hat, solange es notwendig ist, dafi es also nicht sogleich
wieder zugrunde geht. Sie sind die Erhalter. So haben wir in den
Herrschaften die Anordner innerhalb des Saturn, in den Machten
haben wir diejenigen, die diese Anordnungen zunachst ausfiihren,
und die Gewalten sind die Erhalter dessen, was die Machte also
gebaut haben.
Nun wollen wir heute einmal davon absehen, wie die nachste
Hierarchie, von der wir ja auch schon gesprochen haben, arbeitet,
die Geister der Personlichkeit, die Feuergeister und die Engel. Wir
wollen aber heute noch mit den neu gewonnenen Erkenntnissen den
Ubergang vom alten Saturn zur alten Sonne einmal in Betracht ziehen.
Ich habe Ihnen ja die wesentlichen Vorgange bereits gestern beschrie-
ben. Was da geschieht, wenn der alte Saturn Sonne wird, ist, dafi das
Urfeuer nun iibergeht in den Gas- oder Luftzustand, so dafi also die
alte Sonne aus dem besteht, was man nennt den Rest des gebliebenen
Urfeuers. Hineingemischt und untermischt ist dieses Urfeuer jetzt
mit dem, was sich verdichtet hat zu Gas oder Rauch. Also zwei
Substanzen sind da vorhanden: Urfeuer und ein Teil des Urfeuers,
verdichtet zu Gas oder Rauch oder Luft - wie Sie es nennen wollen.
Das gilt im wesentlichen fur die alte Sonne. Wir werden schon sehen,
dafi es anders geworden ist bei unserer Sonne; die hat sich bis heute
durch Zwischenzustande zu etwas anderem entwickelt, obwohl es
Leute gibt, die da behaupten, dafi das Innere unserer Sonne heute
auch blofi eine Art von Gas sei.
Wenn Sie aber sich iiberhaupt ein klein wenig einlassen auf allerlei
Theorien, zu denen unsere materialistische Naturwissenschaft
kommt, da werden Sie, wenn Sie das denkend tun, iiberhaupt rechte
Wunder erleben. So findet sich ein populares Buchelchen, das durch
seine Billigkeit viel gekauft wird, worin behauptet wird von der heuti-
gen Sonne, sie musse in der Mitte nicht etwas Festes haben, sondern
eben Gas. Nur sei dieses Gas - man sollte es eigentlich nicht glauben,
aber es steht in einem popularen Schriftchen - so dick wie Honig
oder Teer. Nun, demjenigen, der sich zu der Anschauung auf-
schwingt, dafi ein Gas unter Druckverhaltnissen wie Honig oder Teer
aussieht, dem will ich zwar gerne gonnen, dafi er in einem solchen
Schlaraffenland wandeln kann, wo er sich in einer Luft bewegt, die
aus Honig besteht, und will ihm nicht wunschen, sich in einer Luft
bewegen zu miissen, die so dick ist wie Teer. Solche Auswiichse der
materialistischen Theorie gibt es.
Also wir sprechen nicht von unserer heutigen Sonne, sondern von
jener alten Sonne, die wirklich besteht aus dem Urfeuer und aus
dem, was man nennt Feuernebel oder Feuerluf t. Sie finden im «Faust»
den Ausdruck, weil Goethe ihn sehr gut kannte, und in der theosophi-
schen Literatur finden Sie den Ausdruck Feuernebel durchaus vertre-
ten. Also aus einem Gemisch dieser beiden Substanzen miissen wir
uns diese alte Sonne denken. Das ist aber nicht von selbst
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